eee * 1 0 1 1 1 23 1 1 15 0 1 ..——— — 2 4 242 2 13 ei 80 troffen sei. Die Tätigkeit der türkischen Geschtze war in 5 letzten Wochen eine lebhaftere geworden, und schließlich war es schweren Verlusten behauptet hatte. abgeschlagen wohl als selbstverständlich betrachten, daß der Abzug auch aus Ihnen nur eine Frage kürzester Zeit sein wird. Dann ist die ge— samte Dardanellenhalbinsel frei vom Feinde. Als am 19. Februar die erste Beschießung der Dardanellen⸗ forts durch die englisch-französische Flotte begann, habe ich sofort geurteilt, daß ein Schiffsangriff allein nie zum Ziele führen! werde. Zudem war er zu spät und mit gänzlich unzureichenden Eine Schwarzwälder Dorfgeschichte von Berthold Auerbach. auf dem Flur stehen. in den Stall gegangen?— Sie d ische Volkszeitung Organ für die Interessen des werktätigen Volles der 8 Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Die Oberhessische Volkszeitung erscheint jeden Werktag 2 i Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfa, 80 5 0 Pig. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl. 1.80 Mk. g Redaktion und Expedition Giesten, Bahnhofstraste 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. f Inserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 303 Gießen, Montag, den 27. Dezember 1915 Die Eutwitkelung des Krieges auf dem Balkan. Von Richard Gädke. Die Nachricht, daß die Liquidierung des Dar 8 nehmens seitens der Engländer begonnen hat, n überraschend. Die Presse des Vierverbandes hatte mehrfach darauf vorbereitet: sie selbst hatte die Verbreitung der Gerüchte sich angelegen sein lassen, daß deutsche und österreichische schwere Ar⸗ tillerie mit reichlichem Schießbedarf auf den Dardanellen schwer zu glauben, daß die Kräfte des Vierverbandes stark 1 se würden, zu gleicher Zeit das Unternehmen von Salonikf und von Gallipoli mit Nachdruck durchzuführen. Früher oder später erwartete man also den Abzug des Dardauellenheeres von der Halbinsel, an deren Strand es sich mit Mühe und Not und unter Soweit man die Vorgänge des 19. Dezember nach den bisher vorliegenden Nachrichten beurteilen kann, ist die Einschiffung des Landungsheeres an der Suvlabucht und beim Ari Burun frei⸗ willig von den Engländern begonnen und unter dem Schutze eines dichten Nebels anfänglich unbemerkt von den Türken durchgeführt worden. Um deren Ausmerksamkeit von dem sehr schwierigen Unternehmen abzulenken, ist von der dritten Landungsstelle an der äußersten Südspitze der Halbinsel, also von Sedd⸗ül⸗Bahr aus ein starker Angriff gegen die so oft und so heiß umstrittenen Höhen von Krithia unternommen worden. Man hat den Eindruck, daß die englische Heeres⸗ und Flottenleitung nicht ohne Geschick verfahren ist. Erst als ein beträchtlicher Teil des Heeres, teils bereits eingebootet, teils im Abzuge begriffen war, wurde die Tätigkeit des Gegners in den türkischen Laufgräben be⸗ merkt— vielleicht, weil der Nebel inzwischen lichter geworden war — und nun sofort ein starker Angriff auf die englischen Nachhuten ins Werk gesetzt. Hierbei ist es zu harten Kämpfen gekommen, in denen diese unter großen Verlusten allmählich bis an das Meer zu⸗ rückgedrängt wurden. Die türkischen Berichte sagen noch nicht, daß dem abziehenden Feinde auch seine letzten Deckungsstellungen fort⸗ genommen worden sind. Doch darf man ohne weiteres aunehmen,! daß inzwischen auch sie so oder so geräumt wurden. Daß die Eng⸗ länder hierbei noch werden mehr Haare gelassen haben, ist gleich⸗ falls wahrscheinlich, wenn man auch mit dem Eingreifen der ge⸗ samten zur Stelle befindlichen Flotte und ihrer geschütze rechnen muß. Der Angriff von Sedd⸗ül⸗Bahr aus ist natürlich, wie immer, worden. Ihre ursprünglichen Stellungen aber] scheinen die Landungstruppen einstweilig behauptet zu haben, da der türkische Bericht ihre Eroberung nicht erwähnt. Man darf es schweren Schiffs⸗ Kräften unternommen worden. Die allmähliche Verschärfung der Seestreitkräfte durch einzelne Schiffe neuester Bauart und Größe diente nur dazu, die Verluste des Angreifers zu vermehren. Man Höhenstellu hatte wohl anfänglich mit dem moralischen Eindruck der Be⸗ schießung gerechnet und gehofft, daß sie die Politik der Balkanvölker zugunsten des Dreiverbandes beeinflussen werde. Auch scheint es fast, daß man eine stärkere Unterstützung von Norden her, gegen den Bosporus, durch die russische Flotte und das russische Heer vorausgesetzt hatte. Da aber der materielle Erfolg gänzlich aus⸗ blieb, und das Unternehmen so kläglich scheiterte, wandte sich der moralische Eindruck gegen unsere Feinde, die auch die der Türkei waren. Dazu kam, daß der Beitritt Italiens zum Dreiverbande auf Griechenland und Bulgarien, die Enthüllung der politischen Ziele auch auf Rumänien nicht anfeuernd, sondern abschreckend wirkte. Die Einbuße an moralischem Ansehen bewog nun den Drei— verband zu dem Versuch, den Mißerfolg durch den Einsatz eines starken Landungsheeres doch noch auszugleichen, obwohl man sich sagen mußte, daß das Unternehmen inzwischen gegen die besser vor⸗ bereitete und stärker gerüstete Türkei aussichtsloser geworden sei. starken Heere dem asiatischen wie dem europäischen Ufern der Dar⸗ danellen. Unter dem Feuer der Schiffsgeschütze gelang die Land⸗ ung an zwei Punkten des europäischen Ufers: bei Sedd⸗ül⸗Bahr— wo die alten türkischen Vesten zusammengeschossen waren.— und bei Kaba Tepe(Ari Burun), wo es leine Verteidigungsanlagen gab; er mißglückte gänzlich an den anderen Stellen. gelandeten Truppen konnten sich nur unter- perlustreichen, dauern⸗ den Kämpfen, wenige Kilometer vom Meeresstrand entfernt, müh⸗ selig behaupten. Die Höhenstellungen selbst blieben fest in der Hand der Türken, so oft sie auch bestürmt wurden. Den Franko⸗ Engländern sind in dem achtmonatlichen Feldzuge keine weiteren Lorbeeren beschieden gewesen. So entschloß sich der Vierverband, neue strake Streitkräfte zu fend die maber dann notweundigerweis 1 t enden Kriegsschauplatze in Flander 5 Bündnis mit der Türkei begann sich schon damals für Deutse land nutzbringend zu gestalten. Am 6. August geschah die eue Landung nördlich von Ari Burn, in der Sunla⸗Bai; sie war gut und überraschend vorbereitet und glückte zunächst; aber die Heeres⸗ leitung wie die Truppe erwies sich als unzulänglich. den über⸗ raschenden Angriff bis zur Enbscheidung durchzuführen. Ihre g bei Anasorta bewachten die Türken mit unerschütter⸗ licher Tapferkeit und verhinderten daonnzt den Rückenangriff gegen die Küstenwerke von Maidos und Kilid Bahr, ja sie rückten all⸗ mählich dem Landungsheere näher und näher auf den Leib. Als sie mit Geschützen und Schießbedarf genügend versehen waren, wurde deren Lage bedrohlich.. Nach türkischer Quelle und auch nach Kritiken englischer Zeitungen wären auf Gallipoli im Laufe der Zeit insgesarnt 500 000 Mannm eingesetzt worden, die zuletzt 50 Prozent, d. h. 250 000 Mann, Verluste an Toten, Verwundeten, Gefangenen und Kranken gehabt hätten. Da die Kämpfe andauernd und heftig waren, und das Klima für Europäer sehr ungünstig ist, die Wasserversorgung üußerst mangelhaft war, so haben diese Angaben nichts Unwahr⸗ scheinliches, wenn wir sie auch nicht nachprüfen können. Die Riich wirkung auf die islamitische Welt wird eine gewaltige sein, das Ausehen des Khalisen in Konstantinopel außerordentlich steigen. Große türkische Streitkräfte wenden für andere Verwendung frei, die deutschen Unterseeboote und Torpedoboote im Mittelmeer finden nun auch in den Dardanellen einen sicheren Rückhalt. N Ct h fehlte Am 25. April nahte sich eine mächtige Transportflotte mit einem Aber auch die 10. Jahrgang Die englischen Streitkräfte von Gallipoli sollen nach einem enderen Kriegsschauplatze überführt werden, so hat Asquith im Unterhause erklärt. Wir werden bald erfahren, wohin. Sollten sie zur Verstärkung der Salonikier-Armee dienen, so werden die Verhältnisse auf dem Balkan umso spannender werden. 5 Bisher war dieses Unternehmen seitens des Vierverbasthes ebenso zeufahren, so zögernd und unentschlossen eingeleitet, wie der Angriff auf die Dardanellen. Um den Serben zu helfen, kamen die Truppen des Generals Serrail zu spät und zu wenig zahlreich. Verhältmismäßig geringe Streitkräfte der Bulgaren genügten, sie nördlich der Tschrnarjeka aufzuhalten und gleichzeitig die serbische Südarmee um Monastir zu bedrängen. b So wurde der richtige Plan berbefehlshabers, nach Süden über Leskovge und des serbischen durch den Katschanik⸗Paß durchzubrechen, zur Erfolglosigkeit ver⸗ urteilt. Als dann das serbische Heer versprengt war, gingen die rasch verstärtten Bulgaren in Südmazedonjen ihrerseits zu beiden Seiten des Wardar zum Angriff über. In harten Kämpfen vom 2. bis 14. Dezember warfen sie Engländer und Franzosen über die griechische Grenze zurück und fügten ihnen beträchtliche Verluste , die zwischen 20000 und 35000 Mann betragen haben sollen. Bisher hat sich das Entente⸗Heer zu einer Wiederaufnahme des Angriffs nicht entschließen können; es verschanzt sich vielmehr 2 bis 3 Lilometer südlich der serbischen Grenze in der Linie Kilindar löstlich des. Wardar)—Majadag(westlich des Wardar) und ver⸗ handelt mit den Griechen über die Befestigung von Saloniki: Man csollte meinen, daß die politische wie militärische Lage auch an dieser Stelle einer baldigen Lösung entgegendrängt. ö 0 f ** 5 * 2 Millionen Engländer in Flaudern Zürich, 24. Dez. Der Neuen Zürcher Zeitung wird aus Ahisterdam gemeldet: hatte Kitchener die Versicherung abgegeben, daß Mitte Mätz 1% bis 2 Millionen Engländer in Flandern stehen werden. Abzug von Gallipoli 5 Sofia, 24. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich) Es heißt, daß die Alliierten die von den Dardanellen vertriebenen Truppen bei Kavalla zzu landen versuchten. Der Komman⸗ dant von Kavalla gestattete jedoch die Landung mit dem Hin⸗ weis darauf nicht, daß er keine derartige Anweisung besitzs. Friedensvermittler Ford reist nach Amerika zurück. Christiania, 24. Dez. Das hiesige Morgenbladet bestätigt daß Ford gestern von Bergen nach Amerika zurückreiste. Die Wahlen in Luxemburg. Luxemburg, 24. Dez. Ergebnis der heutigen Kammerwahlen stellt sich wie folgt: Rechtspartei 25 Sitze, die Partei gewinnt sieben und verliert zwei Sitze; Blockparteien(Liberale, Sozialisten und Unab⸗ hängige) 27 Sitze, was einen Verlust von sieben Sitzen und einen Gewinn von zwei Sitzen bedeutet. Die Mehrheit der Blockparteien ist von 12 auf 2 Stimmen gesunken. Barfüßele. 32 „O lieber Gott,“ sagte Barfüßele,„wie glücklich ist doch so ein Kind aus so einem Haus“ l „Bist du neidisch?“ fragte die Bäuerin, und im An⸗ denken, daß sie das alles einer Armen zeige, setzte sie hinzu: „Glaub' mir, das viele Sach' macht es nicht aus; es sind viele glücklicher, die keinen Strumpf von den Eltern be⸗ kommen.“ b 1 5 „Jawohl, das weiß ich und bin auch nicht neidisch um das viele Gut, weit eher darum, daß Euer Kind Euch und so vielen Menschen danken kann für das Gute, was es von ihnen hat. Solche Gewänder von der Mutter müssen doppelt warm ten.“ 7 7 4 Die Bäuerin zeigte ihr Wohlgefallen an Barfüßele da⸗ durch, daß sie ihr das Geleite gab bis vor den Hof, ebensogut als einer, die acht Roßköpfe im Stall hatte. a. Es tummelte sich schon alles wild durcheinander, als Amrei auf den Tanzboden kam. Sie blieb zuerst schüchtern f Wo ist denn die Kinderschar, die sonst sich hier tummelte und die Vorfreude des künftigen Lebens im Vorhof genoß? Ach freilich, das ist ja jetzt von der hohen Staatsregierung verboten; das Kirchen⸗ und Schulamt hat die Kinder verbannt, daß sie nicht zusehen dürfen oder gar sich selbst nach den Tanzweisen drehen, wie einst noch in der Kinderzeit Amreis Es ist das auch einer jener rünen Tisch. J a 5 9 Auf 10 leeren Flur, über den nur manchmal einer hin und her eilt, wandelt der- Landjäger einsam auf und ab. Als der Landjäger Amrei so daherkommen sah, lauter Licht im Angesicht, ging er 10 1 1 1 sagte: „Guten Abend, Amrei! So! komm 92 5. Amrei schauderte zusammen ien ee A sie etwas Straffälliges getan? ee n e wußte nichts, und er tat doch so vertraut, als ob er sie schon stillen Mordanschläge vom wie widerte endlich:„Dank' schön, ich weiß nichts wir uns duzen. Wollt Ihr was?“ „Oho, wie stolz, ich fress' dich nicht, darfst mir ordentlich Antwort geben. Warum bist denn so bös? Was?“ Ich bin nicht bös, ich will niemand was zuleid' tun, ich bin halt ein dummes Mädle.“ „Stell' dich nicht so duckmäuserig.“ „Woher wisset Ihr denn, was ich bin?“ „Weil du so mit dem Licht flankierst.“ Was? Wo? Wo hab' ich mit dem Licht flankier!? nehm' immer eine Laterne, wenn ich in den Stall gehe.“ Der Landjäger lachte und sagte:„Da, da, mit deinen braunen Guckerle, da flankierst du mit dem Licht; deine Augen, die sind ja wie zwei Feuerkugeln.“ „Gehet aus dem Weg, daß Ihr nicht anbrennet, Ihr könntet in die Luft fahren mit Eurem Pulver da in der Patrontasche.“ „Es ist nichts drin,“ sagte der Landjäger in Verlegen— heit, um doch etwas zu sagen.„Aber mich hast du schon ver⸗ sengt.“ „Ich sehe nichts davon, es ist alles noch ganz. Lasset mich gehen.“ „Ich halt' dich nicht, du Krippenbeißerle, du könntest einem, der dich gern hat, das Leben sauer machen.“ „Braucht mich niemand gern zu haben,“ sagte Amrei und riß sich los, als wäre sie plötzlich von Ketten befreit. Sie stellte sich unter die Tür, wo noch viele Zuschauer sich zu⸗ sammendrängten. si davon, daß Ich Es ist ge⸗ nug! Eben begann wieder ein neuer Tanz, sie wiegte sich auf dem Platze nach dem Takte hin und her; das Gefühl, einen abgetrumpft zu haben, machte sie neu lustig, sie hätte es mit der ganzen Welt aufgenommen und nicht nur mit einem einzigen Landjäger. Dieser war aber auch bald wieder da, er stellte sich hinter Amrei und redete allerlei zu ihr; sie gab keine Antwort und tat, als ob sie gar nichts hörte; sie nickte den Vorübertanzenden zu, als wäre sie von ihnen begrüßt worden. Nur als der Landjäger sagte:„Wenn ich heiraten dürfte, dich tät' ich nehmen,“ da sagte sie: „Was nehmen? Ich geb' mich aber nicht her.“ Der Landjäger war froh, wenfastens wieder eine Ant— einmal transportiert hätte. In diesen Gedanken fte 5 schaudernd da, als müßte sie eine Verbrecherin sein, un wort zu haben, und fuhr fort: „Wenn ich nur mit dir machen.“ „Ich kann nicht tanzen,“ sagte Amrei. 8 7 Eben schwieg die Musik, und Amrei stieß die vorderen mächtig an, drängte sich hinein, um ein verborgenes Plätz⸗ chen zu suchen; sie hörte nur noch hinter sich sagen:„Die kann tanzen, besser als eine landauf und landab.“ Nur ein einziger Tanz. 5 Der Krappenzacher reichte Barfüßele von der Musfil⸗ bühne herab das Glas. Sie nippte und gab es zurück, und der Krappenzacher sagte:„Wenn du tanzest, Amrei, da spiele ich alle meine Instrumente durch, daß die Engel vom Himmel herunterkämen und mittäten.“ 85 „Ja, wenn kein Engel vom Himmel herunberkommt und mich auffordert, werde ich keinen Tänzer kriegen,“ sagte Amrei halb spöttisch, halb schwermütig, und jetzt dachte sie darüber nach, warum denn ein Landjäger beim Tanze sein müsse. Sie hielt sich aber bei diesem Gedanken nicht auf und dachte gleich weiter: er ist doch auch ein Mensch wie andere, wenn er auch einen Säbel um hat, und bevor er Landjäger worden ist, war er doch auch ein Bursch wie andere, und es ist doch eine Plag' für ihn, daß er nicht insttanzen darf. Aber was geht das mich an? Ich muß auch zugucken und ich krieg' kein Geld dafür. 5 Eine kurze Weile ging alles viel stiller und gemäßigker auf dem Tanzboden her, denn„die englischo Frau“, so hieß im Dorfe und in der ganzen Umgegend noch immer Agy, die Frau des Oberbaurats Severin, war mit ihren Kindern aus den Tanz gekommen. Die vornehmen Holzhändler ließen Champagner knallen und brachten der Engländerin ein Glas, sie trank auf das Wohl des jungen Paares und wußte dann jeden durch ein huldvolles Wort zu beglücken. In den Mie— nen aller Anwesenden stand ein stetiges. wohlgesällices Lächeln. Agy tat manchem Burschen, der im blumenbekränz⸗ ten Glase zutrank, mit Nippen Boscheid, und die alten Weiher in der Nähe Barfüßeles wußten viel Lob von der englischen Frau zu sagen und waren schon lange autfgestanden, ehe sin einmal tanzen dürfte, ich tät' gleich einen sich ihnen nahte und ein paar Worte mit ihnen sprach. Und als Agy weggegangen war, brach der Jud Tensen U r Macht los. und Stampfen und Jauchzen mit neus (Nortsetzung folgt! Bei seinem letzten Besüche in Paris (W. T. B. Nichtamtlich) Das Hessen und Nachbargebiete. Gießen und umgebung — Ausere Parteipresse leidet unter dem nun bald an⸗ derthalbjährigem Kriegszustand ganz erheblich. Viele Tau⸗ jende ihrer Leser sind zum Heere eingezogen und ihr dadurch verloren gegangen. Trotz der ungünstigen, Umstände miissen unsere Genossen nach Möglichkeit dafür sorgen, daß die Lücken ausgefüllt werden. Das ist sehr wohl möglich, da immer noch viele Arbeiter zu Hause, die das Parteiblatt noch nicht halten und als Leser gewonnen werden können. Ist auch gegen⸗ värtig durch die Zensurverhältnisse die freie Aussprache be⸗ hindert, darf auch manches nicht gesagt werden, was die Ar⸗ beiterschaft öffentlich ausgesprochen wissen möchte, so müssen wir doch stets die Stärkung unserer Presse im Auge behalten, die das richtigste und wirksamste Mittel für die Verbreitung unserer Grundsätze und für Wahrung der Interessen der arbeitenden und minderbemittelten Bevölkerung. Suche des⸗ halb jeder in seinen Bekannten⸗ und Kollegenkreisen neue Leser für die Oberhessische Volkszeitung zu gewinnen! — Die Weihnachtsfeiertage gehören nun auch der Ver⸗— gangenheit an. Von den vielbesungenen„fröhlichen Weih⸗ nachten“ war diesmal nichts zu bemerken, für sehr viele Menschen wird das Fest im Gegenteil ein sehr trübseliges gewesen sein, trübselig, wie das Wetter war. Höchstens wer⸗ den die Zeitgenossen ein fröhliches Fest gefeiert haben, welche die jetzigen Verhältnisse dazu benutzen, ihre Mitmenschen auszuwuchern und reichliche Profite einzuheimsen. Und deren sind es gar nicht wenige. Sie sind es, die mit zu⸗ friedenem Schmunzeln auf den Verlauf des Jahres blicken und Tausende auf Tausende häufen können, während die große Masse der arbeitenden Bevölkerung noch nicht mal in der Lage war, sich eine festtägliche Mahlzeit zu leisten. Sicher gab es in vielen Familien kein Stückchen Feiertagskuchen! Letzteres war zum Teil dadurch verschuldet, daß es den Bäckereien untersagt war, den in Privathaushalten zu⸗ bereiteten Kuchenteig auszubacken. Wenigstens hätte das Verbot früher bekannt 1 werden müssen, damit sich die Leute darauf einrichten konnten, denn wer das ganze Jahr arbeiten und dabei ohnehin entbehren muß, dem ist wahr⸗ haftig ein Stückchen Kuchen an den Feiertagen zu gönnen! Freilich— wohlhabende Leute werden sich zu helfen gewußt und weiter keine Beschränkungen auferlegt haben, wer aber in seinem eigenen Herd nichts backen konnte, für den gabs eben keinen Feiertagskuchen!— Auch sonst verliefen die Feiertage sehr ruhig, die Straßen waren ziemlich leer, was ja zum Teil durch das regnerische Wetter veranlaßt war. Aber auch die Wirtschaften waren nur schwach besetzt, obwohl die Feierabendstunde für beide Feiertage auf 1 Uhr festgesetzt wurde. — Unaufhötlicher Regen. Ein Weihnachtswetter 0 diesmal, das sich„gewaschen“ hatte. Seit vier Tagen fast un⸗ unterbrochenen Regen, der besonders am Freitag abend und auch am 1. Feiertage in Strömen herniederging. Dadurch hat es wieder Hochwasser gegeben: die Wieseck wälzt ganz gewaltige Wassermassen herein und das Wehr am Clektrizitätswerk ist von der hochgehenden Lahn ganz ausgeglichen. Zwischen Gießen und Wetzlar hat die Lahn die Wiesen auf weite Strecken überschwemmt und ganze Seen breiten sich aus. Die Anhänger des Schlittschuh⸗ und des Rodelsports brauchen deshalb aber noch nicht zu verzagen, der Winter kann noch mehr Frost bringen als uns lieb ist. — Für Eier wurden an den letzten Markttagen Preise ver⸗ langt, die wirklich an das Unmögliche grenzen. 28, ja sogar 30 Pfg. forderte man für ein Stück! Eine derartige Ausbeutung der Konsumenten sollte von den Behörden unbedingt verboten werden, zumal es sicher ist, daß die„Produktionskosten“ gar nicht oder nur so gering gestiegen sind, daß sie gar nicht ins Gewicht fallen können. — Vor den Feiertagen wurde beobachtet, daß in den Butterläden ziemlich viel Butter von auswärtigen Leuten, namentlich Eisen⸗ bahnern gekauft wurde, die sie mit nach Köln und Westfalen nahmen. Das könnte uus ja zlemlich gleichgiltig sein und wir sind gewiß die letzten, die anderen keine Butter gönnten. Aber die Stadt und der Kommunalverband haben sich alle Mühe gegeben, um der Bevölkerung Gießens und des Kreises Butter zu verschaffen und wenn diese jetzt in Mengen nach außerhalb„entführt“ wird, so ist unsere Bevölkerung eben benachteiligt. Die Ausfuhr aus Hessen ist zwar verboten, aber wie man sieht, damit noch nicht verhindert. un. Bellachini⸗Gastspiel. Im Saale des Café Leib gab am J. Weihnachtsfeiertag der auch in Gießen rühmlichst bekannte Hof⸗ künstler Bellachini aus Marburg bei gut besetztem Hause die erste Zauber-Vorstellung und bereitete damit dem allen Darbiet⸗ ungen aufmerksam folgenden Publikum einige genußreiche Stun- den. Obgleich es seitens der Besucher unangenehm empfunden wurde, daß während der Vorstellung kein Restauragtionsbetrieb stattfinden durfte und dem Künstler auch andere Beschränkungen, wie Musikverbot usw. auserlegt worden waren, verstand es Bellachini doch ausgezeichnet, durch erstklassige Darbietungen int seinen prächtigen Humor das Publikum in eine recht rosige Stim⸗ mung zu versetzen. Bellachini ist und bleibt einfach der unerreich— bare, Meister der Handeskamotage, an den Künstler wie Bosco, Melini und Heimbürger, die wir zu sehen Gelegenheit hatten, nicht Un entserntesten heranreichen. Sch 00 die elegante Bühnen— dekoration und prachtvoll in Reusilber g rbeiteten Apparate lassen leinen Zweifel über die Solidität und Vornehmheit des Unter⸗ nehmens aufkommen. Und Vellachinis Leistungen? Die lassen sich einfach nicht beschreiben. Man muß selbst hingehen und sehen, mit hatten wir meisten seiner Programmnummiern steht man vor einem Nätsel, über das man auch mit Hilse der von Bellachini gegebenen„Er⸗ er nicht hinwegkommt. Und während der ganzen Dauer seiner Vorstellung versteht Bellachini so angenehm und humorvoll zu plaudern und das Publikum so trefflich zu unterhalten, daß man, wollend oder nichtwollend, für kurze Zeit all die drückenden Sorgen dieser ernsten Zeit vergißt. Und deshalb können wir den Besuch der Vorstellungen, die heute sowie am 1. und 2. Januar statt⸗ finden, auf das beste empfehlen. Niemand, der dazu in der Lage ist, sollte versäumen, sich Bellachinis Darbietungen anzusehen. Daß er dabei auf seine Kosten kommt, ja, daß seine Erwartungen über⸗ troffen werden, dafür bürgt der gute Ruf dieses hessischen Künstlers. 15 a 125 Von Nah und Fern. Kriegskrantheiten. Der 33 Jahre alte Landwehrmann, Fabrik⸗ aubeiter Hirsch aus Polenz, der seit der letzten Champagneschlacht an Nervenzerrüttung litt, erhängte sich auf der Fahrt von Zittau in Sachsen im Eisenbahnwagen. Sarah Bernhardt, die berühmte französische Schauspieleyin, soll nach Meldung eines englischen Blattes im Sterben liegen. Die Künstlerin ift jetzt über 71 Jahre alt. Verzweiflungstat ciner Mutter. In der Marienburger Straße in Berlin wurde am Donnerstag die Z4jährige Maurersfrau Johanna Gagern und ihre beiden im Alter von zwei und acht Jahren stehenden Töchter tot in ihren Betten liegend aufgefunden. Die Mutter hatte, wie festgestellt wurde, die Gashähne geöffnet und sich mit ihren Kindern durch Gas ums Leben gebracht. Die Veran⸗ laffung zu der Tat, die schon vor einigen Tagen geschehen sein muß, ist in einem Ehezwist zu suchen. C Augtelerictedtz rosen Sutptgnriert Der Hartmanns weilerkopf restlos zurück⸗ gewonnen. Sonst nichts Neues! W. B. Großes Hauptquartier, 24. Dez., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz, Das feindliche Artillerieseuer war stellenweise lebhaft, besonders in den Vogesen. 5 ö Ein nächtlicher Handgranatenangriff gegen unsere Höhenstellung nordöstlich von Souain wurde leicht abge⸗ wiesen. Die Stellung auf dem Hartmanusbweilerkopf ist restlos zurückgewonnen, auch aus den Grabenstücken auf dem Nord⸗ hange des Berges sind die Franzosen vertrieben. Oestlicher und Balkankriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse! Oberste Heeresleitung. * Pe Wet Nichts Neues von Bedeutung. W. B. Großes Hauptquartier, 25. Dez, vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Westlich von La Bassec wurden die feindlichen gegen unsere Stellung vorgetriebenen Minenanlagen durch eine erfolgreiche Sprengung unserer Truppen zerstört. Sonst hat sich nichts von Bedeutung ereignet. et Oestlicher Kriegsschau platz. An verschiedenen Stellen der Front fanden Pakroufllen⸗ gefechte statt. Russische Aufklärungsabteilungen, die an unsere Linie heranzukommen versuchten, wurden abgewiesen. Balkankriegsschauplatz. 4 Nichts Neues. Oberste Heeresleitung. W. B. Großes Hauptquartier, 26. Dez., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplas Bei andauerndem Regenwetter war die Gefechts⸗ tätigkeit auf dem größten Teil der Front nur gering, lebhafter in Gegend nördlich von Albert, an einzelnen Stellen der Champagne und in den Vogesen nördlich von Senn⸗ heim. Oestlicher Kriegsschauplatz. Deutsche Patronillenunternehmungen in Gegend von Dünaburg waren erfolgreich. Stärkere russische Er⸗ kundungsabteilungen wurden nordwestlich von Czar⸗ torysk und bei Berestia ny(südöstlich von Kolkt) ab⸗ gewiesen. Balkankriegsschauplatz. Die Lage ist im allgemeinen unverändert. Oberste Heeresleitung. ** 1* E Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Abgewiesene russische Angriffe. Wien, 25. Doz.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: 25. Dezember 1915. Russischer Kriegsschauplatz. Aungreifende Russen, die sich nach den gestern abgeschlagenen Angriffsversuchen östlich von Rarancze nahe vor unseren Stel⸗ lungen eingegraben hatten, wurden nachts überfallen und ver⸗ trieben; zwei Maschinengewehre blieben in unserer Hand. Sonst mente aus seinem unerschöpflichen Repertoir vorführt. Bei den orstoß italienischen 0 0 1 1 allen ruhig. 2 8 Süd a Nichts Neues.. 1 Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: 5 v. Höfer, Feldmarschalleutnant. 0 26 Wien, 26. Dez. 26. Dezember 9 Russischer Kriegsschauplatz. 5 Im Sumpfg⸗ der Polesie wurden an mehreren Stellen starke seindliche Auftlärungsabteilungen zurückgeworfen. Sonst nichts Neues. Stalienischer Ariegsschuvla, Aunäherungsversuche gegen den Sästeil der Hochfläche vor Doberdo wurden leicht abgewiesen. i l Südüftlicher Kriegsschauplatz. l Die Lage ist unverändert. a 3 Der Stellvertreter des Chefs des Geueralstabs: 8 v. Höfer, Feldmarichalleutuant. N 8 Wan Gris loud und Bulgarien. London, 24. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich) Daily Chronicle erfährt qus Athen vom 22. d. M.: Die griechische Regierung hat neuerdings einen Protest gegen die Neber⸗ schreitung der grieshischen Grenze durch die Bulgaren ver⸗ (E. T. B.) Amtlich wird verlautbari:, faßt. Sie tat es, um dadurch ihre Unparteilichkeit zu be⸗ weisen. Andererseißs hat die griechische Regierung von den Mittelmächten entsprechende Versicherungen erhalten, daß 5 das besetzte Gebiet nach der Einstellung der Feindseligkeiten unvermindert zurückgegeben werden wird. Kämpfe an der bessarabischen Font. Czernowitz, 25. Dez. Auf den bewaldeten Grenzhöhen uuter⸗ nahmen die Russen gestern nach Mitternacht einen äußerst, Angriff. Mehrere starke Kolonnen schlichen sich im Schu Dunkelheit bis zu den Drahtverhauen heran und versuchten diese durchzuschneiden. Es entspann sich ein sehr heftiger Kampf. Die Russen trieben, nachdem ihre ersten Linien aufger neue Kolonnen vor, die ebenfalls vernichtet morgens wiederholte der Feind seine Vorstöße, aber e Vor unseren Drahtverhauen liegen zahlreiche Russenleichen. größere Zahl Gefangen Generalstäbler. 1 8 Kämpfe mit Arabeun. Ueber den Arabgraufstand an der ägy 10 en Grenze erfährt das Journal, daß die Engländer 800 um an der Bucht gleichen Namens, 500 Kilometer westlich von Kairo, vor einigen Tagen nach sehr ernsten Kämpfen räumen mußten. Außer der Küstenbewachung habe in Sollum eine kleine Infanterie⸗ garnison unter dem Befehl eines englischen Offiziers gestanden. Zwei Kilometer von Sollum habe sich ein großes Araberlager be⸗ funden, von wo der Angriff gegen die englische Garnison aus gangen sei. Bereits am 15. Dezember seien Kämpfe bei Ma gemeldet worden. Arabische Streitkräfte, die von Gaafra⸗ zaß befehligt wären, hätten uit 1200 Gewehren, Kanonen und Ma⸗ schinengewehren bei Matrüh die englischen Truppen, die unter denn Befehl des Generals Gordon standen, heftig angegriffen. wohl dieser Angriff zurüßgeworfen worden sei, hätten sich Eugländer nachts in ihr Lager zurückziehen müssen. VBereins kalender. 3 Donnerftag, 30. Dozen ber. Gießen. Gewerkschastskartell. Abends 9 Uhr 2 im Gewerkschaftshause. Die Vorstände der Gewerkschaften woll sich dazu einfinden. 1 N r Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. e 935 Verlag von Krumm& Cie., 1„ Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M. I AKufsee Leib. VOI fälllaader ge Dir.: Hermann Steingoetter⸗ Montag, 27. Dezember 115, Abends 7½ Uhr: ie Seiige Deen Lustspiel in 3 Akten von Rudolf Presber und Leo Walter Stein. Mittwoch, den 29. Dezember, abends 8 uhr. .Dienstags-Abonn.⸗Vorstellung Armut. Ein Trauerspiel in 5 Akten von Anton Wildgans. Ende gegen 10½ Uhr. Gewöhnliche Preise(ermäßigt). Soldaten vom Feldwebel abwär welcher Eleganz und Sicherheit er sesöst die schwierigsten Experi⸗ keine besonderen Ereignisse. Sperrsitz nur h zahlen bei allen At Halbe 0 Ende 10½¼ Uhr. Kleine Preise. 12 e salbe Pre frbnalen de Aövdd und allen Preislagen empfiehlt igen Frontabse strige Tag wurden. Bis 6 Ihr olg. wurden gemacht, darunter 1 e geute den 27. Dezember, abends 8 Uhr Hof künstler Bellachini. auch für Wiederverkäufer ies Niem der 6 eht. e len de chen tei fed re im Fünf 0 f 5 Eine