4 ———— erhessische —— olkszeitung Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Die Oberhessische Volkszeitung erscheint jeden Werk b berktag Abend i Gietzen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pia, pe 60 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl. 180 Mk Redaktion und Expedition Gießen, Bahnhofstraste 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Inserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 302 Gießen, Freitag, den 24. Dezember 1915 10. Jahrgang Die schweizerische Friedensinterpellation. Das Fest des Friedens. Wieder ist Weihnachten und immer noch ist Krieg. Wohl tönt wenigstens bei uns daheim im Lande die Heilsbotschaft von den und auch gut schweizerisch zu handeln überzeugt seben. Kanzeln, aber ihr sanfter Klang wird zerrissen von rellen Fanfaren der Generalstabsberichte, durch den euch e die Blitze des Mündungsseuers und die Feuerstrahlen der platzen⸗ den Geschosse; wir glauben in der Ferne ein Singen zu hören— aber es ist nicht der holde Ton, der dem lebenssiberdrüssigen Faust den Giftbecher vom Munde zieht— es ist das tooͤbringende Sausen der Spitzkugeln. Und jedes Kirchenfest ist Alerseelen. Vor einigen Tagen hielt die österreichische Kolonie in Berlin ihre Weihnachtsbescherung ab. Der k. u. k. Botschafter Prinz Hohen⸗ lohe erinnerte daran, daß er zu Weihnachten 1914— damals als der Russensturm gegen die eisstarrenden Karpathen brandete— die Hoffnung ausgesprochen hatte, in die Osterglocken werde sich der Gesang der Friedensglocken mischen. Diesmal könne er eine solche Hoffnung nicht aussprechen, sagte der Diplomat, und es werde seinen Landsleuten wohl klar sein, daß sie noch manche Zeit nicht nur charitative Werke der Nächstenliebe würden betreiben können Ein amerikanischer Millionär, der statt Munition zu erzeugen und aus dem Tod ein Geschäft zu machen, der Welt den Frieden wiedergeben wollte, kam in diesen Weihnachtstagen über das Welt⸗ meer dahergefahren. Zuvörderst mußte sich der Friedensbringer ge— fallen lassen, daß ein englischer Kreuzer sein Schiff miit allem, was darauf und drin, nach Kirkwall, der Polizeistube sür den Atlantic, brachte. Und als Mr. Ford mit seinen Begleitern unter dem keifenden Chor des Hohnes der Kriegshetzerpresse Englands und Frankreichs in Christiania eintraf, hatte er bereits eingesehen, daß ihm ein ersprießliches Wirken nicht beschieden war. Da legte er sich krank zu Bette. Der ungarische Ministerpräsident Graf Tisza hat im ungari⸗ schen Magnatenhause eine Rede gehalten— nicht nur zum Fenster hinaus, sondern über die Fronten hinweg. Er hat den feindlichen Staaten zugerufen, daß seder Tropfen Blut, der nun noch auf den Schlachtfeldern fließt, verbrecherisch vergossenes Blut sei. Graf Tisza hat sich nicht mit diesem allgemeinen Vorwurf begnügt, der ihm schließlich von seinen Kollegen auf der anderen Seite zurück⸗ gegeben worden wäre; er hat darüber hinaus wirklich etwas für den Frieden getan, indem er verkündete, daß der Sieg der Zentral⸗ mächte keine Bedrohung der Stellung der anderen Großmächte sein wolle noch folle. In einer offiziösen Budapester Meldung über die Presseäußerungen zu dieser Tisza⸗Rede wird diese ihre Absicht noch unterstrichen. Leider hat man von Asquith, Briand. Sassanow und auch von Salandra eine ähnliche Erklärung noch nicht gehört. Sie konnten sich noch nicht zu der Versicherung aufschwingen, daß auch sie die Großmachtstellung der Zentralmächte nicht mindern wollen, wenn ihnen der endliche Sieg zufallen würde. Im Gegen⸗ teil, alles, was diese Regierungen bisher über ihre darlegten, mußte bei uns als schwerste Bedrohung unseres Seins und unserer Zukunft empfunden werden. Würden sich die Asquith, Briand, Sasfanow zu dem gleichen Ziel bekennen wie Tisga, das Ende, das von allen Völkern so heiß ersehnte Ende des Weltkrieges wäre zwar noch nicht da(denn dieser Krieg ging an seinem Anfang nicht um Großmächte, sondern um Kleinstaaten, und diese sind aus seinen Beweggründen auch heute noch keineswegs ausgeschaltet), aber wir wären dem Ende näher. 5 Statt dessen scheint gerade in diesen Tagen der Krieg neuem Atem zu schöpfen; der Vierverband hat einen großen Teil des be⸗ setzten Gallipoli⸗Gebiets vor den Türken geräumt und führt immer neue Massen nach Saloniki. England versammelt eine Riesenarmee am Suezkanal. Von Valona her bereitet Italien angenscheinlich eine Aktion vor, zu der ihm nur die Heldenwacht am Isonzo nicht die Entsendung größerer Truppenmassen gestattet und, 5 nach den deutschen und österreich⸗ungarischen Generalstabsberichten zu schließen, versucht auch Rußland, vom General Pau dazu verleitet zum wer weiß wievielten Mal gegen die Front von Libau bis Konstantinopel vorzustoßen.. 8 Aber alle diese Versuche sehen doch stark danach aus, die Aus⸗ sichten für die Friedensverhandlungen noch in später Sinne 1915 bessern zu wollen. Gelingen dürfte das kaum, denn die Zen tral⸗ mächte werden mit der rascheren Entschlußkraft und der e e Schlagsertiakeit, die sie fast von Anfang an bewiesen 2 7 125 auch ihre Maßnahmen getroffen haben. Und so dürften 1 h denn an der militärischen Lage kaum noch entscheidende Aenderungen ugunsten des Vierverbandes vollziehen. 1 1 0 Aber wie oft sollen die Anstrengungen der Entente 0 in Blut und Graus zersplittern, ehe man e 8 05 Krieg sich ausgelebt habe, daß er in sich erschördt se, dal Wotans noch einen Zweck vor sich haben kann, den rie 55 1 00 0 8 Götterherrlichkeit schließlich zustrebt: dem En de, 1 soweit! Soll es denn noch 1 90 hen ken sind noch nich J Soll das der Menschheit Festbotschaft sein nes si 5 en manchen Stellen in der Welt des Welte ge 19 e diejenigen, die sonst am lautesten, vom Eh rüst en e und deren Macht auf der Kirche Christi aufe bent n 9 1 Friedensbestrebungen am schärfften widerstreben Giandige solch bie Ahnung, was auf dem Spiele steht, 1 1 85 geschrieben steht: Botschaft hören müssen in den Tagen, ven blgefallen 5 Friede auf Erden und den Menschen ein Wolf gef** * Die Friedens interpellation im schweizerischen Nationalrat. 5 et Ji einde Aus Bern wird der Frankf, Ztg. Acne die 5 1 voller Rede begründete Greulich im Na 1 e demokratische In terpenla tet Reet 7 en anderer neu⸗ Bundesrat fraßt, ob er allein oder mit Regie vn zur baldigen tigler Länder den Kriegführerden f von 1 euste Eiyleitung eine guten 2 und zur Herbeiführung eines Waffsensrillstandes b rel ee * sperhandlungen anzubieten gedeule. Neunes f Standpunkt seiner Partei aus, die das Kriegsziele; allen ö 1 1 1 0 Solidarität aller Völker aufrecht erhalten wolle. Immer noch gelte Goethes Wort, daß die Menschheit zusammen erst der wahre Mensch sei. Das Mitgefühl mit allen vom Kriege betroffenen Völlern habe die Interpellanten zu ihrer Anfrage bewogen, mit der sie gut neutral Sie wollten nicht fragen, wer der Schuldige sei; welches aber würden die Folgen der Fortfetzung des Krieges sein? Die allgemeine Verarmung der Staaten und Völker, eine Erschöpfung, die uns Jahrhunderte zurück⸗ werfe. Der Redner fuhr dann fort: Begreiflich ist es ja, daß man auf der Seite, wo große Strecken des Landes von einer gegnerischen Macht besetzt sind, den Glauben aufrecht zu erhalten sucht, der Krieg werde mit der Besiegung des Gegners enden, aber wir glauben, im Innern müssen nun doch vernünftig denleude Staatsmänner nach siebzehn Monaten des entsetzlichen Krieges sich sagen, daß an eine Niederwerfung des Gegners kaum zu denken ist, daß vielleicht noch mit unzähligen Opfern einzelne Ersolge errungen werden können, die aber nicht zum Siege führen werden und doch täuscht man sich die Kriegsbegeisterung noch weiter vor! Für die Neutralen, meinte der Redner, sei es villeicht ein Glück, wenn keine Mächtegruppe völlig niedergerungen werde; auch die Neutralen würden der Er⸗ schöpfung erliegen und nicht mehr wissen, wie die Opfer aufzu⸗ bringen sind; das müsse sie zwingen, den Ruf mach Frieden und nach Achtung ihrer wirtschaftlichen Existenzbedingungen zu erheben. „Solch ein Ruf, im schweizerischen Parlamente und im Lande der interngtionalen Verträge und der internationalen Liebestätigkeit erhoben, wird ein Echo in anderen neutralen Staaten wecken, deren öffentliche Meinung sich im gleichen Ruse nach Frieden mit uns be⸗ finden wird.“ Dadurch gewännen die Neutralen auch das Recht, an den Friedensverhandlungen teilzunehmen und dort die Rechte der kleinen Nationen zu vertreten sowie den Schutz der Volkswirr⸗ schaft der neutralen Staaten im Kriege zu verlangen. Der Redner schloß: Die Anbahnung von Friedensverhandlungen ist eine Pflicht 1 Menschlichleit und nur die neutralen Staaten können sie er⸗ füllen! a 5 Auf die Interpellation antwortete im Namen des Bundesrates der Vorsteher des politischen Departements, Bundes⸗ rat Hoffmann mit folgender Erklärung:„Wir verstehen s tiefe Friedensbedürfnis, das in unserem Volke empfunden wird und teilen die Sehnsucht nach einer baldigen Be⸗ endigung des schrecklichen Krieges, den die Geschichte kennt. Unser Land leidet, wenn es auch vom Kriege selbst verschont geblieben ist, gewaltig unter dessen Folgen. Es ist indessen nicht allein oder auch nur an erster Stelle unser eigenes Interesse, das den heißen Wunsch nach Frieden hervorruft. Wir sehnen ihn herbei aus rein mensch⸗ lichem Empfinden im Anblick des unsagbaren Elends, das der Krieg verursacht und der Wunden, die er geschlagen und des unbarm⸗ herzigen Zerstörungswerkes, das er an einer Kultur vollb vacht hat, auf die wir bis vor kurzem so stolz gewesen sind. Wir achten also die Gefühle, aus denen die Anfrage der Interpellanten hervorge⸗ gangen ist, und erkennen gerne die maßvolle, von humanem Geist getragene Begründung der Interpellation an. Soweit sie dagegen dahinzielt, eine direkte Friedens a ktion des Bundesrats herbeizuführen, müssen wir unsere Vorbehalte machen. Ein solcher Schritt ist zum voraus dem Mißerfolg geweiht und der Mißdeutung ausgesetzt, wenn und so lange nicht auf beiden Seiten der kriegführenden Parteien die dem Friedensbegürfnisse entgegenstehenden Widerstände durch eine im eigenen Lande voll⸗ zogene Wandlung der öffentlichen Meinung ohne fremdes Zutun überwunden sind. Ist diese Wandlung noch nicht vollzogen, so müssen nicht nur alle fremden Interventionsbestrebungen auf dürres Erdreich fallen, sondern werden geradezu als lästige, wenig freund⸗ schaftliche Einmischung empfunden und können der Sache des Friedens sowohl, als auch den zwischenstaatlichen Beziehungen zum Schaden gereichen. Es ist Sache der individuellen Auffassung, ob in der öffentlichen Meinung der Kriegführenden diese vorbereitende Arbeit schon kräftig eingesetzt und zu einem ausreichenden Ergebn geführt hat. Der Bundesrat hält dafür, daß das heute noch nicht der Fall ist. Man wird es verstehen, wenn er auf eine Darlegung der Gründe, die ihn zu dieser Beurteilung der Sachlage führen, an diesem Orte nicht eintreten kann. Dessen aber dürfen wir Sie versichern, daß wir mit gespannter Aufmerksamkeit der Entwick⸗ lung der Dinge folgen werden und uns glücklich schätzen würden, wenn unser kleines Land, getragen von den Sympathien, die es mit den hriegfüßrenden Nationen verbinden, getreu seiner traditionellen neutralen Stellung und in völliger Uneigennützigkeit auch nur in bescheidenem Maße dazu beizutragen vermöchte, den ersehnten dauer⸗ haften Frieden herbeizuführen.“ Der Interpellant erklärte sich vates befriedigt. Die Entweffnung der Serben in Griechenland. Budapest, 23. Dez. Wie A Vilag aus Athen meldet, ver⸗ öffentlichen dortige Blätter eine amtliche Note, wonach die griechischen Truppen die auf griechisches Gebiet geflüchteten serbischen Truppen entwaffnen. Der englische Gesandte Elliot habe Skuludis eine englische Note überreicht, in der unbedingt daran festgehalten wird, daß die auf griechisches Gebiet geflüchteten und dort entwaffneten serbischen Truppen ihre Waffen zurückerhalten müssen. Skuludis erklärte, er werde die Note dem Ministerrat unterbreiten. es o„ bardement Waruas. 0 0 5 von der Kundgebung des Bundes⸗ Dez. Aus Konstanza wird die Nachricht bestätigt, Bularest, 23. daß die russische Flotte heute vormittag Warna bombardierte. Um 6 Uhr früh passierten zwei Torpedoboote Kap Kali Akra, die zu Aufklärungsgwerken von der Flotte entsandt waren und schmell Gegen 8 Uhr näherten sich von der Richtung Odessa zurückkehrten. Uhr 0 vier große Einheiten mit Volldampf. die Schifse in Schlachtlinie auf und begannen eine heftige Kanonade, die bis 10 Uhr vormittags andauerte. Die Schisfe zogen sich dann vom wegen großen Nebels zurück. Die Forts von Warna antworteten Ideal der! kräftig. a Vor Euximog vad stellten sich Erneuerung des Ministeriums Salandra? Lugano, 23. Dez. Nach einer römischen Meldung des Abanti ist angeblich eine Erneuerung des Ministeriums Salandra geplant. Aufruhrbewegung unter den indischen Truppen. T. U. Konstantinopel, 22. Dez. Die revolutionäre Be⸗ wegung in Indien hat in der letzten Zeit einen großen Umfang an⸗ genommen, sodaß die englischen Behörden trotz schärfster Gegen⸗ maßnahmen den Aufruhr nicht mehr unterdrücken können. Unter den eingeborenen Truppen macht sich starke Erbitterung gegen die englische Herrschaft geltend. Ein Bataillon nach dem anderen geht zu den Aufständischen über. Die indischen Soldaten, die Befehl er⸗ halten hatten, gegen die Aufrührer vorzugehen, meuterten und hoben die Engländer angegrissen. 5 * Aus der englischen Kriegsindustrie. In Frankreich wächst das Mißtrauen gegen England, daß sich allzusehr zu schonen trachte. Besondere Vortrags- reisen englischer Sozialisten und zahllose Artikel in der Presse sollen dieses Mißtrauen beseitigen. So auch eine Ab⸗ handlung des Professors Léevy-Bruhl in der bekannten Mili⸗ tärzeitschrift Bulletin des Armses. Danach sind die von England gemachten Anstrengungen ganz ungeheuerliche. Die Stadt Sheffield z. B. hat sich rasch zum größten Waffenplatz der Welt ausgebaut. Die Munitionsfabrikation beschäftigt allein 12000, die Kanonenwerkstelle 9000 Mann. Am 6. September waren 650 000 Männer und 50 000 Frauen in 715 von der Regierung kontrollierten Waffen⸗ und Muni⸗ tionsfabriken tätig. Die Zahl der letzteren ist inzwischen auf 1600 gestiegen. Amerika und Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 22. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die Neue Freie Presse meldet: Die zweite amerikanische Note in der „Ancona“⸗Frage ist eingetroffen. Sie ist von dem amerika⸗ nischen Botschafter bereits im Ministerium des Aeußern überreicht worden. Washington, 22. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich) Meldung des Reuterschen Buroaus. Die zweite amer ikanische„Ancona“⸗ Rote ist kurz. Es wird in ihr erklärt, daß die Regierung keine Ursache sehe, auf eine Besprechung der Einzelheiten der Versenkung des Dampfers„Ancona“ eingugehen, zumal Oesterreich⸗Ungarn zugebe, daß das Schiff torpediert wurde, nachdem die Maschinen gestoppt hatten, und während noch Passagiere an Bord waren, was eine Verletzung des Völkerrechts und der Gesetzes der Menschlichkeit darstelle. Deshalb macht die amerikanische Regierung die öster⸗ reichisch⸗ungarische Regierung für das Vorgehen des Kommandanten des U-Bootes verantwortlich und wiederholt ihre Forderung vom 6. Dezember. Sie betont, daß die weiteren guten Beziehungen zzwischen Amerika und Oesterreich-Ungarn von der Antwort Oester⸗ reich-Ungarns abhängen werden. 2 Die Jannartagung des Reichstags. Der Haushaltsausschuß des Reichstages wird seine Ar⸗ beiten bereits am Montag, den 10. Januar wieder aufneh⸗ men. Zu erledigen sind noch die Fragen der Zensur und des Belagerungszustandes. Das Plenum tritt einen Tag später, am 11. Januar zusammen. Man rechnet damit, daß der Reichstag am 15. Januar wieder bis zum März vertagt wer⸗ den kann. Im März wird dann der Etat vorgelegt, der dies⸗ mal bestimmte Einnahmen aus den kommenden neuen Steuern enthalten soll. Das setzt natürlich voraus, daß die Steuervorlagen erst vom Reichstag verabschiedet werden. Verfassungsmäßig soll der neue Etat zum 31. März durchbe⸗ raten und festgestellt sein; ob das möglich ist, wenn vorher noch Steuergesetze gemacht werden müssen, erscheint einiger maßen fraglich. Herabsetzung des Portos für Soldatenpakete. Dem Reichstag wird eine Resolution des Haushaltsausschusses unterbreitet, die den Reichskanzler ersucht, zu erwägen, ob nicht die Postbeförderungsgebühren für Soldatenpakete in die Operations⸗ und Etappengebiete— bis zu 500 Gramm— herabgesetzt, oder aber, bei Belassung der bisherigen Beförderungsgebühren, die Gewichts⸗ grenze für diese Pakete erhöht werden kaun. Die Reichspostverwaltung hat diese Resolution im Ausschuß scharf bekämpft; der Reichstag wird ihr zweifellos zustimmen, auß einen praktischen Erfolg ist aber kaum zu rechnen. Ii zarteibresse; Disziplinb a Die Parteipresse zum Disziplinbruch. Zu der Abstimmung über die Kriegskre⸗ dite teilt der Vorwärts noch mit:„Die Zahl der Abgeord neten, die in der Sitzung der sozialdemokratischen Fraktion oder, weil sie am Erscheinen in der Fraktionssitzung verhin- dert waren, durch schriftliche Erklärung dem Fraktionsvor⸗ stande gegenüber gegen die Kriegskredite stimmten, beträgt * 1 0 0 1 U 19 anderen Abgeordneten stimmten auch im Plenum gegen der Vorwärts folgende„Rechtfertigung“ schreiben: tagen gefaßten Beschlüsse Partei wird durch das Vorgehen der Minderheit in keiner die Einheit der Partei stärke, Methode, die Parteieinheit zu„fördern“, hat aber doch mehr der Beweggründe der Minderheit zu folgendem Resultat: Zaren und die Vertreter noch einiger anderer Länder in Kenntnis künftige Grundlage aller Beziehungen anzusehen. eine derartig einfache„Politik“ den separatistischen Abgeordneten Sonnenstrahl ihre geschlossenen Lippen, die im 44. In der Fraktion stimmten 66 sozialdemokratische Abge⸗ ordnete für die Kredite. Mithin haben ½ für, ½ sich gegen diese erklärt.— In der Plenarsitzung gab Genosse Geyer für folgende 20 Abgeordnete die Erklärung ab: Bernstein, Bock, Büchner, Dr. Oskar Cohn, Dittmann, Geyer, Haase, Dr. Herzfeld, Horn, Henke, Kunert, Ledebour, Dr. Liebknecht, Rühle(nicht Brühne, wie es irrtümlich in unserem gestri— gen Berichte hieß. D. R.), St dthagen, Stolle, Schwartz, Vogtherr, Wurm, Zubeil. Bernstein konnte wegen Krank⸗ heit an der Abstimmung im Plenum nicht teilnehmen. Die die Kriegskredite. Von den 24 Abgeordneten, die ferner in der Fraktion gegen die Bewilligung sich erklärt hatten, stimmte im Reichstag für die Bewilligung Stubbe. Stücklen fungierte als Schriftführer im Plenum. Die übri⸗ gen Abgeordneten befanden sich während der Abstimmung außerhalb des Saales. Es waren das die Genossen Albrecht, Antrick, Baudert, Brandes, Emmel, Dr. Erdmann, Ewald, Edmund Fischer, Fuchs, Hoch, Hofrichter, Hüttmann, Hugel, Jäckel, Krätzig, Leutert, Peirotes, Reißhaus, Ryssel, Raute, Simon, Schmidt-Meißen. Der Abgeordneten Hoch hat im Anschluß an den Rücktritt des Genossen Haase vom Amt des Fraktionsvorsitzenden seinen Posten als Mitglied im Vorstand der sozialdemokrati— schen Fraktion niedergelegt.“ Von einem Mitgliede der Fraktionsminderheit läßt sich „die Fraktionsmehrheit hält an dem durchaus verfehlten Standpunkt fest, daß das Verhalten der Minderheit einen Disziplin⸗ bruch darstelle. Zn Wahrheit hat die Minderheit lediglich ihre Pflicht erfüllt. Die Fraktionsmitglieder sind Vertreter der Ge⸗ samtpartei, und die von der Ansicht der jetzigen Fraktionsmehrheit abweichende Anschauung kann außerhalb des Parlaments zur Zeit nicht zur Geltung kommen. Deshalb war die Minderheit in die Notwendigkeit gesetzt, die Gründe für ihre Abstimmung da dargu⸗ legen, wo es allein noch möglich ist, auf der Tribsine des Parla⸗ ments. Dadurch hat sie gegen keinen Parteitagsbeschluß verstoßen. Sie ist überzeugt, daß sie vielmehr im Sinne der auf den Partei⸗ gehandelt hat. Die Einheit der Weise gefährdet, sondern im Gegenteil gestärkt, denn es steht außer allem Zweifel, daß eine große Anzahl Parteigenossen auf das Schärfste enttäuscht wäre, wenn nicht endlich im Reichstage das ausgesprochen wäre, was sie selbst infolge der jetzigen Umstände nicht öffentlich sagen können. Diese Genossen werden durch das Vorgehen der Minderheit wieder stärker an die Partei gefesselt und damit wird die Geschlossenheit der Partei für die Zukunft gefestigt. Das Vorgehen der Parteiminderheit spaltet nicht, sondern fördert die Einheit der Partei.“ ö Die Entdeckung, daß der Disziplinbruch der Minderheit; ist köstlich. Diese schöne wie die Hälfte derjenigen Fraktionsmitglieder, die innerhalb der Fraktion gegen die Kriegskredite stimmte, nicht mit⸗ machen wollen. Warum nicht? Weil sie die öffentliche Ab— sonderung von der Fraktion nicht für eine Förderung, sondern mit Recht für eine schwere Schädigung der Einheit der Partei hielt. f Von den wenigen Parteiblättern, die bisher schon für den Disziplinbruch in der Fraktion eintraten, ihn, wie die Leipziger Volkszeitung und der Braunschweiger Volksfreund, geradezu forderte, liegen uns Aeußerungen noch nicht vor. Das Hamburger Echo kommt bei der Untersuchung „Womit die Separatisten der Fraktion ihre Stellungnahme begründen, das erfahren wir aus der von Geyer abgegebenen Er⸗ klärung— auch nicht! Man müßte denn schon daraus lesen, daß durch Verweigerung der weiteren Mittel zur Verpflegung, Aus⸗ rüstung und Bewaffnung unserer Truppen die Reichsregierung ge— zwungen werden soll, sofort Herrn Asquith, Herrn Briand, den;! zu setzen, daß sie jetzt den Krieg aufgeben wolle und bitte, ihn als nicht geschehen zu betrachten, sondern den Status quo als die Da wir aber Barfüßele. f Eine Schwarzwälder Dorfgeschichte von Berthold Auerbach. Der Reiter ritt davon, und Barfüßele saß lange Zeit hinter einer Haselhecke und mußte allerlei in sich hinein⸗ denken, und ihre Wangen glühten von einer Röte, die der Zorn über sich selbst, über die spitze Antwort auf eine harm— lose Frage, die Betroffenheit und ein unbegreifliches inneres Wogen anfachte, und unwillkürlich drängte sich ihr das Lied auf die Lippen: „Es waren zwei Liebchen im Allgäu, N Die hatten einander so lieb..“ So zu Jubel gespannt hatte sie den Tag begonnen, und jetzt wünschte sie sich den Tod.„Hier hinter der Hecke ein— schlafen und nicht mehr sein, o wie herrlich wäre das! Du sollst keine Freude haben warum noch so lange herumlaufen? Wie zirpen die Heimchen im Grase, und ein warmer Dampf steigt auf von der Erde, und eine Grasmücke zwitschert immerfort, und es ist, als ob sie mit ihrer Stimme immer in sich hinein lange und frische, noch innigere Töne heraus— hole und sich gar nicht genug tun könne, das so recht von gan— zem Herzen zu sagen, was sie zu sagen hat, und da droben sin— gen die Lerchen, und jeder Vogel singt für sich, und keiner hört auf den anderen, und keiner stimmt dem anderen bei, und doch ist alles...“ Noch nie in ihrem Leben war Amrei am hellen Tage und nun gar des Morgens eingeschlafen; und jetzt, sie hatte ihr Kopftuch über die Augen gezogen, und jetzt küßte der hlafe noch immer wie trotzig gepreßt waren, und die Röte auf ihrem Kinn färbte sich röter. Sie schlief wohl eine Stunde, da wachte sie zuckend plötzlich auf. Der Reiter auf dem Schim⸗ mel war auf sie zugeritten, und jetzt eben hob das Pferd seine heiden Vorderfüße, um sie auf ihre Brust zu stellen. Es war ein nur Traum gewesen, und Amrei schaute sich um, als wäre sie plötzlich vom Himmel gefallen; sie sah stan nend, wo sie war, betrachtete verwundert sich selbst, aber Musikklang aus dem Dorfe weckte schnell alles, und sie ging neu gekräftigt ins Dorf zurück, wo bereits alles noch leben— dicer Eacden war. Sie würte es, ße halte sich ausgeruht nicht zutrauen, müssen wir schon annehmen, es habe sich für sie lediglich um eine Demonstration gehandelt. Daß unter einem Kulturvolk, wie das deutsche, nur sehr, sehr wenige sind, die den Krieg nur des Krieges willen hinnehmen, liegt auf der Hand. Die Notwendigkeit der Vaterlandsverteidigung wurde aber im August des vorigen Jahres von allen eingesehen und es verstand sich von selbst, daß dafür jedes Opfer gebracht wer⸗ den mußte. Der Krieg aber komplizierte sich, nicht durch Deutsch⸗ land, sondern durch die Bemühungen der feinblichen Koalition, immer neue Mächte gegen Deutschland aufzubieten. Der einfache Begriff der Landes verteidigung lag nicht mehr so klar vor Augen, nachdem die Verteidigungslinje weit in Frankreich und Rußland hineingeschoben und im Südosten sogar nahe an die gricchische Grenze gelegt worden ist. Daß nun von einem Eroberungskrieg gesprochen wurde und daß feindlich⸗neutrale„Sozjalisten“ mit neuem Lärm über den„deutschen Imperialismus“ herfielen, ge⸗ hört zu den Erscheinungen, über die man nicht viel Worte verliert nach den gemachten Erfahrungen. Doch die durchaus natürliche Sehnsucht nach Frieden, nach einem Abschluß des fürchterlichen Krieges, drängt den einzelnen, im Feld wie daheim, nach allem aus⸗ zuspähen, was wie eine Friedenstaube aussieht. Erwägungen über die Zwe ßigkeit oder Unzweckmäßigkeit etwaiger Aktionen werden nicht angestellt; für den Augenblick findet der Beifall, der „eine Lippe diskiert“, d. h. demonstriert. Doch in dem Moment, da die Verweigerung der Kriegskredite mehr wäre als eine Demonstvation, in dem Moment, da sie das Heer tatsächlich der Verpflegung und Versorgung mit Kriegsbedarf entblößen würde, da sie es nötigte, wehrlos zurückzugehen, wäre es vorbei mit der Popularität jener, die einmal„eine Lippe riskierten“. Die schlagenden Argumente der Kosaken wären ein⸗ drucksvoller als die schönsten Zitate. Da jedoch unter den gegenwärtigen Verhältnissen die Ver⸗ weigerung der Kriegskredite nur eine Demonstration ist und nichts „konnte sie ohne Schaden unternommen werden. Ohne Schaden für das Vaterland nämlich, denken die Separatisten; denn sie wissen, das Geld wird doch geschafft, die Truppen bleiben die⸗ selben wie zuvor und— hm!— die unmittelbare Kriegsnot bleibt unserm Volk ja doch erspart. Und nachher sind wir die Prinzipiellen, die Unantastbaren, die Hüter des heiligen Grals.“ Die Breslauer Volkswachf führt aus: .. Aber nehmen wir den klaren Fall, daß die Minderheit von gestern die Mehrheit des Reichstags wäre und daß ihre Weigerung von der Regierung beachtet würde: Deutschland würde den Krieg einstellen, weil keine Mittel mehr dazu bewilligt werden! Würden das dann die Feinde auch tun? Würde der Zar seine Kosalen zurückkommandieren, weil man in Deutschland den Krieg beendigen will? Wir dürfen es leider nicht einmal von Frankreich oder England erwarten, daß sie dann den geplanten „Marsch nach Berlin“ uns zuliebe aufgeben würden, denn ihre Machthaber haben bis gestern als unverrssckbares Ziel die Zer⸗ schmetterung Deutschlands erklärt! Der Krieg würde also weiter gehen, würde noch furchtbare Opfer fordern und unser Volk noch viel, viel mehr belasten! Sein Ende hängt nicht von uns allein ab und deshalb hätte die Minderheit, die gestern gegen die Kredite stimmte, dafür gestimmt, wenn sie die Mehrheit des Reichstags wäre und die Verantwortung für das, was kommt, vor dem Volke auf sich nehmen müßte. 0 Nichts ist erreicht und konnte erreicht werden durch die Sonderaktion als die Zertrümmerung unserer Dis ⸗ ziplin, das werden die Außenseiter am meisten bedauern, wenn die anderen einmal so handeln wie sie und wenn der feste Bau der deutschen Arbeiterbewegung dabei tiefe Risse erhält. Die Minderheit hat, so einwandsfrei sie sich äußerlich hielt und so schwierig ihre Lage gegenüber der eigenen Ueber⸗ zeugung war, weder dem Vaterlande noch der Partei mit ihrem Verhalten genützt. Möge sich wenigstens die Auseinandersetzung über den Fehltritt in sachlichen Formen bewegen. Und möge daraus nicht eine Verlängerung des Krieges entstehen, weil die Gegner auf die Uneinigkeit Deutschlands rechnen und sie nun ihre Anstrengungen erhöhen! Die Dortmunder Arbeiterzeitung sagt: ... Ein großer Teil der Minderheit hat also, wie wir von vornherein angenommen hatten, die Sonderaktion nicht mitgemacht. Trotzdem ist das Unglisck groß genug, schon des schlechten Beispieles wegen: es ist ein Aergernis, das weiter fressen wird, wenn der demnüchstige Parteitag nicht mit größter Ent⸗ schlossenheit und Willenskraft sein Veto einlegen wird. Die aller⸗ schärffte Verurteilung ist hier geboten, die strengsten Mittel sind ge⸗ rade recht, wenn man nicht will, daß die Organisation, die von der ganzen Welt bewundert wurde und Gegenstand des Neides der ge- samten Gegner war, der Auflösung verfallen und der Anarchie Platz machen soll. Die Magdeburger folgendermaßen: 5 V 1 Volkszeitung äußert sich ie Gruppe um Geyer hat eine schwere Verant⸗ * 15 mit an ber Spitze der Disziplin breche marschieren. Die zu Hütern ber Parteleinheit Bestellten gehen n schlechtestem Beispiel voran. Das ist die traurigste Seite in die traurigen Kapitel der Parteigeschichte. 5 5 Wir sind allerdings nicht der Meinung, daß das Schicksal d deutschen Arbeiterschaft von der persönlichen Entschließung von 20 mehr oder weniger wichtigen Parteigenossen abhängig sei. Der Lauf der Entwicklung wird— früher oder später— die Einhei wiederschaffen, die jetzt mutwillig zerstört wurde. Aber für d Gegenwart und die nächste Zukunft wird das sehen und der Einfluß der Partei geschmäler das Vertrauen der Massen in die Sozialdemokratie erschüttert, langer schwerer Arbeit wird es bedürfen, sie wiederzugewinne Was aber will man in der Zukunft sagen, wenn eine jeweilige Minderheit, die nicht den Anschauungen der in der Mehrheit be⸗ findlichen Haase und Bock zustimmen kann, das Recht beansprucht, ihre abweichende Ansicht ebenfalls im Reichstage vor⸗ zutragen? Will man den anderen verbieten, was man selbst als unveräußerliches Recht beansprucht? Es sind dieselben Genossen, die sonst nicht genug die Notwendigkeit der Disziplin betonen konnten. Wir erinnern nur an Haases Aeußer⸗ ungen auf dem Magdeburger Parteitag, an Liebknecht, der- die „Disziplin mit der Muttermilch einsog“, an Dittmann, der in Magdeburg der Führer jener Gruppe war, die jeden Disziplin⸗ brecher aus der Partei ausschließen wollte. Und nun? Nun sind sie selbst der Sünde bloß. 0 Es ist traurig, das alles in dieser schwersten aller Zeite sagen zu müssen. Aber wir haben zu dem gefunden Sinne der organisierten Arbeiter das Vertrauen, daß sir das böse Beispi nicht befolgen werden, das ihnen am Tage der längsten Nacht im Kriegsjahr 1915 von einem Teile ihrer parlamentarischen Ve treter gegeben wurde.—“ l. Die Chemnitzer Volksstimme schreibt: Die große, lange angekündigte und von Leipzig und Bremen planmäßig geforderte und geförderte Sonderaktion der Minderheit in der Partei ist also gestern zur Ausflihrung gelangt. 20 sozjal⸗ bemokratische Reichstagsabgeordnete haben gestern gegen die 3 Kriegskredite gestimmt, denen sie vorher zweimal zug stei mimt und bei denen sie sich vorher zweimal der Stimm enthalten hatten. Endlich beim fünften Kriegskredit fanden sie das Richtige. Denn daß sich in der Gefährdung Deuts lands durch seine Feinde zwischen jetzt und dem vierten Krie kredit etwas geändert hätte, ist von niemandem auch nur be⸗ bauptet worden. ese 20 sind eine Minderheit der Minderheit: denn von den 44 Reschstagsabgeordneten, die gegenwärtig für eine Ablehnung der Kriegskredite gewesen wären, haben sich 24 loyal den Beschlüssen der Mehrheit gefügt und nur 20 sind ihre eigenen Wege gegangen. f* Zur Begründung der Haltung der 20 hot Fritz Geyer eine Erklärung verlesen. Man hatte sich den besten Mann gewählt Wurde doch der Name Fritz Geyers in der Partei nie häufiger ge⸗ nannt als in der Zeit der sächsischen Wahlrechtsligs, da Brun Schönlank und seine Freunde entgegen dem Beschluß d. Landesparte! den Bonkott der Landtagswahlen durchzusetzen su ten, während Geyer, Pinkau und Manfred Wittich, besonders abe Geyer, einen unermüdlichen Kampf gegen diese 2. de führten. Wer damals Geyer gesagt hätte, daß er noch einmal an der Spitze eines kleinen Häufleins die Disziplin brechen wülrde, den hätte Fritz Geyer sscherlich für verrückt gehalten. l Aber was steht denn nun in der Erklärung der 20? Kein Wort, das nicht auch in der Erklärung der Fraktfonsmehrheit stünde. Beide protestiexen gegen Annexionen, beide fordern den Frieden, sobald er möglich ist, beide eine ausreichende Unterstützung der Kriegerfrauen. Wenn die Minderheit nichts anderes zu 12 N Sonderaktion hatte, dann lohnte sich das große Geschrei um die wahrlich nicht.... Die Sonderaktion der Minderheit ist aber nicht nur keine Förderung oder Jeschleunigung des Friedens sondern— so schmerzlich es ist, das auszusprechen, es muß helge, icerden— sie verlängert den Krieg und verzögert die Rückkehr des Friedens. Ein ganz sicherer Gewährsmann schreibt uns aus der Schweiz, daß der französische Minister Sembat bereits am 6. September gesagt hat, Frankreich müsse das Kriegsgeschäft Jiquidieren, wenn es feststehe, daß die deutsche Arbeiterschaft bis zum Ende durchhielte: aber glücklicherweise habe er sehr beruhi— gende Nachrichten, daß sich ein großer Umschwung anbahne. Das ist charakteristisch! In der Hoffnung auf eine Zersplitterung des deutschen Volkes setzt Frankreich den Krieg fort. Ohne Gey 1 und Bernstein wäre Deutschland dem Frieden näher, als es o ist. 1 — 3 2 5 1 von dem Allerlei, was heute schon mit ihr vorgegangen war. Jetzt sollten sie nur kommen, die Tänzer! Sie wollte tanzen bis zum andern Morgen und nicht ausruhen und nicht müde werden. Die frische Röte eines Kinderschlafes lag auf ihrem An⸗ gesicht, und alles sah sie staunend an. Sie ging nach dem Tanzboden; da tönte Musik, aber in den leeren Raum, es waren keine Tänzer da. Nur die Mädchen, die heute zur Be— dienung der Gäste gedungen waren, tanzten miteinander herum. Der Krappenzacher betrachtete Barfüßele lange und schüttelte den Kopf. Er schien sie offenbar nicht zu kennen. Amrei drückte sich an den Wänden hin und wieder hinaus. Sie begegnete Dominik, dem Furchenbauer, der heut in voller Freude strahlte. „Mit Verlaub,“ sagte er, gehört die Jungfer zu den Hochzeitsgästen?“ „Nein, ich bin nur eine Magd und bin mit meiner Haus— tochter, des Rodelbauern Rosel, gekommen.“ „Gut, so geh' hinauf auf den Hof zur Bäuerin und sag' ihr, ich schick' dich, du wolltest ihr helfen; man kann heute nicht Hände genug in unserem Hause haben.“ „Weil Ihr es seid, recht gern,“ sagte Amrei und machte sich auf den Weg. Unterwegs mußte sie viel daran denken, daß der Dominik auch Knecht gewesen sei und....„ja, so etwas kommt nur alle hundert Jahre einmal vor. Und es hat viel Blut gekostet, ehe er zu dem Hof gekommen ist, das ist doch arg.“ Die Furchenbäuerin Ameile hieß die Ankommende, die im Anerbieten ihrer Dienste zugleich die Jacke abzog und sich eine große Schürze mit Brustlatz ausbat, freundlich willkom⸗ men; aber die Bäuerin tat es nicht anders, Amrei mußte vorher selber sattsam Hunger und Durst stillen, bevor sie an⸗ dere bediente. Amrei willfahrte ohne viel Umstände, und schon mit den ersten Worten gewann sie die Furchenbäuerin, sa will nur gleich zugreifen, ich muß ge⸗ denn tehen, ich bin hungrig und will Euch nicht viel Mühe machen mit Zureden.“ Amrei blieb nun in der Küche und gab den Auftragenden alles so geschickt in die Hand und wußte bald alles so zu stellen und zu greifen, daß die Bäuerin sagte: Ihr beiden Amreis, du da und meine Bruderstochter, ihr könnt jetzt schon alles machen, und ich will bei den Gästen bleiben.“ Die Amrei von Siebenhöfen, die sogenannte Schmalz⸗ gräfin, die weit und breit als stolz und trutzig bekannt war, benahm sich ausnehmend freundlich gegen Barfüßele, und die Furchenbäuerin sagte einmal zu Barfüßele:„Es ist schad', daß du kein Bursch' bist; ich glaub', die Amrei tät' dich auf dem Fleck heiraten und dich nicht heimschicken wie alle anderen Freier.“ 5 g „Ich hab' einen Bruder, der ist noch zu haben, aber er ist in Amerika,“ scherzte Barfüßele. 7 „Laß ihn drüben,“ sagte die Schmalzgräfin,„am besten wär's, man könnte alle Mannsleute hinüberschicken, und wir blieben allein da.“ 1 9 Amrei verließ den Hof nicht, bis wieder alles an den Platz gestellt war, und als sie ihre Schürze auszog, war sie noch so weiß und unzerknittert wie beim Anziehen. 7 „Du wirst müd' sein und nimmer tanzen können,“ sagte die Bäuerin, als Amrei endlich mit einem Geschenke Abschied nahm, und diese sagte: 5 „Was müd' sein? Das ist ja nur gespielt. Und glaub mir, es ist mir jetzt wohler, daß ich heut schon etwas geschafft habe. So einen ganzen Tag bloß zur Lustbarkeit, ich wüßl ihn nicht herumzubringen, und das ist's gewiß auch gewesen, warum ich heute morgen so traurig war; es hat mir was ge⸗ fehlt; aber jetzt bin ich vollauf zum Feiertag aufgelegt, ganz aus dem Geschirr; jetzt wäre ich erst recht aufgelegt zum Tanzen— wenn ich nur Tänzer kriege.“ 35 Ameile wußte Barfüßele keine bessere Ehre anzutun, als indem sie sie wie eine vornehme Bäuerin im Hause herum⸗ führte, und in der Brautstube zeigte sie die große Kiste mi den Kunkelschenken(Hochzeitsgeschenken) und öffnete die hohen, blaugemalten Schränke, drauf Name und Jahrzah geschrieben war, und darin vollgestopft die Ausstener und zahlreiches Linnenzeug, alles mit bunten Bändern gebunden und mit künstlichen Nelken besteckt. Im Kleiderschran n. dostens dreißig Kleider, daneben die hohen Betten, di die Kunkel mit den schönen Spindeln, um und um derzeug behangen, das die Gespielen geschenkt hat (Fortsetzung folgt. 8 Beilage zur Obe Gießen, Freitag, den 24. Dezember 1915. Hessen und Nachbargebiete. Gießen und Umgebung. Heilige Nacht. Stille Nacht, heilige Nacht. Fern, so sern halten Wacht unsere Lieben im Feindesland, schützen uns und das Vaterland treu vor jeder Gefahr. Stille Nacht, heilige Nacht.. Sehnsucht weint durch die Nacht nach den Lieben, die draußen in Not die von Tod und Gefahren umdroht 4 kämpfen um endlichen Sieg. Stille Nacht, heilige Nacht übe nun Deine Macht, schütze unsere Lieben im Feld, breite Frieden über die Welt, stille, heilige Nacht! Karl Petersson. Friede auf Erden? Als im vorigen Jahre die Weihnachtsbetrachtungen an dieser Stelle angestellt wurden, hätte kein Mensch es für mög⸗ lich gehalten, daß das gräuliche Völkermorden auch noch das diesjährige Weihnachten überdauern würde. In dieser Hoffnung sehen wir uns aber bitter getäuscht. Noch immer, moch stärker als voriges Jahr tobt der Kampf; es haben seit⸗ dem noch mehrere andere Staaten an dem allgemeinen Wür— gen und Schlachten sich beteiligt, von dem noch kein Ende abzusehen ist. Und viel mehr als im Vorjahre feiern dies— mal ein trauriges Weihnachten. Hunderttausende Fami— lien sind ihres Ernährers beraubt worden, oder haben sonst ein teures Mitglied verloren; überaus zahlreich sind die— jenigen, welche für zeitlebens als Krüppel sich durch die Welt schleppen müssen. Daß unter solchen Umständen keine Fest— freude aufkommen kann, ist ganz erklärlich.— Dazu kommt noch der Kampf um die täglichen Lebensbedürfnisse. Vielen Familien ist es nicht mehr möglich, das Notwendigste für den Lebensunterhalt herbeizuschaffen. Niedrige Spekulanten, ge— wissenlose Lebensmittelverteuerer benutzen die allgemeine Not, sich die Taschen zu füllen und das Volk in unerhörter Weise auszubeuten. Immer wieder verstehen sie es, den behördlichen Maßnahmen zum Trotz! Und zu allem Ueber— fluß bezeichnen sie sich noch als„Patrioten“! Unsere Partei weiß sich frei von Schuld an diesem Elend und Jammer. Sie hat jederzeit getan, was in ihrer Kraft stand, den grausigen Völkermord zu verhüten, sie hat stets durch Wort und Tat für den Völkerfrieden gearbeitet. hat auch dafür gekämpft, daß alle Volksschichten auf die Lei⸗ tung der Staatsangelegenheiten Einfluß erhalten; wäre das der Fall gewesen, hätten die Völker über Krieg oder Frieden zu bestimmen gehabt— es wäre nie zum Kriege gekommen! Ste Unsere Partei ist es gewesen, die stets im Sinne der Weih⸗ nachtsbotschaft„Friede auf Erden“ gearbeitet hat. Und sie wird so weiter tun! Obgleich die Verhandlungen im Reichstage über den neuen 10Milliardenkredit eine Spaltung in unseren Reihen zeigten, so glauben wir nicht, daß unsere Bewegung einen dauernden Nachteil davon hat. Die sozialdemokratische Ar⸗ beiterschaft wird ihren Weg finden und ihr Ziel nicht aus den Augen verlieren. In Deutschland, wie in allen anderen Ländern, mögen auch manche Führer sich vom Wege verirrt haben. Das eine Gute dürfte der Krieg im Gefolge haben: daß viele Tamsende, die vorher von der Sozialdemokratie nichts wußten oder wissen wollten, zu besserer Erkenntnis ge⸗ langt sein und unsere Reihen stärken werden. In dieser Zu⸗ versicht allen Genossen und Lesern Gute Weihnachten! Eine herzliche Bitte an die Mütter. Das ist meine Bitte: Laßt dem Kinde die Puppe das gange Jahr, laßt ihm sein Spielzeug überhaupt 5 N nehmt ihm nicht nach den Feiertagen das ee en 0 800 Das Spiel, die Zerstreuung, die Freude des Kindes sind doch f 0 zar Ihr denn dem der einzige Zweck des Geschenkes. Warum wollt Ihr N kleinen Menschenkind schon in der Jugend seine Feiertage abe zählen? Bedenket doch, daß es sich nie wieder in keine, de ssein en Lebenslagen Fest⸗ und Feiertage sestsetzen 15 7 Gefühl sie zerlangt, drum laßt ihm in einer 5 Wage für über seine Feiertage. Denket daran, was es dem Erwa 12 7 1 1 eine Ueberwindung und Entsagung kostet, gerade e wien schönen Tag wieder in die alte Tretmühle des 0 qu e die man(sich zur eigenen Aufmunterung) ee 1 5 190 5 statt den herrlichen Tag und seine eigene 5 5 e nutzen zu können und eine Wanderung in die la 0 0 g 1 We treten. Oder wie oft möchte man so gern 5 5 1 15 such machen, den Vortrag hören, in das Konzert 1 bilden, gepflegt werden, aber da darf man nicht so strenge Buch lesen, aber das harte Muß steht davor; Wien ed ban Ain 1 wine le Entelchen in uns zusammen, trösten uns, wie ele ee. re tröstet, gie bel schmußigem Wetter nicht e ee 1 weißen Schuhe anziehen dürfen, daß vielleich 70 ch. geit ist, Luft Tag, den des Lebens weise Einrichtung uns gi 225 bas Buch nicht zu schnappen, ein anderes Konzert zu besuchen, 1100 155 1 115 fortläuft usw usw. Dem Kind entflieht die 9197 1 e kommt nicht mehr, drum bietet ihm, Gelegenheit, 995 selbst piei Die Kinder werden in unserem Zeitalter 11„ früher ernste fertige Menschen, ners, ern Jugend zu vertiefen und in die Breite zu erm Ihr Euch von een 390195 Ihr Leben nennt, eine Eurer überhasteten, verdichteten Hetze, 901 e 1 10 5 Viertelslunde abzwacken könnt. Ja, spielt 55 werdet es nicht übers aber dann selber ganz als Kinder, und Ihr hne am es ihn Herz bringen, dem Kind das Spielzeug wegzunehmen, 3 en. 5 e , Es i mir dle manche Mutter Fe 15 955 Sachen zu teuer und zu empfindlich seien, Kinde alle Tage zu lassen. Dem kann man dae ge ver dem man sich bein, Einkauf alle Zwecke des 5 1 ich b führt und danach kauft. Bei dem Spielzeug 1 5 e kisthetische Gefühl mit praktischem Sinn ver 15 *. lich— ist es so schlimm, wenn beim täglichen Gebrauch die Puppe oder das Pferdchen, oder was es auch sein mag, beschädigt wird. Ich wenigstens hatte die Puppe, die die Hand verloren hatte, oder der die Nase fehlte, oder die sonstwie invalide war, immer lieber als die anderen, denn sie hat außer der Liebe auch mein Mitleid be— ansprucht. Glaubt mir, das weiche Kinderherz ist in höherem Maße liebevoll als ordnungsverlangend. Gewiß, das ästhetische Empfinden, die Korrektheit, kurz alles, was zu einem wohlerzoge⸗ nen Menschen gehört, soll beim Kinde an den Sachen, die seine Welt und kategorisch vorgehen, sonst gewöhnt sie sich das Kind, weil es sie als etwas Tyrannisches erblickt, erst recht nicht an. Ich hätte es wenigstens nicht getan. Also zum Schluß noch einmal die herzliche Bitte: Laßt den Kindern nach Weihnachten alles Spielzeug. Laßt das Kind seine Jugend mit dem Spiel ausfüllen, damit es in das arbeitsüberxeiche Leben mit frischer froher Kraft trete, und dann wird das Alter ein ruhiges und zufriedenes Zurückblicken sein. Für viele kleine Lieblinge: Hilde. Der Krieg und die Jugendlichen. Auf eine Umfrage der deutschen Zentrale für Jugend— fürsorge haben 20 deutsche Jugendgerichte Antworten erteilt, aus denen hervorgeht, daß die Kriminalität der Jugendlichen im ganzen Reiche gestiegen ist. Diese traurige Erscheinung scheint sich auch auf die Mädchen zu erstrecken. Aus manchen Städten werden auch Rlickfälle nach dem Amnestieerlaß, der bei Kriegsbeginn erging, gemeldet. In zahlreichen Fällen erfolgten die Verurteilungen allerdings wegen Ver⸗ gehen gegen das Kriegszzustandgesetz, Tragen von Schuß⸗ waffen und dergleichen, woraus man an sich noch nicht eine Verschlechterung der sittlichen Begriffe unter den Jugend— lichen schließen könnte. Aber verschiedene Jugendgerichte stellen ausdrücklich fest, daß der Krieg die Moralität der Ju⸗ gendlichen ungünstig beeinflusse und zwar besonders dort, wo der Vater im Kriege, die Mutter auf Arbeit war und daher die Jugendlichen die Aufsicht und Erziehung entbehren mußten. Solche Erfahrungen haben wir in Offenhach be— kanntlich auch in großem Umfange gemacht. 5 Ein Berliner Blatt weist auf die verschiedenen Maßnah⸗ men hin, die zur Behebung dieses Uebelstandes getroffen wurden, wie z. B. Einrichtung von Jugendhorten und Asylen Wanderkolonien und Lesestuben, Beaufsichtigung der Stra— ßenjugend durch ehrenamtliche Helfer. Es wird da auch aus der Umfrage der Schluß gezogen, daß das Zusammenarbeiten aller Jugendorganisationen unbedingt nötig und daß die Arbeit an der Jugend des Volkes eine Ehrenpflicht geger das Vaterland ist. Dagegen ist natürlich nichts zu sagen. Wir möchten aber darauf hinweisen, daß die Erkenntnis von der Notwendigkeit des Zusammenarbeitens aller Jugend⸗ organisationen erst jetzt im Kriege aufzukeimen beginnt, wäh⸗ rend man vorher gerade die größten Jugendorganisationen keineswegs in ihrem ganzen sittlichen Wert anerkennen wollte. So sehr wir wünschten, daß die freiwillige Arbeit von Vereinen und Einzelpersonen an der Jugend und für sie vollen Erfolg haben möchte, so wenig können wir uns leider der Ueberzeugung entschlagen, daß der Krieg eben nicht dazu angetan ist, die Sittlichkeit im allgemeinen und im höheren Sinne zu heben. Der Arbeitsmarkt in Hessen, Hesseu⸗Nassau und Waldeck im November 1915. Erstattet vom Milteldeutschen Arbeitsnachweisverband. Im allgemeinen haben sich auf dem Arbeitsmarkt gegenüber dem Vormonat die Verhältnisse nicht geändert. Es herrschte eine sehr starke Nachfrage nach Facharbeitern in allen Branchen, die aber nur in einzelnen Fällen befriedigt werden konnte. Nur die Nachfrage nach Schreinern konnte einigermaßen gedeckt werden. Der Mangel an Arbeitskräften führte seitens des Verbandes zu eingehenden Verhandlungen mit dem Stellvertretenden General- kommando des 18. Armeekorps über den Ersatz von kriegsver⸗ wendungsfähigen Arbeitern durch garnisonsverwendungsfähige und arbeitsverwendungsfähige Arbeiter aus den Ersatztruppen⸗ teilen. Der Erfolg der mit dem Stellvertretenden Generalkommando getroffenen Vereinbarungen über den Meldeverkehr der offenen Stellen und der auf Grund der Meldungen bei den Ersatztruppen⸗ tilen zuzuweisenden Ersatzkräften wird abzuwarten sein. Zur Ab⸗ stellung des Mangels an Facharbeitern für das Handwerk und für die kleinen Betriebe ist von der Stadt Frankfurt g. M. beabsichtigt, ein gemeinsames Gefangenenlager einzurichten. Die Ein⸗ richtung dürfte voraussichtlich Anfang Januar in Betrieb genom⸗ men werden. Dem Städtischen Arbeitsamt in Frankfurt a. M. wird hierbei die Aufgabe der Verteilung an die Arbeitgeber ob⸗ liegen. Ueber die Arbeitsmarktlage in den einzelnen Berufen ist noch folgendes hervorzuheben: Jufolge des eingetretenen Frostes waren zeitweise Waler und Weiß binder außer Arbeit. Von größerem Einfluß auf den Arbeitsmarkt ist jedoch diese Beschäfti⸗ gungslosigkeit nicht gewesen, da das Baugewerbe fast überall voll⸗ ständig ruht. Im Gastwirtsgewerbe waren die Arbeitsverhältnisse gegenüber dem Vormonate dieselben. Infolge des früheren Ein⸗ bringens der Ernte war die Beschäftigungsgelegenheiet für land⸗ wirtschaftliche Arbeiter im Berichtsmonat schlechter als im gleichen Monat des Vorjahres. Die Vexhältnisse auf dem landwirtschaft⸗ lichen Arbeitsmarkte sind im allgemeinen durch die Gefangenen⸗ und Ausländerbeschäftigung zufriedenstellend. Auf dem weib⸗ lichen Arbeitsmarkt machte sich ein verstärktes Angebot von Dienstboten bemerkbar, es meldeten sich namentlich viele Mädchen von auswärts. Im Gegensatz zu Friedenszeiten übersteigt das Angebot von Dienstboten die offenen Stellen. Das verstärkte An⸗ gebot ist sowohl auf das Zurückströmen aus den Kur- und Bade⸗ orten, als auch auf die allgemeine Einschräukung der Dienstboten⸗ haltung zurückzuführen. Die Herrschaften, Geschäftshäuser und der⸗ gleichen behelfen sich vielfach mit Monatsfrauen, sodaß an diesen zeitweise Mangel herrschte. In der weiblichen gewerblichen Ab⸗ teilung des Städtischen Arbeitsaantas Frankfurt a. M. war der Andrang von Stellensuchenden für Näh⸗ und Fabrikarbeit stärker als im Vormonat. Auch Heimarbeiterinnen meldeten sich wieder in größerer Zahl. Ungünstig war der Arbeits⸗ markt namentlich für Heimarbeiterinmen. Auch sehlte es vielfach an Beschäftigung für solche Frauen, die infolge häuslicher Verhält⸗ nisse nicht in der Lage sind eine ganztägige Arbeit anzunehmen. In Frankfurt a. M. ist in Verbindung mit der Betriebswerkstätte für Heimarbeiterinnen und dem Nationalen Frauendienst Vorsorge getroffen worden, daß in größerem Umfange wieder Strick⸗ arbeiten bereitgestellt werden. Die Nähstube des Nationalen Frauendienstes gewährt ihren Arbeiterinnen zunächst für den Winter Teuerungszulagen von 25— 33% Prozent des Wochenver⸗ dienstes. rhessischen Volkszeitung Nr. 302 Schickt Bücher ins Feld! Jeder kennt diese Mahnung, und wer irgend kann und dein Ziel weiß, hat sie wieder und wieder befolgt. Aber es kommt schwerlich darauf an, Bücher zum Zeittotschlagen zu versenden. Reiflich soll jedermann sich überlegen, was er schickt. Denn die Minuten, die draußen ans Lesen gesetzt werden können, sind kostbar. Das Buch, das seinen Zweck erfüllen soll, muß vor allem eine Kraft haben: die Verbindung mit der Heimat muß es frisch erhalten, ein Gegengewicht muß es sein gegen die abstumpfenden Wirkungen des Krieges, die von Feldsoldaten in vielen Kundgebungen als Tatsache fest⸗ gestellt worden sind. So käme es also, was uns betrifft, darauf an, Bücher zu senden, die das geistige Band zwischen den Brüdern und Freunden da draußen und uns straff lebendig bleiben läßt. Welche Bücher da die richtigen sind, geht etwa aus dem Verzeichnis hervor, das die Buchhandlung Vorwärts in Berlin SW. 68, Lindenstraße 3, jedem Feld⸗ grauen auf Verlangen schickt. Mögen unsere feldgrauen Freunde ihre Wünsche in die Heimat melden. Wer von unseren Lesern einem Feldgrauen eine Weihnachtsfreude mit einem guten Buche machen will, kann das Verzeichnis von unserer Expedition verlangen. Ein gutes Buch ist immer das beste Weihnachtsgeschenk gewesen. Und wenn ihr ohne weiteres wißt, was für die Arbeiterkrieger geeignet ist, so handelt danach. Jeder von euch hat wohl gehört, wie draußen unsere Zeitungen und Schriften von Hand zu Hand gehen, wie sie die geistige Gemeinschaft derer, die zusammenstehen und zusammengehören, fördern. Deshalb noch einmal: Schickt solche Bücher ins Feld! 4 Nationalstiftung für die Hiͤterblichenen der Gefallenen. Unter dem Vorsitz des Staatsministers von Ewald fand am Montag in dem Sitzungssaale der Zweiten Ständekammer eine Sitzung des Landeskomitees der Nationalstiftung für die Hinter⸗ bliebenen der im Kriege Gefallenen statt. Mit dem Dank gu die Erschienenen verband der Vorsitzende die Mitteilung, daß die Tätigkeit der Nationalstiftung alsbald, also noch vor Beendigung des Krieges, beginnen solle, da deren Hilfe jetzt schon nötig sei. Den Landesausschüssen werde ein großer Teil der gesammelten Gelder zur Verfügung gestellt, die aber nur in Fällen dringender Not, wo die Reichshilse nicht ausreicht, zur Verwendung kommen sollen. Geh. Legationsrat Neidhard machte hierauf eingehende Mitteilungen über die Organisation der Nationalstiftung, nach deren Satzungen die Hauptaufgabe darin besteht, für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen ergänzend einzutreten, wo die gesetzlich bestimmten Unterstützungen des Reichs nicht aus⸗ reichen. Die Stiftung kann allen Witwen und Waisen der im Kriege Gefallenen, ohne Unterschied des Standes und Glaubens, teils durch Bargelb, teils durch geschäftliche Förderung und Aus⸗ bilbung, Beruss⸗ und Familienberatung jeder Art gewährt wer⸗ den. Ausdrücklich wird erklärt, daß die Schaffung weiterer Kriegs⸗ waisenhäuser nicht unterstützt wird. Es sollen Bezirks⸗ und Unterausschüsse gebildet werden, die in Gemeinschaft mit den be⸗ stehenden Einrichtungen für Witwen- und Waisenpflege und Mit⸗ hilfe des Roten Kreuzes und der Frauen ihren Zweck erreichen. sollen, um die Wunden zu heilen, die der Krieg geschlagen hat.— Oberbürgermeister Dr. Göttelmanun⸗Mainz bringt die Be⸗ fürchtung zum Ausdruck, daß durch sofortiges Beginnen der Tätig⸗ keit vor Beendigung des Krieges das Reich, welches doch in erster Linie zur Unterstützung verpflichtet sei, seine Aufgabe nicht in dem Maß erfüllen werde, wie es nötig sei.— Der Vorsitzende weist darauf hin, daß die Bedenken des Vorredners nicht begründet seien, zudem die Tätigkeit des Nationalkomitees jetzt nur in wirk⸗ lich dringenden Fällen eintreten soll.— Geh. Regierungs⸗ rat Dr. Dietz ist der Ansicht, daß das Reich sich seinen Verefleb⸗ ungen nicht entziehen werde, es liegen aber jetzt schon zahlreiche Fälle vor, in denen Hilfe absolut nötig sei. Dank der Tätigkeit ver⸗ bisher 501000 Mk. eingegangen, davon 336000 Mk. allein in Offenbach, Darmstadt 27000 Mk., Gießen 25 000 Mk., Groß⸗Gerau 14600 Mk., Friedberg 13 000 Mk., Heppen⸗ heim 5600 Mk., Bensheim 4300 Mk. usw. Einzelne Kreise haben bisher überhaupt noch nicht mit der Sammlung begonnen. Man solle die Unterstützungstätigkeit micht hinausschieben. Auf eine Anfrage des Geh. Kommerzienrats Hardt⸗Mainz teilt der Vor⸗ sitzende mit, daß die Sammlungen fiberhaupt bis jetzt etwa 10 Millionen Mark eingebracht haben werden.— In der weiteren Aussprache wünscht Geheimrat Fey⸗Darmstadt alsbaldiges Be⸗ ginnen der Tätigkeit und zwar in Gemeinschaft mit den bestehen⸗ den Einrichtungen. Fabrikant Feistmann⸗Offenbach for⸗ dert Vertretung eines Arbeitnehmers im Landesausschuß, ferner des Oberbürgermeisters von Offenbach, sowie der Damen. — Der Vorsitzende weist darauf hin, daß die Ergänzung des Aus⸗ schusses Aufgabe des Landesausschusses selbst sei und schließt mit Worten des Dankes die Versammlung. In der anschließenden Sitzung des Landesausschusses wurde die Zuwahl eines Arbeitervertreters beschlossen. Der Ausschuß setzt sich also zusammen: Vorsitzender: Der Staatsminister, Stell⸗ vertreter: Geheimrat Dr. Dietz, ein Vorstandsmitglied vom Roten Kreuz, dle Vizepräfidentin vom Alice-Frauenverein, Abg. Brauer, Fabrikant Feistmann-Offenbach, Geh. Kommerzienrat Harth⸗ Mainz, Freiherr Heyl zu Herrnsheim, Geh. Legationsrat Neidhart, Kaufmann Sachs⸗Erbach, Landgerichtsrat Wiener-Gießen. Lohnzahlungen bei Krankheiten. Nach S 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches muß dem Arbeiter doch der Lohn gezahlt werden, wenn er für eine den Umständen nach unerhebliche Zeit durch einen in seiner Person liegen⸗ den Grund ohne sein Verschulden an der Arheit verhindert ist. Kurze Krankfeierzeiten fallen in der Regel unter diese Bestimmung. Nun ist zwar der§ 616 B.⸗G.⸗B. nicht als genügendes Recht hinge⸗ stellt worden, er kann durch den Arbeitsvertrag„abgedingt“ wer⸗ den, doch gilt dies nur für Lohn oder Gehalt über 2000 Mark im Jahr. Darunter ist der Lohn vor der Pfändung geschützt und es kann auch gar nicht vorweg über zustehende Lohnansprüche verfügt werden. Geschieht es doch, dann ist es ohne rechtliche Wirkung. Dies gilt auch für den„Verzicht“ in Arbeitsordnungen auf den § 616 B.⸗G. B. Soweit das Lohnbeschlagnahmegesetz der Abdingbarkeit des § 616 nicht im Wege steht, kommt es auch darauf an, wie weit die Abdingung erfolgt. Eine Arbeiterin klagte vor dem Berliner Gewerbegericht den Lohn für eine Woche ein, während der sie krank und arbeitsunfähig war. Der Unternehmer berief sich auf den abgeschlossenen Arbeitsvertrag, in dem es hieß:„Tage, an denen nicht gearbeitet wird, werden nicht bezahl t.“ Das Ge⸗ richt kam zur Verurteilung.„Es hieß, zweifelhaft sei, ob die Klägerin als gewerbliche Arbeiterin oder als Handlungsgehilfin zu gelten habe. Doch komme es im vorliegenden Fall nicht darauf an. Würde sie Handlungsgehilsin sein, dann wäre die Vereinbarung auf Grund des Handelsgesetzbuches ungiltig. Als gewerbliche Ar- beiterin habe die Klägerin Anspruch auf S 616 B. G. B. falls dieser schiedener Kreise seien nicht durch die Vereinbarung ausgeschlossen sei. Die Bestimmung, daß Tage, an denen nicht gearbeitet wird, nicht bezahlt werden, müsse nach Treu und Glauben und mit Rücksicht auf die Verkehrs⸗ fitte ausgelegt werden. Hiernach könne die Vereinbarung dahin i werden, daß gesetzliche Feiertage nicht bezahlt würden. Der 16 sei durch die Vereinbarung nicht ausgeschlossen. Eine durch Krankheit verursachte Arbeitsversäumnis von einer Woche sei eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit, die der Klägerin be⸗ zahlt werden müsse. 5 85 Das Lohnbeschlagnahmegesetz ist ja bei der Urteilsbegründung nicht weiter mit herangezogen worden. Doch muß sich ein Ar⸗ beiter nach§ 616 B. G.⸗B. anrechnen lassen, was er in der Krankheitszeit aus einer Zwangskrankenkasse an Einnahme bezieht. Wo die Arbeiter gensigende Freiheit haben, sollten sie über⸗ haupt keine Arbeits⸗ oder Tarifverträge annehmen, in denen die sozigl wichtige Bestimmung des 8 616 abgedingt wird. Die Ge⸗ werkschaften drängen schon lange nach dieser Richtung. Wie soll der Christbaum geschmückt werden? Mehr Geschmack beim Schmücken des Weihnachtsbaumes forderte s. Z. der Kunstwart, indem er schrieb:„Aetsch, unser Ehristbaum dreht sich mit Musik!“„Und unser Vater hat lauter eleptische Lampen draufmachen lassen, rote und blaue und grüne und weiße— ätsch!“ Das ist aus einem gehörten Kindergezänk. 65 könnke einem bange werden, wenn man sieht, wie sogax beim kindlichsten der Feste Tausende der jungen Seelen um die Freude am Einfachen, Geraden und darum Natürlichen und Schönen be⸗ trogen werden. Denn der kunstvolle Spielautomat mag den Choral „Vom Himmel hoch“ noch so„rein intonieren“, er gübt doch nur ein jämmerliches Surrogat für Kindergesang; und mau mag die Drähte der Glühlampen noch so gut verstecken können, und es mag noch so„effektvoll“ fein, wenn der Vater nur am Schaltknopf zu drehen braucht, um im Nu blendendes Licht über den ganzen Baum zu zaubern— es ist doch und gergde deshalb traurige Mache und kein Ersatz dafür, daß die Mutter die Kerzen eine nach der andern angezündet hat, während der wohlige Duft des schmelzenden Wachses im Zimmer auf So oft und soviel auch schon gegen ent⸗ stellende Verzierungen des Weihnachtsbaumes gesagt und geschrieben worden, und so oft das Gesagte guch schon wiederholt worden ist— immer wieder weiß die schreiende Reklame Käufer zu locken. So ist es mit dem meisten von allem, was als Christbaumschmuck auf den Maxkt kommt. Sollte es wirklich jemand geben, der es für natürlich hielte, daß meist noch dazu greulich gefärbte bunte Glas⸗ und Blechkinkerlitzchen oder gestanzte Papier⸗Engel oder Papier⸗ „Blumen“ an die Zweige gesteckt oder gehängt werden oder Karten mit Bildern und Sprüchen? Also weg damit und weg mit all dem 25 olten und Gesuchten, mit dem der Baum überladen wird! das soll er denn sein, ein grüner Lichterbaum oder ein Aufhänge estell? Wo man die Zeit hat, Nüsse zu vergolden un sonst seichtes„Hausgemachtes“ für den Baum herzustellen— sch n. In alle die Stunden, die man dran gearbeitet, glänzt er daun schon voraus, und wenn die Sachen am Baume hängen, daun hängt wieder die Erinnerung an diese lieben Stunden mit daran. 56 ist mehr wert, als auch einwandfreier„dekorativer“ Behang, n dem e käuflichen Krame gar nicht zu reden. Wo aber die Zeit zu solchem Selberhelfen fehlt, da kaum die käufliche . Ware nicht⸗ helfen. Und es ist kein großes Unglück darun. Denn s Schönste ist und bleiht der Baum ohne Behang, der grüne 2 sohn nur im verheißenden Lichterglanz und im wür zenden Wachsduft. Man glaube dach nicht, daß man die Kleinen nicht auch zur Mitfreude an dem gewinnen könnte. Ihren Scherz, ihr Spiel⸗ zeug, ihren bunten Kram müssen sie nur ehen auch haben, es ist 1 8 nicht gesagt, gerade am Baume. Der reine Lichterbaum macht 19 0 ihnen keinen kleinen, sondern einen starken und tiefen Eindruck, wenn man durch Aufstellung und Umgebung dafür sorgt, daß er als das zur Geltung kommt, was er sein soll. Hübsche S. selsachen, Bücher usw. kann er auch inn Moos unter sich mit seinen grünen Zweigen überdecken. — Gegen den Völkerhaßß. Es gibt Leute, welche der Masse einzureden suchen, der Krieg sei vom Haß der Völker gegeneinander verursacht. Und es hat auch nicht an Leuten gesehlt, die den Haß zu entfachen und aufzustacheln suchten, wir erinnern nur an den famosen„Haßgesang gegen Eng⸗ land“ von Lissauer. Dieser hat ja später sich seines Wahn⸗ sinns⸗Produkts felber geschämt und es abzuschwächen versucht, aber es ist doch da und in England zur Blamage des deutschen 0 bekannt geworden. In Wirklichkeit kennen die Bölker gar keinen Haß gegeneinander. Warum auch? Sie kennen sich ja gar nicht, haben also zu Haß gar keinen Grund; viele Angehörige des einen Volkes sind mit denen eines anderen fogar eng befreundet und verwandtschaftlich ver— bunden. Wo Haß zwischen den Völkern besteht, ist er meistens durch Hetzer hervorgerufen und angestachelt worden und in der Regel verfolgen diese Leute dabei den Zweck, zu profi⸗ tieren. Noch nicht einmal die Krieger, die täglich gegen⸗ einander kämpfen, haben Haß gegeneinander. So druckte vor einiger Zeit das Protestantenblatt die Zuschrift eines im Felde Stehenden ab, der sich wie folgt aussprach: „Wir im Felde, wir kennen den Feindeshaß kaum. Wir wissen nur zu gut, daß die Leute uns gegen⸗ über im feindlichen Schützengraben genau so hungernde, durstende, frierende oder schwitzende, von Ungeziefer ge— plagte, sich nach der Heimat sehnende Menschenkinder sind wie wir, und wenn unsere französischen, also„feindlichen“ Quartierwirte in Noyon von den französischen Soldaten immer als von unseren„Kameraden“ sprachen, so hatten sie im Grunde gar nicht so unrecht. Unser Empfinden ist wirklich derart: Kameraden, aber infolge der Tücke des Schicksals im feindlichen Lager.... 5 Und nun, die Freunde in der Heimat? Sie leben— ich habe es selbst ja auch drei Monate mitgemacht und kann daher mitreden— alle mehr oder weniger unter dem Druck der Tatsache, daß sie nicht mittun können, daß sie bei den großen Ereignissen der Gegenwart untätig zuschauen müssen. Sie möchten aber gern etwas tun, und weil sie mit der Waffe auf die Feinde nicht losschlagen können, so schlagen sie wenigstens los mit dem Munde und mit der Feder und reden und schreiben sich in einen Haß hinein, der manchmal geradezu lächerliche Formen annimmt. Und damit bei den Worten die Taten doch nicht ganz fehlen, so ändert man die Firmenschilder, setzt Dichter und Schrift⸗ steller fremder Nationen auf den Index und kommt sich dabei ungeheuer„deutsch“ vor. Es muß einmal ausge⸗ sprochen werden, wie unsagbar peinlich dieses Gehabe auf uns im Felde wirkt, beinahe ebenso peinlich, wie, wenn mann uns alle blindlings zu„Helden“ stempelt.“ Der Mann hat zweifellos recht. Ein Trost für alle ver⸗ nünftig Denkenden ist es, daß mindestens neun Zehntel der Bevölkerung von jedem Völkerhasse frei ist und wenn es der großen Mehrheit des Volkes nachginge, so hätten wir über⸗ haupt keinen Krieg. — Kein Weihnachtswetter? Der eingetretene Frost hat bald wieder milderem Wetter Platz gemacht. Schon gestern vormittag verwandelte sich der Schnee in den Straßen der Stadt zu der gefürchteten Patsche, und wird bald ganz ver⸗ schwunden sein. Angenehm ist das gewiß nicht, für diese Zeit hätte jeder gerne trockenes Frostwetter, das ja nicht gleich 20 Grad Kälte zu bringen brauchte. — Brotkarte auch im Frieden. Die Deutsche Tagesztg., das agrarische Hauptorgan in Berlin, hat sich kürzlich für Beibehaltung der Brotkarte auch im Frieden ausgesprochen. Dsa Blatt schrieb u. a.: „Wir werden nach menschlicher Voraussicht auch nach einem günftigen Frieden die Brotkarte zicht sofort ver⸗ schwinden lassen können. Vielleicht bleibt sie mit einigen Abänderungen und Abschwächungen eine dauernde Ein⸗ richtung, und das würde gewiß nicht schaden. Die deutsche Landwirtschaft wird sicher noch lange Zeit imstande sein, den Bedarf der Bevölkerung zu decken; aber eine gewisse umsichtige und haushälterische Sparsamkeit wird notwendig bleiben.“ Eigentlich hat es ja wenig Wert, jetzt darüber zu dis⸗ kutieren, Hauptsache wäre, daß erst der Frieden mal da wäre. Aber bezüglich der Deckung des Bedarfs durch die deutsche Landwirtschaft ist doch ein Wort am Platze. Vor dem Kriege, als es den Agrariern darauf ankam, hohe Brot- und Fleisch⸗ zölle durchzudrücken, konnte man tausendfach die Behauptung wiederholen hören, daß die deutsche Landwirtschaft imstande sei, das Volk zu ernähren. Von unserer Seite ist dem unter Hinweis auf die Einfuhrziffern stets widersprochen worden, Der Krieg haͤt klar gezeigt, wie recht wir hatten; die deutsche Landwirtschaft ist eben nicht imstande, den Bedarf des Volkes zu decken.— Nebenbei muß bezüglich der Brotkarte noch gesagt werden, daß sie doch bloß ein Mittel in der Not darstellt. Man wird vernünftigerweise die nicht geringen Mühen und Kosten, die sie verursacht, sparen, wenn man sie nicht unbedingt haben muß. — Abschlachtung der Nußbäume. Gegenwärtig wird das Nußbaumholz sehr begehrt und es verzeichnet daher auch einen hohen Preis; der Kubikmeter lostet etwa 150 Mk. und noch mehr. Das veranlaßt viele Besitzer von Nußbäumen, diese zu verkaufen und sie werden massenhaft gefällt. Nun ist aber der Baum keines⸗ wegs sehr zahlreich in Deutschland vertreten und es besteht die Gefahr, daß die jetzige Abschlachtung zu seiner Ausrottung führt. Das wäre sehr zu beklagen und ein großer Schaden; denn wenn die Nüsse einigermaßen geraten, bringen sie einen guten Gewinn, da der Baum fast gar keine Pflege erfordert. Aber auch das für Möbel, Schnitzereien usw. fehr gut verwendbare Holz ist sehr wert⸗ voll, weshalb man dafür sorgen sollte, daß die Rußbäume lieber mehr angepflanzt als alle verbraucht werden. Meistens wird das Holz jetzt zu Gewehrschäften verbraucht. Den Schueidertarif als zwingendes Recht erklärt hat der Ober⸗ befehlshaber in den Marken, Generaloberst von Kessel. Er hat bestimmt: 1. Für alle von Bekleidungsämtern vom 1. Januar 1916 ab in Auftrag gegebenen und in Privatbetrieben seines Bezirks erfolgenden Anfertigungen von Mannschaftsbekleidungsstürken (Schneider⸗ und Mützeumacheranfertigungen, Halsbinden, Helm⸗ bezüge, Armbinden, Salzbeutel, Aufnähen der Buchstaben und Nummern bei Helmbezügen) dürfen keine Vereinbarungen ge⸗ troffen werden, welche von den Lohnabreden in den vom Kriegs⸗ bekleidungsamt des Gardekorps in Berlin(Lehrter Straße 57) am 15. Dezember 1915 herausgegebenen allgemeimen und besonderen Vertragsbedingungen abweichen. 2. Zuwiderhandlungen wer⸗ den auf Grund des Paragraphen 9b des Gesetzes über den Be⸗ lagerungszustand bestraft. 1 — Stadttheater Gießen. Viele Abwechslung bringt der Spiel⸗ plan der Feiertage. Am 1. Feiertag gelangt als Gesamtgastspiel der Darmstädter Hofoper und Hofmusik die Mozartsche Oper„Die Gärtnerin aus Liebe“ zur Aufführung. Diese Vorstellung beginnt um 5% Uhr. Der zweite Feiertag bringt für den Nach⸗ mittag eine Wiederholung des beliebten Schwankes„Herrschaft licher Diener gesucht“, für den Abend die erste Wieder⸗ holung der so außerordentlich erfolgreichen Gesangsposse„Der Juxbaron“ mit Musik von Walter Kollo(Komponist von„Wie einst im Mai“). Am 27. Dezember wird nachmittags das Kinder⸗ märchen„Hänsel und Gretel“ gegeben. Am 27. Dezember abend findet eine Wiederholung des neuen liebenswürdigen Lust⸗ spiels von Presber und Stein„Die selige Exzellenz“ statt, das jüngst bei der Erstaufführung hier so vorzüglich ange⸗ sprochen hat.— Es sei darauf hingewiesen, daß die Kasse an den Feiertagen jeweils von 11—1 Uhr vormittags geöffnet ist. — Stadttheater Gießen. Spielplan. Sonntag den 26. Dezember(2. Feiertag), nachmittags 3% Uhr:„Herrschaftlicher Diener gesucht“, Schwank in 3 Akten von Eugen Burg und Louis Taufstein. Ende 5½ Uhr. Kleine Preise. Abends 7% Uhr: „Der Jurbaron“, Posse mit Gesang und Tanz in 3 Akten von Por⸗ des⸗Milo und Hermann Haller. Musik von Walter Kollo. Ende gegen 10% Uhr. Gewöhnliche Preise(ermäßigt).— Montag, den 27. Dezember(3. Feiertag), nachmittags 3½ Uhr: Kinder⸗Vorstellung: „Hänsel und Gretel“. Ein Märchenspiel in 4 Bildern von Sieg⸗ fried Stutz. Ende 5 Uhr. Volks⸗Preise.— Abends 7% Uhr: „Die selige Exzellenz“, Lustspiel in 3 Akten von Rudolf Presber und Leo Walter Stein. Ende 10½ Uhr. Kleine Preise.— Diens⸗ tag(Bad Nauheim), den 28. Dezember, abends 8 Uhr:„Der Jux⸗ baron“. Ende 10% Uhr.— Mitwoch, den 29. Dezember, abends 8 Uhr: 9. Dienstags⸗Abonn.⸗Vorstellung: Neuheit:„Armut“, Ein Trauerspiel in 5 Akten von Anton Wildgans. Ende gegen 10% Uhr. Gewöhnliche Preise(ermäßigt).— Samstag, den 1. Januar (Neujahr), abends 7½ Uhr: Außer Abonnement:„Die selige Exzellenz“. Ende 10½ Uhr. Kleine Preise.— Sonntag, den 2. Januar, nachmittags 3½ Uhr: Kinder⸗Vorstellung:„Häusel und Gretel“. Ein Märchenspiel in 4 Bildern von Siegfried Stutz. Ende 5 Uhr. Volks⸗Preise.— Abends 7½ Uhr:„Der Juxbaron“. Ende gegen 10½ Uhr. Gewöhnliche Preise(ermäßigt). 5 — Zauberkünstler Strack⸗Bellachini aus Marburg gibt am 1. und 2. Feiertage im Sgale des Café Leib Vorstellungen. Wir weisen auf das Insergt im heutigen Blatte hin, aus welchem Näheres ebsichtlich ist. Bellachini versteht es vortrefflich, sein Publikum zu unterhalten und mit den wunderbarsten und un⸗ möglich scheinenden Leistungen zu verblüffen. Er ist gewohnt, mit reichhaltigem und interessantem Programm aufzuwarten und wir können den Besuch seiner Vorstellungen nur empfehlen. — Auszahlung der Familien⸗Unterstützung. Vom Mittwoch, 29. bis 31. Dezember wird die Reichs- und Kreisunterstützung an die Angehürigen der zum Heeresdienst Einberufenen ausgezahlt, vom Montag den 3. Januar bis Mittwoch den 5. Januar die städtische Unterstützung und am Donnerstag, den 6. Januar, wer⸗ den die Mietbeträge an die Vermieter ausgefolgt. Wir verweisen auf die Bekanntmachung im heutigen Blatte. — Oberhessischer Kunstverein. Die Verhandlungen, welche seither mit Künstlervereinigungen und Künstlern stattsanden, haben zu dem erfreulichem Ergebnis gefsührt, daß die Reihenfolge der Ausstellungen schon bis Juli 1916 festgelegt werden konnte. Am 0. Januar wird die Berliner Künstler⸗Gilde, welche das Aus⸗ stellungsunternehmen der Allgemeinen Deutschen Kunstgenossen⸗ schaft ist, im Oberhessischen Kunstverein ihren Einzug halten. Diese Ausstellung von 6 bis wöchentlicher Dauer mit zweimgligem Wechsel der Gemälde wird eine leihe huchinteresfauter Kunüwerke 0 5 9 5 der bekanntesten Künstler aufzuweisen haben. Dann folgt die Ausstellung der Deutsch⸗Oesterreichischen Künstler, welche zuvor in den Städten Nürnberg, Stuttgart und Mannheim ie ien urde. Nach dieser gelangen zwei Sammlungen des Portraits⸗ und Land⸗ schaftsmalers Jung, des Tiermalers Weczerzick und Werke des Bildhauers Scheiber zur Ausstellung. Sodann wird die ebenfalls neu zusammengestellte Ausstellung des Dresdener Künstlerbundes hier zum erstenmale ausgestellt. Juni—Juli stellt wieder ein Teil der Ausstellung die Berliner Künstler⸗Gilde, wobei noch„Kunft⸗ gewerbliche Arbeiten“ mit zur Ausstellung gelangen sollen. Kreis Alsfeld⸗Lauterbach. Die Beerdigung des Landtagsabg. Lutz, der in einem Münchener Lazarett starb, erfolgte am Dienstag in seinem Heimatsorte Elpenrod unter sehr starker Beteiligung der Abge⸗ ordneten und der Bevölkerung. Landtagspräsident Köhler widmete dem Verstorbenen einen warmen Nachruf. Kreis Wetzlar. n. Arbeitsveteranen. In den Buderusschen Eisen⸗ werken sind eine ganze Anzahl Arbeiter und Beamte beschäftigt, die 25 bis sogar 40 Jahre dort arbeiten. Diesen wurde für die ununterbrochene Dienstzeit eine Belohnung ausbezahlt. Es kommen 28 Leute in Betracht, die Beamten erhielten je 100, die Arbefter je 75 Mark. Von Nah und Fern. Ein Bankier verhaftet. Aus Darum stadt wird berichtet, daß dev dortige Bankier Levpold Kahn wegen Untreue perhaftet wurde. Er soll zahlreiche Depots von na Beträgen, die bei ihm eingezahlt waren, unterschlagen haben. Er befindet sich seit einiger Zeit in Zahlungsschwierigkeiten infolge von Speku⸗ lationen und Verlusten an Papieren, die durch den Krieg erklärt waren. Vergleichsverhandlungen hatten bisher keinen Erfolg. Die Unterbilanz wird n auf eine Million Mark geschätzt. Parteinachrichten. Der Karlsruher Sozialisteuprozeß g ist nun vom Oberreichsanwalt soweit vovbereitet, daß die Anklage⸗ schrift den beteiligten Genossen und Genossinnen zugestellt worden ist. Es sind angeschuldigt des versuchten L Sperrats, ngen durch Verbreitung eines Flugblattes, die Genossen Georg vie Bernhard Kruse, Willi Zimmer, Jakob Trabinger, Frau Hager, sämtlich in Karlsruhe;: Frau Klarg Zetkin⸗Zundel und Friedrich Westmeyer in Stuttgart; Hans Tittel, Karl Schwarz und Albert Wintergerst in Ulm. Dem letzteren dresen legt die Anklagebehörde auch noch eine Anveizung verschiedener Bevölkerungsklassen zu Ge⸗ walttätigkeiten zur Last. Seitens der Verteidigung ist gegen die Eröffnung eines Haupt⸗ verfahrens ein Einspruch erhoben worden. Sollte es de zur Verhandlung vor dem Reichsgericht kommen, so wird ei it⸗ lichkeit in der Verteidigung herbeigeführt werden. Wahrscheinlich wird der badische Landtagsabgeordnete Muser, Rechtsanwalt in Offenburg, für sämtliche Angeschuldigte in Leipzig die Verteidigung führen. Es befinden sich immmer noch in der Untersuchungshaft die Genossen Dietrich, 5 1 Schwarz und Wintergerst. Der Genosse Trabinger ist in der Heil⸗ und f flegeanstalt Illenau in ärztlicher Behandlung; gegen ihn soll das Pere vorlegen gestellt werden. Auch wird der Haftbefehl gegen ihn aufgehoben. Arbeiterbewegung. Der Krieg und die Thermometerindustrie. Thermometer werden fast nur in Deutschland angefer⸗ tigt, hauptsächlich in Thüringen. Im Ausland ist die Pro⸗ duktion eine fast geringe und auch dort werden fast nur deutsche Arbeiter verwandl Die Fabrikation erfolgt fast aus⸗ schließlich in der Heimindustrie, nur ganz vereinzelt findet man in größeren Städten einige Thermometerarbeiter. Auch diese werden verschwinden, denn mit der Heimarbeit kann die Industrie in der Großstadt den Konkurrenzkampf nicht auf⸗ nehmen, weil die Bezahlung der Heimarbeiter eine so schlechte ist, daß man von einer Elendsindustrie reden kann. Der Heimarbeiter fertigt den Tag drei, höchstens 3½ Dutzend ärztliche Thermometer an, und da für das Dutzend Thermo⸗ meter nur ein Lohn von 80 Pfg. gezahlt wird, so verdient er 2,40 bis 2,80 Mark. Von diesem Verdienst gehen aber die Unkosten für die Glasröhren und Quecksilber ab, sodaß der Verdienst wesentlich geringer wird. Die Lohnverhältnisse der Heimarbeiter gestalteten sich aber immer trüber, da kaum in die Lehve getretene junge Leute sich„selbständig“ machen und ihre Erzeugnisse zu ganz geringen Preisen absetzten, um überhaupt Beschäftigung zu haben. Dadurch wurden die Löhne oder Verkaufspreise der Heimarbeiter immer tiefer herabgedrückt. Beim Kriegsausbruch trat eine wesentliche Aenderung in der Produktion ein. Die Regierung erließ ein Ausfuhr⸗ verbot für Thermometer, auch nach neutralen Staaten durften die Erzeugnisse nur unter der ausdrücklichen Zustimmung der Regierung ausgeführt werden. Mit dem Ausbruch des Krieges stieg die Nachfrage nach ärztlichen Thermometern ganz erheblich. Für die Thermometer⸗Arbeiter brach da⸗ durch eine günstige Zeit an. e Die Organisation tat ihr möglichstes, um geordnete Arbeitsverhältnisse zu schaffen. Zunächst wurde mit den Händlern ein Tarifvertrag abgeschlossen, der vom 1. Mai bis zum 20. November Gültigkeit hatte und der Lohnerhöhungen von 30 bis 50 Prozent vorsah. Wenn man aber die vorher gezahlten niedrigen Löhne in Erwägung zieht, so konnte trotz der erheblichen Lohnerhöhung noch nicht von hohem Verdienst der Thermometerarbeiter gesprochen werden. Für eine längere Vertragsdauer waren die Händler nicht zu haben, sie erklärten, daß nach Beendigung des Krieges es für 17 nicht mehr möglich wäre, die hohen Löhne zahlen zu önnen. Bereits vor Ablauf des Tarifvertrags trat die Arbeiter⸗ organisation erneut an die Unternehmer heran, um einen neuen Tarifvertrag abzuschließen. Die Händler waren dazu nicht zu bewegen, dagegen zeigten sie sich geneigt, wesent⸗ liche Zugeständnisse zu machen. Leider muß gesagt werden, daß der Tarifgedanke auch bei den Arbeitern nicht so aus⸗ geprägt war; sie selbst erklärten teihweise, daß ihnen höhere Löhne angenehmer wären, als die Vertragsdauer. So scheiterte die Einführung eines neuen Tarifs; dagegen wur⸗ den die Löhne erneut um 50 bis 100 Prozent erhöht. Es wäre nur zu wünschen, daß diese Arbeiterschicht den Wert der Gewerkschaftsorganisation besser zu schätzen lernt und auch nach dem Kriege sich stark genug fühlt, die errunge⸗ nen Vorteile sicher zu stellen. 5 6—— — Lgeöberit de Großen Hauptguartierz. Straße von Salonik nach Seres den nördlichen Teil des Besik * Der Hartmannsweilerkopf wieder genommen Schwere französische Verluste. W. B. Großes Hauptquartier, 23. Dez., vorm.(Amtlich. i Westlicher Kriegsschauplatz 0 In heißem Ringen nahmen gestern die tar menter der 82. Landwehr⸗Brigade die Kuppe d weilerkopfes zurück. N Der Feind erlitt außerordentlich schwere bluti g 8 zeror denn 0 tige V and ließ zweiundzwanzig Offiziere, enden e dreißig Mann als Gefangene in unseren Händen. Mit der Aufräumung einiger Grabenstücke am Nordhange, in denen die 8 sitzen, sind wir beschäftigt. 5 Die Angaben in französischen Tagesberichten v fi abend, es seien bei den Kämpfen um den Kopf n N zember dreizehnhundert Deutsche gefangen worden, ist um tapferen Regi⸗ es Hartmanns⸗ mindestens die Hälfte übertrieben. Unsere Gesamtverluf einschließlich aller Toten, Verwundeten und Vermißten waren, soweit es sich bisher übersehen läßt, Mann. 8 Oestlicher und Balkankriegsschauplatz. Keine Ereignisse von Bedeutung. Oberste Heeresleitung. etwa elfhundert . Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Wien, 23. Dez.(W. T. B.) Aumtli 5 . Maenber 1015. ch wird verlautbart: Russischer Kriegs schauplatz. Keine besonderen Ereignisse. Italienischer Kriegsschauplatz. Die. 1 et In In arien kam es auch gestern zu hef schütz⸗ bange, i 8 5 zu heftigeren Geschütz n der küstenländischen Front wurde auf der Pod der Angriff eines italienischen Bataillons zurück 9 e sch ke 9515 Südöstlicher Kriegsschauplaßz. Eine in der Gegend von Tepoa noch in den Felsen des nörd⸗ lichen Tara⸗Ufers verborgene kleinere montenegrinische Abteilung wurde nach kurzem Kampf gefangen genommen. Sonst nichts Neues. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höfer, Feldmarschalleutnant. * Geschützkämpfe vor Czernowitz. Czernowitz, 23. Dez. Auf dem Dujestergelände in der Nähe der russischen Grenze herrscht seit einiger Zeit starker Geschütz⸗ kampf. Die Russen scheinen hier ebenfalls wie an der bessarabischen Grenze Verstärkungen herangeschafft und Munitionsvorräte be⸗ kommen zu haben. Der Geschützkampf ist besonders während der Nachtzeit intensiv und andauernd. Während des Nebels der letzten Tage haben sich die Russen unseren Positionen zu nähern versucht, wurden aber regelmäßig zurückgetrieben. Unsere Artillerie gelang es, Teile der russischen Stellung zu zerschießen und in Brand zu setzen, wodurch zahlreiche russische Soldaten getötet wurden. Um und in Salonik. In Salonik herrscht unter der Bevölkerung große Un⸗ ruhe. die deutsche und österreichisch-ungari⸗ sche Kolonie hat die Stadt bereits verlassen. Viele Familien sind ihrem Beispiele gefolgt. Nun sind auch die griechischen Truppen einerseits in den Raum von Verria westlich der Wistritza und anderseits nach Sorowitz in den Raum zwischen dem Petersko⸗See und dem Rudnik⸗ See abgezogen. An der Befestigung der neuen Hauptfront der Verbündeten wird ununterbrochen gearbeitet, und obgleich sie sich etwa 35 Kilometer nördlich der Stadt hinzieht, be⸗ fürchtet die Bevölkerung, daß auch die Stadt in die Kampf⸗ zone einbezogen werde. Die neue Hauptstellung beginnt bei Karasuli am Wardar, wo die Bahn nach Demirhissar von der Hauptbahn im Wardartal nach Nordosten abzweigt, und läuft im allgemeinen in östlicher Richtung über die Höhen von Kukutsch bis nach Samanli im Tschirnalgebiete, wo sie bis zum Sirt Dere reichen soll. Diese Stellung soll nun noch durch eine zweite etwas zurückgezogene Ver⸗ keidigungsstellung verstärkt werden, die bis zum 633 Meter hohen Sattel von Lahana reichen soll, wo die ü eitet. 3 ichen Mazedonien beginnt sich eine starke Gärung gegen die Entent e bemerkbar zu machen. Die Engländer und Franzosen verfügten die Räu⸗ mung von bisher zwanzig größeren Ortschaften aus strategischen Rücksichten zwischen dem Langaza⸗See und dem Galiko⸗Fluß. Darunter befinden sich b Lü hende G 5 meinwesen wie Baltsa, Purnar, Utli, Ginvana, Zowati und Langaza. Die Räumung mußte innerhalb 48 Stunden erfolgen. Die griechische Bevölkerung versuchte 5 Stellung zu nehmen und er bat den S 8 1 5 5 Athener Regierung. Die Ententevertreter 3 15 jedoch, daß sie bei der Weigerung der e e 1 sitze zu verlassen, gewaltsame Mittel zur Anwendung . Meldungen sind bereits seit e keine direkten Nachrichten aus Athen in Salonik 1 0 N Auch zwischen Athen und Salonik 1 1 1 bindung gestört. Allgemein ist man überzeugt, da 5 1010 länder und Franzosen Salonik von der Außenwelt völlig abgeschlossen halten. i g König Peter in enen, 1 Nach einer Sofioter Meldung des 7 ee Salonik eingetroffen, wo er mit dem bien e ö in Der Getreideantauf in Rumänien. Nach mehr als einmonatigen Verhandlungen ist zwischen den deutschen, österreichischen und ungari⸗ schen Getreidezentralen einerseits und der rumänischen Verkaufskommission für Getreide anderseits der Vertrag über Getreideverkauf abgeschlossen worden. Vor⸗ läufig bilden 50 000 Waggons verschiedener Zerealien und Hülsenfrüchte das Objekt des Kaufgeschäftes; nach dessen zufriedenstellender Abwicklung ist der Kauf eines weiteren Quantums von 50000 Waggons einverständlich vorgesehen. Zugleich ist die Abfuhr und der Abtransport aller Zerealien und Hülsenfrüchte gesichert, die aus älteren Käufen noch in Rumänien lagernd verblieben sind. Der Abtransport der neuen und alten Käufe wird teils mit der Eisenbahn, teils auf dem Donauwege erfolgen. Es sind alle Maßregeln ge⸗ troffen worden, um diese schwierigen Manipulationen mög⸗ lichst rasch und glatt zu bewerkstelligen. So werden speziell für den Eisenbahntransport Waggons in genügender An⸗ zahl von den Käufern beigestellt werden. Neue dringende Note der Entente an Rumänien. T. U. Budapest, 23. Dez. Der Konstantinopeler Iklam meldet aus Bukarest: Die Entente richtete neuerdings eine dringende Note an Rumänien, eine kurzfristige Autwort fordernd, daß den russischen Truppen freser Durchmarsch durch rumänisches Gebiet gestattet werde. 2 Diphtherietis unter den Ententetruppen. T. Ul. Bukarest, 23. Dez. Dimineata meldet, daß in der Um⸗ gegend von Sinai Azuga und Predeal eine Diphtherieseuche, die be⸗ sonders unter dem Militär viele Opfer fordert, ausgebrochen ist. Es wurden bereits Maßnahmen getroffen zur Auswechselung der Grenzwachen. Für die Entente wurden Seuchenspitäler errichtet. 8 Der türkische Kriegsbericht. Konstantinopel, 23. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: An der Irakfront ist die Lage unverändert. An der Kaukasusfront versuchten im Abschnitt von Milo russische Abteilungen an uns heranzukommen; ihre Vorhut wurde nach zweistündigem Kampfe verjagt. An anderen Teilen der Front dauern die Patrouillenkämpfe an. An der Dardanellenfront versuchten fünf Tor⸗ pedoboote und ein Kreuzer des Feindes sich Saros zu nähern, mußten aber, nachdem eines unserer Geschütze den Kreuzer traf, sich wieder entfernen. Bei Sedd⸗ül⸗Bahr richtete der Feind am 22. Dezember ein anhaltendes Ar⸗ tilleriefeuer gegen unseren rechten Flügel. Unsere Artillerie zerstörte mehrere Schützengräben und Bombenlager des Feindes und brachte durch drei Treffer eine feindliche Hau⸗ bitzenbatterie zum Schweigen. Unter der noch nicht aufge⸗ zählten Beute von Ari Burnu wurden auch mehrere Minenwerfer, Pontons und Decauvillewagen gefunden. Ein feindliches Flugzeug, das am 22. Dezember Bir⸗ seba überflog, wurde von uns heruntergeschossen. Einer der Insassen wurde gefangen, der andere ist tot. 2 „Krieg ist Krieg“. Von der englischen Front in Frankreich wird gemeldet: Aus Anlaß des bevorstehenden Weihnachtsfestes haben die militärischen Behörden die Truppen ersucht, nicht zu ver⸗ gessen, daß der Krieg Krieg sei, daß es keinen Waffenstill⸗ stand gebe und daß kein Austausch von Herzlichkeiten erfolgen dürfe. Man müsse überdies einem entgegenkommenden Ver⸗ halten der deutschen Soldaten nicht trauen, da das immer verdächtig sei. Diese Verhaltungsmaßregel soll von den eng⸗ lischen Soldaten zu Herzen genommen worden sein, sagt die Agence Havas. * Der Seekrieg. Ein feindliches Trausportschiff in der Nordsee gesunken. Amsterdeun, 23. Dez. Ein großes Trans poetschiff ist zwei Seemeilen südlich von Sunderland auf eine Mitie gen laufen und gesunken. 4 T. U. Kopenhagen, 23. Dez. Der dänische Dampfer„Heini“, mit einer Eisenerzladung von Schweden nach Raumo unterwegs, wurde von einem deutschen Torpedoboot angehalten und als gute Prise nach Stettin gebracht. Die„Berliner Revolution“. Das Berliner Tageblatt bringt diesen Bericht: „Englische Korrespondenten, die in Kopenhagen und in Amsterdam sitzen, erzählen dem Publikum ihrer Blätter jetzt täglich, daß bei uns so halb und halb die Revolution ausge⸗ brochen sei. Sie schildern, wie Ströme von Blut durch die Berliner Friedrichstraße fließen, und berichten über Straßen⸗ schlachten mit vielen hundert Toten und zahllosen Verwun⸗ deten. Herr Fitz⸗Maurice, der sogenannte diplomatische Mit⸗ arbeiter des Figaro, legt diesen Nachrichten einen solchen Wert bei— oder er tut doch so— daß er sie zu einem Artikel verarbeitet, der die flammende Ueberschrift„Die Emeute in Berlin“ trägt. Der Artikel beginnt mit den tragischen Worten:„In Berlin ist Blut geflossen“, und dann heißt es darin: „Fünfzigtausend zur Verzweiflung gebrachte Männer und Frauen, sagen die uns aus Holland und Dänemark zugehen den Depeschen, haben das Reichstagspalats zu stür⸗ nen versucht, um die dort Beratenden, die den Lügen des Reichskanzlers Beifall gespendet hatten, zu zwingen, sie anzu⸗ hören. Als diese wlitende Menge sich weigerte, den Anforder⸗ ungen der Politzisten zu folgen, hat die Polizei geschossen. Es hat Tote und Verwundete gegeben. Dann ist die Menge zum Schloß gezogen...“ g Was dort vor dem Schlosse alles geschehen ist, kann ma gar nicht nacherzählen. Aber der geschichtlich bewanderte Mitarbeiter des Figaro versichert, diese Vorgänge erinnerten an die ersten Tage unserer großen Revolution...“ Ein japanischer Dampfer versenkt. Malta, 22. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Meldung der Agence Havas. Der japani sche Dampfer„Sac Maru“ ist am 21. Dezember im östlichen Mittel⸗ meer durch ein feindliches Unterseeboot versenkt worden. Die Hafenbehörde von Alexandria wurde durch Funkspruch benachrichtigt und sandte Hilfe. Amsterdam, 23. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Eine Reutermeldung zufolge heißt der versenkte japanische Dafnp⸗ fer„Yasaka Maru“. Er faßt 12500 Tonnen, wurde 1914 gebaut und gehörte der Nipon Jusen Kaishar. London, 23. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Den Zei⸗ tungen zufolge ist die Vernichtung des Postdampfers„Pasak n Maru“ der größte Ver lust, den die Versicherer seit Kriegsbeginn zu verzeichnen haten. Der Schaden dürfte etwa 25 Millionen Franken betragen. ö * Tortosa(Spanien), 23. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Meldung der Agence Havas. Ein framzösischer Dampfer, der vor einem Unterseeboot, das ihn zu torpedieren versuchte, flüchtete, strandete bei der Ebromündung. Man hofft, die aus Zucker be⸗ stehende Ladung retten zu können. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. N.. Bekanntmachung. Die Stadtverordneten⸗Versammlung hat in ihrer Sitz ung vom 9. Dezember 1915 beschlossen, vom 1. Januar 191 den ermäßigten Fahrpreis von 5 Pfennig wie in anderen Städten nur noch den Militärpersonen bis zum Offizier⸗ Stellvertreter einschließlich zu gewähren.. Gießen, den 23. Dezember 1915. Der Oberbürgermeister. Keller. Bekanntmachung. Es wird wiederholt darauf hingewiesen, daß An⸗ und Abmeldungen beim Bezuge von Brotmarken lediglich bei den einzelnen Brotmarkenausgabestellen(Bezirke) zu erfolgen haben und nicht etwa bei dem Großh. Polizeiamte. Bei Neuanmeldungen ist eine Abmeldebescheinigung der früheren Ausgabestelle vorzulegen. Bei Abmeldungen ist stets der Umschlag des Brotmarkenheftes und die nicht ver · brauchten Abschnitte zurückzugeben. Es ist öfters festgestellt worden, daß Abmeldungen ver⸗ spätet erfolgen oder daß Personen(Lauffrauen, Aushilfen) die bereits ein Brotmarkenheft erhalten, seitens der Dienst⸗ herrschaft nochmals angemeldet werden. Bei Zuwiderhandlungen wird unnachsichtlich vorgegan⸗ gen werden. 9 0 4 Gießen, den 4. 22 23. Dezember 1915. Der Oberbürgermeisten. Keller. N 1 Bekanntmachung Die Auszahlung der Familienunterstützungen für 1. bis Januar an die Angehörigen der zum Heeresdienst Einberufen findet statt: 5 a) Reichs⸗ und Kreisunterstützung. An diejenigen, deren Namen beginnen mit A Mittwoch, den 29. Dezember 1915, IN Donnerstag, den 30. Dezember 1915, 8—2 Freitag, den 31. Dezember 1915. p) Städtische Unterstützung(Mietszuschuß). AH Montag, den 3. Januar 1916, IR Dienstag, den 4. Januar 1916, 8—2 Mittwoch, den 5. Januar 1916, c) An Vermieter, die Mietbeträge abholen. Donnerstag, den 6. Januar 1916. Die Auszahlungen finden von 8—1 Uhr vormittags im Stadt⸗ haus Zimmer Nr. 7 statt. Die Unterstützungen dürfen nur an den vorgenannten Tage. abgeholt werden. Gießen, den 22. Dezember 1915. Der Oberbürgermeister. Kalles D. Kaminka, Gießen Marktplatz II. Ubrmacher und Goldarbeiter. Reichhaltiges Lager in Uhren, Gold⸗ und Silberwaren. Lieferant des Konsum⸗ Vereins Gießen u. Umg. und des Eisen · bahn⸗Konsumvereins. — Man verlauge Rabattmarken.— 5 konfbrierte und die serbischen König be⸗ 7 5 e ne e deer K blen.%%!) n ũa. zbsichtigt angeblich, vorläufig in Salonik an 1 TUS TTuE II Od A. AAN r EZELlLSCHIAE T enkel 5 N sere e N Dese — Der Zweite Tale Leib; Buchführungs- Kurs für Auskunftfielle für Frauenberufe. Giessen. 2. Uelsen. keien 2. Bandieerker-Frzuen und Töchter und am J. u. 2. Januar beginnt am 28. Dezember, dena 8% Uhr pünletlich 8 abends 8 Uhr in der höheren Mädchenschule, Klasse J. 088g rg lungen scher Frauen.Verein. des Aöginslers barg Bede dhe Giessen Bahnhofstrasse 34 Telephon 2077 88 zrrauen und Mädchen. unentgeltlich Rat und Aus⸗ kunft für alle Berufe im alten Rathaus, Marktplatz 14. Diens⸗ tags nachm. von 675 Uhr. Rechtsschutzstelle. Frauen und Madchen 8 erhalten unentgeltlich * * 95 8 2 * 0. f 5 * 5 2 3* aus Marburg.[Praktischer Wegweiser Grösstes, elegantestes] gat und Auskunft 5 7 2 Wunder baue Programme. 2 3 Besonderer U 1 einmal 4 und modernstes in Rechts angelegenheiten 5 2 8 2 5 5 5 14 5 3 Preise der 8 2 5 5 5 Wen ant mur im 3 5 f. Ar füt U 8 1 7 oh. Fische Lichtspiel-Thea ter Wes fe Fl. 3 5 7 r. g Sperrsitz Ml. 1.50 An der Kasse: Sperrsitz k 1.75 8 J am Platze,— g W f lat„ 1.20 Blade 1. 5 N 2 2. Platz„ 255 2. Platz„. 80 5 mit eigener killzeret 9 Telephon 72 2 Hautkranke 5 f . 2 Gallerie„ 0 Galierie„. 50 e I Kohlen, Noks und Briketts. 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