funden, mit der bisher in der Sozialdemokratie als Quelle Kraft hochgehaltenen Manneszucht zu r e Eitelkeit zu suchen sein. e als wie er sonst käme, kann doch niemand glauben? die Erklärung der bürgerlichen daß sich die Fraktion offenkundig in zwei notwendig begründete Bewegungen sich durch Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Die Oberbessische Volkszeitung erscheint jeden Werktag Abend in Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg. monatlich 60 Pf. einschl. Bringerlohn Durch die Post bezogen vierteljährl. 1 80 Mk. Redaktion und Expedition Gießen, Babnhofstraße 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Inserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rau att. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 301 Gießen, Donnerstag, den 23. Dezember 1915 10. Jahrgang Der neue Zehnmilliardenkredit bewilligt! Die Spaltung der sozialdemokratischen rt Fraktion volljo en! In der gestrigen Reichstagssitzung haben zwanzig sozi 1 65 kratische Reichstagsabgeordnete den nicht beneisenswerten Mut ne Dehe 85 ihrer 1 rechen. Sie ben gegen den Beschluß der Reichstagsfraktion, den Kriegskredit 1 willigen, nicht nur gestimmt, sondern auch gesprochen. Sie haben damit den ersten verhängnisvollen Schritt getan, nicht etwa nur die Fraktion, die berufene politische Vertreterin der sozial⸗ demokratischen Partei Deutschlands, sondern diese Partei selbst zuspalten. Die Motive der Zwanzig für diesen ver⸗ brecherischen Schritt gegen die Einheit der Partei sollen heute im einzelnen nicht untersucht werden; sie werden nicht nur in . Aber mögen diese Beweggründe bei manchem auch noch so idealer Natur a wesen sein, das Interesse der Partei, das zu wahren ihre erste und heiligste Pflicht war, hätte ihnen ganz unbedingt ver⸗ bieten müssen, zu handeln, wie sie gehandelt haben. Darüber kommen wir nicht hinaus. Denn nun ist die Bahn frei für jeden Bruch der Parteidisziplin, nun kann jeder tun, was ihm als das Richtige für die Partei erscheint, unbekümmert darum, was die berufenen Parte erschaften beschlossen haben. Die Zwanzig haben eine ungeheure Verantwortung auf sich ge⸗ nommen. Politisch haben sie nichts erreicht, als den offenen und heimlichen Triumph der Gegner der Sozialdemo⸗ kratie, die endlich das lang und heißersehnte Ziel der Spaltung dieser immer gewaltiger wachsenden, immer ge⸗ fährlicher werdenden Partei des Proletariats kom⸗ men sehen. Doch eines noch werden sie— ungewollt— erzielt haben. Daß die Zwanzig mit ihrer Ablehnung des neuen Kriegs⸗ kredits etwa den Frieden rascher herbeiführen könnten, Im Gegen teil! Im feindlichen Ausland wird dieser Vorgang im Reichstage nur als ein willkommener Beweis für die innere Zer⸗ splitterung und Zersetzung des Reiches angesehen und ausgenutzt werden, wird die Hoffnung, Deutschland doch noch zu Boden zu zwingen, aufs neue stärken und damit den furchtbaren Krieg nicht verkürzen, sondern weiter verlängern helfen. Schwerste Schädigung der sozialdemokratischen Partei, der Inter⸗ essen der deutschen Arbeiterklasse und und schwere Schädigung der Interessen des gesamten deutschen Reiches, eine unzweifelhafte Ge⸗ fährdung der Aussichten auf endlichen Frieden— das sind die einzigen unheilvollen Resultate der Absonderung jener zwanzig Ab⸗ geordneten von der Fraktion. 1 2 62 Aus der Reichstagssitzung von gestern wird uns ge⸗ schrieben: i Die Reichstagssitzung am Dienstag war trotz ihrer kurzen Dauer und ihres äußerlich stillen und schlichten Verlaufs von großer, in ihren Wirkungen noch nicht zu übersehender Bedeutung für die deutsche Sozialdemokratie. Was schon seit einiger Zeit an⸗ gekündigt war, ist nun Tatsache geworden, der Gegensatz innerhalb unserer Fraktion ist öffentlich in die Erscheinung getreten. Noche Genosse Ebert die Zustimmung der sozialdemotratischen Fraktion zu der neuen Forderung von 10 Milliarden Mark in Ueberein⸗ stimmung mit der Politik, die die Fraktion seit dem 4. August 1914 geführt hat, begründet hatte, gab Genosse Geyer im Namen von 20 Mitgliedern der Fraktion eine Erklärung ab, die die Ablehnung des Kredits ankündigte. Daß er nur im Namen von 20 Abgeord⸗ neten sprechen konnte, beweist, daß mehr, als die Hälfte der Minder⸗ heit diesen Schritt verwirft, vielmehr nach wie vor zwar innerhalb der Fraktion ihre Ueberzeugung vertreten wird, sich 5 1 Grundsätzen getreu der Mehrheit! aber demokratischen get r t fügt, um jene Geschlossenheit der Partei aufrecht zu erhalten, der die deutsche Sozialdemokratie ihre Erfolge zu verdanken gehabt hat. Seitdem die Partei im Jahre 1875 sich aus streitenden Fraktionen zusammenschloß, ist nur ein einziges Mal vor dem gestrigen Tage ein solcher Zwiespalt öffentlich hervorgetreten: bei der e über die Dampfersubvention im Jahre 1884, uei einem Gegenstan N also, der an Bedeutung mit dem jetzigen Anlaß durchaus nicht ver⸗ i erden kann. 1 1 e die Erklärungen Eberts und Geyers. Sieht man sich 05 di s ut ich so wird die Tatsache der Trennung und die Wortlaute nach an, so d die Tats sast unbegreiflich Notwendigkeit, sie öffentlich zu bekunden, f f i ei l eit erklärungen mitein⸗ n einem wesentlichen Teil stimmen beide Er nge a er leveln; in der Sehnsucht nach Beendigung des e 1 f g 5 efleischt und in Krieges, der nun seit 1 Jahren Europa zerfleif 0 5 5 0 irgendwelcher Teilnahme des ire nkra ch ie Hane tariats an der Verantwortung für den Ausbruch 112 92 Au des Weltkrieges. Die Erklärung Geyers zeigt aber, 555 ip e heit den Reichskanzler wegen seiner Autwort e eh katische Friedensinterpellation den Annexionsp e 1 5 rechnen. Ob dazu ausreichende Gründe kodergessen 1 daß durchaus nicht klar; es darf doch 1 7 100 Sage . 9 es Reichskanzlers folgte, erwerbungen die Rede war, der Rede des 1 sodaß er für diese Erklärung wohl nicht. Nele werden kann. Mag man nun aber die ue fen dach 15 110 kanzlers auffassen wie immer— sie allein dor 5 Spaltung der sozialdemokratischen Reichs chen der Minderheit dem Fraktionsbeschluß entgegengesetztes Vorge 2 rechtfertigen. 2 1 1. i ung, Für uns alle bedeutet es eine schwere Erh ene Teile gespalten 5 i 0 stesten hat, die einander nicht mehr finden konnten. 0 4 e Befürchtungen mlißte uns dieser Tag une bewegung— wenn Sorgen für die Zukunft der deutschen Arbeiter d in der Entwicklung wir nicht durch und durch überzeugt wären, 75 95 e Nachdem den, unbekümmert um augenblickliche Schwierigkeiten und Wirr⸗ nisse. Darüber sind wir uns vollkommen klar, daß nach diesem Kriege die deutsche Arbeiterklasse sich den Luxus etwa zweier sozialistischer Parteien nicht wird leisten können. Und diefe Gewißheit ist es, die uns nicht nur hoffen, sondern zuversicht⸗ lich aussprechen läßt, daß mit dem Weltkrieg auch die Spaltung der Fraktion beendet sein wird. Bis dahin allerdings kann der Gegen⸗ satz, der am Dienstag so scharf hervorgetreten ist, uns noch manche böse Stunde bereiten— wenn micht die Partei in ihrer Gesamtheit, also die organisierte deutsche Arbeiterschaft, die Irrenden noch vorher zurückführt. ** Aus der Reichstagsfraktion wird uns geschrieben: Die Fraktion hat sich am Montag mit der von einer An⸗ zahl Genossen angekündigten Sonderaktion im Reichstage beschäftigt. In der eindringlichsten Weise wurde den in Be⸗ tracht kommenden Genossen vorgestellt, in wie schlimmer Weise sie die Einheit der Partei gefährden, wenn sie ihr Vor⸗ haben verwirklichen. Es wurde zum Schluß der Debatte fest⸗ gestellt, daß die Fraktion noch am 2. Februar 1915 mit 93 gegen nur 4 Stimmen beschlossen hat, daß unter allen Um⸗ ständen im Plenum einheitlich abgestimmt werden muß. Ein am 30. November 1915 gestellter Antrag, der für die Minder⸗ heit Aktionsfreiheit im Plenum forderte, vereinigte nur 29 Stimmen auf sich. Dagegen wurde ein Antrag, der das selbst⸗ Partei verstößt“, nommen. Genosse Haase erklärte, daß er sich dem Vorgehen der Minderheit anschließen werde und infolgedessen sein Amt als Fraktionsvorsitzender niederlege.— Am Dienstag gaben 20 Mitglieder der Fraktion eine besondere Erklärung im Reichstage ab und setzten sich damit über die Fraktionsbe⸗ schlüsse hinweg. Die Fraktion trat sofort nach dem Plenum erneut zusammen, um Stellung zu der nunmehr vollzogenen Tatsache des Disziplinbruches zu nehmen. Die Aussprache endete mit der Annahme folgender Resolution: 4 „Die Fraktion erblickt in der Sonderaktion einen Dis⸗ ziplinbruch bodauerlichster Art. Die Sonderaktion zerstört die Einheit der parlamenkarsschen Altionen in der schwie⸗ rigsten politischen Lage und ist darum auf das Schärfste zu verurteilen. Die Fraktinn lehnt die Verantwortung für jede Son⸗ deraktion und für alle sich daraus ergebenden yolktischen Wirkungen ab.“ Diese Resolution wurde mit 63 gegen 15 Stimmen an⸗ genommen. 0 Tie Nawen der Die 20 sozialdemokratischen Abgeordneten, die gegen die Kredit⸗ vorlage stimmten und in deren Namen der Abgeordnete Geyer seine Erklärung abgab, sind Bernstein, Bock, Büchner. Cohn⸗Nordhausen, Dittmann, Geyer, Haase, Dr. Herzfeld, Henke, Horn, Kunert, Ledebour, Liebknecht, Rühle, Schwartz, Stadthagen, Stolle, Vogt⸗ herr, Wurm und Zubeil. e UHpν, reer. * ** Mißbrauch des Marteivorflandsbureaus? Aus dem Bureau des Parteivorstandes schreibt man uns: Die Leipziger Volkszeitung wendet sich in einem sensationell aufgeputzten Artikel mit der obigen Ueberschrift gegen einen an⸗ geblichen Mißbrauch des Parteivorstands⸗Burcaus, der darin liegen soll, daß der am vorigen Freitag der gesamten Parteipresse zuge⸗ sandte Artikel„Es geht um die Einheit der Partei“ vom Bureau des Parteivorstandes versandt wurde, ohne daß sein Inhalt einer Sitzung des Parteivorstandes zur Beschlußfassung vorgelegen hatte. Die Auffassung der Leipziger Volkszeitung ist eine durchaus irrige. Seit Jahren sind eine Reihe von Bekanntmachungen und Notizen mit den einleitenden Worten:„Aus dem Buxeau des Parteivorstandes schreibt man uns“ versandt worden, deren Inhalt wicht in einer Sitzung des Parteivorstandes durch Beschluß sest⸗ gelegt worden war. Das besagte nämlich diese seit langem übliche Formel, und dadurch unterscheiden sich solche Auslassungen von den offiziellen Aufrufen des Parteivorstandes. f Von dem Inhalt des am Freitag versandten Artikels waren alle in dem Bureau des Parteivorstandes tätigen Genossen infor⸗ miert, nicht aber die übrigen Mitglieder. Deshalb hatte auch Genosse Wels im Gegensatz zu der Behauptung der Leipziger Volks⸗ zeitung mit diesem Artikel nichts zu tun. Wenn der am Freitag aus dem Paxteibureau versandte Ar⸗ tikel, der die Genossen auf die der Partei drohende Spaltungsgefahr aufmerksam machen sollte, ein vom Parteivorstand beschlossener Auf⸗ ruf gewesen wäre, so hätte er die Unterschrift des Farteivorstandes getragen und der Vorwärts wäre gemäß§ 24 des Organisations⸗ statuts der Partei gezwungen gewesen, ihn zu veröffentlichen. Im übrigen zeigt der Artikel der Leipziger Volkzeitung deut⸗ lich, wie weit wir in der Partei gekomme sind. Wenn in einer Zeit, die so kritisch für die Partei ist, wie nie eine zuvor, aus dem Bureau des Parteivorstandes ein Artikel versandt wird, der zur Einheit und Geschlossenheit der Partei mahnt, so soll darin ein Mißbrauch des Parteibureaus liegen, während hingegen“ Wenn jetzt im Laufe die Propaganda für die Fraktionsspaltung, die die Gefahr einer Spaltung der Partei heraufbeschwört, als nützliche und normale 0 Parteiarbeit hingestellt wird. Wo da das Parteiinteresse gewahrt wurde, das zu beurteilen überlassen wir den Parteigenossen. 6 0 * Pressestimmen. Die Aeußerungen der Berliner Abendblätter über den Verlauf der Reichstagssitzung sind ziemlich belanglos. Während das Berl. Tageblatt erklärt, daß der Zwiespalt in der Fraktion durchaus nicht auf die Partei überzugreifen brauche, dies vielmehr ganz unwahrscheinlich sei, glaubt der Lokalanzeiger, daß der Bruch auch innerhalb der Partei nur noch eine Frage der Zeit sei. Die Vossische Zeitung stellt fest, daß nur ein Teil der Minder⸗ heit sich offen von der Parteizucht lossagte und daß Geyers Er⸗ klärung maßvoll gehalten war, die Tägl. Rundschau dagegen richtet einen heftigen Angriff auf die Minderheit. In der Berl. Volksztg., dem demokratischen Organ des Verlags Mosse, wird das Vorgehen der Minderheit als eine schwere Verletzung der demokratischen Grundsätze bezeichnet, die bei noch so großen Meinungsverschieden⸗ heiten in jeder Organisation die Unterordnung der Minderhei⸗ unter den Willen der Mehrheit fordern. Der serbische Zusammenbruch. Von maßgebender militärischer Seite erfährt der Ver⸗ treter des Berliner Tageblattes über die Lage an der albani⸗ schen und montenegrinischen Grenze folgendes: serbischen Armee haben sich höchstens 50 000 Mann ohne jeden Tramm und ohne jede Artillerie nach Montenegro und Albanien gerettet. Allerhöchstens sechs Batterien Gebirgs⸗ geschütze, die sie auf Saumtieren mitführen konnten, haben die Serben auf ihrer Flucht mitnehmen können. Der Befehl, den der Rest der serbischen Armee bei Beginn der heillosen Flucht erhielt, ging dahin, sich in Skutari zu konzentrieren. Es hahen aber höchstens 30 000 Mann den Weg nach Monte⸗ negro genommen, von denen wohl kaum zwei Drittel Skutari wirklich erreicht haben. Auch sie sind in einem Zustande, der es den Montenegrinern kaum ermöglicht, sie als Kombattanten zu verwenden. Der Rest von etwa 20 000 Mann hat sich nach Albanien gerettet. Das Schicksal dieses Teiles der serbischen Armee ist noch kläglicher. Tausende müssen verhungern, Tausende werden von Albanern, die die Serben bitter hassen und die trotz aller Entwaffnungsversuche noch immer teil⸗ weise über Gewehre verfügen, von den Höhen der Berge herab erschossen. Auch die Verpflegung der Montenegriner und der zahllosen serbischen Flüchtlinge auf dem Wege zur See wird durch die wachsamen österreichisch-ungarischen Untersee⸗ boote jehr erschwert. Die Beute ist Hunderte von Mil⸗ lionen wert. Nicht weniger als 4500 Eisenbahn⸗ wagen mit zahlreichen, zum Teil neuen, noch nichteinmal angeheizten Lokomotiven sind in die Hände der verbündeten Truppen gefallen. Sehr viel Waggons waren beladen. Alles, was die Serben während eines Jahres der Entente abgepreßt haben, Munition, Ge⸗ schütze, Leder, Gummireifen, Benzin, fiel in unsere Hände. W̃ der jüngsten Woche die Eisenbahn⸗ brücken wiederhergestellt sein werden, wird es unsere erste Aufgabe sein, die zusammengeschobenen Waggonparks wieder abzufahren, um die Gleise für den normalen Verkehr freizu⸗ bekommen. N Waffenruhe vor Salonik. London, 21.(W. T. B. Nichtamtlich.) Der Korxespon⸗ dent des Reuterschen Bureaus im britischen Hauptquartier in Salonik meldet noch über den englischen Rückzug aus Serbien: Seitdem die Alliterten sich auf griechisches Gebiet zurückgezogen haben, ist von beiden Seiten kein Schuß mehr gelöst wor⸗ den. Gestern zog eine französische Aufklärungsabteilung von 1500 Mann an Bulgaren vorbei, ohne daß diese einen einzigen Schuß lösten. Die griechischen Dörfer in der Nähe der Verteidigungs—⸗ werke von Salonik werden von der Bevölkerung verlassen. Italienische Truppentran porte nach Albanien. Der Frankf. Ztg. wird telegraphiert: Immer mehr ver⸗ dichten sich die Nachrichten von den großen italieni⸗ schen Truppentransporten nach Albanien. Nun sollen Truppen auch aus Ancona überschifft werden, welchen Transporten außer italienischen auch englische Kriegsschiffe als Geleite dienen. Größere Transporte sollen bereits gelandet sein, die nach römischen Berichten bei hoher See und dichtem Nebel bis zur Ankunft an der albani⸗ schen Küste eine förmliche Treibjagd durchmachen mußten. Dieselbe Quelle behauptet, daß Frankreich am Balkan Salonik als Basis festhalten soll, während Italien und Eng⸗ land Albanien als solche zu benützen beabsichtigen.— Es handelt sich zweifellos um starke politischen Zwecken dienende Uebertreibungen der italjenischen Presse. Dez. Von der — —— „ 8 Die Russen vor Warna? Nach einer Secolo⸗Meldung aus Athen beschießen ein russischer kreuzer und zwei Torpedoboole, die sechzehn russische Truppen⸗ ransporte begleiten, den bulgarischen Hafen von Warna im Schwarzen Meer. Italienische Blätter über die Situation. T. U. Lugano, 21. Dez. Tehr ungewiß schreiben die italieni⸗ chen Blätter über die Ereignisse, die sich in Mazedonien vor⸗ eiten mögen. MWährend die einen vor gefährlichen Abmachungen Briechenlands mit den Zentralmächten warnen, rechnen andere auf zerwürfnisse, und versteifen sich, wie der Secolo, auf einen Sonder⸗ frieden Bulgariens. An Tatsachen wird nur gemeldet, daß seit echs Tagen an der englisch-franzöfischen Front, die vom Feinde etzt etwa 30 Kilometer entfernt ist, Ruhe herrsche und die vor⸗ zeschobenen Kavalleriepatrouillen selbst jenseits der Grenze keinen Feind entdecken können, daß der Bahnhof von Doiran von 50 jriechischen Soldaten besetzt ist und daß die Besestigungsarbeiten, owie die Landungen fortgesetzt werden. Im übrigen wird viel on den italienischen Unternehmungen in Albanien gesprochen. Der türtische Bericht. Die Beute bei Ari Burnn und Anasorta. Konstantinopel, 21. Dez.(W. T. B.) Das Hauptquar⸗ tier teilt mit: An der Jrakfront bei Kut⸗el⸗Amara dauern die örtlichen Kämpfe mit Unterbrechungen fort. An der Kʒaukasusfront wurde in unserm Zentrum, im Abschnitt von Id, ein von ungefähr einem Regiment unternommener feindlicher Angriff gegen unsere durch zwei Kompagnien verteidigte Vorpostenstellung leicht angehalten An der Dardanellenfront ist die Zähbung des bei Ari Bur nu und Anasorta vom Feinde zurückge⸗ lassenen Kriegsmaterials und von Miligärausrüstungsgegen⸗ ständen aller Art noch nicht abgeschlossen. Unter der bei Ari Burnu gemachten Beute befinden sich zwei schwere Ge⸗ schütze und ein Schneider⸗Feldgeschütz, große Mengen von Munition, namentlich Gewehr- und Maschinen⸗ gewehrmunition, eine große Zahl Maultiere, sowie Muni⸗ tionswagen, Zelte voll Lebensmittel, Telephon⸗ und Pionier⸗ material. Die feindlichen Schifse beschossen gestern abend mit Heftigkeit ihre verschiedenen Lagerstellungen, um die von, ihnen preisgegebene Beute zu vernichten, was ihnen aber nicht gelang. Bei Sedd⸗ül⸗Bahr auf dem rechten und dem linken Flügel nichts von Bedeutung. Das feindliche Zentrum unternimmt hin bud wieder Angriffe, die jedesmal zurückgeschlagen werden. Die Vertreibung der Engländer aus Gallipoli. Aus Konstantinopel, 21. Dezember, wird der Frankf. Ztg. kelegraphiert: Die Vertreibung der Engländer vom Nord— flügel der Gallipoli⸗Halbinsel, von Anaforta und Ari Burnu, bildet einen historischen Abschnitt von außerordentlicher Tragweite. Die nach zwei⸗— tägigen blutigen Schlußkämpsen unter dem Schutze des * dichtesten, fast 50 Stunden währenden Nebels, der nicht ge⸗ stattete, zehn Schritt vorwärts zu sehen, vollzogene Flucht der übriggebliebenen englischen Streitkräfte dieses Nordflügels bedeutet nicht nur eine schwere Niederlage Eng⸗ lands, sondern die beschämendste Erniedrigung die es jemals erfuhr. In der laut aufhorchenden is lamiti⸗ schen Welt wird sich England von diesem wuch— tigen-Schlag niemals erholen können. Unge⸗ heuer groß ist die Beute der Türken an zurückge⸗ lassenem Kriegsmaterial und Proviant. Bis zum Meere hinunter, wo gestern noch englischer Hochmut hinüberblickte, halten jetzt türkische Maschinenabteilungen Wacht. Die Ver⸗ treibung der Franzosen vom Südteil der Darda— nellen kann nur eine Frage kurzer Zeit sein. Die gesamte Presse begrüßt in den wärmsten Ausdrücken die standhafte ottomanische Armee. Das Ur eil Neutraler. Der Haager Nieuwe Courant sagt in einer längeren Be— sprechung:„Alles, was das Dardanellenabenteuer bis jetzt zutage gefördert hat, ist, daß einige Quadratkilometer am Ssidpunkt durch, das Vierverbandsheer besetzt gehalten werden und es fragt sich, wie lange dies noch dauern kann. All' das hat, — hl.. wie im britischen Parlament mitgeteilt wurde, bis zu Beginn des Oktober bereits nahezu 100000 Mann, nämlich 1185 Offiziere und 96 897 Mann allein an Toten gekostet, eine Zahl, die seither natürlich lange die Hunderttausend überschritten hat. Denkt man noch an die Verwundeten, die Gefangenen, die verlorenen Schlachtschiffe, Kreuzer, Torpedo⸗ und Unterseebvote, denkt man vor allem an den Verlust an Ansehen für die Nation, die sich in dieses Abenteuer stürzte, vor allem beim Islam, dann kann man sich die Genugtuung vorstellen, die die Tir ken und ihre Verbündeten über das jetzige Erliegen haben müssen. Die Balkanexpedition schien zuerst gut zu machen, was auf Gallipoli verloren wurde. Seitdem ist dort der Erfolg der Vierverbandstruypen in einen Mißerfolg verwandelt worden und inzwischen erhielten die Türken die Verfügung über Kriegs⸗ material und Anführer, die sie in den Stand setzten, die Gelegen⸗ heit, die sich ihnen jetzt bietet, auszunützen. Die englischen Verluste in Mesopotamien. Konstantinopel, 21. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die Agentur Milli meldet: Die amtlichen englischen Mitteilungen vom 9. Dezember über unsere großen Verluste in Meso⸗ potamien sowie die Einzelheiten über die vollständige Ver— nichtung einer unserer Divisionen sind vollständig erlogen. Nicht eine türkische Division, nicht einmal ein türkisches Bataillon ist während dieser Kämpfe vernichtet worden. Unsere Einheiten, die zu Beginn der Schlacht bei Ktesiphon in den Kampf verwickelt waren, bestehen noch ganz vollzählig. Die Engländer verheimlichen die Hälfte ihrer Verluste. Tausende von Leichen, die sie auf dem Schlachtfelde ließen, wurden mit großer Mühe aufgelesen. Abgesehen davon ist die Zahl ihrer Verwundeten ungeheuer. Die Engländer ver— mochten nur von einem der drei Schiffe, die wir erbeuteten, die Waffen zu entfernen; zwei dieser Schiffe werden jetzt gegen sie verwendet. Einige der sechs den Engländern ab⸗ genommenen Flugzeuge führen Flüge über den feindlichen Stellungen aus. Die Beute, die wir an Waffen, Munition, Ausrüstungsgegenständen und Lebensmittelvorräten gemacht haben, ist ungeheuer. Die Wirkung der englischen Niederlagen. Neuere Berichte des Heereskommandos in Mesopotamien stellen fest, wie die Politische Korrespondenz erfährt, daß die moralische Wirkung des türkischen Sieges bei der arabischen Bevölkerung fortwährend zunimmt. Das Ansehen der Engländer hat dadurch einen so schweren Schlag erlitten, daß die Araberstämme, auf die sie fest bauten, sich von ihnen abwandten. Der Rückzug an Stelle des Einzuges in Bagdad hatte im indischen Lager eine ungeheure Wirkung hervorgerufen, sodaß die Fahnenflucht der indischen Truppen immer größer wird. Militärlieferungsgauner in Frankreich. Die französische Kammer hat sich mit den Liefexungsskandalen beschäftigt. Nouanet schreibt als Einleitung zu dem Kammer⸗ bericht in der Humanité vom 15. Dez.: Mein Bericht ist nur ein schwacher Abklatsch der unerhörten Tatsachen, die Simyan in vier⸗ stindiger Rede enthüllte und die die Kammer in schmerzliche Er⸗ starrung versetzte. Je weiter er kam, desto mehr wuchs die Angst wegen der Schande, die ein derartiger Skandal über unser Land bringt, das das Opfer einer solchen Verwaltung ist. Trotzdem müssen die Tatsachen bekannt werden, da es sonst kein Gegenmittel gibt. Alle schriftlichen Proteste sind ohne Wirkung auf diese blöd⸗ sinnigen Beamten, die sich von schamlosen Schurken prellen lassen; ich sage blödsinnig, weil ich hoffe, daß sie sich begaunern lassen, ohne selbst einen Vorteil von den verbrecherischen Kontrakten zu haben, die sie abschließen. All das ist in Abwesenheit des Parla⸗ ments geschehen. Sechs Monate einer unpersönlichen und unver⸗ antwortlichen Diktatur haben genügt, diese Nester von Verbrechen und Durchstechereien entstehen zu lassen. Die Kommissionen kamen zu spät, um sie zu zerstören.„Schluß damit!“ war gestern der ge⸗ meinsame Schrei in der Kammer. Es ist ausgeschlossen, daß es nicht morgen der der ganzen Regierung ist. Die Unterdrückung der deutschen Handels durch England. Manchester, 21. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Manchester Gardian bespricht in einem Leitartikel abfällig die Bestrebungen, alle deutschen Handelsgesellschaften in England aufzuheben und sagt, es handle sich dabei nicht darum, die Zufuhr an den Feind, oder andere materielle Unterstützung während des Krieges zu verhindern, sondern darum, den deutschen Handel in England nicht nur während des Krieges, sondern dauernd auszurotten. Das sei geradezu eine Beschlagnahme des Privatvermögens. Jede Regierung, die Ver⸗ antwortungsbewußtsein besitze, sollte sorgfältig die Folgen einer solchen Politik überlegen, die ihr aufgedrängt werde. Der gegen⸗ —. wärtigen britischen Regierung liege besonders dringlich d ab, klug zu handeln. Das Blatt betont, daß die deutsche Reglarm bisher kelne solchen Schritte gegen englische Firmen unternommel babe, wie sie der englischen Regierung angeraten sosen, obwohl ssch bedeutende britische Handelsinteressen in Deutschland befänden, deutschen Vergeltungsmaßregeln ausgesetzt wären. Der Art fährt fort: Die Vertreter der Konfiskationsidee heabsich zweierlei, den Zustand der Feindschaft mit Deutschland zu dauernden zu machen und ihn nach Beendigung des Krieges a Handelsbonkott fortzusetzen, sowie während des Krieges das zollsustem so fest zu begründen, daß es nach dem Kriege nicht af gehoben werden könnte. Das Blatt schließt: Keine Regierung dür 5 solche Politik verfolgen, ohne ihre Absichten dem Parlament und der Nation darzulegen und ihre Zustimmung einzuholen; außerdem habe das Koalstsonskabinett, das auf der Grundlage des Burg⸗ friedens begründet worden sei, kein Recht, eine Schutzzollpolitik ins Auge zu fassen. 1 Wieder ein Oberbefehlshaber gestürzt. T. U. Petersburg, 21. Dez. Ein kaiserlicher Ukas ent hob General Rußki seiner Tätigkeit als Oberbefehlshaber der Nordarmee unter Belassung seiner Stellung im Reichs⸗ rat und im obersten Kriegsrat. Die Frellassung des Generals Dewet. Johannesburg, 20. Dez.(W. T. B. Nichamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. General Dewet und 118 andere Gefangene, die wegen Hochverrates verurteilt worden waren, wurden freigelassen. 0 Vom Balkan. 4 Die Lage ist unverändert. 3 T. U. Von der schweizerischen Grenze, 22. Dez. Wie der Korrespondent des Temps aus Athen meldet, hat sich auch bis zum 19. ds. die Lage nicht geändert. Während die Bul⸗ garen an der griechischen Grenze Wacht halten, organisieren 0 sich die englisch⸗französischen Truppen im Lager von Saloniki. Jeder Tag, so behauptet der Temps⸗Korrespondent, macht ö die Alliierten stärker und verringert die Aussichten des Jeindes. N Zusammenstoß zwischen griechischen und 9 bulgarischen Vorposten. 5 T. U. Amsterdam, 22. Dez. Reuter meldet aus Brindisi: ö In der Provinz Epirus fand ein Zusammenstoß zwischen griechischen vorgeschobenen Posten und bulgarischen Vorhuten statt. Offiziell wird dazu aus Athen berichtet, daß der Zu⸗ sammenstoß auf albanischem Gebiete stattfand. Es kamen beiderseits Verwundungen vor, aber keine Toten. Die Ruhe ist wieder hergestellt. Euglischer Nückeug von Gallipoli. Ueber den Abzug der Engländer wird dem Berliner Lokalanzeiger aus Konstantinopel berichtet: Die Engländen mußten ihre Kranken und Verwundeten sowie zahlreiches Kriegsmaterial zurücklassen, da ihr Rückzug, obgleich er an⸗ geblich planmäßig war, Hals über Kopf vor sich ging. Mißglückte russische Anleihe, Kopenhagen, 21. Deß. Verschiedene Petersburger Blätter melden, daß die m für die neue Kriegsanleihe bis zum ö 2 8 1. Januar verlängert worden ist, da die Zeichnungen äußerst spär⸗ lich und die Zeichnungsbelräge sehr niedrig seien. a ö Verschärsung im„Aucona“⸗-Nonflikt?, Laut Kölnischer Zeitung berichtet Reuter aus Washington? ö Der österreichisch-ungarische Geschäftsträger hat auf eine Mit⸗ teilung der Doppelmonarchie den Rat erhalten, sich bereit zu halten, in möglichst kurzer Zeit abreisen zu können. Dem⸗ selben Bureau zufolge sind entsprechende Weisungen den amerikanischen Konsuln in Oesterreich⸗Ungarn erteilt wor⸗ den.(Eine Bestätigung dieser Reutermeldung bleibt abzu⸗ warten.) N Ford schwer erkrankt. 79 T. U. Kopenhagen, 22. Dez. Der amerikanische Millionär Ford. der mit 170 Amerikanern in Christiania eingetroffen ist, um seine bekannten, vorläufig noch unklaren Friedenspläne, zu verwirk!⸗ ö lichen, ist in der norwegischen Hauptstadt schwer erkrankt und ha 0 die geplante Weiterreise nach Schweden, Dänemark und Holland 9 wahrscheinlich endgiltig aufgegeben. Ford scheint sich in 1 950 15 Schwierigkeiten selines Unternehmens bewußt gewor⸗ en zu sein. N mu. Barfüßele. 20 Eine Schwarzwälder Dorfgeschichte von Berthold Auerbach. „Nein, um Gottes willen nicht; ich trage nichts, was nicht mein ist. Ich tät' mich in den Boden hinein schämen vor mir selber.“ „Ja, aber so kannst du nicht gehen. Oder hast du viel⸗ leicht noch selber etwas?“ Barfüßele erzählte, daß sie allerdings einen Anhänger habe, den sie als Kind von der Landfriedbäuerin erhalten, der aber wegen Damis Auswanderung verpfändet sei bei der Witwe des Heiligenpflegers. Barfüßele mußte nun stillsitzen und versprechen, sich nicht im Spiegel zu besehen, bis die Bäuerin wieder käme, die nun forteilte, um das Kleinod zu holen und selber für das Darlehen zu bürgen. Welche Schauer flossen nun durch die Seele Barfüßeles, wie sie nun so dasaß, sie, die allezeit Dienende, nun bedient, und in der Tat fast wie verzaubert. Sie fürchtete sich fast vor dem Tanze, sie war jetzt so gut und so freundlich behan— delt— wer weiß, wie sie herumgestoßen wird, und keiner sieht nach ihr um, und all ihr äußerer Schmuck und ihre in— nere Lust ist vergebens!„Nein!“ sagte sie vor sich hin,„und wenn ich weiter nichts habe, als daß ich mich gefreut habe, das ist nun genug; und wenn ich mich gleich wiederum ausziehen und daheim bleiben müßte, ich wäre schon glückselig.“ Die Bäuerin kam mit dem Schmucke, und das Lob des Schmuckes und Schimpfen auf die Heiligenpflegerin, die einem armen Mädchen solche Blutzinsen abnehme, ging selt— sam durcheinander. Sie versprach, noch heute das Darlehen zu bezahlen und es Barfüßele allmählich am Lohne abzu— ziehen. Jetzt endlich durfte sich Barfüßele betrachten. Die Frau hielt ihr selber den Spiegel vor, und aus den Mienen beider glänzte es und sprach es wie ein jauchzender Wechselgesang der Freude. „Ich kenn' mich gar nicht! Ich kenn' mich gar nicht!“ sagte Barfüßele immer und betastete sich auf und nieder mit beiden Händen im Gesicht.„Ach Gott, wenn nur mein! Mutter mich so sehen könnte! Aber sie wird Euch gewiß vom Himmel herab segnen, daß Ihr so gut zu mir seid, und sie wird Euch beistehen in der schweren Stunde; brauchet nichts zu fürchten.“ „Jetzt mach' aber ein ander Gesicht,“ sagte die Bäuerin, „nicht so ein Gotteserbarm; aber es wird schon kommen, wenn du die Musik hörst.“ „Ich mein', ich höre sie schon,“ sagte Barfüßele.„Ja, horchet, da ist sie.“ In der Tat fuhr eben ein großer Leiter— wagen, mit grünen Reisern besteckt, durch das Dorf, und dar⸗ auf saß die ganze Musik, und der Krappenzacher stand mitten zwischen den Mufikanten und blies die Trompete, daß es schmetterte. Nun war kein Halt mehr im Dorfe, alles machte sich eilig davon. Die Bernerwägelein, einspännig und zwei⸗ spännig, aus dem Dorfe selber und aus den benachbarten, die hier durch mußten, jagten fast einander wie im Wettrennen. Rosel stieg zu ihrem Bruder auf den Vordersitz, und Bar⸗ füßele saß hinten im Korbe. Es schaute immer vor sich nie⸗ der, so lange man durch das Dorf fuhr, so schämte es sich. Nur beim Elternhause wagte es aufzublicken: die schwarze Marann grüßte heraus, der rote Gockelhahn krähte auf der Holzbeige, und der Vogelbeerbaum nickte:„Glück auf den Weg!“ Jetzt fuhr man durch das Tol, wo der Manz die Steine klopfte; jetzt über den Holderwasen, wo eine alte Frau die Gänse hütete. Barfüßele nickt ihr freundlich zu. Ach Gott, wie komm' denn ich dazu, daß ich hier so stolz und geschmückt vorbeifahre, und ist's denn nicht eine gute Stunde bis End⸗ ringen, und man meint doch, man wäre kaum eingesessen, und jetzt heißt's schon: absteigen! und die Rosel ist schon be⸗ grüßt und umstanden von allerlei Gefreundeten, und:„Ist das eine Schwester deiner Schwägerin, die du da bei dir hast?“ heißt es vielfach. „Nein, es ist nur unsere Magd,“ antwortete Rosel. Mehrere Bettler aus Haldenbrunn, die hier waren, betrach⸗ teten Barfüßele staunend, sie kannten sie offenbar nicht, und erst als sie sie lange angesehen hatten, riefen sie:„Ei, das ist ja das Barfüßele.“ 75 „Das ist nur unsere Magd.“ Dieses Wörtchen„nur“ ö war Barfüßele tief ins Herz gedrungen, aber sie faßte sich ö schnell und lächelte, denn in ihr sprach es:„Laß dir nicht von ö einem Wörtchen deine Freude verderben. Wenn du das an⸗ fängst, da trittst du überall auf Dornen.“ 1 Die Rosel nahm Barfüßele beiseite und sagte: N ö „Geh' du nur einstweilen auf den Tanzboden oder an⸗ derswohin, wenn du sonst Bekannte im Orte hast. Bei der Musik sehe ich dich hernach schon wieder.“ 0 Ja, da stand Barfüßele wie verlassen, und sie kam sich vor, als hätte sie ihre Kleider gestohlen und gehöre garnicht daher, sie war ein Eindringling.„Wie kommst du dazu, daß du zu so einer Hochzeit gehst?“ fragte sie sich und wäre am liebsten wieder heimgekehrt. Sie ging durch das Dorf aus und ein, dort an dem schönen Hause vorbei, das für den Brosie erbaut worden war, und worin auch heute viel Leben sich zeigte, denn die Oberbaurätin hielt mit ihren Söhnen und Töchtern hier ihre Sommerfrische. Barfüßele ging wie⸗ der das Dorf hinein und schaute sich nicht um, und doch wünschte sie, daß jemand sie anrufe, damit sie sich zu ihm; geselle. 8 Am Ende des Dorfes begegnete ihr ein schmucker Reiter auf einem Schimmel, der das Dorf herein ritt. Er trug eine fremde Bauerntracht und sah stolz drein; jetzt hielt er an, stemmte die Rechte mit der Reitgerte in die Seite, mit der Linken klatschte er den Hals seines Pferdes und sagte? Zane Morgen, schönes Jungferle! Schon müde dom Tanz?“ „Für unnötige Fragen bin ich schon müde,“ lautete die Antwort. (Fortsetzung folgt.) * 15 5 Hessen Gießen und Umgebung. . Krieg und Schuljugend. Wie vorsichtig man in der Beurteilun 8 E des Krieges auf die verschiedensten Gebiete 1 055 9 1 0 Schlußfolgerungen hüten mu 1— wie der Vorwärts schreibt— ein Vor K i stisch, der sich in Charlottenburg abgespielt 5 N darüber hinaus für ganz Deutschland Interesse haben dürfte Uebereinstimmend hatten die Stadtärzte in ihren 5 Be. richten hervorgehoben, daß auch während des Krieges die hygienischen Lebensbedingungen und die gesundheitlichen Zustände günstige gewesen seien, und auch die Verwaltun hatte daraus den Schluß gezogen, daß trotz der geb f Umwälzungen, die der Krieg in der Lebensweise des einzelnen 14 wie der Gesamtbevölkerung mit sich gebracht habe die Ge⸗ sundheitsverhältnisse nicht ungünstig beeinflußt worden seien N Nunmehr veröffentlicht ein Charlottenburger Schularzt Dr. 11 Kettner, in der Deutschen Medtzinischen Wochenschrift 0 0 einen lesenswerten Artikel über das erste Kriegsjahr und die großstädtischen Volksschulkinder worin er zu wesentlich anderen Ergebnissen kommt. Herr Dr. Kettner gibt offen zu, daß die Annahme, daß eine sichtbare 0 1 influsses wie sehr 58, dafür 2 Beeinflussung der Volksschüler durch den Krie nicht z. *. achten gewesen sei, nicht zutrifft. Soweit 10 sich e 11 wachsene Personen handle, habe sich schon um die Mitte des 1. f ersten Kriegsjahres nachweisen lassen können, daß die körper⸗ u lich schwer arbeitenden Bevölkerungsschichten nicht ge⸗ 1. nügend ernährt werden— ein Umstand, der bekannt— 6 lich den Anlaß zur Ausgabe von Zusatzkarten für Brot und Mehl ergeben hat. Ebenso wichtig, bisher aber nicht genügend beachtet, ist die Frage, ob nicht etwa auch die Kinder von der durch den Krieg unzweifelhaft hervorgerufenen ungünstigen Lage beeinflußt werden. Diese Frage ist nach Dr. Kettner um so wichtiger, als es sich bei unserer heranwachsenden Jugend im Gegensatz zu den Erwachsenen, von denen nur ein, wenn auch nicht unbeträchtlicher Teil betroffen wird, um ganz andere Zahlenmassen handelt, denn sie alle brauchen 1 1 und verbrauchen zum Aufbau und zur Entwickelung ihres J 5 Körpers weit größerer Energiemengen, als sie der körperlich schwer arbeitende Erwachsene zur Erhaltung seines Körper⸗ bestandes benötigt. Naturgemäß werden, wie bei den Er⸗ wachsenen, so auch unter den Kindern diejenigen am ehesten er 5 schädigenden Einflüssen zugänglich sein, die unseren arbeiten— 6. a den Bevölkerungsschichten angehören, da deren Entwicklung 2 durch Verschlechterung der sozialen Lage ihrer Eltern doppelt . gefährdet erscheint. . 5 Dr. Kettner, dessen Aufsicht ein Bezirk mit etwa 5000 5 Kindern vom zartesten Säuglingsalter bis zum vollendeten r 14. Lebensjahre unterstellt ist und der an einer Stelle wirkt, m 0 wo Großstadt und Industrie sich die Hand reichen, und wo u. die verschiedenen Zweige der Jugendfürsorge zusammenge⸗ faßt sind, stellt nun auf Grund seiner Beobachtungen folgen⸗ 5 des über die Einwirkung des ersten Kriegsjahres auf die n. großstädtischen Arbeiterkinder fest: il Die in der Fürsorgestelle vorgestellten Säuglinge zu tuüund Klein blinder im sogenannten Spielalter haben m. 1 unter der Ungunst der Verhältnisse bedeutend weniger ge— en litten, als zu Beginn des Krieges befürchtet wurde. In ver⸗ ur⸗ mehrter Anzahl sind eigentlich nur zwei Krankheitsbilder 15 beobachtet worden, die in unmittelbarem Zusammenhang mit 1 dem Krieg zu bringen sind, einmal die sogenannte englische Krankheit, die er als eine Folge der verschlechterten häus⸗ 15 lichen Verhältisse ansieht, und zweitens Krämpfe, worin er ine den Ausdruck der nervösen Beeinflussung der jungen Mütter 1 während der Schwangerschaft erblickt, soweit diese nach Aus⸗ 1 bruch des Krieges eintrat. Dagegen hat er trotz des wechseln— 1 den und teilweise recht heißen Wetters Erkrankungen an or 0 Magenkartarrhen nur selten, Todesfälle daran überhaupt 1 nicht beobachtet. Für die Säuglinge erklärt er sich dies 3 günstige Ergebnis aus den bundesrätlichen Bestimmungen , über die Wochenhilfe, indirekt auch aus dem Geburtenrück⸗ 2 gang und daraus, daß ein nicht unbeträchtlicher Teil der 0 Kriegerfrauen mit ihren Kindern aufs Land zog, für die f Kleinkinder bis zum vollendeten sechsten Lebensjahre aus der gerade in Arbeiterkreisen zutage tretenden, oft rührenden 1 0 Uneigennützigkeit der Eltern, die lieber selbst oft bittere Not ch leiden, als daß sie ihren Kindern auch nur die geringsten Ent⸗ 6 behrungen materieller Natur zumuten würden. a Ein wesentlich anderes Bild zeigt sich im Schulalter, wo die Kinder während eines großen Teils des Tages der elterlichen Gewalt entzogen sind. Auf die körperliche Ent⸗ * wicklung der Schulkinder hat schon das erste Kriegsjahr einen bl deutlichen Einfluß ausgeübt, und zwar ist sowohl die Ge⸗ wichtszunahme als auch das Längenwachstum bei Knaben sh und Mädchen im Kriegsjahr 1915 hinter den voraufge⸗ 0 gangenen Friedensjahren zurückgeblieben. Zunächst 8 allerdings verneint Dr. Kettner die Frage, ob die Schulkinder 1 bereits direkt geschädigt sind; ob aber dieser noch nicht un. 10 günstig zu nennende Zustand bei längerer Dauer 1 1 anhalten wird, erscheint ihm zweifelhaft. Jedenfalls 1 1 der Umstand, daß von 33 Schülerinnen einer Klasse im Alter en ö von zehn Jahren innerhalb eines Zeitraums von 10 e, Monaten 2 Gewichtsstillstand, 26 Abnahme bis zu 4 R 4 gramm und nur 5 eine Gewichtszunahme N 1 l N auch bedeutend hinter den Mittelwerten e 1 9 5 zurückblieben, zu ernsten Befürchtungen An 1 e 2 N die schleunige Inangriffnahme vorbeugender 1 185 1 erforderlich machen. Will man eine schwere 1 13 unserer heranwachsenden Schuljugend zumo un 9 0 3 5 0 als Trägerin kommender Generationen 1 193 1 sorge man dafür, daß sie ausreichend ernährt werde. b Es wäre wünschenswert, wenn überall r 0(ach der gleichen Richtung angestellt e 771 115 allein darf es nicht bleiben. ene eee 11 gierungen müssen auch die entsprechenden Sch ußfolg 9 darous ziehen. — und Nachbargebiete. — Die Kuchenbackerei für die Feiertage begegnet dies⸗ mal allerlei Hindernissen. Niemand weiß recht, was erlaubt und was verboten ist und das ist bei den zahlreichen Veror— nungen, die erschienen und öfters wieder abgeändert worden sind, auch ganz begreiflich. Bisher galt die Bestimmung, daß am Freitag für jüdische und am Samstag für christliche Haushalte das Kuchenbacken freigegeben war. Da nun aber der erste Feiertag und der Neujahrstag auf Samstag fallen, ist das Kuchenbacken für den Freitag vor den beiden Feier⸗ tagen allgemein gestattet, aber unter der Beschränkung, welche die Verordnung vom 16. Dezember setzt. Diese gilt aber nur für gewerbliche Betriebe, für welche vor⸗ geschrieben wird, daß keine Eier zu Kuchen verwendet wer⸗ den dürfen und nur ein gewisser Prozentsatz Fett und Zucker. Also liegt die Sache so: im Privathaushalt kann ge⸗ backen werden, was man will und was man hat; in Bäckereien kann am Freitag gebacken werden, doch muß die Zusam⸗ mensetzung des Kuchenteigs den Bestimmungen der Verord⸗ nung vom 16. Dezember entsprechen. Pferdefleisch in der Zervelatwurst. Eine empfindliche aber durchaus gerechte Strafe erhielt ein Metzger in Alzey wegen grober Nahrungsmittelfälschung. Er hatte„Prima Zervelatwurst“ zu höchstem vollen Tagespreis herge⸗ stellt und verkauft. Die Wurst kam auch zum Versand in die Schützengräben, von wo ein Feldgrauer schrieb, er wolle von dieser Wurst keine mehr, weil sie Pferdefleisch enthalte. Auf erfolgte Anzeige wurden Proben chemisch untersucht, wobei einwandfrei festgestellt wurde, daß tatsächlich Pferde⸗ fleisch verwendet worden war. Der Wetzger, der sich seine minderwerte Ware in umsern teuren Zeiten zu vollem Tages⸗ preis bezahlen ließ, erhielt 14 Tage Gefängnis. Ernäheungsweise im Arbeiter⸗Haushalt. Der Sozial⸗ demokratische Verein und das Gewerkschaftskartell Bremen haben Ende November in der ganzen Stadt eine beschränkte Umfrage veranstaltet, um festzustellen, ob die minberbemittelte Be⸗ völkerung bei den gegenwärtigen Lebensmittelpreisen in der Lage ist, sich gegenügend mit Fleisch, Fett, Kartoffeln und Feuerung zu versorgen. Von 787 befragten Haushaltungen konnten sich 68 mit einer Kopfzahl von 300 Personen überhaupt kein Fleisch kaufen, von den übrigen ergibt die Statistik, daß sie für Fleisch eine Mark auf den Kopf und pro Woche ausgeben. Für Fette— Butter, Margarine usw.— kommen auf den Kopf der Familie und pro Woche 80 ½ Pfennige. Von den 787 Haushaltungen ver⸗ brauchten 45 keine Milch, bei den übrigen— 742— Familien kamen auf Milch pro Woche und pro Kopf 28 Pfennige. Weiter wurde festgestellt, daß auf den Kopf ein Kartoffelkonsum von fünf Pfund pro Tag entfällt. Ein Drittel der befragten Familien hatten ein Einkommen von weniger als 25 Mk. pro Woche; die Familie zu vier Köpfen gerechnet. Davon; ab für Miete durchschnittlich 5 Mark pro Woche. Bei den 238 Haushaltungen, die unter 25 Mk. wöchentliches Einkommen haben, blieben nach Abzug der Ausgaben flir Miete, Helzmaterial usw. noch durchschnittlich 12,50 Mk. für Nahrung und Kleidung. Diese Statistik hat traurige soziale Bilder entrollt, denn 81 Haushaltungen hatten ein Einkommen von bloß 15—20 Mk. und 52 Haushaltungen gar nur von 5—15 Mark wöchentlich. Wichtig für unsere Soldaten im Felde. Schon oft sind Be⸗ schwerden gekommen, daß Soldaten, die schon seit langem einbe⸗ rufen sind, noch keinen Urlaub erhalten haben, während jüngere Mannschaften solchen erhielten, weil eine Befürwortung durch die Heimatsbehörde vorlag. Dagegen ließ sich nun freilich nichts machen, so unangenehm es auch war, die Freude manches„alten Mannes“ zerstört zu sehen. Damit scheint jetzt endͤgiltig ge⸗ brochen zu werden. In der Reichshaushaltskommission am Freitag legte nämlich ein Vertreter des Kriegsministeriums einen Erlaß vor, der bestimmt, daß Mannschaften, die längere Zeit im Felde waren, auch dann Urlaub bekommen sollen, wenn keine Befür⸗ wortung durch die Heimatsbehörde vorliegt. Dieser Erlaß dürfte bei unseren Soldaten im Felde mit großer Befriedigung aufge⸗ nommen werden, denn er eröffnet auch den Soldaten Aussicht auf Urlaub die bisher noch nicht das Glück hatten, ihre Lieben in der Heimat besuchen zu können. — Das Jahr 1916 ist ein Schaltjahr, zählt also 366 Tage. Ostern fällt sehr spät, auf den 23. und 24. April. Der Himmel⸗ fahrtstag fällt auf den 1. Juni, Pfingsten auf den 11. und 12. Juni. Im Mai find also gar keine Feiertage, was sehr selten vorkommt. — Ein Butter⸗Wucherer als Mitglied der Höchstpreis⸗Kom⸗ mission! In Wiesbaden verkaufte in den Tagen der großen Butterknappheit die Firma Johann Rathgeber holländi⸗ sche Butter zu 3,75 Mark per Pfund entgegen den Höchst⸗ preisen von 2,58 Mark. Das kam zur Anzeige und das Schöffen⸗ gericht beschäftigte sich mit dem Fall. Ausweislich der Frachtbriefe hatte die Firma 26 Zentner aus Holland bezogen zun Preis von 2,45 Mark. Der tägliche Umsatz belief sich auf 6 Zentner. Bei einer Fracht von 10,45 Mar? würde sich der legale Gewinn auf 39 Mark den Tag belaufen haben, durch Ueberschreitung der Butter⸗ höchstpreise betrug er tatsächlich 114,55 Mark. Die 26 Zentner hatten also 595 Mark Profit gebracht. Diese unpatriotische Hand⸗ lungsweise trug dem Inhaber eine Geldstrafe von 500 Mark ein, weil er hochbetagt und bisher unbescholten ist, sah man von Ge⸗ fängnis ab. Rathgeber gehörte— und das ist das be⸗ sonders verwerfliche an seiner Handlungsweise— der Kom⸗ mission zur Festsetzung der Höchstpreise an. — Unterstützung in Sterbefällen. Uns wird geschrieben: Der Verein für Sterbeunterstützung, der in diesen Tagen seinen 400. Sterbefall zahlte, ist noch in weiten Kreisen unserer Mitbürger trotz seines gemeinnützigen Bestrebens, unbe⸗ kannt, obwohl er zurzeit zirka 1600 Mitglieder zählt. Der Verein wurde im Jahre 1889 von einer Reihe von Männern gegründet zu dem Zwecke, den Hinterbliebenen eines verstorbenen Mitgliedes die Kosten der Beerdigung zu erleichtern. Als sogenanntes Sterbegeld wurden 70 Mark festgesetzt, welche dadurch aufgebracht wurden, daß bei jedem Sterbefalle von jedem Mitgliede ein Bei⸗ trag von 25 Pfg. erhoben wurde. Obwohl nun der Beitragssatz bis heute noch derselbe geblieben ist, war der Verein in der Lage, im Laufe der Jahre das Sterbegeld zu erhöhen, sodaß jetzt bei einem Sterbefälle den Hinterbliebenen der Betrag von 270 Mk. ausgezahlt wird. Trotz dieser enormen Erhöhungen der Leist⸗ ungen war der Verein auch noch in der Lage, seine Leistungs⸗ fähigkeit für die Zukunft sicher zu stellen, indem er ein Vermögen von über 17000 Mk. ansammelte. Trotz alledem muß die Leitung des Vereins von Zeit zu Zeit unberechtigten Klagen, als ob ein Mitglied mehr zahlen müsse, als es bekäme, entgegentreten, wes⸗ halb es angebracht ist, gerade anläßlich des 400. Sterbefalles, den der Verein vor einigen Tagen vergütet hat, nachzuweisen, daß dieses nicht der Fall ist. Angenommen, das Mitglied, das durch seinen Tod den 400. Sterbefall herbeigeführt hat, set bei der Gründung des Vereins beigetreten. Es hatte sonach 400 mal 25Pfg. gleich 100 Mk. Beitrag im ganzen gezahlt und dafür haben die Hinterbliebenen 270 Mk. Sterbegeld erhalten. Nun sterben eine große Anzahl von Mitglieder, die eine viel kürzere Zeit als 26 Jahre dem Verein angehhrt haben. Hier ist also die Differenz wischen Beitrag und Leistung des Vereins noch viel günstiger für das Mitglied.— Aus allen diesem kann man ermessen, welche Vor⸗ teile diese Sterbekasse seinen Mitgliedern bietet. Das Beitritts⸗ alter ist von 17 bis 45 Jahre festgesetzt.— Anmeldungen sowie ede diesbezügliche Auskunft wird von dem 1. Vorsitzenden des reins, Herrn Schuhmachermeister Seidewand, Bleich⸗ straße 15, sowie von dem Schriftführer Fourier(Ortskraulen⸗ kasse) bereitwilligst erteilt. Der Beitritt zu diesem gemeiunützigen Unternehmen kann jedermann nur empfohlen werden. — Es wär' ganz schön gewesen... Im vorgestrigen Blatte wurde mitgeteilt, daß ein hiesiger Bürger dem Oberbürgermeister eine Stiftung von 150 000 Mark überwiesen hätte. Diese freudige Botschaft trifft leider nicht zu, sie beruht auf einem Mißverständ⸗ nis. Hoffentlich finden sich aber noch vermögende Leute, die zur Linderung der Not etwas tiefer in ihren Geldschrank greifen. — Stadttheater Gießen. Viele Abwechslung bringt der Spiel⸗ plan der Feiertage. Am 1. Feiertag gelangt als Gesamtgastspiel der Darmstädter Hofoper und Hofmusik die Mozartsche Oper„Die Gärtnerin aus Liebe“ zur Aufführung. Diese Vorstellung beginnt um 5% Uhr. Der zweite Feiertag bringt für den Nach⸗ mittag eine Wlederholung des beliebten Schwankes„Herrschaft⸗ licher Diener gesucht“, holung der so außerordentlich erfolgreichen Gesangsposse„Der Juxbaron“ mit Musik von Walter Kollo(Komponist von„We einst im Mai“). Am 27. Dezember wird nachmittags das Kinde r⸗ märchen„Hänsel und Grete!“ gegeben. Am 27. Dezember abends findet eine Wiederholung des neuen liebenswürdigen Lust⸗ spiels von Presber und Stein„Die selige Exzellenz“ statt, das jüngst bei der Erstaufführung hier so vorzüglich ange⸗ sprochen hat. Von Nah und Fern. Revolverschießerei im Schulzimmer. In der Schule eines bei Friedland in Mecklenburg⸗Strelitz gelegenen Gutes kam es zwischen dem Lehrer und der Mutter eines Schulknaben zu einem blutigen Auftritt. Der Junge widersetzte sich während des Unterrichts einer ihm zugedachten Züchtigung, als unerwartet die Mutter ein⸗ trat und auf den Lehrer und auf dessen hinzukommende Ehefrau einschlug. Es war nicht möglich, die rasende Frau zu beruhigen oder aus dem Zimmer zu hringen, insolgedessen der Lehrer schnell einen Revolver aus dem Nebenzimmer holte und auf die Frau einen Schuß abgab. Sie trug eine Verwundung in der Lenden⸗ gegend davon. Der Vorfall beschäftigt bereits die vorgesetzte Schulbehörde.. 5 1 Tagebbericht des Großen Hauptguartiers. Kampfe im Elsa ß An der übrigen Front nichts Neues! W. B. Großes Hauptquartier, 22. Dez., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Die Franzosen griffen am Nachmittag unsere Stellungen am Hartmannsweilerkopf und am Hirzstein(nördlich von Wattweiler) unter Einsatz erheblicher Kräfte an. Es gelang für den Abend die erste Wieder⸗ ihnen, die Kuppe des Hartmannsweilerkopfes, die nach den offiziellen französischen Berichten allerdings schon seit Ende April im französischen Besitz gewesen sein soll, und ein kleines Grabenstück am Hilsenfirst zu nehmen. Ein Teil der verlorenen Stellungen am Hartmannsweilerkopf ist heute vormittag bereits zurückerobert. Ein Angriff bei Metzeral brach vor unserer Stellung zu⸗ sammen. * 4 Auf der übrigen Front bei unsichtigem Wetter und Schneetreiben nur geringe Gefechtstütigkeit. Oestlicher und Balkankriegsschauplatz. Keine wesentlichen Ereignisse! 40 Oberste Heeresleitung. * Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht 69 Geschütze bei Ipek erbeutet. Wien, 22. Dez.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: 22. Dezember 1915. Russischer Kriegsschauplatz. Stellenweise Artilleriekämpfe und Geplänkel. Italienischer Kriegsschauplatz. Die Tätigkeit der italienischen Artillerie gegen die Tiroler Südfrount hält an. Auch an den übrigen Fronten stellenweise vereinzelte Geschützkämpfe. Der Angriff einer feindlichen Kom⸗ pagnie bei Dolje am Tolmeiner Brückenkopf brach in unserem Feuer zusammen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Bei Ipek wurden neuerlich 69 von den Serben vergrabene Geschütze erbeutet. Diese Zahl dürfte sich noch erheblich steigern. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs⸗ v. Höfer, Feldmarschalleutnant. 2 Eine italienisch⸗englische Aktion? Die Basler Nachrichten berichten aus Rom: Zahlreiche englische Offiziere treffen mit den letzten Schnell⸗ zügen aus Turin und Frankreich ein; sie fallen bereits sehr auf. Da ihr Aufenthalt sich verlängert, wird auf eine ge⸗ meinsameitalienisch⸗englische Aktion geschlossen. Die Neue Zürcher Zeitung erfährt aus Genf, daß ein großer Teil des italienischen Genjekorps, sowie Telo⸗ graphisten, Telephonisten und Sappeure von der öster⸗ reichischen Front abberufen worden seien, mu nach Albanien zu gehen. Die russische Aktion vor Warna. Sofia, 22. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Meldung der Bul⸗ garischen Telegraphenagentur. Wie die Blätter melden, näherten sich gestern vier russische Torpedobootszerstörer, die die rumänischen Häfen überwachen, dem bulgarischen Torpedo⸗ boot, das vor dem Kloster des heiligen Konstantin bei Warna den Wachtdienst versieht. Die russischen Einheiten feuerten auf das bulgarische Torpedoboot, das das Feuex erwiderte; auch die, Küstenbatterien beteiligten sich am Kampfe. Kurz darauf dampften die Torpedobootszerstörer davon. Das bulgarische Torpedoboot ist unversehrt geblieben. Der türkische Tagesbericht. Wachsende Beute. Konstantinopel, 22. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier tqült mit: An der Irakfront, bei Kut⸗el⸗Amarg, versenkte unsere Artillerie zwei feindliche Monitore und ver⸗ ursachte durch einen Volltreffer eine Explosion bei eimem an ⸗ dern Monitor. Unsere Truppen näherten sich auf der Nord⸗ front dem Stacheldrahtverhau der befestigten feindlichen Stellungen. An der Kamkasusfront kosteten die feindlichen Angrüffe in der Gegend von Id am 20. Dezember dem Feinde einen Verlust von 8 Offigieren und 300 Mamn, während uunsere Lerluse uns chi eikg beser galt base 1 An der Dardanellenfront, bei Sedd⸗ül⸗Bahr, zeitweiliger Artillerie, Bomben⸗ und Lufttorpedokampf. Unfere Bat⸗ terien auf der auatolischen Küste der Meeceugen beschossen Arsolgreich Mortoliman und die Landungsstellen von Tekke⸗ Zurnu. Sie versenkten bei Mortolimau zwei kleine Boote, sola se bei Tekke⸗Burnu ein kleines Munitionsschiff und trusen ferner ein Lastboot. In einem einzigen vom Feinde gesäuber⸗ ken Abschnitte fanden wir Lebensmittel aller Art, die für die Verproviantierung eines ganzen Armeekorps für lange Zeit ausreichen, sowie 1 Million Sandsücke, ungefähr 1000 Zelte, 500 Wolldecken, 400 Tragbahren, 1000 Konservenkisten, 50 Benzinfässer, einen Mörser bei Aghincdere, sowie eine Mange in die Erde vergrabener Mörsergeschosse, ferner 300 Kilometer Telephondrähte und 180 Meter Stacheldraht. Wir kounten die Munition, Kleidungsgegenstände und sonstiges erbeutetes Material noch nicht zählen. Schwierige Lage der Fugländer in Aegyrten. Ueber die schwierige Lage der Engländer in Aegypten veröffentlicht die Köln. Volksztg. heute einen zweiten Artikel aus Kairo, in welchem ein Neutraler diesmal die Frage eines drohenden allgemeinen Aufstandes der mohammedanischen Aegypter behandelt und schreibt: Die Engländer erkennen ganz folgerichtig die große Gefahr, die ihnen von den mohammedanischen Aegyptern droht, wenn einmal der Kampf um das Pharaonenland begonnen hat und dieser Gefahr suchen sie jetzt vorzubeugen. Sie wollen die Zwangs⸗ rekrutierung für die Aegypter einführen und diese, wie die Inder, auf dem europäischen Kriegsschauplatz verbluten lassen. Wie hochgestellte Aegypter mitteilen, soll angeblich diese Verfügung im ägyptischen Ministerrat beschlossen wor⸗ den sein. Nach meiner genauen Kenntnis der ägyptischen Verhältnisse würden sich die Engländer, falls sie diese Zwangsrekrutierung verwirklichen sollten, außerordentlich verrechnen. Sie haben es mit der freiwilligen Rekrutierung versucht; es haben sich aber tatsächlich nur verhältnismäßig wenig nichtmohammedanische Aegypter gemeldet, aus denen einige Bataillone gebildet wurden. Der Neutrale bemerkt dann weiter: Von Tag zu Tag fühlen sich die Engländer immer unbehaglicher. Nach den Mitteilungen englischer Militärs sind die Türken mit starken Kräften im Anmarsch nach dem Suezkanal und täglich spielen sich Scharmützel ab, während im Sudan und in Westägypten die vorgeschobenen Truppen mit den englandfeindlichen Stämmen sich herumzu— schlagen haben. Von diesen scheinbar unbedeutenden Ereig— 2 7 Giessen. 2 An den 40 Weihnachts- Feiertagen 2 und am J. u. 2. Januar 8 abends 8 Uhr 14 Frpsse Jorsteungen as lokinsbers drag Bedacht a aus Marburg. Wunderbare Programme. 75 2 2 2 2 if reise der Plätze im Vorverͤkaut nur im% Caté Leib zu haben. 2 Sperrsitz Mk. 1.50 RN NN NN An der Kasse: Sperrsitz M 1.25 94 i„ 1. 1. Platz„ 1.20 7 2. Platz„. 75 2 Fab„ Gallerie„ 50 Galierie„—.50. 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Armeekorps, ist hier heute morgen gegen 8 Uhr sanft entschlafen.(Der Verstorbene befehligte bekanntlich die deutschen Truppen, die Lüttich stürmten. D. N.) „Rußky kaputt!“ Um es gleich zu sagen: wir wollen hier nicht von den Zügen gefangener Russen sprechen, die nach den Schilderungen der Kriegs⸗ berichterstatter in freudigen Gruppen vor den deutschen Soldaten herumtanzen und mit dem Rufe„Rußki kaputt!“ ihrer Zufrieden⸗ heit darüber Ausdruck geben, daß für sie der Krieg zu Ende ist und sie die Unbilden des Schützengrabens mit dem geruhigen Leben in deutschen Gefangenenlagern vertauschen. Wir sprechen davon, daß der Oberbefehlshaber der russischen Nordwestfront, General Rußky„kaputt“ ist. Der Zar hat ihn mit dem üblichen Höflichkeiten seines hohen Kommandos enthoben und nach dem Großfürsten Nicolai fällt nun auch der⸗ jenige russische Heerführer in die Versenkung, von dem allgemein angenommen wird, daß er sowohl einer der fähigsten Generale des Zaren ist, wie daß er der Widerpart des Großfürsten in vielen Dingen gewesen sei. Nach den aus Schweden kommenden Blätter⸗ meldungen wird die Absägung Rußkys ziemlich unwidersprochen auf Differenzen mit dem obersten Kriegsrat des Vierverbandes, aber auch auf Meinungsverschiedenheiten innerpolitischer Natur zurückgeführt. Rußky soll nicht zu der Partei gehört haben, die den Krieg bis zur Erschöpfung der Zentralmächte, d. h. also auf unab⸗ sehbare Zeit fortsetzen will. Zur Frage der innerpolitischen Differenzen aber erhält der Berliner Lokalanzeiger aus Stock⸗ holm eine sehr interessante Information. Hiernach wären Rußky und der Ministerpräsident Goremykin beim Zaren gewesen, der mit ihnen über die bedrohliche Stimmung in der Hauptstadt beriet. Auf die Frage des Goremykin, ob Rußky bei einem Aufstand schießen lassen würde, soll der General mit Nein geantwortet haben, und als er nach dem Grunde gefragt wurde, soll er erwidert haben, daß die Soldaten nicht schießen würden. Dies habe die Reaktion, an deren Spitze ja der alte Goremykin steht, zu Verdächtigungen Rußkys ausgenutzt, die seinen Sturz herbeiführten. Wir können natürlich nicht wissen, ob diese Erzählung mehr ist als eine nette Geschichte. Es würde ja gewiß sehr für den General sprechen, wenn er nicht geneigt wäre, die Flinten gegen das eigene Volk losgehen zu lassen, und es würde ihn ehren, wenn er eine vom zarischen Standpunkt so bedenkliche Stimmung der Soldaten offen ausgesprochen hätte. Sei dem aber wie immer, daß nach der Weg⸗Beförderung Joffres und Frenchs und nach dem Ab⸗ zug von der Supla-Bai nun auch einer der hervorragendsten Heerführer Rußlands abgeschoben wird, beweist mindestens 5 Vorhandensein sehr starker innerer Schwierigkeiten im Vierver⸗ bande, aus denen wir nur zu gern die Hoffnung schöpfen möchten, daß sie uns dem Ende des Weltkrieges näher brächte. Die frauzösische Siegesanleihe. Die Fr. Ztg. erfährt von gut unterrichteter finanzieller sollen diefes Mißtrauen beseitigen. So auch eine Ab⸗ 14 Milliarden auf die französische Siegesanleihe nur vier Milliarden bar gezeichnet wurden. Der Rest besteht aus Konvertierungen. Aus der englischen Kriegsindustrie. In Frankreich wächst das Mißtrauen gegen England, daß sich allzusehr zu schonen trachte. Besondere Vortrags- reisen englischer Sozialisten und zahllose Artikel in der Presse Presse sollen dieses Mißtrauen beseitigen. So auch eine Ab⸗ handlung des Professors Levy-Bruhl in der bekannten Mili⸗ tärzeitschrift Bulletin des Armées. Danach sind die von England gemachten Anstrengungen ganz ungeheuerliche. Die Stadt Sheffield z. B. hat sich rasch zum größten Waffenplatz Gaslampen Gasherde sowie Glühkörper, Cylinder und S lle Ersatzteile in schöner Auswahl. Georg Dahmer Spengler⸗ und Installationsmeister r das der Welt ausgebaut. Die Munitionsfabrikation beschäftigt allein 125000, die Kanonenwerkstelle 9000 Mann. Am 6. September waren 650 000 Männer und 50 000 Frauen in 715 von der Regierung kontrollierten Waffen⸗ und Muni⸗ tionsfabriken tätig. Die Zahl der letzteren ist inzwischen auf 1600 gestiegen. Parteinachrichten. Eduard Vaillant f. Wir haben vorgestern berichtet, daß Eduard Vaillant, der älteste französische Sozialistenführer, aus dem Leben geschieden ist. Er muß plötzlich oder nach nur kurzer Krankheit gestorben sein, denn noch vor zwei Wochen sprach er im Aktionskemitee— in der Sitz⸗ ung des Ausschusses der politischen und syndikalistischen Arbeiter⸗ bewegung Frankreichs— über Abhilfsmaßregeln gegen die Teuerung und über die Organisation der Lebensmittelzufuhr. Vaillant wurde im Fahre 1839 geboren. Seine Eltern waren wohlhabend und sandten den aufgeweckten Knaben aufs Gymna⸗ sium. Nach Beendigung der Mittelschule studierte er Medizin und besuchte die Universität Heidelberg, wo er mit dem deutschen natur⸗ wissenschaftlichen Materialismus des Feuerbach, Moleschott und des Popularisators Büchner bekannt wurde. Gleichzeitig geriet er unter den Einfluß der Lehren Proudhons und Blanquis, die in den baer Jahren, in ber französischen Sektion der Internationale, ihre letzten Triumphe feierten. Bei alledem blieb er durch und durch Franzose, und als Frankreich im Jahre 1870/71 geschlagen wurde, flammte auch bei ihm der nationalpatrigtische Geist auf und er schloß sich dem Kommunkaufstand an, dessen Ursachen viel weniger auf sozialwirtschaftliche als auf militärisch⸗patriotischem Gebiete zu sinden waren. Nach der Niederwerfung der Kommune flüchtete er nach England, wo er auch mit dem Marxismus bekannt wurde und nach und nach von der insurektionellen Taktik Blanquis abrückte. Nach der Amnestierung der Kommuneflüchtlinge kehrte er nach Paris zurück und arbeitete an der Wiederherstellung der sozialisti⸗ schen Bewegung, jedoch hat er nie die führende Rolle eines Guesde oder Jaurés gespielt. Das eigentliche Haupt der sozialistischen Gruppe, zu der Vaillant gehörte, war Allemane. Von 1901 bis etwa 1905 wirkte er mit den Guesdisten zusammen, dann als Mit⸗ glied der geeinigten sozialistischen Partei mehr und mehr in Sympathie mit Jaurès als mit Guesde, insbesondere in der Stellungnahme zum französischen Syndikalismus. Seit dem Jahre 1906, als die erste Marokkokrise die Möglich⸗ keit eines deutsch⸗französischen Krieges in die Nähe rückte, schloß sich Vaillant noch enger an Jaurss an und auf dem Stuttgarter Kongresse sprachen beide für den Generalstreik als letztes Mittel zur Verhinderung des Krieges. Auf dem Kopenhagener Kongreß 4910 war Vaillant schon ein entschiedener Anhänger des General⸗ streiks, als des wirksamsten Mittels gegen den Krieg und arbeitete mit Keir Hardie in der Kommission zusammen, die Generalstreiks⸗ resolution dem Kongresse zu empfehlen. Wie die meisten französi⸗ schen Sozialisten identifizierte auch Vaillant die Interessen des Sozialismus mit denen Frankreichs. Als der Krieg ausbrach, flammte bei ihm der patriotisch⸗sozialistische Eiser mächtig auf und unterdrückte jedes objektive Urteil über die deutsche Sozialdemo⸗ kratie. Die Invasion Frankreichs erschien ihm als die brutale Ver⸗ letzung aller Gerechtigkeit und aller sozialistischer Solidarität. Er rief die ganze Welt auf, gegen Deutschland zu ziehen und die Meuchelmörder der Freiheit und Brüderlichkeit zu strafen. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. N. Die Marttpreise für Vieth und Frucht. und die Gießener Fleisch⸗ und Brotpreise am 20. Dezember 1915 Schlachtviehpieise in Fra nkfurt an. M. Fleischpreise in Gießen Schsen 50 xx Schlachtgewicht 128— 140 ME[, kg 120—124 Pfa. Lälber ½„„ 119—150 Pf ½„ 120124 Schweine ½„ 8 78—129„ ½„ 150—000 Getreidepreise in Mannheim. Weizen 100 kg 27.00 Mk Höchstpreis Roggen„„ 23.00„ Höchstpreis] Schwarzbrot 2„ 68„ Verstorbene. Frau Margarethe Bender Wwe. geb. Kraft in Gießen.— Frau Kathawing Kümmel geb. Bierau in Gießen, 80 Jahre alt.— Andreas Becker II., Kaufmann und Beigeordneter in Londorf, 70 Jahre alt. Einen grossen Posten -Ssielel Brotpreise in Gießen Weißbrot 2 kg— Pf in genarbtem Kipsleder, holzgensgelt, habe trotz der hoben Lederpreise verhältvis- mässig billig erstanden und verkaufe solche zu nachstehend billigen Preisen: 22/24 25/26 28/30 31/35 Neuenweg 40. 2 8 Markt- Str. Nd Rheumatis- mus, Ischias u Gicht können Sie selbst bekämpien. Ich will nichts verkanfen. Für Aus- kunt Freimarke beifügen SEELE EEE Brandt, kriegschulbeamter a. D. 2 5 Halle a. S. 43, Jakobstr 44. A 5.60 Jehunhaus düse Grosse Auswahl in allen Sorten Winter-Schuhwaren. b EEA 5.75 7.75 68.50 Weiter- gasse 2 — in hervorragender Auswahl, auch für Wiederverkäufer, empfiehlt Buchhandlung der Oberh. Volkszeitung, Bahnhofstr. 23 U 90 EE * 1 — 1s! ——