— erhe ische Vo rgan für die Interessen des werktätigen Volkes eitung der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Die Oberhessische Volksseitung erschemt jeden Werkt 1 5 a 5 75 0 ag Ab Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., med 60 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl.1 80 Mt. Redaktion und Expedition Gießen, Bahnhofstraste 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Juserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Ra att. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 300 Gießen, Miltwoch, den 22. Dezember 1915 10. Jahrgang Türkischer sieg an den Dardanellen. Gegen Parteispaltung. a1 1 9 Otto Braun, M. d. A. In letzter Zeit wird in einzelnen Parteiorganen mi i Eifer, der einer besseren Sache würdig wäre, gegen die Einheit und . 155 3 5 Sturm gelaufen. ine Hauptstärke unserer Paxtei war es bisher, daß si. achtet aller inneren Meinungsdifferenzen über Nane f parteitaktische Fragen im politischen Kampf dem Gegner stets ein⸗ 1 und Benne fen entgegentrat. Immer hatte sich nach dem anerkannten demokratischen Grund⸗ satz die Minderheit der Mehrheit zu fügen. Das 15 die Parte groß gemacht, hat mit dazu beigetragen, daß sie zu einem gewichti⸗ gen Machtfaktor im öffentlichen Leben wurde.. Jetzt soll diese alte bewährte Kampfregel aufgegeben werden wenn. es nach dem Wunsch der oben erwähnten Parteiblätter geht. Die Minderheit in der Reichstagsfraktion soll den ersten Schritt tun, um dem Gegner eine zerrissene Kampffront entgegenzuführen und dadurch den politischen Einfluß der klassenbewußten Arbeiter schaft Deutschlands unheilvoll zu schwächen. Bisher haben sich die Mitglieder der Reichstagsfraktion, die die Taktik der Mehrheit für salsch halten, gleichwohl gefügt in der richtigen Erkenntnis, daß die demokratische Unterordnung unter den Mehrheitswillen der Grundpfeiler unserer Organisation ist. Ihr Verantwortlichkeitsgefühl, ihre Liebe zur Partei, in der sie mit Recht ein Stück ihres Lebenswerkes erblicken, hielt ste davon ab, dem Beispiel eines Fraktionsmitgliedes zu folgen, dessen demon⸗ stratives Auftreten gegen die Fraktion im Plenum des Reichstages nur durch seine persönliche Veranlagung zu erklären und ent⸗ sprechend zu bewerten ist. Die Minderheit der Reichstagsfraktion hat sich auch durch das Toben der Radek⸗Sobelsohn, Grumbach⸗Homo und Konsor tou, die vom sicheren Port der Schweiz aus ihr glaubten, Belehrungen und Befehle erteilen zu müssen, nicht bewegen lassen, sich von der Fraktionsmehrheit zu trennen und eine parlamen⸗ tarische Sonderaktion durchzuführen. Und das soll nun me hr anders werden? 5 Die Befürworter der neuen, für die Parteieinheit verderb⸗ lichen Taktik können sich leider auf Kautsky berufen, der es unternommen hat, in der Neuen Zeit in zwei Artikeln die Not⸗ wendigkeit und Berechtigung einer parlamentarischen Sonder⸗ aktion der Fraktionsminderheit theoretisch nachzuweisen. 1 Womit kann man sich aber nicht alles auf Kautsky berufen. „Wohl aber kann eine Parlamentsfraktion von einem Ab⸗ geordneten verlangen, daß er im Parlament schweigt, wenn er eigene nicht teilt, gegen seine er die Anschauungen der Fraktionsmehrheit daß seine erhöhte Position nicht dazu benutzt, Partei zu sprechen....“. So Kautsky im Jahre 1905. Jetzt empfiehlt er nach auf die Tribüne des Reichstages angewiesen sei. Grundsatz, im Parlament dem Gegner nur in geschlossener Kampf⸗ front gegenüber zu treten, soll für die Friedenszeit richtig sein, in der Kriegszeit soll das Gegenteil geboten erscheinen.. Das verstehe, wer kann! Im grundsätzlichen Teil unseres Parteiprogramms heißt es: „Diesen Kampf der Arbeiterklasse zu en zu gestalten,... Das ist ialdemokratischen Partei..“ 8. f Den Kampf zu einem einheitlichen zu gestalten, das ist die Aufgabe der Partei. Das gilt für die Kriegs⸗ wie für Friedenszeit. das für die Kriegszeit in noch höherem zeit. Denn der Krieg hat die Partei in fährlichste Lage gebracht, die ihr je beschieden war es in der Arbeiterbewegung noch immer zu einem bewußten die schwierigste 25 der 1955 985 müßte. er Selbsterhaltung. 5 g Kläglich Schiffbruch gelitten baten enass ane Emangipationsbestrebungen, wenn sie le. hätten. 8 ist eitel Spiegelfechterei, wenn die Genossen, einer Sonderaktion der Fraktionsminderheit im glauben machen wollen, dieses Vorgehen Parteispaltung führen. Ja, glaubt man, f heute dem einen Teil der Fraktion zubilligt, bei einem anderen Teil n e ute vecht, ist der Minderheit von mog 0 0 1 17 4 5 1 sophistische Dreherei hinwegtäuschen lassen. Und dieser parlamentarische 8 1 satorischen Separatismus und damit zur Spaltung führen. Daß er dazu führen kann e Da muß sich doch die Frage aufdrängen: Arbeiter fünf Jahrzehnte ihre beste Kraft eir lichen Mühen und Opfern ihre politischen Organisationen aufgebaut, um etzt einer 1975 ihr stolzes Werk, die Hoffnung ihrer Zukunf die der Parte ihren Einfluß in der 1 e in 15 weiteren Verlauf un dem Kriege, wird gaben stellen, daß es ein 5 ach e klasse wäre, ihre politische Organssati f Spaltung zu schwächen und somit zur 0 der Arbeiterinteressen unfähig zu machen. stimmung zum Im 24. Jahrgang, 1. Bd., S. 145 der Neuen Zeit schreibt Kautsky: Stellung einnisumt. das Gegenteil und begründet es damit, daß unter dem Kriegszustand die Minder⸗ heit ihre Anschauungen nicht ausreichend propagieren könne und so⸗ Der taktische und die Aufgabe der So⸗ die Wi lüberh uterschiede machen, dann gilt et n ue en Maße als für die Friedens⸗ und ge⸗ Und bisher hat ö für n 10 5, je schwieri ährli ie Situation, desto golten, daß, je schwieriger und je gefährlicher die Situation, lt, desto größer die Einheit und Geschlossen⸗ n b beordert das einfachste Gebot mit ihren anders gehandelt zu Parlament treiben, müsse nicht notwendig zur denn, das Recht, das man anderer Gelegenheit Was der Minderheit billig, darüber darf mu 85 n orgami⸗ Separatismus mur zer 5 und Arbeiterinnen im Gewerkschaftshaus, um gegen die Teuerung eugnet selbst Kautsky micht. 1: haben die deutschen ngesetzt, unter unsäg⸗ und wirtschaftlichen ktischen Differenz wegen in Trümmer schlagen verlangt, daß der Arbeiter⸗ on durch Zerrissenheit und sei, sich mit den Bedürfnissen des Volkes zu beschäftigen. Ich kann mir nicht denken, daß sich in der Fraktion eine nennenswerte Anzahl Genossen dazu wird treiben lassen, dieses verhängnisvolle Zerstörungswerk zu beginnen. Die Breslauer Volkswacht bringt über den Konflikt in der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion einen(von der Zensur ver⸗ slümmelten) Axtikel, in dem es heißt: Vorläufig hat das Volk, soweit es anderer Meinung ist, auch in dem demokratischen Frankreich und dem parlamentarischen England keinen so durchdringenden Einfluß, daß es die Entschlüsse seiner Regierenden ändern könnte, und diese Regierungen zwingen uns den Weiterkrieg auf. Wir müssen deshalb verlangen, daß auch in diesen Ländern die Arbeiterparteien mit ähnlichen Anfragen an ihre Regierungen herantreten, als wir es getan. Wenn sie ihre Ministerpräsidenten zu ber gleichen Er⸗ klärung veranlaßt haben, daß sie sich vernünftigen Friedensvor⸗ schlägen nicht entziehen wollen, dann wäre für einen neutralen Ver⸗ mittler der Angenblick gekommen, an beide Teile mit seinen guten Diensten heranzutreten. Das ist vorläufig noch in keinem Lande ge⸗ schehen, diese Tatsache darf unsere Minderheit, deren beste Ab⸗ sichten wir im übrigen voll anerkennen, nicht übersohen. Auf eine schiefe Ebene würden sich unsere Freunde das 1 begeben, wenn sie ihre abweichende Ansicht in der positiven Ab⸗ Ausdruck bringen und im Reichstag selb st gegen die Genossen von der Mehrheit stimmten. Gewiß ist das noch keine Spaltung unserer festgefligten Partei. Aber es ist ein höchst bedenklicher erster Schritt. Zunächst bleibt es natürlich nicht bei der Abstimmung, sondern dazu gehört die Be⸗ gründung. Auch wenn sie nicht von Liebknecht oder Ledebour, sondern von Haase oder Bernstein in der sachlich einwandfreiesten Form gegeben wird, kann es kaum ausbleiben, daß der Kanzler oder die bürgerlichen Parteien bei ihrer Entgegnung sich auf die „hessere Einsicht“ der übrigen Sozialdemokraten berufen und so 185 Debatte unter den eigenen Parteifreunden fast unvermeidlich machen Zum zweiten wissen wir nicht, wie schnell Mehrheit und Minderheit sich wandeln könuen... Es würde den Genossen, die dann die Mehrheit bilden, doch auch nicht gerade verlockend er⸗ scheinen, daß die Genossen, unter deren Votum sie sich bisher beugten, sich selbst nicht mehr beugen brauchen. Aber auch wenn ihnen das gleichgültig sein mag: wirksam, einfluß⸗ gebietend wird unsere Haltung auch dann nur sein, wenn die ganze Partei mit ihrer ganzen Autorität die neue Darin lag bei den bisherigen Entscheidungen der große Eindruck, darin wird er auch in Zukunft liegen. 0 0 * Mißhandlung Kriegsgefangener durch Serben. Wien, 20. Dez. Aus dem Kriegspresseguartier wird gemeldet: Protokollarische Aussagen verschiedener Kriegsgefangener bezeugen übereinstimmend die roheste, brutalste Behandlung der österreichisch⸗ ungarischen Kriegsgefangenen durch die Serben. Nachfolgend einige krasse Fälle: Ein Gefangener sagt aus, er habe auf dem Friedhofe von Negotin drei ganz un be kleidete österreichisch⸗ungarische Kriegsgefangene getroffen, die tags vorher als am Typhus ver⸗ storben in die Leichenhalle gebracht worden waren, wo sie infolge der Kälte das Bewußtsein wieder erlangten. Derselbe Kriegsgefangene sah in Prokuplje einen österreichischen Leutnant ohnmächtig werden. Der Direktor der Versicherungs⸗ Gesellschaft Rossia in Belgrad, der den Gefangenentransport leitete, packte den Leutnant und warf ihn in den Straßeng raben. Ein Infanterist sagt aus: Der serbische Hauptmann Wofnovitz ließ beim Abmarsch aus Prokuplje einen kranken polnischen Soldaten niederstechen. Oesterreichisch⸗ungarische Gefangene, die sich beklagten, daß sie kein Brot erhielten, wurden mit Prügeln abgefertigt. Ein anderer Soldat erzählt, Krusevac einen Transport von ungarischen Kriegsgefangenen gesehen, die auf dem Bahnhof zum Teil bloßfüßig vorwärts getrieben wurden. Der Transport passierte die Eisenbahn brücke in dem Augenblick, als ein Zug kam. Als die Leute den Zug erblickten, stürzten viele ins Wasser und ertranken. 4 Ein Feldwebel gab zu Protokoll: Beim Abtransport aus Nisch erschoß der A ufsichtsoffizier Zickovie einen österreichisch⸗ ungarischen Gefangenen, Ingenieur von Beruf, der sich ver⸗ stecken wollte, und warf die Leiche in die Nisava. Den nächsten Tag tötete der Genannte auf dieselbe Weise einen Kriegsgefangenen und prahlte, daß er es stets so mache, wenn einer sich nicht fügen wollte. Pariser Demonstration gegen die Teuerung. Am 12. d. M. versammelten sich über 2000 Pariser Arbeiter er habe am 23. Oktober bei hundertzwanzig österreichisch⸗ Der Gewerkschaftsführer Bled eröffnete die zu demonstrieren. e ü be 5 Ansprache, in der er ausführte, daß es sich Versammlung mit einer darum handle, die Lebenshaltung des arbeitenden Volkes zu sichern. „Die Regierung scheine gar leine Eile zu haben, sich mit der Teue⸗ rung zu beschäftigen. Sie ist stark besorgt, die„Handelsfreiheit“ auf⸗ rechtzuerhalten. Aber die Frage der Teuerung und der Hausmieten man die Handelsfreiheit beschränkt. gierung nichts tut, so ist es die Pflicht der Arbeiter, sie aufzu⸗ wecken.“ Luquet, der juristische Mitkanbeiter der Humanité, lenkte die besondere Aufmerksamkeit der Versammlung 5 mieter, die infolge der Kriegsnot nicht imstande sind, die Mieten zu zahlen. Er verlangte ein Gesetz, auf Grund dessen die Avbeiter⸗ familien, die infolge des Krieges ihr Arbeitseinkommen verloren haben, von der Zahlung der Hausmieten befreit würden. Der Staat sollte die Hausbesitzer entschädigen. l Maxence Roldes beschuldigt die Regierung, N Nicht der Da die Re⸗ auf die Haus⸗ daß sie zu träge Krieg, sondern die Habsucht trüge die Hauptschuld an der Teuerung. Festsetzung von Höchstpreisen und Beschlagnahme würden dem Skandal ber steigenden Lebensmittelpreise ein Ende gemacht haben. Deshalb müßten die Volksmassen fortgesetzt agitieren, bis die Re⸗ gierung ihre Pflicht tue. 0 ö Gaston Levy schlug als Hilfsmittel die Munizipalisierung der Lebensmittel vor. b Leon Jouhaux beschäftigte sich mit der Teuerung, die— nach dem Kriege entstehen würde, wenn die Schutzzöllner die Ober⸗ hand behielten. Schon jetzt gebe es in industriellen und Handels⸗ kreisen starke Strömungen zugunsten der Aufrichtung undurch⸗ dringlicher Zollgrenzen gegenüber dem Auslande. Man dürfe diese Frage nicht auf die lange Bank schieben. Schon jetzt müsse das Proletariat sich vorbereiten, eine Agitation zu führen gegen alle Schutzzollsysteme und für eine vernünftige Organisation der Lebens⸗ mittelerzeugung. Was jedoch die gegenwärtige Teuerung an⸗ betreffe, so seien Preissestsetzung und Beschlagnahme die besten Lösungen. Die Maßregel, die die Regierung bis jetzt ergviffen habe, seien gauz und gar ungenügend. Die Versammlung nahm sodann cine Resolution an, die jedoch nicht veröffentlicht wurde. Fraunzösischer Kriegswahnsinn. Der sozialistische Unterstaatssekretär für das franzö⸗ sische Munitionswesen Thomas hat am 5. Dezember in Champigny am Denkmal der Gefallenen von 1870 eine Rede gehalten, deren sich der fanatischste Kriegshetzer nicht zu schämen brauchte: 7 5 „Keinen Frieden, bevor unser Lothringen und unser Elsaß endgültig in die französische Eiheit zurückgekehrt sind! Keinen Frieden, bevor unsere unglücklichen belgischen und serbi⸗ schen Brlfder nicht die Sicherheit haben, ihren Herd in stolzer Unabhängigkeit wiederzufinden. Keinen Frieden, bevor der deutsche Imperialismus und der preußische Militarismus un⸗ schädlich gemacht sind: keinen Frieden, bevor eine Herrschaft des Rechtes, gegründet auf die siegreiche Einheit der Verbündeten, gestärkt durch den freien Beitritt der Neutralen, nicht für immer die Gewalttat des Krieges abgeschafft hat.... Deutschland ist unruhig. Es versucht, Friedens⸗ gedanken und Friedensangebote einschleichen zu lassen. Den Frieden anbieten, heißt das nicht um Frieden bitten? Und im Laufe eines Kampfes, den man gewollt und von vornherein sieg⸗ reich geglaubt hat, heißt das nicht für Deutschland, seine Unruhe umd seine Befürchtungen eingestehen?...“* Wir wollen gern abziehen, bemerkt dazu der französi⸗ sche Berichterstatter der Wiener Arbeiter⸗Zeitung, was nun einmal bei derlei Redefeierlichkeiten an übertriebenen Re⸗ densarten hergebracht ist, zumal in Frankreich. Aber dies in Rechnung gezogen, bleibt die Rede Thomas' dennoch eine wahre Verirrung eines sozialistischen Politikers, so daß man sagen muß, daß die Verheerungen, die der Krieg auf geistigem Gebiet angerichtet hat, hinter seinen materiessen nicht zurückstehen. Sollte sich Thomas nicht hewußt werden. wie weit er sich vom Denken und den Wünschen des Volkes entfernt hat— des wirklichen, von Leid und Wunden zer⸗ rissenen, erschöpften Volkes in seiner dumpfen Werkkags⸗ stimmung, nicht der bei solchen Feiern aufmarschierenden ge⸗ dankenlosen Sonntagsbummler? In allen Ländern hat das Volk brennende Sehnsucht nach dem Frieden im Herzen, nicht nach einem„glänzenden und schönen“ Sieg, der auf einmal und„für alle Zeit“ ein Friedensideal verwirklichen soll, das die Menschheit nur durch einen dauernden Kampf gogen Mächte sichern kann, die auch im heutigen Frankreich, krotz aller demokratischen Beteuerungen, die herrschenden sind. Wahrhaft unverzeihlich aber ist das Wort, daß den Frieden anbieten bedeute, um Frieden zu bitten. Die Kriegshetzer in der ganzen Welt können Thomas für dieses Wort dankbar sein, das sie jenen entgegenhalten können, die den Krieg für ein Verbrechen halten, sobald er über die Sicherung des nationalen Bestandes hinausgeht. Thomas' Satz besagt, daß nicht der Sieger und nicht der un⸗ besiegte Kämpfer, sondern nur der Besiegte Frieden anbiete. Der Krieg soll also solange fortgehen, bis eine der Parteien völlig niedergeschlagen ist und die Bedingungen aus der Hand des Siegers widerspruchslos annehmen muß! Und die Arbeiterklasse soll ihre Macht, ihre organisierte Kraft, ihre Ideen diesem Trugbild eines von den obsiegenden Staaten des Vierverbandes zu begründenden„ewigen Frie⸗ den“ opfern! i 8 Kein Wunder, daß sich die Nationalisten und Profit⸗ macher des Krieges ob solcher Reden ins Fäustchen lachen. * 4 Die griechischen Wahlen. Athen, 20. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Agence Havas. Unter den bisher Gewählten befinden sich zweihundert Anhänger Gunaris, fünfunddreißig Theotokisten, m zwanzig Anhänger Rhollis und sieben Anhänger von Dimitracopulos. Aus sechzig Wahlkreisen steht das Ergeb⸗ Meldung der nis noch aus. — 175 1 7 1 1 N 57 1 aktion, bei der die Engländer na Die Spaltung der ozßtaldemotratischen Reichstagsfraktion. Wie die Berliner Morgenpost hört, hat in der gestrigen Sitzung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion eine An⸗ zahl Mitglieder der Minderheit angekündigt, daß sie bei der heutigen Abstimmung über die Kreditvorlage dir Forderung ablehnen und ihre Ablehnung durch eine Erklärung begrün⸗ den werden. Der Vorwärts teilt aus der sozialdemokratischen Frak⸗ tion nur mit, daß Genosse Haase am Schluß der gestrigen Fraktionssitzung sein Amt als Fraktionsvorsitzender nieder⸗ legte. Bereits am 4. August 1914 habe er einen dahingehen⸗ den Beschluß der Fraktion bekanntgegeben, sei aber auf deren dringendes Verlangen abermals im Amte geblieben. Selbst⸗ verständlich behalte Genosse Haase sein Amt als Vorsitzender der Partei. Der Sieg an den Dardanellen. W. T. Konstantinopel, 20. Dez.(8 Uhr abends, nicht⸗ amtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: An der Dardanellen— front begannen unsere Truppen in der Nacht vom 18. auf den 19. Dezember und am Morgen des 19. Dezember bei Anaforta und Ari Burnu nach heftiger Artillerievorbereitung mit Angriffsbewegungen gegen die feindlichen Stellungen. Um diese Bewegung aufzuhalten, unternahm der Feind nach— mittags bei Sedd⸗ül⸗Bahr mit allen Kräften einen Angriff, der vollständig scheiterte. Der Feind mußte einsehen, daß der Erfolg unserer gegen Norden vordringenden Angriffe unvermeidlich war. Er suchte in der Nacht vom 19. auf 20. Dezember in aller Eile einen Teil seiner Truppen zurück⸗ zuziehen. Nichtsdestoweniger konnte der Feind trotz dichten Nebels die Verfolgung durch unsere Truppen während seiner Rückzugsbewegung nicht hindern. Die letzten Berichte von heute sagen, daß unsere Truppen Anaforta und Ari Burnu vom Feinde gänzlich gesäubert haben, daß auch nicht ein feindlicher Soldat zurückblieb. Unsere Truppen drangen bis zur Küste vor und machten sehr große Beute an Munition, Zelten und Kanonen. Außerdem schossen wir ein feindliches Wasserflugzeug ab, das ins Meer fiel, und machten den Führer und Beobachter zu Gefangenen. Preßstimmen zum Dardanellensieg. Zur Vertreibung der Ententetruppen von Gallipolt sagt das Berliner Tageblatt: Dank der glänzenden Tapferkeit der türkischen Truppen ist nunmehr das endgültige Scheitern der Dardanellenexpedition eingetreten. In dem Augenblick, in welchem der Landweg Über Oesterreich⸗-Ungarn, Serbien und Bulgarien uns zur Verfügung stand, war es nur eine Frage der Zeit, bis die nötigste Versorgung der türkischen Industrie ein machtvolles Vor⸗ gehen an den Dardanellen gewährleisten konnte. Die türkische Heeresleitung hat in einer groß angelegten Offensive, die dem Gegner außerordentlich schwere Verluste zufügte, die feindlichen Streitkräfte von den Stellungen, die sie seit Monaten bei Anaforta und Ari Burnu behaupteten, vertrieben. Das Prestige Englands hat in der ganzen Welt eine ungeheuve Schädigung erlitten.— Im Berliner Lokalanzeiger heißt es: Die Hauptsache ist, ob nun die Transportierung der englischen Truppen nach einem anderen Kriegsschauplatz freiwillig oder unter dem Druck der türkischen Angrifse sich vollzog, daß die gange große Dardanellen⸗ Churchills prahlerischem Wort nux wenige Meilen von einem glänzenden Siege standen, ein un⸗ rühmliches Ende nimmt.— In der Vossischen Zeitung wird die englische Meldung, daß sämtliche Truppen von der Supla⸗ bay nach einem anderen Kriegsschauplatz gebracht wurden, mit der Bemerkung wiedergegeben: Die volle Niederlage von Galli⸗ poli wird damit eingestanden.—. In der Deutschen Tageszeitung wird ausgeflihrt: Daß die tlürkische Offensive gerade jetzt einsetzt, wo zu Saloniki und in Grliechisch⸗Mazedonien die Dinge militärisch nicht nur, sondern auch politssch auf dem Krisispunkt angelangt sind, erscheint von hoher Bedeutung. Es kann nicht ausbleiben, daß dieses Ereignis seine Schatten über Saloniki hinaus wirft. Die erste Kriegssteuerdebatte. Der Reichstag erledigte heute die beiden Vorlagen be⸗ treffend die Kriegsgewinnsteuer: Die eine enthält den Zwang für alle Erwerbsgesellschaften, die Hälfte der Mehr— überschüsse, die sie in den Kriegsjahren über den Durchschnitt der Erträge der letzten Friedensjahre erzielen, in Reichs- oder Staatspapieren zur Sicherung der künfkigen Kriegsgewinn⸗ steuer anzulegen; die zweite Vorlage ist keine bloße Vorbe⸗ reitungsmaßnahme, sondern sie setzt bereits die Kriegsab⸗ gabe der Reichsbank fest und zwar auf drei Viertel des in den Kriegsjahren erzielten Mehrgewinns. Ueber die erste Vorlage fand eine ausgedehnte Debatte statt, zu der eine eindrucksvolle Rede des Genossen Dr. David den Anstoß gab. Unser Redner trat dafür ein, daß die vorbereitenden Maßnahmen auch auf die Einzelper⸗ sonen erstreckt werden sollen, welchem Verlangen übrigens der ganze Reichstagsausschuß beigetreten war. Mit den treffendsten Gründen befürwortete David eine Resolution, die die Erhebung eines neuen Wehrbeitrags fordert, indem er nachwies, daß die Kriegsopfer die Armen weit schwerer treffen als die Reichen, sodaß ein Ausgleich mindestens durch die Weitererhebung des Wehrbeitrags eine Pflicht sozialer Gerechtigkeit sej. Aber über diese Frage der nächsten Zeit hinaus sprach David sehr eingehend über die Wirtschafts- und Steuerpolitik, die nach dem Kriege unerläßlich ist und er mahnte mit dem größten Ernst Reichstag und Regierung, nicht zu vergessen, daß Entlastung der wirtschaftlich Schwachen und Förderung ihres kulturellen Aufstiegs nach dem Kriege einfach Selbsterhaltungspflicht des Staates und des Volkes sein werde. Der Reichsschatzsekretär Dr. Helfferich lehnten es ab, liber die Zukunft zu sprechen; für jetzt lehnte er die Wiederholung des Wehrbeitrags ab und bemühte sich im übrigen nachzuweisen, daß das weitausgreifende System direkter Kriegssteuern, das man in England bereits zum Gesetz werden ließ, seinen Zweck nicht erfülle, da damit die Kriegskosten nicht zu decken seien. Diese Erwiderung ging an den Ausführungen Davids etwas vorbei und Dr. Helffe⸗ rich erkannte im weiteren Verlauf der Sitzung selbst an, daß England in weitem Umfang direkte Kriegssteuern eingeführt hat, nur dienten sie bloß zur Verzinsung der Kriegsanleihe — was aber doch schließlich auch Kriegskosten decken heißt. Die zweite Rede Dr. Helfferichs war in der Hauptsache eine Antwort auf die Ausführungen des Genossen Hoch, der in der ersten Rede des Staatssekretärs eine beruhigende Erklä⸗ rung darüber vermißt hatte, daß an eine Erhöhung oder Er— weiterung der indirekten Steuern nicht gedacht werde. Dr. Helfferich erwiderte, daß gegenwärtig erst eine einzige Kriegssteuer feststehe und zwar die Kriegsgewinn⸗ steuer, die eine scharfe Besitzsteuer sei. Er erklärte weiter, daß während des Krieges Deutschland seine indirekten Steuern selbstverständlich nicht erhöhen werde— man kann aber aus seinen Worten unschwer herauslesen, daß in dem Steuerprogramm der Reichsleitung auch indi⸗ rekte Steuern enthalten sind, denn er sprach sein Vertrauen zu den deutschen Arbeitern aus, daß sie, wie sie im Felde mitkämpften, sich auch nachher derartigen Staatsnot⸗ wendigkeiten nicht entziehen würden. Im übrigen drehte sich die Debatte meistens um die Frage der Erfassung unlauterer oder übermäßiger Kriegs- gewinne, jedoch kam man hier zu keinem Ergebnis, da Staatssekretär Lisco ausführte, daß einer solchen Gesetzge⸗ bung zu große Schwierigkeiten im Wege ständen, während der stellvertretende Kriegsminister v. Wandel betonte, daß derartige Kriegsgewinne höchstens bei Kriegsbeginn und nur in geringem Umfang gemacht worden sein könnten.— Schließlich wurde die Vorlage angenommen, unsere Resolu⸗ tion betreffend den neuen Wehrbeitrag von allen an⸗ deren Parteien abgelehnt.“ ö Bei der Reichsbankporlage verlangte der Genosse Keil, daß der ganze Mehrgewinn der Reichsbankaktionäre im Krieg dem Reiche zufallen soll, da die Friedensrente als müheloser Kapitalgewinn auch noch hoch genug sei. Indessen wurde ein dahingehender Antrag unserer Genossen abge— lehnt. Darauf vertagte sich der Reichstag auf Dienstag; der Nachtragsetat von 10 Milliarden Mark steht auf der Tagesordnung dieser Sitzung. Hessen und Nachbargebie Gießen und Umgebung. 0 7—U — Butter⸗Höchstpreise für den Kreis Giessen. Für Landgemeinden des Kreises Gießen beträgt der Höchst⸗ preis für Süßrahmbutter bei Abgabe an den Ver oraucher, nicht abgeformt, in Mengen von 10 Pfund und weniger 2.15 für das Pfund; abgeformt 2,20 das Pfund.— Land butter bei Abgabe an den Verbraucher, nicht ab⸗ geformt, 10 Pfund und weniger 1.82 das Pfund, abgeformt 1.85 Mk. das Pfund, das halbe Pfund 93 Pfg.— Bei Ver⸗ schiedenheit der Höchstpreise am Orte des Verkäufers und dem Wohnorte des Käufers gilt der Höchstpreis am Orte des Verkäufers. Wird also Butter aus Orten des Kreises in die Stadt gebracht, so darf bei Verkauf über die für den Kreis festgesetzten Höchstpreise nicht hinausgegangen werden. — Die Träger der Arbeiterversicherung haben riestge Summen zur Reichsanleihe gezeichnet. Nach der Zu⸗ sammenstellung eines Versicherungsblattes haben zur Kriegs⸗ anleihe zur Verfügung gestellt: die Berufsgenossenschaften 143 Millionen; die Invalidenversicherung 439 Millionen; die Angestelltenversicherung 140 Millionen Mark.— Außer⸗ 4 dem hat die Invalidenversicherung noch 59,5 Millionen Mk. bewilligt für Lazarettzüge und sonstige Anforderungen für Verwundetenpflege usw., welche Gelder natürlich nicht wieder zurückgezahlt werden. Im Ganzen sind das 782,5 Millionen Mark, mehr als dreiviertel Milliarde! Die Ziffern zeigen, welche ungeheuren Summen von den Versicherungspflichti⸗ gen aufgehäuft worden sind; wieviel Tausenden Arbeitern ist aber die Rente entzogen oder nicht bewilligt worden, ob⸗ wohl die Voraussetzungen dafür gegeben wären und die Ar⸗ beiter sie zur höchsten Not gebraucht hätten. — Fleischlose Tage vor den Feiertagen. Für Freitag den 24. und Freitag den 31. Dezember ist die 40 f wonach Metzger usw. kein Fleisch abgeben dürfen, aufgehoben. Für die Feiertage, besonders amstag den 25. Dezember findet auch die Vorschrift keine Anwendung, wonach in Wirtschaften usw. kein Schweinefleisch verabreicht werden darf. — Weihnachtswetter. Die ae Nacht brachte uns wie⸗ ber eine gehörige Kälte, bis 10 Grad und darunter sank das Thermometer. Es scheint sich die alte Wetterregel wieder zu be⸗ stätigen, nach welcher der Winter mit den wieder zunehmenden Tagen strenger wird. Heute 7 bekanntlich Winters Anfang, die 55 nehmen wieder zu die Menschheit darf auf den Frühling offen. g — Ortskrankenkasse Gießen. Die am Montag abend im„Post⸗ keller“ abgehaltene Sitzung des Ausschusses war nur von 20 Mitgliedern, 5 Arbeitgebern und 21 Versicherten, außerdem 5 Vor⸗ standsmitgliedern besu Es wurde zunächst eine Neuwahl des Vorsitzenden an Stelle des Herrn Horst vorgenommen, der einge⸗ zogen worden ist. Die Wahl fiel auf Herrn Markus Strauß. Hierauf gab der Vor der Kasse, A. Volz, einen kurzen Be⸗ richt iber das Geschä 1914. Er wies auf den gedruckt vor⸗ liegenden Bericht hin(aus dem wir in der Samstagsnummer einen Auszug brachten) und rkte dabei, daß die Verhandlungen mit den Aerzten wegen eines neuen Vertrags außerordentlich schwierig gewesen wären. Wäre nicht der Krieg ausgebrochen, so wäre man Überhaupt nicht zu einem Vertrage gekommen: schließlich kam man aber noch zu einem V Dieser legt der Kasse ganz erheb⸗ liche Lasten auf, obwohl er hinter den ungeheuerlichen Forderungen der Aerzte zurückbleibt. Besonders werden die Kosten durch Neben⸗ gebühren erhöht, welche die Aerzte verlangen. Geschäftsführer Fourier berichtete über das finanzielle Ergebnis des Geschäfts⸗ jahres, das im allgemeinen noch als günstig zu bezeichnen ses. Auch der Vertrag mit den Zahnürzten mußte erneuert werden, wodurch die Kasse ebenfalls stärker belastet wird. Gegen 3000 Mk. in frllheren Jahren mußten im letzten Jahre 6000 Mk. für zahnärztliche Be⸗ handlung aufgewendet werden. Auch mit den Apotheken wurde ein neuer Vertrag geschlossen, wobei sich die Kasse das Recht vorbehielt, gewisse Heil⸗ und 1 in eigener Regie zu verkaufen. — Durch den Krieg ging die Mitgliederzahl um 1500 zurück. Für verwundete und kranke Soldaten wurden bereits 33 000 Mark Krankengeld ausbezahlt. Auch die Wochenhilse belastet die Kasse stark; es sind dafür etwa 45000 Mk. verausgabt worden. Die Verwaltungskosten wiesen infolge der neuen Besoldungsordnung eine Stege rung auf.— Eine Aussprache schloß sich an die Berichte nicht,— Es solgte der Bericht der Prüfungskommission, der dahin lautete, daß sich keinerlei Anstände ergaben. Der An⸗ trag, die Verwaltung zu enktlasten, fand einstimmige Annahme. Barfüßele. 5 Eine Schwarzwälder Dorfgeschichte von Berthold Auerbach. Der Tag rückte immer näher heran. Wo sich zwei Mäd— chen begegnen, ziehen sie sich hinter eine Hecke, in einen Hausflur und können gar kein Ende finden und behaupten doch stets, daß sie gewaltig Eile hätten. Man sagt, es käme alles aus dem Oberlande und aus dem ganzen Murgtal und dreißig Stunden Wegs her, denn das sei eine große Familie. Am Rathausbrunnen, da war erst das rechte Leben, da wollte kein Mädchen ein neues Kleidungsstück haben, um sich an— deren Tages um so mehr an der Ueberraschung und dem Staunen zu erfreuen. Vor lauter Fragen und Hin- und Herreden vergaß man das Wasserschöpfen, und Barfüßele, die am spätesten gekommen war, ging am frühesten mit vollem Kübel wieder heim. Was ging sie der Tanz an! Und doch war's ihr immer, als hörte sie überall Musik. Am andern Tage hatte Barfüßele viel im Hause hin und her zu rennen, denn sie sollte die Rosel aufputzen. Sie er— hielt manchen heimlichen Knuff beim Zöpfen, aber sie ertrug es still. Die Rosel hatte ein gewaltiges Haar, und das sollte auch gewaltig prangen. Sie wollte heute etwas Neues damit probieren. Sie wollte einen Maria-⸗Theresienzopf haben, wie man hierzulande ein kunstreiches Geflechte aus vierzehn Strängen nennt; das sollte als neu Aufsehen erregen. Es gelang Barfüßele, das schwere Kunstwerk zustande zu bringen; aber kaum war es fertig, als die Rosel es im Unmut wieder aufriß, und sie sah wild aus, wie ihr die Stränge über den ganzen Kopf und über das Gesicht hingen, dabei war sie aber doch schön und stattlich und gewaltig im Umfang, und ihr ganzes Gebaren sprach es aus: minder als vier Rosse können nicht in dem Hause sein, in das ich einmal heirate! Und in der Tat warben viele Hofsöhne um sie, aber sie schien noch keine Lust zu haben, sich für irgend einen zu be— stimmen. Sie blieb nun bei den landesüblichen zwei Zöpfen, die den Rücken hinabhingen, mit eingeflochtenen roten Bändern, die fast bis an den Boden hinabreichten. Sie stand fertig geschmückt da, und nun verlangte sie einen Blumenstrauß. Sie selbst hatte die ihr zugehörigen Blumen verwildern lassen, und trotz aller Einsprache mußte Barfüßele doch end⸗ lich nachgeben und ihre schöngehegten Blumen vor dem Fenster fast aller Blüten berguben. Auch das kleine Ros⸗ marinstöckchen verlangte Rosel zu haben, aber Barfüßele wollte sich eher zerreißen lassen, ehe sie das hergab, und die Rösel spottete und lachte, schimpfte und schalt über die ein⸗ fältige Ganshixtin, die so eigenwillig tue und die man doch um Gottes willen im Hause habe. Barfüßele antwortete nicht, und sie sah Rosel nur an mit einem Blick, vor dem Rosel die Augen niederschlug. „Jetzt hatte sich eine rote Wollrose auf dem linken Schuh verschoben, und Barfüßele war eben niedergekniet, um sie behutsam festzunähen, da sagte die Rosel halb in Reue über ihr Benehmen, halb doch noch im Spott: „Barfüßele, heut tu' ich's nicht anders, heut mußt du mit zum Tanz.“ „Spotte nicht so, was willst du denn von mir?“ „Ich spotte nicht,“ beteuerte die Rosel noch halb neckisch: „du solltest auch einmal tanzen bist ja auch ein junges Mädle, und es wird auch deinesgleichen auf dem Tanz sein; unser Roßbub' geht ja auch hin, und es kann auch ein Bauernsohn mit dir tanzen, ich will schon einen überzähligen schicken.“ „Laß mich in Frieden oder ich steche dich,“ mahnte Bar⸗ füßele am Boden, zitternd vor Freude und Trauer. „Die Schwägerin hat recht,“ nahm die junge Bäuerin, die bis jetzt zu allem geschwiegen hatte, nun das Wort,„und ich gebe dir kein gutes Wort mehr, wenn du heute nicht mit zum Tanz gehst. Komm', da setz' dich hin, ich will dich auch einmal bedienen.“ Und einmal über das andere übergoß Barfüßele eine Flammenröte, wie sie so dasaß und ihre Meisterin sie be⸗ diente, und als sie ihr die Haare aus dem Gesicht tat und sie alle nach hinten wendete, wollte Barfüßele fast vom Stuhle sinken, da die Bäuerin sagte:„Ich zöpf' dich wie die All gäuerinnen gehen. Das wird dich ganz gut herausputzen, und du siehst auch so aus wie eine Allgäuerin; so untersetzt und so braun und so kugelig; du siehst aus wie die Tochter von der Landfriedbäuerin in Zusmarshofen.“ a „Wie die? warum wie die?“ fragte Barfüßele und zitterte am ganzen Leibe. Was war's, warum sie jetzt gerade an die Bäuerin erinnert wurde, die ihr von Kind auf im Sinne lag und die ihr damals erschienen war wie eine wohl⸗ tätige Fee aus dem Märchen? Aber sie hatte keinen Ring, den sie drehen konnte, damit sie erscheinen müsse; nur inner⸗ 1 9 5 sie sie herbannen, und das geschah oft fast unwill⸗ ürlich. „Halt' dich ruhig, sonst rupf' ich dich,“ befahl die Bäuerin, und Barfüßele hielt still und atmete kaum. Und wie ihr die Haare so mitten durch geteilt wurden, und wie sie so da⸗ saß, die Hände zusammengepreßt, und alles mit sich machen lassen mußte, und die hochschwangere Frau sie bald warm anhauchte, bald an ihr herumbosselte, da kam sie sich vor, als würde sie plötzlich verzaubert, und sie redete kein Wort, als dürfe sie den Zauber nicht verscheuchen, und senkte demütig den Blick, „Ich wollt', ich könnte dich zu deiner Hochzeit so einklei⸗ den!“ sagte die Bäuerin, die heute von lauter Güte überfloß. „Ich möchte dir einen rechtschaffenen Hof gönnen, und es wäre keiner mit dir angeführt; aber heutigestags geschieht das nicht mehr. Da springt das Geld nach dem Geld. Nun, sei du nur zufrieden. So lang mir ein Auge offen steht, soll dir bei mir nichts fehlen, und wenn ich sterbe— ich weiß nicht, es ist mir diesmal so bang um die schwere Stunde— gelt, du verläßt meine Kinder nicht und vertrittst an ihnen Mutterstelle?“ N J „O Gott im Himmel, wie könnt Ihr nur so etwas den— ken!“ rief Barfüßele, und Tränen rannen ihr aus den Augen. „Das ist eine Sünde, und man kann auch sündigen, daß man Gedanken über sich kommen läßt, die nicht recht sind.“ „Ja, ja, du hast recht,“ sagte die Bäuerin,„aber wart' noch, sitz' noch still, ich will dir meinen Anhänger holen, und den will ich dir um den Hals tun.“ Fortsetzung folgt.) E e SAS T S 8 det paranf erforgren reuwagr der Prufun den die Herren Braun, Kirchner und Lauderbaa Stadttheater. Es sel schon heute darauf die nächste Dienstag⸗Abonnementsvorstellung ausnahmsweis einen Mittwoch verlegt werden muß, da wegen der 5 757 4 f folgenden Vorstellungen an den Fesertagen aus derschiebenen Lounden, nicht zulsel bochnischer Kakur unbedingt ein feld Tag eingelegt werden muß. Die 9. Dienstag⸗Abonnemen. stellung findet also am Mittwoch den 20. Dezember st 8 bringt das Trauerspiel von Anton Wildgans„Arm 110 und Werk ist sicherlich eine der bedeutendsten dramatischen Erschei 1 N der letzten Jahre und es sei bemerkt, daß unsere Bichne eine b 0* 2 ebene Neuheit, die in Wien bei. Erst 0 U 17 2571 K 8 5 g einen tiefen Eindruck gemacht hat, zur Aufführung g„— Auszahlung des Krankengeldes bei der d Wir werden ersucht, mitzuteilen, daß wegen der Krankengeld bei der Ortskrankenkasse Gießen am 24. Dezember ausbezahlt wird. Kreis Alsfeld⸗Lauterbach. 8. Plötzlicher Tod. Der Stadtrechner Albert Sti raus 9 8 der 1 9 e erlitt 4 85 010 raße einen Herzschlag, der seinen Tod f j C N zur Folge hatte. 0 u mengen Minu Tagesbericht des Grofen Hauptguartierz. Eine englische Sappe genommen. Sonst unveränderte Lage. W. B. Großes Hauptquartier, 21. Dez., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz, Westlich von Hulluch nahm eine deutsche Abteilung eine englische Sappe und wehrte einen nächtlichen Gegen⸗ angriff ab. i Auf verschiedenen Stellen der Front lebhafte Artillerie⸗ kämpfe, sonst keine Ereignisse von Bedeutung. Oestlicher Kriegsschauplatz. In der Nacht vom 19. auf 20. Dezember hatte eine vor⸗ geschobene russische Abteilung das nahe vor unserer Front liegende Gehöft Dekschi(südöstlich von Widsy) besetzt. Sie wurde wieder vertrieben. skommission wur⸗ ch gewählt. hingewiefen, daß etskrankenkasse. Feiertage das Freitag den 1 N N Südlich des Wygonowskoje⸗Sees und bei Kosciuchnomka (nordwestlich von Czartorysk) wurden feindliche Erkundi⸗ gungsabteilungen abgewiesen. Balkankriegsschauplatz. Die Lage ist im allgemeinen unverändert. Oberste Heeresleitung. * Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Verfolgungskämpfe in Montenegro. Zwei italienische Kompagnien anfgerieben. Wien, 21. Dez.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: 21. Dezember 1915. Russischer Kriegsschauplatz. Gegenüber RNafalowka am Styr wurde eine russische Auf⸗ . zersprengt. Sonst stellenweise Geschütz⸗ jämpfe. Italienischer Kriegsschauplatz. Die Artilleriekämpfe an der Tiroler Südfront dauern fort, Zwei italienische Kompagnien, die nachts gegen den Monte San Michele vorzubeingen versuchten, würden aufge⸗ rieben. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die Versolgungskämpfe gegen die Montenegriner führten gestern neuerlich zur Erstürmung einer feindlichen Stellung nördlich von Berane. Unsere Truppen haben in den letzten zwei Tagen etwa sechs⸗ hundert Gefangene eingebracht. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höfer, Feldmarschallentnant. ** Erneuter Protest Griechelaunds. Aus Athen wird berichtet: Der Protest, den die grie⸗ chische Regierung gegen die Befestigung von Saloniki an die englische und französische Regierung gerichtet hat, ist, wie aus diplomatischer Quelle mitgeteilt wird, in energischem Tone gehalten. Die griechische Regierung erklärt, daß die von der Entente in der Umgebung von Saloniki und anderen Punk⸗ e Ar 8 ö ten vorgenommenen Verteidigungs- und Befestigungsmaß⸗ nahmen nicht nur die Achtung verletzten, die Griechenland beanspruchen muß, sondern auch die Gefahr herbeiführen, daß es in eine schiefe Situation zu den Gegnern des Vier⸗ verbandes gerate. Denn es werde dadurch eine Lage geschaf⸗ fen, die mit der von Griechenland entschieden eingenomme⸗ nen und von der Entente ausdrücklich anerkannten Neutra⸗ lität nicht ganz in Einklang steht. Unter Berufung auf Ar⸗ tikel 5 der Haager Konvention sieht sich, so schließt die Note, die Regierung daher genötigt, bei den Vierverbandsmächten auf das nachdrücklichste gegen die neue Verletzung zu pro⸗ testieren, die diese Mächte gegen die Unantastbarkeit des griechischen Boden und gegen die der Neutralität des König⸗ reichs schuldige Achtung zu unternehmen im Begriffe stehen. Unsere Träger werden wiederholt ersucht, allmonatlich bis zum 29. ihre Bestellungen auf den ihnen zugestelllen Karten zu machen, f Wir können nicht einfach die Zahl des Vormonats senden da gerade jetzt durch die Einbernfungen die Abonnentenzahl sehr häufig wechselt. Teshalb müssen wir unbedingt auf regel⸗ müßiger Bestellung bestehen. Ferner bitten wir die Träger, die noch im Nückstande sind, sofort mit uns abzurechnen. 5 Die Expedition der Oberhessichen Volkezeitang. REISS Kir die Feiertage G kräftige —— Kaffe, Wohl- schmeckende und aus- giebige Misehungen Pfund 1.80, 1.90, 2.—. Kafento, bester Kaffee-Ersatz ½% Pfund⸗Paket 50 Pfg 22 3 e vorzüglich und preiswert, aus eigener Kellerei. N 8 Wetßweine: . Weißer Tischwein.. ½ Fl. m Gl. 30 Pfg. Edes heimer„ 5 85„ N Waldböckelhei mer„ 100. 0 Deidesheimer 1 140„ Nieren;„ 1 Nitteler(Mosel). re 1 100„ g F 20 F— d Rotweine: Roter Tischw ein„, %(„ o. Ober⸗JIngel heimer.„ 7 110„ St. Estephe(Bordegur).„„ 170„ 5 St. Emilion„ FE Südweine: Malaga(schwarz Etiket)))„ 400 „ extra, ½ Fl. 110 Pfg. 1 200 0 ö Duro⸗Po wein„ 110„„* 220* Madeira„„ 1„ NB. Sämtliche Preise einschl. 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Bundesratstisch: Delbrück, Solf. Auf! der Tagesordnung steht zunächst folgende kurze An⸗ frage des Abg. Bassermann(natl.): Ist der Reichskanzler bereit und in der Lage, über folgende englischerseits verbreitete Behauptungen Auskunft zu erteilen; 1. Deutschland habe seit langem Vorbereitungen getroffen für einen Angriff auf Britisch⸗Südafrila durch Anhäufung von Munition und Aufftellung einer außerordentlich starken Truppen⸗ 4 macht in Deutsch⸗Südwestafrila. „2, Der Gouverneur von Deutsch⸗Südwestafrika habe vor Beginn des Krieges mit dem burischen Kommandanten Maritz ein Abkommen zwecks Angriffes auf Britisch⸗Südafrika getroffen. 3. Nach Ausbruch des Krieges in Europa habe die bewaffnete Macht Deutsch⸗Südwestafrikas bei Scuitdrift und Nacab⸗Süd einen Angriff auf englisches Gebiet gemacht. Staatssekretär des Reichskolonialamts Dr. Solf: Deutschland hat niemals die Absicht gehabt, Britisch⸗Südafrika anzugreifen; es war im Gegenteil der Auffassung, daß im Interesse des Ansehens der weißen Rasse der europäische Krieg nicht nach Afrika über⸗ tragen werden dürfte.(Beifall.) Die Schutztruppe für Deutsch⸗ Südwestafrika, die während des Eingeborenenaufftandes 190105 guf über 10 000 Mann gestiegen war, ist dann auf weniger als 2000 Mann vermindert worden(Hört! hört!) Bei meiner Be⸗ egnung mit dem Premierminister Botha im Jahre 1912 fand ich ihn über die Stärke unserer Schutztruppe genau unterrichtet.(Hört! hört!) Nach den Aufzeichnungen meines Tagebuches riet Votha, als ich auf die von einem Teile unserer Volksvertretung gewünschte Verminderung der Schutztruppe zu sprechen kam, dringend ab, unter die Zahl von 2000 herunterzugehen.(Hört! hört!) Er meinte, man könne den Eingeborenen niemals trauen und müsse immer auf der Hut sein.(Lebhafte Heiterkeit und erneutes Hört! hört!) Die europäische Bevölkerung der südafrikanischen Union war 1913 fast hundertmal so groß wie die von Deutsch⸗Südwest⸗ afrika, Auch besaß Deutsch⸗Südwestafrika keine schwere und eine wenig zahlreiche sonstige Artillerie. Die Behauptung, der Gou⸗ verneur von Deutsch⸗Südwestafrika habe vor Beginn des Krieges Verabredungen irgendwelcher Art mit Maritz gelrofsen, ist durchaus unrichtig. Unsere Gegner haben einen Beßpeis hierfür nicht ein— mal versucht. Unrichtig ist auch, daß unsere Truppen nach Aus⸗ bruch des europäischen Krieges englisches Gebiet angegriffen haben. Der Angriff erfolgte vielmehr von englischer Seite von einer bei Scuitdrift im Onanjefluß liegenden Insel.(Hört! hört!) Nacab⸗ Süd liegt überhaupt auf deutschem Gebiet.(Lebhaftes Hört! hört!) Zum Beweise dafür, daß es auf englischem Gebiet liege, bat die südafrikanische Regierung dem Parlament in Kapstadt am 9. Sep⸗ tember 1914 eine englische Karte vorgelegt, von der ein Original- stück in meinem Besitz ist, auf welcher Nacab⸗Süd auf englischem Gebiet eingetragen ist. Eine Betrachtung der Karte zeigt aber deutlich, daß es ursprünglich auf deutschem Gebiet eingelragen war, daß diese Eintragung durch Rasur entfernt(Stürmisches Hört! hört!), nachher mit brauner Farbe überdruckt und auf eng⸗ lisches Gebiet verlegt worden ist. Diese Fälschung beweist, daß von einer Verletzung englischen Gebiets durch die Besetzung von Nacab⸗ Süd keine Rede sein kann. Die Regierung Bothas hat lediglich versucht, durch die wahrheitswidrige Behauptung eines deutschen Angriffs die Abneigung der burischen Kreise gegen den geplanten Angriff auf Deutsch⸗Südwestafrika zu überwinden.(Hört! hörtl) Der wahre Sachverhalt ist aber in weiten Kreisen Südafrikas be⸗ kanntgeworden.(Lebhafter Beifall.) Eine Reihe von Petitionen werden als zur Erörterung im Plenum für ungeeignet erklärt. Hierauf folgt die zweite Beratung des neuen * Zehn⸗Milliarden⸗Kredits. Abg. Ebert(Soz.): Im Auftrage der sozialdemokratischen 5 7 0 habe ich folgende Erklärung abzugeben. Die sozialdemo⸗ tische Partei hat seit Anbeginn des Weltkrieges ihren Willen und ihre Kraft dafür eingesetzt, daß Deulschland in dem schwersten e! gegen die ungeheure Koalition seiner Gegner be— stehen kann und gesichert werde. Zugleich aber hat unsere Partei gestreat, daß die Vertreter der Arbeiterklasse in anderen Ländern sie ergreifen sollten, damit wir gemeinsam die Möglichkeit der Friedensanbahnung und der Grundlage eines dauernden Friedens besprechen könnten. Zu unserem tiefen Bedauern sind diese Be⸗ mühungen bisher noch nicht zu dem erwünschten Erfolg gediehen. (Hört! hört!)“ Wohl hat sich an manchen Stellen ein Schimmer von Hoffnung gezeigt. In England und Frankreich machen sich mit zunehmender Stärke Stimmen geltend, die die Fortsetzung des Krieges ins Unabsehbare beklagen und bekämpfen und einen ehren⸗ vollen Frieden fordern. In neutralen Staaten sind neue An⸗ regungen gegeben, eine Vermittelung zwischen den Kriegführenden einzuleiten. Wir weisen auch hin auf die Worte, die das Ober⸗ haupt der katholischen Kirche jüngst gesprochen hat. Ungeachtet aller Verschiedenheiten der Weltanschauung sind wir erfreut, daß auch von dieser Seite eine so ernste Ermahnung an die Völker und ihre Regierungen ergangen ist. Diesem Bestreben stehen leider noch immer sehr ungünstige Tatsachen und Hindernisse im Wege. In England, Frankreich, Rußland und Italien wollen sich die Reßse⸗ rungen und die maßgebenden Parteien noch keineswegs in den Gedanken finden, daß ihr Bündnis, dieser Zusammenschluß der mächtigsten und volksreichsten Länder, nicht imstande gewesen ist, Deulschland und seine Verbündeten niederzuzwingen. Sie halten noch an der Hoffnung fest, durch Aufstellung neuer Heere oder durch wirtschaftliche Erschöpfung Deutschlands dem Kriege eine neue Wendung zu geben und schließlich als Sieger aus dem Kampfe hervorzugehen. Die leitenden Männer der gegen uns kriegführen⸗ den Staaten haben noch bis in die letzten Tage hinein erklärt, daß sie jeden Gedanken an Frieden ablehnen, solange nicht die deutsche Wehrmacht zerschmettert und die gegen Deutschland und seine Ver⸗ bündeten gerichteten Eroberungsziele erreicht sind. Gegenüber diesen Tatsachen ist es unerläßliche Pflicht des gesamten deutschen Volkes, seine Abwehr fest und geschlossen zu erhalten(Lebhaftes Bravo!) und die zu dieser Abwehr erforderlichen Mittel bereitzu⸗ stellen.(Erneuter Beifall.) Sie dienen dem Schutze von Haus und Herd, sie befähigen unsere Brüder und Söhne, die Wacht an der Front auch weiterhin zu halten.(Bravo!) Aus diesen Mitteln müssen aber auch in höherem Maße als bisher den Familien der Kriegsteilnehmer und allen sonstigen Notleidenden Hilfe und Unterstützung geleistet werden.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Lebensmittelversorgung der Minderbemittelten muß durch Festsetzung von Höchstpreisen, Ze⸗ schlagnahme aller notwendigen Lebensmittel und planmäßige Ver⸗ teilung mehr als bisher sichergestellt werden.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Nur so wird dem Unwillen des Volkes über unzureichende behördliche Maßnahmen und wucherische Aus⸗ beutung gesteuert und sein Widerstand gestärkt werden. Wir erheben aber auch in dieser Stunde wieder unseren Ein⸗ spruch gegen alle Eroberungspläne, die darauf ausgehen, andere Völker zu vergewaltigen. Dadurch würde die nationale Kraft und Einheit des Deutschen Reiches geschwächt, seine Beziehungen nach außen dauernd geschädigt und der Keim zu neuen Kriegen gelegt werden.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Das deutsche Volk und seine Verbündeten haben unvergleich— lich Großes vollbracht. Es ist gelungen, nicht nur unser Land und die Staaten der Verbündeten, denen bereits der Untergang angedroht war, gegen die von allen Seiten anstürmende Uebermacht zu sichern, sondern auch die von Osten drohende ungeheure Gefahr für die gesamte wesleuropäische Kultur weit zurückzuwerfen. (Bravo!) Kein Gegner und keine Koalition von Gegnern kann sich danach in Zukunft vermessen, das deutsche Volk niederzuzwingen und seine Entwickelung zu hemmen. Der Reichskanzler hat in der Sitzung vom 9. Dezember ausgesprochen, daß er jederzeit bereit ist, in die Diskussion über Friedensangebote einzutrelen, die der Würde und der Sicherheit Deutschlands entsprechen. Er hat die Verant- wortung abgelehnt für die Fortsetzung des entsetzlichen Elends, das Europa und die Welt erfüllt. Wir wünschen aufs dringendste, daß die deutsche Regierung jede Möglichkeit zu Friedensverhand— lungen bereitwilligst wahrnimmt. Deulschland ist durch seine Stärke über jede Mißdeutung seiner Friedensbereitschaft erhaben. Sehr richlig! bei den Sozialdemokraten.) Indem wir so, meine 0 ö gen Herren, den unveräußerlichen Geboten der Menschlichkeit dienen, dienen wir zugleich den Zukunstsinteressen des deutschen Volkes. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Geyer(Soz.): Für mich und 19 meiner Fraktionskolle⸗ habe ich folgendes zu erklären: 1 Die Militärdiktatur, die rücksichtslos alle Friedensbestrebun⸗ unausgesetzt danach gestrebt, die unermeßlichen Verwüstungen des gen unterdrückt und die freie Meinungsäußerung zu ersticken sucht, Krieges zu beenden und den Völkern Europas den heißersehnten Frieden wiederzugeben. Wir haben wiederholt unsere Hand aus⸗ macht es uns unmöglich, außerhalb dieses Hauses unsere Stellung zu der Kreditvorlage zu begründen.(Sehr richtig! bei einem Teil der Sogziardemokcaten) Wie wir Eroberungspläne, die von Re- 5 4 — 5 gierungen und Parteien anderer Länder aufgestellt werden, mit aller Kraft bekämpfen, so wenden wir uns mit derselben Eut⸗ die in gleicher Weise wie jene das stärkste Hindernis für die pellation das Wort 5 nicht von sich gewiesen, er mehr Vorschub geleistet gen gefordert. versprechende Friedensverhandlungen sind aber nur möglich auf wahrt, daß allenthalben Eroberungsplänen jeder grenzen und unsere Unabhängigkeit sind gesichert, nicht der Ein⸗ bruch feindlicher Heere draht uns, wohl aber geht unser Reich wie das übrige Europa bei Fortsetzung des Krieges der Gefahr der Verarmung und deutschen ut 2 6 Verbündeten in günstigerer Kriegslage befindet, den ersten Schritt zum Frieden zu tun. bei t 5 Von der sozialdemokratischen Fraktion ist sie aufgefordert worden, den Gegnern ein Friedensangebot zu machen. Der Reichskanzler hat dies jedoch schroff abgelehnt. Der entsetzliche Krieg 2 jeder Tag schafft neue unsägliche Leiden. Eine Politik, die nicht alles tut, um diesem namenlosen Elend Einhalt zu gebieten, eine Politik, die in ihrer gesamten Betätigung in schreiendem elena zu den Interessen der breiten Massen der werktätigen Bevölkerung steht, durch unser parlamentarisches Verhalten zu unterstützen, ist uns unmöglich.(Sehr richtig! bei einem Teil der Sozialdemo⸗ traten.) Es gilt, dem in allen Ländern hervortretenden und wachsenden Friedensbedürfnis einen aeg Antrieb zu geben. Unsern Friedenswillen und unsere Gegnerschaft gegen Eroberungs⸗ pläne können wir nicht vereinbaren mit der Zustimmung zu den Kriegskrediten. Wir lehnen die Kredite ab. klatschen bei einem Teil der Sozialdemokraten.) Die Diskussion schließt.. l 8 1 Das Gesetz wird in zweiter und dritter Lesung gegen die Stimmen von 20 Sozialdemokraten angenommen. 0 Es folgt der Bericht der Kommission für den Reichshaushalt betreffend Familienunterstützung. 2 5 2 Die Kommission beantragt zu beschließen, den Reichskanzler zu ersuchen, in der Regelung der Familienunterstützung folgende Verbesferungen eintreten zu lassen: 5 3 1. Die Familienunterstützung ist zu gewähren, wenn nach der laufenden Steuerveranlagung das Einkommen in kleinen Orten(Tarifklasse E) 1000 M. und weniger, in größeren Orten (Tarifklasse C und D) 1200 M. und weniger und in großen Orten(Tarifklassen A und B) 1500 M. und weniger beträgt. Der Anspruch besteht nicht, wenn der zum Militärdienst Einge⸗ dogene an seinem Einkommen keinen Ausfall erleidet. N 2. Die Zuschüsse des Reiches und der Einzelstaaten an die Lieferungsverbände zur Erhöhung der Familienunterstützung sind— abgestuft nach der Leistungsfähigkeit der Lieferungsver⸗ bände— festzusetzen. f 5 0 2 8 3. Die Bestimmung gu treffen, daß die Aufsichtsbehörde in geeigneten Fällen die Zahlung der Familienunterstützung an⸗ ordnen kann. 5 9 Stagtssekretär Dr. Delbtck: Die im vorliegenden Antrage niedergelegten Wünsche sind im Einvernehmen mit der Reichs⸗ regierung formuliert, es wird ihnen bei der e e Bundesratsverordnung Rechnung getragen n. Es bereitet mir eine besondere Freude, diese Erklärung hier abgeben zu können und damit den Familien unserer braven Krieger eine Gabe auf den Weihnachtstisch zu legen.(Bravol). Die Anträge der Kommission werden einstimmig angenommen. Präsident Kaempf gibt seiner Freude über die mit exdrückender Mehrheit erfolgte Bewilligung der Kriegskredite und über die ein⸗ hellig erfolgte Annahme der Wünsche bezüglich der Erweitern der Familienunterstützungen Ausdruck und schliezt die Sitzung mi Wünschen für ein frohes Weihnachtsfest. 15. 8 Sitzung: Dienstag, den 11. Januar 1916, nachmittags 0 Uhr.(Kurze Anfrage Dr. Liebknechts, Ernährungsfragen, Vor⸗ agen. 5 ö g Ouluß: 12 Uhr. schlossenheit auch das verhängnisvolle Treiben der Annexions⸗ politiker unseres es(Sehe richtig! bei den Sozialdemokraten), Einleitung von Friedensverhandlungen sind.(Erneute Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) 25 gefährliche Politik hat der Reichs ⸗ kanzler am 9. Dezember, als er zu der a wiesen at ihr viel ustimmung bei einem Teile der Sozial⸗ demokraten), und die sämtlichen bürgerlichen Parteien haben in Unterstützung seiner Ausführungen ausdrücklich Gebietserweiterun⸗ (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Erfolg: der Grundlage, daß kein Volk vergewaltigt, daß die politische und wirtschaftliche Selbständigkeit und Unabhängigkeit jedes Volkes ge⸗ rt entsagt wird. (Erneute Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Unsere Landes⸗ der Verwüstung seiner Kultur entgegen. Der Regierung käme 15 zu, da Deutschland sich mit seinen (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) (Bravo! und Hände⸗ ffür Weihnachten empfehle alle Sorten in guten Qualitäten zu billigsten Preisen ert neben der Schuhwaren Siessen, saktpl. 2 Zuckerhonig lich wohlschmeckend und be- kömmlich, durch grossen Absatz une po beser. den Md. flute, Nutzen emden, Aragen, Hravaen Liwässle Bet eintretender älterer Jahreszeit halte ich meine L rse essor bestens empfohlen. Langjäh⸗ rige Garantie für tadellosen Gang wird zugesichert. Probezeit 4 Wochen.— Das Anbringen der Schließer wird durch mich selbst besorgt. Glessen(Hessen) Kaiser-Allee 8. Eene Reparaturwerkatätte. Heblosser Im Raler Gießen. 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Teleph. 10¹8⁸ Walltorstraße 24. 1 Tafel- =