2 — * SSE e 2 . 8 8 S= 2 2 2 sor gung. der Provinz Obe . Organ für die Juteressen des werktätigen Volkes Die Oberhessische Volkszeitung erscheimt jeden W̃ i zerktag A Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pin. 11 15 60 Pfg. einschl. Bringerlohn Durch die Post bezogen vierteljährl 1 155 Redaktion und Expedition Giesten, Bahnhofstrae 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. rhessen und der Nachbargebiete. Juserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Ra att. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die fogende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 294 Gießen, Mit woch, den 15. Dezember 1915 10. Jahrgang Ni Fleischversorgung und der Reichstag. Aus der Reschohaushaltskommission. 0(Sitzung vom 13. Dezember.) gung. Die Sozialdemokraten beantragten: 0 Die Kommission beschäftigte sich mit der Fleischver⸗ a). einer Fleischkarte, die den Verbrauch gleichmäßig! b) Einführung einer lombinierten Karte, die den Butter, Schmalz. Margarine und Fetten regelt. c) Tür Groß⸗ und Kleinhandel Höchstpreise für alle Fleischwaren und Wurst, abgestuft nach 0 d) Höchstpreise für Vieh ad Stall und achtviehmarkt. Ein⸗ Führung eines Schlußscheins beim Vieheinkauf und-verkauf. Die Nationalliberalen fordern eine Regelung der Versorgung der Schweinemäster mit Futtermitteln, zu deren Ankauf das Reich elnen Zuschuß leisten soll.. e In der gleichen Richtung bewegt sich eine Reihe anderer An— träge. Abg. Matzinger scheinen im Viehhandel. bestände verschl Bezug von! 0 für alle Fleischarten. Fieischsorten. 0 Ztr.) fordert die Einführung von Schluß⸗ Jetzt besteht die Gefahr, daß unsere Vieh⸗ endert werden. Deshalb muß eine untere Gewichts⸗ grenze für Schlachtvieh festgesetzt werden. Die Spannün; 0 1 in. Schlachtvie 9 8 i nung dey Preise bei Wild ist zu groß.. 5 Abg. Schmidt ⸗ Berlin(Soz.) erörtert die Preistreiberei auf dem Fleischmarkt, der nur entgegengetreten werden kann durch Höchstpreise für alle Arten von Vieh. Die hohen Rindviehpreise haben bereits zur Abschlachtung von Milchvieh geführt. Letztere muß verboten werden. Die Einführung von Fleischkarten ist nötig, damit der Konfum der Zesitzenden herabgedrückt wird. Die Ein⸗ führung der Schluß sche ine ist notwendig, um eine Preis⸗ kontrolle zu haben und in Verbindung damit müssen Stal preise eingeführt werden. Die städtischen Viehhalter sind dur die unerhört hohen Preise für Futtermittel ganz besonders ge⸗ kädtischen Molkereien mehr berücksichtigen, die gar nicht in der Lage sind, selbst Futtermittel anzubauen. Dadurch ist der Bestand an Milchvieh verringert worden. Abg. Roe sicke(Bund der Laudsw.) behauptet. daß die Land; wirtschaft nicht reicher wird, sondern eher der Verarmung entgegengeht. Die Viehzüchter werden durch das fortgesetzte Schwanken der Preise sehr beun ruhig. Die Absczlachtung der schädigt. Bei der Verteilung der Futtermittel sollte man die Kühe wird durch Höchstpreise nicht verhindert, solange nicht ge⸗ nügend Futtermittel beschafft werden. Wo Vieh aus letzterem Grunde nicht mehr gehalten werden kann, müßte es vom Staate übernommen und nach Gebieten gebracht werden, wo Weidebetrieb möglich ist. Die Regigrung müßte schon jetzt auf die Konservierung des Fleisches bedacht fein. Die Vorwürfe gegen die Bezugsver⸗ einigung bes Bundes der Landwirte entbehren der Berechti bg. Fegter(Fortschr.) bittet die Regicrung, bei Fe von Höchstpreisen nicht immer schwankend zu sein. Man mu um Störungen zu vermeiden, dem Handel etwas verdienen lassen. Bei der Festsetzung von Stallpreisen muß auch festgesetzt werden, ob das Vieh nüchtern gewogen werden muß, oder ob bis zum letzten Moment gefüttert werden darf. 5 Ein Negierungs vertreter hält es für ganz unmöglich das Abschlachten von Milchvieh zu verbieten, wenn man den Land⸗ wirten nicht Futter zur Verfügung stellen könne. Die Schwierig⸗ keiten in der Verteilung der Futtermittel hängen mit den un⸗ genügenden Vorräten zusammen. Für die städtischen Molkereien wird nach Möglichkeit gesorgt. Bei der Verteilung des teuereren ausländischen Fleisches wird darguf Bedacht genommen. daß dieses Fleisch von den Besitzenden gekauft wird. Der Handel mit Rind⸗ vieh soll künftig konzessioniert werden, um den wilden Handel zu beseitigen. 5 Präsident Kautz äußert sich zu trägen. Ehe man rationieren kann, muß ee Bedarf pro Kopf und die verfügbare Menge kennen. Diese Frage kann nur durch die Gemeinden gelöst werden. Pie Sad te haben bereits jetzt die Möglichkeit, Butterkarten einzuführen. Schwieriger liegt es mit der Fettkarte. Für Wurst und die einzelnen Fleisch⸗ sorten können die Gemeinden Höchstpreise festsetzen: das Reich aber kann das nicht, dazu sind die Verhältnisse zu verschieden. 5 Abg. Gothein bespricht die Wohlenaus fu ßer. nach Rumänien, die sich in durchaus geordneten Verhälensssen ab⸗ wickelt. Der Futtermangel ist nicht die einzige Ursache des 1 0 9 an Fleisch. Höchstpreise für Rindvieh hält der Redner 115 der Ver⸗ schiedenheit der Qualität für absolut unmöglich. den allen Kreisen a as hängt damit zusammen, den sozialdemokratischen Au⸗ man erst den notwendigen des Volkes wird zu viel Fleisch gegessen, d 0 eee daß viele Arbeiter heute sehr hohe Löhne beziehen. Mit eint Fleischkarte ist nichts zu erreichen. Die Wir ging wäre daß mie diesen Karten ein Handel getrieben werden könnte. Tie heut ge Festsetzung der Preife für Schweinefleisch ist wü 1 5 Organisation der Einfuhr von Butter ist mangelhaft.. 115 teilung der Futtermittel haben die Großgrundbesitzer einen vo g unberechtigten Vorzug. l 5 Abg. Löscher Kfreik) macht die Kous für den Mangel an Fleisch mitverantwortlich, vom Produzenten beziehen. Die Verordnung von muß verboten werden. ervenfabriken die ihr Vieh direkt Milch zu Kassee 8 l f sse finden keinerlei Abg. Giesberts: Die besitzenden Klassen empfinden keinerle Mangel Den Kreisen bis zu einem Einkommen von 1995 2 muß ein entsprechendes Quantum Fleisch zur Wee 10 werden. Der Hinweis auf die hohen Löhne 70 15 e verfehlt, die Mehrzahl der Arbeiter und Arbei een 5 erbärmlich genug bezahlt. Der Handel eee Meinung, daß er berechtigt ist, in den Ae e hohe Gewinne zu nehmen. Die Regierung muß es 0 1 0 1 betrachten, jeder weiteren Verbitterung des e in 10 An den bestehenden Schwierigkeiten darf die Einfi 0 Fleischkarte nicht scheitern. l 1„ Abg. 215(Ztr.) ersucht die Regierung bringe een Lieferung von Ersaßfuttermitteln nicht zu ee 00 Schlachtverbot für Rindvieh kaun keine Rede Fu 1 1 A agel 19 8 unschft beben. Die hohen Kleie⸗ 4 211 rtsche 8 6 eine Benachteiligung der Landwirtschaf ste entstehen nur durch [Die Berü Wildschaden, der seine Ursache in dem mangelnden Abschuß hat. Abg. Böhme Natl.) empfiehlt die Privatwaldu ngen zwangswesse für die Viehhaltung zu verwerten. Wenn es sich, wie hier, um ein öffentliches Interesse handelt, dann müssen private Interessen zurücktreten. Aog. Dr. Wendorff(Fortschr.): Die Verteilung der Futtermittel geschiebt nicht unparteiisch. Der Verteilung darf nur die Viehzahl zugrunde gelegt werden. Die größere Berücksichtigung der stäbtisasen Molkereien ist duychaus berechtigt und notwendig. rücksichtigung der Ceftügelzüchter rechtfertigt sich durch den hohen Wert, den dieser Zweig unseres Wirtschaftslebens hat. In kleinbürgerlichen Kreisen klagt mau bitter über den zunehmenden Unterstaatssekretär Irtzr. v. Stein bestreitet entschieden, daß bei der Verteilung der Futtermittel ungerecht verfahren wird. Eine Verteilung nach der Viehzahl ist bei der Verschiedenheit der einzelnen Wirtschaften unmöglich. Die Versorgung der städtischen Mollereien wird, soweit nur irgend möglich, sichergestellt. Da⸗ Fleischverbrauch muß durch Karte geregelt werden. Die fleischlosen Reich wird auf die Einzelstaaten einwirken, um einen stärkeren Abg. Wurm(Soz.) erblickt den Fehler, der bei Einführung von Höchstpreisen für Schweinefleisch gemacht wurde, darin, daß sie zu spät eintraten. Die Agrarier hoffen, daß die Höchstpreise er⸗ höht werden, und halten deshalb mit den Vorräten zurück. Die Regierung muß Schweine beschlagnahmen, damit bie Industrie⸗ Arbeiterschaft mit Schweinefleisch versehen werden kann. Die Mo⸗ nate Januar und Februar sind dazu besonders geeignet. Der Wildabschuß herbeizuführen. Tage dürfen in ihrey Bedeutung nich üüberschätzt werden, denn die Besitzenden werden davon nicht betroffen. Wie stellt man sich die Kontrolle des Verkaufes ausländischen Schweinefleisches vor? Bei der Wurst sind die Preise zu hoch, diese hohen Preise reizen dazu an, das Fleisch zu Wurst zu verarbeiten. Dem Konservenschwindel kann man nur dadurch begegnen, daß auf der Umhüllung der In⸗ halt genau angegeben wird. Mit der Butterversorgung hat Straß⸗ burg vorbildlich gewirkt. Der Verschleiß steht dort unter strengster Kontrolle ber Stadt, die den Verbrauch durch Ausgabe von Karten regelt, In Berlin wird gerade die ärmere Bevölkerung am schwersten getroffen. Die Zentral-Einkaufsgesellschaft kauft zu teuer. Händlergruppen verstehen es immer wieder, ein Sinken der Butterpreise zu verhindern Decsßalb müssen wir Butterkarten haben. Abg. Roesicke erblickt einen Vorteil darin, daß wenig chweine auf den Markt kommen. Der Mangel an frischem inefleisch ist nur auf die Schlächter zurückzu⸗ Die Einführung von Butterkarten ist notwendig. Vor brivatforsten ist dringend zu 5 über jeden Futtermittel ge⸗ Wenn heute recht viel Rindvieh auf die taatsktekretär Frhr. v. Stein: Wenn die Einfuhr von utralistert werden mußte, dann konnte man nicht alle Händler beschäftigen. Ueber den Zustand der Butterversorgung in Berlin wird mit Recht geklagt: in den nüchsten Tagen wird eine Aenderung eintreten, die in Verbindung mit starker Einschränkung steht. Das Beispiel von Straßburg zeigt, was eine Kommune bei autem Willen leisten kann. Der, Erfolg der fleischlosen Tage darf doch nicht unterschätzt werden. Es ist scharf zu verurteilen, wenn die besitzenden Kreise sich nicht darnach richten. In Wilmers orf ist der Fleischverkauf um 27 Proz. zurückgegangen. Die neuge⸗ schaffenen Zentralisationen funktionieren mit jedem Tag besser. Nach weiteren Auseinandersetzungen zwischen den agrarischen Vertretern spricht Staa sekretär Helfferich über jene Anträge, die Zuschüsse vom Ne fordern. Dieser Weg ist nicht richelg: auf eine solche Zuschußwirtschaft kann sich das Reich nicht einlassen. Diese Forderungen stehen in engstem Zusammenhang mit den An⸗ trägen, auf Erhöhung der Familienunterstützung, die wiederum in Zusammenhaug steht mit der beantragten Erhöhung der Soldaten⸗ löhnung. Für letzteres liegt kein Vedürfnis vor, höchstens daß die Mannsckaften einer besseren Verpflegung bedürsen. Auf dief Gebiet ist bereits viel geschaffen. Vielleicht kann man dem Krieg ministerium eine Pauschale für diesen Zweck zur Verfügung stellen. Der Satz der Familienunterstützung von 15 Mark monatlich ist durchaus genügend. Wo sich Härten ergeben, ist die Möglichkeit vorhanden, einen Ausgleich zu schaffen. Man darf auch den Kommunen nicht die Pflicht auferlegen, bestimmte Leistungen zu ibernehmen. Bei den geforderten Zuschüssen für die Futtermittel⸗ versorgung will die Regierung prüfen, was sich machen läßt. Abg. Erzberger stellt fest, daß chatzsekretä entgegenkommend geäußert hat Personen kommen missen die Lebensmittel billiger müssen die Kommunen Zuschlisse erhalten. Für das ganze Reich ist eine Erböhung der Familienunterstützung nicht nötig. Notwendig ist eine Erhöhung in fenen Gegenden, in denen die reine Geldwirt⸗ schaft herrscht: dort können die Familien nicht auskommen. Hier muß eingegrifsen werden. Die Erhöhung der Mannschafts 0 ist nötig, weil die Mannschaften höhere Preise für ihre Bedürfnisse anlegen müssen. Die Kommission beschloß, die Erhöhung der Mann⸗ schaftslöhnung hier mitzubehandeln und gleichzeitig auf die Kriegsbesoldungsordnung einzugehen. Abg. Bauer(Soz.) begründet die sozialdemokratischen An⸗ träge, in denen verlangt wird, daß die Unterstützung der Krieger⸗ frauen monatlich 20 Mark und die der Kinder 10 Mark betragen oll. Die Gemeinden sollen verpflichtet wenden, mindestens 50 Proz. Zuschlag zu zahlen. Der Redner trat der Auffassung entgegen, daß ein Bedürfnis zur Erhöhung der Familienunterstützung nicht vor⸗ handen sei. Selbst im Osten, wo neben der Geld- auch die Natural⸗ wirtschaft besteht, herrscht unter den Kriegerfamilien große Not. Besondors schlecht gestellt sind aber die Familien der freien Ar- beiter, bie auf dem Lande mitunter höhere Lebensmittelpreise be⸗ zahlen müssen, als wie sie in den Städten gefordert werden. Die Lieferungsverbände haben vielfach sehr wenig sozial gehandelt. Redner belegt das in einer Reihe überaus drastischer Beispiele. Zum Schluß fordert er die Schaffung einer Berufungs⸗ instanz. 2. Ministerialdirektor Lewald bemerkt, daß 4 Millionen Fälle in Frage kommen mit vielleicht 12 Millionen Personen. Eine all⸗ Uẽnte bekommen, und dazu und sind gar nicht in der Lage, die geforderten Zuschüsse zu zahlen, das Reich kann ihnen die Zuschüsse auf keinen Fall ersetzen. Auch eine Beschwerdeinstanz habe nicht viel Zweck. Für die Unterstützung der Kriegerfamilien wendet das Reich gegenwärtig monatlich 100 Millionen Mark auf, während die Gemeinden 40 Millionen zu⸗ schießen müssen. Abg. Gothein hält vielfach die Unterstützung. reichend, namentlich dann, wenn es sich um alte Eltern handelt, die mehrere Söhne im Felde haben. Die Gehälter der Offiziere hat man nicht herabgesetzt, und soweit die Bezüge der Beamten ermäßigt worden sind, hat der Generalgouverneur von Belgien diese Maß⸗ nahme einfach illusorisch gemacht dadurch, daß er die Bezahlung in alter Höhe anordnete. Nachdem noch Staatssekretär Helfferich, Abg. Roesicke und einige Regierungsvertreter das Wort genommen hatten, er⸗ solgte Vertagung der Sitzung auf Dienstag. 8* * Wie französi che Sozialisten über deutsche Friedensabschten denken. Am Jahrestage der Schlachten bei Champigny(30. No⸗ vember bis 2. Dezember 1870) hielt der Munitionsminister Albert Thomas, früher Pariser Korrespondent der Chemnitzer Volksstimme und des Korrespondenzblattes der Generalkommissivn, eine Gedenkrede in Champigny, in der er u a rte: „Keinen Frieden, bis unser Lothringen und unser Elsaß endgültig der französischen Einheit wiedergegeben sind: keinen Frieden, bis unsere unglücklichen Brüder, sowie die Belgier und die Serben sicher sind, daß ihre Heimat sich im Stolze der Un⸗ abhängigkeit befindet: keinen rieden, bis der deutsche Imperialismus und der preußische Militarismus unsch ädlich gemacht worden sind; die auf der siegreichen Einigkeit beruht und durch den freien Beitritt der Neutralen verstärkt, die Gewalt des Kriegs für immer abgeschafft haben wird. Franzosen aller Parteien! Wir werden bis zum Ende gehen, bis zum Ende unserer Pflicht.“ Der Rest der Rede war eine Verherrlichung Frankreichs als des Befreiers der Menschheit. Die Nation solle nur aus- halten. Dentschlaud sei bereits unruhig und such e den Frieden. Er sagt über letzteren Punkt wörtlich: N „Deutschland versucht Friedensgedanken unver⸗ merkt in die Welt zu setzen und Friedensangebote zu machen. Und Frieden anbieten, heißt das nicht, Frieden nachsuchen? Und Frieden nachsu chen, ist das nicht ein Zeichen der Besorgnis und der Furcht?“ Nussische und französische Geschoßarbeiter. Der französische Munitionsminister Albert Thomas erhielt aus Moskau folgendes Telegramm: „Die Versammlung der Arbeiterdelegierten der Stadt Moskau, die am 15. November stattfand, entbietet ihre Grüße an die französischen Kameraden und wünscht ihnen Erfolg in ihrer ßen Aufgabe der Versorgung der Armee mit allem, was ihr g ist, um in diesem ungeheuren Weltkriege den Sieg des Rechts und der Gerechtigkeit zu erringen. Paul Riabuschinsky, Präsident des Komitees N 1 für Militärarbeiten in Moskau.“ Hierauf antwortete Albert Thomas: „Im Namen der Arbeiter, die für die nationale Verteidigung schaffen, dankt der Munitionsminister den Delegierten der Ar⸗ beiter der Stadt Moskau für die von ihnen ausgedrückten Ge⸗ fühle. Er ist von der Hingebung der russischen Arbeiter über⸗ zeugt und rechnet auf ihre Mitwirkung, um ihren französischen Kameraden beizustehen, Waffen und Geschosse zu liefern, die den vereinigten Verbündeten in ihrem Kampfe für Recht und Ge⸗ rechtigkeit den Sieg sichern werden. Albert Thomas.“ Der deutsche Soldat in ru sischer Darstellung. Die in VNetersburg erscheinende sozialdemokratische Monats- schrift Nasche Djelo(Unsere Sache) bringt in ihrer Nummer 5—6 einen Aufsatz unter der Ueberschrift:„Der Krieg in den Briefen deutscher Soldaten“. Der Verfasser des Auffatzes begleitet die Aus⸗ ziige aus den Briefen mit folgenden Bemerkungen, die wir hier wörtlich wiedergeben möchten: 4„Im Namen einer großen Zukunft, im Namen der freien Ent⸗ faltung seiner Kultur, für die Unabhängigkeit seiner Heimat, fürs Vaterland— in diesem Bewußtsein zog der deutsche Arbeiter in den Krieg. Und er trug in das Heer alle seine Eigenschaften hinein: technische Fertigkeit, Intelligenz und hohe Beherrschung des Gefühls und des Willens. Er anerkannte den Krieg als seine eigene Sache, heiligte ihn durch das Panier seiner Ideale und gab sich ihm restlos hin, in größerem Maße, als er es seiner Klasse und seiner Partei gegenüber tat. Was Wunder, daß er sich als der beste, tapferste und anstelligste der Soldaten erwies?“ »Es unterliegt keinem Zweifel, daß bei der hohen Zielbewußt⸗ heit der deutschen Demokratie, und dem außerordentlichen Enthusias⸗ mus, den sie in diesem Kriege zutage förderte, ohne die Devise der Vaterlandsverteidigung, es für die regierenden Kreise Deutschlands unmöglich wäre, den Krieg zu führen.“.. „Iwei Ideen sind es, die den deutschen Soldaten in seinem Kampfe beschwingen: die Verteidigung des Vaterlandes und die Hoffnung darauf, daß nach dem Kriege ein neues, segensreiches, von Gewalttätigkeit und Ungerechtigkeit freies Leben anheben wird. Dieser letzte Zug tritt besonders bei den sozialistisch gesinnten Soldaten hervor.“ und Schrotpreise sind nicht berechtigt, hohen Zwischengewinne. gemeine Erhöhung sei jedenfalls nicht zweckmäßig. Viele Gemeinden 1 0 für unzu⸗ N keinen Frieden, bis eine Herrschaft des R e ö Schweden und Rumänien. T. U. Bukarest, 13. Dez. Die schwedische Regierung ver⸗ ständigte das rumänische Kabinett, daß alle für Rumänien bestimmten Waren nicht mehr über Schweden transportiert und eventuell zurückbehalten werden. Wie das halbamtliche Blatt Vittorul dazu meldet, ordnete der rumänische Finanz⸗ minister als Gegenmaßnahme an, daß alle für Schweden be⸗ stimmten Feigen⸗ und Tabaksendungen zurückbehalten wer⸗ den. Die rumänischen Staatsbahnen nehmen keine Trans⸗ porte nach Schweden mehr an. Amerika. New⸗Nork, 13. Dez. Ein Ausschuß des Senats befaßt sich zurzeit mit der Untersuchung dreier Fragen: Die erste betrifft die Frage, ob Großbritannien Baumwolle zur Baunware stempeln durfte. Die zweite betrifft den„Lusi⸗ tania“⸗Fall, die dritte die behaupteten illoyalen Handlungen naturalisierter Bürger. Präsident Wilson wird möglicherweise die Abberufung des österreichischen Geschäftstragers Zwiedineck ver⸗ langen, der auf Grund eines in den Blättern faksimiliert wiedergegebenen Briefes beschuldigt wird, die örtlichen Kon⸗ suln Oesterreichs aufgefordert zu haben, Pässe neutraler Länder zu beschaffen, um Reservisten heimzuschicken. Wil⸗ son versucht, die deutsche Regierung zu bewegen, in der „Lusitania“⸗Frage wenigstens insoweit nachzugeben, daß Debatten darüber im Kongreß vermieden werden können. Es sind abermals deutsche Untertanen durch französische Kriegsschiffe von amerikanischen Dampfern hinweggeholt worden. Die Antwort des Reich kanzlers. Die Wiener Arbeiterzeitung, die sich wiederholt mit der Friedens⸗Interpellation im Reichstage beschäftigte, vermißt in der Rede des Reichskanzlers, wie auch viele deutsche Partei⸗ blätter, die bestimmte Auskunft über die Kriegsziele der dentschen Regierung, die in der sozialdemokratischen Inter⸗ pellation gefordert wurde. In einem Leitartikel„Hoffnung und Furcht“ sagt die Wiener Arbeiterzeitung: „Immer wieder kommt die Betrachtung zu dem Punkte zurück: Wie ist es nur möglich, daß die Gegner die Kriegslage so gröblich dertennen können? Auch der Reichskanzler konnte daran nicht lich sehr: die der Entente leben ünd weben im Lande Utopia: die Deutschlands, das eben gestegt hat, stehen auf sestem Boden. Darum glauben wir, daß der Reichskanzler sagen müßte, was Deutschland will; und daß dieses klare und deutliche Wort dem Frieden nicht schaden, ihn vielmehr vorbereiten und nähern würde.“ Oesterreich⸗Ungarn. Debatten statt, die nach mehr als einer Richtung hin unsere Beachtung verdienen. Einmal deswegen, weil auch dort von Rednern der Opposition die nationalistisch, nicht etwa sozialistisch ist— gefordert wird, daß Ungarn das Seine tue, um Europa den Frieden wiederzugeben, worauf der Ministerpräsident Graf Tisza schon einen Tag vor dem deutschen hskanzler fast genau so antwortete wie dieser. 70 Dann aber bewegen sich jene Debatten in dem Prunk⸗ palast an der Donau auch sehr stark auf dem Gebiete der inneren Politik. Es sind Anträge auf endliche Einführung des allgemeinen Wohlrechts gestellt, weitere auf Verleihung des Wahlrechts wenigstens an alle Kriegsteilnehmer und in den Reden der oppositionellen Grafen Karolyj, Andrassy und Appony kehrte die entschiedene Forderung nach dem Wahl⸗ recht für alle Ungarn stets nachdrücklich wieder. Tisza hatte allerdings darauf nur die Antwort, daß man in der jetzigen großen Zeit nicht die Lösung von Fragen übereilen solle, die für die ganze Zukunft Ungarns entscheidend wären. In der Tat handelt es sich hierbei um nichts weniger als um die Umwandlung des heutigen ungarischen Junkerstaats in einen demokratisch verwalteten Staat, in dem auch die nicht⸗ ungarischen Volksstämme zu ihrem Recht kämen. Endlich zeigen die Debatten aber auch eine völlige Uebereinstimmung zwischen Tisza und der Opposition: auf dem Gebiet der Forderungen des ungarischen Staates. Unter ausdrücklicher Betonung, daß er es vermeide, in die Befug⸗ nisse des Armeeoberkommandos sich einzumischen, sprach Tisza doch über die den Armeeoberkommandos allein vorbe⸗ haltene Einrichtung der Verwaltung in den eroberten Ge⸗ bieten. Während er die Verwaltung Polens natürlich soweit es von den k. und k. Truppen besetzt ist, schon wegen der Sprachenfrage Oesterreich zuweist, fordert er die Berücksichti⸗ gung alter ungarischer Interessen in Serbien. Man könnte dorbei. Herr v. Bethmann⸗Hollweg beharrt darauf, daß die phantastischen Kriegsziele der Gegner noch nicht aufgegeben seien; er liest ihre Reden und wagt nicht, ihnen„zu nahe zu treten“ und ihre Forderungen etwa als Bluff aufzufassen. Kommt man der Wahrheit nicht näher, wenn man als Grund dieses unbegreiflichen Kriegswillens der Gegner nicht die Hoffnung auf einen Sieg, vielmehr die Furcht vor den Beding⸗ ungen des Siegers erkennt? Hier kommt es nicht darauf an, was die Gegner reden; es versteht wohl jeder, daß während eines Krieges die Menschen die Sprache nicht gebrauchen, um lautere Wahrheit zu verkünden. Es kommt darauf an, was aus den wirklichen Tatsachen gefolgert werden kann, ge⸗ folgert werden muß: benn daß die Staatsmänner der Eutente lauter Schurken und Trottel sind, die sich in den eigenen Sack hineinlügen und nur darauf aus sind, ihre Völker zu be⸗ trügen, wird sich nur der vormachen, der kein Bedürfnis hat, über die Dinge ins klare zu gelangen Nun ist in der Rede des Reichskanzlers sicherlich nichts ent⸗ laften, was zu der Furcht vor ausschweifenden Eroberungsgelüsten Deutschlands irgendwie Veranlassung böte; und es kann sein, daß die Staatsmänner der Entente es sogar noch genaner wissen, Deutschland stry oe wirklich nur einen ehrenhaften Frieden an, der in sich die Bürgschaft seiner Tragfähigkeit hat. Aber da der Reichskanzler die Frage der Sozialdemokraten nicht beantwortet, die Bedingungen, unter denen er in Friedensverhandlungen ein⸗ (reten möchte, nicht dargelegt hat, ist es der Entente möglich, ihre Völker mit der Furcht vor Deutschlands Ansprüchen im Kriegs⸗ willen zu erhalten. Eine offene Darlegung dessen, was Deutschland vom Frieden und im Friedensvertrag will, würde nun dieses Spiel unmöglich machen. Danach sieht man, wie be⸗ vechtigt die sozialdemokratische Frage war und wie wenig er⸗ solgversprechend hier Geheimniskrämerei ist. Deutschland will nichts Unangemefssenes und kann darum sagen, was es will Sagt es aber, was es will, und sagt es, daß es die Geener nicht vergewaltigen, nicht demütigen, nicht zugrunde richten will, so werden die Kräfte, die in Frankreich und in England zum Frie- den drängen, gestärkt, so werden die verstockten Staatsmänner der Entente zum Einlenken und Verhandeln gezwungen. Deutschlands Kriegsziele und die Kriegsziele der Entente unterscheiden sich näm⸗ vielleicht fragen, ob dort die Sprachenfrage denn keine Rolle spiele und man denkt daran, daß in Ungarn bisher die ganze Verwaltung rein magyarisch war, auch in den ausschließlich von Nichtmagyaren bewohnten Gebieten.— Am Samstag entrüstete sich die Opposition in Zwischenrufen darüber, daß man am 2. Dezember, den Tag des Regierungsantritts Kaiser Franz Joseph vor nunmehr 67 Jahren, in Belgrad die ungarische Fahne herabgenommen habe. Nun ist der Krieg natürlich eine gemeinsame Angelegenheit Oesterreichs und Ungarns und es erscheint staatsrechtlich wohl richtig, daß nur die k. und k.⸗Flagge neben der deutschen und vielleicht der bulgarischen zu hissen war. Aber Graf Tisza antwortete wieder, daß die ungarischen Rechte respektiert werden müßten. Schließlich sagte er den kroatischen Abgeordneten zu, die von ihnen geforderte staatsrechtliche Aenderung des erst vor einigen Wochen vom Kaiser festgesetzten neuen Wappens von sich aus zu unterstützen. Unter diesen Umständen gewinnt die Ernennung des Prinzen Konrad Hohenlohe zum österreichischen Minister des Innern stark an Interesse. Er hat nämlich 1906 die Minister⸗ präsidentschaft niedergelegt, weil den ungarischen Ansprüchen ohne Befragung der österreichischen Regierung stattgegeben worden war. Während sich im ungarischen Reichstag all diese Vorgänge abspielen, während der deutsche Reichstag ver— sammelt ist, dauert die Schließung der österreichischen Volksvertretung samt allen Provinzlandtagen an. Im ungarischen Abgeordnetenhause finden jetzt täglich Die Steuerfrage in Mecklenburg. Beide Mecklenburg haben einen gemeinsamen Landtag. Von diesem, der von Gutsbesitzern und von Magistratsherren; 5 1 gebildet wird, forderte nun die Strelitzer Bewilligung der dortigen Landessteuer in der Hö jahre, nämlich 100 Prozent. Der Strelitzer Teil tages lehnte jedoch diese Vorlage ab, nahm vielmeh Herabsetzung des Steuersatzes vor, indem er nur 80 P bewilligte.— So für Strelitz! Für Mecklenburg⸗Schwerin aber war es ganz a Die Schweriner Regierung forderte nicht nur den vorjä Steuersatz, sondern verlangte statt der 100 Prozent gleich l Und hier strich nun der Schweriner Teil des Stände nicht, sondern bewilligte glatt die ansehnliche Hinauf schraubung des Steuersatzes. Ja, einige Leute des Stände tages wollten noch über das Verlangen der Schwerine Regierung hinausgehen und gar 150 Prozent bewilligen. f Also: In Mecklenburg⸗Strelitz Steuererm a ß i gung, in Mecklenburg-Schwerin aber Steuer erhöhung! 5 Die Sozialdemokraten und die neue Kreditvorla T. U. Berlin, 14. Dez. Der Vorwärts meldet: Die aan tion hat in ihrer gestrigen Sitzung mit 60 gegen 31 Stimmen beschlossen, bei der ersten Lesung der Kreditvorlage wie in den friiheren Fällen die Vorlage ohne Debatte an die Bud kommission überweisen zu lassen. Zu der Kreditvorlage wird die Fraktion erst in einer späteren Sitzung Stell nehmen. 1 Schweden bedroht durch Rußland? Nya Daglight Allehanda und Aftenposten melden zuverlässiger Quelle, daß die Truppenkonzentrativnen in Finnland derart an Umfang angenommen hätten, daß sich jetzt infolgedessen die russische Heeresmacht dort verdopp 1 hätte; anstatt 80 000 Mann sind jetzt 160 000 Mann in Finn⸗ land konzentriert. Die russische Telegrammsperre, die schon 10 Tage dauert, soll auch Schweden gegenüber den 2 marsch verheimlichen. Aus demselben Grunde ist in Fin. land selbst der Telegramm⸗ und Telephonverkehr eingestel Da in Finnland keine Unruhen zu befürchten sind und zwa infolge der Waffenlosigkeit der finnländischen Bewohner, es nur zu begreifen, daß diese Truppenansammlungen gegen Schweden gerichtet sind, um dabei mit England zugleich a Schweden einen Druck auszuüben, der auch noch durch ein Flottendemonstrativn von Westen und Osten verstärkt wer soll. 5 Die Explosion von Havre. Kopenhagen, 14. Dez. Die Explosionskatastrophe Munitionsfabriken von La Havre, bei welcher der größte Teil d Fabrikgebäude und die sämtlichen Munitionsvorräte verni wurden, ist nach dem Temps auf Brandstiftung zur führen. Sozialdemokratischer Wahlerfolg. T. U. Zürich, 14. Dez. Bei den vorgestrigen Wahlen zu Stadtverordnetenversammlung in Bern verloren die Freisinnig zwei Mandate an die Sozialisten und eins an die Konservati wodurch die sozialdemokratische Partei die stärkste des Rates wir Die Freisinnigen und Konservativen verfügen zusammen immerhi noch über eine kleine Mehrheit. Kriegsnolisen. Amtlich wird in Dresden bekanntgegeben, daß den zuständig Behörden das Recht erteilt worden ist, im Bedarfsfall die eignung der gesamten Kartoffelernte eines lieferungspflichtig, Kartoffelbesitzers zu verfügen mit der Maßgabe, daß ihm Vorrö für den eigenen Bedarf und zur Einhaltung bereits abgeschlossen Verträge belassen werden. 9 Das englische Pressebureau teilt mit, daß die Zensur des wärtigen Amts aufgehoben ist. Die Verantwortung für die öffentlichung von Nachrichten auf dem Gebiet der auswärtigen A gelegenheiten liegt zukünftig bei den Direktoren der Zeitungen un Nachrichtenagenturen. 0 des Mos Durch eine Verordnung des Oberbefehlshabers kauer Kriegsbezirks sind eine gange Al Tolstojaner dem Kriegsgericht wegen Herausgabe zu gegen den Krieg gerichteter Aufrufe übergeben worden. Unter diesen Angeklagten befindet sich der Arzt Duschan Makowitzky, der gewesene Sekretär Tolstois. Makowitzky ist ungarischer Staats- angehöriger. 9 4 Barfüßele. 25 Eine Schwarzwälder Dorfgeschichte von Berthold Auerbach. Dami wehrte sich dagegen und wiederum mit dem Vor⸗ halte, daß es ihm schon schwer genug sei, und daß er sich's nicht noch schwerer machen wolle. Barfüßele willfahrte auch hiesem. Er zog die Kleider des Vaters wieder aus, und Bar— füßele packte sie in den Sack, den sie einst beim Gänsehüten als Mantel getragen hatte und auf dem noch der Name des Vaters stand. Sie beschwor aber Dami, daß er ihr den Sack utit nächster Gelegenheit wieder zurückschicke. Die Geschwister gingen miteinander fort. Ein Hirlinger Fuhrwerk fuhr durch das Dorf. Dami rief es an und packte schnell seine Habseligkeiten auf. Dann ging er Hand in Hand mit der Schwester das Dorf hinaus, und Barfüßele suchte ihn zu erheitern, indem sie sagte: „Weißt du noch, was ich dir da beim Backofen Rätsel aufgegeben habe?“ „Nein!“ „Besinn' dich: was ist das Beste am Backofen? nicht mehr?“ „Nein!“ .„Das Beste am Backofen ist, daß er das Brot nicht selber frißt.“ „Ja, ja, du kannst lustig sein, du bleibst daheim.“ „Du hast's ja gewollt, und du kannst auch lustig sein: wolle du nur recht.“ Still geleitete sie ihren Bruder bis auf den Holderwasen, dort beim Holzbirnenbaum sagte sie: „Hier wollen wir Abschied nehmen. und fürcht' dich vor keinem Teufel“ Sie schüttelten sich wacker die Hände, und Dami ging Hirlingen zu, Barfüßele nach dem Dorfe. Erst unten am Berge, wo Dami sie nicht mehr sehen konnte, wagte sie es. die Schürze aufzuheben und sich die Tränen abzutrocknen, die ihr die Wangen herabrollten, und laut vor sich hin sagte sie: „Verzeib' mir's Gott. das ich das von dem allein auch für ein Weißt's Behüt' dich Gott gesagt hab'; ich danke dir, daß du mir einen Bruder gegeben hast. Laß mir ihn nur, so lang ich lebe.“ Sie kehrte ins Dorf zurück, es kam ihr leer vor, und in der Dämmerung, als sie die Kinder des Rodelbauern ein⸗ wiegte, konnte sie nicht ein einziges Lied über die Lippen bringen, während sie sonst immer sang wie eine Lerche. Sie mußte immer denken, wo jetzt ihr Bruder sei, was man mit ihm rede, wie man ihn empfange, und doch konnte sie sich das nicht vorstellen. Sie wäre gern hingeeilt und hätte gern allen Menschen gesagt, wie gut er sei, und daß sie auch gut gegen ihn sein mögen; aber sie tröstete sich wieder, daß nie⸗ mand ganz und überall für den anderen sorgen könne. Und sie hoffte, es würde ihm gut tun, daß er sich selber forthelfe. Als es schon Nacht war, ging sie in ihre Kammer, wusch sich aufs neue, zöpfte sich frisch und kleidete sich nochmals an, als ob es Morgen wäre, und mit dieser seltsamen Verdoppe⸗ lung des neuen Tages begann ihr fast nochmals ein neues Erwachen. Als alles schlief, ging sie noch einmal hinüber zur schwar⸗ zen Marann; und ohne Licht saß sie stundenlang bei ihr an dem Bette in der dunklen Stube; sie sprachen davon, wie das sei, wenn man einen Menschen draußen in der Welt habe, der doch ein Stück von einem sei, und erst als die Marann eingeschlafen war, schlich sich Barfußele davon. Sie nahm aber noch den Kübel und trug Wasser für die Marann und legte das Holz auf den Herd und so geschichtet, daß es am anderen Morgen nur angezündet zu werden brauchte. Dann erst ging sie nach Hause. Was ist Wohltätigkeit, die in Geldspenden besteht? Eine in die Hand gelegte Kraft, die wiederum von ihr entäußert wird. Wie anders ist es, die eingeborene Kraft selbst ein⸗ zusetzen, ein Stück Leben hinzugegeben und noch dazu das einzige, das verblieben ist. Die Stunden der Ruhe, die Sonntagsfreiheit, die Bar⸗ füßele gegeben war, opferte sie alle der schwarzen Marann und ließ sich dabei noch zanken und schelten, wenn sie etwas gegen die Gewohnheit der Eigenbrödlerin getan hatte; es fiel Barfüßele im ganzen Dorfe dafür angesehen war, daß sie ihr nicht ein dabei zu denken oder gar zu sagen: wie könnt Ihr mich noch zanken und schelten über etwas, was ich uch schenke? Ja, sie wußte kaum mehr, daß sie dieses tat. Nur wenn sie an Sonntagsabenden bei der Vereinsamten still vor dem Hause saß und zum tausendstenmal gehört hatte welch ein schmucker Bursch der Johannes am Sonntage gewesen sei, und wenn dann die jungen Burschen und Mädchen durch das Dorf zogen und allerlei Lieder sangen, da wurde sie etwas davon gewahr, daß sie hier saß und ihre Lustbarkeit opferte, und leise vor sich hin sang sie die Lieder mit, die von Wandelnden im Verein gesungen wurden; aber wenn sie die Marann ansah, hielt sie inne, und sie dachte darüber nach, wi es doch eigentlich gut wäre, daß der Dami nicht mehr im Dorfe sei. Er war nicht mehr die Zielscheibe allgemeiner Neckerei, und wenn er zurückkam, war er gewiß ein ft vor dem alle Respekt haben mußten.. An Winterabenden, wenn im Hause des Rodelb gesponnen und gesungen wurde, da allein durfte Bar mitsingen, und obgleich sie einen hellen lauten Ton hatte, sie sich dazu herbei, fast immer die zweite Stimme zu singen, Die Rosel, des Rodelbauern noch ledige Schwester, die ein Jahr älter als Barfüßele war, sang immer die Stimme, und es verstand sich von selbst, daß auch die Stin Barfüßeles ihr dienen mußte, wie denn überhaupt die eine stolze und schneidige Person, das Barfüßele durchaus als Lasttier im Hause betrachtete und behandelte; allerdings weniger vor den Leuten als im geheimen. Und eben 0 5 Hauswesen des Rodelbauern wacker angriff und alles imstan hielt, war es eine Hauptangelegenheit der Rosel, sich bei den Leuten zu berühmen, wie viel Geduld man mit dem Bar⸗ füßele haben müsse, wie ihm die Gänsehintin in allen Stücken nachginge, und wie sie es als ein Werk der Barmherzigkeit betrachte, das Barfüßele nicht so vor den Augen der 5 scheinen zu lassen, wie es eigentlich sei. 1 (Fortsetzung folgt.) Hessen und Nachbargebiete. Gießen und Umgebung. 1 Die Butterversorgung. 9 Die Sorgen um eine gerechte Verteilung der Butter zi erschwinglichen Preisen belasten nach wie vor weiteste Kreise der Bevölkerung. Es ist ganz gewiß richtig, daß, wie 11 0 eine offiziöse Auslassung uns belehrte, die Sorge Af Butter in keinem Verhältnis steht zu der Sorge wegen 7 0 5 rer Entbehrungen, die während eines Krieges eine 11 0 Notwendigkeit blieben. Aber diese sehr bilige Weisheit übersah, daß der Buttermangel nur ein Teil des allgemeiner Jettmangels ist, der sich in der Herstellung aller Speisen 1 fühlbar macht und beim Kochen und Braten keinerlei Ersatz finden kann. Es wurde auch weiter geflissentlich überse 515 daß die Bevölkerung gerade wegen des Buttermangels in e große Unruhe gekommen ist, weil sie hierfür in keiner Weise zureichende Gründe sah und von keiner Stelle bisher belehrt worden ist. Im Gegenteil, das allgemeine Publikum durfte gerade seit dem Hochsommer auf umso größere Produktion von Butter rechnen und zu billigen Preisen als erschwinglich erwarten, da die fleischlosen Tage den allgemeinen Butter⸗ konsum einschränken mußten und das Verbot von Sahne und Schlagsahne einen direkten Einfluß auf das Butterquantum die Nervosität der Bevölkerung besonderen der 1 Frauen, die die Sorgen und Pflichten der Hauswirtschaft a u gen ganz anders zu tragen haben, als die Männer, auf das erheb— Nei an lichste steigerte. mn Es kommen auch kleinere Uebelstände, besonders in den t werd Großstädten, hinzu, die die Regelung der Butterversorgung zu einer dringenden Aufgabe der Gegenwart machen. In den Großstädten müssen z. B. Frauen und Kinder stundenlang e in e vor den Butterläden stehen bis sie ihr viertel Pfund Butter te 2 8 7 912 Pf e Leib einkaufen können. Wenn mehrere Familienmitglieder je ein niche arri viertel Pfund erobert haben, so zeigt sich vielfach, daß vier viertel Pfund nicht ein ganzes Pfund ausmachen, sondern N um 40 bis 60 Gramm Butter weniger darstellen. Solche Begleitumstände verschärfen die üble Laune und lassen die Schuld der Regierung wegen der viel zu späten und noch höchst unvollkommenen Ordnung der Butterversorgung um so stärker empfinden. Die Regierung hat nun infolge dieser Zustände und ihrer Wirkungen durch die Verordnung vom 8. Dezember erheblich schärfer eingegriffen. Sie geht endlich, wenn auch noch höchst unvollkommen und schüchtern, an die teilweise Beschlagnahme der Milch- und Butterproduktion heran und an die so bitter notwendige zwangsweise Organi⸗ sation der Produktion. Die großen Molkereien sind jetzt verpflichtet, monatlich bis zu 15 Proz nt der im Vormonat hergestellten Buttermenge der Zentral-Einkaufsgesellschaft zu überlassen. Die Zentraleinkaufsgesellschaft darf die Butter nux an Gemeinden und an die vom Reichskanzler bestimmten Stellen geben, um die Privatspekulationen auszuschließen. n d Freisinnig uservatie Rates nit n immer dl arligen v mungen ae Das ist wie angedeutet, nur ein höchst bescheidener Anfang in der organisierten Beschlagnahme und Verteilung, deren umfassendste Durchführung allein eine gerechte und verhält⸗ nismäßig billige Butterversorgung gewährleistet. Die Organisation der Butterverteilung ist auch noch im Anfang stecken geblieben. Die neue Verordnung gibt den Gemeinden nur die Berechtigung und die Pflicht erst auf Anordnung der Landeszentralbehörden, den Verbrauch von Butter durch — PBautterkarten zu regeln. Es ist leider sehr zweifelhaft, ob die Landesbehörden überall Butterkarten vorschreiben werden und erst recht zweifelhaft, ob die Gemeinden es. sich aus tun werden. Ohne Butterkarten aber bleibt nach wie vor die Größe des Geldsacks für die Größe des Butterver⸗ brauchs maßgebend. Der Reiche kann sich immer noch durch offene und heimliche Wege für viel Geld viel Butter beschaf⸗ fen. Hiergegen helfen nur obligatorische Butterkarten, die de se r Hand in Hand mit einer zwangsweiser Organisation der eit l Butterproduktion die Buttkerversorgung der Bevölkerung allein endgültig regeln können. N 5 55 5 42 K 2 Gemüsehöchstpreise— Gemüsemangel. Für Groß⸗Berlin sind vor einiger Zeit Höchstpreise für Gemlüse sestgesetzt worden, die am 13. Dezember in Kraft e ee Nun sind wir ja in dieser Hinsicht nicht mehr verwöhnt und 15 1 uns zwar nicht damit abgefunden, wohl aber e nen milssen, daß notwendige Lebensmittel, die vorher au 1 t in jeder beliebigen Menge zu haben waren, in demselben 0 5 knapp werden, wo Höchstpreise dafür eintreten. Su 1 es 10 N 9 Butter, so war es mit dem Schweinefleisch und so ist es 1 5 Gemüse. Kaum graute der trübe Wintertag, 1 10 preise für Gemüse ihre Geltung beginnen, da ga e 1015 so vollen Verkaufsstellen der Gemüsehändler öde Fes. e mit einem Schlage das ganze im Verpflegungskreis 1115 1 hauptstadt wachsende Gemüse vernichtet worden wäre. i war doch nichts anderes geschehen, als daß die Preise e 11 liches Maß zurückgeführt worden waren! Noch im 5 1 pig konnte die Berliner Konsumgenossenschaft hi e N 15 verkaufen, die jetzigen Höchstpresse betragen bis 1 07 Gemüse ein Viertel bis ein Sechstel mehr. Auch für die ande an nien sind die vom Bundesrat festgesetzten Preise e eee 191 sie schwanken nach unten und oben um den Dez 1 Man glaube auch nicht etwa, daß wir in bezug auf 9 0 7 11 2 ausländischer Einfuhr abhäugig gewesen wären 15 e Einfuhr von 41 000 Tonne. b Ausfuhr von 246 000 Tonnen. Wenn auch bei i 1 kohl das Verhältnis ein umgekehrtes war, 5 11 0 Nene 19 0 nicht, baß auf einmal seh. bieser Mangel in so aufsän l setzung von Höchstpreisen zusammenfällt, daß 1 hang zwischen beiden Tatsachen niemandem verbergen man mit Nun liegt im Vergleich zu anderen Produkten, bei d len 3 — Gießen, Mittwoch, den 15. Dezember 1915. müse ja zumeist von kleinen Produzenten in geringeren Mengen angebaut wird und daß es für die Beschlagnahme kaum möglich 1 würde, alle diese Kleinen zu erfassen. Aber hier müßte die Lösung eben auf dem Wege der Zwangsorganisation zu Genossen⸗ schaften der Gemüsegäntner usw. gesucht werden und der Staat müßte sich statt an den einzelnen, an diese Zwangsorganisationen halten. Es ist das ein Weg, der zwar ungewöhnlich, aber für uns im Kriege durchaus nicht neu ist. Wir haben in den größten Industrien die Zwangssyndizierung erlebt, möge man sie nun auch hier im Interesse der Volksernährung versuchen. Der Kriegsausschuß für Konsumenteninteressen schreibt uns zu Frage der Gemüseteuerung: 5 Was die Einsuhr von Gemüse anbetrifft, so hatten wir 1913, also unter normalen Verhältnissen, eine Einfuhr von 41 145 Tonnen Weißkohl, dem eine Ausfuhr von 246 164 Tonnen gegenübersteht. Da diese Ausfuhr in diesem Jahre nicht stabtgefunden hat, resp. nicht in dem Umfang, so läßt sich für den Inlandkonsum ein Ge⸗ winn von rund 200 000 Tonnen ananehmen. Bei Rot⸗ und Wirsing⸗ kohl übersteigt die Einfuhr die Ausfuhr. Wir erhielten 205 741 Tonnen in der Einfuhr und gaben 20689 in der Ausfuhr hinaus. Wird uns jetzt die Einfuhr durch einen angeblich zu niedrigen Preis unterbunden, so wird es gut sein, hier allein nicht das Urteil des Großhandels als maßgebend zu erachten. Es wird notwendig sein, der nehmen. Die Mißstimmung des Großhandels gegen ist so groß, daß die Beurteilung der Geschäftslage durch ihn leicht irreführen kann. Versagt der Handel, so muß die Gemeindever⸗ waltung eintreten, denn es darf nicht die Festsetzung mäßiger Höchstpreise durch den Unwillen des Handels in Frage gestellt werden. Größere Fürsorge für Mutter und Kind. Unserem Breslauer Parteiorgan wird geschrieben: Die während des Krieges eingeführte Reichswochenhilfe hat nach mehrfachen Ergänzungen, die nötig wurden, durch Verordnung vom 23. April 1915 ihre jetzige Gestalt bekom⸗ men. Sie hat zweifellos viel Gutes gewirkt und zur Besserung der Gesundheitsverhältnisse beigetragen, besonders zur Minde⸗ rung der Säuglingssterblichkeit. Umsomehr-erscheint bei den noch vorhandenen Unzulänglichkeiten ihre weitere Aus⸗ gestaltung erwünscht. Der Reichstag wird sich in seiner jetzigen T mit i Tagung verschiedenen hierauf gerichteten An⸗ trägen und Eingaben zu befassen haben. Neben solchen An⸗ trägen aus der Mitte des Reichstages, die u. a.— in Ueber⸗ einstimmung mit einer vom Deutschen Bunde für Mutter⸗ schutz überreichten Eingabe über Schwangerenhilfe— eine Ausdehnung der Unterstützungszeit von acht auf zwölf Wochen verlangt, ferner die Erhöhung der Wochen- und Still⸗ gelder und die Erstreckung der Wochenhilfe auf al le minder bemittelten Wöchnerinnen, liegt auch eine weitere Eingabe des Bundes für Mutterschutz dahin vor, die gesetzliche Familienunterstützung auch den„naseituri“, d. i. den er⸗ warteten Kindern zukommen zu lassen. Den Müttern, bei denen die Schwangerschaft einwand⸗ an für das erwartete Kind die gleiche Unterstützung wie für ein bereits vorhandenes Kind unter 15 Jahren gewährt we den. Die bisherige Berücksichtigung der nascituri im Zivil⸗ und Strafrecht müsse ebenfalls auf die soziale Fürsorge be⸗ reits vor der Geburt erstreckt werden. Vom vierten Monat der Schwangerschaft an erhöhen sich die Bedürfnisse der Schwangeren, zugleich vermindern sich Arbeitsfähigkeit und Arbeitsgelegenheit. Dieser doppelten Notlage sei zum Wohle des kommenden Geschlechts durch die Unterstützung für die nascituri abzuhelfen. Es kann nur gewünscht werden, daß der Reichstag diesen wohlbegründeten Eingaben recht bald zustimmt und die Re— gierung auch. r⸗ Ueber siebzehn Millionen eiserne„Sechfer“ im Umlauf. Nicht weniger als 17 160 760 Stück eiserne Fünfpfennig⸗ Stücke sind im Monat November in den deutschen Münzstätten zur Ausprägung gelangt und in Umlauf gesetzt worden. Diese gewaltige Zahl entspricht der Summe von 858 038 Mark. Nach amtlicher Auskunft wurden bisher im Monat Dezember ründ eine Million dieses Kriegsgeldes hergestellt und in den Verkehr gegeben. In die Sammlungen der Münz⸗ freunde dürften etwa eine Million Stück abgewandert sein. — Nahrungsmittel⸗Versorgung. Wie wir hören, hat die Stadt amerikanischen Speck und Dörrfleisch beschafft, das in einigen Tagen bei den städtischen Verkaufsstellen abgegeben werden soll. Näheres wird darüber noch bekannt gegeben werden, — Plötzlicher Tod. genosse Georg Stock aus Am Montag früh ist unser Partei—⸗ Rödgen bei Bad Nauheim plötz⸗ lich am Herzschlag gestorben. Er war hier in Gießen als Landsturmmann und sollte ins Feld verladen werden. Er hinterläßt die Wiswe und zwei Kinder. Die Parteiorgani— sation verliert an ihm ein langjähriges, tüchtiges Mitglied. — Veränderte Rechtsbegriffe. Während der Kriegszeit kann als Verbrechen gelten und schwer bestraft werden, was man sonst als menschenfreundliche und lobenswerte Tatsache anugesehen hätte. So hatte sich vor dem Frankfurter Schöffengericht die 57jährige Ehefrau Klara Bernstein wegen Vergehens gegen eine Verordnung des Generalkommandos über das Verhalten zu Kriegsgefangenen zu verantworten. Frau Bernstein ist eine ge⸗ borene Engländerin, hat aber durch Heirat die deutsche Nationgli⸗ tät erworben. In Preun gesheim, wo sie wohnt, lernte sie in dem Gemüseladen eines Gärtners einen englischen Kriegsge⸗ fangenen kennen, der dem Gärtner als Feldarbeiter Dienste leistete. Diesem Kriegsgefangenen hat Frau Bernstein gelegentlich Kuchen, Zigaretten, auch ein Schnäpschen gegeben, serner einmal eine Nummer der Morning Post und schließlich einen Zivilanzug und einen Ueberzieher. Zu der Hingabe der Kleider war sie bewogen worden, weil die Gärtnersfrau gesagt hatte, der Mann friere immer so, er habe so schlechte Kleider. Daß sie dem Kriegsge— fangenen damit die Flucht ermöglichen könne, daran hatte sie nicht gedacht. Der Mann ist ja auch nicht geflohen. Da das Gesetz über den Belagerungszustand von 1851, auf das sich die Verord⸗ mung gründet, nur Gefängnisstrase zuläßt, so beantragte der Staatsanwalt einen Tag Gefängnis. Die Angeklagte habe nicht aus unedlen Motiven gehandelt, auch halte er ihr Verhalten diecht sagen kann, daß Höchstpreise leichzeitiger Beschlag⸗ f nahme wirksam sein können, die darin, daß nur bei g K Schwierigleit das Ge nicht für ehrlos, deshalb erscheine die geringste gesetzliche Strafe daß die Stadtverwaltungen selbst den Ankauf im Ausland vor⸗ die Höchstpreise frei festgestellt ist, soll vom Beginn des vierten Monats eine Anzahl von wig allein in der Wohnstube, als durch aus den Ofen schlugen und die Kleider des ausreichend. Der Vexteidiger Rechtsanwalt Dr. Sinzheimer ersuchte das Gericht, im Urteil zu erklären, daß es„mit Be⸗ dauern“ auf Gefängnisstrafe erkenne. Eine Deutsche, die in Eng⸗ land so gegen einen deutschen Kriegsgefangenen handle, würden wir preisen. Das Gericht aber faßte die Sache streugeer auf. Auch die Spionage werde, wenn sie von Landeskindern für das eigene Land betrieben werde, nicht aus unedlen Motiven betrieben und doch schwer bestraft. Miß Cawell z. B. habe vom englischen Stand⸗ punkte durchaus nicht unedel gehandelt und doch sei sie mit Recht nach Kriegsgesetz von uns bestraft worden, Schon um des Exempels willen hätte das Gericht über den Antrag des Staats⸗ anwalts hinausgehen mlissen. Ein Monat Gefängnis er⸗ scheine als geeignete Sühne. — Vierzig Milliarden Kriegsauleihen. Wie bereits mitgeteilt, ist dem Reichstage eine neue Kriegskreditvor lage über 10 Milliarden Mark zugegangen. Mit dem Ertrag der letzten Kriegsanleihe sollten laut Frklä g des Reichsschatzsekretärs die Kosten der deutschen Kriegsführung bis zum Frühjahr gedeckt sein. Die Forderung des neuen Kriegskredits bedeutet, also, wie den Blättern mitgeteilt wird, eine Vorsichtsmaßregel. Die bisher vom Reichstag bewilligten Kriegskredite waren: am 4. August 1914 5 Milliarden Mark, am 2. Dezember 1915 5 Milliarden Mark, am 20. März 1915 10 Milliarden Mark, am 20. August 1915 10 Mil⸗ liorden Mark. Mit der neuen Forderung von 10 Milliarden er⸗ reichen also die Kriegskredite die Summe von 40 Milliarden. Das sind 40000 Millionen Markl. Die französische Kriegs⸗ entschäbigung von 1870, die damals als ungeheuer groß galt, betrug bekanntlich nur vier Milliarden!— Die Gesamtsum me der von allen Staaten mit Einschluß der Neutralen aufgenommenen Kriegsanleihen beträgt jetzt ungefähr 130 Mill iarden Framk, eine Summe, von deren Größe man sich kaum eine Vorstellung machen kann. Wie die Zinsen für diesen noch nie dagewesenen Riesenpump aufgebracht werden sollen, weiß heute auch noch kein Mensch zu sagen. — Vernagelte Denkmäler. In vielen Städten hat man soge⸗ nannte„Kriegswahrzeichen“ errichtet. Das sind Figuren irgend⸗ welcher Art in Holz geschnitzt, in welche dann Nägel eingeschlagen werden. Jeder, der sich das Vergnügen machen will, einen Nagel hineinzuklopfen, muß natürlich dafür bezahlen, der Zweck ist, damit Geld zu sammeln für irgend eine wohltätige Sache, in der Hauptsache für die Kriegsfürsorge. Durch das Mittel der „Nagelung“ sucht man die Sammlung erfolgreicher zu gestalten, etwa wie durch Feste oder Bälle die Wohltätigkeit anzuregen gesucht wird. Wer für irgend eine Sache etwas opfer will, sollte einer derartigen Anregung nicht bedürfen; warum denn nicht einfach seinen Obolus hingegeben, warum muß der„Opfersinn“ erst durch eine Spielerei geweckt werden? Es heißt, daß auch in Gießen der Plan erörtert werde, ein„Kriegswahrzeichen“ zu errichten. In welcher Form es geschehen soll, ruht, noch in der Zukunft Schoß. Wir sehen aber wirklich keinen Grund dafür, warum wir anderen Städten Geschmacklosigkeiten nachäffen sollen. Denn um solche handelt es sich bei den vernagelten Denkmälern. In diesem Sinne hat sich auch die Berliner Akademie der Künste in einem Schreiben an den Oberbürgermeister von Wilhelmshaven ausgesprochen. Es heißt darin:„An zahllosen Stellen in Deutschland sind Nagelungen von Standbildern und Wahrgeichen zur Sammlung von Mitteln für die Kriegshilfe vorgenommen worden, und es läßt sich vom künst⸗ lerischen Standpunkt aus schließlich wenig gegen die Fälle ein⸗ wenden, bei denen es sich um ein gauß einfaches Gebilde, ein Eisernes Kreuz, Titren, symbolische oder heraldische Wahrzeichen usw. handelt. Etwas künstlerisch ganz Unmögliches ist aber die Benagelung von Porträtstatuen. Das Beispiel des Hindenburg⸗Kolosses in Berlin sollte allen anderen Städten warnend vor Augen stehen. Es ist doppelt traurig, daß gerade die Ereignisse unserer großen Zeit einen Niederschlag in so minderwertigen Erzeugnissen untergeord⸗ neter künstlerischer Kräfte gefunden haben, und es wäre tief be⸗ klagenswert, wenn der Geschmack des Publikums durch solche Ver⸗ irrungen noch mehr verwirrt und verbildet werden sollte.“ Reisen in die besetzien feindlichen Gebiete. Reisende Privat⸗ personen werden darauf aufmerksam gemacht, daß bei Reisen nach den besetzten feindlichen Gebieten im Westen und Osten neben dem polizeilich abgestempelten Personalausweis oder Paß ein Passier⸗ schein erforderlich ist, welcher auf schriftliches Ersuchen durch das stellvertretende Generalkommando, in dessen Bereich der Gesuch⸗ steller wohnt, ausgefertigt wird. — Oberhessischer Kunstverein. In der Gemäldeausstellung im Turmhause am Brand ist die erst seit einigen Tagen ausgestellte kleine Sammlung graphischer Arbeiten von Daniel Greiner um künstlerischen interessanten Werken bereichert worden. Außerdem haben einige reizvolle Batikarbeiten von Minna Weber⸗Lich Aufstellung gefunden. Die Ausstellung ist täg⸗ lich von 11—3 Uhr geöffnet. Von Nah und Fern. — Verbranntes Kind. In Hanau befand sich am Sonntag das 3½ Jahr alte Mädchen des im Felde stehenden Formers Hart⸗ den Sturm die Flammen Kindes ergriffen, das gerade vor dem Ofen stand. Im Nu war das Kind von den Flam⸗ men eingehüllt und seine auf das Schreien schnell herbeigeeilte Mutter fand es am ganzen Körper mit Brandwun den bedeckt vor. Am Sonntag nachmittag starb es unter furchtbaren Schmerzen. Die alte Geschichte. In Dietzenbach, Kr. Offenbach, wurde am Sonntag die 19jährige Tochter eines dortigen angesehenen Bürgers wegen Kindesmords verhaftet. Durch verschiedene um⸗ laufende Gerüchte war die Polizei aufmerksam geworden und am Samstag war Kriminalkommissar anwaltschaft Darmstadt dort, um nähere Ermittelungen anzu⸗ stellen. Man durchsuchte das ganze Haus, die Gruben usw. und fand schließlich die Kindesleiche im Garten vergraben. Schließlich. gestand das Mädchen ein, vor etwa drei Wochen heimlich ohne Wissen ihrer Angehörigen einem Kinde weiblichen Geschlechts das Leben geschenkt und es daun vergraben zu haben. Bluttat eines Wahnsinnigen. In einer Apotheke in Neu⸗ kölln überfiel am Montag nachmittag der Jährige Propisor Siegfried Andresen in nervösem Zustand den 63jährigen Provisoy Max Grosse und stach ihm ein Messer in den Hals. Grosse ist lebensgefährlich verletzt. Andresen hat die Tat vermutlich in einem Anfall von Verfolgungswahnsinn verübt. Daniel im Auftrag der Staats⸗ Die Marktpreise für Vietz und Frucht. und die Gießener Fleisch⸗ und Brotpreise am 13. Dezember 1915 Schlachtoiehpreise in 2. Ira 1 755 1 M. Fleischpreise in Gießen Ochsen 50 kg Schlachtgewicht 128140 M.“ ½ Kk 9 120—124 Pfg. Külber ½„ 5 85—138 Pf! ½„ 120—124 Schweine ½„ 1 78—129„ 9„ 150 000 5 Getreidepreise in Mannheim. Brotpreise in Gießen Weizen 0 00* öchstpreis][ Weißbrot 2g— Pfg. Roggen„„ 23.00„ Höchstpreis] Schwarsbrot 2, 68„ 5 Keichstag. 238. Sitzung. Dienstag, den 14. Dezember, nachmittags 2 Uhr. Am Bundesratstische: Jagow, Helfferich u. a. Auf der Tagesordnung stehen zunächst An des Ab Liebknecht(Sch.. g stehen zunächst Anfragen 90. b Anfrage 1: ga) Ist die Regierung bei entsprechender Bereitschaft der übrigen Kriegführenden bereit, auf der Grundlage des Verzichts auf Annexionen aller Art in sofortige Friedensverhandlungen einzutreten? b) Auf welcher sonstigen Grundlage ist die Regierung bereit, in sofortige Friedensverhandlungen einzutreten? Staatssekretär des Auswärtigen Amts von Jagow beginnt irr⸗ tümlicherweise mit der Verlesung der Antwort auf eine spätere Anfrage des Abg. Liebknecht.(Heiterkeit.) 1 5 wird folgende Antwort auf die erste Anfrage erteilt: Nach den Verhandlungen vom 9. d. M. muß ich es ablehnen, auf die Frage zu antworten. Abg. Dr. Liebknecht erbittet das Wort zu einer Ergänzung der Anfrage. Welches Verhalten gedenkt die Regierung einzuschlagen gegenüber dem Friedensvorschlag einer neutralen Regierung, wie er jetzt von der Schweizer Sozialdemokratie beim Schweizer esrat...(Unruhe und Zurufe.) Präsident Dr. Kaempf: Das ist keine Ergänzung, sondern eine neue Anfrage, die nicht zulässig ist. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.) verliest nun die Anfrage 2: Ist die Regierung endlich bereit, die Dokumente und das eng amtliche und halbamtliche Material über die unmittel⸗ bare Entstehung des Weltkrieges, insbesondere „„) über die diplomatische Vorgeschichte des österreichischen AUltimatums an Serbien vom 23. Juli 1914, darunter die offiziellen und offiziösen Verhandlungen zwischen der dbdeeufschen und der österreichischen Regierung seit dem Mord von Serajewo, 5) über die Vorgeschichte des Bruchs der luxemburgischen und 1 belgischen Neutralität, dem Reichstag und dem deutschen Volk vorzulegen? Ist sie be⸗ reit, für die sofortige Einsetzung einer parlamentarischen Unter⸗ ungskommission einzutreten, die unter Kontrolle der Oeffent⸗ lichkeit die Verantwortlichkeit prüfe und die Verantwortlichen der Sühne zuführen soll? Staatssekretär v. Jagow: Das erforderliche Material für die Beurteilung der Entstehung des Weltkrieges und die Neutralitäts⸗ frage ist bereits veröffentlicht. Die Regierung wird aber auch fernerhin über wichtige diplomatische Verhandlungen Veröffent⸗ lichungen vornehmen, soweit ihr dies für die Aufklärung der Oeffentlichkeit erforderlich erscheint. Für die Einsetzung einer par⸗ lamentarischen Kommission einzutreten lehnt die Regierung ab. Die Verantwortlichkeit und die Sühne treffen nur unsere Gegner. Abg. Dr. Liebknecht erbittet das Wort zur Ergänzung.(Heiter⸗ keit.) Ist die Regierung bereit, das gesamte amtliche dokumenba⸗ rische Material sofort vorzulegen? 5. 4 Staatssekretär v. Jagow: Ich habe nichts hinzuzufügen. Abg. Liebknecht(Soz.): Zur Ergänzung!(Große Heiterkeit und Unruhe.) Ist dem Herrn Reichskanzler bekannt, daß nach am 5. Dezember v. J. gemachten Aeußerung des früheren italienischen neutralistischen Ministerpräsidenten Giolitti Oester⸗ ich schon im Jahre 1913.(Stürmische Unruhe und Zurufe.) Präsident Kaempf: Das ist eine neue Anfrage. Wir gehen über 1 175 nächsten Anfrage. 2 bg. Dr. Liebknecht(Soz.): Ich habe nach§ 31 der Geschäfts⸗ ordnung das Wort zu einer Ergänzung der vorigen Anfrage noch 4 äsident Kaempf: Sie haben schon zwei Ergänzungen ge⸗ Abg. Dr. Liebknecht: Die Geschäftsordnung sieht keinerlei Ein⸗ schränkungen vor.(Unter großer Unruhe des Hauses verliest der Redner eine weitere Ergänzung, die auf der Tribüne unverständ⸗ lich bleibt.) l 5 5 Präfident Kaempf: Auch das ist keine Ergänzung, sondern eine neue Anfrage.— Haben Sie noch eine Ergänzung zu diefer Anfrage? Stärnn che Heiterkeit) Wir kommen dann zur nächsten Anfrage. „ Anfrage 3. i a) Ist der Regierung bekannt, daß die Masse des deutschen Volkes die maßgebende Bestimmung über die auswärtige Politik Deutschlands für sich beansprucht, d. h. die Ersetzung der Geheim⸗ Diplomatie durch eine unter dauernder Kontrolle der Oeffentlich reit e auswärtige Politik und deren allgemeine Demokrati⸗ sierun 8 50 11 die Regierung bereit, dem Reichstag noch während des 5 fetzigen Tagungsabschnittes einen Gesetzentwurf vorzulegen, der 5 Nee Forderung erfüllt und die Entscheidung über Krieg und Frieden der Volksvertretung überträgt? Staatssekretär v. Jagow: Die Regierung ist nicht bereit, den Wünschen des Herrn Abg. Liebknecht zu entsprechen und eine hier⸗ flür erforderliche Verfassungsänderung vorzuschlagen. Damit erledigt f auch der erste Teil der Anfrage.(Abg. Liebknecht: Neuorien⸗ tierung!) 5 Anfrage 4. n Weiß die Regierung, in welch schwerer wirtschaftlicher Not sich die Masse des deutschen Volkes infolge des Krieges, der Gewinn⸗ sucht kapitalistischer Interessengruppen und des Versagens der Re⸗ gierung befindet? Ist die Regierung endlich bereit, zur Steuerung dieser t bei energischer Steigerung der allgemeinen Kriegsfür⸗ sorge ohne weiteres Zögern, unter Beiseiteschiebung aller Sonder⸗ imteressen die erforderlichen Schritte zur ausreichenden Versor⸗ g der Bevölkerung mit Lebensmikteln(Nahrung, Kleidung, Kinterkunft, Heizung, Beleuchtung) zu tun, und zwar durch Rege⸗ lung der Produktion nach den Interessen der Allgemeinheit, durch e mae der Vorräte und ihre gleichmäßige Verteilung auf die Gesamtbevölkerung, so zwar, daß sie den Bedürftigen bei ein⸗ fachster und weitherzigster Prüfung der Bedürftigkeit, unter scharfer Anspannung öffentlicher Mittel, aber unter grundsätzlicher Aus⸗ schaltung der Armenfürsorge auf diesem Gebiete, kostenlos oder zu leicht erschwinglichen Preisen in ausreichender Menge zur Ver⸗ fügung stehen? Ministerialdirektor Lewald: Der Herr Reichskanzler lehnt die Beantwortung der Frage ab. a Abg. Liebknecht(Soz.): Zur Ergänzung!(Große Heiterkeit.) Erkennt die Regierung an, daß nach den bisherigen Erfahrungen die allgemeine Beschlagnahme der Vorräte. hört!) 125 Präftdenk Kaempf: Das ist keine Ergänzung, sondern eine neue nfrage. h Lielknecht: Ich erbitte das Wort zu einer anderen Er⸗ gänzung.(Große Unruhe und Heiterkeit.) Wird die Regierung die Beschlüsse der Bud 98 in der Richtung dieser Forderungen möglichst früh durchführen? f K Ministerialdirektor Lewald: Ich lehne namens des Herrn Reichs⸗ kanzlers die Beantwortung dieser Ergänzungsfrage ab. Anfrage 5. a) Welchen Begriff verbindet die Regierung mit dem Wort „Neuorientierung“ der inneren Politik? 92 1 b) Hat sie ein konkretes Programm zu diefer Neuorien⸗ 7 ng? N Welches ist dieses Programm im einzelnen? d) Wann gedenkt die Regierung es zu verwirklichen? e) Ist die Regierung bereit, noch im Laufe des jetzigen Ta⸗ gungabschnittes oder wann sonst die erforderlichen Vorlagen zur Demokratisierung von Verfassung, Gesetzgebung und Verwaltung des Deutschen Reiches und seiner Einzelstaaten, insbesondere zur Reform des Wahlrechts für die gesetzgebenden und Verwaltungs⸗ körperschaften und zur Demokratisierung der Wehrverfassung zu machen? N Ministerialdirektor Lewald: Der Herr Reichskanzler lehnt die Beantwortung auch dieser Frage ab. 8 Abg. Liebknecht(Soz.): Zur Ergänzung!(Große Unruhe.) Wie stellt sich die Regierung zur Frage der preußischen Wahlreform? (Stürmische Heiterkeit rechts.) Das ist eine Frage, die das ganze deutsche Volk...(Andauernde große Unruhe.) 5 5 Präsident Dr. Kaempf: Das ist keine Ergänzung, sondern eine neue Anfrage. Damit sind die kurzen Anfragen erledigt. Es folgt die erste Beratung des Nachtrags zum Reichshaushaltetat mit dem neuen 10⸗Milliardeu⸗Kredit. Staatssekretär Dr. Helfferich: Erneut wird ein Kriegskredit von 10 Milliarden verlangt. Unsere Feinde phantasieren noch immer von der Zerschmetterung und Ver⸗ nichtung Deutschlands und deshalb sollen die geforderten Kredite uns die finanzielle Bewegungsfreiheit für die Weiterführung des uns aufgedrungenen Daseinskampfes geben. Die monatlichen Kriegs⸗⸗ kosten belaufen sich auf etwa 2 Milliarden; deshalb ist der größte Teil der im August bewilligten 10 Milliarden heute bereits veraus⸗ gabt, eine Auffüllung der Kredite ist erforderlich, wenn wir nicht in wenigen Wochen in unserer Bewegungsfreiheit beschränkt werden sollen. Mit den neugeforderten 10 Milliarden werden die Bewilli⸗ gungen die Höhe von 40 Milliarden erreichen. Man kann eine solche Summe dem Verständnis nicht nahebringen; sind doch in den ge⸗ samten deutschen Eisenbahnen mit allem rollenden Material kaum mehr als 20 Milliarden investiert. An dieser ungeheuren Belastung der Allgemeinheit mag der einzelne ermessen, welche Opfer seine staatsbürgerliche Pflicht von ihm verlangt. Aber unsexe bisherigen Leistungen auf finanziellem Gebiete bieten uns die beste Gewähr für das gute Ende. Der kategorische Imperativ der Vaterlandsliebe und der Pflichterfüllung feiert in den aufgebrachten Milliarden Triumphe.(Bravo!) Mehr als 4 Millionen Zeichner haben sich an der letzten Kriegsanleihe beteiligt, darunter 3 Millionen mit einem Einkommen nur bis zu 3000 M.(Hört! hört!) Die Anleihe ist also eine Volksanleihe im wahrsten Sinne des Wortes.(Beifall.) Wir haben die Voltsanleihe gemacht, die die Engländer machen wollten, aber nicht machen konnten. In England wurden in Monaten Millionen gezeichnet, bei uns in Wochen Milliarden. Bei den bisherigen Einzahlungen wurden am ersten Tage be⸗ reits 875 Milliarden oder 70 Proz. des gesamten Betrages gegen⸗ über einer Pflichtzohlung von nur 30 Proz. gezahlt.(Hört! hört!) Heute belaufen sich die Einzahlungen auf mehr als 10,6 Milliardea, sind also der Pflichtzahlung um 4 Milliarden voraus.(Hört! Das beweist, wie leicht die 9. Volkswirtschaft die Her⸗ gabe solcher Kapitalien bewerkstelligen kann. Dabei sind die Dar⸗ lehnskassen für die Kriegsanleihe nur in ganz geringem Umfange in Anspruch genom worden. Unsere Sparkassen zeigen ein sehr er⸗ freuliches Bild, N der Depositenbestand unserer Bankea. Trotz der Einzahlung auf drei Kriegsanleihen sind die Einlagen bei ihnen heute höher als vor Jahresfrist.(Hört! hört!) Der Stand der Reichsbank ist nach wie vor günstiger als bei irgendeiner der Zen⸗ tralbanken in einem der kriegführenden Länder. Die Feinde ver⸗ urteilen uns freilich täglich viermal zum Bankerott, wie sie ja auch aus den Erfolgen unserer Waffen uasere endgültige Niederlage pro⸗ phezeien.(Heiterkeit und Sehr gut!) Typisch dafür ist die englische Schrift„Das britisch⸗deutsche Finanzwesen“, deren Verbreitung bei uns die Zensur verhindern wollte. Ich habe natürlich angeordnet, daß die Zensur der Verbreitung dieser Schrift keine Hindernisse in den Weg legt.(Sehr gut!) Auch in den neutralen Ländern sucht man mit einem Eifer, der einer besseren Sache würdig wäre, unsere finan⸗ zielle Situation als möglichst schlecht zu schildern. Immer wieder wird das Märchen verbreitet, daß unsere Anleihen nur ein großer Bluff seien und nur durch die Darlehnskassen finanziert würden. Bei unseren Feinden wurden die täglichen Kriegskosten auf 300 Millionen Mark geschätzt. Das war im August; heute sind es 320 bis 330 Millionen Mark pro Tag, im Monat 8 bis 10 Milliarden, im Jahre nahezu 120 Milliarden Mark.(Lebhaftes Hört! hört!) England hat uns mit täglich 100 Millionen wohl endgültig überholt und ich glaube nicht, daß wir England bis zu dieser Höhe nachkommen werden. Wir geben mit unserem Bun⸗ desgenossen nicht halb soviel aus wie der Verband unserer Feinde, und erreichen mit der geringeren Summe wesentlich mehr.(Sehr gut!) Wir und unsere Bundesgenossen haben unseren Kriegs⸗ bedarf größtenteils durch langfristige Anleihen und Konsols decken können, von unseren Feinden konnten das nur die Engländer, aber lange nicht so gut wie wir. Ferner haben wir das Geld für uns und unsere Verbündeten so gut wie ausschließlich im In⸗ lande gedeckt und aus den Geldern der inländischen Arbeit ge⸗ schöpft. Unsere Feinde waren im großen Umfang auf die Ver⸗ einigten Staaten angewiesen. Schließlich haben wir unsere An⸗ leihe nach einem einheitlichen einfachen und großzügigen Plan durchgeführt, während bei unseren Gegnern ein fortgesetztes Tasten und Suchen stattfand, Verlegenheitsmaßnahmen und andauernde Verschlechterung der Geldbeschaffung. Am 4. August 1914 sagte Sir Grey, der Krieg werde England kaum größere Opfer auf⸗ erlegen, wenn es sich an ihm beteiligt, als wenn es beiseite stehe. Inzwischen werden die englischen Staatsmänner sich wohl eines Besseren haben belehren lassen müssen. England kämpft heute um die Aufrechterhaltung seines Budgets. Dieser schwere Kampf steht auch uns noch bevor. Der englische Schatzkanzler hoffte, daß die englische Anleihe bis zum 31. März 1916 reichen werde. Aber schon im Oktober war sie aufgezehrt. Auch in ihrer Ein⸗ AI 7 2* NN NIN 7* 7 D EEE L 7 Irrer N a EEEEEEEEEEEEEEEETIEEEEEEEE EEE ausgeht. 1 7 8 1 tpirkung auf die Verhältnisse des englischen Kaßffalma die Anleihe ein Fehlschlag. Bezei 10 ist das einer großen englischen Zeitung, die tegierung werde ihre fä Zahlungen langsamer bewirken, um mit der neuen Anleihe war zu können, bis neues Anlagekapital gesammelt sein wird. dem Druck dieser Verhältnisse schickte man die englisch⸗franz Kommission nach Amerika, um eine Anleihe über eine Mil Dollar abzuschließen. Aber nur die Hälfte erhielten sie mit eine 2 von über 6 1105 Auch 1925 ist 12 5 Sen. französischen und englischen Regierung treu geblieben. ˖ keit.) Ich stelle rn fal daß ein großer Teil des Widerstande gegen die Anleihe in Amerika von den amerikanischen Staats⸗ bürgern deutscher Abstammung ausgegangen ist.(Bravol) Der Kursrückgang der englischen Konsols ist doppelt so groß, der in Frankreich dreimal so groß wie in Deutschland.(Bravo!) Wir stehen stark und fest auf unseren eigenen Füßen; Landwirtschaft und Industrie schaffen auf heimischem Boden alles, was zur Kriegführung brauchen. Wir zahlen ausschließlich an Das englische Weltreich ist auf der britischen Geldmacht aufge⸗ baut, seine Alliierten 55 e mit Geld an sich gefesselt und bisher die meisten Kriege nur mit Geld geführt. Auch bei Be⸗ ginn dieses Krieges glaubte England nach dieser bewährten Me⸗ thode arbeiten zu können. Aber dieser englische Kriegsplan hat sich nicht durchführen lassen, unsere braven Truppen haben die länder gezwungen, nicht nur Geld, sondern auch Blut eingzusetzen. England mußte eine eigene Armee aufstellen und seine Kriegs⸗ kosten sind dadurch nahezu ins Ungemessene gewachsen. Daher müssen die britischen Staatsmänner selbst die englische W its lage fortgesetzt als gefährdet bezeichnen.(Hört! hört!) Das leichte Wort von der letzten Milliarde, mit der der Krieg begonnen wird, fiel zu Anfang des Krieges, jetzt muß Mr. Asquith an die eng⸗ lischen Arbeiter appellieren, bis zum letzten Penny zu kämpfen. Und Bonar Law sagte, äußersten Falles müsse der Staatsbankerott riskiert werden.(Hört! hört!) Mit Englands Finanzen und Englands Wirtschaftslage kommen auch die Grundlagen des eng⸗ lischen Weltreiches ins Wanken. Man kann es mit einem großen Sonnensystem vergleichen, wo alles Licht von dem Zentralstern Verliert die Sonne einen wesentlichen Teil ihrer Kraft, dann wird das ganze Planetensystem untergehen. Verliert England seine gewaltige wirtschaftliche und finanzielle Ueberlegenheit, werden, wir bleiben doch, was wir Für ein verarmtes England aber heißt es:„Finis Britanniae! Wir haben den Dreißigjährigen Krieg und die Napoleonische Kriege überstanden, wir sind ausgesogen und geplündert worden, wir haben uns immer emporgearbeitet. Man hat uns zerschlagen 5 und zerstückelt, aber wir sind wieder zusammengewachsen. Wenn aber einmal das britische Weltreich in die Brüche gegangen wäre, dann wikd es auch in Jahrtausenden nicht wieder aufstehen.(All⸗ seitige Zustimmung.) Und angesichts dieser Lage wagt eine Re⸗ gierung mit einem solchen Ristko das frevelhafte Wort vom Er⸗“ 0 Ihr Appell an den schöpfungskrieg Deutschlands zu sprechen. Hunger und den Bankexrott wird versagen. zum Leben und Kämpfen und werden es haben. sperrungen sind Brot, Kartoffeln und andere wichtige Dinge bei uns billiger als in England und Frankreich. Wir verzichten, wenn es sein muß, auf jeden Ueberfluß, wir wollen lieber jede Not als Wir haben das Nötige des Feindes Gebot ertragen.(Stürmischer Beifall.) Dazu aber ist notwendig, daß uns nach wie vor unser scharfes Schwert zur Ver⸗ fügung steht. Wir kämpfen weiter mit ungebrochenem Kampfes⸗ mut und mit begründeter Siegeszuversicht.(Beifall.) Die deutsche Eisenfaust hat jetzt mit wuchtigen Schlägen das Eiserne Tor zer⸗ schlagen und durch Serbien den Weg nach dem Osten geöffnet. Sie wird zu neuen Schlägen ausholen, wenn unsere Feinde es durchaus o haben wollen.(Lebhafter Beifall.) Die Verantwortung für das lut aber, das weiter fließt, und für die Not, die kommt, für die schweren Gefahren, die der ganzen europäischen Kultur drohen, fällt nicht auf e eee auf jene, die sich nicht ent⸗ schließen können, uns angesichts unserer gewaltigen Waffenerfolge die nötigen Rechte für die Sicherung unserer Zukunft zuzugestehen. (Sehr wahr!) Wir stehen fest wie ein Fels in der heimischen Erde, an dem Goldpfeiler des britischen Reiches aber leuchten in Flammenschrift die Worte beim Gastmahl des Belsazar: Mene mene tekel upharsin.(Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Abg. Scheidemann(Soz.): legenheiten so behält sich meine Fraktion auch bei diesem ihre endgültige Entscheidung bis zur dritten Lesung vor. Wir haben den Wunsch nach einer gründlichen Aussprache über allgemein e und finanzpolitische Dinge gerade im Anschluß an diese orlage. und besten in der Budgetkommission geschieht und erklären uns daher mit der Verweisung der Vorlage an diese Kommission ein⸗ verstanden.(Bravo!) 0 Ein Schlußantrag wird angenommen. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.) zur Geschäftsordnung: Ich verweise darauf, daß als einziger Redner außer Scheidemann ich auf der Rednerliste stand und daß ich mich als erster zum Worte gemeldet hatte, um in diesem Hause zu protestieren gegen...(Andauerndes Läuten der Glocke des Präsidenten.— Laute Zurufe der Mehrheit, — 20 im Hause, in der die folgenden Worte des Redners ver⸗ loren gehen.). Abg. Ledebour(Soz.) zur Geschäftsordnung: Ich lege selbst, die Feinde müssen Milliarden an das Ausland entrichten. Trotz aller Ab⸗ Wie bei früheren ähnlichen Ge Wir glauben aber, daß das zunächst am zweckmäßigsten 1 1 Ver⸗ wahrung dagegen ein, daß das Haus, bevor der Präsident eingriff, seinerseits durch fortwährendes Schreien einen Redner am Weiter⸗ reden gehindert hat und protestiere gegen diese Verletzung der Würde des Hauses.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten. Lachen bei der Mehrheit.) Abg. Dr. Neumann⸗Hofer(Pp.) stellt fest, daß das Haus erst eingriff, als Dr. Liebknecht sich den Anordnungen des Präsidenten nicht fügte. Erst da habe das Haus durchaus richtig Dr. Liebknecht am Weitersprechen gehindert. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Das Verhalten des Hauses hal mich nicht erstaunt. Das Preußische Abgeordnetenhaus war mir ein gutes Beispiel für derartige Sitten und Gebräuche. bei der Mehrheit.) Die Vorlage geht auf Antrag Bassermann an den Ausschuß für den Reichshaushalt. Das Gesetz auf vermehrte Einstellung von Hilfsarbeiter beim Reichspatentamt wird in erster Lesung angenommen. Nächste Sitzung Montag 11 Uhr(Kriegsgewinnsteuer, bree. Budgetkommission über abgaben der Reichsbank und Verichte de Ernährungsfragen). Schluß: 4 Uhr. in hervorragender Auswahl, Wiederverkäufer, empfiehlt Buchhandlung der Oberh. Volkszeitung, Sannhofstr. 23 auch für 68 K. Ae. eu. 727 2 8. 2 5 9 A F ele . Süss FEB Se A El * ** E 8 1 8 8 Le 2 5 * a * 8 * * . 2 5 F. esberich des Großen Hanptzurtier Vorwärts in Montenegro Etwa 2500 Gefangene. W. B. Großes Hauptquartier, 14. Dez., vorm Westlicher und östlicher Kriegsschaz Keine wesentlichen Ereiguisse! Balkan. a(Amtlich.) schauplatz. Struga. Die letzten Kämpfe mit den Engländern, Fran⸗ zosen und Serben spielten sich an den Ufern der Seen von Doiran und Ochrida ab. Der Feind wurde überall ge⸗ schlagen, Mazedonien ist befreit; auf mazedoni— schem Boden befindet sich kein einziger feindlicher Soldat mehr. Ueber die Operationen dieses Tages wird gemeldet: Nach der gestrigen Niederlage der Engländer und Franzosen auf dem rechten Wardar-Ufer, nach dem Durchbruch des Zen— trums nahe des Dorfes Furka zog sich der Feind gegen das neutrale griechische Gebiet zurück, von unseren Truppen . 1 Ge 8 8 re ne von Plevlje haben die öster⸗[ verfolgt bis zur griechischen Grenze. Die Stadt sch-ungarischen Truppen den Feind ernent zum Weichen Doiran wurde mittags 12 Uhr genommen. Die Be⸗ zebracht. Dort und in den ostmontenegrinischen Bergen etwa zweitausend fünfhundert Gefangene eingebracht Oberste Heeresleitung. Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Wien, 14. Dez.(W. T. B.) Amtli 14. Dezember 1915. ch wird verlautbart: Russischer Kriegsschauplatz Nichts Neues. 1 Italienischer Kriegsschauplatz. Die Tätigkeit der Italiener in Indicarien dauert Linzelne kleinere Angriffe des Feindes wurden abgewiesen. wurden fort. völkerung nahm unsere Truppen mit unbeschreiblichem Jubel auf. Unaufhörlich durchbrausten Hurrarufe auf den Zaren Ferdinand die Luft. Unsere Soldaten wurden mit Blumen überschütbtet. Die Gefangenen, Toten und Verwundeten ge⸗ hören hauptsächlich der zehnten und 22. englischen Division an, bestehend aus der 29., 30., 31., 65., 66. und 67. Infan⸗ terie-Brigade, welche endgültig geschlagen sind und auf dem Rückzuge Kanonen, Gewehre usw. zurückließen; das ganze Kampffeld ist mit Ausrüstungsgegenständen übersät. Bisher wurden 200 gefangene englische Soldaten gezählt. Die Ko⸗ lonne, die die Franzosen auf dem rechten Ufer des Wardar verfolgte, warf die französischen Truppen nach einem kühnen, D 7 25 0— 2 2 in der Straße nach St. Peter gelegene Stadtteil von Görz tand energischen Angriff aus ihren Stellungen hinaus und drängte vieder unter Artilleriefeuer. . Südöstlicher Kriegsschauplatz. Südlich von Plevlje erstürmten unsere Truppen nontenegrinischen Stellungen auf der Vrane Gora Im Raume nördlich von Berane brachten wie neuerlich 2300 Ge⸗ angene ein. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höfer, Feldmarschalleutna⸗. Bulgarischer Bericht. Der Feind überall geschlagen! Sofia, 14. Dez.(W. T. B.) wird gemeldet: Der 12. Dezember 1915 wird für die bul garische Armee und das bulgarische Volk von großer histori scher Bedeutung bleiben. letzten drei mazedonischen Städte, welche sich noch in der Händen der Feinde befanden: Doiran, Gewgheli die Aus dem Hauptquartier Heute besetzte unsere Armee die griechischen Grenze. Um 5 Uhr 20 Minuten nachmittags wurde die Stadt G ewgheli von unseren Truppen besetzt. Die Franzosen haben vor ihrem Rück⸗ „Izuge die Kasernen und die Stadt mit zwei Krankenhäusern angezündet und die Eisenbahnbrücke über den Wardar südlich von Gewgheli gesprengt. Die Ge— fangenenzahl und die Trophäen sind noch nicht gezählt. Die Armee des Generals Sarrail ist von der Linie Doiran⸗ Gewgheli an die griechische Grenze zurückgeworfen. Es muß anerkannt werden, daß die französischen Truppen viel tapferer als die englischen kämpften. . In den zehntägigen Operationen, welche die Geschichte als„Operationen am Wardar und Karassu“ bezeichnen wird, kämpfte gegen unsere Truppen eine Armee sie nach der schutzen und 80 schweren Haubttzen. Ve lehten Reste der ser⸗ bischen Armee, welche von Bitolia über Ochrida und Struga nach Albanien zurückweichen, zogen sich nach der kiederlage bei Ochrida auf dem linken Schwarzen Drin⸗-Ufer zurück, wobei sie alle Brücken über diesen Fluß vernichteten. In der Frühe des heutigen Tages passierten unsere Truppen bei Struga den Fluß Drin. Südlich dieser Stadt griffen sie die serbischen Truppen energisch an, machten 400 Gefangen: und nahmen drei Geschütze. Die Ver folgung wird gegen Elbassan fortgesetzt. Die Mobilmachung der bulgarischen Armee wurde am 10.(28.) September verkündet; sechs Tage später begann die Zusammenziehung der Truppen. Die Kämpfe gegen die Serben begannen am 1.(14.) Oktober. 40 Tage später, d. h. am 10.(23.) November war die serbische Armee bei Pristina und Verisowitsch endgültig geschla⸗ gen und auf albanisches Gebiet zurückgedrängt. Am 16, (29.) November wurden bei Prisren und Kula Lum a die letzten Reste der serbischen Armee gefangen. Am 30. No- vember(3. Dez.) begannen die Kämpfe am W ardar und Karassu gegen die Engländer und Franzosen. Im Laufe von 10 Tagen war die Expeditionsarmee des Go nerals Sarrail geschlagen und auf neutrales Gebie zurückgeworfen, am 12. Dezember war ganz Mazedonien befreit, kein einziger feindlicher Soldat befindet sich mehr auf mazedonischem Boden. Dies ist der Tag seiner Befreiung. Die Verfolgung des Feindes ist augenblicklich ei ng estellt. Folgende Depesche des Kommandierenden der zweiten bulgarischen Armee vom 29. November, Nr. 2007, char at terisiert die Franzosen. Die Depesche lautet: Die französischen Truppen drängten in den von ihnen besetzten Ortschaften die ganze Bevölkerung zurück und nahmen ihnen alle ihre Güter, Lebensmittel, Hausgerät, Vieh usw. weg. Da sie jedoch ihren Mißerfolg voraussahen, verteilten sie die Nahrungsmittel wieder, den Rest warfen sie auf dem Riick⸗ zuge weg. Die besseren Gebäude wurden in Brand gesteckt, sodaß die Bevölkerung nach ihrer Rückkehr kein Dach und keine Nahrung mehr finden kann. N Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. Gießen. von 97 000 Franzosen und 73 000 Engländern, im ganzen „ Verlag von Krumm& Cie., Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M. über 170000 Mann mit 600 Feldgeschützen, 130 Gebirgsge⸗ Bis zum 24. 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