0 erer EEE EEE 1 — mmm— 9 der Organ für die Interessen des werktätigen Volkes Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Die Oberbessische Volksseitung erscheint jeden Werkt 9 1 2 a i Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg. i 1 60 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl.1 80 5 Redaktion und Expedition Gießen, Bahnhofstraße 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Inserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelßeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 292 Gießen, Montag, den 13. Dezember 1915 10. Jahrgang Die militärische Bedeutung Italiens. 5 Von Richard Gädke. Die kriegerischen Erfolge des italienischen Heeres si a gevade geeignet, die Begeisterung des Volkes für diesen 110 9 zu erhalten; sie vermögen kaum das langsame Erwachen der Seloft⸗ besinnung zu verzögern. In manchem Kopfe mag doch wohl sck 915 etzt der bange Zweifel sich bohrend einnisten, ob das Land 999 wirklich auf die richtige Seite gefallen sei, d. h. natürlich, auf die Seite des schließlichen Siegers in diesem schweren Kriege. Wenn die leitenden Männer Italiens sich nicht entschließen mögen auch deutschland formell den Krieg zu erklären, so kann das nach außen gin nur den Eindruck hervorrufen, als ob sie in diesem zwischen 9 ieo und Frieden schwankenden Zustande eine Art von Rüctver⸗ sicherung für den Fall eines unglücklichen Ausgangs des Abenteuers 0 8 5 7 sie nun mit leeren Händen vor das Parlam. mußten, kam es vielen umsomehr darauf an, 1 militärische Be deutung recht kräftig zu unterstreichen, die der Beitritt Italiens für die Kriegsführung der Dreibundstaaten gehabt habe. Der Miß⸗ rfolg an der Isonzofront, der nun zum vierten Male in 6 Monaten des Krieges eingetreten ist, mußte möglichst verschwinden und der allgemeine Wert des italienischen Eingreifens in den Weltkrieg umso kräftiger hervorgehoben werden. So kam Salandra zu der seberzeugung, daß Italien allein den Russen die siegreiche Auf⸗ tahme ihrer Offensive in Wolhynjen ermöglicht habe. Damit konnte er dann zugleich die Nichtbeteiligung an dem Balkanunter⸗ nehmen, die Versäumnis eines rechtzeitigen Versuches, Serbien vor dem Untergang zu bewahren, entschuldigen, und durfte die Frage, ob später noch Entsendungen zur Unterstützung der Saloniki⸗ Armee notwendig werden sollte, im Ungewissen lassen. b. Nun ist es ja klar, daß der Angriff eines Staates, der an⸗ fänglich dreiviertel Millionen und jetzt vielleicht zwei Millionen ns Feld stellen konnte, immer einen Einfluß auf den Gang des Krieges haben muß. Das ist unter allen Umständen ein schweres Gewicht, das in die Wagschale der einen Partei geworfen wird. Man kann hier an den zweiten Balkankrieg im Jahre 1913 er⸗ N innern. Gegen die vereinten Kräfte Serbiens und Griechenlands hätte sich Bulgarien vielleicht behaupten können, trotzdem es durch N een Tien am meisten von den drei Bundesgenossen geschwächt war, indem es die größte und blutigste Last des Kampfes zu tragen batte. Sobald aber Rumänien mobilisierte und sein Heer über die onau gehen ließ, war die Sache entschieden; es hat keine kriegeri⸗ 14 schen Lorbeeren geerntet, keine Schlachten geschlagen: die einfache Anwesenheit seines Heeres in drohender Nähe von Sofia genügte, m Bulgarien zur Unterwerfung zu zwingen. Als sich Italien im April 1915 durch Vertrag mit dem Drei⸗ bunde verpflichtet hatte, dem ehemaligen Bundesgenossen in den Rücken zu fallen, mochte es ähnliche Hoffnungen, hegen. Ent⸗ scheidungen erheblicher Art waren damals noch auf keinem Kriegs⸗ schauplatze gefallen. Zm Westen herrschte seit 6 Monaten ein Stellungskrieg, der ein baldiges Ende nicht voraussehen ließ, aber doch jedenfalls sehr erhebliche Kräfte des deutschen Heeres band; im Nordosten ward zwar Hindenburgs große Vernichtungsschlacht in Masuren geschlagen, aber unter den bestehenden Kraftverhält⸗ issen hatte sie die starke Verteidigungslinie der Russen hinterm Niemen und Narew nicht durchstoßen können. Auch hier bildete sich von neuem ein Stellungskrieg heraus. Das gleiche geschah im westlichen Polen, wo die russischen Heere seit Monaten sich hinter der Bzura, Nawka und Piliga in der Verteidigung standhaft be⸗ baupteten. 8 5 In Galizien hatten die Armeen des Generals Iwanoff die Tarpathenlinie vergeblich angegriffen; aber die verbündeten Mittel⸗ nächte hatten sich ihrerseits bis dahin eben nur in ihren Stellungen behauptet, ein Gegenangriff ihrerseits war noch nicht durchgeführt; von der Versammlung der Armee Mackensen westlich des Dunafee werden die Italiener Ende April schwerlich schon Kenntnis gehabt haben. Als dann am 29. Mai ihre Kriegserklärung wirklich er⸗ solgte, waren sie bereits seit einem Monat durch feste Abmachungen gebunden. Sie werden jedenfalls gehofft haben, durch ihren Auf narsch vor der Isonzofront gerade dort einen Umschwung der Lage serbeiführen und gleichzeitig ihrerseits die österreichisch⸗ungarische Grenze siegreich überschreiten zu können, an der sie nach ihren Nach⸗ vichten verhältnismäßig schwache Kräfte vermuten durften. Sle jonnten annehmen, daß Oesterreich⸗Ungarn in aller Eile Truppen⸗ verschiebungen vom Osten nach Westen würde vornehmen müsssen, 00 i Hroßfürst Nikolaus sofort würde entlastet werden e ive 1 Sande verlaufen würde. und dann auch die deutsche Offensi 0 ol 0 Hierin haben sie sich nun allerdings geirrt; gegen Ende Mas war die Zertrümmerung der russischen meen in Galizien bereits weit vorgeschritten, daß auch die Fortnahme von. Krupenden Länden der Armeen Dankl und Boroevic aus Galizien 915 1 Endergebnis nichts mehr ändern konnten. Inwieweit der ag ger Deutschen und Oesterreicher noch größer hätte sein eee er tatsächlich war, wird in diesem Augenblick nicht 11 ene ein. Jedenfalls hat der Angriff der Italiener nich 1 aß Galizien bis auf einen schmalen Grenzstrich e e Polen in den Besitz der Verbündeten gebracht wurde, 99 n und die Festung Bialistok fielen, Kurland, Samogitlen, menen e Besitzer wechselten, und auch ein Teil des Gouvernements ilna, Minsk, Wolhynien in die Hand der Mittelmächte 1( Wenn der siegreiche Vormarsch der Deutseen ier pracht 2 weiter ausgedehnt wurde, so ist der Beweis noch nicht er 1 hies allein oder vorzugsweise der militärischen ee zuzuschreiben ist, die Italien unzweifelhaft auf die§ 1 5 ane keich⸗Ungarns ausübte. Man kann doch auch an ie un eee nsetzende, mit einer gewaltigen A 1 01 muß sich Offensive Joffres in der Champagne und im Ar 25 1929„muß sie aber besonders gegenwärtig halten, daß im Sep 1 5 1 österreichische Angriff auf Serbien schon vorberei e. Auch das Schicksal Serbiens hat Jig e mocht, obwohl es im Oktober und November ee 1 0 straft zum dritten und zum vierten Sglag en 10095 9005 ge . 2 3 dritt 0 riffs g 8 50 05 aus holte. Während des een 9 19 österreichischen Vortruppen . was irgend ig ge Ti vor und drück 8 zeitig gegen Tirol r wurde dann alles, er deutsch⸗ fluß oder sagen wir, Wolhynien, die Oktoberoffensive der Russen begünstigt habe. man das eine zu, so ist das zweite natürlich nicht abzuleugnen. Nur muß man alsbald hinzusetzen, daß diese russische Offensive nach An⸗ fangserfolgen schließlich weder in Galizien an der Strypa, noch im wolhynischen Festungsdreieck, noch am Styr durchgedrungen ist— letzteres, obwohl die russischen Berichte unentwegt behaupten, daß ihre Truppen noch am linken, westlichen Ufer des Flusses kämpften. Möglich ist es, daß die Ansammlung starker russischer Truppen⸗ massen in Bess. lich der Pripjätsümpfe behindert hat; in jedem Falle kann von ein! siegreichen Offensive des Generals Iwanow keine Rede zu Er hat seine Angriffe im großen und gangen, vielmehr eingestellt und es herrscht dort eine verhältnismäßige Ruhe— wie im Nordosten und im Westen— und nach dem Abflauen des vierten Angriffs auch im Südwesten. zeit sein. gültigen Erfolg de ihn in größere Nähe, sein sollte, ist durch ein vertagt worden. präsidenten, nach dem Zeitpunkt der Einberufung gefragt, erhi nicht einmal eine Erlaß. Ersatz auch einen mynarchistischen Kongreß, öffnung durch den Minister Chwostom bis zum Schlußgottesdienst des Metropoliten Wladimir zu einer Wahr alle liberalen und fortschrittlichen Bestrebungen bischen Selbstverwaltung der Semstwos(Landschaft' gestaltete. Zaren hat nach dem k Vorstoß in Wolhynien und Ostgalizien weitere Erfolge nicht Unverrückbar steht die Mauer der deutschen und österreich⸗ zum Pruth, gewaltige Ge⸗ en Monaten der Herrschaft des Zaren entrissen die Eroberer haben durch kulturelle Anlagen aller Art, vom nicht nur das bracht. ungarischen Truppen von der Ostsee bis gan ist, zar sich des W vo lu so se li bort ein wenig zurück, im Novembe igbar war, gegen den Jsonzo erf herangeholt, ohne auch hier ent⸗ scheidende Ergebnisse zu erzielen. Nun ist ja von italienischen und se traßenbau bis zur Eröf gekränkt, sie haben vielmehr auch dadurch gezeigt, daß es ihr Gebiete nicht wieder in den traurigen Zustand Auf dem Balkan haben die Dinge in denkbar schärfsten Gegensatz zu Rußlands Willen entwickelt— Serbien, der Schützling des Zaren, ist zerschmettert und Bulgarien, in dem man einen stets bereiten Diener zu haben glaubte, hat das Größte dazu geleistet. Die Türkei hat bei Bag bewiesen, welche Kraft auch in ihr liegt, von irgend welchen Erfol Nikolai Nikolajewitsch im Kaukasus ist nichts zu hören und listische Fraktion in der italienis laut vor. Beitritt zum Londoner Friede ohne Annexionen, schlüsse hin. über die Zensur vor, Notwendigkeit“ an. die sich selbst einredet und, sequent sozialistische sei. an 10 lien nicht zu wenden ver⸗ Denen hingestellt wurde, die. sich zu Wortgefechte hinausgehen. 3 M lärmenden Zurusen während schöpfen. Café Dogna“,„Ihr Drückeberger“, gnern an den Kopf und erregte, wie der Avanti französischen Zeitungen behauptet worden, daß im Herbst die öster⸗ reichischen Truppen im Karst sich wesentlich verstärkt hätten. wir das nicht prüfen können, mag die Behauptung passieren. auf sie wird Salandra seine weitere Annahme stützen, daß der Ab⸗ das Fehlen österreichischer e in Bibt rabien die Fortsetzung der russischen Angrifse sü Also kann das italienische Heer sich nicht rühmen, für den en „heiligen Egoismus“. 0 Der richtige Moment. Die russische Reichsduma, die längst schon wieder versammelt en Ükas des Zaren noch um einige Zeit weiter Präsident hatte bei Goremykin, dem Minister⸗ elt Ihr Antwort und statt ihrer kam nun der kaiserli Aber nicht allein er; Die Uebernahme des biete sind seit viel und Str, fnung von Hochschulen, ze echte Allrussentum in seinen hefligsten Gefühlen aufs tie W die besetzten ischer Unkultur zurückfallen zu lassen. erstaunt hört man manchmal nur etwas läuten von einer russise Flotte, durch das Reich Schlechte Geschäfte für die„Monarchisten“! aber wanken die Massen der Flüchtlinge Die Stimmung in Italien. T. U. Lugano, 10. Dez. gebliche parlamentarische Machenschaften gegen das Mini rium. In den Wandelgängen des Monte Citorio herrsche sehr verdächtiger Geist, man spreche bereits leise vom Frieden, von einer angeblichen Vergewaltigung Italiens durch die Alliierten, von der Notwendigkeit, an der Stelle Salandras und Sonninos neue Männer, zum mindesten einen neuen Giornale d'Italia mahnt inister des Aeußern, zu setzen. Salandra auf der Hut zu sein. Die italienischen Sozialisten und die Kammer⸗ vethand lungen. Noch liegt die Rede, die Claudio Treves für die so chen Kammer hielt, nicht im W̃ Die telegraphisch übermittelten Auszüge gestatten daß, was ja zu erwarlen war, wieder ein schon den Rückschluß, 1 N 0 die Suppe nicht so heiß gegessen ward, wie gekocht. Treves schränkte sich darauf, im Moment, wo dem Parlament artung auszusprechen, daß der Friede abgeschlossen würde, r die Staaten sich im Zustand äußerster Erschöpfung befinden und er wies auf die Zimmerwalder Im übrigen brachte er Wünsche und erkannte aber den Das ist also die gro seit der Zimmerwalder Konferenz von anderen eingeredet bekommt, daß sie die einzig Und die als Beispiel treuen Festhal der Internationalität und Pflichten bekennen, Nan kann nders, den Idealen die Rutes und einer Tatkraft, die sich der Parlamentsverhandlungen Turati die Gegner;„Helden „Ihr Hanswürste“ und in über den Wert eine „Krokodile“ nannte ches flog den Ge löst zugibt,„viel Heiterkeit“. Aber Weltkrieg und Weltfri Da Und 8 Vierverbandes pofitiv irgend etwas geleistet, in größere Wahrscheinlichkeit gerückt zu haben. Dann bliebe ihm höchstens das negative Verdienst, den Krieg verlängert, den schließlichen Sieg Ungarns hinausgerückt, verzögert zu haben. Gewicht, das es in die Wagschale des Krieges geworfen hätte; man wird es zugeben dürfen, aber Italien darum nicht beneiden— selbst nicht vom Standpunkt seines eigenen * Deutschlands und Oesterreich⸗ Das wäre das reale mam bot dem russischen Volke als der sich von der Er⸗ en Schimpforgie gegen und gegen das vertretungen) Oberbefehls über die Armee durch den rzen und längst wieder zurückgeschlagenen Giornale d'Italia enthüllt an⸗ aber Italiens Vertrag bekannt gegeben wurde, die Er⸗ „ein 55 Beschwerden Burgfrieden als„oberste ße Tat, die seit Wochen in tönenden Reso— des Friedens allen eker über ehr verschiedener Meinung und jede aufrichtige Arbeit dafür scheint doch eine verdammt ernste Sache. Deutschland und Amerika. New⸗York, 10. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Gemäß aus⸗ drücklichen Erklärungen des Staatssekretärs Lansing wird festgestellt, daß das Verlangen nach der Abberufung des Marine⸗Attachés v. Boy und des Militär⸗Attaches von Papen keinen politischen Hintergrund hat und daß insbesondere der Botschafter Graf v. Bernstorff gänz⸗ lich unbeteiligt ist. 8„ (W. T. B. Nichtamtlich.) Die öffent⸗ r⸗[l1iche Meinung ist durch die fortgesetzt aufgebauschten Presse⸗ meldungen über angebliche deut che Anschläge auf die amerikanische Neutralität, amerikanische Munitionsfabriken und über amerikafeindliche Umtriebe in Mexiko sowie über mehrere gegen Deutsche eingeleitete Strafverfahren wegen solcher Straf⸗ d⸗ taten stark gegen Deutschland erregt. Die New Pork World prophezeit in einer Korrespondenz aus Washington eine nahe be⸗ vorstehende deutsch⸗amerikanische Krisis von ungleich größerer Schwere als nach der Versenkung der„Lusitania“. Amerika habe gefordert, daß Deutschland erkläre, daß es das Völkerrecht bei der Behandlung amerikanischer Bürger nicht habe verletzen wollen. Amerika bestehe nach wie vor darauf. Vermutlich werde der Kongreß demnächst Aufschluß über die„Lusitania“⸗Verhandlungen verlangen. Einige Kongreßmitglieder ständen im Begriffe, An⸗ träge auf Abbruch der amerikanisch⸗deutschen Beziehungen einzu⸗ bringen. New York Tribune fragt ironisch, ob denn die Bundes⸗ regierung die amtlichen Beziehungen zu Deutschland, trotz der deut⸗ schen Weigerung, den amerikanischen Forderungen zu entsprechen, ewig aufrecht erhalten wolle. Die New York World antwortet darauf in einem Leitartikel, dies sei keineswegs die Absicht der Regierung, die mit Deutschland verhandele, solange dies möglich sei. Man sei nicht der Meinung, daß der. Abbruch der Beziehungen den Krieg bedeute. Jetzt sei nicht Zeit für Bluffs. Die amerikanische Note an Oesterreich. New⸗Nork, 10. Dez. b Note an Oesterreich wegen der„Ancona“-⸗Affäre be⸗ sagen, daß die Note energischer sei als irgend eine seit Beginn des Krieges, da sie die völlige Desavouierung und Bestrafung des Unterseeboots⸗Kapitäns verlangt. Einige Zeitungen erklären, sie seien überrascht, daß Wilson ver⸗ säumt habe, dieselbe Haltung gegen Deutschland im„Lust⸗ tania“-Fall einzunehmen. Die allgemeine Ansicht geht dahin, daß diese Affären nach und nach wieder beigelegt werden. * d⸗ er New⸗Nork, 9. Dez. che ge⸗ Washington, 10. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Nach einer Meldung des Reuterschen Bureaus wird in der Note der ameri⸗ kanischen an die österreichisch-ungarische Regierung wegen der Ver⸗ senkung der„Ancona“ nachdrücklich gefordert, daß die österreichisch⸗ ungarische Regierung eine Gewähr für die Sicherheit der Amerikaner gebe. Die Note ersucht um Aufklärung über die Be⸗ schuldigung, daß das Unterseeboot, nachdem der Dampfer bereits gestoppt hatte, Granaten abschoß und einige Passagiere tötete. Präsident Wilson hieß Lansings Entwurf gut, ohne etwas daran ab⸗ zuändern. Die Kürze der Note wird dem Wunsch der Vereinigten Staaten zugeschrieben, die Angelegenheit so rasch als möglich zu er⸗ ledigen. Amtliche Personen in hohen fste ille dad gen hen Stellungen erklären, daß der Zu⸗ stand infolge der Berichte über Angriffe von Unterseebooten auf amerikanische Schiffe im Mittelmeer ernste Erwägung erheische. Eine Regierungserklärung über die Behandlung der Sozialdemokratie in Baden. Der badische Ministerpräsident v. Dusch gab in der Budgetkommission der badischen Zweiten Kammer namens der Regierung die Erklärung ab, daß sich die Stellung der badischen Regierung zur Sozialdemokratie angesichts der vaterländischen Haltung dieser Partei im gegenwärtigen Kriege geändert habe. Als Grundsatz solle gelten, daß wegen der Zugehörigkeit zur sozialdemokratischen Partei allein eine ungleiche Behandlung in staatsbürgerlicher Beziehung nicht stattfinden solle. Inzwischen sei bereits ein Sozialdemokrat zum Bezirksrat ernannt worden. Es müsse im monarchischen Staate daran festgehalten werden, daß ein Beamter anti⸗ monarchische Gesinnung nicht zeigen dürfe, weil dies mit dem Treueide unvereinbar wäre. Eine Untersuchung der politi- schen Gesinnung der Staatsbeamten werde aber nicht erfolgen. Der Finanzminister führte aus, daß die badische Staatseisen⸗ bahnverwaltung zur Einführung eines Eisenbahnreverses keine Veranlassung hätte. Ministerkrise in Oldenburg. Wie wir bereits gestern berichteten, richtete der oldenburgische Finanzminister Ruhstrat ein Rücktrittsgesuch ein, weil die steuer⸗ feindliche Mehrheit des Landtages seinen Vorschlag, das Staats⸗ ste⸗ ein zia⸗ oxt⸗ mal be⸗ be⸗ Be⸗ tionen in Aus sicht gestellt wurde. Das die Rettung der sozia⸗ 2 5 0 2 5 5 1 der Welt! Das die Entscheidung der die, Ci durch Steuerzuschläge zu decken, ablehnte und die Rücklagen 7 be⸗ an Eisenbahnüberschüssen zur Deckung der Fehlbeträge heranziehen wollte. Der oldenburgische Großherzog hat das Rücktrittsgesuch nicht angenommen. In der großherzoglichen Antwort heißt es: „Da ich ungern auf Ihre langjährigen, treuen und vorzüglichen Dienste als Finanzminister verzichte und in der streitigen [Angelegenheit, die zu Ihrem Vorgehen Veranlassung ge— geben hat, mit Ihnen übereinstimme, vermag ich im gegenwärtigen Augenblick Ihrem Gesuch nicht zu entsprechen. Ich kon⸗ tens in er⸗ vom behalte mir meine Entscheidung vor. ähn⸗ Der Landtagsmehrheit wird nun wohl nichts bleiben, als die Rogierungsvorlage doch anzunehmen. — anderes übrig eden Halbamtliche Darstellung über dis 5 Die Friedensinterpellation im Reichstage. Parteigenössische Preßstimmen. Der Vorwärts teilt an der Spitze des Blattes mit: „Wir wollten über die Reichstagssitzung einen Artikel brin⸗ gen, der die Verhandlungen von unserm Standpunkt aus einer Würdigung unterzog. Leider sind wir nicht in der Lage, den Artikel unseren Lesern zur Kenntnis bringen zu können. Wir müssen es deshalb den Genossen überlassen, sich auf Grund des Verhandlungsberichtes selbst ihr Urteil über die historischen Vorgänge dieses Tages zu bilden. Die Breslauer Volkswacht schreibt: „Das erlösende Wort, das Abgeordneter Scheidemaun von ihm verlangte, hat der Reichskanzler Bethmann⸗Hollweg nicht ge⸗ sprochen, aber er hat doch seiner Bereitschaft zum Abschluß eines zhrenvollen Friedens Ausdruck gegeben und wir werden abwarten miissen, welches Echo diese Erklärung im feindlichen Auslande finden wird. Schade, daß sie sast ertrank in der bis ins Kleinste gehenden Polemik gegen einzelne Reden, unb Handlungen der Feinde, schade daß sie abgeschwächt wurde durch einen Satz der Er⸗ klärung, die Abgeordneter Spahn im Namen der bürgerlichen Parteien abgab. Er geht weit über das hinaus, was der Reichs- kallgler selbst sagte und ist geeignet, wie Abgeordneter Landsberg später ausführte, die Gegner aufzupeitschen, das heißt den Krieg zu verlängern und seine furchtbaren Opfer zu vermehren. Eine zolche Verantwortung sollte niemand auf sich nehmen. Die Lanzlerrede selbst wird von dem Geschick nicht bewahrt bleiben, in der verschiedensten Weise ausgelegt zu werden. Während Abgeorb— neter Landsberg die Hauptbetonung in den Worten sieht: Wir vollen keine fremden Völker unter jochen und sind zu einem ehrenvollen Frieden bereit, sieht der Kreis um die Tageszeitung ihre Hoffnung in den Sätzen, daß es in Zu⸗ Anf eine Einfallstore im Westen und im Osten ehr geben darf. Dieser Kreis steht allerdings in starkem Gegensatz zu den Worten des Kanzlers: Für uns ist der Krieg geblieben, was er gon Anfang an war: ein Verteidigungskrieg! Und gegen die Pro⸗ vagandisten des endlosen Weiterkriegens war der Satz Scheide⸗ nanns gemünzt: Auch bei uns gedeihen Kriegswüteriche, Maul⸗ und Federheldentum in umgekehrtem Verhältnis ¹ 155 Felddienstfähigkeit steht. Mancher Feldoͤgraue hat schon gewünscht, daß man solche Brüder zu ihnen in den Schützengraben stecken möge, um sie abzukühlen.“ Wie grundverschieden die Erklärungen des Reichskanzlers im Reichstage auch in der sozialdemokratischen Presse beurteilt werden, davon hier ein sprechendes Beispiel an zwei sächsischen Parteiblättern. Die Leipziger Volkszeitung schreibt: 4 „Wir können— das ungefähr war der Gedankengang des leitenden Staatsmanns— vom Frieden und seinen Bedingungen nicht eher reden, als bis die Feinde zur Erkenntnis ihrer Schuld und zu einem Verständnis für ihre ungünstige Lage gelangt sind. Sie müssen den ersten Schritt tun. Wie ist diese Stellung zu rechtfertigen? Warum in aller Welt kann Deutschland nicht vorangehen? Warum kann die deutsche Regterxung nicht durch ein erneutes, gerades Bekenntnis zu den Grundsätzen, mit denen sie ihrer eignen Versicherung nach in den Krieg eingetreten ist, den Versuch zu einer Verständigung mit den fremden Regierungen machen, und wenn dieser Versuch fehl⸗ 1 1 7 sollte, vor den Augen der eignen Nation und aller Welt die volle Verantwortung für die Fortsetzung des grauenvollen Blütvergleßens der Entente aufbürden? Der Reichskanzler hält das für untunlich. Aber er hat dann diesen Standpunkt der ein⸗ fachen Ablehnung doch noch wieder verlassen, um Kriegsziele— nicht auszusprechen, aber anzudeuten, die einen geradezu fteuetischen Beifall bei der Rechten und jubelnde Zustimmung bei den eroberungslustigen Heimkriegern auf den Tribünen des Hauses jervorriefen. Er sprach von der Würde und Sicherheit Deutsch⸗ lands, von der Notwendigkeit der Verrammelung der Einfallstore iu 1 und West, von der Verschärfung der Friedensbedingungen be: längerer Ausdehnung des Krieges, kurz und gut, er sprach so, daß selbst ein Reventlow ihm alles wird abbitten müssen, was er Büses über ihn geschrieben und ausgebacht hat. Wir müssen— sagen wir es offen— dem Kanzler dankbar sein für die Worte, an denen nur die Feigheit zu drehen und zu deuteln vermag. Und nicht geringerer Dank gebührt den bürgerlichen Parteien, die durch den Mund des Zentrums⸗ führers Spahn klipp und klar die„erforderlichen Gebiets⸗ erweiterungen“ verlangt haben. in einer Form, die eine nachträgliche Ableugnung und Abbröckelung nicht gestattet, ihre wahren Absichten von der Tribüne des Reichs⸗ tags verkündet.“ Eine erhebliche andere 1 175 der Bedeutung der Kanzlerworte bekundet die Dresdener Volkszeitung, indem sie ausführt: deren Zum erstenmal haben sie stchtigkeit löste bei uns einheitlicher „Nun kam Beihmann⸗Hollweg auf den Kern der sozialdemo⸗ kratischen Interpellation: Wie steht es mit seinen eigenen antragen? 5 einesteils von dem ab,-was wir Sozialisten in der jetzigen Stunde für richtig und wünschenswert halten, muß aber zum anderen Teil durchaus begrüßt werden. er ein Friedensangebot an die Gegner nicht richten kann, den Frieden noch nicht wollen. 1 5 unserer Seite wäre eine Torheit, die den Krieg nicht verkürzen, sondern verlängern würde, und über einzelne 8 bedingungen könne erst dann gesprochen werden, wenn überhaupt bie Gegner eine Bereitschaft zeigten, in Unterhandlungen einzu⸗ treten. Diese Darlegung des Reichskanzlers muß, wie sich versteht, aufs sorgfältigste beachtet werden. Es wäre ein nicht gutzu⸗ machendes Unglück, wenn jemand in der guten Absicht, den Frieden herbeizuführen, die Gegner nun erst recht in der Ansicht, daß Deutschland voll Furcht vor dem Kommenden sei, bestärken und so das Gegenteil des Gewünschten erreichen würde. Gleichwohl halten wir diese Besorgnisse des leitenden Staatsmanns für viel zu weitgehend. Ein klares und freimütiges Aussprechen der deutschen Kriegsziele— wobei gewiß nicht in die Einzelheiten ein⸗ gegangen werden muß— würde, so meinen wir, den zweifellosen Erfolg haben, daß im Auslande die gehässigen Unter⸗ stellungen über wilde Eroberungspläne Deutsch⸗ lands zurückgewiesen werden, daß daraufhin bei den Völkern [der geguerischen Staaten die auch dort mächtige Friedensfehnsucht sich mehr und mehr zur Friedensbereitschaft entwickelt. Wenn wir also eine weitergehende Friedenspolitik des Kanzlers für möglich und richtig halten, so ist auf der anderen Seite die erfreuliche Tatsache zu verzeichnen, daß er mit der offensten Bekundung seiner Friedensbereit⸗ schaft nicht zurückgehalten hat. Die Besorgnis, sagte er, sei unberechtigt, als wolle er der Möglichkeit eines ehren⸗ nollen Friedens aus dem Wege gehen, als werde er vernünftige Friedensangebote, die uns gemacht werden, ablehnen, weil wir alle eroberten Länder behalten und noch neue dazu erobern wollen. Ferner erklärte er:„Friedensangebote unserer Feinde, die der Würde und Sicherheit des Deutschen Reiches entsprechen, ich wieder⸗ hole es immer wieder— sind wir allezeit bereit zu diskutieren.“ Und weiter: Wir lehnen jede Verantwortung für die Fortsetzung des Unheils ab. Es soll nicht heißen, daß wir den Krieg auch nur um einen Tag verlängert haben, weil wir noch dieses oder jenes Faust⸗ pfand dazuerobern wollen.“ Gewiß forderte der Reichskanzlers ferner auch, daß Belgien und Polen in Zukunft nicht wieder als Aufmarschgebiete und Einfallstore Englands und Frankreichs gegen uns ausgerüstet werden sollen. Aber dieser Hinweis, so vieldeutig er ausgelegt werden kann, hat jedenfalls einen ganz anderen Klang als die klirrenden Forderungen der Annexionisten, die in gewissen Eingaben hervortraten und auf den Kanzler eigen Druck auszu⸗ üben suchten.“ Angstpolitik der Bürgerlichen im Reichstage. Unser parlamentarischer Mitarbeiter hatte gestern den häßlichen Zwischenfall im Reichstage, die Wortverweigerung an Genosse Dr. Landsberg, als verhältnismäßig harmlos und als auf einem Mißverständnis beruhend darge— stellt. Zu einer doch wesentlich anderen Auffassung der Sach⸗ lage kommt aber Genosse Dr. Quarck. Er schildert den Vor⸗ gang und seine Ursachen in unserem Frankfurter Parteiorgan wie folgt: „... Das war noch alles vom Reichskanzler ohne verletzende und aufreizende Schärfe, sondern als sachlicher Ausdruck uner⸗ schütterlicher Ueberzeugung gesagt, mit der man rechten mag, wie viele unserer Genossen, die aber geachtet werden muß. Was dagegen jetzt folgte, war ein Stlick häßlicher und sinnloser bür⸗ gerlicher Gewaltspolftik, für die es keinerlei Ent⸗ schuldigung gibt. Die gemeinsame Erklärung der bürgerlichen Parteien, die Herr Spahn abgab, ging noch, obgleich sie am Schluß mit ganz unnötiger und unkluger Schärfe, die sich offensichtlich auch gegen den Reichskanzler richtete, die Notwendigkeit von Grenzregulierungen betonte. Dann aber kam das Unbegreifliche: durch einen rasch angenommenen Schlußantrag schnitt man unserem zweiten Redner das Wort ab. Und nicht bloß dies! Aus der in dieser Lage ganz besonders häßlich anmutenden Geschäftsordnungs⸗ debatte, in der unsere Redner ohne Unterschied der Richtung die versuchte Vergewaltigung brandmarkten und unsere Fraktion durch minytenlanges Rufen erst die Möglichkeit einer solchen De⸗ batte erzwingen mußte, stellte sich folgendes heraus. In eindring⸗ lichen Verhandlungen hatte unsere Parteileitung den bürgerlichen Parteien das Unheil vorgestellt, daß sie heraufzubeschwören im Be⸗ griffe waren. Diese hatten aber darauf bestanden, daß unser zweiter Redner entweder vor ihrer Erklärung und nicht am Schlusse, oder gar nicht sprechen solle. Sie suchten jede Kritik ihrer Haltung durch uns und die Zusammenfassung der De⸗ batte durch die Sozialdemokratie zu verhindern. Diese Kurz⸗ und leidenschaftlichen * ˖ ers Friedens bedingungen, wolle er den anderen den Frieden Was der Reichskanzler hierüber gesagt hat, weicht Der Kanzler ist der Meinung, daß 0 80 e e 6 a eil diese Zehens der Schriftführer nicht bis zum Präsidenten gelan Ein Friedensangebot von Friedens welche Unklugheit sie zu begehen im Begriff gewesen gut fand, veröffentlicht hat. ö 4 2 i 1 90 3 77 Protest aus. Inzwischen mag die ee. gerlichen Führern 1 haben, welches Unheil sie Jane Als Genosse Dr. Landsberg, unser zweiter Re tellte, daß er sich infolge der Verhandlungen unter de an der Stelle vor Spahn auf die Rednuerliste zwar ha lassen, daß er sich sedoch nachher wieder als Schlußrel Wort gemeldet und daß diese Wortmeldung infolge ei zu 1 scheine, trat man allfetig auf diese Brücke um aus 92 K 5 heit herauszukommen. Die bürgerlichen Parteien hatten gen f 1 Herr Payer selbst beantragte die Wiederaufnahme der Debat Genosse Landsberg hielt seine Schlußrede zur Interpellatio .. In allen, die die bedeutsame Sitzung miterlebten, ha die Ueberzeugung befestigt, daß die bürgerlichen Parte nichts vergessen und nichts lernen können und von ihnen esne Wendung in der inneren Politik Deutsch nicht ausgehen wird. Sie haben dafür heute den endg tigen Unfähigkeits nachweis erbracht. Wer eine günstige Situation durch beschränkteste A n u ff gründlich verfahren kann, wie heute, über den ist politisc Urteil gesprochen....“ N Die Kämpfe am Balkan. Aus Saloniki wird gemeldet, daß die Engländer zu gehen mußten, während die Franzosen sich beim Baß Strumitza noch halten. Man nimmt an, daß die im G befindliche Schlacht sich auf griechisches Gebiet hinüberzi werde. Die gesamten englisch⸗französischen Streitktä reichen höchstens 110000 Mann, andere 40 000 Mann in Saloniki. 5 Der serbische Generalstab ist in Skutari angekommen, w sich bereits die Regierung und der König aufhält. Die N gekommenen serbischen Truppen werden zwischen Skutart Durazzo Lager beziehen, für dessen Verpflegung sorgt Italie Ueber das Los der österreichisch-ungarischen Kriegsgefan nen werden haarsträubende Einzelheiten berichtet. J Aermsten verhungern buchstäblich am Wege oder stürzen sit auf Pferdeleichen, um sich zu sattigen. g f Das Elend der serbischen Heeresreste. T. U. Lugano, 11. Dez. Magrini drahtet unterm 9. D aus Saloniki: Halb verhungert, zu Skeletten abgemager leberlebende aus einem Schiffbruch treffen die serbischen 8 6 linge über Albanien in Salontki ein. Ihre Erzählungen 905 9 5 haft, Schwärme von Adlern, Geiern, Raben und Wölfen e b 0 1 ö rere=. — e sich an den Leichen der Menschen, Ochsen, Pferden und Mault Entsetzlich sind die Leichen der österreichischen Gefangenen a Dezember⸗Kämpfen vorigen Jahres. Man sah einzelne von ih 5 gefallene Pferde in Stücke gerissen 90160 um ihren Hun stillen. N bracht. Die Frauen der serbischen Minister Draskowitsch, g vitschitsch und Jovanowitsch mußten den Weg von Ljuna bis Dita 4 sast ganz zu Fuß zurücklegen. i f 5 f Griechische Trausportschisse von den Engländern torpediert. f T. U. Budapest, 11. Dez. A Vilag meldet aus Athen griechische Regierung stellte fest, daß im Hafen von A griechische Transportdampfer tatsächlich von einer englisck Flotteneinheit torpediert wurden. 5 Die Kriegskosten Italiens. 5 T. U. Lugano, 11. Dez. Dem Avanti zufolge beträgt Eugland aufgenommene italtenische Auleihe drei Milliarden. man(von der amerikanischen Anleihe ganz abgesehen) hie vom Schatzminister eingestellten 572 Milliarden, so betragen Kriegskosten Italiens bis Ende November 8½ Milliarden. Amerika verlangt die Abberufunz des österr e Mehr als 20 000 wurden aus Elbasan nach Dura ungarischen Generalkonsuls. g Die Unionsregierung hat von Oesterreich⸗Ungarn num mehr auch die Abberufung des österreichisch⸗ungarischen G ralkonsuls Nuber in New⸗Nork verlangt. Kriegsus izen. l Die alldeutsche Post teilt am Freitag morgen ihren Lesern ut „Durch Verfügung des Oberkommandos in den rken das Erscheinen der Post bis auf weiteres verbe worden. Berlin, den 9. Dezember 1915. Die Schriftleitung det Das Verbot ist erfolgt, weil die Post die Kriegsziele d konservativen Partei, die eine ie e Vorstandsftt noch kurz vor der zu erwartenden Reichskanzlerrede festzulegen 94 Barfüßele. 11 Eine Schwarzwälder Dorfgeschichte von Berthold Auerbach. Die barmherzige Schwester. Das war nun ein volles Leben im Hause des Rodel— bauern. Barfüßele, so hieß man nun fortan Amrei, war an— stellig zu allem und wußte sich gleich bei allen beliebt zu machen; sie wußte der jungen Bäuerin, die fremd ins Dorf und ins Haus gekommen war, zu sagen, was hier der Brauch sei, sie lehrte sie die Eigenschaften ihrer nächsten Angehörigen lennen und sich danach richten, und dem alten Rodelbauer, der den ganzen Tag trotzte und sich nicht befriedigen konnte, weil er sich so früh zur Ruhe begeben, wußte sie allerlei Ge— fälligkeiten zu erweisen und ihm zu erzählen, wie gar gut die Söhnerin sei, und es nur nicht von sich zu geben wisse; und als in der Tat kaum nach einem Jahr das erste Kind kam, zeigte sich Amrei darüber so glücklich und in allen Erforder— nissen so geschickt, daß jedes im Hause ihres Lobes voll war; aber nach Art dieser Leute so voll, daß man sie bei dem klein— sten Ungeschick eher dafür zankte, als daß man sie je in der Tat lobte. Aber Amrei wartete auch nicht darauf, und namentlich dem Großvater wußte sie das erste Enkelchen immer so gut zuzutragen und zur geschickten Zeit wieder zu entziehen, daß man seine Freude daran haben mußte. Beim ersten Zahn des Enkels, den sie dem Rodelbauer zeigen konnte, sagte dieser:„Ich schenke dir einen Sechsbätz⸗ ner, weil du mir die Freude machst. Aber weißt du? den, den du mir gestohlen hast an der Hochzeit; jetzt darfst du ihn ahrlich behalten.“ Dabei war aber die schwarze Marann nicht vergessen. Es war allerdings ein schwer Stück Arbeit, mit ihr wieder ins Gleis zu kommen. Die Marann wollte vom Barfüßele nichts mehr wissen, und ihre neue Herrschaft wollte nicht dul— den, daß sie zu ihr hinging, besonders nicht mit dem Kinde, da man noch immer fürchtete, daß ihm durch die Hexe ein die schwarze Marann mehrmals besuchte. Das wurde als ein wahres Wunder im ganzen Dorfe berichtet. Aber die Be— suche wurden bald wieder eingestellt, denn die schwarze Marann sagte einmal:„Ich bin jetzt bald siebzig Jahre und ohne die Freundschaft eines Großbauern ausgekommen; es ist mir nicht der Mühe wert, das noch zu ändern.“ Auch Dami war natürlich oft bei seiner Schwester, aber der junge Rodelbauer wollte das nicht dulden, denn er sagte nicht mit Unrecht, er müsse dadurch den großgewachsenen Burschen auch ernähren; man könne in einem solchen Hause nicht aufpassen, ob ein Dienstbote ihm nicht allerlei zustecke. Er verbot daher außer Sonntag nachmittags Dami den Be⸗ such des Hauses. Dami hatte indes selbst zu sehr in das Behagen hinein⸗ geschaut, in einem so reich erfüllten Bauernwesen zu stehen; ihm wässerte der Mund danach, auch so mitten drin zu sein, und sei es nur als Knecht. Das Steinmetzleben war gar so hungrig. Barfüßele hatte viel zu widersprechen; er solle be— denken, daß er nun schon das zweite Handwerk habe und dabei bleiben müsse; es sei nichts, daß man immer wieder anderes anfange und glaube, dabei sei man glücklich; man müsse auf dem Flecke, auf dem man steht, glücklich sein, sonst werde man es nie. Dami ließ sich eine Zeitlang beschwichtigen, und so groß war bereits die selbstverständliche Geltung Barfüßeles, und so natürlich die Annahme, daß sie für ihren Bruder sorge, daß man ihn immer nur„des Barfüßeles Dami“ hieß, als wäre er nicht ihr Bruder, sondern ihr Sohn, und doch war er um einen Kopf größer als sie, und tat nicht, als ob er ihr untertan sei. Ja, er sprach oft aus, wie es ihn wurme, daß man ihn für geringer halte als sie, weil er nicht solch Maul⸗ werk habe. Die Unzufriedenheit mit sich und seinem Beruf ließ er zuerst und immer an der Schwester aus. Sie trug es ge— duldig, und weil er nun vor der Welt zeigte daß sie ihm ge⸗ Leid geschehe. Es bedurste großer Kunst und Ausdauer, um horchen müsse, gewann sie dadurch nur immer mehr an 2 diese Feindseligkeit zu besiegen; aber es gelang dennoch. Ja, sehen und Uebermacht in der Oeffentlichkeit; denn jedes Barfüßele wußte es dahin zu bringen, daß der Rodelbauer] sagte, es sei brav von dem Barfüßele, was sie an ihtem Bruder täte, und sie stieg dadurch noch, daß sie sich von ihm gewalttätig behandeln ließ, während sie für ihn sorgte wie eine Mutter; denn in der Tat wusch und nähte sie ihm den Nächten, daß er zu den Saubersten im Dorfe gehörte und bei zwei Paar Rahmenschuhen, die sie als Teil Lohnes jedes halbe Jahr bekam, hatte sie beim Schuhmacher noch draufbezahlt, damit er solche ihrem Dami mache, denn sie selber ging allzeit barfuß, und nur selten sah man sie ein⸗ mal des Sonntags in Schuhen in die Kirche gehen. Barfüßele hatte viel Kummer davon, daß Dami, ma wußte nicht wie, allgemeine Zielscheibe des Spottes und der Neckerei im Dorfe geworden war. Sie ließ ihn scharf darum an, daß er das nicht dulden solle; er aber verlangte: sie möge es den Leuten wehren und nicht ihm, er könne nicht dagegen aufkommen. Das war nun nicht tunlich, und innerlich war es dem Dami auch eigentlich gar nicht unlieb, daß er überall ge⸗ hänselt wurde; es kränkte ihn zwar manchmal, wenn alles über ihn lachte und viel jüngere sich etwas gegen ihn heraus nahmen, aber es wurmte ihn noch weit mehr, wenn man ihn gar nicht beachtete, und dann machte er sich gewaltsam zum Narren und gab sich der Neckerei preis. f 1 Bei Barfüßele dagegen war allerdings die Gefahr, der Einsiedel zu werden, den die Marann immer in ihr erkenne wollte. Sie hatte sich an eine einzige Gespielin angeschlossen es war die Tochter des Kohlenmathes, die aber nun schon seit Jahren in einer Fabrik im Elsaß arbeitete, und mat hörte nichts mehr von ihr. Barfüßele lebte so für sich, daß man sie gar nicht zur Jugend im Dorfe zählte; sie war mit ihren Altersgenossen freundlich und gesprächsam, aber ihre eigentliche Gespielin war doch nur die schwarze Maran Und eben weil Barfüßele so abgeschieden lebte, hatte sie keinen Einfluß auf das Verhalten Damis, der, wenn auch gen und gehänselt, doch immer des Anschlusses bedürftig war nie allein sein könnte wie seine Schwester.(Jortsetzuna 0 Athen von Au t engl schen da Lehen l n Mal 5th uf del iele de! anten stzuleher „ . Hessen und Nachbargebiete. Gießen und Umgebung. Wo bleiben die Höchstpreise für Marmelade? 9 e für Konsumente uns: Weil Fett und Butter knapp sind, wird; 5 Marmelade und anderer süßer Vtotasstade lee ble früher. Das ist gut so; denn es sind gesunde Nahri b 0 und es ist ein Glück, daß wir in diesem Jahre 5 ai ee reiche Obsternte hatten und daß auch Zucker im We ist. Wir konnten daher große Mengen von Marn de l Obstmus verhältnismäßig billig herstellen, 0 daß 18 118 Verzehr noch ganz gewaltig steigern läßt. Um f sich 80 licher ist es aber, daß die Verbraucher trotz der rene Vorräte ganz ungewöhnlich hohe Preise zahlen müssen 8 die Preise sind noch immer im Steigen begriffen N Zustände sind unhaltbar. Sie drohen unerträglich 18 w 1950 wenn die Regierung nicht sofort eingreift. Warum ist sie unf halbem Wege stehen geblieben? Die Hündesratsverorbn 5 vom 11. November ermächtigt den Reichskanzler Hersteller preise für Obstmus, Marmelade, Honig, Kunsthonig Nüle syrup und sonstige Fettersatzstoffe zum Brotaufftrich fest. zusetzen. Nach ihnen sollten dann die Gemeinden Klei. handelshöchstpreise normieren. Welchen Zweck hat aber 155 solche schöne Befugnis, wenn man keinen Gebrauch von ihr macht? Der Erlaß der Verordnung läßt doch darauf schließen daß die Regierung bereits am 11. November die lieber zeugung hatte, daß auch auf diesem Gebiete etwas getan wer— den muß und seitdem sind die Verhältnisse nicht besser, son⸗ dern nur schlimmer geworden.— Darum ist längeres Ab⸗ warten unmöglich. Die Höchstpreise müssen sogleich fest⸗ gesetzt werden, wenn sie noch Sinn und Zweck haben sollen. ninteressen schreibt Der Mangel an Speisekartoffeln. Dem Vorwärts wird geschrieben: Die Deutsche Desti 8 bespricht in ihrer Nr. 93 umlaufende Gerüchte, 100 were Boie Brennereien für Brennkartoffeln 8—8,50 Mk. bezahlen, während der Höchstpreis für die wertvollere Speisekartoffel zu 5,50 Mk. im Großhandel festgelegt ist. Sollten die Gerüchte auf Wahrheit be⸗ ruhen, so wäre es erklärlich, daß den betreffenden Brennereien ein starkes Angebot in Kartoffeln zuströmt, die den Märkten für Speisekartoffeln entzogen werden. In der Bewertung der Kartoffeln nahm dte Speisekartofsel von jeher die oberste Staffel ein. Sollte die Brennerei jetzt um 50 vom Hundert höhere Preise zahlen können, dann ist da etwas nicht in Ordnung! Der Eingriff in die freie Selbstbestimmung, und als solcher ist die Festlegung von Höchstpreisen stets anzusehen, hat den alleinigen Zweck, die Bewertung einer für die Gesamtheit unentbehrlichen Ware der Gewinngier zu entziehen. Dieser Zweck würde aber völlig vereitelt werden, wenn die Brennerei oder andere Kartoffeln verarbeitende Industrien 50 Prog. höhere Preise zahlen können als die Reichsbehörde für die Speisekartoffeln fest⸗ gelegt hat. Denn es bedarf leines besonderen rechnerischen Nach⸗ weises, daß die Brennereien nur dann solche Preise für die Kar⸗ toffel zahlen, wenn sie wenigstens ihre Herstellungskosten durch die Verwertung der Erzeugnisse zurückerhalten. Diese Erzeugnisse sind Schlempe und Spiritus. Die Schlempe ist, wie allgemeine bekannt, zwar ein wertvolles Viehfutter, aber der Brennereibetrieb schafft keine Futterwerte, sondern zerstört sie! Aus dem Umstande, daß Riesenmengen heißes, gut aufgeschlossenes Futter von hohem Nährwerte in die Krippen fließen, ist noch keineswegs der Schluß zu ziehen, daß diese Futterwerte in der Brennerei geschaffen werden. Als Unterlage für die Gärung kommt in der Kartoffelbrennerei nur die Stärke in Frage, von der etwa 84,5 Proz. in der festen Kartoffelmasse enthalten sind. Sie wird im Verlauf des Betriebes verzuckert und dieser Zucker unter der Einwirkung der wachsenden Hese in Alkohol und Kohlensäure gespalten, die beide als Nahrungsmittel oder als Futtermittel nicht in Frage kommen. Es bedarf keines zahlenmäßigen Nachweises. daß der ganze Futterstoff einen höheren Futterwert hat als Teile desselben. 8 8 1 Wir hören soviel von der Größe der diesjährigen Ernte! Dies aber gilt auch für die relativen Erträgnisse, d. h. im Verhältnis au dem vergrößerten Bedarf. Nach gesetzlicher Bestimmung müssen bei der Herstellung von Roggenbrot auf 90 Teile Roggenteile 10 Teile Kartoffelwalzmehl verwandt werden. Nimmt man an, daß die Brotkartenmenge dem Brotverbrauche entspricht und daß zwei Drittel des Gesamtverbrauches aus Roggenbrot bestehen, dann sind zu dessen Herstellung rund 450 Millionen Kilogramm Kartoffel⸗ walzmehl erforderlich. Zum Weizengebäck dürfen unbegrenzte Mengen Kartoffelstärke verarbeitet, werden, die Herstellung von Backwerk aus Kartoffelstärke hat sich vervielfacht. Dieser Neuver⸗ brauch von Kartoffeln und Kartoffelpräparaten zu Backzwecken er⸗ reicht eine solche Höhe, daß sie, verbunden mit der noch ungleich größeren Menge von Kartoffeln, die mehr zur Fütterung gelangen, alle früheren Zahlen des Verbrauchs über den Haufen werfen. Der hohe Preis für Brennkartoffeln wirkt mit unfehlbarer Sicherheit auch erhöhend auf die Preise der Kartoffeltrockenerzeugnisse und verteuert die Brotbereitung, Die Surrogate(Kartossel⸗ Trockenpräparate) waren schon nicht, 1 teurer als Weizen⸗ und Roggenmehl selbst, das sie ersetzen do. ö Sollen die erke hspresse für Speisekartoffeln ihren Zweck erfüllen, dann müssen auch für alle anderen Kartoffeln Höchstpreise festgelegt werden, die etwas niedriger liegen 1 5 5,50 Mk, damit für die Besitzer ein Rei vorhanden ist, sie als Speisekartoffeln an den Markt zu bringen. Die Bierbrauereien im — Ein Bierboykott der Wirte. Die Bierb. 1 7 Rheinland und Westfalen beschlossen kürzlich ihre Nee Bierpreis⸗Erhöhung. Während des Krieges wurde der Heteliterbvelt 0 Mark erhöht. Diese fröhliche Aus- nutzung der Konjunktur hat endlich die Wirte in Harnisch ge— bracht. Die Wirtevereinigungen ia Solingen haben bee schlossen, falls die Brauer auf der Erhöhung beharren, mit dem 15. Dezember den Bierausschank einzustellen und gemeinsam leichten und billigen Wein einzukaufen und erschänken. 5 5 5 barsch ene bei der Hundesteuer. Es dürfte pielen Hundebesitzern nicht unwillkommen sein, wenn 95 an dieser Stelle darauf aufmerksam machen, daß 1 1 ae dieses Jahres abgeschafften Hunde bis spätestens nen 5 5 zember bei der zuständigen Bürgermeisterei oben 0 50 — Wird die Abmeldung erst nach dem 31. Dezember ewit 1 so ist die Hundesteuer für das folgende Jahr iet e richten.— Wer ferner am 1. Jann selbst 1 0 0 htete 5 0 Hunde im Alter von unter drei Monaten bessf 15 enk. weder gleich oder nachträglich zur Hundesteuer für 11 15 mende Jahr zugezogen. Nur wenn nachge desen. 12155 1 ein junger Hund vor Erreichung des Alters von 3 Monaten, 0 Orten außerhalb des Groß⸗ e We an tritt Steuerbefreiung ein. 1 Vom Zuge totgefahren. Am Samstag nachmittag geriet der Rangierer Pfeiffer von hier auf dem Güter- bahnhofe unter einen Zug und wurde überfahren. Sein Tod trat auf der Stelle ein. Pfeiffer ist etwa 30 Jahre alt. 4 Wirtshausstreit. Am Samstag abend kam es in einer hiesigen Wirtschaft zum Streit zwischen zwei Soldaten, wobei der eine mit dem Seitengewehr auf seinen Gegner ein— drang und diesen verletzte. E die Gewinne einer Zuckerfabrik. Die Zuckerraffinerie Halle gibt ihren Aktionären für das Geschäftsjahr 1914/15 trotz erhöhter Abschreibungen und Rüickstellungen eine Dividende von 25 Prozent gegen 10 Prozent inn Vorjahre. Obgleich die ver⸗ arheitete Menge Rohzucker von 1290 000 Doppelzentner im Jahre 1913/14 auf 856 896 Doppelzentner im Jahre 1914/5 zurüickge⸗ gangen war, stieg der Ueberschuß aus Zuckerlieferuugen von 3717017 Mk. auf 5 483 799 Mk. Alls dem Vorjahre stand ein Vor⸗ trag von 4454 Mk.(17 662) zur Verfügung. Die Unkosten haben sich gegen das Vorjahr baum geändert, sie betragen 2802 819 Mk. 2813 211). Die Abschreibungen werden von 200 500 Mk. auf 334 682 Mk. erhöht. Der Ueberschuß übertrifft das Vorjahr um vund 4,0 Millionen Mark und stellt sich auf 2951071 Mk.(720 909). Mit ähnlichen Ueberschsissen haben im allgemeinen die Zucker⸗ raffinerien. gearbeitet. Trotzdem hat der Verein der deutschen Zuckerindustrie beim Reichsamt des Innern eine weitere Erhöhung des Rohzuckerpreises beantragt. Die Profitsucht kennt doch beine Grenzen! — Die Sorge um— den zweiten Schuh soll jetzt den, Krsegs⸗ verletzten abgenommen werden. Bei den Verletzten mit einem künstlichen Beine hatte darin ein etwas merwürdiges West e bestanden. Mehrfach ist es vorgekommen, daß sie zwar für des künstliche Bein den bekannten besonderen Schuh erhielten, für das gesunde aber selber sorgen mußten, was bei den gegenwärtigen hohen Preisen gar nicht so einfach ist und vielfach eine Härte für die Leute bedeutet. Das Kriegsminksterium hat in dieser Ange⸗ legenheit jetzt die Verfügung erlassen,„daß die zum Tragen ortho⸗ pädischen Fußzeuges genötigten Kriegsverletzten zwei Paar Schuhe— also auch die Bekleidung für den gesunden Fuß— kostenlos geliefert erhalten, soweit sie zu den Löhnung beziehen⸗ den Unterklassen gehören. Unteroffizieren und Mannschaften, die in der Vergangenheit ungünstiger abgefunden wurden, werden die fehlenden Stlicke auf ihren Antrag nachgeliefert. Die Anträge sind beim Ersatztruppenteil, von den bereits Ausgeschiedenen beim zu⸗ ständigen Bezirkskommando anzubringen.“ — Konsumverein Gießen. Die gestern nachmittag im Saale des Gewerkschaftshauses abgehaltene außerordentliche Generalverf ammlung war nur mäßig besucht, was wohl in der Hauptsache auf das überaus schlechte Wetter zurückzuführen war. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Vetters, eröffnete die Versammlung kurz vor 4 Uhr, wohei er bemerkte, daß die Ver⸗ sammlung sich durch Neubesetzung des Geschäftsfülhrerpostens not⸗ wendig gemacht habe. Und bei dieser Gelegenheit solle zugleich den Mitgliedern ein Bild von der gegenwärtigen Schwierigkeit auf dem Waxenmarkte gegeben werden. Zu diesem Zwecke sei der Ge— schäftsführer des Frankfurter Konsumvereins, Liebmann, zu einem Vortrage gewonnen wordennz da es aber Liebmann nicht möglich wax, zu kommen, sei Genosse Meißner aus Mannheim. an seiner Stelle erschienen. Weiter bemerkte der Vorsitzende, daß man einen neuen Geschäftsführer an Stelle Keßlers zu wählen habe. 5 Dessen Weggang bedauere die Veerwaltung; er habe jahre⸗ lang im Verein gearbeitet, jederzeit seine Schuldigkeit getan und an der Entwicklung des Vereins habe er hervorragenden Anteil. Er habe auch keine Veranlassung gehabt, seinen Posten zu ver⸗ lassen, niemand habe ihm etwas in den Weg gelegt; er habe den Beschluß der letzten Generalversammlung, den Vorstand auf 5 Personen zu erweitern, als Mißtrauensvotum gegen den Vor⸗ stand aufgefaßt und dieserhalb gekündigt. Daß dies nicht der Fall und nicht beabsichtigt war, ist bekaunt und wurde auch in der letzten Generalversammlung ausdrücklich erklärt. Doch war anderseits die Gesamtverwaltung nicht in der Lage, etwas an der Sache selbst zu ändern.— Hierauf ergriff Genosse Meißner das Wort, der ein reiches Material vorführte, das den Hörern den Be— weis lieferte, welche ungeheuere Schwierigkeiten heute auch die Konsumvereine bei der Warenbeschaffung zu überwinden haben, vielfach gar keine Waren bekommen. Die Spekulation übersteigt alle Vorstellungen, der Käufer wird oftmals direkt betrogen und er kann sich dagegen nicht einmal wehren. Was g. B. heute manchmal als Seife angeboten wird, sei gar leine solche, sondern ein Produkt, das mit Seife nur äußere, Aehnlichkeit habe. Daß da⸗ gegen nicht von den Behörden eingegriffen werde, sei bedauerlich. Seise mit 17 Prozent Fettgehalt zu verkaufen, müßte verboten werden, normalerweise habe die Seife 60 Prozent Fettgehalt. Der Laie, welcher nicht wisse, daß er wertloses Zeug kaufe, sehe meist nur nach dem Preise und frage dann, warum der Konsumverein (der solchen Schund nicht verkaufe) sie nicht ebenso billig abgebe. Von den Produkten, die beschlagnahmt sind, müsse der Konsum⸗ verein die Waren nehmen, wie er sie bekomme. Oft sei die Ver⸗ teilung sehr mangelhaft. Als Beispiel führte Redner an, daß sie in Mannheim genligend Weizenmehl, aber zu wenig Roggen⸗ mehl hätten. Ueber der Rheinbrllcke, in Ludwigshafen, sei das Gegenteil der Fall, aber mit dem dortigen Verein einen Austausch zu bewerkstelligen, sei untersagt, weil Ludwigshafen bayerisch, Mannheim badisch sei. Redner führte noch weitere Tatsachen dieser Art an und meinte zum Schluß, daß die Konsumgenossenschaften sich in diefen Zeiten als notwendige und gemeinnützige Organi⸗ ationen Anerkennung auch in Kreisen erworben haben, die früher davon nichts wissen wollten. Tatsächlich sei auch überall ein Steigen unserer Mitgliederzahl zu verzeichnen. Hoffentlich halte diese Erkenntnis auch nach dem Kriege noch an, denn die Genossen— schaftsbewegung habe noch große Aufgaben zu erfüllen, besonders bedarf die Eigenproduktion noch weiteren Ausbaues. Dazu nach Kräften mitzuhelsen müsse jedes Mitglied für seine Aufgabe halten. — Eine kurze Besprechung, an der sich Bräutigam, Koppe, Vetters, Röpke und Schimmel in zustimmendem Sinne beteiligten, schloß sich an den beifällig aufgenommenen Vortrag.— Hierauf wurde zur Wahl des Geschäftsführers geschritten, als welchen die Verwaltung den Genossen Röpke, bisher Geschäftsführer in Mittweida in Sachsen, vorschlägt. Der Vorsitzende bemerkte dazu, Röpkes bis⸗ herige Tätigkeit bürge daffir, daß er seiner Aufgabe vollkommen gerecht zu werden in der Lage sei, man dürfe hoffen, daß er zur weiteren günstigen Entwicklung des Vereins nach besten Kräften beitragen werde.— Die durch Stimmzettel vorgenommene Wahl ergab bei 59 abgegebenen Zetteln 57 Stimmen für Röpke, 2 Zettel waren unbeschrieben. Der Vorsitzende stellt die damit erfolgte Wahl Röpkes fest und schließt unter Dankesworten a die Er⸗ schienenen die Versammlung. An die Tabalarbeiter und Arbeiterinnen von Gießen und Um⸗ gegend! Kolleginnen, Kollegen! Wir brauchen dringend das Material von sämtlichen Zigarrenfabriken ber die Akkordlöhne für Roller, Wickelmacher, Sortierer usw., unter Angabe der ein⸗ zelnen Sorten, auch sind die Löhne für alle, welche im Taglohn oder Wochenfohn arbeiten, erwünscht. Wix ersuchen, diese Angaben sofort im Bureau Schanzenstraße 18 J. abzugeben oder brieflich eingu⸗ senden. Die Ortsverwaltung für Gießen und Umgegend. Von Nah und Fern. Frankfurt a. M., 13. Dez. Diebstahl e ines Ge— mäldesvon Spitzwegim Städelschen Museu m. Zwischen dem 10. und 11. Dezember wurde im Städel das Gemälde„Forellenbach“ aus dem Rahmen geschnitten, Beschreibung: Wildbach in einer Talschlucht mit fischendem Franziskanerpater, neben dem ein Knabe steht. Lins unten bezeichnet. Oelgemälde auf Leinwand 37:29 em. Von dem Täter hat num noch keine Spur. In den Flammen umgekommen. u Altendiez ist die 28 Jahre alte Ehefrau Elisabeth Diehl elendiglich ums Leben gekommen. Beim Schlachten machte sie sich am Wurstkessel zu schaffen, wohe! ihre Kleider Feuer fingen. Ehe man der Bebauernswerten Hisse bringen konnte, stand sie in hellen Flammen und hatte derartige Brandwunden erlstten, daß sie nach einigen Stunden starb. Der Gatte, der im Felde steht, und drei kleine Kinder trauern um die Verunglückte. Eine entsetzliche Bluttat ist, wie aus München berichtet wird, in dem Orte Dörfl, der zur Gemeinde Pergkirchen gehört, be⸗ gangen worden. Die Agjährige Häuslerin Schiitzenhöser hat ih ve sseben Kinder im Alter von 2 Monaten bis 14 Jahren, vier Mädchen und drei Knaben, dadurch getötet, daß sie ihnen den Hals bis zur Wirbelsäule durchschnitt. Darauf ermordete die Frau auf die gleiche Weise ihre Mutter. Nach der, Tat beging die Mörderin Selbstmord. Sie jagte sich eine Kugel in den Kopf. Anscheinend hat die Frau die Tat, in einem Anfall von Wahn⸗ sinn verübt; sie sollte demnächst in eine Irrenanstalt übergeführt werden. Tahesberichtedes Großen Hauptguartiers. Französischer Angriff auf Höhe 193 abgewiesen Zusammengebrochener Augriff der Russen. W. B. Großes Hauptquartier, 11. Dez., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz Auf vielen Stellen der Front lebhafte Tätigkeit der beiderseitigen Artillerie. Nach starker Feuervorbereitung griffen die Franzosen abends unsere Stellungen auf und östlich der Höhe, 193(nord östlich von Souain) erneut an. Der Angriff ist abgeschlagen. Die Stellung ist genau so fest in unserer Hand, wie sie uns auch durch die kühnsten gegenteiligen Behauptungen in den französischen Tagesberichten der letzten Zeit nicht hat ent— rissen werden können. Oestlicher Kriegsschauplatz. 5 Die Lage bei den Heeresgruppen der General-Feld märschälle von Hindenburg und Prinz Leopold von Baye ru ist unverändert.. Heeresgruppe des Generals v. Linsingen. Ein russischer Augriff brach nördlich der Eisenbahn Kovel⸗Sarni verlustreich auf der österreichisch-ungarischen Linie zusammen. Nördlich von Czartorysk wurden auf das westliche Styrufer vorgegangene Aufklärungs⸗Abteilungen des Feindes wieder vertrieben. Balkan. Keine wesentlichen Ereignisse! Ueber die bulgarischen Armeen noch nicht vor. liegen neue Nachrichte Oberste Heeresleitung. 2 Niederlage der Fransosen und Engländer. W. B. Großes Hauptquartier, 12. Dez., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. 0 Oestlich von Neuve⸗ Chapelle(südwestlich von Lille) scheiterte vor unserem Hindernis der Versuch einer kleineren englischen Abteilung, überraschend in unsere Stel⸗ lung einzudringen. In den Vogesen kam es zu vereinzelten Patrouillen⸗ gefechten ohne Bedeutung. Oestlicher Kriegsschauplatz. Schwächere russische Kräfte, die in Gegend des Warsung⸗ Sees(füdlich von Jakobstadt) und südlich von Pinsk gegen. unsere Stellungen vorfühlten, wurden zurückgewiesen. Balkankriegsschauplatz. Den in den albanischen Grenzgebieten verfolgenden öster⸗ reichisch-ungarischen Kolonnen fielen in den beiden letzten Tagen über sechstausendfünfhundert Gefangene und Ver, sprengte in die Hände. Zwischen Rozaj, das gestern ge. nommen wurde und Ipek hat der Feind vierzig Geschütze zurücklassen müssen. Nach ents chei denden Nieder lagen, die die Armee des Generals Todor ow in einet Reihe kühner und kräftiger Schläge während der letzten Tage den Franzosen und Engländern beibrachte, befinden sich 105 in kläglichem Zustande auf dem Rückzug nach det griechischen Grenze und über dieselbe. Die Ver lu ste der Feinde an Mensschen, Waffen und Materialallet Art sind nach dem Bericht unseres Verbündeten außer ordentlich schwer. 1 Oberste Heeresleitung. Der österreichischungarische Tages berichl Der Feldzug gegen Montenegro. Wien, 11. Dez.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart. 11. Dezember 1915. Russischer Kriegsschauplaß. Bel Czartorysk haben wir russische Aufklärungsabteilunges vertkieben. Sonst Ruhe an der ganzen Front. Italienischer Kriegsschauplaßz. Die Geschlitztämpfe in Judlearsen dehnen sich nun 05 auf den Raum westlich des Chiese-Tales aus. Im Abse nitt Ei diesem und dem Concei⸗Tale wurden unsere vorgescho enen Posten auf dem Monte Vies vor überlegenen feindlichen Kräften zur genommen. Schwache Angriffe der Italiener in den Dolomiten gegen die Sief⸗Sattel, im Görzischen, gegen den Nordhang de, Monte San Michele wurden abgewiesen. Südböstlicher Kriegsschauplag. Nachhutkämpfen auf montenegrinischem Ge biel würden neuerlich über 400 Gefangene eingebracht. Der Stellvertreter des Chess des Generalstabs: v. Höfer, Feldmarschalleutnant. * 0 In den Ereignisse zur See. Am 10. e eg hat ein Geschwader unserer Sagal in Ancona Bahnhof, Eletkrigitätswerk, Gafometer und militär! 05 Objekte sehr erfolgreich mit Bomben belegt. Troß des Schrapnell seuers aus mehreren Geschüten und der sehr ungünstigen Witterung sind alle Flugzeuge unversehrt esugerückt. Flottentommando. * Wien, 12. Dez. Amtlich wird verlantbart 12. Dezember 1915. Rufsischer Kriegsschauplaß. (W. T. B.) Slellenwelse Geschühleuer, Keine besonderen Ereignisse. Italienischer Kriegsschauplaßtz. Im Abschnitte der Hochfläche von Doberdo griff eine italienische Infanteriebrigade unsere Stellungen südwestlich von San Martino an. Sie wurde zurückgeschlagen und erlitt große Ver⸗ lu fte. Sonst herrschte an der ganzen Südwestfront, von ver⸗ einzelten Geschütztämpsen abgesehen, Ruhe. Auch in Judscarien hat die Tätigkeit des Feindes nachgelassen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Unsere Offensive gegen Nordost⸗Montenegro führte gestern zur Besetzung von Korita und Rozai und zu Nachhutgefechten 12 Kilo⸗ meter westlich von Ipek. Wir brachten in diesen erfolgreichen Kämpfen 6100 Gefangene ein und erbeuteten im Gelände zwischen Zpek und Rozai 40 serbische Geschütze. Der Stellvertreter des Chefs des Generolstabs: v. Höfer, Feldmarschalleutnant. Der Zusammenbruch der Ententetruppen der griechischen Grenze zu. Nicht besser erging es dem rech⸗ ten Flügel. Die befestigten Stellungen bei Valandovo, Rabrovo, Totorli, Kolkali fielen nacheinander in die Hände der stürmenden Bulgaren. Die Bahnstation von Miowtze, die in Flammen aufging, wurde genommen. Die Verfol⸗ gung geht energisch vor sich, und die kräftigen Schläge, welche die Armee der Alliierten in den Kämpfen der letzten zehn Tage von der Armee des Generals Todorow erlitten hat, brachten die gegen die Grenze Griechenlands und über diese hinaus zurückflutenden Reste der empfindlichst getrof⸗ fenen Orientarmee in die kläglichste Verfassung. Der militärische Niederbruch der Entente am Balkan liegt der Welt nunklar vor Augen. Politisch haben England und Frankreich eine nicht mehr gutzumachende 1 Krustzitza⸗Planina und der Hochfläche Maravatz, nördlich Berane, in unseren Händen. Die Besetzung von Rozaj brachte uns an den Nordosthang der Smiljevitza⸗ Planina, und die für uns erfolgreichen Nachhutkämpfe 12 Kilometer westlich von Ipek sicherten unseren Truppen den Besitz des Skala⸗Zobotit genannten klammartigen Defilees der Petzska Bistritza. 5 Die Zahl der in bulgarische Gefangenschaft geratenen Engländer und Franzosen, besonders aus dem Tscherna- und Wardargebiet beträgt bisher schon beinahe zwanzigtausend. Griechischer Ministerrat, T. U. Rotterdam, 12. Dez. Reuter meldet vom 9. Dezember 1 aus Athen: Die Lage in Mazedonien und die Notwendigkeit, vasch ö —— 1 l 1 0 Katastrophe erlitten. Zwei Großmächte, die sich weltbeherr⸗zu einem Uebereinkommen mit der Entente zu one wurde 1 57 am Balkan. schend dünkten, sind auf der Flucht vor dem Heere eines klei— 1 15„ K ö 3 — 2 7 7 5 2 4 5 54 Aa. 10 5. 0 III* 0— 1 2 1 5 72 7 50 1 f Der Frankfurter Zeitung wird telegraphiert: nen taates, dem man die gestutzten Flügel noch mehr Mitteilung von dei Zentralmächten erhalten über die Frage, ob 103 Nach den erbitterten Kämpfen längs des Wardar, von zu bese en sich anschickte. Diese Niederlage ist en:⸗ die Ententetruppen auf griechisches Gebiet verfolgt werden sollen. 12 der Eisenbahnstation Demirkapu an über Klisura, Gradetz,[scheidend für das S chicksal der Landungs Jedenfalls werde die Regierung alles 0 die 1 1 die Eisenbahnstation Strumitza und um die Orte Davidoboz armee. 7. Einfalls in Griechisch⸗Mazedonien von Norden her zu verhindern. 9 und Hudova, die vom 6. bis 9. andauerten, war der Wider In Montenegro schreitel die österreichisch⸗ungarische Verantwortlicher Redakteur; F. Vetters, Gießen. 1 stand des linken Flügels und des Zentrums der] Offensive im Nordosten dieses Landes weiter günstig fort. Verlag von Krumm& Cie., Gießen. 5 Ententetruppen gebrochen. Dezimiert eilten die Trümmer! Durch die Einnahme von Korita ist das ganze Gebiet der! Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M. 0 SE 9 An K auf 0 ö Jug 45* von 10 8 un * 9 9 13 6 6 1. e 0 5 9 Papier, Kupfer, essing, Zink, Von Montag, den 13. Dezember ab zie ier de, 3 sindet der Louis Rothenberger b 9 5 g Nenenweg 22. i 1 05 Verkauf vonn::;;᷑;x; 8* Flechten, Ausschlag. Jucken, Krätze iu der * ofene und geschwollene Beine Leuuße 1 2 ü r e e ee N 9 185 25. l Es ist nicht das erste Mal, dass wir unsern Lesern ein solches Weihnachtsgeschenk bieten können. Dieses Mal sind es Hämorrhoiden, Magenbeschwerden Aleche 7 9 teile ich schriftl. oder mündl. mit, D wie sich jeder davon befreit. 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