2 ee dun abwäk ungen au be Prei ——. 22 ee eee eee n een ee * 0 Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Fzeitung Die Oberbessische Volkszeitung erscheint jeden We rkta i Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Mia, 1 teljährl.1. S0 Mk. . Redaktion und Expedition Gießsen, Bahnhofstraße 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Inserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. ö Gießen, Samstag, den 11. Dezember 1915 10. Jahrgang Der Rei! Die sozialdemokratische Friedensinterpellation im Reichstag. Von großer geschichtlicher Bedeutung war zweifellos 68 0 licher die gestrige Sitzung des deutschen Reichstags. Und was dort gef 0 9010 5 9995 5 was dort gesproche burde, wird lange noch in aller Welt das lebhafte Interesselfinden. Handelte es sich doch um die Beendigung des Weltkrieges, um die Herbeiführung des Friedens, den alle Völker der Erde in glühender f ehnsucht erhoffen. Nach einer längeren Rede des Reichskanzlers ber die gegenwärtige politische und militärische Lage, eine Rede, ie Neues kaum brachte, kam es zu der Interpellation der soztal⸗ semokratischen Reichstagsfraktion über die Friedensbedingungen ger deutschen Regierung. Wir verweisen dafür auf den Reichstags⸗ ericht an anderer Stelle des Blattes. 3 1 Die von unserem Redner, Scheidemann, erhobene For⸗ erung eines e hrenvollen Friedens, der die Wiederholung ieses furchtbaren Völkergemetzels ausschließt, und seine weitere lin ausz uüschieben, sobald die Gegner dazu geneigt nd, blieb unwidersprochen, sowohl vom Reichskanzler wie von den hürgerlichen Parteien. Damit haben Regierung und Volksver⸗ retung Deutschlands die Hand zum Frieden geboten. 5s ist jezt an den Feinden, zu zeigen, ob und wie sie diese und Ergebnissen gekommen werden kann. Wenn es sich erst um die 4 inzelh eite u des Friedens handeln wird, werden noch genug Gegensätze auszugleichen sein. Wir Sozialdemokraten, die wir 1 vissen, was geschichtliche Tradition und ökonomische Widersprüche ür eine politische Bedeutung haben, werden uns am weknigsten arüber wundern, daß über den Inhalt des Friedens, über die be⸗ ondere Art der Sicherung gegen einen neuen Krieg, über die Fest⸗ etzung der staatlichen Grenzen und über bas Ob und Wie der en Erpansion tiefgehende Meinungsverschiedenheiten e vorhanden bleiben. Es war daher kein ondern eine Selbstverständlichkeit der Klassenbildung und der ge⸗ chichtlichen Entwicklung, daß die gemeinsame Erklärung der ürgerlichen Fraktionen, die Herr Spahn abgab, von er sozialdemokratischen Forderung Scheidemanns, einen baldigen hrenvollen Frieden und eine Sicherung Deutschlands vor einem eue Kriege ohne jede Annexion durchzuführen, wesent⸗ ich ab wich. Erfreulich aber war, daß der Kanzler des Deutschen Reiches liernach in keinem Falle mit den„Nichts⸗als⸗Annexionisten“ in inen Topf geworfen werden kann. Das u nterstrich auch Ge⸗ sosse Landsberg. N Die ganzen Verhandlungen sagen allen, die es aß es in der deutschen Volksvertretung keine einzige Stimme gibt, 4 ie den Krieg nur um des Krieges w illen weiterführen pill. Erneut ist bewiesen, daß abgesehen von ein paar„Wüterichen Ind Profiterichen“— wie neulich ein bürgerlicher Journalist hrieb— im deutschen Reiche jedermann Frieden vill Nur über die Einzelheiten, wie wir wiederholen, können ßzegensäge entstehen und durch ungeschicktes Verhalten cinseitiger interessentengruppen verschärft werden. Es ist aber schon ein großes und bleibendes Verdienst der sozialdemokratischen Friedens⸗ tsche Volk und auch die hören wollen, iiterpellation, gezeigt zu haben, daß das deutsche⸗. leutsche Regierung bereit sind, in Friedensverhandlungen einzu⸗ eten— freilich nicht, solange Briand, Asquith und Sassonow. hub gegen alle dröhnende Wirklichkeit, das Kriegsziel der Schmä⸗ kErung, Zerreißung, ja Vernichtung Deutschlands und seiner Ver⸗ lüündeten aufstellen. Es ist dabei von unserem Wortführer mit eller wünschenswerten Deutlichkeit betont worden, daß gerade das Deutsche Reich infolge seiner unbestrittenen gewaltigen militäri⸗ shen Erfolge und der dadurch bedingten Kraft und Stärke seiner sage sich nichts vergibt, wenn es die Friedenshand zuerst den begnern darbietet— und keinen hat es im Hause gegeben und leinen sollte es auch außerhalb des Hause⸗ lunds geben, der in diesem Friedenswillen Schwäche und der beginnenden Ohnmacht zu sehen 8 sosse Scheidemann hat sich gerade über die Frage, der leutung mit einer Deutlichkeit ausgelassen; die jeden Zweif schließen muß, aber er hat mit gleichem Recht und mit g Flarheit betont, daß aus demselben Grunde der Stärkere trößere Pflicht hat, den anderen zuerst die Hand zu bieten. wissen, wie alle Welt nach Frieden lechzt, wie die arbeite klassen in allen Ländern am meisten den Frieden herbeiwünschen peil sie am meisten unter dem Kriege zu leiden haben. ein Zeichen indem er ebenso wie erzielen. 5 e Haus selbstverständlich re tapfern Sol Eeinmütig war das ganz schuldigen Dank an unse umüitig und zu Lande, ei in dem Willen, diesen Dank 10 und Taktlosigkeit eine Viertelstunde lang ein arger Miß⸗ Präsidium annahmen, der von unserer Fraktion zum Redner in orderung, den Abschluß dieses Friedens nicht über den Zeitpunkt Hand ergreifen wollen, damit von Worten und Absichten zu Taten, Wunder. in Form und Inhalt seiner Rede Maß hielt, und 3 und außerhalb Deutsch⸗ der en sich einredet. Ge⸗ Miß⸗ el aus⸗ gleicher die Wir arbeitenden Wir wissen rekt Stellung genommen, U i fi ichen Redner keinen Zweifel darüber ließ; daß für. ebensmittel für die Ernährung und die Rohstoffe f 11155 die Frage nicht existiert, in dem zu W 100 daten Zu Pala wie der erste sagialdemakratiiche Redner, durch die Tat zu zeigen; gleich großen Dank sagte der Kanzler den] Frauen daheim, von denen viele ihr Liebstes verloren haben, die aber tapfer ausharren; den Arbeitern in Fabrik und Werkstatt, am Pfluge und auf dem Acker, die Deutschlands innere Sicherung! gewährleisten und hinter den Fronten Kultur in die besetzten Ge⸗ biete tragen oder sie wieder aufbauen, ist das stete Gedenken des deutschen Volkes gewiß. An der historischen Bedeutung der gestrigen Reichstagssitzung kann die Zufälligkeit nichts ändern, daß durch Miß verständnis ton die Sitzung beherrschte. Aber dieser Mißton wurde wi eder ausgeglichen, und der ganze Zwischenfall stand in einem solchen Gegensatz zum Inhalt der Debatte, daß er ihren Charakter nicht zu beeinflussen vermochte. Das Mißverständnis war dadurch hervorgerufen worden, daß die bürgerlichen Parteien oder das der Interpellationsdebatte bestimmte Genosse Landsberg ver⸗ zichte auf das Wort, während er nur die Absicht kundgegeben hatte, nach der gemeinsamen Erklärung der bürgerlichen Parteien zu sprechen. Die Einbringung und nun gar die Annahme eines Antrags auf Schluß der Besprechuns* 1 Wort gelangte, brachte eine aroße Erregung in das Haus und den einmütigen Protest der sozialdemokratischen Fraktion (hervor. Die bürgerlichen Parteien gelangten schließlich, bedrängt durch die lebhaften Proteste unserer Genossen Haase, Scheidemann, Ledebour und Landsberg, zu dem Entschluß, das Mißverständnis zu beheben und selbst die Wiedereröffnung der Debatte zu beantragen. * 0 Die Welt hat Deutschland reden gehört. Sie wird erkennen, daß Deutschland durch noch so oft wiederholte Drohungen nicht e nzuüsschüchtern ist im ruhigen Bewußtsein seiner inneren Kraft. Was für eine Antwort werden wir hören? Wieder Forderung der Hingabe Elsaß⸗Lothringens, für die auch die deutsche Sozialdemokratie nur ein unbedingtes Nein hat? Wieder die Phrase vom Nationalitätenprinzip, dessen stärkste Verneinung Rußland und das britannische Weltreich darstellen? Wieder die Vertröstung der Völker auf die Erschöpfung eines Staatenbundes, der heute von der Nordsee bis Bagdad reicht und dessen Gebiet sich täglich weiter dehnt? Es wird Zeit zur Einsicht. Die beiden Reden des Reschs⸗ kanzlers— die bürgerliche Erklärung war nur eine Umschreibung ihres Inhalts— und die Worte Scheidemanns und Landsbergs erlauben auch dem unbefangenen Beobachter zu sagen, daß Deutsch⸗ land nicht verblendet ist. Nun haben die andern das Wort. die * Preßstimmen an den Reichstagspver handlungen. Die Berliner Presse der großen politischen Parteien brachte am Donnerstag abend nur zu einem Teil eigene Anschauungen über die Donnerstagsverhandlungen des Reichstags; ein Teil dieser Presse begnügte sich, neben dem Bericht ein Entrefilet zu veröffent⸗ lichen. Von den Blättern, die eine eigene Stellungnahme bekundet haben, zitieren wir die nachstehenden: und der Frieden. ausführte, die Sozialdemokraten glauben, daß wir auf der Höhe unserer militärischen Erfolge, auf der wir stehen, den Frieden an⸗ bieten lönnten, ohne in den Verdacht der Furcht oder Schwäche zu verfallen, während der Reichskanzler unter Hinweis de rauf, daß unsere Feinde noch immer von der Vernichtung dessen, was sie den Militarismus, also in Wahrheit das Deutsche Reich nennen, träumen und sprechen und noch nicht einen Finger für den Frieden gerührt haben, sondern der Ueberzeugung sind, uns noch niederzwingen zu können, in dem Glauben verharrt, daß ein Friedensangebot von unserer Seite im gegenwärtigen Augenblick noch die echte oder künstlich erzeugte Siegeszuwersicht unserer Feinde stärken und als erstes wichtiges Anzeichen unserer Schwäche gedeutet werden könnte. Das ist der Kern des Ergebnisses der heutigen Sitzung.“. 6 * Die Einkreisung Montenegros. Der Lyoner Nouvelliste bezeichnet die Ankunft öster⸗ reichischer und bulgarischer Truppen in Skutari als bevor⸗ stehend, wodurch die Besetzung Antivaris einige Stunden später bedingt werde. Die Einkreisung Montenegros sei voll⸗ ständig, da die Tätigkeit der österreichischen Unterseeboote die Ueberfahrt auf der Adria sehr gefährde. Die Aktion der österreichischen Flotte gegen San Giovanni de Medua, die unbehindert Verproviantierungsdampfer für Montenegro bombardieren und ein französisches Unterseeboot versenken konnte, begünstige die Unternehmung der Feinde. Vom letzten Kriegsrat in Calais. T. U. Haag, 9. Dez. Wie gemeldet wird, traten bei dem letzten Kriegsrat in Calais scharse Meinungsverschiedenheiten wegen der Balkanfrage zutage. Schließlich wurde bo⸗ schlossen, die Altionen auf Behauptung Salonikis sowie der näheren Umgebung zu beschränken und vorläufig jede Offen- sive einzustellen. Die Haltung Griechenlands flößt der Entente nach wie vor die ernstesten Befürchtungen ein. Die italienischen Verluste in Tripolis. Konstantinopel, 9. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Wie die Blätter aus vertrauenswürdiger Quelle erfahren, halten gut organisierte Streitkräfte der Senussen und tripolitanischen Eingeborenen das ganze Wilajet Tripolis besetzt. Sie er⸗ richteten ihr Hauptquartier in Suk-el⸗Dschuma, anderthalb Stunden von der Stadt Tripolis. Sie drangen auch in die Kasa Syrt ein. Bei den Kämpfen in dieser Kasa verloren die Italiener 6000 Mann an Toten und ließen sehr viel Waffen und Munition in den Händen der Eingeborenen. Der Donau Oder⸗stanal. ter der Regierung des Dr. v. Körber, der etzt— nach 10. jähriger Nichtverwendung— gemeinsamer Finanzminister gewor⸗ Der Verliner Lokal⸗Anzeiger schreibt am Schluß seines Artikels:„Mit klaren Worten hat der Kanzler zum Ausdruck gebracht, daß Deutschland wie vor dem Kriege, auch jetzt noch fried⸗ sertig ist und den Frieden je eher desto lieber herbeiführen möchte, wenn er uns bringt, was wir unbedingt brauchen.... Es kana kein Zweisel bestehen, daß die Stimmung des deutschen Volkes selbst keine andere ist.“ Die Deutsche Tageszeitung sagt:„Sinn und Ergebnis der Aussprache war, in einer kurzen Formel zusammengefaßt: Die deutsche Reichsregierung ist, in vollem Einklange mit der über⸗ wältigenden Mehrheit des deutschen Volkes, sest und unbedingt ent⸗ schlossen, in diesem Kriege nicht nur ausg: von ihren„Vernichtungs“-Plänen absteh fechten bis zu einem Siege, wie ihn eine siche sche Zukunft erfordert.. Zeugnis ausstellen, daß er von der Ansicht durchdrungen war, e freimütige Aussprache gerade von seiten des si en, sondern ihn durchzu⸗ „ zu überzeugen. Daß dies feindlichen Ausland haben könnte, glauben wir aber ebensowenig, 8 Friedens; 1 Parteien ge⸗ nnen, 5375 5 8! 1 525 auch, daß zur Erreichung, des 4 1 11 sie 4 wie wir seine Auffassung teilen können, daß die feindlichen Völrer 1* 1 die die Hand reicht, und di 1 den Frieden herbeisehnten und nur die feindlichen Regierungen imm t. j; 1 den Krieg zu verlängern wünschten.“ 745 3451. klang durch die Reden eine. e e eig von ee, ee und Hoffnungen, die Das Berliner Tageblatt bemerkt in einem Leitartikel 5 575 anner als äußere Politik angehen. Es trat ernent u. a.„Die ganze Frage des Friedens ist natürlich mit der Frage ie Ford e nner pesse 12 erechteren und durchgreifenden Ver⸗ der Friedens bedingungen, mit der Frage der 180 r de⸗ 10 Forderung, 0 esser 75 9 Es wurde erneut bessere[ rungen, eng verkutipft. Herr Scheidemann konnte über diese Leitung unserer Lebensmittel hervor. sorgung ihrer Witwen und Vedingungen schon deshalb klar seine Ansicht sagen, weil er, zum Fhnung unserer Soldaten, een ae diesen Fragen nur in⸗ Unterschied von manchen anderen Leuten, darüber eine klare und GVaisen verlangt. Der Reichskunzler hat an mie die sozialdemokra⸗ nicht mit dem Tage wechselnde Ansicht hat. Wir bedauern, daß es uns nicht möglich ist, ähnlich deutlich zu sprechen, und wir können nur bemerken, daß unf durch Unsicherheit noch durch g der einen oder der andern Selte verursgcht ere Zurückhaltung in diesem Nachgiebigkeit gegenüber dem Dränger 1 ührung besitzen. Auch er stellte fest, daß: b ebend Lebensmittel Wee Die Frankfurker Zeitung schreibt u. a.: s ist gar ie Frage, wie wir die vorhandenen e diese seine Auf- kein Zweifel: alle Parteien und gewiß das deutsche Volk in seiner . lig verteblen. Saß zer 1985 rechtigten Klagen der Be⸗Gesamtheit wünschen einen eh venvollen Frieden, der ihm freie Ent⸗ assung energisch durch,. 1275 es, nicht nur mit] wicklung seiner Kräfte, seines Wohlstandes und seines Ansehens ölkerung endlich Gehör finden. Hier Wirkungen in der Folge zuin der Welt sichert. Der Gedanke ist in allen Reden und Erklärungen Worten zu trösten, sondern durch Taten Wi wiedergekehrt, nur in verschiedenen Formen. Der Unterschied deren Redner heute zwischen der Auffassung der Sozialdemokratie, ausdrücklich als d Herr Scheidem ann halten, bis unsere Feinde re und glückliche deut⸗ Man kann dem Abg. Scheidemamn das ine über die vorhandene Friedensmöglichkei⸗ egreichen Deutschland sei ein Zeichen nicht von Schwäche, sondern von Siegessicherheit und Kraftbewußtsein; und ebenso, daß er sich nach Kräften bemühte, auch die Gegner davon Bemühen den gewünschten Erfolg im Punkte weder. ie Vertreter einer Friedenspartei sprachen, und der des verantwortlichen Stagtsmannes besteht nur darin, daß den ist, wurde 1902 in Oesterreich, sogar unter Mitwirkung des Parlaments, eine wasserwirtschaftliche Vorlage Gesetz, die ein groß⸗ ziigiges Programm aufstellte. Ausgeführt ist davon allerdings erst die Schaffbarmachung der Moldau stromauswärts überPrag hinaus. Nun haben die schlesischen wasserwirtschaftlichen Vereine be⸗ schlossen, den Reichskanzler zu ersuchen, sich für die Verwirklichung des Donau⸗Oder⸗Kanals einzusetzen. Es handelt sich hierbei in der Tat um eine sehr wichtige Sache. Eines der unbestrittensten Kriegsziele ist die Herstellung einer dauernden Verbindung und engeren wirtschaftlichen Gemeinschaft zwischen den Zentralstaaten, Bulgarien und der Türkei. Der Kanal würde Nordost-Deutsch⸗ land auf dem bequemen, billigen und für Massengster besonders geeigneten Wasserweg mit Wien, Budapest, Belgrad, Rustschuk und damit auch mit dem Goldenen Horn verbinden; er wäre für Oesterreich von ganz erheblichem Vorteil auch deshalb, weil er die Benutzung des Schlenenweges zwischen Wien und den mährisch⸗ schlesischen Kohlen⸗ und Eisenhüttenbezirken ersparen würde. Während dem Bau des gleichfalls geplanten und seinerzeit be⸗ schlossenen Donau Moldau⸗Elde⸗Kanuals die technische Schwierig⸗ keit großer Höhenunterschiede im Wege steht, ist dies beim Donau⸗ Oder⸗Kanal lange nicht in ähnlichem Maße der Fall. Es spricht also alles dafür, der Forderung der Breslauer Vereine Rechnung zu tragen. Ein derartig großes Bauwerk müßte auch von großer sozialer Bedeutung zur Einschränkung der Arbeitslosigkeit beim Uebergang in den Friedenszustand sein, um so mehr, als ja nicht beabsichtigt zu werden scheint, die Hundertausende Kriegsgefangener in Deutschland und Oesterreich-Ungarn zur schleunigen Vornahme von Kanalbauten zu verwenden, deren Notwendigkeit längst all⸗ gemein anerkannt ist. AItalienisches. Lugano, 9. Dez. Enrico Ferri brachte in der Kammer einen Antrag ein, der Regierung die budgetlose Ver ⸗ waltung nur bis Ende März 1916 zu verlängern, da gegenwärtig die Mitwirkung und die A üfsicht des Parlaments in Italien unentbehrlich seien. Dieser Antrag Ferris veranlaßt Giornale d'Italia zu einem heftigen Ausfall gegen derartige Versuche, die Regierung zu dis kreditieren. „ r 1 * Bern, 9. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Laut einer Privat⸗ meldung aus Rom war der Grund zu einer so späten Unterzeichnung des Londoner Vertrages durch Italien nicht etwa ein Bedenken gegen die Verpflichtung, keinen Sonderfrieden zu schließen, sondern „ „ . 62 N 1 1 Havas. Unterhandlungen über eine Zusatzklausel in den neuen Vertrag, nach der keine Macht eventuell Friedensbedingungen stellen kann ohne eine vorherige Einigung mit den Alliierten. Russische Kriegsgewinnstener. Wie dem Temps aus Petersburg gemeldet wird, hat der tussische Finanzminister einen Gesetzentwurf ausgearbeitet, der die Unternehmen besteuert, die für die nationale Ver⸗ teidigung arbeiten, vor allem die Fabriken und Werkstätten, die infolge des Krieges einen besonderen Gewinn zu ver⸗ zeichnen haben. Amerika wünscht die Abberufung der deut chen Militär⸗ und des Marineattachés. Berlin, 9. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die Regierung der Vereinigten Staaten hat der deutschen Regierung den Wunsch ausgesprochen, die Militärattachés und den Marineattachs der deutschen Botschaft in Washington abzuberufen. Da Einzelheiten über die Gründe dieses Ersuchens der amerikanischen Regierung noch ausstehen, liegt die Möglichkeit noch nicht vor, nachzuprüfen, welche Gründe die amerikanische Regierung zu diesem Schritt bewogen haben. Eine amerikanische Note an Oesterreich. Paris, 9. Dez. Havas⸗Meldung aus Washington: Amtlich wird mitgeteilt, daß die Regierung der Vereinigten Staaten an Oesterreich eine peremptorische Note übermittelte, wegen der Versenkung des Dampfers „Ancona“. Die Vereinigten Staaten verlangen eine vollständige Mißbilligung dieses Aktes, die Be⸗ strafung des Kommandanten des Unterseebootes und onderer verantwortlicher Persönlichkeiten, eine Entschädi⸗ gung für die Familien der amerikanischen Opfer sowie die Zusicherung, daß sich ähnliche Akte nicht wieder- holen. 5 Eine Erklärung an den Vorwärts. Der Vorwärts berichtet: Aus dem Reichstag geht uns liber die gestrige Sitzung eine Erklärung zu, deren Inhalt auf dem Boden der Ausführungen steht, die Genosse Haase im gestrigen Reichstag gemacht hat. Die Erklärung ist bis jetzt von 31 Abgeordneten unterschrieben. Veröffentlichung serbischer Geheimakten. T. U. Wien, 10. Dez. Nach einer Meldung aus Sofia beschloß die bulgarische Regierung die Veröffentlichung der von bulgari⸗ schen Beamten in Nisch vorgefundenen Schriftstücke aus dem serbi⸗ schen Statsarchiv über die Teilnahme der serbischen Regierung an dem Fürstenmord in Sarajewo. Rückzug der Ententetruppen hinter die griechische 6 Grenze. T. U. Budapest, 10. Dez. Die Bulgaren richten, wie aus Sofia gemeldet wird, einen allgemeinen Angriff gegen die ganze französische Front in Mazedonien. Damit beginnt ein neuer Abschnitt im Balkanfeldzug. Die Bulgaren haben den Hauptstützpunkt der Alliierten, Demirkapu am Wardar, be⸗ reits besetzt und zugleich auch südlich von Walandowo die Offensive gegen die Engländer begonnen. Nach den letzten eingelaufenen Meldungen haben sich die Ententetruppen be⸗ reits hinter die griechische Grenze zurückgezogen. i Der Generalissimus. Paris 9. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Meldung der Agence Bie Kammer beschloß nach Intervention Briands mit 443 gegen 98 Stimmen die Vertagung der Interpellation Constant über die Erwägungen, die die Regierung dazu geführt haben, über die Ernennung eines Generalissimus zu beschließen. Versenkung eines amerikanischen Dampfers. Washington, 9. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Es wird bestätigt, daß ein großes österreichisch-ungarisches Unterseeboot am Montag im östlichen Mittelmeer den amerikanischen Tankdampfer„Petroliow“ be⸗ schossen hat, ein Mann der Besatzung wurde leicht verletzt. Nach einer weiteren Meldung ist der Dampfer entkommen. Jedenfalls hat er auf den Anruf des U-Bootes nicht gehalten, sondern ist geflüchtet. Da es sich um einen Tankdampfer handelt, hatte das U-Boot ein äußerst lebhaftes Interesse daran, für wen und wohin die Ladung best! ut war. Ungetreue russische Eisenbahn beamte. Kopenhagen, 10. Dez. Der russische Eisenbahnminister ver⸗ fügte die gerichtliche Verfolgung einer Anzahl von Eisenbahn⸗ beamten, weil sie selbst von Flüchtlingen bis 100 Rubel für jeden Waggon Bestechung erpreßten, der den Flüchtlingen für die Be⸗ förderung ihrer Habe zur Verfügung gestellt werden sollte. Dreifaches Todesurteil. Königsberg i. Pr., 9. Dez. Die Besitzerfrau Henriette Hol⸗ stein aus Neu⸗Pustlauken(Kreis Labiau) ist wegen Mordes, be⸗ gangen durch Arsenikvergiftung an ihrem ersten Ehemann, ihrer elfjährigen Tochter aus erster Ehe und ihrem zehnjährigen Stief⸗ sohn, dreimal zum Tode verurteilt worden. Der Beweggrund zu der Tat war Habsucht. Die Anträge der Sozialdemokratie im Reichshaushaltsausschuß. Die sozialdemokratischen Mitglieder des Reichshaus⸗ haltsausschusses haben eine Reihe wichtiger sozial⸗ politischer Anträge gestellt, die wir nachstehend folgen lassen: Es wird gefordert eine Denkschrift, aus der ersichtlich ist: 2) welche Gemeinden und Lieferungsverbände den Familien der Kriegsteilnehmer einen regelmäßigen festen Zuschuß zu der Reichs⸗ unterstützung zahlen; b) die Höhe der Zuschüsse; e) die sonstigen Aufwendungen der Gemeinden und Lieferungsverbände für die Familien der Kriegsteilnehmer. 6 Zur Unterstützung der notleidenden Tertilarbeter wird eine Abänderung der diese Angelegenheit regelnden Bundes⸗ ratsverordnung verlangt, dahingehend, daß a) der Anteil des Reiches an den Unterstützungen für die Textilarbeiter auf 75 Proz. festgesetzt wird.— Für Gemeinden, in denen die Textilindustrie das Hauptgewerbe bildet oder die überwiegend von Textilarbeitern bewohnt sind, ist der Anteil des Reiches auf 90 Prozent zu erhöhen. Beim Vorliegen eines besonderen Notstandes sind die gesamten Ausgaben für Unterstützung der Textilarbeiter aus der Reichs⸗ kosse zu ersetzen; b) die Hergabe von Reichsmitteln an die Be⸗ dingung geknüpft wird, daß zu dem Zwecke der Festlegung der Unterstützungsbedingungen und zur Durchführung der Unter⸗ stützungsaktion geschaffenen Orts⸗, Bezirks⸗ und Landesausschüssen auch Vertreter der gewerkschaftlichen Organi⸗ sationen der Tertilarbeiter in gleicher Zahl wie die Unternehmer hinzugezogen werden. * Im Anschluß an den vorstehenden Antrag wird beantragt, durch eine Bundesratsverordnung zu bestimmen, daß a) Unterstützungen, die infolge von Arbeitslosigkeit bezogen wurden, nicht als Armen⸗ unterstützung gelten; b) die Unterstützungsempfänger nicht ver⸗ pflichtet sind, die erhaltenen Beträge später zurlickzuzahlen. 0 Der Fürsorge für die Kriegsbeschädigten wird Ausdruck ge⸗ geben durch den Antrag, dem„Reichsausschuß für Kriegsbeschä⸗ digtenfürsorge“ ausreichende Mittel zur Verfügung zu stellen, damit er die ihm gestellten Aufgaben erfüllen kann. 5 Die verbündeten Regierungen werden ersucht, eine Novelle zum Mannschaftsversorgungsgesetz vorzulegen, durch welche diese Gesetze dahin geändert werden, daß für die infolge des Krieges zum Heere einberufenen Mannschaften und deren Hinter⸗ bliebenen die Versorgung auch dann gewährt wird, wenn das die Erwerbsfähigkeit beschränkende Ereignis oder der Tod während der Zugehörigkeit zum Heere eintritt, ohne daß eine Dienstbeschädi⸗ gung nachgewiesen werden kann. 5 6 Eine Ausdehnung der Wochenhilfe bezweckt ein An⸗ trag, der verlangt: a) das Wochengeld ist statt seither für 8, ferner⸗ hin für 12 Wochen zu zahlen, von denen mindestens 6 Wochen in die Zeit nach der Niederkunft fallen müssen; b) das Wochengeld ist von 1 Mk. auf 1,50 Mk. täglich zu erhöhen: c) das Stillgeld ist von 0,50 Mk. auf 0,75 Mk. täglich zu erhöhen; d) der Kreis der zum Bezuge von Wochenhilfe Berechtigten ist auszudehnen auf alle minderbemittelten Schwangeren und Wöchnerinnen, auch wenn der Vater der Kinder nicht Kriegsteilnehmer ist. Der Begriff„minder⸗ bemittelt“ ist sinngemäß nach§ 2 der Bekanntmachung, betreffend Ausdehnung der Wochenhilfe vom 23. April 1915, zu regeln. * aufzuheben. „ Der Schutz der Arberterinnen in der Schwerind reicht werden durch eine Bundes ratsverordnung, die. zeit für Arbeiterinnen in Betrieben der schweren Indus den Betrieben, die der Munitionserzeugung dienen, dahit daß diese nicht länger als acht Stunden per Schicht daue Gleichzeitig wird gefordert, die Ausnahmen von der mung der Gewerbeordnung für Arbeiterinnen und * In einem ferneren Antrag wird verlangt, dafür Sorge tragen, daß das Reichsamt des Innern auf Ersuchen die Ve lung zwischen Unternehmern und Arbeitern übernimmt, wenn Betrieben, die für den Heeresbedarf arbeiten, über die Lohn⸗ Arbeitsbedingungen Streit besteht. 5 5 5 N* Die Fraktion besteht darauf, daß die Altersgrenze für die währung der Altersrente herabgesetzt wird. Sie hat daher di lage einer Novelle beantragt, durch welche a) die Altersgrenze au Erlangung der Altersgrenze auf das 65. Lebensjahr herabgeset wird; b) für die Waifenrente der Reichszuschuß auf 50 Mk. Leistungen der Versicherungsträger auf die Höhe des Grundbetr der Invalidenrente, durchschnittlich 80 Mk. pro r fest wird: e) der auf die Dauer militärischer Dienstleistungen fallende Anteil der Reuten vom Reiche übernommen wird. Außer diesen Anträgen wurden drei Gesetzent wi eingebracht, deren erster die Erleichterung der Schul en. tilgung der Kriegsteilnehmer zum Gegenstand ha Er lautet: N 8 f 0 Artikel I. Während der Dauer des Krieges für Kri nehmer, deren Familien, Witwen und Waisen entstehende& aus Mietsverträgen und Abzahlungsverträgen werden auf Jahre gestundet, sofern das Jahreseinkommen der bezeicht Personen während des Krieges 2500 Mark nicht übersteigt. Artikel II. Unpfändbar und dem Zurückbehaltungsrecht de Vermieters und Verpächters nicht unterliegend sind die nach bisherigen Gesetzgebung der Pfändung unterliegenden 8 haltungsgegenstände und Möbel im Werte bis 2000 Mark. * Die Dienstverhältnisse der Landarbeiter sollen in einem Gesetz verbessert werden, dessen einziger Par besagt: Landarbeiter und Gesinde haben das Recht, ihren A wichtiger Grund vorlegt. Das ist stets der Fall, wenn einer wichtiger Grund vorliegt. Das ist stets der Fall, wenn eiiner de Gründe vorliegt, die nach der Gewerbeordnung einen Gewerbs gehilfen zur Aufhebung des Vertrages berechtigen. * 4 Zum Zwecke einer besseren Unterstützung der 53 milien der zum Militärdienst eingezogene Mannschaften wird zunächst gefordert, die Voraussetzung der Bedürftigkeit zu streichen. Ferner soll dem bestehenden Gesetz ein: gefügt werden: 5 1 8 „Als anspruchsberechtigt sind jene Angehörigen anzusehe deren Unterhalt bisher im wesentlichen von dem Einkommen der Arbeit des zur aktiven Dienstleistung Herangezogenen no weisbar abhängig war, ferner die Angehörigen der selbständ Gewerbetreibenden und Landwirte, die regelmäßig nicht mehr zwei Lohnarbeiter beschäftigen. 5 Ein Anspruch besteht nicht, wenn dex zur aktiven Dienstlei Herangezogene sein volles Gehalt oder seinen früheren Lohn jort bezahlt erhält oder aus einem anderen Grunde an seinem E kommen keinen Ausfall erleidet, oder wenn nach seiner Leh stellung, seinen Vermögens⸗ Erwerbs⸗ und Einkommensver 8 nissen auf Grund durchgeführter Erkundigungen anzunehmen daß durch seine Heranziehung zur aktiven Dienstleistung dei Unterhalt der in Betracht kommenden Angehörigen nicht ge⸗ 8 1 Der größere Schutz für Kriegsteilnehmer in bür gerlichen Streitigkeiten soll erreicht werden durch en neue Verordnung, die bestimmt, daß die Bestellung eines Ver treters und die Fortsetzung eines Verfahrens nur zulässig ist, we es sich um Kriegsteilnehmer handelt, die„ungeachtet günstiger wirt⸗ schaftlicher Lage“ böswillig die Zahlung von Verbindlichkeiten ver weigern. Diese Bestimmung soll für alle zum Kriegsdienst E zogenen gelten. Barfüß ele. Fine Schwarzfbälder Dorfgeschichte von Berthold Auerbach. Auf dem Vorplatze des großen Tanzbodens waren die Kinder versammelt, und während die Erwachsenen darinnen tanzten und jauchzten, ahmten die Kinder hier das gleiche nach. Aber seltsam! mit Amrei wollte kein Knabe und kein Mädchen tanzen, und man wußte nicht, wer es zuerst gesagt, aber man hatte gehört, daß eine Stimme rief:„Mit dir tanzt keiner, du bist ja das Barfüßele“, und„Barfüßele! Barfüßele! Barfüßele!“ schrie es nun von allen Seiten. Amrei stand das Weinen in den Augen, aber hier übte sie schnell wieder jene Kraft, mit der sie Spott und Kränkung bezwang; sie drückte die Tränen hinab, faßte hüben und drü⸗ ben ihre Schürze, tanzte mit sich allein herum und so zierlich, so biegsam, daß alle Kinder innehielten. Und bald nickten die Erwachsenen unter der Tür einander zu, und ein Kreis von Männern und Frauen bildete sich um Amrei, und beson⸗ ders der Rodelbauer, der sich an diesem Tage doppelt gütlich getan hatte, schnalzte mit den Händen und pfiff lustig den Walzer, den die Musik drinnen aufspielte, und Amrei tanzte unaufhörlich fort und schien gar keine Müdigkeit zu kennen. Als endlich die Musik verstummte, faßte der Rodelbauer Amtrei an der Hand und fragte:„Du Blitzmädle, wer hat dir denn das so schön gelehrt?“ „Niemand.“ „Warum tanzest du denn mit niemand?“ »Es ist besser, man tut's allein, da braucht man auf nie⸗ mand zu warten und hat seinen Tänzer immer bei sich.“ „Hast schon was von der Hochzeit bekommen?“ fragte der Rodelbauer wohlgefällig schmunzelnd. „Nein.“ „Komm' herein und iß,“ sagte der stolze Bauer und führte das arme Kind hinein und setzte es an den Hochzeits- tisch, auf dem immerfort den ganzen Tag aufgetragen wurde. Amrei aß nicht viel, und der Rodelbauer wollte sich den Spaß bereiten, das Kind trunken zu machen, es erwiderte aber keck: „Wenn ich noch mehr trinke, muß man mich führen, und da kann ich nicht mehr allein gehen. und die Marann sagt: allein ist das beste Fuhrwerk, da ist immer eingespannt.“ Alles staunte über die Weisheit des Kindes. Der junge Rodelbauer kam mit seiner Frau und fragte das Kind neckisch:„Hast du uns auch ein Hochzeitsgeschenk gebracht? Wenn man so ißt, muß man auch ein Hochzeits⸗ geschenk bringen.“ Der Hochzeitsvater steckte in unbegreiflicher Großmut dem Kinde bei dieser Frage heimlich einen Sechsbätzner zu. Amrei aber behielt den Sechsbätzner fest in der Hand, nickte gegen den Alten und sagte dann dem jungen Paare:„Ich hab' das Wort und ein Drangeld. Eure Mutter selig hat mir im⸗ mer versprochen, daß ich bei ihr dienen und niemand anders als ich Kindsmagd bei ihrem ersten Enkelchen sein soll.“ „Ja, das hat die Bäuerin selig immer gewollt,“ sagte der Alte und redete zu. Was er aus Furcht, daß er die Waise dann versorgen müßte, seiner Frau ihr Leben lang versagt hatte, das tat er jetzt, wo er ihr keine Freude mehr damit machen konnte, und gab sich vor den Leuten den Anschein, als ob er's zu ihrem Gedenken tue Aber er tat's auch jetzt noch nicht aus Güte, sondern in der richtigen Berechnung, daß die Waise ihm, dem entthronten Bauer, der ihr Pfleger war, dienstgefällig sein werde, und die Last ihrer Versorgung, die 00 bloße Versorgung überstieg, fiel anderen zu, nicht ihm elber. Die jungen Brautleute sahen einander an, und der junge Rodelbauer sagte:„Being' morgen dein Bündel in unser Haus. Du kannst bei uns einstehen.“ „Gut,“ sagte Amrei„morgen bring' ich mein Bündel; aber jetzt möch't ich mein Bündel mitnehmen. Gebet mir da ein Fläschchen Wein, und das Fleisch will ich einwickeln und es der Marann und meinem Dami bringen.“ Man willfahrte Amrei, aber der alte Rodelbauer sagte ihr jetzt leise:„Gib mir meinen Sechsbätzner wieder. Ich hab' gemeint, du willst ihn schenken.“ „Ich will ihn als Drangeld von Euch behalten,“ erwiderte Amrei schlau,„und Ihr werdet sehen, ich will ihn Euch schon wettmachen.“ Der Rodelbauer lachte halb ärgerlich in sich hinein, und Amrei ging mit Geld, Wein und Fleisch davon zu der schwar⸗ zen Marann. Das Haus war verschlossen. und es war ein aroßer Ab⸗ stand zwischen dem lauten, musikschallenden Lärmen und Schmausen in dem Hochzeitshause und der stillen Oede hier. Amreti wußte, wo sie die Marann erwarten konnte a ihrem Heimwege; sie ging fast immer nach dem Steinbru und saß dort eine Zeitlang hinter der Hecke und hörte zu, wi Spitzhammer und Meißel arbeitete. Das war ihr wie eine Melodie, die aus den Zeiten klang, wo Johannes einst auh hier gearbeitet hatte, und da saß sie oft lange und hörte es picken. Amrei traf hier richtig die Marann, und noch eine Stunde vor Feierabend rief sie auch den Dami aus de Steinbruche, und hier draußen bei den Felsen e a Hochzeitsmahl gehalten, fröhlicher als drinnen bei d rauschenden Musik. Besonders Dami jauchzte laut, und d Marann tat auch heiter, nur trank sie keinen Tropfen Wei sie wollte nicht eher einen Tropfen Wein über die Lipp bringen, als bis zur Hochzeit des Johannes. Als Amrei nun unter Heiterkeit erzählte, daß sie einen Dienst bei dem jungen Rodelbauer bekommen habe und morgen antrete, da erhob sich die schwarze Marann in 1 5 Zorn, und einen Stein aufhebend und an die Brust dri d sagte sie:„Es wäre tausendmal besser, ich hätte dich da drin nen, so einen Stein, als ein lebendig Herz. Warum kann ich nicht allein sein? Warum habe ich mich wieder verführen lassen, jemand gern zu haben? Aber jetzt ist's vorbei, auf a ewig! Wie ich den Stein da hinunterschleudere, so schleudere ich fort alle Anhänglichkeit an irgend einen Menschen. Du falsches, treuloses Kind! Kaum kannst du die Flügel heben, I fort fliegt's. Aber es ist gut so, ich bin allein, und mein Jo; l hannes soll auch allein bleiben, wenn er kommt, und es ist 5 nichts, was ich gewollt hab'.“ f„ e Und fort rannte sie dem Dorfe zu. 10 e „Es ist doch eine Hexe,“ sagte Dami hinter ihr drein, „ich will den Wein nicht mehr trinken, wer weiß, ob sie ihn nicht verhert hat.“ 2 „Trint' du ihn nur, sie ist eine strenge Eigenbrödlerin und hat ein schweres Kreuz auf sich; ich win ie schon wieder 0 gutmachen.“ b 33 So tröstete Amrei. 5 (Fortsetzung folgt.) ar beih en Ahe n einer n eling 1 Gepa der eso gen ssetzung i Geseß g dienstleit Lohn selnem k net mensver nehmen leistung n nicht ür die f lich der N tterstütz hren Mi Kriz de S 8A kanntgabe in den einflußreichen Tagesblättern sorgen. chen auh Anspruhe um gehe f er in u duth l eines 0 instigtt kr lichkeiten% nenst k 1 . 1 5 1 — Hessen und Nachbargebiete. Gießen und umgebung. Dae 0 75 Kreuz an der Etappensiraßse Ein Kreuz am Weg, verkräumt und still; ein Baum, als ob ers schützen will, die Arme hoch in Himmel hebt, das Astwerk einen Dom ihm webt. Am Kreuze träumt seit alter Zeit der Heiland, daß er hätt' befreit die Welt vom Argen und der Not; . dess' Liebe ward zu Fisch und Brot! Die Aeste stehen nackt und kahl! ein letzler Abenddämmerstrahl den Traumerlöser goldverklärt— indes der Krieg das Land verheert. Johann Adam Meisenbach. die Schandsäule mit den Lebeusmittelwucherern. In der Kölnischen Zeitung schreibt ein Mitarbeiter den Herren Nahrungsmittelwucherern unter dem Titel„Die Schandsäule“ die folgenden kräftigen Worte ins Stammbuch: „Unser Volk ist groß in Wollen und Wirken, ehrenhaft, apferfreudig, aber, um Goethes Wort zu gebrauchen auch ihm hängt das Gemeine an. Auf der Deutschen blankem Ehrenschild ist der in diesen Zeiten doppelt schändliche Nah⸗ rungswucher ein Schandfleck. Schlimm, daß besondere Gesetze Strafandrohungen erlassen werden mußten, noch schlimmer, daß selbst diese nicht fruchten, die Verbrecher nicht zur Be⸗ sinnung bringen, sie nicht von ihrem schimpflichen Treiben zurückschrecken. Da muß es denn, um Wandel zu schaffen, der Heilige Zorn aller Guten die Besserung erzwingen, er⸗ zwängen durch die allgemeine öffentliche Verachtung. Jeder Fall der Bewucherung ist ungesäumt anzuzeigen und muß binnen kürzester Frist— in wenigen Stunden— durch harte Strafe seine Sühne finden. An dem Geschäfte des Betreffenden ist sofort ein Anschlag anzubringen, der mit großen, weithin lesbaren Lettern den Nahrungswucher, sein Vergehen, seine Bestrafung bekanntgibt. Auf den Markt⸗ plätzen, an den Rathäusern sind Schandsäulen aufzustellen, die Namen, and und Wohnung der Sünder verkünden. In den Kreisblättern sind alle Namen zu veröffentlichen, so⸗ wohl aus dem Kreise wie aus den benachbarten Großstädten, wo die Kreiseingesessenen einzukaufen pflegen. Handelt es sich bei diesem schmutzigen Gewerbe etwa um Großhändler, so muß die Handelskammer für schleunige Be⸗ Für etwa ihre Erzeugnisse zurückhaltende Grundbesitzer würde die Brandmarkung durch die Kreisblätter allein schon genügen. Wer seine Mitbürger in diesen Zeiten schwerer Not aus gemeiner Geldgier zu schädigen sucht, wer die Armen und Aermsten durch Bewucherung bestiehlt, der setzt sich selber derart außerhalb aller bürgerlichen Ehre, daß er schonungs⸗ los der öffentlichen Verachtung preisgegeben werden muß. Haben diese Verbrecher auch keinen Funken von Ehrgefühl im Leibe, so werden sie doch ein Grauen empfinden, von derall⸗ gemeinheit in ihrer nackten Schuftigkeit erkannt zu werden, den Weg des Verbrechers zu gehen! Die Schandsäule tut leider not, sie nöge wirken! Schlimm ist es, daß der Pranger des Mittelalters wieder aufleben muß, aber Schurken verdienen keine Schonung.“ 5 Diaas ist derb aber deutlich, und vor allem trifft diese Rennzeichnung der Nahrungsmittelwucherer den Nagel auf den Kopf. Es ist gut, sich solche Meinungsäußerungen auf zubewahren bis nach Beendigung des Krieges. Man wird sie da noch manchesmal ganz gut im Kampfe gegen die Kon⸗ kumvereinsgegner, die ja vielfach auch die Interessenten am Nahrungsmittelwucher sind, benutzen können. Die Behandlung der kalten Füße. Alle echten„kalten Füße“ sind sofort warm— so lesen wir in ver Sanitätswarte— wenn sie ohne Strümpfe in ee e »der mit Filz, Lammfell usw. gefütterte Stiefel eee 15 erzeugen also eine genügende Wärmemenge, um die Tuer 19055 wärmen, sobald nur die Strümpfe fortgelassen werden. Da Zeit⸗ weiß das längst und wickelt bekanntlich seine kalten Füße 11 1 5 ungspapier. Die erste Bedingung der dauernd kalten Buß 5 91 Grof. Unna eine zu starke Spannung der Hautartenlen welch 1 5 zu geringe Blutversorgung, die zweite eine Fußhülle, we Hamea leibt und auf diese Weise permanent wie ein. 1 lein des ine dauernde Abkühlung hervorruft. Ae wir Gee 1155 Gapier auf die kalten Füße? Der Unterschied zwischen big 1 1 5 wollenen, baumwollenen) Strümpfen ist der, daß e een Papier rascher verdunstet als aus baumwolle ee 11015 Strümpfen, so daß es nicht zu einem permanen 10 1 5 Wasser schlag wird. Angefeuchtete seidene Strümpfe geben iind a zascher ab als Wolle, jedoch nicht so rasch wie. n 1 zerreißbar, allerdings ausgezeichne Die she e Unterstrümpfe unter wollen ten Papier welche dem vom Volke benutzten 7 5 leiht, enthält harzsaure e inem Ueberschuß des Harz honium) und nach de 2 1 mchungen Wursters if gene ei. zeimung. Diese dient dazu, die w 1 Wasser auftu⸗ und die Kapillarität(Haarröhrchenang acht die Strümpfe eben, so daß man darauf schreiben kann. Man 95 10 honfumlösung „ B. ganz dünne Baum wollstrümpfe, mit e sie am üintenfest, so daß man darauf schreiben kann: und halten warm. Fuße auch nicht mehr zum feuchten Umschlag ehr rasch trocknende doch besser ale Kooperieren 1 7 ichlich hart werden. End⸗ Kollodium, wodurch die Strümpfe aber reichte 5 ken; sie betreffen ich ist noch zweier sehr wichtiger Punkte zu gt. Alle genannten, die gute Dürchblu tung der Fuß 965 b Betreffende enge rarmhaltenden Mittel nützen nichts, wenn mer wenigstens eine, Stiefel trägt. Er tut aut, seine Stiefel immer sein Maß anzeigt. zesser zwei Nummern größer zu nehmen, a. d vielleicht Denn wenn er doppelte„Warmstrümpfe. un assenden“ Stiefel die och Papier tragen will, so würden, die„richtig ahsetzen und dann Füße einschnüren und die Durchblutung W als zu enge. Sind Alieben die Füße kalt. Also lieber zu weite Sten Strümpfen noch ie zu weit, dann kann man den Raum über 05 permanent mit Papier ausfüllen, das schon stets gegen bas darüber * eilage zur Oberhessischen Volkszeitung Nr. 291 Gießen, Samstag. den 11. Dezember 1915. Nr Er und kalte Innenleder einen guten Schutz abgegeben hat. Der andere Punkt betrifft den zusammenziehenden Einfluß der Kälte auf die am Fußgelenk sehr oberflächlich verlaufenden Arterien der Fußhaut. Diesem begegnet man einfach und wirksam mit Puls⸗ wärmern, die etwas weiter als die für das Handgelenk sind. Uebrigens kann man dazu sehr gut die Schäfte unbrauchbar ge— wordener Strümpfe benutzen, indem man den Fußteil abschneidet und ein Steigbügelband annäht, um sie an der richtigen Stelle fest⸗ zuhalten. Sie werden am besten über den Strümpfen getragen, Die Pflege der kalten Füße verlangt also nach Unng: 1. zu„weite“ Stiefel; 2.„geleimte Strümpfe“, am besten zwei Paar übereinan⸗ der, der innere braucht bloß ein Schlupfer zu sein, der äußere ist am besten ein gut geleimter Woll⸗, Baumwoll- oder Seidenstrumpf: 3. Fuß⸗Pulswärmer: 4.„Leimung“ von Innenleder und sonstigem Futterzeug der Stiefel: 5. häufiges Einfetten der Fußhaut. Gewährung von Löhnung an die Augehörigen Vermißter oder Kriegsgefangener. f In Kriegsgefangenschaft Geratene oder Vermißte ver⸗ lieren für ihre Person den Anspruch auf Löhnung. Durch den Kommandeur des Bataillons, der Abteilung oder des Kavallerieregiments, dem der Kriegsgefangene oder Ver⸗ mißte im Felde zuletzt angehört hat, kann jedoch die Löhnung oder ein Teil davon an Angehörige des Vermißten usw. be⸗ willigt werden. Zu den Angehörigen im Sinne dieser Be⸗ timmung gehören die Ehefrau und die ehelichen sowie die durch nachfolgende Ehe anerkannten Kinder. Diesen Ange— hörigen kann die Löhnung bewilligt werden, wenn hieraus ihr Unterhalt bestritten werden soll. Dies wird ohne weiteres anzunehmen sein, wenn die betreffenden Angehörigen die reichsgesetzliche Familienunterstützung Großeltern und sonstigen Verwandten Linie, Geschwistern, beziehen. Eltern, der aufsteigenden Geschwisterkindern oder Pflegekindern kann die Löhnung bewilligt werden, wenn der Vermißte oder Kriegsgefangene diese Verwandten ganz oder überwiegend ernährt hat und sie bedürftig sind. Es haben daher Gesuche um Bewilligung der Löhnung an diese Verwandten nur dann Aussicht auf Erfolg, wenn sie mit einer Bescheinigung der Ortsbehörde versehen sind, nach der die Kriegsgefangenen oder Vermißten ihre Eltern usw. ganz oder überwiegend er⸗ nährt haben, und diese bedürftig sind. Die Prüfung der An⸗ träge auf Bewilligung von Löhnung oder eines Teiles davon an Angehörige Vermißter und Kriegsgefangener und die Zahlung der bewilligten Beträge ist lediglich Sache der be— treffenden Feldformationen. Die Anträge sind daher nur an den Truppenteil zu richten, dem der Vermißte oder Kriegs⸗ gefangene im Felde zuletzt angehört hat. Die Bewilligung der Löhnung erfolgt in der Regel frühestens einen nach der Gefangennahme oder dem Vermißtsein. „Wie reizend!“ Irgendwo draußen, wo der nimmersatte Krieg immer wieder neue Opfer verschlingt. In den Lüften heult der Lärm der Schlacht. Auf die mutig vordringenden Soldaten regnet es Tod und Verderben. Sie stür⸗ men vor, so sehr auch die Lücken in ihren Reihen wachsen. Kugel um Kugel pfeift heran, bohrt sich in Menschenleiber. Aus einem verborgenen Maschinengewehr rasen die Geschosse herbei, dicht wie Mückenschwärme. Schrapnell um Schrapnell saust hernieder, Granate um Granate, Flammen zucken auf, in riesigen Klumpen rast die Erde zur Höhe, vermischt mit Blut, mit menschlichen Gliedmaßen. Kommandorufe, Weheschreie, Todesseufzer... die Lebenden dringen vor... dem Feinde zu... über den blut⸗ rauchenden Boden hinweg, hinweg über das Wirrsal der wühlen⸗ den, krachenden, berstenden Werkzeuge der Verheerung. Ein Bild, aus dem dir das Grauen in die Seele steigt. Aber schau, all das ist doch eigentlich nur für das erste Hinsehen qualvoll. Wenn du dich einigermaßen bemühst, dann muß dir die Erkenntnis kommen, daß für dich aus alledem, mag es dich zuerst auch bis ins Tiefste erschüttert haben, Freudvolles emporblühen kann. Ma⸗ schinengewehrgeschosse, Schrapnelle, Granaten, Bomben— diese Dinge stehen wohl im Geruch der Unheimlichkeit! Aber du mußt zugeben, auch aus ihnen kann ein Segen kommen, der dein Gemüt erwärmt, der deinen Hang zu ästhetischen Genüssen neu und wun⸗ dersam belebt, der die einen Seelenaufschwung schafft, an den du nie geglaubt hättest, ein Segen, der dich, wenn du nicht etwa sehr bockbeinig bist, selbst mit den Scheusäligkeiten des Weltkrieges aus⸗ söhnen kann. „Wie reizend!“ 0 Die junge Dame, die sich, durch die Räume eines Ausstellungs⸗ ladens wandelnd, zu diesem melodischen Rufe des Entzückens ge⸗ drängt fühlt, mag dir, wenn du vielleicht etwas schwer zu über⸗ zeugen bist, ein anfeuerndes, aufklärendes Beispiel sein. „Wie reizend!“ sagt die junge Dame und auf ihrem Gesicht zeigt sich ein berückendes Grübchenlächeln des erfrischten Kunst⸗ sinns. Sie begriff wohl im Augenblick den Hochsinn, der den Grundsätzen moderner kaufmännischer Förderung patriotischer Zwecke innewohnt, und sie stand voll reiner Freude vor dem halben Schrapnell, aus dem ein von geschickter Hand geordneter Blumen- strauß, ihre Aeuglein erquickend, emporwuchs. „Nein, nein, wie nett!“ g 5 Ja, natürlich! Der künstlerisch geformte, aus acht auf einem Schlachtfeld aufgelesenen Schrapnellhülsen erzeugte Lüster konnte sie, wie überhaupt Leute von Geschmack, nicht minder erfreuen als der zu einem herzigen Blumentöpfchen umgestaltete Schrapnell⸗ splitter. Solch ein Nippsächelchen in einer traulichen Ecke des Boudoirs! Wie süß! Ueberstrahlt von dem Schrapnellhülsenlüster! Ach, um wieviel süßer! Dazu etwa eine hübsche Schreibtisch⸗ garnitur, auch erstanden aus niedlichen ehemaligen Kriegswerk— zeugen! O, es ist, um in einen Entzückungstaumel zu verfallen! Sieh, sieh, so wandeln sich Greuel in Freude! Abfallstoffe des Krieges— sie können in seltsamer Veredlung auferstehen! Und der Dichter ist sicher schon geboren, der sich in Bälde dieser Merkwürdig⸗ keiten in schwungvollen Versen erbarmen wird! Schlachtfeldüber⸗ bleibsel! Nein, wie lieb, wie entzückend! Oder nicht? Es hat doch seinen Reiz, die Nase über Blumen zu beugen, die in einem zer⸗ blätterten Schrapnellsplitter stecken, die Asche der Zigarette in eine ehemalige Fliegerbombe zu stäuben. eine Maschinengewehrpatronen⸗ hülse als Krawattennadel vor die Brust zu stecken, ein sinniges Ge— schoßbröschchen an die Bluse!. 5 5 Die Dingerchen haben freilich alle eine gewisse Vergangenheit. Es scheint, als hätten sie Blutgeruch, Leichengeruch, Friedhofs⸗ geruch. Aber„wie reizend!“ sagt die junge Dame mit den hübschen Wangengrübchen und dem geläuterten Geschmack.„Wie elegant!“ flüstert sie vor einem Schirmständer.„Wie nett!“ meint sie einem Briefbeschwerer. 5 0 Nein, sie spürt nichts von dem Blutgeruch und es ist auch nie⸗ mand da, der sie darauf aufmerksam machen würde. Sie wandelt durch Schlachtfelderabfälle und sie umspannt, ge⸗ vor den Laden der Monat trieben von Gefühlen der Anerkennung, all die schönen Sachen mit einem vollen Blicke:„Wie reizend!“(W. A. 3.) Stadtverordneten⸗Versammlung. Nach langer Pause wurde am Donnerstag wieder eine Sitzung abgehalten, zu der sich die Mitglieder ziemlich zahl⸗ reich eingefunden hatten; siebzehn Mann waren vertreten, im Verhältnis zur Zahl der jetzt überhaupt vorhandenen Stadt⸗ vertreter eine ganz respektable Ziffer. Auf der Tagesordnung befanden sich keine Gegenstände von besonderer Wichtigkeit und so war sie schnell und fast ohne Debatte erledigt. Nur am Schluß an zwei Gesuchen zum Betriebe einer Kaffee⸗ wirtschaft knüpfte sich eine kurze Aussprache. Die Kommission beantragte Ablehnung und begründete diesen Antrag damit, daß man dem größeren Konsum feiner Backwaren und Kuchen entgegenwirken müsse, der durch die Cafés gefördert werde. Im Laufe der Debatte wurde aber die Frage aufgeworfen, ob bei Kaffcewirtschaften überhaupt eine Genehmigung not⸗ wendig sei und man stellte fest. daß die Bedürfn is frage hierbei nicht zu prüfen sei, sondern die Genehmigung kann nur verweigert werden, wenn in dem Lokal der Völleret, Unsittlichkeit usw. Vorschub geleistet wird. Da das in beiden vorliegenden Fällen keineswegs zutrifft, war gegen die Er⸗ laubnis nichts einzuwenden.— Stadtv. Urstadt, der im Felde steht und beurlaubt ist, war ebenfalls anwesend. 8 Auwesend waren: Oberbürgermeister Keller, Beig. Emmelius Grünewald: Stadtv. Dr. Ebel, Eichenauer, Faber, Heichelheim, Helfrich, Huhn, Krumm, Löber, Orbig, Petri, Plank, Schaffstädt, Simon, Urstadt, Vetters, Wimmenauer, Winn. Als Urkunds⸗ personen werden Orbig und Plauk bestimmt.— Unter Mitteilungen gibt der Oberbürgermeister mehrere Dankschreiben bekannt: Des Verbandes für militärische Jugendpflege für Bewilligung eines Zuschusses von 500 Mk.; der Kinderbewahranstalt für gewährten Zuschuß; des stellvertrelenden Hauptlehrers für bewilligte Funktionszulage.— Ferner haben Albert und Bella Heichel⸗ heim der Stadt 4000 Mk. übermittelt, welche Summe den Grund⸗ stock einer Stiftung bilden soll, deren Zinsen zur Unterstützung einer jüdischen oder christlichen Kriegerwitwe verwendet werden sollen. Unter Zustimmung der Versammlung spricht der Oberbürgermeister besten Dank für diese Zuwendung aus. Einem Gesuch der Firma J. B. Noll wegen Verlängerung der Frist zur Errichtung eines Gebäudes an der Wiesenstraße wird stattgegeben.— Dem Belegungsplan für den israelitischen Teil des neuen Friedhofs wird zugestimmt.— Die Ausnahmetage für den Ladenschluß für 1916 werden wie isher festgesetzt. Bei Benutzung der Straßenbahn von Militäxpersonen sollen Vergünstigungen ge⸗ währt werden und zwar in der Weise, daß für die Fahrt von Militärpersonen bis zum Offizierstellvertreter einschließlich 5 Pfg. zu zahlen sind.— Für Anschaffung von. Elektrizitätszählern wer⸗ den 5000 Mk. gefordert und bewilligt.— Für Kriegskosten sind bisher 557 500 Mk. verbraucht, wovon allerdings die Stadt den größten Teil vom Reiche wieder ersetzt bekommt. Es wird ein weiterer Kredit verlangt in der Höhe von einer Million. Die Forderung wird bewilligt.— Als Beitrag für das Rote Kreuz in Bulgarien werden 300 Mk. bewilligt. Wirtschaftsgesuche. Robert Möhring ersucht um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetriebe im Hause Ludwigstraße 55; Johannes Car le für einen solchen Kirchstraße 20(Schule), in welchem Falle es sich um eine Kantine für die Landstürmer handelt.— Beide Gesuche werden befürwortet. Um Erlaubnis zum Betriebe von „Kaffeewirtschaften ersuchen Bäckermeister Kuhn, Neuen Bäue 9 und K. Paul Ehefrau für Bahnhofstraße 62. Diese Ge⸗ suche ersucht die Kommission abzulehnen, weil die Errichtung von Kaffeewirtschaften den Konsum von Kuchen und feinem Gebäck fördere, was nicht zu wünschen sei. Diese Gründe werden vom Oberbürgermeister gebilligt. Vetters fragt, ob für Kaffeewirt⸗ schaften überhaupt eine Erlaubnis nötig sei, seines Wissens sei das nicht der Fall.— Simon spricht für Befürwortung der Gesuche, da man doch die Leute ihr Gewerbe betreiben lassen müsse. Dr. Ebel gibt zu, daß man hier vor einer heiklen Frage stehe; im der Tat werde von der Bevölkerung— auch von der minderbemittelten — viel Kuchen konsumiert. Beig. Grünewald stellt aus der Gewerbeordnung fest, daß Genehmigung zum Betriebe einer Kaffeewirtschaft nur dann verweigert werden dürfe, wenn die An⸗ nahme gerechtfertigt sei, daß in dem betr. Lokale die Völlerei, Un⸗ sittlichkeit usw. gefördert werde. Da das hier nicht zutrifft, werden die Gesuche befürwortet.— Vetters fragt an, ob es richtig ser, daß es einer Anzahl ausländischer Studierender der Universität untersagt sei, das Theater zu besuchen; treffe das zu, so werde das Theater und indirekt die Stadt geschädigt. Der Oberbürger⸗ meister erklärt, dafür sei die Polizei zuständig. Beig. Grün e⸗ wald bemerkt dazu, daß es den anwesenden Russen usw., denen gegenüber man übrigens tolerant verfahre, nicht gestattet sei, abends auszugehen; also könnten sie auch nicht das Theater besuchen. Diese Anordnung bezwecke, Zusammenstöße usw. mit dem Publikum zu verhüten.— Krumm möchte seststellen, daß die Preise der von der Stadt verkauften Waren aus ganz bestimmten Gründen viel billiger sind, als sie jetzt im Großhandel zu haben sind. Es sei also unberechtigt, wenn den Händlern Wucher vorgeworfen würde.— Der Oberbürgermeister bestätigt, daß Krumms Fest⸗ stellungen den Tatsachen entsprechen.— Nach kurzer Erörterung über den Verkauf der Waren in der Neustadt schließt die öffentliche Sitzung. g — Ortskrankenkasse Gießen. Am Montag in acht Tagen, 20. Dezember, abends 8½ Uhr, findet im Lokale„zum Post⸗ keller“ eine Aus schußsitzung statt. Auf der Tages⸗ ordnung steht Abnahme der Jahresrechnung für 1914, Bericht der Rechnungsprüfungskommission und Neuwahl der Kon- mission. — Der Konsumverein Gießen hält morgen(Sonntag) nachmittags ½4 Uhr eine außerordentliche Generalver⸗ sammlung ab, auf die nochmals hingewiesen wird. Auf der Tagesordnung steht ein Vortrag des Geschäftsführers Liebmann in Frankfurt über Schwierigkeit der Waren⸗ beschaffung, als zweiter Punkt Wahl des Geschäftsführers. — Viel Wasser. Das andauernde und starke Regen- wetter hat das Steigen der Flüsse zur Folge. Die Lahn und ihre Nebenflüsse sind an einigen Stellen bereits über die Ufer getreten. Von den Wasserläufen im Vogelsberg wird das Gleiche gemeldet. — Hundeprozesse. Seitdem wir eine Straßenbahn in Gießen haben, ist es öfter vorgekommen, daß Hunde überfahren wurden. Gewiß wird jeder sagen, daß das ja nicht so schlimm sei, als wenn ein Mensch kotgefahren wird, was im allgemeinen auch zutreffen mag. Aber so ein totgefahrenes Hundevieh verursacht oft noch viel Scherereien. Wenn näm⸗ lich sein Besitzer zu der Ansicht kommt, daß sein Vierbeiner einen solchen Wert repräsentierte, daß es sich verlohnt, von der Stadt Schadenersatz zu verlangen, so tut er das eben und hängt der Stadt einen Prozeß an, wenn diese sich nicht freiwillig zu einer Entschädigung herbeiläßt. In der Tat ist die Stadt schon in mehreren Fällen verurteilt worden, was man nicht für möglich halten sollte; denn es ist doch Schuld des Hundes, wenn er in die Straßenbahn läuft und Schuld seines Herren, wenn er den Köter frei auf der Straße herum— laufen läßt. So meint der Laie, das Gericht sagt aber anders und die Stadt hat schon 100, 200 und noch mehr Mark für ein solches Vieh bezahlen müssen. Man hat aber jetzt die Sache endlich dick bekommen und man will eine Verordnung N erlassen, nach welcher die Hunde in den Straßen, welche von ber Elektrischen befahren werden, an der Leine zu führen sind. Dann dürste in solchen Fällen eine Verurteilung der Stadt nicht mehr möglich sein. Das Kriegsministerium hat rt, zu mit 0 in Nord⸗ für das haben die Zi⸗ Arbeiterinnen um 10, 12, zum Teil auf 15 Prozent erhöht. Bei der unerhörten Teuerung ist es anten gibt, welche die Arbeiter Ahspeisen zu können. Hier zeigt wendig der Zusammenschluß der ch möglich sein, einigermaßen Lohnbedingungen zu erreichen. „— Die Auszahlung der Reichs⸗ und Kreisunterstüung für 16. bis Ende Dezember 1915 an die Familien der zum Heeres⸗ dienst Einberufenen findet jeweils in den Stunden von 8—1 Uhr an die⸗ jenigen, deren Namen beginnen mit: A1 Mittwoch, den 15. De⸗ december, I—R Donnerstag, den 16. Dezember, 8S—2. Freitag, den 17. Dezember. Die Unterstützungen dürfen nur an den vorge⸗ nannten Tagen abgeholt werden. —„Die Brücke zum Orient“, so ist ein Vortrag betitelt den Lie. Dr. Paul Rohrbach am Montag, 13. Dezember. im Saale des Gesellschaftsvereius(Klubsgal, Sounenstere sse) halten wird. Der Vortrag, den die Fortschrittliche Volkspartei Gießen veran⸗ zaltet, ist, wie man uns schreibt, rein vaterländischer Natur, unter Kusschaltung jeder parteipolitischen oder konfesfionellen Tendenz. Der Vortragende wird die ungeheure Bedeutung unseres Vor⸗ gehens auf dem Balkan beleuchten. Der Sieg unserer Truppen macht nicht nur den Weg zu unseren Verbündeten Bulgarien und der Türkei frei, was ja schon in wirtschaftlicher und militärisch⸗ zaktischer Beziehung von nicht zu unterschätzender Bedeutung, ist, sondern bedroht durch die Möglichkeit eines weiteren Vorgehens gar in der Richtung auf Persien und Aegupten die Quellen der eng⸗ lischen Macht aufs allerempfindlichste. In dem Grade, wie diese Gefahr für England wächst, in demselben Masse wird die Friedens⸗ eimmung Englands zunehmen und uns so dem Ende dieses ge⸗ waltigsten aller Weltkriege näher bringen.— Der Vortrag ist dem⸗ nach wohl geeignet, weiteren Kreisen einen Einblick in die unge⸗ heuren Entscheidungen zu gewähren, die durch die jetzige Phase des Weltkriegs vorbereitet werden.— Die Person des Vortragenden, der durch seine schriftstellerische Tätigkeit in den weitesten Kreisen eis hervorragender Auslands- und Kolonialpolitiker bekannt iet, gibt eine Gewähr für eine vornehme und kenntnisreiche Behand⸗ lung des Stofses.— Die Eintrittspreise sind angesichts der nam⸗ saften Kosten der Veraustaltung mit 150 Mk. für reservierte und Kummerierte Plätze erster Reihen, 1 Mk. für reservierte und nummerierte Plätze weiterer Reihen und mit 50 Pfg. und 20 Pfg. ür alle anderen Plätze vorgesehen. Karten im Vorverkauf sind zu haben in der Ferberschen Universitäts⸗Buchhandlung, Seltersweg, und in der Zigarrenhandlung von Richard Vuchacker, Neuen Bäue. Feiertage und Fleischverkauf. Heiliger Abend und Silvester sind fleischlose Tage. Da aber an diesen Tagen die Einwohnor⸗ ichaft ihren Fleischbedarf für Weihnachten und Neujahr zu decken pflegt, hat der Deutsche Fleischerverband beim Bundesrat beantragt, 1 0 10 beiden Tagen eine Ausnahme von dem Verkaufsverbot zu⸗ Fulassen. u. Der Deutsche Bauarbeiterverband zahlt eine weitere(vierte) gate Kriegsfamilienunterstützung. Bisher wurden vom Bauarbeiterverband annähernd 2½ Millionen Mark für diesen Zweck ausgegeben. Die Unterstützung wird auch diesmal in Jer gleichen Höhe gezahlt und beträgt sür eine Frau ohne Kind 9 Mk., Frauen mit 1 Kind erhalten 10 Mk., mit 2 Kindern 11 Mk. mit Kindern 12 Mk., mit 4 und mehr Kindern 13 Mk. Die Ange⸗ börigen der ledigen Mitglieder bekommen ebenfalls 9 Mk., wenn die nachweisen, daß ihnen die Reichssamilienunterstützung gezahlt wird, weil der ledige Kriegstellnehmer wesentlich zum Unterhalt beitrug. Ohne diesen Nachweis wird für Ledige keine Familien⸗ unterstützung gewährt. Im Zweigverein Gießen kommt—. wie uns aus dem Burcau des D. B. V. mitgeteilt wird— die Unter⸗ stüdung an folgenden Orten und Zeiten zur Auszahlung; Für die Orte aus der Umgegend Weblare am Samstag, 18. Dezember, mittags 1 Uhr, in Wetzlar, Gastwirtschaft Schreier, Lahngasse. Für Krofdorf und Gleiberg-Vetzberg am 18. Dezember, abends 7% Uhr, bei Gastwirt Hofmann⸗Krofdorf. Für Gießen und Umgegend am 19. Dezember, mittags 41 Uhr, im Gewerkschafts⸗ haus Gießen. Für Reiskirchen(Kreis Gießen) und Umgegend am 20. Dezember, nachmittags 34 Uhr, im Lokal des Wirts Schäfer zu Reiskirchen. Wer am Tage des Eintritts zum Militär mehr als 8 Wochen mit seinen Beiträgen im Rückstand war, be⸗ kommt keine Unterstützung. — Anmeldung Landsturmpflichtiger von 1898. Nächsten Mitt⸗ woch, 15. Dezember, haben sich die im No vem ber 1898 geborenen Landsturmpflichtigen aus der Stadt Gießen im alten Rathaus in den Stunden von 8—12 und 2—6 Uhr zur Stammrolle zu melden. Auswärts Geborene müssen ihren Geburtsschein mitbringen. — Anlagemusik. Bei günstiger Witterung konzertiert Sonntag den 12. d. M., vormittags 11 Uhr, in der Südaulage die Kapelle des 1. Landsturm⸗Infanterie⸗Ersat⸗Bataillons Gießen. Die Spiel⸗ folge bringt: 1.„Triumphmarsch“ von A. Andrich. 2. Ouverture „Der Zauberer von Rom“ von Ebel. 3.„Hochzeitsständchen“, Serenade von O. Klose. 4.„Estudiantina“, Walzer von Wald⸗ seufel. 5.„Deutschlands Lorbeerkranz“, patriotisches Potpourri von Schreiner. 6.„Unter der Kaiserstandarte“ von C. Friedemann. sich wieder, wie unbedingt not⸗ Arbeiterschaft ist; nur dann wird den Verhältnissen entsprechende vormittags im Bürgermeißereigebände, Zimmer?, siatt: Von Nah und FFern. * Vom Zuge tolgefahren wurde am Donnerstag der 23jährige Bahnmeister⸗Aspirant Klingelstein auf der Strecke zwischen Bingen und Trechtlingshausen. Er wollte die Strecke besichtigen und fuhr mit dem Zuge nach der betreffenden Stelle, wo er von der Maschine absprang und unter die Räder kam. Kopf und Beine wurden ihm abgefahren. Wieber das Spiel mit Schußwaffen. In Hanau schoß beim Spielen mit einem Flobertgewehr der 13jährige Schüler Löschgruber feinen vierjährigen Neffen in den Hals und tötete ihn sofort. Ein schwerer Raubmord wurde in dem Orte Eutingen, Sberant 45 in Württemberg verübt. In einem etwas außerhalb des Ortes gelegenen Hause, das dem Zimmermann Sökler gehört brach Feuer aus, wobei man entdeckte, daß die Frau Sökler dur Mefferstiche schwer verwundet und Wertpapiere usw. geraubt wor⸗ den waren. Tagesbericht des Stoßen Hauptguarliers. Französische Handgranatenangriffe abgewiesen. Auf dem Balkan weitere 1200 Gefangene. Die Bulgaren erbeuteten 10 englische Geschütze. Großes Hauptquartier, 10. Dez., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplaß Französische Handgranatenangriffe gegen unsere neue Stellung auf Höhe 193 norböstlich von Souain wurden ab⸗ gewiesen. Sonst hat sich bei stürmischem Regenwetter nichts von Bedeutung ereignet. Oestlicher Kriegsschauplas. Nichts Neues. Balkan. Die Aomee des Generals Koeveß hat in den letzten Tagen etwa zwölfhundert Gefangene eingebracht. 0 Bei der Armee des Generals von Gallwitz keine wesent⸗ lichen Exeignisse! 5 Die bulgarischen Truppen haben nördlich von Strumitza den Engländern zehn Geschütze abgenommen. Oberste Heeresleitung. 4 8. Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Verfolgungskämpfe in Montenegro. Schwere italienische Verluste. Wien, 10. Dez.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: 10. Dezember 1915. Russischer Kriegsschaud laß. Stelleuweise unbedeutende Aufkiäeungskämpfe. Sonst Ruhe an der Front. Italienischer Keiegsschauplatz. An der küstenländischen Front herrschte gestern, von Artilleriefeuer und kleineren Unternehmungen abgesehen, Ruhe. Die Tätigkeit des Feindes vor den befestigten Räumen von Fardaro und Riva hält an. Nachmittags griff italienische Infanterie unsere Stellungen auf dem Monte Vies und westlich davon(zwischen Chiese⸗ und Concei⸗Tal) an. Sie wurden unter schweren Verlusten vollständig zurückgeschlagen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Südlich der montenegrinischen Nordgrenze wer⸗ den die Verfolgungskämpfe fortgefühet. Der Stellvertreter des Chefs des Geueralstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnant. 3 Zur Lage am Balkan. Schwere Niederlagen der Eutentetruppen. Die Einkreisung von Montenegro. Die Truppen der Alliierten sind im vollen R ü ck z ug gegen die griechische Grenze. Die Teile der französischen Division Bailloud, die gemeinsam mit den Serben im Raume bei Prilep gekämpft hatten, konnten ihren Anschluß an die französische Hauptgruppe nicht mehr bewirken. In den Kämpfen bei Demirkapu und Walandowo hat das verheerende Feuer der schweren bulgarischen Artillerie den Franzosen, die mit zäher Ausdauer und Tapferkeit kämpften, große Verluste beigebracht. Durch den schleunigen Rückzug der englisch⸗ französischen Landungsarmee gegen die griechische Grenze hat sich dieselbe noch im letzten Augenblick der durch Umfassung drohenen Katastro p he zu entziehen vermocht. Die Bulgaren drängen heftig nach. Vermutlich wird die Entscheidung in Südmazedonien noch vor dem Eintreffen der ununterbrochen in Salonik landenden Kräfte der Alliierten gefallen sein. Jedenfalls ist ihr Aus⸗ gang nicht zweifelhaft, denn selbst französische Quellen melden bon schweren Strapazen, die die Orienttruppen auszuhalten! hätten und von deren größeren Verlusten, und betonen, es genüge, sich auf die Behauptung von Salonik und dessen Umgebung zu beschränken. Die flüchtende se r di sche Armee ist auf ein Gebiet von mehr als 250 Kilometer Breite verteilt und trachtet ihre Trümmer an die Adria zu retten. Ob es ihr gelingen wird, diese mit geordneten Kräften zu erreichen, ist bei der feind⸗ lichen Gesinnung der Bewohner des zu durchziehenden Ge⸗ bietes sehr fraglich, und daher die Nachricht, daß ungefähr vier serbische Divisionen Durazzo zustreben, von wo sie zu Schiff nach Salonik gebracht werden sollen, wohl nur ein Wunsch, der weit davon entfernt ist, zur Tatsache zu werden. Die bulgarische Regierung soll Griechenland versichert haben, daß ihre Truppen nur bis auf Gewehr⸗ schußwerte an die serbischgriechtsche Grenze bera werden und griechisches Gebiet keinesfall treten wollen. 1 Nach französischen Meldungen wird die Einkreisun Montenegros als vollständig betrachtet und die 001 n österreichisch⸗ungarischer Truppen in S tari als nahe bevorstehend bezeichnet. Die Aufstands⸗ bewegung in Albanien nimmt immer größeren U fang an, überall treten starke Banden den umherirrenden Trümmern der serbischen und montenegrinischen Armee mit bewaffneter Hand entgegen. Die nach Skutari und Durazz führenden Kommunikationen sind von albanischen Banden besetzt.„ 8 f * T. U. London, 10. Dez. Reuter meldet aus Saloniki: Die bu garischen Angrifse in den letzten drei Tagen scheinen einen ernsteren Charakter angenommen zu haben, als zuerst vermutet wurde. Dle Truppenmacht der Bulgaren wird immer größer. Sie sind gut aus⸗ gerüstet mit Kanonen, die sie nach deutschem Muster gebrauchen, d. h. sie wersen eine Anzahl von Geschossen alf unsere Stellung, worauf die Infanterie zum Angriff vorgeht. Seit Montag be: schränken die Bulgaren ihre Angriffe hauptsächlich auf die englischen Linien, sodaß die englische vorgeschobene Front durch die Ueber⸗ macht gezwungen wurde, sich auf die Hauptstellungen zurückzuziehen. Es haben auch hier und dort Gesechte Mann gegen Mann statt⸗ gefunden. Auch unternahmen die Bulgaren einen., Bajonettangri gegen eine englische Truppenabteilung, die die Angreifer sed zwlickwarf. Da die Linien der Alltierten jetzt bis zur griecht ch Grenze weichen, wird es für die griechische Regierung immer not⸗ wendiger, eine Entscheidung bezüglich ihrer Haltung zu treffen. Der türkische Bericht. Konstantinopel, 10. Dez.(W. T. B.) Das Hauptquartier teilt mit: An der Jrakfront drangen unsere Truppen Norden und Westen noch näher an die feindlichen Stellungen bei Kut⸗el⸗Ama ra heran und brachten dem Feinde große Verluste bei; sie zwangen Abteilungen, die sich am rechten Ufer des Tigris befanden, zum Rückzug nach Kut⸗el⸗Amarg. Im Osten bemächtigten wir uns einer Brücke über den Tigris und zwangen einige feindliche Abteilungen, nac Kut⸗el⸗Amara zurückzugehen, und feindliche Kanvnen⸗ boote, zu entfliehen. 75 Au der Kankasusfront machten wir in der Gegend von Milo einige feindliche Patrouillen zu Gefangenen, andere vernichteten wir. Von den anderen Abschnitten ist nichts zu melden. An der Dardanellenfront beschossen feindliche Panzerschiffe bei Kimikli Liman kurze Zeit unsere Stellungen. Unsere Artillerie erwiderte und richtete sichtlichen Schaden in den feindlichen Schützengräben und Artilleriestellungen an. Zwei Granaten trafen die Landungsstelle bei Kimikli Liman und verursachten dort Verluste und Verwirrung. Von fünf Minen, die der Feind am 8. und 9. Dezember in diesem Ab⸗ schuitt spriugen ließ, explodierten drei gerade unterhalb seiner Schützengräben, die beiden anderen, die in einem ungefähr⸗ lichen Abstand explodierten, verursachten uns bloß einen Ver⸗ lust von 10 Toten und Verwundeten. Bei Ari Burnu heftiger Kampf mit Artillerie und Bomben. Der Feind schleuderte Lufttorpedos. Ein Kreuzer beschoß in Zwischenpausen unsere N Stellungen; unser Feuer zwang ihn, sich zu entfernen. Ein anderer Kreuzer kam auf Kanonenschußweike heran. Be: Sedd⸗ül⸗Bahr bewirkte unsere Artillerie die Einstellung den Bombenwürfe und brachte die feindliche Artillerie zum Schwei gen. Zwei Kreuzer beschossen wirkungslos unsere Stellungen Die Entwickelung in Persien. 1 T. U. Konstantinopel, 10. Dez. Die persische Regierune ist, wie Ikdam meldet, entschlossen, sich endgültig von den 0 ö englisch-russischen Vormundschaft zu befreien. Die Ablehnung der Persien angebotenen Anleihe sei das erste sichtbare Zeichen 5 gewesen, daß Persien sich für einen Anschluß an die Türke entschlossen habe. Nach der Erklärung des Heiligen Krieges in Persien haben Rußland und England ihr Spiel verloren 0 Zur Friedensinterpellation im Reichstage 4 Das Echo im Auslande. 4 1 Schweizerische Stimmen: 3 Die Baseler Nachrichten stellen fest, daß der Deutsche„ gestern einen großen Tag gehabt hat. Bei der Diskussion Friedens möglichkeit sei das Zuviel und das Zuwenig ven mieden worden, insbesondere wegen großen Taktes des Reichskanzlers, der vollständig auf der Höhe der parla mentarischen Situation gestanden habe. Das Blatt schreibt: De. Eindruck feiner absolutesten Sicherheit ist durch seine beiden Reber so klar zutage getreten, daß daran niemand wird drehen und deuteln können. Deutschland, seine Verbündeten, seine Feinde und die Neu tralen wissen jetzt des Kanzlers Meinung:„Unter den gegen wärtigen Umständen wäre jedes Friedensangebot unsererseits ein . Torheit.“ Die Ententepresse hat in den letzten Wochen wohl 0 in allen möglichen Meldungen und Andeutungen über kramofhe deutsche Versuche, Friedensverhandlungen in Gang zu bringen. aun diese Stimmungsmacherei wird nun wohl für einige Wo ver zichtet werden.“ N f 1 Der Berner Bund schreibt:„Die beiden großen Reden des 1 deutschen Reichsbanzlers sind zweifellos historische Dokumente vor größter Bedeutung. Sie umreißen in einem die wichtigen Augen. ö blicke das bisher durch die Zentralmächte Erreichte und bestimme, klar und scharf die Ziele, die Deutschland im Auge hat. Die erstg L. dani, Gießen.. Gießen u Umg. und des Uhren, Lieferant des Konsum⸗ 1 Markiplatz Il. bahn⸗Konsumvereins. 9 e. e 11 45 TUST FREI GEORG A. 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Der Bund faßt die 9 ses Fundament Reichskanzlers in die Sätze zusammen: 18 15 Tech slührungen des reit, über Friedensvorschläge zu dislatterd„ se die Tat sachen in Betracht ziehen und eine Si chere wenn die Zukunft gewähren.“ Friedens interpellation in der Schweiz Im Nationalrat wurde eine von sämtlichen Mitgliedern 8 Honsumperein Giessen und Ling. lautes eingereicht: Gedenkt der Bundesrat allein oder mit! der sozialdemokratischen Gruppe, mit Greuli N* 8 ich 8 1 an der Spitze, unterzeichnete Interpellation n den Regierungen anderer neutraler Länd 0 ge!. er den kriegführen⸗ den Staaten seine guten Dienste anzubieten zur 7 von Friedensverhandlungen? Eine dänische Stimme: Politiken schreibt in einem Leitartikel: Anschei ff 170 bie Kanzlerreden nicht neue Möglichkeiten ee 5 Friedensverhandlungen unter den Kriegführenden, und doch klingen durch die Worte des Kanzlers warme un vorbehaltene 40 Friedenswünsche, namentlich sei des Reichskan, 5 We l Reichskanzlers g r sicherung wichtig, daß es nicht wahr sei, daß Deutschland den Eife unnötig verlängern wolle, um noch dieses oder jenes Pfand zu 5 obern. Von allgemeinen Friedenswünschen sei es zwar noch weil bis zum Verhandlungsstadium, aber doch nicht so ü l 8 17 3 125 weit, 8 150 den offiziellen Erklärungen scheinen könnte. Trotz lem ine 87 sich sowohl beim Vierverband wie bei den gentralmächten Frie⸗⸗ densströmungen geltend. Keiner wolle die Initiative er⸗ greifen, aber zur Dis kussion seien alle bereit. A ü gesagt, daß die Einleitung eines Melnungzanstauscheg zu die Hilfe neutraler Staaten denkbar sei; vielleicht könne die g zum Backen verwendet werden), Fleischbrühwürfel, Mentholbonbons(bestes Mittel gegen Frage, wer den ersten Schritt tun solle, dadurch erledigt werden. Ein Termin für den Frieden? Budapest, 10. Dez. Nach der in Jassy erscheinenden 5 Opinia bemerkte König Ferdinand von Rumänien zu Königin Marie verfaßten Roman zu einem Theaterstück ver“ rauchend), Feldbrieibogen, Briesumschläge und Postkarten in Packungen zu 10 Pig.), Rote Kreuz- arbeitet hat und Bedenken darüber äußerte, ob das Stück noch 7 ö in verschiedenen Grössen und Ausführungen zum Verschicken von Marmelade, Wurst, Strümpfen dem rumänischen Dichter Eftim iu, der einen von der vor dem Eingreifen Rumäniens in den Welt⸗ krieg zur Aufführung gelangen könne:„Sie können sich 10 ganz ruhig mit der Vorbereitung des Theaterstücks beschäfti⸗ gen. Bis nachdem April werden Sie genug Zeit haben, das Stück aufzuführen.“ Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen. 1 8 E 5 N Von den Apotheken in Giessen ist am Sonntag Ag. den 12. Dezbr. von 3 Uhr nachmittags an und die Nacht Maitiert fr cherheit für Herbeiführung eines Waffenstillstandes und zur Ene 5 [Weine, Punschessenzen, Pfefferkuchen, Lebkuchen, Honig- b die Hberhesssce Loltezeit hindurch geöffnet die Peli kan-Apotheke. Der empfiehlt zu den bevorstehenden Weihnachts- und Neujahrstagen seine anerkannt guten und preiswerten Waren, insbesondere diverse kuchen ete.— Ligarren in allen Preislagen, Ligaretten. Ganz besonders machen wir auf unsere Feldpost⸗ Sendungen aufmerksam. Zur Zeit führen wir: Zigarren in 10 und 20 Stück-Kistchen, Zigaretten in 20 und 30 Stück- Packungen, verschiedene Rauchtabake, Feldkocher mit 1 Dose Spiritus-Würfei(höchst praktisch), Ersatzdosen extra. 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