Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Die Oberhessische Volkszeitung erscheint jeden Werktag Abend i Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg. mentale 60 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen blerteljährl 1 50 Mt Nr. 290 1 ame 9 Se Redaktion und Expedition Juserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Giessen, Bahnhosstraßse 23, Ecke Löwengasse. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr Telephon 2008. für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. — 1 8 2 — 5 Gießen, Freitag, den 10. Dezember 1915 10. Jahrgang nischen Di Alt 5 70 8. 5 5 133 0 0 Alt 10 sie sich insgesamt auf 349 712 Mark. Das war darauf zurückzu⸗ führte, daß an den Seitenwänden große Schilder mit darauf ge⸗ ders le krögrenze für Toren ler. e daß mehr als fünf Sechstel der Invaliden 7795 1891 ihre 5 0 5 amerikanischer Flagge angebracht waren. Da der Dampfer tüstet 13 Von H. Molkenbuhr e Militärzeit abgedient hatten. Sie kam also bei der Renten⸗ die Abzeichen eines neutralen Staates trug und Signale gesetz⸗ Der Reichst e 1 berechnung nicht mehr in Betracht. Die bei jenen Renten nach⸗ hatte, die nach der Erklärung seekundiger Leute von der Besatzung eichstag wird in dieser Tagung darüber zu beschließen gerechneten Militärdienstwochen waren in der Regel nur zwei sechs⸗ der„Nicosian“ bedeuteten, daß er auf Wunsch Hi 1 — 2 5 2 2 In- 9 ob die Altersgrenze für die Altersrente herabgesetzt oder wöchentliche Uebungen. Jetzt sind aber Millionen Versicherte seit und sein Aeußeres auch durch nichts seinen kriegerischen Charakter abora- auf 0 Jahre belassen werden soll. Der Artikel 81 des Einführ⸗ länger als einem Jahr zum Kriegsdienst einberufen. Wenn u die verriet, nahm die in den Rettungsbooten befindliche Mannschaft an, nittags ungsgesetzes zur Reichsversicherungsordnung lautet:„Der Bundes⸗ Invaliden aus den Leuten bestehen, die diesen Krieg mitgemacht daß er sich lediglich mit ihrer Rettung befassen würde. Während n und rat hat. 1 Jahre 1915 dem Reichstage die gesetzlichen Vorschriften haben, daun wird die jährliche Mehrbelastung der Versicherungs⸗ das Unterseeboot aus nächster Nähe die Backbordseite der„Nico⸗ ladung über die Altersgrenze zur erneuten Beschlußfassung vorzulegen.“ träger infolge der Anrechnung der Dienstwochen 12 Millionen Mark sian“ beschoß, kam der fremde Dampfer hinter dieser vorbei und derver⸗ Der Streit um die Altersgrenze ist so alt wie das Gesetz. Als das übersteigen. Daher ist es durchaus angebracht, die Bestimmungen fuhr an ihrer Steuerbordseite auf. Als er ein wenig über den geterz. Alters⸗ und Invalidenversicherungsgesetz im Jahre 1888 geschaffen des§ 40 des Invalidenversicherungsgesetzes in die Reichs versiche⸗ Bug der„Nicosian“ hinaus war, wurde von seinem Bord auf da⸗ e daz wurde, beantragten unsere Genossen als Altersgrenze das 60. rungsordnung aufzunehmen. Denn es ist nicht einzusehen, wes⸗ Unterseeboot geschossen, und zwar, wie außer Garrett sämtliche e m. Lebensjahr festzusetzen, da unsere Genossen annahmen, die Alters⸗ halb ein Teil der Kriegslasten von den 16,5 Millionen Versicherten Zeugen angeben, zuerst mit Handfeuerwaffen und unmittelbar ch un⸗ rente werde die Regel sein, während die Invalidenrente relatio und deren Arbeitgebern allein getragen werden soll! darauf auch aus Geschützen, die bis dahin durch Schutzwände ver⸗ ö Werden die besonderen Kriegslasten auf die Versicherumg ab⸗ deckt und erst nach deren Beseitigung sichtbar wurden. Der Zeuge nur in wenigen Fällen ausbezahlt werden würde. Tatsächlich ist — es anders gekommen, 1914 liefen 1048 993 Invaliden⸗ und gewälzt, dann ist ein segensxreie wirkender Ausbau gehindert. 5 8 Krankenrenten und nur 84015 Altersrenten. Würde man die Der Krieg soll und darf aber kein Hindernis für den Ausbau der fremde Schiff an Heck führte, erst nach dem Gewehrfeuer nieder Altersgrenze auf 60 Jahre festgesetzt haben, so würde die Zahl der Versicherung werden. Gerade viele Zweige der Wirksamkeit, wie geholt wurde. Er hat diese Aussage in der vor dem öffentlichen ba Altersrenten höchstens nicht ganz 600 000 betragen, also immer z. B. die Seuchenbekämpfung und dis mebikomechanische Behand⸗ Notar Robert Schwarg in Newyork am 21. Oktober aufgenommene: noch weit zurückbleiben hinter der Zahl der Invaliden renten. lung werden in erhöhtem Maße in Anspruch genommen werden. Verhandlung wiederholt. Als das von mehreren Schüssen ge⸗ Längere Zeit legten wir das Hauptgewicht auf Anerkennung der Auch der Ausbau der Hinterbliebenen versicherung darf nicht ge⸗ troffene Unterseeboot zu sinken begann, spraugen der Kommandan; Berufsinvalidität und Herabsetzung der Invaliditätsgrenze. Als hindert werden. Viele durch den Krieg herbeigeführte Ausgabe! und eine Anzahl Seeleute über Bord, die Seeleute, nachdem sie sich im Jahre 1904 die Regierung die bekannten Bereisungskommissionen sind nur vorübergehender Natur. Die Ausgaben für Witwengeld vorher der Kleidung entledigt hatten. Einigen davon— die Zah ins Reich sandte und vielen Invaliden die Invalidenrente ent⸗ werden wenige Monate nach dem Kriege auf ihren normalen Stand wird von Garrett und Curran auf fünf angegeben gelang es, zogen wurde, gewann jedoch wieder die Frage der Herabsetzung der zurücksinken. In 15 Jahren nach dem Kriege sind auch wieder die] sich an Bord der„Nicosian“ zu retten, während die übrigen sich an Altersgrenze an Bedeutung. Olt hat man die seltsamsten Ent⸗ Renten der Kriegswaisen aus dem Ausgabenetat verschwunden. den Leinen hielten, die von den hinabgeführten Rettungsbooten der leder scheidungen f festgestellt“ 0 de 6 hwirk N je Invaliden⸗ und Wit Nicostan“ ins Wasser hingen. Die an den Lefnen hängenden 5 gen getroffen und z. B.„festgestellt“, daß ein blinder Länger nachwirken werden nur die Invaliden⸗ und Witwenrenten.] 8 Wasser hingen. 595 Nachtwächter und eine an beiden Heinen gelähmte Frau noch 1 Alles das kann aber kein Grund sein, die Herabsetzung der Alters⸗ Leute wurden teile durch Heschüsfener e„Paralong“, teil invalid sind, weil sie noch mehr als ein Drittel von dem verdienen 1 110 unterlassen. In den hohen Lebensaltern nimmt die. der 1 An e as glei i it ben. Ob ein Arbeiter invalid en Invalidität rapid zu. Van den 608 160, denen in den fün 7 tungsbooten au W 5 1 s gleichartige Arbeiter erwerben Ob ein Arbeiter Aral az vo 19151 5 5 unden fünf gere daselbst bereits an Deck aufhielten. Der Zeuge Curran bekunde: Eurran bekundete auch, daß die amerikanische Flagge, die das fängt vielfach völlig von der subjektiven Auffassung der Aerzte und von 1909 bis 1913 Invalidenrente bewilligt wurden, waren 308 104, Hale, e 2 2 5 der Richter ab. Die Invalidität kann bdestritten Werde das Alter elso 50,6 von Hundert, über 60 Jahre ale, In den meisten Fällen] Hierüber nech besonders, daß der Komrgandant does fremden ist aber feder Zeit nachweisbar. Ende der neunziger Jahre for⸗ dürften die Arbeiter, die das Alter von 65 Jahren erreicht haben, Dampfers seinen Leuten befohlen hat, eine Linie 1 0 Reeling zu derte auch der Führer des Bundes der Landwirte Plötz eine Herab⸗ bereits Halbinvaliden sein. Dem Privatangestellten wi gen N 215 e n Aeg e 5 setzung der Altersgrenze. 5 5 er in seinem Beruf nicht mehr die Hälste der Durchschnittsleistungen Wasser zu schießen. Hierauf fuhr der ommandant des tra: Inzwischen sind in anderen S Altersversicherungen ge⸗ au erreichen vermag, Ruhegeld gegeben: die Leistungsfähigkeit des„Baralong“ breitseits an die„Nicpstan geran, ließ diese fest⸗ zwi sind in eren Staaten Altersversicherung ge f. 5 N 5 1 70 machen und befahl sod nigen seiner Leute, auf die„Nieosian 1 schaffen. In keinem dieser Staaten ist man über die Altersgrenze Arbeiters muß auf weniger als ein Drittel gesunken sein, bevor ßi 196 55 6 N 1 Ma d. 1 2 von 70 Jahr hinausgegangen: wohl aber sind Ungarn, Frankreich, er Anspruch auf Invalidenrente erheben kann. Durch die Herab⸗ a 52 10 9 5 1 30 e 15 605 u bei Belgien, Dänemark, Rumänien und Italien darunter geblieben. setzung der Altersgrenze wäre wenigstens ein Uebergang geschaffen. a e tene en ich ang 952 — Letztgenannter Staat gibt an 55jährige Frauen und 6bjährige Wenn mit zunehmendem Alter und sinkender Arbeitsfähigkeit dem 1 aß 6 amban dan a aicben ger 2 15 Männer Altersrente. i alten Arbeiter eine Rente gewährt wird, dann werden viele Ar⸗ 55 8 ie i e e Mash Bei der Beratung der Reichsversicherungsorduung tauchte die] beiter vor völliger Invalidität geschützt. 8 Wellen e ee e 8 55 50. Dem Kommandanten Frage wieder auf. Im Jahre 1907 beantragten sowohl die Kon⸗ Den. größten Nutzen dürfte die Landwirtschaft von einer Herab⸗ des delle 15 lang es, wie die Zeugen überein⸗ servativen wie die Freitönservativen im Neichstage, die Herab⸗ setzung der Altersgrenze haken. Während von den über 16 Jahr 1 1 erkunde lch bein n Nicostan“ zu entkommen setzung der Altersgrenze auf das 65. Lebensjahr. Auch in der alten Arbeitern 1907 uur 39.6 von Hundert Landarbeiter waren, Er sprang ins Wasser 115 schwamm un den B Schiffe⸗ Vorlage der Regierung über die Versicherung der Privatangestell⸗ ist es in den hohen Lebensaltern genau umgekehrt. Von n Aref herum auf den„Baralong⸗ zu. Die englischen Seeleute an Bord ten wurde das 65. Lebensjahr zur Erlangung der Rente gesetzt. Da beitern im Alter von 60 bis 70 Jahr waren z. B. 61,7 von Hundert! er Nicostan“ schossen sofort auf ihn, obwohl er, allen Privatangestellte mit weniger als 2000 Mark Gehalt, sowohl in der als Landarbeiter beschäftigt und nur 98,3 von Hundert als Arbeiter sichtbar, die Hände zum Zeichen, daß er sich ergeben wolle empor⸗ 10⁰ Angestelltenversicherung als auch auf Grund der Reichsversicher⸗ in der Industrie, im Gewerbe, Handel und Verkehr tätig. 1925 Sie setzten das Feuer auch fort, nachdem ihn ein Schuß an⸗ ungsordnung versichert sind, ist es ein unhaltbarer Zustand, dem Vor einigen Wochen ging eine Notiz durch die Presse, in der scheinend in den Mund getroffen hatte. Schließlich tötete ihn ein einen Teil die Altersrente erst fünf Jahre später za bewilligen wie gemeldet wurde, die Regierung. werde selbst die Herabsetzun der Schuß in den Nacken. Vorübergehend wurden dann sämtlich. Angestelltenrente Altersgrenze beantragen, dann folgte eine Notiz, in der das Gegen⸗ 3 N ee 15 Zeugen an Bord der„Nicosian zurückbefohlen. Dort sahen die I dem andern; zumal man bei der Bemessung der a 1 U 0 K 0 e i — den Bezug der Alters- oder Invalidenrente in Rechnung setzte. teil behauptet wurde. Das letztere ist leider wahr geworden. Ihr Zeugen Palen und Cosby ie einen Leichnam eines deutschen g 1 Wir beantragten deshalb, um beide Gesete im Uebereinstinmung Terzicht wird beglet en von einer Benkschrift, in 1. duuch allerlei] Matrosen, während Curran, der mit den für die Bergung des zu bringen, die Herabsetzung der Altersgreube auf das 65. Lebens⸗] Zahlenangaben nachzuwessen versucht wird, daf die Versicherung Dampfers dringend notwendigen Mannschaften an Bord verblieb, jahr. Die Regierung verhielt sich ablehnend, und alle Abgeordnete sicherlich bankerott machen müßte, sobald 20 Millionen Mark mehr sämtliche vier Leichen gesehen hat die nachmittags über Bord ge⸗ aus den konservativen Parteien, die 1907 die Herabsetzung der] an alte Leute ausgegeben würden. Solche Rechnungen sind be⸗ worfen wurden. Der Kommandant der„Baralong“ ließ die„Nico⸗ Altersgrenze beantragt hatten, stimmten, bis auf zwei, gegen den kanntlich vecht. Schon 1889 allo beuor 1 Versicherung sian“ einige Meilen nach Avonmouth zu schleppen und darauf deren Antrag, obgleich dieser doch nur ihre Anträge verwirklichen wollte. e den eee mee eee dies an bei ihm zurückgebliebenen Mannschaft an Bord der„Nicosian“ zu⸗ finanzieller Natur. Die die Beiträge annähernd verdoppelt würden. Geschne ere 981, rückbringen; zugleich sandte er einen Brief an den Kapitän der Die Einwendung der Regierung war, 7 767 297. 5 e ech — 1 beben das Reich könne den nötigen ler Aussicht vorhanden, in 90 Jahren, also bis Zum Jahre 1981,„Nicostan“ in dem er diesen ersuchto seiner Mannschaft, insbe⸗ Reeichszuschuß nicht aufbringen und die Versicherungsträger ein Vermögen von 2000 Millionen Mark anzusammeln. Die Veie sondere den darunter befindlichen Amerikanern, einzuschär⸗ Fönnten allein die Mehrbelastung nicht tragen, Man rechnete da] kragserhögung ist nacht erfolgt, trotzdem war am Schlusse des Jahres fen, weder bei ihrer Ankunft in Liverpool, noch bei ihrer Rück mals heraus, daß die Herabsetzung der Altersgrenze auf das 1913 bereits ein Vermögen, von 2 106 491 550 Mark angesammelt. kehr nach Amerika etwas über die Angelegenheit verlauten zu f 8 de, wofür! Aber selbst wenn der Vermögensstan, nicht so günstig wäre, dürfte lassen. Der Brief, den Curran selbst gelesen hat, wax unter 5. L 81 76 655 rsrentner bringen wür 0 N* 5 8 25 Gele 0 750 Mark und die Verschenungeteagef 19988 513 die Frage, ob man den alten Leuten eine Rente gewähren soll, nicht zeichnet:„Captain William Me Bride H. M. S. Bara⸗ Mark aufzubringen hätten. Die Versicherungsträger können jedoch der Enkscheidung des Kalkulaters übergesseg bleiben. Viel auge⸗ song“.(bier folgen weiter Einzelheiten.) Dann heißt er: Au die Ausgabe recht wohl trage Wenn man die Erträge der Bei⸗ brachter wäre(8, durch eine Umfrage bei den Unternehmern sest⸗ Grund des vorstehenden Materials kann es keinem Zweifel unter 1 gerhöl 45 oll für di Wit und Waisen und die Kinder dar zustellen. wo noch Leute im Alter don gs gahren in Arbeit ge⸗ liegen, daß der Kommandant des britischen Hilfskreuzer“„Jara ligen abgeht 01 ist i Jah re 1912 ein Ueberschuß von nommen werden. Schon unter den Reichs⸗, Staats⸗ und Gemeinde⸗ long“, Me Bride, der ihm unterstellten Mannschaft den Befehl ge 1046 Millionen Mart g 1913 n solcher von, 111,2 Millionen] betrieben würde man viele finden, die erklären:„So alte Leute geben hat, helf⸗ und wehrlose deutsche Seeleute nicht zu Gefangener Mark verblieben. Ein solcher Ueberschuß gestattet sicherlich noch] stellen wir Aborqaude wick eint, di wan dene 2 0 länger als zu machen sondern sie beide su ermorden; sowie daß sein, 5 0 ein halbes Jahrhundert gearbeitet haben, nicht als Bettler auf die Mannschaft den Befehl befolgt und sich dadu uch des Mor i 8 0. 20 Millionen Mark. 2 5 5 5 5 1 31. 8 5 inen! 8 75 e e d durch den Krieg entstandene N Ad d ud ene i 9 5 des mitschuldig gemacht hat. Die deutsche Regierung teil Lage der Versicherungsträger gegen die Herabsetzung der Alters- 51 105 1 125 den 880 0 0 a en e diese furchtbare Tat der britischen Regierung mit und nimmt be. grenze ausspielt, so muß die Frage gestellt werden, ob 1 0 7 1% Arbeitskraft möglichst so lange zu erhalten, die Ne stimmt an, daß diese, nachdem sie von dem Sachverhalt und den an. 6 andere Mittel in Anspruch genommen werden müssen. Die Leute zuläßt. 3 45 liegenden Verhandlungen Kenntnis genommen hat, unverzüglich N K man jedenfalls für den Krieg dem Kommandanten und die beteiligte Mannschaft des Hilfs, im Alter von 65 bis 70 Jahre darf e et 5 0 5 1 8 N 8 5 und die durch diesen herbeigeführte Verschlechterung e Die Mord at des„ zralong“. kreuzers„Baralong“ wegen Mordes zur Verantwortung zieher lage nicht büßen lassen. Tatsache ist ja, daß im ersten Kriegsjahr,. 1 1 5 5„und nach den Kriegsgesetzen bestrafen wird. Sie erwartet in kürze 19 1 den Versicherungsanstalten Die Nordd. Allg. Ztg. schreibt: In der bekannten„Baralong“- ster Frist eine Aeußerung der britischen Regierung, daß diese eir f suli 1915, von f f 6 dir 14 59807 570 Mart l Beitragen eingenommen worden sind] Sache sind vor kurzem die in Amerika aufgenommen: Verhand- Verfahren zur Sübnung deen empörenden Vorfalles eingeleitet hat g als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Ferner bringt, der lungen eingetroffen. Danach wurde nachstehend abgedruckte Denk⸗ demnächst erwarte sie eine eingehende Aeußerung über das Ex; „ Krieg eine erhebliche Belastungssteigerneß der Versccherung mit sc schrift mee zugehörigen Verhandlungen der hiesigen amerttan: gebnis des nach Möglichkeit zu beschleunigenden Verfahrens, un Das tritt zunächst bei der Hinterbliebenenversicherurg hervor schen Botschaft zur Mitteilung an die britische Regierung Ubersandt. sich selbst davon überzeugen zu können, daß die Tat durch eine ihre, ö Speziell die Ausgaben für Witwengeld und Waisenrente sind er⸗(Folgen genaue Angaben über die Zeugen usw) Daun heißt es: Schwere entsprechende Strafe geahndet worden ist. Sollte sie sich ö peziell die Ausgaben ehr 5 t eine starke Zu⸗] Im August 1915 befand sich der britische Dampfer„Nicosian“, der in ihrer Erwartung täuschen, so würde sie sich zu schwerwie 1 7 5 91 ird i kunf heblich gestiegen. Hinzukommen wird in Jukuun 61 350 7 1 ür Kriegszwecke an Bord hatte, alf it 5 19 5 1 1 5 3 ist die Frage berechtigt, ob etwa 350 Maultiere für Kriegs; e an Bor hatte, also mitl genden Entschließungen wegen der Vergeltun; nahme der Invalidenrente. Deshalb. vom Reich zu] Konterbande beladen war. auf der Fahrt von New⸗Orlans nach eines ungesühnten Verbrechens genötigt sehen. 5 5 2! hen, ganz l 5 nicht die Lasten, die aus dem Kriege entstehen, gan Bei 2115 357 ls Maultierpfl. d Aufseh 8 1 1 1 j icht nur die eitragsein⸗„Avnmouth; die Zeugen waren als Mau jerpfleger un ufseher 9 mragen sind Durch 11 7 Hergen rachel steigt. mitgenommen. Am 19. August wurde der Dampfer etwa 70 See⸗ Der apst und der Weltkrieg. r 199 5. 9 nals Beikvagswochen. Für jede] meilen südlich Queenstown(Irland) von einem deutschen Unter⸗ Der Papst sagte in einer schon erwähnten Ansprache ar Militärdienstwochen gelten ide Steigerungssatz von] soeboot angehalten und beschossen, nachdem zuvor die gesamte die Kardinäle, er höre nicht auf,„aufs neue auf dem ein Militärdienstwoche hat der Invalide einen denperst ngs⸗ N 0 ter die Zeugen, das Schiff auf Rettun sbooten; 8 785 5 5 8 8 6 Pfg. zu benden. Aach en der A verlassen baten, Alle die Jener auf den Aeeiiafg neten auber 3 dg en Mitte wenn welches schnell das Ende diese gesetzes hatte das Reich diesen e diese Belastung des Reiches] halb der Jeuerlinie des Unlerscebogtes waren, näherte sich dem sch recklichen Weltbrandes herbeiführen könnte, un die Reichsversicherungsordnung war 8 alzt. Man erklärte, es] Schauplatz ein Dampfer, der von den Zeugen Garxett, Hightower, einen derartigen Frieden vorzubereiten, wie er von der ges jedoch auf die Versicherungsträger abe e die zum Teil dadurch Clark und Curran von der„Nicosian“ aus bemerkt worden war samten Menschheit glühend ersehnt wird, das heiß handle sich ja nur um unbedeutende Summen, ch die Auszahlung] und der ich später als der britische Hilfskreuzer„Baralong“ a 0. 8 N 0 wieder ausgeglichen würden, daß die 10 Ni Frei Welte. Beim Näherkommen dieses, Dampfers' erkannten e echten, dauer haften, nicht nur für einer 4 0 105 125 merbllebene mate ee uumbedeutend; 4911 beliefen! sämtliche Zeugen deutlich, daß er am Heck die amerikanische Flagge Teil der Kriegführenden Nutzen bringenden Frieden! lich waren don olli die imm. „ Weiter klagte er über Verletzung der Würde es Papstes:„Schon wiederholt haben wir, den Spuren unserer Vorgänger folgend, beklagt, daß die Lage, in der der Vapst sich befindet, derartig ist, daß sie ihm nicht die volle Freiheit läßt, welche für die Regierung der Kirche unbedingt notwendig ist.... Daß gewisse bei uns beglaubigte Botschafter oder Gesandte gezwungen waren, abzureisen, um ihre per— sönliche Würde und die Rechte ihrer Amtswürde zu wahren, war für den Heiligen Stuhl eine Verringerung seines eigenen angeborenen Rechtes, ein Versagen der notwendigen Bürg— schaften, und brachte gleichzeitig die Entziehung des gewöhn⸗ lichen Mittels mit sich, dessen er sich als des bequemsten zur Verhandlung mit auswärtigen Regierungen zu bedienen pflegt.“ In Italien haben diese Klagen verschnupft. Kriegseifrigen merken tadelnd an, es werde immer mehr offenbar, daß der Papst mit Feinden des Vierver— bandes tympathisiere. Industrielle Mobilisierung in Italien. Was schon aus früheren Meldungen hervorging, wird vom Avanti vom 1. Dezember ausdrücklich bestätigt.„Die Mobilisation der Industrie,“ schreibt er,„hat bisher in Li— gurien nur den Industriellen gedient, der besseren Aussau⸗ gung der Arbeiter und der ungestörten Rache besonders an den Arbeitern, die die Seele einer Organisation oder der so— zialistischen Bewegung sind. Diese Versicherungen sind durch zu viele Tatsachen erwiesen, als daß sie noch zu leugnen wären.“ Der Avanti zählt daraufhin einige Fälle auf, in denen Arbeiter, die als Führer von Organisationen bekannt sind, ohne weiteres von Karabinieri(Schutzleuten) aus der Fabrik geholt und ohne weiteren Prozeß ins Gefängnis gebracht wur— den. Auch solche, die gewagt hatten, Kritik an der Handha— bung der Mobilisationsvorschriften zu üben, traf dasselbe Schicksal. Es ist sogar vorgekommen, daß die Polizeibehörden selbst zugaben, daß der vom Mobilisationskomitee ausgehende Strafantrag übereilt war. Die Gewerkschaftskammer ist zwar im Komitee vertreten, scheint aber wenig Einfluß auf dessen Entscheidungen zu haben. Wilsons Botschaft an den Kongreß. Washington, 8. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Die Botschaft des Präsidenten Wilson an den Kongreß spricht sich in sehr heftigen Worten über Komplotte in den Vereinigten Staaten aus. Wilson beschuldigt Deutschland zwar nicht direkt, für die Komplotte verantwortlich zu sein, spielt aber in allgemeinen Ausdrücken darauf an. Der Präsident sagt, er glaube nicht, daß eine unmittelbare Gefahr für die Beziehungen der Vereinigten Staaten zu anderen Ländern bestehe. Er fährt sort:„Ich muß leider mitteilen, daß die schwersten Drohungen gegen den nationalen Frieden und die Sicherheit innerhalb unserer eigenen Grenzen ausgesprochen worden sind. Zu meinem Bedauern muß ich zugeben, daß Bürger, die unter anderen Flaggen geboren wurden, aber in Amerika naturalisiert wurden, die Autorität und den guten Namen der Regierung in Verruf zu bringen und unsere Industrie zu vernichten suchten, wo sie es als im Interesse ihrer Rachgier gelegen betrachteten, daß sie versuchten, gegen sie Schläge zu n Mund unsere politischen Bestrebungen ausländischen Intrigen unterzuordnen.“ Obwohl die Zahl dieser Personen im Vergleich zu anderen Fremden und Einwanderern gering sei, haben sie die Vereinigten Staaten doch zu energischen gesetzlichen Maßnahmen gezwungem. Amerika habe niemals erwartet, daß Männer deutschen Ur⸗ sprungs, welche bei der Erfüllung ihrer Untertanenpflicht so viele Freiheiten genleßen, in böswilliger Absicht sich gegen eine Regierung und ein Volk wenden würden, das sie willkommen hieß und ernährt. Der Präsident fordert den Kongreß auf, Gesetze zu schaffen, die eine ausreichende Bürgschaft gegen dieses Uebel bieten. Solche von Leidenschaft und Treulosigkeit erfüllten marchistischen Kreaturen müßten vernichtet werden. Weiter heißt es in der Botschaft: Ich wollte, es könnte gesagt Lerden, daß nur einige Männer durch falsche Gefühle zu einer Ergebenheit gegenüber den Regierungen, unter denen sie geboren wurden, verleitet worden sind, und sich der irrtümlichen Auffasfung der Pringipien dieses Landes schuldig gemacht haben. Aber viele unter uns und zahlreiche Personen im Auslande haben, 1. ch sie i u, sich und Die f* ihre Ehre als Bürger so weit vergessen, daß sie ihrer Sympathie mit der en oder anderen Partei in dem großen europäischen Konflikte leidenschaftlich Ausdruck gegeben haben, und soweit gingen, selbst Treulosigkeit zu predigen. Ich kann nicht von den anderen sprechen, ohne auch diese zu erwähnen, um dem Gefühle noch tieferer Erniedrigung und Entrüstung Ausdruck zu geben, das jeden Patrioten erfüllen muß, wenn er an diese Dinge und an den Miß⸗ kredit denkt, in den uns diese Leute bringen. Der Präsident erklärte hierauf die Neutralitätspolitik der Vereinigten Staaten und sagte: Der zerstörende Krieg soll umgrenzt bleiben. Ein Teil der großen Familie der Völker sollte den Friedensprotest aufrecht erhalten, schon um einen allgemeinen wirtschaftlichen Ruin zu ver⸗ hindern. 5 5 5 Ueber die Monroe-Doktrin heißt es:„Wir halten un⸗ erschütterlich fest an ihrem Geiste. Im Falle Mexikos haben wir die Probe darauf bestanden. Gerade weil wir eine unbelästigte Entwicklung und eine ungestörte Regierung nach unseren eigenen Grundsätzen von Recht und Freiheit verlangen, sind wir gegen jede Einmengung, von welcher Seite immer sie kommen möge, in unseren Anschauungen. Wir wollen kein stehendes Heer erhalten, außer in einem Umfange, den unsere Erfordernisse in friedlichen und kriegerischen Zeiten verlangen.“ Der Präsident betonte sodanm die Notwendigkeit einer genügend großen Handelsflotte. Aus vielen gewichtigen Gründen sei es notwendig, daß die Vereinigten Staaten über eine große Handelsflotte verfügen.„Wir haben uns durch unsere unentschuldbare Nachlässigkeit und Gleichgültigkeit, durch die hoffnungslos kurzsichtige und provinzlerische Politik des sogenannten wirtschaftlichen Schutzes fast um unsere Existenz ge⸗ bracht. Es ist höchste Zeit, daß wir den Fehler gut machen und unsere kommerzielle Unabhängigkeit wieder erlangen. Die ganze amerikanische Hemisphäre muß die gleiche Unabhängigkeit und Selbständigkeit genießen, wenn sie nicht in den Wirrwarr der europäischen Angelegenheiten hineingezogen werden soll.“ Der Rest der Botschaft befaßt sich hauptsächlich mit einer Besprechung der Rüstungspläne, der Vergrößerung von Armee und Flotte und den Vorschlägen, wie die hierfür nötigen Gelder aufzubringen seien. Eine amerikanische Stimme gegen England. Die Berl. Ztg. erfährt: Der Vorsitzende des parlamen⸗ tarischen Ausschusses für Heeresangelegenheiten im amerika⸗ nischen Kongreß, Senator Chamberlain, hat, der Newyorker Times zufolge, nach einer Inspektionsreise durch die nord— westlichen Staaten bei seiner Rückkehr nach Washington u. a. folgende Ansicht geäußert: Ich traue Großbritannien nicht, es hat uns noch in jeder schwierigen Lage stets übel mitge⸗ spielt. Es hat unsere inneren Angelegenheiten stets wider Recht und Anstand gut auszunutzen gewußt und tut es auch jetzt noch, indem es ungefähr 200 unserer Handelsschiffe fest⸗ hält und behindert. Nach meiner Ansicht ist das britisch⸗ japanische Bündnis mit der Absicht geschlossen worden, auf die Vereinigten Staaten im Falle wirtschaftlicher oder anderen Unstimmigkeiten mit England einen Druck ausüben zu können SDentsche Ankänee ien Amerika. Reuter meldet aus London: Wie verlautet, sind von Deutsch⸗ land in den Vereinigten Staaten Ankäufe im Gesamtbetrage von 20 Millionen Pfund gemacht worden. Sie umfassen Kupfer, Baum⸗ wolle, Wolle, Speck, Weizen, landwirtschaftliche Werkzeuge und andere Produktionen. Alle diese Käufe wurden unter der Be⸗ dingung abgeschlossen, daß sie binnen 60 Tagen nach Beendigung des Krieges geliesert werden. Alle Ankäufe sind in der Nähe der atlantischen Häfen und zwar dort, wo deutsche Kauffahrteischiffe festliegen, aufgestapelt worden. Deutsche Finanzleute erklären, diese Ankäufe seien gemacht worden, um für den Frieden vorbereitet zu sein. Bulgari cher Bericht. Sofia, 8. Dez.(W. T. B.) Amtlicher Bericht vom 7. Dezember: Die Verfolgung der Franzosen beiderseits des Wardar wird von unseren Truppen fortgesetzt. Wir besitzen die Eisenbahnstation Demirkapu und stehen 12 Kilometer östlich derselben. Unsere Truppen haben das Dorf Grabica (auf der Karte nicht auffindbar) von drei Seiten einge— schlossen. Es kam hier zu einem heißen Kampf, der bis Mitternacht dauerte. Eine unserer Kolonnen griff ein feind— liches Bataillon bei dem Dorfe Petorz an, südlich der Bahn⸗ station Hudowa und zersprengte es durch einen Bajonettan⸗ griff und nahm dessen Lager vollständig in Besitz. Unsere südlich von Strumitza overierenden Truppen sind südlich von Kostorino vorgerückt; sie greifen die Franzosen und Eng⸗ länder auf der ganzen Front an. 114 Engländer sind ge⸗ 10 5 fangen genommen, zwei Kanonen, zwei iti. und ein Maschinengewehr erbeutet worden. Es wir gekämpft. Unsere von Kitschewo und Monastir gegen vorrückenden Kolonnen sind in die Ochridaebene hinab stiegen und haben die Stadt Ochrida in Besitz genomn An der serbisch⸗montenegrinischen Front dauert das Ef meln der unheheuren Mengen von Beute bei Djakowa 10 Kanonen, 100 Munitionswagen, 15 Automobile, Fuhrwerke mit Kriegsmaterial usw. wurden erbeutet. * vi 5 ö S a— 12 5„ An Dem Berliner Tageblatt wird aus Sofia berichtet: Die F. 5 dauer des Rückzuges der Franzosen und Engländer im Geb 2 zwischen Cerna und Recke und dem Vardar verstärkt den Eindru daß Frankreich und England beschlossen haben, ihre Truppen, unt Vermeidung von Kämpfen mit dem nachrückenden Feind, griechisches Gebiet zurückzuziehen. Streit im Vierverband. Laut Berichten französischer und italienischer Blätt herrscht zwischen England und den übrigen Ententemäch Zwist wegen der Expedition nach Saloniki. England möch seine Aufmerksamkeit lieber Aegypten und dem Suezka zuwenden, aber Rußland und Italien haben ein groß Interesse, die Oesterreicher und Deutschen am Balkan zu drängen. Frankreich endlich hält an der Balkanexpe aus Gründen der nationalen Ehre fest. Der Standpunkt Englands werde namentlich durch Kitchener vertreten. Zum Mißlingen der russischen Anleihe. 0 Stockholm, 9. Dez. Der Mißerfolg der gegenwärtigen russi⸗ schen Anleihe hat sich als derartig gewaltig herausgestellt, daß der Finanzminifter sich genötigt sieht, den bereits am vori Freitag abgelaufenen letzten Zeichnungstermin durch öffent Ankündigung für weitere fünf Tage auszudehnen. Die bis Fr tag erfolgten Zeichnungen ergaben insgesamt nur 263 Millio trotz der geradezu marktschreierischen Reklame. Es ist somit m etwas über ein Viertel des aufgelegten Betrages subskribiert worden. Es ist nicht anzunehmen, daß die Verlängerung des Zeichnungstermins das oben genannte Resultat merklich verändern wird, denn schon in den letzten beiden Tagen war eine be denkliche Abnahme der Zeichnungen zu konstatieren, trotz des An gebots eines um Prozent niedrigerem Kurses. Amerika ist Sieger im Weltkrieg! Washington, 9. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Meld des Reuterschen Bureaus: Der jährliche Bericht des Staats sekretärs des Schatzamtes, welcher dem Kongreß vorge worden ist, betont den bemerkenswerten Wohlstand, der sich im ganzn Land eingestellt habe. Die Lage der Eisenbahnen habe sich außerordentlich verbessert. Die Eisen- und Stal industrie weise eine phänomenale Blüte auf. Die Ernte fer ausgezeichnet gewesen, selbst die Baumwolle pflanzenden Staaten, die 1914 zu leiden hatten, haben sich wieder erho Die finanzielle Lage sei nie so stark und günstig gewesen. Kriegsnotizen. 3 Die Bierfabrikanten in Rheinland⸗Westfalen haben ihre dritte Bierpreiserhöhung beschlossen. Während des wurde der Hektoliterpreis um 16 Mark erhöht. Diese fröhliche nutzung der Konjunktur hat endlich die Wirte in Harnisch gebrg Die Wirtevereinigungen in Solingen haben beschlossen, falls die Brauer auf der Erhöhung beharren, mit dem 15. Dezember den r Bierausschank einzustellen und gemeinsam leichten und billigen Wein einzukaufen und zu verschänken. Unter Präventivzensur wurde unser Lübecker Partei organ, der Volksbote, zunächst für eine Woche gestellt, weil er einen Artikel des Genossen Cunow„Wirtschaftspolitische Zukunfts⸗ probleme“ abgedruckt hatte. Vor dem Kriegsgericht in Mülhausen(Els.) hatten sich 6 der letzten Sitzung 1. der Schlosser Lettermann aus Gebweiser, und 2. der Webermeister Wegerich aus Merxheim wegen Vater⸗ landsverrats zu verantworten. Dem ersteren wurde nachgewiesen, daß er den Fransosen wichtige Nachrichten überbracht hatte. Er wurde zum Tode verurteilt. Der zweite Angeklagte wurde freige⸗ sprochen. Der Vertreter der Anklage hatte gegen Lettermaun 15 Jahre, gegen Wegerich 10 Jahre Zuchthaus beantragt. Der zum Tode Verurteilte nahm das Urteil ohne jedes Zeichen der Er⸗ regung entgegen. g 8 — e 5 8 S e be 4 2 in den Vereinigten Staaten geboren und erzogen wurde ———— Barfüßele. 8 Eine Schwarzwälder Dorfgeschichte von Berthold Auerbach. „O Kind,“ schloß sie dann oft,„merk' dir etwas, in dir steckt ja auch ein Einsiedel: wer gut grad fortleben will, der sollte ganz allein sein, niemand gern haben und von nieman— dem was mögen. Weißt du, wer reich ist? Wer nichts braucht, als was er aus sich hat. Und wer ist arm? Wer auf Fremdes wartet, was ihm zukommt. Da sitzt einer und wartet auf seine Hände, die ein anderer am Leib hat, und wartet auf seine Augen, die ein anderer im Kopfe stecken hat. Bleib' allein für dich, dann hast du deine Hände immer bei dir, dann brauchst du keine anderen, kannst dir selber helfen. Wer auf etwas hofft, was ihm von einem andern kommen soll, der ist ein Bettler; hoffe nur etwas vom Glück, von einem Geschwister ja von Gott selbst: du bist ein Bettler, du stehst da und hältst die Hand auf, bis dir etwas hineinfliegt. Bleib' allein, das ist das beste, da hast du alles in einem; allein, o wie gut ist allein! Schau, tief im Ameisenhaufen liegt ein kleinwinziger funkelnder Stein, wer den findet, kann sich unsichtbar machen und kann ihm niemand was anhaben; aber das kriecht durch⸗ einander, wer findet ihn? und es gibt ein Geheimnis in der Welt, aber wer kann's fassen? Nimm's auf, nimm's zu dir. Es gilt kein Glück und kein Unglück. Jeder kann sich alles selber machen, wenn er sich recht kennt und die anderen Menschen auch, aber nur unter einem Beding: er muß allein bleiben. Allein! Allein! sonst hilft's nichts.“ Aus dem Tiefsten heraus gab die Marann dem Kinde noch halbverschlossene Worte; das Kind konnte sie nicht fassen; aber wer weiß, was auch von Halbverstandenem in aufmerk— sam offener Seele haften bleibt? Und nach wildem Um— schauen fuhr die schwarze Marann fort:„O könnt' ich nur allein sein! Aber ich habe mich vergeben, ein Stück von mir ist unterm Boden, und ein anderes läuft in der Welt herum, wer weiß wo? Ich wollt', ich wäre die schwarze Ziege da.“ So freundlich und hell auch die schwarze Marann begann immer ging der Schluß ihrer Rede wieder in dumpfes Ha— D nr 22 nichts denken und nichts lieben, lebte doch nur im Denken an ihren Sohn und in der Liebe zu ihm. Amrei ergriff ein entscheidendes Mittel, um aus diesem unheimlichen Alleinsein mit der schwarzen Marann erlöst zu werden: sie verlangte, daß auch Dami ins Haus genommen werde; und so heftig sich auch die schwarze Marann dagegen wehrte, Amrei drohte, daß sie selber das Haus verlasse, und schmeichelte der schwarzen Marann so kindlich und tat ihr was sie an den Augen absehen konnte, bis sie endlich nachgab. Dami, der vom Krappenzacher das Wollstricken gelernt hatte, saß nun mit in der elterlichen Stube, und nachts, wenn die Geschwister auf dem Speicher schliefen, weckte eines das andere, wenn sie die schwarze Marann drunten murmeln und hin und her laufen hörten. Durch die Uebersiedlung Damis zur schwarzen Marann kam indes neues Ungemach. Dami war überaus unzufrie⸗ den, daß er dies elende Handwerk, das nur für einen Krüppel tauge, habe lernen müssen; er wollte auch Maurer werden, und obgleich Amrei sehr dagegen sprach, denn sie ahnte, daß ihr Bruder nicht dabei aushielte, bestärkte ihn die schwarze Marann darin. Sie hätte gern alle jungen Burschen zu Maurern gemacht, um sie in die Fremde zu schicken, damit sie Kundschaft erhalte von ihrem Johannes. Die schwarze Marann ging selten in die Kirche, aber sie liebte es, wenn man ihr Gesangbuch entlehnte, um damit in die Kirche zu gehen, es schien ihr ein eigenes Genügen, daß ihr Gesangbuch dort sei, und eine besondere Freude hatte sie, wenn ein fremder Handwerksbursche, der im Ort arbeitete, das zur ckgebliebene Gesangbuch des Johannes zu gleichem Zwecke entlehnte; es schien ihr, als ob ihr Johannes bete in der heimatlichen Kirche, weil aus seinem Gesangbuche die Worte gesprochen und gesungen wurden, und Dami mußte nun jeden Sonntag zweimal mit dem Gesangbuche des Jo- hannes in die Kirche gehen. Ging aber die schwarze Marann nicht zur Kirche, so war sie bei einer Feierlichkeit im Dorf selbst und in den Nachbar⸗— dörfern immer zu sehen. Es gab nämlich kein Leichenbegäng— nis, bei der die schwarze Marann nicht leidtragend mitging, dern und Trauern über, und sie, die allein sein wollte, an * nen Kindes, weinte sie so heftig, als wäre sie die nächste An gehörige, aber dann war sie auf dem Heimweg immer wieder ganz besonders aufgeräumt; dieses Weinen schien ihr eine wahre Erleichterung zu sein. Sie schluckte das ganze Jahr so viele stille Trauer hinunter, daß sie dankbar dafür war, wenn sie wirklich weinen konnte. 25 sie sie für eine unheimliche Erscheinung hielten, und zumal da sie noch * War es nun den Menschen zu verargen, daß 1 fr dazu ein Geheimnis gegen sie auf den Lippen hatten? Auch 9 ö de auf Amrei ging ein Teil dieser Gemiedenheit über, und in 55 manchen Häusern, wo sie sich helfend oder mitteilend auf Be⸗ 0 such einstellte, ließ man sie nicht undeutlich merken, daß man e ihre Anwesenheit nicht wünsche, zumal, da sie schon jetzt eine 1 Seltsamkeit zeigte, die allen im Dorfe wunderbar vorkam. 15 Sie ging, mit Ausnahme des höchsten Winters, barfuß, und 1 ds man sagte, sie müsse ein Geheimmittel haben, daß sie nicht 1 krank werde und sterbe. e Nur in des Rodelbauern Haus wurde sie noch gern ge- duldet, war ja der Rodelbauer ihr Vormund, und die Rodel 4 N 0 bäuerin, die sich immer ihrer angenommen hatte und ihr ven ⸗ sprach, daß sie sie einst zu sich nehme, wenn sie erwachsener sei, 1 konnte diesen Plan nicht ausführen. Sie selber wurde von 740 einem anderen angenommen; der Tod nahm sie zu sich.* Während sonst erst im späteren Leben sich die Schwere des Daseins auftut, wie da und dort ein Anhang abfällt un? nur noch ein Gedenken daran verbleibt, erfuhr dies Amrei schon in der Jugendfrühe, und heftiger als alle Angehöritzen weinten die schwarze Marann und Amrei bei dem Begräbnis der Rodelbäuerin.„ Der Rodelbauer klagte immer fast nur, wie herb es sei, daß er jetzt schon das Gut abgeben müsse. Und noch. keines seiner drei Kinder verheiratet. Aber kaum war ein Jahr vorüber, der Dami arbeitete schon den zweiten Früh ⸗ ling im Steinbruche, als eine Doppelhochzeit im Dorfe feiert wurde, denn der Rodelbauer verheiratete seine Tochter und zugleich seinen einzigen Sohn, dem er am der Hochzeit das Gut übergab; da wurde Amr dieser Doppelhochzeit neu benannt und in ein ande S e und bei Predigt und Einsegnung, selbst am Grabe eines klei⸗ übergeführt.(Fortse Keichstag. 9 * Sitzung, Donnerstag, den 9. Dezember, 10 Uhr vormittags Bundesratstisch Bethmann Hollweg, Delbrück 5 2 1 een 1 Hafferich, Loebell und andere. Tirpitz, Vor Eintritt in die Tagesordnung nimmt das ö Naeichskanzler Bethmann ale Ich benutze e 1 legenheit, um Ihnen einen kurzen Ueberblick über die 5 25 geben. Kurz nach der Vertagung des Reichstags im. 5 Bulgarien an der Seite der Zentralmächte in den Kri 3 9 griffen. Unter immer gesteigerten Anstrengungen holte Endente seit Ausbruch des Krieges versucht, König Jerdin 0 uf ihre Seite zu ziehen. Oesterreich⸗ungarisches, türkisches 0 sches Gebiet wurde ihm in liberalster Weise versprochen. 8 0 das verbündete Serbien, für das die Entente jetzt zu kämpfe 9555 gibt, wurde nicht geschont; es sollte, um Bulgarien für die 5 zu gewinnen, im weitesten Maße geschwächt werden. Da d dazu nicht verstehen konnte, blieben unsere Gegner unter sich li) einig. Nach dem letzten Balkankriege hatte Bulgarien das 1 55 Hauptlasten des Krieges getragen, von Rußland im Stich lass 15 guf müssen, wie die Früchte seiner Siege dem serbischen Nach- bar zufielen.(Sehr richtig!) Serbien hatte in allem den Vortritt, weil es Rußlands Vormachtstellung gegenüber Oesterreich⸗U 95 sicherte. Jetzt flattern die bulgarischen Fahnen, die Dämpals u ühevollem Kampfe, aber nach schweren Enttäuschungen, zu⸗ F agerolst wurden, frei über dem damals verlorenen Lande. (Lebh. Beifall.— Abg. Dr. Liebknecht: Sie haben damals Bul⸗ garien im Stich gelassen!— Unruhe und Lachen.) Serbien Hal nicht einmal versucht, eine Verständigung anzubahnen 0 entschloß sich, im Vertrauen auf die Zusicherung Sir Edward Greys, daß England seinem Freunde auf dem Balkan jede nur denkbare Unterstützung leisten werde, dem vereinten Ansturm unserer und der bulgarischen Armee die Spitze zu bieten. Jetzt ist das serbische Heer zum größten Teil vernichtet. Vergeblich haben die Serben auf die versprochene Hilfe Frankreichs und Englands 3 und zum zweitenmal hat lic ein kleines Volk für die stmächte geopfert.(Lebhafte Zustimmung.) Unsere Truppen f ö auch in den serbischen Bergen alle Strapazen überwun ! fk.(Srbpafte Peifell.) Unser heißer Dank Meld Stack Heeres gestellt. Wir freuen uns, unserem türkisa heißen Kampfe, in dem er steht, nachd N Ernte ff anzerle er ethol wesen 1 1 gegenfeitig zu verhetzen. Was unsere Gegne sie jetzt durch nackte, Gewaltpolitik gegen neutral Anfang an verfolgten Prinzipien treu. aufgeputscht, unter keinen Umständen den Weg der Verständigun und zu opfern. Venizelos fselbst hat ja bereits die Behauptung widerlegt, di Griechenland gerufen worden.(Hört! hört!) Eigenmächtig habe gonnen und trotz energischen Protestes der griechischen Regierun fuortgesetzt. Jetzt spielen sie sich dort vollkommen als Herren de Macht der britischen Flotte als brutales Drohmittel benutzen, un die griechische Regierung zur Verletzung ihrer Neutralität zu zwir mund dann ging man zur direkten Attion über. Man forderte vo sie fit stadt und ihre Einrichtungen, militärische Verteidigungsmaßnahmen fi 550 ürdi ir tat 5 d= * 110 für die griechischen Straßen und Bahnen bis zur Grenze, Freiheit lichen Lage den N 0 1 1 2 1 1 sie 1 e d militärische Maß⸗ gen Zusammenbruch. Sei'ochen schreiben ihre Zeitungen, 0 übrer Benutzung für militärische Transporte nn 0 0 zrk!] Deutschland ist chlagen, Deutschland ist am Ende, Deutschland 1 J. wegeln aller Art in den griechischen Territorialgewässern.(Hört! schland ist geschlag Ab el 191 aber ach 0 bert!) Das versteht die Entente unter wohwollender Neutralität. bettelt um Frieden. Zur Awechselung blaß es aner nach museen „ 1 f„ ersteht die Entente unter a rotz ihrer schwieri serbischen Erfolgen, der Kaiser würde in Konstantinopel den Frie⸗ 1(Heiterkeit.) Die griechische Regierung ist trotz ihrer schwierigen 7 700 9. 5 5 5.. af Lage entschlossen, die Neut lität uch weiter zu wahren.(Leb⸗ den diktieren. Bald ist also vom deutschen Kleinmut, hier einmal ug m. N Sage entsch ssen, die Neutralitä 72 7 legenheit noch nicht, ich wieder vom deutschen Uebermut die Rede. Diese Preßkampagne . hafter Beifall., Abgeschlossen ist die Araauf um den setzte ein nach dem Zusammenbruch der Ententepolitik auf dem N habe es aber für notwendig gehalten, darauf einzugehen, 9 Machenschaften entgegenzutreten, mit den 8 schaf 5 55. 15 10 0 ainsbesondere England unablässig bekämpfen. 5 In unermüdlicher Wiederholung un 1 se hat England der Welt die Vorstellung eingehämmert, 77 1 seinem auf Englands Geheiß unternommenen Angriff auf edelmütiger Selbstlosigkeit allein Velgien⸗ Ade ee 8 Deutsch⸗Südwestafrika die Mär erfand, Deutschland wolle die süd⸗ gern e eingegriffen(Heiterkeit), und es sei seine 5 Lerch uf afrikanische Union überfallen, versucht, die burische Bevölkerung 11 wegen dieser Vergewaltigung ein kräftige. W 15 Gef afte zu jetzt zum Eingreifen auf den europäischen Kriegsschauplätzen zu 7 erlegen. Es ist ihm gelungen, damit in 1 5 10 1 bestimmen mit der Behauptung, die deutsche Eroberungslust er⸗ ih machen. Mit der Zeit mußte es allerding 5 l Ein. strecke sich auch noch auf da⸗ Heimatland der Buren.(Hört! hört!) unt rund aufgeben, es wurde zu offen bekann wissen 975 Parla⸗ Kein Wort ist scharf genug um Verwahrung einzulegen gegen diese be ul eisungspolitik Englands, dann die e gegenüber dem böswillige und unwahre Erfindung.(Lebhafte Zustimmung.) 1 ments erfolgte 1 0 25 ben fenglischen Kabinett so die Ich habe versucht, Ihnen die Lage auf den Kriegsschauplätzen 0 an Rußland gefesselten Frankteich icht den Entschluß fand, Ruß⸗ nüchtern zu schildern. Gegen die Gewalt der Tatsachen vermögen gau asd e hatte, res 9109 ß er, als die russische unsere Feinde nichts. Wollen sie sich jetzt vor den Tatsachen nicht al iw vor dem Kriege zu arne, bh mit oder ohne Eng⸗ beugen, so werden sie es später tun müssen. Das deutsche Volk ist f 1 Mobilmachung den Krieg enlfesselt Balg laß noch bevor ein Ein⸗ unerschütterlich und unbestegbar, wir stehen unseren Feinden, die An lands Willen— sich zum Eingreifen en 1 kam. Wenn mich noch von Siegen träumen, an Ausdauer, an Zähigkeit, an innerer ghört greifen wegen Felgien⸗ überhaupt 91 Times“ offen zugegeben, moralischer Kraft nicht nach. Wir lassen uns durch Worte nicht 1 mein Gedächtnis 1985 120 a fel„An so zäher hielt aber täuschen: wir kämpfen den von unseren Feinden gewollten Kampf 0 9 5 mn est, uns der neutralen Welt als eine vertrags⸗ 1 1 8 1 55 171 Beifall was Deutschlands Zukunft 1 515 eee ibren Militarismus von uns fordert.(Lebhafter Beifall g 55 960 ö brüchige, herrschsüchtige, die Welt 51 0 1 Das gans geit in die Tagesordnung ein. Ihr einziger 00 10 Zwingende Nakion zu denunsiere i Alliierten kein Recht mehr, Gegenstand ist die Interpellation Albrecht(Soz.): f Jeßt bat England und haben,(Sehr richtigl) Wer eine Ist der Reichskanzler bereit, Auskunft darüber zu geben, f dieses Denungiantentum fortzusetzen. 1 Entente es gegen- unter welchen Bedingungen er geneigt ist, in Friedensverhand⸗ f. iti Vergewaltigung treibt, wie due nfeili 5 Gnetenland tut, der 1 nicht den Scheinheiligen spiel Sehr wahr!) Das een wir genau . ückli nen, wi 1 e sein wahres Gesicht zu verbergen.( eee Uebrigens schreibt ern und militärisch auf dem Balkan eingebüßt haben, Staaten auszugleichen. Sie bleiben damit freilich nur ihren von Lor. Wo wir den Wucher fassen können, 5 ein un Zuerst wurde Serbien sauberes Handwerk. Unsere Feinde bezahlen höhere Preise für 9 Getreide und Kartoffeln als wir. Sie ziehen es aber vor, ihren zu suchen, sondern sich dem Kriegswillen der Entente zu fügen Aude d meide nn 15 1 von 91 155 1 15 Jetzt soll Griec d leiden.(Hörk! hört!)] zu sprechen. Unsere Feinde konnen sic eruhigen. Wir haben zwar 1 r 872 keinen Ueberfluß, aber wir kommen aus.(Zustimmung.) Ver⸗ gleichen wir die gegenwärtigen Verhältnisse mit den Vorstellungen, die man sich vor dem Kriege von seinen wirtschaftlichen Wirkungen gemacht hat. Ihr(zu den Sozialdemokraten) langjähriger Führer Bebel hat darüber ausführlich auf dem Jenaer Parteitag 1906 ge⸗ 5 sprochen. Er hat damals für die Zeit bald 1 5 1 e ö indes auf. Wir wohn j ssanten Schauspiel bei, wie den Zusammenbruch vieler hunderttausender leiner Handwerker 20 Kaner gegen den brrußssthen Weilstermus 5 ee und Gewerbetreibender in Aussicht gestellt, den Stillstand aller Fa⸗ 5 255 briken, die nicht Kriegsbedarf herstellen, er hat eine allgemeine Arbeitslosigkeit, eine allgemeine Hungersnot K(Abg. 7 f„ 5 127 n ubreßt Liebknecht: Und die Revolution! Lachen.) Und nicht Bebel a ein war gen. Zuerst wurde die Zusage wohlwollender Neutralität erpreßt es, 1 solche Folgen voraussah, sehr 1 5 15 5 15 7 5 g„ nr 17907 Truppen von Befürchtungen geteilt. Da ist es heute nach 16 Monaten klar, da Selene and e ee det arten aber diese Hefen. Pr untere eisen wean en Aicheschen und i Haben. N 0*. ˖ 0 Unsere Gegner ziehen aus unserer militärischen und wirtschaft⸗ Ententemächte seien, als ihre Truppen in Saloniki landeten, von England und Frankreich ihre Truppenlandungen, in Saloniki be⸗ en uns die Entente und Beilage zur Oberhessischen Volkszeitung N Gießen, Ireitag, den 10. Dezember 1915. vember, England habe gegen Deutschland die Waffen ergriffen, weil Deutschland sonst nicht hätte bezwungen werden können. Wes⸗ halb hat die Entente das nicht schon am 4. August gesagt? Dann n e ene Jetzt wenigstens weiß man, wa⸗ F Geheiß Englands der Krieg fortgesetzt werden muß.(Leb⸗ hafte Zustimmung.) 5 5 2 Ueber die vermutliche Weiterentwicklung der militärischen Operation auf dem Balkan will ich jetzt nicht sprechen. Im Osten nehmen. unsere Truppen zusammen mit den österreichischen eine⸗ in das russische Gebiet weit vorgeschobene, gut ausgebaute, feste Ver⸗ teidigungsstellung ein, immer bereit zu erneutem Vorgehen. (Bravo!) Im Westen haben die mit größter Todesverachtung unternommenen Durchbruchsversuche der Franzosen und Engländer zwar unsere Front an einzelnen Stellen eingedrückt, aber der Durchbruch ist mißglückt, mißglückt in vollem Umfange. Von dem gewaltigen Ringen gewinnt man keine Vorstellung, wenn man bedenkt, daß Frankreich allein in der Champagne nicht viel weniger Trupven eingesetzt hat, als die Zahl derjenigen, mit denen Deulsch⸗ land 1870 den Krieg begann.(Hört! Hört!) Wir können nicht genug tun, um die Dankesschuld des Vaterlandes gegen unsere tap⸗ feren Krieger abzutragen(Stürmischer Beifall und Händeklatschen), gegen unsere Krieger, die trotz eines unerhörten Trommelfeuers, trotz einer vielfachen Ueberlegenheit mit ihren Leibern dem Feind einen Wall entgegengesetzt haben, den er nicht hat durchbrechen können.(Lebhafter Beifall.) Unvergängliche Ehre dem Andenken aller, die dort ihr Leben gelassen haben.(Erneuter Beifall.) Auch die österreichisch⸗ungarische Verteidigungsstelle im Süden ist fest und intakt, in heldenmütiger Abwehr sind die unablässigen, mit ungeheuren Menschenverlusten verbundenen Angriffe der Italiener abgewiesen worden. Daß es Italien dabei glückte, friedliche Städte, deren Erlösung es sich zur Aufgabe gemacht hatte(Heiterkeit), in Trümmer zu schießen, wird ihm kaum einen Ersatz für die mangeln⸗ den Erfolg bieten.(Lebhafte Zustimmung.) . So sieht es an unseren Fronten aus. Hinter der Front haben wir in Nordfrankreich und Belgien uns redlich und mit Erfolg bemüht, geordnete Zustände zu schaffen. Ueberall haben die Etappen hinter der Front geackert und geerntet. In Belgien sind in der Landwirkschaft vielfach annähernd normale Wirtschaftsverhältnisse hergestellt, Industrie und Handel sind neu belebt, die, Arbeitslosig⸗ keit wird durch Notstandsarbeiten und andere Maßnahmen be⸗ kämpft. Der normale Zustand des Wirtschaftslebens konnte frei⸗ sebührt unseren Krieger r fler Beif 5 55 2 h 1 2 e Dann lich noch nicht hergestellt werden, weil England dem verbündeten und dem e e 1 b. 15(Lebhafter Beifall), Lande die Ausfuhr über See abschneidet und dadurch seine In⸗ vorgelgg derholter lebhafter Bei 1.) Durch 1 ulgarischen Heere.(Wie⸗ dustrie erdrosselt.(Hört! hört) Die allgemeine Schulpflicht wird 5 ift die 1 5 5 7 F serbi⸗ durchgeführt, wir haben mit der Arbeikerfürsorge einen Anfang hinderte Perbindung mit der Türkei her⸗ gemacht, wie sie bei uns seit Jahrzehnten besteht und nach deut⸗ rülicher beist 5 dem 9 55 Auffassung. in keinem Kulturlande fehlen darf. Fe 5 5 5 5. Litauen, zum Teil auch in Kurland fanden wir als Folge der r 1 5. Tapferkeit Hält entsetzlichen, von russischer Hand vorgenommenen Zerstörungen Mr. Asquith scho 0 85 en Dardanellen, deren schnellen Fall einen Zustand völliger Verwüstung vor, wir haben auch hier nach 50 Jantgker aß 1. 1 prophezeit hat.(Lachen.)(Der Kräften Ordnung geschaffen. Wohl noch nie in der Weltgeschichte Da elle 3 1025 erhobener Stiame fort.) Heute stehen die ist in einem Kriege, wo Millionen vorn an der Front stehen, hinter wunde ae 5 un je.(Stürmischer Beifall. Im Nobember der Front so viele Friedensarbeit geleistet worden.(Lebh. Beifall.) bort nd bon Asquith mit Bagdad vertröstet. Aber auch Diese Arbeit sieht weder nach Hunnen aus, noch nach Zerstörung. N konnten die Türken ihren alten Kriegsruhm bewahren. Der(Wiederholter lebh. Beifall.) Ueber die wirtschaftlichen Zustände N 1 Weg nach dem nahen Orient bedeutet einen Markstein in der bei uns nur einige Bemerkungen. Wir haben genug an Lebens⸗ en schichte dieses Krieges. Militärisch ist der direkte Zusammen⸗ mitteln, wenn wir sie richtig verteilen. Das ist die bestimmende 3 Kr hang mit der Türkei von unschätzbarem Wert, wirtschaftlich er⸗ Tatsache. Daß wir uns im Kriege nicht so billig und so reichlich gänzt die Zufuhr aus den Balkanstaaten und der Türkei unsere ernähren können wie im Frieden, ist klar. Die Not, die infolge Vorräte in willkommenster Weise. Darüber hinaus aber sind die des Krieges in vielen schwachbemittelten Familien eingezogen ist, Aussichten in die Zukunft verheißungsvoll, dank der weitsichtigen wird von niemand lebhafter beklagt als von mir. Ein gewaltiges Politik König Ferdinands von Bulgarien ist eine feste Brücke Schickfal, das über die Allgemeinheit hereingebrochen ist, vernichtet ö zwischen den unlöslich verbundenen Kaisermächten, dem Balkan auch zahllose Einzelne. Ich weiß, welche ungeheure Bürde die und dem nahen Orient geschlagen.(Lebhafter Beifall.) Diefe deutschen Frauen in dieser schweren Zeit zu tragen haben. Ich habe Brücke wird nach dem Frieden nicht von den Tritten marschieren⸗ volle Bewunderung für ihren Heldenmut, für den sie⸗ den Dank der Bataillone widerhallen, sondern den Werken des Friedens und des Vaterlandes verdienen.(Lebh. Beifall. Abg. Liebknecht ruft: der Kultur dienen.(Abg. Liebknecht: Den deutschen Kapitalisten!— Was haben Sie getan?) Die Maßregeln, die die Regierung zur Große Unruhe.) Sie wird der Freundschaft dienen, nicht dazu, 5 n 9 n = n en. lungen einzutreten? so oft wiederholen und Der Reichskanzler erklärt sich zur sofortigen Beantwortung 7 3 versucht, mit der der Interpellation bereit. Zu ihrer Begründung erhält das Wort e England es 1 Monaten sind wir eb⸗ Abg. Scheidemann(Soz.): Seit mehr hoffentlich niemals sieder erleb ümpfe in diesen 16 Monaten, spiellos da in der Geschichte. 1 0 Blutmeer gestiegen, ist die Zahl an Menschenopfer gewachsen, ist t die Not in allen Ländern größer geworden. Au⸗ kommt da die Frage: wie lange noch? Alle Völker wenn dem Kriege schnellstens ein Ende gemacht Man müßte an der Menschheit verzweifeln, wenn es anders wäre.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Aber die verantwortlichen Staatsmänner wissen noch nicht, wie sie aus der Sackgasse— nach dem Worte Lord Courtneys— herausfinden uns Sozialisten ist es selbsiverständlich, daß wir immer wieder unsere Stimme für den Frieden erheben. Sonst würden wir aufhören, die Partei des Völker friedens zu. ein.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wir alle sind uns der großen Verantwortung bewußt, die auf uns ruht. Ich weiß, daß ein miß⸗ deutetes Wort verhängnisvoll werden, daß es das Gegenteil dessen herbeiführen kann, was es herbeiführen soll. Die Furcht vor t aber viele zur übertriebenen Zu⸗ rückhaltung.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) So erklärte der Chef des Unterrichtsdepartements in England, der Sozialist Henderson, ein früherer Metallarbeiter, noch Ende November dem schwedischen Professor Baekstrem, die Zeit sei noch nicht gekommen, vom Frieden zu reden, denn alles Reden darüber werde von der anderen Seite als Zeichen der Schwäche aufgefaßt. Damit rechne auch ich, aber trotzdem rede ich vom Frieden. 1 Am 4. August 1914 stand unser Volk wie ein Mann bereit zur Verteidigung des Vaterlandes. Bei der Erklärung meiner das Haus erfüllt von stürmischem Beifall. Wir er⸗ die Kultur und Unabhängigkeit unseres ustellen und daß wir in der Stunde der Gefahr das eigene Vaterland nicht im Stich lassen. Aber wir for⸗ derten zugleich, daß dem Kriege, sobald das Ziel der Sicherung erreicht ist und die Gegner zum Frieden geneigt sind, ein Ende h einen Frieden, der Freundschaft mit den von der man sagk, daß sie der Regferung naheslehe, am 30. No⸗ der Schmerz, is allen Ländern falschen Deutungen veranlaß Fraktion war daß es gilt, eigenen Landes sicherz gemacht werde durch Nachbarvölkern ermöglicht. daß der eine Teil sich leicht noch möglich in einem leren Staaten, nicht aber bei einem ganz Europa aufwühlenden Koalitionskrieg. Hier kann und soll vom Frieden zuerst der reden, dessen militärische und wirtschaftliche Stärke ihm gestatten, auch jede Mißdeutung seiner Worte als Zeichen ruhigem Kraftbewußtsein hinzunehmen.(Lebh. Sehr richtig! bei Die wilden Zertrümmerungs⸗ und Zer⸗ stückelungspläne in den feindlichen Ländern haben wir nicht ver⸗ Aber auch bei uns zu Lande sind Eroberungspläne aus⸗ geheckt worden, an deren Verwirklichung kein politisch reifer Mensch denken konnte und deren öffentliche Erörterung, wenn sie möglich gezeigt hätte, daß auch das deutsche Volk diese Aber im Ausland sind sie benutzt worden, um die mmer wieder als asolut notwendig nach⸗ lksfremder Gebiete verstoßen gegen das Selbsibestimmungsrecht der Völker. Auch würde dadurch die innere eutschen Nationalstaats geschwächt werden. demokraten.) Eine immerwährende Kriegs⸗ ender werdende Rüstungslasten wäre die (Zustimmung b. d. Sozialdemokraten.) 0 Annexionspläne weisen wir die gegen das Deutsche Reich und seine Verbündeten gerichteten Eroberungs⸗ n Mächte zurück. Bis in die jüngste⸗ Zeit sagen die Staatsmänner der feindlichen Mächte, vom Frieden könne keine Rede sein, bevor der preußische Militarismus vernichtet und Elsaß⸗Lothringen an Frankreich gefallen sei. Sie verstehen aber unter dem Militarismus, anderes als wir. den Sozialdemokraten.) gewesen wäre, Pläne ablehnt. Fortsetzung des Krieges i Annexionen vo Einheit und Kraft des d (Sehr wahr! b. d. Sozial gefahr und immer absolut sichere Folge. Gbenso scharf wie diese absichten der feindliche Verteilung der Lebensmittel ergriffen hat, sind vielfach als un⸗ 1 genügend dargestellt worden. Ich will darüber heute nicht rechten. Aber es ist ungerecht, wenn man ganze Stände für die Unzuträg⸗ lichkeiten verantwortlich macht. Verfehlungen einzelner kommen legen wir ihm sein un⸗ Marinismus jenseits stimmen sein Lothringens an Fran ist in diesem Krieg für den baldi neh aus, daß man aus an der Zeit und verstän schen Kammer verlangte der Sozigliß Das sagte er der italienischen Regierung ins Ge⸗ n aller Annexionskriege begonnen hal zwar nachdem die Schrecken des Welt⸗ Monate lang alle Welt mit Entsetzen erfüllt französischen Feldpostbrief heißt es, daß alle Krieger nur den einen Wunsch haben, ihren Söhnen mögen die t, die sie kennen lernen. Alle Welt sehnt Zustimmung b. d. Sozialdemokraten.) Nur reden soll man nicht darüber, weil es ein Zeichen der Schwäche Auch Lord Courtneys von jenen Kriegswüteri sicht, die den frevelhafteste (Lebh. Sehr richtig! krieges schon viele Schrecknisse erspart bleiber sich nach Frieden.(Lebh. Balkan und dem Scheitern der Durchbruchsversuche an der West⸗ front. Nach so vielen Mißerfolgen war es für unsere Feinde not⸗ 0 e wendig, ihrer Bevölkerung die eigene Lage zu verschleiern. Des⸗ d mit raffinierter Regie halb überall Lüge und Verleumdung. Auch General Votha, der bei bruch Deutschlands hin, unsere Gegner einsehen, eine englische Zeitung, I Zeugen eines Kampfes“ mie ihn die Wel. nie erlent hat und en wird. Was über heldenmütige berichtet werden konnte, steht bei⸗ Aber bon Tag zu Tag ist auch das Zu diesen Bekenntnissen stehen wir der Sicherung gegen feindlichen Einbruch ist erreicht. Das zeigt ein Blick auf die Kriegskarte. Es handelt sich jetzt nur noch um die Frage, ob die Gegner zum Frieden bereit sind. Man sagt, der Besiegte habe Frieden anzubieten. Das setzt voraus, wirklich für besiegt erklärt. Das ist viel⸗ Kriege zwischen kleineren und mitt⸗ der Schwäche mit den sie zerschmettern wollen, etwas Sie wollen unser Heer vernichten, in denen unsere Söhne und Brüder stehen. Was wir als Militarismus be⸗ kämpfen, muß innerhalb unserer Landesgrenzen entschieden werden, wie über den französischen Militarismus und den englischen der Vogesen und jenseits des Kanals zu be⸗ Den Gedanken einer Angliederung Elsaß⸗ kreich lehnen wir ab. Von derartigen uner⸗ Auslassungen im Ausland will ich nicht sprechen. Was e nicht schon alles geredet worden! Ich trete gen Frieden ein und spreche deshalb nur von Aeuße⸗ denen die Sehnsucht nach dem Frieden klang. nd wirkt mein Freund Macdonald für den Frieden; im Unterhaus sprach Trevelyan für den Frieden, im Oberhause Lord Ribbesdale und Lord Loreburn. Dort führte auch Lord Court⸗ der Sackgasse herauskommen müsse, daß es dig sei, öffentlich von Friedensverhand⸗ lungen zu sprechen. Wir Sozialisten haben das bereits seit Mo⸗ naten getan.(Sehr wahr! b. d. Sozialdemokraten.) In der italieni⸗ st Treves einen Frieden ohne Rede wurde mit wildem Kriegsgeheul chen beantwortet, die in allen Ländern ge⸗ deihen, die Kriegsbegeisterung dieser gemeingefährlichen Feder⸗ und Maulhelden wächst mit dem Grade ihrer 7 (Lebh. Zustimmung b. d. Sozialdemokraten.) In Frankreich und England weist man in nachgerade langweilig werdender Eintönigkeit unausgesetzt auf den baldigen Zusammen⸗ Es soll uns an Menschenmaterial, an Kriegsmaterial und Lebensmitteln fehlen. Daß es nicht allein auf die Zahl der Mannschaften ankommt, ist durch Hindenburg an der russischen Dampfwalze klar genug demonstriert worden. richtig) Durch den Krieg richtet sich Europa systematisch zugrunde und die Vereinigten Staaten von Amerika machen ein glänzendes Geschäft. Das sollte man endlich auch in England und Frankreich Der Plan der Aushungerung unserer Bevölkerung ist gescheitert, weil er scheitern mußte. Vor kurzem sind wieder 20 und mehrere Millionen lebendiger Schweine gezählt worden, wir haben 55 Millionen Zentner Kartoffeln geerntet. Nur 15 Millionen brauchen wir für die Bevölkerung. Fast drei Viertel der Ernte stehen für Futterzwecke und zur industriellen Verwertung zur Ver⸗ fügung. Nachdem auch der Donauweg offen ist, sollten endlich auch daß ihre Spekulation falsch gewesen ist. Aeußerungen der Unzufriedenheit hat es gegeben, weil nicht schnell und wirksam genug eingegriffen wurde, um gewissenlosen Produ⸗ zenten und Spekulanten das Wucherhandwerk zu legen. Das wurde. im Ausland in phantastischer Weise ausgeschmückt. Die Frage unserer Volksernaͤhrung im Kriege ist eine Frage der Organi⸗ sation und rücksichtslosen Entschlossenheit, und wehe der Regierung, die hier dauernd versagte.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozial⸗ Es ist geradezu verbrecherisch, wenn die Staats⸗ männer der gegen uns Krieg führenden Länder ihren Völkern vor⸗ gaukeln, die militärische Situation könne sich noch wefentlich zu unseren Ungunsten ändern. kann das nichts elddienstuntauglichkeit. (Sehr An den unerschütterld ändern und deshalb mien wis sprechen.(Sehr aße! bei den Sozialdemokraten.) Jeder, Ar⸗ beiter, Gewerbelteibende, Geschäftsleute, kleine Bauern wünschen den Frieden. Die Mütter, die Frauen und Kinder, auch der feind⸗ lichen Soldaten, ersehnen das Ende des Wütens ebenss heiß her⸗ Gu bei, wie es bei uns der Fall ist. Könnte die Presse frei über die Kriegsziele und den Friedenswillen schreiben, mit elementarer Ge⸗ walt käme der Friedenswille in allen Ländern zum Durchbruch. (Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Im Auftrag unserer deutsch⸗östexreichischen Bruderpartei habe ich zu erkläxen, daß auch sie sich mit uns einig weiß in der Pflicht zur Landes⸗ verteidigung wie in dem Willen zum Frieden. Je höher ein Volk in der Kultur fleht, um so größer ist seine Sehnsucht, seine ganze Kraft friedlicher Kulturarbeit widmen zu können. Bis zum Tage vor dem Ausbruch des Krieges haben wir mit allen Kräften gegen ihn gewirkt. ir und unsere Partei⸗ genossen in den anderen Ländern waren zu schwach, ihn zu ver⸗ hindern. Als dann der Krieg hexeinbrach, hatten wir selbstver⸗ ständlich unser Land, seine Unabhängigkeit 2 seine Kultur zu schützen. r unmittelbare Gefahren drohen uns jetzt nicht mehr. Und deshalb müssen wir den Reichskanzler fragen, ob er nicht Aus⸗ kunft geben kann über die Bedingungen, unter denen er in Friedensverhandlungen einzutreten bereit ist. Für 1 Land und seine Unabhängigkeit setzt unser Volk alles ein, zur Erreichung kapitalistischer Sonderinteressen will das Volk nicht das Leben auch nur eines einzigen unserer Soldaten aufs Spiel gesetzt wissen. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) „Uns treibt nicht Groberungslust, uns beseelt der unbeugsame Wille, den Platz zu bewahren, auf den Gott uns gestellt hat, für uns und alle kommenden Geschlechter.“ Diese Worte aus der Thron⸗ rede vom 4. August 1914 sollten vor allem da nicht vergessen wer⸗ den, wo die Verantwortung am schwersten lastet. Millionen eilten zu den Fahnen, nicht um die Welt dem deutschen Willen zu unter⸗ werfen, sondern um zu verhindern, daß der Wille, die Einheit, die staatliche Stellung des eigenen Volkes gebrochen und zertrümmert werde. Wir wollen den Frieden, aber wir sind auch stark genug und entschlossen, Heimat und Herd zu schützen, wenn die Gegner den 1 5 8 5 nicht wollen. Die ganze Welt erwartet die Antwort des Reichskanzlers mit atemloser Spannung. Möge er das er⸗ lösende Wort finden und seine Bereitschaft zu Friedensverhand⸗ lungen aussprechen. Alle Welt wird sich auf die Seite dessen stellen, der die Hand zum Frieden bietet.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wer sie zurückweist, dessen Name wird fluch⸗ beladen in der Geschichte fortleben. Der unendliche Ruhm, den ersten entscheidenden Schritt zur Beendigung des furchtbaren Krieges getan zu haben, soll unserem Lande gesichert bleiben.(Leb⸗ hafter stürmischer Beifall.) 1 81 Reichskanzler v. Bethmann Hollweg: Im N Aus⸗ lande will man in der Frage nach den deutschen Friedensbedingungen ein Zeichen des Nachlassens deutscher Kraft und den beginnenden Zerfall der Einmütigkeit unseres Volkes erblicken. Die eben gehörte Begründung der Interpellation wird wohl die Erwartungen unserer Feinde nicht ermuntern, sondern enttäuschen.(Sehr richtig!) Wenn der Vorredner der Besorgnis zu sein scheint, wir könnten vernünftige Friedensangebote ablehnen, weil wir alle eroberten Länder behalten oder noch neue dazu erobern wollten, so muß ich anerkennen, daß unsere ungeheuren Erfolge zu der Anregung ganz natürlich hin⸗ leiten, den Krieg bald zu beenden und öffentlich zu sagen, wie sich die deutsche Regierung den Frieden denkt.(Hört! hört! links.) Wir haben unseren Feinden eine Hoffnung nach der anderen genommen. Nach der Herstellung der Waffengemeinschaft mit Bulgarien, nach den großen Siegen in Serbien, nach der Oeffnung des Weges nach der Türkei und der damit verbundenen Bedrohung der empfindlichen Stellen des englischen Weltreiches(Hört! hört!), muß da nicht bei unseren Feinden die Erkenntnis sich festsetzen, daß das Spiel für sie verloren ist, und muß da nicht manchem unter uns der Gedanke auf⸗ steigen, warum noch weitere Opfer? Keiner unserer Feinde hat uns Friedensangebote gemacht. Sie baben uns vielmehr fälschlich Friedensangebote angedichtet, aus einer Selbsttäuschung, die wir durch Friedensangebote nur verschlimmern würden. Bei Kriegsbeginn haben unsere Feinde in der Hoffnung Blutvergießen bald ein Ende gemacht werde. auf einen leichten Sieg die Zertrümmerung Deutschlands prokla⸗ miert. Inzwischen ist man ja besorgt geworden, aber das Endziel ist dasselbe geblieben. Sogar ein sehr gemäßigtes englisches Blatt hat außer der Zurückgabe Elsaß⸗Lothringens an Frankreich die Vernich⸗ tung des sogenannten preußischen Militarismus— die Vertreibung der Türken aus Europa und die Herstellung eines Großserbiens im Often als Friedensbedingung aufgestellt; von anderer Seite ist die 1 der ganzen linken Rheinseite und des ganzen deutschen Kolonialbesitzes gefordert worden. Also„Deutschland muß vernichtet werden“, so klingt es auch aus der französischen Presse heraus. Hanotaux hat noch kürzlich im„Figaro“ das offene Bekenntnis ab⸗ gelegt, Frankreich habe den Krieg gemacht, um Elsaß⸗Lothringen zu erobern. ört! hört!) Es mag sein, daß bei den Feinden einzelne nachden Männer, die sich von der militärischen Lage Rechenschaft ablegen, im Grunde ihres Herzens wünschen, daß dem entsetzlichen Ich sehe nicht, daß diese Männer auch durchdringen. Vielleicht gehört ihnen einmal die Zukunft, die Gegenwart gehört ihnen noch nicht.(Lebhafte Zustim⸗ mung.) Die Oberhausreden haben in der englischen Presse sehr wenig Widerhall gefunden. Aber sie haben die wilden Kriegsziele heraus⸗ gefordert, von denen ich sprach. Entscheidend sind für mich die Reden der Minister. Asquith hat wieder verkündet, sein Kriegsziel sei noch immer die Befreiung der kleinen Völker von der Gefahr, vom preußi⸗ schen Militarismus vernichtet zu werden. Nach den Vorkommnissen in Griechenland sind ja vielleicht auch die kleinen Völker selbst von dem Glauben an solche Versicherungen kuriert.(Lebhafte Zustim⸗ mung.) Wir haben vom ersten Tage an gewußt, daß hinter diesem Schutz der kleinen Völker sich die Sucht verbarg, den großen Staat, dessen Aufwachsen man so lange mit Neid und Mißgunst verfolgt hat, ein für allemal abzutun.(Sehr richtig!) Die Parole der„Ver⸗ nichtung des preußischen Militarismus“ ist von allen Alliierten über⸗ nommen worden. Daneben hat jeder Alliierte seine besonderen For⸗ derungen. Der englische Kolonialminister will das Nationalitäts⸗ prinzip durchführen und aus diesem Grunde Elsaß⸗Lothringen an Frankreich und Polen ag Rußland zurückgeben. Weiß der englische Kolonialminister, daß in den Reichslanden über 87 Proz. der Ein⸗ wohner deutschen und noch nicht 11 Prog, französischen Ursprungs sind.(Hört! hört!). Und daß nach dem Nationalitätsprinzip Polen zu Rußland gehört, ist doch mindestens zweifelhaft. Es wäre inter⸗ essant von England zu hören. was nach dem Nationalitätsprinziy aus Indien und Aegypten werden soll.(Große Heiterkeit und leb⸗ hafte Zustimmung.) Der tatsächlichen militärischen Sachlage ent⸗ sprechen all diese Kriegsziele der feindlichen Regierungen sehr wenig. Es hieße aber die Situation verkennen, wenn ich ihre Aeußerungen nur als Bluff ansehen und nicht ernst nehmen würde„Die Lage ist doch so: Die Völker unserer Feinde sind von Anfang an durch die fabrikmäßige Verbreitung von Lügennachrichten aller Art über die Wirklichkeit getäuscht und mit einem unauslöschlichen 5 gegen uns erfüllt worden.(Sehr wahr!) Nun sieht man, daß sich mit all dem keine Siege erfechten lassen, ja man hat reichlich militärische und diplomatische Niederlagen erlitten. Hekatomben sind geopfert wor⸗ den. Man kann es den Völkern nicht mehr verbergen, daß wir weit in Feindesland stehen, daß wir den Weg nach Südosten ge⸗ öffnet haben, und daß wir sehr wertvolle Faustpfände in der Hand haben. Aber man han sich auf das ceterum censeo, daß Deutschland vernichtet werden soll, so fest verbissen, daß man davon nicht mehr los kommt.(Sehr wahr!) Und deshalb müssen weitere Hundert⸗ lausende auf die Schlachtbank geführt werden. Als neuestes Reiz⸗ mittel zur Aufstachelung blinder Kriegswut gilt die Hoffnung auf den Erschöpfungskrieg. Daß unsere Lebensmittel reichen, daß es nur darauf ankommt, sie richtig zu verteilen, darüber sind wir auch mit der Partei des Vorredners einig. Ein Gebiet von Arras bis Mesopotamien kann wirtschaftlich nicht erdrückt werden. hafte Zustimmung.) Auch mit Rohstoffen sind wir auf eine lange Kriegsdauer versehen. Zur Herstellung einer Reihe von Roh⸗ stoffen, die wir vor dem Kriege nur aus dem Auslande bezogen, sind die erforderlichen Fabriken jetzt im eigenen Lande in Betrieb. Bravol) Auch mit Kupfer reichen wir. viele Jahre Wolle (Leb⸗ hafte Zustimmung.) In der englischen Presse findet man noch manches Zeugnis für das Vorhandensein eines ähnlichen Geistes. (Hört! hört!) Ich erinnere an die Berichte aus dem englischen Hauptqugrtier, in denen die Lust der englischen Soldaten an der Hinschlachtung der Deutschen in so scheußlicher Weise verherrlicht worden ist, daß ich mich ir solche Worte auch nur in den Mund zu nehmen.(Lebhaftes Hört! hört!) Wir verschmähen eine solch mes Gesinnung, unsere Truppen tun ihre Pflicht als Träger menschlicher Kultur und sind darum gerade brabe Soldaten und gute Deutsche.(Lebhafte Zustimmung. Der Reichskanzler spricht die folgenden Sätze in großer Erregung.) Wenn einmal die Ge⸗ schichte über die Schuld an diesem ungeheuerlichsten aller Kriege und seiner Dauer geschrieben wird, dann wird sie das entsetzliche Unheil aufdecken, das Haß, Verstellung und Unkenntnis angerichtet haben.(Sehr wahr!) Solange diese Verstrickung von Schuld und Unkenntnis bei den feindlichen Machthabern besteht, und diese Geistesverfassung die feindlichen Völker beherrscht, wäre ein Friedensangebot von unserer Seite eine Torheit, die den Krieg nur verlängern würde.(Lebhafte Zustimmung bei den bürger⸗ lichen Parteien.) Mit Friedensäußerungen von unserer Seite kommen wir nicht vorwärts, Friedensangebote unserer Feinde, die der Würde und Sicherheit des Deutschen Reiches entsprechen, sind wir, ich wiederhole es immer wieder, allezeit bereit, zu diskutie⸗ ren. In dem vollen Bewußtsein unserer unbestreitbaren und un⸗ erschütterlichen glänzenden militärischen Erfolge lehnen wir jede Verantwortung für die Fortsetzung des Unheils ab.(Leb⸗ hafte Zustimmung.) Es soll nicht heißen, daß wir den Krieg auch nur um einen Tag verlängert haben, weil wir noch dieses oder jenes Faustpfand dazu erobern wollten. Unsere allge⸗ meinen Kriegsziele habe ich bereits früher auseinandergesetzt. Ich kann auch heute nicht auf Einzelheiten eingehen. Ich kann nicht sagn, welche Garantien die kaiserliche Regierung zum Bei⸗ spiel in der belgischen Frage fordern wird, welche Machtgrund⸗ lagen sie für diese Garantien für notwendig erachtet. Das eine sollten sich unsere Feinde selbst sagen. Je länger und verbitterter sie diesen Krieg gegen uns führen, um so mehr wachsen die Garantien, die wir fordern müssen.(Stürmische Zustimmung im Hause und Händeklatschen auf den Tribünen.) Wenn unsere Feinde für alle Zukunft eine Kluft zwischen Deutschland und der übrigen Welt aufrichten wollen, dann sollen sie sich nicht wundern, daß auch wir unsere Zukunft danach einrichten.(Erneute stür⸗ mische Zustimmug im ganzen Hause.) Weder im Osten noch im Westen dürfen unsere Feinde über Einfallstore verfügen, durch die sie uns erneut und schärfer als bisher bedrohen können.(Wie⸗ derholter lebhafter Beifall.) Ich glaube, es gibt im deutschen Vaterlande niemanden, der nicht diesem Ziele zustrebt. Welche Mittel zu diesem Zweck nötig sind, darüber müssen wir uns die Entscheidung vorbehalten. Für die deutsche Regierung ist und bleibt dieser Krieg ein Verteidigungskrieg des deutschen Volkes. Er darf nur mit einem Frieden beendet werden, der nach mensch⸗ lichem Ermessen uns die Sicherheit gegen seine Wiederkehr bietet. Darin sind wir alle einig, das ist unsere Stärke und dabei soll es bleiben.(Stürmischer, langanhaltender Beifall und Händeklat⸗ schen im Hause und auf den Tribünen.) Auf Antrag des Abg. Haase(Soz.) wird einstimmig die Be⸗ sprechung der Interpellation beschlossen. Abg. Dr. Spahn(3.) erklärt im Namen aller Mitgliederver⸗ einigungen des Hauses, mit Ausnahme der Interpellanten: Die Beendigung dieses uns aufgedrungenen Krieges wünschen auch wir. Wir blicken dabei voll Bewunderung und Dankbarkeit auf den ununterbrochenen Siegeszug unserer Truppen, wir vertrauen auf die unbeugsame, allen Angriffen unserer Feinde überlegene Stellung unserer Heere in Ost und West. Wir blicken auf die nicht zu erschütternde wirtschaftliche und finanzielle Kraft unseres Lan⸗ des, die uns Ernährung und Rüstung ausreichend sichert. Mögen unsere Feinde sich erneut zum Ausharren im Kriege verschwören, wir warten in voller Einigteit, mit ruhiger Entschlossenheit und im Gottvertrauen die Stunde ab, die Friedensverhandlungen er⸗ möglicht, bei denen für die Dauer die militärischen, wirtschaft⸗ lichen, finanziellen und politischen Interessen Deutschlands im ganzen Umfange und mit allen Mitteln einschließlich der dazu er⸗ forderlichen Gebietserwerbungen gewahrt werden müssen.(Leb⸗ hafter wiederholter Beifall und Händeklatschen bei den bürgerlichen Parteien.) Präsident Dr. Kaempf teilt mit, daß ein von den Führern sämtlicher bürgerlichen Parteien unterzeichneter Schlußantrag ein— gelaufen ist. Der Antrag wird von sämtlichen bürgerlichen Mitgliedern des Hauses unterstützt. Als der Präsident über den Antrag abstimmen lassen will, meldet sich Abg. Haase(Soz.) zur Geschäftsordnung. Der Präsident erklärt, daß er ihm in diesem Augenblick das Wort nicht geben könne.(Große Unruhe bei den Sozialdemokraten. Fortgesetzte Rufe: Zur Geschäftsordnung!— Mehrere Minuten lang herrschte im Hause starker Lärm.) Es scheint, als ob der Präsident den Antrag zur Abstimmung stellt und ihn für an⸗ genommen erklärt, zu verstehen ist aber nichts. 5 Präsident Dr. Kaempf: Nachdem der Antrag angenommen ist, können Sie das Wort zur Geschäftsordnung erhalten.(Zurufe bei den Sozialdemokraten: Vergewaltigung!) Abg. Haase(Soz.): Ich stelle fest, daß der Antrag, auß Schluß der Debatte nicht angenommen ist.(Sehr richtig!) Der Antrag war nach dem Geiste unserer Geschäftsordnung und nach der Praxis des Hauses geschäftsordnungswidrig. Der Präsident als der Hüter der Geschäftsordnung, als de; Schützer einer Minorität, die hier vergewaltigt werden sollte, hätte sofort erklären müssen, daß er die Abstimmung nicht zuläßt.(Sehr richtig! bei den Sogialdemokraten.) Der Zweck einer Interpellation ist doch gerade der, daß die Inter⸗ pellanten die Möglichkeit haben müssen, in einem Schlußwort das Ergebnis der Debatte zusammenzufassen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemotraten.) Haben denn die Herren gar nicht überlegt, was für einen Eindruck es auf das Volk und auf die ganze Welt machen wird, wenn man uns in diesem Augenblick, wo wir der liefsten Sehnsucht unseres Voltes und der gesamten Welt nach Frieden Ausdruck geben wollen, unmöglich macht, unsere Meinung zu sagen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Gerade nach den unbestimmten, allgemeinen, vieldeutigen Aeußerungen des Reichskanzlers und auch nach den letzten Worten des Abg. Spahn ist es notwendig, daß das Volk und die Welt erfahre, daß nicht etwa der gesamte Reichstag mit diesen Ausführungen einverstanden ist. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ich für meine Person muß die Gemeinschaft mit der Anschauung, die hier zum Ausdruck gekommen ist, mit aller Entschiedenheit ablehnen.(Händetlatschen bei dem einen Teil der Sozialdemokraten.) Wollen Sie denn wirk⸗ lich, daß aus diesem Gemetzel als Ergebnis herauskomme ein Europa, das in einem Trümmerhaufen verwandelt worden ist? Wir blehnend gegeftüber allen bei den Sozialdemokraten.) begreife 75 10 1 a äre zutreffe enn i wäre z f 5285 1 erklären uns entschieden a plänen.(Lebhafter Beifall 9 12 5 7 18 25 Abg. Haase ausgeführ. stand, den er nicht berücksichtigt hat, sehr s 5 fiele. Es ist denen, die den Schlußantrag unterzeichnet haben. 0 eingefallen, den Interpellanten das Wort abzuschneiden.(Widet spruch bei den Sozialdemotraten.) Hätte Herr en do Wort ergriffen, so wäre das niemandem lieber gewesen als u Bedanken Sie sich bei denen, die diese lebhafte Szene herbeigeführt b haben. Wenn es Ihnen in erster Linie darum zu tun gewesen een wäre, auf die Ausführungen des Reichskanzlers zu antwort 115 dann hätte es dazu unserer Erklärung nicht bedurft. Wir hatt ba Herrn Landsberg anheimgestellt, sofort nach dem deinen 55 reden, das hat er nge nt.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: den Das ist eben die Vergewaltigung!) Sie haben das Recht zu spr 5 den (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Wenn Sie es wollen!). Das verkürzen wir Ihnen nicht. Und wir haben das Recht zu f. 55 0 wenn wir es im Interesse des Vaterlandes für besser halten. gef durch Ihren Eigensinn ist es dahin gekommen.(Beifall bei 15 bürgerlichen Parteien, Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) 115 Abg. Ledebour(Soz.): Ich begreife nicht, daß ein liberaler Ah. 800 geordneter, der Präsident eines Parlaments ist, nicht versteht, daß 15 wir hier das Recht des Parlaments überhaupt vertreten haben 2 (Sehr richtig! b. d. Soz.), ganz abgesehen von den weitergehenden wichtigeren politischen Fragen, die dabei in Frage stehen. Herr 0 Paher hat gegen meinen Freund Landsberg den Vorwurf erhoben. mei daß er nicht das Wort habe ergreifen wollen zu einer Zeit, wo die Eine Mehrheitsparteien es ihm geben wollten, nämlich vor dem Redner tw der Mehrheitsparteien, der eine Vertrauenskundgebung für die fun Reichsregierung verlesen hat. Diese Umstellung der Rednerliste, die ag die Herren von den Mehrheitsparteien vornehmen wollten, ist es 5 ja gerade, welche meinen Parteigenossen Landsberg veranlaßt hat, lber es abzulehnen, in der von Ihnen gewünschten Reihenfolge zu habe sprechen, denn das widerspricht jedem parlamentarischen Brauch und Wor jedem Sinn einer Interpellation.(Sehr richtig! b. d. Sog.) Nach Hure allem parlamentarischen Brauch begründen eine Interpellation d sind Parteien, die sie eingebracht haben. Nachher haben alle Parteien dies das Recht, zu antworten auf die Antwort des Regierungsvertretecs, Gre und zwar war die Praxis bisher die, daß erst sämtliche anderen Trab Parteien sprachen und daß dann zum Schluß die Partei des Inter⸗ den pellanten zu Wort kommt, ganz abgesehen davon, daß eventuell noch ein! eine zweite Serie von Rednern aller Parteien das Wort erhält. wolle Weil Sie es aber verhindern wollen, daß überhaupt unser Redner la das Fazit aus der Debatte ziehen konnte, deshalb haben Sie diese darü Umstellung vornehmen wollen. Und als das nicht gelungen ist, da berst haben Sie dem Redner unserer Partei, der den Anspruch auf das 6 von Ihnen allen anerkannte Recht ausüben wollte, nunmehr das vied Wort entzogen und einen schnöden Rechtsbruch begangen.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.— Große Unruhe bei den pir anderen Parteien. Präsident Dr. Kaempf ruft den dner zur denk Ordnung.) Nach diesem eben vom Herrn Präsidenten unter⸗ aller strichenen Vorgang hat er selber einer Partei aus dem Hause das wied Wort zur Geschäftsordnung abgeschnitten und sich dadurch zum über Mitschuldigen der Mehrheit gemacht.(Lebhafte Zustimmung bei den die Sozialdemokraten.) Und das geschieht in dieser Zeit, wo Sie alle und damit renommiert haben, daß das deutsche Volk einmütig sei. In gun, dieser Zeit treten Sie das Recht mit Füßen.(Große Unruhe.) an Sie haben uns, die größte Partei, vergewaltigt, die Partei, die in richt diesem Augenblick nicht nur ihre 4 Millionen Wähler hinter sich mal hat, sondern aller Wahrschenlichkeit nach die große Mehrheit des be Volkes.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) 0 eu Abg. Landsberg(Soz.): Es ist richtig, daß in der eröffneten wuf Debatte zunächst mir das Wort erteilt werden sollte, und daß dann wir Herr Abg. Spahn eine Erklärung für alle bürgerlichen Parteien so! abgeben wollte. Ich habe darin eine Verletzung der Geschäftsord⸗ nung erblicken müssen. Wenn einmal die Besprechung einer Inter⸗ pellation beschlossen worden ist, so versteht es sich von selbst, daß sie den Bestimmungen der Geschäftsordnung unterliegt. Und danach war, nachdem ein Redner meiner Parlei die Interpellation be⸗ gründet hatte, zunächst ein Redner der übrigen Parteien an der Reihe das Wort zu nehmen. Aber auch aus sachlichen Gründen mußte jch über den Beschluß der Mehrheitspaxteien erstaunt sein. Wir sind doch nicht hierhergekommen, um Monologe zu halten, meine Freunde und ich, wir haben gemeinsame Sorgen, es liegt ll uns doch die Zukunft unseres Vaterlandes am Herzen. Sollten le wir dieser gemeinsamen Sorge nicht in einer geordneten sachlichen ö Aussprache Ausdruck geben?(Sehr richtig! bei den Sozialdemo⸗ an kraten.) Aus diesen Gründen habe ich mich an die Herren gewandt, ich habe ihnen Vorstellungen gemacht und sie gebeten, sie möchten E es bei der eee lassen.(Hört! hört! bei den Sozial- 2 demokraten. Um mein Ziel zu erreichen, habe ich mich— darauf fi habe ich ein Anrecht— zunächst aus der Rednerliste streichen lassen. (Hört! hört!) Herr Abg. Spahn nahm dann Rücksprache mit den sche Führern der übrigen Parteien und teilte mir als Ergebnis mit, daß es bei dem Beschlusse bleibe.(Hört! hört! bei den Sozial⸗ lun demokraten.) Darauf bin ich, da mir nichts anderes übrig blieb, ore sofort auf die Tribüne gegangen und habe mich wieder zum Wort ät gemeldet. Herr Payer sagt, niemand bedauere mehr als er, daß ich nicht zu Wort gekommen sei. Ja, weshalb haben Sie denn den Schlußantrag angenommen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) 1 Dieses Bedauern kann ich wirklich nicht sehr hoch bewerten. Es ist 8 hier offensichtlich ein Versehen im Bureau vorgekommen, und dieses 0 Versehen haben Sie ausgenutzt. Was ist die Folge? Meine n Freunde und ich haben einem ehrenvollen Frieden dienen wollen, 6 wir haben die Einigkeit des deutschen Volkes unterstreichen und be⸗ kräftigen wollen, und Sie haben da einen Riß hineingebracht.(Sehr gut! und lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) 4 Abg. Scheidemann(Soz.): Verstöße gegen die Geschäftsord⸗ nung des Hauses sind öfter vorgekommen. Darin sehe ich nicht das hi Schlimmste. Das Schlimmste ist überhaupt das ganze Verfahren t der Mehrheit.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) 9 1 finde es— nehmen Sie es mir nicht übel— geradezu unerhört, l daß das Verhalten der Herren, die so verfahren sind, ein so kurz⸗ bir sichtiges gewesen ist.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Das U können Sie gar nicht verantworten.(Erneute Zustimmung bei 0 den Sozialdemokraten.) Ich darf daran erinnern, daß es früher al vorgekommen ist, daß die Partei, die interpelliert hatte, zum e Schluß nicht mehr zu Wort kam. Das wurde im ganzen 1 ti als ein großer Mißstand empfunden, wir haben uns deshalb vor ti vielen Jahren einmütig dahin verständigt, daß unter allen Um⸗ ständen, selbst auf die Gefahr hin, daß eine kleinere Partei mal ausgeschaltet würde in der Debatte, daß jedenfalls die Partei, die die Interpellation begründet hat, zum Schluß das Wort erhält. 9 (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Das war bisher 9010 1 0 selbstverständlich. Ich traue Ihnen so viel Einsicht zu, daß Sie 5 jetzt wenigstens einsehen, was Sie angerichtet haben, aber das klann mir und meinen Freunden jetzt nichts mehr 5 5 Ich erhebe e jedenfalls den schärfsten Protest gegen das hier angewandte Ver- 0 fahren.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) 1 10 Abg. Bassermaun(natl.): Von einer Absicht, dem Abg. Lands„ berg das Wort nicht zu geben, war bei den bürgerlichen Parteien 0 0 absolut nicht die Rede.(Lachen bei den Sozialdemokraten.] Es e hat sich lediglich um die Reihenfolge gehandelt. Das Mißverständ: k¹ 6 nis bedauere ich lebhaft, und ich glaube, auch die Herren von den ö 1 anderen Parteien bedauern es, aber wir haben es nicht ver- schuldet. Von einem schnöden Bruch der Geschäftsordnung 15 0 gar keine Rede sein. Ein Schlußwort ist verstattet bei Initjativau⸗ 9 trägen, bei Interpellationen kennt unsere Geschäftsordnung ein Schlußwort nicht. Wiederholt sind in der Debatte erst die Ve. N treter der größten Fraktion zu Wort gekommen, und die S 1 demokratie ist die größte Fraktion des Hauses. 8 Abg. Schulz(Rp.): Uns trifft auch nicht ein Funken von N 9 Schuld.(Gelächter bei den Sozialdemokraten.) Daß die Herr— hat, ist durch Uebung des Reichstags festgestellt, 1 0. uns nur an diese Uebung gehalten. Sie sind schuld, u f 5 von dieser Uebuno abweichen wollen. Nachd- nun 1 9 ö — Sozialdemokraten als stärkste Partei den ersten Redner e 39 2 2 = . 8 5 der zu unter ause daß urch zun g bei den Sie alt sei. Unruhe 1. die in inter sit cheit de m. nokralel „ ib diese Mein Staates vom Ausland bezogen Publikum vielfach erklärt hak, daß er bereit gewesen i Landsberg 5 1 3 daß durch ein Versehen di dad als erster z 8 h ein Versehen die ausreichend schnelle Mit⸗ 8 8 8 1. ö lung an den Herrn Präsidenten unterblieben ist meine Person nichts dagegen einzuwenden, wenn Herr — dan Sache spricht. Ich stelle also den Antrag, da Prästdent das Haus befragt, ob die Diskussion noc und der Abg. Landsberg das Wort erhalten soll.(A . Das ist geschäftsordnungsmäßig nicht zulässigl) Abg. Liebknecht(Soz. i uhe g dem Abg. 3 fle ic fee 7 Gegenüber dingt daran Kehlen worden ist, daß der int Na Partei der letzte Redner gebührt.(Widerspruch.) Das benerenden Wesen der Interpellation. Ich behaupte, daß noch e zum den Willen der interpellierenden Partei anders verfahr 5 gegen dem Vorgehen der Mehrheit des Hauses kommt in Nie 1 J noch hinzu das Vorgehen des Herrn Präsidenten, der 5 Falle gicht einmal zur Geschäftsordnung hat geben wollen.(Hörtl Wort Diese Vergewaltigung ist eine blutige Illustration zum W hörtl) der deutschen Einigkeit. Das, was ich seit jeher als. Regiemanöver bezeichnet habe, der Burgfriede, hat en und Wahrheit als Lüge enthüllt.(Gelächter.) Ich gratuliere den 8 Reichskanzler und Ihnen allen, aber der Triumphierende bei dieser Debatte ist die Sozialdemokratie.(Erneutes Gelächter.) 105 Abg. Stadthagen(Soz.): Der Abg. Schulz ha. meinem Parteigenossen Landsberg noch 55 3 Einen solchen Antrag würde ich für unzulässig halten.(hal 1900 127 8 9 e wäre, wenn der Antrag käme, die Besprechung 997 5 ation wieder aufzunehmen.(Zurufe: Das ist ja bean⸗ Abg. v. Payer(Vp.): Ich habe den Eindruck, daß j ie L äber eine Geschäftsordnungsdebatte dinausgwacßsens ite Wir haben ja nicht wissen können, daß der Kollege Landsberg sich zum Wort an erster Stelle gemeldet hat und daß durch ein Versehen des Bureaus diese Wortmeldung unter den Tisch gefallen ist. Wir sind also von einer irrigen Voraussetzung ausgegangen und dürfen dies Mißverständnis nicht nachträglich für uns fruktifizieren. (Bravol) Jedenfalls wollen wir, anstatt uns zu streiten über die Tradition der Geschäftsordnung, nach der Gerechtigkeit und nach dem Nutzen des Vaterlandes sehen.(Sehr gut!) Da wir durch ein Versehen dem Kollegen Landsberg das Wort nicht erteilt haben wollen wir es ihm nachträglich erteilen. Ich stimme also dem Vor⸗ schlag des Abg. Schulz bei und bitte, ohne lange Diskussion sich darüber zu einigen, daß man in dieser Stunde mit diesem Niß⸗ verständnis ein Ende macht.(Bravo!) Der Antrag Schulz, die Besprechung der Interpellation wiederaufzunehmen, wird angenommen. Abg. Landsberg(Soz.): Ich spreche die Hoffnung aus, daß wir alle, wenn wir diesen Saal verlassen, nicht mehr an das denken, was eben vorgefallen ist.(Lebhaftes Bravol) Ich wünsche allerdings auch(zu den bürgerlichen Parteien), daß Sie niemals wieder einer Minderheit so begegnen, wie Sie es heute uns gegen⸗ über beliebt haben.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Als die Unvermeidlichkeit des Krieges offenbar wurde, sind alle Klassen und Parteien Deutschlands auf die Schanzen geeilt zur Verteidi⸗ gung unseres Landes. Wir sahen Deutschlands Kultur als bedroht an und das hatte uns die Waffen in die Hand gedrückt.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Meine Freunde haben nie⸗ mals alle Vorzüge für unser Land in Anspruch genommen, wir 1—— die anderen Völker geachtet und geliebt und lieben sie auch eute noch. Wir wußten aber, was wir an unserem Lande haben, wußten, daß seine Kultur nicht vernichtet werden darf, und wenn wir uns zum Schutze des Vaterlandes vor das Land gestellt haben, so kämpfen wir damit auch für unsere Gegner, denn auch sie schützen habe ich fü wir dagegen, daß ihnen eine Kulturform verloren geht. orge um die bedrohte Kultur nötigt uns jetzt, zum Frieden zu mahnen. Kein Zeitpunkt ist zur Vorbereitung des Friedens ge⸗ eigneter als der gegenwärtige, wo die Wiederherstellung der Ver⸗ bindung Berlin—Konstantinopel gewisse Hoffnungen, die in erster Reihe den Krieg verursacht haben, begraben hat.(Sehr gut! bei den n e Wackere Männer haben im englischen Oberhaus sich zu Dolmetschern des Friedenswillens der Völker gemacht und in den letzten Tagen haben wir von der einen großen Zug enthaltenden Rede des Papstes Kenntnis genommen. Von der Fortdauer des Krieges droht der Kultur eine gewaltige Gefahr. Die wirtschaftlichen Folgen lassen sich auf die einfache Formel bringen: Die veruneinigten Staaten von Europa machen Platz den Vereinigten Staaten von Amerika.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Weit schlimmer als die wirtschaftlichen sind die kulturellen Wirkungen des Krieges. Briand und Asquith haben sich erst in neuester Zeit über die Bedingungen e unter welchen ein Friede mit ihrer Mitwirkung geschlossen werden könnte. Beide haben erklärt, erst müsse der deutsche Militarismus zer⸗ brochen sein. Sie wollen damit aber nicht Auswüchse beseitigen, denn damit würden sie uns ja stärken, sondern die Wehrkraft des deutschen Volkes vernichten, darum verstehe ich auch die Sprache, die der Reichskanzler heute angeschlagen hat. Man kann selbst⸗ verständlich von einem Staatsmann nicht verlangen, daß er flötet, während die Staatsmänner in den feindlichen Ländern das denkbar schwerste Geschütz auffahren.(Sehr richtig!) Zu meiner Genug⸗ tuung habe ich aber von dem Reichskanzler Worte, wie sie Briand und Asquith ausgesprochen haben, nicht gehört(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten), sonst wäre unsere Fraktion in die allerschärfste Opposition eingerückt. Wir wollen die Vernichtung unseres eigenen Landes berhüten, aber auch kein anderes Land vernichten.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Der Reichskanzler hat nicht solche Worte ertönen lassen, wie wir sie von Briand und Asquith hören mußten.(Abg. Dr. Liebknecht: Doch, doch!— Widerspruch und Gelächter.) Wenn jemand an⸗ derer Anschauung ist als ich, so muß es an der Verschiedenheit unseres Hörvermögens oder unserer geistigen Beschaffenheit liegen. (Zustimmung und lebhafter Beifall auf allen Seiten.) Der Reichs⸗ kanzler sagt, er könne einzelne Friedensbedingungen zurzeit nicht nennen. Meine Freunde sind dagegen der Meinung, dem Staats⸗ mann eines Staates, dessen Heere den Krieg in alle feindlichen Länder haben tragen und einen undurchdringlichen Gürtel um das deutsche Vaterland haben ziehen können, hätte es wohl angestanden. detaillierte Friedensbedingungen zu nennen, zumal die Worte des Kanzlers erkennen ließen, daß seine Friedensbedingungen sich sehr wohl 1 75 lassen können.(Hört! hört! bei den e Wir haben unsere Interpellation an den Kanzler gerichtet un nicht an die bürgerlichen Parteien, deshalb will ich nicht erörtern, ob nicht ein gewisser Satz in der Erklärung des Herrn Spahn außer⸗ ordentlich aufpeitschend im Auslande wirken wird.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten) und besser weggeblieben wäre. Die Worte des Reichskanzlers hatten jedenfalls einen anderen Inhalt. (Abg. Dr. Liebknecht widerspricht.) Aber ich bitte Sie, geben Sie doch nicht dem Auslande Waffen in die Hand.(Vielseitiger Bei⸗ fall und Händeklatschen.) Ich e mit einer gewissen Absicht hat der Kanzler die von uns besetzten Gebiete als Faustpfänder bezeichnet. Nach meiner Kenntnis werden Faustpfänder zurück⸗ gegeben. Der Reichskanzler hat sich grundsätzlich zum Frieden bereit erklärt, selbstverständlich zu einem ehrenvollen Frieden, einen anderen Frieden will natürlich kein deutscher Mann schließen.(Leb⸗ hafter Beifall.) Der Kanzler hat eine Sicherung gegen frivole An⸗ griffe verlangt. Es fragt sich nur, worin diese Sicherung besteht. Eine Durchführung des Krieges bis zur völligen Erschöpfung aller Kriegführenden würde eine solche Sicherung nicht sein, ebenso⸗ Die wenig die Unterjochung eines Volkes, die Vergewalkigung Ane Volers mit eigenem geistigen Leben. Ich habe mich gefreut. zu hören, daß dem Kanzler die Absicht einer solchen Unterjochung nich/ vorschwebl. Es gibt aber sehr weitgehende Sicherungen gegen wiederholte Angriffe. Wenn dieser furchtbare Aderlaß nicht zur Mehrung der friedlichen Gesinnung unter den Völkern führen sollte, dann wüßte ich wirklich nicht, auf was für Bundesgenossen wir an⸗ gewiesen sind, um diefe friedliche Gesinnung in die Köpfe hinein⸗ zubringen. Ich verlasse mich in meinem Glauben an die ra- auf die wohlverstandenen Interessen der Völker.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Der Reichskanzler hat seine Bereitschaft zum Abschluß eines ehrenvollen Friedens ausgesprochen, ohne den Gegnern unbillige Bedingungen zuzumuten. Das ist für mich das Entscheidende. Was unter Sicherungen im einzelnen zu verstehen ist⸗ darüber wird zu sprechen sein, wenn erst einmal die Verhandlungen begonnen haben. Die Hauptsache ist, daß sie beginnen und daß fein Staatsmann eines feindlichen Landes jetzt noch die Möglichkeit von Friedensberhandlungen mit dem Hinweis darauf ablehnen kann, daß sie ihm als Zeichen der Schwäche ausgelegt werden können. Wir dürfen uns also wohl der Hoffnung hingeben, daß die Stunde der Exlösung für die Völker bald gekommen sein möge. Täuscht uns diese Hoffnung, weil unsere Gegner den Frieden nicht wollen, dann werden sie sogar eine Steigerung unserer Kräfte merken.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemo⸗ kraten.) Dann wird das, was unsere Krieger noch zu tragen haben, auf das Schuldkonto unserer Gegner kommen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten. Abg. Liebknecht ruft: Ist das der Zweck?) Ich bin von der Fraktion zum Redner bestimmt worden und nicht Sie.(Liebknecht: Ich bin stolz darauf, daß ich es nicht bin.— Abg. Heine: Dann gehen Sie doch weg, wenn Sie stolz darauf sind, nichts mit uns zu tun zu haben!— Lebhafter Beifall.— Er⸗ neuter 17 des Abg. Liebknecht.— Große Unruhe. Lebhafte Zurufe: Ruhe!) In der französischen Deputjertenkammer wurde kürzlich gesagt, Frankreich wolle selbstverständlich Elsaß⸗Lothringen zurücknehmen. Für solche Ausführungen, die uns die Reunions⸗ kammern erinnern, haben wir kein Verständnis.(Lebhafter Beifall.) Aufgabe der deutschen Politik wird es sein, gewisse Hoff⸗ nungen auf die Möglichkeit einer Wiedereroberung von Elsaß⸗ Lothringen völlig zu vernichten.(Erneute lebhafte Zustimmung.) Wer das Messer erhebt, um Stücke vom Körper des deutschen Volkes zu schneiden, der wird, mag er ansetzen, wo er will, das in der Ver⸗ feidigung einige Volk treffen, das ihm das Messer aus der Hand schlagen wird.(Allseitiger lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Präsident Kaempf: Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Die Besprechung der Interpellation ist erledigt. Der Präsident stellt weiter fest, daß das Mißverständnis, das die vorherige Ge⸗ schäftsordnungsdebatte herbeiführte, durch einen ihm selbst unter⸗ laufenen Irrtum verursacht worden sei. Er bittet um die Er⸗ mächtigung: Tagesordnung und Tag der nächsten Sitzung, die wahrscheinlich am Montag stattfinden wird, nach dem Fortgang der Beratungen des Reichs haushaltsausschusses festzusetzen. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.) beantragt, die nächste Sitzung morgen stattfinden zu lassen und als ersten Punkt die Frage auf die Tagesordnung zu setzen, ob der Präsident das Recht der politi⸗ schen Zensur über die Mitglieder des Hauses besitzt, das er aus⸗ geübt habe durch die Zurückweisung der letzten Anfrage Liebknechts. Präsident Kaempf: Ich bitte Sie, Ihren Antrag schriftlich einzureichen. 5 8 Abg. Liebknecht: Das werde ich tun. Sie haben durch Ihr ganzes Verfahren heute den Krieg gewünscht und nicht den Frieden. (Gelächter und Schlußrufe.) ö Der Vorschlag des Präsidenken, für den sich auch der Abg. Spahn(Z.) ausspricht, wird angenommen. 92 7 Schluß 1½ Uhr. neee Hessen und Nachbargebiete. Gießen und Umgebung. Die Ehrensache des Hessischen Bauernvereins. Vor kurzem hatte der Hessische Bauernverein unter Lei⸗ lung des Pfarrers Blum und des Zentrumsabgeordneten Uebel eine Entrüstungsresolution an den Reichskanzler ge⸗ sandt, in der es hieß: „Der hessische Bauernverein, dem die Versorgung des Volkes Ehrenfache ist, bedauert die frevelhafte Hetze gegen die deutschen Bauern, bittet um Schutz ihrer Ehre und fordert gleiches Recht für alle“ 1 1 Dieses biedere Flehen um Schutz des gekränkten hgessi⸗ schen Bauernvereins erhält jetzt eine eigentümliche Beleuch⸗ tung durch eine Erklärung der„Zentrale für Kartoffelver⸗ orgung des Kommunalverbandes Mainz“. In dieser Er⸗ (ärung wird gesagt: g „Wie sehr die Kartoffeln zurückgehalten worden sind, ergibt sich daraus, daß bei Beschlagnahmen, die in einigen, Vororten des Kreises Mainz vorgenommen worden sind, sich außerordentlich große Bestände ergaben, die entsprechend der Bundesratsverord⸗ nung abzutreten waren. So hat die Gendarmerie in einem Vor⸗ orte von Mainz 3000 Zentner festgestellt, während die dortige Gemeindeverwaltung vorher gezwungen war, für Kriegsteil⸗ nehmer Kartoffeln von auswärts zu beziehen. — Christbäume. Seit einigen Tagen werden an ver⸗ schiedenen Stellen der Stadt Christbäume feilgeboten, doch ist das Angebot bei weitem nicht so stark als in früheren Jahren. Das ist ja auch sehr erklärlich; in vielen Familien vird man froh sein, an den Weihnachtstagen etwas zu essen zu haben und man wird die Ausgaben für den eee baum sparen müssen. Diese Ausgaben stellen sich ee wegen der teurer gewordenen Kerzen. erheblich höher als früher, auch der übrige Baumschmuck wird mehr kosten als früher. Alle diese Umstände dürften dazu beitragen daß in vielen Familien diesmal der beliebte Weihnachtsbaum fo 1 ihlen pee für Seife. Wir werden um Aufnahme des folgenden ersucht:„Durch die Preisveröffentlichung 10 Seife, welche durch die Kommunalverbände geliefert 1 t vielfach bei dem Publikum der Glaube eee als sei der Preis von 75 Pfg. für das Pfund der al 1 1 oder gar Höchstpreis für Kernseife. Den e schäften sind durch diese Preisangaben viele 1 d setzungen und Weitläufigkeiten mit den Käufern 5 50 1 15 Es sei deshalb darauf hingewiesen, daß der 118 91 1 1 5 Pfennigen sich nur auf die von der ee 95 Gesellschaft gelieferte Qualität, und Menge 11 5 1 Zweck dieser Maßnahmen soll lediglich der sein, 1 bemittelten Bevölkerung billige Seife zu beschaffen. D Seife dü r langer Zeit seitens des betreffende Seife dürfte schon vo e e. g f i itherigen verbreitete Meinung, die seitherie übertrieben und nach Lage der Dinge 5 a zd f Bei einer reinen ungerechtfertigt, ist vollständig falsch. g K beet welche aus Oelen und Fetten, deren 9 e 4g 340370 Mark per 100 ee eee tet allein das in einem Seifenpreise seien keen war deten er Zelt ein 120 Mark abe d Seife enthaltene Oel die Kosten für die anderen Bestandteile und die Herstellungs⸗ kosten...“ Schließlich wird in der Zuschrift noch bemerkt, daß, wenn der Kleinverkaufspreis bisher noch bedeutend niedriger war, dies nur durch ältere Vorräte an Rohstoffen möglich gewesen sei. Wenn Höchstpreise für Seife festgesetzt würden, dürften sie sich wahrscheinlich höher stellen als die bisherigen.— Das wollen wir nicht hoffen. Wir sind aller⸗ dings auch der Meinung, daß die Seifenpreise über⸗ trieben hoch sind, woran weniger die Fabriken die Schuld treffen mag als vielmehr die von der Zuschrift am Schluß selbst zugegebene„ins Ungemessene getriebene Speku⸗ lation“ mit Fetten und Oelen, gegen die hoffentlich energisch eingeschritten wird. — Konzert in der Stadtkirche. Heute abend 7½ Uhr findet die Kirchenaufführung des Gießener Konzertvereins statt, auf welche wir vor einigen Tagen bereits hinwiesen. Zur Aufführung gelangt Beethovens Messe in Cedur und H. von Herzogen⸗ bergs Weihnachts⸗Oratorium„Die Geburt Christi“. Unter Leitung Prof. Trautmanns wirken bei dem Konzert etwa 100 Sänger mit, dazu noch 60 Knaben und Mädchen. Die Solopartien werden von dem Stuttgarter Oratorien⸗ Quartett ausge⸗ führt, den Kammersängerinnen E. Tester und N. Diestel und den Konzertsängern H. Ackermann und L. Feue rlein. Das Orchester bildet die Kapelle des hiesigen Ersatzbataillons; die Orgel⸗ partien hat Herr Otto Görlach übernommen. Eintrittskarten zu 3, 2, 1 Mark sind bei E. Challier zu haben. (die nicht im Offiziersrang stehen) 30 Pfg. Von Nah und Fern. Europas größter Bahnhof. Wir teilten bereits mit, daß am letzten Samstag der neue Leipziger Bahnhof in seinem ganzen Umfange dem Betriebe übergeben wurde. Ueber diese größte Bahnhofsanlage Europas sind noch folgende Mitteilungen von Interesse: Das Empfangsgebäude hat bei symmetri⸗ scher Gestaltung eine Länge von 300 Metern, auf jedem der beiden Seitenflügel eine Länge von 90 Metern. Es bedeckt eine Fläche von rund 16 000 Quadratmetern. Die Bahnsteiganlagen hinter dem Gebäude sind auf eine Länge von 240 Metern und in einer Fläche von rund 66 000 Quadratmetern überdacht. Ueber den Bahnsteiganlagen sind sechs eiserne, je 42,5 und 45 Meter spannende Hallen mit Gitterbogenträgern, die sich am Scheitel 20 Meter über die Schienen erheben, geordnet. Der Hauptpersonen⸗ bahnhof mit anschließendem Güterbahnhof besitzt allein eine Aus⸗ dehnung von 2,5 Kilometern in östlicher, 2,3 Kilometern in nörd⸗ licher und 1,7 Kilometern in westlicher Richtung. Seine Gleisenetze weisen eine Gleiselänge von 150 Kilometern und 320 Weichen auf. Nach Wiederaufnahme des Friedensfahrplans werden täglich etwa fünfhundert Züge auf den neuen Bahnhofsanlagen abzufertigen sein. Mit dem Baue des Hauptbahnhofs wurde im Jahre 1907 begonnen. Die Gesamtbaukosten betragen 135 Mil⸗ lionen Mark. Tagesbericht des Großen Hauptguartiers. Im Westen Artilleriekämpfe. Weiteres Vordringen in Montenegro. W. B. Großes Hauptquartier, 9. Dez., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz Lebhafte Artilleriekämpfe an verschiedenen Stellen der Front, besonders in Flandern und in Gegend der Höhe 193 nordöstlich von Souain. 2 Ein französisches Flugzeug wurde südlich von Betaume zum Landen gezwungen. Die Insassen sind gefangen ge⸗ nommen. Militärpersonen e stlicher Kriegsshau plan. Abgesehen von einzelnen Patrouillengefechten ist nich zu berichten.. Balkan. Die Kämpfe südlich von Plevlje südlich von Scenica und bei Ipek werden mit Erfolg fortgesetzt. Djakova, Debra, Struga und Ochrida sind von bulgarischen Truppen besetzt. Die Kämpfe am Wardar sind im günstigen Fortschreiten. Oberste Heeresleitung. * Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Die Montenegriner zum Weichen gezwungen. Wien, 9. Dez.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbark: 9. Dezember 1915. 1 Russischer Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse. Jtalienischer Kriegsschauplatz. Die vergeblichen Angriffsunter nehmungen der Italiener gegen einzelne Abschnitte unserer Front im Gör zi⸗ schen dauern fort. Solche Angriffe wurden bei Oslavija, am Monte San Michele und bei San Martino abgeschlagen. Bei Dolje(nordwestlich von Tolmein) verbesserten unsere Truppen ihre Stellung durch Eroberungeines feindlichen Front⸗ stücke s. In Südtirol beschießt die italienische Artillerie ein⸗ zelne Stellungen in unseren befestigten Räumen von Lardaro und Riva. 5 Südöstlicher Kriegsschauplatz. Auf den Höhen südöstlich von Plevlje wurden montene⸗ grinische Banden zersprengt. Im Grenzgebiet nördlich von Berane haben wir den linken Flügel der Montene⸗ griner zum Weichen gezwungen. Auch die Kämpfe gegen den rechten Flügel des Feindes verlaufen erfolgreich. Auf den Höhen westlich von Jpek warfen wir serbische Nachhuten. Zahl der gestern gemachten Gefangenen zwei Offiziere und tausend Mann. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnant. 5 Ereignisse zur See. Eines unserer Unterseeboote hat am 7. vormittags im Drin⸗Golf einen albanischen Motorsegler, auf dem sich 30 serbische Militärflüchtlinge mit Gewehren, vier Geschütze und Munition befanden, festgenommen und nach Cattaro einge⸗ bracht. 4 Flottenkommando. Durch die Einnahme von Ochrida, Dibra ä und Struga sind wichtige strategische Erfolge erzielt worden. Beide Städte liegen in der Südwestecke Serbiens hart an der albanischen Grenze und unfern des serbisch⸗albanisch⸗ griechischen Grenzwinkels. Ochrida ist am Ostufer des gleich⸗ namigen Sees und Struga an der Nordspitze desselben ge⸗ legen. Dibra liegt nördlich davon. Der strategische Erfolg besteht darin, daß das Kampfgebiet der Ententetruppen voll⸗ kommen und fest von den albanischen Küstenplätzen abgesperrt ist. Bei der jetzigen Kriegslage, die das Ententeheer zum raschen Rückzug im Wardartal zwingt, würde allerdings auch die Möglichkeit einer Verbindung mit Albanien wenig nützen, zumal die auf albanischen Boden geflohenen Trümmer des serbischen Hauptheeres völlig entkräftet sind und die Lage der Entente schwerlich zu verbessern vermöchten, auch wenn sie sich mit den Saloniker Korps hätten vereinigen können. Außer einem kleinen Winkel am Wardar ist nun ganz Alt⸗ und Neuserbien in den Händen der Zentralmächte. U Serbisches Schreckensregiment in Monastir. Griechische Blätter berichten aus Monastir: Die serbische Militärbehörde ließ in den letzten Tagen mehrere hundert Griechen und Bulgaren erschießen, meist Verbrecher und Häftlinge, sowie sonstige angeblich verdächtige Leute, unter dem Vorgeben, diese würden im Falle ihrer Freilassung die Waffen gegen die Serben ergriffen haben. Franzosen und Engländer in der Sackgasse! Eine aus Salonik gesandte Depesche des Spezialkorre⸗ spondenten vom Pariser Petit Journal schildert die hart⸗ bedrängte Lage des englisch-französischen Expeditionskorps. Es befinde sich in einer Sack⸗ gasse, denn vor der Front entfalteten sich bulga rische Truppen, türkische Divisionen marschierten in Thrazien auf, und Mackensen rücke in der Richtung auf Monastir vor. Infolge des Zusammenbruchs der serbischen Armee, die den Babuna⸗Paß aufgeben mußte und in den eisigen Bergen Albaniens ihrem Untergang entgegengehe, bilde die Armee Serrail nur noch eine kleine, gefährdete Truppe vor dem an Zahl weit überlegenen Feinde. Ein Vorrücken sei ihr unmöglich; der Rückzug, der heute noch offen sei, könne morgen schon versperrt sein. Im Rücken stehe Griechenland, hinter Griechenland aber befinde sich Deutsch⸗ land. * „Lugano, 9. Dez. Ein Telegramm Magrinis aus Salonik be⸗ Mae daß die Truppen der Entente infolge Verzögerungen Mazedonien räumten. Das Heer unter Gallwitz nähere sich über Weles bereits Demirkapu; bei Strumitza⸗Dorf sei deutsche Reiterei aufgetaucht. Besonders bedrohlich sei jedoch der Versuch der Deutschen und Bulgaren, bei Strumitza-Bahnhof den Fran⸗ zosen den Rückzug abzuschneiden. Der Bahnhof von Demirkapu und die Brücken dort seien gesprengt, die Verwundeten aus dem Lazarett von Gewgeli nach Salonik verbracht worden. Budapest, 9. Dez. Nach einer Sofioter Meldung des Az Est glehen sich die Ententetruppen hinter die griechische Grenze zu rück, um dort vor weiteren Angriffen der Verbündeten geschützt zu sein. Die Griechen sind dadurch beunruhigt, weil sie befürchten, daß die sich zurückziehenden Ententetruppen von den Verbündeten auf griechisches Gebiet verfolgt werden. Um die Besorgnisse Griechenlands zu zerstreuen, machte Bulgarien den Vorschlag, wie bei Beginn des Krieges eine neutrale Zone im Ausmaß von etwa 5 Kilometer zu schaffen. Der türkische Bericht. Die Verfolgung in Mesopotamien. Konstantinopel, 8. Dez.(W. T. B.) Das Hauptquartier teilt mit: An der Irakfront bedrängten unsere Truppen heftig den Feind, der Kut⸗el⸗Amara verteidigt. Eine feind⸗ liche Kolonne, die zu fliehen versuchte, erlitt starke Verluste; wir erbeuteten 300 beladene Kamele. Uusere vorgeschobenen Kolonnen, die von unserer Flanke aus bis Schaik Saad vor— gingen, belästigten den Rückzug des Feindes. n der Dardanellenfront bei Aanaforta nahm unsere Artillerie einige versammelte feindliche Kräfte, seine Batterien und seine Trausportschiffe in der Supla-Bucht unter wirk⸗ sames Feuer, fügte ihnen Verluste zu und zwang die Trans⸗ portschiffe, sich zurückzuziehen. Bei Ari Burnu zerstörte unsere Artillerie einen Teil der gedeckten Unterkunftslager der feindlichen Reserven. Am 7. Dezember zerstörten die von uns gespreugten Minen am rechten Flügel zwei feindliche Minen. Bei Sedd⸗ül⸗Bahr zwang am 7. Dezember unsere Artillerie einen feindlichen Monitor und zwei feindliche Kreu— zer, welche Palamutlik beschossen, sich zurückzuziehen, sowie einen feindlichen Kreuzer und einen Monitor, welche Kapa Tepe beschossen. An der Kaukasusfront Erkundungsgefechte. Zur Lage in Aegypten. Die Haltung der Bevölkerung Aegyptens im Falle eines kürkischen Vorstoßes auf den Suezkanal gibt der Regierung, wie Ikdam meldet. Anlaß zu größter Besorgnis. Die Be— hörden haben genau Kenntnis darüber, daß bei dem ersten kürkischen Erfolg ein Aufstand gegen die englische Herrschaft einsetzen werde, dessen Ausbruch nur auf den Mangel einer Organisation und Waffen unter den Eingeborenen verhindert sei. Infolgedessen werden von den Militärbehörden fortgesetzt Verhaftungen angesehener Eingeborener vorgenommen. Der von England eingesetzte Sultan wird wie ein Gefangener be— handelt. Er zeigt sich nur bei besonderen Gelegenheiten unter ganz außergewöhnlichen Vorsichtsmaßnahmen. Aus Furcht vor einem Anschlag auf sein Leben hat Hussein Kemal der englischen Regierung wiederholt seine Abdankung angeboten, die aber auf Veranlassung des General-Residenten bisher immer abschlägig beschieden wurde. * Dem Matin wird aus London gemeldet: Das Presseburcau teilt mit, daß am 23. November zwischen einer Abteilung indischer Kavallerie, die von El Kantara aus aufgebrochen war, und feind⸗ lichen Truppen, denen es gelungen war, sich der Zone des Suez kanals zu nähern, ein Gefecht stattgefunden habe. Auf feindlicher Seite wurden sieben Mann außer Gefecht gesetzt und dem Feinde außerdem zwölf Gefangene abgenommen. Die indische Kavallerie verlor einen Toten. Das englische Unterhaus über Friedens⸗ vorschläge. London, 9. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Meldung des Reuter⸗ schen Bureaus. Im Unterhause forderte Snowden(Arbeiter⸗ partei) Asquith auf, zu versprechen, daß kein durch ein neutrales Land oder die kriegführenden Länder gemachter Vorschlag Friedensverhandlungen, der die Räumung eroberter Gebiete Basis habe, ohne das Wissen des Parlaments zurückgewiesen wür Asquith antwortete, Großbritannien, Frankreich, Italien, Japan und Rußland seien übereingekommen, keinen Sonderfrieden zu schließen. Wenn ernstgemeinte Friedensvorschläge von den feindlichen Re⸗ gierungen entweder direkt oder durch neutrale Länder gemacht wür⸗ den, dann würden sie zuerst von den verbündeten Regierungen be⸗ sprochen werden; bis dahin könne er kein anderes Versprechen geben. Sollten Friedensvorschläge gemacht werden, dann würde die Regierung es für wünschenswert halten, das Parlament so früh wie möglich ins Vertrauen zu ziehen. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. 8 Verlag von Krumm& Cie., Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M. Verstorbene. Frau Sara Levy, geb. Bein, in Gießen.— Seb, f harina Becker Wwe, Galtwirtin in Altendufec. 23 Zeken tmacku a. Die im November 1898 geborenen Landsturmpflichtigen der 8 bis 12 Uhr und nachmittags von 2 bis 6 Uhr im alten Rathaus am Marktplatz zur Landsturmrolle melden. Auswärts Geborene haben bei der Ge⸗ burtsschein vorzulegen. Gießen, den 7. Dezember 1915. 25 Der Oberbürgermeister. Keller. Bekanntmachung Die Landesverteilungsstelle für Futtermittel in Darmstadt hat abzugeben:.. Kleie(ausländische) zum Preise von 30,00—31,00 Mk. die 100 Kg. ohne Sack ab Mainz:. Futtermais(ausländischer) von 51 Mk. die 100 Kg. ohne Sack ab Mainz:. Reisfuttermehl(stamestsches) zum Preise von 45,50 Mk. die 100 Kg. ohne Sacke ab Mainz; 5 Rapsreste(rumänische) zum Preise von 55,00 Mk. die 100 Kg. ohne Sack ab Mainz: 5 Sonnenblumenkuchen(ausländischer) zum Preise von 41 Mk. die 100 Kg. ohne Sack ab Mainz; Melassefutter(Häcksel und Torfmelasse) laut Preisliste, die den örtlichen Verteilungsstellen unterm 5. November zuging; Zucker futter(nämlich Rohzucker vergällt) ist vollständig verteilt und können Bestellungen darauf nicht mehr entgegen- genommen werden. Ich fordere sämtliche Viehhalter hiermit auf, ihre Be⸗ stellungen auf obige Futtermittel innerhalb 3 Tagen bei mir ein⸗ Anmeldung ihren zum Preise Stadt Gießen müssen sich am 15. Dezember 1915, vormittags von 4. Die Bäcker sind verpflichtet, den Bezug von beschlagnaß freiem Mehl sofort, spätestens aber binnen 23 Stunden nach 6 152 unter e 0. iefe uw. tädtischen Mehlverteilungsstelle zu melden. 5. Zuwiderhandlungen werden gemäß 88 57, 58 der ratsverordnung vom 28. Juni 1915 bestraft 3 1 6. Diese Verordnung kritt mit ihrer Veröffentlichung in Kra Gießen, den 2. Dezember 1915. 4 5 Der Se Keller. 5 1 in ii uUmg. Insumperein glessen und umg. Sonntag, den 12. Dezember a nachmittags 3 Uhr 5 im Saale des Gewerkschaftshauses, Schanzenstr. luda Benerabersannlng Tages⸗Ordnung: 45 1. Vortrag über:„Schwierigkeit der Warenbeschaffung.“ Herr Val. Liebmann⸗Frankfurt. ö 2. Wahl eines Geschäftsführers. i 1 4 1 Zu recht zahlreichem Besuche ladet ein Der Aufsichtsrat. J. A.: Vetters. reichen zu wollen.. Gießen, den 9. Dezember 1915. 5 Praktis eher Meg weiser Der Oberbürgermeister.——— emptehlenswerter Geschafft x el. Besonderer Beachtung empfohlen Erscheint wöchentlich einmal dri Brauerelen u. Bierhdlg. Brennmaterlalie Bekanntmachung. fl. ring. Lien 1 W 5 Auf Grund des 8 47 Abs. 1 in Verbindung mit§ 49 lit. e der„ Telephon 0 Joh. Fischer rige Bundes ratsverordnung vom 28. Juni 1915 wird für den Bezirk der Bierbrauerei ö Alicestraße 28,½0 kde, Stadt Gießen folgendes verordnet: mit eigener Mälzerei Telephon 72 ö belt 1. Mehl darf zum Verkauf oder 1 nur 75 solche 1 97 0 f Ae Luer Nek und Belts. N 1105 abgegeben werden, die sich unterschriftlich verpflichtet haben, an ie 9 Kolontal en versorgungsberechtigte e e. ae Paß. Export- Biere egen ge 1 1 0 das ihnen von der städtischen Mehlverteilungsstelle geliefert un 72727 eizen- u. Roggenmehle e Neu 9 75 Brot, das aus solchem Mehl erbacken ist, abzusetzen. Georg Guht 0 52d ue i Jemokre 2. Das den Bäckern von der Mehlverteilungsstelle gelieferte G. m. b. H. 6 5. 5 1 dell Mehl zur Herstellung von Brot für die Heeresverwaltung Lerlar: 0 Weine, Liköre, ö Leicht, (Proviantamtmehl) ist stets gesondert von dem für die Zivil⸗ Gerlach& Euler Christian Inderthal Die bevölkerung bestimmten aufzubewahren 1 0 555 eine eee Ferne 6 Likörfabr. u.. tung Aufschrift kenntlich zu machen. Die Verwendung von Stadtmeh 1 EN 8 SGlegen seses für die Heeresverwaltung oder umgekehrt von Proviantamtmehl Wr REE dert für die Zivilbevölkerung ist verboten. f N Uebr. Waldschmidt 0 Alsfeld a 3. Die Bäcker sind verpflichtet, Lagerbücher zu führen, aus 5 5 9 Warenhaus 8. Baer 1 5 b. denen zu jeder Zeit der Bestand an den vorhandenen Mehlsorten J. Miozen Maotzlar. 0—— ö rgerl. ersichtlich ist. Sie müssen 5 175 1 ne n Beauf⸗. Pelecherefen e 3 tung tragten j zeit Zutritt z Heschäftsrä d Einsicht i*.— mischt s ist; be dene en.. n eee ee ee eee fund Er 1* 1 Unze aterländischer Vortrag. dae fn U 5 0 en, 5 Dir.: Hermann Steingoetter. 0 am Montag, den 18. Dezember, abends 8½ Uhr, wird im Saale] Seiten, rer 118, ate des Gesellschaftsvereins(Clubsaa), Sonnenstrasse der Volts⸗VBorstellung 2 chung fierr Lic. Dr. Paui Rohrbach-Berlinse silent, err 10. F. 2 U 0 F 2 C 12 70 Er U Lustspiel in 3 Akten von Franz von 5 Schönthan u. Frans Koppel⸗Ellfeld. über das hema. Ende 10¼ Uhr. Voltspreise, Sonntag, 12. Dezember 1915, 57 66 nachmittaas 3½ Uhr: 3 5 i ieh Hoch im Plügelede Ein fröhliches Spiel in 4 Aufzügen 7 bon Albert Kehm u. Martin Frehsee, 1 5 Ende 6 ¼ Uhr. Kleine Preiso sprechen. d 1 f b Abends 7% Uhr; f ber Vortrag hat keine parteipolitische oder Ronfessionelle Tendenz.] Meubeu! Neuheit“ Eintrittskarten zu 1.50 J. für reservierte und numerierte Plätze erster Der Iuxbarou 1 Reihen, für 1.—(J. für reservierte und numerierte Plätze weiterer, St 1 Reihen und für 50 Pfg. und 20 Pfg. für alle anderen Plätze sind im ende edges Weite n Vorverkauf zu haben in der Ferber'schen Universitäts- Suchhandlung,, Peufe bonn Waßtel Kolo. ** 2* 2— 11 1 8„ Seltersweg und in der Sigarrenhandlung von Richard Zuchachker, Ende 10% Übr. Geib. Preise em, Neuenbäue. n.. abwärts 5 1 15 zahlen bei allen Vorf ellungen auf 8 1 1 2. U. 3. Sherrsitz nur halbe Preise. Der Vorstand der Fortschrittficzen Volkspartei Giessen. 1 2 7 2 Zu Gesch 0090 Zu Geschenkzwecken S 2 ———— empfehlen wir 28 7 8 1 3 8 8 2 5 9— 2 95 7 0— 2 2 5 5—= 2 in Wort und Bild S„ 8 8 2 2 900 Prachtwerk auf Kunstdruckpapier in elegantem Einband, n S 2 9 200 Seiten Text nach Mignet. Thiers, Lamartine u. 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