rr —.— ,, . 9 zeitung Organ für die Interessen des werktätigen Volkes ö Die Oberhessische Volkszeitung erscheint jeden Werktag Abend i N Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monallich 60 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl.1 80 Mk. 1 5 Redaktion und Expedition Gießen, Bahnhofstraßse 23, Ecke Löwengafse. Telephon 2008. Inserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Nr. 233 Gießen, Donnerstag, den 2. Dezember 1915 10. Jahrgang Genosse Karl Kautsky vertritt in der Neuen Zeit die An— cht, im Reichstage solle nicht nur die Mehrheit, en dan Minderheit der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion auftreten hre Ansicht begründen und natürlich auch durch Abstimmung ver⸗ kreten. Das wäre eine gefährliche Neuerung, die zur Spaltung der Partei führen, ja diese mit dieser Neuerung schon vollziehen würde Es war bisher der Stolz der Sozialdemokratie und gleichzeitig eine Quelle ihrer parlamentarischen Erfolge, daß sie in allen wichtigen Fragen im Reichstage einig und geschlossen vor⸗ ging. Getrennte Abstimmung gehörte für die Reichstagsfraktion zu den Dingen, die nur in weniger wichtigen Fragen durch beson⸗ deren Fraktionsbeschluß als Ausnahme zugelassen wurde. Soll das jetzt anders werden? Alle Welt blickt auf den Reichs⸗ tag. Auch die deutsche Arbeiterschaft, daheim und in den Schützen⸗ gräben, erwartet von ihm eine kräftige Aussprache über allerhand Geschehnisse, die berechtigten Unmut hervorgerufen haben. Nie— mand aber hat wohl damit gerechnet, daß die Welt das Schauspiel eines Kampfes von Sozialdemokraten gegen Sozialdemokraten er⸗ leben könnte. Nun aber kommt der anerkannte Theoretiker der Sozialdemokratie her und fordert offen die Trennung, die Spaltung der Partei. Ihm antwortet ein Mitglied des Parteivorstandes, der Genosse Otto Braun, ebenfalls in der Neuen Zeit. In seinen Ausführungen, die die Grundgedanken Kautsky getreulich wieder gibt, heißt es: Als das schreckliche Verhängnis über die Völker Europas hereinbrach, da erfüllte in der Partei wohl jeden nur ein Gedanke: Jetzt heißt es alle Kräfte der Partei zusammenhalten, um das Parteischiff durch diesen Sturm, den surchtbarsten, der es je um⸗ brauste, intakt hindurchzusteuern und die nteressen der Arbeiterklasse nuch in dieser schweren Zeit, die über sie hereinbrechen mußte, nach Acre wahren. Es erschien u u lie Selbstver⸗ ständlichkeit, was wir in der Nr. 19 der Neuen Zeit vom 21. August borigen Jahres, S. 846, am Schluß eines Artikels lasen: „Wir begreifen es wohl, wenn manchem dieser oder jener Schritt unserer Partei falsch erscheint, aber noch weit falscher, geradezu verhängnisvoll wäre es, aus irgendeiner Meinungs⸗ verschiedenheit jetzt einen inneren Zwiespalt zu entfesseln. Auch in dieser Beziehung hat die Waffe der Kritik jetzt zu schweigen. Disziplin ist im Kriege nicht nur für die Armeen, sondern auch für die Partei das erste Erfordernis. Hinter ihrer Praxis misssen wir alle einmütiger, geschlossener stehen als je. Nicht Kritik, sondern Vertrauen ist jetzt die wichtigste Be⸗ dingung unseres Erfolges.“ Und vorher heißt es in dem gleichen Artikel noch ganz zu⸗ reffend: „Wir müssen die Organisationen und die Organe der Partei und der Gewerkschaften intakt halten, ihre Mitglieder be⸗ wahren ebenso vor Unvorsichtigkeiten wie vor feiger Fahnen⸗ flucht. Das ist ja selbstverständlich, und es gibt keinen Genossen, der nicht in diesem Sinne handelte....“ 1 ö Es sollte keinen Genossen geben, wird man heute richtiger agen. 9 Immerhin, wer stimmte dem Genossen Kautsky, der diese berständigen Worte geschrieben hat, nicht voll und ganz zu. Um so größeres Befremden muß es erregen, wenn der⸗ elbe Genosse Kautsky nunmehr in dieser Zeitschrift die Be⸗ sechtigung und Notwendigkeit einer Parteispaltung heoretisch zu begründen versucht. In zwei Artikeln„Persönliche Ueberzeugung bisziplin“ und„Freiheit der Meinungsäußerung bisziplin“ in Nr. 5 und 6 des laufenden Jahrgangs ste, eine Theorie der Parteispaltung auf, wie sie geutiger und unverhüllter bisher wohl noch nicht dargelegt wurde. Um das nachzuweisen, kann ich es mir sparen, Kautsky auf den harteiphilosophischen und parteihistorischen Umwegen zu folgen, die 5 einschlägt, um zu dem von mir aufgezeigten Ziele zu gelangen. Das Ziel tritt klar zutage. 5 5 15 Kautsky kommt nämlich in seinen Artikeln zu dem 1 gaß die Mitglieder der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion ie e bisherige Stellung der Fraktionsmehrheit zu den 1 550 cht billigen, im Plenum des Reichstags sich von der 9 1 wennen, dort vor den politischen Gegnern und vor aller 770 0 i 1115 Auffassung darlegen und im Sinne dieser Auffassung i 1 5 entarisch betätigen sollen. Also eine Spaltung der Fraktion in eller Form. Eine Spaltung der Fraktion muß aber Spaltung der Partei nach sich ziehen. diere Partei mit zwei Fraktionen im ding.. 8 Geradezu paradox klingt es aber, wenn Kautsky, ee entarische Sonderaktion der Fraktionsminderheit 1 921 Mittel,„der auseinanderstrebenden Clemente in der Pa 1 5 0 u werden“ Den Reis der Neuheit kann dieses 1 5 weifellos für sich in Anspruch nehmen. Der schaftlichen 9 1 Gautsky in gelehrten Ausführungen im wissens 2 ichen dez Partei als berechtigt und notwendig machte atelier adiglich zu beweisen, daß man wohl ein arc elehrter sein kann und Alen Zweigen der Wissenschaft beschlagener Geleh ner und besonders leichwohl mit der Praxis des politischen e penma 9872 des Organffationslebens nicht gerade u kaut zu sein braucht. 25 i. 018 legt in seinem Artikel zutreffend 555 1 zerschiedenheiten über parteitaktische Fragcheint nicht in der bürger⸗ auch die und Partei⸗ und Partei⸗ stellt Kautsky unzwei⸗ unabwendbar eine Denn eine einheit⸗ Parlament ist ein zolitischen Gegnern auszutragen sind, das heiß 115 997 5 i 5 e Parlamenten. Das ichen Presse und vor allem auch nicht e 1 Barlament ist nun einmal mit ein Haupttcn irken kann 10 g ene, das Proletariat nur wirken kann, nuf dem sie erfolgrei e politischen Gegnern 0 ellt. Und je wen f enn sie ae ken: entgegenst ine geschlossene findet, um so notwendiger ist ihre Geschlossenheit im parlamentari⸗ schen Kampfe. „Das läßt Kautsky für normale Zeiten auch gelten. Die der⸗ zeitigen Verhältnisse in der Partei sollen aber eine Abweichung von dieser erprobten Kampfnorm gerechtfertigt erscheinen lassen. Und wie begründet er die Notwendigkeit dieser Abweichung? Hören wir ihn: „Wie in so mancher anderer Beziehung hat auch hier der Krieg die Bedingungen unserer Tätigkeit gänzlich umgewälzt. Er hat in unserer Partei tiefgehende Verschiedenheiten der Ueber⸗ zeugungen geschaffen, gleichzeitig aber die Möglichkeit genommen, sie in voller Freiheit zum Austrag zu bringen. Oder vielmehr, die heutige Fraktionsmehrheit ist infolge von Ausnahmeverhält⸗ nissen in der angenehmen Lage, ihren Standpunkt und ihre Auf⸗ fassung und Kritik der Minderheit aufs ausgiebigste vor der Oeffentlichkeit darzulegen. Die Minderheit dagegen sieht sich an Händen und Füßen gebunden...“ Dann weiter: „Durch die Fraktionsdisziplin, die der Minderheit verbietet, im Reichstag zu reden, wird diese nun verhindert, überhaupt zu reden Die Freiheit der Meinungsäußerung wird ihr dadurch auch von Partei wegen völlig unterbunden. Diesen Mißstand hat die Partei nicht gewollt und kann kein verständiges Mitglied der Mehrheit aufrechterhalten wollen. Diese hat nicht weniger als die Minderheit alle Ursache, auf seine Abstellung hinzuwirken. Denn er kann nicht lange fort⸗ dauern, ohne die Partei in ihrem Funktionieren, ja in ihrem Zusammenhang aufs schwerste zu gefährden. Die Tätigkeit un⸗ serer Partei hat zur unumgänglichen Voraussetzung die Gleich⸗ berechtigung aller Mitglieder in ihren Meinungsäußerungen. Ihre Trennung in einen Teil, dem jegliche Möglichkeit freiester Meinungsäußerung gegeben, und einen anderen, dem jede der⸗ die Spaltung un erer Reichstagsfraktion. kritischer und schwieriger die Situation ist, in der sich die Partei be⸗ Die Entscheidungsschlacht in Serbien geschlagen. artige Möglichkeit abgeschnitten ist, muß auf die Dauer zu uner⸗ träglichen Zuständen führen.“ Er legt dann dar, daß die Gegensätze in der Partei eine Tiefe und eine Schärfe angenommen haben, wie sie am 4. August vorigen Jahres noch niemand für möglich gehalten hätte, und schreibt weiter: „Diese Gegensätze zum Ausdruck zu briügen, wurde daher schließlich unvermeidlich. Und nicht immer unvermeidlich, daß sie dort zum Ausdruck kamen, wo heute allein noch das politische Leben die Möglichkeit freier Entfaltung hat, wo aber auch die folgenschwersten Entscheidungen fallen, im Reichstag.“ Also, allein im Reichstag ist für das politische Leben noch die Möglichkeit freier Entfaltung gegeben, sonach muß die Partei auch dort ihre Differenzen austragen. Vorweg bemerkt: Selbst wenn die Behauptung Kautskys über die Verschiedenartigkeit in der Unterbindung der freien Meinungsäußerung in der Partei so richtig wäre, wie sie falsch ist, würde ich die von ihm begründete absonderliche Taktik für verderblich halten. Das näher zu begründen erübrigt sich indes, weil die Behauptung, die Anhänger der Fraktionsminderheit seien mundtot, könnten ihren Standpunkt in der Partei nicht vertreten, wohingegen der Fraktionsmehrheit jegliche Möglichkeit freiester Meinungsäußerung gegeben sei, ein⸗ fach unrichtig ist, keineswegs den Tatsachen entspricht. Und weil dem so ist, ist auch die ganze Begründung, auf die Kautsky seine neu konstruierte Theorie der Parteispaltung stützt, hinfällig und gegenstandslos. Wie liegen die Dinge in Wirklichkeit? Durch die Verhältnisse, die der Krieg gezeitigt hat, sind al le überhaupt zu reden. Und mit dieser den Tatsachen nicht entsprechen⸗ den Behauptung glaubt Kautsky ein separates Vorgehen der Minderheit im Reichstag im voraus rechtfertigen zu können. Ich muß schon gestehen: ein verfehlterer Rechtfertigungsversuch ist mir sobald nicht vorgekommen. Man muß eben schon den Tat sachen etwas Gewalt antun, wenn man eine so verfehlte und unheflvolle Taktik, wie sie Kautsky der Fraktionsminderheit empfiehlt, wissen⸗ 1 0 begründen und als im Parteiinteresse liegend nachweisen D ö ... Kautsky geht davon aus, daß es für die Genossen der Minderheit ein unerträglicher Zustand sei, wenn sie nicht für ihre Auffassung werben könnten, um die Mehrheit zu erlangen. Für die Partei in ihrer Gesamtheit kommt das aber doch vorderhand gar nicht in Frage. Ueber die Hälfte der Genossen steht im Felde; ein Parteitag kann nicht stattfinden, also eine Stellung⸗ nahme der Gesamtpartei kann nicht erfolgen. Es kann also für die Genossen der Minderheit lediglich in Frage kommen, die Mehrheit in der Reichstags fraktion zu erlangen. Das wird doch aber zweckmäßiger durch eine erschöpfende Erörterung der Differenzen in der Fraktionssitzung betrieben. Das Plenum des Parlaments scheint mir dazu der allerungeeignetste Ort zu sein. Dort kämpfen wir die Kämpfe mit unsern politischen Gegnern und nicht die Meinungsverschiedenheiten unter uns aus. Gewiß, es ist ein großes Uebel, daß wir die letzteren jetzt nicht in voller Fe im Rahmen unserer Organisation auskämpfen können. Was er Kautsky zur Beseitigung dieses unerfreulichen Zustandes vorschlägt, ist ein noch viel größeres Uebel. Wollten Fraktionsmitglieder so handeln, wie er es als gerechtfertigt nach⸗ zuweisen sich bemüht, so würden sie wicht der Geschlossen⸗ heit und Einheit der Partei dienen, sondern die verhängnis⸗ vollste Parteizerrüttung fördern. Sie würden der Gruppe Lieb⸗ knecht, Radek, Borchardt bei ihrem auf die Parteispaltung gerichteten Treiben geradezu Schrittmacherdienste leisten. Kein Zweifel, die Partei ist ein starker widerstandsfähiger Organismus, aber die von Kautsky empfohlene Dokkor⸗Eisenbart⸗ Kur zur Behebung eines vorübergehenden Leidens scheint mir doch über ihre Kraft zu gehen. Durch Anwendung dieser Kur würde die Partei nicht die Freiheit der Meinungsäußerung erlangen und die auseinanderstrebenden Elemente zusammenfshren, sondern einen Keil in ihre Organisation treiben, der den Riß, der unglücklicherweise jetzt durch sie geht, nur erweitern müßte. Die Parteispaltung wäre die umausbleibliche Folge. * 8 1* Die russische Hilfe. Französische Blätter veröffentlichen Informationen aus Rom, wonach man dort mit dem baldigen Auftreten der an der rumänischen Grenze versammelten russischen Armee, die auf mehrere hunderttausend Mann beziffert wird, rechnet. Größerer Optimismus herrsche jetzt auch hinsichtlich der Möglichkeit, daß Rumänien nicht nur den russischen Durchmarsch dulden, sondern selbst auf Seiten der Entente aktiv eingreifen werde. Wenn Rußland ernstlich daran dächte, einen verspäte⸗ ten Hilfezug für Serbien zu unternehmen, so würde es ge⸗ wiß die Vorbereitungen dazu geheimzuhalten suchen. Man will offenbar die Rumänen und Griechen bluffen. * Teile in der Partei mehr oder weniger in der freien Meinungs⸗ äußerung beschränkt. Die Rücksicht auf die Situation, in der sich Deutschland infolge des Krieges befindet, wie die Zensur setzen den Vertretern der Fraktionsmehrheit ebenso wie der Opposition in der freien Vertretung und erschöpsenden Begründung ihres Stand⸗ punkts gewisse Schranken. Freilich ist nicht zu bestreiten, daß die Opposition unter der Zensur stärker leidet, aber es geht nicht an, sie als völlig mundtot hinzustellen und den Anhängern der Fraktionsmehrheit die größte Freiheit der Meinuugsänßerung an⸗ zudichten. Die angeblich mundtote Opposition hat doch in den ver⸗ flossenen Kriegsmonaten mit ihrer Meinung wahrlich nicht hinter dem Berge gehalten. Man sche sich daraufhin nur eimmal die Neue Zeit an. Beim flüchtigen Durchlesen der letzten 21 Hefte zähle ich. Fortsetzungen einzeln gezählt, etwa 46 Artikel, die mehr oder weniger zum Kriege Stellung nehmen, von Anhängern der„mund⸗ toten“ Opposition und nur 14 Artikel von Anhängern der Fraktions⸗ mehrheit, wobei ich die wirtschastlichen Uebersichten von Cunow in der letztern Gruppe schon mitgezählt habe. Also so ganz mund⸗ tot ist doch die Opposition nicht. Vielmehr ist es Tatsache, und das muß auch Kautsky wissen, daß die Vertreter der Fraktions⸗ minderheit in zahllosen Versannmmlungen und Sitzungen ihren Standpunkt erschöpfend dargelegt haben, oft sogar unter fehr un⸗ schönen und vergiftenden persönlichen Ausfällen gegen die Vertreter der Mehrheit Auch haben sie in zahlreichen Schriften ihre Meinung rückhaltlos vertreten, Schriften, denen sie die weiteste Verbreitung in Parteikreisen zu geben wußten. Vor kurzem erst sind mir zwei solcher Schriftchen als„Manuskript zur Information“ gedruckt zu Gesicht gekommen, die dem Genossen Kautsky sicher nicht unbekannt geblieben sein können. 1. 5 Gewiß, Beschränkungen bestehen, und die Partei kämpft ja auch fortdauernd einmütig gegen die politische Zensur und die Unterbindung des Versammlüngslebens an. Sicher wäre die volle Freiheit der Meinungsäußerung, die jetzt weder für die Minder⸗ heit noch für die Mehrheit besteht, allen Teilen in der Partei erwünscht. Sie würde eine Klärung der Anschauungen wesentlich erleichtern und dem parteizerrüttenden Treiben in Konventikeln und der Verbreitung verunglimnpfender Pamphlete, die das Parteileben vergiften, den Boden entziehen. Jedenfalls ist es aber eine irreführende Uebertreibung, wenn behauptet wird, dadurch, daß die Fraktionsdisziplin der Minder⸗ heit verbietet, im Reichstag zu reden, werde diese nun verhindert, D. n. Czernowitz, 30. Nov. Flüchtlinge, die Gelegenheit hatten, dem Zaren-Besuch in Südbessarabien beizuwohnen, erzählen von furchtbaren Versolgungen und Dranasalierungen, denen die Be⸗ völkerung von seiten der Polizei durch die zur Sicherheit des Zaren getroffenen Maßnahmen ausgesetzt war. Die Absperrung war äußerst streng, nur besonders Bevorzugte wurden vorgelassen. Zahlreiche Sicherheitsinternierungen fanden statt. Es durften nicht sämtliche Truppen, sondern nur bevorzugte durch Kaisertreue bewährte, defilieren. Ein Abkommen über Albanien. Die Neue Zürcher Ztg. meldet aus Haag: Die Stim⸗ mung in London bleibt gedrückt, da die Meinung vorherrscht, daß zwischen Griechenland, Bulgarien und den Mittelmächten ein Abkom u en As- banien bestehe. 2 T. U. Paris, 30. Nov. Das Petit Journal erfährt ous Rom, daß der deutsch⸗österreichisch⸗bulgarische Vormarsch auf Albanien in römischen, politischen Kreisen große Besorgnis hervorruft. Man er⸗ klärt, daß ernste Ereignisse, die das Interesse Italiens gefährden. bevorstehen. Die Deutschen und Oesterreicher hätten es auf ganz Montenegro und Albanien abgesehen. Ihr Vormarsch bedrohe selbst die untere Adria und Valona. zie Eröffaung des italienischen Parlaments. Das italienische Parlament wird am 1. Dezember nach fast siebenmonatlicher Vertagung wieder zusammentreten. Dem Corriere zufolge hat Salandra gestern an die Abgeordneten die teilweise unter den Waffen stehen, folgendes gedrahtet: Ernst der augenblick⸗ lichen Lage berechtigt mich, die Kollegen zu bitten, an allen Sitzungen der Kammer teilzunehmen. Gestern ver— einigte sich in Monte Eittorio eine Gruppe offizieller Sozialisten, die den Abgeordneten Treves damit be— auftragte, auf die Mitteilung der Regierung zu antworten. Die sozialdemokratische Fraktion wird außerdem an den De Der batten über die wirtschaftlichen und finanziellen Maßnahmen sowie über die Einschränkung der persönlichen Freiheit teil⸗ nehmen.— Der Secolo versichert, die Kammer werde nur einige Tage verhandeln. Die Blätter stellen ein⸗ stimmig fest, daß der Wiedereröffnung der beiden Kammern allgemein mit Gelassenheit entgegengesehen werde.— Die Tribuna sagt: Die Regierungserklärungen werden nicht so sebr erwartet, um über die in der Kammer einzunehmende Haltung zu entscheiden, als vielmehr, um eine Bestätigung oder Absage von Hypothesen zu erhalten, die sich über die Aktionen Italiens und das Werk der Regierung den einen oder anderen Sinn gebildet haben. Die Regierung spricht nicht für das Parlament, sondern für das Land. Die Krieesgewinnstener vor dem Reichstage. Die gestrige kurze Eröffnungssitzung des Reichstages war, so⸗ weit ihr Juhalt nicht nur aus Formalien und aus der Eröffnungs⸗ node des Präsidenten Kämpf bestand, nur einem einzigen wichtigen Gegeustaud der Gesetzgebung gewidmet und zwar der kommenden Kriogsgewinnsteuer. Die Regierung hat bekanntlich dem Reichs⸗ tage zwei Vorlagen unterbreitet, wovon die eine alle Erwerbs⸗ gefelschaften verpflichten will, 50 Prozent ihrer Kriegsgewinne zur Sicherung der künftigen Sonderbesteuerung zurück⸗ zulegen, die andere die Heranziehung der deutschen Reichsbank zur Kriegsgewinnsteuer festsetzt. Der Reichsschatz⸗ sekretär Dr. Helfferich begründete beide Vorlagen sehr gehend, was ihm allerdings umso leichter wurde, als in dieser Frage eine Differenz unter den Parteien nur über das Maß der Besteuerung, aber nicht über ihre Notwendigkeit an sich besteht. Der Reichsschatzsekretär legte auch das Hauptgewicht auf den Grund⸗ satz, daß jeglicher Vermögenszuwachs in diesen Kriegszeiten erfaßt werden müsse. Das Gesetz soll daher an die bestehende Reichsbesttz⸗ steuer(Vermögenszuwachssteuer) vom 3. Juli 1913 angegliedert werden. Auf diese Weise werden ni zur die Gewinne aus un⸗ mittelbaren oder mittelbaren Kriegslieferungen, sowie die mit einer sonstigen durch den Krieg geschaffenen günstigen Konjunktur zusammenhängenden Gewinne getroffen, sondern es wird auch darüber hinaus die Forderung verwirklicht, daß, wie der Reichs⸗ schatzsekretär wiederholte, jeder der in dieser die Vermöge iSverhält⸗ nisse des weitaus größten Teiles des deutschen Volkes beein⸗ trächtigenden Kriegszeit in der Lage ist, sein Vermögen zu ver⸗ mehren, einen ansehnlichen Teil dieses Zuwachses dem Vaterlande zu opfern verpflichtet ist. Die in Aussicht genommene Kriegsgewinnsteuer, oder besser Krigesvermögenszuwachssteuer, wird auf dieser Grundlage den in der Zeit vom 1. 1. 14 bis 31. 12. 16 entstandenen Vermögenszuwachs erfassen, soweit er nicht aus Erbschaften oder diesen gleichzustellenden Erwerbsfällen herrührt. Dieser Zeitraum von drei Jahren ist nach Ansicht der Reichsregierung notwendig, um den Ausgleich von Gewinn und Verlust rechnerisch zu erfassen, da in vielen Fällen einem Vermögenszuwachs sicherlich auch ein Vermögensaussfall gegenüberstehen kann. Wir wissen, daß in der Tat die Kriegs⸗ konjunktur nicht einheitlich war und daß viele Gewerbe und be⸗ sonders kleinere Betriebe und kleinere Leute in den ersten Zeiten des Krieges weit mehr verloren haben, als sie in der späteren Zeit wiedergewinnen konnten. Das Wesentliche bleibt eben, daß der wirkliche Gewinn gründlich erfaßt wird. Die Sozialdemokratie wird nichts dagegen haben, daß die Steuer auf eine möglichst ge⸗ rechte Basis gestellt wird, denn die Steuer soll auch in diesem Falle keine Strafe sein, sondern ein gerechter Ausgleich von Vermögens⸗ vorteilen des Einzelnen gegen Interessen der Gesamtheit. Darin allerdings stimmen wir mit dem Reichsschatzsekretär durchaus nicht überein, daß er die Steuerpflicht auf das moralische Gebiet schiebt. Er sprach von einer Ehrenpflicht der Kriegsgewinn⸗ steuer, was den Schluß zuläßt, daß er, der doch aus der Hochfinanz stammt, noch immer nicht der Ueberzeugung ist, daß in allen Geld⸗ fragen innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise nicht nur die Gemütlichkeit, sondern auch die Moral und vieles andere auf⸗ hört! Wir glauben auch nicht, daß der Staatssekretär, wenn er die Steuer allein durch die Ehrenpflicht eintreiben und nicht auf den Staatszwang zurückgreifen wollte, große Erträge einheimsen würde. Aber es soll uns weniger auf die Motive und auf die Begründung der Steuer als auf sie selbst ankommen. Die Rede des Schatzsekretärs berührte schließlich auch die Ar- beiterinteressen, indem er darauf Gewicht legte, daß den Unter⸗ nehmern nicht soviel weggesteuert werden dürfe, daß sie etwa ihre Betriebe nicht weiter führen könnten. So richtig das ist, so sicher gibt es doch einen Weg, der weit direkter die Arbeiter vor den schweren Schädigungen des Krieges bewahren helfen kann: billigere Lebensmittel und stärkeren Arbeiterschutz. Diese Aufgaben gehören freilich nicht in das Ressort des Herrn Helfferich, sondern in das des Reichsamts des Innern, und darüber wird sich unsere Fraktion e 5 e im weiteren Verlauf der Tagung mit Herrn Dr. Delbrück eingehend zu unterhalten haben. Der Seniorenkonvent des Reichstags. entschied am Dienstag über die Behandlung der Vorlagen für den Reichstag. Er beschloß, die Gesetzesvorlage über die Altersrente sowie die Vorlage über die vorbereitenden Maßnahmen zur Besteuerung der Kriegsgewinne auf die Dienstagstagesordnung zu setzen, damit die Vorlagen dann an die Budgetkommission verwiesen werden können. Außer⸗ dem ging dem Reichstag eine Vorlage zu über die Kriegs⸗ abgabe der Reichsbank, eine Resolution Albrecht und Gen. über die Abänderung des Gesetzes über die Unterstütz⸗ ung der Familien in den Dienst eingetretener Mann⸗ schaften vom 28. Februar 1888. Ferner ist eine Reihe von Petitionen eingegangen; dazu kommt noch eine Inter⸗ pellation der sozialdemokratischen Frak⸗ tion über die Frieden sfrage. Eine besondere Kommission ist für die gesamten Vorlagen nicht gewünscht worden, weil die Angelegenheiten alle im Zusammenhang mit den Fragen stehen, die in der Budgetkommission zu ver⸗ handeln sind. Weiter wurde bestimmt, daß nur heute, Dienstag eine Plenarsitzung stattfindet, daß dann die Bud⸗ getkommission arbeitet und die nächste Plenan g am 9. Dezember abgehalten wird. Höchstpreis⸗Spekulation. In Blättern der rechtsstehenden Parteien wird seit einigen Tagen mit einer starken Rücksichtslosigkeit, um kein schärferes Wort zu gebrauchen, versucht, die Reichsregierung dafür zu gewinnen, die Hüchstpreise für Schweinefleisch und damit schließlich auch für an⸗ dere Fleischarten heraufzusetzen. Man erkühnt sich, zu behaupten, daß die Höchstpreise für Schweinefleisch den Interessen des Flei⸗ schergewerbes nicht gerecht würden, und daß dadurch die unhaltbare Situation auf dem Fleischmarkte entstanden wäre, die wir gegen⸗ wärtig erleben. Das Reichsamt des Innern beeilt sich nun zwar, dieser durchsichtigen Agitation für Erhöhung der Fleischpreise sofort entgegenzutreten und zu erklären, daß die gegenwärtigen Höchst⸗ preise für Schweinefleisch noch viel zu kurze Zeit be⸗ ständen, um ein abschließendes Urteil über ihre Höhe zu haben. Es wird auch angedeutet, daß die Reichsregierung nicht daran denke, der Aufforderung der rechtsstehenden Blätter zu folgen. Wir befürchten indessen, daß trotz dieser Erklärung der Reichsregierung die Erörterungen in der konservativen Presse schon die Wirkung haben werden, daß Schweinefleisch noch mehr zurückge⸗ halten wird, als bisher schon, nicht nur von den Fleischern, die es auf Dauerware verarbeiten werden, sondern vor allem auch von den Viehzüchtern, die jede Andeutung von Möglichkeiten, die Höchst⸗ preise weiter zu erhöhen, für ihren Profit natürlich sofort spekula⸗ tiv auszunützen trachten. Es wird unseres Erachtens daher eine noch viel unzweideutigere Erklärung der Reichs⸗ regierung notwendig sein, um sede weitere Höchsipreisspeku⸗ lation gründlich auszuscheiden. Die gegenwärtige Reichskags⸗ tagung bietet der Reichsregierung dazu die beste Gelegenheit. Die sozialdemokratische Fraktion wird sich sicher die Ge⸗ legenheit auch nicht entgehen lassen, dieser gemeingefährlichen Auf⸗ forderung der rechtsstehenden Presse die gebührende Ant⸗ mort zu geben, die nur darin bestehen kann, daß die Höchstpreise nicht erhöht, sondern im Gegenteil herahgesetzt werden müssen, und nicht nur für Schweinefleisch, sondern für alle notwen⸗ digen Lebensmittel. Aus dem fächsischen Landtag. In der Zweiten Kammer begann am 30. November die auf drei Tage berechnete Etatsberatung. Vor Eintritt in die Tagesordnung gab die sozialdemokratische Fraktion folgende Erklärung ab: In letzter Zeit sind wiederholt Anordnungen der Re— gierung zu unserer Kenntnis gekommen, durch die die freie Berichterstattung über die Verhandlungen des Land⸗ tags beschnitten und unter Umständen unterdrückt wird. Das Recht der Presse, über die Verhandlungen der Parla- mente frei zu berichten, ist festgestellt. Die Verhandlungen des Landtages sind laut§ 135 der Verfassungsurkunde für Sachsen grundsätzlich öffentlich, und die Freiheit der Bericht⸗ erstattung über seine Verhandlungen ist außerdem gesichert durch§ 12 des Reichsstrafgesetzbuches. Anordnungen der er⸗ wähnten Art sind mithin Eingriffe in die gesetz- und ver⸗ 8 r— nnn fassungsmäßigen festgesetzten Staatsbürgerrechte; si im besonderen auch die Rechte des Landtags, seir 0 an einer ungeschmälerten Berichterstattung über seine handlungen. Die sozialdemokratische Fraktion macht d den Herren Präsidenten auf die Anordnungen der Regi aufmerkam und legt ihrereits scharfe Verwahrung ge sie ein. 8 Der Präsident erklärte, sich wegen der Sache mit der Re. gierung ins Einvernehmen setzen zu wollen. Damit war die Erklärung vorläufig erledigt. 1 Vor Eintritt in die Tagesordnung verlangte die sozial⸗ demokratische Fraktion ferner, daß ihre beiden Anträge gen der Kriegsfürsorge und Erwerbslosen⸗ fürsorge, die gegen ihren Willen auf die Tagesordnung gesetzt wurden, abgesetzt werden. Die Freisinnigen er⸗ klärten sich einverstanden mit dem Vorschlag, während die Konservativen und Nationalliberalen dagegen sich erklä Der sozialdemokratische Antrag wurde schließlich gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Freisinnigen abge⸗ lehnt. Darauf hat die sozialdemokratische Fraktion b. schlossen, die vereinbarte Kontingentierung der Redner un⸗ beachtet zu lassen. f. 1 Die siegreiche Entscheidungsschlacht in Serbien W. T. Sofia, 1. Dez.(Nichtamtlich.) Vulgarischer Generalstabsbericht vom 29. November. Heute mittag haben unsere Truppen nach kurzem Kampfe von entscheidender B deutung die Stadt Prizren genommen. 17000 Gefang wurden gemacht, 50 Feldgeschütze und Haubitzen, 20 000 Ge⸗ wehre, 148 Automobile und eine Menge Kriegsmaterial er. beutet. Die Zahl der Gefangenen wächst unaufhörlich. König Peter und der russische Gesandte, Fürst Trubetzkoi, sind a 28. November nachmittags ohne Begleitung mit unbekannt Ziele dasongeritten. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird die Schlacht von Prizren, in der der letzte Rest der serbischen Armee gefangen genommen wurde, das Ende des Feldzug gegen Serbien bedeuten. f Sozialdemokratische f Friedensinterpellation im Reichstage. Die sozialdemokratische Fraktion hat beschlossen, im Reichstag folgende Interpellation einzubringen:„Ist der Herr Reichskanzler bereit, Auskunft darüber zu geben, unte welchen Bedingungen er geneigt ist, i Friedensverhandlun geu einzutreten?“ Die Juterpellation wird Genosse Scheidemann begründen, Genosse Landsberg wurde zum Redner für die Debatte bestimmt. Ein weitergehender Antrag, in dem von der Re⸗ gerung eine noch bestimmtere Festlegung ihrer Friedens bedingungen verlangt wurde, war nur mit geringer Majori⸗ tät, nämlich mit 58 gegen 43 Stimmen, abgelehnt worden. Monastir vor dem Fall. T. U. Paris, 1. Dez. Aus Saloniki wird gemeldet, daß die bulgarische Offensive gegen Monastir in den letzten Tagen große Fortschritte gemacht hat. Die Serben waren ge⸗ zwungen, vor Kruschewo eine Schlacht anzunehmen, welche für sie einen ungünstigen Verlauf nahm. Die Bulgaren zogen in Kruschewo ein und bleiben in der Verfolgung der Serben. Monastirx wurde bereits geräumt. Der Verkehr Monastir— Saloniki ist unterbrochen und man erwartet stündlich den Fall Monastirs. 1 N ö ö T. U. Paris, 1. Dez. Dem Temps zufolge erklärte der Sokretär des serbischen Auswärtigen Amtes, Georgewitsch, daß die Deutschen in den besetzten Gebieten Serbiens korrekl handeln, Lebensmittel an die arme Bevölkerung verteilen und alle Requisitionen bezahlen. Barfüßele. 1 Eine Schwarzwälder Dorfgeschichte von Berthold Auerbach. Als bald darauf Dami kam und die Abreise des Oheims erfuhr, wollte er ihm nachrennen, und selbst Amrei war ent— schlossen dazu, aber sie bezwang sich wieder, dem nicht nach— zugegeben. Sie redete und tat, als ob jemand ihr jedes Wort und jede Regung befohlen hätte, und doch schweiften ihre Gedanken die Wege nach, die jetzt der Ohm ging. Sie ging mit ihrem Bruder Hand in Hand durch das Dorf und nickte allen Leuten zu, die ihr begegneten. Sie war jetzt erst wie— der zu allen zurückgekehrt. Man hatte sie ja fortreißen wollen und sie meinte, alle anderen müßten ebenso froh sein wie sie selber; aber sie merkte bald, daß man sie nicht nur gern gehen ließ, sondern daß man ihr sogar zürnte, weil sie nicht gegangen war. Der Krappenzacher machte ihr die Augen auf, indem er sagte:„Ja, Kind, du hast einen Trotzkopf, und das ganze Dorf ist dir bös, weil du dein Glück mit Füßen von dir ge— stoßen hast. Wer weiß, ob's ein Glück gewesen wär', aber sie nennen's jetzt so, und wer dich ansieht, rechnet dir vor, was du alles aus der Gemeinde hast. Darum mach', daß du bald aus dem öffentlichen Almosen kommst.“ „Ja, was soll ich machen?“ „Die Rodelbäuerin möchte dich gern in Dienst nehmen, aber der Bauer will nicht.“ Amrei mochte fühlen, daß sie sich fortan doppelt tapfer halten müsse, damit sie kein Vorwurf treffe, weder von sich noch von anderen, und sie fragte daher abermals:„Wisset Ihr den gar nichts?“ „Freilich, du mußt dich nur vor nichts scheuen als vorm Betteln. Hast denn nicht gehört, daß der närrische Fridolin gestern der Kirchbäuerin zwei Gänse totgeschlagen hat? Der Ganshirtendienst ist nun leer, und ich rate dir, nimm du ihn.“ Das war nun bald geschehen, und am Mittag trieb Amrei die Gänse auf den Holderwasen, wie man den Weide— platz auf der kleinen Anhöhe beim Hungerbrunnen nannte. Dami half der Schwester getreulich dabei. Die schwarze Marann war indes sehr unzufrieden mit dieser neuen Bedienstung und behauptete, wohl nicht mit Un⸗ recht:„Es geht einem sein Leben lang nach, wenn man so einen Dienst gehabt hat! die Leut' vergessen's einem nie und sehen einen immer darauf an, und es besinnt sich jedes, dich einmal in den Dienst zu nehmen, weil es heißen wird: das ist ja die Gänsehirtin; und wenn man dich auch aus Barm⸗ herzigkeit nimmt, kriegst du schlechten Lohn und schlechte Be⸗ handlung, da heißt es immer: das ist gut genug für die Gänsehirtin.“ „Das wird nicht so arg sein,“ erwiderte Amrei,„und Ihr habt mir ja viel hundert Geschichten erzählt, wie eine Gänsehirtin Königin geworden ist.“ Das war in alten Zeiten. Aber wer weiß, du bist noch von der alten Welt; manchmal ist mir's gar nicht, als wärst du ein Kind; wer weiß, du alte Seele, vielleicht geschieht dir noch ein Wunder.“ Der Hinweis, daß sie noch nicht auf der untersten Stufe der Ehrenleiter gestanden, sondern daß es noch etwas gebe, wodurch sie herabsteige, machte Amrei plötzlich stutzig. Für sich selber eroberte sie nichts weiter daraus, aber sie duldete es fortan nicht mehr, daß Dami mit ihr die Gänse hütete. Er war ein Mann, er sollte einer werden, und ihm konnte es schaden, wenn man ihm einst nachsagte, daß er vormals die Gänse gehütet habe. Aber mit allem Eifer konnte sie ihm das nicht klarmachen, und er trotzte mit ihr; denn so ist es immer: gerade an dem Punkte, wo das Verständnis aufhört, beginnt eine innere Verdrossenheit. Die innere Unmacht über— setzt sich in äußeres Unrecht und erfahrene Kränkung. Amrei freute sich fast, daß Dami viele Tage so bös mit ihr sein konnte; er lernte doch jetzt an ihr sich gegen die Welt zu stemmen und auch seinen eigenen Willen zu behaupten. Dami bekam indes auch bald ein Amt. Er wurde von seinem Pfleger, dem Rodelbauer, als Vogelscheuche benutzt; er durfte im Baumgarten des Rodelbauern den ganzen Tag die Rassel drehen, um die Sperlinge von den Frühkirschen und aus den Salatbeeten zu verscheuchen, aber er gab das Amt, das ihn anfangs als Spiel vergnügt hatte, bald wieder auf.— Es war ein fröhliches, aber auch ein mühsames Amt, das daß sie nichts zu machen wußte, wodurch sie die Tiere an sich fesselte. Ja, sie waren kaum von einander zu unterscheiden. Und es war nicht uneben, was ihr einst die schwarze Marann, als sie aus dem Moosbrunnenwalde kam, darüber sagte: Die Tiere, die in Herden leben, sind jedes für sich allein dumm. „Und ich mein' auch,“ setzte Amrei fort,„die Gänse sind deswegen dumm, weil sie zu vielerlei können: sie können schwimmen und laufen und fliegen, sind aber nicht im Wasser nicht auf dem Boden und nicht in der Luft recht daheim das macht sie dumm.“ 1 „Ich bleib' dabei,“ entgegnete die schwarze Marann,„in 1 dir steckt noch ein alter Einsiedel.“ In der Tat bildete sich auch ein einsiedlerisches Träumen in Amrei aus, seltsam durchzogen von allerlei heller Leben ⸗ berechnung. Wie sie bei allem Träumen und Betrachten emsig fortstrickte und keine Masche fallen ließ, und wie hien an der Ecke beim Holzbirnenbaum der betäubende Nacht⸗ schatten und die erfrischende Erdbeere so nahe beieinander wachsen, daß sie fast aus derselben Wurzel zu sprossen schei⸗ nen, so war klares Ausschauen und träumerisches Hindäm⸗ mern in der Seele des Kindes nahe beieinander. 1 Der Holderwasen war kein einsam abgelegener Platz, den die stille Märchenwelt, daraus es glimmt und glitzert, gern heimsucht. Mitten durch den Holderwasen führte ein Jeld. weg nach Endringen, und nicht weit davon standen die ver⸗ schiedenfarbigen Grenzpfähle mit den Wappenschildern zweser Herren, deren Länder hier aneinander stießen. 5 Mit Ackerfuhrwerk allerlei Art zogen hier die Bauen vorüber, und Männer, Frauen und Mädchen gingen hin und her, mit Hacke, Sense und Sichel. Die Landjäger der beiden Länder kamen auch oft vorüber, und der Flintenlauf glitzerte von fernher und noch weit nach. Ja Amrei wurde fast imme vom Endringer Landjäger begrüßt, wenn sie am Wege saß, und sie sollte manchmal Auskunft geben, ob nicht dieser oder jener hier vorbeigekommen war; aber sie wußte nie Bescheid, vielleicht auch verhehlte sie ihn aus jener inneren Abneigung des Volkes und besonders der Dorfkinder, die die Landlägen für allzeit gewaffnete Feinde der Menschheit halten, so da umgehen und suchen, wen sie verschlingen. 28 Amrei übernommen hatte, besonders war es ihr oft schwer, (Fortsetzung folgt.) l Die Handlungsweise der Deutschen in Serbien. 8 gehe Leo bei, dell will fehl und trie mac elle Ele al! lei Seil Wil dire tig wir bie, erbia lärte E gewid“ i kor Heß en und Nachbargeb ite. Gießen und Umgebung. Ueber die Wirkung der fleisch⸗ und settlosen Tage gehen die Ansichten weit auseinander. Während von ein; Beobachtern behauptet wird, daß die Maßregel ein 8 A sei, weil die Familien den Bedarf an Fleisch und 5 0 decken, damit sie in gewohnter Weise weiter 1455 e wird von anderer Seite das Gegenteil behauptet S steht von vornherein fest, daß das Einschränken des 1 5 und Fottgebrauchs in Gasthäusern, Speisewirts after 1 5 triebskantinen usw. unbedingt einen merklichen Eindruc machen muß, falls auch in den privaten Haushaltunger 10 elte Lebensweise sortgesetzt werden sollte. Der 4 1 Steinborn in Berlin⸗Wilmersdorf hat Gelegenheit chabt au der Hand einer genau geführten Statistik den Einfluß d 5 sleisch. und fettlosen Tage auf den Verzehr zu N Seiner Angabe nach wies die städtische Fleischhalle Berlin Wilmersdorf, die seit Januar 1913 an jedermann, aber nur direkt au Konsumenten, Fleisch aller Sorten verkauft un täglich don mehreren tausend Käufern aller Stände aufgesucht wird(1915 bis Oktober 541 500 Personer), schon in den ersten beiden Wochen der fleischlosen Tage einen Umsatzrück⸗ gang von 26,6 Prozent gegenüber den beiden vorherge— gangenen Wochen auf, während die Kopfquote des einzelnen Käufers ungefähr dieselbe blieb. Daraus erhellt, daß sich Taufende Einfichtiger des Fleischgenusses an einigen Tagen der Woche enthalten. Interessant ist nun, zu beobachten, wie in demselben Verhältnis, in dem der Konsum im War blüterfleisch zurückgeht, derjenige im Kaltblüterfleisch steigt ja, darüber hinausgeht. Die städt. Fischhalle in Wilmersdorf, die, wie die Fleischhalle, täglich an Tausende aller Stände, aber wiederum nur direkt an Konsumenten verkauft, weist in den ersten beiden Wochen der fleischlosen Tage einen Mehrumsatz von 32,09 Prozent auf gegenüber dem in den beiden unmittelbar vorhergegangenen Wochen. Die Kopfquote des einzelnen Käufers steigt hier von 44,8 auf 82,2 Prozent in den Wochen der fleischlosen Tage, während die Verkaufspreise ungefähr die gleichen blieben. Diese an und für sich erfreuliche Tatsache birgt aber den großen Nachteil in sich, daß die Fischpreise schnell in die Höhe gehen. Aus diesem Grunde hat man die Festsetzung von Höchstpreisen gefordert. Ueberhaupt zeigt sich auch hier wieder, daß, wenn sich in der menschlichen Ernährung Ver— änderungen vollziehen, die betreffende Ware, die mehr als bisher verbraucht wird, infolge der vermehrten Nachfrage sofort im Preise steigt. So befinden sich denn die Kon⸗ sumenten in einer richtigen Zwickmühle. Hier hilft, solange nicht eine Vergesellschaftung unseres gesamten Wirtschafts⸗ lebens durchgeführt ist, nichts anderes, als die Organisierung der Güterverteilung und der Uebergang zur genossenschaft⸗ lichen Eigenproduktion, wie dies die Konsumvereine an⸗ streben. Höchstpreise für Leder und Beschlagnahme bestimmter Ledersorten. Gleichzeitig mit der Bekanntmachung, die die Höchstpreise für Großviehhäute und Kalbfelle regelt, tritt am 1. Dezember 1915 eine weitere Bekanntmachung in Kraft, die Höchstpreise für Leder festsetzt und eine Beschlagnahme bestimmter für Militärzwecke zu verwendender Sorten aus⸗ Apricht. Die Höchstpreise betreffen Leder jeder Herkunft, jeder Gerbart und jeder Zurichtungsart. Eine Preistafel verzeich⸗ net die Preise für die einzelnen Arten und Sorten von Leder. Der Verkaufspreis im Großhandel darf den festgesetzten Grundpreis um nicht mehr als 3 v. H., der Verkaufspreis im Kleinhandel um nicht mehr als 10 v. H. überschreiten. Die sestgesetzten Preise sind für Leder von bester Beschaffenheit angenommen.— Beschlagnahmt sind bestimmte Lederarten, soweit sie sich im Eigentum, Besitz oder Gewahrsam einer Gerberei, Zurichterei oder Gerbervereinigung befinden. Die Veräußerung und Ablieferung derartigen beschlagnahmten Leders ist nur auf unmittelbaren schriftlichen Antrag einer amtlichen Beschaffungsstelle der Heeres⸗ oder Marineverwal⸗ tung oder auf Grund eines von der Meldestelle der Kriegs⸗ rohstoff-Abteilung für Leder und Lederrohstoffe ausgestellten Freigabescheins erlaubt. Alle übrigen Ledersorten unter⸗ liegen keiner Verfügungsbeschränkung. — Butterpreise. In Bezug auf Regelung der Butter⸗ preise herrscht jetzt ein ziemliches Durcheinander. Es sei des⸗ halb darauf nochmals hingewiesen, daß für Gießen noch im⸗ mer die vor einiger Zeit vom Sberbürgermeister festgesetzten Höchstpreise gelten, nämlich 220 Mk. für Süßrahmbutter und 1.90 Mk. für Landbutter. Wer höhere Preise fordert, nimmt oder bezahlt, verfällt in Strafe.„ — Lebensmittel-⸗Versorgnug. Wie wir höxen, wird die Stadt Gießen in nächster Zeit ein Quantum Reis— etwa 200 Zentner— zum Verkauf bringen, auch ein Posten Seife soll zu einem verhältnismäßig billigen Preise abgegeben wer⸗ den. Ferner etwas Gries. Der Verkauf soll nur an Minder⸗ bemittelte erfolgen. 5 — Gegen Erhöhung der Bierpreis sich lommando des 11. Armeekorps in Kassel mit einem Verbote gewendet. Der dortige Konsumenten-Ausschuß hatte gegen die neue Vierpreiserhöhung Einspruch erhoben, worauf das Generalkommando den Brauereien untersagte, den Bierpreis zu erhöhen. Allerdings machen diese ohnehin ganz erkleck⸗ liche Gewinne. — Die neue Bahnlinie nach Sie gen⸗Ost wird heute de nachdem die Strecke schon seit etwa benutzt wird. Durch die neue, Strecke wird der Weg zwischen um etwa 22 Kilometer abgekürzt, w dorf vermieden wird. Es wird da e hat sich das General von Dillenburg⸗Haiger m Vollverkehr übergeben, 14 Tagen von Güterzügen etwa 36 Kilometer Gießen und Siegen⸗Hagen bessere Verbindung zwischen Frankfurt mit ö N rgestellt. 2 inge Ban dieser Strecke nicht ge⸗ hergestellt. Allerdings bot der W ringe Schwierigkeiten, es mußte unter lange eil der Umweg über Betz⸗ durch auch eine erheblich t mit dem Ruhrgebiet werden, der mit zu den Ueber Jahrpreisermäßigung für Kriegsbeschädigte bringt ber Verkehrsanzeiger der preußischen Staatsbahnverwaltung folgende neue Bestimmungen: Kriegsteilnehmer, die eine Verletzung oder dauernde Schädigung ihrer Gesundheit erlitten haben und in die Fürsorge einer öffentlichen oder behördlich anerkannten Organi⸗ sation für Kriegsbeschädigte aufgenommen sind, werden bei Reisen zur Behandlung durch Fachärzte sowie zur Unterbringung in Heil— oder Ausbildungsanstalten oder zum Besuch in Kurorten oder Aus⸗ bildungslehrgängen für Kriegsbeschädigte in der 2. und 3. Klasse zum halben Preise, in Schnellzügen außerdem gegen tarifmäßigen Zuschlag befördert, und zwar zur Hinfahrt von dem Wohnort oder Aufenthaltsort des Kriegsbeschädigten zum Facharzt, nach Heil⸗ und Ausbildungsanstalten usw., nötigenfalls vom Wohnort des Facharztes zur Weiterfahrt nach solchen, ferner zur Rückfahrt vom Facharzt, von Heil- und Ausbildungsanstalten usw. unmittelbar nach dem Wohn- oder Aufenthaltsort des Kriegsbeschädigten. Im Falle nochmaliger Untersuchung durch den Facharzt nach Aufent⸗ halt in Heil- und Ausbildungsanstalten auch zunächst nach dessen Wohnort. Sofern der Kriegsbeschädigte eines Begleiters bedarf, wird diesem für die Hin- und Rückfahrt die gleiche Ermäßigung gewährt. Die Fahrkarten zum halben Fahrpreis werden von den Fahrkartenausgaben auf Grund von Ausweisen nach vorge⸗ schriebenem Muster verabfolgt. In dringenden Fällen werden Ausweise anderer Art zugelassen. Bei Beförderung in besonderem Krankenabteil usw. wird die Fahrpreisermäßigung nicht gewährt. Eine angebrachte Warnung. Das Treiben der auf schwindel⸗ hafter Grundlage beruhenden Photovergr ößerungs⸗ und eperkleinerungsgeschäfte hat sich während des Krieges zu einer Ge⸗ fahr ausgewachsen. In Scharen überschwemmen, die Vertreter dieser„Kunstanstalten“, Männer und Frauen, das flache Land und suchen in betrügerischer Weise, insbesondere unter der Angabe, die Vergrößerung werde zu Reklamezwecken völlig umsonst hergestellt, die Angehörigen von im Felde stehenden und auch bereits gefallenen Kriegern zu unbedachten, über ihre Verhältnisse weit hinaus⸗ gehenden Bestellungen zu verleiten. Die geschäftsunkundigen Frauen fallen diesen Volksausbeutern in Massen zum Opfer. Sie unter⸗ schreiben unbedachterweise raffiniert abgefaßte Bestellscheine, ohne sie vorher durchgelesen zu haben, und verpflichten sich, die an sich wertlose Rohvergrößerung auch noch ausmalen und einrahmen zu lassen. Die Gesamtausgaben ffir ein fertig eingerahmtes Bild beziffern sich in der Regel auf über 20 Mark, eine Summe, die den wahren Wert des Bildes un verhältnismäßig übersteigt. Für die meist unbemittelten und minderbemittelten Besteller, insbesondere die alleinstehenden Frauen, bedeutet eine solche Ausgabe elne wesentliche Vermögensverfügung, zu der sie sich bei Kenntnis der wahren Sachlage nie verstehen würden. Um die unbarmherzig mit Klage und Anwalt drängende„Kunstanstalt“ zufriedenzustellen, werden die notwendigen, an sich durch die Teuerung schon sehr be⸗ schränkten Ausgaben für den Lebensunterhalt noch mehr einge⸗ schränkt. Die ganze Familie muß unter der unbedachten Bestellung leiden.— Die Bevölkerung kann vor der Aufgabe derartiger Be⸗ stellungen an Reisende nur dringend gewarnt werden; dringend gewarnt werden überhaupt vor dem Unterschreiben irgendwelcher Bestellzettel, deren Inhalt sie nicht genau Wort für Wort durch⸗ gelesen und verstanden haben. — Die kupfernen Waschkessel usw., welche beschlagnahmt wor⸗ den sind, brauchen erst bis 1. April mächsten Jahres abgeliefert zu werden. Hoffentlich sind sie bis dahin nicht mehr nötig! Das ganze Volk erwartet, daß viel früher mit dem Kriege Schluß ge⸗ macht wird. — Schweinefleischpreise in Frankfurt. Von den in Frankfurt festgosetzten Höchstpreisen für Schweinefleisch und Wurstwaren seien hier folgende angeführt: frisches, rohes Schweinefleisch mit einge⸗ wachsenen Knochen das Pfund 1,52 Mk., Kotelettze 1,70 Mk., Schulitzel, Frikando, Lendchen 2 Mk., gesalzenes Solberfleisch 1.70 Mk., gekochtes 2 Mk, geräucherter Knochen⸗Schinken 2 Mk., Schinken ohne Knochen 2,40 Mk., geräuchertes Dörrfleisch und Speck 2,10 Mk., ausgelassenes Fett(Schmalz) 2,20 Mk.— Wurst: Gelb⸗, Haus⸗ macherleberwurst, Preßkopf 1,75 Mk., Leber⸗ und Blutwurst 1,25 Mark, Leber⸗ und Blutwurst in breiten Därmen 1,45 Mk. Kopf und Schnauze und sogenannte„Haspel“ sind auf 70 Pfg. das Pfund festgefetzt.— Das sind Preise, welche die gering bemittelte Bevölbe⸗ rung nicht anlegen kann. In Gießen wird man's aber auch nicht billiger machen. — Von der Universität. Der Privatdozent der klassischen Philologie Dr. L. Hepding wurde zum außeretatsmäßigen a. o. Professor ernannt. Kreis Friedberg⸗Büdingen. c Schlagfertiger Pfarrer. Wegen Ueberschreitung des tigungsrechts wurde der Pfarrer von Ob erwöllsta bt zu Mark Geldstrafe verurteilt. Kreis Alsfeld⸗Lauterbach. = Kriegsopfer. Nicht weniger als 30 Mann sind bis setzt aus Schlitz im Kriege gefallen. Ferner werden noch 13 Vermißte gezählt, worunter sich einige befinden, von denen man seit langer Zeit nichts mehr gehört hat. Zwei befinden sich in russischer, einer in französischer Gefangenschaft. Kreis Wetzlar. n. Der Wetzlar⸗Braunfelser Konsumverein hält nächsten Sonn⸗ tag, nachmitags 3 Uhr, seine Generalversammlung im Hotel Kaltwasser ab. Die Verwaltung hat einen ausführlichen Be⸗ richt über das letzte Geschäftsjahr(das am 30. Juni schloß) er⸗ stattet; dieser ist den Mitgliedern gedruckt zugestellt. Daraus geht hervor, daß der Verein im verflossenen Jahre schlimme Zeiten durchzumachen hatte. Besonders hatte er unter Zlich⸗ 50 der Schwierigkeit der Warenbeschafsung zu leiden, da besonders von den Mehl⸗ lieferanten die schon vor Ausbruch des Krieges abgeschlossenen Lieferungsverträge nicht eingehalten wurden; dann aber ver⸗ die Lieferanten sofortige Barzahlung verlangten, ohne daß übliche Skonto gewährt wurden. Weiterhin wird den früheren beiden Vorstandsmitgliedern zur weitreichende zu haben waren, mäßig niedrige Preise bestände anzusammeln. dazu nicht die nötigen Geldmitte! vorhanden gewesen wären! ursacht, daß vom Personal nicht weniger als 15 Mann rufen wurden, für die nicht leicht Ersatz zu schaffen war. vier der besten Pferde wurden vom Militär weggenommen. Bericht hebt noch hervor, daß die zu Friedenszeiten Warenbestände nach Ausbruch des Krieges nicht dern die Verkaufspreise wurden entsprechend dem halten. Dadurch hatten die Mitglieder natürlich teile. Die verschiedenen ungünstigen Umstände, führt wurden, besonders aber auch noch die Tatsache, 50 000 Mk. vorhanden Mk. Verluste entstanden, nötigen dazu daß eine Rückvergütung in diesem Jahre nicht werden kann.— Die Bilanz verzeichnet in den Aktiven Grundbesitz 79 039 Mk., Betriebsbestände 22570 Mk., bestände 147 896 Mk., verfligbare Werte 42090 Mk., Forderungen 40971 Mk., angelegte Werte 29 964 Mk.— Aus deu Passiven se erwähnt: Mitglieder-Anteile, 111279 Mark, Spareinlagen usw Schuhwaren etwa 24000 an schärften die sprunghaften Preissteigerungen und der Umstand, daß das Last gelegt, daß sie es versäumt hätten, gleich nach Kriegsausbruch, als Waren noch für verhältnis⸗ Waren⸗ Es wird aber gleich auch hinzugefügt, daß Erhebliche Schwierigkeiten wurden dem Verein auch agen uur einbe⸗ Auch Der eingekauften 0 zu höheren Preisen verkauft wurden, wie. das im Handel überall geschah, son⸗ Einkauf ge⸗ erhebliche Vor- die hier kurz ange⸗ daß Außen⸗ stände(den Mitgliedern kreditierte Waren) in der Höhe von rund sind, auf die 10 000 Mk. abgeschrieben wer— den sollen; daß ferner bei dem Ausverkauf der Manufaktur⸗ und gewährt Waren⸗ 76 489 Mk., Hypotheken und Verbindlichkeiten rund 86 000. Mk., Re⸗ serven 87 776 Mk. Es verbleibt ein Reingewinn von 4710 Mk.— hältnisse bes Vereins sich in erfreulicher Weise zum Besseren gr stalten. Bemerkt sei noch, daß der Verein in früheren Jahren nicht weniger als 14000 Mk. jährlich Waren haussteuer zahlen mußte, was ihn natürlich furchtbar belastete. — Das Kontrollsystem in den Fabriken. hat die Frauenarbeit in der Industrie stark zugenommen. Die allgemein gefügige Arbeitskraft der Frau läßt aber eine Ver⸗ schlechterung der Arbeitsbedingungen befürchten, nicht allein in der Lohnhöhe, sondern auch in manchen anderen Betriebseinrichtungen⸗ Schon jetzt ist in manchen Fabriken zu beobachten, daß heute noch vielmehr als vor dem Krieg auf die vollständigste Ausnutzung ber Arbeitskraft gesehen wird. Vorhandene Kontrolleinrichtungen werden erweitert, neue Kontrolleure eingestellt und die Kontrolle selbst wird in einer Weise gehandhabt, wie nie zuvor. Bei Krupp in Essen werden die Frauen, von denen dort gegenwärtig zirkoe⸗ 7000 beschäftigt sind, an glatte Arbeiten gestellt und auf ihre Leist⸗ ungen derart kontrolliert, daß sie stellenweise mehr leisten, als bis⸗ her männliche Arbeiter. Daß diese Arbeitsweise von den Frauen Während des Krieges auf die Dauer mit gesundheitlichen Schädigungen bezahlt wird, unterliegt keinem Zweifel. Nach berühmten Mustern wird bet Krupp, wo jährlich sast 100 Millionen Mark Reingewinn erzielt werden, genau kontrolliert, welche Zeit die Frauen zum Besuch des — Aborts gebrauchen, die Kontrolleurin geht den Frauen zu diesem Zweck bis in den Abort nach.— Den Gewerkschaften ist das Ein⸗ dringen solcher Mißstände nicht unbekannt. Um aber auf gründ⸗ liche Abstellung zu dringen, müßten die Arbeiterinnen sich den ge⸗ werkschaftlichen Verbänden anschließen. Bei einem Vorgehen gegen solche Mißstände müßten die Gewerkschaftsleitungen, gewissermaßen. durch die organisterten Arbeiterinnen legitimiert, sich eben auf die Wünsche und Forderungen der gewerkschaftlich organisierten Ar⸗ beiterinnen des Betriebes stützen können. Westerwald und Unterlahn. n. Großfeuer in Nassau. Gestern, kurz vor Mitternacht, brach in dem Hotel Bellevue, das jetzt als Vereinslazarett benutzt wird, Feuer aus, das sich sehr schnell über die Haupte und Nebengebäude verbreitete. Das Nebengebäude ist fast gänzlich ausgebrannt, vom Hauptgebäude Dachstuhl und oberstes Stockwerk. Gegen 3 Uhr ge⸗ lang es, des Feuers Herr zu werden. Neunzehn Verwundcte, die jetzt dort untergebracht sind, konnten sich rechtzeitig retten. Von Nah und Fern. Der Sparkassenkrach von Heusenstamm. Am Montag standen die Schuldigen des Zusammenbruchs der Heusenstämmer Spar⸗ und Darlehnskasse vor der Darmstädter Strafkammer. Es sind dies der 41 Jahre alte Nabelfabrikant und 4 7 Rechner der Kaffe, Fr. G. Holzammer und der frühere orsitzende des Aufsichtsrats dieser Kasse, der jetzt 64 Jahre alte Landwirt G. A. Winter. Holzammer ist beschuldigt, den ihm von der Kasse als Mitinhaber einer Nadelfabrik eingeräumten Kredit um etwa 10 000 Mk. überschritten zu haben. Er hat weiter zur Peschaffung einer Bürgschaft die Unterschrift seines Schwagers Mayer gefälscht und hat sich weiter der Bilanzverschleierung fort⸗ gesetzt schuldig gemacht, indem er seinem Vorstand und Aussichts⸗ rat dauernd gefälschte Bilanzen vorlegte, in denen * ein Konto Winter mit etwa 35 000 Mk. geführt wurde, obwohl dies fast ganz wertlos war, und endlich hat er die Kasse dadurch geschädigt, daß er unbefugter Weise eine Bürgschaft der Familie Winter in Höhe von etwa 10000 Mk. ablöste. Der Angeklagte Winter soll bei der Bilanzverschleierung mitgewirkt und sich vor allem bei der Be⸗ freiung von der Bürgschaft gegen das Gesetz vergangen haben. Aus der Verhandlung und besonders aus dem Gutachten des Büchersach⸗ verständigen Zindorf ging hervor, daß die Seele der ganzen Tätig⸗ keit Holzammer war, allerdings die Unterschlagungen, die sein Vorgänger und Schwiegervater Wiemer schon gemacht, durch Bi⸗ lanzverschleierungen zu verdecken suchte. Was er dem Aussichtsrat vorlegte, wurde anstandslos unterschrieben. Beanstandungen der Repisoren blieben unbeachtet, und so kam es, daß die Kasse, die in⸗ zwischen aus dem Revisionsverbande ausgeschlossen wurde, zu⸗ sammenbrach und sich jetzt bei einer Unterbilanz von 107 000 Mk. in Liquidation befindet. H. hat das Geld teilweise zu Geschäfts⸗ zwecken verwendet, teilweise in leichtfertiger Weise Kredite einge⸗ räumt, die von seinem Schwiegervater übernommene Schuld ist durch die Zinsen usw. immer höher angewachsen. Im allgemeinen ist er geständig und sucht die Veranlassung vielfach auf Winter ab⸗ zuschieben. Der Angeklagte Winter dagegen hat sich angeblich ganz auf Holzammer verlassen. Er hat auch das Amt als Vorsitzender des Nufsichtsrats im Jahre 1889 übernommen, als sein Bruder in sehr schlechten Verhältnissen gestorben war, sodaß er auch an die Kasse über 30 000 Mk. nach seinem Tode schuldete. Das Urteil lautet gegen Holzammer wegen Vergehen gegen das Genossenschaftsgesetz(Kreditüberschreitung), Besreiung von der Bürgschaft, Bilanzverschleierung und Urkundenfälschung, auf 9 Monate Gefängnis und zweimal 300 Mk. Geldstrafe, Winter wird mit Rücksicht auf seine allgemeine Bildung von der Frage der Bilanzverschleierung freigesprochen, dagegen wegen Bürgschafts⸗ befreiung usw. zu 2 Monaten Gefängnis und 500 Mk. Geldstrafe verurteilt. Von der durch den Staatsanwalt beantragten so⸗ fortigen Verhaftung des Holzammer sah das Gericht ab, da keine Veranlassung hierzu vorliege. 5 Ein erblindeter Krieger von seinem Vater verstoßen. Ein er⸗ blindeter Soldat, geschmückt mit dem Eisernen Kreuz, geleitet von einem Schulknaben, kann, wie die Post berichtet, in den Straßen von Augsburg oft gesehen werden. Er ist der Sohn eines Bauern von Agawang bei Gessertshausen. Als er daheim erblindet ankam, wurde ihm buchstäblich die Tür gewiesen, da der Vater seinen Sohn nicht blind in den Krieg geschickt habe, man solle ihn nur in eine Anstalt aufnehmen. Der Soldat wurde von seiner verheirateten Schwester in Augsburg⸗Pfersee aufgenommen, hat beveits im Schreiben(Blindenschrift) gu Fortschritte gemacht unnd hat hat sich mit seinem Schicksal abgefunden. Jetzt aber hörte sein Vater, daß der Sohn Kriegsinvalidenpension e 1 möchte er den abgewiesenen Sohn wieder daheim baden. Anerdieten tete nun aber der Sohn. „ 1 7 1 Der Jahresbilanz ist noch eine Meter langer Tunnel durchschlagen längsten in Deutschland zählt. neuen Geschäftsjahre Binzugefligt, welche beweist, daß die Ver solche für das erste Vierteljahr des 2 Aungecbetigt bes Großen Hauptguartiers. * wiederholt heftig angegriffen. Diese Vorstöße des Feindes brachen teidigten Hochflächenrand zehn Kilometer nördlich von Plevlje. wirkt mit der bulgarischen Bewegung konzentrisch. So gelang Zwei feindliche Flugzeuge abgeschossen. Nachhutkämpfe in Serbien. W. B. Großes Hauptquartier, 1. Dez., vorm.(Amtlich.) 5 Westlicher Kriegsschauplatz Westlich von La Basce richtete eine umfangreiche Spreng⸗ ung unserer Truppen erheblichen Schaden in der englischen Stellung an. Ein englisches und ein französisches Flugzeug wurden ab⸗ geschossen, die Insassen sind gefangen genommen. Oestlicher Kriegsschauplaßtz. Keine wesentlichen Ereignisse. Balkan. An einigen Stellen der Front fanden erfolgreiche Kämpfe mit feindlichen Nachhuten statt. Bei Prizren nahmen die bulgarischen Truppen fünfzehn⸗ fausend Serben gefangen und erbeuteten viele Gebirgsge— schütze und sonstiges Kriegsgerät. Oberste Heeresleitung. * Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Dic österreich⸗ungarisch November⸗Beute. Wien, 1. Dez.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: 1. Dezember 1915. Russischer Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse. Bei den dem österreichisch⸗ungarischen Oberbefehl unterstehenden verbündeten Streitkräften der Nordostfront wurden im Monat November an Gefangenen und Beute 78 Offiziere, 12 000 Mann und 32 Maschinengewehre eingebracht. Italienischer Kriegsschauplaß. Der gestrige Tag verlief an der Jsonzofront meinen ruhiger. Nur der Brückenkopf von Tolmein im allge⸗ wurde in unserem Feuer zusammen. Heute nacht setzte starkes Artilleriefener gegen den Nordhang des Monte San Michele ein. Gleichzeitig griffen die Italiener den Gipfel dieses Berges an; sie wurden zu rückgeschlagen. Auch feindliche Angriffs⸗ versuche im Raume von San Martino wurden abgewiesen. 0 Südöstlicher Kriegsschauplaß. Unsere Truppen dringend umfassend gegen Plevlfe vor. Eine Kolonne greift die Gradina⸗Höhe südöstlich des Metalka⸗ Sattels an. Eine andere erstürmte in den Nachmittagsstunden und nach Einbruch der Dunkelheit den von Montenegrinern zäh ver⸗ Prizren wurde am 29. mittags von den Bulgaren genommen. Die Armee des Generals von Kocveß hat im November 40 800 serbische Soldaten und 26 600 Wehrfähige gefangen genommen und 179 Geschüge und 12 Maschinengewehre erbeutet. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnaut. 8 Die Beute der Bulgaren. 1 Der bulgarische Generalstab hat nun gleichfalls den Ab⸗ schluß des Feldzugs gegen das serbische Heer gemeldet. Für die bulgarische Armee haben die Operationen in Nordserbien mit einem sehr klangvollen Akkord geendet. Die Nachhuts⸗ Gefechte hatten bei Prizren nochmals den Umfang einer größeren Kampfhandlung angenommen und unsere bulgari— schen Verbündeten sind Sieger geblieben. Für die den Bul— garen gegenüberstehenden Reststücke der serbischen Armee kam es darauf an, die durch das Drintal bei Prisren führende Straße möglichst lange offen zu halten, um ihren eigenen Kolonnen und wenigstens einem Teile der über die Metoja⸗ Ebene, bei Ipek und Dschakowa, abziehenden serbischen Heeresteile den Aufstieg nach Westen in die nordalbanischen pen zu ersparen und ihnen den Rückzug talabwärts zu er⸗ möglichen. Der rasche Vorstoß der Bulgaren hat dies ver— eitelt. Was sich an serbischen Truppen noch in der Metoja⸗ Ebene aufhält, ist vom Talausgang abgeschnitten und muß sich ergeben, soweit es den Truppen nicht gelingt, rechtzeitig in die Berge zu entkommen. Der Vormarsch der deutschen und österreichisch-ungarischen Abteilungen, die von Norden mund Osten in das Becken von Ipek— Dschakowa hinabsteigen, es unseren Verbündeten, bei Prisren viele Tausende von Ge⸗ fangenen zu machen und eine Armee mit ihrem Train am Ausgang der Metoja-Ebene zur Uebergabe zu zwingen. Die Beute wächst noch stündlich und ist ohne Zweifel für die Ver⸗ hältnisse des serbischen Feldzuges außergewöhnlich groß. Die Eroberung von mehr als 50 Geschützen und 148 Automobilen neben ungezähltem anderm Material beweist, daß der rasche Vormarsch der verfolgenden Bulgaren an einer entscheiden— den Stelle den Rückzugsweg der Serben durchschnitten hat. Auf der Flucht. Sofia, 1. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich) Bulgarischer General⸗ stabsbericht über die Kämpfe vom 29. November. Die Zahl der Gesangenen wächst unaufhörlich. Die Straße zwischen Suharska und Prizren ist buchstäblich bedeckt mit Kadavern von Zugtieren, verlassenen militärsschen Gegenständen. Trümmern von Wagen, Geschützen, Munition und dergleichen. Gefangene und Ein⸗ geborene erzählen, daß die serbischen Offiziere ihre Ver⸗ bände verlassen haben und in wilder Flucht ihr Heil suchten. Ein Teil soll sich in Zivilkleidern in den Dörfern der Umgebung verborgen halten. Dieser Umstand soll die Soldaten bestimmt haben, sich in Massen zu ergeben. Ein letzter Widerstand der Serben. Paris, 1, Dez. Hiesige Blätter melden aus Athen, daß die Serben laut einer Erklärung eines hohen serbischen Offi— ziers entschlossen sind, einen letzten entscheidenden Wider- stand zwischen der albanischen Grenze und dem Wardar im Gebiete Dibra—Gostivar, Prilep—Kavadar zu leisten. Die Operationen der englisch⸗französischen Truppen am Balkan. Der Corriere d' Italia veröffentlicht folgende Meldung über die Operationen der englisch-französischen Truppen. Es war den Truppen der Alliierten unmöglich, der feindlichen Offensive zu be⸗ geguen, und sie beginnen sich auf Saloniki Zurückzuziehen. Die Gründe für diesen Rückzug sind in der numerisch geringen Stärke der englisch⸗französischen Truppen zu suchen und in der Schwierig⸗ keit, die Stellungen von dem Augenblick an zu halten, wo man die Verbindung mit den serbischen Truppen nicht gewinnen konnte. Die urückbiegung geht unter normalen Verhältnissen vor sich, in der Die russische Intervention am Balkan. T. U. Paris, 1. Dez. Der militärische Mitarbeiter der Infomation, Dusselle, bespricht die Möglichkeit einer russi⸗ schen Intervention am Balkan und erklärt, eine Landung der Russen in den bulgarischen Häfen sei jetzt unmöglich, nachdem die Bulgaren mit Hilfe der Deutschen die Küste be⸗ festigt hätten. Die Absicht der Russen, durch Rumänien zu marschieren, längs oder auf der Donau in Bulgarien ein⸗ zudringen, sei eine langwierige, sehr schwierige Operation, die die Deutschen, indem sie die Donau bei Rustschuk sperrten, vereitelten. Dusselle befürchtet, daß die Russen, wie die Franzosen in Saloniki, zu spät kommen werden. Das Balkanunternehmen ein„Irrtum“ Turin, 1. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die Stampa bringt zwei militärische Artikel, von denen der eine nachweist, daß Italien wohl daran getan habe, sich nicht an dem Balkanunternehmen zu beteiligen, das militärisch ein Irrtum und eine Gefahr und politisch ein Miß⸗ erfolg sei. Der zweite Artikel sage, daß die jetzt von einigen Blättern verlangte Truppenentsendung nach Syrien, die den Suezkanal retten solle, ein großer Irr⸗ tum wäre. Kitchener werde in London dafür eintreten, daß sowohl der Balkanfeldzug als auch das Dardanellen⸗ unternehmen rückgängig gemacht werden. Auch werde er lichen Expedition nach Syrien begangen werde. wolle, nur ein Weg, nämlich die deutschen Linien in Nur auf diese Weise könne Aegypten gerettet werden. * Mailand, 1. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Eine Korrespondenz des Corriere aus Rom enthält folgende Stelle: Eine hohe fremde Persönlichkeit, die dieser Tage in Rom anwesend war, drückte die Meinung aus, daß die Engländer und Franzosen gut täten, sich vom Balkan zurückzuziehen, um sich in Salonik zu verschanzen.(An⸗ merkung: Gemeint ist offenbar Kitchener.) Griechenland und die Entente. Die griechische Regierung verlangt, wie weitere Athener Meldungen bestätigen, daß die Forderungen der zweiten Entente-Note von einem gemischten Ausschuß von griechischen Offizieren und Entente-Offizieren geprüft wer⸗ den. Sie weist darauf hin, daß die geforderte größere Bewe⸗ gungsfreiheit der Entente-Truppen auf den Eisenbah⸗ nen mit den griechischen Mobilisierungsplänen und der Sicherheit der griechischen Truppen in Ostmazedonien unver⸗ einbar seien, da der Seeweg allein für ihre Versorgung nicht genüge. Auch die Forderung nach Bewegungsfreiheit für die Ententeschiffe in den griechischen Gewässern ruft Be⸗ denken hervor, deren Prüfung durch den gemischten Ausschuß die griechische Regierung gleichfalls fordert. Die italienische Presse faßt die Antwort als Versuch auf, die Angelegenheit zu verschleppen, bis die militärische Lage der griechischen Re⸗ gierung unzweideutig eine Stellungnahme ermöglicht. Rom, 1. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die Tribung Lage plötzlich ernster geworden ist. Gestern überreichte Skuludis den Gesandten des Vier ⸗ verbandes die griechische Antwort auf die letzte Note und hatte mit ihnen über die Fragen, die den Inhalt der augenblicklichen Unterhandlungen bilden, eine Besprech⸗ ung. Es scheine, daß Skuludis sich über die guten Absichten Griechenlands nicht sehr entgegenkommend ausgesprochen habe. Er erklärt, daß die Zurückziehung der griechischen Truppen von Salonik und die von dem Vierverband ver⸗ langte Ueberwachung der Küstenzone Bedingungen wären, verletzen würden. Giornale d'Italia erfährt aus griechische Regierung bereit Athen, die sei, den daß einbar sei. die gegenwärtigen Umstände aufgezwungene Lage in Ein⸗ klang brächte. Aus Athen erhält die französische Presse von Information von einer plötzlich eingetretenen neuen Spannung zwischen der griechischen Regierung und Entente. das Gefühl, daß die jetzige Lage unmöglich weiterdauern könne. Die griechische Regierung werde sich bemühen müssen, die am Mon⸗ tag überreichte Antwortnote näher zu präzisieren. Die nach Paris gelangte Nachricht, daß in Frankreich die Aufgabe Sa⸗ lonikis durch die Engländer und Franzosen für möglich gehalten werde, sei für König Konstantin ein willkommener Anlaß zum Widerstand gegen die Entente gewesen. Er beeile sich daher keineswegs, den Wünschen der Alliierten zu entsprechen. Hungerrevolten in Rußland. T. U Kopenhagen, 1. Dez. Nach einer Meldung Dien kam es in dem südrussischen Orte Netewedin zu großen Hungerrevolten. Die Bevölkerung leidet stark unter der Not der Zeit, da sie von jeder Zufuhr abgeschnitten ist und die Preise deshalb ins Unerschwingliche steigen. Die vom Hunger gepeinigte Volksmenge, unter der sich auch eine Anzahl ein— berufener Landsturmleute in Uniform befanden, griffen die der Die Polizei ging mit der blanken Waffe vor. Die Menge erwiderte mit Steinwürfen. Es gab eine Anzahl Tote und Verwundete. Die Polizei verhaftete 60 Personen. Bekanntmachung. Auf Grund der Bekanntmachung des Stellvertretenden Reichs⸗ kanzlers vom 25. September und 4. November 1915 über die Er⸗ richtung von Preisprüfungsstellen und die Versorgungsregelung fordere ich die in Gießen ansässigen Butterhändler auf, bis zum 3. Dezember 1915 auf dem Stadthaus, Zimmer Nr. 2, schriftlich anzumelden, wieviel Butter l(inländische wie ausländische) sie in der Zeit vom 1. Juli bis 30. September 1915 nachweislich bezogen und in der Stadt Gießen verkauft haben. 5 Gießen, den 30. November 1915. Der Oberbürgermeister. artung, es werde den Alliierten gelingen, eine kräftige Offen⸗ Kirher a- ubehwe⸗ Keller. dafür sorgen, daß nicht ein dritter Fehler mit einer unglück⸗ Kitchener sei der Meinung, dem Vierverbande bliebe, wenn er siegen der Champagne und im Artois zu durchbrechen. ö bringt ein Telegramm aus Athen, nach welchem dort die 2 griechische Neutralität in Frage stellen, und Forde- rungen des Vierverbandes entgegenzukommen, soweit es mit 2 der Souveränität und der Unabhängigkeit des Staates ver⸗ Im Falle, daß die Forderungen gebieterisch ge. äußert würden, würde die griechische Regierung einen modus] vivendi erwägen, der ihre Pflichten als Nation und die durch offiziöser Seite In diplomatischen Kreisen des Vierverbandes herrsche des Lebensmittelläden an und zertrümmerten die Einrichtungen. Verstorbene. Louis A d a m alt. heiten besprochen werden. erscheinen. — Frau Anna Bender geb. Frick in Launsbach. Verantwortlicher Redakteur: T. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gie en Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H. Offenbach 1 „Spediteur in Gießen, 6 ßen. Sbssaldemokraffich.Kreiswahlerein llehen-zrünberg-Nidda. Unterzeichneter Vorstand beruft zum Sonntag, den 5. Dezember, nachmittags halb 3 Uhr nach Giessen(Schanzenstrasse 10) eine sflitglieder-Verfammlung ein.— In der Versammlung soll eine Uebersicht über den Stand*. unserer Organisation gegeben, sowie sonstige Partei-Angelegen- Wir ersuchen unsere Mitglieder, in dieser Versammlung zu Der Vorstan J. A.: Gg. Beckm a d. an n. De en lle Nella — e 8 U eee D 0 N eee eee die berühmten Forsch — Stanley— Cook— viele andere, Indien, ersten 1 rührung gekommen sind, interessante, allgemein Schilderungen über Sit Schilderungen. Forscher koltet 10 bis 20 und belehrenden eignet sich dasselbe wie auch speziell als Oberh. Nolte Vahnhofstraße 23. .. 2 Unsere Leser werden das diesjährige Se dung dn ö ein hochwichliges Originalwerk, welches uns dur⸗ er wie Carl Peters— Serzog Adolf Friedrich an Meckleuburg— Dr. Nachti 1 gall Prof. Dr. Wenle— Dr. W. Junker— Dr. Schweinfurt— von der Decken — Karl Block— Dr. Flinsch— Frobenins und im ganzen 32 verschiedene, nach Atrika Inseln des stillen Ozeans führt, mit Freuden begrüßen. Unter dem Titel: Inehnisse berdhmer Tapseber Unter den Wilden von Indien, Ozeanien, Aftika erhalten wir von 32 berühmten JForschern, die Male mit den wilden W in Be. und die wahrhaft Hassische, bo berstanlich i gesckrieben⸗ ten und Gebräuche der Kannibalen und Wilden, über ihr Leben und ihre Kultur. Ueber 260 Abbildungen und Karteuskiasen nach Original⸗Aufnahmen begleiten den Te erhöhen noch den Reiz der vielseitigen und belehrenden edes einzelne Werk dieser berühmten und Mark, während wir dieses erk, das von 32 Forschern interessante Berichte und Erzählungen aus ihren Werken bringt und somit über die so teuren Reisewerke einen allgemeinen Ueberblick gibt durch Herstelluna von Massen⸗Auflagen zu dem außerordentlich billigen Preise von 3 Mk. elegant gebunden, nuseren Lesern abgeben. Es ist selten ein Werk so vielseitigen, interessanten Ab geboten, wie d es halb vorzüglich als Haus- und Familienbuch für jung und Alt, ieses und Geschenkwerk. Solange der Vorrat reicht, ist das Werk zum obigen Preise in unserer Haupt⸗Expedition rhältlich. kitung, Gießen 0 Telephon 2008. Versand nach auswärts gegen Voreinsendung des Betrages zuzüglich 60 Pfg. Porto.(Nachn. 25 Pfg. extra.)— Auf ein Paket gehen 2 Exempl. 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