— 128 der Organ für die Interessen des werktätigen Volkes Provinz Oberhessen und der — Nachbargebiete. Dee Oberbessische Volksgeitung erscheint jeden Werktag Abend in Gießen Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg, monatlich 60 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl. 1.80 Mt. 7 Redaktion und Expedition Gießen, Bahnhofstraße 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Inserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Ra att. Anzeigen wolle man bis abenbs 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 280 Gießen, Montag, den 29. November 1915 10. Jahrgang Von Hein rich Schulz, M. d. R. Der deutsche Reichstag stellt unter den Parlamenten segenwart nicht die schlechteste Figur. Gewiß ist er längst icht, was er sein sollte: das feinfühlige und zugleich stah!⸗ N larte Organ der demokratischen Selbstbestimmung des Volkes. s ist eine ständige Aufgabe der deutschen Sozialdemokratie, den eichstag diesem wichtigen Ziele näher zu führen. Ob und wie zeit das in der bürgerlich⸗kapitalistischen Gesellschaft, deren natür⸗ Der Reichstag hat das Wort! der noch 5 4 8 959 1 N hes Kind das Parlament ist, überhaupt durchgeführt werden inn, ist dabei nicht die entscheidende Frage. N Gewiß kommt in einigen Parlamenten der übrigen großen tionen der Wille der bürgerlichen Klasse reiner zum Ausdruck es im deutschen Reichstag, gewiß hindern uns im parlamentari⸗ en Leben wie im politischen Leben überhaupt die„Basalte“ der Ergangenheit. Goethes Stoßseufzer, daß Amerika es besser habe, N t auch hierfür. Aber was in einer Beziehung die Schwäche des uutschen Reichstags verursacht, wird in anderer Beziehung zu 7 em Quell der politischen Stärke und Ueberlegenheit Deutsch⸗ ö ds. Wenn der Reichstag vom Standpunkt des bürgerlichen n krlamentarismus aus schwächer erscheint als etwa das englische er französische Parlament, so ist das in der Hauptsache die Folge s hohen Standes und der geschlossenen Kraft der deutschen ürbeiterbewegun g. Aus geheimer Sorge vor der wachsen⸗ n Macht der Sozialdemokratie innerhalb und außerhalb des lichstages wurde der Reichstag bisher von der bürgerlichen lasse, obwohl er ihr, vollkommenes und stets hilfsbereites Werk⸗ tig sein müßte, an zer vollen Ausnutzung seiner inneren Kräfte hindert und waren bisher die Grenzen der politischen Betätigung a, enger gezogen als in einigen anderen Ländern. as hat den politisch⸗sozialen Fortschritt in Deutschland doch lahmzulegen vermocht. Die drängende Kraft der Arbeiter⸗ sse von unten auf war stärker als alle Hemmungen von oben, so c die deutschen Arbeiter alles in allem mehr erreicht haben, als englischen oder französischen Arbeiter, trotz der freieren politi⸗ En Verfassungszustände in ihren Ländern.„Was nützt mir der luntel, wenn er nicht gerollt ist“, so dürfen die englischen und nzöftschen, die italienischen und amerikanischen Arbeiter in kastischer Ergebung ausrufen, was in diesem Falle ungefähr be⸗ en würde: was nützt die schönste Preßfreiheit, wenn keine beiterpresse da ist! Was nützt die größte Koglitionsfrei⸗ kt, wenn sie nicht zu großen Arbeiterkoalitionen rt! Was nützt die vollste Redefreiheit, wenn die Rede nicht dazu et, den Klassenkampf der Arbeiter zu durchleuchten und zu be⸗ En! Was nützt das freieste Wahlrecht, wenn es den Arbeitern itt zu einem politischen Erziehungsmittel wirb, wenn es sie nicht an fähigen und tätigen Partei eint! 5 5 Auch während des Krieges hat der deutsche Reichstag vom rein parlamentarischen Standpunkte aus vor den übrigen lamenten bisher nicht zu verstecken brauchen. Gewiß hätte er U in dieser Zeit vielmehr tun können und müssen. Er hätte hblüiger und länger zusammen sein sollen, und durch echtzeitige echlüsse hätte er verhindern müssen, was dank der Langsamkeit Unentschiedenheit der Regierung in den letzten Wochen und 1 aten in der Frage der Volksernährung zu bedauer⸗ 11 n 1 geführt hat. Denn die meisten 1 lüde hätten sich vermeiden laffen. Aber leider ist Nat nt Hukratische Fraktion trotz ihrer Stärke immer nur 1 Line 111. wache Minderheit gegenüber der Gesamtheit 5 5 11 kel im Parteien. Sodann haben die dee e eee 22 lieswegs Taten aufzuweisen, an denen der deutsche Reich 1555 1 ches Beispiel nehmen könnte, wenn wir von einigen 5 nen, etwa von der englischen Kriegssteuergesetz⸗ ung absehen.„ 1 1 Der deulsche Reichstag hat bisher im wesentchen ee 1 *. h was die Hauptaufgabe Deutschlands in der geg ane i die kraftvolle Gegenwehr gutt äh pend er e . schen Feinde, von ihm zu fordern hatte. Während er 9 ler ersten Tagung nach dem Ausbruch des 9 8 1 e kurze, mehr demonstrative Sitzung beschrän 125 129 75 0 i zahlreiche Fragen in den Kreis seiner Erörteru deutsche Volk mit der längeren Dauer des Krieges e 115 Vorsicht sntraten. Er hat das immer mit großer Rücksicht! e an, um den Kampf draußen vor dem Feind e e Enit mehr Vorsicht als notwendig 1 19 50 e te es nicht ausbleiben, daß scharfe Wor 0 die mußten, besonders gegen die anne Tasche aus zubeuben dotlage des Volkes m 9 5 batte f 0 0 Aber auch auf die Behörden mußte g ee ten, soweit 5 bn der Mitschuld an +ʒ—ñ— p euklichen Entwickelungen im Junern, die 1 7 p ehen fd Kriegführung zurückwirken müssen, nicht 5 115 e eider kann die Kritik des Reichstages in de een 2 — 1 5 4 85 raus politisch und mili⸗ 6 vequleme Hinweis, daß das Ausland ie me im Gegendeil in 775 engen heremilder sein als früher: 103 bisher. Dabei darf 2 in Punkten schärser zupacken. tents sein. Das Ausland h Kapital schlagen könne, kein Hin us d Ferlamentari⸗ nur dann Grund zum Frohlocken, wenn ace n Inneren Kritik zu entnehmen wäre, daß das 170 Schlagkraf! Ariauf den Kampfplätzen am Ende seiner beck unf er Kritik un. rangt wäre. Das ist aber nicht der Zwec durch unsere Kritik duch nicht ihre Wirkung sein. Maß eenlich der heilige Zorn heichstag wollen, auch wenn dabei geleg ee und zum Nutzel die fer treten soll e, gelchteht zun g seiner Widerstands Stärkung Deneschlanks und gur Krhehng Arend welcher Aulaß Um so weniger liegt für das Heutschlund seine erkaltenden Sees bei sich zu Hause selber fich die schärfste Kritik ent⸗ 0 steht es im Frank⸗ can solchem kritischen Feuer in 2 175 wieder den srischend Material vorfindet, an 5 könnte. Mit der Lebensmittelversorgung lum sich die Kritik er⸗ reich und England und gar in Italien nicht besser als bei uns. Nur daß dort nicht einmal die Sozialdemokratie, von den bürgerlichen Parteien ganz zu schweigen, in Wort und Schrift auch nur entfernt das Maß der Kritik aufbringt und zugleich soviel schöpferische Fähigkeit zur Beseitigung von Mißständen entwickelt, wie dies bei ums die Sozialdemokratie und Gewerkschaftsbewegung in Deutsch⸗ land vom ersten Tage des Krieges an zum Vorteil des deutschen Volkes bekundet haben. Umsomehr sind die Bruderparteien in Frankreich, England und Belgien am der politischen Kritik gehindert, als ihre eigenen Vertrauensleute in den bürgerlichen Regierungen sitzen und sie deshalb mit jeder ernsthaften Kritik sich selber ins Ge⸗ keine offenen Maßnahmen zu ergreifen, ihnen aber das Leben und .Das französische Publikum sicht schlagen würden. Die deutsche Sozialdemokratie ist aus diesen Gründen u na b⸗ hängjger als die sozialdemokratischen Parteien des Auslandes. Sie kritisiert deshalb auch wo sie es flir nötig hält. Allerdings nicht aus bloßer Lust am Kritisieren und aus demagogischer Freude am donnernden Schlagwort. Wir wenden uns mit dem größten Ernste gegenalle Feinde Deutschlands, mögen sie von außen austürmen, mögen sie im Inneren sitzen, mögen sie sich offen mit der Fahne in der Hand als Feinde bekennen, mögen sie— oft viel⸗ leicht sich selber unbewußt durch Handlungen oder Unter⸗ lassungen, schleichend oder lauernd, an der inneren Kraft des deut⸗ schen Volkes nagen. In den langen Jahrzehnten vor dem 4. August 1914 hat die deutsche Sozialdemokratie in ihrer Weise unablässig und ohne sich durch falsche Beurteilung ihres Strebens beirren zu lassen, au der Hebung und Stärkung des deutschen Vol gearbeitet, was sie in erster Linje und am wirksamsten durch ung und Stärkung der deutschen Arbeiter zu erreichen versucht. Am 4. August hat sie durch ihre Abstimmung das wertvolle Werk ihrer langen und zähen Arbeit gegen äußere Gefahren gesichert. Seitdem der Krieg tobt, ist es ihre vornehmste Aufgabe, neben der steten Be⸗ müshung, etwaige Friedens möglichkeiten, rechtzeitig zu er⸗ schauen und tatkräftig zu fördern, alles zu bekämpfen, heldenmütige Ringen unserer seldgrauen Brüder hinter ihrem Rücken in der Heimat gefährden könnte. Der Reichstag ist für die offene Darlegung von Mißständen und damit auch für ihre Be⸗ seitigung der gegebene Ort. Die sozialdemokratische Fraktion wird die Tribüne des Reichstages für den Zweck ausnutzen, für den sie geschaffen worden ist. Eine offene Kritik, diktiert von dem ernsten und warmherigen Bestreben, dem deutschen Volk die unge⸗ heure Last des Krieges zu erleichtern und womöglich auch ihre Dauer zu verkürzen, ist kein Zeichen von Schwäche, sie legt im Gegenteil ein beredtes Zeugnis ab für die innere Stärke Deutschlands und für die Einmütig⸗ keit aller seiner Glieder in dem Entschluß: zu tum, was notwend'g ist,ͥ bis das Ziel der Sicherung erreicht ist und die Gegner Deutsch⸗ lands zum Frieden bereit sind.“ 6. was das 2 1 0 Unzufriedenheit mit den neuen S N. in J'alien. 8 Lugano, 26. Nov. demokratische Presse kriegerischer Richtung(wie Secolo und Popolo d'Italia) gibt ihre Unzufriedenheit über die neuen Steuern kund, namentlich über die unerschwingliche Erhöhung des Salzpreises, die ein unentbehrliches Genußmittel des Volkes trifft, während die übrigen Steuern eine steigende Abstufung zu Lasten der Reichen vermissen und die kapita⸗ listischen Zinsbezüge meist unberührt lassen. Ein zweispal⸗ tiger Leitartikel des Ahanti ist einschließlich der Ueberschrift e ern Die behandelt haben. i Auch der Leitartikel der Stampa hebt den antisozia⸗ len Charakter der neuen Steuern hervor, die durch die Belastung der Armen unter gleichzeitiger Schonung der Kapitalisten und Kriegsgewinne eine neue kapitalistische Konzentration inmitten allgemeiner Verarmung begünstigen. Die Russen in Frau reich. Wiederholt ist von den Drangsaliexungen berichtet worden, denen in Frankreich die dort lebenden Russen, zumeist politische Flüchtlinge und Angehörige der„Fremdͤvöller“, ausgesetzt sind. Hierüber schreibt nun die Zeitschrift Goloß sarubeschnawo student— schestwa, das Organ der im Auslande studierenden Russen: „Die französischen Polizeikommissäre taten ihre Pflicht den russischen Studenten gegenüber sehr ungleich. Es gab Orte, wo sie liebenswürdig und höflich waren und er— klärten, ihre heikle Frage sei durchaus nicht als Forderung oder Drohung aufzufassen. An anderen Orten aber war es ganz um⸗ gekehrt: Die Polizeibeamten wurden sehr anzüglich und scheuten nicht vor ganz unzweideutigen Drohungen zurfick. Ich studierte in Toulouse im Elektrotechnischen Institut, aber meine Studien sollten nicht lange dauern. Bald begann die Verfolgung der Russen. Es fing damit an, daß ein dort erscheinendes reaktionäres Blatt, L'Expreß du Midi, schrieb, in der Stadt bummelten Russen oder eigentlich„sogenannte“ Russen, gesunde junge Leute, die für ihr rand nicht kämpfen wollten und sich noch erfrechten, uner⸗ „und unpatriotische Redensarten zu machen. Die Stu⸗ de rsammelten sich und arbeiteten eine Protestkundgebung ae falschen Gerüchte unter dem französischen Publikum aus, ie erklärten, daß die russischen Studenten in Toulouse einst⸗ de' Nnicht einberufen seien. Das Blatt druckte diese Erklärung ab, und der Zwischenfall schien erledigt. Vald aber sannen sich der Direktor des Instituts, Herr Camichel, und die übrigen Professoren einen neuen Streich aus: Sie forderten von den Studenten die seltkrieg. schen Minister Sembat. Nochmals wurde die Sache damit beige⸗ legt. Nun begannen aber die Professoren, die Studenten auf andere Weise zu bedrängen: Sie erfanden neue„praktische Arbeiten“, über⸗ häuften uns mit schriftlichen und mündlichen Prüfungen usw. In der medizinischen Fakultät setzte man plötzlich Prüfungen an und alle Russen fielen durch. Immer häufiger kamen bedrohliche Nach⸗ richten, sodaß schließlich uns alle eine wahre Panik ergriff. Man erhielt auch die Abschrift eines Briefes, den ein russischer Konsul einem französischen Präfekten als Antwort auf eine Anfrage ge⸗ schrieben hatte und worin der Konsul riet, gegen die Studenten das Studium unmöglich zu machen a fürchtete damals einen Verrat Rußlands an seinen Verbündeten und den Abschluß eines Sonderfriedens mit Deutschland. Immer mehr und mehr verließen die Russen das ungastlich gewordene Land und flohen nach Spanien, in die Schweiz oder nach Amerika“ Französisches Friedens flugblatt. Die Genossen Bourderon und Merrheim ver⸗ breiten in französischen sozialistischen Arbeiterkreisen ein Flug⸗ blatt gegen die Fortsetzung des Krieges und für eine internationale, insame und gleich⸗ zeitige Aktion der 2 beiterklassen aller Länder im Sinne der Zimmerwalder Konferenz. Sie fordern das französische Proletariat auf, sich mit ihnen zu weg unseren Brüdern in Deutschland und Oesterreich und in allen kriegführenden Ländern die Bruderhand zu reichen“, andererseits der„Union saerce(heiligen Einigkeit), die die Unterdrückung und schreckliche Ausbeutung des frauzösischen Proletariats verschleiert, ein Ende zu machen. 5 Französische Kriegsverluste. Es ist bekannt, daß die französische Regibrung keine Ver⸗ lustlisten veröffentlicht. Von sämtlichen kriegführenden Mächten sind es überhaupt nur Deutschland und England, die den Mut haben, Verlustlisten herauszugeben. Es gibt jedoch Franzosen, die durch ihre Verbindungen mit dem Kriegsmini⸗ sterium die Zahl der französischen Verluste kennen. Im New Statesman vom 13. November ergreift einer dieser Fran⸗ zosen das Wort, um gegen die englische Auffassung, daß Eng⸗ land aus wirtschaftlichen Gründen nur eine verhältnismäßig kleine Armee ins Feld schicken könne, zu polemisieren. Er gibt bei dieser Gelegenheit die Gesamtzahl der französischen Verluste an. Hiernach betragen die Gesamtverluste 2700 00⁰ Mann, hiervon 600 000 Tote. Für Armee und Flotte brachte Frankreich insgesamt 5,5 Millionen Mann auf. 9 Neue französische Staats anleihe. Militäxauswefspapiere. Wieder! versammelten sich die Studenten und telegraphierten an den russischen Konsul und an den sozialisti⸗ Das Journal Officiel vom 17. d. Mts. kündigt die Beding⸗ ungen der neuen Staatsanleihe an, die von der Kammer bewilligt wurden. Der Emissionspreis beträgt 88 Franken, das heißt: für jeden Schuldschein im Nennwerte von 100 Franken zahlt der Zeichner nur 88 Franken. Der Zinsfuß ist 5 Proz., in Wirklichkeit 5,5 Proz. Der Zeichner ist berechtigt, die Summe von 88 Franken in 4 Raten zu zahlen: 10 Fr. bei der Zeichnung und 3 Raten von je 26 Fr. die bis zum 15. März 1916 bezahlt sein müssen. Wer den gestrichen worden, er dürfte die neue Belastung der Armen ganzen Betrag bei der Zeichnung zahlt, erhält einen Rabatt. r e so daß ihn der Schuldschein von 100 Fr. nur 87,25 Fr. estet. Shaw über den Frieden und die Diplomatie Englands. Der Manchester Guardian berichtet über einen Vor⸗ trag, den Bernard Shaw in Kingshall, Covent Garden, über das Thema„Die Diplomatie nach dem Kriege“! gehalten hat. Shaw sagte, die Diplomatie würde vor dem Frieden zwei Probleme zu lösen haben: das Problem unter welchen Bedingungen der Krieg beendi gt werden könne, und das weitere und wichtigere Problem der Zu- kunft Europas. Er glaube, daß Friedensbedingungen von irgendeiner Bedeutung nicht abgeschlossen werden könn— ten, wenn sie nicht die Zukunft Europas in Betracht zögen. Ueber Friedensbedingungen sollten eigentlich schon Unterhandlungen im Gange sein,— und wer weiß, ob s ie es nicht schon seien? Es müsse jeder intelligenten Per⸗ son klar sein, daß die Friedensbedingungen sehr ernsthaft während mehrerer Monate, vielleicht sogar länger, besprochen werden müssen, bevor der wirkliche Friede geschlossen würde. Und wenn die Engländer den Krieg nicht für eine sohr lange Zeit weiterführen wollten— was sie in eine sehr ernst⸗ hafte Lage bringen könnte, ganz gleich, ob sie siegreich wären oder nicht— so müßte man alle Kraft anwenden, um schon jetzt mit einer unmittelbaren Diskussion der Friedens- bedingungen zu rechnen.„Haben wir uns überhaupt klar gemacht, warum wir kämpfen? Wünschen wir z. B. nach dem Kriege ein starkes oder ein zerschmettertes Deutschland? Es ist ganz leicht möglich, daß wir ein starkes De ütsch⸗ land nach dem Kriege brauchen. Es kann möglich sein, solidarisieren und„über die Grenzen und Schlachtfelder hin⸗ * daß wir Deutschland stark haben müssen wegen einer anderen die russische Reaktion bei der Arbeit, ihr klar zu machen, daß sie sich darauf zu beschränken habe, dem Budget zuzustimmen für alle Male zu entledigen und den alten Zustand der Dinge kann der Berl. Lokalanz. folgendes mitteilen: 8 Macht, gegen die es uns als Bollwerk dienen soll. Wollen wir eine russische Hegemonie nach dem Kriege? Wir sollten dies sehr sorgfältig bedenken, wie stark wir Deutschland zu haben wünschen.“ In Bezug auf die Diplomatie vor dem Kriege sagte Shaw:„Sir Edward Grey geht in seinem Schlachtschiff herum, mehr oder weniger, als ob es ein kleines Boot sei.“ Shaw hält dies für eine gefährliche Diplomatie. Sir Edward Grey neige dazu, außerordentlich vorsichtig zu sein und sage den Engländern fortwährend: Wir werden ir⸗ gend etwas tun müssen, weil die anderen Mächte etwas an⸗ deres tun. Die Diplomatie der Zukunft müsse sich frei machen von solcher Gewissenhaftigkeit und solcher Vorsicht. Ein Ver⸗ trag würde niemals mehr sein als„ein Stück Papier“, bis man einen über nationalen Gerichtshof hätte, der die Macht besitze, England zu zwingen.„Unser System von Bündnissen in der Zukunft,“ sagte Shaw,„müßten Bündnisse sein mit dem Ausblick auf das Gleichgewicht der Mächte, und dann würde sich zwischen der östlichen und der westlichen Zivilisation die sehr wichtige Frage der we iß en und gelben Rasse erheben.“ Der gegenwärtige Krieg habe bisher keine Ursache gegeben, in dieser Aussicht ängst⸗ lich zu sein. Als Shaw dann auf die Frage kam, durch wessen Schuld der Krieg ausgebrochen sei, sagte er:„Es war un⸗ sere Schuld, unsere ganz besonders, die wir in diesem Raume hier sind; der Krieg war der Grundfehler der Demokratie dieses Landes.“ Um zukünftige Kriege zu ver⸗ hindern, schlug Shaw einen Bund der westlichen Zivilisation vor. Er wünschte die westliche Zivilisation auf einer demo⸗ kratischen Basis organisiert zu sehen. Einschüchterungsversuche gegen die russische Duma. Die Duma ist noch nicht zusammengetreten und schon ist und dann sofort wieder auseinanderzugehen, wenn sie nicht riskieren will, völlig beseitigt zu werden. Die reaktionären Kreise fühlen sich anscheinend so sicher, daß sie der Duma offen erklären, sie sei überflüssig. Es wird sogar geraten, den gegenwärtigen Augenblick zu benützen, sich der Duma ein in Rußland wieder herzustellen. In linksstehenden Kreisen findet man nicht den Mut, gegen diese Provokation in der gehörigen Weise aufzutreten. Es wird vielmehr der Duma dringend geraten, jeden Vorwand zu einem Vorgehen gegen sie dadurch zu beseitigen, daß sie sich besonderer Sachlichkeit befleißige und verzichte auf jedwede Einmischung in die Ver⸗ waltungspraxis der Regierung. Nur so könne sich die Duma „retten“.— Es muß sich bald zeigen, ob dieser Rat der Leise⸗ freler bei der Mehrheit der Duma Gehör findet. 1 Die Kriegsgewinnsteuer. Die Gesetzentwürfe über die Kriegsgewinnsteuer sind dem Reichstage am Freitag zugegangen. Aus der Begründung Die Besteuerungspflicht nach dem neuen Gesetz schließt sich an das Vermögens⸗Zuwachssteuergesetz an. Eine grundsätzliche Abweichung davon wird sich aus der Not⸗ wendigkeit ergeben, die die Abgabepflicht auch auf juristi⸗ sche Personen, auf Aktiengesellschaften und dergleichen mehr ausdehnt. Gerade bei diesen liegt aber die Befürchtung vor, daß die erst in späterer Zeit zur Veranlagung und Er⸗ hebung gelangende Steuer nicht mehr so recht zu Erfolgen führen kann, wie bei den natürlichen Personen. Denn bei den letzteren werden die durch die Steuer zu erschaffenden Gewinne noch zur Zeit der Erhebung für Vermögens— zuwachs vorhanden sein, während bei Aktiengesellschaften und den ihnen gleichstehenden Gebilden die Gebote durch die Ausschüttung an die Aktionäre und sonstige Berechtigte ihre zwebenäßige Verwendung finden. Aus diesem Grunde muß Vorsorge getroffen werden, daß bei Erhebung der Steuer ein Vermögensbestand vorhanden ist, an den die Steuerbehörde sich ohne weiteres halten kann. Der Gesetz⸗ entwurf sieht vor, daß von den in den Kriegsgeschäfts⸗ jahren erzielten Mehrgewinnen 50 vom Hundert in eine getrennt von dem sonstigen Vermögen zu verwaltende Sonderrücklage einzustellen sind. Der Mehrgewinn ergibt sich aus dem Unterschiede zwischen dem durchschnittlichen Geschäftsgewinn der drei letzten Jahre vor dem Krieg und dem jeweiligen in einem Kriegsjahr erzielten Gewinn. Für die Einhaltung der Verpflichtung aus diesem Gesetz werden die Mitglieder des Vorstandes oder die Geschäfts⸗ führer der Gesellschaft haftpflichtig gemacht. Nicht unter das Gesetz über die vorbereitenden Maß⸗ bank fallen. Keineswegs aber ist beabsichtigt, die Reichs⸗ der zweite Gesetzentwurf ein. Die Sonderbehandlung der Reichsbank empfiehlt sich um deswillen, weil hier die Ver⸗ hältnisse schon teilweise zu einem Abschluß gelangt sind. Die Besteuerung der Reichsbank erfolgt in nachstehender Weise: 8 1. Eine Ausgleichsabgabe für die auf Grund des Ge— setzes vom 4. August 1915 zeitweilig aufgehobene Noten— steuer. 2. Eine Kriegsgewinnsteuer in Höhe von 80 Prozent der in dem Kriegs⸗Geschäftsjahr gegenüber dem Durch⸗ schnitt der drei Jahre 1911—1913 erzielten Mehrgewinne. Der nach Entrichtung dieser Kriegsabgabe ver— mungen des§ 24 des Bankgesetzes verteilt wird. Die Hälfte dieses verbleibenden Reingewinnes fließt in die Reichs⸗ kasse. Viele Aktiengesellschaften haben es verstanden, ihre Ge⸗ winne zu verschleiern, sei es durch Anlage stiller Reserven, sei es durch besonders hohe Abschreibungen. Hier muß der Reichstag einsetzen, um derartige Kunstgriffe unwirksam zu machen. In landwirtschaftlichen Kreisen scheint man der Be⸗ steuerung der Kriegsgewinne mit recht gemischten Gefühlen gegenüber zu stehen; so bringt der Deutsche Kurier eine Zu⸗ schrift über die Frage:„Landwirtschaftliche Kriegsgewinne“, in der direkt bestritten wird, daß die Landwirte während des Krieges größere Gewinne erzielt haben. Man kann zwar die hohen Getreidepreise und die hohen Preise für Vieh und andere landwirtschaftliche Produkte nicht gut in Abrede stellen; dafür hilft man sich aber mit der Behauptung, daß alles, was die Landwirtschaft kaufen mußte, im Preise derart hoch war, daß die Gewinne beim Verkauf der Produkte da⸗ durch völlig aufgehoben worden sind. Es wird schon so kommen, wie wir vor einiger Zeit bereits gesagt haben, daß die Landwirte schließlich noch aus der Reichskasse Zuwendun⸗ gen verlangen werden, für die„großen Opfer“, die sie ihrer Behauptung nach gebracht haben. Die Kämpfe an der Dujestr⸗und Sereth⸗Front. Cernowitz, 27. Nov.(Meldung der T. U.) An der Dujester⸗ und Sereth⸗Front fanden seit 2 Wochen einzelne Kämpfe statt, die sich allmählich zu einer großen Aktion ent⸗ wickelten. Unsere Truppen eroberten den Brückenkopf bei Cernelioa, worauf die Russen bei Tluste festen Fuß zu fassen suchten. In der Nacht vom 21. zum 22. setzte unsererseits ein starker Artillerieangriff gegen Tluste ein. Nach genügen— der artilleristischer Vorbereitung wurde der Ort im Sturm genommen. Die Russen, die große Verluste erlitten, wurden zum Sereth zurückgedrängt und waren schließlich genötigt, sich in ihre Stellungen bei Ulaskovec zurückzuziehen. „Zu spät, Ihr rettet den Freund nicht mehr!“ T. U. Athen, 27. Nov. Die Arbeiten zur Schaffung von Ver⸗ bindungslinien zur Neu⸗Ausrüstung und Verproviantierung der nahmen zur Besteuerung der Kriegsgewinne soll die Reichs- ihre Artillerie zu ergänzen. E n Ve Truppen und auch Kriegsmaterial, auch sind starke San bleibende Reingewinn, der wie bisher nach den Bestim⸗ serbischen Armee über Albanien sind nach einer Meldung der 1 i ee—— l 5 5 0 5 Angstschrei aus Paris unter der Ueberschrift:„Retten bank von der Kriegsgewinnsteuer frei zu lassen. Hier setzt; 9 75 Athinai aus Valona im vollen Gange,. In Valona u Häfen sind unter dem Schutze von Kriegsfahrzeugen fra und italienische Transportdampfer eingetroffen. die Tau Arbeitern und Riesenmengen von Material für den Ba Straßen und Brücken an Land gesetzt haben, Unter der französischer Ingenieure ist bereits mit der Errichtung von Bri und der Instandsetzung von Wegen begonnen worden. 5 Verstärkungen für die Ententetruppen in Saloni Die Franzosen und Engländer sandten seit vier L sechs Regimenter an die Front und bemühen sich besonde Es erfolgen Verstärkungen missionen eingetroffen. Es verlautet, daß die Engl beabsichtigen, auch von Kavalla aus Truppen gegen die b garische Grenze vorzuschieben. Die Besorgnis um das in Saloniti gelandete Ente veer wächst. Die Stampa veröffentlicht einen wahr wir Sarrgil!“ 5 Kein Erfolg der Entente in Griechenland. Die italienische Presse sieht laut Vossischer Zeitung in griechischen Antwort keinen Erfolg des Vierverban Griechenland habe nur bewilligt, was es ohnedies zu be— willigen bereit gewesen wäre und was den Wünschen n Forderungen der Zentralmächte nicht widerspreche. Der Ex folg sei also auf seiten Griechenlands. Uebrigens wisse man bis jetzt nicht, welche Bürgschaft die griechische Regierung dafür gegeben habe, daß sie ihre Haltung in den Punkten, in denen sie nachgab, nicht mehr ändern werde. 5 Kriegsnstizen. f 1 77 Wegen Teilnahme an einem Demonstrations zug wurden in Berlin vier Personen verhaftet, unter diesen de 22jährige Schriftsetzer Genosse Bruno Schönlank, Sohn verstorbenen Reichstagsabgeordneten. Anklage ist bisher noch nich erhoben. 5 N selbf In letzter Zeit sind durch die Presse Nachrichten gegangen eine bedeutenden Kartoffelausfuhren aus dem Reichsg nach der Schweiz, und es wurde daran, verschiedentlich Be⸗ sorgnis geknsipft. Zu solchen Besorgnissen liegt, wie der Nat N richtendienst für Ernährungsfragen schreibt, kein Anlaß vor, da di seeht angegebenen Ziffern über den Export nicht zutreffend sind. Wah ist nur, daß eine pelativ geringe Menge nach der Schweig export worden ist. Die Schweiz hat uns dagegen im Austauf andere Arten von Lebensmitteln überlassen. 1 Auf Betreiben des Syndikus der Berliner Haus be sitzer, sollen die Hausbesitzer Deutschlands zu einer Oz ganisation nach dem Muster des Bundes der Landwirte zusam: geschlossen werden. Zweck dieser neuen Organisation soll u. a. den Hausbesitzern einen größeren Einfluß auf die Ges gebung zu verschaffen. 5 Da die Landwirte nicht genügend Kartoffeln auf den Maß brachten, und somit wegen der mangelnden Zufuhr aus dem Lan selbst der Bedarf an Speisekartofseln nicht gedeckt werden konn hat die Regierung von Lippe die Beschlagnahme ang ordnet. Aus dem Fürstentum wird ein einheitlicher Kom mung! verband gebildet, dessen Geschäfte die Regierung leitet und di zur Durchführung der erforderlich gewordenen Maßnahmen not wendigen Bestimmungen im einzelnen bekannt gibt. f Der frühere englische Minister und Arbeiterführer 9 0 0 5 Burns, der seit seinem Rücktritt in Zurückgezogenheit und in Vergessenheit gelebt hatte, wurde— wie wir einer Brief notiz des Londoner Clarion vom 12. November entnehmen— Gemeinderat seines Wahltreises Battersea(London⸗Südwest) 5 sucht, sich an der Propaganda für Soldatenanwer ungen zu beteiligen. Burns gab jedoch eine ablehne Antwort. Im englischen Unterhause erklärte Minister bird John Simon, daß die Anzahl der Internierten, die 13. Mai 19569 betragen habe, jetzt auf 34 440 gestiegen sei. Die zahl derjenigen, die wieder nach ihrem Vaterland geschickt se habe einschließlich der Kinder in demselben Zeitraum 9469 betrag Der Einfluß des Krieges auf die regelmäßigen, nahmen Rußlands führte zu einem Defizit von 327 wake lionen Rubeln. Dieses Defizit glaubt man auf dem Wege pon 0 Kreditoperationen decken zu können. Der Finanzminister hält e fn jedoch für möglich, nicht ausschließlich zu Kreditoperationen flucht nehmen zu miüssen, da ein Teil davon durch die Einf ung neuer Steuern eventuell gedeckt werden könnte— v ee durch die Durchführung einer allgemeinen Einkomm euer. 5 Barfüßele. Eine Schwarzwälder Dorfgeschichte von Berthold Auerbach. Amrei kam sich wie gefesselt vor an der Hand des Ohms, und dieser redete doch jetzt mit zutraulicher Innigkeit in sie hinein, er erzählte fast wie zu seiner Entschuldigung, daß er selber eine schwere Familie habe, so daß er sich mit Frau und fünf Kindern nur mit Not fortbringen könnte. Nun aber erhalte er von einem Manne, der große Waldungen in Amerika besitze, freie Ueberfahrt und nach fünf Jahren, wenn er den Wald umgerodet habe, ein großes Ackergut vom besten Boden als freies Eigentum. Als Dank gegen Gott, der ihm das für sich und seine Kinder beschert, habe er sich sogleich vor— gesetzt, eine Wohltat zu tun und die Kinder seines Bruders mitzunehmen; er wolle sie aber nicht zwingen und nehme sie überhaupt nur mit, wenn sie ihn von ganzem Herzen gern hätten und ihn als ihren zweiten Vater betrachteten. Amrei sah ihn nach diesen Worten groß an. Wenn sie es nur hätte machen können, daß sie diesen Mann liebte! Aber sie fürchtete sich fast vor ihm; sie wußte nichts dagegen zu tun. Und daß er so plötzlich wie aus den Wolken fiel und verlangte: hab' mich lieb! das machte sie eher widersacherisch gegen ihn. „Wo ist denn deine Frau?“ fragte Amrei. Sie mochte wohl fühlen, daß eine Frau sie milder und allmählicher an— gefaßt hätte. „Ich will dir nur ehrlich sagen,“ erwiderte der Ohm, „meine Frau mengt sich nicht in diese Sache, sie hat gesagt, sie rede mir nicht zu und nicht ab. Sie ist ein bißchen herb, aber nur von Anfang, und wenn du gut gegen sie bist, und du bist ja gescheit, so kannst du sie um den Finger wickeln. Und wenn dir auch einmal etwas geschieht, was dir nicht recht ist, denk', du bist bei deines Vaters Bruder, und sag' mir's ganz allein, und ich will dir helfen, wo ich kann. Aber du wirst sehen, du fängst jetzt erst zu leben an.“ Amrei standen die Tränen in den Augen bei diesen Wor— ten, und doch konnte sie nichts sagen, sie fühlte sich diesem Manne gegenüber fremd. Seine Stimme bewegte sie, aber Da kam Dami mit dem Schlüssel. Amrei wollte ihn den⸗ selben abnehmen, aber er gab ihn nicht her. In der eigen⸗ tümlich pedantischen Gewissenhaftigkeit der Kinder sagte er, daß er des Kohlenmathesen Frau heilig versprochen habe, den Schlüssel nur dem Ohm zu geben. Dieser empfing ihn, und Amrei war's, als ob sich ein zaubervolles Geheimnis auftue, da der Schlüssel zum erstenmal im Schlosse rasselte und jetzt sich drehte— die Klinke bog sich nieder, und die Tür ging auf. Eine eigentümliche Gruftkälte hauchte aus dem schwarzen Hausflur, der zugleich als Küche gedient hatte. Auf dem Herde lag noch ein Häufchen Asche, an der Stubentür waren noch die Anfangsbuchstaben vom Caspar Melchior Balthes und darunter die Jahreszahl vom Tode der Eltern mit Kreide angeschrieben. Amrei las sie laut, das hatte noch der Vater angeschrieben.„Schau,“ rief Dami,„der Achter ist gerade so gezogen, wie du ihn machst, und wie's der Lehrer nicht leiden will, so von rechts nach links.“ Amrei winkte ihm, still zu sein. Sie fand es fürchterlich und sündhaft, daß der Dami hier so laut sprach, hier, wo es ihr war wie in der Kirche, ja wie mitten in der Ewigkeit, ganz außerhalb der Welt und doch mitten drin. Sie öffnete selber die Stubentür. Die Stube war finster wie ein Grab, denn die Laden waren geschlossen, und nur durch eine Ritze drang ein zitternder Sonnenstrahl herein und just auf einen Engelkopf am Kachel⸗ ofen, so daß der Engel zu lachen schien. Amrei fiel erschreckt nieder, und als sie sich aufrichtete, hatte der Ohm einen Fensterladen geöffnet, und warme Luft drang von draußen herein. Hier innen war es so kalt. In der Stube war nichts mehr von Hausrat als eine an der Wand genagelte Bank.— Dort hatte die Mutter gesponnen, und dort hatte sie die Händchen Amreis zusammengefügt und sie stricken gelehrt. „So, Kinder, jetzt wollen wir wieder gehen,“ sagte der Ohm,„da ist nicht gut sein. Kommet mit zum Bäcker, ich kauf jedem ein Weißbrot; oder wollet ihr lieber eine Brezel?“ „Nein, noch eine Weile dableiben,“ sprach Amrei und streichelte immer den Platz, worauf die Mutter gesessen hatte. Auf einen weißen Fleck an der Wand deutend, fuhr sie dann wenn sie ihn ansah, wäre sie gern entflohen. halblaut fort:„Da hat unsere Kuckucksuhr gehangen und dort der Soldatenabschied von unserem Vater, und da si die Stränge Garn gehangen, die die Mutter gesponnen 1.9 sie hat noch feiner spinnen können als die schwarze Mara der ja, die schwarze Marann hat's selber gesagt: immer einen aug Schneller mehr aus dem Pfund als jedes andere und alles dus so gleichling— da ist kein Knötele drin gewesen, und siehst usb da den Ring da oben an der Decke? Das ist schön gewesenn dun wenn sie da den Zwirn gemacht hat. Wenn ich damals on schpe bei Verstand gewesen wäre, hätte ich nicht zugegeben, daß an man der Mutter ihre Kunkel verkauft, es wäre mein Erb laß stück; aber es hat sich niemand unserer angenommen. d Mutter lieb! o Vater lieb! wenn ihr es wüßtet, wie— herumgestoßen worden sind, es tätet euch noch jammern 5 der Seligkeit.“ i für! Amrei fing laut an zu weinen, und Dami weinte mit, acht Selbst der Ohm trocknete sich eine Träne und drang noch sude mals darauf, daß man jetzt fortgehe, denn es ärgerte ihn] uh, zugleich, daß er sich und den Kindern dieses unnötige Herze du leid gemacht; Amrei aber sagte streng:„Wenn Ihr auß r gehet, ich gehe nicht mit.“ 5 Ag „Wie meinst du das? Du willst gar nicht mitgehen“ 00 Amrei erschrak, sie ward jetzt erst inne, was sie ges 0 hatte, und fast mochte es ihr sein, als wenn das eine Ei 0 ö gebung gewesen wäre; aber sie erwiderte bald: b „Nein, vom anderen weiß ich noch nichts. Ich mei 40 nur so, gutwillig gehe ich jetzt nicht aus dem Haus, bis alles wiedergesehen habe. Komm', Dami, du bist ia mein Bruder, komm' mit auf den Speicher, weißt? wo wir Per. steckens gespielt haben, hinterm Kamin; und dann 8 ö wir zum Fenster nausgucken, wo wir die Morcheln getre 1 8 haben. Weißt nicht mehr, das schöne Guldenstück, das 0 Vater dafür bekommen hat?“ f Es raschelte etwas und kollerte über der Decke, Nen erschraken. Aber der Ohm sagte schnell;„Bleib da, Damm 0 und du auch. Was wollet ihr da oben? Höret ihr nicht,. die Mäus' rasseln?“* 1 0 (Jortsetzung folgt.) und Nachbargebiet Gießen A naa gebiete. — f ö 5— 7 Praktiken zur Umgehung der Schweinehöchspreise Aus fachmännischen Kreisen wird uns initgeteilt: Wie alle Höchstpreisverordnungen, die nicht zugleich die Au Konsequenz der Beschlagnahme als Regel aufstellen 0 auch die für Schweine und Schweinefleisch schon jetzt flott umgangen. Und zwar von den Produzenten sowohl wie don den Viehaufkäufern und Viehhändlern. Die Schweinemäster erklären, daß für ihre Schweine die Höchstpreisverordnun, dann nicht in Betracht komme, wenn sie sie nicht auf den Viel höfen, sondern ab Stall verkaufen. Bei diesem Hand werden Preise gefordert und bezahlt, die erheblich über die Höchstpreise für Schlachtschweine hinausgehen. Die mangel⸗ hafte Ausgestaltung der Höchstpreise für den Kleinverkauf macht diesen Handel immer noch gewinnreich. Der Vieh- händler hingegen sagt sich: Geht der Bauer durch seine Hintertür, gehe ich durch meine. Die Schweinehöchstpreise beziehen sich seiner Meinung nach nur auf lebende Schweine, nicht aber auf geschlachtete. Also wird das Schwein vor dem Uebergang an den Schlächter vom Leben zum Tode gebracht und— die Preise steigen. Der Schlächter zahlt, um überhaupt zu dem jetzt so kostharen Schweine leisch zu ge⸗ langen. Noch bemerkenswert ist folgende Praxis: Für den Weiterverkauf der Tiere wiegt der Viehhändler nicht das einzelne Schwein, wie es sich gehört, sondern er treibt je nach der Tragfähigkeit der Wage 6, 8, 10 oder noch mehr Schweine darauf und verrechnet das Durchschnittsgewicht. 5 sz. l 5 te Daß es dabei stets gelingt, durch Zuteilung eines oder zweier ohn besonders fetter Tiere das Gewicht aller Schweine in eine noch y höhere Gewichts- und Preisstuse zu bringen, versteht sich von N selbst.— Diese Stichproben aus der Praxis beweisen, daß idee eine Regierung, die den geriebenen Schlichen der Schweine⸗ j mäster zu Leibe will, viel radikaler und energischer zufassen müßte, als es jetzt geschehen ist. Der Verbraucher ist, soviel steht fest, trotz der Höchstpreisverordnung auch heute noch der Gerupfte. — — Eine geradezu sibirische Kälte, wie sie um diese Jah- reszeit ganz selten zu verzeichnen ist, hat uns am Samstag jählings überfallen. In der Nacht hatte das Thermometer im Wetterhäuschen in der Südanlage seinen niedrigsten Satnd mit 17(siebzehn!) Grad nach Régumur oder 22 Grad Celsius erreicht. Der Schnee quitschte unter den Tritten, wie man es sonst nur in den kältesten Tagen des Januar ge⸗ wohnt ist. In einer Nacht ist die erst zwei Tage vorher mit Wasser aufgefüllte Eisbahn an der Moltkestraße dick und fest zugefroren, sodaß sie jetzt bereits in Benutzung genommen werden kann. Für viele arme Leute fund besonders auch für die Familien der Kriegsteilnehmer, welche nur auf ihre ge— ringe Unterstützung angewiesen sind, bedeutet diese scheuß— liche Kälte ein wahres Unglück. Vielen wird es an Brenn- material fehlen, nicht wenigen auch an ordentlichen Winter— kleidungsstücken. Man denkt auch mit Schaudern daran, wie es den Kriegsteilnehmern ergehen mag, welche genötigt sind, wochen⸗ und monatelang unter freiem Himmel zu kampieren. Haben sie auch solche Kälte zu erdulden— und im Osten wird sie sicher nicht geringer sein— so werden sie schwere ge⸗ sundheitliche Nachteile davon tragen. Es sollte von allen Seiten auf den Frieden hingewirkt werden, damit der Massen⸗ Menschenmord endlich ein Ende hat, sonst gibt es schließlich nur noch Krüppel und Kranke.— Für den Rodelsport waren Schnee und Kälte allerdings sehr günstig und er wurde denn auch sofort aufgenommen. Nach den Bergen zogen Trupps mit Rodelschlitten und es war nicht blos Jugend, die sich dieses Vergnügen leistete, sondern auch ältere Jahrgänge. Alle aber mußten das Vergnügen mit kalten Händen und Füßen bezahlen, so mancher hat sicher auch Püffe und Schram— men davongetragen. 41 — Das Butter⸗Ausfuhr⸗Verbot, das vor einigen Tagen vom Kreisamt Gießen erlassen wurde, ist mit Wirkung vom 1. Dezember wieder aufgehoben. Dies mußte infolge der ministeriellen Verordnung geschehen, welche 15 Versor⸗ gung mit Butter regelt und in welcher auch das Verbot der Ausfuhr aus Hessen enthalten ist.— Verordnungen sind seit Ausbruch des Krieges in solcher Zahl erlassen worden, daß Beamte und Richter, die damit zu tun haben, sich darin nue schwer zurecht finden können, einem Laien ist das Abenha unmöglich. Aber trotz der unzähligen Verordnungen und Maßnahmen werden die Lebensmittel und Bedarfsartikel täglich teuerer! 8 35 55 Gegen Ueberforderungen im Handel mit deen ee und Bedarfsgegenständen. Seit mehreren Wachen 1175 45 für die Stadt Gießen eine Preis pr üfun gs 14 1 5 1 richtet, deren Bureau sich im Marge ee findet. Zu den Aufgaben der eee auch, dafür zu sorgen, daß Fälle. von Unred W Handel mit den täglichen Lebensbedürfnissen 5 1115 100 Der strafrechtlichen Verfolgung überantworte 11 190 155 Aufgabe kann die Kommission aber nicht erfüllen, 1 von solchen Vorkommnissen keine e ie ee Perstöße Es liegt im allgemeinen Interesse, wenn 1 der dem Fälle dieser Art sicher nachzuweisen in der Lage ist, 8 durfen Hiele bekannt geworden sind, die der Untersuckung ge e bei der Preisprüfungsstelle, Zimmer 10 1 bt 115155 kann gebäude, anzeigt, damit das Weitere veran 15 10 9 0 — Gefallene aus Oberhessen ue senrod, Landw. Wehrmann Heinrich Richter 2. aus Cent 5 45 nrich Hartmann aus Inf.⸗Reg. 116.— Musketier Hei Ersat⸗Reservist Anton Dberquembach, Inf.⸗Reg. 116. 771 0 a eee Schäfer aus Kinzenbach, Inf. 57755 We Fritz Numpf aus Ehringshausen geg ülhl, Reserve⸗Inf⸗ Inf. Reg. 116.— Reservist Friedrich 9! Regiment 81.% ng. ea Gagen fur Leber. Gleichzeitig ut Ae e e die die Höchsspreise für Grof ehh eeanntmachung in Kraft, die am 1. Dezember 1915 eine weitere 11 und eine Beschlag⸗ döchtprelse für Leder feste nahme bestimmter für Weilitarzwecke zu verwendender Ledersorren ausspricht. Die Höchstpreise betreffen Leder jeder Herkunft, jeder Gerbart und jeder Zurichtungsart. Eine Preistafel verzeichnet die Preise für die einzelnen Arten und Sorten von Loder. Der Verkaufspreis im Großhandel darf den sestgesetzten Grundpreis um nicht mehr als 3 v. H., der Verkaufspreis im Kleinhandel um nicht mehr als 10 v. H. liberschreiten. Die festgesetzten Preise sind für Leder bester Beschaffenheit angenommen.— Beschlag⸗ ahmt sind bestimmte Lederarten, soweit sie sich im Eigentum, Besitz oder Gewahrsam einer Gerberei, Zurichteret oder Gerber⸗ vereinigung befinden. Die Veräußerung und Ablieferung der⸗ artigen beschlagnahmten Leders ist nur auf unmittelbaren schrift⸗ lichen Antrag einer amtlichen Beschaffungsstelle der Heeres⸗ oder Marineverwaltung oder auf Grund eines von der Meldestelle der Kriegs⸗Rohstoff⸗Abteilung für Leder und Lederrohstofse ausge⸗ stellten Freigabescheines erlaubt. Alle übrigen Ledersorten unter⸗ liegen keiner Verflügungsbeschränkung. Die Bekanntmachung, die eine gauge Reihe von Einzelbestimmungen enthält, ist bei unserer Geschäftsstelle einzusehen. — Die Höchstpreise für Schweinefleisch und Wurstwaren im Kleinhandel dürften für die Stadt Gießen morgen festgesetzt und bekannt gegeben werden. Das Pfund rohes Schweinefleisch— alle Stlicke— wird wahrscheinlich auf 1,50 Mk. festgesetzt werden. — Die Eierpreise erreichten am Samstag auf dem Wochen⸗ markte eine geradezu wahnsinnige Höhe. Das Stück wurde zu 25 und 26 Pfg. verkauft! Derartige Wucherpreise sollten von den Behörden unbedingt verhindert werden; es sind Bestimmungen da, auf Grund deren sofort eingeschritten werden kann. Daß es jetzt wenig frische Eier gibt, darf kein Grund zu solch' unerhörter Preis⸗ treiberei sein. — Die Auszahlung der Familienunterstützung für 1. bis 15. Dezember 1915 an die Angehörigen der zum Hoeresdienst Ein⸗ berufenen findet süür die Reichs⸗ und Kreisunterstltzung von Diens⸗ tag bis Donnerstag(30. November, 1. und 2. Dezember) statt; für die städtische Unterstützung am Freitag, Samstag und Montag G, 4. und 6. Dezember). Vermieter können Mietbeträge am Dienstag den 7, Dezember abholen. Die Auszahlungen werden täglich in den Stunden von 8—1 Uhr im Zimmer Nr. 7 im Stadt⸗ Haus geleistet, Einzesheiten darllber, an welchem Tage ein Unter⸗ stlltzungsempfänger sein Geld abzuholen hat, sind aus der Bekannt⸗ machung des Oberbürgermeisters im heutigen Blatte ersichtlich, auf die wir verweisen. Die Unterstlitzungsgesuche haben sich in der letzten Zeit derart vermehrt, daß eine Neueinteilung der Aus⸗ zahlungen vorgenommen werden mußte. Es wird zur Vermeidung von Störungen hierauf besonders aufmerksam gemacht; die Gelder werden nur an den in der Bekanntmachung angegebenen Tagen ausbezahlt. — Feuer brach am Freitag nachmittag in einem Schuppen bei der Margarethenhiütte aus, welcher als Lagerraum von der Lolat⸗ Gesellschaft benutzt wird. Die Feuerwehr kam mit der Auto⸗ spritze an und löschte den Brand in kurzer Zeit. — Schwindel mit Nahrungsmitteln. Vor einem Blüten⸗ honig⸗Ersatzpulver, das von der Firma Ed. Mayer u Lindemann zur Selbstherstellung von Kunsthonig angepriesen wird, erläßt das Bezirksamt in Mannheim eine Warnung. Nach amtlicher Untersuchung des Präparats, von dem 40 Gr. für 45 Pfennige verkauft werden, besteht das Pulver aus einer gelbge⸗ färbten Mischung von etwa 2 Gr. Weinsteinsäure mit 38 Gr. ge⸗ wöhnlichem Zucker mit Zusatz von etwas künstlichem Honigaroma; es hat einen Wert von 5 Pfg.! Also Vorsicht! Ueberhaupt mit allen derartigen„Präparaten“. Westerwald und Unterlahn. Ueber eine Luftspiegelung wird aus Weiden au im Sieg⸗ kreise berichtet, welche dort dieser Tage von einer Anzahl Ar⸗ beiterinnen der Siegener Schrauben- und Mutternfabrik beob⸗ achtet wurde. Die Erscheinung zeigte sich am östlichen Himmel, vormittags zwischen 8% und 9% Uhr. Es erschien zunächst eine Feuerrinne, die immer größer wurde, und schließlich wie eine Granate platzte. Nachdem sich das öfters wiederholt hatte, kamen Berge zum Vorschein, in denen gegeneinander kämpfende Soldaten sichtbar wurden. Auch sah man eine Feuerlinie. Weiter er⸗ blickten die Beobachterinnen eine Anzahl Krankenschwestern, die einen Berg hinaufstiegen. Deren Hauben konnten sie ganz deutlich erkennen, Darauf zeigte sich ein freier Platz, auf dem sich einige Krieger befanden, die in ein kleines Haus marschierten. Deutlich war zu sehen, wie dann ein Fenster zugemacht wurde. Nun wurde wieder ein Bergeshügel sichtbar, auf dessen Spitze drei Soldaten schußbereit lagen. Zuletzt sahen die Beobachterinnen in einem Berg Laufaräben, durch die Soldaten hindurchliefen. Dann trat die Sonne stark hervor und die Erscheinung verschwand.(Viel⸗ leicht war auch etwas Phantasie der Beobachter dabei.) Parteinachrichten. Verbreitung von Druckschriften und militärische Schutzhaft. Die Genossen Westkamp und Ochel in Dllsseldorf, die Anfang Juni wegen Verbreitung von Druckschriften in Untersuchungshaft und später in militärische Schutzhaft genommen wurden, sind am Montag aus dem Gefängnis entlassen worden. Beide wurden am 2. September zu drei Monaten Gefängnis verurteilt und auf Beschluß des Gerichts aus der Haft entlassen, tags darauf aber auf Anordnung des Genexalkommandos wieder in militärische Schutzhaft genommen. Nachdem der Stagtsanwalt seine Revision zurückgezogen, traten die beiden Genossen ihre Stvafhaft an, die am Montag ablief. Darauf erfolgte ihre Entlassung. Offenbar ist in⸗ zwischen auch die Aufhebung der Schutzhaft verfügt worden. Lugkoberihte des Großen Haupthunrtiers Im Wesien und Osten nichts Neues! In Serbien die großen Operationen abgeschlossen. W. B. Großes Hauptquartier, 27. Nov., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Auf dem westlichen und östlichen Kriegsschauplatz keine wesentlichen Ereignisse. Balkan. Oesterreichisch-ungarische Truppen haben das Gelände südwestlich von Mitrovica bis zum Plina⸗Abschnitt vom Feinde gesäubert. Die Zahl der bei und in Mitrovica gemachten Gefangenen erhöht sich auf siebenhundert. Westlich von Pristina sind die Höhen auf dem linken Sitnicaufer von deutschen Truppen besetzt. Weitere achthundert Gefangene fielen in unsere Hand. Südlich der Drenica haben bulgarische Truppen die all⸗ gemeine Linie Goles⸗Stielja⸗Jezerea⸗Linbotin überschritten. Oberste Heeresleitung. Großes Hauptquartier, 28. Rov.(W. T. B. Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz Nach erfolgreichen Sprengungen in Gegend von Neu⸗ ville(swichsen Arras und Lens) besetzten unsere Truppen den Sprengtrichter und machten einige Gefangene. An verschiedenen Stellen der Front fanden Handgra⸗ ngten⸗ und Wurfminenkämpfe statt. 2 Vn der Champagne und in den Argonnen zeigte die feindliche Artillerie lebhafte Tätigkeit. Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalle v. Hindenburg. Ein feindliches Flugzeug wurde bei Buschhof(südwest⸗ lich von Jakobstadt) durch Maschinengewehrfeuer herunter geschofsen. Es stürzte zwischen den beiderseitigen Stel⸗ lungen ab und wurde in der Nacht von unseren Patrouillen geborgen. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Nordöstlich von Baranowitschi wurde ein russischer Vorstoß abgewiesen Heeresgruppe des Generals v. Linsingen. Nichts Neues. Balkankriegsschauplatz. Die Verfolgung wird fortgesetzt. Südwestlich von Mitrovica wurde Ruduik be setzt. Ueber zweitausendsieben hundert Gefan⸗ gene fielen in die Hand der verbündeten Truppen. Zahl⸗ reiches Kriegsgerät wurde erbeutet. 8 Mit der Flucht der kärglichen Reste des serbischen Heeres in die albanischen Gebirge sind die großen Operationen gegen dasselbe abgeschlossen. Ihr nächster Zweck, die Oeffnung freier Verbindung mit Bul⸗ garien und dem türkischen Reich, ist erreicht. Die Bewegungen der unter der Oberleitung des General feldmarschalls von Mackensen stehenden Heeresteile wurden begonnen von der österreichisch-ungarischen Armee des Generals v. Koeveß, die durch deutsche Truppen ver⸗ stürkt war, gegen die Drina und Save, und von der Armee des Generals v. Gallwitz gegen die Donau bei Semen dria und Ram⸗Bazias am 6. Oktober, von der bulgarischen Armee des Generals Bojadjieff gegen die Linie Nego⸗ tin⸗Pirot am 14. Oktober. An diesem Tage setzte auch die Operation der 2. bul⸗ garischen Armee unter General Todorow in Richtung auf Skoplje⸗Veles ein. Seitdem haben die verbündeten Truppen nicht nur das gewaltige Unternehmen eines Donau⸗Ueberganges angesicht⸗ des Feindes, das überdies durch das unzeitige Auftreten des gefürchteten Kossowa⸗Sturmes behindert wurde, schnell und glatt durchgeführt, und die feindlichen Grenzbefestigungen Belgrad, bei dessen Einnahme sie neben dem brandenburgischen Reservekorps das österreichisch⸗ ungarische 8. Armeekorps be⸗ sonders auszeichnete, Za ecar, Knjaze vac, Pirot, die in die Hände unserer tapferen bulgarischen Verbündeten fielen, bald überwunden, sondern auch den durch das Gelände unterstützten zähen Widerstand des kriegsgewohnten und sich brav schlagenden Gegners völlig gebrochen. Weder un⸗ ergründliche Wege, noch unwegsame tief verschneite Gebirge, weder Mangel an Nachschub, noch an Unterkunft haben ihr Vordringen irgendwie zu hemmen vermocht. Mehr als hunderttausend Mann, d. h. fast die Hälfte der ganzen serbischen Wehrmacht, sind gefangen, ihre Verluste im Kampf und durch Verlassen der Fahnen nicht zu schätzen, Geschütze, darunter schwere, und vorläufig unübersehbares Kriegs⸗ material aller Art wurden erbeutet. Die deutschen Verluste dürfen recht mäßig genannt werden, so bedauerlich sie an sich auch sind. Unter Krankheiten hat die Truppe überhaupt nicht zu leiden gehabt. Oberste Heeresleitung. * Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Vergebliche Blutopfer der Italiener. Erfolgreiche Kämpfe an der montenegrinischen Grenze. Wien, 28. Nov.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: 28. November 1915. 1 Russischer Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse. Jtalienischer Kriegsschauplaß. Die Italiener setzten ihre Angriffstätigkeit an der ganzen küstenländischen Front fort. Ihre nach wie vor vergeblichen Anstrengunngen des gestrigen Tages zosteten sie besonders große Blutopfer. Am schwersten war der Kampf am Görzer Brückenkopf, wo der Gegner durch unausgesetzte Angriffe mit immer wieder frischen starken Krüften, namentlich bei Oslavija, läugs der Straße durchzubrechen ver⸗ suchte. Kurze Zeit war die Kuppe nordöstlich des Ortes in Feindes⸗ hand. Nach heftigem Feuer unserer Artillerie gewannen un⸗ sere Truppen alle ursprünglichen Gräben stür⸗ mend zurüc. Auch im Südteil der Podgora⸗Stel⸗ lung drangen die Italiener ein, wurden aber wieder hin⸗ ausgeworfen und durch wirksamstes Feuer verfolgt. Das Gelände vor dem Brückenkopf ist mit Feindes leichen be⸗ deckt; bei Oslavisa allein liegen Tausende. Am Rande der Hochfläche von Doberdo beschränkten sich die Jtaliener auf einen Vor stoß südwestlich San Martino, der abgewiesen wurde. Ebenso fruchtlos waren alle Angrifsse im nördlichen JIsonzo⸗Abschnitt, so bei Zagora, Plava, gegen mehrere Stellen des Tolmeiner Brückenkopfes, des Mrzli Vrh, wo 400 Tote vor unserer Front liegen und auf die Brsie⸗Stellung. Die Lage ist somit unverändert, die Hsonzofront fest in der Hand unserer Truppen. An der Tiroler Grenze wurde ein Angriff auf unsere Stellungen am Westhange des Monte 15 und bei der Schluderhacher Grenzbrücke blutig abge⸗ schlagen. 5 Südöstlicher Kriegs schauplatz. Die an der Nordgrenze von Montenegro kämpfen⸗ den k. u. k. Truppen haben gestern den Feind über den Metalka⸗ Sattel zurückgeworfen. Auch das Grenzgebiet von Celebie wurde gesänbert. Eine von Mitrovieg vordringende öster⸗ reichisch⸗ungarische Kolonne gewann an der nach Jpek führenden Straße die montenegrinische Grenze. Es wurden in diesem Raume abermals 1300 gefangene Serben einge⸗ bracht. Die Bulgaren besetzten den Goles⸗Brdo südwestlich von Pristing und die Höhen westlich von Ferizovse. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnant. Ende mit Schrecken. Der Halbkreis, der sich um die Becken von Ipek und Djakowa zurückflutenden serbischen Heeresteile schließt, wird trotz des hartnäckigen Widerstandes, den die stark gehaltenen dachhuten leisten, immer enger. Die Hochebene von hodol, die Hum⸗Mokra und die Suha⸗Planina sind bereits] gierung eine neue gemeinsame Note als der 2 5 a in den Händen der mit unvergleichlicher Ausdauer dem Feind einigen Tagen übergebenen Note. Die neue Note präzisiert Butter(Land-) per Pfd. 1.90 Mk. auf den Fersen bleibenden verbündeten Truppen. Im] die materiellen Bestimmungen, die die Vierver⸗ e 12 Sandschak arbeiten sich unter den größten Mühsalen bei] bandsmächte von der griechischen Regierung entsprechend dem Gänseeier Stück 9 strengstem Winter unsere Kolonnen gegen die Flanke des ge⸗ getroffenen prinzipiellen Uebereinkommen erwarten. Da die Käse Stück 8—9 Pfg. nannten Raumes heran. Die Serben, die auf ihrem eiligen erste Note die Grundlagen des Uebereinkommens festgesetzt Käsematte 2 Stück 5—6 Pfg. Rückzug infolge mangelhafter Verpflegung selbstredend noch hatte, vermutet man, daß Griechenland der praktischen Ver⸗ er 59 3 1 N größere Schwierigkeiten zu überwinden haben als unsere] wirklichung des Abkommens sich nicht widersetzen wird, ins⸗ Hähne per Stuck 1.50—2.50 Mf. g die den Stra⸗[besondere nach den wohlwollenden Maßnahmen der Ver- Gänse Pid. 1.20— 1.30 Mk Leute zurück, Wehrpflichtige in Zivil, leichen, werden 0 Truppen, lassen überall zahlreiche 10 pazen nicht mehr gewachsen sind. die versuchen, sich in ihre Heimat zurückzusch überall festgenommen. . Auch in Südmazedonien schreitet das drohende Verhängnis für die dort kämpfenden serbischen Truppen un ⸗ aufhaltsam vorwärts. In Frankreich betrachtet man den allgemeinen Rückzug der Franzosen aus Ma⸗ zedonien bereits als eine feststehende Tatsache. Ueberall leiden die serbischen Flüchtlinge die größte Not und gehen an den Entbehrungen und Strapazen massenhaft zu Grunde. Aber auch Albanien ist infolge des großen Mangels an Nahrungsmitteln der Hun⸗ gersnot nahe, und in Montenegro, das seiner Bevöl⸗ kerung selbst nur karge Ernährung zu bieten vermag, drängen sich gegen zwei Millionen serbischer Flüchtlinge zusammen. Ein Ende mit Schrecken naht heran. Nach Erklärung bulgarischer Minister ist Ser bien vollständig vernichtet. Die Ereignisse, die sich 1 schnell entwickelt haben, haben die erwarteten Resultate er⸗ geben. Die Einnahme von Mitrowitza ist bedeu⸗ tungsvoll, da die Serben damit das letzte Stück ihres Eisenbahnnetzes verlieren. Serbien verfügt nur noch über ein Viertel seiner Armee, das ohne mili⸗ ctärische Bedeutung ist, da ihr die Munition, Bewaffnung und Verproviantierung fehlen. Griechenland wird seine bisherige Haltung beibehalten. Die neue Note an Griechenland. Die Agence Havas meldet aus Athen: Die Gesandten „Nachdem die gri Antwort erteilt hat, hingewiesen haben. des Ministerpräsid Truppen, die die griechisch beunruhigen. gebieten schickt. gehen und besondere von seinen Staatsmännern . Kriegsschiff„Hasithion“. bündeten gegenüber dem grie kunft gesichert ist, ebenso wie nach leichterungen für die Verproviantierung. 2 der Alliierten übergaben gestern morgen Petit Parisien bemerkt zu den Athener V echische Regierung eine grundsätzliche genügende beraten die Gesandten des Vierverbandes mit Skuludis eine gewisse Zahl genauer Es genügte nicht, enten und des Kön e Grenze überschreiten könnten, nicht zu Es genügte nicht mehr, daß Skuludis einen Teil der bei Salonik lagernden Divisionen Es ist notwendig, Grenzen der bekannten Notwendigkeiten Eisenbahnen haben werden, die von Wichtigkeit haben könnten, und ferner, der⸗ jenigen Bahnen, die nach Gewgeli, Doiran, Demir Hissar und Seres laufen. Obendrein haben wir, da das im allgemeinen wenig belastet waren, Umständen unzureichend sein könnte, Skuludis gebeten, Ergänzungs⸗ personal einzustellen, das wir liefern könnten. in den Einzelheiten ist die Verhandlung, die frauzösisch⸗englischen Flottille erstrecken wird, griechischen Jnseln daraufhin zu untersuchen, wo sich deutsche und österreichisch⸗-ungarische Unterseeboote Erst wenn Griechenland auf alle diese Punkte günstig geantwortet hat, wird seine Neutralität sich chischen Handel, der für die Zu⸗ im vollsten Sinne des angewandten Formel wollenden Neutralität angepaßt haben.“ Torpedierung des 8 Budapest, 28. Nov. Aus Kandia(Kreta) wird gemeldet: Deutsche Unterseebote torpedierten bei Kreta das französische 5 wochen der griechischen Re⸗ Fortsetzung der vor Ochsenfleisch per Pfd. 1.20—1.2 Uk. Kalbfleisch ver Pfd. 120—124 Pfg. Kuh⸗ u. Rindfl. per Pfd. 110116 afg. Schweinefleisch Pfd. 150—000 Pfg. den gegenwärtigen Er⸗ marktpreise in Gießen am 27. November 1915 0 Hammelfleisch p. Pfd. 96— Kartoffeln v. Malter 7—7 50 Kartoß Pfd. 4 Zwiebe. Blumen Weißkraut Rotkraut Wirsing Kohlrabi Sellerie Birnen Aepsel Nüsse er handlungen: Verlag von Punkte, auf die wir bereits daß wir die formelle Zusage igs hatten, diejenigen unserer berufenen findet statt: nach den albanischen Grenz⸗ a) Reichs⸗ daß wir wissen, ob wir in den den Gebrauch der Salonik nach Monastir R Mittwoch, den 1. Personal dieser Strecken, die unter den augenblicklichen H Freitag, den 3. Nicht weniger delikat sich auf das Recht der c) An Vermieter, die die Buchten der! Dienstag, den 7. und verpflegen.] haus Zimmer Nr. 7 statt. Die Unterstützungen abgeholt werden. verbergen Wortes der einer wohl⸗ „Hasithion“ Kel Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Krumm& Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M. Bekanntmachung.. Die Auszahlung der Familienunterstützungen für 1. bis 8 Dezember 1915 an die Angehörigen der zum Heeresdienst Ein⸗ und Kreisunterstützung. An diejenigen, deren Namen beginnen mit II Dienstag, den 30. November 1915, 8. Donnerstag, den 2. Dezember 1915. b) Städtische Unterstützung(Mietszuschuß). IR Samstag, den 4. Dezember 1915, S. Montag, den 6. Dezember 1915. Die Auszahlungen finden von 8—1 Uhr vormittags im Stadt⸗ dürfen nur an den vorgenannten Tagen Gießen, den 27. November 1915. Der Oberbürgermeister. Cie., Gießen. Dezember 1915, Dezember 1915 1 Mietbeträge abholen. Dezember 1915. Leer. Verstorbene. 18 Jahre alt.— Frau heim, 78 Jahre alt. Katharine Schaaf in Kirtorf Eleonore Schmidt geb. Böhmer in Heuchel⸗ bei Alsfeld, pille! Es ist nicht das erste Mal, dass wWir unsern Lesern ein solches Weihnachtsgeschenk bieten können. Dieses Mal sind es Friedrich Hebbels Werke herausgegeben von Dr. Egbert Sehmitz in neuer illustrierter Ausgabe i zwel eleganten Prachtbhänden fr den durch Massenauflagen inen i Ausserst billigen Preis von nur 3 Mk. 5 judith Agnes Bernauer— Nibelungen und andere zeigen die gewaltige Grösse des genialen Dramatikers. ‚ N Gedichte wie„Das Kind“,„Das Gebet“ und viele mehr 1 sind von einer Tiefe und Zartheit, die kaum üuresgleichen haben. Die Erzählungen u. Sprüche Kunstfiorm und Gedankentiele aus. E zeichnen sich durch edle 5 f 1 bieten einen tiefen Einblick 0— Die Tagebücher in die Seele des Dichters. Seine 5 Streben nach dem Höchsten lernen wir kennen. 8 II dies bopaldge, all dies öchöne, ad diess Urossg anal unsere Jusgabe. Einem jeden, ob fung oder alt, bietet sich durch dies f 1 80 g cr 8 ese neue illustrierte Aus- asabe die Möglichkeit, diese wertvollen, dabei unterhaltenden und belehrenden Werke sei es als Ceschenk. sei es für das eigene Heim, anzuschaffen. 5 A 5 Solange der Vorrat reicht, 75 ist das Werk zum obigen Preise in unserer Haupt- Expedition erhältlich szeilung, Giessen ahnhofstrasse 23. 6 Telephon 2008. N 5 Versand nach auswyärts gegen Voreinsendung des Betra ügli 0 g ges zuzüglich 60 Pfg. Poreo (Nachn. 25 Pig. extra.)— Auf ein Paket gehen 2 Exemplare 1 Unsere Zeitungsträger nehmen Bestellungen entgegen 0 jammervolle Jugend seine zähe Ausdauer, sein ernstes 4 e 1 gegengenommen. sollen unter diejenigen familien unserer ein⸗ an waren verteilt werden, die im leßten Jahre unter 2 Rinder haben. Bonsumperein Giessen und Umgegend. Ruf Beschluss der leßten Heneralversammlung gezogenen sllitglieder insgesamt 5OO Mark mindestens Is Scheine abgegeben und nicht Meldungen werden unter Dorlegung des Nnteilscheines oder der 9 N 9 — 1 1 bei Wirt Daniel Erb II. Anteilkarte bis spätestens snontag, den 6. Dezember im Rontor, Schanzenstraße 16, ent⸗ Der Dorstand. Telerdl-Jersaumdng des Landwirlsch. Konsumvereins Wieseck. 0 E. G. m. u. H. Samstag, den 4. Dezember 1915, abends 9 Uhr, Tagesordnung: 1. Vorstandswah. 2. Bericht über den Verbandstag. 3. Verschiedenes. Wieseck, den 25 November 1915. Für den Aufsichtsrat: Braunewell, Vorsitzender. 1 11955 5 flanzen- Fleisch ist ein brauchbarer und gediegener Ersatz für Fleisch! Machen Sie damit einen Versuch und Sie werden durch- aus zutrieden sein und dieses Fabrikat auch gern Ihren Freunden emptehlen. Die Masse eignet sich auch als Ersatz zu Fleisch. ½ Pfund 50 Pfennig reichend für 4—6 Personen. 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