„ 4. 45 der Organ für die Interessen des werktätigen Volkes 1 Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. . 12 Oberhessische Volkszeitung erscheint jeden Werktag Abend in ließen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., mongtlich 9 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl. 1. S0 Mek . S Redaktion und Exvedition Giesten, Bahnhofstraße 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Inserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 185 Pfg. 5 Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr. für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 279 Gießen, Samstag, den 27. November 1915 10. Jahrgang; 5 er 1 . N 5 Die Sünden der aud Die Sünden der anderen. da 0 0 Der Vorwärts schreibt: l der Die Ansichten, die der Vorwärts über das Verhalten der n Unzösischen Sozialisten in den letzten Wochen geäußert hat, sind eden wei Stellen auf Widerspruch gestoßen: bei dem sranzösischen nossen Com pe re⸗ Franzosen heute auch nur im allergeringsten eine andere Haltung 5 l hrend David in der Internationalen Korre⸗ undenz im Gegenteil feststellen zu müssen glaubt, daß sie diesen ö dsätzen heute noch ebenso untreu sei wie während der ganzen suer des Krieges. Lassen wir zunächst die moralische Bewertung der Politik 1 0 fanzosen beiseite, so gehen unsere beiden Kritiker gleichermaßen falschen Voraussetzung aus, wir düchten au eine grundsätz⸗ Wandlung in. den Auffasesungen der Partei. Tatsächlich es wicht der jüngsten Kammerverhandlungen, um uns en, daß die Sozlalisten Frankreichs Gegner der d, dabei aber die Wiedererwerbung Elfaß-Loth⸗ licht als Annerion gelten lassen wollen. Wir glaubten mur 9 ten noch heute, daß die Entschiedenheit, mit der die tion im Parlament in lebhafter Auseinandersetzung mit den i den Eroberungen feindlichen Standpunkt ver⸗ des Krieges in Frankreich ohne Vorbild und darüber bis zu einem gewissen Grade mustergültig für alle Sozia⸗ die zwar auf dem Boden der Vaterlandsverteidigung aber immerhin die Grein ischen sich und der natio⸗ e Bourgeoisie nicht verwischen lassen wollen. wird Compèere⸗Morel hoffentlich genügen. Mit des Geuossen David mi wir uns schon ingehe befassen, denn er beschränkt sich nicht auf den ichen Versuch, die objektive Wahrheit sestzustellen; er verwendet mehr den größten Teil des ihm zur Verfügung stehenden wiers auf das Bemühen, dem Vorwärts systematische HRreführung der öffentlichen Meinung und eine Aeiische Stellungnahme zugunsten der Franzosen nachzuweisen. klich bleibt es bei dem Bemühen, denn seine Argumente sind recht uümerlich und halten einer Nachprüfung nicht stand. 5 In der Tat haben wir am 2. November mitgeteilt, daß nach im englischen Blatt die französischen Sozialisten ihren Ein⸗ tt ins Ministerium Briand an mehrere Be⸗ gungen geknüpft hätten, unter denen der Verzicht auf Mexionen die wichtigste sei. Aber wir gaben diese Meldung! unter Vorbehalt wieder, sondern fügten, was David ver 5 a hinzu, daß die Bedingungen, selbst wenn sie gestellt se'en, uns dem Ministersalismus der Franzosen nicht versöhnen könnten. In der Tat haben wir, nach der Rede Renaudels, in dem Auf⸗ kn dieses Führers der französischen Partei ein Abweichen in dem bisherigen Standpunkt der mehr oder eniger kritiklosen Zustimmung zu der bürgerlichen tik“ und ein erstes Zeichen des Wiederbeginns der selbst⸗ Iiigen Orientierung“ gesehen. Aber wir haben keinen Moment en gedacht, den Leser fiber die Stellung der französischen Ge⸗ sen zur elsaß⸗lothringischen Frage in die Irre zu führen. Be⸗ ß: Wir gaben die auf das Kriegsziel bezüglichen Teile de Haudelschen Ausführungen im Wortlaut wieder. Wir erblickten len Bemerkungen über die Annexionen nur insofern einen. Fort⸗ (bt, als hier zum erstenmal in offener Kammersitzung 117 2 ider Bourgeoisie abweichende Standpunkt abgesehen 11 15 (S⸗Lothringen— mit einer Energie verfochten wurde, 171 5 1918 eispielswesse in der Reichstagsrede des Genossen David vom hnst dieses Jahres vermißt haben. l e Endlich sind wir nicht einmal, sondern wiederholt 0 0 0 gefährlichen Phrase von der Niederwer fu na des de. 0 1 n Militarismus scharf entgegengetreten. Sie wel udel besonders zu unterstreichen, schien uns überflüissig, 16150 bei ihm nur als eine durch einen Zwischenruf provogloen dung auftauchte, und weil wir über 2 — — ppp)7]7,⅛]ig.,,§˖— dies im unmittelbaren An⸗ an die Wiedergabe seiner Rede die neee ee anzösischen Parteiausschusses und ihr Zuritkg e f 1 des deutschen Militarismus aufs schärfste ve ellten. 3 Zir sinz Die Vorwürfe Davids prallen also an a eee in diesem Falle den Iilichten der obseltiven wigallerdings (aus nachgekommen. Dabei befleißigten bebe was einer ier Gewohnheit gemäß, alles das hervorzu 15 1 verschiedenen igen Wiederannäherung der Sozialisten r auch weiter ker dienlich sein kann. Diese Methode benen water lefolgen, und wir lehnen es ab, uns e und Vor⸗ kächt auf eine durchgreifende Kritik an 1 11 daß wir 1 en im eigenen Lager dadurch schadlos zu halle ö eisriger den Sünden der anderen nachspüren. * und Compare⸗Morels der französischen Ge⸗ 100 1 2 4* 125 Immerhin veranlassen uns ee Eesätliche Ausfassungen über die walken usprechen. Wir find, en, unsere eigene Ansicht noch einmal a 1 e e gesagt, keineswegs mat 170 1 5 die Kammerfraktion nung, daß die amtliche Partei ung and sätze stehen. Ihre twund fest auf dem Boden sozialistischer. sülges Urtell über die ligung an der Nigtegengig für nene 19% am Kriege, ihr Bemühen, din möbnsischen Zarismus 5 ngo und glücherweise noch gar den 5 0 n serägern der Demokratie und des i den Annäherungsver⸗ . geringes Entgegenkommen gegenüber dem von ihnen mehr Monastir, 78 s bietet einer g. See enene ene 11 0 e en wird fiir die Werkeise een e ihr offizielles Organ, die Humanité, dadurch nicht gebessert, daß sie das Vorhandensein einer wachsenden Opposition in den eigenen Reihen geflissentlich verschweigen. Aber alles das hindert uns nicht, die Besonderheiten der Lage unserer französischen Freunde anzuerkennen und vor allem auch ihr Verhältnis zu Elsaß-Loth⸗ ringen zu verstehen. Wir betonen: zu verstehen. Das ist etwas anderes als billigen. Wir beklagen und verurteilen es, daß die französischen Sozialisten den Rückerwerb Elsaß-Lothringens zu einer der Voraus⸗ setzungen des Friedens erklären. Es läuft das auf eine sinnlose Verlängerung dieses entsetzlichen Krieges hinaus. Wir würden es um der Zukunft Europas willen für geboten erachten, daß sie sich auf die Forderung der Wiederherstellung des Statutsquo be⸗ schränkten. Aber wir können freilich nacht zugeben, daß sie sich mit ich ausgesprochenen Verlangen nach einer Volksabstimmung in einen Gegensatz zu den Beschlüssen unserer internationalen Kongresse bringen. David sagt, solange die Franzosen an ihrem Zerschmetterungs⸗ ziel sesthielten und solange sie die Rückgewinnung Elsaß⸗Lothringens zur Vorbedingungen ihrer Friedensbereitschaft machten, könnten sie auf ein Entgegenkommen unsererseits nicht rechnen. Bedeutet das, daß die deutsche Sozialdemokratie der Aufstellung dieser beiden Krie e widersprechen muß. so sind wir ganz damit einver⸗ standen. Soll es aber heißen, daß sie auf jeden Versuch verzichten soll, in Deutschland jetzt, und gerade jetzt, für eine Beschreitung des von den englischen Lords empfohlenen„Mittelwegs“ einer ver⸗ nunftgemäßen Beendigung des Krieges Stimmung zu machen, so legen wir den schärfsten Protest gegen ein solches Ansinnen ein. Wir mögen unseren Gegnern, wie David an anderer Stelle ver⸗ langt, auch die Ueberzeugung beibringen, daß sie keine Aussicht haben, Deutschland militärisch oder wixtschaftlich niederzubrechen, aber wir leisten dem Frieden einen noch eren Dienst, wenn. wir den Genossen im feindlichen Auslande zeigen, wie energisch wir von allen Befürwortern eines Vernichtungskrieges und allen Anhängern einer Eroberungspolitik abrücken. Vor nichts muß sich die deutsche Sozialdemokratie mehr hüten, als vor der Taktik derer, die die Aufmerksamkeit von den Möglichkeiten und Notwendigkeiten bei uns zu Hause durch die Hervorkehrung fremder Fehler ablenken. Im auderen Fall läuft sie Gefahr, zu einer Partei der verpaßten Gelegenheiten zu Wenden 6 Die Gesandten auf der Flucht! Lugano, 25. Nov. Der russische und der englische Gesandte, sowie das Personal aller diplomatischen Missionen sind in Monastir angekommen; der französische und der italienische Gesandte sind noch auf der Reise durch die unwirtlichen albanischen Berge nach wo sie wegen der drohenden Gesahren kaum bleiben dürften. Die serbische Regierung verließ Prizren und irrt, Unter⸗ kunft suchend, umher. Vom serbischen Heere auf dem Amselfelde fehlen jegliche Nachrichten. Der Korrespondent des Corriere ur⸗ teilt, daß der serbische Staat jetzt verloren sei, auch das serbische Herr sei kaum rettbar, nachdem die Oesterreicher, Ungarn, Deutschen und Bulgaren ihm jetzt den Rückzug nach Albanien abschueiden. Nhland und Jlalien kommen zu spät! T. U. Kopenhagen, 25. Nov. Nach einer Londoner Drahtung aus Nom hat die Landung italienischer Truppen in Albanien nun⸗ mehr begonnen. 1 i T. U. Budapest, 25. Nov. Die russischen Genedel und Ismail, wo sie während des pierten, nach der Besichtigung in der Richtung auf Belgrad ab⸗ marschiert. Der Hafen von Remi wird ausgebaut, um größere Truppenmengen gleichzeitig verladen zu können. Die im Hafen be- findlichen Schlepper erhielten Holzdächer. Italienische„Sympathien“ für Griechenland. Eine Zuschrift der italienischen Gesandtschaft an die athenische Presse versichert Griechenland„der niemals verleugneten Sympa⸗ thien des durch gemeinsame Kultur verbundenen Italiens“, was nach den bisherigen täglichen Ausfällen der italienischen Presse gegen„die griechischen Treubrecher, Feiglinge und Schmuggler“ unendlich komisch wirkt. Steuererhöhungen in Italien. Nachdem die jüngsten beiden Steuer-Budgets mit ihrem auf 100 Millionen Lire geschätzten Jahresertrag nicht ausreichen, wer⸗ den weitere Belastungen eingeführt. Aufsehen erregt die Erhöhung des Salzpreises auf eine Lira für das Kilo⸗ gramm, nachdem eine Ermäßigung dieses unentbehrlichen Genuß— mittels zugunsten des bedrückten Volkes seit langem gefordert war. Ferner wird eine Erhöhung des Inlandportos für 15 Gramm schwere Briefe von 15 auf 20 Centimes vorgenommen; sie wird voraussichtlich einen Rückgang des Briefverkehrs zur Folge haben, daher ihren fiskalischen Zweck verfehlen. Weiter wird ein einprozentiger Zuschlag auf alle direkten Steuern sowie eine Kriegsgewinnsteuer von 5 bis 30 Prozent einge⸗ führt, endlich wird der Anschlagstempel, die Fahrrad⸗ und die Zündholzsteuer erhöht. Die Zustände in den französischen Gefangenen⸗ lagern. In einem an den Abgeordneten Müller-Meiningen ge— richteten Schreiben des preußischen Kriegsministeriums heißt es über den Kriegsgefangenenschutz u. D Truppen sind aus Zarenbesuches kam— .:„Den unablässigen Bemühungen der Heeresverwaltung ist es gelungen, im all— gemeinen eine Besserung in den Zuständen der französischen Gefangenenlager zu erreichen. Die letzten Nachrichten aus Cette lauten erheblich besser, als es der im Juli veröffent⸗ lichte Brief angibt. Besonders sind jetzt weniger Klagen über die Verpflegung.“ leltkrieg. 9 Die Behandlung der Kriegsgefangenen in England London, 25. Nov. Im Unterhaus fragte ein Deputierter, ob die englische Regierung die Absicht hat, gegenüber den deuschen Kriegsgefangenen in England Vergeltungsmaßnahmen anzu⸗ wenden, um eine menschlichere Behandlung der englischen Ge⸗ fangenen in Deutschland zu erreichen. Tennant antwortete, nach den letzten Nachrichten sei eine Besserung in der Behandlung der englischen Gefangenen in Deutschland eingetreten dank der energi⸗ schen Vermittlung der Botschaft der Vereinigten Staaten. Die eng⸗ lische Regierung habe keinesfalls die Absicht, eine Aenderung in der Behandlung der deutschen Gefangenen eintreten zu lassen. Von der Kriegsgefangenen behandlung in Rußland Die russische Regierung will bemerkt haben, daß die Kriegsgefangenen deutscher und ungarischer Abstammung ihre Kameraden flavischer Rasse schlecht und sogar feindselig behandeln. Als„von der Natur berufene Vorkämpferin des Slaventums“ habe sie daher die strenge Anweisung getroffen, daß die Trennung der Deutschen und Ungarn von den Sla⸗ ven auch während der Beschäftigung in den Fabriken usw. und bei der Unterbringung in den Wohnräumen konsequent 5 durchgeführt werde. 720 5 Rasputin, der Herr von Rußland. 0 Aus Stockholm wird der Frankf. Ztg. berichtet: 5 N Ich erfahre aus Rußland von einer Seite, die Beachtung ver⸗ dient, folgende seltsame Neuigkeit, daß der wahre Leiter der inneren und äußeren Politik, in der bekanntlich die Reaktion volln kommen regiert, Rasputin sei. Die Hauptursache der Ent⸗ fernung des Großfürsten Nikolai, der sich im Kaukasus in einer Nervenheilanstalt befinde, sei sein Zorn über diese Tatsache ge⸗ wesen, nachdem Rasputin vor einigen Wochen in Moskau in ange⸗ heitertem Zustande sich bestimmte respektlose Aeußerungen über hochgestellte Damen erlaubt habe. Der Chef des Gendarmeriekorps sowie der Generaladjutant Orlow hätten den Zaren flehentlich um die Entfernung des Mönches gebeten. Daraufhin seien beide ent⸗ lassen worden. Inzwischen habe Rasputin die Front besucht und dort einen Feldgottesdienst veranstaltet. Der Zar sei überzeugt, daß der Einfluß des Wundertäters auf den Verlauf des Feldzugs nicht ausbleiben werde. Man bespreche in Rußland offen diese Zu⸗ stände und knüpfe daran Folgerungen für die künftige Gesamt⸗ abrechnung. 985 5 Der Kummer des Zaren. 1 Bei einem in Gefangenschaft geratenen russischen Offizier ist ein Erlaß des russischen Oberkommandos an den kom⸗ mandierenden General der 2. Armee gefunden worden. In diesem Erlaß wird zum Ausdruck gebracht, daß der russische Kaiser sehr bekümmert sei darüber, daß gewisse Militärper⸗ N sonen die Bevölkerung mißhandeln, nicht selten 1 berauben und oft ihr Gut durch Feuer vernich⸗ 9 ten, obzwar die kriegerische Lage keineswegs dazu Anlaß gibt. Zu solchen Taten seien besonders solche Mannschaften geneigt, die den im Rücken der Armee stehenden Formationen angehören oder solche, die sich von ihrem Truppenkörper los⸗ getrennt haben. Der Kaiser hat deshalb angeordnet, keine 1 Mittel zu unterlassen, um die strengste Disziplin einzuführen, 1 die strengsten Strafen bei Versprengten, Marodeuren, 0 Räubern und Brandstiftern anzuwenden. Dieses Ziel soll 1 um jeden Preis erreicht werden; auf den Eisenbahnen und 1 öffentlichen Straßen, die von der Front führen, sollen Offi⸗ ziere mit genügend starken Abteilungen Wache halten, um alle von ihren Truppenkörpern Entlaufenen festzunehmen. Dieselben sollen als abschreckendes Beispiel streng⸗ stens bestraft werden. Der Kaiser befiehlt allen Höherge— stellten, besonders aber Truppenkommandanten, ihre volle Aufmerksamkeit auf dieses Uebel zu lenken, das sich in der Armee so eingebürgert hat. Nur der größte Eifer und Aus⸗ dauer, die größte Strenge der Vorgesetzten und die strengsten Strafen bei den Schuldigen können diesen Umtrieben, die die völlig begründeten Klagen über das Militär hervorrufen, ein Ende machen. Je mehr das Uebel um sich gegriffen hat, um 0 so strengere Disziplin muß in der Truppe gehalten werden, um so unerbittlicher die Strenge des Kommandanten; nur die Erhaltung der inneren Ordnung kann uns dem Ziel näher bringen. Amerikanische Friedensbemühungen. Ein Privattelegramm der Frankf. Ztg. meldet aus Newyork: Um die Herbeiführung des Friedens zu för⸗ dern, charterte der Automobilfabrikant Ford den Dampfer „Oscar“, der hier am 4. Dezember abgeht, und eine Anzahl angesehener Anhänger der Friedensbewegung nach Europa bringen wird. Ford hatte gestern eine Besprech⸗ 5 ung mit Wilson, deren Ergebnis jedoch nicht bekannt ist. ö Inzwischen finanziert Frau Ford eine Friedenspropa⸗ ganda unter den amerikanischen Frauen, die gegenwärtig Tausende von Depeschen an den Präsidenten Wilson senden und von ihm Schritte zur Herbeiführung des 2 1 5 Vaters Bruder. Friedens, insbesondere eine Beratung der neutralen Staaten verlangen. 0 4 Kein Verkauf deutscher Dampfer an Japan. T. U. Paris, 25. Nov. Die hier eingetroffene Japan Times vom 21. September berichtet, einschließlich der 18 deutschen und österreichisch⸗ungarischen Dampfer, die nach Ausbruch des Krieges von Japan nach Manfla entkommen sind, liegen im ganzen 60 deutsche und österreichische Dampfer in neutralen Häfen Ostasiens. Bereits seit einiger Zeit find Unterhandlungen zwischen den Osakaer⸗Gesellschaften mit deutschen Reedereien wegen Ankaufs einiger dieser Dampfer im Gange. Die Bemühungen Japans sind jedoch vergeblich, denn es ist bekanntlich verboten, die Schisfe an Nichtreichsangehörige zu verkaufen. KMonzertfaal und Schützengraben. Wir lesen in der Berliner Welt am Montag: Die Feldpost brachte uns die Zuschrift eines Kämpfers im Westen; sie unterbreitet uns zwei Zeitungsausschnitte, nicht ohne bitteren Kommentar. Der eine enthält, was in einem Berliner Blatte zu lesen stand über einen Vortragsabend Marcell Salzers im Beethoven⸗Saal: .. Auf dem Podium der kleine Herzog aller Imitatoren, Stimmporträtisten, Kopisten und Vereinshumoristen mit seinen zappligen Beinchen, den niemals ruhenden setten Händchen, den gezausten, gekratzten Haarsträhnen, den blitzenden Aeuglai Wänglein und Ordensternchen, mit der unerschöpflichen Liebens würdigkeit eines auf seine Kundschaft wohl cingestimmten Laden⸗ herrn, mit seiner„urweanerischen“ Gemütlichkeit und— nücht zu vergessen— seiner ungeschwächten Suggestivkraft; und ihm gegen⸗ über die kompakte Masse vergnügter, bis zu Tränen lachender Menschen. Salzer hatte nicht verab⸗ säumt, seine Vortragfolge kräftig feldgrau zu tünchen. .. Neben allerhand erheiternden Vorkommnissen aus seind⸗ licher Zeit, die Ludwig Thoma u. a. aufgezeichnet hatte, gab es alles, was der Augenblick erheischte: Spottverse auf unsre Feinde in Englisch⸗Deutsch und Katzelmacherisch(von Ettlinger), und auf unfre lieben Miesmacher, Erinnerungen an das tum dreses Jahres, in denen die lachende Träue etwa zitterte(von Fritz Müller und Wilh. Arminius) Anckdoter von der Isonzofront im Stile Roda Nos Der andre Zeitungsausschnitt ist einer wahrhe Kriegsschilderung entnommen: . Zmischen den Schützengräben ist die Zone des Grauens. Dort verwesen die Leichen, die der Angreifer auf dem Felde ließ. Scharen von Ratten mästen sich daran, werden fett und groß, sast wie widerliche kleine Hunde, ekelhaft anzusehen, wenn sie sich dann in die Gräben ver⸗ irren, wo die Leute sie voll Abscheu erschlagen.... 0 Den Abdruck des bittern Kommentars eines wirklich Jeld⸗ grauen, nicht nur„feldgrau getünchten“, können wir uns danach wohl ersparen. Verschärsung des Belagerungszustandes in Ostpreußen. Der kommandierende General des 20. Armeekorps in Allenstein hat solgends verfügt: „Oeffentliche Versammlungen in geschlossenen Räumen zu anderen als rein geselligen oder kirchlichen Zwecken bedürfen der Genehmigung des stellvertretenden Generalkommandos. Jede Teilnahme an einer solchen Versammlung ist verboten, wenn sich der Vexsammlungsleiter nicht im Besitze einer schriftlichen Erlaubnis des stellvertretenden Generalkommandos befindet. Die Genehmigung ist von dem Veranstalter mindestens 48 Stunden vor dem Beginne der Versammlung unter Angabe des rtes, der Zeit und des Gegenstandes der Versammlung nachzu⸗ suchen. Sie wird schriftlich erteilt; im Falle der Verweigerung ergeht an den Veranstalter alsbald ein kostenfreier Bescheid. Den Ortspolizeibehörden, die vom stellv. Generalkommando iiber die erteilte Genehmigung sosort in Kenntnis gesetzt werden, steht die Ueberwachungs- und Auflösungs-Befugnis bezw. Pflicht zu. Die Auflösung hat insbesondere zu erfolgen, wenn Aus⸗ führungen gemacht werden, durch die die Einigkeit des deutschen Voltes gestört wird oder die eine Aufreizung der einzelnen Be⸗ gepfefferte . usw. emäßen völkerungsklassen gegen einander oder gegen die Staats- oder Kommunalverwaltung enthalten. 1 Auf Straßen, öffentlichen Plätzen oder sonst unter freiem Himmel darf bei Tage keine Versammlung von mehr als 10 Personen stattfinden; bei Nacht von abends 8 Uhr bis morgens 8 Uhr— sind Versammlungen unter freiem Himmel gänzlich verboten. Vereine jeder Art zu politischen Zwecken oder sprechung politischer Angelegenheiten sind geschlossen. Der Druck von Anschlagszetteln und Flugblättern, insbe⸗ sondere von Bekanntmachungen und Aufrufen politischen In⸗ halts, ihre Verbreitung und Verteilung jeder Art an öffentlichen Orten wie in geschlossenen Räumen darf nur mit schrift⸗ licher Genehmigung der Ortspolizeibehörde erfolgen. Ausgenommen sind amtliche Bekanntmachungen öffentlicher Be⸗ zur Be⸗ 8 witza und Ueberschreiten des Flusses Sitnica durch die Bulgaren hörden, ferner Veröffentlichungen, die amtlich bestätigte oder durch W. T. B. mitgeteilten Nachrichten enthalten, sowie die Sonderausgaben nicht verbotener Zeitungen. 4 Zuwiderhandlungen werden mit Gefängnis bis Jahre bestraft.“. 5 Der Belagerungszustand im fächsischen Landtage. In der Zweiten Kammer wurde am Donnerstag der sozialdemokratische Antrag auf Beseitigung des Belagerungs⸗ zustandes verhandelt. Der Kriegsminister gab zu Beginn der Verhandlungen die Erklärung ab, daß sich die Regierung zu dem Antrage nicht äußern werde, da für den Belagerungs⸗ zustand die Militärbehörden, letzten Endes der Kaiser die Verantwortung tragen. Begründet wurde der Antrag vom Abg. Gen. Fleißner, der zunächst auf den sonderbaren Zustand hinwies, daß hinsichtlich des Belagerungszustandes zurzeit das 1870 gegründete Deutsche Reich mit einem preu- zischen Gesetze aus dem Jahre 1851 regiert werde. Er er⸗ örterte dann ausführlich die Handhabung der Pressezensur, die Rechtsprechung und die Verhältnisse auf dem Gebiete des Vereins- und Versammlungswesens an der Hand besonders markanter Einzelfälle; er wurde vom Präsidenten zur Mäßi⸗ gung ermahnt.— Nach ihm sprach der nationalliberale Abg., frühere Reichstagsabg. Dr. Heinze. Er entrüstete sich ein⸗ gangs seiner Rede über die Art, wie der Antrag begründet den sei. In formeller Hinsicht sei der verschärfte Bela⸗ gerungszustand völlig einwandfrei. Wir hätten uns damit abzufinden und dürften Mißgriffe nicht verallgemeinern Versammlungen, die den Interessen des Reiches wider⸗ sprächen, müßten verboten werden. In Rücksicht auf das Ausland müßte auch jede Mißstimmung im Volke unterdrückt zu einem werden.— Der fortschrittliche Abg. Brotauf erklärte, daß seiner Fraktion der Antrag zwar zu weit gehe, daß aber zweifellos berechtigter Grund zu Klagen vorläge. Zur Einführung des Belagerungszustandes habe bei der Hal⸗ tung der Bevölkerung nicht der geringste Anlaß vorgelegen. Auch der Ton, in dem die Behörde mit der Presse verkehre, sei vielfach zurückzuweisen.— Dann kam Gen. Seeger⸗ See Leipzig zum Wort, der auf die Einwände der Bürgerlichen eingehend antwortete und weiteres, wichtiges Material, be⸗ sonders auf die Handhabung der Pressezensur vorbrachte.— Während der Verhandlungen wurden von den Regierungs⸗ vertretern verschiedentlich Zettel an die Pressevertreter ge⸗ geben, offensichtlich in der Absicht, sie in ihrer erichterstat⸗ tung über diese Verhandlungen zu beeinflussen. Das gefügige Griechenland. Genf, Nov. Die Drahtberichte der französischen Presse zur griechischen Frage lauten heute wesentlich zuver⸗ sichtlicher. Die Athener Vertreter der Vierverbandsmächkte erklären, das Kabinett Skuludis habe alle wünschenswerte Bürgschaften für die Sicherheit der Landungstruppen zuge- sagt und sich bereit erklärt, das in und bei Saloniki stehende griechische Heer an die Nordgrenze Griechisch-Mazedoniens und nach Epirus zu verlegen. Mit Befriedigung wird die Meldung aufgenommen, daß Denys Cochin Gegenstand be⸗ sonderer Aufmerksautkeit war. Er reist Ende der Woche auf dem von Skuludis ihm zur Verfügung gestellten griechischen Kreuzer„Hello“ von Saloniki über Messina nach Frankreich zurück. 98 20. Die Stellung Skuludis erschüttert. Kopenhagen, 26. Nov. Nach einer Londoner Meldung aus Athen soll die Stellung des Ministers Skuludis stark erschüttert sein. Es wird angenommen, daß Rhallis eine neue Regierung bilden wird. Vom erbischen Kricgsschauplatz. Die Serben sind nach der Eroberung von Pristina und Mitro⸗ nicht mehr Herren des Amselfeldes. Der Schlachtplatz, den die Entente als letzte große Position des serbischen W erstandes be⸗ zeichnete, befindet sich nunmehr im Besitz der Zentralmächtetruppen. In Neuserbien haben die Serben außer dem vollkommen zernier⸗ ten Monastir drei kleine Städte, nämlich Prizrend, Dibra und Ochrida in ihrer Hand. Durch die Eroberung von Pristina und 5 8 4 Uesküb.—Mitrowetze Monastir kam die Eisenbahnlinie b 8 istir kam die Ei für bie Hachschube in Besitz der Zentralmächte, was Wichtigkeit ist., Die Vereinigung der albauischen Tr T. U. Bubapest, 26. Nov. A Vilag meldet, in Süt vereinigten sich die bisher einzeln kämpfenden albanisch pen Dschaffer Effendis, Jaser Beis und Loka Effendis. bei Dibra, Ochrida und dem Katschanikpaß Verbindung bulgarischen Truppen. Aus Athen wird gemeldet, in Valong kündeten die Italiener das Standrecht. 8 99 deitezener auf dem Wege nach Aegyp Aus Athen wird gemeldet: Kitchener ist nach Egyp weitergereist, um die Verteidigung des Landes neu organisieren. Er ist der Ansicht, daß Egypten der Sche platz der nächsten großen Ereiguisse sein Man habe den Eindruck, daß ein großer Angriff Türken in Egypten bevorstehe. Veschießung von Görz. Osenpest, 26. Nov. Die Italiener beschießen Görz u brochen. Vorgestern gingen zahlreiche Gebäude in Flammen Die Wachsfabrik, das Priesterseminar, das bischöfliche Pala der Dom sind abgebrannt. Die deutsche Kartoffelversorgung. Ueber die Kartoffelzufuhr aus dem Osten nach d Westen meldet die Kölnische Zeitung, daß am 28. No allein für Köln aus dem Osten 7800 Zentner verladen, den sind. Aus den sechs östlichen Eisenbahndirektionsbez erfolgt jetzt täglich eine Verladung nach dem Westen vo Millionen Zentnern Kartoffeln. Aus den anderen Eise direktionsbezirken sind vom 28. Oktober bis 7. Nov m über 10 Millionen Zentner angefahren worden. 5 die! Sriegsus izen. 1 Kür Die braunschweigische Kreisdirektion von Gander sh. Delb gibt folgendes össentlich bekannt:„Die Mühlenbetriebe von Dr agelnen und Sandvoß in Seesen werden geschlossen, weil ödteta Inhaber sich als unzuverlässig im Sinne des Gesetzes iiber 5 5 11 Verkehr mit Brotgetreide und Mehl gezeigt haben. Sie habe gar nicht zu rechtsertigender Weise lediglich aus Gewinns das von ihnen zu liefernde Weizenschrot mit Gips und 8 mehl verfälscht. Ihr unwürdiges Verhalten wird hi zur öffentlichen Kenntnis gebracht.“— Hoffentlich begnügt sich nicht damit, diese schlimmen Nahrungsmittelsälsch 5 7 705 gestellt zu haben. Solche Leute sind reif fürs haus. Auf Beschluß des 9 mistert 1 Aussi shränkun een Ange führen. Stadtmagistrats Nürnberg wu d get se Mai 1914 ein lediger Drechsler als gemeingefähf f geisteskrank in die Irvenanstalt Exlangen gebracht. en 8 August desselben Jahres ent wich er aus der Anstalt und ige der sich freiwillig beim Militär. Im Trubel der 5 hand machung machten die Militärstellen wenig Federlesens und 13 0 den Mann ein, der später ins Feld abrückte und sich dort wied 10 sagte so hervorragend betätigte, daß er mit dem Eisernen K hannsche und mit der bayerischen silbernen Verdienstmadg iegsau belohnt wurde. Nun sah sich der Stadtmagistrat vor die F cher h stellt, was in der Sache weiter geschehen soll. Der Einschaff beschluß besteht noch, aber niemand, der mit dem Mann seit enen Flucht aus der Irrenanstalt zu tun hatte, hat jemals Anzeichen im der! Verrücktheit an ihm bemerkt; auch seine Vorgesetzten stellten qe jung das beste Zeugnis aus. Man hielt es daher füs geraten, de hung schluß wieder aufzuheben. 0 Wie die Neue Zürcher Zeitung über Genf meldet, ma fen gr gegenwärtig in Frankreich ein Mangel an Bronz uch aki. fühlbar. Die Behörden von Grenoble beschlossen, die alt kolgede Sladt gehörenden Bronzekanonen der Pariser Münzstätte z erstit fügung zu stellen. 0 Das große Petersburger reaktionäre Blatt 10 Wremja gibt ein Abendblatt Wetscherneje Wremja heraus, leichfall die Infamie des Mutterunternehmens noch um das vielfg ge E. trifft. Seit Kriegsanbeginn macht das Blatt vornehmlich mer cz Hetze gegen die Deutschen und alles Deutsche. 6 anderem wurden die deutschen Kolonisten der in der Nähe daterun burgs gelegenen Neu⸗Saratower⸗Kolonie beschuldigt haften Freude über das Herannahen deut Truppen Ausd Roßelte geben zu haben. Ferner sollen sie die russischen Arbeiter s sliben! der Mobilisation der Industrie für Kriegszwecke Widerstan 988 leistet haben usw. In der Gerichtsverhandlung, die wegen inis, Beschuldigung am 13. November in Petersburg stattfand, it and. drei Zeugen, darunter ein Polizeioffizier, vernommen, we fernen Grundlosigkeit der Beschuldigungen darlegten. Das gehör verurteilte den Redakteur des Wetschernese Wremja zu 0 ies Monaten Gefängnis und verpflichtete ihn, das Urte seiner Zeitung zu veröffentlichen. e ö Barfüßele. 5 Eine Schwarzwälder Dorfgeschichte von Berthold Auerbach. Noch bevor Amrei aus der Schule entlassen wurde, gab ihr das Schicksal ein Rätsel auf, das schwer zu lösen war. Die Kinder hatten einen Ohm, der sieben Stunden von Haldenbrunn, in Fluorn, Holzhauer war; sie hatten ihn nur einmal gese en bei dem Begräbnisse des Vaters, er ging hinter dem Schultheiß, der die Kinder an der Hand führte. Seitdem träumten die Kinder viel von dem Ohm in Fluorn. Man sagte ihnen oft, der Ohm sähe dem Vater ähnlich, und nun waren sie noch mehr begierig, ihn zu sehen, denn wenn N sie auch noch manchmal glaubten, Vater und Mutter müßten plötzlich kommen... es könnte ja gar nicht sein, daß sie nicht mehr da wären... so gewöhnten sie sich doch nach und nach daran, die Hoffnung aufzugeben, und um so mehr, je mehr Jahre vergingen, in denen sie das Grab der Eltern mit Vogelbeeren besteckten, und nachdem sie schon lange den Namen der Eltern auf ein und demselben schwarzen Kreuze lesen konnten. Auch den Ohm in Fluorn vergaßen sie fast ganz, denn sie hörten viele Jahre nichts von ihm. Da wurden eines Tages die beiden Kinder in das Haus ihres Pflegers gerufen. Dort saß ein Mann, groß und lang und mit braunem Gesicht. „Kommet her, Kinder,“ rief der Mann den Eintretenden zu. Er hatte eine rauhe, trockene Stimme.„Kennet ihr mich nicht mehr?“ Die Kinder sahen ihn mit aufgerissenen Augen an. Er— wachte in ihnen eine Erinnerung an den Klang der väter— lichen Stimme? Der Mann fuhr fort:„Ich bin ja eures Komm' her, Lisbeth! Und auch du, Dami!“ „Ich heiße nicht Lisbeth! Ich heiße Amrei!“ sagte das Mädchen und weinte. Es gab dem Ohm keine Hand. Ein Gefühl der Verfremdung machte es zittern, weil der Ohm es bei falschem Namen genannt. Es mochte fühlen, daß da nicht die rechte Anhänglichkeit war, wo man seinen Namen nicht mebr wußte. „Wenn Ihr mein Ohm seid, warum wisset Ihr denn nicht mehr, wie ich heiße?“ fragte Amrei. „Du bist ein dummes Kind, gleich gehst du hin und gibst ihm die Hand,“ herrschte der Rodelbauer und setzte dann zu dem Fremden halblaut hinzu:„Es ist ein unebenes Kind. Die schwarze Marann hat ihm allerlei Wunderliches in den Kopf gesetzt, und du weißt ja, es ist nicht geheuer bei ihr.“ Amrei schaute sich verwundert um und gab dem Ohm zitternd die Hand. Dami hatte das schon früher getan und fragte jetzt:„Ohm, hast du uns auch was mitgebracht?“ „Hab' nicht viel zum Mitbringen; ich bring' euch selber mit, ihr geht mit mir. Weißt du, Amrei, daß das gar nicht brav ist, daß du deinen Oheim nicht gern hast? Du hast ja sonst niemand auf der Welt. Wen hast du denn sonst noch? Komm' besser her, da setz' dich neben mich— noch näher. Siehst du? Dein Dami, der ist viel gescheiter. Er sieht auch mehr in unsere Familie, aber du gehörst doch auch zu uns.“ Eine Magd kam und brachte viele Mannskleider und legte sie auf den Tisch. „Das sind deines Bruders Kleider,“ sagte der Rodel— bauer zu dem Fremden, und dieser fuhr zu Amrei fort: „Siehst du? das sind deines Vaters Kleider, die nehmen wir jetzt mit, und ihr geht auch mit, zuerst nach Fluorn und dann über den Bach.“ Amrei berührte zitternd den Rock des Vaters und seine blaugestreifte Weste. Der Ohm aber hob die Kleider auf, wies auf die zertragenen Ellbogen hin und sagte zum Rodel— bauer:„Die sind nicht viel wert, die lasse ich mir nicht hoch anschlagen, und ich weiß nicht einmal, ob ich die drüben in Amerika tragen kann, oyne ausgespottet zu werden.“ Amrei faßte krampfhaft einen Rockzipfel. Daß man die Kleider ihres Vaters wenig wert nannte, an die sie wie an ein kostbares und unbezahlbares Kleinod gedacht hatte, das schien sie zu kränken, und daß diese Kleider in Amerika ge— tragen und dort ausgespottet werden sollten, das alles ver⸗ wirrte sie fast, und überhaupt, was sollte denn das mit Amerika? 1 Sie wurde darüber bald aufgeklärt. denn die Rodel⸗ —.—— 5 bäuerin sagte:„Hör' einmal, Mann, ich meine, das geht so schnell, daß man die Kinder da mit dem Mann m Amerika schickt.“ 5 „Es ist ja ihr einziger leiblicher Verwandter, der B des Josenhans.“ „Ja freilich, aber er hat bis jetzt nicht viel davon gez daß er ein Verwandter, und ich meine, man kann das ohne den Gemeinderat, und der kann's nicht einmal 9 Die Kinder haben hier ein Heimatsrecht, und das ka ihnen nicht im Schlafe nehmen, denn die Kinder k noch nicht selber sagen, was sie wollen. Das heißt Schlaf forttragen.“ 92 „Meine Amrei ist aufgeweckt genug, die ist jetzt drei aber gescheiter als eine andere von dreißig Jahren, di was sie will,“ sagte die schwarze Marann. g „Ihr beide hättet sollen Gemeinderat werden,“ sagte Rodelbauer;„aber ich bin der Meinung, daß man die Kin nicht wie Kälber am Strick nimmt und fortzieht. Gut, la den Mann selber mit ihnen reden, nachher läßt sich sch weiter sehen, was zu machen ist; er ist einmal ihr natürli⸗ 85 Annehmer und hat das Recht, Vaterstelle an ihnen zu treten, wenn er will. Hör' einmal, geh' du jetzt mit de Bruderskindern ein wenig vors Dorf hinaus, und i bleibet da, es redet ihnen keines zu und keines ab.“ Der Holzhauer nahm die beiden Kinder an der Hand 1 i verließ mit ihnen Stube und Haus. 1 „Wohin wollen wir gehen?“ fragte er die Kinder auf Straße. 9 „Wenn du unser Vater sein willst, geh' mit uns da drunten ist unser Haus,“ sagte Dami. „Ist es denn offen?“ fragte der Ohm. 1 „Nein, aber der Kohlenmathes hat den Schlüss uns aber noch nie hineingelassen. Ich springe vo hole den Schlüssel.“ Und behend machte sich Dam sprang davon. 5 175 1 1 N (Fortsetzung folgt.) und Nachbargebiete. Gießen und umgebung. Hessen N 2 N Nähe des Eutfernten. Noch fand mich wach das harte Lager, Lichtsehnsucht klopfte mir ans Blut, da trat er bleich zu mir und hager, mein Kamerade Lebensmut. „Ich muß dich,“ sprach er.„nun verlassen, es steht mir eine Reise vor, die führt mich aus den Menschengassen an ein geheimnisvolles Tor.“ „Kannst du dich mir denn ganz entfernen?“ sprach ich.„O nie und nimmermehr. Ein Aufblick zu den ewigen Sternen verbürgt mir deine Wiederkehr.“ „Form Wirklichkeit aus diesem Worte, so bleib ich bei dir, bleibe da.“ Er sprach's. Er wandte sich zur Pforte, verschwand— und blieb doch ewig nah. Josef Luitpold in der Wiener Arb.⸗Ztg. Die erweiterte Familienunterstützung. Kürzlich hatte auf Einladung des Staatssekretärs Dr. Delbrück zwischen den Vertretern der Reichsbehörden, der kinzelnen Bundesregierungen und Mitgliedern des Deutschen Städtetages, des Kriegsausschusses der deutschen Industrie, des Bundes der Landwirte und der Gewerkschaften aller Richtungen eine Besprechung stattgefunden, in deren Verlauf Ministerialdirektor Lewald die Mitteilung machte, es sei Aussicht genommen, unter Fortfall der bisherigen Be— chränkungen die Familienunterstützungen in Zukunft auch den Angehörigen sämtlicher aktiven Mannschaften zu ge⸗ Fähren. Sobald dieses amtliche Versprechen in die Tat um⸗ gesetzt sein wird, wird eine erfreuliche Erweiterung, die von zielen Seiten schon seit langem gewünscht wird, bei dem Be⸗ uge der staotlichen Familienunterstützungen Platz greifen. 58 handelt sich bei der von Ministerialdirektor Dr. Lewald zugesagten Erweiterung um Angehörige der aktiven Mannschaften, das heißt um solche Kriegsteilnehmer, die bei Kriegsausbruch ihrer Dienstpflicht beim Militär genügten. Bisher hatten Angehörige dieser Kriegsteilnehmer überhaupt einen Anspruch auf eine Reichsunterstützung, da man der Ansicht ausging, daß die ihrer Dienstpflicht genügen⸗ den jungen Leute unverheiratet sind und mit der Kriegs- ahnung durchaus auskommen können. Schon im Laufe der ersten Kriegsmonate hat man jedoch erfahren müssen, daß es duch aktive Soldaten mit Frau und Kind gibt, und man hat Hfolgedessen in einer Ergänzung des Gesetzes betreffend die Unterstützung von Familien in den Kriegsdienst eingetretener Nannschaften bestimmt, daß Frauen aktiver Militärpersonen U U 0 0 gleichfalls Anspruch auf die Kriegsunterstützung haben. Die etzige Erklärung des Ministerialdirektors Lewald dehnt nun unter Fortfall aller bisherigen Beschränkungen diese Er⸗ peiterung auf al le Angehörigen sämtlicher aktiven Mann⸗ schaften aus, das heißt es sollen nunmehr auch die Eltern, Großeltern, Geschwister und andere nächste Verwandte von lktiven Militärpersonen, die sich im Kriege befinden, im Be⸗ fürfnisfall Anspruch auf die Familienunterstützung haben, hit anderen Worten, es werden jetzt die aktiven Militär⸗ Eeronen beim Bezug von irgendwelchen Unterstützungen Den Ungehörigen der Reserve, der Landwehr und des Landsturms mi jeder Beziehung gleichgestellt. 0**— 4 0 1 1 5 Christliche Gewerkvereine und landwirtschaftliche Organisationen. f 2 Far. yüft fi 50 kschaften befaßt sich in ö Das Zentralblatt der christlichen Gewerkschasten n iner Nummer 23 abermals mit der Wirksamkeit der e e lchen Organisationen bei der Lebensmittelvecseigt de ee krieges. Schon zu Anfang des Jahres, so 1 depireschaftlüchen 8 die Ueberzeugung ausgesprochen,„daß die 908 Sande 5 Irganisationen diese Prüfung(Unterordnung 1285 125005 r 15 zus Allgemeininteresse) großenteils nicht bestanden haben. N heißt es weiter:„ 0„Das Verhalten ihrer Mitglieder hat sie Fedde durchweg rücksichtslos ihr Interesse in den 1 19 55 1 gassen und es abgelehnt haben, das Allgemeininteresse⸗ vo 1115 8 Ag Und das zu einer Zeit, wo diese Rückschteagtert 1 5 meininteresse eine Lebensfrage für unser 19551 chastlichen. wissen, daß ein derartiger Vorwurf bie landr ru aneschlteß ich ganisationen nicht allgemein, auch nicht allein ee trifft; daß aber sie versagten, war von ate 11 weil auf die Landwirtschaft während ber The, n haben des Landes alles ankam. Gegen Anseve las dgeise Bie landwirtschaftliche Organe in entschiedenster Weise 8 a 1 8 0 Heute nun liegt die Sache so— daß wohl bein 1 e die Parte der landwirtschaftlichen Orgauisagser nicht umsonst in beveit ist. Letztere haben sich denn d ee um sie zur letzter Stunde öffentlich an ihre Mitglieder, 15 Bain Bereitstellung von Kartoffeln zu eee hat und daß stärkste Beweis dafür, daß ihre Politik gewiß nicht aus bloßer wir von unsexer Charakterisierung, die w. diiczunehmen brauchen. Luft an der Kritik ausübten, kein Wort lich Organisationen in Uebrigens haben einzelne jandwir scp ihren Anschauungen unbewachten Augenblicken selbst sovie, bunsere Auffassung voll verlauten lassen, daß allein dadurch schon 1 der Mitglieder nicht bestätigt wurde, wenn selbst das, Verhalten„ 5 be den 5 Allgemeinheit eine erchege 0 abei habe„lein Stand von der kaaftliche“; aber die Nutz⸗ Unterstlltzung gehabt wie der laudwirelchlinteressen Rüͤcksicht zu wendung, nunmehr auch auf die Allgegeft“ den eigenen Vorteil en und in einer so hochkritischen gefühl, für die Allgemein⸗ iczustellen, lehne man ab in dem. Hochgestan hätten die Gewerk⸗ it unentbehrlich zu sein. m Gegeusatz blick des Krieges an jede ten der deutschen Arbeiter„vom Augen osten der Allgemeinheit ene zu et 1 auezunneen e ter Gefährdung want uungnahme des gien e rüchgewiesen.“— Diese Stelluns kenswert, weil betauntlich N sehr lebhaft die Zoll⸗ 5 or aans if sonders Zentralorgans ist ber Zollkarifdebatten Produkte befürwo uun dieser Seite während der la lr landwirtichaftliche Beilage zur Oberhessischen Volkszeitung Gießen, Sams tag, den 27. November 1915. der Annahme,„die Landwirtschaft“ würde sich für diese Hilfe der Allgemeinheit gegenüber erkenntlich zeigen. Diese Annahme ist schwer getäuscht worden und nun wird man wohl hinsichtlich der Be⸗ urteilung der landwirtschaftlichen gemeinnützigen Leistungen erheblich„umlernen“ miissen. Landwirte, Kartoffeln heraus! Unter diesem berechtigten Mahnruf schreibt die Darm⸗ städter Zeitung:„Die Klagen über ungenügende Zufuhr von Kartoffeln mehren sich in letzter Zeit erheblich. Nicht nur in der Oeffentlichkeit, auch in den Verhandlungen im Beirat der Kartoffelstelle wurden Befürchtungen über den Stand der Kartoffelversorgung, sowie Klagen über das langsame Tempo der Anlieferung geäußert. Da aber ein großer Teil der Anforderungen bei der Reichskartoffelstelle erst in der letzten Woche eingegangen ist, so hat es den Anschein, als ob die Bedarfsverbände den Bedarf erheblich unterschätzt haben und nun auf schleunige und erhöhte Lieferungen drängen. Hierdurch werden aber die Arbeiten und die Uebersicht für die Reichskartoffelstelle sehr erschwert, da die Anweisung, der Erwerb, die Aussonderung und der Transport der Kartoffeln Wochen erfordern. Es ist daher notwendig, daß die Be— darfsverbände ihren Bedarf, soweit er nicht anderweitig ge— deckt wird, noch schleunigst zur Anmeldung bringen, damit die Reichskartoffelstelle alle Bedarfsmengen übersehen kann. Bei der Versorgung und Verteilung der Kartoffelmengen müssen aber ferner alle Sonderwünsche und Sonderinteressen fallen, da auf solche keine Rücksicht genommen werden kann. Wünschen, wie vorgetommen, nach bestimmten Sorten kann nicht stattgegeben werden, und häufig erfolgte Ablehnungen, nur weil bestimmte Sorten verlangt und nicht geliefert wur⸗ den, sind ganz unzweckmäßig und unstatthaft. Im Kriege wird sich die Bevölkerung daran gewöhnen, von den ge— wohnten Sorten abzugehen. Daß nur solche Kartoffeln ge⸗ liefert werden dürfen, die zu Speisezwecken geeignet sind, ergibt sich aus der Bundesratsverordnung vom 9.¼28. Oktober dieses Jahres und den dazu ergangenen einschläglichen An⸗ ordnungen der Reichskartoffelstelle. Da auch der Kriegs— minister militärische Hilfe bei der Durchführung der Kar— toffelbersorgung zugesagt hat und auch der Eisenbahnminister die vorzugsweise Beförderung aller Kartoffelsendungen angeordnet hat, so sind alle Vorbedingungen für eine be— schleunigte An- und Ablieferung gegeben. Es bleibt nun Sache der Kommunalverhände, sich dieser Hilfe mit der durch die vorgerückte Jahreszeit dringend gebotenen Eile zu be⸗ dienen. Unter rückhaltloser Unterstützung der Bedarfsver⸗ bände durch die Staats- und Kommunalverwaltungsbehörden wird es sicherlich gelingen, die Durchführung der Kartoffel- versorgung sicher zu stellen. Unbillige Anforderungen aber müssen zurückgestellt und unvermeidliche Verzögerungen mit Ruhe ertragen werden.“— Die Kartoffelversorgung wäre schon längst sichergestellt, wenn man mit den erforderlichen Maßnahmen nicht so lange gewartet hätte. Teures Wasser. Wasser tann der deutsche Konsumena noch billig beziehen wenn er es rein und klar aus der, Leitung nimmt. Es kann zunächst noch nicht zu Spekulationszwecken zurückge⸗ halten und braucht darum noch nicht beschlagnahmt und zu gesetzlichen Höchstpreisen verkauft zu werden. Der billige Wasserpreis wird in unserer Zeit gewiß von vielen Leuten als eine große Rückständigkeit empfunden, darum steigert man ihn, indem man das kühle Naß als Milch, Butter oder Wurst verkauft. Daß man auf dem Gebiet der Wasserum⸗ wandlung, die ihren Mann nähren soll, sehr betriebsam ist, das zeigen folgende Gerichtsurteile: In Freiburg i. B. hat sich das Bezirksamt genötigt gesehen, für die Trockensubstanz der Wurst feste Grenzzahlen zu bestimmen. Manche Würste wiesen bei der amtlichen Kontrolle einen Wassergehalt von 81,2 Prozent auf, — Der Butterhändler Peter Oginczus in Leipzig hat rus⸗ sische Butter verkauft, der er mit einer Maschine 16 Prozent Jasser zugesetzt hatte. Er hat bei diesem Geschäft mehrere tausend Mark Extragewinn gemacht. Das Landgericht in Leipzig verurteilte ihn zu 1 Monat Gefängnis und 1500 Mk. Geldstrafe.— Der Buttergroßhändler Ernst Albrecht in Berlin versorgte die Kleinhändler mit Butter, die einen hohen Wassergehalt hatte. Das Schöffengericht verurteilte ihn zu 200 Mark Geldstrafe.— Das Schöffengericht in Reck⸗ linghausen verurteilte die Frau des Landwirts Otte wegen Milchfälschung zu 2 Wochen Gefängnis und 400 Mk. Geldstrafe. Die von der Frau in den Handel gebrachte Milch hatte einen Wasserzusatz von 25 Prozent.— Eine wegen Milchverfälschung bereits zweimal vorbestrafte Milchhänd⸗ lerin aus der Nähe von Aachen hat Milch als Vollmilch verkauft, die 18 Prozent Wasser enthielt. Sie wurde vom Schöffengericht zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt.— Der Milchhändler Karl Langer aus Leisso hat seiner Milch schlechtes, verseuchtes Wasser zugesetzt und ist deshalb vom Schöffengericht zu 150 Mark Geldstrafe verurteilt worden.— Der Besitzer der Dampfmolkerei in Darmstadt, H. Wolff, hat seine Milch, die er an Lazarette und Kaffeehäuser lieferte, mit Wasser verdünnt. Er wurde zu 500 Mark Geldstrafe verurteilt. K Milch in anderer Weise verdünnt hat in Dresden eine größere Anzahl Milchhändler und ⸗händlerinnen. Sie standen darum wegen Nahrungsmittelfälschung vor dem dor— tigen Landgericht. Sie hatten die Milch abgerahmt und da⸗ durch einen täglichen Nebengewinn bis zu 12 Mark erzielt. Der Sachverständige erklärte, daß der Dresdener Bevölkerung durch die rechtswidrige Entrahmung der Vollmilch alljährlich 200000 Kilogramm Butterwert durch die Milchhändler ent⸗ zogen werde, der einen Geldwert von 1 Million Mark ent⸗ tet worden ist in! spreche. Das Gericht verurteilte die Angeklagten zu Geld- bezw. Gefängnisstrafen, und zwar in Höhe von 100 Mark bis zu 1 Monat Gefängnis. 5 2 7 5 Woher nehmen wir die Fette? Nichts ist dem Haushalt unentbehrlicher als Fett, dem Haus⸗ halt der Reichen wie dem der Armen, und diesem vor allem. Auch das einfachste Gericht kann ohne Fettzusatz nicht hergestellt werden. Darum trifft der Fettmangel uns so schwer. Er ist erst später fühlbar geworden und konnte erst wirksam werden durch die über⸗ lange Dauer des Krieges. Die Bewohner der gemäßigten Zone sind an tierische Fette ge⸗ wöhnt, an Schmalz und Speck, und zwei Haustiere versorgen sie seit jeher mit diesem notwendigen Nährstoff und noch nötigeren Koch⸗ mittel, das Schwein und die Gans. Die Polarzonen sowie die tropische und die subtropischen Zonen sind an andere Lieseranten gewöhnt, die einen an den Tran der Walfische, die anderen an das Pflanzenöl. Der Oelbaum, das Symbol des Friedens, er⸗ spart den Besiedlern der warmen Erdstriche die Tötung von Haus⸗ tieren und die gefährliche Walfischjagd, er macht die Menschen friedfertig. Lange Zeit schien es, als hätte die Natur, die uns wetterharten Nordländern den Oelbaum versagt hat, uns stiefmütterlich be⸗ handelt, indem sie ölführende Pflanzen bei uns nicht gedeihen ließ; lange Zeit schien uns der Anwohner der Eismeere bedauernswert und minder appetitlich als wir, da er mit Fischtran nicht nur die Schuhe, sondern auch den Schlund und Magen geschmeidig macht. Zwischen Oel und Schmalz und Tran lagen nicht nur Erdzonen, sondern auch Kulturklüfte: andere Magen— andere Seelen! Aber die Ueberbrückerin aller Ströme und Meere, die Ver⸗ söhnerin aller Kulturen, die Wissenschaft, hat auch hier die Unterschiede verwischt. Was scheint selbstverständlicher, als daß Schmalz Schmalz und Fischtran Fischtran ist und bleibt, so vor wie nach Jahrtausenden? Aber dem Forschergeist ist nichts selbstverständlich, nicht einmal das Schmalz im Topfe. Die Chemie analysiert und analysiert, scheidet das Zufällige vom Wesentlichen wie das Unangenehme vom Angenehmen und lehrt die Stoffe, die in blinder Mischung von der Natur geboten sind, rektifizieren und auch denaturieren; und am Ende stellt sich heraus, daß im Grunde unser ganz gemeiner Rettich dasselbe Oel enthält wie die Frucht des Oelbaumes, nur mit unliebsamen Bei⸗ mischungen, ja daß— behütet den Gaumen!— der elendig duftende Fischtran ein naher Verwandter des Gänseschmalzes ist. Badet und desinfiziert den Grönländer, kleidet ihn in weiße Wäsche und einen Salonanzug und ihr werdet bei seinem Anblick euch fragen: Wo hab ich denn nur schon einen solchen sonderbaren Menschen ge⸗ sehen? Heute geht es uns mit dem Tran nichts anders. Der Deutsch⸗Französische Krieg gab den Anstoß zur Erfindung und fabrikmäßigen Herstellung von Kunstbutter und Kunstschmalz. Der Talg des Rindes, Unschlitt genannt, hat vordem bloß da⸗ zu gedient, stinkende Kerzen zu liefern. Ein neues Oel, dem Ge⸗ stein abgewonnen, das Erd- oder Mineralöl, zu deutsch„Petro⸗ leum“, begann eben die Unschlittkerze aus dem Zimmer zu ver⸗ bannen, als dem Unschlitt ein Retter erstand in der Chemie, die es Ib genießbares Fett und geruchlos brennbares Stearin hied. geruchlose Kerze und das Margarin. Mit einemmal gewannen andere tierische Fette, das vielen widerliche Hammelfett und alle fettigen Abfälle, selbst das Spülwasser der Metzgereien und Selchexeien, Bedeutung. Diese Fettstoffe wurden mit Fleiß gesammelt, sorgfältig gereinigt und zu Kunstschmalz verarbeitet. Zwar— fragen soll man nicht, wes Ursprungs es ist, welch weiten dunklen Weg es durch allerlei Retorten genommen: aber am Ende seiner Laufbahn ist es rein, reiner selbst als das frische Schweineschmalz mancher Bauern⸗ frau, das aus rauzigem Kochkessel in den irdenen Topf kommt. Seither haben Wissenschaft und Industrie den Pflanzen⸗ fetten eifrig nachgejagt und gefunden, daß es Dickhäuter auch unter den Pflanzen gibt, gefräßig faule Dinger, die in ihren Geweben Fett aufspeichern. Man hat entdeckt, daß die Mutter⸗ pflanze ihren Jungen, den Samen körnern eine ganze reiche Ausrüstung für die ersten Lebensmonde mitgibt, einen Vor⸗ rat an Stärkemehl, Zucker und auch Fett. Ungewiß ist ja die Zu⸗ kunft des Jungen, es irrt über Sand und Stein, von allen Winden getragen durch Wochen durch die Welt, muß die harten Winter⸗ monate durchhalten, bis es im Frühling irgendwo im Humus ein Bett und die hegende Sonnenwärme findet. Und dann erst muß es sich Saugwurzeln, Stengelchen und Blatt aus eignem Kapital auf⸗ bauen, damit es von der Umwelt lebe. Dieses eigene Kapital ist die mütterliche Mitgift an Stärke, Zucker und Fett. Grausam ist der Mensch, er raubt diese Jungen, die Pflanzen⸗ samen, in Massen und holt sie ein für seine Küche— so das Ge⸗ treidekorn, so die Olive; das eine muß ihm Stärkemehl, die andere den Fettstoff liefern und dank diesem grausamen Raub ersteht in der Pfanne der duftende Kuchen... Was aber die Erzväter und ihre Dienerinnen nur instinktiv geübt haben an Früchten, die wegen ihres Oelgehalts auffallen, das betreibt nun schon länger, als die Allgemeinheit weiß, die Industrie wissenschaftlich im größten Maßstab. Wer weiß, wer denkt daran, daß wir Millionen Zentner solcher Samen jahraus, jahrein ein⸗ führen, um Fette und Oele für unseren Tisch zu gewinnen? Da find Mohnsamen, Leinsaat, Hanssaat, Baumwollsamen, Sesam⸗ samen, Palmkerne, Kopra, Oelsaaten aller Art, Senfsaat, Raps, Rübsaat, Hedderichsaat, Rettichsaat, Ackersenf usw. 5 Diese tausende Waggons Sämereien werden gepreßt und geben Oele wie die Olive, Oele, die gereinigt und bei uns— wie in allen europäischen Ländern— als Pflanzenfett genossen werden, ohne daß wir Europäer allerdings dadurch friedfertiger geworden wären! Der Laie vermag nicht zu schätzen, wieviel Speisefette und Oele aus diesen Millionen Meterzentnern Sämereien gepreßt und aus den hunderttausenden Zentnern rohen Oels gereinigt werden. Aber das kann getrost gesagt werden: es ist eine unabsehbare Herde von vielen Hunderttausenden Schweinen, die da ersetzt werden, denen es erspart wird, so viel Sä⸗ mereien mit so viel schmatzendem Fleiß im Walde aufzulesen und unter ihrer Dickhaut zu rektifizieren zu Fett und Filz und Speck. Welch vereinfachender Ausweg, den Rohstoff statt durch den Sau- magen lieber durch die eiserne Presse zu leiten— und da sage man noch, daß die Natur appetitlicher sei als die Wissenschaft! Still hat sich das Pflanzenfett durchgesetzt und uns die Tropen dienstbar gemacht. Die Kokospalme ersetzt das nordische Schwein. Der Krieg hat nun die Idee aufgedrängt, auch die Polarwelt un⸗ serem Magen näher zu bringen. Der Tran der Wale, dieser massigen Seeungtüme, dieser Schweine der Meerflut— was ist's mit ihm? Pfui! Dieser Gestank, dieser widrige Geschmack! Aber wissen wir nicht, daß ein Teil deses Tranes, der durch die Gewebe der Leber filtriert ist, der Lebertran, außerordentlich leicht verdaulich und sehr gesund ist? Her den Filter, her die Retorte! Und herausdestilliert den reinen, geschmackfreien Fettstoff! Man ist daran— vielleicht gelingt auch das. Allein, all diese fette Hoffnung der Zukunft ist ein Trost für den Augenblick. Die Tropen und die Pole sind uns eben gesperrt! Und die vielen hunderttausend Säue, die unsere Phan⸗ tasie erspart gesehen hat, sind nicht erreichbar, und die vielen magerer tausend Schweine der Meerflut auch nur zum geringen Teil. Das ist ein schwerer, sehr schwerer Ausfall! Wohl haben wir im Lande Bucheckern und Waldsämereien viel, auch Traubenkerne und manche andere Oelträger, aber wir sind nicht eingerichtet darauf, wer sammelt sie so rasch wie nötig? So haben wir zuweni und die Fleisch⸗ und Fettkarte haben wir auch noch nicht! a Sett, Das waren zwei Fliegen auf einen Schlag, das gab die E * Gegen Bepersorderungen im Handel mit Lebensmitteln und Bedarfsgegenständen. Seit mehreren Wochen schon ist für die Stadt Gießen eine Preisprüfungsstelle er⸗ richtet, deren Bureau sich im Bürgermeistereigebäude befin⸗ det. Zu den Aufgaben der Preisprüfungsstelle gehört auch dafür zu sorgen, daß Fälle von Unredlichkeiten im Handel mit den täglichen Lebensbedürfnissen der Bevölkerung der strafrechtlichen Verfolgung überantwortet werden. Diese Aufgabe kann die Kommission aber nicht erfüllen, wenn ihr von solchen Vorkommnissen keine Mitteilung gemacht wird. Es liegt im allgemeinen Interesse, wenn jeder, der Verstöße dieser Art sicher nachzuweisen in der Lage ist, oder dem Fälle bekannt geworden sind, die der Untersuchung bedürfen, diese bei der Preisprüfungsstelle, immer 11 im Bürgermeisterei— gebäude, anzeigt, damit das Weitere veranlaßt werden kann. — Butterpreise. Wir hatten im gestrigen Blatte von einer ministeriellen Verordnung Notiz genommen, welche den Verkehr mit Butter für das ganze Land regelt und die am 1. Dezember in Kraft treten soll.— Es sei dazu noch be⸗ merkt, daß bis auf Weiteres die vom Oberbürgermeister für die Stadt Gießen festgesetzten Höchstpreise in Gel⸗ tung bleiben. Es darf also nicht mehrals Mark 1,90 für Landbutter gefyrdert und bezahlt werden! — Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. 5 Schwindel Leute he reinfallen, ist heutzutage ganz gut möglich, denn jetzt wird das tollste Zeug geglaubt. Dieses aus gewöhnlichem Ton gefertigte Wunderstück kostet auch nur 1,60 3 Sein Erfinder soll ein gewiffer Dr. Hermann in Karlsbad sein. Der Schwindler wird als auffallend klein mit blondem Hagar und blondem Schnurr⸗ bart beschrieben, der äußerlich den Eindruck einer den Avbeiter⸗ ständen angehörigen Person macht und eine braune Handtasche mit] z sich führt. Geschäftsleute versucht er auch zur Uebernahme einer Vertretung zu veranlassen, die er au den oben genannten Dr. Her mann weist und wodurch dann der Schwindel zutage tritt.— Also Vorsicht geübt! Uebrigens wird wohl ein halbwegs verständiger Mensch auf derartigen Schwindel nicht hereingsallen. Von Nah und Fern. Großfeuer. Ju der Nacht zum Donnerstag wurde die Zirkel⸗ sche Schueidemühle zu Elsenfeld im Spessart durch ein Groß⸗ fcucr vollständig eingeäschert. Der Schaden beträgt etwa 85 000 Mk. Eine scheußliche Tat verübte in Elberfeld der 35jährige Kauf⸗ mann Robert Pollak, Mitinhaber der Kurzwarengroßhandlung Louts Beer. Er schlitzte dem 18jährigen Sohn des Teilhabers Beer, nachdem er ihn geknebelt hatte, den Leib auf und;ötete sich dann selbst durch Durchschneiden der Kehle. Beer wurde in hoff⸗ nungslosem Zustande dem Krankenhause zugeführt. Partei⸗Nachrichten. Zur Angelegenheit Emmel. Parteivorstand und Reichstagsfraktion der sogialdemokratischen Partei Deutschlands haben die aus Anlaß des Prozesses gegen die 1 75 Viehes ist: guf längere Zeit eingestelltes Vieh w behandelt. Viehstücke, die vorübergehend(auf Reisen, abwesend sind, sozvie Viehstücke, dis im Laufe des 1. kaust werden, sind mitzuzählen. 5 5 Nia mizuzählom sind Viehstücke, die im Laufe des 51 r) erst gekauft werden, oder die nur zufällig u anwesend sind. 5 2 2 r und Händler haben auch die bei ihnen stehenden zn Laufe des Zähltages eintreffenden und die in der Nacht 30. November zum 1. Dezember 1915 auf dem Transport gew zum Schlachten oder Verkauf bestimmten Viehstücke auf, sofern sie nicht etwa erse am Zähliage gekauft werden. Bei den Pferden sind die Militärpferde nicht mitzuzähh Als Militärpferde gelten alle zu milktärischenn Zwecken gehalt serde, für welche Rationen in Natur oder in Gestalt v situng oder gegen Bezahlung aus Magazinen der Mi waltung abgegeben werden. Pferde der Landgendarmer nicht als Militärpferde. Schafherden sind stets in der Gemeinde zu zählen, in der sich auf Weide oder in Fütterung, wem aurch nur vorübergehen befinden, und zwar bei der Haushaltung desjenigen, in dessen O oder Pflege sie stehen, auch wenn es nicht der Eigentümer it Wer vorsätzlich die Anzeige seines Viehbestandes, zu der er e zusgefordert wird, nicht erstattet, oder wissentlich unrichtige uuvollständige Angaben macht, wird mit Gefängnis bis zu 5 Monaten oder mit Geldstrafe bis zu zehntausend Mark bestra 0 auch kann Vieh, dessen Vorhandensein verschwiegen worden ist, Urteil für dem Staate verfallen erklärt werden. Gießen, den 25. November 1915. Der Oberbürgermeister. Musketier Wilhelm Führer aus Hohensolms, Infanterie⸗ 7„ e 5 8 1 eee 1— ET— 0 Regi 166.— Otto Bock aus Gießen. Ers.⸗Res. Ludwig dortselbst gegen den Genossen Emmel erhobenen Veschulbigungen Verstorbene. Fritz Keuche, Rechnungsrat in Wetzlar. 10 791774 18 t e it 17 eingehend untersucht und sind zu folgendem Ergebnis gelangt: Luise Vinhofen in Wetzlar, 33 Jahre alt.— Ludwig B Mac 0 5 Aus Wieseck, Jütte Regissent 88. In der Anklage wie in dem Ürteil gegen den Genossen Martiashol d in Wetzlar, 53 Jahre alt.— Justus Kemmer in — Ein gewaltiger Schneefall ging in gestriger Nacht in unserer Gegend nieder. In solchen Massen siel der Schnee, daß ganz kurze Zeit, kaum mehr als eine Stunde, gemigte, die Erde mit einer gau respektablen Schnerdecke einzuhfillen. Mit Beseitigung der Schneemassen hatten manche Hausbesitzer und auch das städtische Tiefbauamt ihre Last; hier und da sah man Gefangene als Hilfs⸗ kräfte in Tätigkeft. Fuhrwerke konnten nur mit großer Schwierig⸗ keit und zum Teil mit Vorspaun weiter gebracht werden. Es ist sehr wahrscheinlich, daß durch die Schneelast im Walde Aeste von den Bäumen heruntergebrochen sind. — Kreiswahlverein Gießen. Wie schon kürzlich mitgeteilt wurde, hat der Vorstand des Kreiswahlvereins auf Sauntag den 5. Dezember eine Mitgliederversammlung einberufen. Diese findet nachmittags 123 Uhr im Gewerkschaftshause statt und hat in erster Linie den Zweck, die infolge des Kriegsgzustandes zum Teil gelöste Verbindung unter den Mitgliedern wieder herzustellen. Sie soll gewissermaßen die Kreiskonferenz ersetzen, die in diesem Jahre aus⸗ falleit mußte. Es wird über den gegenwärtigen Stand unserer Orgamisation Bericht gegeben werden und außerdem sind sonstige Partesjangelegenheiten zu besprechen. Wer von den Mitgliedern es irgend ermöglichen kann, der Versammlung beszuwohnen, wolle sich einfinden. — Stadttheater. Die vorgestrige Aufführung der„Karls⸗ schüler“ von Heinrich Laube hatte ein sehr zahlresches Publikum angelockt, das Haus war vollbesetzt. Vielleicht trug dazu noch der Umstand bei, daß es eine„Festvorstellung“ war, bei welcher ver— schledene Honoratioren und alte Herren Gelegenheit hatten, ihre Orden und Bänder zur Schaut zu tragen. Eingeleitet wurde die Vorstellung durch einen Muftkvortrag der Kapelle des Ersatz— batalllons, unter Leitung des Kapellmeisters Herrmann(Ouver⸗ ture zu„Egmont“) und einer Rede des Oberbürgermeisters auf den Großherzog.— Der Verfasser der„Karlsschüler“, Laube, war 1848 Mitglied des Frankfurter Parlaments, später Direktor des Leip⸗ ziger Stadttheaters und des Wiener Stadttheaters. Als Bühnen— leiter war er bemüht, die Werke der bürgerlich-revolutlonären Dichter der Deffentlichket zugänglich zu machen. In den„Karls⸗ chüilern“ stellt er die Verhältnisse dar, unter denen Schiller seine raurige Jugend auf der„Karlsschule“ des Herzogs Karl Eugen von Wlirttemberg zu verbringen hatte. Diese„Akademie“ hatte letzterer eingerichtet, um sich einen Stammt willenloser Werkzeuge zu erziehen. Die Schitser wurden in seder Beziehung bevormundet und gekuechtet. Trotzbem entwickelte sich dort das Genie Schillers: die gewalttätige Niederhaltung hat vielleicht besonders den Wider⸗ stand Schillers und seiner Mitschüler gegen die Tyraunenmacht ge⸗ reizt.— Unter Direktor Steingoetters Leitung war die Aufführung wohl vorbereitet und alle Mitwirkenden taten ihr Bestes, das gute Gelingen zu sichern. Herr Steinhofer brachte in der Rolle a die geistigen und seelischen Qualen, die dieser jugendliche lirmer in der„Sklavenplautage“, wie die Karlsschule genannt wurde, zu erdulden hatte, lebenswahr zum Ausdruck. Herr Hell⸗ mut h spielte den tyrannischen Herzog, der in dem Stück entgegen der historischen Wahrheit bedeutend menschlicher und würdiger ge⸗ zeichnet ift. Hervorzuheben sind noch die Damen Martha Schild, Anna Rüiebeus und Auguste Freugel, welche den jungen Schiller zu beschützen suchen und ihm schließlich bei seiner be⸗ kannten Flucht aus Ludwigsburg hilfreich, beistehen. Mit leb⸗ 15 Beifall dankte das Publikum den Künstlern für ihre vor⸗ refflichen Leistungen. — Tabakarbeiter! Auf die Verfa m mung der Tabak⸗ arbeiter und Arbeiterinnen von Gießen und Umgegend, die morgen nachmittag im Gewerkschaftshause stattfindet, sei an dieser Stelle aufmerksam gemacht. L Anlagemusik. Bei günstiger Witterung findet morgen von 11% Uhr ab in der Südaulage Konzert von der Kapelle des Landsturm-Juf.-Ersatz⸗Bataillons 1 statt. Die Reihenfolge des Programms lautet: Choral„Wie schön leuchtet der Morgenstern“.— Ouverture„Berlin, wie es weint und lacht“, von Conradi.— Lied„Das Herz am Rhein“, für Posaune, von F. Hill.— Walzer wird auf eine Aeußerung von ihm Bezug genommen, die in einem Bericht über die Vorkommnisse in dem Betrieb der Miilhauser Volkszeitung enthalten ist, den Genosse Emmel und sein Mit⸗ schäftsführer am 2. Januar 1915 dem Parteivorstand erstattet aben. Die Absendung dieses Berichtes, der im offenen Briefe die Zenfur passieren mußte, ist nicht erfolgt in der Absicht, Genossen zu schäbigen, sondern um den Parteivorstaund zu informieren. Immerhin war unter den obwaltenden Umständen diese Art der Porichterstattung eine grobe Fahrlässigkeit, die hätte vermieden werden miissen und bei ruhiger Ueberlegung wohl auch vermieden worden wäre. Die gegen Emmel erhobene Beschuldigung, er habe Partei⸗ genossen der deutschseindlichen Gesinnung und eines staatsgefähr⸗ lichen Treibens bezichtigt, sowie ihre Verhaftung veraulaßt, ist nicht erwiesen. Die widerspruchsvollen Angaben, die darüber vorliegen, können als Beweis micht anerkannt werden. Bei den Unter⸗ redungen mit dem Zensor, die er nicht gesucht hat, sondern zu denen er als Redakteur gezwungen war, hat Emmel sich nicht immer die Zurückhaltung auserlegt, die geboten war. Für die Behauptung, durch den von Emimnel geschriebenen Ar- tikel in der Mülhauser Volkszeitung vom 25. Februar 1915, in dem die Wendung von den Hallein echten Sozialdemokraten mit chanvinistischem Einschlag“ vorkommt, sei die Verhaftung von Parteigenossen veranlaßt worden, konnte ein Beweis nicht erbracht werden. Dieser Artikel diente lediglich der Abwehr einer Notiz ein einem bürgerlichen Blatte über die Absetzung Emmels als Vor⸗ sitzender der sozialdemokratischen Gemeindevertreterfraktion. Das gesamte Verhalten des Genossen Emmel in dieser Ange⸗ legenheit, auch soweit es nicht gebilligt werden kann, wird erklärt durch das unser Partejunternehmen in Mülhausen, dessen Leiter Genosse Emmel ist, schwer schädigende Treiben einzelner Partei⸗ genossen. Auch der Vorwurf, Emmel sei der Reichstagssitzung vom 4. August 1914 absichtlich serngeblieben, ist nicht erwiesen. Emmel ist am 3. August 1914 nach Berlin gefahren, konnte aber infolge Verkehrsschwierigkeiten sei Ziel nicht erreichen. Vereinskalender. Samstag, 27. November. Wetzlar. Gewerkschaftskartell. Abends 129 Uhr michtige Sitzung bei Schreier für Delegierte und Vorstandsmit⸗ glieder der Gewerkschaften. Um die Abrechnung fertig zu stellem, wolle man die Beiträge entrichten. Bekanntmachung. Betreffend: Viehzählung am 1. Dezember 1915. Durch Bundesratsbeschluß vom 15. November 1915 1. Dezember 1915 eine Viehzählung angeordnet. Die Zählung ersolgt durch die Schutzmannschaft. Gezählt werdem das Rindvieh und die Schweine nach bestisumten Altersklassen, die Pferde, Schaße und Ziegen nur insgesamt. Feder⸗ vieh bleibt außer Betracht. Es sind alle Viehstücke zu zählen, die sich im räumlichen Ver⸗ sügungsbereich einer Haushaltung in der Nacht vom 30. November zum 1. Dezember befinden, sei es im Haufe, Stalle, Scheune, Schuppen, Hof und Garten, sei es in Außenwerken oder auf Wiese, ist am 83 Jahre alt. Sdzfalkemskratifch. Kreiswapfverei iegen-Grünberg- Nidda. 5 Unterzeichneter Vorstand beruft zum 0 Sonntag, den 5. Dezember, nachmittags halb 30 ö nach Giessen(Schanzenstrasse lo) eine siitglieder- Veriammlun ein.— In der Versammlung soll eine Uebersicht über den S8. unserer Organisation gegeben, sowie sonstige Partei-Angele heiten besprochen werden. 8 Wir ersuchen unsere Mitglieder, in dieser Versammlun erscheinen. Der Vorst 3 achll. 8 Inh. Wilhelm Horn a eu 15 2 ieee GIESSEN empfiehlt noch 1 8 in grosser Auswahl zu billigen Preisen: Ae Hekreg- U. kabel. Aab Herren-Anzugs tore Damen-Rleidersfofe 7 2 eee 0 ilkter-Bedarts-Brffgel 8 Weide, Feld usw. Dabei ist gleichgültig, wer Eigentümer des e 8 Deutscher Metallarbeiter Verband Verwaltungsstelle Giessen. Ortsgruppe Gießen. Laummollmzren Auskunftstelle 0 fart der g den fache unbo den d locker geher nachb bon einge in de tio inser filo 1 018 0 gel, geges aul für Frauenberufe. „Scheiden und meiden“, von Fetras.—„Waffenruf des Kai⸗ sers“, von Clarens.—„Deutsche Meereswacht“, von P. Linke. — Stabttheater. Am morgigen Sonntag nachmittag findet die vo raussichtlich letzte Aufführung der beliebten Gesangsposse„Wie 0 einst im Mai!“ statt: am Abend wird Björnsons wirkungsvolles 179 Schauspiel„Ein Fallissement“ wiederholt, dessen Neuein⸗ ö studierung bei Publikum wie Presse mit lebhafter Anerkennung 0 aufgenommen worden ist. Die belden Vorstellungen werden bei N kleinen Preisen gegeben. 9 Spieltlan des Stadt⸗Thealers Gießen. Dienstag, den 90. Nop, abends, 8 Uhr: Volks- und Garnison-Vorstellung:„Doktor Klaus“, züstspiel in 5 Akten von Adolph L'Arronge. Ende 103% Uhr. Volks reise.— Donnerstag(in Marburg), den 2. Dezember, abends Dem Völkerktiege fielen zum Opfer die Kollegen: Ludwig Gilbert, Dreher, Heuchelheim Otto Henche, Former, Niedershausen Karl Bechthold, Hobler, Launsbach Heinrich Geisel, Hilisarbeiter, Giessen unentgeltlich N kunft für alle Berufe im Rathaus, Marktplatz 14. lags nachm. von 6/—7½ Uhr. Rechtsschutzstelle. Frauen und Mädchen erhalten unentgeltlich 10 Rat und Aus kunst in Nechts angelegenheiten 7. Freitags-Aboun.-Vorstellung:„Der Erbförster“, Schauspiel in 5 Aufzügen von O, Ludwig. Ende 10% Uhr. Gew. Pr.(erm.).— Sonntag, den 5. Dezember, nachmittags 3. Uhr: Volks⸗ und Schüler⸗Vorstellung:„Die Karlsschüler“, Schauspiel in 5 Akten von H. Laube. Ende 6 Uhr. Blkspr. Abends 7½ Uhr:„Als ich noch im Flügelkleide“, ein fröhlsches Spiel in 4 Aufzügen von Albert Kehm und Martin Frehsee. Ende 10% Uhr. Kleine Preise. Kreis Friedberg⸗ Büdingen. Bad⸗Nanheim, November 1915 22611 Kurgäste wurden bis dahin 306 346 abgegeben. 8% Uhr: 4. Abonn.⸗Vorstellung. Neuheit!:„Herrschaftlicher Diener f j 1 alten Malhaus Markihl⸗ 1 ade ne Schwank in 3 Akten von Eugen Burg und Louis Feen Heinrich 8 imon 1 Dreher, Odenhausen itwoch nachmeittaß von g 55 de nach 10 Uhr.— Freitag, den 3. Dezember, abends 8 Uhr: bis 8 Uhr. b Wilhelm Nau, Former, Giessen Otto Wacker, Installateur, Wieseck Adolf Wiess ner, Installateur, Wieseck Christoph Rohrbach, Former, Gr.-Buseck Otto Bock, Elektromonteur, Giessen Ehre ihrem Andenken! Die Ortsverwaltung. Daß auch aul folchen plaauven L. 8 8 l 27. Nov. Vis zum 25. angekommen. Bäder Gasherde sowie Glühkörer, Cylinder a. ile brsatztile in schöner Auswahl. 4 fin deorg Dahmer Spengler- und Installationsm 9 Neuenweg 40. Kreis Wenlar. n. Vor einem Schwindler warnt der Wetzlarer Blirgermeister in einer öffentlichen Bekanntmachung. Dieser unternehmende Handelsbeflissene verkauft einen Becher, der die Merkwürdigkeit besitzen soll, daß darin gegossenes Wasser zu angenehm duftenden Mund⸗ und Zahnwasser wird! f f häufiger fallen schwere Bomben un Lune des hroser Halpturstrz Im Westen Artilleriekämpfe. Ru sishe Angriffe abgewiesen. Serbische Nachhuten geworfen W. B. Großes Hauptquartier, 26. Nov., vorm.(Amtlich) Westlicher Kriegsschaupla. An vielen Stellen der Front Sonst nichts Wesentliches! Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeld a v. Hindenburg. wü Ein Versuch der Russen, die Misse bei u schreiten, wurde vereitelt. 5 Bulze au 335 Feindliche Angriffe bei Bersemünde und auf der West⸗ front von Dünaburg sind abgeschlagen. Heeresgruppen des Prinzen Leopold von Bayern und des Generals von Linsingen Nichts Neues! g f Artilleriekümpfe! Balkan. Südwestlich von Sjenica und von Mitrovica wurden feindliche Nachhuten, die sich an den Stellen noch vor der Front der Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen hielten, geworfen., Oberste Heeresleitung. Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Planmäßige Zerstörung von Görz. 3 Amselfeld im. der Verbündeten. ien, 26. Nov.(W. T. B. Nichtamtlich.) Amtli 8 lautbart. 26. November 1915: e Rusfischer Kriegs schauplatz. Keine besonderen Ereignisse. Jtalienischer Kriegsschauplatz. Die Lage im Görzischen hat sich nicht geändert. Die heftigen Kämpfe dauern fort. Wiederholte Angriffe des Fein⸗ des gegen den Abschnitt von Oslavija scheiterten. Am Nord⸗ hang des Monte San Michele war das Gefecht nachts noch im Gange. Ein Angriff auf den Gipfel des Berges wurde durch unser Feuer erstickt. Vorstöße gegen den Raum von San Mar⸗ tino wurden abgeschlagen. Ze deutlicher die Italiener die Nutzlosigteit auch ihrer jüngsten Offensive erkennen müssen, desto 0 Brandgranaten in die Stadt Görz, die nun planmäßig in Trümmer geschossen wird. Täglich steigt die Zahl der abgebrannten und zerstörten Häuser und Kirchen. Der bisherige Schaden an Baulichkeiten ist mit 25 Millionen Kronen zu bewerten, jener an Privat⸗ en Kunstwerken und Sammlungen überhaupt nicht abzu⸗ schätzen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die an der oberen Drina kämpfenden k. u. k. Truppen drängten den Feind über den Goles und den Kozara⸗Sattel zurück und nahmen Cajnice. Auch auf der Giljaeca Planina süd⸗ westlich von Sjenica wurden die Montenegriner von unseren Ba⸗ taillonen geworfen. Südlich von Novipazar ersteigen unsere Ko⸗ lonnen die Mokra Planina. Südwestlich von Mitrovica vertrieben wir eine serbische Nachhut. Das A mselfeld ist völlig im Besitze der Verbündeten. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Zeldmarschalleutnant. 2 Die Lage der Serben. Der Rückzug des serbischen Heeres kann infolge des harten Nachdrängens der verbündeten Heere nicht mehr in der geplanten Weise durchgeführt werden. Die fortwähren⸗ den Kämpfe, die den Serben aufgezwungen werden, verur⸗ sachen in ihrer Rückwirkung auf die abziehenden Kolonnen Unvorhergesehenen und unangenehmen Aufenthalt und meh⸗ ren die Verluste. Erschöpfung und Mangel an Verpflegung lockern die Verbände, und die über das Amselfeld zurück⸗ gehenden Reste des serbischen Heeres, die nun in dem be⸗ nachbarten Montenegro eine neue Zuflucht suchen, wo ihnen von den durch den Sandschak in montenegrinisches Gebiet eingedrungenen österreichisch-ungarischen Kolonnen bereits in der Flanke Gefahr droht, dürften kaum me h ro p era · tionsfähig sein. Südlich von Novipasar erstrecken sich unsere Kolonnen bis zur Mokla i die nur noch 20 Kilometer nordwestlich von Ipek liegt. 15 Die serbische Re ie hat ihre Flucht bereits bis an die Adria fortgesetzt und sich in Skutari nieder⸗ gelassen. Die von den Serben angekündigte Offenstve gegen die Pässe von Katschanik hat nicht stattgefunden. Im Raume nördlich von Monastir halten die Serben noch die Stellungen bei Prilipatz auf den westlichen 1 der Orneska⸗Planina, sowie die Nordhänge der Buseva Nlanina bei Brod an der Velika⸗Reka, sowie das Defile 2. Dorthin sollen aus der Gegend ee 10 4 115 Schrida Verstärkungen im Anmarsch sein. Auch so 5 1 bische Kriegsminister, der sich von der 1 1 geflüchteten Regierung trennte und über Monaß ir 1 5 805 lonik eilte, um dort Hilfe zu erflehen, bemüht sein, 1. fuhr von Geschützen, Munition und Verpflegungsgeräten in die erwähnten Stellungen zu betreiben. dNarn ung. u. 26. Nov.(25. T. B. Nichtamtlich! erer mengen Mugebeller der Ties, Oberst geepingen, wee e Stellung des Gegners ist der unsrigen N b 1 nen. Aufwand an Zeit, Lauten n. er haben 1 um die Lage zu unserem Vorteil zu 1 8 1 lohnt es sich nuch mei, belegenheit auf dem Balram verpaßt'der Balkan is für uns ein die notwendigen Opfer aufzubringen. Der fernhalten 1 10. Kriegstheater, von dem wir uns am besten a Die Nussen kommen! g Secolo meldet aus Rom: Sonne W 51 mittag auf der Consulta mit dem ee e in Zu⸗ lange Unterredung. Man bringt die ruffischen Val⸗ sammenhang mit der bevorstehenden. t, daß das Expedi⸗ baneppedit ion. Es werde bestä 5 daß die rufsischen tionsheer nunmehr vollzählig ist 15 n und Bulgaren an⸗ Streitkräfte binnen kurzem die 1 der Oberbefehls⸗ greifen werden. General K nr e sich in Taschbunar, Jaber des Expeditionskorps, befin 199 00% e ee zwischen Ismail und Kilia mit etwa 1 a 100 000 Mann seien bei die Balkanunternehmungen der Aalen überlegen und es würde Die Neutralität Griechenlands. Der Frankf Ztg. wird aus Berlin geschrieben: 8 Wie sich die„freundschaftliche Neutralität“ gegenüber den Ententemächten, zu der Griechenland, wenn es nicht unmittelbar in den Krieg verwickelt sein wollte, gezwungen worden ist, praktisch gestalten wird, läßt sich nach den heute vorliegenden Nachrichten auch nicht mit einiger Sicherheit beurteilen, und auch in diplo⸗ matischen Kreisen scheint man Positives darüber nicht zu wissen. Klar ist nur: Griechenland will den Truppen der Alliierten, die jetzt bei Salonik auf griechischem Boden stehen, nicht seindselig gegenübertreten; es sichert ihnen Aktionsfreiheit zu, aber in wel⸗ chen Grenzen, bleibt fraglich. Fraglich bleibt auch, ob unter den Truppen der Alliierten die serbischen Truppen zu verstehen sein würden, die etwa jetzt aus dem Reste der geschlagenen serbi⸗ schen Armee auf griechischem Boden gelangen könnten— was, nebenbei gesagt, nicht sehr wahrscheinlich ist— und die später auf dem Umweg über Albanien eine Vereinigung mit den Frangosen und Engländern versuchen könnten. Nach einigen Nachrichten scheint es, als ob solche serbische Truppen entsprechend den Bestimmungen der Haager Konferenz von Griechenland entwaffnet und interniert werden würden, nach anderen Auffassungen, die sich in den Blättern finden, konnte man auch glauben, daß zum Begriff der Truppen der Alliierten, denen Aktionsfreiheit gewährt wird, auch die Serben ge⸗ hörten. Es ist möglich, daß diese verschiedenen Eventualitäten in den Abmachungen zwischen Griechenland und den Ententemächten nicht in allen Einzelheiten vorgesehen sind. Wie sich die Dinge ge⸗ stalten werden, das hängt von der militärischen Entwick⸗ lung der nächsten Zeit, wahrscheinlich schon der allernächsten Zeit ab; denn daß die gegen die Serben siegreich gebliebenen Bulgaren und ihre Verbündeten mit der Vernichtung und Vertreibung des serbischen Heeres vom serbischen Boden ihre Aufgaben nicht für ge⸗ löst ansehen, kann man für sicher halten. Die Bulgaren und die griechische Neutralität. Alle bulgarischen Zeitungen stimmen in der Beurteilung der Lage Griechenlands darin überein, daß es für Griechenland gefährlich wäre, gegen den Vierverband aufzutreten, da es hierdurch seine Handelsflotte riskiere, die jetzt schon durch England gefährdet sei. Es solle die Ereig⸗ nisse abwarten, die sich auf seinem Gebiet entwickeln werden. Besondere Beachtung finden hier die griechischen Preßstim⸗ men, die die griechische Neutralität nicht als un be⸗ schränkt bezeichnen. Die Neutralität könne bis zum offenen Gegensatz gegen den Vierverband umschlagen. Joffre Präsident des Kriegsrats? Der Berliner Lokal⸗Anzeiger meldet aus Kopenhagen: Nach einer Paxiser Meldung verlautet dort bestimmt, daß General Joffre zum Präsidenten des gemeinsamen Kriegsrats ernannt wird. Infolgedessen würde er von seiner Stellung als Generalissimus zurücktreten. Als sein Nachfolger wird General Foche genannt. Die Zerstörung von Görz Das Schicksal von Städten, die unmittelbar an der Front liegen, ist besiegelt. Zum Teil werden sie von zu weit gehenden Geschossen getroffen, zum Teil nimmt sie der Feind absichtlich aufs Korn, um das militärische Leben hinter der Front zu stören, Truppenansammlungen zu beschießen, Vorräte zu zerstören, wie er ja in einer größeren Stadt mit ihren Häusern, Gastwirtschaften, Fabriken, Mühlen, Gas⸗ und Elektrowerken usw. immer einen wesentlichen Stützpunkt des Gegners erblicken wird, den er ihm nehmen möchte. Insofern also wird die Haager Landkriegsord⸗ nung über die Nichtbeschießung offener Städte durch die harten Nor⸗ wendigkeiten des Krieges selbst wirkungslos gemacht. Die küstenländische Stadt Görz— italienisch Gorizia— liegt unmittelbar hinter der österreichischen Isonzofront, der vielgenannte Fluß bespült ihre Vorstadt. Wenn trotz dieser Lage jetzt so viel Empörung über die Zerstörung der Stadt durch die Artillerie Cadornas laut wird, so gibt es dafür mehrere Ursachen. Görz ist ein wahrer Garten, sein wunderbares südliches Meeresklima läßt alle subtropischen Früchte reisen, es hat vielen Lungenkranken ihr Leiden gelindert; Görz ist italienisch— micht im politischen Sinne, aber national—, bei der letzten Reichsratswahl erhielten dort die ätalienischen Kandidaten zusammen über 2500 Stimmen, der Slowene gegen 1200, ein Deutscher 150. Allerdings zeigt die Wahl⸗ statistik, daß seit 1907 die slowenischen Stimmen auf Kosten der italienischen gewachsen waren— das Vordringen der Slawen in die deutschen und italienischen Gebiete Oesterreichs, das überall wahrzunehmen ist. Schon der Landbezirk Görz ist so rein slawisch, daß dort nicht einmal ein Italiener kandidierte— nebenbei bemerkt ein schöner Beweis für den„nationalen“ Anspruch Italiens, dieses Land von der österreichischen Herrschaft zu„erlösen“. Endlich aber, Und das ist der wahre Grund für die Entrüstung über die Zerstörung von Görz, hat die italienische Heersleitung bis⸗ her nicht den billigen Mut gefunden, offen zu erklären:„Die Be⸗ schießung von Görz zeigt vollen Erfolg, die Zerstörung dieser feind⸗ lichen Stadt ist nur eine Frage der Zeit, gez. Cadorna“, sondern man hat es vorgezogen, mit einer schäbigen Feigheit und tückischen Sucht nach„Rechtfertigung“ immer wieder zu behaupten, daß man nur die Kasernen von Görz und die in der Stadt aufgestellten Austrobatterien beschieße, während die k. u. k. Heeresleitung bereits neehrfach festgestellt hat, daß die Kasernen längst geräumt und obendrein zerschossen sind, Batterien aber in der Stadt nicht auf⸗ gestellt sind. Es möchte allerdings etwas peinlich für Cadorna sein, amtlich vor aller Welt zuzugeben, daß man eine altberühmte Stadt zerstört, die von Italienern bewohnt ist, die man zu erlösen ausgezogen war. 5 Freilich, es ist nicht nur wirkliche oder vorgeschützte militärische Notwendigkeit, die das Feuer der italienischen Batterien auf die Häuser della Citta di Gorizia lenkt und schlafende Kinder in ihren Betten mordet— es sind ganz andere Gründe, die Italiens Regierer nach einem Erfolg gieren lassen. Der frühere Oberst Gädke hat die Gründe letzthin sehr klar dargelegt; die Parlamentseröff⸗ nung steht vor der Tür und Herr Salandra fürchtet Sturm auf Monte Citorio. Schließlich, mit Parlamenten kann mam leicht fertig werden— aber ein unglücklicher Krieg— und ganz danach sieht es ja aus— könnte in Italien mehr als nur ein paar Minister ins Wanken bringen, welche glückliche Berufsart ja den Vorzug hat, nach dem Verlust ihrer Stellung sich erst recht dem durch reichliche Pensionen ermöglichten Wohlleben hinzugeben. Betrachtet man aber so den ganzen italienischen Krieg, so drängt sich einem immer wieder das ganz besonders Frivole dieses Krieges auf: Jtalien konnte Südtirol, konnte den Landstreisen bis zum Isonzo haben, obwohl das auch schon kein rein italienisches Land mehr ist, es sollte einen großen Teil der fruchtbaren Gefilde des Trentino, manche Fremde an⸗ ziehende Dolomitengruppe erhalten, ohne dafür einen Mann und eine Granate opfer zu müssen. Es hätte weiter seinen österreichi⸗ schen Stammesgenossen nationale Selbstverwaltung, den Triestern die allzulang vorenthaltene Universität errungen. Statt dessen opfert es nun Hunderttausende wofür?! Triest wäre in italienischem Befitz tot, Istrien und Dalmatien sind rein flawische Länder mit nur eingesprengten italienischen Städtekolonien, selbst Slidtirols Weinbau wäre ruiniert, wenn zwischen ihm und Italiens Südweinreichtum nicht eine Zollgrenge bestünde. Gewänme Italien selbst das flawische Ostufer der Adria— eine herrliche Aufgabe für den Vorkämpfer des„Nationalstaats“—, so gewänne es daßnit nur dauernde innere und äußere Schwierigkeiten und was niltzte dem armen verelendeten Königreich selbst Albanien?! Der türkische Kriegsbericht. Konstantinopel, 26. Nov.(W. T. B.) Das Haupt⸗ quartier teilt mit: An der Irakfront ließ der Feind am 22. und 23. November nördlich Korna und am Tigris westlich —— Koutulamara unter dem Schutze der Kauonen von zeh Kriegsschiffen seine neuen Verstärkungen gegen unsere vorg schobenen Stellungen in dieser Gegend vorgehen. Unsere Vortruppen fügten dem Feind sehr bedeutende Verluste au Toten zu und zogen sich dann auf ihre Hauptstellung zurück. Der Feind versuchte seinen Angriff weiter vorzutragen. Der Versuch scheiterte aber. Unsere Truppen gingen zum Gegen⸗ angriff über und nahmen dem Feind ein Maschinengewehr, 2 Munitionswagen und einige Gefangene ab. Ferner erbeu⸗ teten wir dort ein viertes feindliches Flugzeug.— An der kaukasischen Front hat sich nichts von Bedeutung ereignet.— An der Darpanellenfront Kampf mit Artillerie und Bomben⸗ werfern. Burnu einige feindliche Maschinengewehre und Bomben⸗ werferstellungen und tötete eine große Anzahl feindlicher Soldaten, die in der Umgegend des Landungsplatzes von Art Burnu untergebracht waren. Bei Auaforta nahmen wir mit gutem Erfolg eine großkalibrige Kanone samt Munitions⸗ wagen unter Feuer, die der Feind gegen Kiretchtepe in Stel⸗ lung bringen wollte. Wir töteten alle Bedienungsmann⸗ schaften und Zugtiere. 4 Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. erlag von Krumm& Cie., Gießen. Offenbach a. M. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. Bekanntmachung. Kenntnis. Gießen, den 23. November 1915. Der Oberbürgermeister. Bekanntmachung. Betr.: Die Versorgungsregelung; hier: Die Kartoffeln. 8 Auf Grund der§s 12 ff. der Bundesratsverordnung über die Errichtung von Preisprüfungsstellen und die Versorgungsregelung vom 25. September 1915 in der Fassung der Bekanntmachung vom 4. November 1915(Reichs⸗Gesetzbl. S. 728), des§ 1 der Mini⸗ sterialbekanntmachung über die Errichtung von Preisprüfungs⸗ stellen und die Versorgungsregelung vom 5. Oktober 1915(Kreis⸗ Blatt Nr. 89 vom 12. Oktober 1915), sowie des§ 1 der Mini⸗ sterialbekanntmachung über die Ergänzung der vorerwähnten Be⸗ kanntmachung vom 6. November 1915(Kreis-⸗Blatt Nr. 100 vom 12. November 1915), wird mit Genehmigung Großh. Ministeriums des Innern zu Nr. M. d. J. III 17720 vom 15. November 1915 für den Bezirk des Kreises Gießen folgendes ange⸗ ordnet: 8 1. Landwirte, die Kartoffeln produziert haben, dürfen: 1. Kartoffeln nur nach Orten des Kreises Gießen oder liefern oder abfetzen; verkausest Kreises, nur an solche Händler oder gemeinnützige Anstalten § 2. 5 Händler dürfen 1. Kartoffeln nur in oder nach Orten des Kreises verkaufen, ab⸗ setzen oder liefern; b 2. die Verbringung von Kartoffeln nur nach Orten innerhalb des Kreises für andere vermitteln und übernehmen, sowie bewerkstelligen; 3. bei Landwirten Kartoffeln nur einkaufen mit ausdrliickliche r schriftlicher Ermächtigung 8 Kreisamts. Ausnahmen von obigen Bestimmungen kaum das Kreisaamt bewilligen. . Die von der Reichskartoffelstelle erteilten Bezugsscheine bleiben in Kraft. Ebenso werden nicht berührt die Vorschriften der Be⸗ banntmachungen des Reichskanzlers vom 9. Oktober 1915 und 28. Oktober 1915 über die Kartoffelversorgung; insbesondere bleiben die unter§7 der genannten Verordnung fallenden Kartoffel⸗ mengen zur Verfügung des Kammunalverbandes. 8 5. Die Landwirte und Händler sind verpflichtet, Verzeichnisse nach nachstehendem Muster zu führen. Die Verzeichnisse sind allwöchenk⸗ lich abzuschließen. Sie sind der Bürgermeisterei sowie den vom Kreisamt mit der Prüfung beauftragten Personen guf Verlangen zur Einsicht vorzulegen. § 6. Wer diesen Bestimmungen zuwiderhandelt, insbesondere auch in dem Verzeichnisse unrichtige Angaben macht, wird gemäß§ 17 der obengenannten Bundesvatsverordnung mit Gefängnis bis zu 6 Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 1500 Mark bestraft. g 7 Diese Verordnung tritt mit ihrer Veröffentlichung im Kreis⸗ blatt in Kraft.. Gießen, den 18. November 1915. Der Großherzogliche Kreisrat des Kreises Gießen: Dr. Usinger. —ẽ—TU. L.:! Hiervon verkauft 0 a. Geerntete Kartoffel“ 5 1 120 menge. vor dem 10. 10. nach dem 10. 10.] vorhandene 1515 1915 Mengen d. Aufgekaufste Kar⸗] Datum, Menge, Datum, Menge, und we toffelmenge Käufer und Käufer und Iggernd deren Wohnort deren Wohnort Die Richtigkeit bescheinigt (Ort und Datum) (Unterschrift) * 2 8 Von den Apotheken in Giessen ist am S untag, den 28. Nov. von 3 Uhr nachmittags an und die Nacht 7 Reschballiges Lager in Ubrem, D. Kaminka, Gießen Gießen u. Umg. und des 0 hinduch geöffnet die Hirsch-Apotheke. Gold⸗ und Silberwaren. Lieferant des Konsum⸗Vereins Marktplatz I. . bahn⸗Konsumvereins. g irmacher uud Goldarbeiter. Ardennen. men beranat Nabgttasten Unsere Artillerie zerstörte bei Anaforta und Art Nachstehende Bekanntmachung bringe ich zur öffentlichen Keller. 9 2. Kartoffeln, außer unmittelbar an Verbraucher innerhalb des oder Konsumvereine verkaufen oder absetzen oder liefern, die vom Kreisamt zugelassen und schriftlich ermächtigt sind. 8 Knicker, Scheren, Essbesteeke, * N Hisiis Glanz n matt 5 Andere Formate Familien- und Gruppen-Bilder entsgrechend billig. bis Lebensgrösse nach allen auch alten n in tadelloser billiger Aus führung. Megen rechtzeitiger Phot. Ateli Bahnhofstrasse 64 —— ung erbitten e Versamm! ung für alle in der Zigarren u. Tabakindustrie Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigten von Gießen und Amgegend Sonntag, den 28. November, nachmittags 3 uhr, im Saale des ee. 18 Tenerung und Lohmalage. Referent: Franz Schuell⸗ 9 M. Ane Besuch erwarten Fir unsere Krieger empfiehlt zu billigsten Preisen in grosser Auswahl: Taschenlampen mit und ohne Blende, sowie mit drehbarem „ berlns“, als besondere Scheinwerfer. W Gunz nen: Signallampe, sowie als Tisch- und Wandlampe zu gebrauchen. In. 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