A — 8 Organ für die Interessen des werktätigen Volkes J. der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Die Oberbessische Volkszettung erscheint leden Werktag Abend in Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich 60 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl. 1. 80 Mt. Redaktion und Expedition Giessen, Bahnhofstraße 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. 5 Inserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Ra att. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 275 1 Giessen, Dienstan, den 23. November 1915 Die Keine Irreführung! eine Irreführung! Von Eduard David, M. d. R. Es gibt in Deutschland keinen Sozialdemokraten, d i 8 gibt in Deutschlan 5 1„der nicht das nde des Krieges herbeisehnte. Leider aber steht unserer Frle⸗ ensbereitschaft ein noch immer nicht überwundenes Hindernis im der e e der maßgebenden Staatsmänner Parteien der feindlichen Länder zu einem Frieden, den D h ne kann. e gas ist neuerdings wieder in England und Frankreich nach- ücklichst bekunder worden. Die Reden von Asqliith und Briand gen übereinstimmend vom Frieden kann keine Rede sein, bevor cht die militärische Macht Deutschlands niebergebrochen ist, und e Ententemächte in der Lage sind, ihm den Frieden zu diktieren, sie wollen. ö Diesem Krieg 1 — iel haben sich auch— und das ist für uns das französischen und der roßen Mehrheit der englischen Nabe geschlossen. Sie haben sich von neuem mit ihren Regier⸗ igen solidarisch erklärt und ihnen unbedingte Gefolgschaft zuge⸗ gert. Dieser Tatsache haben wir ins Auge zu sehen; mit ihr ben wir auch weiterhin zu rechnen, wenn anders wir uns nicht bst betrügen und die uns vertrauenden Volksmassen in die Irre ihren wollen. 1 Letzteres versucht unser sogenanntes Zeutralorgan, der Vor⸗ lürts, mit einer Beharrlichkeit, die einer besseren Sache wert wäre.“ löglich, daß er ernsthaft glaubt, damit den Frieden zu fördern, in gahrheit wirkt er damit für die Verlängerung des Krieges. Am 2. November brachte der Vorwärts einen verheißungs⸗ llen Artikel, der auf Grund einer Mitteilung aus England eine 1 u der politischen Haltung der sozialistischen Fraktion in Ir französischen Kammer ankündigte. Danach sollten die franzö⸗ chen Sozialisten dem neuen Ministerium gewisse Bedingungen ihre weitere Gefolgschaft gestellt haben. Die erste und haupt⸗ DDD 1 hlichste lautete: Das Kabinett muß auf Eroberungen und An⸗ ionen verzichten.— Die Vorwärts⸗Redaktion pries dieses Urgehen im voraus als mustergiltig und erwartete mit cyannung eingehendere Nachrichten darüber ab. Am 5. November berichtete das Blatt, dann über die Antritts⸗ e Briands in der Kammer. Der Artikel trägt die Ueberschrift der Krieg bis ans Ende“ und führt aus, daß bei Briand so wenig de bei Afqufth„von irgend einer Geneigtheit zum Nachgeben die Ide sei“; zur Bekräftigung wird auf die Worte des französischen nisterpräsidenten hingewiesen, daß der Krieg bis zu einem ge fortgesetzt werden müfse,„der den Feind aus allen besetzten bietsteilen herausjagen wird, sowohl aus jenen, die unter der etzung erst seit mehreren Monaten leiden, wie auch aus jenen, sie so viele Jahre erdulden.“ 8 05 Das war also das alte Kriegsziel Vivianis mit der Wieder⸗ berung von Elsaß⸗Lothringen als Hauptstück, und nun hätte die 3. November vom Vorwärts in Aussicht gestellte Aenderung in Haltung ber frauzösischen Kammerfraltion erfolgen müssen. 2 erfolgte aber nicht. ä— 22 112 Im Gegenteil: Renaubel, der Sprecher der Anzösischen Fraktion, stellte sich ganz und gar auf den Boden der landschen Erklärung, Guesde, Sembat und Thomas blieben in neuen Regierung, und die Fraktion gab dem Ministerium and ein einstimmiges Vertrauensvotu m 15 Trotzdem versucht nun der Vorwärts seine Leser bei dem huuben zu lassen, es sei doch so etwas wie eine Richtungs⸗ erung seitens der französischen Sozialisten ersolgt. Das Ver⸗ ssren, das er dabei einschlägt, verdient festgenagelt zu werden. In seinem Vorbericht über das Auftreten Nenaudel lecer wie dieser sich durch die heftigen Proteste aus den Rei debice gerlichen Parteien nicht habe beirren lassen in seine. ange 1700 shage an alle Eroberungsabsichten und in der Bekräftigung, 5 Krieg für Frankreich ein„reiner Verteidigungskrieg 1 ben müsse. Der Vorwärts erklärt zum Schluß: 9 85 0 115 , sehen wir von der grundsätzlichen Haltung Jun Krege, 925 sisterkalismus usw. ab, das Auftreten des Führers 1 1 shen Partei mit Genugtuung begrüßen“: er konstatiert 7 55 95 echen von dem bisherigen Standpunkt e e sieht 10 üklosen Zustimmung zu der bürgerlichen Polti 11 1 in Mißbehagen, das Renaudels Rede bei den bürgerlichen Abe A- r 2 7 ziederbeginns der bst⸗ neten weckte,„das erste Zeichen des ne a e n di er 105 in Frankreich. 8 5 digen Orientierung der Genossen in 9 wahren Charakter Diesen groben Täuschungsversuch über 0 5 ö Rebe Renaudels setzte der Vorwärts dann, 1 11 405 t ihm bereits der offizielle Bericht über 1 ee e tung vorlag. Er druckt am 12. Novembre dende darin ist tele davon aus der Humanits ab. Das ee anz über das Renandel die oben mitgeteilten Erklärung. 8 ler: fies giel wörtlich zieht 0 5 Aue en l 5 ed einig, Herr Ministerpräsid ee d 8 0 Also 1 5 Renaudel ist der Ansicht, daß die, Ae e 870 1075 sedfrankreich und Belgen hinausgeworfen, 15 17 55 müssen, bevor nen Gebietsteile für Frankreich zurücerober dachte b in Frieden gesprochen werden darf— Und 5 5 gegen die An⸗ per Vorwärts, Renaudels Rede als eine„heosen, Elsaß⸗Loth⸗ onen“ zu bezeichnen. Das Ziel der en il in den Augen igen vont Deutschen Reich wieder abzureißen, Vorwärts offenbar kein Annexionsziel. von allen Seiten ren Grund lediglich 7 5 ie Renaudel Die heftigen Unterbrechungen, d 1 ö A ere — 4 Hauses wegen feiner Rede erfährt, ha roherungsziele noch in, daß alle nichtsozlalistischen Parteler rohan verfolgen. 6 er die Wiebereroberung Elsaß⸗Lothring bei der ganzen 5 9 4 Wichtigst 15 Ae Offenbarung ist eigentlich das Auch liahe Talfache gebührend merverhandlung. Statt diese bedauere snzustellen, versucht der werten und in die politische Rechne au lassen über den Cha⸗ bewärts selne Leser auch noch im Nebel J Renaudels. Briand be der Zhandschen Antwort auf 9 5 l dem Sprecher meldet allerdings, sich in direktem Gegen. Ebenso klug ver⸗ alistischen Regterunesvartei zu set nischeidun getreten, das Auftreten Renaudels schlüssen des Nationalrats Kammerfraktion. 10. Jahrgang in meidet er es aber auch, i rgend ein Wort zu sagen, was als eine Jurückweisung der weiteren Exoberungsziele der nichtsozialistischen Mehrheit ausgelegt werden könnte. Das macht er so geschickt, daß ihm die ganze Kammer lebhaften Beifall spendet. Der kluge Vorwärts aber setzt seinen Lesern eine andere Ent⸗ deckung aus der Schlußrede Brands vor. Er behauptet nämlich, Briand habe den hitzigen Gegnern Renaudels nur das eine Zu⸗ geständnis gemacht, daß er die„Phrase von der Zerschmetterung des deutlschen Militarismus“ aufnahm. In Wirklichkeit hatte Renaudel selbst seinen Gegnern dieses„Zugeständnis“ gemacht, indem er auf einen Zwischenruf erklärte:„Gleichzeitig ist es, wie Sie soeben sag⸗ ten, Aufgabe unserer Soldaten, den preußischen Militaris⸗ mus zuzerschmettern, weil dieses der letzte Krieg sein muß.“ Der Vorwärts tut, als ob er das gar nicht gehört habe, ob⸗ gleich es in seinem eigenen Bericht steht. Diese„Phrase von der Zerschmetterung des deutschen Militarismus“ ist obendrein ein alter * elformulierungen, die die französischen Sozialisten offiziell und inoffiziell haben verlauten lassen. Zu allem Ucberfluß wurde sie auch noch zwei Tage nach der Kammersitzung von dem Vorstand der französischen Partei, zu dem neben Guesde, Vaillant, Bracke, Compère⸗Morel und Hervs auch Renaudel selbst gehört, gusdricklich und cinstimmig erneuert in einem Beschluß, der sich scharf gegen die Zimmerwalder Konferenz wendet und alle Föderationen ersucht,„selbst den Anschein der Teilnahme“ an einer Propaganda im Sinne dieser Konferenz zu vermeiden. In jenem (Beschluß heißt es wörtlich:„In Uebereinstimmung mit den Entschei⸗ dungen des Nationalrats vom 14. und 15. Juli betont der Ver⸗ waltungsausschuß erneut, daß ein dauerhafter Friede nur erreicht werden kann, durch den Sieg der Alliierten und durch die Zerstörung des deutschen militärischen Imperialismus, daß jeder andere Friede, jeder vorzeitige Friede nur ein Waffenstillstand oder eine Kapitu⸗ lation wäre.“„ 1 64 3 5 Es ist völlig unbegreiflich, wenn der Vorwärts an die Mitteilung dieses Beschlusses die Bemerkung knfüpft, daß die französischen So⸗ zialisten damit„die Hoffnungen, die wir an ihre Haltung in der Kammer setzten, wieder herabstimmen?“— Nirgends war auch nur der Keim einer Frontänderung der französischen Soßzialisten zutage deckte sich völlig und allen früheren Erklärungen der Das Entscheidende seiner Rede lag in dem Be⸗ kenntnis zu der Kriegszielsormulierung des neuen Ministerpräsi⸗ denten, und gekrönt wurde sie durch das einstimmige Vertrauens⸗ votum, das die sozialistische Kammerfraktion dem einstmals so ge⸗ haßten und als Abtrünnigen geschmähten Brfiand erteilte. So sieht die nackte, nüchterne Wahrheit aus! Und wenn der Vorwörts noch einen Schein von gutem Glauben bei seinem Ver⸗ fahren hätte reklamieren können, so hat ihm Renaudel auch das noch völlig unmöglich gemacht durch den Artikel, den er Tage nach der Kammerdebatte in der Humanité über den Verlauf der Sitzung mit⸗ samt dem Schlußwort Briands schrieb. Er trägt die Ueberschrift: „Frankreich und das Recht“ und beginnt mit der Versicherung:„Wir freuen uns ohne Einschränkung über den Verlauf der Kammer⸗ sitzung, welche die Einmütigkeit des Parlaments kund⸗ getan hat und die dem Ministerpräsidenten Gelegenheit gegeben hat, festzustellen, welches die Politik eines Frankreichs sein muß, das war und bleiben will der Vorkämpfer des chts.“ Und weiter steht da Rechts. zu lesen:„Es gibt keinerlei Zweideutigkeit, wir haben von der Re⸗ noch kräftigere Aktion zur Verteidigung der Nalion gierung eine verlangt, wir forderten sonach den Frieden durch den Sieg.“ Diese Sprache ist wahrhaftig klar und deutlich genug. Für jeden, der sich der Verpflichtung unserem eigenen Lande gegenüber bewußt ist, kann es nur eine Antwort darauf geben: Solange die Franzosen an ihrem Zerschmetterungsziel festhalten und solange sie die Rückgewinnung Elsaß⸗Lothringens zur Vorbedingung ihrer Friebensbereitschaft machen, können sie auf ein Entgegenkommen unsererseits nicht rechnen! Angesichts der militärischen Lage auf allen Kriegsschauplätzen in dem Artikel des fragt man sich kopfschlittelnd, wie ist es möglich, daß die Franzosen sich immer noch an so völlig aussichtslose Kriegs⸗ und Eroberungs⸗ ziele klammern?— Außer in einer gänzlich einseitigen und unzu⸗ ierbien nahe. ginnen die leitenden Kreise Deutschlands voller Schrecken vorzu⸗ 1 ö mit den Be⸗ 1 f 1 „ 1 ahnen. Lernen auch wir darum, uns davon zu überzeugen.“ Hier haben wir den pfychologischen Untergrund für die Zähig⸗ keit, mit der die Franzosen an ihren Zerschmetterungs⸗ und Er⸗ oberungszielen gegen Deutschland festhalten. Diesen psychologischen Untergrund zu zerstören, d. h. ihnen jede Hoffnung nehmen, Deutsch⸗ land militärisch oder wirtschaftlich niederbrechen zu können, ist der einzige Weg, sie zur Friedensbereitschaft zu bringen. Das alte sich jeder sagen, der es ehrlich mit dem Frieden meint. * * Ein bulgarisch⸗deutsches Finanzgesc aft Berlin, 21. Nov. Der bulgarische Finanzminister, Tontschew, der gegenwärtig hier weilt, hat die Verhandlungen über eine bulgarische Anleihe glücklich beendet. Er hat mit der deutschen Regierung vereinbart, daß deutsche Banken, an deren Spitze die Diskonto⸗Gesellschaft steht, dem bulgari⸗ schen Staat einen Vorschuß gewähren, der später in eine An⸗ leihe umgewandelt werden soll. Finanzminister Tontschew erklärte in einer Unterredung mit einem Vertreter des Berliner Lokalanzeigers, daß die eroberten serbischen Gebiete, die zweifellos etymologisch nicht zu Serbien gehören, dem bulga rischen Reich einverleibt würden. Nisch habe vor 1878 nicht zu Serbien gehört und sei zweifellos, ebenso wie Monastir, eine bulgarische Stadt. Französischer Vorwurf gegen Rußland und Italien. T. U. Paris, 21. Nov. Le Petit Journal glaubt nicht mehr an die Intervention der Russen und Italiener auf dem Balkan und er⸗ klärt, auch von den Franzosen dürfe man nicht das Unmöglichste verlangen. Das Verhältnis zwischen den Streitkräften der Ver⸗ bündeten in Mazedonien und den verbündeten Deutschen, Oester⸗ reichern, Türken und Bulgaren gestatte keine Aussichten auf Erfolg, wenn man nicht auf andere Hilfe zählen könne. Man müsse aber jetzt einsehen, daß eine Intervention Rußlands und Italiens weder ersolgt sei, noch bevorstehe.. Französische Maßnahmen gegen„verbündete Drückeberger“. T. U. Paris, 21. Nov. Der Temps berichtet, daß der hiesige Stadtrat den Antrag der Deputierten Galli, Poirier de Narcay und Bodini⸗Jourdin annahm, wonach die Untertanen der mit Frank⸗ reich verbündeten Staaten aufgefordert werden sollen, in Frank⸗ reich Heeresdienste zu leisten oder das französische Territorium zu verlasfen. Falls die Untertanen der verbündeten Länder diesen Aufforderungen nicht nachkommen werden, sollen sie in ein Kon⸗ zentrationslager gebracht werden. (Wie bekannt, waren diesbezügliche Maßnahmen, die besonders die in Paris lebenden südischen russischen Flüchtlinge betroffen, be⸗ reits früher getroffen worden, infolge der Intervention der So⸗ zialisten aber wieder rückgängig gemacht worden.) „Ariegsbeute“. Abbé Wetterlé hat im Petit Parisien einen Artikel ver⸗ söffentlicht, dessen Ueberschrist lautet: In Berlin ver ⸗ N kauft man Kriegsbeute“. In dem Artikel wird dem deutschen Heer zum Vorwurf gemacht, daß es Sachen stiehlt und sie auch noch öffentlich verkauft. Eine ähnliche Unter⸗ stellung ist in einer Verbalnote gemacht worden, die die französische Regierung den neutralen Regierungen über den Abbé behandelten Fall übermittelt hat. Die über den Fall sofort eingeleitete Untersuchung hat, wie in der Nordd. Allg. Ztg. offiziös berichtet wird, folgendes verlässigen Information über die militärischen Vorgänge liegt der ergeben: Grund offenbar in ihren falschen, durch so trübe Quellen, wie die! Berner Tagewacht und die Homo-⸗Artikel genährten Vorstellungen über unsere inneren Zustände. Tatsache ist jedenfalls, daß sie sich bis heute noch umerschüttert der Illuston hingeben, Deutschland sei am Ende seiner Kraft und der Sieg der Alliierten sei nur eine der Zeit. In geradezu klassische druck in einem Art breuilh über die 9 ber. er Weise findet dieser Glaube seinen Aus⸗ des französischen Parteisekretärs Du⸗ densvermittlungen durch Neutrale anzuspinnen. solg, so meint Dubreuilh, so wäre das in der gegenwärtigen Situ⸗ ation ein Triumph für Deutschland und bedeute seinen Sieg. Darum müfsse allen solchen Friedensversuchen Deutschlands gegenüber Front veräußert, 1 Frage leeren, um sie für Heereszwecke nutzbar zu machen. Dubreuilh ergeht sich in Hinweisen darauf, daß die deutsche borgen wurden, Regierung mit allen Mitteln und auf allen Wegen versuchte, Frie⸗ waren. Hätte sie damit Er⸗ und den Bei dem Vordringen der deutschen Heere in Frankreich der auf dem dichten nord⸗ zu ent⸗ Aehnliche Verhältnisse traten auf Bahnhöfen, Frachtschuppen und der⸗ gleichen ein. So sammelten sich beträchtliche Mengen von Gütern an, die zwar zunächst von der Heeresverwaltung ge— deren Eigentümer aber vielfach unbekannt war es nötig, viele Hunderte französischen Bahnnetz vorgefundenen Güterwagen Zufälligkeiten des Krieges ausgesetzt werden konnten, wurden sie im Interesse der Beteiligten und der Erlös wird zur Verfügung gemacht werden; benn es sei klar, daß Deutschland„mit jeder Minure, desjenigen gehalten, der früher oder später sein die verstreicht, sich der endgültigen Katastrophe nähert, und daß der Augenblick kommen wird— schneller vielleicht, als wir selbst an⸗ nehmen—, wo der Anschein der tatsächlichen Wirklichkeit entspricht, d. h. wo die Niederlage des Angreifers für niemand mehr außer kunft erworben und an die Eigentumsrecht nachweisen sollte. Ein Zwischenhändler, der auf solchem Wege Garne französischer Her⸗ A. Wertheim G. m. b. H. Zweifel steht“.— Diese Konstruktion einer Phantasie, die in kind⸗ weiterveräußert hatte, hat— anscheinend zu Reklame licher Kritiklosigkeit glaubt, was sie wünscht, wind dann durch Fälle aus der Geschichte erhärtet, wo der ansängliche Sieger doch schließlich“ Zum Schlusse an der Erschöpfung seiner Kräfte zufammenbrach. men läßt, an dem der Friede plötzlich kommen wird, wie der Krieg kam. Und das wird der richtige Friede sein, denn der Er- schöpfungskrieg ist unerbittlich. Es duldet keine unbestimmten Lösungen und gestattet keinen schuellen Wiederbegiun.“ Diese Wirk⸗ lichkeit von morgen— zweifellos eines recht nahen Morgen— be⸗ zwecken— die Spulen mit einem Zettel mit dem Aufdruck „Kriegsbeute“ überklebt. Die Garne sind so einige heißt es:„So ist es auch mit Deutschland, jeden Tag nähert sich Tage bei Wertheim seilgehalten worden, bis die Direktion unfer Feind einem Augenblick, dessen Datum sich sast schon bestim⸗][ davon erfuhr und die Zettel entfernen ließ. 1 Ruhe an der ostgalizischen und bessarabischenßront. Czernowitz, 20 Nov. Gestern fiel dichter Schnee, der stellen⸗ weise über einen Meter zen Boden bedeckte. Infolgedessen ist jede »Aktion an den feindlichen Fronten erlahmt, sowohl an der bessarabt⸗ 4 chen, als auch an der ostgalizischen Front herrscht vollkommene uhe. Die durch das Schneegestöber vorübergehend eingetretenen Verkehrsstörungen in Oftgalizien und der Bukowina wurden rasch behoben, sämtliche Verlehrsmittel funktionieren wieder. 5 Deulsche Unterseeboote an der Arbeit. Die Kölnische Zeitung meldet aus Athen: Nach einer Meldung aus Kreta ist am vergangenen Samstag 150 See⸗ meilen südöstlich von Kreta der englische Frachtdampfer „Macalister“, 4000 Tonnen, Herkunft Glasgow, Bestimmung Port Said, mit einer Ladung Seife, Mähmaschinen und Zigaretten durch ein deutsches Unterseeboot versenkt worden. Von der Mannschaft retteten sich 22 Mann; diese versicherten, daß dasselbe Unterseeboot kurz zu⸗ vor noch zwei Dampfer unbekannter Nationalität versenkt habe. Eröffnung des südafrikanischen Parlaments. Amsterdam, 21. Nov. Reuter meldet aus Kapstadt: Das Parlament wurde heute eröffnet. Der Generalgouver⸗ m eur hielt eine Rede, in der er andeutete, daß nach Untersuchung jedes einzelnen Falles die aufständischen Elemente mit Nachsicht be⸗ handelt werden sollen. General Hertzog teilte im Volksrate mit, daß er vorschlagen werde, Dewet und seine Anhänger in Freiheit zu setzen und eine allgemeine Amnestie zu verkündigen. Der Gene⸗ ralgouverneur sprach sodann über den Anteil, den Südafri a am Kriege genommen hat. Er erklärte, daß dem Aufruf zum frei⸗ willigen Dienst in Europa, Zentralafrika, Ostafrika und auch anders⸗ wo in befriedigender Weise entsprochen worden sei. Südafrika werd. seinen Anteil an den Kosten dieser Hilfskorps tragen. Ein englisches Dementi über Indien. London, 20. Nov. Reuter meldet: Der Minister für Indien veröffentlicht folgende Note: Von der deutschen Presse veröffentlichte und in gewissen auswärtigen Ländern wiedergegebene Berichte über angeblich innere Unruhen in Indien versichern, daß überall eine Revolte ausgebrochen sei, daß die Buddhisten, die Brahminen und die Mohammedaner sich vereinigt hätten, um den verhaßten Engländern alle nur möglichen Schwierigkeiten zu bereiten, daß der Rajah von Bhagalpur die Bewegung leite, daß schwere Unruhen in Bombay, Madras, Nagur, Allahabad und Inasgus ausgebrochen seien und daß die Rebellen sich bemühten, die Abreise indischer Truppen zu verhindern, daß in Inasgur die indischen Truppen sich hätten zurückziehen müssen und daß die Rebellen die Kasernen und die Arsenale besetzt hätten. Der Staatssekretär für Indien erklärt, daß an all diesen Nachrichten kein wahres Wort ist. Einen Rajah von Bhagalpur gibt es überhaupt nicht. Wenn die Deutschen den Nabab von Bhagalpur meinen, so würde es sich dabei um ein Kind von elf Jahren handeln. Eine andere von der deutschen Presse veröffentlichte Nachricht, die für die neutralen Länder bestimmt ist, besteht in der Absetzung des Nezam von Haiderabad durch sein Volk. Der Minister für Indien dementiert auch diese Mitteilung kategorisch. Begräbnis eines dentschen Gefangenen. (Aus einer englischen Zeitung.) Das Begräbnis des deutschen Gefangenen Karl Brundig, eines Heizers vom Kreuzer„Mainz“, welcher in der Helgoländer Bucht versenkt wurde, fand dieser Tage statt. Dem Verstorbenen gelang es, sich von der„Mainz“ freizumachen, als sie versank; er wurde durch unsere eignen Leute aufgefischt und im weitern Verlauf nach hier zur Internierung gebracht. Er war anscheinend ein großer Liebling im Gefangenenlager, und als seine Kameraden von seinem Ableben hörten, erbaten sie sich von dem Lagerkomman⸗ danten Oberst Haines die Erlaubnis, der Totenfeier beizuwohnen, ein Wunsch, der verstanden und genehmigt wurde. Die Nachricht, daß einem der Gefangenen die letzten Ehren ge⸗ währt würden, veranlaßte eine gute Anzahl Leute so weit hinaus wie St. Peters mitzugehen. Diesenigen, welche sich so weit hinaus⸗ wagten, wurden Zeugen eines Anblicks, welchen sie nie vergessen werden und welcher durchaus niedergeschrieben werden müßte, wenn 1 Ae des Krieges, sofern sie die Insel betrifft, beschrieben Die Gefangenen von Blanches Banques, etwa 50 an der Zahl, angeführt von ihrer eignen Musikkapelle, verließen die Quartiere unter Eskorte und erreichten die St-Peters⸗Baracken kurz ——— ¶—20 een nr N Front des Hospitals auf und bald nachher wurde der Sarg, bedeckt mit der deutschen Kriegsflagge und obenauf des Verstorbenen Matrosenmütze, von der Totenhalle nach der Bahre getragen: inzwischen präsentierte die schießende Abteilung bestehend aus 12 Mann und 2 n. c. o. 8, die Gewehre, und die Musik spielte einige Verse eines Grab⸗ liedes. Die Prozession formierte sich dann und verließ die Baracken in folgender Ordnung: Die Feuerabteilung marschierte mit ge⸗ senkter Waffe mit aufgepflanztem Bajonett, die Musik, die Bahre, die Trauernden und die Eskorte. Beim Abmarsch spielte die Musik Chopins Trauermarsch.. Bei Ankunft an der Kirche spielte die Musik wieder den Marsch, und als die Leiche von der Bahre gehoben wurde, schlug sie Töne eines Chorals an. Die Leiche wurde auf den Schultern von sech⸗ des Verstorbenen frühern Schiffsmaats in die Kirche getragen, vier andere gingen nebenher und trugen schöne Kränze, welche seine Freunde aus der Gefangenschaft gesandt hatten. Am Eingang an⸗ gelangt, läutete die kleine Glocke. Die ganze Zeremonie wa eine sehr feierliche. Die Inschrift auf dem Brustschild lautete wie Karl Brundig Alter 21 Jahre 24. August gestorben. Denn Zuge schloß sich in der Nähe der K. Haines und Dr. E. Marett, Arzt des Lagers, an. 5 Die Gefangenen mit ihrer Eskorte nahmen gegenüber der Kanzel ihre Sitze ein und schienen großes Interesse an dem Gottes⸗ dienst zu haben, welcher abgehalten wurde von dem Rev. Frs. De Gruchy(Rektor von St. Peter) und Dr. F. F. Nandell(Kaplan des Lagers). Letzterer verlas den Text. Der Gottesdienst am Grabe war besonders eindrucksvoll. Ein viereckiger Raum war für die Ge⸗ fangenen und die Schießer vorgesehen, und als der flaggenbedeckte Sarg neben der Gruft niedergesetzt wurde, entblößten die Männer ihr Haupt und hörten andächtig dem Gebet zu, welches vom Rektor gesprochen wurde. Als der Leichnam versenkt wurde, spielte die Musik einen Choral. Zum Schlusse hielt Dr. Nandell eine sprache, der die Leute aufmerksam zuhörten.. wieder einen Choral, die üblichen drei Salven wurden abgeschossen und so endete die Zeremonie. Am Grabe vorübergehend, warf jeder der Gefangenen ein Handvoll Erde auf den Sarg. Sie ßellten sich im Hauptweg unter Eskorte auf und marschierten in Richtung Blanches Banques ab unter Klängen lebhafter Musik, von der kleinen Kapelle sehr achtbar und kräftig ausgeführt. Die Matrosenmütze des Verstorbenen wurde, wie nachdeut⸗ scher Militärvorschrift üblich, auf den Sarg gelegt und mit dem Körper begraben. 5 So berichtet das englische Blatt und flügt der wörtlichen Schil⸗ derung noch zwei bildliche hinzu. Man ehrte den deutschen Seemann, indem man feinen Sarg mit der Kriegsflagge seines Vaterlandes schmückte, man befolgte sogar die deutsche Militärvorschrift und legte seine Matrosenmütze auf den Sarg. Seine Kameraden durften ihm das letzte Geleit geben, englische Männer ehrten ihn am Grabe, ein englischer Prediger redete die gefangenen und leidtragenden Kame⸗ raden in ihrer Muttersprache an und tröstete sie. Diese Art entspricht offenbar auch der öffentlichen Meinung. Denn die Presse berichtet mit sichtlicher Befriedigung darüber, und sie will doch das Sprachrohr der öffentlichen Meinung sein. Es gibt immer noch Leute in Deutschland, die sich an den Eng⸗ ländern ein Beispiel nehmen könnten. Wir dürfen sogar hoffen, daß diese Behandlung eines verstorbenen Kriegsgefangenen ni vereinzelt dasteht. Und das mag all denen, die sich um ihre Lieben, die noch in Gefangenschaft sind, bangen, ein, wenn auch schwacher Trost sein. Gegen Kriegs⸗Theaterzensur. Zu den Verboten ernster Bühnenwerke geht der Hartung⸗ schen Zeitung von einem deutschen Theaterdirektor eine Zu⸗ schrift zu, der wir folgendes entnehmen: „Wir Bühnenleiter erbitten die Aufmerksamkeit des Publikums für diese Dinge, die über das Interesse der Theaterwelt weit hinausgehen. Strindbergs„Vater“ darf zur Zeit in Berlin zugleich an zwei Bühnen gespielt wer⸗ den und übt an beiden eine erschütternde Wirkung aus. Wie kann in Hannover störend wirken, was in Berlin er⸗ schüttert? Ist in Hannover ein anderes Deutschland als in Berlin? Und zur selben Zeit spielt Max Reinhardt dasselbe Stück auf seinem Gastspiel in Stockholm! Ueber⸗ legt man sich denn nicht, wie das draußen wirkt, wenn ein deutscher Theaterdirektor im Auslande mit einem Werk Eindruck erzielt, mit dem auf ein deutsches Publikum zur selben Zeit zu wirken die Zensoren verbieten? Die Neu⸗ nach 2 Uhr. Sie stellten sich in e der st kurze deutsche An⸗ Die Musik spielte 1 55 a tralen sind deshalb den Deutschen so wenig fre man ihnen gesagt hat, in Deutschland herrsch würdige Bevormundung in Dingen der Kultt rechnet jetzt, wo uns so viel an der Meinung der Nei liegt, geben wir ihnen neue Beweise dafür, daß j Auslande verbreitete Behauptung von den unmün Deutschen doch nicht so ganz Unrecht hat..“ 0 „... Die Zensur hat nichts dagegen, daß in Operett und Possen allerhand lockere Seichtigkeiten auch wäh des Krieges gespielt werden— aber man verbietet ein Serbiens Ende. 5 Alle Mo: enblätter sagen, daß, nachdem das alte Kön reich Serbien ganz im Besitz der Verbündeten sich befinz und die Reste der geschlagenen serbischen Armeen zu haltigem Widerstand kaum mehr befähigt seien, auch die v. ständige Besitznahme Neuserbiens durch die Verbündeten 1 einiger Zeit zu erwarten steht. 5 Der serbische Generalstab soll sich nach Genfer Blätt n rr Nr eee Barfüßele. g Eine Schwarzwälder Dorfgeschichte von Berthold Auerbach. Sie suchte in den Taschen, aber plötzlich fuhr sie sich an den Hals und sagte:„Nein, nimm nur das.“ Sie hauchte sich mehrmals in die steifen Finger, bis sie es zustande brachte, denn sie nestelte eine fünfreihige Granat— schnur, daran ein gehenkelter Schweden-Dukaten hing, vom Halse und schlang das Geschmeide um den Hals des Kindes, wobei sie es küßte. Amrei sah wie verzaubert drein unter all diesen Hantie— tungen. „Für dich hab' ich leider nichts,“ sagte die Frau zu Damit, der eine Gerte, die er in der Hand hatte, in immer kleinere Stücke zerbrach,„aber ich schicke dir ein Paar lederne Hosen von meinem Johannes, sie sind noch ganz gut. Du kannst sie tragen, wenn du größer bist. Jetzt b'hüt euch Gott, ihr lieben Kinder. Wenn's möglich ist, komme ich noch zu dir, Amrei. Schicke mir jedenfalls nach der Kirche die Marann. Bleibet brav und betet fleißig für eure Eltern in der Ewig— keit und vergesset nicht, daß ihr im Himmel und auf Erden noch Annehmer habt.“ Die Bäuerin, die zum behenden Gang ihren Oberrock in Zwickel aufgesteckt hatte, ließ ihn jetzt beim Eingang des Dorfes herab; mit raschen Schritten ging sie in das Dorf hinein und wandte sich nicht mehr um. Amrei faßte sich an den Hals, beugte das Gesicht nieder und wollte die Denkmünze betrachten, aber es gelang ihr nicht ganz. Dami kaute an dem letzten Stück seiner Gerte, und als ihn jetzt die Schwester betrachtete und Tränen in seinen Augen sah, sagte sie: „Wirst sehen, du kriegst das schönste Paar Hosen im Dorf.“ „Und ich nehm' sie nicht,“ sagte Stück Holz aus. „Ich will ihr schon sagen, daß sie dir auch ein Messer kaufen muß. Ich bleib' heut den ganzen Tag daheim, sie kommt ja noch zu uns.“ „Ja, wenn sie schon da wär'!“ entgegnete Dami, ohne Dami und spie dabei ein Zurücksetzung hatten ihm diesen mißtrauischen Vorwurf ein⸗ gegeben. Es läutete schon zum erstenmal, die Kinder eilten ins Dorf zurück. Amrei übergab mit kurzem Berichte den neu⸗ gewonnenen Schmuck der Marann, und diese sagte: „Du bist ja ein Glückskind! Ich will dir's gut aufheben. Jetzt hurtig in die Kirche.“ Während des Gottesdienstes sahen die beiden Kinder immer nach der Landfriedbäuerin, und beim Ausgange warteten sie an der Tür, aber die vornehme Bäuerin war von so vielen Menschen umringt, die alle in sie hineinredeten, daß sie sich immer im Kreise drehen mußte, um bald da, bald dort zu antworten. Für den wartenden Blick der Kinder und deren ständiges Nicken fand sie keine Aufmerksamkeit. Die Landfriedbäuerin hatte das jüngste Töchterchen des Rodelbauern, die Rosel, an der Hand; sie war um ein Jahr älter als Amrei, und diese stieß in der Entfernung immer vor sich hin, als müßte sie die Zudringliche, die ihren Platz einnahm, wegdrängen. Oder hatte die vornehme Bäuerin nur ein Auge für Amrei draußen beim letzten Hause in der Einsamkeit, aber mitten unter den Menschen kannte sie sie nicht? Gelten da nur die Kinder reicher Leute, die Kinder der Verwandten? Amrei erschrak, als sie diesen leise sich regenden Gedanken plötzlich laut hörte, denn Dami sprach ihn aus; aber während sie mit dem Bruder in ziemlicher Entfernung dem großen Trupp folgte, der die Landfriedbäuerin umgab, suchte sie dem Bruder und damit wohl auch sich den bösen Gedanken auszureden. Die Landfriedbäuerin verschwand endlich in dem Hause des Rodelbauern, und die Kinder kehrten still zurück, wobei Dami plötzlich sagte: „Wenn sie zu dir kommt, sag' nur auch, daß sie auch zum Krappenzacher gehen muß und ihm sagen, daß er gut gegen mich sein soll.“ Amrei nickte, und die Kinder trennten sich, ein jedes ging nach dem Hause, wo es Unterkunft gefunden hatte. Die Nebel, die sich am Morgen verzogen hatten, kamen am Mittag als voller Regenguß hernieder. Der große rote Regenschirm der Landfriedbäuerin be⸗ wegte sich aufgespannt hin und her im Dorfe, und man sah zu wissen was er sagte; nur sein Zorn und das Gefühl der die Gestalt kaum, die darunter war. Die schwarze Marann meldungen auf dem Rückzug durch die Berge in Prizrend 5 finden, wo bereits die Regierung eingetroffen ist. 0 Energische Naßnahmen der Entente gegen 10 Griechenland. a 942 T. U. Budapest, 22. Nov. A Nap meldet aus Athen: N. fl hier eingetroffenen Nachrichten gestaltet sich die Lage imn 160 komplizierter. Nach der vom Finanzminister abgegeb bliebe Erklärungen, daß die auf griechisches Gebiet flüchtend des serbischen Soldaten entwaffnet werden, hat die Entente b. put schlossen, energische Maßnahmen zu unternehme 10 Die Solidarität Griechenland gegenüber scheint zustande denen kommen zu sein. Die vier Gesandten der Ententemächte werbe schienen vorgestern mittag bei Skuludis und überreichten hib, Kollektivnote, die entschiedene Beschlüsse über die ine Haltung Griechenlands verlangt. 1 15 Beginn der Handelsblockade gegen Griechenland Hil Englische Blätter berichten aus Athen, nach Meldu 2 griechischer Zeitungen hat die englische Gesandtschaft m irzli geteilt, daß die Ententemächte die wirtschaftliche und Handel Kreuz blockade gegen Griechenland begonnen habe. 1 15 Ein Bluff der Entente an den Dardanellen agel Der Köln. Ztg. wird aus Sofia über Konstantinopel ö 105 richtet, an den Dardanellen habe eine große Offen znzel. der Verbündeten begonnen. Maßgebende türkisch der O cht Kreise glauben, daß es sich nur um einen Bluff handelt daß n Das Unternehmen wird mit der Sendung Kitcheners in Ver 1510 bindung gebracht. 5 unser Beschlagnahme für Rumänien bestimmter Waren Leiche durch die Entente. f 155 T. U. Bukarest, 22. Nov. Die Epoca meldet aus Salon berein Das rumänische Handelsschiff„Bukarest“, das die Streck Frank niki—Marseille befährt, brachte nach Saloniki verschiedene, fendur Rumänien bestimmte Waren, besonders Automobile und und L material, die von den englisch-französischen Truppe usw.), und nach Saloniki gebracht worden waren. endlic Kriegs nolijen. 1 11 Ohne Grundangabe wurde dem Breslau obethega⸗ ka ter für die Kriegsdauer die geplante Wiederaufnahme von Arth danken ie Schauspiel„Professor Bernhardi“ 0 8 f Das erste Balkangetreide ist an der sächsisch⸗ böhmischen Grenze eingetroffen. Es wird in Aussig umgeschlagen und g wird, dann auf dem Wasserwege nach Deutschland. Wie es heißt, sol jüngs jetzt täglich große Getreidesendungen vom Balkan größe eintreffen, besonders Mais, Hafer und Weizen. Auch große 5 Mengen gedörrter Pflaumen sind nach Deutschland unter die 0 wegs. 2 In ei 0— een Es——— ein 6 hatte die Landfriedbäuerin nicht getroffen und sagte bei der] frühe Heimkunft:„Sie kann ja auch zu mir kommen, ich will nichts werde von ihr.“ 0 I ande Die beiden Kinder wanderten wieder hinaus nach den Geh elterlichen Hause und saßen dort zusammengekauert auf den“ 2 Türschwelle und redeten fast kein Wort. Wieder schien brit ihnen zu ahnen, daß die Eltern doch nicht wieder kämen Auski und Dami wollte zählen, wie viel Tropfen von der Dach bombe traufe fielen; aber es ging ihm allzuschnell, und er machte fort sich's leicht und schrie auf einmal:„Tausend Millionen!“ 900 9 „Da muß sie vorbei, wenn sie heimgeht,“ sagte Amrei, 9 „und da rufen wir sie an; schrei' nur auch recht mit, un) ich d dann wollen wir schon weiter mit ihr reden.“ So sagts bon Amrei, denn die Kinder warteten hier noch auf die Land/ bon 4 friedbäuerin. I die g Es klatschte eine Peitsche im Dorfe. Man hörte jenes ohn nachspritzende Pferdegetrapp im aufgeweichten Wege, und diere ein Wagen rollte herbei. Vin „Wirst sehen, der Vater und die Mutter kommen in mh einer Kutsche und holen uns,“ rief Dami. N reise Amrei schaute traurig nach ihrem Bruder um und sagte „Sawätz nicht so viel“ Als ste sich umwandte, war de. Wagen ganz nahe, es winkte jemand von demselben unter b 10 einem roten Regenschirm hervor, und fort rollte das Gefährt er nur der Spitz des Kohlenmathes bellte ihm eine Weile nach 0 et und tat, als wollte er mit seinen Zähnen die Speichen auf 9 halten, aber am Weiher kehrte er wieder zurück, bellte unter 70 der Haustür noch einmal und schlüpfte dann hinein ins b Haus. 2 0 „Heidi! fort ist sie!“ sagte Dami wie triumphierend;„ 5 war ja die Landfriedbäuerin! Hast des Rodelbauern Rapp 10 nicht gekannt? Die haben sie davongeführt. Vergiß mein? 1 ledernen Hosen nicht!“ schrie er noch laut mit aller Kraft ö 6 seiner Stimme, obgleich der Wagen bereits im Tale der gat schwunden war und jetzt schon die kleine Anhöhe am Holder · w wasen hinaufkroch. 55 b mie Die Kinder kehrten still ins Dorf zurück. f ö 10 Wer weiß, wie dies Ereignis eine feine N f inneren Dasein bildet, und was daraus aufsprossen wi 1 1 Zunächst deckt ein anderes Gefühl dasjenige der e schweren Enttäuschung d b (Fortsetzung f Hessen und Nachbargebiete. Gießen und Umgebung. Das teure Schuhzeug. ———. 2 Wir berichteten kürzlich unter dieser Uebe schrift u N eine Eingabe des Kriegsausschusses für e 15 interessen. Er erstrebte darin im Interesse der minder N bemittelten Bevölkerung eine kräftige Herabsetzung der hohen 0 Lederrichtpreise und die Aufhebung der Wohlfahrtsabgabe der Lederfabrikanten an die Reichsmilitärkasse. 6 ö ist ihm vom Reichsamt des Innern der Besch e daß die dazu notwendigen Schritte bereits eingeleitet sind und in der Richtung der in dem Schreiben vorgebrachten Wünsche verfolgt werden. 5 8 Danach darf man wohl erwarten, daß die Preise für Leder in absehbarer Zeit so gestellt werden, e 15 Versorgung mit Schuhzeug und seiner Instandholtung zu erschwinglichen Preisen möglich sein wird. 19 5 Die Sicherung der Hinterbliebene üge. Nach§ 1258 der Reichsversicherungsordnung erhält die invali gewordene Witwe eines verstorbenen re Me ebenso die ehelichen Kinder des Verstorbenen. Diese Bestimmung erhält infolge des Krieges erhöhte Bedeutung. Nun kann aber im Kriege der Tod eines Versicherten oft nicht festgestellt werden. Nach § 1265 der R. V. O. gilt auch ein Versicherter erst dann als ver⸗ schollen, wenn während eines Jahves keine glaubhaften Nachrichten von ihm eingegangen sind und die Umstände seinen Tod wahrschein⸗ lich machen. Nach§ 1300 verfällt aber der Anspruch auf Hinter⸗ bliebenen rente, wenn er nicht innerhalb eines Jahres nach dem Tode des Versicherten geltend gemacht worden ist. Hier klafft ein Wider⸗ spruch, den nach einer Mitteilung der Neuen Pol. Korr. einzelne Landesvexsicherungsanstalten bereits dadurch zu überbrücken suchen, daß sie Anträge auf Hinterbliebenenbezüge auch in den Fällen, in denen der Tod des Versicherten noch nicht glaubhaft nachgewiesen werden kann, sondern lediglich mit gewisser Berechtigung vermutet wird, annehmen. Den Hinterbliebenen wird in solchen Fällen ein vorläufiger, nicht berufungsfähiger Bescheid erteilt. Nach Ablauf eines Jahres wird dann der Antrag von amtswegen erneut geprüft. Hilfe ür deutsche Gefangene in Rußland. Der Hess. Landesverein vom Roten Kreuz schreibt uns: Die kürzlich auf Veranlassung des Hessischen Landesvereins vom Roten Kreuz im ganzen Hessenlande veranstaltete Sammlung zugunsten der notleidenden gefangenen Deutschen in Rußland hat ein recht 1 erfreuliches Ergebnis gehabt. Vorerst sei nur mitgeteilt, daß ein ella erheblicher Teil der Gelder dazu verwendet worden ist, 1650 in⸗ noa zwischen auch bereits nach Rußland abgegangene Liebespakete für N deutsche Gefangene in Rußland anzuschaffen, von denen jedes einzelne Paket einen Wert von etwa 35 Mark hatte. Es wird in der Oeffentlichkeit, wie wir hoffen, allgemeine Zustimmung finden, daß wir dem Bulgarischen Roten Kreuz 2000 Mark und dem Türki⸗ schen Roten Halbmond 3000 Mark gestiftet haben. Wir berichteten kürzlich, in welcher Weise dafür gesorgt werden wird, daß alle unsere hessischen Truppen zum Weihnachtsfest rechtzeitig Liebesgaben erhalten. Es geschieht dies bekanntlich mittelst soge⸗ nannter Einheitskisten für je 100 Mann. Heute können wir weiter- hin mitteilen, daß der Landesverein— ohne dieserhalb die Zweig⸗ vereine nochmals in Anspruch zu nehmen— der Verwundeten und Kranken im Feindesland noch besonders gedenken wird durch Ab⸗ sendung von etwa 12 500 Einzelpaketchen. Jeder Kranke und Verwundete soll erhalten eine Dose Konserven(Wurst, Fleis usw.), ferner Weihnachtsgebäck oder Schokolade, Nüsse usw. un endlich einen Gegenstand, z. B. Messer, Pfeife, ein Unterhaltungs⸗ spiel, eine Mundharmonika oder Aehnliches. Die großen Geld⸗ 1 summen, welche für diesen Zweck und für die zahlreichen anderen bei! Leistungen des Landesvereins vom Roten Kreuz nötig sind, ver⸗ „, danken wir der Opferfreudigkeit unseres Hessenvolkes. Woher der Eiermangel kommt. Wie erst jetzt bekannt wird, haben die Landwirte zum Teil schon im Sommer den jüngsten Eiermangel vorbereitet. Das geschah durch den größeren Ankauf von sogenanntem Wasserglas, in das die Eier gelegt werden, um sie länger dauerhaft zu halten. In einem badischen Städtchen von 2000 Einwohnern hat ein Kaufmann in diesem Sommer das Dreifache des früheren Bedarfs umgesetzt. Im bevorstehenden Winter werden dann diese in Wasserglas gelegten Eier als frische Landeier auf den Markt gebracht und teuer verkauft. Das Geschäft über alles. i Die Verteuerung der Seife. Die Vereinigung der Seifen ⸗ sabrikanten Groß⸗Berlins gibt über die Geschäftslage folgende Auskunft:„In der Zeit von Anfang August 1914 bis No. vember 1915 stiegen die Preise der zur Hausseifenfabrikation erforderlichen Rohstoffe: technisches Fett von 50 Mark auf 300 Mark für 100 Kilogramm, technisches Oel von 52 auf 320 Mark für 100 Kilogramm. In derselben Zeit erhöhten sich die entsprechenden Fabrikpreise für frische Oberschalseife von 60 auf 220 Mark für 100 Kilogramm, grüne Faßseife von 44 auf 150 Mark für 100 Kilogramm. Demnach kosten die Rohstoffe jetzt sechsmal so viel wie zu Beginn des Krieges während die Seifenpreise in derselben Zeit noch nicht den vierfachen Betrag des früheren erreicht haben. Es wäre zu wünschen, daß behördliche Maßnahmen die eee mit billigen Rohstoffen versorgen möchten, damit die Se fen⸗ preise im Kleinhandel herabgesetzt werden ee 5 Das Recht der tot erklärten Person. Es sind schen mehrere Fälle zu verzeichnen, in dene rice 1 05 bot erklärt worden sind und deren Witwen ins 0 0 andere Ehe abgeschlossen haben. Wie steht es 1 0 1 Ehe, kann sie angefochten werden? Die Antwort lautet: Ja: angefochten werden inner⸗ halb einer Frist von 6 Monaten und zwak, 15 5 5 120 Ehegatten, die diese neue Ehe eingegangen en 1 5 155 erklärte, aber wieder zurückgekehrte Ehegatte das Recht 1 diese Ehe nücht anfechten. Es steht ihm nur das 5 sein Eigentum zurückzuverlangen.„ 4 5 ö Erweiterung der Fanilienunterstäcung galtaktuder die schaften und Soldaten⸗Geschwister. aft Gere Familienunterstützung der in den Diens 4115 die erer weitert worden. Zu unterstützen sind 0 b e unfähigen Eltern und Großeltern solcher gnährer nach g 85 schaften, die im Frieden als deren 1 rhältnisse aus 105 der Wehrordnung infolge bürgerlicher 0 1 aktiven Dienst hätten entlassen gescwiter der Kriegsteil⸗ die noch nicht erwerbsfähigen Gese erwerbsunfähigen Ge⸗ ehmer unter 15 Jahren und die .——— 0 schwister über 15 Jahre, sofern die Kriegsteilnehmer zur Zeit ihres Eintritts ins Heer ihre einzigen Ernährer gewesen sind. Diese Bestimmung hat rückwirkende Kraft bis zum 1. September 1915. Zur Beachtung! Nach sachverständigen Gutachten sind Stahlblechkessel, die innen verzinkt sind, nur zum Kochen der Wäsche, nicht aber zum Muskochen oder zum Benutzen beim Schlachten usw. geeignet, da der Zinküberguß beim Kochen von Nahrungsmitteln der Gesundheit schädliche Teile absondert. Es ist also gefährlich, solche Kessel zu derartigen Zwecken zu verwenden. Die blamierten Friedenspropheten. Es gab mit Seher⸗ gaben ausgerüstete Weissager, die den Frieden auf den Tag vorher zu bestimmen wußten. So war der 11. November, um mit dem seligen Falb zu reden, ein kritischer Tag aller— erster Ordnung. Denn an ihm sollte, wenn auf gewisse zahlenmäßige Vorzeichen überhaupt etwas zu geben ist, von rechts wegen der Frieden abgeschlossen werden. Bereits im April dieses Jahres hatte ein mystischer Rechenkünstler folgen des ausgekünstelt: Der Friedensschluß erfolgt am 11. No⸗ vember 1915. Denn: werden die beiden Jahreszahlen 1870 und 1871 zusammengerechnet, so erhält man 3741. Die Quer⸗ summe der beiden ersten Stellen(3 7) ergibt 10, die der beiden letzten(4 7 1) 5. Der 10. im 8. ist aber das Datum des Frankfurter Friedens, der den Krieg von 1870—71 ab⸗ schloß. Das gleiche Rechenexempel für die Zahlen 1914 und 1915 ergibt den 11. im 11.(191419153829; 3.8211, 2.911). Also hätte nach ewigen Naturgesetzen am 11. 11. Frieden sein müssen. Leider richtet sich der Gang der Welt⸗ geschichte nicht nach solchen Tüfteleien. Wir wollen also lieber mit Kundgebungen und Hoffnungen warten, bis wir uns dabei auf die Kundgebungen der Obersten Heeresleitung be⸗ rufen können. Das ist das einzig Verläßliche. — Kartoffelmehl in der Wurst. In Frankfurt hatte sich der Metzger Simon Kassel wegen Nahrungsmittelfälschung vor dem Schöffengericht zu verantworten, das ihn zu 150 Mk. Geldstrafe verurteilte. Der Metzger hatte der Rindswurst 4 Prozent Kartoffelmehl zugesetzt und versuchte dies damit zu entschuldigen, daß er behauptete, die Bei⸗ mischung von Kartoffelmehl sei bei rituell hergestellter Wurst unbedingt zum Binden erforderlich. Der Sachverständige Dr. Willecke hingegen war der Meinung, das Mehl werde zugesetzt, weil es die Wurst befähigt, größere Mengen Wasser aufzunehmen. Auf jeden Fall darf es nicht in solchem Maß⸗ stabe verwendet werden und dann muß die Verwendung den Käufern durch Plakat mitgeteilt werden.— Bei dieser furcht⸗ baren Teuerung auch noch Verfälschung der Lebensmittel! Solche gemeine Betrügereien sollten ganz empfindlich bestraft und die Uebeltäter regelmäßig öffentlich bekannt gegeben werden. Das Publikum sollte aber alle derartigen Fälle un⸗ bedingt zur Anzeige bringen. — Traurige Folgen niedriger Verdächtigung. Der Vor⸗ wärts vom Samstag berichtet: Durch ein anonymes Schreiben ist wieder einmal eine bisher harmonisch verlaufene Ehe zerstört worden.„Gefällige Nachbarn“ hatten dem im Felde stehenden Musketier Schlewinski berichtet, daß seine Frau, die ein Plättgeschäft betreibt, es mit der ehelichen Treue nicht genau nehme. Schlewinski benutzte einen ihm erteilten Ur⸗ laub, um am Freitag vormittag seine Frau durch zwei Schüsse in die Schläfe zu töten. Dann entleibte er sich selbst durch einen Brustschuß. Das Ehepaar hinterläßt einen 1½ jährigen Sohn, der durch eine schofle Handlung eines Unbekannten seiner Eltern beraubt wurde. — Auszahlung von Quartiergeld. Die Vergütungen für die im Monat Oktober in Bürgerquartieren unterge⸗ brachten Mannschaften des Landsturm⸗Infanterie⸗Ersatz⸗ Bataillons J Gießen(1.—4. Kompagnie) werden bezahlt: an die Empfangsberechtigten, deren Namen beginnen mit AK Donnerstag, den 25. November 1915, IL-2 Freitag, den 26. November 1915, jedesmal von 8—12 Uhr vormittags und 2—5 Uhr nachmittags. Die Zahlstelle ist im Stadthaus, Zimmer Nr. 4. Es wird dringend ersucht, die Beträge an genannten Tagen abzuholen. — Feiertag. Wie vom Hauptsteueramt mitgeteilt wird, sind dessen Geschäftsräume am kommenden Donnerstag wegen Geburtstag des Großherzogs geschlossen.— Auch die Post hat an diesem Tage Dienst wie an Sonntagen. — Siegestrophäen. Im Hofe der alten Klinik sind gestern vormittag zwei erbeutete Geschütze zur Aufstellung gelangt. — Neue Bücher.„Herzen im Kriege“. Unter diesem Titel ist als Einmarkband der Vorwärts⸗Bibliothek eine Sammlung guter Schilderungen und Geschichten vom Kriege erschienen. Wir brauchen dringend Bücher mit denen sich dem andrängenden Schwall einer Kriegsschundliteratur entgegenwirken läßt. Hier ist nun ein solches Buch zur Abwehr. Hervorragende Autoren vereint es: Von Deutschen Lilieneron, Fontane, Schönaich-Carolath, E. v. Bergmann, Ratzel; von Franzosen und Belgiern Zola, Maupassant, Lemonnier; von Russen Tolstoi, Garschin, Turgenjew; endlich den Amerikaner Walt Whitmann. Das Buch geht darauf aus, den Menschen zu zeigen, der das schwere Schicksal Krieg zu bestehen hat. Ausgewählt und zusammengestellt hat den Inhalt Genosse Franz Diederich. Ein zweiter Band wird diesem ersten schnell folgen. Die gut Ausstattung und die Wohlfeilheit der Vorwärts⸗Bibliothek(ge⸗ bunden 1 Mark) ist bekannt. Auch dieser neue Band eignet sich gut zu Geschenkzwecken. Ersatz für reklamierte Arbeiter und Angestellte. Das stellver⸗ tretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat folgendes Rundschreiben erlassen: Nach einer Mitteilung des Mitteldeutschen Arbeitsnachweisverbandes Frankfurt a. M. sind diesem gemäß Verfügung des Kriegsministeriums vom 21. 9. 15 Nr. 77/915 A. Z. (S.) aus dem Bereiche des 18. A.⸗K. in der Zeit vom 8.—22. Okto⸗ ber d. J. 116 Neklamationsgesuche überwiesen worden, die im ganzen 333 Angestellte und Arbeiter betrafen. Infolge des außerordentlichen Mangels an Facharbeitern ist es dem Arbeits⸗ nachweisverband in den meisten Fällen nicht gelungen, Ersatz zu beschaffen, jedoch wäre es wohl möglich eus en einen Teil der Leute zu vermitteln, wenn sich die betreffenden Firmen recht⸗ zeitig an den Arbeitsnachweisverband gewandt hätten und wenn diesem die Fälle bekannt gewesen wären, in denen es sich um Er⸗ satzbeschaffung für reklamierte Leute, also um eine eme Berücksichtigung, handelte. Es wird daher gebeten, die Firmen zu veranlassen, sich wegen Ersfatzbeschaffung für kriegsverwendungs⸗ fähige Leute rechtzeitig an den zuständigen Arbeitsnachweis⸗ verband zu wenden, da bei der großen Schwierigkeit der Ersatzbe⸗ schaffung und der Notwendigkeit vieler schrlftlicher und tele⸗ phonischer Rückfragen eine längere Zeit, mindestens 8—14 Tage zur Verfügung stehen muß. Nür in diesem Falle können die Möa⸗ Uichketten der Ersatzbeschafsung einsgermaßen erschopft werden, Ferner sind die Firmen zu veranlassen, sich jeweils an die zu⸗ ständigen mit der oben genannten Verfügung mitgeteilten Ar⸗ beitsnachweisverbände zu wenden. 5 Russische Silberrubel als Drei⸗Markstücke befinden sich, wie dem Darmst. Tagbl. geschrieben wird, jetzt sehr zahlreich im Ver⸗ kehr. Durch die russischen Kriegsgefangenen ist diese Münzsorte in vermehrtem Maße nach Deutschland gekommen, auch die Be⸗ satzung von Polen nimmt sie ahnungslos als Drei⸗Markstück an und gibt sie in der Meinung weiter, daß es deutsche„Taler“ seien. So gelangten sie bis in die Provinzen, und die Reichspost, die Banken und andere Verkehrsinstitute haben große Mühe, sie bei den Einzahlungen herauszufinden und zurückzuweisen. Da der russische Rubel nur einen Kurswert von etwa 1,50 Mark hat, so sei man, will man sich vor Verlust schlitzen, bei der Annahme von Drei⸗ Markstücken sehr vorsichtig. Erwähnt sei hierbei, daß sich jeder, der wissentlich einen rufsischen Silbexrubel als Drei⸗Markstück in Ver⸗ kehr bringt, strafbar macht, da dies offensichtlicher Betrug ist. Kein Bieraufschlag. In der Versammlung Frankfurter Gast⸗ wirte(freie Innung) berichtete der Bierausschuß über seine Tätig⸗ keit. Vorerst ist für Frankfurter Bier noch kein Aufschlag in Aussicht, da die Frankfurter Brauereien noch keine dahingehenden Beschlüsse gefaßt haben. Scharf wurde das Vorgehen der Mün⸗ chener Brauereien getadelt, die ohne vorherige Anzeige den Bier⸗ preisaufschlag eintreten ließen. Postverkehr mit der Türkei. Der Postanweisungs⸗ und Nach⸗ nahmedienst mit der Türkei wird wieder aufgenommen. Der Meist⸗ betrag einer Postanweisung ist von 500 Fr. auf 1000 Fr. erhöht worden. Der Meistbetrag der Nachnahmen(500 Fr. bezw. 400 Mk.) bleibt unverändert. — Stadttheater. Nochmals sei auf die Festvorstellung zu Großherzogs Geburtstag hingewiesen, die eine wohlvorbereitete Aufführung des Laube'schen Schauspiels„Die Karlsschüler“ bringen wird. Unter der Spielleitung von Direktor Steingoetter sind in Hauptrollen beschäftigt die Herren Hellmuth, Steinhöfer, Goll, Theiling, Dworkowski und Eugens, sowie die Damen Rubens, Frenzel, Schild und Petri. Areis Wetzlar. Butter⸗Höchstpreise im Kreise Wetzlar. Für den Kreis und die Stadt Wetzlar sind vom Landrat folgende Höchstpreise für Butter festgesetzt: 1. für Land butter: Verkaufspreis für den Hersteller bet Abgabe an den Verbraucher 1,80 Mk. für das Pfund, Verkaufs⸗ preis flir Händler bei Abgabe am den Verbraucher 1,90 Mk. für das Pfund. 2. Molkereibutter: Verkaufspreis für Hersteller bei Abgabe an den Verbraucher 2,20 Mk. für das Pfund, Verkaufspreis flir den Händler bei Abgabe an den Verbraucher 2,40 Mk. für das 9105 3. Auslands butter: für das Pfund 2,55 Mk. Nach 10 der Bekanntmachung vom 22. Oktober 1915 gilt als Kleinhandel er Verkauf an den Verbraucher, soweit er nicht eine Menge von mehr als 10 Pfund zum Gegenstand hat. Unter Molkeresbut⸗ ter wird die in Meiereien, im Süßrahmverfahren gewonnene Butter verstanden. Alle übrige Butter, auch wenm sie 5 den Walterschen Kühl⸗ und Aufrahm⸗Apparat oder im Zentrifugal⸗Ver⸗ fahren gewonnen ist, gilt als Landbutter. In dem Höchstpreise einbegriffen ist die Verbringung der Butter nach dem Haufe des Verbrauchers oder Händlers. Diese Höchstpreise treten sofort in Kraft. Ueberschreitungen des festgesetzten Höchstpreises werden mit Gefängnis bis zu einem Jahre oder mit Geldͤstrase bis zu 10 000 Mark bestraft. Außerdem werden Butter⸗Erzeuger oder Händler, welche die von ihnen zur Veräußerung hergestellte oder erworbene Butter zurückhalten, um durch ihre Veräußerung einen übermäßigen Gewinn zu erzielen mit der gleichen Strafe bedroht. Von Nah und Fern. Unfälle. Am Freitag abend wurde zwischen Cronberg i. T. und Oberhöchstadt eine Frau vom Zuge überfahren und ein Arm vom Rumpfe getrennt. Die Verunglückte, die Frau des Justizrats Handschuh aus Königstein, wurde in das Höchster Krankenhaus ge⸗ bracht.— Im Kupferwerk in Heddernheim geriet am Samstag der neunzehnjährige Arbeiter Karl Hoßmann aus Bad Homburg in das Getriebe einer Drahtmaschine, wobei ihm ein Bein abgequetscht wurde. Außerdem erlitt er so schwere innere Verletzungen, daß 1 0 nach wenigen Augenblicken der Tod an der Unfallstelle ein⸗ vat. S Darmstadt, 20. Nov. Weibliche Briefträgerinnen ind seit kurzem bei der Reichspost eingestellt und haben nach ihrer usbildung in einzelnen Stadtteilen den Briefbestelldienst ausge⸗ führt. Sie tragen Postmütze und Postbinde um den linken Arm. Babenhausen, 22. Nov. Ein durch Brandstiftung angelegtes Großfeuer zerstörte das gesamte Anwesen der Wirtschaft zum„Un⸗ teren Stadel“. Als mutmaßlicher Brandͤstifter wurde ber Tage⸗ löhner Schedel verhaftet. Dieburg, 22. Nov. Die vor einigen Tagen auf dem Bahngleis zwischen hier und Altheim aufgefundene Leiche wurde als die Frau 91 zur Zeit im Felde stehenden Landwirtes aus Dieburg er⸗ mittelt. a Gabsheim, 22. Nov. In glücklicher Lage ist die hiesige Gemeinde. Trotz des Krieges, der an alle Kommunen besonders hohe Anfor⸗ derungen in finanzieller Hinsicht stellt, ist man hier in der beneidens⸗ werten Lage, für das laufende Rechnungsjahr 1915 die Gemeinde⸗ steuern um volle 52 Prozent herabzusetzen. Während im Jahre 1914 noch 145 Prozent der Staatssteuer als Gemeindeumlagen erhoben wurden, die letzteren also die direkten Staatssteuern um 45 Prozent übertrafen, kommen in diesem Jahre nur 93 Prozent zur Erhebung. Worms, 22. Nov. Der 38 Jahre alte Hilfsschaffner Georg Weber von Frettenheim ist in Pfeddersheim beim Rangieren über⸗ fahren und getötet worden.— Er hinterläßt eine Frau mit drez kleinen Kindern. Tigesherigleder Grosen gaupthuurtien. In der Champagnelebhafte Artillerietätigkeit Die serbischen Nachhuten geworfen; über 2600 Gefangene. W. B. Großes Hauptquartier, 22. Nov., vorm.(Ans lich.) Westlicher Kriegsschauplatz, Keine wesentlichen Ereignisse. Die feindliche Artillerie zeigte lebhafte Tätigkeit in der Champagne zwischen Maas und Mosel und ösltlich von Luneville. Oestlicher Kriegsschauplatz. Ein schwacher russischer Vorstoß gegen den Kirchhof von Illuxt(nordwestlich von Dünaburg) wurde abgewiesen. Balkan. Bei Sacanica(im Ibartal) wurden sämtliche Nachhuten zurückgeworfen. Der Austritt in das Labtal ist beiderseits von Podulevg erzwungen. Gestern wurden über zweitausendsechshundert Gefangene gemacht, sechs Geschütze, vier Maschinengewehre und zahl⸗ reiches Kriegsgerät erbeutet. Im Arsenal von Novpipazav fielen fünfzig große Mörser und acht Geschütze älteren Fertigung in unsere Hand. Oberste Hreresleitung. g— österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Erfolgloser Angriff auf den Görzer Brückenkopf. Vier serbische Stellungen im Ibartale erstürmt. Wien, 22. Nov.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: 22. VMovember 1915. Ruffischer Kriegsschauplaß. Nichts Neues. a Flalienischer Kriegsschauplaß⸗ Die Italiener setzten den Angriff auf den ganzen Gör z ar rücken lopf ebenso hartnäckig wie erfolglos fort. Be⸗ sonders erbittert war der Kampf im Abschnitte von Oslavija, zwo die bewährte balmalinische Landwehr, unterstützt durch das tapfere Krainer Jufanterie⸗Regiment Nr. 17 den vorgestern noch in Feindeshand gebliebenen Teil unserer Stellung vollständig zurückeroberte. Der Südteil der Podgora wurde fünfmal angegriffen. Die verzweifelten Vorstöße der Italiener brachen jedoch teils im Feuer, teils im Handgranatenkampf zu⸗ sam men. Im Abschnitte der Hochfläche von Doberdo waren die Anstrengungen des Jeindes hauptsüchlich gegen den Raum von San Martins gerichtet. Nach starker Artillerievorbereitung versuch⸗ ten bie Italfener hier in unsere Kampffront einzudringen. nächtlicher Gegenangriff brachte aber das Verlorene kleines vorspringendes Grabenstück wieder in unseren Besitz. Nörd⸗ lich des Briückenkopses von Görz überschritten schwächere feindliche Kräfte südlich Zanorg den Jsonzo. Abends war aber das linke Fluß⸗ Ufer von diesen Italienern wieder gesäubert. An der Tirol ar Front hat es der Geguer in letzter Zeit nuf den Col di Lana besonders abgesehen, wohl um seinen zahl⸗ reichen W ee über Erfolge in diesem Gebiete gerecht zu gewiesen. Unternehmen im Orient nicht auszugeben, werden. Das italienische schwere Geschützfeuer war hier gestern heftiger denn je; drei Angriffe auf die Bergspitze wurden a b⸗ Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die im Gebiete von Capnice kämpfenden K. und K. Trup⸗ pen warfen die Montenegriner aus ihren Stellungen am Nord⸗ hange des Goles⸗Berges. Auch östlich von Gorazde sind Gefechte im Gange. Eine österreichisch⸗ungarische Gruppe aus Novo Varos nähert sich Prijepolje. n Novipazar erbeutete die Armee des Generals v. Köveß 50 Mörser, 8 Feldgeschütze, 4 Millionen Gewehrpatronen und viel Kriegsgerät. Der noch östlich der Stadt verbliebene Feind wurde von deutschen Truppen vertrieben, in deren Hand er 300 Gefangene zurückließ. Die im Ibar⸗Tal vordringende österreichisch⸗ ungarische Kolonne erstürmte gestern tagsüber 20 Kilometer nörd⸗ lich von Mitrowitza drei hintereinanderliegende serbische Stel⸗ lungen. In der Dunkelheit bemächtigte sie sich durch Uebersall noch einer vierten, wobei 200 Gefangene eingebracht und 6 Geschütze, 4 Maschinengewehre, eine Munitionskolonne und zahlreiche Pferde erbeutet wurden. Die Armee des Generals von Gallwitz nahm in erfolgreichen Kämpfen südlich des Prepolac⸗Sattels 1800 Serben gefangen. HOeestlich und südöstlich von Pristina gewinnt der Angriff der ersten bulgarischen Armee trotz zähesten serbischen Wider⸗ ftandes stetig an Raum. 6 Der Siellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnant. 8 0 Württembergische und brandenburgische Truppen waren es, die sich nach erbitterten Straßenkämpfen der mit schon veralteten Werken befestigten Stadt Novipazar bemächtigten. Zur Deckung der nach Montenegro hinüberführenden Kommunikationen in das Ge— biet von Pestera sind südwestlich von Novipazar starke serbische Nachhuten zurückgeblieben, die zähen und erbitterten Wider⸗ stand leisteten. Die Truppen der Armee Gallwitz dringen, nachdem sie sich nun auch schon beiderseits von Podujewo den Ausgang des Tales des Labflusses erzwungen haben, auf beiden Seiten dieses Flusses über die Leschnitza-Planina und die südlichen Hänge des 850 Meter hohen Wasilje batz weiter nach dem Süden vor. 12* Die Entente und Griechenland. Die Blockade gegen Griechenland. T. U. Lugano, 22. Nov. Der Corriere della Sera umschreibt in einer Meldung aus Athen vom 20. November die Verhängung der Blockade gegen Griechenland wie folgt: Die englische Gesandt⸗ schaft teilt mit, daß die verbündeten Mächte es für notwendig be— junden haben, gewisse Maßregeln zu treffen, welche die bisher von Griechenland genossene ökonomische und kommerzielle Erleichte— rung solange aufhebt, bis gewisse Zustände geregelt werden. Der Eindruck dieser Maßregeln auf Griechenland ist sehr lebhaft. Der Ministerrat hat bis 3 Uhr in der verflossenen Nacht gedauert. Nach demselben Korrespondenten erklärt Denys Cochin vor seiner Abreise von Athen am 19. Nov., daß die Verbündeten entschlossen seien, ihr Un 1 sondern im Gegenteil erforderlichensalls weiter auszudehnen oder auf ein von Griechen— land nicht behindertes Gebiet zu verlegen. Auch der französische Gesandte Guillemin in Athen erklärte, nachdem Griechenland sich geweigert hat, am Siege(!) der Verbündeten teilzunehmen, fordern diese keinen Verzicht auf die Neutralität sondern nur wohlwollende Beachtung, wozu es sich verpflichtet hat. Wie der Secolo aus Athen meldet, hat die Note der eng⸗ lischen Gesandtschaft in der Presse eine peinliche Mieberraschung verursacht. Nach dem Neon Asty betrifft die Maßregel die griechische Ein- und Ausfuhr mit den Ententeländern, die Anleihe und die Einführung von Getreide aus Frankreich und Uegypten. Beschlagnahme griechischer Schiffe durch die Engländer. . T. U. Rotterdam, 22. Nov. Der Times wird berichtet, daß griechische Reeder ihre Schiffe in den außereuropäischen Häfen zurückhalten. Sie wollen die Weisung ihrer Regierung abwarten, um nicht zu riskieren, daß ihre Schiffe auf hoher See seien, wenn es zu Verwicklungen kommt. Gerüchtweise verlautet, daß in Gibraltar fünf griechische Schiffe zurück— gehalten und vier griechische Schiffe von den englischen Kreuzern nach Malta gebracht wurden. 0 Kitcheners Verhandlungen in Athen. Athen, 22. Nov.(W. T. B.) Gestern nachmittag hatte Kitchener nach dem Besuche Skuludis' bei Kitchener auf der englischen Gesandtschaft eine zweistündige Besprechung mit dem General Dusmanis und Oberst Metaxas, dem ersten und zweiten Generalstabschef der griechischen Armee. Politische Kreise legen der Besprechung, der auch die höheren englischen Offiziere, die zu Kitcheners Gefolge gehören, beiwohnten, große Bedeutung bei. Das Regierungsblatt Embros ver— sichert, der König und die Regierung haben gestern Kitchener 5 rmelle Zusicherungen gegeben, daß Griechenland nkeinem Falle feindselige Maßnahmen gegen ie Verbündeten des Vierverbandes ergreifen würde, und daß für die gegenwärtige Meinungsverschiedenheit eine ver⸗ Ein bis auf ein söhnliche Lösung gefunden würde. Embros fügt hinzu, die⸗ jenigen, die gestern Gelegenheit gehabt hätten, sich Kitchener nach seinen Besuchen beim König und Skuludis zu nähern, hätten den Eindruck mitgenommen, daß jetzt die schwebenden Fragen viel von ihrer Schärfe verloren hätten. Kitchener und sein Gefolge haben Athen gestern abend spät verlassen. Rein bulgarisch⸗griechisches Abkommen. Der griechische Gesandte in London leugnet nachdrücklich die rumänische Meldung, es sei ein politisches Abkommen zwischen Griechenland und Bulgarien geschlossen worden. Das einzige Abkommen, was überhaupt vorliegt, sei ein lechnisches Protokoll zwischen der griechischen und bulgarischen Eisenbahn, das am 29. Oktober unterzeichnet wurde; es be⸗ zieht sich auf das in Bulgarien gekaufte Getreide, das in bul⸗ garischen Waggons transportiert werden soll. An bänfun rufsischer Truppen in Vessarabien Czernowitz, 22. Nov. In Bessarabien werden an⸗ dauernd weitere russische Verstärkungen angehäuft. Fork⸗ während langen neue Züge mit russischer Kavallerie und Infanterie au. Die stärkste Anhäufung findet statt an den Donanhäfen Neni, Jemail und Kilia, wo russische Transportdampfer mit Mannschaft beladen anlangen. Zahlreiche höhere russische Offiziere nehmen fort⸗ während Inspektionen vor. Die Russen beginnen auch am Dyjester Verschanzungen anzulegen. Der türkische Kriegsbericht. Konstantinopel, 22. Nov.(W. T. B. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: An der Daradnellenfront aussetzendes Artilleriefeuer und Bombenkämpfe. Bei Anaforta zerstörte eine unserer Patronillen am rechten Flügel Schützengräben, die der Feind neuerdings anzulegen verfuchte; sie erbeutete 500 Sandsäcke und Draht. Unser Geschützfeuer vertrieb feind⸗ liche Transportschiffe, die sich der Küste von Ari Burnu zu nähern versuchten. Am 21. November morgens verfagte unsere Artillerie ein feindliches Torpedoboot, das in die Meerenge einfahren wollte.— An der Kaukasusfront nichts von Bedeutung außer Scharmützeln zwischen Patrouillen. Sonst nichts zu melden. 4 Je Bulgarische Krieasziele. Während wir noch in völliger Unwissenheit über die Kriegs⸗ ziele der deutschen Regierung uns befinden—„reale Garantieen und Sicherheiten“ sind sehr unbestimmte Worte— hält die bulgari⸗ sche Regierung, obgleich der Krieg sür sie erst ein paar Wochen dauert, weit weniger Zurückhaltung für angebracht. Zwar hat sie sich noch nicht vor ihrer Volksvertretung geäußert, aber der Mi⸗ misterpräsident Radoslawoff hat jetzt einem Budapester Journalisten erklärt, daß über die Zukunft Serbiens eines sicher sei, daß den Bulgaren die gemeinsame Grenze mit Ungarn bleiben müsse. Uebrigens sagte Radoslawoff auch, daß das Verhältnis zu Griechenland und Rumänien ganz gut sei, wenn auch Griechenland der Entente eine allzu wohlwollende Neutralität bekunde; er hoffe, daß Rumänien neutral bleiben werde. Aber auch der bulgarische Finanzminister Dr. Tontscheff, über die bulgarischen Kriegsziele. Einem Lokal⸗Anzeiger⸗Mann hat der Minister erklärt, daß die von Bulgarien eroberten Gebiete, die zweifellos ethnologisch nicht zu Serbien gehörten, dem bulgari⸗ schen Reich für immer einverleibt werden würden. Nisch sei zwar durch den Frieden von San Stefano Bulgarien nicht zuge⸗ sprochen worden, aber es habe vor 1878 nicht zu Serbien gehört und sei eine unzweifelhaft bulgarische Stadt, das Gleiche gelte von Mo⸗ nastir, dessen Besetzung nur eine Frage von wenigen Tagen sei, ja wo vielleicht zur Stunde schon die bulgarische Fahne wehe. Hiernach scheinen für die siegreiche Bulgarien die Dinge erfreu⸗ lich einfach zu liegen. Sein Krieg soll alle von Bulgaren bewohnten vom Standpunkt des reinen Nationalstaates nichts einwenden kanm. Flir Staaten, die selbst von altersher eine nationalgemischte Bevöl⸗ kerung haben, sind die Verhältnisse weit schwieriger, zumal ja auch auf keinem der zahlreichen Kriegsschauplätze Europas ein so vadi⸗ klales Ergebnis bisher erzielt wurde, wie bei der deutsch⸗österreicht⸗ schen Offensive gegen Serbien, die bis jetzt schon das ganze Land in feiner bis zum Türbenkrieg des verflossenen Balkanbundes bestan⸗ denen Ausdehnung in den Besitz der Gegner gebracht hat. Ja, sogar noch ein tüchtiges Stück dazu, nämlich den Sandschack und das Lim⸗ gebiet, welches zwischen Serbien und Montenegro geteilte Bergland bekanntlich bis vor wenigen Jahren neben türkischen auch öster⸗ reich⸗ungarische Garnisonen hatte, die jodoch nach der Einverleibung Bosniens 1908 zurückgezogen wurden. Man könnte die Hoffnung hegen, eine der bewährtesten euro⸗ päischen Kriegsursachen los zu werden, wenn es nach dem von Dr. Tontscheff aufgestellten Grundsätzen gelänge, eine Abgrenzung rein nationaler Staaten auf dem Balkan durchzusetzen. Aber alle Forschungsreisenden und Sachverständigen waren bisher darin der soeben einige Zeit in Berlin zugebracht hat, äußerte sich bereits Teile Serbiens an Bulgarien anschließen— ein Ziel, gegen das man einig, daß eine solche Abgrenzung unmöglich sei, 8 Balkanhalbinsel 1 5 großen einheitlichen natignalen Siedlun gebieten eine Unzahl von Landstrichen besitzt, die ethnogr höchst umstritten sind, von verschiedenen Völkern und Staaten sich beansprucht werden, in Wahrheit aber ein kunterbuntes Gemi von Serben, Bulgaren, Türken, Juden, Albanern Griechen, Tartaren, Zigeunern und wer weiß was noch darstellen. So versagt denn der einfache Grundsatz des rein nationalen Staates auch auf dem Balkan, wie er überhaupt auf der Erdkugel weit weniger verwirklicht ist, als man gemeinhin denkt. künftige Regelung eines friedlichen Zusammenlebens der Balkan⸗ völker fehlt es immer noch an„sofort greifbaren“ Richtlinien. Die sozialistischen Parteien der Balkanländer stimmen in der Forderung einer Föderation der Balkanvölker überein, der sich wohl die gemeinsame Regelung der Mächte der nationalen Minder⸗ heiten anzuschließen hätte. Wie aber die Dinge zurzeit aussehen, kann man ja nicht einmal wissen, ob eines der an Zahl stärksten und, wie es scheint, auch an Begabung reichsten Balkanvölker über⸗ haupt ein selbständiges staatliches Dasein weiter besitzen wird. Wir wissen das nicht, denn bisher hat kein europäischer Mi⸗ nister seine Kriegsziele auch nur annähernd so offen aufgedeckt wie der bulgarische Finanzminister. 5 Verbot von Kriegsvorträgen in Dänemark. Kopenhagen, 22. Nov. Björn Björnson versprach brieflich, er⸗ neut einen Kriegsvortrag im Kopenhagener freisinnigen Jugend⸗ verein zu halten. Extrabladet erklärt aber, nach Erkundigung an maßgebender Stelle könne der Vortrag Björnsons nicht stattfinden, weil das bevorstehende Regierungsverbot gegen ausländische Kriegsrebner auch auf private Vereine Anwendung finde. Die Regierung wolle unbedingt neue Skandalauftritte verhindern, ohne Rücksicht darauf, gegen welche kriegführenden Mächte solche gerichtet würden. Extrabladet meint, das Verbot könne so durchgeführt werden, 51 den Fremden, die Dänemark zu kriegsagitatorischen Zwecken befuchen, der Aufenthalt untersagt werde. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M. Bekanntmachung. Die Vergütungen für die im Monat Oktober in Bürger⸗ quartieren untergebrachten Mannschaften des Landsturm⸗Infant.⸗ Ersatz⸗Bataillons J Gießen(1.—4. Kompagnie) werden bezahlt: an die Empfangsberechtigten, deren Namen beginnen mit: AK Donnerstag, den 25. November 1915; I- Freitag, den 26. November 1915, jedesmal von 8—12 Uhr vormittags und 2—5 Uhr nachmittags. Die Zahlstelle ist im Stadthaus, Zimmer Nr. 4. Es wird dringend ersucht, die Beträge an genannten Tagen ab⸗ zuholen. Gießen, den 22. November 1915. Der Oberbürgermeister. 1222 Keller.. Verstorbene. Frau Elisabethe Burk Wwe. in Garhenteich, 77 Jahre alt.— Frau Adam Kehr Wwe. in Treis a. L., 56 Jahre alt. Es wird kalt! Sendet unseren Soldaten 5 Faadlhealer bless. 1 7 1 . aa e 725 Dir.: Hermann Steingoetter. Cognac. Dienstag, den 23. Nov. 1915, Steinhüger. abends 8 Uhr Mngenbitter ete. Zu haben in Feldpost⸗. briefen bei: Lebensmitelhaus biegen Marktstraße 14. Il Cocnar in Naseben Na bon Mk. 1 bis Mk. 3. Spezial⸗Behandlung U Rheumatismus, Gicht und Ischias mit sehr guten Erfolgen. Petri, in Gießen, Moltkestraße 7. Teldhsst.Jehasdten in jeder Größe zu beziehen durch die Buchhandlung Oberhess. Vollsztg. Baähnhofstraße 23. 6. Dienstags⸗Abonn.⸗Borstellung. Herrschaftlicher Diener gesucht Ende gegen 10 Uhr. Gewöhnliche Preise(ermäßigt). Donnerstag. 25. November 1915 abends 7½ uUbr: Außer Abonnement. Fest⸗Vorstellung zur Feier des Geburtstages des Großherzogs Ouvertüre ausgeführt von der Kapelle des Ersatz⸗Bataillons des Juf Reg. 116 unter Direktion des Musitleiters Bruno Hermann. Hierauf:. Die Karlsschüler Schauspiel in 5 Akten von Heinrich Laube. Ende geg. 10 Uhr. Gew. Pr.(erm.) Soldaten vom Feldwebel abwärts zahlen bei allen Vorstellungen auf 2. u. 3. Sperrsitz nur halbe Preise. Stadtiiheater eine Ain Donnerstag, den 25. November 1915, abends 7¼½ Uhr, findet im Fest⸗Vorstellung zur Feier des Geburtstages Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs statt. 1) Vorspiel zu„Egmont“ von Ludwig van Beethoven, ausgeführt von der Kapelle des Ersatz⸗ Bataillons des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm Nr. 116 unter Leitung des Musikleiters Bruno Herrmann. 2) Die Karlsschüler, Schauspiel in 5 Akten von Heinrich Laube. Der Reinertrag wird zu einer Weihnachtsspende für unsere Krieger verwendet. Ich ersuche die Bürgerschaft, durch zahlreichen Besuch den vaterländischen Zweck in vollem Maße sicherzustellen. 5 Gießen, den 22. November 1915. Der Oberburgermeister Kell Und für die 3 5 alt.— Frau A. Schnappauf in Wetzlar.— Jakob Mohr in 5 Wetzlar, 50 Jahre alt.— Marie Gabriel in Wetzlar, 29 Jahr Rumänen, Shu z 0 Schwei 5 N ganze sieb mg trie