1 Die Oberbessische Volkszeitung erscheint jeden Werktag Abend in Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich 0 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl.180 Mk 55 Redaktion und Expedition Gießen, VBahnhofstrasse 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Inserate kosten die 6 mal gespalt Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends? Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 269 5 Gießen, Dienstag, den 16. November 1915 10. Jahrgang In der französischen Presse, nicht zum mindesten Partei tern, liest man immer wieder, 9 5 absolut ade jedevoll vertrauensselig das arme Frankreich dahinlebte bis 5 uns grausame Deutschland überfiel, das heimlich, aber zielsicher seit zahren seinen brutalen Angriff vorbereitet hatte. Unter diesem esichtspunki ist sehr interessant, was Dr. W. Reiß in der Vossi⸗ en Zeitung vom 9. Oktober von den Schulbüchern zu e eiß, die er in seinem nordfranzösischen Quartier durchzustudieren gichlich Gelegenheit fand. Was da in Wort und Bild seit langen ahren bestrebt war, den jungen Franzosen den Rachekrieg als 10 zendig, den Ueberfall Deutschlands als bevorstehend und die Zer⸗ metterung Deutschlands als sicher hinzustellen, ist ganz unglaub⸗ ch. Die mitgeteilten Proben genügen, dem Verfasser des Artikels acht zu geben, wenn er abschließend meint:„mit solchen Schul⸗ lichern, mit solcher Lektüre vergiftete eine Regierung ihre Jugend me Regierung, die von uns angeblich„ahnungslos“ überfallen zurde“. Haben nun alle leidenschastlichen Verfechter der französi⸗ Zen Ahnungslosigkeit die Lehren ihrer Jugend so ganz vergessen? d doch blieben die Propheten-Stimmen nicht auf die Schulbücher ischränkt. Erstaunlich, bis zu welchem Grade sogar Einzelheiten 8 heutigen Krieges im ahnungslosen Frankreich vorgeahnt wur⸗ . Man erinnert sich, daß der Paris-Midi, ein chauvinistisches etzblatt in der Zeit der Kampagne für die dreijährige Dienst⸗ licht weissagte, daß im Fall der Mobilmachung Jaurès an der nichsten Straßenecke umgebracht würde. Im selben Paris-⸗Midi, dem(nach der B. Z. vom 1. September) schon im Januar 1913 r Redakteur den frommen Neujahrswunsch äußerte, daß sich ein 3 9 mage;„der morgen den Erzherzog Franz Ferdi⸗ ermorden würde“. Allerdings ist sicher, daß nicht jeder chauvinistische Zukunfts⸗ msik ernst nimmt. Und im sozialistischen Lager konnten solche Jeissagungen vollends verhallen. Trotzdem müssen wir es als kelbsttäuschung bezeichnen, wenn sich nun nachträglich die Führer 1 Partei immer wieder Ahnungslosigkeit einreden. Wenn nicht eles andere schon dagegen spräche, wäre die einzige Stimme sraneis Delaisi's genügend, dessen Büchlein vom kommen⸗ im Krieg(Uebersetzung bei S. Mittler erschienen) im Verlag der (uerte Sociale im Mai 1911 erschien. Die Auseinandersetzung l„Delcassé'schen Anschlags“ vom Jahre 1905 ist ausführlich dar⸗ 4 tellt: jener„denkwürdige Ministerrat“:„Während zweier Stun⸗ un setzte der kleine Mensch seinen überraschten Kollegen seine sautriguen auseinander und drang kalten Blutes auf die Fort⸗ ung seiner Politik der Einkreisung, auf eine Militärallianz mit bigland und auf den Krieg gegen Deutschland. Die einmütig Ant⸗ bort des Kabinetts war die Entfernung des gefährlichen, Menschen, und die Beziehungen zu Berlin wurden wieder normal. 1 Im Kapitel:„Die Gefahr besteht wirklich heißt es: Serade jetzt(Mai 19111) beginnt die alte Intrigue Delcasses don Fuem, man ist daran, den Streich von 1905 Ju wiederholen. Ein Frchtbarer Krieg zwischen England und Deutschland bereitet sich Ir.... Nun haben aber beide Mächte, um den Kampf zu gutem bade zu führen, die Hilfe Frankreichs nölig. Deuischland praucht user Geld, England, dem die allgemeine Wehrpflicht, sehlt, braucht msere Armee... Gerade jetzt verhandelt Crunppi über eine Mili⸗ ürkonvention mit England! Kommt es zur Unterzeichnung, 99 3 iöt sich für uns daraus die Verpflichtung, uns auf den ve(gol schen Ebenen die Schädel einschlagen zu lassen, usr den Fon, benern den Besitz von Antwerpen zu sichern“. Der Verfasser: ist enpört, daß in Frankreich niemand etwas zum Gerücht von dieser Jilitärkonvention sage,„nicht ein einziger von den eee führern hat auch nur den Mut gefunden den Minister 5 1 leußern zu interpellieren.“ Nur Merrheim habe, daun d iner Abeiterkongreß in Birmingham zurücktommend, auf 0 167 erglischen Eindrücke in der Vic Ouvriere Hei 9 10 Zarstellung des wirtschaftlichen Aufschwungs dee iner scharfen Konkurrenz für England, kommt 5 9 2 sind „lle Kräfte des englischen Weltreichs in den fünf Kon 1 25 hutzutage in ungeheurem Aufwand für den ee 0 tiert dabei auch Kitcheners Wort:„die 1 5 Maaslinie“ und ichs in Europa ist nicht der Kanal, sondern. 1 10 hint dazu:„ein eigentümliches Wort, das zeallerdings der Ver⸗ ülgischen Neutralität hält“ In einen, l Stärke nicht zu, einen fisser: er traut Deutschland die finanzielle ee 1 Krieg zu führen, er kommt daher immer W in einem Kapitel: Leutschland Frankreichs Geld nötig habe. an eee ed u d 1 Id nötig haber, daß all„die(geschil „Die Bemühungen Wilhelms II.“ meint er, sind. Wilhelm 11 krten) Freundschaftsbezeugungen interessiert serm a 0 mit allen 5 5 5 1 sähern, weil er uns braucht. über ns Eine andere große Enttäuschung, der gegen auch 1 ainungslos gewesen zu sein, etzt, gern voralhe litiker und gar nich sehen;„in Deutschland haben sozialistische Reichstags erklärt, daß schlechtesten, von der Rednertribüne des Mfrpell fehlen swürde“; u Kriegsfall kein deutscher Sozialist bein der französische Bauer Wer freilich er sieht auch darin klar„damit ee öffentliche Meinung dich guten Muts in den Krieg zieht, mcleht durch die allgemeine gehörig bearbeitet werden und das ls anderes denken, als an Guggestion, daß die Deutschen an m Stelle:„die Franzosen dnen Einfall in Frankreich.“ An an ene ihnen mit Worten wie sad tapfer und kriegerisch.. des Vaterlandes und der Mationale Ehre“ und„obersten Intere egen die Engländer) so ilisation“ zu kommen versteht(so n sicher sein, daß die Diplo⸗ erden sie marschieren... man kaun es so einzurichten ver⸗ aten des englischen. Auswärtigen für den Konflikt zu⸗ brhen werden, dem Gegner die Veran 8 Wund wir werden zuschresben, wenn sie den Krieg beschlossel um König warschieren, infolge einer„defensiven beorg V zu unterstützen“. 12 20 dachte 1 in der eiale im Mai 3011. 1 ahnungslosen Umgebung der Guerre Ueltkrieg. Italien vor dem Eingreifen in Albanien. Luganv, 14. Nov. Die italienische Presse bereitet nun⸗ mehr, durch die Zensur ganz unbehindert, das italienische 1 0 a 2 5 Volk auf den Zug nach Albanjen vor. Der Secolo begründet den albanischen Feldzug in einem Leitartikel mit der Not⸗ wendigkeit, Serbien zu helfen und Italien nicht zu isolieren. Im Corriere della Sera stellt Torre fest, daß Italien keines⸗ falls eine Vergrößerung Griechenlands in Albanien erlauben werde. Torre glaubt übrigens, daß Griechenland für die Entente vollständig verloren sei und erwartet von den Kammerwahlen eine Mehrheit gegen Veniselos. Da die Er— eignisse dem König recht zu geben schienen, sei des Königs Popularität gesteigert, während Veniselos seinen Stern sinken sähe. Agitation gegen die italienische Parlaments⸗ Eröffnung. 5 Dem Avanti vom 6. November entnehmen wir, daß die von ihm schon früher gemeldete Agitation gegen die Eröffnung des Parlaments immer greifbarere Gestalt annimmt. Sie verbindet sich natürlich mit einer Hetze gegen die sozialistische Partei, die in den letzten Monaten konsequent bei ihrer Forderung der Parla⸗ mentseröffnung blieb. Römische nationalistische Blätter meinen, daß das Parlament zwar für normale Zeiten gut sei, aber in der „veränderten Situation“ entbehrt werden könne. Und schon durch⸗ reisen die vom Mai her bekannten Tumultorganisatoren das Land, um, wie man das in Italien nennt:„den Platz vorzubereiten“. Heraus auf öffentliche Plätze und Straßen wagen sich nun auch wieder die„aus der Hecke“(io bezeichnet man in Italien die Drückeberger), deren Bloßstellung dem Avanti von der Zensur untersagt wurde. Sie werden nun mobilisiert von den Freimauxer⸗ logen, deren famoses Agitationsprogramm wir unlängst mitteilten. Die Zufuhr nach Deutschland. Bukarest, 13. Nov.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die Independanee Roumaine meldet: Die mit Getreide für Oesterreich⸗Ungarn und Deutschland be⸗ ladenen Schlepper werden ohne Verzug den rumänischen Hafen verlassen, um das Getreide in die Bestimmungsländer zu führen. Die Zentralkommission für den Verkauf und die Ausfuhr von Getreide hat eine Bestimmung mit dem Bei⸗ fügen getroffen, daß der Abtransport in drei Abteilungen erfolgt. Immer, wenn ein abgegangenes Drittel vom Eisernen Tor zurückgekehrt ist, folgt das nächste Drittel. Für jene beladenen Schlepper, deren Getreide noch nicht verkauft ist, ist der Abtransport nur gestattet, wenn der Verkauf nach den von der Zentralkommission festgesetzten Formalitäten erfolgt. Sofia, 13. Nov.(W. T. B. Nichtamtlich.) Meldung der Bulgarischen Telegraphen-Agentur. Zwischen der mit dem Einkauf von Bodenfrüchten beauftragten deutschen Kommission der Zentraleinkaufs-Gesellschaft und dem Aus- schuß für soziale Fürsorge, der die Oberaufsicht über den Handel mit Eßwaren und Nahrungsmitteln in Bulgarien hat, ist ein Uebereinkommen getroffen worden. Danach er⸗ hält die deutsche Kommission die Erlaubnis, sofort 20 000 Tonnen Mais auf dem Donauwege auszuführen. Der Ein⸗ kauf anderer Bodenfrüchte wird der Kommission in dem Maße gestattet werden, als sich nach Berücksichtigung der für das Bedürfnis des Landes notwendigen Mengen noch Ueber⸗ schüsse ergeben. Die Kriegskontribution Belgiens. Hr ist vom Generalgouverneur für Belgien für das ktober 1915 bis Oktober 1916 wie im Vorjahre Jahr vo eine Ko; schrieben worden, die in monatlichen Zahlungen von 40 Mil lionen Franken aufzubringen ist. * Brüssel, 13. Nov.(W. T. B. Nichtamtlich.) Der General⸗ gouverneur hat folgenden Befehl erlassen: In Gemäßheit des Artikels 49 des Haager Abkomanens betr. die Ordnung der Gebräuche und Gesetze des Landkrieges wird hier⸗ durch der belgischen Bevölkerung bis auf weiteres zu den Kosten der Bedürfnisse des Heeres und der Verwaltung des besetzten Ge⸗ bietes eine Kriegsko utribution in Höhe von monatlich 40 Millionen auferlegt. Der deutschen Verwaltung bleibt das Recht vorbehalten, die Auszahlung der monatlichen Raten ganz oder teil⸗ weise in deutschem Geld zum Umrechmungskurse von achtzig Mark sütr hundert Franken einzufordern. Die Verpflichtung zur Zahlung liegt den neun Provinzen Belgiens ob, die für die geschul⸗ deten Beträge als Gesamtschuldner haften. Die Zahlung der ersten Nate hat spätestens bis zun 10. Dezember 1915, die der folgenden jeweils bis zum 10. eines jeden Monats an die Feldkriegskasse des Kaiserlichen Generalgouvernements in Brüssel zu erfolgen. Werden zur Beschaffung von Zahlungsmitteln seitens ber Provinzen Schuld⸗ urkunden ausgestellt, so bestimmt deren Form und Inhalt der Kafserliche Gereralkommissar für Banken in Belgien. Die französischen Sozialisten und der dauerhafte Friede. Die Resolution, die der ständige Verwaltungsausschuß der französischen Partei in Sachen der Zimmerwalder, Kon⸗ ferenz einstimmig angenommen hat, liegt jetzt im Wortlaut vor: „Angesichts der Bemühungen zweier Genossen in der „Fédération de la Seine“ eine Propaganda zu entfalten, die sich auf die Resolution der Zimmerwalder Konferenz stützt, an der sie ohne irgendein Mandat der Partei teil⸗ genommen haben, um dort über die Friedensfrage mit anderen Sozialisten neutraler und kriegführender Länder zu konferieren, von denen die Mehrzahl ebenfalls ohne Mandat war, erinnert die ständige Verwaltungskommiffion daran, daß sie es abgelehnt hat, an dieser Konferenz wie an Zusammenkünften ähnlicher Art, die seit Ausbruch des Krieges stattgefunden haben, teilzunehmen. 1 10 In Uebereinstimmung mit den Erklärungen des Nationalrats vom 14. und 15. Juli betont sie von neuem, daß ein dauerhafter Frieden nur erreicht werden kann durch den Sieg der Alliierten und die Vernichtung des a deutschen militaristischen Imperialismus, daß jeder andere Friede, jeder vorzeitige Friede nur ein Waffenstillstand oder eine Kapitulation bedeuten würde. 2.7 Der Nationalrat hat es ausgesprochen und die Ver⸗ waltungskommission wiederholt es, daß der Kampf, der Deutschlands aufge- den Alliierten durch die Herrschenden zwungen ist, bis zu seinem logischen Ende fortgeführt wer⸗ den muß, d. h. bis zur Niederlage des deutschen Militaris⸗ mus, damit der Welt die große und notwendige Lehre gegeben wird, daß der Versuch der Weltherrschaft an dem Widerstand der freien Völker scheitert. Der Verwaltungsausschuß ersucht daher alle rationen und ihre Sektionen, selbst den Anschein irgend⸗ einer Teilnahme an einer Propaganda zu vermeiden, die zuwiderläuft den Interessen nationaler Verteidigung und der nationalen und internationalen Organisation N Sozialismus, die man wiederherzustellen vorgibt.“ 1 Der Vorwärts bemerkt dazu: 77 7 Soweit die Ablehnung der Zimmerwalder Konferenz n Betracht kommt, unterscheidet sich die Stellungnahme der Franzosen nicht von der des deutschen Parteivorstandes. Darüber hinaus aber hält es der Verwaltungsausschuß für notwendig, die„Vernichtung des deutschen militaristischen Imperialismus“ und die„Niederlage des deutschen Mili⸗ tarismus“ zur Bedingung des Friedens zu erklären, und er fällt damit wieder auf eine Phrase zurück, die man nach der Kammerrede Renaudels eigentlich für erledigt halten konnte. Diese Redensart ist deshalb so bedenklich, weil sie so vieldeutig ist. Vielleicht soll sie nur schlagwortartig die von dem sozia⸗ listischen Redner im Parlament aufgestellten Kriegsziele zu⸗ sammenfassen, aber so, wie sie lautet, muß man weitergehende Forderungen hinter ihr vermuten. Es wäre an der Zeit, daß unsere französischen Genossen endlich darauf verzichteten, in Worten so gut wie in Taten, jenen Teilen des Bürger⸗ tums Zugeständnisse zu machen, die einen Verteidigungs- feldzug in eine Art Strafexpedition umwandeln möchten. Bernhard Shaw zum Fall Cavell. Die Hinrichtung der Engländerin Edith Cavell in Brüssel wird von den englischen Politikern, die die Wirkung des Sentimentalen ribution von 480 Millionen Franken ausge- elod 1 1 1 wecke der Agitation ausgenutzt. Bernhard Shaw, der alle Heuchelei haßt, und Melodramatischen auf die Massen sehr gut kennen, zu Zwecken aber ein sehr patriotischer Brite ist, schreibt hierüber in einem un⸗ gemein interessanten„Eingesandt“ an den New Statesman vom 6. November: „Da was sie tat und litt, nur für uns geschehen ist, so ist es nur richtig und natürlich, daß wir sie als Heldin betrachten; und es wäre eine Schande für uns, wenn wir ihr Andenken durch kine⸗ matographische Knalleffekte entehren würden, oder, indem wir ihren Sarg zu Stöcken zerbrächen, um die Deutschen damit zu schlagen. Es gibt einen Weg, unsere Schuld an sie abzuzahlen und die Ehrlichkeit ihrer lautesten Verteidiger zu erproben. Wir dürfen uns nicht darüber beklagen, daß das Militärgesetz ihr jeden Schutz menschlicher Gerechtigkeit verweigerte, weil wir selbst 10 Leute, ohne solchen Schutz, auf Grund derselben Militärgesetze erschossen haben. Auch ihr Geschlecht dürfen wir hier nicht geltend macher, weil unser eigenes bürgerliches und militärisches Strafrecht keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen macht. Keine Frau verlangt das, so wenig Edith Cavell es verlangte. Wir können nicht mit Ritterlichkeit prahlen, denn wenn sie lebend zurückgekommen wäre, um die dem gewöhnlichsten Mann zugestandenen politischen Rechte zu verlangen und ein Ladenfenster jerbrochen hätte, um ihrem Anspruch Aufmerksamkeit zu verschaffen, wäre sie angefallen, beleidigt und größter körperlicher Mißhand⸗ lung unterworfen worden, mit voller Billigung vieler Schriftsteller, die sie heute heilig sprechen. Was wir tun können, ist etwas sehr Föde⸗ * sunnitischen Afghanen einfaches. Wollen wir das Zeugnis, das sie für die Tapferkeit ihres Geschlechts ahlegte, ehren, so können wir ihrem Geschlecht politische Freiheit geben. Der Antrag könnte billigerweise von Mr. Mac Kenna im Unterhaus und Viscount Gladstone im Ober⸗ haus eingebracht werden. Wird dieser Vorschlag aber mit töd⸗ lichem Schweigen aufgenommen, so werde ich wissen, daß Edith Cavells Opfer von ihrem Lande abgelehnt wurde.“ Die Bahn Petersburg—Kola. Kristiania, 13. Nov. Alle Nachrichten von der Fertigstellung der Bahnwege Petersburg—Kola(Eismeer) und der Inbetrieb⸗ nahme der Bahn sowie des sogenannten eisfreien Hafens ent⸗ sprechen nicht der Wirklichkeit. Ein Mittelstück von der Länge Bergen—Kristiania durch ein äußerst schwieriges Felsterrain ist kaum in Angriff genommen. Die dort notwendigen Tunnel- und Durchbruchsarbeiten können erst nach vielen Monaten, um nicht zu sagen Jahren fertig sein, weshalb erst von der Eisenbahn Peters⸗ burg— Eismeer und ihrer Benutzung gesprochen werden kann, wenn der jetzige Krieg der Vergangenheit angehört, wozu nicht wenig der lange harte Winter dort beiträgt. Vorläufig existiert der Bahn⸗ weg Petersburg—Kola nur auf dem Papier. Besorgnisse der Engländer um Indien. T. U. Konstantinopel, 14. Nov. Von einer hier einge— troffenen gutunterrichteten. Persönlichkeit wird gemeldet, daß die aufständische Bewegung in Indien und Persien an der afghanischen Grenze die Form regelrechter Kriegsunter— nehmungen angenommen hat. Die Aufständischen haben sich in Schützengräben verschanzt; sie sind mit Waffen und Munition versehen. Die englandfeindliche Erregung greift in ernster Weise nach Afghanistan hinüber, wo inzwischen eine Expedition aus Persien eingetroffen ist, die von den als hochverehrte Gäste empfangen wurden. Die schwere Besorgnis, welche die Engländer hin⸗ sichtlich der Lage äußern, deutet auf diese Vorgänge in Indien, Afghanistan und Persien hin. Die Opfer des Krieges. Von offizieller englischer Seite ist die Nachricht verbreitet wor⸗ ben, der Nieuwe Rotterdamsche Courant berechnet die Höhe der Ver⸗ luste, die die Mittelmächte und ihre Verbündeten bisher erlitten haben, auf 5 Millionen Menschen und knüpft daran die Frage, was damit eigentlich erreicht worden sei. Dazu stellt die Nordd. Allg. Zig. fest, daß das genannte hollän⸗ dische Blatt in Wirklichkeit geschrieben hat: „Wenn man die Verluste der Mittelmächte zusammenzählt, kommt man auf ungefähr 5 Millionen. Man kann annehmen, daß die Verluste der verbündeten Franzosen, Russen, Engländer, Ita⸗ liener, Belgier und Serben sich auch auf dieser Höhe halten. Die Gesamtsumme der Opfer des Krieges beläuft sich also danach auf etwa 10 Millionen Menschen, und diese Zahl ist eher zu niedrig als zu hoch gegriffen. Jeden Tag kommen neue Opfer hinzu. Ein Teil davon, wohl der größte, ist nicht für den Rest des Lebens zum Un⸗ glück verdammt(soll wohl heißen, wird wiederhergestellt). Ist es aber nicht furchtbar, daß bereits einige Millionen Menschen tot oder zu Krüppeln geschossen worden sind, ohne daß ein Ende des Unglücks abzusehen wäre? Zur Behebung von Knopflochschmerzen. Die in manchen Kreisen herrschende Sehnsucht nach einem Ordensbändchen ist durch den Krieg nicht vermindert Fworden. Die Eisernen Kreuze der Feldgrauen lassen in manchen Nichtkriegern den neidischen Wunsch aufkeimen, auch ein Ehrenzeichen zu besitzen. Wenn Nachfrage danach ist, warum soll sich denn nicht auch Angebot einstellen? Es gibt auch auf diesem Gebiete Leute, die Mittel und Wege zu finden wissen, um die„Konjunktur auszunutzen“, wie folgen⸗ des Briefelein zeigt: „Georg Kärger, Direktor Berlin W. 30, Freisingerstraße 16. Fernspr. Lützow 7797. 5 Sehr geehrter Herr! Hierdurch gestatte ich mir die höfliche Anfrage, ob beifolgende Notiz ernsthaftes Interesse für Sie hat? In diesem Falle bin ich gern bereit, Ihnen auf Wunsch weitere Informationen kostenlos zukommen zu lassen. Ich bemerke, daß die Durchführungskosten nur im Falle des Erfolges zu bezahlen sind. Mit vorzüglicher Hochachtung Dem mit Schreibmaschinenschrift geschriebenen Briefe ist Dir. Kärger.“ eine gedruckte Notiz beigefügt, deren Hauptinhalt folgen⸗ der ist: Berlin, den 18 „Ehrenzeichen des Roten Kreuzes. Wie seinerzeit amtlich verlautbart worden ist, hat Kaiser Franz Joseph zu Beginn diefes Krieges aus Anlaß des 50jährigen Bestandes der Genser Konvention neue Ordensauszeichnungen ge⸗ stiftet, Ehrenzeichen für Verdienste um das Rote Kreuz: Verdienst⸗ stern, Ehrenkreuze 1. und 2. Klasse und zwei Ehrenmedaillen, silberne und bronzene, oberster Inhaber ist der Kaiser selbst. Diese Auszeichnungen werden für wirkliche Verdienste auf dem Gebiete des freiwilligen Hilfsdienstes des Roten Kreuzes 5 mit Allerhöchstem Diplom verliehen und können auch in Miniatur oder das Vand allein(Rosctte) getragen werden; sie bleiben für die Nachkommen ein historisches Andenken an den großen Krieg. Das Note Kreuz verdient jetzt möglichste Unterstützung, die ent⸗ sprechend anerkannt wird. Voraussetzung ist natürlich, daß der an allerhöchster Stelle vorzuschlagende Bewerber einen tadellosen Leumund besitzt und die amtliche Prüfung seine erforderliche Qualifikation erweist.“ 5 Es folgt dann eine lange Aufzählung von hochgestellten Persönlichkeiten, die bereits jetzt Inhaber von Ehrenzeichen sind, und zum Schluß heißt es:„So wie das Eiserne Kreuz und die österreichische Tapferkeitsmedaille für den Krieger, ist das Ehrenzeichen vom Roten Kreuz die schönste Auszeich⸗ nung ideeller Verdienste für den Bürger“. Es wäre interessant, zu erfahren, wie viele Leute dem verlockenden Angebot nähertreten, und— wieviel der Herr Direktor Kärger bei der Geschichte verdient. Wir vermuten, daß das Geschäft recht einträglich sein wird. Die Spekulation auf die Eitelkeit der Menschen hat sich noch immer bezahlt gemacht. ö Friedens möglichkeiten? T. U. Sofia, 15. Nov. Das Blatt Kambana bemerkt zu der letzten Erklärung Asquiths und Greys, es besteht kein Zweifel, daß England seine Balkanerpedition als gescheitert betrachtet. Es sei bestürzt von dem ungeheuerlichen An⸗ wachsen der Kriegsopfer an Menschen und Geld. Von den hochbedeutsamen Erklärungen hätten die englischen Bundes⸗ genossen bereits Notiz genommen und es sei sehr bald zu erwarten, daß eine Ententemacht nach der anderen Frieden verlangen werde. Französische Beklemmungen. Geuf, 15. Nov. Die französische Militärpresse zeigt Be⸗ unruhigung über die eigene Front. Es mehren sich die Stimmen, die von einer nahe bevorstehenden deutschen Offen⸗ sive im Westen sprechen. Wie General Berthaut im Petit Jouprnal betont, ist man besorgt über das Fehlen jeden Gegengewichts durch erfolgreiche Stöße der russischen Armee gegen das deutsche Zentrum. Noch trauriger sei, daß die Russen weder gegen die Bukowina noch gegen Bulgarien sich betätigen wollen. Euglische Behinderung des holländischen Heringfanges. Amsterdam, 14. Nov. Die Zeitung De Tockomst schreibt: Aus höchst zuverlässiger Quelle erfahren wir von jemand, dessen ganze Familie dem Fischfang in der Nordsee obliegt, daß an den 11 hol⸗ ländischen Fischstellen, die sich ständig verändern, die holländischen Fahrzeuge ständig von englischen Trawlern umringt sind. Diese englischen Trawler setzen eine große Menge Minen aus, um uns beim Fischen zu behindern Man ist allgemein der Ansicht, daß es die offene Absicht der Engländer ist, die Heringszufuhr nach Deutschland zu verhindern. Viele holländische Fischer weigern sich infolge der großen Gefahr, in See zu gehen. Der Aufstand in Indien. In Konstantinopel eingetroffene Reisende haben nach Meldungen in verschiedenen Morgenblättern bestätigt, daß die Aufstandsbewegung in Indien wachse und besonders an der afghanischen Grenze gefährlich sei. Spvengstofffabrikation. Paris, 14. Nov.(W. T. B. Nichtamtlich.) Le Journal meldet, daß man aus Koks in Gasfabriken Sprengstoff herstellen werde. Ende dieses Monats würden in Paris, Lyon, Marseille und Bordeaux auf diese Weise täglich 55000 Kilogramm Sprengstoff hergestellt werden, Paris allein werde von den nächsten Tagen ab täglich 20 Tonnen Sprengstoff liefern. Weshalb siegt Deutschland? Petersburg, 14. Nov.(W. T. B. Nichtamtlich.) In der Nowoje Wremja stellt MWenschikoff mit tiefem Bedauern fest, daß die Russen in der ärztlichen Wissenschaft E Br W ——— aufs kläglichste hinter Europa herhinken und 1 1 von Deutschland übertroffen werden, wa wiederum erwiesen habe. Im deutschen Reiche k Prozent Verluste wieder an die Front zurück, wö Rußland nur auf 18 Prozent bringe. Demnach habe 2 land bei jeder Million an der Front gewissermaße Vorsprung von 420 000 Mann oder 10½ Armeeko durch erklärt sich die Unerschöpflichkeit der deutschen mannschaften. Nicht nur artilleristisch sei die deutsche legenheit zu erklären, sondern auch aus den mehr a fachen Heilerfolgen. Dieses Verhältnis 60 zu 18 kö Rußlands Schicksal schwere Folgen haben. Nach dem 1870 war es sprichwörtlich, daß die deutsche Schule di zosen geschlagen habe, jetzt seien der deutsche Arzt u deutsche Techniker der gefährlichste Feind der Alli Ebenso wie Rußlands Waffenbestellungen im vorigen die deutsche Kriegsindustrie gestärkt hätten, ebenso ha große Prozentsatz der russischen Kranken, die deutsche ö orte besuchten, zur Verbesserung der deutschen Aerztewisse schaft beigetragen. i 0 Prlegsnolizen. Die deutsche Forstverwaltung wird im kommenden WI russischen Waldgebiet große Einschläge von Holz nehmen lassen. Schon setzt wird ein Verkauf von 50 000 Festn Kiefernlangholz augetürdigt, und noch größere Mengen we folgen. Weitere Einschläge in der Nähe von Augustow sin Gange. Das Holz soll vor allem für den Wiederaufbau df preußens verwandt werden. 5 1 Nach einem bei dem Kardinal v. Hartmann eingegangenen Tel gramm hat, wie die Köln. Volksztg. meldet, der Kaiser die g die Gräfin von Belleville, Frl. Thulier und Lo Severin in Brüssel erkannte Todesstrafe auf die Fürbit des Papstes im Gnadenwege in lebens längliche Zuchthat strafe umgewandelt. 1 Wie Progrés aus Paris meldet, hat der Kassationshof die 3 rufung Villains, der Jaurèes ermordet hat, gegen. Beschluß der Anklagekammer verworfen, welche die 9 legenheit vor das Schwurgericht verwiesen hatte. Die Moskauer Polizei wurde durch die War tert und das sechste Don-Kosakenregiment 8 e Die im Amurgebiet angekommenen Juden werden dort zurückgeschickt, da nach der Ansicht des Generalgo neurs das Zirkular vom 4. August über die Aufhebung aller siedlungsrayons des europäischen Rußland keine Gültigkeit für Amurgebiet hat. Ein Abgeordneter wandte sich an den M des Innern um Aufklärung. 5 Holländische Blätter melden: Auf einer amerikani Werft wird gegenwärtig eine Flugmaschine mit einer 2 kraft von 2700 Kilogramm gebaut. Sie soll mit einer 77 Mill meter-Kanone bewaffnet und mit zwei Motoren von je 160 PS ver- 0 sehen werden. Die Schnelligkeit soll je nach der Belastung 80 bis 125 Kilometer in der Stunde betragen. Das Flugzeug soll sieht Stunden in der Luft bleiben können. 13 N Eine Depesche der Times aus Montreal besagt, daß in d ji Fabriken, die Sprengstoffe für die Verbündeten her stellen, gegenwärtig 30 000 Arbeiter beschäftigt sind. 0 Arbeiterbewegung. J Weihnachtsunterstützung im Verbande der Tapezierer. Verbandsvorstand und Ausschuß haben beschlossen, aub“ diese Weihnachten den Frauen der zum Heere einberufenen“ Mitglieder eine Unterstützung zu gewähren. Die Frauen de bis zum 1. Dezember 1915 eingezogenen Kriegsteilnehme erhalten bei einer Mitgliedschaft von 26—51 Wochen 5 Mar und bei einer Mitgliedschaft von 52 Wochen 10 Mark Unter stützung. Voraussetzung ist, daß das Mitglied, dessen Fra Anspruch erhebt, mit seinen Beiträgen nicht länger all 8 Wochen im Rückstande ist.: Den Zweigvereinen wird nahegelegt, die ausgeworfene Summen durch freiwillige Sammlungen oder aus Mitte der Lokalkassen nach besten Kräften zu erhöhen. 3 Der Verband hat bereits vorige Weihnachten und ebe Ostern 1915 namhafte Beträge an die Familien der eing zogenen Mitglieder gezahlt und dadurch manche No lindert. N 1 Der abscheuliche Simmons. Novelle von Arthur Morrison. Thomas Simmons vermied es daher, von diesem Gegenstand weiter zu sprechen. Er wagte nicht einmal mehr zu brummen, wenn sie sich entschloß, ihm die Haare zu stutzen. In diesem stillen Glück gingen für Thomas Simmons Jahre dahin. Da— es war an einem goldenen Sommer— abend— geschah es einmal, daß Frau Simoons einen Korb um den Arm nahm, um kleine Einkäufe zu besorgen, während ihr Mann zu Hause bleiben mußte. Er wusch das Teegeschirr ab und stellte es in den Schrank. Dann verfiel er in tiefe Betrachtung einer neuen Hose, die an diesem Tage fertig— gemacht worden war und jetzt an der Tür hing. Ja, da hing sie in all ihrer Unberührtheit, das Gesäß unzerknittert, die Beine kürzer, der obere Teil länger— alles noch unerhörter in der Fasson denn je. Und wie er so die Hose anstarrte, fühlte er etwas in seiner Brust krabbeln: der kleine Teufel der Erbsünde war erwacht und meldete sich. Simmons er— schrak beschämt, denn er war sich sehr wohl bewußt, welche Dankbarkeit er seiner Frau für eben diese Hose und andere Wohltaten schuldete. Doch er vermochte den kleinen Teufel, der sich in gemeinen Einflüsterungen nicht genug tun konnte, nicht zu meistern. Der kleine Kobold beschwor schon jetzt die neuen Sticheleien herauf. die Simmons von seinen Kollegen zu gewärtigen hatte, wenn er mit dieser neuen Hose das Arbeitslokal betrat. „Steck' sie in die Misttruhe,“ raunte der kleine Teufel Simmons zu,„dorthin gehört sie.“ Simmons schauderte vor dem bösen Teufel, den er in sich trug, und in seiner Verzaͤgtheit und Anwandlung häus— licher Disziplin wollte er wieder das Teegeschirr hernehmen, um es nochmals abzuwaschen. Er besann sich und lenkte seine Schritte gegen das Hinterzimmer; auf der Treppenstaffes bemerkte er, daß die Haustür offen stand, offenbar durch Verschulden des kleinen Kindes der Leute zu ebener Erde. Aber eine artenstehende Haustür. das war etwas, das seine Frau absolut nicht leiden konnte. Simmons ging daher sofort hinunter, damit seine Frau, wenn sie nach Hause komme, nicht Ursache habe, mit ihm zu zanken. Bevor er die Tür schloß, sah er die Straße entlang. Ein Mann schlenderte auf dem Pflaster daher und spähte neugierig auf die Tür her. Sein Gesicht war sonnverbrannt, die Hände hatte er in den Hosentaschen stecken und fast im Genick hatte er eine hohe Schirmmütze mit einer Wollquaste sitzen, wie sie meist um die Docks herum bei Schiffs— bediensteten beliebt sind. Er bewegte sich näher zur Tür her. Jetzt fragte er:„Ist Frau Ford drinnen?“ Simmons starrte ihn einige Sekunden lang an und fragte dann:„Wie meinen Sie?“ „Die gewesene Frau Ford, jetzige Frau Simmons— ist sie drinnen?“ fragte der Fremde, wobei er einen unheim— lichen Seitenblick in den Hausflur warf. „Nein,“ antwortete Simmons,„sie ist jetzt nicht da.“ „Sie sind ihr Mann, nicht wahr?“ fragte der Fremde. „Jawohl.“ Der Fremde nahm die Pfeife aus dem Mund. Ein leises Grinsen verzerrte sein Gesicht. „Wahrhaftig,“ sagte er nach einer Weile,„so muß der Mann aussehen, den sie braucht.“ Dabei grinste er wieder. Als er sah, daß sich Simmons anschickte, die Tür zu schließen, setzte er einen Fuß auf die Schwelle und legte eine Hand an den Türstock.„Nicht so eilig, mein Lieber,“ bemerkte er.„Ich bin nämlich gekommen, um mit Ihnen ein bißchen zu plaudern.“ Dabei runzelte er die Stirn und sah furchtbar finster drein. Tommy Simmons fühlte sich höchst unbehaglich. Die Tür vermochte er jetzt nicht zu schließen. Halb geistesabwesend fragte er: „Was wollen Sie eigentlich?“ „Ich kenne Sie nicht.“ „Ich werde mir erlauben, mich Ihnen vorzustellen.“ Mit einer kleinen spöttischen Verbeugung griff er an den Mützen⸗ schirm.„Ich bin Bob Ford,“ sagte er.„Komme sozusagen aus dem Jenseits. Seit ich mit dem Schiffe untergegangen Und fügte noch hinzu: bin, sind fünf Jahre vergangen. Ich will meine Frau sehen. Während dieser Aeußerung ließ Simmons den Kopf immer tiefer sinken. Dann fuhr er sich mit den Fingern durchs Haar, sah abwechselnd zur Strohmatte nieder, hinauf zum Türoberlichte, hinaus zur Straße und schließlich auf. den unheimlichen Besuch. Doch brachte er kein Wort über di Lippen. ö „Ich will meine Frau sehen,“ wiederholte der Mann, „Nun können wir darüber reden. Als Mann zu Mann.“ Simmons kniff die Lippen zusammen. Ganz mechanisc stieg er die Treppe hinauf... Die Finger hatte er noch immer in den Haaren stecken. Die Sinne drohten ihm zu schwinden und der kleine Teufel in ihm erwachte wieder, Wenn nun dieser Mann wirklich Bob Ford war? Wenn, wirklich sein Weib verlangt? Wäre das nicht nieder, schmetternd? Er dachte an die Hose, das Teegeschirr, di Wäscherolle, die Messer, die Kessel und die Fenster. E cen dachte er wie ein Drückeberger an alle diese Dinge. 5 Jetzt packte ihn Ford beim Arm und fragte heiset flüsternd:„Wann kommt sie zurück?“ 1 „Ich denke, in einer Stunde etwa,“ erwiderte Simmons, Dann öffnete er die Zimmertür. 1 „Ah,“ rief Ford aus, indem er um sich blickte,„Sie haben es ja sehr hübsch eingerichtet da. Die Sessel und die Sachen da“— er zeigte mit der Pfeife herum—„gehörten ihr, das heißt mir, grad herausgesagt als Mann zu Mann.“ Er setzte sich nieder und paffte aus seiner Pfeife.„Well, da bin ich wieder, ich, der olle Bob Ford, der Untergegangene und Er, trunkene. Nur daß ich nicht ertrunken bin; und warum nichts Dabei betupfte er Simmons Weste mit dem Pfeifenstiel, „Weil ich gerettet wurde und als Matrose nach San Fra cisco ging. Seither habe ich mich da und dort herum schlagen und nun“— mit einem scharfen Blick auf Simmo —„will ich meine Frau sehen.“ 1 „Sie... sie kann das Rauchen hier nicht leiden,“ mein Simmons aufs Gergtewohl, um nur irgend etwas zu (Schluß folgt.) den I u Holz 0000 g engen d ustow f aufder rikagist nit einer d einer T je 100 N. zelastung zeug sul t, daß in üindetn b. Tapezimn eschloses e einberne nungen lassen solche Höchstpreise zu für Kaffee, 10 5 0 dessen und Rachbargebiete. Gießen und Umgebung. Höchstpreise für Fische. Die norwegische Regierung bat bestimmt, daß die Aus fuhr von gesalzenen Heringen verboten wird, daß sie 16990 dann gestattet werden kann, wenn der Ausfülhpende ben Zollamt eine Abgabe entrichtet, die vier Kronen für 910 Tonne bei einem Gewicht bis zu 100 Tonnen netto beträ 5 Die dadurch einkommenden Beträge sollen dafür We werden, daß die Bevölkerung Heringe zu einem 11 baren Preise erhält, zu welchem Zweck verschiedene Verkaufs. stellen. werden sollen. 5 catürlich können wir gegen diese Verordn 5 einwenden, zumal sie ja in der Tat bestimmt zu 119 fe für die Ernährung der norwegischen Bevölkerung zu 1659 8 nicht aber etwa sich gegen uns richtet. Indessen ist nach den Preistreibereien, die wir gerade bei den massenhaft ge⸗ fangenen Heringen schaudernd erleben mußten, zu befürchten, daß die deutschen Heringsspekulanten sich auch diese norwegi⸗ sche Maßnahme zunutze machen könnten, um die Teuerung noch zu verschärfen. Die Reichsregierung hat heute offiziös angekündigt, daß Höchstpreise für Fische erlassen werden sollen, da schon die ersten fleischfreien Tage eine völlig unbegründete, ja wucherische Preistreiberei auf dem Fisch⸗ markt zur Folge gehabt haben. Es ist nur zu wünschen, daß diesem Versprechen die Erfüllung auf dem Fuße folgt 115 wir möchten bei dieser Gelegenheit an die Regierung appellieren, gerade die Verhältnisse in der Heringsversorgung besonders zu prüfen, denn es ist noch nicht solange her, daß von der Ostsee berichtet wurde, dort würden die in gewaltigen Massen gefangenen Fische verschleudert, ja sogar zu anderen als Ernährungszwecken verwendet. Dem steht im Innern des Landes ein Preis gegenüber, der das Doppelte, ja das Dreifache des Friedenspreises beträgt. Neue Lebensmittelverordnungen. Es bleibt erfreulich, wie energisch der Bundesrat jetzt mit neuen Verordnungen zur Lebensmittelversorgung vorgeht. Aber es bleibt dabei die alte Erfahrung, daß diese erfreulichen Verordnungen für viele Zwecke so spät kommen, daß ihre Wirkung sich garnicht mehr oder nur noch sehr geringfügig zeigen kann. Die Preise für die wichtigsten Lebensmittel sind allmählich so in die Höhe gegangen, daß die jetzt festzusetzenden Höchstpreise gar keinen Maßstab mehr ab⸗ geben für eine gerechte und billige Beurteilung der Herstellungs⸗ kosten, der Vertriebsspesen usw. Wenn die Höchstpreise früher ge⸗ kommen wären, hätten die Verbraucher die Lebensmittel zu weit niedrigeren Höchstpreisen erhalten können. Ein Musterbeispiel hier⸗ für ist die Große⸗Berliner Festsetzung eines Milchhöchstpreises von 30 Pfg. Dieser Milchhöchstpreis entspricht durchaus den jetzt in Berlin üblichen Preisen. Er bedeutet für die Konsumenten keinerlei Verbilligung, er bedeutet höchstens einen Schutz dagegen, daß die Milchpreise noch weiter in die Höhe gehen können. Ebenso wird es mit all den anderen Lebensmitteln gehen, für die die neuen Bundes⸗ ratsverordnungen Höchstpreise durch die Landeszentralbehörden bezw. durch die Kommunalverbände vorsehen. Die neuen Verord⸗ Tee, Kakao, für Buchweizen und Hirse, für Gemüse, Zwiebeln, Obst, Sauerkraut, für alle Marmeladen, für Honig, Obstmus und andere Fettersatz⸗ stoffe zum Brotaufstrich. Eine weitere besondere Verordnung läßt Großhandels⸗Höchstpreise für Kartoffeln zu, nach denen vielfach seit langem schon gerufen wurde. Bei all diesen gewiß lehr erfreulichen Verordnungen wird sich die eingangs konstatierte Tatsache bemerk⸗ bar machen, daß durch das verspätete Kommen der Verordnungen die neuen Höchstpreise keine wesentliche Erleichterung. bedeuten, wenn sie auch, wie gesagt, das eine Gute haben, daß sie eine weitere Steigerung unterbinden helfen. 8 Eine sehr wichtige aber auch unendlich spät kommende Verord⸗ nung betrifft die Einwirkung von Höchstpreisen auf laufende Ver⸗ träge. Es ist kein Geheimnis, sondern auch offen in der Presse be⸗ tont worden, daß seit Monaten die neue Ernte auf allen Gebieten von spekulativen Händlern durch Verträge sozusagen beschlagnahmt worden ist und daß dadurch eine starke Zurückhaltung von Lebens⸗ mitteln und dadurch wiederum eine besondere Kuappheit auf dem war. Es entstand nun die große Spekulanten und Wucherer, die auf Kosten ihrer Mitmenschen 0 so Obstmus und sonstige Fett Zwiebeln und Sauerkraut. Es —— Ministerwechsel in Hessen. Im amtlichen Teil des hessischen Regierungsblattes ist u lesen: 5 a i 5 Königliche Hoheit der Großherzog 1 Aller⸗ gnädigst geruht, am 15. November den 1 a Dr. Dr.⸗Ing. Ernst Braun auf sein Nachsus hen, 115 b barer Anerkennung seiner langjöhrigen, eue 1915 5 zeichneten Dienste, mit Wirkung vom 1 Bieten den Ruhestand zu 1 8 eh 151 Wp Großkre s Ordens Ster t 8 e e vom gleichen Lace na e der Geschäfte des Präsidenten der Oberrecheeeeee beauftragen. f e Bae Sei önigliche Hoheit der Großherzog haben Alle ee eden d Ministerium der Finanzen und Vorsitzen 1 1115 für Steuerwesen, Staatsrat Dr. Weben 573 Wirkung vom 1. Januar 1916 an zum Präsi 8 ö N n zu ernennen 15 de n versetzte Minister Braun und sein zren beide jenem Kurs an, der Nachfolger Dr. Becker gehören dendand Blrgernefstern die sozialdemokratischen Beigeordnete gurs beibehalten werden Bestätigung versagte.. 5 wartet werden. wird, muß abgewar — Eine blutrünstige Durchhaltepolitik vertritt Potth off. Der Mann schreibt im 10. Heft der in Bonn erscheinenden Deutschen Kriegsschriften unter anderem, daß die Antwort Deutschlands auf den englisckan Aushungerungs⸗ plan— der Unterseebootskrieg— zweifellos brutal, aber notwendig und darum berechtigt sei. Dann aber weiter: Wund nicht das schärfste oder letzte Gegenmittel. Zweifelt jemand, daß die deutsche Heeresleitung auch zum äußersten Abwehrmittel greifen wird, ehe sie sich durch Aushungerung zwingen läßt, die siegreichen Heere aus Frankreich und Rußland zurückzurufen und einen Frieden zu schließen, der alle Früchte des schweren Ringens preis- gibt? Nimmermehr! Dieses äußerste aber heißt: Ver⸗ treibung der Millionen feindlicher Einwohner aus dem besetzten Gebiete, Tötung der Humderttausenden Ge— fangenen, die an unsern Vorräten mitzehren. Das wäre furchtbar, aber unvermeidlich, wenn wir nicht anders durch— halten könnten.“ Das schreibt ein Deutscher, der sich für einen Kultur⸗ menschen hält! Ob er überhaupt seiner Sinne mächtig ist, ob es nicht angezeigt wäre, ihn in ein Irrenhaus zu stecken? Wie denkt sich denn übrigens dieser Herr das Los der in Rußland, Frankreich, England befindlichen deutschen Kriegsgefangenen, wenn sein Vorschlag bei uns zur Aus⸗ führung gelangte? Zehntausende unserer Brüder befinden sich doch in feindlichen Händen. Was sagen zu der Potthoff⸗ schen Idee die Hunderttausende von Deutschen, die ihre Söhne, ihre Brüder, ihre Verlobten, ihre Freunde in feind⸗ lichen Gefangenenlagern wissen? Haben Dr. Potthoff und sein Verleger an diese Seite der Sache überhaupt nicht ge · dacht, als sie die blutrünstige Ungeheuerlichkeit der Welt unterbreiteten? Gerade wegen der Persönlichkeit des Ver⸗ fassers, so schreibt Herr v. Gerlach, ist eine möglichst ein⸗ mütige Zurückweisung seiner Vorschläge geboten.„Nicht wegen der praktischen Gefährlichkeit des Vorschlages, sondern wegen der ihm zugrunde liegenden Gesinnung halte ich den lauten und geschlossenen Protest der deutschen öffentlichen Meinung für angezeigt. Wir bedauern es, daß es einen Deutschen gibt, der solche grauenhaften Gedanken hegt. Aber alle Welt soll wissen, daß nur ein Deutscher sie hegt. „Barbaren“ nennen uns gehässige Feinde. Barbaren wären wir wirklich, wenn es auch nur einen Bruchteil von Deutschen gäbe, der sich nicht mit Entrüstung und Ekel gegen den Ge⸗ danken eines„eventuellen“ Gefangenenmordes auflehnte. Uebrigens— das Wort„Barbar“ scheint mir viel zu milde für die Potthoffsche Monstrosität.“ — Konsumverein Gießen. Der bisherige Geschäfts⸗ führer M. Keßler hat seinen Posten aufgegeben und hat eine Stelle in einer Buchdruckerei im Ruhrgebiet angenom⸗ men. Seit Gründung des Konsumvereins hat er für diesen eine lebhafte Tätigkeit entwickelt und ohne Zweifel einen erheblichen Anteil an dessen günstiger Entwicklung. In den ersten Jahren seines Bestehens leitete er die Geschäfte des Vereins im Nebenamt, bis dieser soweit erstarkte, daß er als Geschäftsführer fest angestellt werden konnte. Als solcher hatte er sich gut eingearbeitet, gewissenhaft leitete er die Geschäfte der Genossenschaft, die mit jedem Jahre weitere Fortschritte machte, sodaß die Erbauung des großen Anwesens in der Schanzenstraße, Errichtung eigner Bäckerei usw., möglich wurde. Keßler hat seinen Posten aus eigener Ent⸗ schließung aufgegeben, niemand gab ihm dazu Veranlassung. Daß es in der Verwaltung einer Genossenschaft, die aus zehn Personen besteht, hier und da zu Meinungsverschiedenheiten kommt, ist ganz erklärlich, es wäre vielleicht nicht einmal gut, wenn alle zu allem Ja und Amen sagen würden, was der Geschäftsführer will. Selbstverständlich wollten alle Ver waltungsmitglieder das Beste für die Genossenschaft; leider faßte aber Keßler manche Beschlüsse als gegen ihn persönlich gerichtet auf, was durchaus nicht der Fall war. Wiederholt reichte er seine Kündigung ein, der schließlich vom Aufsichts⸗ rat stattgegeben wurde. — Der Winter kündigt sein Erscheinen jetzt schon etwas fühlbarer an. Gestern früh waren die Fluren das erste Mal in diesem Herbste weiß und die vergangene Nacht brachte ziemlichen Frost. Wohl die meisten Menschen werden wünschen, daß die nächsten drei Monate vorüber sein möchten. Noch besser aber wäre es, daß endlich Friede einkehren würde. — Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Ludwig Schuster aus Wetzlar, Res.-Inf.⸗Reg. 80.— Karl Zipp, Kaufmann aus Biskirchen, Inf.⸗Reg. 81. — Selbstmord. Am Sonntag früh verletzte sich ein in Stephanstraße wohnender junger Militär⸗Unterarzt durch drei Schüsse in die Brust derart schwer, daß er gegen mittag in der Klinik verstarb. Wie wir hören, soll der erst 23jährige Mann der wegen geistiger Erkrankung aus dem Felde zurückgekommen und nach seiner Gesundung wieder der Truppe zugeteilt worden sein. Seit kurzem hatte er sich in der Stephanstraße eingemietet. Am Sonntag war er wie gewöhnlich aufgestanden, während sein Früh⸗ stück zurecht gemacht wurde, fielen die Schüsse und als die er⸗ schreckten Hausbewohner herbeieilten, fanden sie den Verletzten be⸗ reits bewußtlos. Er soll der Sohn eines Oberlehrers in Wies⸗ baden sein. — Allerlei Diebstähle. Der Gießener Polizei gelang es, einen schon vielfach vorbestraften Menschen zu ermitteln, der in letzter Zeit in hiesiger Stadt verschiedene Diebstähle ausgeführt hat. Mit Vorlieber hat er die Hasenbesitzer heimgesucht, auch Wäsche usw. hat er mitgehen heißen. Von zweien solcher Stallhasen, die von Farbe grau wie Feldhasen sind, sucht man noch den Eigentümer, auch wird noch der Eigentümer von einem weißen Frauenhemd mit Achselschluß gesucht, das offenbar aus einem größeren Wäschedieb⸗ stahl herrührt und aus einem Garten der Häuser in Klein-Linden an dem Viadukt nach Gießen zu stammen soll. Sachdienliche Mit⸗ teilungen nimmt die Kriminalpolizei entgegen.— Ferner wurde aus den Hausgängen verschiedener Wirtschaften in den letzten Tagen Hemden, Strümpfe, Schürzen, Taschentücher, Handtücher, Kragen, Manschetten, Rehfleisch usw. gestohlen. ebenfalls die Polizei entgegen. — Die Verpflegungsgelder für die im Oktober 1915 in Bürger- wohnungen untergebrachten Mannschaften des Landsturm⸗In⸗ fanterie⸗Ersatz⸗Bataillons II(5 und 6. Kompagnie) werden Mitt⸗ woch, den 17. November, vormittags von 8—12 und nachmittags von 2—5 Uhr, im Stadthaus, Zimmer Nr. 4, ausbezahlt. s. Zweites Konzert des Gießener Konzertvereins. Wenn wir Sachdienliche Mitteilungen nimmt in dem vor kunzem abgehaltenen ersten Konzert einen großen aus⸗ übenden r— den Vermittler zwischen dam Komponisten Herrenstiefel, Kinderstiefel, Schinken, Butter, 5 ne der; und Zuhörer— bewundert haben, so wurbe uns in dem vorgestrigen frühere fortschrittliche Abgeordnete für Waldeck, Dr. Heinz Konzert die Gelegenheit geboten, durch einen, schaffenden Musiker in die Geheimnisse seiner eigenen Kum st e ingeführt zu werden.— Max Reger, der bedeutendste jetztzeitige Vertreter der reinen absoluten Musik, d. h. derjenigen, Richtung und Form der Musik, die wir aus den Werken Bachs, Veethovens und Brahms kennen, im Gegensatz zur Programmmusik, die durch Richard Wagner und zur Zeit durch Richard Strauß vertreten wird, machte uns gestern be⸗ kannt mit zwei seiner neuesten Werke, der Sonate sür Violine und Klavier Op. 130 und einem Klavierquartett(Violine, Bratsche, Violoncello und Klavier) Op. 133. Die Sonate, ein gewaltiges Werk(von stfindiger Aufführungsdauer) schildert in ihrem ersten Satz die Stimmung eimer stürmischen Leidenschaft, unterbrochen durch kurze Sätze des in sich Hineinschauens. Wie eine Ruhe nach dem Sturm mutet uns der zweite langsame Satz an.— Durch einen wundervollen tanzartigen— wohl einen Tanz der leichten Elfen schildernd— dritten Satz gelangen wir zu den Satz Andäntino con variazioni. Die Leidenschaften haben sich gelegt, die Spannung ist zu Ende, die Seele kann träumen, kann beten... nur hie und da unterbrochen durch Erinnerungen aus der Vergangenheit. Wie eine Aussöhnung mit allem klingt dieser Schlußsatz des Werkes.— Fast in denselben Stimmungen ist auch das Klavierquartett gehalten. Durch das Ueberwiegen des melodischen und gesanglichen Elements ist dies Werk für den unvorbereiteten Zuhörer verständlicher und zugänglicher als die Sonate. Es sei gleich dabei bemerkt, daß, wenn uns an Regerscher Mufik noch manches unverständ ch erscheint, so ist die Erklärung darin zu suchen, daß Reger, wie jeder große Schaffende, seiner Mitwelt immer voraus ist und, somit erst später vollkommen verstanden werden kann. Regers musikalische Sprache ist die Sprache der Musik der Zukunft.— Bei beiden Werken spielte der Komponist selbst den Klavierpart. Und somit, außer den hohen Genuß an Regers eigenartigem Klavierspiel, hatten wir auch die Bürgschaft, die Werke so aufgeführt gehört zu haben, wie sie von dem Schöpfer derselben gedacht waren. Die anderen Instrumente waren durch die Mitglieder des Gewandhaus⸗Quartetts aus, Leipzig besetzt, die in ihrer allbekannten künstlerischen Art, zwischen den beiden Regerwerken das wundervolle vortrugen.— Das Publikum, das die neue Aula bis in die letzten Winkel füllte, begrüßte und dankte Reger und der Quartettver⸗ einigung mit stürmischem Beifall sür den hohen Genuß. Die sichtliche Befriedigung der Zuhörer darf auch als Lob und Dank für den Konzertverein angesehen werden. 4 Die Wirkung der Höchstpreise auf dem Frankfurter Schweine⸗ markt. Während sonst auf dem Frankfurter Viehhof 1200 Schweine aufgetrieben waren, konnten gestern nur 278 gezählt werden. Diese wurden innerhalb von fünf Minuten verkauft und zwar an Frankfurter Schlächter. Die von auswärts gekommenen Metzger waren meist nicht in ber Lage, Schweine einzukaufen. Die Händler erklärten, unter dem Höchstpreis habe kein Landwirt Vieh an sie abgeben wollen. Die Händler hätten unter diesen Umständen ver⸗ dienstlos verkaufen müssen, was sie nicht wollten. Es mag dem sein, wie es wolle. Fest steht, daß das Vieh aus Preistreiberei zurückgehalten wurde. Da hilft nur durchgreifende Beschlagnahme. Regierung, werde hart! Kreis Wetzlar. n. Bußtag. Morgen ist wieder der sogenannte preußische „Bußtag“. In gewöhnlichen Zeiten wurde dieser Tag von vielen zu Ausflügen ins Hessische, besonders nach Gießen, benutzt, wo man Einkäufe besorgte und sich auch hier und da ein Vergnügen er⸗ laubte. Davon dürfte morgen kaum etwas zu bemerken sein. Zu Vergnügen sind die Zeiten nicht angetan, es gibt wenige Leute, die solche suchen, auch wenn sie erlaubt wären. Ugeiberict bes Hofen Hauptgunrtierk Die Russen am Westufer des Styr vertrieben In Serbien über 3000 Gefangene gemacht und 12 Geschütze erobert. W. B. Großes Hauptquartier, 15. Nov., vorm.(Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz 0 Nordöstlch von Ecurie wurde ein vorstehender französischer Graben von dreihundert Metern Breite nach heftigem Kampfe, genommen und mit unserer Stellung verbunden. Auf der übrigen Front keine Ereignisse von Bedeutung,; Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls U v. Hindenburg. In der Gegend von Smorgon brach ein russischer Teilan⸗ griff unter schweren Verlusten vor unsern Stellungen zu⸗ sammen. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. 7 Nichts Neues. e Heeresgruppe des Generals v. Linsingen. Im Auschluß an den Einbruch in die feindliche Linie bei Popgacik griffen deutsche und österreichisch-ungarische Truppen gestern die russischen Stellungen auf dem Westufer des Styr in ganzer Ausdehnung an. Die Russen sind geworfen, das westliche Ufer ist von ihnen gesäubert. Balkan. Die Verfolgung bleibt überall im Fluß. Gestern wurden im ganzen über achttausendfünfhundert Gefangene und zwölf Geschütze eingebracht, davon durch die bulgarischen Truppen etwa siebentausend Mann und sechs Geschütze. Oberste Heeresleitung. * Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Der Sieg am Styr. Die Beschießung von Görz. Wien, 15. Nev.(W. T. B. Nichtamtlich.) Amtlich wird ver⸗ lautbart: 15. November 1915. NRussischer Kriegsschauplatz. Die Kämpfe bei Czartorysk haben gestern den vollen Erfolg herbeigeführt. Der geschlagene Feind wurde aus dem Styrbogen über den Fluß zurückgeworfen. Bei seinem eiligen Rück⸗ zuge hat der Gegner alle verlorenen Ortschaften an⸗ gezündet. g Hierdurch haben die vierwöchigen zähen und ruhmvollen Kämpfe um Czartorysk ebenso zum Rückguge der Russen in ihre ursprüng⸗ lichen Stellungen geführt, wie die seinerzeit von den russischen Trup⸗ pen hoffnungsvoll angekündigten Durchbruchsbersuche bei Siemikowee an der Strypa.. Die schon gestern angegebene Beute erhöhte sich. Sonst sind keine nennenswerten Ereignisse zu verzeichnen. Ftalienischer Kriegsschauplatz. Die feindliche Angriffs tätigkeit an der JIsonzofront hat gestern, vielleicht infolge des strömenden Regens, sichtlich nach ⸗ gelassen. Im Abschnitte der Hochfläche von Doberdo wurde jedochheftig weiter gekämpft. g Am Nordhange des Monte San Michele gelang es den Italienern, wieder in eine durch schweres Artilleriefeuer geschlagene Beethovensche Quartett Op. 74 Oncke unserer Stellung einzudringen. 4 a 23 5 f 1. g 5 922 5 L s 1 ür 177 dieser Einbruchstelle zum Angriff vorgingen, Vereinskalender. Künstlicher Dünger. 1 1 i ia abgewiesen. Hierauf setzte unser Gegen⸗ Donnerstag 18. November— angriff ein, der das verlorene Frontstück v gewann und dem Feinde außerordentlich Auch ein starker italienischer Angriff gegen rach wie alle früheren zusammen. Durch die Veschießung von Görz wurden bisher 58 Zivilpersonen getötet, 50 verwundet, etwa 300 Häuser und fa st alle Kirchen und Klöster Eines unserer Fliegergeschwader belegte neuerdings Verona mit zahlreichen Bomben. Südöstlicher Kriegssch Alle Armeen verf olgen. Nur stellenweise hält noch der Feind. Unsere Visegrader Gruppe hat die Montenegriner über den Din zurückgeworfen und Sokolovic, sowie die östlichen An⸗ höhen erreicht. Bei der Armee von Koeveß wurden wieder 850 Gefangene ein⸗ gebracht und zwei Maschinengewehre erbeutet. Im Toplica⸗Tale ist Prokuplje erreicht. 255 Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von ober, Feldmarschalleutnant. Die Bulgaren in Prokuplje. Aus Wien wird der Frankf. Ztg dem 13. d. M. stehen bulgarische Truppen in Prokuplje(im Toplitzatal, etwa 26 Kilometer westlich Sie erbeuteten dortselbst außer 6 Haubitzen eine Anzahl von Geschützen, zahlreiche Artillerie-Munition und machten 7000 Gefangene. Unter äußerst erbitterten sie nach dem Fall der Festung Nisch den südliche Morawa, wo die zurückgehenden Serben alle Ueber— gänge zerstört hatten. Die Morawa, die infolge Hochwassers bis 200 Meter breit ist und eine Tiefe von 2 Meter hat, mußte angesichts stark befestigter und m versehener Stellungen, aus welchen die Serben in Anwesen— heit ihres Königs oft zu heftigen Gege überschritten werden. In mehrtägigen heftigen Kämpfen gelang es endlich den tapfern Bulgaren, den allerorts energischen und verzweifelten Widerstand zu überwinden und a— e Bahnhofstraße 23 sich am Westufer des Flusses festzusetzen. Hierbei erbeuteten Georq&. St 1Aklien SSellSchaifl. 5 sie in dem Orte Grejatz, der am Nordostfuß der Mali 5 e 8 5. Jastrebatz—Planina liegt, 150 Eisenbahnwagen. 8 Bei Abweisung des von den Franzosen am rechten 5 5 Wardar⸗ufer in der Nacht auf den 13. November versuchten Angriffes auf die bulgarischen Stellungen wurden dieselben auf das südöstliche Ufer des 20 Kilomete bei Gradsko in den Wardar mündende worfen. Bei dieser Gelegenheit nahmen zwei bespannte Maschinengewehre und zwei Gebirgs⸗ geschütze ab 17 75 1 Noch den bulgarischen Generalstabs das erste serbische Landwehrregiment und ermordete den Fee Obersten Milan Pribitschewitz, welcher einer der Ansti Rußland kann nur„moralis T. U. Stockholm, 15. Nov. Der serbische burg, der wochenlang ohne Nachricht von seiner Regierung ge— blieben ist, erhielt am Freitag von Pasitsch ein gab sich sofort nach dem auswärtigen Amte und konferierte dort längere Zeit mit dem Ressortchef Gulkewitsch. Wie verlautet, schlug der Gesandte eine energische, ja drohende Sprache an, ohne jedoch einen Erfolg zu erzielen. Gulkewitsch Rußland müsse sich auf die moralische Unterstützung beschränken. g 2 Gesandte richtete daraufhin einen Notschrei an die Presse, wo⸗ mit er das Schickfal Serbiens als besiegelt bezeichnet. Die Ant⸗ wort Gulkewitschs war das Ergebnis einer nisterium des Aeußern, die nach Eintreffen richten vom russischen Gesandten in Bukarest Diaort war beschlossen worden, die rumänische Neutralität weiterhin fu achten 125 Veerschlechterung der serbischen Lage. Liugano, 15. Nov. Telegramme aus Salonik vom 14. No⸗ vember stellen nach vorhergegangenem Optimismus ein wesentliche Verschlechterung der Lage der Serben und der Entente fest. Die Bulgaren nahmen Te rücken gegen Gostiwar und Kitschewo vor. tobt um das Babunadefilé zwischen das die Serben zwei Wochen lang mit schwachen Kräften er⸗ folgreich gehalten haben. Sie wandten Monastirs ab. Die Bulgaren haben nunmehr Verstärkungen aus Pirot und Nisch herangezogen und beherrschen mit starker Artillerie die Straße Kriwolak— P serbische Heer von den Engländern und Die Bulgaren eröffneten am 18. November ihr Geschützfeuer auf die französischen Stellungen am linken Ufer des Zrnaflusses und stürmten dann. Abends 8 Uhr wogte noch der Kampf. Seitdem sind in Salonik keine Nach— richten mehr eingelaufen. Nehmen die Bulgaren die Babuna— schlucht, dann beherrschen sie Prilep un Korrespondent des Corriere stellt fest, daß lung an der Babunaschlucht gefährdet ist, da die Serben mit ihren schwachen erschöpften Kräften den Bulgaren, die be— ständig Verstärkungen erhalten, nicht mehr können. Der Korrespondent des Secolo erwägt die Möglich keit, daß nach der Aufgabe der Babunastellung die Serben auf dem Schlachtfeld von 1912 in der versumpften Ebene von Monastir eine Schlacht liefern. Auch die Schlacht von K atscha die Serben ungünstig. Die Bulgaren haben bereits Dreiviertel der Schlucht genommen. Nur der Schluchtaus— gang wird noch von der Armee Boiovich gehalten. Verantwortlicher Redakteur: F. Vette 1 Verlag von Krumm& Eie., Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt. G. m. b. H., Offenbach a. Verstorbene. Wilhelm Noll, Schneider in Gießen, 48 Jahre alt.— Else Judt in Gießen, 16 Jahre alt.— Wilhelm Schmidt, Metzgermeister in Großen-Buseck.— Salomon Sternberg in Katzenfurt, 74 Jahre alt. bei der Ermordung des Thronfolgers Erzherzog Franz Fer inand und seiner Gemahlin gewesen ist. 1 Starke feindliche Kräfte, ollständig zurück⸗ große Verluste zufügte. zureichen. schwer beschädigt. K . Die Lieferung von 215 Zentner Kaintt und 215 Zentner Gießen. Gewerkschaftskartell. Abends 8 Uhr:] 46prozentiges Thomasmehl ist zur fert en, 0 0 i sei Bust[ Süsung im Gewerkschaftshause. Alle Delegierten wollen ergeben. Der Kainit kann lose geliefert werden für tellt wen en Monte dei sei Bust scheinen 5 mehl können die erforderlichen Säcke zur Verffigung gestellt wer 8 Angebote sind bis zum 25. l. Mts. bei dem Oberbürgermeiste Gießen, den 11. November 1915. 5 Der Oberbürgermeister. eller. auplatz. telegraphiert: Seit Agence rsa Die Beiträge zur Kranken- und Invaliden⸗ versicherung für Monat Sept. 1915 können noch bis zum 25. Nov. 1915 ohne Kosten bezahlt werden. Gießen, den 15. Nov. 1915. 1 Der Vorstand J. A.: Alb. Lentz. chale fl d. von Nisch. D. Red.). Wirte! Wir Für Kämpfen erzwangen Uebergang über die it schwerer Artillerie nangriffen ansetzten, empfehlen r 7 ˖ 2 — Spielkarten 2 N 1 in allen Preislagen aus der Spielkartenfabrik Frommann& Biünte, Darmstadt. Oberhessische Jollgzritung, Gießen Telephon 2003. Für Wirte! r südlich von Weles n Karasu zurückge⸗ ihnen die Bulgaren berichten meuterte] ch“ helfen Gesandte in Peters⸗ N 5 N e Mitteilung. Er be— 12 2 . 5 8 0 1 0 erklärte bestimmt, — — Konferenz im Mi⸗ ausführlicher Nach— abgehalten wurde. — —— towo wieder und Der Hauptkampk] e Es ist nicht das erste Mal, dass wir unsern Lesern ein solches Weihnachtsgeschenk Weles und Prilep, 5 bieten können. Dieses Mal sind es 1 Frieürieh Hebkels Werke herausgegeben von Dr. Ezbhert Schmitz in meuer illustrierter Ausgabe in LW]ei eleganten Prachtbänden für den durch Massenauflagen ermöglichten 9 Ausserst billigen Preis vom nur 3 Mk. a Judith- Agnes Bernauer Nibelungen 22. und andere zeigen die gewaltige Grösse des genialen Dramatikers. 12 e aht vie„Das Kind“„Das Gebet“ und viele mehr 1 92 Gealente sind von einer Tiefe und Zartheit die kaum N ihresgle chen haben. N ie ih 2 5151 zeichnen sich Die zänsungan u. Sarüche gen Kunstiorm und Gedallkentiefe aus. N. nah 0 bieten einen tiefen Einblick— 5 Die Tageh cher in die Seele des Dichters. Seine jammervolle Jugend seine zähe Ausdauer, sein ernstes Streben nach dem Höchsten lernen wir kennen. joe Con ae ghz 1 g ü 5* I des Lüsadhg, dd des Je nkhe, dl dss2s Urosg alla mpg Aashabe. Emem jeden, ob jan oder alt, bietet sich dureh diese neue iilastrierte Aus- 1 Kube die Möglichkeit, diese wertvollen, dabei unterhaltende N 1 nden und belehrenden Werke, sei es als Geschenk. sei es für das eigene Heim, anzuschaffen. dadurch den Fall rilep, die das Franzosen trennt. 1 Uhr nachmittags d Monastir. Der die serbische Stel— lange widerstehen nik verläuft für rs, Gießen. Sola e der Vorrat relcht, ist das Werk zum obigen Preise in unserer Haupt-Expedition erhältlich Bekanntmachung. Die Verpflegungsgelder für die im Oktober 1915 in Bürger⸗ wohnungen untergebrachten Mannschaften des Landsturm-Jn⸗ fanterie⸗Ersatz⸗Bataillons II(5. und 6. Kompagnie) werden Mitt— woch, den 17. November, vormittags von 8—12 Uhr und nach⸗ mittags von 2—5 Uhr im Stadthaus, Zimmer Gießen, den 15. November 1915. Der Oberbürgermeister. Keller. Oberhesstsche Volkszeitung, Giessen Bahnhofstrasse 23. Telephon 2008. zuzüglich 60 Pig. Porto. Exemplare. Unsere Zeitungsträger nehmen Bestellungen entgegen! Versand nach auswärts gegen Voreinsendung, des Betrages (Jachn. 25 Pfg. extra.)— Auf ein Paket gehen 2 Nr. 4, ausbezahlt. 1 Rathaus, Marktplatz 14. Ag. Hellseher Trausheren Ortsgruppe Bießen. Aus kuuftstelle für Frauenberufe. trauen und Mädchen erhalten unentgeltlich Rat und Aus⸗ kunft für alle Berufe im alten Diens⸗ tags nachm. von 6¼—7/ Uhr. Rechtsschutzstelle. Frauen und Mädchen erhalten unentgeltlich Rat und Auskunft in Rechtsangelegenheiten inn alten Rathaus Marktplatz 14 1 ic, Mittwoch nachmittags von 6½ ö Sie Atti weilen a get no alen Ahlen Tah, ir Aer! a tie glieder line fade Daß Vir bis 8 Uhr. 0 5 — zun billigsten Tagespreise empfiehlt W. Hankel Tel. 612. Neue Bäue 7. Jer ges nus en. A rzi haber Age ße Aas ehernif 3 MNeumatis- mus, Ischias u Gicht können Sie selbst bekämpfen. Ieh Wil, nichts verkanfen. Für Aus- kuntt Freimarke beifügen Brandt, Krregschusbeamter a. D. ali ktnat allen surtlen n Jer rng 0 „U Zinn, Blei, bei NMeuenweg 22. Halle a. S. 438, Jakobstr. 44. 1 Kauf. 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