—.—... 1 00 Oberbessische Volksseitung erscheint jeden Werktag Abend in ießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg. monatlich b Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl. 1 80 Mk. 0 1 Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. . Redaktion und Expedition Gießen, Bahnhofstraße 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. 5 Inserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 263 Gießen, Montag, den 15. November 1915 10. Jahrgang 27 Des Reichskanzlers Antwort an die die sssche Völkerwanderung unh Sibirien. Ungeheure Schaxen von Flüchtlingen aus Polen und Kur⸗ nd werden in Rußland nach dem Osten des Riesenreiches ge⸗ eben, um vielleicht niemals wieder nach ihrer alten Heimstätte rückzukehren. Rund 6000 Dörfer sollen die Russen auf ihrem lückzuge zerstört haben; der Boden ist im russischen Kampfgebiet weite Strecken durchwühlt; Wälder sind niedergebrannt, die ahnen und Straßen müssen neu gebaut werden, sodaß viele der ertriebenen es nun vorziehen werden, sich anderswo in Rußland zusiedeln. Das russische Reich ist ja ungefähr zehnmal so groß de Deutschland, hat aber nur etwa 160 Millionen Einwohner, so⸗ b noch gut 400 Millionen Menschen Platz in ihm finden könnten, ime daß die Bevölkerungsdichtigkeit größer werden müßte als die gige von Deutschland. Seit etwa 10 Jahren findet auch bereits nie förmliche Völkerwanderung statt aus dem europäischen Ruß⸗ rid nach Sibirien, woher Rußland seinen Reichtum zieht und wo⸗ es seine landlosen Armen verpflanzt. In den Jahren 1908 und 0g sind rund 1% Millionen Menschen aus dem europäischen Ruß⸗ id nach Sibirien gewandert, und wenn von da an die Zahl der „wanderer auch zurückgegangen ist, so betrug sie doch immer noch Hrlich rund 300 000. Sibirien ist die Erklärung für das große Geheimnis, warum Rußland nach den härtesten Schlägen stets wieder so rasch er⸗ lt. Aus den Goldgruben Sibiriens, in denen seit Beginn des Feges mit vervielfachter Arbeiterzahl und ausländischen Tech⸗ kern gearbeitet wird, bezieht die russische Regierung das Gold, dem sie die Reichsbank füllen und dafür Papiergeld ausgeben n und mit dem sie im Ausland die gelieferte Munition und die n bezahlt. Die zehn Millionen Einwohner Sibiriens wohnen iner Fläche, die 25 mal so groß ist wie Deutschland und unge⸗ n fruchtbare Gebiete aufweist, die unbenutzt daliegen. Seit der üufsischen Revolution, seitdem die russische Regierung erkannt hat, s von der Ansammlung eines großen Proletariats zu erwarten hat eine mit großen Mitteln unternommene systematische Be⸗ sbelung Sibiriens begonnen und bereits große Fortschritte ge⸗ Acht. Rußland siedelt sein Landproletariat in Sibirien an! Der Jzug⸗ nach den Städten wird dadurch unterbunden, die Indu⸗ kalisierung des Landes aber auch verlangsamt. Rußland wird ach auf eine sehr lange Zeit hinaus ein Agrarland bleiben und halb die Verbindung mit großen Industrieländern suchen, wo⸗ tes seine landwirtschaftlichen Produkte liefern und woher es die g igen Industrieprodukte beziehen kann. Das demoktatische Eng⸗ d hat die Freundschaft des absolutistischen Rußland nicht nur ais militärischen Gründen gesucht! e a Die Kolonisation Sibiriens wird durch die in Petersburg ein⸗ 1 1 fe 4 bichtete Generalansiedlungskommission betrieben und durch große Aatliche Mittel unterstützt. Um die Bewirtschaftung der für die Alonisation bestimmten Ländereien zu erleichtern, sorgt die Ineralansiedlungskommission zunächst für die Anlage von Zu⸗ bengsstraßen, sowie ferner je nach den besonderen Bedülrfnissen des Agelnen Falles für die Ent⸗ oder Bewässerung des Bodens und Kießlich dort, wo die Kolonisten dies nicht selbst zu benen mögen, flir die Niederholzung der das Land bedeckenden Wälder. Kolonisten erhalten zum Zwecke der ersten Ansiadlung pan ee Aigünstigen Bedingungen. Eine der wirksamsten e ie % Generalansiedlungsdirektion ergriffen hat, besteht darin, daß zan allen wichtigeren Plätzen der Anstedlungsgebiete Regierung gerhäuser einrichtet, aus denen an die Ansiedler zu einem i 4 Preise landwirtschaftliche Maschinen und Geräte, 1 16 5 unger, Saatgut usw. abgegeben werden. Allein im 195 1 5 1 8 kurden 15 wissenschaftliche Expeditionen nach noch 5 Größe genden Sibiriens ausgesandt und Gebiete vos, 7 bl 1755 Aliens erforscht. zm Jahre 1913 belief ssch die Cesdendaneslen künftige Kolonisten reservierten, persönlichen Be 9 9 lanif 1 258 882. Die russische Regierung hat für die 1 10 85 Milli 117 zan Sibiriens von 1906 bis 1911 einen Betrag 115 115 Million übel ausgegeben, ungefähr 250 Millionen Mark. Die vom ee Landwirsscheiseagte n der deutschen Reichsregierung un zee 105 g e Rundschau kommt nach einer längeren cen 5 7 1761 in Sibirien zu dem Er⸗ ee 5e ue Astedler durch ihre Uebersiedlung Sibirien erhebliche Vorteile 1 1 85 0 einer durchschnittlichen stehenden anbaufähigen e eine nicht geringe Ver⸗ nden Vermögens. Die edler 78 Rubel. Aber des besiedelten Landes dern sie erlaubten auch ntwicklung ihrer Hilfs⸗ 8 Kleinbauer in der Heimat sich schnell auf eine Stufe, die als der Durchschnitt der des Reiches. Die zu⸗ denfalls noch befriedigen⸗ man sich mit der zu⸗ 191— und 11 mit 11 5 rrieden geschlossen werden Kelles der e 725 Friege sicher und in ver⸗ 0 Folge haben, daß das lange Zeit hinaus ein 4 größer werdenden Absatzg biet herausgegebene, Internationale Die Entente am Balkan. Aus Salonik wird der Frankf. Ztg. zuverlässig gemeldet, daß sich der Abtransport englischer Truppen an die serbische Grenze, der bisher belanglos war, nunmehr in grö ßerem Umfange vollziehe. Glaubwürdig wird ver⸗ sichert, daß sich England zu einer erhöhten Anstrengung erst auf Grund eines fast an ein Ultimatum grenzen⸗ den französischen Schrittes entschlossen habe. Gewgeli und Doiran sind von den Entente-Truppen als Operationsbasis ausgebaut worden. Bisher sind in Salonik 70000 Franzosen und 26000 Engländer gelandet. Die Bulgaren in Prischtina? Wien, 12. Nov. Die Reichspost meldet aus Sofia: Die Lage des serbischen Heeres gestaltet sich auf der bulgarischen Front immer verzweifelter. Der Rückzug ist stellenweise flucht⸗ artig. Hier und dort versuchen Teile des absterbenden Heeres⸗ körpers verzweifelte Vorstöße, so in der Gegend von Monastir, wo die bulgarischen Kräfte einen serbischen Angriff blutig abge⸗ wiesen haben und siegreich über Prilep hinausdrangen. Nach einer sonst nicht beglaubigten weiteren Meldung soll die bulgarische Kavallerie bereits in Prischtina eingerückt sein. Die Ernüchterung in Italien. Die Nowa Reforma meldet aus Wien: Der Professor der Krakauer Universität, das Herrenhausmitglied Dr. Smolke, ist soeben aus Italien, das er vor ungefähr einer Woche verlassen hat, hier eingetroffen. Intereffant sind feine Mitteilungen über die Ernüchterung, die in den dortigen Kreisen der italienischen Bevölkerung eingetreten ist. All⸗ mählich tritt bereits eine große Unlust zu Tage. In Neapel, wo die Kriegsbegeisterung ohnehin wenig Anhänger hat, wird die Regierung mit bitteren Vorwürfen überhäuft. Eine ähn⸗ liche Stimmung herrscht in ganz Süditalien. Italienische Maßregeln gegen die U-Boote? T. U. Lugano, 12. Nov. Im italienischen Ministerrat machte der Marineminister Mitteilung über die gegen die österreichisch-ungari⸗ schen und deutschen Untersooboote ergriffenen Maßregeln. Einer Flottille deutscher Unterseeboote sei es gelungen, die Straße von Gibraltar zu passieren und das Mittelalter unsicher zu machen. Ihre Verpflegungsstation liege indessen nicht im Bereiche der ita⸗ lienischen Küste. Der Marineminister versprach mit äußerster Energie gegen fernere Unternehmungen dieser Art vorzugehen.— Das ist leichter gesagt, wie getan. 0 Stimmen in der Wüste. Zu den Friedensreden der beiden Aristokraten im englischen ale sagt die Nordd. Allg. Ztg., das Organ des Reichskanzlers, folgendes: „Ob aus den Anregungen zweier Redner des Oberhauses, nach einem Ausweg zur Beendigung des Krieges zu suchen, ver⸗ nünftige Friedens vorschläge, die wie bekannt, Deutschland jederzeit zu erwägen bereit wäre, hervorgehen werden, erscheint in höchstem Grade zweifelhaft. Wir vermissen jedes Echo auf diese Stimmen. Die englische Regierung hielt es nicht einmal für notwendig, den beiden Lords im Oberhause zu ant⸗ worten. Dagegen ergriffen am Tage danach drei Mitglieder des Kabinetts in der Guild Hall das Wort und da vernahmen wir die uünverändertalte Weise. Herr Asqufth verwies ausdrücklich auf seine Guild Hall-Rede im Vorjahre. Damals sagte er, England werde sein Schwert nicht eher einstecken, bevor nicht Belgien alles, was es geopfert und noch mehr zurückerhalten habe, bevor nicht Frankreich in gleicher Weise gegen drohende Angriffe gesichert sei, bevor nicht die Rechte der kleinen Völ⸗ ker Europas auf eine unantastbare Grundlage gestellt und endlich, bevor nicht die militärische Herrschaft Preußens völlig und endgültig vernichtet sei. Dieses Programm ist heute trotz der schweren russischen Niederlagen, trotz des wiederholten Scheiterns der großen französisch⸗englischen Offenstvstöße im Westen und trotz der politischen und militärischen Fortschritte der Zentralmächte und ihrer Verbündeten am Balkan noch dasselbe wie in Vor⸗ jahre. Asquith ist sogar zuversichtlich genug zu glauben, daß er dem Ziele schon ein gutes Ende näher wäre. Wenn wir uns ferner vergegenwärtigen, wie in dem Zeitraum zwischen beiden Guild⸗Hall⸗Reden des leitenden Ministers ohne Unterlaß in Rede und Schrift mit äußersten Mitteln die Aufhetzung unter forr⸗ gesetzter Vorspiegelung eines baldigen Hungertodes des Deutschen Reiches und der Vernichtungskrieg gegen uns gepredigt wurde, werden wir zwei abweichende Aeußerungen, die vereinzelt bleiben, nicht eben hoch bewerten dürfen. Wir müssen uns an Herrm Asquith, an seine Worte und Taten halten, daß er immer noch nicht auf die Phrase vom Kampfe für die kleinen Nationen ver⸗ zichtet. Es ist nach allem, was England in diesem Kriege den kleinen Nationen angetan hat, gewiß ein starkes Stück. Bulgarien, Griechenland, die skandinavischen Reiche und Holland kennen die herrische Sprache, die England gegen jeden führt, der sich seinem Willen, seinen völkerrechtswidrigen Methoden, die See⸗ herrschaft zu behaupten, nicht fügt. Herr Asquith hatte bereits die Wilsonsche Note in Händen, als er erneut über die Befreiung der Welt von der deutschen Gewaltherrschaft sprach. Solange die Leiter der englischen Politik glauben, Deutschland besiegen und vernichten zu knnen, solange die englische Nation trotz aller Ent⸗ täuschungen mit ihnen an diesem Wahn festhält, bleiben Reden, eialdemokratie. wie die der Lords Loreburn und Courtney leider Stimmen in der Wüüste. 5 5 England in Indien. Kitcheners Reise. Newyork, 12. Nov.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die Asso⸗ ciated Preß meldet in Ergänzung der gestrigen Nachricht aus Washington: Durch den dichten Schleier, den die englische Zensur über die Ereignisse in Indien und Aegypten warf, dringt die Mitteilung, daß der Nisam von Hayderabad, ein treuer Vasall Englands, vom Volke abgesetzt worden ist. Diese Entwicklung, die den Höhepunkt verschiedener Meldungen von Unruhen und Aufständen bildet, soll ein Hauptgrund für Kitcheners Abreise von England sein. Hier eingetroffene Nachrichten aus Kanälen, welche nicht der Zensur unterstehen, besagen, daß in eingeweihten Kreisen in London bekaunt sei, daß, obwohl Kitchener sich nach dem Balkan begeben möge, sein Endziel Indien sowie Aegypten sei. Rechtsverwüstung. Ein Artikel des ehemaligen Kolonialministers Dernburg im Berl. Tagebl. über Wilsons Note an England rückt uns die ganze Verwüstung des See- und Völkerrechts vor Augen, an die wir bei den sich jagenden Ereignissen auf den Schlacht⸗ feldern schon fast nicht mehr denken. Wir haben schon auf den be⸗ deutsamen Inhalt der amerikanischen Note hingewiesen, in der Herr Dernburg bereits den Beginn der großen Auseinandersetzung zwi⸗ schen Nordamerika und England über die Geltung der international „verbürgten“ Seerechte auch im Kriege sieht. Er legt übrigens auch dar, daß es Deutschlands Entgegenkommen gegen Amerika in der Frage der Torpedierung von Passagierdampfern war, das Amerikas Verteidigung des Seerechts gegen die englische Vergewaltigung mög⸗ lich gemacht und nach sich gezogen hat. Da die Freiheit der Meere zu den bereits öffentlich und vom Reichskanzler selbst aufgestellten deutschen Kriegszielen gehört das amerikanische Vorgehen aber ein ganz besonders aussichts reiches Beginnen zur Erreichung dieses Zieles ist, so dürften sich nun wohl auch diejenigen beruhigen, die zuerst in wahrer Berserkerwut gegen jedes deutsche Entgegenkom⸗ men im U-Bootskrieg getobt hatten. Es zeigt sich nun, daß jenes Entgegenkommen, das überdies im Interesse der Humanität lag, unseren Interessen sehr förderlich gewesen sein dürfte. Die Torpe⸗ dierung des italienischen Passagierdampfers„Ancona“ durch ein österreich-ungarisches U-Boot wird hierin keinen Rückschlag herbei⸗ fühven einmal, weil sie, vorausgesetzt, daß überhaupt dabei Passa⸗ giere umgekommen sind, was zum Glück noch nicht sicher ist, ja nicht auf Deutschlands Konto zu setzen ist, dann aber auch deshalb, weil Amerika seine Forderungen an England nicht uns zu liebe stellt, sondern ausschließlich deshalb, weil die Wiederherstellung des See⸗ rechts— an Stelle der englischen Seewillkür— von den dringendsten wirtschaftlichen Interessen der Vereinigten Staaten ge⸗ fordert wird. Im Zusammenhang der Dernburgschen Ausführungen wird auch hauf den englischen Aushungerungskrieg hingewiesen, dessen Aktuali⸗ tät wir ja reichlich anzuerkennen Gelegenheit haben; nicht etwa so, daß er den(Fim Namen der Menschheit“ angestrebten) Erfolg hätte, die mitteleuropäische Menschheit langsam, aber sicher zu dem im englischen Indien landsüblichen Hungertode zu verurteilen— wohl aber erinnern uns an Englands feinen Plan täglich die organisato⸗ rischen Maßnahmen zur Sicherung und Regelung der Volkser⸗ nährung, in die nun ein etwas strammerer Zug kommt. Wir haben im Frieden weder Brotkarten noch Milchrationen, weder Höchst⸗ preise noch Beschlagnahme, weder staatliche Kriegsaktiengesellschaften 505 Nahrungsmittelverteilung, noch städtische Lebensmittelperkäufe gekannt. ö Das hat uns Englands Aushungerungskrieg gebracht. Gehen wir aber auf seine Wurzeln zurück, so sehen wir, daß es eine unge⸗ heuerliche Verletzung des Völker- und Seerechts ist, was wir zwar längst gewußt haben, woran uns aber Dernburg neuerdings er⸗ innert! Nach der Londoner Deklaration, der bis zum Kriege allgemein anerkannten Grundlage des Seerechts waren Ge⸗ treide und Nahrungsmittel nur insoweit(und zwar be⸗ dingte) Konterbande, als sie für den Verbrauch der fechtenden Truppen oder der Verproviantierung bef estigter Häfen be⸗ stimmt waren. Beweislast hierfür schiebt die Deklaration derjenigen Macht zu, die diese Stoffe ergreift. Damit vergleiche man die englische Praxis, die unbedingt alle Nahrungsmittel nicht nur für die nicht in Waffen stehende deur⸗ sche und österreichisch-ungarische Bevölkerung, sondern nun sogar schon auch für die Neutralen konfisziert, wenn es ihm so beliebt. (Denn mehr Rechtsgarantieen enthalten die englischen Seerechts⸗ verordnungen nicht). Und all das geschieht, wie man nicht müde wird, zu versichern, im Namen des Rechts, der Freiheit und Zivilisation! Die Antwort des Reichskanzlers an die Sozialdemokratie. a Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt:„Auf ein Eingabe des Vorstandes der sozialdemokratischen Partei in der Nahrungsmittelfrage hat der Reichskanzler folgende Ant⸗ wort erteilt:„Der Vorstand der sozialdemokratischen Partei machte mir eine Eingabe über die Lage auf dem Lebensmittel⸗ markte, deren Empfang ich dankend bestätige. Wie ich aus Ihren Darlegungen schließen darf, ist auch der Vorstand der sozialdemokratischen Partei überzeugt, daß wir uns insofern auf einem festen Boden befinden, als wir im Besitze völlig ausreichender Vorräte von notwendigen Nahrungsmitteln find. Diese Vorräte auf die zweckmäßigste Weise zu ange⸗ messenen, auch für die minderbemittelte Bevölkerung er⸗ schwinglichen Preisen dem Verbrauch zuzuführen, ist die zu lösende Aufgabe. Alle zuständigen Instanzen sind fest ent⸗ schlossen, die Schwierigkeiten. die aus spekulativer Preistreiberei entstanden sind, mit allen Mitteln ohne Ansehen des Standes und Gewerbes zu beseitigen. Die bereits getroffenen Maßregeln zeigen, daß die Reichs⸗ regierung in dem Bewußtsein ihrer Verantwortung zu diesem Zweck vor scharfen Eingriffen in den freien Verkehr nicht zurückschreckt. Wie dem Parteivorstand bekannt ist, werden weitere Maßregeln folgen. Es darf somit die Bevölkerung die volle Sicherheit haben, daß die Erwartungen unserer Feinde, daß es ihnen gelingen könnte, uns durch Aus— hungerung zu überwinden, trügerisch sind, so wird sie sich doch täglich gegenwärtig halten müssen, daß das Steigen der Lebensmittelpreise über das normale Maß gewiß nicht bloß durch verwerfliche Gewinnsucht veranlaßt ist, daß viel⸗ mehr auch besondere natürliche Ursachen, wie die Knappheit an Futtermitteln, zu beachten sind und daß alle an diesem Weltkrieg beteiligten Völker mehr oder weniger unter der Verteuerung des Lebensunterhaltes zu leiden haben. Wie ich persönlich die Sorgen, Entbehrungen und Opfer des uns aufgedrungenen Krieges tief empfinde, und ich als Reichskanzler mir der Pflicht bewußt bin, alles zu ihrer Milderung zu tun, so darf ich auch erwarten, daß die! Frage, um die allein es sich hier handelt, nämlich wie der Verbrauch der reichlichen Vorräte von Lebensmitteln zu er⸗ träglichen Preisen zu sichern sei, dem inneren Parteigetriebe entrückt bleibe. Reden in Volksversammlungen können dabei schwerlich viel nützen. Sicher aber ist, daß heftige Gesten und Ausbrüche des Mißmuts von feindlichen Regierungen über die wahre Kriegslage den getäuschten Völkern als will⸗ kommene Zeichen der Erschlaffung der deutschen Widerstands⸗ kraft und Siegesgewißheit dargestellt werden würden. Wie jede deutsche Partei, scheint mir auch die sozialdemokratische, die mehr als jede andere ihrem Programm nach Völkerfrieden zustrebt, verpflichtet zu sein, alles zu vermeiden, was die Hoffnung unserer Feinde stärken und somit zur un⸗ nötigen Verlängerung des Krieges beitragen könnte. So hege ich die Zuversicht, daß sämtliche Parteien mit der Reichsregierung vereint auch in der Erörterung der besten Mittel zur Verbilligung des täglichen Haushalts den Opfersinn und Heldenmut daheim wie im Felde weiter pflegen werden, der die Grundlage unserer bisherigen Erfolge ist und uns bis zum siegreichen Ausgang des Krieges oberstes Gesetz bleiben muß.“— Im Volke macht man mit Recht, wie wir glauben, der Reichsregierung den Vorwurf, daß sie das„Bewußtsein ihrer Verantwortung“ zu spät erlangt und die„scharfen Eingriffe in den Verkehr“ erst unternommen hat, als die Preise eine ungeheuerliche Höhe erreicht hatten. So kam es, daß nun Höchstpreise festgesetzt wurden, die in der Höhe nicht nötig gewesen wären, wenn man eben früher, viel früher zuge⸗ griffen hätte. Ob„Reden in Volksversammlungen“ gegen die Teuerung viel nützen können, lassen wir dahingestellt, wir glauben aber, daß gerade die Entrüstung der Massen, die„heftigen Gesten und Ausbrüche des Mißmuts“ besonders dahin gewirkt haben, bei der Reichsregierung endlich die Erkenntnis hervorzurufen, daß„scharfe Eingriffe“ unum⸗ gänglich sind. Gewiß ist die Ausnutzung dieses Mißmuts im feindlichen Auslande höchst unerfreulich und kann viel— leicht zur Verlängerung des Krieges beitragen, aber wer ist denn im Grunde daran schuld? Gewiß doch am wenigsten die sozialdemokratische Partei, die die Folgen jener Aus⸗ wucherung des Volkes und ihre unganügende Bekämpfung aufzeigte und damit im Interesse des ganzen deutschen Volkes wirkte. n K 6 Der abscheuliche Simmons. Novelle von Arthur Morrison. Ueber Simmons' schändliches Betragen gegenüber seiner Frau ist die Nachbarschafr nicht wenig verwundert. Wurde er doch bislang für einen Mustergatten gehalten, so wie man von der Gewissenhaftigkeit seiner Frau ohne weiteres über— zeugt war. Sie hat sich für diesen Mann geplagt und ge— schunden— wie die Frauen gesagt haben würden— weit mehr, als es solch ein Ehemann verdient. Und das war nun der Dank dafür! Er ist offenbar plötzlich übergeschnappt! Frau Simmons war vor ihrer Verheiratung eine ver— witwete Ford. Bob Ford verdang sich als Lastträger auf einem Ozeandampfer, der mit Mann und Maus unterging. Die Witwe ersah darin ein Strafgericht für ihres Mannes langjährigen Ungehorsam, der in dem bodenlosen Leichtsinn gipfelte, Schiffsdienste anzunehmen— als Packesel. Für einen tüchtigen Monteur, meinte sie, ist das natürlich ein halsbrecherischer Sturz Zwölf Jahre ist sie Frau Ford ge— wesen; sowohl als Frau Ford als auch als Frau Simmons war ihr Kindersegen nicht beschieden. Simmons fühlte sich mit dieser Frau recht glücklich. Von Beruf war er simpler Tischler. Aber er hatte zuweilen hof färtige Gedanken. Es ist nicht auszudenken, was mit ihm passiert wäre, wenn er nicht seine Frau um sich gehabt hätte. Ein schwächliches, stilles Männlein war er. Sein knaben⸗ haftes Gesicht zierten dünne, flaumige Bartkoteletten. „Laster“ hatte er keines(sogar das Pfeifenrauchen stellte er sogleich nach der Verheiratung ein), dafür bedachte ihn seine fürsorgliche Frau mit gewissen, man kann sagen exotischen „Tugenden“. So ging er allsonntäglich feierlich, mit einer hohen Angströhre, zur Kirche. Dort legte er regelmäßig einen Penny(den ihm seine Frau von seinem ihr heimgebrachten Wochenverdienst für diesen Zweck wieder zur Verfügung stellte) auf die Opfertasse. Oder wir können ihn zu Hause beobachten: Er klopft und bürstet seine Sonntagskleider mit 1 Die Situation in Serbien. T. U. Sofia, 13. Nov. Die Bulgaren haben durch ganz Südserbien einen Kordon gezogen, der den Ententetruppen das Vorrücken nur durch schwere Kampfe möglich macht. Die bulgarische Front ist vorzüglich postiert. Auch der ganze Norden und Nordostwinkel Serbiens ist vom Feinde ge⸗ säubert. Unsere Front zwischen Krusevac und Alexandrinatz steht vor dem Zusammenschluß, ferner ist das Ausfalltor, das den Serben nach Westen hin noch offen steht, neuerlich ver— engt worden. Die Verluste der serbischen Armee betragen über 75000 Mann. Die Timok⸗ und Sumadia⸗Divisionen sind fast gänzlich aufgerieben, die Disziplin ist gelockert. Die Materialverluste auf dem Rückzuge sind ungeheuer. Die italienische Balkanerpedition. Lugano, 13. Nov. Die Stampa dementiert die Nachricht von der italienischen Balkanexpedition. Der Ministerrat habe noch keine Entscheidung getroffen. Das Blatt fügt hinzu, die römischen mili⸗ tärischen Kreise hofften, das serbische Heer werde auf dem unweg⸗ samen Hochplateau Westserbiens und in Montenegro Zuflucht finden und den Augenblick zu einer Offensive abwarten.— Und wovon sollen sie leben, von aller Zufuhr abgeschnitten? Churchill demissioniert. Wie W. T. B. aus London berichtet, bot Churchill Asquith seine Demission an, weil er nicht mit in den kleinen Kriegsrat aufgenommen wurde. a Das Haupt der„Narodna Obrana“ gefangen genommen. T. U. Budapest, 13. Nov. Major Duschan Popovio, das Haupt der„Narodna Obrama“, einer der Anstifter der Ermordung Franz Ferdinands, ist nach einer Meldung des Pester Lloyd in bulgarische Gefangenschaft geraten. 85 Eine russische Friedensstimme. T. U. Bukarest, 13. Nov. Das Blatt des Odessaer Gouvernements, Odeski Listok, bringt einen von der Zensur genehmigten Artikel, der allgemeines Aufsehen erregt. Das Blatt schreibt: Die Balkan⸗ ereignisse haben sich derartig gestaltet, daß sie eine Fortsetzung des Krieges als zwecklos erscheinen lassen. Belgien und Serbien werden ihre nationale Selbständigkeit verlieren. Im Schicksalsbuche steht geschrieben, daß dies so geschehe, damit der Völkerfrieden näherkomme. Der Artikel schließt: Wir alle wünschen den Frieden. Das russische Volk wird für jene beten, die die Segnungen des Friedens sichern. Amerikanische Frachten für Dentschlaud. T. U. Hamburg, 13. Nov. Aus Newyork wird dem Hamburger Fremdenblatt indirekt gemeldet: Für den 21. November ist die Ab⸗ fahrt von 8 amerikanischen Dampfern mit Schiffsfrachten, die keine Bannware enthalten sollen, nach Deutschland angekündigt. Der Staatssekretär des Auswärtigen, Lansing, soll den Antrag gestellt haben, daß die von der Regierung vorher zu prüfenden Frachten für unantastbar erklärt werden. Krfiegsustizen. Gegen die Berliner Genossen Eberlein und Meyer, sowie den Buchdrucker Wiegand ist Anklage erhoben worden wegen Verbreitung von Flugschriften, durch welche zum Ungehorsam gegen die Gesetze aufgefordert und Aufreizung zum Klassenhaß verübt worden sein soll. Die beiden Genossen werden von den Rechtsan⸗ wälten Hugo Haase und Siegfried Weinberg verteidigt. Eine Wirtschafterin des Grandhotels in Petersburg erhielt drei Monate Haft und wird später ausgewiesen, weil sie das Deutschsprechen zuließ. Der Franzose Lecomte erhielt 50 Rubel Sin oder 21 Tage Haft wegen Telephonierens in französischer Sprache. Birshewija Wjedomosti meldet: Die Fleischnot wird immer stärker, da immer weniger Zufuhren stattfinden. Die Bittschriften an den Verkehrsminister um größere Zufuhren bleiben erfolglos. Die Zufuhren aus dem Gebiet von Orenburg und vom Ural bleiben aus. Dadusch eutstehen für die Stadͤtverwaltungen große Nachteile. Reuter meldet aus Newyork: Ein Brand, dessen Ur⸗ sprung unbekannt ist, ist in den Fabriken der Roeblings Co. in Trenton(New Jersey), in denen für den Vierverband Stachel⸗ draht angefertigt wird, ausgebrochen. Der Brand wurde erst ge⸗ löscht, nachdem ein Schaden von mehr als 1 Million Dollars ent⸗ standen war. Reuter meldet aus Süd⸗ Bethlehem(Pennsylvania):„Eine der größten Maschinenfabriken der Bethlehem Steel Kompagnie, die sich mit der Anfertigung von Kanonen und an⸗ derem Kriegsmaterial befaßt und einen Wert von mehreren Mil⸗ peinlicher Sorgfalt— unter Beaufsichtigung seiner Frau. An Samstagnachmittagen putzt er die Messer, die Gabeln, die Schuhe, die Kesseln und die Fenster— geduldig und ge— wissenhaft. An Dienstagabenden sieht man ihn einen Pack Wäsche oder Kleider zur Wäscherolle tragen. An Samstag⸗ abenden begleitet er seine Frau bei ihren Einkäufen— er trägt die Pakete. Was aber die Tugenden seiner Frau betraf, so waren sie ihr angeboren. Und waren zahlreich. Vor allem galt sie als vortreffliche Wirtschafterin. Jeder Penny von Tommys Wochenverdienst(36 oder 38 Schilling) wurde aufs nützlichste verwertet und Tommy hätte es nie gewagt, eine Vermutung auszusprechen, wie viel sie sich davon erspart haben mochte. Ihre Reinlichkeit im Hause war schon geradezu beunruhigend, ja sinnverwirrend peinlich. Die Heimkunkt ihres Mannes wartete sie gewöhnlich gleich bei der Haustür ab, damit er schon hier die Schuhe ausziehe und in die Pantoffel schlüpfe. (Wobei er immer mit einem Beine auf den kalten Fliesen balancierte.) Das tat Frau Simmons deshalb, weil sie ab⸗ wechselnd mit der Frau der zu ebener Erde wohnenden Familie die Haustürstufen und den Hausflur scheuern mußte und weil der Treppenläufer ihr Eigentum war. Sie beob— achtete ihren Mann während der ganzen Prozedur seines Waschens und Reinigens nach seiner Heimkunft mit beispiel⸗ loser Aufmerksamkeit, besonders nachdem er in die Wohnung getreten und also die Möglichkeit von zufälligen Wasser⸗ spritzern und sonstigen Beschmutzungen gegeben war. Und wenn trotz ihrer Wachsamkeit etwas passierte, dann war sie sehr bemüht, diese Tatsache ihrem Manne ins Gedächtnis zu rufen und ihm eindringlichst und nachhaltig seinen undank⸗ baren Egoismus nachzuweisen. Früher führte sie ihn immer in einen Kleiderladen und suchte da etwas passendes und preiswertes Fertiges für ihn aus. Sie ließ ihren Mann nicht allein gehen, weil sie davon überzeugt war, daß sich diese Dummköpfe von Kunden jeden Schmarren um teures Geld anhängen lassen. Später machte ionen Vola darsteut, ist durch Brand verurcht Man glaubt an Brandstiftung. 800 Arbeiter sind mit der Gefahr entkommen.“. Der Militärgouverneur Admiral Taeng Ju Tseng er nach dem japanischen Konsulat zum Krönungsempfange fuhr, zwei Gegnern der Monarchie ermordet worden, die 18 Revolt schüsse auf ihn feuerten. Der Sekretär des Admirals wurde schwer verwundet. 1 1 993 og —* 0 1 Partei⸗Nachrichten. 3 Der Zeutralbildungsausschuß 5 ö 8 vorsendet soeben sein neuntes Mitteilungsblatt. Es enthält An⸗ 10 regungen für die Bildungsarbeit im zweiten Kriegswinter. Beson⸗. ders werden dafür wieder wie im vorigen Winter Lichtbilder⸗ 0 veranstaltungen in Frage kommen. Die Lichtbilderzentrale 0 7 des Zentralbildungsausschusses hat eine Reihe neuer und gemäßer Serien zusammengestellt, durch die den Zuschauern Hövern geographische und kulturgeschichtliche Keuntnisse über die v Krieg betroffenen Länder vermittelt werden sollen. Hierzu ge die Serien: Eine Reise durch die Balkanstaaten(bearbeitet von Legien), Indien, ein Stützpunkt der englischen Weltpolitik Döring), Die Geographie Europas im Weltkriege(C. Döring), österreichische Adriaküste(L. Lessen), Im Südtiroler Grenzgeb 2 2 S — 2 2 1 2 2 . D 2 — 5 2 8 55 —— 2 3 2 2 = 75 2 = 88 — . . 2 8 2 0 E * — 8 — . —. — D ausschusses über das Kriegsjahr 1914/15. Der Bericht, der wie in früheren Jahren das Ergebnis einer statistischen Erhebung ist, ge⸗ währt einen wertvollen Einblick in die Bildungstätigkeit der deut⸗ schen Arbeiter während des Krieges. N Eine burgfriedliche Stadtverordnetenwahl.. In Quedlinburg findet dieser Tage Stadtoerordnet. wahl statt. Unseren dortigen Genossen ist es bisher trotz aller An 9 strengungen nicht vergönnt gewesen, einen der ihren in das Sta 5 parlament zu entsenden. Das liegt daran, daß die schöne Di Rande des Harzes gelegene Stadt eine bevorzugte Pensionipolis ist, sodaß das bürgerliche Element in allen drei Wahlabteilungen übe wiegt. Bei der jetzigen Wahl sind vier Mandate zu besetzen, denen eines durch den Tod des bisherigen Inhabers erledigt it Unsere Genossen wandten sich nun an den Bürgerverein mit dem Ersuchen, ihnen dies vierte Mandat zu überlassen. Der Bürg verein hat diesem Ersuchen entsprochen, sodaß demnächst der e Sozialdemokrat kampflos in das Quedlinburger Stadtparlam einziehen wird. 5 Stadtverordnetenwahlen in Görlitz. Am Freitag fanden in Görlitz die Stadtverordnetenwahlen die oͤritte Wählerabteilung statt, die für sieben ausscheidende soz demokratische Stadtverordnete zu erfolgen hatten. In Anbetra des Burgfriedens unter den politischen Parteien hatten die bürg lichen Parteien von einem Wahlkampf und der Aufstellung Gegenkandidaten abgesehen. Unsere sieben Genossen wurden n 1233 Stimmen wiedergewählt. Infolge der Einberufungen Heere war die Wahlbeteiligung äußerst schwach, bei der letz Wahl im Februar 1914 erhielten die sozialdemokratischen Kand daten 4137 Stimmen. 5 Uerben lege Be fündet am 20. und 21. November im Aarau statt. Auf der Ta nung steht außer den üblichen Berichten des Parteivorstandes der sozialdemokratischen Nationalratsfraktion ein Referat des( unhaltbar gewordenen B wirtschaftlichen Leistun keit gefordert. 1 Die Frage der Bewilligung des Militärbudgets soll nach 2 Vorschlag des Parteivorstandes im Zusammenhang mit der N lungnahme der Partei zum Militarismus auf einem Parteitag nach dem Kriege beraten werden. Es liegen ferner noch Anträge vor über Verpflegung und Besoldung zum Hoerwesen, über das Militär⸗ strafrecht, über Volksinitiative, süür das Frauenstimmrecht, über ein Schutzgesetz für Heimarbeiter, über Unterstützung der Jugendor⸗ gauisation und über die Zimmerwalder Konferenz. Endlich be⸗ schäftigt sich eine Anzahl Anträge mit der Parteiorganisation des fahnen rischen Grütli⸗Vereins, mit der eigentlichen Parteiorgani⸗ sation. entdeckte, der an einer Straßenecke billige Tuchreste verkaufte, verfiel sie auf den Gedanken, ihrem Manne die Kleider selber zusammenzuschneidern. Rasche Entschlossenheit war ohnehin eine ihrer Tugenden— schon am selben Nachmittag begann lie sie aus einem schreienden karrierten Tuchstoff einen Anzug hac zu schneidern. Und am Sonntag war er bereits fix und 5 fertig! Simmons, der über dieses Ereignis ganz paff war, bor mußte ihn alsogleich anziehen und— rasch, rasch!— kaum eil daß er wieder Herr seiner Sinne war, so ausgestattet in die in 8 Kirche gehen. Das Zeug paßte zwar um und um nicht ordent⸗ 6 lich. Er fand zum Beispiel, daß ihm die Hofe allzufest am J birft Schienbein klebte, dafür aber wieder gar zu lose hinter der nun Ferse herunterhing, oder daß er beim Sitzen ein wildes Durch⸗ halte einander von Falten verspürte, ferner, daß ihn der Westen- Hau kragen im Genick kitzelte und der Rockkragen zwischen den gehe Schultern spannte, während der Rock selber allzu gemächlich want über die Weste hinunterbaumelte. Mit der Zeit gewöhn feh er sich zwar an diese trostlose Unbehaglichkeit, aber der Spott geue seiner Arbeitskollegen ließ nicht nach; überdies: seine Frau möge schneiderte noch weiterhin Kleidungsstücke für ihn— alle in het der gloriosen Fasson, die sie dem ersten Anzug gegeben hatte. daz Die damalige Zufallsmache gefiel ihr fortan als Schablone, ande die in der Folge nur noch prononcierter scheußlich gedieh. Es war ganz zwecklos, wenn ihr Simmons besorgt vor Augen führte, daß sie sich überarbeite, daß das Schneidern 0 ihren Augen nicht gut tue, oder daß in der Mile End Road ia 4 ein neuer Schneider sei— ein sehr billiger fler Aber geh!“ rief die Frau Simmons aus,„du bemin uh dich umsonst, mir was vorzumachen. Ich durchschaue ute Du scherst dich einen Pfifferling darum, ob ich mich 1 iche arbeite, solange es dir von Vorteil ist, diesen betrügerische 0 Schneidern das Geld hineinzustopfen, derweil ich n schinden und plagen muß, um einen Halfpenny zu e — das ist mein Vorteil! Die Leute glauben natü klaubst das Geld nur so auf der Straße zusammen. haftig, es wäre gescheiter, ich faulenzte jeden Tag st sie es noch gescheiter. Als sie eines Tages einen Händler möglich.(Fortsetzung torbnag aller haben im eigenen Lande so viel Salz, aufbrauchen können. Gebiete vorzubeugen, Reichsregierung eingegriffen wird. essen und Nachbargebiete. Gießen und Umgebung. Kriegswitwen⸗ und Waisenrente. Ueber die Hinterbliebenen rente der Kriegsteilnehmer immer noch starke Unkenntnis, weshalb die einschlägigen mungen hier wiedergegeben seien. Flir Kriegsteilnehmer 91 1 der Reserve, der Landwehr und dem Landsturm eingezogen 195 995 gelten folgende Bestimmungen: ee Die Witwenrente eines Gemeinen beträgt 400 Mark, eines Unterosfiziers oder Sergeanten 500 Mark und eines Vizefeldy el oder Feldwebels 600 Mark. Für jede vaterlose Waise werd weh 108 Mark und für jede Ganzwaise 240 Mark Rente gezahlt e Renten setzen sich zusammen: bei der Witwe aus Wittbenrente von 300 Mark und Kriegswitwenrente von 100 Mark. Bei Halbwafsen herrscht Bestim⸗ aus Wafsenrente von 60 Mark und Kriegswaisen rente von 108 Mark und bei Ganzwaisen aus Waisenrente von 100 Mark waisenrente von 140 Mark. Die Witwen- und Waisenrente und Kriegs⸗ 3 gegeben hat. (gewöhnlich die Rentenverabschiedung verzögert. trag auf Hinterbliebenenrente ö 0 r N N W n N 9 * n Rentenfätze von 400 und 168 Mark voll zur 5 g den Person anerkannt wird, und beträgt im Hüch st fa 4 1 N . f arf in ihrer samtheit di Vollrente eines Kriegsinvaliden nich er 0 5 beträgt, zu welcher Summe die Kriegswitwen⸗ und Krlegswaisen⸗ rente hinzukommt. Eine Kriegerwitwe mit einem Kinde erhält 300 Mark Friedensrente und 208 Me riegsrente; ins 565 1 also 508 Mark. Bis zu 4 Kindern kommen die oben 0 n Verrechnung, weil dle Friedensrente der Frau und der 4 Kinder zusammen 540 Mark, also die Vollrente der Kriegsinvaliden. nicht übersteigt, wozu noch die Kriegs renten der Witwe und der vier Kinder im Betrage 505 532 Mark hinzukommen. Die Gesamtrente einer Witwe mit il 1 Kindern beträgt also 4072 Mark. 5 35 lassen die Rentensätze für Familien bis zu 8 Kindern . 1 Friedensrente Kriegsrente Gesamtrente Frau un ind. 360 Mk. 208 568 Frau und 2 Kinder. 420 316 8 706 55 8 480 424 904 540 532 1072 540 640 1180 540 748 1288 540 856 1396 . 0 40 er„ 10 Die obigen Sätze werden voll ausbezahlt. Neben dlesen Renten gehen die Waisenkenten aus der Hinterbliebenenversicherung, soweit der gefallene Krieger in der Alters⸗ und Invalidenver⸗ sicherung versichert war und die vorgesehene Wartezeit durchgemacht hatte. Auch Witwenrente aus der Reichsversicherung wird gegen die Kriegsrenten nicht aufgevechnet. 5 Die Hinterbliebenenrente wird beim Bürger- mei st e r amt des Wohnorts der Frau beantragt und vom Bürgermeisteramt an den betreffenden Truppenteil weitergeleitet. Er kann aber auch direkt an den Ersatztruppenteil eingereicht werden. Dem Antrag muß ein Ausweis über den Tod des Kriegers beigefügt werden. Bei dem Tod eines Kriegers steht der Familie das Recht auf das sogenannte Gnadenvierteljahr zu, das heißt, die Frau oder auch ie Eltern des Kriegers können die zuletzt bezogene Löhnung des erstorbenen für ein Vierteljahr weiterbeziehen. Davon Gebrauch zu machen, muß abgeraten werden. Nach dem Gesetz tritt die interbliebenenrente erst nach Ablauf des Gnadenvierteljahres in raft. Die Truppenteile weisen aber die Reute vom Todestag ab n, weil die Rente in der Regel höher ist als die Gnadenlöhnung. Es muß dann eine Aufrechnung der Gnadenlöhnung gegen die Rente tattfinden, die schon zu vielen Anfragen und Reklamationen Anlaß Außerdem wird durch Zahlung der Gnadenlöhnung Also wird der An⸗ den Antrag auf 1 . 7. 7 „ im allgemeinen nadenlöhnung überflüssig machen. Eltern haben nur dann Anspruch auf Gnadengebühren und enten, wenn der gefallene Krieger ganz oder überwiegend der Ernährer der Eltern oder Großeltern war. Jeder Antrag auf osche Gebühren oder Rente muß abgelehnt werden, wenn der Verstorbene weniger zum Unterhalt beigetragen hat, als die übrigen Familienmitglieder insgesamt. Das Kriegseltern⸗ geld wird nur gezahlt, wenn die Bedürftigkeit der 115 L 25 Dieses Kriegselterngeld kann aber zugleich an mehrere Mark. an die Mutter und die Groß⸗ Personen gezahlt werden, 3. B. mutter, wenn der gefallene Sohn für den Unterhalt beider gesorgt f borkommen, 1 50 weil sie irrigerweise angenommen haben, 4 5 im Felde gefallen seien. Hinterher stellt sich heraus, daß hat. Daß er dazu auch verpflichtet gewesen sein muß, ist nicht er⸗ forderlich. Auch ist es gleichgültig, ob andere Familienglieder ge⸗ setzlich für den Unterhalt der Rentenberechtigten verpflichtet sind. — Gegen die Preistreiberei mit Salz. Die Steigerung der Salzpreise, die seit einiger geit eingetreten ist, hat, wie aus Berlin berichtet wird, die Reichsregierung zu einer eingehenden Nachprüfung veranlaßt. Es liegt nicht zum hinaufzusetzen, denn wir daß wir es garnicht Um jeder Preistreiberei auf diesem ist es nicht ausgeschlossen, daß von der mindesten Anlaß vor, diese Preise — Wiederverheiratung von e N 5 i r ere 2„ daß Kriegerfrauen an daß ihre Mängel i fangenschaft befinden. Oft i eintreten. Es können nun erhebliche Verwicklungen entstehen, weng die für tot 5 haltenen Ehemänner nach Beendigung des 1 nach Hause kommen und erfahren, daß ihre Frauen Fee N geheiratet haben. Das Gesetz gibt dem 557 n Ehe⸗ mann das Recht, die neue Ehe im Wege der Klage. fechten. Das gleiche Recht hat die Ehefrau 15 1 neue Ehegatte, weil auch diesen Gewissenbeden 105 13 mögen. Wenn aber der zurückkehrende e nicht Eheglück seiner Gattin nicht stören will und al 111 0 das Bedürfnis zeigt, so kann der eee si neuen Ehe⸗ andern Frau verheiraten. Aus der Ehe W 5 gatten hervorgegangene Kinder gelten glu ö 0 1 ö 0 n doch keine Ahnung ehelich. Haben die beiden Ehegare ihrer Ehe drein davon gehabt, daß die Rechtsgultis s sei bemerkt, daß die in Zweifel gezogen werden könnte on Bürgerlichen Geset⸗ hier vorgetragene Regelung freilich 1 durch Anschluß buch nur für den Fall gedacht daß ei ach Hause zurn urteil tür tot Erklärter noch daß die gleichen ö 9 7 500 sollte. Aber 90 5 15 Bestimmungen gelten, fa 7 genommen worden ist, und daß der für to 1 . cht. tot Erklärte) später wieder gäheungefeisen. Durch Verord- an ie e eder Bundesrat bestimmt, A da elch des läglichen Lebens, soweit sich die Totgeglaubten dürften derartige Fälle jenem Tage noch nicht verjährt waren, nicht vor dem Schlusse des Jahres 1915 verjähren sollen. Die Gründe, die zu dieser Maßregel führten, bestehen noch unvermindert fort. Durch eine neue Verordnung vom 4. November wird deshalb die Verjährung dieser Ansprüche um ein weiteres Jahr erstreckt. Alle von der Verordnung betroffenen Ansprüche, die am 22. Dezember 19914 noch nicht verjährt waren, verjähren hiernach nicht vor dem Schlusse des Jahres 1916. In der neuen Verordnung wird gleichzeitig ein Zweifel gelöst, der über die Auslegung der vorjährigen entstanden war. Für einzelne der in den 88 196, 197 des Bürgerlichen Gesetzbuchs bezeichneten Ansprüche ist die Verjährungsfrist nicht dort, sondern in den anderen Reichsgesetzen bestimmt, so z. B. für die aus den Dienst- und Heuerverträgen herrührenden Forde— rungen der Schiffsbesatzung auf Lohn, Heuer, freie Rück⸗ beförderung usw. in den 88 901, 902 des Handelsgesetzbuchs und dem§ 117 des Binnenschiffahrtsgesetzes. Nach Zweck und Wortlaut der Verordnung vom 22. Dezember 1914 ist die Erstreckung der Verjährung auch zugunsten dieser An— sprüche eingetreten. Im Interesse der Gläubiger ist diese Auslegung nunmehr in der Verordnung selbst ausdrücklich festgelegt worden. Aufhebung einer Ledigensteuer. Der Gemeinderat von Auerbach(Sachsen) beschloß einstimmig die Aufhebung der seit langer Zeit bestehenden Ledigensteuer(50 Prozent Zu— schlag zur Gemeinde-Einkommensteuer). Die neue Gemeinde— steuerordnung tritt am 1. Januar 1916 in Kraft. Da jetzt in anderen Gemeinden Versuche gemacht werden, die Ledigen— steuer einzuführen, wäre es recht angebracht, Näheres über die Erfahrungen mit dieser Steuer in Auerbach bekannt zu geben und die Gründe darzulegen, die für die Aufhebung entscheidend gewesen sind. Bei der Landesversicherungsanstalt Großßh. Hessen sind, wie der Darmst. Ztg. mitgeteilt wird, im Monat Oktober 737 Anträge eingegangen, und zwar: 294 Anträge auf Invaliden⸗ und Krankenrente, 17 Anträge auf Altersrente, 30 Anträge auf Witwen- und Witwerrente, 198 Anträge auf Waisenrente, 128 Anträge auf Anwartschaftsbescheide, 70 Anträge auf Witwengeld. Unerledigt wurden in diesen Monat übernommen 786 Anträge, sodaß 1523 Rentengesuche in Bearbeitung standen. Es fanden Erledigung: 444 An⸗ träge durch Bewilligung, 95 Anträge durch Anwartschafts⸗ bescheid(88 1258 und 1743 R. V. O.), 33 Anträge durch Ab⸗ lehnung, weil unbegründet, 22 Anträge durch andere Weise — Zurücknahme usw.—, 111 Anträge wurden durch Um- wandlung erledigt, so daß 1040 Anträge als unerledigt auf den Monat November d. J. übernommen werden mußten.— Ende Oktober 1915 waren in den nachbezeichneten Anstalten versicherte Personen untergebracht: Ernst⸗Ludwig⸗Heilstätte bei Sandbach 25, Eleonoren-Heilstätte bei Winterkasten 28, Göttmannsche Anstalt in Reichelsheim 39, Bad Nauheim 8, Bad Orb 3, Heilstätte Burgwald 1, verschiedene Anstalten, wie Krankenhäuser, Kliniken u. dgl. m. 59, Summa 163. — Radfahrerunfall. In der Wetzsteingasse kam am Samstag ein Radfahrer vor einem Kohlenwagen zu Fall und wurde überfahren. Der Mann wurde in die Klinik gebracht; es stellte sich jedoch heraus, daß die Verletzungen nur un⸗ bedeutend waren und er bald wieder nach Hause gehen konnte. — Die Milchhändler von Gießen und Umgegend hkelten gestern nachmittag eine Versammlung im„Goldenen Löwen“ ab. Es wurde beschlossen, derart auf die Ein⸗ schränkung des Milchkonsums hinzuwirken, daß in den Wintermonaten die Sonntagsruhe eingeführt und Milch nicht ins Haus gebracht werden soll. Dafür soll Samstags das Quantum für Sonntag ausgegeben werden. — Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Musketier Robert Alter aus Berstadt, Inf.⸗Reg. 186.— Ersatzreservist Rudolf Mädel aus Alsfeld, Res.⸗Inf.⸗ Reg. 87.— Unteroffizier Georg Möller aus Udenhausen, Kreis Alsfeld, Inf⸗Reg. 17.— Landstürmer Konrad Eck⸗ hardt aus Aßlar, Inf.⸗Reg. 118.— Gefreiter Hch. S öhn⸗ chen aus Niederquembach, Inf.⸗Reg. 81.— Ersatzreservist Friedrich Hels, Inf.⸗Reg. 116, und Wehrmann Wilhelm Kinzenbach, Inf-⸗Reg. 81, beide aus Münchholzhausen. — Musketier Wilh. Herpel aus Erda, Inf.⸗Reg. 166. — Hereingefallene Kartoffelspekulanten. Zwischen Kartoffel⸗ händlern und Kartoffelproduzenten ist infolge der vom Bundesrat festgesetzten Höchstpreise ein interessanter Krieg entstanden. Kar⸗ toffelhändler, welche vor Inkrafttreten der Höchstpreise große Mengen von Speisekartoffeln zum Preise von 7,50 bis 8,.— Mark pro Doppelzentner kauften, aber die Lieferung erst für November und später vereinbarten, weigern sich jetzt, die Vorräte zu den be⸗ treffenden Preisen zu beziehen, weil sie durch die Kleinhandelshöchst⸗ preise im Profit beschränkt sind. Die Landwirte bestehen jedoch auf den Verträgen und verlangen deren Erfüllung zu den verabredeten Preisen. Beiden geschieht der Hereinfall recht! Zur Praxis der Lebensmittelwucherer. Die ungeheuren Preis⸗ treibereien auf dem Lebensmittelmarkte sind zu einem großen Teil darauf zurückzuführen, zaß bestimmte Spekulanten große Mengen von Waren zurlickhalten, um ein weiteres Steigen der Preise zu vevanlassen. Der Wiener Polizeidirektion gelangte zur Kenntnis, daß bei einigen Spediteuren Einlagerungen unentbehrlicher Bedarfs⸗ gegenstände in großem Umfange zu preistreiberischen Zwecken erfolgt waren. Bei einer polizeilichen Reviston wurden u. a. vergefunden: 438 Ballen Leder, 3095 Kisten Seife, 948 Kisten Kerzen, 4138 Kisten kondensierte Milch, 764 Ballen Kaffee, 359 Ballen Tee, 857 Säcke Reis, 814 Kisten Konserven, 372 Kisten Schokolade, 152 Kisten Trau⸗ benzucker, 200 Kisten Käse, 488 Kisten Rosinen usw. Die Nach⸗ forschungen nach den Personen, die die Waren eingelagert haben, wurden eingeleitet. Solche Nachforschungen würden auch anderwärts noch manches zutage fördern. — Ein Zensuestück. Das Briüxer Volksblatt(Böhmen) brachte jüngst einen Artikel über die Teuerung. Der Zensor strich alle „scharfen“ Stellen, doch in seinem Uebereifer ließ er den Rotstift auch über einen„harmlosen“ Passus gleiten, der die von den Lebensmittelwucherern allgemein betonte Behauptung in Abrede stellt, daß die Teuerung infolge riesigen Mangels an Nahrungs⸗ mitteln begründet ist. Der letzte 11 dieses Passus blieb jedoch . wodurch der Anfang des Artikels sich folgendermaßen ge⸗ altete; irb die Lage drückender. Die Teuerung in e e geahnt Dimenslonen 0. Bie Bevblter⸗ ung sieht traurigen Zeiten entgegen. Mehl it vorhanden. Die ärmere Klasse hat im wahren Sinne des Wortes zu essen. Die Regierung kümmert sich um das Schicksal der Bevölkerung und auch die Behörden stehen auf der Höhe ihrer aue gerade das Gegenteil ist wahr, Zur Feststeuung der Getreidevorrate am 16. November. Von maßgebender Seite wird uns hierüber mitgeteilt: Der Vorrat des gedroschenen Getreides darf nicht durch bloßes Schätzen ermittelt werden. In vielen Gemeinden ist das gedroschene Getreide gleich beim Dreschen durch Wiegen sestgestellt worden. In diesen Fällen kann ein nochmaliges Wiegen unterbleiben. Es genügt, wenn der Landwirt das Druschergebnis zugrunde legt und die bis zum Er⸗ hebungstag verkauften und verbrauchten Mengen abzieht sowie sür Schwund durch Eintrocknen vielleicht noch 5 Prozent abrechnet. Wenn ein Wiegen bisher nicht stattgefunden hat, so ist es auch durch einwandfreies Messen mittels eines Hohlmaßes möglich, den Vorrat des gedroschenen Getreides zu errechnen. Zu dem Zwecke muß natfirlich festgestellt werden, wieviel der Getreideinhalt des Hohl⸗ maßes wiegt. In allen Fällen ist aber der Landwirt verpflichtet, seine Angaben durch Namensunterschrift als richtig anzuerkennen. Verteuerung der Schulbücher. Eine Erhöhung der Schul⸗ bücherpreise wird von der Vereinigung der Schulbuchperleger ange⸗ strebt. In einem von der Vereinigung versandten, im Börsenblatt für den deutschen Buchhandel abgedruckten Rundschreiben wird diese Erhöhung der Ladenpreise mit mindestens 10 Proz. bemessen. und näher begründet, sowie ein gemeinsames Vorgehen angeregt, zu dessen Herbeiführung sich die Vereinigung bereiterklärt.— Das fehlte gerade noch! Verbot des Anstreichens mit Farben aus Bleiweiß und Leinöl. Das Anstreichen mit Farben aus Bleiweiß und Leinöl ist vom Bundesrat verboten worden. Die Außenseiten von Häusern sowie Mauern und Zäune dürfen nicht mit Farben angestrichen werden, zu deren Herstellung die beiden Stoffe verwendet worden sind. Der Reichskanzler kann Ausnahmen zulassen. Wer dieser Vorschrift zu⸗ widerhandelt, wird mit Geldstrafe bis zu 1500 Mk. oder mit Ge⸗ fängnis bis zu drei Monaten bestraft. Vom Postverkehr nach Belgien und Serbien. In Belgie n nehmen am Briefverkehr mit Deutschland jetzt auch eine größere Anzahl Vor- und Nachbarorte von Namur teil. Welche Orte in Frage kommen, kann bei den Postanstalten zu erfragenden Beding⸗ können unter den bei den Postanstalten zu erfragenden Beding⸗ ungen zwischen Deutschland und Antwerpen Wertkäftchen mit der Post versandt werden.— Postsendungen an Kriegsgefangene in Serbien können von den Postanstalten vorerst zur Beförderung nicht angenommen werden. N — Wahlverein Gießen. Auf die regelmäßige Mitglieder⸗ versammlung, welche heute abend stattfindet, sei nochmals hingewiesen, die Parteigenossen wollen sich dazu zahlreich einfinden. reis Friedberg⸗Büdingen. Bad⸗Nanheim. Bis zum 11. November 1915= 22315 Kur⸗ gäste angekommen. Bäder wurden bis dahin 299 439 abgegeben. — Der Sohn des Milchpantschers. In Niedererlenbach wohnt der Milchhändler Friedrich Lampert, der, als er noch selbst den Milchwagen nach Frankfurt kutschierte, so oft mit der Nahrungsmittelpolizei in Unstimmigkeiten geriet, daß es schließlich Zeit für ihn war, die Wirkung der Vorstrasen in Betracht zu ziehen und außer Schußweite zu bleiben. Deshalb schickt er seit etwa Jahresfrist seinen Sohn, den jetzt 18 Jahre alten Philipp Lampert, ins Treffen. Nun, dieser Philipp zwitschert, wie der Alte fang. Offenbar hat er eine hohe Meinung für das Wasser er⸗ erbt, das er, wenn nicht für das beste, so doch mindestens für der Milch gleichwertig hält, und bereits fünfmal mußte er wegen Pantscherei bestraft werden. Diesen Herbst liefen wieder einmal Klagen über ihn ein, und da der Verdacht bestand, daß er sich an einem Brunnen, der auf einem Hofe in der Hallgaxtenstraße steht, mit Wasser versehe, legten sich am 18. September dort Schutzleute vom Nahrungsmittelamt auf die Lauer, und richtig, Jung⸗ Lampertchen holte sich eine Zwanzigliter⸗Kanne voll Wasser, ver⸗ schnitt es mit der Vollmilch in den anderen Kannen und trug die Mischung als Vollmilch aus. Am nächsten Morgen holte er zwei Kannen Wasser, und so wurde er vier Tage beobachtet. Er hatte die Mischung auf halb und halb offenbar am Griff; denn die Proben, die bei der von ihm bedienten Kundschaft und zuletzt direkt bei ihm genommen wurden, ergaben fast gleichmäßig 50 Proz. Wasser. Diesmal erkannte das Schöffengericht, nicht ohne darauf hinzuweisen, daß eigentlich den Vater die Hauptschuld treffe, auf einen Monat Gefängnis. Das Urteil soll auf Kosten des Aae me veröffentlicht werden. Den Leuten sollte eigentlich von echts wegen der Milchhandel verboten werden. Kreis Wehlar. n. Künstlich herbeigeführte Kartoffelnot. Der hiesige Landrat erläßt an die Landwirte des Kreises Wetzlar die Aufforderung, die zu unrecht zurückbehaltenen Kartoffeln baldigst abzusetzen, da die Stadt Wetzlar allein noch einen Bedarf von 7000 Zentner zu decken hat. Er hofft, von seinen ihm zustehenden Befugnissen der Enteig⸗ nung keinen Gebrauch machen zu müssen, denn die Landwirte würden sich viel schlechter stehen, weil ihnen dann höchstens 2,60 Mark pro Zentner gezahlt würde. Eine Erhöhung der Höchstpreise im Laufe der Zeit sei ausgeschlossen. In den nächsten Tagen findet in sämt⸗ lichen Gemeinden eine Umfrage über die nicht zum eigenen Bedarf nötigen Kartoffeln statt. Ob was herausspringt?. Von Nah und Fern. ö c Vom großen Los der preußischen Landeslotterie ist bei der letzten Ziehung ein Teil nach Köln gefallen. Unter den Gewinnen ist auch ein Arbeiter; dieser aber hatte sein Los, das schon 40 Jahre in seiner Familie gespielt wurde, kürzlich an mehrere Arbeiterfrauen abgegeben. Die Gewinnerinnen sind vier arme Witwen, die im Kölner Artilleriedepot arbeiten. Jeder Frau fallen 30 000 Mark zu.— Höchst selten trifft das Lotterieglück einen Armen: dagegen opfern viele Zehntausende jahrein, jahraus ihr sauer verdientes Geld für die„Dummheitssteuer“, ohne daß ste 92 607 je wieder etwas zu sehen bekommen. 0 — Bei dem Gesundbeterprozeß, der in Berlin seit etwa 14 Tagen verhandelt wird, wurde am Samstag das Urteil gefällt. Die beiden angeklagten Krankenschwestern Hüs gens und Ahrens wurden wegen fahrlässiger Tötung zu je sechs Monaten Ge⸗ fängnis verurteilt. Der Prozeß zeigte, welcher finsterer Aber⸗ glaube noch in weiten— und besonders„besseren“ Kreisen— herrscht und wie daraus geriebene Betrüger beiderlei Geschlechts Gewinn ziehen. Der Staatsanwalt hatte für jede der Angeklagten ein Jahr Gefängnis beantragt. Taheßberichte des Großen Hauptgnartiets. Unveränderte Lage im Osten. Die Paßhöhen vo! Jastebac genommen W. B. Großes Hauptquartier, 13. Nov., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz, Nichts Neues! a Oestlicher Kriegsschauplatz. Die Lage ist unverändert. Vereinzelte russische Vorstößse abgewiesen. Balkan. Die Verfolgung im Gebirge schreitet fort. Die Pafßßz⸗ höhen von Jastebae(Berggruppe) südlich von Krusevac sind von unseren Truppen genommen. Ueber elfhundert Pferde fielen gefangen in unsere Hand. Ein Geschütz wurde erbeutet. Oberste Hoeresleitung. * Deutscher Erfolg bei Czartorysk. W. B. Großes Hauptquartier, 14. Nov., vorm.(Amtlich.) l Westlicher Kriegsschauplatz. Keine wesentlichen Ereignisse. Oestlicher Kriegsschauplatz. Bei den Heeresgruppen der Generalfeldmarschälle von Hindenburg und Prinz Leopold von Bayern ist die Lage un⸗ verändert. Heeresgruppe des Generals v. Linsingen. Bei Podgacic(nordwestlich von Czartorysk) brachen deutsche Truppen in die russischen Stellungen ein, machten fünfzehnhundertfünfzehn Gefangene und er⸗ beuteten vier Maschinengewehre. Nördlich der Eisenbahn Kowel⸗Saruy scheiterten russische Angriffe vor den östereichischen Linien. Balkankriegsschauplatz. Die Armeen der Generale Köveß und von Gallwitz warfen auf der ganzen Front in teilweise hartnäckigen Kämpfen den Gegner erneut zurück. Dreizehn Offiziere, siebzehnhundertsechzig Mann wurden ge⸗ fangen genommen und zwei Geschütze erbeutet. Die Armee des Generals Bojadjieff ist im Anschluß an die deutschen Truppen von der südlichen Morawa her im Vordringen. Oberste Heeresleitung. Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Beschießung der Stadt Görz. Wien, 14. Nov.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: 14. November 1915. 5 Russischer Kriegsschauplatz. Nach einem Durchbruch in die feindliche Stellung nordwestlich von Czartorysk wurden über 1500 Gefangene und vier Ma⸗ schinengewehre eingebracht. Westlich von Rafalowka haben wir Angriffe abgewiesen. Sonst außer Handgrauatenkämpfen bei Sapanom keine Infanterietätigkeit an der ganzen Front. Italienischer Kriegsschauplatz. Schon zu Beginn der neuen Schlacht hatten italienische Ge⸗ fangene ausgesagt, die Stadt Görz würde zusammenge⸗ schossen werden, wenn es nicht gelingen sollte, sie zu nehmen. Tatsächlich fielen schon an den ersten Tagen der großen Kämpfe zahlreiche Geschosse in die Stadt. Gestern unterhielt die feindliche schwere Artillerie über den unbezwungenen Brückenkopf hinweg ein heftiges Feuer auf Görz. Unterdessen war die er folg⸗ lose Angriffstätigkeit der Italiener vornehmlich gegen den Nordteil der Hochfläche von Doberdo gerichtet. Nördlich des Monte San Michele ging ein Frontstück vorübergehend an den Feind verloren; abends wurde es durch Gegenangriff vollständig zurückerobert. Die übrigen Vorstöße der Italiener wurden sämtlich blutig abgeschlagen. Vor dem Abschnitte füdlich des Monte dei sei Busi und vor dem Görzer Brückenkopf hielt schon unser Geschützfeuer jeden Angriffsversuch nieder. Mehrere unserer Flugzeuge belegten Verona mit Bomben. Süöstlicher Kriegsschauplatz. Die Armee von Köveß hat in erfolgreichen Gebirgskämpfen weitere Fortschritte gemacht. Die Visegrader Gruppe hat sich nach heftigen Kämpfen dem unteren Lin⸗Gebiet genähert. Auf der traße nach Javor wurden die Höhen Karagjorgjew sanage im bar⸗Tale, der Nordhang des Planinica⸗Rückens erreicht. Im oberen Rasina⸗Gehiet hat sich der geworfene Gegner über Brus und Ploca zurückgezogen. Die Armee hat in diesen Kämpfen 13 Offi⸗ ziere und 1200 Mann gefangen genommen. Die Armee von Gall⸗ witz drängt den Feind in das Toplica⸗Tal zurück. Im Anschluß sind die bulgarischen Streitkräfte überall im Vorgehen. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnant. 1* Die Versenkung der„Ancona.“ Amtliche Darstellung des Flottenkommandos. Wien, 13. Nov.(W. T. B.) Ereignisse zur See. Ueber die Versenkung des italienischen Dampfers„Ancona“ werden, wie nicht anders zu erwarten, von der feindlichen Presse ebenso ver⸗ hetzende wie unwahre Darstellungen verbreitet. Der Sachverhalt ist kurz folgender: Das Unterseeboot gab einen Warnungsschuß vor dem Bug des Dampfers ab, worauf dieser in voller Fahrt floh. Dabei befolgte er die bei Kriegsausbruch allen italienischen Dampfern auf amtlichem Wege erteilte Weisung, bei Anhaltung durch ein feindliches U-Boot je nach dessen Position entweder zu fliehen oder das U-Boot anzurennen. Der fliehende Dampfer wurde von dem U⸗Bodt verfolgt und beschlossen und stoppte erst, nachdem er einige Treffer erhalten hatte. Zum Verlasseu des Schiffes, auf dem die größte Panik herrschte, wurden 45 Minuten ges währt. Dennoch wurde nur ein Teil der Boote herabgelassen und besetzt und zwar hauptsächlich von Personen der Schiffsbemannung, die mit den ersten Booten eiligst weitab ruderten. Ein großer Teis der Boote, die wahrscheinlich zur Rettung aller genügt hätten, blieb unbesetzt. Nach zirka 50 Minuten mußte das Fahrzeug vor einem sich rasch nähernden Fahrzeug wegtauchen und torpedierte den Dampfer, der erst nach weiteren 45 Minuten sank. Wenn dabei viele Passagiere das Leben verloren, so liegt die Schuld nur an der Besatzung, weil der Dampfer, anstatt auf den Warnungsschuß zu stoppen, floh und dadurch das U-Boot zum Schießen zwang, und weil die Besatzung nur an die eigene und nicht an die Rettung der Passagiere dachte, wozu reichlich Zeit und Mittel vorhanden waren. Daß das U-Boot auf die Rettungsboote und die im Wasser Schwim⸗ menden geschossen hätte, ist eine tendenziöse Erfindung, schon weil für die U-Boote die Munition viel zu kostbar ist. Nachdem der Dampfer stillstand, wurde natürlich kein Schuß mehr abgefeuert. Flottenkommando. Der bulgarische Kriegsbericht. Sofia, 14. Nov.(W. T. B. Nichtamtlich.) Amtlicher Heeresbericht vom 12. November. Die Operationen auf allen Fronten entwickeln sich zu unseren Gunsten. Wir warfen die Franzosen, die über das südliche Ufer der Tschernareka ge gangen waren, in einem Gegenangriff über den Fluß zurück. Die Niederlage der Ententetruppen bei Strumitza. T. U. Budapest, 14. Nov. A Vilag meldet aus Sofia über die Kämpfe im Strumitza⸗Abschnitt: Nach viertägigen, sehr blutigen Gefechten wurden die Franzosen aus Kalai Memesli und Deroluba verdrängt. Die Franzosen, deren rechte Flanke durch jüngst eingetroffene Engländer verstärkt war, zogen sich drei Kilometer weiter nördlich in stark aus⸗ gebaute Stellungen zurück. Die englischen Truppen konnten oberhalb der Ortschaft Paplist halten, konnten aber den von Warna vordringenden Mazedonier nur kurz widerstehen. Sie waren genötigt, Paplist zu räumen, das dann von den Mazedoniern besetzt wurde. Auf dem linken Wardarufer wurden die Franzosen aus ihren starken Stellungen geworfen; sie flüchteten bis Gadeke. Vereitelung eines Blutbades in Nisch. Budapest, 14. Nov. Der serbische Metropolit Dossitej, der in bulgarische Gefangenschaft geraten ist, wird im Kloster Batsch⸗ kovo interniert werden. Der Metropolit erzählte, wie Az Est meldet, daß das diplomatische Korps Nisch bereits am 18. Ok⸗ tober verlassen habe, während die Mitglieder der Regierung mit Paschitsch erst am 30. Oktober abreisten. Aus der Erzählung des Metropoliten erfährt man, daß die Serben einen teuflischen Plan hatten, der, wenn er gelungen wäre, ein furchtbares Blut⸗ bad zur Folge gehabt hätte. Das serbische Oberkommando organi⸗ sierte vor dem Rückzug etwa zwanzig Banden mit dem Auftrag, die in Nisch einquartierten bulgarischen Soldaten eines Nachts zu ermorden. Der Intervention des Metropoliten sei es ge⸗ lungen, den ruchlosen Anschlag zu vereiteln. Der Metropolit selbst hat am 5. Nopember die bulgarischen Truppen empfangen. In Nisch sind zurzeit Flüchtlinge aus ganz Serbien zusammen⸗ geströmt, sodaß derzeit dort über achtzigtausend Menschen sich befinden. Von zweihundert russischen Nonnen, die in Nisch weilten, blieben nur zwei zurück. Die englischen„Hospitalschiffe“. Sofia, 13. Nov. Die amerikanische Gesandtschaft in Sofia notifizierte gestern der bulgarischen Regierung die Namen von 70 englischen Hospitalschiffen, die demnächst im Aegäischen Meer erscheinen werden. Die auf⸗ fallend hohe Zahl dieser Schiffe steht in solchem Miß verhältnis zu den in Mazedonien gelandeten eng⸗ lischen Kontingenten, daß die Sofioter Regierung die ameri— kanische Notifikation nicht ohne ausdrückliche Reserve beantworten wird. Beschießung Aivalis durch englische Kreuzer und Hydroylane. 10 U. Wien, 14. Nov. Aus Athen wird gemeldet: Große Er⸗ regung rief die Beschießung der Stadt Aivali und der Ortschaft Moscholi an der kleinasiatischen Küste in der griechischen Bevölkerung nete Bombardement sind eine große Anzahl Griechen getötet dervor. Burch das vom meyreren Kreuzern und Flugzen anderer Schaden angerichtet worden. Während der Aivalis durch englische Kreuzer und Wasserflugzeuge gerieten viele griechische Privathäuser in Brand andere Häuser wurden ö die von den Flugzeugen abgeworfenen Brandbomben zerstört, dar ter das Kaffeehaus. Eine Bombe traf das Zollhaus, das ebenso wie die benachbarten Häuser abbrannten. Auch das Haus des Arztes Gotthardt, der italienischer Konsularagent ist, wurde Zepstört in⸗ 6 dessen konnte sich die aus fünf Personen bestehende Familie Gotz. hardt retten. Der englische Gesandte in Athen hat dem griechischen Kabinett sein Bedauern aus gesprochem über die Tötung griechischer Bewohner während der Beschießung Aivalis. 0 Der türkische Tagesbericht. i Konstantinopel, 14. Nov.(W. T. B. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier meldet von der Dardanellenfront: Am 11. und 12. November dauerte der örtliche Feueraustausch mit Unter⸗ brechungen an. Die wirksame Antwort unserer Artillerie machte sich in den feindlichen Stellungen bemerkbar. Bei Anaforta nahmen zwei feindliche Torpedoboote, bei Ari Burnu ein Kreuzer und ein Torpedoboot des Feindes ohne Ergebnis an dem Feuer der Landtruppen teil. Unsere anatolischen Küstenbatterien beschossen wirksam die feindlichen Truppen in der Umgebung von Sedd⸗ül⸗Bahr und Mortoliman und die dort befindlichen feindlichen Schlepper.— Sonst nichts von Bedeutung. 4 Graf Wolf⸗Metternich beim rumänischen König. Wie der Pester Lloyd sich aus Bukarest drahten läßt, hat der König von Rumänien am Samstag den neuen Botschafter in Konstantinopel, Grafen Wolff⸗Metternich, in Audienz empfangen. — Zum Zeichen dafür, daß Deutschland bezüglich der Haltung Rumäniens vollkommen beruhigt ist, kommt die Nachricht, daß der deutsche Gesandte die rumänische Regierung verständigte, daß die noch vor Kriegsausbruch in Deutschland bestellten 64 Lokomotiven nunmehr abgeliefert werden können.. Italien erklärt den Krieg an Deutschland? Der Mailänder Korrespondent der Neuen Zürcher Zeitung will aus zuverlässiger Quelle erfahren haben, daß italienische Geschäftsleute gewisse, allerdings nicht offen be⸗ stehende Geschäftsbeziehungen zu deutschen Firmen zu lösen suchen, weil die Kriegserklärung Italiens an Deutschland für unvermeidlich halten. Die zu erwartende Kriegserklärung stehe offenbar im Zusammenhang mit der Teilnahme Italiens am Balkankrieg, und es gelte als wahrscheinlich, daß die Regierung mit einem bereits vollzogenen Entschlusse vor die Kammer trete. i. Die Engländer geben die Dardanellen aktion auf? 1 T. U. Stockholm, 14. Nov. Auf Grund eines eingehenden Berichtes Kitcheners hat sich England veranlaßt gesehen, der russischen Regierung mitzuteilen, daß es sich aus strategischen Gründen von der Dardanellenaktion zurückziehe. 5 Druck und Verlag Offenbacher Abenblatt, G. m. b. H. antwortlicher Redakteur: Ignaz Klug.— Für den Inseratenteil verantwortlich A. Ulrich, sämtlich in Offenbach a. M. Vereinskalender. Montag, 15. November. 5 Gießen. Wahlverein. Abends 9 Uhr Mitglieder⸗Ber⸗ sammlung.— 29 Uhr Vorstandssitzung.. Wochenmarktpreise in Gießen am 13. November 1915 Hammelfleisch p. Pfd. 96—110 Pfg. 1 et ie 0 N 1 ot Nahtän 7 1 Butter(Land⸗) per Pfd. 1.90 Mk. Milch ö J i ilch Liter 26 Pfg. Kartoffeln p. Malter 77 50 Mk. Hühnereier Stück 1720 Pfg Kartoffeln Pfd. 4 Pfg · Gänseeier Stück— Pfg.] Zwiebeln ver Pfund 25—28 Pfg; Käse Stück 8—9 Pfg.] Blumenkohl per Stck. 20—40 Pg äsematte 2 Stück 5—6 Pfg.] Weißkraut p. Haupt 10—20 Pfg: Tauben per Paar 1.30—1.50 Mk Rotkraut p. Haupt 10—25 Pfg. am Hühner per Stück 1.80—2.30 Mk.] Wirsing p. Haupt 10—15 Pf. N Hähne per Stück 1.50—2.50 Mk.] Kohlrabi ver Stück 6—8 79 ö Gänse Pfd. 1.10— 1.30 Mk Sellerie per Kopf 8—12 Pfg. 0 Ochsenfleisch ver Pfd. 1.20—1.2 ik. Birnen Pfund 7—12 Pfg. Kalbfleisch ver Pfd. 120—124 Pfg.] Aepfel Pfund 6—12 Pfg. 6 Kuh⸗ u. Rindfl. per Pfd. 110.116 U fg.] Nüsse 100 Stück 40-45 Pfg. Schweinefleisch Pfd. 150000 Pfg. 7 15 mitteilen. Giessen, den 14. November 1915. Die trauernden Hinterbliebenen Theodor Judt u. Familie. Die Beerdigung findet Dienstag, den 16 November, nachmittags 3 Uhr, von der Kapelle des neuen Friedhofes aus statt. Tod A f odes- Anzeige. leute morgen 7 Uhr verschied sanft nach langem schwerem, mit grosser Geduld ertragenem Leiden unsere innigstgeliebte Tochter und Schwester Else Judt im Alter von 16 Jahren, was wir Verwandten, Freunden und Bekannten tiefbetrübt 32 Neu! Preis für 1 Pfund⸗ Packung nur Konkurrenzlos 7 Versand⸗Karton (D. R.⸗Patent 130568) 5 für Gelee, Honig, Butter, Schmalz, Fleischwaren ꝛe. Praktischer, vorteilhafter und billiger als lech oder Glas⸗Packung. Oberhessische Volkszeitung Gießen Bahnhofstraße 23. Neu! faber zum billigsten Tagespreise empfiehlt W. HñHankel Tel. 612. Neue Bäue 7. * eee 14„ Aalbbeaker bless. ul. Dir.: Hermann Steingoetter. g Dienstag, 16. November 1915, abends 8 Uhr:. 5. Dienstags⸗Abonn.⸗Vorstellung. Ein Falissemenk. 5 Schauspiel in 5 Aufzügen von Bjornstjerne Björnson. Ende gegen 1 Uhr. Gewöhnl. Preise(ermäßigt.) Soldaten vom Feldwebel abwärts zahlen bei allen Vorstellungen auf 2. u. 3. Sperrsitz nur halbe Preise. 25 Pfg · zu verkehren, ist Pflicht eines jeden organisierten Arbeiters. Durch ds Besuch desdtewerkschaftshauses un · terstützt der Arbeiter sein eig. Him La Speisen u. Cetränlke. Billig. Lois