N —— — — — * — — der Organ für die ztitu. f Juteressen des werktätigen Volkes Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Die Oberhessische Volkszeitung erscheint jeden We Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 60 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vier rttag Abend in Pig, monatlich teljährl. 1. 80 Mk. Redaktion und Expedition Giesten, Bahnhofstraste 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Juserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends? Uhr für die folgende Nummer in des Expedition aufgeben. Nr. 263 Gießen, Dienstag, den 9. November 1915 10. Jahrgang Im Plane der Vorsehung? Mit den Problemen des Weltkrieges hat nicht z di utholische Kirche schwer zu ringen. Ju der Gefchrbung ihr ternationalen Organisation infolge der nationalen Gegensätze te am schärfsten in dem heftigen Streit zwischen französischen und kutschen Katholiken in die Erscheinung treten, gesellen sich Kon- ikte anderer Art, die sich ganz allgemein aus der Stellung zum kriege ergeben und das Thema Krieg und Christentum berühren. Jabei stoßen wir denn auf die schärfsten Widersprüche und ein ge⸗ udezu chaotisches Durcheinander. Während das römische Ober- hupt der katholischen Kirche der bittern Klagen über die entsetz⸗ iche Völkerzerfleischung nicht müde wird und die Fürsten beschwört, re Herzen dem Frieden zuzuneigen, dem Greuel und Elend ein de 1 machen, jubeln die Historisch⸗politischen Blätter, daß es ine Lust zu leben sei in dieser großen Zeit. Ein namhafter satholit und Zentrumsmann aber veröffentlicht in der Presse E, Artikel, worin er England Schrecken und Tod durch unsere eppeline wünscht und dazu sagt:„Wenn wir es verstehen, Feuer n regnen zu lassen, warum sollte es nicht angewendet erden? Womöglich noch schärfer sind jedoch die Widersprüché bei der rage nach dem Warum des Krieges. Ist der Krieg Gottes— ber Menschenwerk: Lag er im Plane der göttlichen Vorsehung wer ist er auf rein irdische Ursachen zurückzuführen? Hat Gott de fündige Menschheit furchtbar strafen wollen oder ist der Krieg ildkonto einer verbrecherischen Cligne von Diplomaten 10 Sähelraßlern zuzuschreiben? Diese Fragen schwirren durch— nander, ihre Beantwortung zeigt klaffende Gegensätze. Wir be— agnen einem kühl realpolitischen Denken auf der einen, einer ver— segenen Ideologie auf der anderen Seite. Abermals wirken sich ber, wenn auch unter ganz anderen Bedingungen als bisher, die begensätze aus, bie dem in den letzten Jahren innerhalb des Katho— bismus tobenden Streit ihren Inhalt gaben. Für heute nur zwei konkrete Beispiele. Das führende Blatt Is österveichischen Klerikalismus, die Reichspost, veröffentlicht eine recht laug geratene Darstellung, wie es zum Ausbruch des heltkrieges gekommen sei. Die Reichspost erinnert an das Wort Joltkes, wonach die großen Kriege der neueren Zeit gegen Wunsch nid Willen der Regierenden entbrannt seien: die Börse habe in Useren Tagen einen Einfluß erlangt, der die bewaffnete Macht lie ihre Interessen ins Feld zu rufen vermöge. Moltkes Wort sei der, so sagt das Wiener Blatt,„auch auf den gegenwärtigen Welt⸗ leg, mit all seinem Elend und seiner Not anzuwenden“. Die le te Entscheidung habe bei der Londoner City gelegen; der eng⸗ lich⸗französisch⸗russische Dreiverband sei aufgebaut auf bie Er⸗ wagungen und Sorgen internationaler Finanzkreise, auch der Teubruch Italiens sei finanziell⸗kapitalistischen Kreisen aufs mto zu setzen. Das katholische Organ sagt schließlich:e Auch der für philosophische Deduktionen nicht Zugängliche erschaudert heute bis ins tiefste Herz, wird von Scham und Wut lugleich überwältigt beim Gedanken, daß wir den Jammer des Weltkrieges mit seinen Toten, Krüppeln, zerstörten Stä 11 serstampften Provinzen letztlich einein Klüngel habgieriger uii⸗ onäre und Milliardäre verdanken; und das Ende des Welt⸗ krieges zu guter Letzt das sein wird, daß eine reiche Oberschicht in underthalb oder zwei Jahren zwanzig fette Jahre erlebte, wäh⸗ dend die Mittelschichten und die Kleinen Leben und Gut aufs Spiel setzten und nur mit großen Opfern an den heimischen Herd Aurückkehren. 5 7 8 Also; schändliches Menschenwerk ist dieser Krieg, verschuldet 15 witalistischer Habgier, in Szene gesetzt von der unersättlichen 95 anz der Entente. Wir hören es und lassen es gelten, wenn 9 5 lot in der l engen Umgrenzung der Schuldigen, wie es 2 185 Jwichspost“ beliebt. Aber wir wissen auch, daß das mu uf⸗ mung aller Katholiken ist. Gerade die konsequentern 99 igen 05 über den Ursprung des Krieges ganz eutgegengesetzter Munz serwollen nicht, daß aus dieser furchtbaren Katastrophe 1 8 e die göttliche Vorsehungausgeschaltet werde. An 1 fündigen Großkapitals setzen sie den Willen des 11 51 e kers aller Weltgeschicke. Zwei Tage darauf, nachdem 1 5 lich Juchspost die Hochfinanz der Enteffte für den Krieg 17 0 0 euacht hatte, veröffentlichte die nicht minder katholisch. 15 f 188 urger Chronil eine Betrachtung, die sich, e 10 0 direl anzeigte:„Der Krieg im Plane der göttlichen Vorsehung“. id da lesen wir nun; 5 105 1 0 e der on d löttlichen Vorsehung gelegen, und durch die 1 50 will Gott seine bestimmten Zwecke e e Urieg ist eine Geißel Gottes, und zwar eine. 177.5 0 0 en gon geit zu Zeit schwingt der liebe Gott diese Cecheh bh luhm bann, wenn sich die Völker in ihrem Hochmut und 9 7 chgewendet haben, damit sie durch Kriegsleiden, enschen wer⸗ selend geläutert, wieder zu ihm zurückkehren. 1 05 5 ver⸗ en nur allzu leicht im Glücke, in guten, Tagen Schuld sich aufe gessen den lieben Gott und laden Schuld auf 75 den vielen arum kann die Strafe nicht ausbleiben, Einen unn der Krleg: züchtigungsmitte ln in der Hand 1 ai zarum gab es zu allen Zeiten Krieg und wir 4 5 5 bei e zeiten noch geben... Diese Erkenntnis sicker Krieg mit allen zur allmählich, langsam durch. nur ein 7 Gemeingut aller 0 einen Schrecken wird dieses bessere Erkennen zu ürde diesbezüglich nachen. 1 155 nur einigen Monaten wi 1 zur wenig Wandel schaffen. 112 5 übersteh⸗ e Zwei katholische Zeitungsstimmen, die sich, egenetden i bene der und Wasser! Denn wenn es gutrisst, daß dercheißel schwingt“, Vorsehung liegt und Gott„von Zeit zu 16 0 Weltkrieg was kann s kann die gelästerte Entente für den jetzigen 1 Heimsuchung „ Großkapftal daffir, wenn der Herrgott 0 de naheliegenden g Menschheit beschließt! Wir verzichten auf den denn 4 Krieg ist im Plane der lange Dauer desselben k zu folgen ö 155 Spuren der Salgburger Ehren setzt, es widerstrebt daß der„Vurgfriede“ uns Schran Städten und uns auch, den Krieg und die von ihm heraufbeschworenen geistigen Konflikte zum Objekt der Satire zu machen. Noch weniger aber ist es unsres Amtes, die Salzburger Chronik und ihresgleichen darauf hinzuweisen, wie sie dem kirchlichen Gottesglauben durch die Hinein⸗ ziehung der göttlichen Vorsehung in den Krieg einen schlechten Dienst erweisen. Zweifellos werden die furchtbaren Erlebnisse dieses Krieges das Deuken der Menschheit tief beeinflussen, mancher wird das seelische Gleichgewicht verlieren, manch einer auch zu einer ernsten Nachprüfung seiner religiösen Anschauungen gelangen. ** Zur Eiunahme von Nisch. Budapest, 7. Nov. Einzelheiten über die Einnahme von Nisch sind in Sofia noch nicht eingetroffen, doch wird bekannt, daß um den Besitz der Stadt erbitterte Nahlämpfe der mit Todesverachtung stür⸗ menden bulgarischen Infanterie stattfsanden. Vor dem Einzug der Bulgaren hatten die Serben alle Munitionsmagazine in die Luft gesprengt. Nach ziemlich verläßlichen Angaben soll auch ein ser⸗ büscher General gefangen worden sein. In Nisch wie auch in den umliegenden Ortschaften wurden zahlreiche französische und eng⸗ lische Fahnen mit die Entente begrüßenden Aufschriften vorgefunden. * Sofia, 7. Nov. Meldung der Bulgarischen Telegraphen-Agentur. Der Generalissimus Schekow hat an den Ministerpräsidenten Radoslawow folgendes Telegramm gerichtet: „Es ist mir besonders angenehm, Ihnen zu melden, daß nach hartnäckigen, blutigen Kämpfen, die drei Tage gedauert haben, heute nachmittag um 3 Uhr die Festung Nisch von unseren tapferen Truppen erobert und dort die Flagge Bulgariens für immer gehißt worden ist. Dieser glänzende Erfolg, der die siegreichen Fahnen des bulgarischen Volkes in Waffen mit neuem Ruhm bedeckt, weist den Weg für Ihre patriotische Politik zur Einigkeit der ganzen Nation unter der Majestät des Königs.“ Radoslawow erwiderte:„Der glänzende Ausgang des dreitägigen Kampfes unserer siegreichen Truppen gegen einen zähen Feind unter den Mauertn von Nisch, dessen Eroberung ein histo⸗ risches Ereignis ist, und wo die bulgarische Flagge für immer zu Ehren des Königs und der Dynastie und zum Ruhme der tapferen Soldaten wehen wird, be⸗ reitet mir und meinen Kollegen große Freude. Der Ministerrat ver⸗ neigt sich vor den siegveichen Fahnen, die eine vollkommene Stütze der Politik der nationalen Einheit sind.“ Die Stärke der englisch⸗ranzösischen Truppen. Kopenhagen, 7 Nov.(W. T. B. Nichtamtlich.) National Tidende meldet aus Petersburg: Nach hier eingetroffenen Be— richten erreichten die englisch-französischen Truppen auf dem Balkan nunmehr die Stärke von 150000 Mann. Da diese Zahl zur Einleitung einer kräftigen Offensive nicht genügt, sollen weitere Verstärkungen aus Frankreich, England und Rußland abgewartet werden. Fyranzösische Verluste in Serbien. Nach einer Bukarester Meldung haben die in Serbien kämpfen⸗ den französischen Truppen bisher über 1000 Verwundete und über 500 Tote. Nach Bulgarien sind bisher 3600 französische Gefangene gebracht worden. 5 55 25 Die englische Hilfe. Die englische Gesandtschaft in Athen erhielt ein Tele⸗ gramm, wonach gegenwärtig zwei englische Divisionen (40 000 Mann) den Bulgaren entgegenmarschieren. Die griechische Krise.„ Die ft Athen ausgebrochene Krise beherrscht die Presse der Welt, nicht nur ihres eigenen Gesichtes wegen, als wegen der Zu— sasummenhänge der ganzen Entwicklung auf dem Balkan. Die Entente hofft? daß der Sturz des griechischen Kabinetts eine Machtprobe ihrer Anhänger in Griechenland herbeiführen wird, sie spielt sogar schon mit dem Gedanken einer inneren griechischen Revo⸗ lution, um Griechenland in einen Krieg gegen die Zentralmächte hincinzuzwingen. griechischen Königs und die ruhige kräftige Haltung des bisherigen Ministeriums jeden scharsen Konflikt vermeiden und wenn die Sympathieen des Königs auch sicher auf Seiten der Zentralmächte stehen, doch nicht aus einer ruhigen Neutralität heraustreten zu wollen. Jute xressant ist übrigens, wie diese jetzt so aufgebauschte Krise aus einer ganz kleinen ÜUrsache in der Kammer entstanden ist. Nach einem ausführlichen Bericht der Times hat es sich lediglich um eine parlamentgrische Eutgleisung des Kriegsministers General Nankitsa gehandelt, der einen Vorschlag an die Kammer machte (wozu nur das Gesamtministerium berechtigt ist) obwohl er kein Ab⸗ geordneter ist. Dies ist nach griechischem Parlamentsgebrauch un⸗ zulässig und wurde als Beeinträchtigung der parlamentarischen Rechte angesehen. Als Venizelos in kluger Ausnutzung dieser Situation sich mit großem Wortschwall die Einmischung eines ein⸗ zelnen Ministers, der nicht Abgeordneter sei, verbat, soll der Kriegs⸗ minister seine Papiere zusammengeparkt und mit wütenden Gesten sowie mit der Erklärung, daß er nicht wieder erscheinen werde, das Haus verlassen haben. Daraus entstand ein mächtiger Tumult, Zu⸗ rufe und Proteste, und es soll nicht viel gefehlt haben, daß die Herren Abgeordneten gegeneinander handgreiflich wurden. Der Ministerpräsident Zaimis erklärte in diesem Tumult, daß nach seiner Meinung die Haltung des Kriegsministers vollkommen kor⸗ rekt sei und stellte die Vertrauensfrage. Die Abstimmung fiel zu Ungunsten des Kabinetts aus. 5 0 Würde der König hieraus die verfassungsmäßigen Konsequenzen ziehen, so hieße das nichts anderes, als das Parlament auflösen und Neuwahlen anordnen oder— was natürlich bei seiner bisherigen Haltung ganz ausgeschlossen erscheint—— Venizelos zu berufen. Nach der griechischen Verfassung würden die Wahlen 45 Tage nach der Auflöfung, also Ende Dezember stattzufinden haben und die neu⸗ Auf der andern Seite scheint die Energie des- Vom Mieltkrieg. gewählte Kammer würde spätestens Mitte Februar zusammen⸗ treten. Ein großer Teil der Wähler steht jetzt unter den Waffen. Es ist anzunehmen, daß die militärische Entwicklung auf dem Bal⸗ kan in den nächsten Wochen nicht gerade Anhänger einer neuen Machtprobe des Herrn Venizelos gewinnen wird. Der Sieg der Zentralmächte und Bulgariens dürfte eher entschieden sein, als die Neuwahlen einer griechischen Kammer. Damit rechnet wahrschein⸗ lich auch Herr Venizelos; ihm liegt weniger an Neuwahlen, da er jetzt über eine sichere Mehrheit verfügt, als daran, daß Griechenland in Unruhe kommt und in diesem Wirrwarr hin und hergeworfen mird, so daß er noch immer die Möglichkeit behält, das griechische Volk auf die Seite der Ententemächte hinüberzuziehen. Er hat mit zweifellos großem agitatorischen Geschick jetzt den besonderen Haß des Griechenvolkes auf Bulgarien konzentriert, indem er behauptet, Bulgarien werde, nachdem es Serbisch-Mazedonien fest in der Hand halte, auch das griechische Mazedonien haben wollen und es sei nur eine Frage der Zeit, bis die Auseinandersetzung zwischen Bulgarien und Griechenland durch eine bulgarische Offensive herbeigeführt werde; es sei daher klug, jetzt wo die Zentralmächte und Bulgarien noch nicht endgiltig auf dem Balkan gesiegt hätten, gegen Bulgarien vorzugehen. Dieser Agitation gegenüber hat der König Konstantin bisher große Festigkeit gezeigt, ja geradezu ostentativ gegen Venigelos da⸗ durch Stellung geno n, daß er den Kriegsminister zu seinem Generaladjutanten ernannte. Der König weiß— und daran zwei⸗ felt auch niemand in der Entente— daß er sich auf den Generalstab und auf die Führer der Armee für seinen Standpunkt vollkommen verlassen kann. Aus dieser militärischen Machtstellung des Königs kann erwartet werden, daß der griechische Wirrwarr allmählich ge⸗ klärt und der Welt das Schauspiel einer noch weiteren Ausdehnung des Krieges erspart wird. Das neue griechische Kabinett. Athen, 7. Nov.(W. T. B. Nichtamtlich.) Meldung der Agence Havas. Vorsitz von Skuludis gebildet, der das Ministerium des Aeußern übernimmt. Die übrigen Mitglieder des Kabinetts Zaimis werden beibehalten. Das Kabinett wird morgen den Eid leisten. * Der neue griechische Ministerpräsident Skuludis ist ein Mann von 80 Jahren. Er steht dem politischen Parteigetriebe seit langem fern. Seine politischen Anschauungen decken sich ungefähr mit denen von Rhallis und Trikupis. Er trat als junger, sehr be⸗ güterte Mann in die Diplomatie ein. Seine politische Laufbahn be⸗ schloß er vor ungefähr vier Dezenien als Gesandter Griechenlands in Madrid. Der Staat erinnerte sich seiner diplomatischen Leist⸗ ungen nach dem unglücklichen Feldzug gegen die Türkei im Jahre 1897. Damals übernahm er unter dem Ministerium Rhallis das Portefeuille des Auswärtigen und führte die Verhandlungen mit der Türkei mit ganz besonderem Geschick. Zum letzten Male trat er an die Oeffentlichkeit, als er nach dem Balkankriege als Delegierter Griechenlands an der Londoner Konserenz teilnahm und dort mit außerordentlichem Erfolg die Interessen Griechenlands vertrat. Zwang gegen Griechenland? London, 7. Non. Morning Post veröffentlicht einen Leit⸗ artikel über Salonik als neue militärische Basis, worin das Blatt auf die Gefahr hinweist, daß die Truppen des Vierverbandes von der Seite Griechenlands bloßgestellt seien und Griechenland jeden es nicht allein für möglich, sondern für wahrscheinlich. Das Blatt empfiehlt deshalb die von Carson vorgeschlagene Politik, Griechenland vor allen Dingen mit Hilfe der Flotte zu zwingen, sich dem Vierverband anzuschließen. Verstärkung des ariechischen Heeres. Lyon, 6. Nov.(W. T. B. Nichtamtlich.) Nouvelliste meldet aus Salonik: Der griechische Generalstab hat beschlossen, den Be st and des griechischen Heeres möglichst bald durch Aus⸗ bildung derjenigen, die bisher keinen Militärdienst getan haben, zu erhöhen. Man erwartet, daß durch diese Maßnahme die Stärke des griechischen Heeres auf eine halbe Million gebracht werden wird. 4 Numänieun. Eine Rechtfertigung Bratiauns. Budapest, 7. Nov. Bei dem neuerlichen Empfang einer Meier e Truppen internieren könne. Die Morning Post Gruppe von Abgeordneten betonte der rumänische Minister⸗ präsident Bratianu, er sei von Anfang an überzeugt gewesen, daß der Krieg lange dauern würde. Rumänien als kleiner Staat habe die Pflicht gehabt, ruhig abzuwarten. Nichts wäre leichter gewesen, als das Land in den Krieg zu hetzen. Er glaube, seine Politik sei die beste gewesen. Ein so kleiner Staat wie Rumänien wäre durch eine Niederlage vernichtet wordon. Er verweise auf das Schicksal Belgiens und Serbiens. Er werde keine abenteuerliche Politik befolgen. Wenn die weiteren Agitationon der Unionisten das Interesse des Landes bedrohen sollten, sei er gewillt, auch andere Mittel in An- spruch zu nehmen. Die Internierung russischer Dampfer. Bukarest, 6. Nov.(W. T. B. Nichtamtlich.) Blättermeldungen zufolge fuhren gestern abend von Turn Severin flußabwärts fünf russische Dampfer, ein Torpedoboot und 10 Serben beladene Schlepper. mit Munition für Alle Schiffe führten die xumänische 0 und waren von zwei rumänischen Kriegsschiffen begleitet. Das neue Kabinett wurde unter dem Artillerie bei Anaforta ein Torpedoboot und ein Transport⸗ Trügerische französische Hoffnungen. T. U. Peris, 7. Nov. Das Echo de Paris warnt die öffentliche Meinung in Frankreich, noch Hoffnungen auf eine Intervention Rumäniens zugunsten des Vierverbandes zu setzen. Rumänien, das stehe nach den gemachten Erfahrungen nun fest, habe nie die Absicht gehabt, zu marschieren. Der türkische Tagesbericht. Konstantinopel, 7. Nov.(W. T. B. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: An der Dardanellenfront dauerte der übliche gegeuseitige Feuerkampf an. Zwei feindliche Kreuzer und ein Monitor bei Ari Burnu sowie ein Kreuzer bei Seddül⸗ Bahr beschossen mit Unterbrechung unsere Stellungen. Unsere Artillerie zerstörte ein feindliches Munitionsdepot bei Kutschuk Temikli und ein Maschinengewehr in der Artillerie— stellung des Feindes bei Ari Burnu. An der Kaukasusfront im Abschnitt von Narman und in der Umgebung von Milo wurden starke feindliche Patrouillen durch unsere Gegenpatrouillen vertrieben. Sonst nichts zu melden. Gescheiterter Vorstoß des Feindes bei Sedd⸗ül⸗Bahr. Konstantinopel, 7. Nov.(W. T. B. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: An der Dardanellenfront beschoß unsere schiff mit Feinden, die bei Kimikli Liman lagen. Es wurden mehrere Treffer erzielt. Der Transport entfernte sich in Rauch gehüllt. Am 6. November beschädigte unser Feuer ein feindliches Flugzeug, das in der Gegend von Kutschukki Mikli ins Meer fiel, wo unsere Artillerie es weiter beschädigte. Seine Trümmer wurden vom Feinde in der Nähe von Lazaretten ans Ufer gezogen. In diesem Abschnitt nahmen drei feindliche Panzer und ein Torpedo boot, wie gewöhnlich erfolglos, an dem Feuergefecht teil. Bei Ari Burnu Feuergefecht und auf dem linken Flügel leb⸗ hafteres Bombenwerfen. Bei Sedd⸗ül-Bahr versuchte der Feind im Zentrum nach einem Feuerüberfall gegen unsere Stellungen vorzustoßen, indem seine Soldaten Bomben warfen. Der Versuch scheiterte unter unserem Feuer und der Feind wurde vollständig ver⸗ trieben. In diesem Abschnitt fand wie gewöhnlich an— haltendes Feuergefecht statt. Der Feind schleuderte inner⸗ halb 24 Stunden gegen unseren linken Flügel etwa 1300 Granaten, ohne irgendwelchen Erfolg zu erzielen. An den anderen Fronten nichts von Bedeutung. Der Seekrieg. Deutsche U-Boote im Mittelmeer. Paris, 6. Nov.(W. T. B. Nichtamtlich.) Eine Mit⸗ teilung des Marineministeriums besagt, daß aus den: Atlantischen Ozean kommende feindliche Unterseeboote die Meerenge von Gibraltar durchfahren haben, wahrscheinlich in der Nacht vom 2. zum 3. November. Sie versenkten am 4. November auf der Höhe von Arzen den französischen Dampfer„Dahara“ und in der Nähe von Kap JIvi den französischen Dampfer„Calvados“ und den ithalienischen Dampfer„Jonio“. Die Besatzungen der„Dahara“ und des „Jonio“ wurden gerettet. Man ist ohne Nachricht von der Besatzung des„Calvados“. Algier, 6. Nov.(W. T. B. Nichtamtlich.) Meldung der Agence Havas. Ein deutsches Unterseeboot hat am Freitag den französischen Dampfer„Sidi Ferruch“, 40 Meilen von Algier entfernt, beschossen und versenkt. Die Besatzung von 28 Mann ist in Algier eingetroffen. Drei englische Wachtschiffe gesunken. Stockholm, 7. Nov. Der Korrespondent des Aftonblab in Kristiania meldet: In Bergen traf die Mannschaft des am Freitag auf eine Mine gestoßenen norwegischen Dampfers „Eidsias“ ein. Die Mannschaft wurde durch ein englisches Wachtschiff gerettet, das unmittelbar darauf sich beeilen mußte, neue Ertrinkende zu retten, da in der Nähe des Wacht⸗ schiffes zwei andere englische Wachtschiffe sanken, ein eng⸗ lischer Hilfskreuzer und ein Torpedoboot. Auch ein- Patrouillenfahrzeug ist gesunken. Frankreich fürchtet die Entscheidung auf der Westfront. T. U. Paris, 7. Nov. Der Temps glaubt, daß die Deut⸗ schen die Entscheidung nicht auf dem Balkan suchen; Frank⸗ reich müsse erwarten, daß die Deutschen ihre Haupt⸗ anstrengung gegen die französische Front richten werden und fordert deshalb die Regierung auf, alle Maßnahmen zu treffen, um einer entscheidenden Offensive der deutschen Truppen, von der das Schicksal des Krieges abhänge, mit Erfolg begegnen zu können. Eine Erklärung des Fürsten Bülow. Paris, 7. Nov. Havas meldet aus Newnork: Die Assoeiated Preß interviewte den Fürsten v. Bülow, der erklärte, daß er weder nach Wafhington gehen werde, um dem Präsidenten Wilson einen Besuch abzustatten, noch nach Madrid, um den König Alfons zu sprechen, und daß er weder mit einem Abgeordneten des Papstes, noch mit irgend einer anderen Person die Eröffnung von Friedens⸗ verhandlungen besprochen habe. Er fügte hinzu, daß man sich bis zum Ende schlagen müsse. Deutschland sei einig. Es besitze alle materiellen Hilfsquellen und man sei in Deutschland allgemein da⸗ e den Krieg bis zur Entscheidung durch die Waffen zu führen. Zerstörung der Ugandabahn. London, 7. Nov.(W. T. B. Nichtamtlich.) Einer Meldung des Reuterschen Bureaus zufolge ist die Uganda⸗ bahn am 7. Oktober morgens bei dem Meilenstein 249 in die Luft gesprengt worden. Die Lokomotive stürzte um, der größte Teil des Zuges entgleiste. Menschenverluste find nicht zu beklagen. Vorbereitungen für das dritte Kriegsjahr. In der Nordd. Allg. Ztg. lesen wir: „Der Krieg zwingt uns, nicht nur mit allem, was wir haben, haushälterisch umzugehen, sondern auch unsere Bodenschätze und Güter so weit wie möglich auszunützen. Hierher gehört in erster Reihe die landwirtschaftliche und gärtnerische Bestellung solcher Ländereien, die bisher aus irgendwelchen Ursachen brach⸗ gelegen haben, obwohl sie einen guten, ertragsfähigen Boden be⸗ sitzen. Einsichtige Volkswirte haben dies rasch genug eingesehen, und unter tatkräftiger Leitung haben in Berlin die Gemeinn. Genossenschaft zur landwirtschaftlichen Verwertung von Bau⸗ gelände und der Kriegsausschuß für Gemüsebau im zweiten Kriegsjahr 1915 einen Teil dieser Brachländereien unter den Pflug genommen, teils selbst mit Kartoffeln bestellt und in klei⸗ nen Losen weiter verpachtet, teils durch freiwillige Helferinnen, Frauen und Mädchen, mit Gemüse und Obst bepflanzen lassen. Bald steht das dritte Kriegsjahr vor der Tür, und noch mehr als bisher müssen unsere Anstrengungen darauf gerichtet sein, alles daran zu setzen, um auch im Kampfe gegen den teuflischen Aus⸗ hungerungsplan unserer Feinde siegreich zu bleiben.... Insge⸗ samt wurden 1913 im Gebiet des Verbandes Groß-Berlin nicht weniger als 17994 oder rund 18 000 Hektar Oed⸗ und Unland festgestellt. Infolge des Stockens der Bautätigkeit mag sich diese Zahl seitdem nur ganz unwesentlich verringert haben.“ 5 Der Hinweis auf die Notwendigkeit der Vorbereitungen für das dritte Kriegsjahr zeigt, daß in der Redaktion des Reichsregierungsorgans an einen baldigen Frieden noch nicht ge— dacht wird. * Der Reichstag tritt, wie wir aus sicherer Quelle erfahren, bestimmt am 30. November, nachmittags 2 Uhr, wieder zusammen. 8 Der kleine Kreuzer„Undine“ gesunken. W. T. Berlin, 8. Nov.(Amtlich.) Am 7. November nachmittags wurde der kleine Kreuzer„Undine“ bei einer Patrouillenfahrt südlich der schwedischen Küste durch zwei Torpedoschüsse eines Unterseebootes zum Sinken gebracht. Fast die ganze Besatzung ist gerettet. Der Chef des Admiralstabs der Marine. [Schwierigkeiten, denen ihr Blatt ausgesetzt ist, Nachsicht 5 1 5 9 Eine neue Offensive der Verbünd b der Westfront? 12 Die Central News berichten von einer neue englisch-französischen Offensive an der Westfrent. J würden alle Vorbereitungen für einen umfassenden schen Angriff getroffen. Kltqchener der Erretter. b Das halbamtliche Echo Belge meldet, Kitchener w den Oberbefehlüber die Balkantruppen nehmen, welche den weiteren Vormarsch der Deutschen hindern sollen. 3 Die Pariser Presse verzeichnet die Abreise Kitchene nach Saloniki ohne Enthusiausmus. Die radikalen Blät fragen, ob der beste Kenner Aegyptens nicht vielmehr desse⸗ Berteidigung übernehmen wolle, na Sarrail für den Balkan in Aussicht genommen. Zur Reife Kitcheners schreibt die Kreuzzeitung: Sorge um Aegypten und den Suezkanal h Kitcheners Reise Anlaß gegeben. Es fragt sich, ob er fi nach dem Orient begibt und zur Besserung der militä Lage der Entente beizutragen versuchen wird, oder ob Reise direkt nach Aegypten geht. 8 Der Sonderberichterstatter des Secolo drahtet London: Kitchener hält es für nötig, den orientalise Kriegsschauplatz zu besuchen, um sich persön über die Lage zu unterrichten und um an Ort und S die Operationen der englischen Truppen zu organisieren. wird die Halbinsel Gallipoli und Mazedonien bereisen alle dortigen Kriegsoperationen, die heute etwas zusamn hanglos sind, harmonisch zusammenfassen. König und Ministerpräsident. T. U. Käln, 8. Nov. Wie der Washingtoner Berichterstatter der Köln. Ztg. berichtet, hat die New Pork Sun von einem Ressen⸗ den, der am 7. Oktober aus Liverpool zurückgekommen ist, eine 2 2 S = 2 — Sicherheit des Landes betrachten müsse. N sönliches Schreiben in diesem Sinne die britische richten. Asquith erklärte dem König, kein Kabinettsm glaube, daß der Krieg anders enden könne als mit dem pollstä gen Siege der Alliierten. Die einzige Meinungsverschie unter ihnen bestehe darin, wie dieses Ende am raschesten und erreicht werden könne. Mit diefer Erklärung gab sich der K jedoch nicht zufrieden und erklärte: Ich werde nicht gestatten, man von mir schreibt, ich wäre ein Strohmann geblieben in kritischsten Stunde dieses Landes. 16 Unruhen in Aegypten. 1 Konstantinopel, 8. Nov. Nach dem Ikdam wurden 24 von 40 verhafteten ägyptischen Hofbeamten hingerichtet, u dem eine Verschwörung gegen den„Sultan“ von Aegypten durch die englischen Behörden entdeckt worden war. Die Zensur und der Vorwärts. Der Berliner Lokalanzeiger schreibt: An seine Abonn übermittelte die Redaktion des Vorwärts am S folgende Mitteilung: Die heutige Nummer war von Redaktion rechtzeitig fertiggestellt, es war aber nicht mög die Zensurerlaubnis dafür zu erlangen. Wir bringen d unseren Lesern zur Kenntnis und bitten sie, angesichts d an üben. b Hriegsustizen. Wie die Frankfurter Ztg. zuverläffig aus Halle ersähr schloß die Deutsch⸗Türkische Vereinigung die Gr einer Wirtschafts zentrale, welche die deutschen bei Aubahnung geschästlicher Beziehungen mit der Türkei mit A kunft und Rat unterstiitzen soll. Die Reichsregierung sicherte namhafte Beihilse zu. Der Schiffbrüchige. Erzählung von W. W. Jacobs. (Nachdruck verboten.) „Du solltest ihn lieber zufrieden lassen,“ sagte Frau Rogenbuck. 4 Herr Kröger schüttelte den Kopf.„Ich hab' immer gern 'n bißchen Spaß gemacht,“ sagte er langsam.„Ich möcht' gern sein Gesicht sehen, wenn er merkt, wer ich bin.“ Frau Rogenbuck gab keine Antwort; sie sah sich nach ihrem Marktkorbe um, und als sie ihn gefunden hatte, über⸗ ließ sie es dem wiedervereinigten Paar, das Haus zu hüten, während sie sich aufmachte, um ein Abendbrot einzukaufen, das, in den Augen ihrer Tochter, der Gelegenheit würdig sein sollte. Sie ging erst zur Hauptstraße und machte ihre Einkäufe und war auf dem Rückwege, als sie beim Passieren einer kleinen Seitenallee einem plötzlichen Impulse folgte und in dieselbe einbog und an der Tür des Sterndeuters klingelte. Langsam näherkommende, schleppende Schritte ließen sich als Antwort hören, und der Astrolog, der in seinem Be— suche eine seiner treuesten und gläubigsten Klientinnen er— kannte, lud sie ein, herein zu kommen. Frau Rogenbuck tat dieses und blickte, auf einem Stuhle Platz nehmend, auf den ehrwürdigen weißen Bart und die kleinen, rot geränderten Augen ihres Freundes, in einiger Verlegenheit, wie sie be— ginnen solle. „Meine Tochter wird gleich herumkommen und Sie be— suchen,“ sagte sie endlich. Der Sterndeuter nickte. „Sie— sie will Sie über ihren Mann befragen,“ stam⸗ melte Frau Rogenbuck;„sie will einen Freund mit sich bringen— einen Mann, der nicht an Ihre Kenntnisse glaubt. Er— er weiß von allem über meiner Tochter Mann Bescheid, Der Alte setzte sich eine mächtige Hornbrille auf und be⸗ trachtete sie aufmerksam. „Sie halten mit etwas zurück,“ sagte er schließlich;„das beste ist, Sie sagen mir alles.“ Frau Rogenbuck schüttelte den Kopf. „Da schwebt Gefahr über Ihrem Haupte,“ fuhr Herr Liebermann mit leiser, zitternder Stimme fort;„eine Gefahr, die mit Ihrem Schwiegersohn zusammenhängt. Da“— er schwenkte seine magere, runzelige Hand vorwärts und rück⸗ wärts, wie wenn er einen Nebel zerteile, und blickte in die Ferne—,„da ballt sich etwas über Ihrem Haupte zusammen. Sie— oder jemand anders— verbergen mir etwas.“ Frau Rogenbuck, ganz bestürzt über solche Allwissenheit, sank in ihrem Stuhl zurück. „Reden Sie,“ sagte der Alte freundlich;„es ist kein Grund vorhanden, warum Sie sich für andere opfern sollten.“ Frau Rogenbuck war derselben Meinung und haspelte eiligst die Erlebnisse des Abends herunter. Sie hatte ein gutes Gedächtnis und so ging keine Einzelheit verloren. „Seltsam, seltsam,“ sagte der ehrwürdige Herr Lieber⸗ mann, als sie fertig war.„Er ist ein geistreicher Mann.“ „Ist es nicht wahr?“ fragte seine Zuhörerin.„Er sagt, er kann es beweisen. Und er will herausfinden, was Sie da⸗ mit meinten, daß Sie sagten, Sie wären bange, Unheil an⸗ zurichten. Er macht sich über Ihre Kräfte lustig.“ „Etwas davon kann er beweisen,“ sagte der Alte, boshaft mit den Augen blinkernd.„Das kann ich garantieren.“ „Aber das hätte doch kein Unheil angerichtet, wenn Sie uns das erzählt hätten,“ wagte Frau Rogenbuck zu bemerken. „Dafür kann doch kein Mensch was, daß er Schiffbruch leidet.“ „Sehr wahr,“ sagte der Sterndeuter langsam;„sehr wahr. Aber lassen Sie sie nur kommen und mich fragen; und in Ihrem eigenen Interesse rate ich Ihnen, lassen Sie auf keinen Fall jemand merken, daß Sie hier gewesen sind. Tun Sie's doch, so werden Sie in eine solch schreckliche Gefahr ge⸗ raten, daß selbst ich nicht imstande sein werde, Ihnen zu und er will nun mal ehen logs Sie sagen, daß Sie von ihm wissen“ helfen.“ 1 Frau Rogenbuck schauderte und ging dann langsam, mehr denn je unter dem Eindrucke seiner geheimnisvolle Macht, nach Hause, wo sie den ahnungslosen Herrn Krög dabei antraf, wie er mit vielem Gusto seine Abenteuer einem Ehepaar von nebenan erzählte.— „Es ist ein Wunder, daß er noch lebt,“ sagte Herr Detlef Strobel, beim Eintritt der alten Frau ins Zimmer auf, blickend;„das klingt wie ein Märchen. Zeigen Sie uns doch die Narbe auf Ihrem Kopf noch mal, Maat.“ 3 Der liebenswürdige Herr Kröger kam dem Wunsche na „Wir wollen nachher, wenn Sie Abendbrot gegesse haben, mit'rumgehen,“ fuhr Herr Strobel fort und erhob fie mit seiner Frau, um Abschied zu nehmen.„Das wird großes Vergnügen für mich sein, wenn der alte Lieberman reingelegt wird.“ 1 Frau Rogenbuck schnaufte und warf einen gering schätzenden Blick auf seine sich entfernende Gestalt. Ira Kröger machte sich, auf die Aufforderung ihres Gatten him, daran, den Tisch zu decken. 1 Es war eine lange Mahlzeit, woran hauptsächlich Herr Kröger schuld war, aber endlich war sie beendet, und nachdem dieser Herr geholfen hatte, den Laden zu schließen, gesellten sie sich zu den Strobels, die schon vor der Tür warteten, und machten sich auf den Weg. Der Spaziergang gestaltete sich sehr lebhaft durch Herrn Kröger, der alle zehn Meter Grusel anfälle bekam beim Gedanken an die übernatürlichen Dinge; deren er Zeuge sein sollte, und durch Herrn Strobel, der um nicht schlechter zu sein, darauf bestand, alle Augendii⸗ regungslos stehen zu bleiben, bis seine kichernde bessere ihm die Versicherung gegeben hatte, daß er nicht in Rauchwolke verschwinden solle. 1 Zu der Zeit, da sie Herrn Liebermanns Wo reicht hatten, hatte die Gesellschaft ihre Haltung wonnen, und mit Ausnahme eines gewaltigen von seiten des Herrn Kröger, als sein Blick au Schädel fiel, die den Tisch des Zauberers zi Benehmen nichts zu wünschen übrig. Herr als ein Freund der Familie aus Hamburg FGortsetzung folgt.) S Sn 3 II Ieutt l 0 Hessen und Nach bargebiete. Gießen und Umgebung. Neue schwere Kartosselnot im Westen Trotz aller Verfügungen, Verwarnungen und g der Landwirtschaftskammern und der Bauernvereine die die Bauern veranlassen sollten, schnell mit größeren Kartofsel. vorräten auf dem Markte zu erscheinen, steht der Westen Deutschlands, vor allem die Großstädte, vor neuen 1 Kartoffelkalamitäten, und es beginnt wieder die Jagd 3 einigen Pfund des unentbehrlichen Nahrungsmittels Be⸗ sonders sind in Köln geradezu beängstigende Zustände ein— getreten. Schon in den frühen Morgenstunden sind an den Mahnungen städtischen Verkaufsstellen die Kartoffeln ausverkauft; die Vorräte der städtischen Vorwaltung sind gering, noch geringer die in freiem Handel befindlichen Mengen, und man fragt sich, was etwa beim Eintritt einer Frostperiode werden soll Mehr und mehr stellt sich heraus, daß die Verordnung vom 9. Oktober mit ihrer Erwerterung vom 28. Oktober v spät kam. Daneben werden der Kartoffelversorgung der Städte noch von anderer Seite Schwierigkeiten bereitet. Die Kölner Stadtverwaltung hatte mit einer Handelsgesellschaft von Kartoffelgroßhändlern eine Vereinbarung getroffen, wonach diese an jedermann Kartoffeln mit dem ziemlich geringen Verdienst von 30 Pfg. pro Zentner abgeben mußten. Das klappte zunächst; da aber verboten plötzlich die Landräte der Kreise Koblenz und Mayen, der Hauptbezugsgebiete, die Ausfuhr von Kartoffeln. Trotz Vermittlung der Regierung und einer„dringenden“ Beglaubigung des Kölner Ober⸗ bürgermeisteramts verharrt der Landrat von Mayen weiter auf seinem Standpunkt, weil er nur an Städteverwaltungen und nicht an Großhändler liefern will! Aus der Seele des Soldaten. In der Semaine Littéraire veröffentlicht Romain Rolland zwei Briefe, die ein als Unteroffizier im Felde stehender französischer Lehrer, ein alter Verehrer des Dichters, au ihn gerichtet hat. Diese Briefe eröffnen einen Blick in das Seelenleben und in die Stim⸗ mungen des französischen Soldaten. Es heißt in einem dieser Briefe: „Alles, was ich gesehen und gehört habe, seitdem ich hier bin, hat mich davon überzeugt, daß der Krieg nie genug gehaßt werden kann, sowie ferner, daß er von denen, die ihn führen, von Herzensgrund gehaßt wird. Er ist herzlich verhaßt. Der„Poilu“(der Soldat) hat nichts von einem Haudegen an sich; sein lebhafter Wunsch ist, aus dem Kriege heimzukehren und nie wieder damit zu beginnen. Ich versichere Ihnen, daß die Krieger von heute die sichersten Frie⸗ densfreunde der Zukunft sind. Diese Meuschen werden ihre Pflicht auch weiterhin tun: denn das ist notwendig für den Frieden, flür den siegreichen Frieden, der das Wesentliche ihrer Gedanken aus⸗ macht. Der Krieg verdient gehaßt zu werden; denn abgesehen von all seinen Schrecken, die man sich nicht vorstellen kann, hat er nicht einmal das so oft gerühmte Verdienst, in den Seelen die heroischen Tugenden zu wecken und sestzuhalten. Die Anfangskrise ist längst. dahin. Nach der Begeisterung eines Augenblicks, die alles Niedrige und Mittelmäßige zum Schweigen gebracht hatte, sind die Seelen fehr schnell wieder das geworden, was sie waren: die einen vornehm, die anderen gering, die Mehrzahl ohne Größe wie ohne Niedrigkeit, einfach und anspruchslos. Tausend Kilometer von ihren Feldern entfernt finde ich unsere Landleute wieder, wie sie auf dem Lande sind: wie sie die Verhältnisse mit satalistischem Verzicht hinnehmen, ihre Aufgabe willig und mit der gewohnten Geduld erfüllen, sich häufig beklagen und immer gehorchen, keineswegs heldische, aber tüchtige Menschen. Der Krieg hat nichts in ihnen geschaffen, er hat ihnen keine Eigenschaft beschert, die sie nicht schon besaßen.““ Was ie Lobgefänge zu Ehren der Soldaten betrisst, die die französischen eitungen anstimmen, so bemerkt der Briefschreiber, daß die Sol⸗ ten, die sich in diesen Auslassungen nicht wiedererkennen, nur darüber lachen, ebenso wie sie über die gefälschten Vilder lachen, die den Anspruch erheben, das innere Leben an der Front kennen zu lehren.„Sie lassen sich kein K für ein u machen, sie sehen den Krieg zu sehr in der Nähe, unn ihn malerisch, ideal, wohltätig zu finden. Daß der Krieg bei einigen eine reinigende Krisis hervor⸗ gebracht hat, glaube ich gern: baß er aber die Gesamtheit verändert, der Masse eine Richtung aufgedrückt habe, die einige gern bei ihr sehen möchten, das leugne ich. Der Wunsch, der bei allen zum Aus⸗ druck kommt, die der Krieg zusammengeführt hat, ist, daß er nicht wieder beginne, daß ihre Kinder seine Häßlichkeit nicht mehr kennen lernen möchten.“ 8 — Städtischer Kartoffelverkauf. Heute hat der Klein- verkauf von Kartoffeln durch die Stadt begonnen und wird bis auf weiteres jeden Dienstag und Freitag vormittag in der alten Gewerbeschule, Asterweg 25, erfolgen. Es werden bis zu 20 Pfund abgegeben, das Pfund für 4 Pfg. — Städtischer Wildfleisch⸗ Verkauf. Am nächsten Donnerstag vormittag werden vom Metzgermeister Fr. Schreiner, Seltersweg, im Auftrage der Stadt eine An. zahl Rehe zerlegt verkauft und zwar zu folgenden Preisen: Keule und Rücken 1,20—1,30 Mk., Vorder blatt 8090 Pfg., Ragout mit Kopf 40 Pfg. ohne Kopf 50 Pfg. das Pfund. — Die Schweinepreise sind am Samstag am Viehmarkte in Berlin ganz erheblich zurückgegangen. Durch⸗ schnittlich fielen sie um 40 Mark pro Zentner Lebendgewicht. Es waren an dem für die Preisbildung maßgebenden Vieh- markte 11 483 Schweine aufgetrieben, doch hielten sich die Käufer sehr zurück, sodaß erheblicher Ueberstand verblieb. Ohne Zweifel hat die Festsetzung der Höchstpreise die 15 die Konsumenten erfreuliche Wirkung hervorgebracht. Hoffent⸗ lich kommt der Rückgang baldigst in den Fleischpreisen zur Geltung. 3 5 „ Schwurgericht der Provinz Oberhessen tritt am Montag den 6. Dezember, vormittags 90 Uhr, 0 1 periode des vierten Quartals zahmen. Zum Vorsitzenden ist Landgerichtsrat Hirsch bestimmt. ö — ese aus Oberhessen und eee Reservist Karl Haas aus Burkhardsfelden, 19 t. Inf. Reg. 10— Karl Scharmann aus Groß. Je a5 1 Reg. 253.— Wehrmann Heinrich Mathes aus Aßlar, e 11 Einen Reinttberschuß von 1 i fabrik. e f; rr eee 3 88 N er 5— ee die Abschreibungen um rum A. 0e n Ml. erhöht sind, steht ein r viel zu von ien eee ut nn 303 000 M.(. B. 3790 Nh. 1 g 803 600 1 e u t 28 bent(40 bund weider: fe n 1 erfordert 300 000 Mk. und hätte ohne weiteres wesentlich höher be⸗ messen werden können. An dle Rücklage gehen 248 000 Mk.(0), für Zwecke der Kriegsfürsorge werden 100 000 Mk.(30 000 Mk.) be⸗ stimmt, für Tantiemen 3111 Mk.(13 333 Ml.) und vorzutragen bleiben 62 398 Ml.(28 644 Mk.). In dem Geschäftsbericht begleitet die Verwaltung diese Abrechnung mit folgendem Klagekled:„Die Beschaffung von Rohleder hat die größten Schwierigkeiten gemacht, da die mit den Lieferanten zu niedrigen Preisen getätigten Abschllisse nicht eingehalten wurden und die Gesellschaft Leder zu den stark in die Höhe getriebenen Tagespreisen übernehmen mußte. Aus diesem Grunde ist auch der Verdienst auf die Stieselaufträge der Heeres⸗ verwaltung ganz minimal gewesen. Im neuen Geschäftsjahre ist das Unternehmen mit Aufträgen voll beschäftigt, doch ist durch die fortlaufenden Einberufungen die Zahl der Arbeiter stark reduziert, und auch die Beschaffung des Rohmaterials ist nach wie vor außer⸗ ordentlich. Hiernach bleibt die Frage offen, an welchen Artikeln die Gesellschaft die gewaltigen Gewinne erübrigen konnte. wolche die Steigerung der Ueberschüsse ermöglichten. Ist der Ver⸗ dienst an den Militärlieferungen tatsächlich„Hanz minimal“ gewesen und die betressende Feststellung in dem Bericht nicht etwa im Hin⸗ blick auf die kommende Besteuerung der Kriegsgewinne erfolgt, so wäre das gleichbedeutend mit dem Eingeständnis einer ungerecht⸗ fertigten Belastung des Publikums, dem in der gegenwärtigen schweren Zeit Preiszuschläge auferlegt wurden, die, wie die obige Abrechnung klar beweist, der Berechtigung durchaus entbehren. Eine Gewinnsteigerung wie im vorliegenden Falle dokumentiert eine häßliche Ausnutzung der Kriegszeit. Sie entspricht nicht dem Ver⸗ langen der Reichsregierung, den Bezug notwendiger Bedarssartikel der Bevölkerung nicht durch übermäßige Verkaufspreise zu er⸗ schweren. Den Namen des Absenders nicht vergessen! Unerläßlich ist bei allen Feldpostsendungen die Angabe des Absenders. Es lagern bei den Postdienststellen noch immer größere Mengen von unbestellbar gewordenen Feldpostkarten, riesen und Liebesgaben, die mangels irgendwelcher Angabe über den Absender nicht zurückgegeben wer⸗ den können und deshalb unanbringlich bleiben. Wir können den Auflieferern von Feldpostsendungen in ihrem eigenen Interesse nur dringend empfehlen, auf allen Sendungen den Namen und die Wohnung des Absenders zu vermerken. — Kabale und Liebe. Im Stadttheater gelangt morgen, Mitt⸗ woch, an Schillers Geburtstag, das genannte Werk des Dichters als Volksvorstellung zur Aufflihrung. Wir möchten darauf ganz be⸗ sonders hinweisen und zum BVesuche amregen. Wer in Arbeiter⸗ kreisen sich heute noch die Ausgabe ftir eine Theaterkarte— sie sind ja bei Volkspveisen sehr billig— erlauben bann, soll das Stiick an⸗ sehen, zumal unsere Klassiker jetzt sehr selten auf dem Spielplane erscheinen. Wie die meisten Schillerschen Dramen, übt„Kabale und Liebe“ einen gewaltigen Eindruck auf den Hörer aus, das Publikum wird hingerissen und begeistert. Es ist die Hoheit der Gesin⸗ numg, der das Werk durchglühende ehrliche und starke Idealismus, welcher uns packt und ergreift. Ein paar Worte darliber:„Kabale und Liebe“ wurde 1783 in Bauerbach, im Hause der Frau Henriette von Wolzogen, die kinderreich und selbst nicht sehr begütert, für Schiller Interesse gewann und ihm über die ärgste Not hinweghalf, vollendet. Allen dreien seiner Ingendwerke ist der Fehdehandschuh, den er der hestehenden Ordnung mit kühner Hand hinwarf, gemein⸗ sam. Die„Räuber“ sind ein Aufruf gegen alle Verhältnisse der be⸗ stehenden Ordnung: Gesellschaft, Wirtschaft und Recht. Im„Fiesko“ weht republikanischer Atem.„Kabale“ und Liebe“ aber zeigt der Welt das furchtbare Spiegelbild einer verkommenen Zeit, es ist ein kulturgeschichtliches Dokument ersten Ranges aus einer Zeit, die Schillers Vater noch erlebt, deren Folgen dem Karlsschüller und Re⸗ aimentsaedikus nicht erspart blieben, und die ihm beinahe auch ein langsames Sterben in den dunklen Verließen von Hohenasperg ver⸗ schafft hätte. Der revolutionäre Gegensatz der Stände und ihrer Moral trägt das Stlick; und solange es Stände und Klassen und damit auch eine unüberbrückbare Moral gegensätzlicher Klassen geben wird, ist Schiller hier seiner Wirkung gewiß. Auf der einen Seite im Drama der Hof mit einem verdorbenen Hosgesindel und einem ebenso schlechten Herzog an der Spitze, auf der anderen Seite das Bürgertum, das eben erst begann, sich wieder als„Stand“ zu fühlen und nicht mehr ein Spielball adliger Kreise sein wollte, aber noch nicht die Kraft besaß, sich von seinen Bedrückern zu be⸗ freien. Der Präsident von Walter, der sich durch Mord seine Stel⸗ lung erobert, trägt die Züge des heimtückischen Grafen Monmartin, Karl Eugens, des Herzogs von Württembergs Kanzler. Auch die Züge des Obersten Rieger, Schillers Pate, des Mannes, der ohne Schein von Recht mit brutaler Gewalt die Soldaten zusammentrieb und für Karl Eugen an Frankreich verschacherte, finden wir beim, Präsidenten wieder.(Ja, selbst Schillers Vater war An⸗ werber von Soldaten, die verhandelt und verkauft wurden, ge⸗ wesen). Auch die übrigen Personen, der Hofmarschall von Kalb, ein Geck und Asse allerschlimmster Sorte, die Lady Milford, des Herzogs Mätresse, die einzige anständige Person im Hofkreise, der Stadtmusikant Miller, ein Bürgersmann mit den Stärken und Schwächen eines solchen, seine Frau, devot, dumm und unge⸗ bildet, die sich freut, wenn das Holgesindel die Familie einer Gnade würdigt— alles Gestalten, die Schiller erlebt und gekannt hatte. Der Herzog erscheint nicht, aber wir hören von ihm sprechen und wissen, daß die Zeichnung auf Karl Eugen, den damaligen Herzog von Württemberg, paßt, dessen Hofhaltung an Pracht und Verschwendung mit dem 608 von Versailles wetteiferte und unter dessen Druck das Volk die härtesten Expresfungen erdulden mußte. Mit eisernem Griffel prägen sich dem Sinne Szenen ein, wie die Ueberbringung eines Kistchens mit Diamanten an die fülrstliche Mätresse, die der Herzog für 7000 verkaufte Landeskinder erzielt hatte.„Es traten wohl so etliche vorlaute Bursch' vor die Front heraus und fragten den Obersten, wie teuer der Fitrst das Joch Menschen verkaufe?— Aber unser gnädigster Landesherr ließ alle Regimenter auf dem Paradeplatze aufmarschieren und die Maulafsen niederschießen. Wir hörten die Büchsen knallen, sahen ihr Gehirn auf das Pflaster spritzen, und die ganze Armee schrie: Juchhe! nach Amerika!“— Auf diesem Hintergrunde heben sich die beiden Helden des Stückes ab: Ferdinand, der Sohn des Prüsidenten Walter, der die Luise Millerin, das Bürgermädchen, die Tochter des Stadtmusikanten, aller Konvention zum Trotz, liebt, und die beide eln Opfer der sich entspinnenden Ränke des Vaters von Ferdinand und eines enttäuschten Liebhabers, des Sekretärs Wurm, werden— beide Gestalten der Phantasie des Dichters.— Wir sind überzeugt, daß unsere Bühne das Meisterwerk Schillers in künstlerischer Vollen⸗ dung herausbringen und den Besuchern einen hohen Genuß bieten, wird. Kreis Meklar. n. Lebensmittel⸗Einkaufsgesellschaft der Städte. Wie vor einiger Zeit mitgeteilt wurde, haben eine Anzahl Städte an der Lahn, Dill und im Westerwald eine Lebensmittel-Einkaufsgesell⸗ schaft gebildet, um die Bevölkerung mit Lebensmitteln zu versorgen. Man hat zu diesem Zwecke eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung gebildet, deren Sitz sich in Limburg befindet und die über ein Stammkapital von 20000 Mark verfügt. Die Wetzlarer Stadtver⸗ ordneten⸗Versammlung genehmigte in ihrer Sitzung am Freitag den Beitritt zur Gesellschaft mit einer Kapital-Beteiligung von 3500 Mark. Birgermeister Dr. Kühn ist Mitglied des Aufsichtsvats. n. Die Wetzlarer Märkte sind für nächstes Jahr von der Stadt⸗ verordneten⸗Versammlung auf 4 1 Tage festgesetzt worden: 17. Januar Viehmarkt, 28. Februar Kram⸗ und Viehmarkt, 14. März Viehmarkt, 28. März Kram⸗ und Viehmarkt, 25. April Viehmarkt, 9. Mai, 18. Juni, 25. Juli, 22. August, 26. September und 17. Ok⸗ tober jeweils Kram⸗ und Viehmarkt, 14. November Viehmarkt, 28. November Kram⸗ und Viehmarkt, 19. Dezember Kram⸗ und Vieh⸗ markt(Weihnachtsmarkt). — Die Zahl der Kriegsopfer aus Wetzlar beträgt nach An⸗ 5 des Birgermeisters 140. Das sind jedenfalls nur die, deren od sicher bekannt ist, es ist sehr wahrscheinssch, daß es der Ge⸗ fallenen jetzt schon mehr sind. Von Nah und Fern. Ein Straßenbahnwagen in eine Musktapelle gesahren. Am Samstag mittag marschlerte in Mainz das 21. Plonier⸗Bataillon durch die Rheinallee. Als die vorangehende Mustkkapelle mehreren dort stehenden Kohlenfuhrwerken ausweichen und, das Straßen- bahngleis betreten mußte, sauste von hinten ein Motorwagen mit Anhänger heran und fuhr direkt in die Kapelle hinein. Ein Schrei des Schreckens ertönte, die Leute flelen übereinander und wurden. eine Strecke mitgeschleift. Ein Unterofsiaser wurde bewußtlos in. ein Nachbarhaus getragen und von dort mittelst Tragbahre ins Feldberglazarett gebracht, ein anderer Unteroffizier wurde eben⸗ falls blutig verletzt, außerdem exlitten andere Hautabschürfungen. Den Musikern wurden die Helmspitzen abgefahren und eine Anzahl Instrumente schwer beschädigt. 0 „Bender Antonius.“ Der 64 Jahre alte Lalenbruber S N Alois Kempf, genannt Bruder Antonius, vom Kapellenberg ö Zeil, hatte sich vor der Straflammer des Landgerichts in Schwein⸗ furt wegen 14 Verbrechen wider die Sittlichkeit und widernatür⸗ licher Unzucht zu verantworten. Der Angeklagte wurde am 22. Juli verhaftet. Zu der Verhandlung, die unter Ausschluß der Oessent⸗ lichkeit stattfand, waren 30 Zeugen, darunter 18 Knaben unter 14 Hahren, geladen. Während der Nugellagte in der Vorunterfuchun, alles leugnete, legte er nach Zureden des Gerichtsvorsitzenden seines Verteidigers ein umfassendes Gestänbnis ab. Die Verhand⸗ lung ergab, daß sich der Angeklagte während seiner 12hährigen An⸗ wesenheit auf dem Staffelberg und seit 1018 auf dem Kapellenberg in schamloser Art an den Kindern verging. Der Angeklagte wurde schon früher schweinischer Handlungen verdächtigt, aber immer ver⸗ stand er es, gegen die Zeugen so vorzugehen, daß diese mit ihren Aussagen zursickhielten und ein Verfahren nicht eröffnet werden konnte. Gleichwohl setzte er das Verderben der Jugend fort. In früheren Zeiten war der Beschuldigte in Klöstern in Wlirzburg und Salzburg, wo er fortgejagt wurde, weil er sich damals schon verdächtig machte, daß er den Zöglingen und Ministranten zu nahe kam. Verwerflich ist seine Tat umsomehr, weil er sich meistens seine Firmpaten als Opfer auserwählte. Solche Paten waren öfter mehrere Wochen zum„Erholungsurlaub“ bei dem„f 4 Manne. Statt für ihr Wohl zu sorgen, hat er sie moralisch ruiniert. Nachdem Landgerichtsarzt Dr. Schulze den Angeklagten für voll⸗ ständig gesund und für seine Handlungen in vollem Sinne verant⸗ wortlich erklärte, beantragte der Stagtsanwalt eine Gesamtzucht⸗ hausstrafe von 9 Jahren und 10 Jahre Ehrverlust. Das Urteil lautete unter Ausschluß mildernder Umstände auf 4 Jahre 0 Mo⸗ nate Zuchthaus und die beantragte Nebenstrase. Parteinachrichten. Carl Webdig gestorben. Am Freitag früh starb in Cassel der Geschäftsführer des dortigen Konsumvereins, Carl Weddig, im Alter von erst 43 Jahren an einer Lungenent 7 5 Unser Casseler Partelblatt schreibt von ihm: Der Tod dieses Mannes reißt in schwerster Zeit eine äußerst fühlbare Lücke in die Reihen der Casseler Arbeiter⸗ schaft, insbesondere aber in den großen Kreis derer, die sich seit Jahren um das Banner des Casseler Konsum⸗ und Sparvereins scharten. Carl Wedͤdig war so recht eigentlich die Seele dieses blühenden gemeinnützigen Unternehmens. Als am 15, Dezember 4900 eine kleine Schar, ganz 27 Leute, zur Gründung des ereins schritt, war auch Weddig unter diesen Pionjeren der Casseler Ge⸗ nossenschaftsbewegung. Er wurde sofort zum Geschäftsführer des jungen Unternehmens ernannt. Von Haus aus nicht Kaufmann, sondern einfacher Drechsler, entwickelte Weddig bald über⸗ raschende kaufmännische Fähigkeiten und glänzendes organisatori⸗ sches Geschick. Unter seiner Leitung wuchs der Konsumverein aus kleinen Anfängen zu einem der größten kaufmännischen Unter⸗ nehmungen(mit großem eigenem Etablissement und vielen Filialen) der Stadt Cassel empor. Eine besonders glückliche Hand, deren Wirken den heute mehr als 8500 Mitgliedern stets zugute kam, leitete Weddig bei den großen Warenabschlüssen für seinen Verein, an dessen Wohlergehen er mit Herz und Seele hing.— Auch in der Partei- und Gewerkschaftsbewegung entfaltete der Ver⸗ storbene eine eifrige Tätigkeit, der sich auch überall großer persön⸗ licher Beliebtheit erfreute.. Tagesbericht des Guten Hnuttuntfen, Erfolge im Luftkampf. g Erfolglose Angriffe der Russen. Gute Beute in Krusevac. W. B. Großes Hauptquartier, 8. Nov., vorm.(Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz, In den Vogesen schlossen sich nordöstlich von Celles au die Besetzung eines feindlichen Minentrichters durch unsere Truppen lebhafte Nahkämpfe mit Handgranaten und Minen an. Am Hilsenfirst wurde dem Gegner ein vorgeschobenes Grabenstück entrissen. Leutnant Immelmann schoß gestern westlich von Dou i das sechste feindliche Flugzeug ab, einen mit drei Maschinen⸗ gewehren ausgerüsteten Bristol⸗Doppeldecker. Oestlicher Kriegsschaupla tz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. ü Südlich und südwestlich von Riga, ferner westlich von Jakobstadt beiderseits der Eisenbahn Mitau—Jakobstadt und vor Dünaburg griffen die Russen nach starker Feuervorbe⸗ reitung mit erheblichen Kräften an. Ihre Angriffe sind, teil- weise unter schweren Verlusten für sie, abgeschlagen. 5 Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Keine wesentlichen Ereignisse. Heeresgruppe des Generals v. Linsingen. Russische Angriffe nordwestlich von Czartorysk blieben erfolglos. Drei Offiziere, zweihunderteinundsiebzig Mann fielen gefangen in unsere Hand. Balkan. Oesterreichisch-ungarische Truppen haben Iwanjica und den Vijenac(896 Meter) sieben Kilometer nordöstlich davon erreicht. Deutsche Truppen sind im Augriff auf die Höhen südlich, Kraljewo. Zwischen Kraljewo und Krusevac ist die westliche Morava an mehreren Stellen überschritten. Krusevac wurde bereits in der Nacht vom sechsten auf den siebenten November besetzt. Ueber dreitausend Serben sind unverwundet gefangen enommen, über fünfzehnhundert Verwundete wurden in azaretten gefunden. Die Beute besteht, soweit bisher feststeht, in zehn Ge⸗ schützen, viel Munition und Material, sowie erheblichen Ver⸗ pflegungsvorräten. Im Tale der südlichen Praskovce durchschritten. (Binacka-)Morava wurde Oberste Heeresleitung. . e reichisch ungarischen Kolonnen Der österreichisch ungarische Tagesbericht (W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: Russischer Kriegsschauplatz 5 Bei Sapanow an der Ikwa, am Kormin⸗Bach und westlich von Chartoryst wurden rufsische Angriffe abgeschlagen. Wien, 8. Nov. 8. November 1915. Sonst nicht Neues. Jtalfenischer Kriegsschauplatz. Die Ruhe an der Sübwestfront hielt im allgemeinen auch gestern an. Im Nordabschnitte, an der Hochfläche von Doberdo hatten unsere Truppen wieder einzelne Vorstöße des Feindes abzu⸗ weisen. Um den Eol di Lana wurde heftig gekämpft. Nachmittags fiel die Spitze dieses Berges in die Hände der Italiener; abends Furhe sie von unseren Truppen durch einen Gegenangriff zurückgewonnen. Die feindliche Artillerie hat das Feuer auf die Südwestfront von Riva eröffnet. Südöstlicher Kriegsschauplatz.. Die beiderseits des Moravica⸗Tales vordringenden öster⸗ warfen den Feind aus seinen Höhenstellungen nördlich von Jvpanfica. Die deutschen Truppen der Armee des Generals der In⸗ lanterie von Köveß kämpfen auf den Höhen südlich von Kraljewo. Flußabwärts, bei Trstenik, haben sich unsere Streitkräfte den Uebergang über die hochgehende Morava erkämpft. Krusevac und die Höhen östlich davon sind in der Hand des Generals von Gallwitz. Die bulgarische Armee gewinnt im erfolgreichen Fortschreiten die Ausgänge in das Becken von Leskovac. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnant. * Glänzende Erfolge im Südosten. Ueber die militärischen Erfolge der Deutschen und ihrer Verbündeten in Mazedonien und Serbien wird der Frankf. Ztg. über Wien telegraphiert: In geradezu glänzender Weise schreitet die Offen— sive der verbündeten Truppen in Serbien vorwärts. Gestern hat sich die Armee Gallwitz, nachdem sie sich bereits zwei Talecken erobert und im Tale der westlichen Morawa den Ort Graskovee durchschritten hat, auch Krusche⸗ watz und die Höhe westlich davon, die mit der 546 Meter hohen Trenova⸗Glava in der Nojemce-Planina kulminiert, erobert, die eine neue Verbindung nach Aleksinatz durch das Tal der Gaglowacka und der Gjuniska von Kruschewatz nach Aleksinatz eröffnet. Oesterreichisch-ungarische Streitkräfte be— mächtigten sich nach hartnäckigen Kämpfen des Ueberganges über die Goliviska⸗Morawa, zwischen Grabovac und Treste— nik und ersteigen die südlich davon gelegene Ragovi-Planina. Südlich von Kraljewo kämpfen auf den Höhen des 780 Meter hohen Mitos und dem östlich der Ribniza ansteigenden Erni Vrh deutsche Truppen der Armee von Koeveß. Das ganze Tal der westlichen Morawa ist von seinem Ursprung bis zu seiner Mündung in den Händen der Ver⸗ bündeten. Beiderseits der Moravitza haben die dort vor— rückenden österreichisch-ungarischen Truppen die Serben von ihren Höhenstellungen nördlich von Ivanjetza herabgeworfen und folgen dem Feinde auf dem Fuße. Sie erstürmten dabei die 896 Meter hohe Vijenac⸗Höhe an der Straße von Ivan— jiza nach Kraljewo. Auch die Bulgaren folgen auf der ganzen Front dem in hastigen Rückzuge befindlichen geschlagenen Feind. Nörd— lich der Nischawa sind sie schon bis in das Morawa.⸗Tal, zwischen Paratschin und Aleksinatz herangestürmt. Der Nord- flügel der Armeegruppe Bojadjew befindet sich bereits in engstem Kontakt mit der östlichen Kolonne der Armee von Gallwitz. Im Tale der bulgarischen Morawa ist das„Les— Tawack Polje“ und das Tal südlich davon fest in den Händen der dort vorrückenden bulgarischen Kolonnen, und auch die Offensive gegen das Kocovo Polje schreitet günstig fort. Die Angriffe der Franzosen und Engländer gegen die Linie Rabrowo, südlich von Strumitza, dann gegen Kriwolatz und Prilep wurden unter bedeutenden Verlusten für die Alliierten von den Bulgaren siegreich zurückgeschlagen, wobei zahlreiche Gefangene und eine Menge Kriegsmaterial aller Art in den Händen der Sieger zurückblieb. Sowohl Franzosen als auch Engländer, die nach glaubwürdigen Meldungen bereits eine Stärke von 100 000 Mann erreicht haben sollen, erleiden in Mazedonien einen Mißerfolg nach dem andern. Nun sollen im Verein mit Italien von Süd⸗ albanien aus Unternehmungen zugunsten der Serben er— folgen, wozu behufs Niederhaltung der widerspenstigen Albaner bereits 20 000 Italiener dorthin entsendet sein sollen. Rußland sieht die Lage Serbiens als hoffnungslos an. T. U. Rotterdam, 8. Nov. Wie aus Paris hierher ge— meldet wird, sind dort aus Petersburg Nachrichten einge— troffen, die besagen, daß man in maßgebenden russischen Militärkreisen die Lage der serbischen Armee als hoffnungs— los ansieht, seitdem die Zufuhr von Munition und anderem Kriegsmaterial unmöglich geworden ist. Leider verhindere Rußlands geographische Lage, kräftig zugunsten Serbiens mit seiner militärischen Macht einzusetzen. Aber nicht nur das, man sehe in Rußland jetzt auch ein, daß es dem Vier— verband unmöglich sei, Serbien Hilfe zu bringen. Von der bulgarisch⸗französischen Front. N T. U. Kopenhagen, 8. Nov. Auch nach französischen Meldungen scheinen die bisherigen Zusammenstöße zwischen der bulgarischen Südarmee und dem Landungskorps von Saloniki nicht sehr glücklich für die englisch-französi⸗ schen Truppen verlaufen zu sein Das Journal berichtet aus Saloniki, daß die französischen Truppen zur Defensive übergegangen seien. Die Verbindung mit den serbischen Truppen, die um Istip in verzweifelter Lage kämpfen, sei noch nicht hergestellt. Paris, 8. Nov.(W. T. Nichtamtlich.) Blättermeldungen aus Solonik zufolge sind die Bewegungen des Expeditions⸗ korps in Südmazedonien wegen des Mangels an Eisenbahnen und Straßen äußerst langsam. Die Hilfsquellen des Landes sind außerdem durch die Balkankriege erschöpft. Man begegnet immer wieder unerwarteten Schwierigkeiten. Kürzlich müßten die Franzosen, da keine Pferde da waren, ihre Batterien mit Büffeln in Stellung bringen. Ferner ist die Witterung äußerst ungünstig. Alle Straßen und Wege sind von den letzten Regengüssen aufgeweicht und grundlos. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. 10 5 erlag von Krumm& Cie., Ern: Verlag Bekanntmachung. Der Kleinverkauf von Kartoffeln seitens der Stadt beginnt Dienstag, 1155 a e 4. Is. Der Verkauf findet statt bis auf weiter 5 Dienstag und Freitag vormittags von 8—12 Uhr in der Hofreite Asterweg Nr. 25(vorm. Gewerbeschule) Der Verkaufspreis beträgt 4 Pfg. für das Pfund. Die Abgabe erfolgt in Mengen bis zu 20 Pfund. Gießen, den 8. November 1915. 5 Der Oberbürgermeister. Keller. Bekanntmachung. Die im Oktober 1898 geborenen Landsturmpflichtigen der Stadt Gießen müssen sich am 15. November d. J., vormittags von 812 Uhr und nachmittags von 2—6 Uhr im Rathaus am Markt⸗ platz zur Landsturmrolle zu melden. Auswärts Geborene haben ihren Geburtsschein vorzulegen. Gießen, den 8. November 1915. Der Oberbürgermeister. Keller. Bekanntmachung. Aus der Minna Keil⸗Vogt⸗Stiftung sind für das Jahr 1915 drei Gaben von je 70 Mk. an drei in Gießen wohnhafte, würdige und bedürftige Handwerksmeister oder Witwen von Hand⸗ werksmeister, evangelischer Konfession, zu vergeben. Nur selbständige Handwerker oder Witwen selbst⸗ ständiger Handwerker können berücksichtigt werden. l Meldungen nimmt das städtische Armenamt, Asterweg 9, bis 30. November d. J. entgegen. Gießen, den 8. November 1915. Der Oberbürgermeister. (Armen verwaltung) Keller. Bekanntmachung. Nachstehende Bekanntmachung bringe ich hiermit lichen Kenntnis. Gießen, den 4. November 1915. Der Oberbürgermeister. Keller. zur öffent⸗ Bekanntmachung betreffend: Ergänzung der Verordnung über den Verkehr mit Gerste aus dem Erntejahr 1915 vom 28. Juni 1915(Reichsgesetz⸗ blatt S. 384). Vom 21. Oktober 1915. Der Bundesrat hat auf Grund des 8 3 des Gesetzes über die Ermächtigung des Bundesrats zu wirtschaftlichen Maßnahmen usw. vom 4. August 1914(Reichs⸗Gesetzblatt S. 327) folgende Verord⸗ nung erlassen: Artikel I. In der Verordnung über den Verkehr mit Gerste Erntejahr 1915 vom 28. Juni 1915(Reichsgesetzblatt werden folgende Aenderungen vorgenommen: 1. Der§ 11 Abs. 3 erhält folgenden Zusatz: Unternehmer, die weniger als 20 Doppelzentuer Gerste ge- erntet haben, können im Falle nachgewiesenen Bedürfnisses durch den Kommunalverband von der Lieferungspflicht nach Absatz 1 insoweit befreit werden, als ihnen im Falle der Lieferung weniger als 10 Doppelzentner verbleiben würden; die ihnen hiernach über die Hälfte ihrer Ernte verbleibenden Mengen sind auf die dem dritten Abschnitte obliegenden Lieferungen anzurechnen. 2.§ 24 erhält folgenden Satz 2: Anzurechnen sind ferner die nach 8 11 Abs. 3 Satz 2 freige⸗ lassenen Mengen. 3. Im S 236 ist hinter den Worten„herausgegangen ist“ einzu⸗ fügen: wieviel Gerste nach 8 11, Abs. 3 Satz 2 freigelassen ist. Artikel II. Diese Verordnung tritt mit dem Tage der Verkündigung in Kraft. Berlin, den 21. Oktober 1015. 8 Der Stellvertreter des Reichskanzlers. Delbrück. aus dem S. 384) Alle diejenigen, die glauben, daß die Vergünstigung— nämlich die ihnen zur Verfügung stehende Gerstenhälfte bis zum Betrag von 10 Doppelzentnern zu erhöhen— auf sie anzuwenden sei, haben unter genauer Darlegung ihrer Verhältnisse entsprechenden Antrag zu stellen. Der Antrag hat zu enthalten: 1. Name des Gerstenbesitzers. 2. Gesamternte aus dem Erntejahr 1915 in Doppelzentnern, 3. bereits erfolgte Verkäufe von Kontingentsgerste hieraus in Doppelzentnern. 4. Weitere, noch beabsichtigte Verkäufe von Kontingentsgerste hieraus in Doppelzentnern, bereits verfüttert in Doppelzentnern, weiterer Bedarf an Fuüttergerste in Doppelzentnern. .Anzahl der Tiere, an die Gerste verfüttert werden soll: a) Pferde, b) Rindvieh, c) Schweine, d) Ziegen, e) Gänse, 1) Hühner, g) Tauben. 8. Etwaiger Zukauf von Futtergerste in früheren Jahren in Doppelzentnern. Es wird von der landwirtschaftlichen Bevölkerung bestimmt erwartet, daß sie nunmehr, da es sich um eine ihr zugedachte Be⸗ günstigung handelt, in allen vorerwähnten Punkten wahrheits⸗ gemäße Angaben macht. Die Anträge sind bis reichen. 288 spätestens 20. November 1915 einzu⸗ Kommunalverbande nach dem Bekanntmachung. Nachstehende Bekanntmachung bringe ich hiermit zur lichen Kenntnis. 4 5 Gießen, den 4. November 1915. Der Oberbürgermeister. Keller. a Bekanntmachung zun betreffend: Aenderung der Verordnung vom 26. August 1915 fiber den Verkehr mit Hülsenfrüchten(Reichs⸗Gesetzblatt S. 5200 8 vom 21. Oktober 1915.„ Der Bundesrat hat auf Grund des Ss des Gesetzes über die Ermächtigung des Bundesrats zu wirtschaftlichen Maßnahmen usw. vom 4. August 1914(Reichs⸗Gesetzblatt S. 327) folgende Ver⸗ ordnung erlassen: 7 70 en 50 1 g 198 1 In der Verordnung fiber den Verkehr mit Hülsenfrüchten vom 26. August 1915 dane 1 520) fällt 8 1 Abs. 3 fort. a Artikel II. 5 1 Diese Verordnung tritt mit dem 25. Oktober 1915 in Kraft. Berlin, den 21. Oktober 1915. 5 1 l Der Stellvertreter des Reichskanzlers. 0 99 Delbrück. a Der Wortlaut der nunmehr in Wegfall gekom⸗ menen Stelle ist folgender: 1 5 1 „Besitzer von Hülsenfrüchten dürfen aus ihren Vorräten ins⸗ gesamt 1 Doppelzentner von jeder Art ohne Vermittelung der Zentral⸗Einkaufsgesellschaft absetzen“. a Bekanntmachung. Es sind drei lebenslängliche Pfründen aus der Plockischen Stiftung an geborene Gießenerinnen zu vergeben. 1 Die Bedachten sind gehalten, in die Provinzjal⸗Siechenanstalt hier einzutreten. 73 55 Meldungen nimmt das städtische Armenamt, Asterweg 9 part, bis zum 30. November ds. Js. entgegen. 5 3 Gießen, den 4. November 1915. Der Oberbürgermeister: 0 5 5 (Armenverwaltung.) 2 Keller. a Bekanntmachung. 1500 Mark in 10 Gaben von je 150 Mark an bedürftige und 0 Bewohner Gießens, Familienhäupter oder einzelstehende Personen, zu vergeben.— 5 Anmeldungen sind bis spätestens 90. November 1915 Asterwag 9, Erdgeschoß, Zimmer Nr. 3, einzureichen. J Gießen, den 4. November 1915. l 1 Der Oberbürgermeister. 1 (Armenverwaltung). Keller. 3 Bekanntmachung. 17 Aus der Echternach⸗Stroh. und der Louis Labroisse⸗Stiftung kommen demnächst etwa 140 Zentner Kohlen an Stadtarme zur Ver⸗ Aus der Friedrich Bücking⸗Stiftung sind um Weihnachten de 8. ge teilung. 21 Meldungen nimmt das städtische Armenamt, Asterweg 0, bis 20 November d. J. entgegen. 1 Gießen, den 4. November 1915. 3 Der Oberbürgermeister. W (Armenverwaltung.) Keller. T Verftorbene. Peer Wüler, Verwalter t. B. in AlBfek Frau Luise Judt geb. Drescher, in Atzbach, 36 Jahre alt. Neu erschienen: In französischer Kriegsgefangenschaft .— 1914/15. 13 Aufzeichnungen und Erinnerungen von Hans Horst, Briefträger in Gießen, Wehrmann im Landwehr⸗Inf.⸗Regt. 116. Preis 50 Pfg. Zu haben: ö Buchhandlung Oberhessische Volkszeitung Gießen, Bahnbosstraße 23.„ Ttlephon 2008. Taldgos- Selaesseh Pakheaer Ua in jeder Größe Dir.: Hermann Stelngoetter. zu beziehen durch die Dienstag, 9. November 1 abends 8 Ubr: Buchhandlung Oberhess. Volksztg. 4. Dienstags⸗Abonn.⸗Vorstellung. Bahnhofstraße 28. HsSSSGSSSSSSSSSSSSSSSSGSSSS SSS Beste Kriegskarte! Soeben erschienen! 4 o steht der am 4. November 1915. 4 Hauptkarten, 14 Spezialkarten. Die Karte enthält dieses Mal auch eine Spezialkarte vom 2 erbischen Kriegsschauplaß. 2 Preis nur 50 Pfg. Meinverkauf: Oberhesssche Volkszeitung, Bahuhofftt. 23. fferbager fenzzlatte... ö. osse bah e HDS SSeeeeeSeeeeeeeeeeeeeeen Mein alter Bert Mittwoch, 10. November 1915, abends 8 Ubr: 7 Zu Schillers Geburtstag Volks⸗ und Schüler ⸗Vorfelnng Hubale und Liebe ein bürgerliches Trauerspiel von Friedrich Schiller. Ende gegen 11 Uhr. Volkspreise. 5 abend bonn bree Ahle: 9 . e Krieg Rheumatis · mus, Ischias u Gicht kon Sie selbst bekämpfen. nichts verkanfen. kuntt Freimarke beiin Brandt, Kriegschulbeam Halle a. S. 438, Jako Lustspiel in 3 Akten 739 von Aran Viktor Arnold 1 Gewöhnl. Preise(ermäßigt) 4 1 As- 1 1 1 die 0 eib 1 Der stan. 00 un Auch gahalt a al Aan Afonal 0 * ligen Hallen len? eh Hung warnt 0 h eine ett. Aurde, 150 4 Kre 1 1 1 Henoss 0 1