er Organ der . S für die Interessen des werktätigen Volles Provinz Oberhessen und der Nach bargebiete. Die Oberbeisische Volksseitung erscheint jeden Werktag Abend i 1 Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., mon 155 0 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl.! 80 Wel Redaktion und Expedition Gießen, Vahnhofstraße 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Jnserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 261 Gießen, Samstag, den 6. November 1915 10. 6 Jahrgang 9 1„ ger Krieg als Neuolutionär. In zwei bis drei Menschenaltern ist die Welt praktisch fünf groß und sind die Entfernungen von Ort zu aeg iner geworden. Wir halten uns wunders wie beweglich, wenn mit Hilfe der Bahn auf zwanzig bis hundert Kilometer Luft⸗ 1 unternehmen, und doch sind Zeit und Mühe kaum größer 5 voreinst beim Bittgang der Bauern zum nächsten Gnadenort er Gesundbrunnen. An Stelle des Kirchsp ist wohl das Land reten, die Scholle hat sich vergrößert, aber die Schollenpflichtig⸗ b des Denkens ist geblieben. Nur die oberste Schicht der Bour⸗ visie und eine breite 2 te des Proletariats machen dabei eine zahme. Gut vier Fu tel unseres Volkes sitzen bei aller Rüh⸗ keit fest, tun weiß Gott wie flügge und sind doch nur Standvögel. s ganze Denken der Völker der Welt ist an den Wohnsitz gebannt, wirtschaftliches Streben kreist um seste Oertlichkeiten, Sitte und auch sind von Ort zu Ort verschieden, die Unterscheidung von gener und fremder Art und Sprache beherrscht sie seeelisch. Jeder yt unter dem heiligen Gebot der Scholle. 1 In diese konservative Idylle ist der Weltkrieg gefahren wie ein Zubelsturm. Mit dieser vorwaltenden Pfychologie örtlicher Ab- liderung hat es in der ganzen Welt ein jähes Ende genommen. psychologischer Umsturz ist vor sich gegangen, eingreifender und Wgedehnter als vor anderthab Jahrtausenden durch die Völker⸗ derung. Was sind jene Heerhäuflein der e geen die heutigen Armeen; was ist ihr 95 Kampfboden an hiau, Rhein und Po gegen den Schauplatz dieses Krieges? Frei⸗ eine Umsiedlung von Volksstämmen hat dieser Krieg nicht be— kt. Seine psychologischen Wirkungen gehen nach tung. a 5 5 0 45 N Das Heerwesen von heute ergreift nicht bloß wie der Söldner⸗ g Leute, die auch sonst größtenteils zum landfahrenden Volke en, es holt den Mu aus Iz Holzbehausung der Steppe, Kosaken aus feinem Dorfe, den fernen Sibiriaken aus seiner Aldung. Es holt den Tataren der Krim aus seiner Grtnerei, 1 kasier von seiner Schafherde, den Kirgisen von seiner Roß⸗ 1 anderer L bodenständigsten Stämme viele, viele tausend Werst in die In⸗ Friestädte Polens. Der Krieg wirft mehr als eine Million N lber Streiter als Kriegsgefangene in die Länder Mitteleuropas, N 1 sie durch gepflasterte, wohlgepflegte Städte und entrollt vor ihm Augen ein Leben, eine Art zu sein und zu wirtschaften, die ud ihrem Heimatwesen ohne Vergleich ist. Alle Maße sind ver⸗ ritt; das Maß der Entfernungen— sie haben einen ganzen Welt⸗ durchmessen in kurzer Zeit; das Maß möglicher Gesellung— di enge, einsprachige Dorfschaft ist ersetzt durch ein hundert⸗ zuchiges Millionenheer: das Maß des Erlebbaren— wenn ein enbrand sie fassungslos gemacht hat, sehen sie ruhig Städte bunnen; wenn das Sterben eines Nachbarn sie erschüttert hat, un und leiden sie tausendfachen Tod in der Minute. Das Maß sschlichen Duldens und Wirkens— die Grenzen der menschlichen Mur sind nach allen Richtungen bis ins Ungemeine, Unglaub⸗ hise gesteigert, im Guten wie im Schlimmen. Sie sehen sich alle lalpaftig aus dem engen örtlichen Rahmen eines kümmerlichen Meins kleinlichster Bestimmung herausgehoben, gleichsam physisch en Mittelpunkt der ganzen Welt gefetzt und mitberufen, Welt⸗ üchte zu machen. Und obschon sie das alles nicht begrifflich er⸗ inn, so geht es ein in ihren Instinkt und ihre Intention. Noch größer wohl ist die Wirkung auf Afrikaner und Asiaten. b Sngland und Frankreich ins Feld führen. Nicht ungestraft läßt u Senegalneger in der französischen Champagne und Inder in dern kämpfen. Die lieblichen Städtchen inmitten anmutiger gärten, die blanken Behausungen der Flandern und mitten anen die märchenhaften gotischen Kirchen und Rathäuser, die tlichen Chausseen mit den Ulmenalleen der Ae eee ler aus einem irdischen Paradies, prägen sich fest in die Phau⸗ naiver Menschen. Was sind die weiten Landwege dahin; Be⸗ gene Eifenbahnzüge durcheilen sie Tag und Nacht. Was Uuermeßlichen, furchtbaren, todschwangern Weltmeere, die 1 15 ceimat und jenem Paradies liegen? Auf schwimmenden Eisen⸗ kassen wird man schlafend oder in dämmerndem Nichtstun hi gungen. Und jene weißen Herren brau c en ue b Mosle Wor allem aber: dieses brennende Interesse. Den gens den zem glühenden Bergnest an Arabiens Küfte trägt twischen dan len am Gürtel ein farbig bedrucktes Blatt Papier, dit e zauzigmal des Tages hervor und sucht immer wieder die„ Fleerfabrik von Souchez, Lublin und den Isonzo und 1 0 95 übidort überall in der Welt wird über seine und e em Zukunft entschieden. Und in all den, Suter Welt, von Kanada bis zum Kap, von Sibirien bis? Kagan ihm trauernde Mütter und Bräute im Geiste die graslber⸗ ic erte Stelle, wo ihr Liebstes modert. Der Krieg hat wohl die Welt zerrisser ran Dialektik der Geschichte hat er allen s aufgerissen, die Völker zusammengeballt, (beten Völker leidenschaftlich für einander inter Senn n kampf und Tod miteinander geistig vermählt. 1 Waisen ran, wann endlich!— wieder Friede sein wird, 1 5 5 n pe Hräber in Polen aufsuchen, mit Namen und Zier er Erk aben⸗ „wird die Suchenden ein Staunen voll grauenhafter. Deutsche Dessassen. Denn nebeneinander werden ruhen ee ee ln, Magyaren, Tschechen, kurz, alle unsere zehm Vrataren, Kir⸗ uh Großrussen, Ukrainer, Litauer, Letten, e e 16 Al, Sibirier und viele andere mehr— beinahe die que e e künale! Und erst in Flandern und in der Chaleccber Männer lünd es wird einst wieder Friede sein und viele den Hütten zen wieder daheimsitzen— in Steppe und Witte in Se Herge und der Täler, in allen Winkeln der Erde. 116050 Nach⸗ Fickkehren in ihre engen, kleinlichen Zirkel, Nachbau 0 ben, und den Göpolgang eines armfeligen Daseneantezunz kiten. Sie werden des Friedens, der Ruhe, 9 froh sein. Aber wie lauge? Knaben und , aber kraft einer sonder⸗ Völkern zugleich die die örtlich abgeson⸗ ssiert, ja die Völker der Heimat zunächst Mädchen werden im K Ude ind den Kamtschadalen aus seinem Forst; es führt den Kern e 25 7 1 Kreise herumsitzen und lauschen. In ihren Geist werden die locken— den Bilder der großen Welt einziehen, in ihren Herzen unklarer, aber unstillbarer Drang nach jenen Fernen, nach dem Ungemeinen, nach dem Unglaubhaften und doch durch lebendige Zeugen Bewähr⸗ ten. Eine fressende Gier nach Tat und Untat wird in den Seeelen misten, die Gier nach dem Außexrordentlichen, nach dem Fessellosen. Aus allen Winkeln der Welt schießt es wild empor, der Drang in die Fremde, die Sehnsucht nach den steinernen Städten und nach den Gärten der Champagne, die Gier nach den Gütern des Abend— landes, der Durst nach Erlebnis und Tat. Nennen wir es zusam⸗ menfassend Weltdrang. Nach diesem Kriege wächst ein neues Menschengeschlecht heran, dessen Denken die Schollenpflicht abge⸗ streift hat, dessen Willen vom Weltdraug gesteigert ist. Sein Horizont ist nicht der Kirchturm, sondern die Erde. Vielleicht ist aller Wandel, den der Krieg zunächst im heutigen politischen Kräfte— system vollzieht, höchst unbeträchtlich im Vergleich zur physischen Umwälzung, die dieses Krieges Folge sein muß. Sie findet ein Gleichnis nur an der Völkerwanderung und der Entdeckung Amerikas. 5 1 0 Der Vormarsch der Bulgaren. Sofia, 4. Nov.(W. T. B.) Amtlicher Bericht über die Kampfhandlungen am 2. November. Unsexe Truppen setzten ihre Offensive auf der Straße Sajecar—Paracin fort. Wir besetzten die Stadt Bolewatz und erreichten die Linie Wala⸗ kone—Dobrujewatz im Tale des Sorljsky Timok. Nach er⸗ bittertem Kampfe erreichten wir die Linien Kalafat⸗Höhe— 5072— Dorf Prekopek—Prokopje Planini-Höhe 951— Höhe 1099 an der Wischegrad-Planina. Nach Aussagen von Ge— fangenen wohnte König Peter den Kampfhandlungen an Im Tal des VPlassotinska⸗Flusses wurden die Serben aus ihren Stellungen vertrieben. Unsere Trup⸗ pen besetzten die Linie Secenica—Brestowdol und machten 600 Gefangene. Von den übrigen Fronten wird keine Ver— änderung gemeldet. g Die Beschießung der ägäischen Küste Bulgariens. Sofia, 4. Nov. Soeben eingetroffene Reisende aus Gümüldsina erzählen, daß die englisch-französische Flotte nicht aufhöre, die bul⸗ garische Küste am Weißen Meer zu beschießen. Besonders zielen sie auf die Eisenbahn zwischen Dedeagatsch und der Station Ba⸗ dowa, wo die Reisenden knapp den feindlichen Schrapnells ent— wichen. Bei Maronia bemerkten die Bulgaren ein großes Schiff, das, wie später bekannt wurde, mit Salz beladen war. Sie wollten das Schiff erbeuten, ein französischer Kreuzer aber nahm dies wahr und versenkte mit einigen Geschossen das Salgzschiff. Die Mann⸗ schaft, durchwegs Neger, geriet in bulgarische Gefangenschaft. Entwaffnung ru sischer Kriegsschiffe. T. U. Budapest, 4. Nov. Der Pester Lloyd meldet aus Bukarest: Nach einem Bericht der Epoca aus Turn-Severin sind die russischen Kriegsschiffe, die im Donauhafen Kruja liegen, nach dex Einnahme von Kragujevac entwaffnet wor⸗ den. Die Bemannung bestand b Mann, von denen der 1 dieser Front bei. größte Teil bereits gestern nach dem Hafen Konstanza über⸗ geführt wurde; der Rest wird heute folgen. Die englisch⸗französische Hilfserxvedition. Die Times meldet aus Athen, daß die Ankunft von Ver⸗ stärkungen der Verbündeten auf dem serbischen linken Flügel den Durchmarsch der Bulgaren in südlicher Richtung auf dem Abschnitt von Gummiste aufgehalten habe. Bei den Verstärkungstruppen besände sich britische Kavallerie, die die Frydastellung besetzt habe. Die Truppen ständen unter Be⸗ fehl eines französischen Generals. Die Serben würden Izvor halten. In offiziellen ferbischen Kreisen glaube man, daß dieser Zu⸗ stond auf dieser Strecke sich gebessert habe, und daß die unmittelbare Bedrohung Monastirs aufgehört habe. Eine mundgebung er mänischer Professoren. Bukaxest, 4. Nov.(W. T. B. Nichtamtlich.) 50 Universitäts⸗ professoren mit dem Rektor Toma Joneseu an der Spitze ver⸗ öffentlichten eine Kundgebung an das Volk, in der der Eintritt Ru⸗ mäniens in den Krieg gegen die Mittelmächte verlangt wird. Einer der Unterzeichner, Professor Paul Negulescu, richtete nun an den Rektor einen Brief, in dem er bie Veröffentlichung der Kundgebung als unzeitgemäß bezeichnet, da inzwischen die Verbindung zwischen Bulgarien und den Mittelmächten vollzogen sei. Rumänien könnte im Kriegsfalle von nirgendher Munition erhalten und wäre daher noch viel schlimmer daran als die Russen. Unter solchen Umständen sei die Veröffentlichung der Kundgebung ein unverzeihlicher Fehler. Ueberdies sei zu bemerken, daß die Kundgebung in aller Eile verfaßt worden sei und deshalb der hohen Gesichtspunkte ent⸗ behre, die bei einer Kundgebung der Universität zur Geltung hätten kommen müssen. Die Erwägung, daß das Eingreifen Rumäniens im Hinblick anf die m sche Verbindung zwischen den Mittel- mächten und Bulgarien solange untunlich sei, als der Vierverband eine Uleberlegenheit irgendwie zur Geltung bringen könne, veran- Kundgebung als zursckgezogen zu betrachten. Cen frau dsi aher Hife uf an Rumänien Filipesen erhielt eine längere Depesche aus Paris, in der Rumänien aufgefordert wird, für seine natio⸗ nalen Ideale an der Seite Frankreichs in den Krieg zu lasse Negulesen, den Reltor zu bitten, seine Unzerschrift unter der Ueltkrieg. ziehen. Frankreich habe in erster Linie die Waffen er⸗ griffen, um eine Störung des Gleichgewichts auf dem Balkan zu verhindern. Das Telegramm, das von 32 französischen Politikern, darunter Barthon und Pichon, unterzeichnet ist, hat in politischen Kreisen Rumäniens um so größere Ueber⸗ raschung verursacht, als man nach den angeblichen großen Er⸗ folgen der letzten Offensive nicht geglaubt hätte, daß Frankreich die Hilfe Rumäniens anrufen werde. Ententeverschwörer an der Arbeit. Sofia, 4. Nov. Hier wurde die Anstiftung zu einem Aufruhr vor und während der Mobilisation auf⸗ gedeckt, die mit Geldern des Vierverbandes in der Höhe von weit über drei Millionen genährt wurde. Die Untersuchung ist im Gange. Die vergebliche russische Offensive. Dem Berl. Tagebl. wird aus dem Kriegspressequartier ge⸗ meldet: Die wieder aufgelebte russische Ofsensive an der oberen Strypa und am unteren Styr brachte den Russen wieder große Verluste. In Ostgalizien sind die russischen Angriffe auf den meisten Punkten schon abgewiesen. In Norb⸗Wolhynien sind österreichisch⸗ ungarische und deutsche Kräfte in die russische Hauptstellung im Ab⸗ schnitt an der Kowel—Kiew⸗Bahn südlich des Sumpfgebietes ein⸗ gedrungen. Erfolge konnten die Russen an keinem Punkte erzielen. Meuterer in einer russischen Kaukasusarmee. Konstantinopel, 4. Nov.(W. T. Nichtamtlich.) Nach den aus Erzerum eingetroffenen Nachrichten meuterte ein Bataillon des rechten Flügels der russischen Kaukgsusarmee. Den gegen die Meuterer entsandten Truppen wurde bewaffneter Widerstand ent⸗ gegengesetzt. Auf beiden Seiten gab es ernste Verluste. Russische Gefangene, von denen die Nachrichten herrühren, bemerken, daß auch ihre Offiziere sehr niedergedrückt sind. f 1 Die englische Kreditvorlage. mit, daß der Kress den die Regierung wahrscheinlich am nächsten Mittwoch beantragen werde, 250 Millionen Pfund betragen werde. Wie gewöhnlich wird Asquith die Vorlage einbringen. Er wird sich dabei auf die finanzielle Frage beschränken. Man werde bei dieser Gelegenheit jedoch eine erneute Debatte über den mili⸗ tärischen und politischen Zustaud herbeiführen, da die Debatte am letzten Dienstag nach der Rede Asquiths aus Mangel an. Zeit abgebrochen wurde. Negativer Wasserkrieg. Nach einer Bukarester Meldung kauft Rußland jetzt auf der unteren Donau, soweit sie ihm noch zur Verfügung steht, soviele Dampfschiffe als nur möglich zusammen und das zu feinen Preisen(wovon ja ein anständiger Teil in die Taschen Der bree Berichterstatter des Daily Telegraph teilt der kaufenden Organe fließen dürfte). Der Zweck dieser Transaktion soll auch sein, die Donau möglichst von Schleppern zu entblößen, die zum Getreidetransport von Bulgarien und Rumänien nach Oesterreich-Ungarn und Deutschland dienen könnten. Glücklicherweise ist der Schiffspark der K. K. priv. Donau⸗Dampfschiffahrtsgesellschaft und der bayerischen Donauschiffahrt groß genug, um uns auch diese russischen Anstrengungen mit Ruhe ertragen zu lassen. Das Geld dazu dürfte wohl aus Lloyd Georges silbernen Kugeln gemünzt sein. Keine portugiesischen Truppen für Gibraltar Das Neue Wiener Tagblatt meldet aus Lugano: Nach einer Meldung portugiesischer Blätter hat die portugiesische Regierung auf das Ansuchen der Engländer, portugiesische Truppen möchten an Stelle der zum Abtransport bereit⸗ stehenden Garnison von Gibraltar die Besetzung dieses Platzes übernehmen, eine abschlägige Antwort erteilt. Portugal beab⸗ sichtigt seine Neutralität aufrecht zu erhalten. Schwere Unruhen in Dänisch⸗Westindien. T. U. Christiania, 4. Nov. Aus St. Croix in Dänisch⸗ Westindien kommen heute sehr beunruhigende Nachrichten. Ein schwarger Unruhestifter Hamilton Jackston soll eine Revo⸗ lution hervorgerufen haben. Die dänischen Kolonisten er- bitten drahtlich Hilfe. Die dänische Regierung hat noch keine genaueren Nachrichten empfangen, sandte aber schließlich ein Panzerschiff und einige hundert Infanteristen nach West⸗ indien. Der Aufruhr wird als sehr ernst bezeichnet. Staatswahlen in Amerika. Newyork, 3. Nov. In den gestern abgehaltenen Staats. wahlen, die teilweise mit einer Abstimmung über vorge⸗ schlagene Verfassungsänderungen verbunden waren, erlitt das Frauenstimm recht eine entschiedene Niederlage. Dor [Staat Newyork verwarf u es mit einer Majorität von 220 000 Stimmen, Massachusetts mit einer solchen von 110 000, Pennsvlvania von 150000 Stimmen. Die Niederlage ist um 8 so bemerkenswerter, als eine äußerst lebhafte Agitation für das Frauenstimmrecht vorhergegangen war. Das zweite interessante Ergebnis ist, daß Präsident Wilsons Anhänger überall entscheidend ge— schlagen wurden. Sehr auffällig trat dies in einem Kongreßwahlkreise im Staate Newyork hervor, wo der Kandidat von Wilson besonders empfohlen war. Hier haben die deutschen Wähler den Ausschlag gegen Wilson gegeben und die Mehrheit von 6000 Stimmen, die sein Freund früher gehabt hatte, in eine Minderheit um— gewandelt. Die Einberusung des Reichstags. Aus Berlin wird uns geschrieben: Die Erklärung des Reichskanzlers auf die Forderung der sozialdemokratischen Fraktion, den Reichstag sofort einzu— berufen, enthält die positive Tatsache, daß der Reichstag ohne— hin Ende November seine Verhandlungen wieder aufnehmen wird. Das ist nun freilich auch nicht neu, sondern war bereits zum Schlusse der letzten Tagung vorauszusehen und ist auch in dem Vertagungsantrag selbst so formuliert. Der Reichs⸗ kanzler betont, daß er die Gründe der sozialdemokratischen Fraktion für ihre Forderung durchaus nicht verkennt, aus— schlaggebend für die Ablehnung sei aber der Umstand gewesen, daß bei einem sofortigen Zusammentritt des Reichstags die Kräfte des Reichsamts des Innern fast ganz für die parla— mentarische Arbeit mit Beschlag belegt werden würden, während sie gerade jetzt für die allerdings dringenden Auf— gaben auf dem Gebiet der Volksernährung und auch für die Vorbereitung der Reichstagssession notwendig seien. Uns scheint dieser ausschlaggebende Grund etwas merkwürdig. Das Reichsamt des Innern hat in ganz anders innerlich be— wegten Zeiten sowohl seine eigenen Arbeiten als auch die Arbeiten im Reichstage erledigen können, und wenn seine Einberufung im Augenblick absolut notwendig wäre, so müßte alles andere dahinter zurücktreten. Aber der Reichs— kanzler will augenscheinlich sagen, daß er in der Sache mit der sozialdemokratischen Fraktion einverstanden sei und ihre Wünsche schon vor der Tagung dadurch zu erledigen sich bemühe, daß das Reichsamt des Innern eben jetzt die Fragen der Volksernährung mit besonderem Eifer bearbeite und zu lösen trachte. Diesen Standpunkt kann man selbst dann ver⸗ stehen, wenn man die sofortige Einberufung des Reichstags für absolut notwendig hält. Wir haben selbst anerkannt, daß die letzten Maßnahmen des Bundesrats, die auf den Vor⸗ arbeiten des Reichsamts des Innern beruhen, einen guten Schritt nach vorwärts bedeuten, wenn sie auch so unendlich spät gekommen sind, daß in den weitesten Volkskreisen durch den Lebensmittelwucher Unruhe, Aufregung und Sorge in bedenklicher Weise gesteigert werden mußten. Wenn die Aufforderung zur sofortigen Einberufung er— teicht hat, daß die Arbeiten des Reichsamtes des Innern zur Regelung und Sicherung der Volksernährung beschleunigt, vertieft und verbessert werden, so ist das sicher ein Erfolg, der 15 Entgegenkommen gegen unseren Antrag darstellen würde. Was die Einberufung des Reichstags Ende November selbst betrifft, so dürfte die Tagung, wenn wir recht unter— richtet sind, sich bis kurz vor die Weihnachtsfeiertage aus— dehnen. Ob diese längere Dauer ganz durch Plenarsitzungen ausgefüllt wird, läßt sich schwer vorhersehen, jedenfalls wird der Reichstag auch diesmal nicht um einige Kommissions⸗ beratungen herumkommen. Wir werden abwarten müssen, wieweit die Arbeiten des Reichsamts des Innern wirklich im Interesse der großen Massen des Volkes vorwärts kommen und ob sie wirklich etwas bedeuten, was die Kritik und die Arbeiten des Reichs— tags ersetzen kann. Es liegt also an der Regierung, möglichst Tüchtiges und Nützliches für die Volksernährung schaffen zu lassen, wenn sie in den breiten Massen Verständnis für die ff,, . Nichterfüllung unserer Forderung auf sofortige Einberufung des Reichstags finden will. Sozialdemokratische Anträge im sächsischen Landtag. 85 Die sozialdemokratische Fraktion der Zweiten Kammer. des sächsischen Landtags beschäftigte sich in einer mehrstündigen Sitzung mit der Frage, welche Anträge sie in dem in einigen Tagen zusam⸗ mentretenden Landtag einbringen will. Sie beschloß, nach ein⸗ gehender Beratung solgende Anträge zu stellen: Aufhebung der Pressezensur und des Belagerungszustandes; Forderung von Maß⸗ nahmen gegen die Teuerung, die einzelnen Forderungen sind in neun einzelnen Punkten eingehend formuliert; Sorge für Kriegsopfer, Erwerbslosenfürsorge: die Gemeinden haben entsprechende und zwar dauernde Einrichtungen zu treffen, Reich und Staat haben die Mitte zur Verfügung zu stellen, es sind Zweckverbände zu bilden, Be⸗ schleunigung von Staa und Gemeindearbeiten mit tarifmäßigen oder in den Berufen üblichen Löhnen, Errichtung paritätischer Arbeitsnachweise, Schaffung von Arbeitslosenfürsorge durch, das Reich; Verbesserung der Kriegsfürsorge: Erhöhung der Familien⸗ unterstützung und der Armenunterstützung, der Alters-, Juvaliden⸗, Witwen⸗ und Waisenrenten; Teuerungszulagen für alle Stgatsar⸗ beiter und Beamten mit Einkommen bis zu 3000 Mk. nach unten steigend und unter Berücksichtigung der Kinderzahl; Reichssteuern: Beseitigung aller indirekten Lebensmittelsteuern und Abgaben, Hauptsteuerquellen in Steuern auf Einkommen und Vermögen mit starker Progression nach oben, besondere Besteuerung der Kriegs⸗ gewinne; Reform der Landessteuern: Befreiung der kleinen Einkom⸗ men bis zur vierten Steuerstufe, stärkere Progression der Steuer auf Einkommen von 6000 Mark an, Ausbau der Ergänzungssteuer zu einer Vermögenssteuer auf alle Vermögen von 10 000 Mk. an, Wegfall der indirekten Steuern, Erhebung der Grundsteuer nach dem sogenaunten gemeinen Werte: Einführung des geheimen, allge⸗ meinen, gleichen Wahlrechts zu Landtag, Gemeinde-, Bezirks⸗ und Kreisvertretung für alle Reichsangehörigen; Gewährung des un⸗ beschränkten Koalitionsrechtes für alle Staatsarbeiter und Be⸗ dienstete. Einführung eines Knappschaftsgesetzes für das Reich, Schaffung von Knappschaftsvereinen. 5 An die Spitze aller dieser Anträge ist ausdrücklich die Forderung nach Beseitigung der Pressezensur und des Belagerungszustandes, das energische Verlangen nach Vereins- und Versammlungs freiheit gestellt. Ueber weitere Anträge wird sich die Fraktion später noch schlüssig werden. Als Redner zur allgemeinen Vorberatung des Etats wurden die Abgg. Fräßdorf, Lange und Fleißner bestimmt. Die Etatsberatungen, die Gelegenheit zu einer Erör⸗ terung der allgemeinen poljtischen Lage 17 dürften wahrschein⸗ lich in der zweiten Hälfte des November stattfinden.— Ueber An⸗ träge der bürgerlichen Fraktionen ist in der Oeffentlichkeit bisher noch nichts bekannt geworden. 1 Der Kampf um Nicch. Dem Berl. Tagebl. wird aus dem K. und K. Kriegspresse⸗ quartier unterm 4 November gemeldet: An der montenegrini⸗ schen Westgrenze hat sich die Angriffsfront der k. k. Truppen bis Trebinje ausgedehnt. Angesichts des Wassermangels und der Wegearmut des Gebirgsgeländes erfordert die Offensive eine besondere sorgfältige Vorbereitung und be⸗ sonnenes Vorgehen. So hat man sich vorerst mit dem Aus⸗ bau und der Sicherung der eroberten Grenzhöhen Troglav, Orlovae und Babija bei Avtavac und Vardar bei Bilek be⸗ gnügt. Südöstlich Kragujevae und bei Jegodiar weichen die weichen die Serben vor der Armee Gallwitz zurück. Die Bul⸗ garen setzen im hartnäckigen Kampf mit den Serben die Ein⸗ schließung von Nisch fort, gegen das sie aus Nordosten auf der Straße Knjazevo-Sorljig, aus Südosten auf der Straße Pirot⸗Bela Palanka und aus Süden auf der Straße Vlasotlnee-Leskovac vorrücken. Gestern bermächtigten sich die Bulgaren der beherrschenden Kalafathöhe, von wo sie die“ Beschießung der Befestigungswerke haben. Zur Ministerkrise in Griechenland. Das Berliner Tageblatt schreibt: Venizelos hat das Kabinett Zaimis gestürzt, um sich selbst an dessen Stelle zu setzen. Seit dem Tage vor vier Wochen, da sich König Konstantin von ihm trennte, war es klar, daß Venizelos in der Stille das Ziel, das er jetzt erreichte, verfolgen würde. Die Krise ist da, aber unmittel⸗ bare praktische Folgen, einen sofortigen Umschwung der griechischen Politik von ihr zu erwarten, dazu liegt zunächst kein Anlaß vor. Die griechische Armee wird, ohne einem anderen Befehl als dem ihres Königs zu gehorchen, Gewehr bei Fuß stehen. Sie trägt schon bitter genug an dem Groll über die Verletzung griechischen Ge— —— von Nisch eingeleitet bietes durch die in Saloniki eingedrungenen Tun sie ihnen entgegentreten durfte. Sie wird kein We fährlichen Abenteuerpolitik sein, auch wenn der A Venizelos heißt, und wenn er— dem Ziele nachlagend, nach der Präsidentschaft der„hellenischen Republik“— haben sollte, sein Abenteuer mit ausländischer Hilfe in da, Leben des Landes zu tragen.— Der Berliner Lokalanzei Nach den Vorgängen der letzten Wochen ist nicht anzunehmer König Konstantin sich jetzt unter den Willen eines Staats beugen wird, der zweimal gehen mußte, weil er sich. Gegensatz zu der Ansicht der Krone befand. Künig Konstantit sich in den großen Schwierigkeiten der letzten Monate als ruhiger, entschlossener Politiker bewiesen und er wird weiterhin in Uebe einstimmung mit dem Willen des Volkes die Interessen Grie lands in gleich entschiedener Weise zu wahren wissen. Die Lage der Ententetruppen in Saloniki. Budapest, 5. Nov. Aus Sofia wird berichtet, daß in Saloniki gelandeten Truppen vom General bis 0 6 Infanteristen verzweifelt sind und sich bitter über die ö Verproviantierung beklagen. Das Budapester Blatt Sear bringt folgende Mitteilung aus Saloniki: Die Englä wollten auf der Halbinsel Chalkidike Truppen landen. griechischen Militärbehörden vereitelten jedoch den Ve mit der Begründung, daß sie Befehl erhalten hätten, Landung wenn nötig auch mit Waffengewalt zu verhin Athen, 5. Nov. Am letzten Oktober wurden die e britischen Truppen von Saloniki nach der serbischen Gr abgeschoben. Die griechische Zenfur gestattet nicht, gen Zahlen anzugeben, doch kann gesagt werden, daß in Salo seit einiger Zeit weit weniger Truppen gelandet werden. d Zahl der mazedonischen Streitkräfte der Entente ist so gering daß man noch immer nicht von einer militärischen Aktion! Alliierten auf dem Balkan sprechen kann. 3 Ein russischer Dampfer von den Bulgaren erbeutet. 5 Tll. Sofia, 5. Nov. Ein für Serbien bestimmter ruf Dampfer„Belgrad“, mit Kriegsmaterial an Bord, ist als B Bulgaren nach Lom gebracht und auf den Namen„Warna tauft worden. Die Einberufung des italienischen Parlame Tu. Von der italienischen Grenze, 5. Nov. Die Ein fung des italienischen Parlaments ist, römischen Blätt folge, auf den 1. Dezember zu erwarten. Sriegsustizen. Auf Anordnung des stellvertretenden Generalkomman VIII. Armeekorps, zu dem auch die Festung Köln gehört, n von jetzt an alle Druckereien und sonstigen Vervielfältigungsg ten von jeder bei ihnen erscheinenden militärischen und pole Schrift, gleichgültig ob sie der Vorprüfung unterlegen ha nicht, der zuständigen Zensurbehörde sechs Belegabdrlicke einn unter Angabe der Höhe der Auflage. Zuwiderhandlungen mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft. f Der sozialistische Landtagsabgeordnete Westmeye mehrere Wochen in Karlsruhe in Untersuchungshaft sich bese aus der Haft entlassen worden. 5 Der Reichsrats⸗ und Landtagsabgeordnete für Karlsbad Rudolf Lößl kist den auf einem nördlichen Schlachtfelde e Verwundungen erlegen. Lößl gehörte dem Vorstande der d radikalen Partei an. a Reuter meldet aus Wilmington: Ju der Pu! fabrik von Duponi, die sich bei Wilmington befindet, sa Explosion statt. Bei der Explosion wurden 17 Personen verletzt. Berlinske Tidende erfährt aus Petersburg: minister Bark schlug in der letzten Ministerratssitzung Kriegsbesteuerung der Eintrittskarten alle ganügungsanstalten im Betrage von 2 Kopeken Rubel vor. 5 Die Wolgaschiffahrt ist wegen der Vereisu 0 Stromes eingestellt, wodurch Holz- und Lebensmitteltranspot noch mehr erschwert werden, als bisher. 17 Rjetsch zufolge wurden zwei Arbeiter zum Verlust alle Rechte verurteilt, weil sie einer sozialdemokratisch Parteigruppe angehörten, der eine erhielt vier Jahre Strafarbeit, der andere wird Strafkolonie verschickt. 1 in e Der Schiffbrüchige. Erzählung von W. W. Jacobs. (Nachdruck verboten.) Frau Hinrich Kröger stand in der Tür des Ladens, die Hände über der Schürze gefaltet. Der kurze Tag ging seinem Ende zu, und man begann in dem kleinen Hafenplatz die Lampen anzuzünden. Eine Zeit lang lauschte sie auf den regelmäßigen Wellenschlag, der sich vom Meeresstrande her hören ließ, und begab sich dann, leise erschauernd, in den Laden zurück und schloß die Tür. Der kleine Laden mit seinen weithalsigen Bonbongläsern gehörte zu ihren frühesten Erinnerungen. Bis zu ihrer Ver— heiratung hatte sie kein anderes Heim gekannt, und als ihr Mann mit dem„Nordstern“ untergegangen war, vor nun— mehr drei Jahren, gab sie ihre Wohnung in Hamburg auf und kam nach Hause zurück, um ihrer Mutter im Geschäft zu helfen. Sie war in unruhiger Stimmung und legte eine Näh— arbeit, die sie vorgenommen hatte, nach ein oder zwei Minuten wieder weg. Ein Blick durch die Scheibe der Tür, welche in das kleine Wohnzimmer führte, zeigte ihr Frau Rogenbuck, die mit einem roten Schal um ihre Schultern in ihrem Lehnstuhl eingeschlafen war. Frau Kröger wandte sich beim Klange der Ladenklingel um, stieß einen lauten Schrei aus und starrte die Gestalt eines Mannes an, der in der Tür stand. Er war klein und bärtig, mit seltsam geformten Schultern und einem linken Bein, das nicht recht zum rechten paßte; aber im nächsten Augenblick lag Frau Kröger, gleichzeitig lachend und weinend, in seinen Armen. Frau Rogenbuck, deren Nerven noch infolge der Plötz— lichkeit, mit der sie aus dem Schlafe geschreckt war, zitterten, kam in den Laden. Herr Kröger machte einen Arm frei, schlang ihn um ihre Taille und küßte sie zärtlich auf das Kinn. „Er ist wieder da!“ schrie Frau Kröger aufgeregt. „Dem Himmel sei Dank,“ sagte Frau Rogenbuck nach kurzem Zögern „Er lebt!“ schrie Frau Kröger.„Er lebt!“ Halb zog sie ihn, halb führte sie ihn in das kleine Wohn—⸗ zimmer, drückte ihn da in den Lehnstuhl, den Frau Rogenbuck eben verlassen hatte, und setzte sich auf seine Knie, ohne in ihrer Aufregung darauf zu achten, daß ihre Mutter mit auf⸗ fälliger Sorgfalt den unbequemsten Stuhl im Zimmer wählte. „Denk' doch bloß mal, daß er noch wiederkommt!“ sagte Frau Kröger, ihre Augen trocknend.„Wie bist du gerettet worden, Hinrich? Wo bist du gewesen? Erzähl mal alles.“ Herr Kröger seufzte.„Das würde'ne lange Geschichte sein, wenn ich die Gabe hätte, sie richtig zu erzählen,“ sagte er langsam,„aber ich will es für heute kurz machen. Als der „Nordstern“ in der Südsee unterging, retten sich die meisten von der Mannschaft in die Boote, aber ich kam zu spät. Ich kriegte dieses Loch in den Kopf, weil mir was von oben darauf fiel. Guck mal hier!“ Er beugte den Kopf. Frau Kröger schob mit ihren Fingern die Stoppeln auseinander und stieß einen Ruf voll Bedauern und Besorgnis aus, als sie die Größe der Narbe sah. Auch Frau Rogenbuck steckte den Kopf vor und gab einen Ton von sich, der alles bedeuten konnte— selbst Be⸗ dauern. „Als ich wieder zur Besinnung kam,“ fuhr Herr Kröger fort,„war das Schiff im Sinken, und ich kam gerade wieder auf die Beine, als es unterging und mich mit sich riß. Wie ich am Leben blieb, weiß ich nicht. Es schien mir, als wenn ich jahrelang Wasser schluckte und nach Atem rang. Und dann fand ich mich auf dem Meere schwimmend und mich fest an ein Holzgitter anklammernd. Ich hing die ganze Nacht daran, und am folgenden Tage wurde ich von einem Eingeborenen aufgegriffen, der in einem Kanoe herumruderte, und nach einer Insel gebracht, wo ich über zwei Jahre lang lebte. Die Insel lag ganz aus dem Kurse der Schiffe, aber schließlich wurde ich doch von einem Küstenschooner, die„Pearl“, die in Sydney beheimatet war, mitgenommen und dahin gebracht. In Sydney musterte ich an Bord von den„Marston Towers“ an, einem englischen Dampfer, und landete heute morgen in Hamburg. „Armer Hinrich,“ sagte seine Frau, die immer noch in seinen Armen lag.„Was mußt du gelitten haben!“ „Ja, das ist wahr“, sagte Herr Kröger.„Hat sich erkältet?“ fragte er, mit einem Blick auf diese Dame „Nein, durchaus nicht,“ sagte Frau Rogenbuck, selbst! sich antwortend.„Warum hast du nicht geschrieben, als d in Sydney ankamst?“ 5 „Ich wußte nicht, wo ich hinschreiben sollte,“ antw Herr Kröger, sie groß anblickend.„Ich wußte nicht, wo hingegangen war.“* 8 „Du hättest ja hierher schreiben können,“ Rogenbuck. 1 „Daran hab' ich damals gar nicht gedacht,“ sagte& Kröger.„Ein Grund ist wohl, daß ich in Sydney mich nach einem Schiff umgehört habe. Na, jetzt bin ich wieder da.“. „Ich hatte immer das Gefühl, daß du eines sch Tages wieder auftauchen würdest,“ sagte Frau Rog „Das stand ganz fest bei mir. Beta war sicher, daß wärest, aber ich sagte, nein, ich wüßte es besser.“ Es lag etwas in Frau Rogenbucks Ton beim Sprecht das einen unangenehmen Eindruck auf ihre Zuhörer mac Dieser Eindruck wurde noch vertieft, als sie, na g kurzen, trockenen Lachen ohne ersichtlichen Grund, schnaufte— dreimal. l „Na, es hat sich gezeigt, daß du Recht hattest,“ Kröger kurz. 5 „Das ist gewöhnlich so,“ war die Entgegnung; ves gib wenig Leute, die mich reinlegen können.“ 5** Sie schnaufte wieder. 85 5 „Waren die Eingeborenen nett zu dir?“ fragte Fraf Kröger hastig, sich an ihren Gatten wended. „Sehr nett,“ sagte der.„Ach! Du hättest die Insel seh 5 sollen. Schöner gelber Sand und Palmenbäume; die los nüsse brauchte man nur herabzunehmen, und den ganzen Tal f nichts zu tun, als in der Sonne herumzuliegen und in den 0 See zu schwimmen.“ 7 „Waren auch Wirtshäuser da?“ fragte Frau Rogenb W 1 „Natürlich nicht,“ sagte ihr Schwiegersohn, Es wa doch nne Insel— eine von den kleinen Inseln in der „Was sagtest du, wie hieß der Schooner?“ fee Rogenbuck(Fortsetz r n 8 deut arne clas ie Ein Nlätzen 0 0 ö 1 10. 1. 6000 1 5 f u 10 1 0 Kilo geltenden Höchstpreise nicht übersteigen. 0 und Nachbargebiete G iessen und achbhargel iete. Einst. Einst wird dies alles vergangen sein und wie ein tiefer Traum. Wir liegen wieder im Sonnenschein bei einem blühenden Baum. Einst wird dies alles vergangen sein? Wer kann es denn verstehn? Ich hör einen Bruder„Mich dürstet!“ hn und kann nicht zu ihm gehn. Wir üben das bitterste Herzeleid, das Mensch dem Menschen tut.“ Wir tragen alle auf unserm Kleid ein fremdes dunkles Blut. Einst wird dies alles vergangen sein Und wenn es denn geschieht, wird alles eine Sage sein und ein unsterblich Lied. Will Lesper im Tag. Amtliche Preise für Schlachtschweine und Schweinefleisch. Nunmehr hat der Bundesrat die angekündigte Bekannt machung betr. Regelung der Preise für Schlachtschweine und für Schweinefleisch erlassen und zwar mit Wirkung vom 12. November an. Die Verordnung setzt drei Gewichtsklassen mit entsprechenden Preisabstufungen für Schlachtschweine fest. Je nach der geographischen Lage sind die Preise steigend. Während in Königsberg und den angrenzenden Bezirken der Preis für 50 Kilogramm Lebendgewicht für Schweine über 60 bis 100 Klg. 90 Mk., für solche von 60—80 Klg. 75 Mk. und für Schweine unter 60 Klg. 60 Mk., der Preis für Sauen 85 Mk. beträgt, steigt er allmählich an und beträgt in Elsaß— Lothringen, als dem teuersten Bezirk, in den entsprechenden Klassen 110 Mk., 95 Mk., 80 Mk. und 105 Mk.(für Sauen), für den Bezirk Frankfurt q. M. sind die betreffenden Zahlen 108 Mk., 93 Mk., 78 Mk. und(für Sauen) 103 Mk., steht also der Höchstgrenze sehr nahe. 5 Der Preis der ersten Gewichtsklasse erhöht sich bei Schweinen mit Lebendgewicht von über 100 bis 120 Kilo um 10 Prozent, von über 120 Kilo um 20 Prozent. In Ge— meinden, die öffentli che Schlachthäuser besitzen, Verkaufe zur Schlachtung 1 genannten Orte nicht übersteigen. fernung von zweien dieser Orte ist die Höhe der beiden Höchst— preise maßgebend. Die Landeszentralbehörden sind befugt, die sich ergebenden Höchstpreise herabzusetzen. Der Verkauf von Schweinen zur Schlachtung darf nur na ch Jebendgewicht erfolgen. Die Landeszentralbehörden sind befugt, Ausnahmen zuzulassen. Sie haben dabei festzu- setzen, nach welchen Verhältnissen das Lebendgewicht in Schlachtgewicht umgerechnet wird. Der§ 3 der Verordnung bestimmt dann, daß die zu ständige Behörde an den in der Verordnung genannten Orten Bestimmungen über die Zulassung der Käufer und dier Ver⸗ teilung der Schweine an sie auf den Schlachtviehhofmärkten erlassen kann. Schweine, die bis zum Marktabschluß un- berkauft bleiben, müssen der Gemeinde des Marktes auf ihr Verlangen käuflich überlassen werden. Der Ueber- lassungspreis beträgt 5 Mk. weniger für den Zentner als der Höchstpreis. In Gemeinden mit öffentlichen Schlachthäusern können die zuständigen Behörden bestimmen, daß von au ß er- halb eingeführtes Schweinefleisch nur an den bon ihr bezeichneten Stellen verkauft werden f 0 Zur Regelung der Schweinefleischpreise ird in der Verordnung folgendes bestimmt: Bei Abg a be unden Verbraucher darf der Preis für frisches(rohe) Schweinefleisch 140 Prozent, für frisches(rohes) Fett 180 rozent der in der nächstgelegenen Schlachthausgemeinde für N 2 1 ar S dine im Gewicht von 80 bis 100 das Lebendgewicht der Schweine im 1 zentralbehörde oder die von ihr bestimmte Behörde können ie Verhältnissätze niedriger festsetzen. W Die Gemeinden können Höchstpreise für. die einzelnen Fleischsorten fe stsetzen; sie dürfen bafür den oben genannten Preis nicht ent ber st eigen, N Verstöße gegen die Bestimmungen werden mit Gefängnis bis zu sechs Monaten, mit Geldbuße bis zu 1500 Ml. bestrofte Die zugsändigen Behörden können nach§ 10 der 1 0 da lie Geschäftsbetriebe, deren Unternehmer o 10 15 kriebsleiter sich in Befolgung der Pflichten, dis ihnen durch hiese Verordnung oder die dazu erlassenen mie ee estimmungen auferlegt sind, Unzulässigkeiten zu Schulden kommen lassen, schlie ßen. a. b Die Wirkung der Preisbestimmungen. wird eine 1 amerhebliche Verbilligung des Schweinefleisches sein. an welchem Maße diese im einzelnen eintreten rd 15 arst von den berufenen Stellen ausgeruchmet be lacht⸗ Veit die erhebliche Herabdrückung des Preises der 19 5 175 achweine auf die Schweineproduktion etwa hem 1 0 1100 wirken wird, muß abgewartet werden. Die Landwir 7 5 Fird jedenfalls lebhafte Klagen über Schäd gun 11 berechtigten Interessen“ erheben, während 9 170 nit einiger Befriedigung das endlich einne 1 ichlossenere Vorgehen des Bundesrats begrüßen werden. 0 eilage zur Oberhessischen Volkszeitung Nr. 261 Lessen Gießen, Zamstag, den 6. November 1915. 2 2 Regelung der Milchpreise und des Milchverbrauchs. Eine neue Bundesratsverordnung setzt sich die Regelung der Milchpreise und des Milchverbrauchs zum Ziel. Die wesentlichen Vestimmungen dieser Verordnung lauten: Die Gemeinden sind berechtigt, Höchstpreise für Milch bein Verkaufe durch den Erzeuger, sowie im Groß- und Kleinhandel sestzusetzen. Gemeinden mit mehr als 40000 Ein wohnern sind zur Festsetzung von Höchstpreisen im Kleinhandel verpflichtet. Die Höchstpreissestsetzung bedarf der Zustümmung der Landes, zentralbehörden oder der von ihnen bestimmten Behörde. Der Reichskanzler ist befugt, allgemeine Anordnungen über die oberste Grenze für die Höchstpreise zu treffen. Gemeinden mit mehr als 140000 Einwohnern sind verpflichtet, andere Gemeinden sind berechtigt, die vorzugswesse Beck ich tigung der Kinder, stilleuder Mitter und Kypan der bei der Verteilung der vorhandenen Milchmengen sicherzu stellen. Die Sicherstellung kann durch Einrichtung eigener Verkaufs— stellen, durch Vereinbarung mit den Landwirten und Milchhänd lern, durch Ausgabe von Bezugsberechtigungen, durch Regelung des Milchverlauses zu bestimmten Stunden oder sonst in einer den örtlichen Verhältnissen angepaßten Weise ersolgen. Die Gemeinden sind besugt, die zur Durchführung der Sicher stellung erforderlichen Anordnungen zu treffen. Sie haben daffir zu sorgen, daß den Vorzugsberechtigten keine höheren Preise als den übrigen Vezjehern berechnet werden. Der Reichskanzler kann Vorschriften über den Maßstab er lassen, nach dem Kinder, stillende Mütter und Kranke zu berliick sichtigen sind. Die Besugnisse, die in dieser Verordnung den Gemeinden übertragen sind, stehen auch Komemungalverbänden, Ge— meinden- und Kreisbezirken zu. Die Landesgentralbehörden können Kommunalverbände, Ge— meinde- und Kreisbezirke zur Regelung der Milchpreise und des Milchverbrauches vereinigen und ihnen die Besugnisse der§§ bis 3 ganz oder teilweise übertragen. Die Landeszentralbehörden lönnen die preise und den Vebrauch selbst regeln. entsprechende Anwendung. Soweit Milchpreise oder der Milchverbrauch für einen größe⸗ ren Bezirk geregelt wird, ruhen die Besugnisse und Verpflichtun gen der zu den Bezirken gehörenden Gemeinden oder Kommunal- verbände. Milch- § findet Erhebung der Vorräte von Brotgetreide, Hafer und Mehl am 16. November 1915. Die Zuteilung der Brotration, serner die Festsetzung der Hafermenge für die Pferde und dergleichen Maßnahmen sind bisher erfolgt auf Grund der im Juli d. J. vorge— nommenen Ernteschätzungen. Diese waren naturgemäß un— sicher. Um nun für alle Maßnahmen auf dem Gebiete der Volksernährung und der Viehhaltung eine zuverlässige Grund— lage zu gewinnen, hat der Bundesrat angeordnet, daß am 16. November d. J. die Vorräte von Brotgetreide, Hafer und Mehl durch eine Bestandsaufnahme feslgestellt werden. Erst wenn das Ergebnis dieser Erhebung vorliegt, wird sich über— blicken lassen, ob die der Bevölkerung zugewiesene Brotration erhöht werden und ob Getreide zu Futterzwecken freigemacht werden kann. Die Vorräte von Gerste werden nicht fest⸗ gestellt. Mit der Durchführung der Erhebung im Großherzog— tum Hessen ist die Großh. Zentralstelle für die Landesstatistil in Darmstadt beauftragt worden. Als Besitzer von Brot— getreide, Hafer und Mehl kommen lediglich die landwirtschaft- liche Bevölkerung und die Kommunalverbände in Bekracht. Die Vorräte der Kommunalverbände werden getrennt festgestellt. Vorräte von Mehl, welche den Bäckern, Kon, ditoren und Mehlkleinhändlern vom Kommmnalberband aus dessen Beständen überwiesen worden und am 16. November noch vorhanden sind, sollen zu den Vorräten des Kommunal— verbandes gerechnet werden. Das gleiche gilt für diejenigen Hasermengen, die der Kommunalverband aus sojnen Be— ständen den Pferdebesitzern abgegeben hat. Die genannten Personen haben also getrennte Angaben zu machen, ie nachdem die Vorräte aus ihrer eigenen Ernte stammen, oder vom Kommunalverbande aus dessen Beständen überwiesen worden sind. Die Angaben können von den Landwirten entweder mündlich dem Zähler gemacht, oder in ein Anzeigeformular eingetragen werden. Letzteres empfiehlt sich ganz besonders für die Selbstversorger. Aber in beiden Fällen muß der Anzeigepflichtige seine Angaben durch seine Unterschrift als richtig anerkennen. Wer unrichtige Angaben macht, kann mit Geldstrase bis zu zehntausend Mark oder mit Gefängnis bis zu sechs Monaten bestraft werden. Es empfiehlt sich, die betreffende Bekanntmachung betr. die Erhebung der Vorräte pon Brotgetreide, Haser und Mehl im Amtsverkfündigungs— blatt genau zu beachten. Eine gemeindliche Schweinemastanstalt. Zu den wenigen Städten, die eine eigene Schweinemastaustalt, errichtet haben, gehört Karlsruhe(Baden), Die Stadt hat im Hahre 4913 eine ehemalige chemische Fabrit erworben in der Ab sicht, einen städtisch⸗landwürtschaß lichen Vetrieb bei geeigneter Ge. legenheit darauf zu errichten. Als dann im Jahre vor dem K viege die Fleischpreise bedeutend zu stelgen begannen, gab die Schlacht hofdirektion ein Gutachten ab, datz neben den Ursachen der Flelsch teuerung die Möglichkeiten und Ausssichten eines eigenen Vetriebs erörterte. Grundlage daftir war ein Versuch einer Schwelne— mästerei gus dem Jahre 1906. i Damals hatte die Stadt in einem Stalle des städtischen Vieh, hofs 200 Schweine mit Gersteuschrot, den Abfällen vom Schlachthof und vom Fischmarkt, und hauptsächlich den Kilchengbfällen aus den slädtischen Anstalten gesstttert und innerhalb sechs Jahren bei der Mästung von 1055 Stlick einen Reingewinn von 6955 Mark erzielt. Der Vetrieb mußte wegen anderweitigen Gebrauchs der Räumlich leiten und der Seuchengesahr infolge der Verbreitung der Maul und Klauenseuche eingestellt werden, hatte aber praktische Ersah— rungen genug geliefert, um die Rentabllltät zu erwessen. Freslsch halte sich herausgestellt, daß zur Vermeidung der Seuchengefahr mit der Schweinemast eine Schwefnezucht verbunden sein muß. Die der Stadt zur Verfligung stehenden Räume in dem erworbenen Fab ribgebäude eignen sich zu dieson Zwecken gang außerordentlich, do sie die Unterbringung von zirka 2000 Mastschweinen und 100 Mutterschweinen nebst Ferkeln gestatten. Um den Betrieb rentabel zu machen, müssen' maschinelle Einvichtungen in weitgehendem Maße verwandt werden, sowohl bei der Beschaffung dess Futters, wie bei der Wegschaffung des Dungs. Die letztexe wird gang reu⸗ tabel, da für den Jeutner ein Preis von 35 Pfg. erzielt wurde. Die Jucht der Schweine soll vor allem dem Fleischmangel abhelsen, weshalb die Fütterung darauf gerichtet sein muß, daß in ungefähr fünf Monaten schlachtrelse Tiere gezilchtet werden, die mehr Fleisch als Fett liefern. Man rechnet mit den Ferkeln mit einex täglichen Gewichtszunahme von mindesteus f bis n Pfund, so daß die Mast in längstens fünf Monaten vollendet ist, wenn die Tiere ein Gewicht von dülrchschnättlich 150 Pfund erreicht haben. Die Rentabilität der Mast⸗ und Zuchtanstalt ist in erster Linie abhängig von den Verkaufspreisen und von den Futterpreisen. Von nicht minderer Bedeutung ist aber auch, daß der Betrieb rationell geführt und nach kausmäunischen Gesichtspunkten geleitet wird. Der seinerzeit im Vorschlag gebrachte Gedanke, das Unternehmen nicht als reim städtisches zu betreiben, hatte zu Verhandlungen mit Nachbarstädtem über die Gründung einer Gesellschaft zur Errichtung eines gemein⸗ samen Betriebes geführt, die aber ergebnislos verlaufen waren. Als sich dann bei Ausbruch des Krieges die Notwendigkeit her⸗ ausstellte, daß sich die Stadt möglichst große Vestände an eigenem Schweinen aulegte, wurden zuerst im städtischen Viehhof 400 Läufer⸗ schweine eingestellt, dann aber der alte Plan der Errichtung einer eigenen Mast- und Juchtaustalt aufgenommen. Zum Leiter des Betriebes wurde ein fachmäunisch ausgebildeter Landwirt bestellt, und Aufaag Mai konnte der Vetrieb mit 200 Schweinen eröffnet werden. Der Betrieb würde bald vergrößert, der Schweineanstalt eine Schweinezucht angegliedert, wozu freilich größere Aufwen- dungen für die Baulichkeiten nötig waren, da der Fußboden mit Gesälle und Entwässerung versehen werden mußte und ähnliches mehr. Die Aufwendungen haben bisher ungefähr 55000 Mark be⸗ tragen, die zum Teil aus Anlehensmitteln gedeckt sind, zum Teil, wie die Auschassungskosten der Schweine aus den im diesjährigen, Voranschlag in ausreichendem Umfange dafür vorgesehenen Mitteln bestritten werden. Gegenwärtig befinden sich etwa 400 Schweine im der Mästerei im Viehhof und etwa ebensoviel in der, ehemaligem Fabrik. Ein Teil ist bereits als Mastschuveine verkauft und durch neue Bestände ersetzt. ö Was die Fütterung der Tiere angeht, so mußte wegen der durch den Kriegszustand bedingten Verhältnisse guf dem Futtermittel⸗ markte von der ursprünglich vorgesehenen Trockenfüttevung mit Gerste Abstand genommen werden, und es miissen als geeigneter und billiger Ersgtz die Kischenabfälle der Haushaltungen verffittert. werden. Das Verfahren des Einsammelns, das von der Stadt⸗ verwaltung eingeschlagen ist, hat sich außerordentlich bewährt, so daß jetzt täglich m Durchschnitt 80 bis 90 Zentner Klichenabfälle aus vund 5000 Haushaltungen zusammengebracht werden, die iw, der Hauptsache zur Mast der Tiere, gekocht und vermischt mit ganz geringen Mengen Maisschrot, sowie reichlich mit Eicheln, aus⸗ reichen. Freilich dauert bei dieser Fütterung die Mast naturge⸗ mäß etwas länger. Zur ordnungsmäßigen Vestellung der zu dem Fabrikanwesen gehörenden Felder, zur Abführung des Dunges und zu sonstigen mit dem Betriebe des Unternehmens zusanmneuhängenden Dienst⸗ leistungen hat sich die Beschafffung von zwei Paax Zugochsen als notwendig erwiesen. Außerdem sind aus Wirtschaftsmitteln 13 200 Mark bewilligt worden zum Aukause von 15 Milchkühen, für deren Erwerb eine günstige Gelegenheit war. Der sich daxaus erge ende Milchwirtschaftsbetrieb hat sich unschwer an den übrigen Betrteb angliedern lassen, und es ist sogar außerdem für später eine Massen⸗ aufzucht von Geflügel in Aussicht genommen. Damit hat die Stadt Karlsruhe ein landwirtschastliches Unter⸗ nehmen geschassen, über dessen Rentabilität voxläusig noch keine Ergebnisse vorliegen können, da es sich erst im Versuchsstadium be⸗ findet. Es darf jedoch angenommen werden, daß, von unvorher⸗ gesehenen Zwischenfällen, wie Seuchen und dergleichen abgesehen, die laufenden Betriebskosten durch die Einnahme, die Verwertung der Mastschweine, den Verkauf der Milch usw. gedeckt werden. (Aus der Kriegswohlfahrtspflege.) Fleisch⸗ und fettlose Speisezettel. Die Einführung der fleisch- und settlosen Tage sollte nicht uur Ersparnis au Fleisch und Fett bringen, sondern auch der besitzenden Klasse, für die der Preis keine Rolle spielt, den Ernst der Sitzugtion etwas deutlicher zu Gemüte führen. Wie vortrefflich das gelungen ist, das zeigt die Speisenfolge, die das sehr exklüstve Hotel Adlon, in Verlin seinen Gästen bietet. Das Gabelfrühstiick bestand am ersten fettlosen Tage aus: Kraftbrühe. Tapiocasuppe. Eirer mit Spinat. Kabeljau gekocht. Rinderbrust, Moerrettich. Hanmmelkeule, Kapern. tunke mit Gemtsen. Kalter Aufschnitt. Karamelspeise. Käse. Für den erstenshelschlosen Tag wupde siir das Abendessen folgende Speisenfolge festgeseht: Rotkohlsuppe oder Krebssuppe. Barbenschnitten nach Ad- miralsart oder gebackene Eier mit Tomaten. Lachskroket⸗ teu, Tritffeltunke, Spinat und Kartoffelbrei oder Hummer⸗ pasteten oder Seezungenschuktten geröstet oder Belegtes Brot. Gemischtos Eis. Vackwerk. Käse. g Die Einschränkung, die sich die Besitzenden auferlegen, ist wiyklich rührend, bei der Masse des Volles freilich langt es kaun mech un, täglichen Hering Legende und Phrase. Die Kriegslegende ist des Spießers altverbrieftes Recht. Sie läßt— so lesen wir in der Berliner Schaubühne— sich bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts verfolgen. Damals sollte nach den Berichten der Berliner Presse Friedrich der Große am Abend der Torgauer Schlacht auf einem Ritte mutterseelenallein in ein Schloß gekommen sein, das voll versprengter österreichischer Offigztere steckte. Der König sei eingetreten und habe durch seine Entschlossen⸗ heit die Feinde glauben gemacht, seine ganze Stabswache zum mindesten sei mit ihm. Den wahren Sachverhalt findet man in Friedrichs Werk über den Krieg also dargestellt: Er sel am Abend über das Schlachtfeld geritten und habe eine Menge weithin leuchten der Lagerfeuer bemerkt, die er und seine Umgebung sich nicht habe erklären können.„Einige Husaxen,“ erzählt er selbst,„wurden zur Erkundung ausgeschickt und brachten die Meldung, rings um die Feuer säßen Leute teils in weißen, teils in blauen Unkformen. Nun wurden zur genaueren Jusormterung Offtgtere abgesendet, und schließlich erfuhr man eine seltsame Tatsache, die in der Geschschte wohl ohne Veispiel dasteht. Die Soldaten beider Armeen hatten hier im Walde Zuflucht gesucht und unter sich ausgemacht, sie wollten die Entscheidung zwischen Preußen und Oesterreichern in voller Neutralität abwarten, sich dem Ausfall des Schlachtenloses fügen und sich dem Sieger ergeben.“ Das ist glaublicher und ür die Wesensgrt des Soldaten von damals wohl auch keunzeschnender. Aber wie der Spleßer von heute brauchte der von damals einen kerzenbeleuchtenden Sagal, mt, zechenden Offigteren, einen ebenso verblllüften wie gesstesgegen— wärtigen König, die Gefahr einer Staatskatastrophe am Abend einer siegreichen Schlacht: er brauchte, inkt einem Worte, llitschiges, Theater in der Geschichte und bereitete sie sich entsprechend zu. In unsern Tagen 4st das krasseste Belspiel die Schlacht bet Tannenberg. Deren Grundidee hatte Hindenburg angeblich schon lange ersonnen, ludem er in seinen Urfonhstagen der Schmock sprach gern von elner Sommerfrische— untt einem geltehenen Ge— Ichütz die Tragfähigkeit ostpreußischer Woordegen erprobte. So habe er sich, raunt es heute noch, eine genaue Kenntnis von allen Seegründen und Morästen verschafft und schließlich mit vieler List und Tücke die Russen hineingetrieben. Viele, viele Tausende der Opfer, versinkende und ertrinkende Menschen und Pferde, hätten so laut geschrien, daß alle, die es hörten, nervenkrank geworden seien und daß Marcell Salzer vor sein Publikum mit einem Gedicht trat, worin viel von jenem Sumpfe die Rede war, der die Russen mit Stiel und, wie schon des Reimes wegen, auch mit Stumpf aus⸗ getilgt habe. 8 2 Nun liegt die Sache so: Die Tannenberger Verluste der Russen sind ganz ungeheuerlich. Aber erstens reisen alte Exzellenzen nicht in Sommerfrischen, zweitens kennen sie das Gewicht des deutschen Feldgeschützes und karren es nicht unnötigerweise zur Ergötzung der Landbevölkerung durch Moräste, über deren Verhältnisse jede deutsche Katasterbehörde gründlich und schnell Auskunft erteilt. Zweitens aber gibt es bei Tannenberg nur sehr wenig Sümpfe, und endlich sind in der dortigen Schlacht nach dem Zeugnis der zu⸗ verlässigsten Augenzeugen überhaupt keine Russen extrunken; wenigstens nicht in Massen. Leute, die Wasser im Rücken haben und unter vernichtendes Feuer genommen werden, pflegen nämlich die Kapitulation einem völlig witzlosen Sprung ins Wasser vorzu- ziehen; und so sind die Riesenverluste der Russen eben Kapi⸗ tulations⸗ und Feuerverluste gewesen. Aber der Spießer braucht auch für dieses Ereignis die Staffage und die Komparserie des Theaters: den Feldherrn, der alles seit Jahren hat kommen sehen, geheimnisvoll geliehene Kanonen und, weil Ostpreußen weitab liegt und man selbst es nicht mit anhören mußte, schreiende Pferde und Menschen. Und weil er es brauchte, kam eines Tages der Schmock und machte fünfundzwanzig jener aktuellen Zeilen daraus, die die Beschäftigung mit den ehernen und meistens untheatralischen Tatsachen der Geschichte ersparen. So serviert der Stammtisch uns nun in„Verdünnung“ die Ereignisse des Krieges. Geht's den Figuren dieser Ereignisse etwa besser? Die stellt sich der Daheimgebliebene so vor, wie sie leider durch die Reliefs unsrer vielen Siegessäulen verewigt sind. Junge Männer, die sich beim Ausmarsch so benehmen, wie Disziplin und soldatischer An- stand verbieten. Männer mit Bart in den besten Jahren, die bei der Heimkehr auf offener Straße und mitten in der Marschkolonne ihrer Frau um den Hals fallen und sich regelmäßig' von ihren kleinen Buben das Gewehr tragen lassen. Von diesen metallenen Modellen leitet man sich heute zu Hause den lebenden Menschen ab: den Feldgrauen, der draußen von seinen Kameraden mit„Held“ angeredet wird, ständig nach einer Gelegenheit sucht, den Heldentod zu sterben, anderseits aber in komfortabeln Schützengräben dafür sorgt, daß der„Humor zu seinem Rechte kommt“, und schließlich, wenn er erholungsbedürftig oder verwundet heimkehrt, doch„so rührend bescheiden“ ist, wie der Spießer erwarten darf. Man kennt das ja alles zur Genüge. Und wo an den Bildern noch Einzelheiten fehlen, zeichnet sie geschwind Ludwig Ganghofer ein, der nach einer gewissenhaften Statistik in jedem seiner Feld- postbriefe durchschnittlich dreimal„in stummer Ergriffenheit die Kappe zog“.— 1 Der Kleinhandelspreis der Kartoffeln. Auf Grund von 83 der Verordnung des Bundesrats über die Regelung der Kartoffelpreise vom 28. Oktober 1915 hat das hessische Mini⸗ sterium des Innern folgendes bestimmt: Der Kleinhandels⸗ höchstpreis darf den Erzeugerhöchstpreis im Großherzogtum Hessen um nicht mehr als insgesamt eine Mark für 50 Kilo- gramm übersteigen. Diese Bestimmung tritt mit dem Tage der Verkündigung(4. November 1915) in Kraft. Getreidezurückhaltung und Preissteigerung. Die Reichs— getreidestelle bedarf in den nächsten Wochen dringend der Lieferung großer Roggenmengen. In der letzten Zeit sind die Anlieferungen von Roggen an die Reichsgetreidestelle stark zurückgegangen, so daß die Roggenbestände gegenwärtig ungewöhnlich knapp sind. Um zur schleunigen Getreide— ablieferung anzuspornen, hat sich die Reichsgetreidestelle bereit erklärt, für alle Roggenlieferungen bis einschließlich 15. November d. J. die gegenwärtige Gebühr um drei Mark für die Tonne zu erhöhen. Zur Nachmusterung der Dienstuntauglichen. Das neueste Armeeverordnungsblatt enthält folgende Mitteilung: Zur Beseitigung von Zweifeln wird darauf hingewiesen, daß von dem Gesetz zur Abänderung des Reichsmilitärgesetzes vom 4. September 1915(A.⸗V.⸗Bl. S. 391) alle am 8. September 1870 und später geborenen, als dienstunbrauchbar ausge— musterten und als dauernd ganzinvalide oder dauernd garnisondienstunfähig aus dem Heer und der Marine ent— lassenen Wehrpflichtigen betroffen werden. Von der Nach— musterung befreit sind nur die zum aktiven Friedensstand des Heeres und der Marine gehörigen, dagegen nicht die aus Anlaß des Krieges von der Heeres- und Marineverwaltung in Stellen außerhalb der Front, z. B. als Beamte usw., Mit⸗ glieder der freiwilligen Krankenpflege, des Kaiserlich Frei— willigen Automobilkorps oder des Freiwilligen Motorboots— korps usw. verwendeten Wehrpflichtigen. Soweit solche Per— sonen außerhalb des Heimatgebietes im Dienste des Heeres oder der Marine verwendet werden, ist die Entscheidung über ihr ferneres Militärverhältnis nach militärärztlicher Unter— suchung im Sinne des§ 78,2 der Wehrordnung auf schrift— lichem Wege herbeizuführen. Die militärärztliche Unter— suchung ist von der Dienststelle zu veranlassen, zu der der betreffende Wehrpflichtige gehört. Diese sendet den Befund unmittelbar an das zuständige Bezirkskommando, das die Entscheidung herbeiführt.— Die tatsächliche Verwendung dieser Personen spricht dafür, daß sie mindestens arbeits— verwendungsfähig sind. Keine Lohnerhöhung in der Holzindustrie. Der Holz— arbeiterverband schreibt uns: Um die Teuerung der not— wendigsten Lebensmittel wenigstens einigermaßen auszu- gleichen, wandte sich unsere Organisation an die Arbeitgeber um Gewährung einer Teuerungszulage von 5 Pfennigen pro Stunde. Die Antwort, welche wir erhielten, hatten wir wahrhaftig nicht erwartet. Die Arbeitgeber-Organisation gab uns den guten Rat, wir müßten uns eben einschränken, sie der Unternehmer auch nicht auf Rosen gebettet ist. Aber etwas mehr sozjales Verständnis und auch etwas mehr patriotisches Gefühl durfte man schon bei ihnen voraussetzen. Wir sollen uns einschränken? Ja, kann sich denn eine Arbeiterschaft, welche kurz vor Kriegsausbruch eine schwere wirtschaftliche Krise durchgemacht hat, sich noch mehr einschränken? — Im Stadttheater wurde gestern abend ein Werk des vor reichlich 5 Jahren im hohen Alter verstorbenen bedeutendsten nor⸗ wegischen Dichters Björnstjerne Björnson aufgeführt. Das Stück„Ein Fallissement“ ist bereits im Jahre 1875 ent⸗ standen; der Dichter geißelt darin den Schwindel und die Hohlheit des kapitalistischen Systems. Vielleicht hat ihm der im Anfang der 7ber Jahre in Deutschland und anderwärts grassierende Grün⸗ dungsschwindel mit seinen furchtbaren Zusammenbrüchen den Vor⸗ wurf zu dem Stück gegeben.— Die Handlung ist kurz folgende. Der Großindustrielle Tjälde in einer norwegischen Hafenstadt besitzt aus⸗ gedehnte Fabrik- und Handelsanlagen. Die Krise packt aber seinen Betrieb und nur durch gewagteste Spekulationen vermag er sich noch über Wasser zu halten. Natürlich führt er auch großes Haus, be⸗ sitzt ein Reitpferd im Werte von 50 000 Kronen, einen adligen Schwiegersohn, der ihm schwer auf der Tasche liegt usw. Die Diners und Festessen nehmen kein Ende. Auch dann noch nicht, als der Tag der Bankerotterklärung herangekommen ist. Im Gegen— teil, als Tjälde vor dem unvermeidlichen Zusammenbruch steht, läßt er die Honorationren des Ortes zu einem fürstlichen Essen zusam⸗ menrufen, um neuen Kredit bei einem Konsul Lind flüssig zu machen. Der aber beauftragt den Advokaten Berent, die Werke der Tjäldeschen Unternehmungen auf ihre Reellität hin zu prüfen. Resultat: Unterbilanz von 800 000 Kronen, während Tjälde einige Hunderttausend zu seinen Gunsten herausgerechnet hatte. So unter⸗ nehmungslustig und kühn nun Tjälde als Großkaufmann ist, so feig ist er als Mensch. Er, der kalten Blutes achtbare Menschen zu sträflichen Wechselunterschriften veranlaßte, hat nicht den Mut, die Konsequenzen aus seiner Handlungsweise zu ziehen. Nicht einmal wagt er seiner Familie sich zu erklären, während er selbst vor dem Morde nicht zurückschreckt. Der Advokat sagte Tjälde auf den Kopf zu, daß dieser ein Schwindler sei, daß Lind seine Verhältnisse genau kenne und daß er auf dessen Hilfe— trotz Festessen, Böllerschüssen und einem halben Dutzend Trinksprüchen und Sympathieerklärun⸗ gen für das fallite Haus— nicht mehr zu rechnen habe. Er solle durch Unterschrift seine Insolvenz erklären. Dazu fehlt dem Unter⸗ nehmer wiederum der Mut; das Gerede von der„Rücksicht auf die Tausende von Arbeitern, die er vor dem Brotloswerden bewahren will“, ist wieder nur Heuchelei. Schließlich bettelt Tjälde den Advo— katen um Nachsicht. Der hat nur immer ein schroffes Nein, und so bleibt dem Kaufmann nichts anderes übrig, als die Bankerott⸗ erklärung zu unterschreiben. In der Not finden sich dann die Fa⸗ milienglieder zusammen, die bisher innerlich einander entfremdet waren. Der auf die Mitgift spekulierende Tagedieb von Schwie⸗ gersohn nimmt Reißaus, als er sich in seinen Hoffnungen getäuscht sieht, und Sannäs— der Prokurist von Tjälde, ein schüchterner, kreuzbraver Mensch mit einem reichen Talent und roten Arbeits- händen, die des Kaufmanns eingebildetes Töchterlein bisher hoch- näsig zurückgewiesen hatte— wird Schwiegersohn des gedemütigten Hauses Tjälde. Die Mutter fleht den Segen des Herrn herab, Signe, die zweite Tochter, schwingt in Zukunft den Kochlöffel, Wal⸗ borg führt dem Vater die Bücher, und so ist der bald wieder ein gemachter Mann ohne Schulden. Alles löst sich in Freude auf, an der sogar Berent, der Advokat, teilnimmt, dem Tjälde bereits ein- mal den Revolver auf die Brust gesetzt hatte. Und Jakobsen, der biedere Braumeister, der Tjälde nach dem Zusammenbruch nicht oft genug„Schuft“ nennen konnte, attestiert diesem jetzt die Ehren haftigkeit.— Die Aufführung des Dramas, die unter Dwor⸗ kowskis Leitung stand, ist nur zu loben. Wilhelm Hellmuth gab den Unternehmer Tjälde und wußte den angsterfüllten, ge— wissermaßen auf dem Pulverfaß sitzenden Spekulanten recht lebens⸗ wahr darzustellen. Dworkowski als der vornehme, nicht zu täuschende Advokat und Vertreter der Banken, bot eine vorzügliche Leistung. Die beiden Damen Rubens und Else Burghoff als Töchter von Tjälde, fanden sich mit ihren Rollen sehr gut ab: ausgezeichnet war auch Herr Goll als Braumeister Jakoben. Zu nennen sind noch Ernst Theiling als Prokurist Sännes und Auguste Funzel als die Frau Tjäldes. Das Haus war gut be— setzt und spendete reichlich Beifall. Kirche und Wucher. Der Reichsbote veröffentlicht einen Ar⸗ tikel aus Pfarrerkreisen, der den Synoden und anderen kirchlichen Vertretungskörperschaften empfiehlt, scharf gegen den Wucher mit Lebensmitteln Front zu machen, weil dieser Weg geeignet erscheine, eine Aussöhnung der Arbeiterschaft mit der Kirche anzubahnen Wir entnehmen dem Artikel folgende Stelle: „Die kirchlichen Kreise müssen gerade jetzt ein tiefes soziales Verständnis zeigen. Sie müssen es praktisch betätigen und sich auswirken lassen an den Fragen, die der Krieg auf die Tages- ordnung setzt. Eine dieser Hauptfragen ist der Wucher in jeder Gestalt; mag er sich auf den vaterländischen Boden richten oder auf Nahrung und Kleidung. In der Beurteilung und Auf⸗ fassung dieses Zusammenhanges gewaltig einschneidender Fragen stehen sich zwei Auffassungen schroff gegenüber: der schranken— lose Individualismus und der gewissenhafte Sozialismus. Jene erste Richtung mißbraucht das heilige Recht der Freiheit, um sich an den wurzelhaften Lebensrechten des Volkes zu bereichern, jede Konjunktur für diesen Zweck auszunutzen und das eigen- süchtige Ich allein auf seine Rechnung kommen zu lassen. Wahr⸗ haft soziales Denken will und muß gewisse Dinge vom Schacher des Marktes ausgeschlossen wissen, weil die Zukunft eines Volkes damit steht und fällt, daß alle seine Glieder am heimatlichen Boden selbst und an dem, was er trägt, einen angemessenen und preiswerten Anteil haben. Hier ordnet sich der Gedanke an das Ganze dem eigensüchtigen Ich machtvoll und beherrschend über.“ Gegen die Wucherer. Trotz Mahnungen und Warnungen hatten sich die Kartoffelverkäufer in Münster i. W. nicht abhalten lassen, übermäßig hohe Preise für Kartoffeln zu fordern. Dieser Tage forderten verschiedene Abgeber für Kartoffeln wieder 5,50 bis 6 Mk. für den Zentner. Hiergegen schritt der Magistrat unver- züglich ein und setzte den Höchstpreis auf 4 Mk. fest. Als die Ver- käufer sich weigerten, die Waren zu diesem Preis zu veräußern, wurden die Kartoffeln kurzerhand größtenteils beschlagnahmt und an die Bevölkerung zu 4 Mark verkauft. So ist's recht! Unterschlagungen. In schwerwiegender Weise hat laut Mainzer Journal ein Wehrmann von Bürstadt das ihm geschenkte Ver⸗ trauen seiner vorgesetzten Militär-Behörde mißbraucht. Er fand, nachdem er aus dem Felde verwundet zurückkam, nach seiner Heilung Verwendung bei den Kammerarbeiten in Offenbach. Von hier aus ließ er längere Zeit fast täglich Pakete seiner in Bürstadt wohnenden Familie zugehen. Diese Sache schien ver— dächtig. Dieser Tage wurden nun durch die Militärbehörde und die Gendarmerie umfangreiche Haussuchungen vorgenommen, deren Ergebnis überraschend war. Eine Menge neuer Sachen wie Kammerverwaltung wieder zugestellt. Er dürfte eine Bestrafung entgegensehen. 1 5 7 Zur Technik der Preiserhöhungen. Kürzlich wurden 1 10 preise wieder um 5 Prozent erhöht. In dem Rundschreib dem dies den Abnehmern, das sind die Detailgeschäfte, mitge⸗ Wird, heißt es:„Wir werden dafür sorgen, daß dieser Aufschlag Verbraucherkreisen hinreichend bekannt wird, indem unser glieder ihren Abnehmern gelegentlich der ersten Sendung die Pre aufschlagsankündigung sowohl in Plakatform zum men i Laden, als auch in Zettelform zur Beigabe in Rechnungen i reichender Menge liefern werden. In dieser Ankündigung ist di Erhöhung mit rund 10 Prozent genaunt worden, um Ihnen ohne Verlust Spielraum bei Abrundung der Preise nach unten zu ge⸗ statten und Ihnen von vornherein einen Ausgleich zu bieten fl jene Artikel, bei denen festliegende runde Münze die Verrechnung des Zuschlags nicht zuläßt.“ Während die Preiserhöhung für den Handel 5 Prozent beträgt, wird dem Konsumenten Mitteilung vo einer Erhöhung um 10 Prozent gemacht, um dem Handel einen Ausgleich zu bieten. Das gilt nicht nur für die Tinte. 7 Mreis Friedberg⸗Büdingen. Bad⸗Nauheim, 6. Nov. Bis zum 4. November 1915 22 106 Kur⸗ N 4 gäste angekommen. Bäder wurden bis dahin 295 541 abgegeben. Von Nah und Fern. Ein 16jähriger Mutter mörder. Dresden, 2. Nov. Der 16 Jahre alte Mechaniker Paul Kurt Vogel aus Dresden wurde heute nachmittag vom hiesigen Jugend⸗ gericht wegen Ermordung und Beraubung seiner leiblichen Mutte zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Er zertrümmerte seine Mutter mit zwölf Beilhieben den Schädel und fuhr mit dem ge⸗ raubten Wirtschaftsgelde nach Berlin und verpraßte es dort in einem Tag. 5 Ein Polizeibeamter erschossen. Elberfeld, 3. Nov. Als gestern nachmittag der Polizeibeamte Luedecke im Bureau des Polizeigefängnisses zwei Einbrecher ve nahm, die in Essen 1100 Mark gestohlen hatten, feuerte plötzlic einer der beiden Burschen drei Revolverschüsse auf den Beamten ab, die ihn auf der Stelle töteten. Die Verbrecher versuchten zu ent⸗ fliehen, wurden aber noch im Hausflur des Gebäudes festgenom⸗ men. Die Burschen, die 15 und 18 Jahre alt sind, geben sich als Gebrüder Neumann aus Essen aus.. Aesberitt des Großen Huuptkunrtiers. Graben⸗ und Handgrauatenkämpfe im Westen Schwere Verluste der Russen. Erstürmung weiterer Orte in Serbien. W. B. Großes Hauptquartier, 5. Nov., vorm.(Amtlich) Westlicher Kriegsschauplatz, 5 Der von den Franzosen noch besetzte kleine Graben nord⸗ östlich von Le-Mesnil(vergleiche Tagesbericht vom 26. Okt,) wurde heute nacht gesäubert. N von unseren Truppen gestürmten Graben nördlich von Massiges wurde blutig abgeschlagen; am Ostende des Grabens 1 wird noch mit Handgranaten gekämpft. Ein Gegenangriff gegen den Die Zahl der„ fangenen ist auf drei Offiziere, neunzig Mann gestiegen acht Maschinengewehre, zwölf kleine Minenwerfer wurden erbeutet. Der englische Oberbefehlshaber French hat in seinem amtlichen Teil behauptet: J 1 Auf den Verlustlisten von sieben deutschen Bataillonen die an den Kämpfen bei Loos Teil genommen haben, g hervor, daß ihre Verluste ungefähr achtzig Prozent ihrer Stärke betrugen. Diese Angabe ist glatt erfunden. Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschallxs v. Hindenburg. g Ohne Rücksicht auf ihre ganz außergewöhnlich hohen Verluste haben die Russen ihre vergeblichen Angriffe am Swenten- und Ilsensee sowie bei Gateni fortgesetzt. Bei Gateni brachen wiederum vier starke Angriffe vor unseren Stellungen zusammen. f Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. 185 Es hat sich nichts von Bedeutung ereignet. 5 Heeresgruppe des Generals v. Linsingen. Nordwestlich Czartorysk wurden die Russen nach einem kurzen Vorstoß über Koszuichnowka auf Wolczek wieder in ihre Stellungen zurückgeworfen. Oestlich von Budka machte unser Angriff Fortschritte. nördlich von Komarow wurden abgeschlagen. Mehrfache russische Gegenstöße f Bei den Truppen des Generals Grafen— mer hatten unsere Angriffe gegen die noch einen Siemikovce haltenden Russen Erfolg. Aber zweitausend Gefangene in unsere Hand. Balkan. ls fielen Im Moravica-Tal wurden die Höhen bei Arilje in Besitz genommen. Südlich von Cacak ist der Kamm der Jelica- Planina überschritten. Beiderseits des Kotlenik⸗Berglandes haben unsere Truppen den Feind geworfen und in der Ver⸗ folgung das Nordufer der westlichen Golijska-Morawa beider⸗ seits von Kraljewo erreicht. Sie nahmen zwölfhundert Serben gefangen. Oestlich der Gruca haben die Truppen des Generals von Gallwitz den Feind über die Linie Godacica- Santarowae zurückgeworfen, haben die Höhen südlich des Lugomir gestürmt und im Morawatal die Orte Cuprija, Tresnjevica und Paracin genommen. Fünfzehnhundert Ge⸗ fangene wurden eingebracht. Oberste Heeresleitung. müßten es auch tun. Wir geben gern zu, daß ein großer Teil! Schuhe, Mäntel und Hosen wurden zutage gefördert und der —————— 2 BBB e e 9 —— 2 N 7 2„Unsere 2. 22 72 5 * 4 4 3 9— N 2 7 6* 4 2 0 00 7 6 5 Desk Pf. C IL 1 f 6 este 2Pf. Cigarelte 9 N Deutsches Fabrikat- Truskfrei 0 GEORG M GTZ AKTIENSESETLSCHAFT n SRS SrSppYpprpYpp pp————p—p—p p Y p——»——H—H—— pb *. 7——— ,. teilt werden. Gegen die Teuerung! Die Lebensmittelteuerung ist unerträglich Preise aller wichtigen Nahrungsmittel und der läglichen Bedarfs, wie Brennmaterial, Kleidung Schuh 8 haben eine unerschwingliche Höhe erreicht. Mit dauchgeug usw., sieht man in Arbeiterkreisen und bis weit in dse Kreise bez Fprgen standes hinein dem herannahenden Winter entgegen es Mittel. herrscht in vielen Familien bittere Not. gegen. Schon jetzt Nuß dem so sein? Muß im ungezügelten freien Spiel der Kräf Gewinnsucht und kapltalsstische Proftigter zum 8 5 hangen, e analen n Mässen Millionen entbehren, damit jene sch 1 ten und Händler, die die Kriegskonjunktur Tabsserg e drobugen⸗ auf 19 des Volkes sich bereichern können? Ausnutzen, ein, das muß nicht so sein. Die zur Verfü f Nahrungsmittel reichen zur Ernährung aufer dale stehenden Busen 1855 richtig verteilt werden. Es darf nicht Mies fe * aß unsere Vorräte Gegenstand gewissenloser Spekulation Bereits in der zweiten Kriegswoche he 15 5. den Vertretern der Gewerkschaften 95 ber enlerdomemsan 5 liche Maßnahmen zur Förderung der Produktion und 9 wirtschaft⸗ Volksernährung gefordert. Leider hak die Regierung en 105 derungen nicht genügend berücksichtigt. So energisch ee dem Privateigentum resutierende Verfügungsrecht eingreist, woes sich darum handelt, die Versorgung der Armee mit 059 0 d Kriegsr j 1 f eee ebensmitteln un gsmaterial sicherzustellen, so zögernd ist sie in der Siche⸗ rung der Volksernährung zu Werke gegangen. 155 Erst wenn durch verwerfliche Preistreibereien unhaltbar. wenn es meist a rung ein und ließ es auch dann noch oft bei halbe f 2 wenden. Trotz aller ungünstigen den. l d 155 Allgemeinheit immer wieder hinter den Interessen des Privateigen⸗ tums und des kapitalistischen Profits zurückstehen mülssen. f Wie wenig sind die bitteren Lehren des er driegsjahres beherzigt worden! Einzig die Hrotversorgung A e ee mäßig geregelt, wenngleich auch hier noch die Preissteigerung das durch die Erhöhung der Produktionskosten gerechtfertigte Maß weit überschreitet. Die für die neue Ernte aus landwirtschaftlichen Kreisen angestrebte Erhöhung der Preise für Brotgetreide konnte durch den entschiedenen Protest der Arbeiterorganisationen und an⸗ derer Konsumentenkreise verhindert werden. Doch hat die Regie⸗ rung durch die Festsetzung der Preise für Futtergetreide und andere Futtermittel, dͤie fast doppelt so hoch wie die Preise im Frieden een die Getreide verkaufenden Großgrundbesitzer schad⸗ los gehalten. 1 Durch die Halbheit der Regierungsmaßnahmen wurde zudem noch auf dem Futter mittelmarkt die wildeste Spekulation entfesselt zu der selbst noch land wirtschaftliche Organisatjonen anstachelten. Riet doch der Deutsche Landwirtschaftsrat den Landwirten, ihre nicht beschlagnahmte Gerste zurückzuhalten, und das Organ des Bundes der Landwirte, die Deutsche Tageszeitung, unterstützte diesen Rat und empfahl, nicht unter 700 Mk. pro Tonne zu ver⸗ aufen. Dieser Preis ist vierfach so hoch wie der im Frieden ge— zahlte und kann doch wahrlich nicht mit den erhöhten Produktions— kosten begründet werden. Angesichts solcher Preistreiberei klingt es wie blutiger Hohn, wenn der Vorstand des Bundes der Land⸗ . 1 755 5 Aufruf an seine Mitglieder den Opfersinn er Landwirte lobpreist. Diese wüsten Preistreibereien auf dem Futtermittelmarkt haben überaus ungünstig auf die Versorgung des Volkes mit Fleisch, Fetten, Milch, Butter, Käse und Eiern gewirkt, geradezu sprung⸗ hafte Preissteigerungen herbeigeführt, die die größte Entrüstung und Erbitterung in den weitesten Volkskreisen auslösen mußten. Der Preis für Schweinefleisch stieg weiter über 100 Prozent über den im Frieden gezahlten Preis und die Fettpreise erfuhren Steige— rungen bis zu 200 Prozent und darüber, und dennoch waren zu, diesen hohen Preisen Fettwaren kaum zu haben. Auf dem Butter⸗ markt siberstürzten sich die Preiserhöhungen. Erst als die Verhält⸗ nisse auf die Spitze getrieben waren, als die politischen und gewerk— schaftlichen Vertreter der Arbeiterklasse erneut dringend Abhilfe fordernd die Regierung bestürmten, erst da griff sie— wieder viel zu spät— ein und regelte durch eine Verordnung die Preisgestal— tung auf dem Buttermarkt. Sie setzte Preise fest, die viel zu hoch sind und deren baldige Herabsetzung dringend gefordert werden muß. Auch die erst ganz unzulängliche Verordnung zur Regelung des Kartoffelmarkts wurde nunmehr ergänzt, so daß bei sachge⸗ mäßer Ausführung durch die staatlichen und gemeindlichen Be⸗ hörden die Versorgung der Bevölkerung mit Kartoffeln sichergestellt sein dürfte. Eine weitere Herabsetzung der Preise für dieses wich⸗ tige Volksernährungsmittel ist im Juteresse der ärmeren Bevölke⸗ rung geboten. Auch müßten Preise für den Großhandel festgesetzt werden. 5 Leider hat die Reichsregierung sich noch immer nicht ent⸗ schließen können, auch nur die Maßnahmen zur Sicherung der Volks⸗ ernährung vollständig durchzuführen, die der Vertreter des Reichs⸗ kanzlers am 21. August dieses Jahres im Reichstage in Aussicht stellte.. 7 5 Um den Fleischkonsum eiuzuschränken, sind durch Verordnung für Gastwirtschaften und den Handel zwei fleischlose Tage in der Woche eingeführt, zwei weitere Tage in der Woche soll in e schaften nicht mit Fett gebraten werden. Mittlerweile hat die Re⸗ gierung wohl selbst eingesehen, daß damit ein wirksamer Druck uf die Preise nicht auszuüben ist, und neue Verordnungen 1 Die darin festgesetzten Preise für Schlachtschweine, Schweine 79 8 und Schweinespeck sind zu hoch. Sie sind immer noch um die S Löber als die Preise im Oktober vorigen Jahres. Vor eee die dringend notwendige Regelung der Verteilung 150 Win Rationen für alle. Nur so ist die Fleischversorgung 15 5 9 chst⸗ bemittelten sicherzustellen. Unverzüglich müssen außerdem l ole preise für alle andern Fleischsorten festgesetzt werden, 11 1 weitere Steigerung dieser Preise unterbunden 1 10 0 Bei der neuen Preis⸗ und Verbrauchs regelung für Nene nur die Verbrauchs regelung für kinderstillende an e vorgesehen. Auch hier fehlt die allgemeine Verbrau 17 0 90 alle Konsumenten nach dem Muster der eee e Es muß viel systematischer bei der de 155 1 tung auf dem Lebensmittelmarkt vorgegangen abi 8 1 500% Volksgesundheit vor nachhaltiger dauernder Schädsaung 11 5 0 Mit dem bequemen Grundsatz, daß durch hohe Preise muß rabikal mittelvorräte am wirksamsten gestreckt werden können, gebrochen werden. 5 75 lune Alle Hindernisse, die sich einer saccgema ben 110 Lebensmittelfrage in den Weg stellen, auch 715 irtteressen 90 Vertretung der landwirtschaftlichen Produgente durden milssen preußischen Landwirtschaftsministerium erhoben wurden 995 Wee 1 7 117 Wie die Verpflegung des rücksichtslos beiseite geschoben werden. Volkes mit Lebens⸗ Heeres, so ist auch die Versorgung des gesamten Um das zu ermög⸗ mitteln unter allen Umständen sicherzustellen. Un die derholt er⸗ 5 5 Wee enn ungen, die wir wiederholt er oben haben, endlich vollständig verwirklich Betnvesse f 0 Für alle wichtigen Lebensmittel müssen ee werden, die so zu bemessen sind, daß jeder„ ausgeschlossen beim Produzenten, wie im Groß und Kleinlhgerden, die zu ihrer ist und auch die Aermsten in die Lage bersei eschaffen 1 Ernährung notwendigen Lebensmfttel sich zu, eigufsgwaug muß das Durch allgemeine Beschlagnahme und Berka eiselt werden. spekulative Fernhalten der Waren vom 1 11 Jahlungsfähigen zu Um eine Bevorzugung dar Reichen wantzel gleich der Brot⸗ vermeiden, mussan die vorhandenen Leben ulgleichen Ratlonen ver⸗ vertellung auf alle Einwohner des Reiches in g geworden. ie sonstigen Artikel 455 selbstsüchtige des Volks⸗ etre die Zustände zu spät war, griff die Regie⸗ Ten Familien der Krlegsteilnehmer, die b alle ene ür die Wintermonate, einer von uns bereits 0 orberung entsprechend, ohne Anrechnung auf ihre der Erhöhung dringend bedürftige Unterstlitzung Kartoffeln und Brennmalerial auf Kosten des Reiches unentgeltlich geliefert werden. Die Strafbestimmungen der Verordnung gegen den Lebens⸗ mittelwucher müßten die schärssle Anwendung finden. Jede Ueber⸗ schreitung der Höchstpreise, jede Zurückhaltung von Waren zwecks wucherischer Preistreiberei muß den Behörden zwecks Verfolgung zur Anzeige gebracht werden. Werden in Geschäften und auf Märk⸗ ten Preise gefordert, die zu den Produktionskosten im argen Miß⸗ verhältnis stehen, dann nehme man in jedem Falle die Hilfe der Polizei gegen solche Uebervorteilung in Anspruch. Die Partei⸗ organisationen sollten gemeinsam mit den Gewerkschaften allerorts Kommissionen einsetzen oder sonstige geeignete Maßnahmen treffen, um diese Kontrolle wirksam zu gestalten, denn es gilt hier, das Volt vor jenen schamlosen Lebensmittelwucherern zu schützen, derem Treiben selbst der Vertreter des Reichskanglers im Reschstage als niederträchtig und verächtlich bezeichnete. Nur durch rücksichtsloses Vorgehen der Behörden und Konsumenten können die schlimmsten, Auswüchse auf dem Lebensmittelmarkt, die der unselige Krieg ge— zeitigt hat, wirksam bekämpft werden. Alle Behörden des Reiches, des Staates und der Gemeinden müssen aufgerufen werden zur restlosen Erfüllung ihrer Pflichten auf dem Gebiete der Volksernährung. Besonders miissen die Arbeitervertreter in den kommunalen Körperschaften mit allem Nachdruck dahin wirken, daß die Gemeindebehörden von den ihnen in den Verordnungen eingeräumten Rechten den weitgehendsten Ge⸗ brauch machen, um die Bevölkerung mit billigen Lebensmitteln im ausreichendem Maße zu versorgen. Genug der Worte, genug der Beratungen und Ueberlegungen. Heraus aus den Erwägungen, fort mit allen Halbheiten! Das Volk will Taten sehen. Es fordert gebieterisch durch⸗ greifende Maßnahmen zur Sicherung seiner Ernährung. Es hat es satt, noch länger Spielball gewissenloser Spekulationen und rüick⸗ sichtsloser Gewiunsucht zu sein. 5 Unsere Volksgemnossen im Wafsenrock, die draußen im blutigen Kampfe unermeßliche Opfer an Gut umd Blut bringen, können ver⸗ langen, daß ihre Familien, die um sie bangen und sorgen, wenig⸗ stens vor Not und Elend bewahrt, vor der Ausbeutung durch jene Schamlosen geschützt werden, die den Krieg zur eigenen Bereicherung skrupellos ausnutzen. 5 Ist es uns gelungen, den Aushlungerungsplan unserer äußeren Feinde zuschanden zu machen, muß es uns auch gelingen, den Lebens⸗ 0 mittelwucher, diesen tsickischen inneren Feind, zu Boden zu schlagen. Ihm sagen wir erneut unerbittlichen Kampf an, zu dem wir alle aufrufen, die mit uns stellen die Volksgesundheit, das Volkswohl über das kapitalistische Profitinteresse Einzelner! Berlin, den 5. November 1915. Der Vorstand und Ausschuß der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Telegramme. Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Erfolge gegen Montenegro. Wien, 5. Nov.(W. B.) Amtlich wird verlautbart: 5. No⸗ vember 1915. Russischer Kriegsschauplaßz. Die Kämpfe um Siemikowcee dauerten auch gestern den ganzen Tag über fort. Sie endeten mit der völligen Vertreibung der Russen aus dem Ort und von dem westlichen Strypaufer. Der Feind ließ neuerdings 2000 Gefangene in unserer Hand. Die siebenbürgische Honveddivision, die durch vier Tage und vier Nächte ununterbrochen im Kampfe stand, hat an der Wiedergewinnung aller unserer Stellungen hervorragendsten Anteil. Nördlich von Komarow am unteren Styr wurden einige russische Gräben ge⸗ nommen. Westlich von Rafalowka brach der Feind in unsere Stellungen ein. Ein Gegenangriff warf ihn zurück. Die Kämpfe ind noch nicht abgeschlossen. Sonst im Nordosten an zahlreichen Teilen der Front erhöhte russische Artillerietätigkeit. Ftalienischer Kriegsschauplaßz. Der gestrige Tag verlief auch im Görzischen ruhiger. Nach⸗ mittags standen einzelne Abschnitte des Brückenkopfes von Görg und der Nordteil der Hochfläche von Doberdo unter heftigem Geschütz⸗ feuer. Vereinzelte Vorstöße der Italiener brachen in unserem Feuer zusammen. Nachts wurden sechs feindliche Angriffe auf Zagor a abgeschlagen. Ein italienisches Lenkluftschiff warf wieder über Miramar Bomben ab. 5 Südöstlicher Kriegsschauplatz. Unsere im Orjen⸗Gebiet kämpfenden Truppen erstürmten gestern im umfassenden Angriff den westlich von Grahovo aufragen⸗ den Berg Miei Motika, zersprengten die montenegrinische Besatzung und machten einen großen Teil derselben zu Gefangenen. Auch öst⸗ lich von Trebinje wurden mehrere Grenzhöhen genommen. Südlich von Ovtovae räumten vorgeschobene Abteilungen vor überlegenem Gegner einige auf seindlichem Boden befindliche Stellungen. Die Armee des Generals von Köveß drängt die Serben bei Arilje und südlich von Cacak ins Gebirge zurück. Die deutschen Truppen dieser Armee nähern sich Kralje wo. Die über die Höhen östlich des Gruca⸗Tales vorgehenden österreichisch⸗ungarischen Kräfte warsen feindliche Nachhuten. Die Armee des Generals von Gall⸗ witz ist in Pargein eingerückt. Auch das Vordringen der bul⸗ garischen ersten Armee macht Fortschritte. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnant. * Die Bulgaren vor der Fortlinie von Nisch. Zurückgeschlagene Angriffe der Franzosen. Sofia, 5. Nov.(W. T. B.) Amtlicher Bericht über die Operationen vom 3. November: 5 Fortgesetzte Offensive auf der ganzen Front. In der Richtung Bolevac-Paracin eroberten wir das Defilé von Krivivirski⸗Timok bei dem Dorfe Lukovo. Wir erbeuteten sechs Kanonen und machten 500 Gefangene. In der Um⸗ gegend von Nisch stehen unsere Truppen schon vor der Fortlinie der Festung. Im Tale der bulgarischen Morava besetzten wir Cemernik Planing, Pana Plamina und Ernatrava. Südlich der Strumitza wurden die Bulgaren durch betrüchtliche französische Streitkräfte an⸗ gegriffen, die aber zurückgeschlagen wurden. Die schwierige Lage des Expeditionskorps. T. U. Paris, 5. Nov. Das Journal meldet aus Saloniki, daß entgegen allen Phantasiegerüchten von großen französischen Er— folgen an der serbisch-bulgarischen Grenze, bis jetzt noch kein ernst— liches Gefecht zwischen Franzosen und Bulgaren stattgefunden habe. Die Bulgaren hätten die Franzosen heftig angegriffen, welche trotz großer Schwierigkeiten ihre Stellungen am Wardar behaupten konnten. Der Berichterstatter des Journal erklärt, noch sei es Zeit, um erfolgreiche Ergebnisse zu erreichen, wenn man sich entschließe, sofort die notwendigen Opfer zu bringen. So glänzend auch die bisher gelieferten Kämpfe seien, so bedürfe es doch ganz anderer Schlachten, um das vorgesteckte Ziel zu erreichen. Hierzu sesen jedoch die vorhandenen Bestände der gelandeten Truppen gänzlich ungenügend. Wenn diese nicht sofort durch große Nachschübe ver— stärkt würden, sei es besser, das Erpeditionskorps, das sich in einer fehr gewagten Lage befinde, zurückzuziehen. Der eiserne Ning um die serbische Nordarmee Aus Wien wird der Frankf. Ztg. telegraphiert: Truppen der Armee von Gallwitz sind in Paratschin ein ⸗ gerückt. Damit it selbstverständlich auch der 10 Kilomeler weiter nördlich gelegene Straßenknoten Tschugrija in deut⸗ schen Händen. Die beiden Ausgänge aus dem so beschwer⸗ lichen serbischen Gebirgsland in das Moravatal sind geöffnet und gesichert. Bei Tschprija mündet jener Karrenweg, der aus dem Tale der Cerna-Reka von Walakonhe über das un⸗ wirtliche Kucaj-Gebirge in das Moravatal hinüberführt und bei Paraschin die von Zaitschar und Poljewatz mündende Straße, auf der eine Kolonne der ersten bulgarischen Armee anmarschiert und wohl schon in den nächsten Stunden ihre Vereinigung mit der östlichen Kolonne der Armee v. Gallwitz vollziehen wird. Der eiserne Ring um die Nordarmee wird immer enger. Gegen den westlichen Flügel haben beide Teile der Armee von Köveß wieber bedeutende Fortschritte gemacht.. Verzweifelte Lage. Ein aus Ckrida, den 30. Oktober, datiertes Telegramm des italienischen Korrespondenten Magrini bringt Einzelheiten über die verzweifelte Lage der Serben infolge der Empörung der Albaner, der Meuterei der mazedonischen Soldaten und infolge der Tätigkeit der bulgarisch⸗albanischen Komitadschis. Magrini fuhr mit den serbischen Obersten Stankowitsch und Leschanine, dem ehemaligen Militärattache In Wien, süber Albanien nach Monastir und Salonik, wo die beiden Offiziere ihr Heer bei dem englisch⸗französischen Stabe vertreten sollen. Leschanine sagte, daß bisher kein strategi⸗ cher Plan zwischen den Serben und den englisch⸗französischen Truppen vereinbart sei. Die Engländer und Franzosen hätten sich nicht einmal von der serbischen Reglerung über die Grenzen ihrer Widerstandskraft unterrichten lassen und hätten den Serben keine Mitteilungen über die Maßnahmen der Entente gemacht, so⸗ daß die Serben nicht wußten, ob das Hilfskorps der Entente der Leitung eines ober zweier Generäle unterstehe. Auch aus dem Munde Leschanines mußte Magrini die Drohung hören, daß Serbien einen Sonderfrieden schließen würde, wenn die Hilfe der Entente nicht zeitig komme. Das serbische Heer könne, so schloß Leschanine, höchstens noch zwanzig Tage, also bis zum 20. November, Wider⸗ stand leisten. 5 Aufdeckung eines russischen Spionagenetzes in Warna. l T. U. Bukarest, 5. Nov. Die bulgarischen Behörden stellten nach der Beschießung von Warna fest, daß sich in der Fabrik von Boris, einem englischen Unternehmen, ein ganzes Nest russischer Spione eingenistet hatte, die mit Hilfe einer radiotelegraphischen Funkenstation, die sich in der Fabrik be⸗ fand, der russischen Flotte Signale gaben. Der türkische Tagesbericht. 8 Ein feindlicher Panzerkreuzer und ein Frachtschiff erfolgreich beschossen. Konstantinopel, 5. Nov.(W. B.) Das Haupt⸗ quartier teilt mit: An der Dardauellenfront die gewöhnlichen Kämpfe. Bei Anaforta verhinderten unsere Patrouillen durch Bomben feindliche Truppen an der Fort⸗ setzung der Befestigungsarbeiten. Am 3. November zwang unsere Artillerie feindliche Kriegsschiffe vor Kemilli Liman sich zurückzuziehen. Ein Panzerkreuzer wurde drei⸗ mal, ein Frachtschiff einmal getroffen. Auf diesem Schiffe brach ein Brand aus; es wurde gegen Westen abge⸗ schleppt. Als unsere Artillerie auf eine feindliche Kompagnie feuerte, die Uebungen abhielt, hißte diese Flaggen mit dem Roten Kreuz, damit wir unser Feuer einstellten. Am J. November beschossen ein Monitor und ein Torpedoboot des Feindes ungefähr zwei Stunden das offene Dorf Enos und zerstörten einige Häuschen. Sonst nichts zu melden. Eine englische Niederlage an der südarabischen Küste. Konstantinopel, 5. Nov.(W. T. B. Nichtamtlich.) Das in Bagdad erscheinende arabische Blatt Sada-i-⸗Islam er⸗ fährt: Die englische Erpedition gegen Mesopo⸗ tamien hat unter den Arabern der Küste Ssüdarabiens von Bab el Mandeb bis Maskat große Erregung her⸗ vorgerufen. Seit der Einnahme von La Hadj durch türkische und arabische Truppen ist die Erregung gewachsen. Die das Bergland von Hadraumant bewohnenden Stämme griffen unter dem Gouverneur von Djebel, der den heiligen Krieg verkündete, zu den Waffen; sie griffen die englischen Kolonien an der Küste an. Nachdem die Engländer in Makalla Verstärkungen gelandet hatten, fand im Innern des Landes ein Kampf statt. Obwohl die Engländer über Kanonen und Maschinengewehre verfügten, wurden sie von 12000 Arabern umzingelt, die drei Kanonen, sieben Maschinengewehre, über 800 Gewehre und Munition erbeuteten. Eine große Zahl der Engländer wurde getötet, der Rest flüchtete nach Makalla in die Kanonen⸗ boote und räumte Makalla in Erwartung indischer Ver⸗ stärkungen. Die Niederlage, die von den Engländern geheim⸗ gehalten wird, hat bei der indischen Regierung lebhafte Be⸗ unruhigung hervorgerufen. Versenkung eines englischen Trausport⸗ dampfers. Madrid, 5. Nov. Zuverlässigen Nachrichten zufolge ist der englische Transportdampfer„Woodfield“, mit Kriegs- material an Bord, von einem Unterseeboot versenkt worden. Der Dampfer, der 3581 Registertonnen groß ist, war von Gibraltar nach dem österreichischen Mittelmeer unterwegs, um den Alliierten neues Kriegsmaterial zu bringen. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M. D. Kaminka, Gießen Reichbaldes Lager in uren, Gold- und Silberwaren. Marktplatz Il. Lieferant des Kousum Vereins Gießen u. Umg. und des Eisen⸗ bahn⸗Konsumvpereins. Ubrmacher und Goldarbeiter.— Man verlange Rabattmarken.— Von den Apotheken in Giessen ist am Sonntag den 7. Nov. von 3 Uhr nachmittags an und die Nacht hindurch geöffnet die Hirsch-Apotheke. Berstorbene. Frau Johanna Kraus Witwe geb. Wölfel in Gießen, 73 Jahre alt.— Ludwig Loh, N in Dudenhofen, 70 Jahre alt.— Johannes Velte, i Ntzhach, 74 Jabre alt Höchstpreise für Kartoffeln. 5 Auf Grund der Bundes ratsverordnung über die Regelung der Kartoffelpreise vom 28. Oktober 1915 und der Bekanntmachung des 25 Stellvertreters des Reichskanzlers über die Festsetzung der Höchst⸗ preise für Kartoffeln und die Preisstellung für den Weiterverkauf vom 28. Oktober 1915 werden für den Kleinhandel mit Kar⸗ toffeln in der Stadt Gießen folgende Höchstyreise jestgesetzt: 1) bei Abgabe in Mengen bis 10 Kg. einschließlich 8 Pfennig für das Kilogramm: 2) bei Abgabe in Mengen von mehr als 10 Kg. 7,50 Mark für 100 e dN frei Keller des Verbrauchers. Nach der Bundesratsverordnung vom 28. Oktober 1915 gilt als Kleinhandel der Verkauf an den Verbraucher, soweit er nicht Mengen von mehr als 500 Kg. zum Gegenstand hat. Diese Anordnungen treten sosort in Kraft. Gießen, den 4. November 1915. Der Oberbürgermeister. Keller. Bekanntmachung. Fur den Großhandel mit Kartoffeln. d. h. für den Verkauf von Kartoffeln in größeren Mengen als 500 Ag. durch andere Per⸗ sonen als den Erzeuger, wird ein Preis von höchstens 6,70 Mark für 100 Kg. als angemessen erklärt. Gießen, den 4. November 1915. . der Stadt Gießen. Leist. Bekanntmachung. Aus der Echternach⸗Stroh⸗ und der Louis Labroisse⸗Stiftung kommen demnüchst etwa 140 Zentner Kohlen an Stadtarme zur Ver⸗ teilung. Meldungen nimmt das städtische Armenamt, Asterweg 9, bis 20. November d. J. entgegen. Gießen, den 4. November 1915. Der Oberbürgermeister. N Kel Haare Ableger Hiebensen df Fabrik u. Verkaufsstelle Wallkorstrasse 24. Telephon 1018. Mir empfehlen unsere vorzügl. Marken im Einzel- rkaufe zu 5, 6, 7, 8, 10 Pfg. und höher(Abgabe uch einzelner Kistehen) und offerieren gleichzeitig Air. Zigarretten, Rauch- und Lantabak. Unsere Verkaufsstelle ist Werktags von 7—8 Uhr und Sonntags von 11—3 Uhr geöftnet. . 10 P- Caë Besitzer: Ludwig Müller Bahnhofstrasse 52a, leben oel dez hält sich der geehrten Einwohnerschaft von Giessen und Ungegend zu gelegentlichem Besuch bestens empfohlen. Stetsla Backwaren 1 2 e h a e e e e 2 28 Sricklumpenz und Schafwolle nehmen zu höchsten Preisen an L. 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