uflcht könne bortgebildet werden, mehr verwirklicht wird“. Reichswehrgesetz 9 5 —— — —— 2 1 „ Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. 25 Die Oberhessische Volkszeitung erscheint jeden Werktag Abend in Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich 60 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl. 1.80 Mk. l Redaktion und Expedition Gießen, Bahnhofstraste 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Inserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 253 Gießen, Donnerstag, den 28. Oktober 1915 10. Jahrgang * Die Gegensätze. Von Reichstagsabgeordneten Heinrich Schulz. Im Kriege sind einige der Gegensätze, die in Friedenszeiten Den gesellschastlichen Körper ständig erschüttern und zugleich be⸗ eben, bis auf unerhebliche Reste zusammengeschrumpft, andere dieser Gegensätze hat der Krieg zu wildester Schroffheit gegenein— under getürmt. Nach dem Kriege wird beides wieder auf den Friedensstand zurückgeführt werden. Es ist jedoch möglich und wünschenswert, daß die Erfahrungen der Kriegszeit später nicht ganz in Vergessenheit geraten, sondern die künftige gesellschaftliche Entwicklung vorwärtstreiben. f Eingeebnet wie Schützengräben, Unterstände und anderes Men- chenwerk durch ein siebzigstündiges Trommelfeuer sind die gesell— chaftlichen Klassen⸗, Rang⸗ und Standesunterschiede burch das 0 Einerlei des seldgrauen Tuches. Eingeebnet— was nicht aus⸗ ichließt, daß nicht zahlreiche Spuren noch zu erkennen geben, was inst war; und nicht besagt, daß durch die Furchtbarkeit der urtilleristischen! ng nicht neue Höhen und Tiefen ins Ge— lände gerissen wären. Aber abgesehen von Einzelheiten, Zufällig⸗ eiten und Ausnahmen bedeutet der Heeresdienst heute die Ver— wirklichung ler demokratischen Grundforderung. Die allge— meine Wehrpflicht nannte Engel's schon 1865„die einzige demo— ratische Institution, welche in Preußen, wenn auch nur auf dem Gapier, besteht“, er sah in ihr einen„enormen Fortschritt gegen alle bisherigen militärischen Einrichtungen,„die allgemeine Wehr- nur dadurch in ihrem eigenen Geist und wohltätig „daß ihr Grundprinzip immer Sogar die jüngste Reform des 8, die Neumusterung der„D. U.“, hat der kluge Engels schon damals vorausgesehen:„Sobald ein ernsthafter Krieg zusbricht, wird die Vorstellung von der Diensttauglichkeit in Zreußen eine plötzliche Revolution erleben, und man wird dann, zu einem Schaden zu spät, erfahren, wieviel brauchbare Kräfte man ich hat entgehen lassen.“ Zur Zeit besteht die allgemeine Wehrpflicht nicht auf dem Japier, sondern ihr Grundprinzip ist durch die Tat immer mehr zerwirklicht worden, und auch die Neuregelung der Diensttauglich⸗ zeit ist noch nicht zu spät gekommen. Gegenwärtig wird jeder Jehrpflichtige und diensttaugliche Mann ausgebildet und je nach Zedarf des Krieges vor den Feind geschickt, ganz gleich, welche sürgerliche Stellung er einnimmt. In der Kaserne sitzt der pierzig⸗ ährige angegraute Universitätsprofessor, der Verfasser dickleibiger Lissenschaftlicher Werle, neben dem jungen, bartlosen Tischler⸗ gesellen, der noch nichts für die Unsterblichkeit getan hat, auf dem Schemel in der Zustruktionsstunde und läßt sich von einem Unter⸗ ffizier, im bürgerlichen Leben Magistratsdiener, über die Pflicht es Soldaten im Kriege unterrichten. Neben dem Müllkutscher geht draußen irgendwo auf einer grundlosen Landstraße in Ruß⸗ and der elegante Rechtsanwalt aus Berlin W., beide im Rock des lrmierungssoldaten, und schippt Sand. In den Schützengräben ber, unmittelbar vor dem Feind, verschwinden die äußerlichen menschlichen Gegensätze noch mehr als anderswo. Angesichts des Zodes verlernen die Menschen, einander nach dem Zufall der Zeburt und der Größe des Geldbeutels zu werten. Im Felde da st der Wann noch was wert.“ Auf das Wort„Mann, ist der achdruck zu legen, der Mann gilt, nicht sein Rock oder Stand. Dieses allgemeine Bild eines gewaltigen, demofratischen Ungleichheiten und Bevorzugungen, durch vereinzelte Sie liegen in keien und Ungehörigkeiten. Zuystems und in der Unvollkommenheit gründet. nszeit hinübergenommen wirb, muß abgewartet wen en, onen von Männern, für die der Militarismus nur ezegener Begriff oder gar nur ein Schlagwort im gösen war, haben ihn jetzt unmittelbar in seiner dung und unverhüllt kennen gelern. Nach holitische Folgerungen zu ziehen. zormforderungen einzusetzen. Anders sieht das Bild aus bei denen. ock stecken, bei den Daheim gebliebenen. bie gesellschaftlichen Gegensätze nicht vorübergehend au auch nur gemildert worden, sondern sie stehen sich härten nermittelter erbitternder als je zuvor Demokratie, sondern der Plutokratie, im Sinne neizendsten aller Gegensätze gewaltsam verändert. Der leitende Gedanke der kapitalistischen Wirischen t das Streben nach Gewinn. Alle gesellschaftliche leschieht nicht um höherer sozigler Zwecke sondern Fnteresse des Profits der Einzelnen. Dar„ olge vurf, der den Einzelnen trifft. es ist ledialich cine te Zuystems. Aber es wäre auch falsch, diese Tatsächlichleit zu ichleiern. Viele Anfeindung hat die Sozialdemokratie kerade deshalb erfahren, weil sie die beschönigenden, zog und aussprach, was ist. Wer nicht wie die willen, rechtiakei 7 ittelbar am kechtigkeit der bestehenden Wirtschaftsordnung en, Schichten und zigenen Leibe verspürte, rechnete sich zu den„besseren, Scchien verschloß seine Ohren gegen die scharfe gesellschaftlice Krit Sozialdemokratie. 1 t nic 11 hat am Wesen der kapitalistischen gatürlich nichts geändert, ist er doch nur le a zellschaft., Er mußte sogar 1 5 Willen die Nachte le Lechtigkeiten diefes Sustems noch schrofsen heraus genen hark dem er über Nacht Millionen und Milliarden 1 schnelle und massenhafte Anfertigung won e üichüttete. Dieser Segen kommt bei der Art und Weis Druckes wird beeinträchtigt, nicht aber in seinen Grundlinien be⸗ ihrt durch Ausnahmen, wie sie trotz alledem möglich sind, durch Drückeberge— der Mangelhaftigkeit des der menschlichen Natur be⸗ Was von den Erfahrungen der Kriegszeit, des Kasernen⸗ und des Feldlebens, als wertvolles Gut mit in die künftige 912 5 noch ein ab⸗ Guten oder ernstesten Bedeu⸗ dem Kriege 75 975 wie⸗ er Staatsbürger 8 tufen, aus ihren Erfahrungen bürger und als solche bedle Cogsaldemokratte wird bie Uflicht nicht verabsäumen, hier zugunsten ihrer militärischen Re⸗ die nicht im seldgrauen Bei ihnen sind d ausgelöscht oder un gegenüber. Zu Hause hat der Krieg das Gesicht der Gesellschast nicht im 979255 57 Wirtschaftsordnung Arbeit im Das ist kein Vor⸗ des ver⸗ bisher Schleier fort⸗ Arbeiter die Unge⸗ der ah nee i Mittel dieser Ge⸗ ein e und Unge⸗ lassen, in⸗ für aus⸗ Produktion nur wenigen zugute, zum Teil Kindern des Glücks, zum Teil den Klugen und Geschickten, zum großen Teil aber leider den Skrupellosesten und Raffgierigsten. Auf der anderen Seite mußte der Krieg durch die Abschließung der Einfuhr eine Ver⸗ teuerung der Lebensmittel mit sich bringen, die nicht etwa durch Selbstlosigkeit der heimischen Produzenten ausge⸗ glichen wurde, sondern im Gegenteil durch nackte Gewinnsucht zahl⸗ reicher Produzenten und Spekulanten eine ungeheuerliche Ver⸗ schärfung erfuhr. 5 So bringt die gewaltige Feuersglut des Krieges gesellschaft⸗ liche Zustände vorübergehend auf einen Reifepunkt, der auch an⸗ deren Kreisen als nur den Arbeitern die Unerträglichkeit solcher Zustände schmerzhaft zum Bewußtsein bringt. Die Ar⸗ beiter leiden dauernd unter den Widersprüchen und Unge⸗ rechtigkeiten der herrschenden Wirtschaftsweise, die schwere Zeit der Not, in der wir leben, läßt aber auch große Schichten der Be⸗ völkerung, diese Widersprüche und Härten erleben, die sonst nichts oder wenig davon spüren und daher der sozialistischen Belehrung taube Ohren entgegensetzen. Die Regierungen sogar sahen sich zu Maßnahmen genötigt, die sie in Friedenszeiten als„sozialistisch“ weit von sich gewiesen hätten, die sich ihnen aber heute als di einzige Rettung der Gesellschaft aus den Gefahren der rein tri, Bulgarischer Erfolg. Die Bulgaren brachten den serbischen Truppen im Raume von Uesküb eine entscheidende Niederlage bei und warfen sie in nordwestlicher Richtung gegen den Paß von Katschanik zurück, wohin sie von den bulgarischen Truppen un⸗ gestüm verfolgt werden. a Der versenkte„Marchetti“. Athen, 26. Okt. Wie die Nea Himera erfährt, hatte der in der Nähe der Bucht Tsageszi am Eingang des Golfs von Salonik versenkte englische Transportdampfer„Marchetti“ 1500 Mann englische Truppen an Bord, ferner 20 Kranken⸗ pfleger und 12 Aerzte sowie viel Munition. 1 Pessimismus in Frankreich. Zahlreiche aus Frankreich in die Heimat zurückgekehrte Bul⸗ garen geben interessante Schilderungen über die Zustände in Frankreich. Nach einem Bericht des Est aus Sofia herrsche seit der katastrophalen Erfolglosigkeit der letzten französischen Offensive große Verwirrung und Bitternis über die enormen Verluste. Ueberall werde vom Frieden gesprochen. Die Stimmung sei offen gegen Poincaré. Delcasses Ansehen sei gestiegen, seitdem er erklärt habe, daß französische Soldaten wie Söldner für fremde Interessen kämpfen müßten. Wenn England Soldaten für Aegypten benötige, dann hätte es rechtzeitig für Soldaten sorgen sollen. Allgemein herrsche die Ueberzeugung, daß Serbien bald aufhören werde zu ezistieren. Auf Rußland und Italien setze niemand mehr seine Hoffnung. In Salonik. Bis jetzt sollen 150000 Franzosen mit 100 Geschützen in Salonik gelandet worden sein, von denen angeblich etwa 20000 Mann, zumeist in Fußmärschen, gegen Norden abge⸗ rückt sind. Die verbündeten Truppen sollen nichts weniger als Elitetruppen sein und in Salonik einen ungünstigen Eindruck hervorgerufen haben. Die neue diplomatische Niederlage der Eutente. Die Sofioter Zeitung Kambana beschäftigt sich mit der in Griechenland eingetretenen Wendung und konstatiert eine neue diplomatische Niederlage der En⸗ tente. Mit den Kräften, so schreibt das Blatt, die derzeit auf griechischem Gebiete ihr Unwesen treiben, kann Griechen⸗ land allein fertig werden, und wenn neue Truppen kämen, so habe Bulgarien genug Kraft, den Feind auch aus Griechen— land zu jagen. Griechenland könne darauf rechnen, nicht allein zu bleiben. Der englische Gesandte in Athen hat den schon einmal zurückgewiesenen Vorschlag wiederholt, das Haager Schiedsgericht entscheiden zu lassen, ob Griechen— land verpflichtet sei, den Durchzug der Ententetruppen zu gestatten. Ministerpräsident Zaimis erklärte diesen Vor⸗ schlag für nicht einmal zur Verhandlung geeignet. Wie der Vilag aus Athen meldet, stehen dem Prinzen Nikolaus in Salonik genügend Truppen zur Ver⸗ fügung, falls die Entente der Aufforderung der griechi⸗ schen Regierung, ihre Truppen zu entfernen, nicht Folge leisten sollke, die angedrohte Entwaffnung der Ententetruppen und deren Unterbringung in Ge— unserer fangenenlagern mit Gewalt durchführen zu können. merzen der durch tente. Hoffnungslose Lage. Von neutraler diplomatischer Seite erhält der Sofioter Berichterstatter der Wiener Reichspost folgende Infor⸗ mationen:„Die Balkanlage ist für die Vierver⸗ bandsmächte kussichtslos. Die neutralen Staaten lösen sich langsam, aber merklich von der Vierver⸗ bandspolitik. Die Beziehungen Ru m äniens und Griechenlands zum Vierverbande werden stet i g kälter. Serbien wehrt sich verzweifelt und baut noch immer auf die Vierverbandshilfe. Es ist nicht ausge⸗ schlossen, daß dort alles über Nacht zusammen⸗ bricht, sobald man sich von dem Irrtum dieser Berechnung überzeugt.“ Italienischer Pessimismus. Nach einer römischen Korrespondenz der Stampa tritt, wie der Frankf. Ztg. telegraphiert wird, der Ministerrat am Mittwoch zusammen. Die Balkanlage wird besprochen, es werden aber keine Beschlüsse gefaßt werden, die nach der Aus, fassung der römischen Militärs doch verspätet kämen. T tiefer Pessimis mus herrscht in Rom über die Balkanlage, insbesondere über den Fall von Uesküb. Der Verlust dieses wichtigen Knotenpunktes macht nach der Auffassung italieni⸗ scher Militärs die Vereinigung der Serben mit den Franzosen und Engländern unmöglich und schneidet zudem alle serbischen Verbindungen mit dem Aegäischen Meere ab, sodaß nur die Wege durch Albanien zur Adria noch offenstehen. Danach verwirklicht sich der deutsche Generalstabsplan mit unheimlicher Genauigkeit, Auch der Marsch der Bulgaren auf Monastir wird nach der Stampa seinen Eindruck in den Balkanländern nicht ver⸗ fehlen. Von Griechenland und Rumänien er hofft die Entente nichts mehr. Der französische Optimismus über den Zug nach Salonik wird von den Italienern nicht geteilt. Vielleicht bespricht der Ministerrat auch den Plan, Serbien über Albanien und Montenegro zu Hilfe zu kommen, obwohl der Plan nutzlos erscheint, da die Ausführung geraume Zeit erforderte, während Serbien sofortige Hilfe braucht und die Entente für den Adriazug über keine Kräfte verfügt. Englische Angriffe auf die englische Regierung London, 26. Okt.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die Presse fährt fort, die Regierung heftig anzugreifen. Die Times schreibt:„Die Regierung in der gegenwärtigen Zusammensetzung steht sicherlich sehr in Gefahr zu stürzen. Die Gefahr liegt allein in der eigenen Schwerfälligkeit und Unfähigkeit, den Krieg unter Umständen zu führen, die Schnelligkeit und Entschieden⸗ heit besonders erheischen. Eine unmittelbare Ursache der Be⸗ uUnruhigung ist natürlich die Balkanlage, die bereits den Rück⸗ tritt Carsons veranlaßt habe. Es schadet nichts, daß eine Krise über eine Frage entstanden ist, die in jeder Etappe die unheil⸗ volle Wirkung der schlecht zusammengesetzten Regierung ent⸗ hüllt. Beide Häuser des Parlaments werden jetzt mit dem ent⸗ schiedenen Wunsche zusammentreten, unsere ganze Geschäftsführung von der Dardanellenexpedition bis zu den konfusen, halbeutschlosse⸗ nen Operationen bei Salonik zu prüfen. Die Aussichten draußen sind trübe, und werden vielleicht noch trüber werden.“— Aehnlich schreibt die Morning Post:„Wir beklagen uns nicht nur über bloße Fehler der Regierung. Die Unfähigkeit, Deutschland zu blockieren, war kein Fehler, sondern sie kommt einem Verrate nahe; es war nicht nur ein Fehler, Bul⸗ garien Vorteile auf Kosten unserer Freunde zu versprechen und Griechenland einen Teil des britischen Reiches anzubieten; es ist nicht nur ein Fehler, keinen Entschluß fassen zu können, während kostbare Zeit verloren geht.“ Das Blatt fordert Asquith auf, ehe es zu spät sei, die Zahl der Mitglieder des Kabinetts auf etwa fünf zu vermindern und nicht die Parlamentsdebatten ins Ka⸗ binett zu verlegen.— Nur der Observer wendet sich gegen die Re⸗ gierungsstürzer und schreibt. Asquith biete als Premierminister trotz unleugbarer Mängel Vorteile, die kein anderer aufweisen könne. Sein Rücktritt und der einiger Kollegen ersten Ranges, würde Streitigkeiten entfesseln, die während des Krieges nie zur Ruhe kommen würden. Kein Durchmarsch russischer Truppen dur Rumänien. Aus Bukarest wird der Frankf. Ztg. telegraphiect; Die Meldungen, wonach Rußland in amtlicher Form an die rumänische Regierung die Forderung des Durchmarsches russischer Truppen durch rumänisches Gebiet gestellt habs. können wir auf Grund zuverlässiger Information für unvich tig erklären. Es ist bisher kein derartiger Schritt erfolgt. Vor einiger Zeit wurde nach dieser Richtung hin in nur un— verbindlicher Form ein russischer Fühler ausgestreckt. Da dieser Fühler von rumänischer Seite nicht das erwartete Ent— gegenkommen fand, unterblieb ein offizielles Verlangen. Racovski über die rumänische Intervention. Auch an die rumänischen Sozialisten war von seiten der svern⸗ zösischen Genossen die Aufforderung ergangen, sich für die Teil Telegraph Co. meldet aus Washington nahme Rumäniens 000 Krieg an der Seite des Vierverbandes ein⸗ zusetzen. In einer Broschüre:„Die Sozialisten und der Krieg“, die der Bukarester Verein für sozialistische Kultur herausgegeben hat, wird die Antwort des Genossen Racovski, des rumänischen Vertreters des Internationalen Sozialistischen Bureaus, mitge⸗ teilt, die er den französischen Genossen auf ihre Aufforderung er- teilte. Wir entnehmen daraus(nach Avvenire del Lavoratore vom 9. Oktober) einige charakteristische Stellen:„Der Haß gegen den! Zarismus ist in der Internationale Tradition. Besonders wir Balkansozialisten sind in diesem Haß erzogen worden. Unsere Lehr⸗ meister haben uns unaufhörlich gesagt: Ihr auf dem Balkan habt eine schwere und große Mission zu erfüllen. Im Interesse der Internationale habt Ihr gegen die russische Eroberungspolitik zu kämpfen.... So sagten auch die russischen Sozialisten. Plechanoff sagte 1894, sich an die Vallansozialisten wendend: Dem zarischen Rußland gegenüber hat der Sozialismus nur eine Pflicht: ihn in vollkommener Jselierung zu erhalten.“ Aehnliches zitiert Racovski von Guesde, von Wilhelm Liebknecht, vom Kongreß in Marseille und Brlülssel, und meint, daß die Vallansozialisten unmöglich aus den Augen verlieren können, daß Rußland fetzt mit Hilfe der Alliierten große Eroberungen bezwecke, und„die Eroberung Kon— stantinopels bedeutet die Vernichtung der Unabhängigkeit der Balkanstaaten. Können wir in solchem Falle Sympathien für Rußland haben und ihm Erfolge wünschen?“ Daß ein Sieg des Vierverbands Rußland den freiheitlichen Einflüssen des Vierver⸗ bandes geneigt machen wird, glaubt Racovski nicht. Ebensowenig wie die Kreise Rumäniens, die jetzt die Hoffnung des Vierver⸗ bandes bilden, sich durch freiheitliche Gesinnung auszeichnen. Im Gegenteil: diejenigen Männer, die sich der Freundschaft Poincaxés und Greys rühmten, seien diejenigen, die am meisten zur Korrup⸗ tion des Landes beigetragen haben, und die jetzt schon in Aussicht stellen, daß der Krieg, den sie wünschen, auch das beste Mittel fei, die Wahlreform und Agrarreform hintanzuhalten. Russische Sozialisten für die Fortführung des Krieges. Verschiedene Gruppen aus der russischen Sozigldemo⸗ kratie unter Führung von Plechanow, Deitsch, Altschinsky, Bach und Bunakow veröffentlichten in Wolschky Djen von Samara einen Aufruf, in dem sie die Arbeiterklasse auf— fordern, kräftig zur siegreichen Durchführung des Krieges mitzuwirken und alle regierungsfeindlichen Handlungen zu unterlassen. 0 5 Ein syndikalistisches Urteil. In der Vatallle Syndicaliste vom 11. Oktober beklagt sich ein Arbeiter, daß die Redaktion eine parteiische Haltung gegenüber den Deutschen einnehme. Er sagt, die französischen Sozialisten haben am 2. August 1914 für die Kriegskredite gestimmt. Die Bataille Syndicaliste finde in dieser Abstimmung nichts Schlimmes.„Wenn also die französischen Sozialisten ein Recht haben, ihr Vaterland zu verteidigen, so muß man billigerweise den deutschen Sozialisten dasselbe Recht zugestehen. Das ist es, was das Blatt seinen Lesern sagen müßte.“ Der Leitartikler der Bataille Syndicaliste nennt diese Schlußfolgerung„sophistisch“! Die amerikanische Protestuote an England. London, 26. Okt.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die Exchange vom 24. Oktober: Die amegikanische Note an England über die Blockade der deutschen Häfen und die Beschlagnahme amerikanischer Ladungen erklärt die englischen königlichen Verordnungen für völkerrechtlich ungesetzlich und nichtig. Sie behandelte außerdem die Länder verschieden insofern, als Skandinavien nach Deutschland ausführen könne, die Vereinigten Staaten jedoch nicht. Die Note betont, daß die Blockade Neutrale nicht bindet, wenn sie nicht tatsächlich durchgeführt wird. Die Note bestreitet, daß die vermehrte amerikanische Ausfuhr be— weise, daß Ladungen nach Deutschland gehen, ferner, daß die Beweislast den Exporteuren zufalle. Die Note besteht end— lich darauf, daß Neutrale in jedem Falle das Recht haben, Güter, die keine Konterbande sind, nach Deutschland auszu— führen und enthält die nachdrückliche Forderung nach der Freiheit der Meere. Englisches Schreckensregiment in Aegypten. Konstantinopel, 25. Okt.(W. T. B. Nichtamtlich.) Den 8 Aegypten, General Maxwell, in der letzten Zeit eine Schreckensherrschaft gegen die Muselmanen in Aegypten; sie sind der unmenschlichsten Behandlung ausgesetzt. Es sind verschiedene Maßnahmen ergriffen worden, um eine voll⸗ ständige Verarmung der Muselmanen herbeizuführen. Die muselmanische theologische Fakultät in Azhar und die Universität sind geschlossen worden. Professoren und Studenten der Fakultät sind Beleidigungen aller Art aus⸗ gesetzt. Die Lage in Aegypten scheint einer in; entgegenzusteuern.. La Chaux de Fonds. Das politische Departement des Bundesrats der Eidgenosseu⸗ schaft teilt mit: Nachdem der deutsche Geschäftsträger am 20. Okto⸗ Mitteilung ge⸗ ssten Maßregeln Schuldigen ergreisen rausstellen sollle, daß das Flugzeug, das am 17. Oktober Bomben auf La Chaur de Fonds heruntergeworfen hatte, ein deussches sei, und nachdem gleichzeitig dem schweizerischen Gesandten in Berlin entsprechende Erklärungen abgegeben worden waren, hat heute der deutsche Ge⸗ sandte dem politischen Departement mitgeteilt, die militärische Un⸗ tersuchung habe ergeben, daß das Flugzeug tatsächlich ein deutsches war, dessen Führer die Orientierung vollständig verloren hatte und sich über französischem Gebiet glaubte. Flieger und Beobachter sind versetzt und bestraft worden, auch sind die Fliegerabteilungen erneut vor Ueberfliegen schweizerischen Gebietes gewarnt und es ist insbesondere streng befohlen, daß sie Flieger⸗Bomben nur ab⸗ werfen dürfen, salls sie zwelfelsfrei über seindlichem Gebiet sich befinden. Die Kaiserlich deutsche Regierung hat wegen dieses Zwischenfalls dem Bundesrate ihr lebhaftes Bedauern ausge⸗ sprochen, insbesondere auch zuhanden der glücklicherweise nicht schwer verletzten Personen; sie hat ferner Schad enersatz und Schmerzensgeld zugesagt. Eine entsprechende Note ist dem schweizerischen Gesandten in Bern zugestellt worden. 5 Zu dieser amtlichen Mitteflung bemerkt der Bund: Durch diese Erklärung hat die deutsche Regierung den Zwischenfall von La Chaux de Fonds mit anerkennenswerter Raschheit erledigt und da⸗ bei, was wir mit Befriedigung seststellen, den vom schweizerischen Bundesrat formulierten Anspruchen in vollem Maße Rechnung getragen. 5 Zusammenkritt des Reichstags. Der bis zum 30. November vertagte Reichstag wird seine Arbeiten voraussichtlich erst am 9. Dezember wieder auf—⸗ nehmen. Es steht aber zu erwarten, daß die Kommission für den Reichshaushalt schon vorher mit ihren Beratungen beginnen wird. Die Regierung wird wieder eine Denkschrift über die von ihr getroffenen wirtschaftlichen Maßnahmen vorlegen. Auch sonst wird es der Haushaltskommission an Material für die Vorarbeiten nicht fehlen. Reichs zuschuß zum Einkauf von Futtermitteln. Die durch die Serben bisher gesperrt gewesene Donau ist nunmehr für den Verkehr wieder frei und damit ist die Mög⸗ lichkeit gegeben, aus den Donaustaaten Getreide und Futter- mittel in größeren Mengen einzuführen. Frhr. v. Zedlitz macht nun in der Post den Vorschlag, eine Million Tonnen ausländisches Kraftfutter zu kaufen und pro Tonne einen Zuschuß von 100 Mark aus der Reichskasse zu leisten. Er meint ganz richtig, daß die erforderliche Summe von 100 Millionen Mark keine Rolle spielen könne, im Vergleich zu den Kriegskosten des Reiches.— Der Vorschlag verdient Be⸗ achtung, nur müßte man den Landwirten, die solches Kraft⸗ futter überwiesen erhalten, bestimmte Verpflichtungen auf— erlegen, besonders nach der Richtung hin, daß sie Fleisch, Milch' und Butter in entsprechenden Mengen zu genau festgesetzten Preisen vielleicht direkt an die Kommunalverbände zu liefern haben. Geschieht dies nicht, dann betrachten die Landwirte den Reichszuschuß einfach als Liebesgabe, die sie zu gar nichts verpflichtet. Vorsicht ist hier dringend nötig, damit nicht schließlich die Steuerzahler geschödigt werden. Ein serbischer Separatfriede? Genf, 27. Okt. Nach Privatmeldungen aus Saloniki werden daselbst mehrere serbische Notablen erwartet, um dem griechischen Thronfolger die furchtbare Lage Serbiens vor— zustellen. Auf Pariser Redaktionen traf gestern die Meldung —— Tan Fes cht bat; en die ganisation des Angriffes in der Suvla Bay, der eim schwerer 9 2 8 n 5 1 ein, daß bei Griechenland vertraulich angefra ob es den Frieden zwischen Serbien und den 3⁰ vermitteln wolle. i Serbisch⸗französische Niederlage Ueber eine Niederlage der Franzosen und Se Strumitza meldet laut Berliner Tageblatt die Times Athen: Der Kampf zwischen Krivolge 1 Strumita am Freitag abend zu Ende. Die serbischen und französische Truppen wurden zurückgeschlagen und werden von den Bul garen verfolgt. 5. Die Donan frei! Nach einem Telegramm des Berliner Tageblattes berichtet Times aus Bulgrest, daß die serbische Artillerie bei Tekia einem heftigen Bombardement von dem österreichischen Ufer Donau aus zum Schweigen gebracht wurde. Die Oesterrei segten über den Fluß quer über die Insel Adakaleh und die sef schen Truppen wichen vom Donauufer zurück. Die österreichise Truppen haben jetzt von Orsowa her sreien Durchzug an der Donau nach Bulgarien. Bei Orsowa wurden Dampfer und Lastschiffe mit Munition zusammengezogen. Serben haben Radujevac geräumt. a Abtransport der Dardanellenarmee nach Salon Budapest, 27. Okt. Magiar Orzasg meldet aus Lu 0 daß Nachrichten aus Neapel zufolge der Vierverband 80 gu Dampfer von Gallipoli nach Saloniki abgehen lasse, um v wiegend australische und kanadische Soldaten zu befördern. General Hamilton vor ein Kriegsgericht. Nach der Köln. Ztg. wird schweizerischen Blättern aus ond gemeldet, General Hamilton werde wegen der mangelhaften schlag der gangen Dardanellenaktion bedeutet, vor einen Krie gestellt werden. Feindliche U-Boote in der Ostsee, Laut einer Meldung der Vossischen Zeitung aus S holm erzählt die Bevölkerung der Alands-Inseln, daß der Ostsee operierenden englischen und russischen boote ihre Basis in den Alandsschären haben. Die station sei der dortige gut geschützte Fjord Emparen. Nach Sibirien verbannt. 1 T. U. Stockholm, 27. Okt. Auf Betreiben der Nowoje Wren sind der Bürgermeister von Riga, von Bulmeringk, der Chef dortigen Feuerwehr und Bürgermiliz Großmann und der städtisch Branddirektor Schuhmer nach Ost⸗Sibirien verbannt worden. Die Wehrpflicht in Euglaud. Der Labour Leader veröffentlicht einen Aufruf an englische Arbeiterschaft, sich mit allen Mitteln der Einfüh der allgemeinen Wehrpflicht zu widersetzen. In der Woche sei es im Kabinett zu einem Zusammenstoß zwisch Asquith und den fünf Wehrpflichts⸗-Ministern gekommen, Asquiths zurückgezog Derbys Rekrutierung einbringen zu wollen. nur gegen das bgstimmte Versprechen sofort nach Beendigung von Lord kampagne die allgemeine Wehrpflicht N Gegen Lebensmittelwucher. 1 In München⸗Gladbach wurden wegen Uebertretung der Höchst preise für Weißkohl von der Strafkammer ein Landwirt zu zw Monaten, seine Tochter zu einem Monat und anderer wirt zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. In Köln ver⸗ 0 urteilte das Schöffengericht zwei Marktfrauen, die die Höchstpreise für Gemüse überschritten hatten, zu Gefängnisstrafen von einexß Woche.. Zur Kartoffelversorgung. 1 „Der deutsche Landwirtschaftsrat hat an die zuständigen Stellen die dringende Bitte gerichtet, daß für die Abliefe, rungen von Kartoffeln die erforderliche Anzahl Eisenbah wagen zur Verfügung gestellt werden, wenn nicht in der Kar. toffelversorgung für den Winter Schwiorigkeiten einkreten sollen. 01 197 Land ein Blättern zufolge führt der englische Kommandant in TT. ö Pulver und Gold. Roman aus dem Kriege 18701871. 28 Von Levin Schücking. „Ja— ich muß fest geschlafen haben,“ antwortete er, „und es liegt mir schwer in den Gliedern; ich glaube, ich brauche mich nur hinzulegen, und ich schlafe sofort wie— der ein.“ „Du ffühltest schon, ehe du dich legtest, diese Schlafsucht?“ „Ganz merkwürdig, Herr Vizewachtmeister,“ sagte Fried— rich;„just, als ob mir einer einen Schlaftrunk in den Abend— schoppen gegossen hätte...“ Damit warf sich Friedrich wieder auf sein Lager, und ich suchte das meinige auf und fragte mich dabei, ob ich nicht sehr wohl getan, des Abbé„beruhigendes“ Pulver nicht an— zurühren. Freilich, hätte ich es genommen, ich hätte schwerlich den Rest der Nacht so aufgeregt schlaflos, wie ich jetzt tat, zuge— bracht. Solche peinvolle, unsäglich quälende, rastlose Stun— den, in denen ich oft vollständig der Verzweiflung nahe war, daß gerade ich dies entsetzliche Gold hatte finden müssen... Ich hatte so innerlich glücklich, so im stillen jubelnd die Zu— versicht genährt, daß es mir glorreich gelingen werde, eine Brücke über den Abgrund zu bauen, der mich unleugbar von Blanche trennte... und nun kam dies verfluchte schwere Gold und legte sich auf meine luftige phantastische Brücke, und unter dieser Last war sie zusammengebrochen und ein— gestürzt, und der Abgrund klaffte tiefer und weiter als zuvor, und aus der schwarzen Tiefe starrte mich die öde grauenhafte Hoffnungslosigkeit an.— Endlich, endlich stieg der Morgen herauf. Die Sonne kam und stieg höher und höher; doch fühlte ich mich nicht ver— sucht, mich zu erheben. Ich fühlte mich matt, hinfällig, wie an allen Gliedern gebrochen. Ein Mädchen brachte mir das Frühstück. Der Abbé, obwohl er sich mir zum Arzt aufge— drungen, erschien heute nicht. Von Blanche vernahm ich natürlich nichts. Auch der Arzt aus Noroy, den man mir für heute angekündigt, kam nicht. Fricovich hatte sich er— W= 2 f hoben und ging verdrossen zwischen mir und meinen Leuten hin und her; er klagte über Kopfweh. Ich nahm mir endlich ein Herz und sandte ihn zum Abbé hinauf. Ich ließ diesen dringend ersuchen, sich zu mir herunter zu bemühen. Der Abbs kam nach einer geraumen Weile. Ich bat ihn, Platz an meinem Bette zu nehmen, und sagte mit einen Scherz, der freilich sehr gezwungen lauten mochte: „Ich habe das Pulver, das Sie mir gestern abend ver— ordnet, nicht genommen, und das hat Sie mit Ihrem Patien⸗ ten so unzufrieden gemacht, daß Sie ihn aufgegeben haben. Ist es so? Ich würde es Ihnen nicht übel nehmen können. Ich will auch in der Tat Ihre Mühe und Sorge nicht weiter in Anspruch nehmen; meine Wunde heilt wohl ohnehin jetzt ohne viel ärztliche Behandlung und ist jedenfalls das ge— ringste von dem, was mich unglücklich macht... ah, wes— halb tun Sie das?“ Der Abbs hatte mit einem eigentümlich gedrückten Wesen, während ich so sprach, meine Blicke vermieden und streckte jetzt die Sand nach dem Glase aus, in das er am gestrigen Abend sein Pulver gemischt und das noch gefüllt auf meinem Nachttische stand. Er nahm es und leerte es rasch bis zur Hälfte. „Weshalb tun Sie das?“ rief ich aus. „Sie haben das Mittel, durch das ich Ihnen Nachtruhe geben wollte, verschmäht,“ antwortete der Abbé;„damit es nicht unbenutzt bleibe, will ich selber es nehmen; nach der Szene der verflossenen Nacht wird mir die beruhigende Wir— kung, die es übt, wohltun!“ „Ah,“ sagte ich lächelnd,„eine Beruhigung hätten Ihnen auch meine Worte geben können; ich habe nicht daran gedacht, daß dieses Pulver nicht ein sehr harmloser Stoff sei: sogar ein sehr wohltätiger Stoff; hätte ich ihn zu mir genommen, so würde ich sicherlich so gut und so fest wie Friedrich ge⸗ schlafen haben, und Sie und Fräulein Blanche hätten unge⸗ stört ihr Vorhaben ausführen können; ich fühlte jetzt nicht die Verzweiflung über den Kummer, den ich Fräulein Blanche habe zufügen müssen, diese helle Verzweiflung, die mich dazu Ihnen erfahren, wie Fräulein Blanche in dieser Stunde 9 der Sache denkt, ob ihre wilde und mir unerklärliche regung sich gelegt hat; ich möchte Ihnen auseinandersetze daß es einer solchen Aufregung über die einfache Tatsache gar nicht bedarf, daß diese derselben nicht wert ist.“ Der Abbs zuckts die Achseln und sah trübselig zu Boden während ich eifrig fortfuhr:* 9 „Der kleine Schwarm von Franktireurs hat aus Furcht, von uns überrascht zu werden, den Geldtransport in Ihrem, Hause in Sicherheit gebracht; wir haben den leidigen Schah entdeckt und konfiszieren ihn nach Kriegsrecht; ich gebe Ihnen N eine Bescheinigung darüber, die mein Schwadrons⸗ und, wenn Sie wollen, mein Regimentschef bekräftigen und besiegel wird— Sie sind damit aller Verantwortung los und ledig— kein Mensch auf Erden kann Ihnen oder gar Fräulein Blanche einen Vorwurf darüber machen!“ „Sie kennen die ganze Sachlage nicht, mein Herr!“ er⸗ widerte der Abbé.„Ich will sie Ihnen erklären, wenn Sie verlangen...“ g „Ich bitte, reden Sie, sagen Sie mir alles.“. „Jenes Geld,“ hub der Abbe an,„ist vom Präfekten des Departements der oberen Saone zu Vesoul an den deß Doubs nach Besancon abgeschickt worden und sollte zur richtung und Ausrüstung des Bataillons der Mobilen de oberen Saone dienen, das zur Sicherheit nach Besancon ge“ schickt ist, um sich dort im Schutze der Festung zu formieren. Da man jedoch die Straße von Vesoul auf Besancon nien mehr für ganz sicher hielt— man hatte Nachricht, daß Ihre Vortruppen auf Vesoul marschierten, und mußte dann 11. ten—, so wurde der Transport ostwärts auf der Straße in Oignontal geführt, um über Montbazon und Vorah unge⸗ fährdet Besancon zu erreichen. Aber was sich in dieser losen Kriege so vielfach gezeigt hat, daß Sie die Schnelleren und wir die Langsameren sind... der Wagen mit dem Gelde wurde von Ihrem Detachement auf einer Straße, auß der man Sie gar nicht erwartete, eingeholt; der Gendars N Sie ie und die Franktireurs, die ihn geleiteten, hatten, wie 1 selb wissen, kaum die Zeit, den Schatz in dies Haus zu trieb, Sie um eine Unterredung zu bikten. Ich möchte von (Fortsetzung folgt.) tatsächlich mit der Kapitulation des Premierministers geer 0 habe. Die fünf Oppositions-Minister hätten ihre Demission, 0 chen. eingetreten ist, so daß der geregelte Absatz zeitweise beeinträch— en und Nach bargebiete. SGießen und Umgebung. Vom Heringswucher. Der Hering als Volksnahrungsmittel, als das Fleisch der armen Leute, gehört der Vergangenheit an. Heute ist dieser Fisch zur Delikatesse geworden und nur noch selten auf dem Tische der ärmeren Familien zu finden. Dies ist auch kein Wunder, ist doch der Preis für die Heringe dicht in die Nähe der Preise für Rind- und Kalbfleisch gerückt. Ein Salzhering kostet jetzt 18—22 Pfennige, ein geräucherter Hering sogar. 0 Pfennige und eine hiesige Heringshandlung hat einem kleinen Krämer, ihrem ständigen Kunden, dem sie im August die Tonne Heringe noch mit 59 Mark berechnet hat, jetzt mitge⸗ teilt, daß er Heringe, die er bereits im September zum Preise von 69,50 Mark bestellt und von der Handlung reserviert be— kommen hatte, nur noch geliefert bekommen könne, wenn er für die Tonne 98 Mark zahle. Also eine Preiserhöhung von fast 40 Mark, oder um über 6 Pfennigen für einen Hering in etwas mehr als zwei Monaten! Bei solchen Preisen kann von einem Volksnahrungsmittel nicht mehr gesprochen wer— den. Wie ungerechtfertigt die Preistreiberei bei den Herin⸗ gen ist, geht aus folgendem, was im Hannoverschen Volks— willen zu lesen ist, hervor: „Durch die Erklärung eines großen Teils der Nordsee als Kriegsgebiet ist naturgemäß die Heringsfischerei, die be— sonders in den holländischen Gewässern betrieben wird, stark beeinflußt worden. In letzter Zeit hat sich die Herings⸗ fischerei aber auch in den holländischen Gewässern stark ge⸗ hoben. Aus VBlaardingen werden so große Zufuhren von Heringen gemeldet, daß ein Mangel an Verpackungsmaterial ligt wird. In Vlaardingen kamen in letzter Zeit 123 361 Tonnen Heringe auf den Markt, gegen 110 884 Tonnen in derselben Zeit des Vorjahres. Rechnet man die Zuführen von den Nach— barplätzen hinzu, so ergibt sich folgende Gesamtsumme: 277861 Tonnen in diesem und 205 834 Tonnen im Vorjahre. Die Preise waren am 25. September diese: Neue hollän— dische Vollheringe, im Süden gefangen, 46.20 bis 46.30 Gul⸗ den, im Norden gefangen, 45.80 bis 46.20 Gulden. Neue Matjesheringe kosteten 45.50 bis 45.60 Gulden. In Katwiyk an der See kosteten neue Vollheringe 43.25 bis 44.85 Gulden. In Pmuiden zahlte man für Vollheringe 44 bis 46.50 Gulden(1 holl. Gulden= 1.60—1.70 Mk., je nach Kurs.) Aus dem Vorstehenden ergibt sich, daß in diesem Herbst der Heringsfang in der Nordsee trotz dem Kriege eine nam⸗ hafte Steigerung gegen das Vorjahr erfahren hat. Auch von der Ostsee werden wieder außergewöhnlich reichliche Fänge gemeldet. a Nach alledem müßten die Heringe ihren alten normalen Preis behalten, wenn nicht in dieser Kriegszeit jegliches Lebensmittel einer wüsten Spekulation unterläge, die dafür sorgt, daß kein Lebensmittel von der Verteuerung verschont bleibt.“ Den Itzehoer Nachrichten wird aus Kiel geschrieben, die Fänge seien an der dortigen Küste zeitweise so erheblich, daß der Bedarf am Platze und in den nächsten Ortschaften bei weitem nicht ausreicht. Es komme vor, daß e in Hering kaum einen Pfennig koste, und daß gute Fische für ein Geringes als Dünger abgesetzt werden müssen. Es fehle eben die Organisation für den glatten Absatz.. Man müßte meinen, daß sich eine solche Organisation, die uns wenigstens ein billiges Volksnahrungsmittel verschaffen könnte, mit Leichtigkeit schaffen ließe. Allerdings darf nicht lange gezögert werden, wenn etwas damit erreicht werden soll. Wir nehmen schaft deutscher Konsumvereine 5 müßte, den Mitgliedern der Konsumvereine Volksnahrungsmittel zu sichern. an, daß sich hier für die Grbßeinkaufsgesell⸗ die beste Möglichkeit bieten ein billiges — Was heute in Hessen möglich ist. Vom Gouverneur der Festung Mainz wurde folgende Verfügung erlassen: „Auf Grund des 8 4 des Gesetzes über den Belage⸗ rungszustand vom 4. Juni 1851 ordne ich hiermit an: Zur Wahrung des Burgfriedens wird die Aufführung N des Schönherrschen Sittenstücks„Der Weibsteufel“ im Befehlsbereich der Festung Mainz ver boten. Zuwider⸗ handlungen werden mit Geldstrafe bis zu 600 Mark oder mit Haft bis zu 6 Wochen bestraft.“. g Vor kurzem versuchten die Mucker in Salzburg in Oester⸗ peich, das Stück vom Spielplan des dortigen Theaters zu beseitigen und unternahmen zu diesem Zwecke einen Vorstoß im Gemeinderat. Sie blitzten damit aber gehörig ab. Der Theaterintendant und Vizebürgermeister erwiderte dem gegen das Stück polemisierenden Gemeinderat, daß or über dessen Ausführungen entsetzt sei. Das Drama enthalte nichts Un⸗ sittliches oder Religionsfeindliches, sonst hätte es sicher die Zensur nicht passiert. Schönherr sei ein viel zu ene Charakter, als daß er anstößige Stücke schreibe.— Das 195 a ist auch bereits an vielen guten Theatern aufgeführt worden; es ist daher nicht verständlich, warum es in Mainz en wirken und den Burgfrieden stören soll. Zu was fler 110 Burgfrieden herhalten muß! Vielleicht sehen wir das 7 ück mal im Gießener Theater und können dann desto besser darüber urteilen. 15 5 — Eine Preisprüfungsstelle ist für die Stadt G ieß 8 15 auf Grund der Bundesratsverordnung errichtet e 150 hat sich in ihrer gestrigen ersten Sitzung konstituiert 1 e Mitglieder, welche bezüglich der in ihrem Amts 1 Kenntnis gelangenden privaten und geschäftlichen N 1 0 heiten Verschwiegenheit beobachten müsson, wurden N hin vereidigt. Vorsitzender ist Prof. Dr. Lei 1 0 1 Prüfangsstelle besteht aus 10 Mitgliedern und uche r und beteiligte Sachverständige und Verbraucher Jaskowsky, Professor Dr. Kleeberger, Rechtsanwalt Schenck Zu Schweinsberg, Landgerichtsdirektor Schmeckenbecher, Prof. Dr. Skalweit, Redakteur Vetters, Frau Oberstleutnant Nau- mann; der zweiten Gruppe gehören an: Guts⸗ und Brauerei— besitzer Biehler, Kaufmann Fischer, Molkereibesitzer Grieb, Kaufmann Krumm, Kaufmann Leop. Mayer, Mühlenbesitzer 0 Kaufmann Aug. Noll, Metzgermeister Ernst Ludw. Sack. g — Gesallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Wehrmann Heinr. Insel aus Gießen, Landw. ⸗Inf.⸗Reg. 87. 0 Unteroffizier Andreas Lindner, Postschaffner aus Gießen, Inf. Reg. 254.— Unteroffizier Wilhelm Haun aus Gießen, 14. bayr. Inf.⸗Reg.— Adolf Nu nenthal aus Watzenborn.— Wehrmann Wilhelm Schmidt aus Krofdorf, Landw.⸗Inf.⸗Reg. 116.— Musketier Georg Zimmer aus Nieder-Bessingen, Inf⸗Reg. 349.— Ersatz⸗ Reservist Joh. Michel aus Treis a. d. L., Inf.⸗Reg. 88.— Landsturmmann Joh. Hch. Schrodt aus Merkenfritz.— Reservist Conr. Jak. Hensel aus Hörnsheim, Inf.-Reg. 253. Musketier Johs. Vogel aus Homberg a. d. Ohm, Inf. Reg. 186. Die Verordnung über die sleischlosen Tage— ein Schlag ins Wasser. Zu dieser Ansicht kommen sogar Blätter vom Schlage der Täglichen Rundschau. Diese kommentsert die Verordnung wie folgt: Da sind die fleischlosew Tage. Zweifellos ein ausgezeich⸗ neter Gedanke. Soweit die Abgabe on Fleischwaren und Fleisch⸗ speisen durch Wirte in Betracht kommen, wird die in Aussicht ge⸗ stellte Verfligung ohne weiteres eine volle Wirlung üben können. Ganz ohne Wirkung aber wird die Verfügung blelben in bezug auf den Fleischverbrauch in den prspatem Haushaltungen. Wäre es nicht billig, und wäre es nicht eine Forderung der Gerechtigkeit, daß auch diese zu einer Verbrauchseinschränkung im Sinne der Verordnung über fleischlose Tage genötigt würden? Warum auf halbem Wege stehen bleiben? Die kleinen Leute, die ohnehin der fleischlosen Tage genug haben, werden durch die Einstellung des Fleischverkaufes an zwei Tagen der Woche in keiner Weise berührt. Ihretwegem könnte man den Fleischverkauf auch kan weiteren zwei Tagen verbieten. Wir Die andern aber, denen nich macht zu haben. Gegen Wucherpreise für Wild. Vor einiger Zeit, bevor die Jagd auf Hühner, Fasanen und Hasen anging, hat, wie die Tägliche Rundschau erfährt, das sächsische Ministerlum des Innern an die Verwaltungen der größeren Städte des Königreichs Sachsen eine Anweisung erlassen, in der es heißt: Es wird natürlich versucht werden, die Wildpreise mit den Preisen des zahmen Geflügels und Fleisches in Einklang zu bringen, d. h. wesentlich zu steigern. Zu einer solchen Maßnahme liegt aber schwerlich ein Rechtfertigungs⸗ grund vor, die Fagdpachten sind nicht teurer geworden, die Aus⸗ lagen der Jagdpächter auch nicht. Mit Rücksicht darauf betonte das sächsische Ministerium, daß den Versuchen, das Wild zu verteuern, mit den Bestimmungen über den Kriegswucher begegnet werden soll. Diese gukgemeinte Maßnahme hat offensichtlich beinen Erfolg gehabt, denn die Preise für Wild sind enorm gestiegen. Hier müßten, weil von einem Unterschied in den„Produktionskosten“ gewiß nicht ge⸗ sprochen werden kann, niedrige Höchstpreise für das ganze Reich festgesetzt werden. Außerdem aber müßte ein genügend großer Ab⸗ schuß angeordnet und eventuell zwangsweise durchgeführt werden. — Neue Stiftung. Bankdirektor Heichelheim und Frau wen⸗ deten der Stadt in 5prozentiger Kriegsanleihe den. Betrag von 4000 Mark zu, die den Grundstock einer„Albert und Bella Heichel⸗ heim⸗Stiftung“ bilden und deren Zinsen in jedem Jahre ab⸗ wechselnd an eine südische und christliche bedürftige Witwe oder Mutter eines in diesem Kriege Gefallenen ausgezahlt werden soll. — Der hessische Jagoklub will die Wildpreise in die Höhe treiben. Weil alles teuer ist, sollen auch die Wildpreise nicht auf dem bisherigen Stande bleiben. So will es der hessische Jagdklub, dessen Vorsitzender Kommerzienrat Hickler in Darmstadt ist. Dleser wandte sich an den Verband„Deutscher Wild⸗ und Geflügelhändler“ in Berlin, man möge mit dem althergebrachten Brauch brechen und die Hasen nicht mehr stlückweise, wie seither, sondern aufs Gewicht kaufen und verkaufen. Als angemessener Verkaufspreis wurden 70 Pfennige für das Pfund vorgeschlagen. Kurz darauf wandte sich dieser„Jagd⸗Klub“ an die Händler in Darmstadt, Frankfurt, Mainz und Umgebung und brachte 80 Pfennige für das Pfund als Verkaufspreis in Vorschlag., In vecht wenig vo reundlicher Weise begründet der„Jagd⸗Klub“ sein Vorgehen. Er schreibt u. a. wörtlich:„Der Preis für Hasenwildbret ist trotz des Krieges ein so unglaublich(i) billiger, daß jedenfalls jetzt der geeignete Zeit⸗ punkt für eine derartige Neuerung, wäre.“ Also der Krieg mit seiner Fleischnot ist der geeignete Zeitpunkt, nach Anschauung des„Jagd⸗Klubs“, für Hasen, die seither stlick⸗ weise je nach Größe 3.50 bis 4.50 Mk. kosteten, durch den Verkauf nach Gewicht bis zu 7.20 Mark in die Höhe zu trei⸗ ben. Um diesen Versuch von Preistreiberei im Keime zu ersticken, haben die Wild- und Geflügelhändler von Mainz ein Gesuch an die zuständigen Behörden gerichtet.— Die Solidarität in der Be⸗ wucherung der Nation ist bewunderungswürdig. Die Mitglieder des Hessischen Jagd⸗Klubs sind wenigstens aber keine Engländer. Das ist ein Trost! — Zwischenhandel und Konsumenten. In Ungarn hat man statistisch sestgestellt, wie stark sich die Zahl der Warenvermittler vermehrt. Es ergab sich, daß sich das Vermittlextum in Budapest zwischen den Jahren 1890 und 1900 von 44,2 Prozent auf 337,5 Prozent, und in den Städten, der Provinz von 316 auf 966 Prozent vermehrte, wogegen sich die Einwohnerzahl in Budapest unter dieson Jahren nur um 44,8 Prozent und in der Proving um 16 bis 17, Prozent vergrößerte. Die unendlich große Vermehrung der Ver⸗ mittler liegt weder im Interesse der Konsumenten, noch in dem der Produzenten und des anständigen Handels. Sie ist die Ursache des großen Unterschieds zwischen dem Preise, den die Produzenten für ihre Ware bekommen, und dem Preise, den die Konsumenten flir, die Ware bezahlen. Den Gewinn, heimst das Vermittlertum ein. Wer⸗ den die überflüssigen Vermittler ausgeschaltet, so kann der Kon⸗ sument billiger kaufen und der Produzent teurer verkaufen. — Verdorbene Nahrungsmittel. Was jetzt den Konsumenten alles als Nahrungsmittel angeboten wird, zeigte eine Gerichtsver⸗ handlung in Frankfurt. Dort Tauste eine Frau in der Lederhalle von dem Metzgermeister Hermann, Leschhorn aus Obbornhofen (Oberhessen) zwei Dauerschinken. Als die Frau die Schinken nach acht Tagen zurückbrachte, konnte der eine, den sie abgekocht hatte, beinahe allein laufen. Auch der andere, rohe, war im Innern ver⸗ dorben. Nach dem Ergebnisse der Untersuchung auf dem Nahrungs⸗ mittelamt rührte die Verdorbenheit daher, daß die Schinben nur oberflächlich geräuchert waren, und sie müssen schon verdorben ge⸗ wesew sein, als sie von Leschhorn verkauft wurden, Er hätte sich vor dem Verkauf von ihrem Zustande im Innern durch Einstechen mit elner Nadel Überzeugen müssen. Daß er das unterlassen hat, Kreis Alsfeld⸗Lauterbach. d. Alsfeld. Wegen Wucher ist gegen einen hiesigen Kauf- mann ein Verfahren eingeleitet, weil ker für Weißrübensamen, von denen das Pfund 1 Mark kostete, 4 Mark sich hat zahlen lassen. Im Anschluß an diesen Fall ersucht das K relsamt, alle Fälle derartiger Bewucherung sofort den Sicherheitsbehörden mitzuteilen. Kreis Marburg⸗Kirchhain. % Höchstpreise. Für den Kreis Marburg sind vom 30. Oktober ab Höchstpreise für Butter sestgesetzt worden wie folgt: flir Süßß⸗ rahmbutter 2,40 Mt., für alle andere Butter 1,00 Mk. pro Pfund; beim Verkauf durch die Hersteller an Wlederverkäufer: für Süß⸗ rahmbutter 2,10 Mk., für alle andere Butter 1,75 Mk. pro Pfund. — Von der Preisprüfungsstelle des Kreises sind für Kauto feln 3,50 Mk. pro Zentner frei Keller als„angemessener Preis“ be⸗ zeichnet worden. Das sind immer noch zu hohe Preise, wenn auch, den schlimmsten Preistreibereien damit eine Schranke gezogen ist. Durch die Festsetzung dieser Höchstpreise wird dem Lebensmittels wucher der Mantel des Rechts umgehangen, und Landwirte und Händler antworten mit Zurückhaltung der Ware, um höhere Höchst⸗ preise zu erzielen. Das ist„Vaterlandsliebe“. Westerwald und Unterlahn. Bulkterhöchstpreise. Für den Kreis Herborn ist, der Höchst⸗ preis für allerbeste Landbutter auf 4,80 Mark und für allerbeste Tafel⸗(Moflorei⸗) Butter auf 2,40 Mark für das Pfund festgesetzt worden. Von Nah und Fern. „ Jufolge des Krieges wahnstunig geworden. Der erste Staatsanwalt am Passauer Landgericht, Karl Bulheller, hat sich am 23. Oktober in seiner Wohnung in einem Anfall geistiger Umnachtung erschossen. Der Schmerz über, den Verlust seines einzigen Sohnes, welcher auf dem Schlachtfelde schwer verwundet wurde, und den er noch besuchen wollte, aber nicht mehr lebend antraf, hat den allgemein geachteten Mann in den Tod getrieben. — Ein merkwürbiger Fall von Scheiniod wird aus Könkgs⸗ berg i. Pr. gemeldet. Dort war ein 14jhriger Knabe, der nach einer anstrengenden Arbeit in erhitztem Zustande ein Glas kalten Waffers getrunken hatte, auf einem Stuhl eingeschlafen und leblos geworden. Ein Arzt stellte fest, daß der Tod insolge Herzschlags eingetreten sei. Als nun alles zur Beerdigung vorbereitet worden war, wurde die Mutter des Knaben in der zweiten Nacht aus dem Schlafe geweckt, und vor ihrem Bett stand ihr totgeglaubter Sohn, der etwas zu essen verlangte. Die Mutter lief mit einem Schreckens. schrei auf den Flur, mußte sich aber davon überzeugen lassen, daß ihr Sohn tatsächlich lebte. Jedenfalls ist der Knabe durch Ueber⸗ anstrengung und Ermüdung in eine so tiefe Bewußtlosigkeit ge— sunlen, daß alle äußeren Lebenszeichen aufhörten und er sich 48 Stunden lang in einem todesähnlichen Schlaf befand. Granatexplosion in Paris. Bei der Explosion giner Pariser Munitibnsfabrik in der Rue Tolbiac sind, wie jetzt bekannt gegeben wird, 37 Personen getötet. Bisher wurden 16 tote Frauen und 9 Männer nomentlich sestgestellt. Die übrigen Leichem sind bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. In der Rue Tolbiace befand sich ein großes unbebautes Gelände, das auf der einen Seite von hohen Miethäusern, auf der anderen Seite von baufälligen niedrigen Baracken umgeben ist. Auf dem unbebauten Gelände ließ ein In⸗ dustrieller vor einiger Zeit eine Anzahl Schuppen errichten, wo etwa 100 Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt sind. Mittwoch nachmit⸗ tag gegen 2 Uhr erfolgte plötzlich eine sehr heftige Explosion in einem an der Straße liegenden Schuppen. Sofort standen alle au⸗ deren Baulichleiten in Flammen. Es war wie ein ungeheures Strohseuer, das kaum einige Minuten dauerte. Als der Rauch sich verzogen hatte, stellte man fest, daß von den Baracken sozusagen nichts übrig geblieben war. Die Heftigkeit der Explosion war der⸗ artig, daß in hundert Metern Umkreis alle Fenster und Schaufenster zertrümmert wurden. Die Fensterläden aller umliegenden Häuser waren abgerissen und die alten baufälligen Baracken zumeist cin⸗ gestürzt. Unter den Trümmern lagen zahlreiche Opfer. Viele Ar⸗ beiter und Arbeiterinnen konnten, von der Plötzlichkeit der E ploslon übervascht, nicht vechtzeitig fliehen. Der Leiter wurde schwer⸗ verletzt. Die Untersuchung hat ergeben, daß ein Ungllckssall vor⸗ liegt.— Nach einer Blättermeldung wurden in der Fabrik Granaten hergestellt, in ihr waren 200 Frauen und junge Leute beschäftigt. Telegramme. Tagesbericht des Gen Hauptguartiers. Erfolgreicher Angriff vor Dünaburg. Die Verbindung mit den Bulgaren hergestellt. W. B. Großes Hauptquartier, 27. Okt., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. An der Straße Lille Arras entwickelte sich gestern abend nach einer französischen Sprengung ein unbedeutendes Gefecht, das für uns günstig verlief. N Nordöstlich von Massiges drangen die Franzosen im Handgranatenkampf an einer schmalen Stelle in unsere vor, dersten Gräben ein, sie wurden nachts wieder vertrieben. Im Luftkampfe schoß Leutnant Immelmann das fünfte feindliche Flugzeug ab, einen französischen Doppeldecker mit englischen Offizieren, die gefangen genommen sind. Zwei weitere feindliche Flugzeuge wurden hinter der feindlichen Linie zum Absturz gebracht; eins davon wurde von unserer Artillerie völlig zerstört, das andere liegt nördlich von Souchez. i Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. Südlich der Eisenbahn Abe li- Dünaburg drangen unsere Truppen in der Gegend von Tymschany in etwa 2 Kilometer Breite in die russische Stellung ein, machten sechs Offiziere, vierhundertfünfzig Mann zu Gefangenen und ee beuteten ein Maschinengewehr und zwei Minenwerfer. Die gewonnene Stellung wurde gegen mehrere russische Angriffe behauptet, nur der Kirchhof von Szaszali(1 Kilometer nordöstlich von Garbunowski) wurde nachts wieder geräumt. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Nichts Neues Heeresgruppe des Generals v. Linsingen. Westlich von Ezatorysk ist unser Angriff bis an die Linie Komarow—Kamienuchg⸗Höhe südöstlich Miedwieeze vorgetragen. Balkan. Oestlich von Visegrad wurde Dobrun genommen. Die Armeen der Generale v. Kövest und v. Gallwitz haben den Gegner überall, wo er sich stellte, geworfen. Mit den war eine Fahrlässigkeit, für die ihm das Schöffengericht eine Geld⸗ leinhändler. 8 Warenerzeuger, Groß- und Klein händ r A eren gehören, Oberbibliotbekor Dr. Ebel. Gastwirt N N. 1 strafe von 60 Mark auferlegte. Hauptkräften wurde die allgemeine Linie Valje vo- Mo rawei lam Ljig)—Topola erreicht, östlich davon die Jasenica, Raca— beiderseits Sviljaz die Resava Twerschritten. Im Pek⸗Tale ist Neresnica genommen. Die südlich von Orsova vorgehenden Kräfte erbeuteten in Kladovo zwölf schwere Geschütze. In Ljubice vac (an der Donau östlich von Prza-Palanka) wurde die unmittelbare Verbindung mit der Armee des Generals Bojadjoff durch Offizierspatrouillen hergestellt. Derr rechte Flügel dieser Armee folgt dem Gegner von Negotin in nordwestlicher und südwestlicher Richtung. Um den Besitz von Knjazevot wird weiter gekämpft. Oberste Heeresleitung. Der österreichisch · ungarische Tagesbericht Die italienische Offen sive erlahmt. Wien, 27. Okt.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: 27. Oktober 1915. Nussischer Kriegsschauplaß. Die Vertreibung der Russen westlich von schreitet trotz der heftigen Gegenwehr des Feindes nichts Neues. Italienischer Kriegsschauplatz. Der italienische Angriff auf unsere küstenländ i sche Front wurde gestern nicht mehr mit so großem Aufwand an Menschen und Munition wie in den früheren Schlachttagen fortge⸗ führt. Der Feind zögert mit dem Einsatze seiner zurückge⸗ haltenen Kräfte. Mehrere Angrisssversuche gegen die Krn-Stel⸗ lung kamen über ihre Anfänge nicht hinaus. Wiederholte Angrisse auf den Tolmeiner Brückenkopf wurden wie immer abgewiesen. Der Abschnitt von Plava stand zeitweise unter Trommelfeuer, Ein An⸗ griff auf Glorna wurde zurück g eschlagen. Bei Plava ver⸗ mochte die italienische Infanterie nicht mehr vorzugehen. Im Südabschnitte des noch immer unter schwerem Feuer stehenden Brückenkopfes von Görz brang der nachmittags hier angreifende Feind in ein kleines Grabenstück ein, das er jedoch nachts wieder verlor. Das Geschützfeuer gegen die Hochfläche von Do⸗ berdo hat bedeutend nachgelassen. Die Angriffstätigkeit der Italiener an der Dolomiten⸗Front hält au. Vorstöße starker gegnerischer Kräfte gegen den Col di Lana und den Sief-Sattel scheiterten. Unser Spital in Rovereto wurde mit Brisanz⸗ Granaten beschossen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Oestlich von Visegrad entrissen unsere Truppen dem Feind die Höhen beiderseits des Grenzdorses Dobrunj. Die Armee des Generals der Infanterie v. Koeveß drängte ben Gegner ins Gebirge nördlich von Grn⸗Milanovae zurück. Oesterreichisch⸗ungarische Kräfte warfen ihn mit dem Bajonett aus seinen Höhenstellungen bei Topola. Czartoryst fort. Sonst Die beiderseits der Morava operierende deutsche Armee ge⸗ wann die Höhen südlich der Raca und dringt die Mlava auf⸗ wärts vor. Die Orsova⸗Gruppe ist in Bra Palanka eingerückt. In Kladovo wurden 12 schwere serbische Geschütze und große Vorräte an Munition, Verpflegung und Bekleidung erbeutet. Abteilungen der westlich von Negotin kämpfenden bulgarischen Kräften stellten die Verbindung mit den österreichischen, ungarischen und deutschen Truppen her. Die gegen Knjazevac entsandten bulgarischen Kräfte kämpften gestern im Sstteil dieser Stadt. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnant. * Der bulgarische Bericht. Sofia, 27. Okt.(W. T. B. Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht über die Operationen vom 25. Oktober: Die Offensive dauert auf der ganzen Front an. große Vorräte von Mehl und Haser. In dem Donauhafen Kussick westlich Prahovo sind viertausend Winterwesten, zwei— tausend Kapuzen, zweitausend Militärmützen und dreißig Kisten mit Munition gefunden worden. Bei Knjazevac er— beuteten wir vier Feldgeschütze und sechs Kisten voll Munition und nahmen einen Hauptmann und dreißig Soldaten ge— fangen. Im Distrikt Kossovo beginnt die albanesische Be— völkerung mit bewaffneter Hand gegen die Serben zu kämpfen. Nördlich Uesküb, ouf dem Wege nach Katchanik entdeckte man die Leichen von 28 Bulgaren, die von den Serben aus dem Gefängnis entlassen und niedergemacht worden waren. Ferner sind dreihundert Bulgaren aus ver— schiedenen Städten Mazedoniens nach Katchanik abgeführt worden. Die Serben machten eine große Anzahl Bulgaren nieder, die bei ihren Trains und der Bagage beschäftigt waren. Viele serbische Familien, darunter mehrere von ferbischen Offizieren, sind in Uesküb geblieben. Die Ver— treter der Behörden und höhere serbische Offiziere rieten der amerikanischen Mission und anderen Fremden, aus Uesküb zu fliehen, da, wie sie angaben, die Bulgaren ein Barbaren— volk sejen und sie niedermachen würden. Gleichzeitig ließen sie aber ihre eigenen Familien in Uesküb und sagten ihnen, daß die Bulgaren Leute von gutem Benehmen seien und ihnen kein Leid tun würden! Der Vormarsch der Bulgaren. Sofia, 27. Okt.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die Bul⸗ garische Telegraphen-Agentur erfährt: Die bulgarischen Truppen haben in der Umgegend von Knjazevac bedeutende Erfolge davongetragen; sie besetzten diese Stadt. Außerdem nahmen die bulgarischen Truppen die sehr mächtige Stellung Drinova Glava im Sturm, die den Schlüssel zum Festungs— rayon von Pirot bildet. ** Sofia, 27. Okt.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die Bulgarische Tele⸗ graphen⸗Agentur meldet: Die bulgarischen Behörden haben die Linie Dedeagatsch-Oktschilar besetzt, deren Betrieb von nun an durch den bulgarischen Staat erfolgen wird. In Negotin fanden wir Die Vereinigung von Deutschen und Bulgaren. Ein welthistorischer Tag. Die Vereinigung deutscher und bulgarischer Truppen auf dem Balkankriegsschauplatz wird von der Frankfurter Zeitung in folgenden Ausführungen gefeiert: Deutsche und Bul⸗ garen haben sich vereinigt. Der Tag, an dem dies Ereignis gemeldet werden konnte, hat eine welthistorische Be⸗ deutung. Auf den Schlachtfeldern Serbiens, auf einem Bo⸗ den, der ein Teil des Kampfpreises sein wird, den sich das bulgarische Volk unter der Führung seines Königs durch einen glänzenden Feldzug heute schon erobert hat, ist durch den sym⸗ bolischen Akt des ersten Handschlags zwischen den siegreichen Soldaten der Armeen Deutschlands und Bulgariens der Grundstein gelegt worden zu dem neuen Bau einer gemein— samen und, wie wir hoffen dürfen, glanzvollen Geschichte der Zentralmächte und ihrer tapferen Waffengenossen am Balkan, einer Geschichte, die den weiten Raum von den Gestaden der Nordsee bis an die Ufer des Persischen Golfes zu ihrem nir⸗ gends unterbrochenen Schauplatz haben wird. Der große Strom des Handels, der wirtschaftlichen und der kulturellen Entwicklung wird nicht, wie es die Absicht unserer Feinde im Osten war, vom russischen Reich über den Balkan nach dem Mittelmeer fluten können, alles was deutsch und europäisch heißt auf seiner Bahn zermalmend, und alles was ostwärts davon liegt vom Bannkreis des europäischen Zentrums ab⸗ schneidend, sondern das Fließen und Gehen, das Treiben und Schaffen wird in breitem Geleise vom Deutschen Reich über das Land der Verbündeten, über Oesterreich und Ungarn, über Bulgarien und die Länder des Sultans seinen Weg nehmen, in regem Austausch aller Güter jedem das Seine ge— während und jedem gestattend, frei und in ruhigem Aufstieg die Kräfte zu entfalten. * Serbischer Hilferuf nach England. T. U. London, 27. Okt. Der serbische Ministerpräsident Pasitsch hat der Times folgenden Aufruf zur Veröffentlichung zugehen lassen: Serbien macht unmenschliche Anstrengungen, seine Existenz zu verteidigen und zwar in Uebereinstimmung mit den Wünschen seiner großen Bundesgenossen. Die Oester⸗ reicher, Deutschen nd Bulgaren haben Serbien zum Tode verurteilt und unsere gemeinschaftlichen Feinde versuchen nun schon 20 Tage lang, uns trotz des Heldenmutes unserer Soldaten zu vernichten. Unser Widerstand kann nicht bis ins Unendliche fortdauern, darum bitten wir England, alles zu veranlassen, damit wir die Versicherung haben, daß seine Truppen uns erreichen und uns helfen, damit wir zusammen die gemeinschaftliche Sache verteidigen können, die so ernst lich bedroht ist. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M. Vereinskalender. Samstag. 30. Oktober. Altenbuseck. Freie Turnerschaft. Versammlung abends 29 Uhr bei Witwe Becker. Versorgung der Bevölkerung mit Kartoffeln. Diejenigen Einwohner, die sich mit Speisekartoffeln noch nicht versorgt haben und 1 Bedarf durch Vermittelung der Stadtver⸗ waltung decken wölle, werden hiermit ersucht, 9 5 Bedarf an quten Speisekartoffeln bis spätestens Freitag, den 29. Oktober 1915, nachmittags 6 Uhr bei den zuständigen Brotmarkenausgabestellen mündlich oder schriftlich anzumelden. Die Ausgabestellen sind zu diesem Zwecke Mittwoch, den 27., Donnerstag. den 28. und Freitag, den 29. Oktober von 8—12 und 2—6 Uhr geöffnet. Der Anmeldende ist zur Abnahme der angemeldeten Menge verpflichtet. Die Abgabe erfolgt zum Selbstkostenpreis der Stadt. Gießen, den 25. Oktober 1915. Der Oberbürgermeister. Ee. 3 Bekanntmachung Betrifft: Das Einhalten der Tauben während der Ga Die Besitzer von Tauben werden unter Hinweis auf Art g (Ziffer 2 des Feldstrafgesetzes vom 13. Juli 1904 aufgeforder 5 Tauben wegen der Saatzeit bis 20. November ds. Irs. einzuhalten. Diese Bekanntmachung findet auf die Wan eren eine Anwendung. Gießen, 27. Oktober 1915. 555 Oberbürgermeister. V.: Grünewald. Verstorbene.„Frau Susanne Ranft, geb. Diehl in Alsfeld 80 Jahre alt.— Frau Katharine Hahn in Alsfeld, 75 Jahre alt — Rechnungsrat Emil Neurath in Gießen, 62 Jahre alt Wir suchen zum sofortigen Eintritt mehrere selbständig arbeitende a 3 ——— — Installateure 1 5 G zur Ausführung von Gasleitungen. 5 90 Städt. Gas⸗ u. Wasserwerk län Stedlug a 3 Neu! Konkurrenzlos! Nen Versand⸗Karton (D. R.⸗Patent 3 für Gelee, Honig, Butter, 5 Schmalz, Fleischwaren ꝛc. Prakklischer, vorteilhafter und billiger als lech oder Glas⸗Packung. 1 f Preis für 1 Pfund⸗ 25 58. 1 Packung nur Gberhessische Volk 25 ee F 23. 7 9 Fülle keen Dir.: Hermann Steingoetter. Freitag, den 29. Okt. 1915, abends 8 Uhr: 3. Freitags⸗Abonn.⸗Vorstellung Herrschaftlicher Diener gesucht Schwank in 3 Akten von Eugen Burg und Louis Taufstein. 15 Ende nach 9¼ Uhr. Gewöhnl. 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Durch den N ö 1