der Organ für die Interessen des werktätigen Volkes Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. .. Die Oberhessische Volkszeitung erscheint jeden Werktag Abend in 5 Redaktion und Expedition Gießen, Bahnhofstraße 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Inserate losten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Gießen, Miitwoch, den 20. Oktober 1915 10. Jahrgang dr 8 2 22 15 Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich 60 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl. 1.80 Mk. Nr. 246 1 2* keine Erwägungen Caten! 0 Von Heiz gii Cun o w. Der Vonstand der Sozialdemokratischen Partei und die General- „ emmission der Gewerkschaften haben sich vor einigen Tagen erneut 1 den Reichskanzler mit einer Zuschrift gewandt, in der sie unter 0 dinweis auf die zunehmende Preissteigerung einer Reihe der not⸗ pendigsten Lebensmittel energische Maßnahmen gegen die über— lundnehmende Preistreiberei fordern. Dieser Appell an die Reichs⸗ gierung ist dringend nötig! Die Zeit der ewigen Bedenken und a dphunhe ist vorbei. Nicht nur die Volksinteressen, die eigenen a nteressen des Staates als kriegführende Macht verlangen, daß iidlich mit dem System des Zauderns und der sortgesetzten Un⸗ glüssigkeit gebrochen und jenen Interessenkliquen entgegengetreten fürd, deren geflissentlich zur Schau getragener gespreizter Patrio⸗ mus sie nicht hindert, die gegenwärtige Notlage gewissenlos zur füllung ihrer Taschen auszunutzen. Der Winter naht heran, und Dingt zur Einschränkung, zur Stillsetzung mancher Arbeiten, bei nen bisher Hunderttausende ihren Verdienst fanden, während udererseits die rauhe Witterung dringend allerlei Neuanschaff— ngen fordert Was soll merden, wenn in den kommenden Winter⸗ naten die Prtise der unenthehrlichsten Nahrungsmittel auf ihrem shzigen Stand bleiben oder gar in gleicher Weise weitersteigen, wie in den letzten Wochen gestiegen sind? Nicht deshalb gestiegen und, weil, wie eine gewisse Presse beschönigend behauptet, die Pro⸗ ö ukktionskosten plötzlich enorm zugenommen haben, sondern infolge „ zucherischer Gewinnspekulationen— wofür den besten Beweis die Fbifache Tatsache liefert, daß in nahe beieinander gelegenen Gegen— im und Orten, in denen die Produktions⸗ und Transportkosten de gleichen sind, ganz verschiedene Preise gefordert werden.— Durch eine gewisse Organisation des Konsums und die Opfer— seudigkeit des deutschen Volkes, das sich willig in alle der Streck— 1 1 N lug der vorhandenen Lebensmittelvorräte dienenden Verord⸗ dvungen fügte, deren Noßwendigkeit es erkannte, ist der Aus⸗ hengerungsplan Englands bisher zu schanden geworden: soll jetzt Ar vielgerühmte„Wille zum Durchhalten“ daran scheitern, daß ge⸗ visse Interesse⸗ und Spekulantengruppen die Gelegenheit für ge⸗ kenmen halten, durch Preistreiberei sich Extra⸗Kriegsprofite zu hirschaffen? So willig die ärmere Volksmasse sich trotz ihrer Ent⸗ bchrungen bisher in alle Aenderungen ihrer Lebensverhältnisse ge— fjmden hat, die sie für nötig und unvermeidlich im Interesse des lanzen hielt, so wenig ist sie geneigt, zu darben und zu hungern, ler damit skrupellose Lebensmittelproduzenten und-Händler deste gößere Gewinne einzufäckeln vermögen. Das Ertragen der Lebensmittelverteuerung hat seine Grenzen 7 und diese Grenzen sind erreicht, wenn das Volk mehr und mehr de Ueberzeugung gewinnt, daß es nicht unvermeidliche und unab⸗ wndbare Kriegsfolgen sind, die es zu Entbehrungen verurteilen, ndern vperbrecherischer Wucher, und daß sich die kuerung leicht mildern ließe, wenn nur oben an den sogenannten lußgebenden Stellen mehr Entschlußkraft, Energie und Organi⸗ ionstalent, weniger Rücksichtnahme auf die Gewinnansprüche be— umter Interessenkliquen beständen. So einsichtslos sind die dutschen Arbeiter, Kleinhandwerker, Unterbeamten und Ange⸗ kllten nicht, daß sie garnicht merkten, wie so mancher Kriegs⸗ unteriallieferant, Großgrundbesitzer, Bauer, Aufkäufer usw. in⸗ lige rücksichtsloser Ausnutzung der„Kriegskonjunktur“ enorme slichtümer ansammelt, während ihre eigene Lebenshaltung durch % Teuerung tiefer und tiefer herabgedrückt wird. Wer Ver⸗ imdnis für die Volksseele hat, dem kann es nicht entgangen sein, ber in den letzten Wochen sich nicht bloß in den ärmeren Vol S⸗ gichten, sondern bis tief in die Mittelschichten knein ein gefähr⸗ iger Umschwung der Stimmung vollzieht und man dort heute ganz ners über die Leistungen„der da oben“ urteilt, wie noch vor hem viertel oder halben Jahr. 5 g Es muß unbedingt energisch gegen den Lebensmittelwucher ein⸗ lachritten werden, mögen immerhin manche größeren und kleinen lekulantengruppen Jeremiaden über die Verletzung ihrer soge⸗ zannten berechtigten Interessen und des Prinzips der Handelsfrei⸗ tet anstimmen. Verordnungen, wie die jüngsten Strafandroh⸗ amen gegen den Lebensmittelwucher oder die Einsetzung von teisprüifungsstellen haben so, wie sie beschaffen sind, wen zweck, leidet doch die letztgenannte Maßregel von vornherein an, daß sie die Preistreiberei ausschließlich dort sucht, wo die uur zum kleinsten Teil steckt; im Kleinhandel, während sie ksächlich am stärksten in der landwirtschaftlichen Produktion auf⸗ keit. Soll die Verordnung wirklich nützen) dann muß eine Reichs⸗ Aesichtsbehörde über den Lebensmittelverkehr eingesetzt werden, gen Aufgabe es wäre, zunächst durch Prüfungskommissionen keunigst in den verschiedenen Gegenden die Produktionskosten e wichtigsten landwirtschastlichen Erzeugnisse sestzustellen und zu mersuchen, wie und in welcher Weise diese Erzengaisse in ihrem dateren Lauf bis zum Konsumenten durch den Zwischenhandel ver⸗ tert werden. Auf Grund solcher Feststellung der Erzeugung bfen müßten dann Nichtpreise für das ganze Deutsche Reich fest⸗ Letzt werden, nach welchen in den verschiedenen Landesteilen ges dic den besonderen örtlichen Verhältnissen die Kommunen oder ach esser größere Kommumalverbände die örtlichen Grone ide seishandelspreise zu normieren hätten— natürlich innerhalb Be⸗ umter Preisgrenzen und, damit nicht örtliche Willkür nach Ver (hen schalten und walten kann, unter Oberaufsicht der genannten kichsbehörde.. „Statt aber von der landwirtschaftlichen P c 175 die örtlichen Verkaufs 5 8 ⸗Nichtpreise zu normierer eht die a ung an der Untersuchumn der Produltivnslosten und 1 555 aldwirtschaftlichen Produzenten eingesteckten großen Pradhei eden kolnne ganz vorilber und beginnt diese Nachprüfung erst 555 151 ae 095 den städtischen Lebenemittel marken e orsschasten, fenen Acerstahte Einwohnern, also die Gutobegir don Prüfungs⸗ 0 sind gar nicht zur Einsetzung i gelen vernyflichtet. Wofl Alen 1 kleinere Gemeinden. weng roduktion auszugehen reisfestsetzungen Er⸗ Bundesratsverorb- eee Der Ententekarren i sie wollen, solche Prüfungsstellen einrichten und ferner können die Landeszentralbehörden, falls sie es für nötig erachten, kleine Ort⸗ schaften(auch Gutsbezirke und Dörfer) zu Kommunalverbänden zu⸗ sammenschließen und in diesen die Errichtung einer Preisprüfungs⸗ stelle vornehmen. Doch irgend welcher Zwang besteht nicht. Und selbst wenn es in einzelnen Fällen geschieht, haben diese Prüfungs⸗ stellen nicht das Recht, die Produktionsgewinne zu untersuchen. Nach§ 4 der betreffenden Verordnung haben sie lediglich den Handel und die Einhaltung etwaiger Vorschriften über Höchstpreise zu überwachen und nur zu prüfen, inwieweit die Verkaufspreise der „Grundlage der Erzeugungs-, Verarbeitungs- und sonstigen Ge⸗ stehungskosten“ nach den örtlichen Verhältnissen„angemessen“ sind. Der vom landwirtschaftlichen Produzenten verlangte Erzeugungs- preis untersteht demnach nicht der Nachprüfung; er gilt einfach als gegeben, als„Grundlage“ der Untersuchung! 0 Zudem fehlt in der Verordnung ein ausreichendes Recht der Beschlagnahme. Zwar können die Gemeinden unter Um⸗ ständen nach Einholung der Zustimmung der Landesbehörden zur Beschlagnahme vom Markt zurückgehaltener Vorräte schreiten, aber nur innerhalb ihrer eigenen Bezirke. Beschlag⸗ nahmen in den Gutsbezirken oder den außerhalb der eigenen Ge⸗ meindegrenzen liegenden ländlichen Ortschaften vornehmen zu lassen, haben sie keinerlei Machtmittel. Findet eine Gemeindeverwaltung in ihrom Bezirk keine zurückgehaltenen Vorräte, danst muß sie eben auf die Beschlagnahme verzichten und die Preise bezahlen, die die ländlichen Produzenten verlangen. So wie die Preisprüfungsstellen beschaffen sind, sind sie daher nichts als Auskunfts⸗ und Beratungsstellen für die Gemeinde- behörden. Ihr Vermögen der Preisbeeinflussung bricht sich allent⸗ halben an den Schranken der Gemeindegrenzen. Weder die Produktion der Nahrungsmittel, noch die Weiterverarbeitung in Molkereien, Mühlen und sonstigen Verarbeitungsbetrieben, noch auch der Umsatz im Großhandel vollziehen sich aber heute im Macht⸗ bereich einer und derselben Gemeinde. Nur eine einheitliche Regelung für bas ganze Staatsgebiet kann helfen. Und wie mit dieser steht es mit anderen Verordnungen. Warum wird zum Beispiel nicht zum Zweck der Kartoffelver⸗ sorgung eine Reichsverteilungsstelle eingerichtet, die die vor- läufige Gesamtbeschlagnahme aller in landwirtschaftlichen Betrieben und Kartoffelhandlungen vorhandenen Vorräte verfügt und nach Befund bestimmte Mengen und Qualitäten für den mensch⸗ lichen Verbrauch festsetzt, das Uebrige aber zur Herstellung von Trockenprodukten und zur Verfütterung an Nutzvieh freigibt? Warum sollen ferner nach der Verordnung nur Kartoffelvorräte zur Beschlagnahme herangezogen werden, die solchen Landwirten gehören, welche mindestens 10 Hektar ihres Grundbesitzes mit Speise⸗ kartoffeln bebaut haben; und weshalb darf die Beschlagnahme höchstens 10 Prozent der auf dieser Anbaufläche gewonnenen Ernte betragen? Man komme nicht mit dem Einwand, die Schwierig⸗ keiten einer anderen Regelung wären zu groß. Wenn jetzt in Polen, einem zum Teil verwüsteten, feindlichen, provisorisch verwalteten Lande eine Gesamtbeschlagnahme und allgemeine Verteilung der Kartoffelernte möglich ist, dann sollte sie im Deutschen Reich mit einem großen sicheren Verwaltungsapparat nicht sein? ö Noch weit leichter wäre eine Milderung der heutigen Milch-⸗ not. Nicht der Mangel an Kraftfutter ist, wie behauptet wird, die Ursache der Milchteuerung— an Kraftfutter, besonders an Futlerkleie, fehlte es im Frühjahr weit mehr als heute— sondern die Zurückhaltung der Milch vom Markt und ihre Verwendung zur Viehmast, vornehmlich zur Mästung der Schweine. Man verbiete bei hohen Strasen die Verfütterung von Milch sowie ihre Ver⸗ wendung zur Herstellung von Schokolade, feinen Backwaren, Näschereien usw., und es wird sicher alsbald in den meisten deutschen Gegenden die Milchnot nachlassen. Selbst die Fleischteuerung würde, so verfahren heute infolge wiederholter verkehrter Anordnungen die gauze Fleisch⸗ versorgung ist, sich wesentlich mildern, wenn sich die Reichsregierung zur Einführung von Fleischkarten nach dem System der Brotkarte entschließen könnte und den Fleischern— ebenfalls unter Androhung hoher Strafen— verboten würde, anders als gegen solche Karten Fleisch zu verabfolgen. Den Unbemittelten würde zwar diese Fleischverbrauchsrxegelung zunächst wenig nützen; sie könnten meist gar nicht jenes Fleischquantum kaufen, das ihnen die Fleischkarte gestattete, aber der noch immer sehr starke Fleischkonsum der Wohl⸗ habenden würde dadurch wesentlich eingeschränkt werden, und nach und nach würde die hierdurch hervorgerufene verringerte Nachfrage die Preise drücken. 5 Es ist nichts als faule Ausrede, wenn behauptet wird, die heutige Lebeusmittelteuerung wäre eine unvermeidliche Folge des großen Krieges, die sich nun mal nicht abwehren ließe. Gewiß in ihrem ganzen Umfange läßt sich die Teuerung nicht verhindern, wohl aber lassen sich ihr auf vielen Gebieten Schranken setzen— freilich ohne Eingriffe in das Gewinnintexesse gewisser Produzenten- und Spekulantengruppen geht das nicht! Der Pelz läßt sich nicht waschen, wenn er nicht naß gemacht werden soll. Aber das Volksinteresse steht über den Kliqueninteressen. Woran es fehlt, ist nur die nötige Energie zum Durchgreifen! 95 0 . Die Haltung Rumäniens. Nach einem Bukarester Bericht des Az Est schreitet die rumänische Politik einer rascher Entwicklung ent⸗ gegen. Heute sei es für niemand mehr zweifelhaft, daß die Neutralität nur kurze Zeit noch würde festgehalten werden können, und die Zeit nahe, daß auch Rumänien auf dem Plan des Weltkrieges erscheinen werde. Nach der heutigen ver⸗ zweifelten Situation der Entente sei nicht schwer vorauszu— sehen, in welcher Gruppe der Kriegführenden Rumänien seinen Platz einnehmen werde. Die Aktion Rumäniens würde nl durchführbar erfolgen, wenn der Erfolg gesichert erscheinen werde. Dieser Zeitpunkt scheine den bisherigen Gegnern der Entente jetzt gekommen zu sein. 2 1 Der Korrespondent des Corriere della Sera in Bukarest befürchtet, Rumänien sei durch einen Geheimvertrag mit ben Zentralmächten gebunden. Die bulgarische Re⸗ gierung habe schon gor dem Angriff auf Serbien die feste Zusiche⸗ rung erhalten, daß Rumänien neutral bleibe. Wertvolle wechselseitige Informationen könnten nur via Berlin zustande ge⸗ kommen sein. Der deutschgesinnte Exministerpräsident Carp sei am 16. Oktober vom rumänischen König empfangen worden. Der Hafen von Salonik nicht mehr neutral. T. U. London, 18. Okt. Reuter meldet aus Athen: Am Sams⸗ tag wurde der deutsche Dampfer„Athena“ von der Levante⸗Linie, der seit Beginn des Krieges im griechischen Hafen Saloniki liegt, nach Piräus abgeführt, begleitet von einem griechischen Kreuzer. Diese Maßnahme wurde getroffen im Zusammenhand mit der Tat⸗ sache, daß die britische Regierung infolge der Landung der Alliierten erklärte, den dortigen Hafen nicht mehr als neutral ansehen zu können. Der türkische Tagesbericht. Koustautinopel, 18. Okt.(W. B. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: An der Dar danellen⸗ front bei Anaforta außer Scharmützeln zwischen Auf⸗ klärungsabteilungen und aussetzendem Artilleriegefecht nichts von Bedeutung. Bei Ari Bur nu brachten unsere Küsten⸗ batterien feindliche Torpedobpote, die eine zeitlang wirkungslos unsere Stellungen beschossen, zum Schweigen. Wir sprengten eine Mine, die der Feind bei Banli Tepe ge⸗ graben hatte. Bei Sedd⸗ül⸗Bahr schoß der Feind am 16. Oktober in 24 Stunden mehr als 1000 Haubitzen ab, ohne irgend eine Wirkung zu erzielen. Sonst nichts von Be⸗ deutung. 775 Die Niederlage an den Dardanellen. T. U. Athen, 18. Okt. Aus Saloniki wird gemeldet: Hier traf das Lazarettschiff„Charles Roux“ mit Verwundeten von den Dardanellen ein. Die verwundeten Soldaten er⸗ zählen, daß die letzten Kämpfe für die Alliierten außer ⸗ ordentlich mörderisch gewesen seien. Ein neuer D Kampf an den Dardanellen könne als aussichts los gelten. Auch beklagen sie sich darüber, daß die Ersatztruppen nur in ungenügender Stärke eintrafen. Die empörten Australier. Londoner Depeschen berichten, daß die Aufgabe der Dardanellen⸗ aktion in Australien eine große Erbitterung hervorgerufen hat. Das austrglische Volk sei empört über die Zehntaufende von Australierit die nutzlos an den Dardanellen ge⸗ opfert worden seien. Man ergeht sich in den grimmigsten Angriffen gegen die schlechte Vorbereitung des Unternehmens, dessen Leiter keine Vernunft hätten annehmen wollen. Die Gründe für die Dardauellen⸗Expedition. Die Agenzia Stefani verbreitet folgendes Londoner Tele⸗ gramm des Secolo: Der Korrespondent des Secolo nennt die Dardanellen⸗Expedition unter Anführung schwerer englischer Verluste ein mißglücktes Unternehmen und wiederholt, daß die Aufgabe der Dardanellen-Expedition nicht ausgeschlossen sei, umsomehr, als die auf Gallipoli lämpsenden Truppen nutzbringender in Serbien verwendet werden können. Die Expedition sei nicht etwa nur ein launi⸗ scher Streich Englands oder Frankreichs gewesen, sondern sek aus folgenden drei Gründen von Rußland dringend verlangt worden: 1. damit es einen Aus⸗ fuhrweg für Getreide offen habe, 2. um den Druck der tür⸗ kischen Truppen im Kaukasus zu vermindern, und 3. um auch dort den Krieg mit dem seit Jahrhunderten von den Russen gehegten Traum, Konstantinopel zu beherrschen und eine Mittelmeermacht zu werden, paralysieren. Diese Zwecke der Expedition seien natürlich nicht bekanntgegeben worden. Wie und von wem die Expedition organisiert wor- den sei, sei noch nicht ganz klar. Es sei aber sicher, daß die 5 57 Organisation nicht schlechter hätte sein können! 8 13 8 Unsere U-Boote im Mittelmeer. Der englisch-französischen Schiffahrt im Mittelmeer hat sich zunehmende Nervosität bemächtigt. Viele Kapitäne weigern sich infolge der deutschen Unterseebootgefahr, dis Häfen zu verlassen. Zu den, wie bereits gemeldet, in der ab, gelaufenen Woche versenkten sieben englischen Dampfern kommt als achtes versenktes Schiff uoch„Ayax“ mit ah Tonnen hinzu. Englische Gewerkschaften und Dienstpflicht. sie 3 London, 18. Okt. Reuter meldet: Auf einer stark besuchten Gewerkschafts-Versammlung in Birmingham, die unter dem Vorsitz des lokalen Komitees der Arbeiter stattfand, wurde gestern 0 5 * 7 Ranlumpf. einen Leitartikel, in dem mitgeteilt wird, daß ein Korrespon⸗ wortlicher Engländer an einer derartigen Besprechung teil⸗ nehmen zu können, müsse gezeigt werden, daß der gere ch te Chwostow noch nicht Minister, als er Titulationen um sich warf. ein Beschluß angenommen, in dem gesagt wird, daß es infolge des unbefriedigenden Ergebnisses des großen Aufrufs zur Rechtferti⸗ gung des Freiwilligensystems für die Gewerkschaften unmöglich sein werde, sich noch weiterhin der allgemeinen Dienstpflicht zu widersetzen. England will keinen Frieden? Reuter meldet aus London: Die Times veröffentlicht dent, der vor kurzem aus Deutschland und Oesterreich⸗Ungarn zurückgekehrt sei, folgendes berichtet: Hochgestellte Persönlich⸗ keiten hätten dort dem Korrespondenten wiederholt versichert, daß Mitglieder der englischen Regierung gegenüber bestimmten Personen, die sich in London aufge⸗ halten hätten, Friedensvorschläge gemacht hätten. Dies werde in hochgestellten deutschen Kreisen nicht allein erzählt, sondern auch geglaubt. Zu dieser Meldung sagt die Times: Alle, die England kennen und sich der Stimmung bewußt seien, die jetzt das Volk beseele, würden diese Behauptung zu lächerlich finden, um eine Widerlegung für nötig zu halten. Nie; mand, der England kenne, werde auch nur einen Augen— blick glauben, daß englische Minister oder irgend ein verant— nehmen können. Wenn jedoch eine derartige Verblendung in den Kreisen Hochgestellter herrsche, so könne diese Auf fassung nicht raschgenug zu nichte gemacht werden. Den Deutschen, die unwissend genug wären, um eine derartige Schwächung des Pflichtgefühls in England an⸗ Zorn eines entrüsteten Volkes stets von der Re⸗ gierung fordern werde, daß diejenigen, die sich auf solche Dinge eingelassen haben sollten und ebenso diejenigen, die aus irgend welchen Gründen derartige Dinge zu vertuschen oder die Schuldigen zu decken suchen würden, aus ihren ein⸗ flußreichen Stellungen verschwinden müssen. Alle Ge⸗ rüchte dieser Art seien vollständig u nbegründet. Das Volk von England und das gesamte britische Reich seien nun nochenergischerentschlossen, als zu der Zeit, wo Deultschland die belgische Grenze überschritten habe, einen Frieden nicht zu schließen, wenn er nicht bleibend sei und auf sicherer Grundlage das garan- tiere, wofür England in den Krieg gegangen sei. Gut gebrüllt, englischer Löwe! Aber im Grunde ist's doch nur Maulaufreißen. Man kann auch anders. Russische Nachrichten. Folgende Nachrichten aus Rußland finden. wir allein in den Berliner Montag-Abendblättern und ein nicht unbeträchtlicher Teil dieser Nachrichten ist skandinavischen Blättern entnommen, die sich schon öfter als gut unterrichtet erwiesen haben. Also: Der neue Minister des Innern, Chostow, wird von dem Oberreaktionär Menschikow in der Nowoje Wremja als der würdige Nachfolger des unvergeßlichen Maklakow, als der berufene Diktator und— als ein genauer Kenner aller heimlichen Fäden der Arbeiterbewegung und der revolutionären Strömun⸗ gen begrüßt; seine erste Anordnung wax die, daß ihm ausführ⸗ licher Bericht über die Wahlen der Arbeitervertreter in den Munitionskomitees erstattet werde— wahrscheinlich zum Zweck ihrer Bespitzelung. Der Finanzminister Bark soll abgesägt werden, zumal ihn Chwostow in der Duma einen politischen Ignoranten und ministeriellen Schacherer genannt haben soll! Allerdings war mit diesen kollegialen Ueber Moskau Stadt und Laud ist der Kriegs zustand erklärt, was ja wohl auch seinen Grund haben muß. Vielleicht denkt Väterchen mit Zittern und Zagen daran, wie vor einigen Jahren eine Bombe den Großfürsten Sergius zerriß, als er den Kremel verließ. Der Höchstkommandierende der Nordfront hat nach der Zeitung Rietsch allen Hausbesitzern befohlen, unverzüglich bei der Polizei die in ihren Häusern wohnenden Offiziere und Soldaten anzu⸗ geben. Da muß also das Ausreißen von der Front in nicht zu knappem Umfang in die russischen Sitten eingezogen sein. Das Gold ist so knapp daß man alle mit Meballen aus⸗ gezeichneten e um Rückgabe der Auszeichnungen bittet und Herr Bark, der von seiner, Pumpreise nach dem Westen zuxlick⸗ gekehrt ist, beruhigt die Handelswelt schon mit der Erklarung, daß Rußland kein Gold mehr ins Auslan schicken werde. Aber mini⸗ sterielle Zusagen binden ja gewöhnlich nur den, der sie gibt, und da Herr Bark ja auf den Aussterbeetat gesetzt ist, dürfte das alleinige Mittel für Rußland, Waffen und Munition in Amerika zu bekommen, nämlich immer wieder Gold auszuführen, auch in Zukunft angewendet werden— bis zur Erschöpfung. 5 Der verantwortliche Redakteur an der Arbeiterzeitung Trudovaja Prarda, Michailow, ist zu sechs Monaten Gefängnis, der Herausgeber und der Kontorchef derselben Zeitung zu drei Jahren Gefängnis, der Korrckturleser Student Smirnow zu einem Jahre Gefängnis verurteilt worden. Die Zeitung enthielt am 17. Juli einen Artikel über die Un⸗ ruhen der Putilowarbeiter. 5 Die Njetsch berichtet von einer Sitzung der Führer der „Schwarzen Hundert“, die in Petersburg tagten und an die beiden früheren Minister M aklakow und Schtscheglo w i⸗ tow Begrüßungstelegramme richteten, worin sie die liberale Presse und die Reichsduma als Aufrührernester bezeichnen und ihre Bereitwilligkeit zu„erneuerter aktiver Tätigkeit“, d. h. zu neuen Pogromen aussprechen. 5 Zum Lebensmittelwucher. In der Parteipresse ist vor einigen Tagen die neue Ein⸗ gabe abgedruckt worden, die der Parteivorstand und die Gene⸗ ralkommission der Gewerkschaften an den Reichskanzler ge⸗ richtet haben. Angesichts der Treibereien, die im Laufe der letzten Woche auf dem Kartoffelmarkte, in ganz be⸗ sonders aufreizender Weise aber im Butterhandel fest⸗ zustellen waren, sind, wie wir erfahren, Vertreter der oben genannten Körperschaften am Samstag auch noch bei dem Stellvertreter des Reichskanzlers, dem Staatssekretär Dr. Delbrück, persünisch vorstellig geworden, um na chdrücklich auf den ganzen Ernst der Situation hinzu⸗ weisen und schnellstes Eingreifen zu verlangen. Nationalliberale gegen den Lebensmittelwucher. Der Geschäftsführende Ausschuß der ee eeulen Partei der Rheinprovinz hat an die Hauptleitung der Partei in Berlin folgendes dringliche Ersuchen gerichtet: „Angesichts der ungerechtfertigten Preistreibereien in der Lebensmittelversorgung ersuchen wir die Leitung der National⸗ liberalen Partei in Berlin, sosortige Schritte zu unternehmen, zur Herbeiführung behördlicher Maßnahmen, um diesem Un⸗ wesen möglichst schnell wirkungsvoll zu begegnen. Vor allem er⸗ scheint es notwendig, durch eine dem vorzüglichen Ernteergebnis entsprechende Regelung der Kartoffelpreise eine ausreichende Versorgung unscres Volkes mit diesem wichtigsten Nahrungs⸗ mittel herbeizuführen.“ Prgiessor Metger, der im Deutschen Kurier die Maßnahmen für den zweiten Kriegswinter behandelt, bemerkt einleitend: „Der Bundesrat hat in den letzten Sitzungen wieder eine Reihe von Verordnungen erlassen, die alle das eine lobenswerte und notwendige Ziel verfolgen, eine Verbilligung der Lebens⸗ mittel zu erreichen. Wenn wir ganz ehrlich sein wollen, müssen wir zugeben, daß alle Versuche, die bisher auf diesem Gebiete ge⸗ macht worden sind, ihren Zweck nicht erreicht haben. Der gute Wille war vorhanden, aber er setzte sich nur in Verordnungen um, die allein den teueren Preisen nicht beizukommen vermochten. Je näher aber jetzt der Winter kommt, der gerade der ärmeren Bevölkerung, die stärksten Lasten auferlegt, desto notwendiger ist es, ernsthaft durchzugreifen und das Uebel an der Wurzel zu packen. Wir sind wohl alle darin einig, daß die Preise heute eine Höhe erreicht haben, die über das zulässige Maß in vielen Fällen weit hinausgeht, es fragt sich nur, wie dem abzuhelfen ist und wie unberechtigte von den berechtigten Preissteigerungen zu scheiden sind.“ Das neue Kriegs presseamt. Die Aufgaben des Kriegspresseamtes, an dessen Spitze Major Deutelmoser steht, sind wie folgt festgesetzt: 1. Das Zusammenwirken der Obersten Heeresleitung mit den Heimatsbehörden auf dem Gebiet des Pressewesens Pulver und Gold. Roman aus dem Kriege 18701871. 2¹ Von Levin Schücking. „Daß sie mich um die Welt gern hinaus gehabt hätten,“ sagte Glauroth,„war durchaus klar. Aber ich wich nicht!“ „Tugendhafter Mensch!“ rief ich aus.„Und der Chevalier don Faublas?“ „Köstlich!“ versetzte er,„ganz köstlich! Muß sich unser— eins auf den Schulbänken jahrelang mit Ciceros Reden und Xenophons Anabasis in ahnungsvoller Unschuld herum— schlagen, und unterdes gibt es solche Bücher in der Welt!“ Glauroth verbreitete sich in einer längeren Rede über die fesselnde Lektüre, die ich ihm verschafft; dann kam er zu der Sorge, die er um mich gehabt und die ihn doch nicht ge— hindert, sehr fest einzuschlafen, zu der Vorsicht, die wir gegen unsere Quartiergeber zu beobachten hätten, und zu den Fragen zurück, welche sich an die Absicht derselben, mich in Colomier zu halten und ihn aus den Zimmern fortzubringen, für uns knüpften. Ich beruhigte ihn, soweit ich konnte, um auf an— dere Gesprächsgegenstände zu kommen; ich beschrieb ihm unsere Fahrt und Colomier; es war mir peinlich, die arg— wöhnische und spöttische Weise, wie er von unseren Wirten sprach, anzuhören; ich mochte ihn überhaupt nicht von Blanche reden hören, es gab mir jedesmal einen Stich. Und doch war ich selbst ja nicht frei von Argwohn. Ich pußte, daß sie völlig unschuldig war an dem Ueberfalle; da— gegen war es klar, daß man ein Geheimnis in meinem Zim— mer berge und daß man mich und Friedrich daraus über Nacht fortzuhalten gesucht, und daß die vorgeschlagene Partie nach Colomier keine Freundlichkeit war, sondern daß sie eine sehr berechnete Absicht hatte Zwar in der Kammer dahinten konnte schließlich doch nichts anderes verborgen sein, als etwa eine Anzahl guter neuer Repetiergewehre, welche jene flüch— tigen Freischärler, die wir vor uns hergetrieben, da unter⸗ gebracht, und die nun hinter unserem Rücken fortgeschafft werden sollten... ich hatte das gleich gedacht und hätte jetzt darauf geschworen! Und daß ich den Versuch, mich zu hinter⸗ gehen, so bitter empfand, war sicherlich töricht! Aber es kam eben etwas hinzu, was mich innerlich stachelte war— ich ward es nicht los! Ich hatte mit einer gewissen soldatischen Keckheit, mit der Art übermütiger Verwegenheit, wie solch wildes Kriegsleben sie hervorruft, Blanche sehr un⸗ umwunden den Eindruck erkennen lassen, den sie auf mein Herz gemacht; sie hatte diese nicht sehr verhüllten Geständ⸗ nisse mit einer großen Güte aufgenommen; aber, fragte ich mich nun, ist das auch nur ein Teil eines Spieles, das sie glauben, mit dir aufführen zu können? Wird auf diese Vertraulichkeit und Güte der volle Hohn der Zurückweisung folgen, wenn der Zweck erreicht ist? Jedenfalls wollte ich ins klare darüber kommen, und um so entschiedener, als das Mißtrauen etwas meiner Natur Fremdes, mich unsäglich Quälendes ist. Aber mußte ich nicht seine Pein sich verdoppeln fühlen schon nach wenig Stunden, da Blanche zu meiner Ueberraschung wieder in mein Zimmer trat?... Ich hatte ihr das Wiederkommen durch mein Be⸗ nehmen am Morgen gewiß nicht erleichtert. Und dennoch kam sie. „Ich komme, um zu erfahren, ob Sie wohl verpflegt sind und alles haben, was Sie bedürfen,“ sagte sie,„oder, eigent⸗ lich in der Spannung, zu erfahren, ob Sie Wundfieber haben oder nicht?“ „Wollen Sie meinen Puls fühleh, so werden Sie sich, glaube ich, überzeugen, daß ich kein Wundfieber habe,“ ver⸗ setzte ich. „Den Puls versteh ich nicht zu fühlen,“ sagte sie,„aber es beruhigt mich sehr, wenn das Fieber Sie bis jetzt verschont hat; es wird dann hoffentlich ganz ausbleiben.“ „Auch mich freut es,“ versetzte ich,„ich habe dann die Gewißheit, schon morgen wieder auf sein zu können, um jene Gelegenheit zu suchen, von der wir heute morgen redeten.“ „Welche Gelegenheit?“ „Die Gelegenheit, vor Ihnen in der Rolle des moralischen Herkules aufzutreten...“ „Sie spotten,“ erwiderte sie,„und glauben, ich leide an einer überspannten und romantischen Idee, wie sie so oft die Träume junger Mädchen beherrscht. Sie haben unrecht. Was ich Ihnen gestanden, ist mir tiefer und heiliger Ernst. Ich darf sagen, ein sehr schmerzlicher Ernst, denn eine schmerzliche Lebenserfahrung hat ihn mir eingegeben.“ „Eine schmerzliche Lebenserfahrung?“ Blanche hatte sich wieder in den Sessel am Fußende und quälte, und obwohl es ein sehr garstiges Mißtrauen meines Bettes gesetzt; nach einer Pause sagte sie: sicht zu sorgen. zu erleichtern, 2. den Behörden und der Presse N geben und 3. für die gleichmäßige Handhabung der Die von den Zentralbehörden aus Richtlinien für die Handhabung der Zensur wer Kriegspresseamt(Oberzensurstelle) den Zensurstellen mittelt.— Das Kriegspresseamt verkehrt mit allen B unmittelbar. Seine Diensträume befinden sich lin NW. 6, Luisenstraße 314.(Telephon Amt Norden 1 bis 11.839.) 5 Die für das Kriegspresseamt bestimmten Sendungen s zu richten: a 5 g a) bei Mitteilungen und Anfragen allgemeiner Ark: ay 6 das Kriegspresseamt, Auskunftsstelle, b) in Sachen 0 Presseaufsicht: an das Kriegspresseamt, Oberzensur f c) in Angelegenheiten der ausländischen Pressen: an 6 Kriegspresseamt, Auslandsstelle. 0 Die Zulassung von Berichterstattern, Malern, P 90 graphen zum Kriegsschauplatz wird nicht vom Kriegs 1 amt, sondern nach wie vor vom stellvertretenden Ge 1 der Armee bearbeitet. f i 5 Der Vormarsch der Bulgaren. 0 Ueber das Vordringen der bulgarischen Armeen 0 l Serbien heißt es laut Berliner Lokalanzeiger in dem Be 2 eines Budapester Blattes: Nach der Einnahme von 0 voselo und Grado überschritten die Bulgaren in Verfo 0 des Feindes die Bregalnitza und nahmen Kaliananschi 6 ö Radlovci. Die Bewohner der mazedonischen Orkf 1 empfingen mit jubelnder Freude die bulgarischen Trup 9 Die Verfolgung der Serben gegen Obrinari und Vi 9 wird fortgesetzt. Die über Blagur⸗Planina in Mazed f eingedrungene bulgarische Armee— 50 000 Mann— ft 3 längs des Ostufers des Wardar in äußerst blutigem Kampf 0 mit den sich erbittert verteidigenden serbischen Truppen. 1 1 Die Serben räumen Nisch. f l T. U. Wien, 19. Okt. Das deutsche Volksblatt erfe l aus Bukarest, daß die serbischen Behörden nicht nur N 0 sondern auch die östlich von Morava liegenden serbischen Ge 1 biete räumen. In Rumänien erwartet man die baldige Me 1 setzung von Nisch durch die Bulgaren. 1 0 i 0 Die russische Schwarzmeerflotte. f Laut Wiener Reichspost teilt die Petersburger Wjedo. mosti mit, daß die russische Schwarze Meer⸗Flotte i 191 des Auftretens feindlicher Unterseeboote wieder in 1 Häfen zurückkehrt. 9 2 f* 2. u Ministerkrisen in Frankreich und Italien. Clemenceau führt seinen Feldzug gegen die Bal i expedition und Viviani unerbittlich fort. Er wirft im 5 0 enchaine dem Ministerium vor, es lasse sich in wahnwizig 8 Verblendung von den Deutschen dahin locken, wohin i Alliierten haben wollen, statt alle Kräfte anzuwenden, 0 an der entscheidenden Front eine Schwächung des f vorzunehmen. Blätter aus Paris lassen einen baldigen Rücktritt gesamten Kabinetts Viviani voraussehen. a 0 g Das Pariser Journal erhält eine Privatmeldung wonach die Demission Sonninos als bevorste! trachtet werden könne, doch dürfte das Kabinett Salandra de trauen des Königs bewahren, falls es einen vollwertigen Sonnino findet. Der Minister des Aeußern habe bestä Diplomaten des Vierverbandes vor Bulgarien gewarnt, jedoch das Vertrauen Delcasses, der durchaus eine schaffen wollte, nicht erreichen. 9 „Weshalb sollte ich es Ihnen nicht erzählen? 2 den dann einsehen, daß Ihr Spott mir unrecht tut. Es wa ein Jahr vor dem Tode meines Vaters, als dieser mich mi dem Sohne eines Geschäftsfreundes verlobte. Sie wissen ist das mehr Sitte in Frankreich als in Ihrem Deutschland bei solchen Verbindungen weniger die Herzen als die J. essen zu fragen 1 „Sie sind verlobt, Blanche?“ rief ich erschrocken au „Sie waren es! Sagen Sie mir, daß Sie es waren“ „Hören Sie meine Erzählung an. Ich liebte mei Verlobten, den ich früher wenig gesehen, nicht; aber er g mir, er flößte mir Vertrauen ein, ich war von den ehrlichste Gefühlen für ihn erfüllt; ich malte mir die Zukunft, wie! sie mir gestalten würde, als eine glückliche und rosige aus. war aufmerksam gegen mich, er war wohlerzogen und großer Gutmütigkeit, gefällig gegen jedermann. Nur be nach einer längeren Zeit in meinen Traum sich eine ängstlic Sorge zu mischen: Adolf reiste viel, und wenn er heimkehr, entging mir jedesmal eine gewisse Spannung nicht, zwischen ihm und seinen Eltern herrschte, bei denen ich länger Zeit zum Besuche war. Ich fand ihn selbst dann verstimm kleinmütig, geneigt zu einer Selbstironie und Selbstr achtung, die mich in ihm, in dem ich nur Stärke und Selbst bewußtsein erblicken und verehren wollte, jedesmal ganz n glücklich machten und empörten. Mein Vater hatte die Ze!“ unserer Verbindung, die schon festgesetzt war, aus Gründen“ welche mir mehr Vorwände als wirkliche Gründe erschiene“ hinausgeschoben; kurze Zeit nachher wurde uns mein Val durch den Tod nach kurzer Krankheit entrissen. N ihn verloren, mußte sich mein Gemüt desto weicher un“ inniger an meinen Verlobten schließen... aber ach, diese! kam erst nach Wochen, kam in einer seltsamen Verfassung es war, als habe er eine Krankheit überstanden; er war blei matt, schweigsam, energielos in allem, was er tat und sagte es war, als habe ihn aller Jugendschwung, aller verlassen. Ich litt darunter, ich verlangte eine Aufklärun von ihm, von meiner Mutter— umsonst! Er kehrte zu del Seinigen heim, und ich quälte mich vergeblich, zu ünden was mit ihm geschehen. Da kam mir Etienne, ein Vettel zu Hilfe. Er sagte mir eines Tages, als ich ihm meine Un ruhe klagte, weil ich seit Wochen keinen Brief von Ad halten:„ — (Fortsetzung folst 7 1 38 11 1 14 tal i n u in e ende 3 05 14 Hessen und Nach bargebiete. Gießen und Umgebung. eee * 1 Das Deutsch des deutschen Kaufmannes. Der Berliner Polizeipräsident hat von den Vertretern der ver— schiedensten Zweige des kaufmännischen Lebens, von Verbänden Vereinen und Innungen, Vorschläge für die besten Verdeutschungen der in ihrem Bereich vorkommenden Fremdwörter eingeholt und sie in ein Verzeichnis gebracht, das Dienstag einer Versammlung von Vertretern fast aller Zweige der kaufmännischen Welt, die. Polizeipräsidium unter dem Vorsitz des Oberregierungsrates Leh— mann tagte, zur Begutachtung und weiteren Besprechung vorlag Soweit für die in dem Verzeichnis namhaft gemachten aan eine größere Anzahl von Verdeutschungsversuchen vorlagen, oder soweit die vorhandenen der Versammlung nicht genügend erschienen wurde beschlossen, die Vorschläge einem Sprachausschuß zu unter⸗ breiten. In der Erörterung wurden die einzelnen Wörter und die dazugehörigen Verdeutschungsvorschläge durchgenommen, und der geschickten Leitung gelang es, den größten Teil davon an den Sprach⸗ ausschuß für dessen künftige Beratungen abzuschieben. Das Ergeb⸗ nis wäre sonst wenig ermutigend gewesen, denn es zeigte sich, daß sich die meisten Zweige des Handels und der Industrie von ihren Fremdwörtern nicht trennen wollten, weil nach ihrer Meinung diese Wörter Begriffe bedeuteten, die entweder nur durch langatmige Um— schreibungen oder überhaupt nicht zu ersetzen sein würden. Diese Behauptung wurde zum Beispiel für die Wörter Korsett, Bijouterie Medaille, Konfitüren, Biskuit aufgestellt, weil Mieder, Geschmeide, Denkmünze, Näschereien und Schaumkuchen nicht dasselbe seien. Ein Redner war sogar der Ansicht, daß der Ausdruck Näschereien oder Naschwaren für Konfitüren beleidigend sei, weil das Wort „naschen“ die Nebenbedeutung des Stehlens in sich schließe! Aus diesem Grunde wurde auch das hübsche Wort Naschkästchen für Von⸗ bonniere abgelehnt und das Fremdwort für unentbehrlich erklärt Andere Verdeutschungsversuche erregten die laute Heiterkeit der Versammlung. So das neckische„Schnäpserei“ für Destillation und der sinnreiche Ersatz des Wortes Blumensalon durch die Ladenauf⸗ schrift„Blumen für Freud und Leid“. Dagegen schien die„Ver— deutschung„Glatzenstück“ für Toupet und„Kneter“ für Maffeur keinerlei Bedenken zu erregen. Auch wurden gegen die Abschaffung manches völlig eingebürgerten Fremdwortes Bedenken laut. So wurde erklärt, daß die Tilgung des Wortes Hotel allein auf den Firmenschildern die Mitglieder des Vereines deutscher Hotelbesitzer etwa 100 000 Mark kosten würde, ferner daß zahlreiche an sich leicht zu entbehrende Fremdwörter darin einen Rückhalt finden, daß sie im Gesetz vorkommen und nur durch eine Aenderung des Gesetzes zu entfernen wären. So die Worte Saisonausverkauf, Kommissionär und andere. Ganz allgemein genommen hinterließ die Besprechung zunächst den Eindruck, daß hier ein Werk in Angriff genommen worden ist, an dem noch so gut wie alles unklar und verschwommen erscheint. — Kein Brot. Zu der Notiz in der Montagsnummer schreibt uns der Vorstand des Konsumvereins Gießen und Umgegend folgendes: Richtig ist, daß der Gemeinderat in Kleinlinden beschlossen hatte, das Brot für die Gemeinde von uns zu beziehen. Entgegenkommender Weise haben wir die Gemeinde auch einige Tage prompt bedient, das Brot wurde in unserer dortigen Verkaufsstelle ausgegeben. Nun stellte der Herr Beigeordnete Jung als Vertreter des eingezogenen Bürgermeisters an uns das Ersuchen, einen Teil des Brotes in unsere Verteilungsstelle zu liefern, das übrige Quantum aber an den Bäckermeister Stein, der ebenfalls im Felde steht, von der Gemeinde aber reklamiert wird, abzuliefern. Auch das ist einmal geschehen. Hierauf richtete der Eisenbahn—⸗ Konsumverein, dessen Brotlieferung wir schon seit längerer Zeit übernommen haben, die Bitte an uns, an seine Ver⸗ teilungsstelle in Kleinlinden ebenfalls Brot zu liefern. Auch diesem Verlangen sind wir nachgekommen, indem wir einmal eine Anzahl Brote nach dort lieferten. Nun trat der Herr Beigeordnete Jung auf und verlangte, daß die Lieferung an den Eisenbahn-Konsumverein zu unterbleiben hätte, für das demselben gelieferte Brot bekämen Wir kein Mehl; wir hätten das Brot an die Frau Bäckermeister Stein zu liefern. Wenn er innerhalb 24 Stunden keine Antwort in diesem Sinne erhielt, wären die Beziehungen mit uns abgebrochen. Die Gemeinde hätte die Verpflichtung, solange der Bäckermeister Stein noch eingezogen sei, dessen Frau auf diese Weise zu unterstützen. Hierauf ging der Konsumverein nicht ein und erklärte dem Herrn Beigeordneten Jung, daß wir uns wegen des rückständigen Mehles an die vorgesetzte Behörde wenden würden. Telephonisch teilte uns der Herr Beigeordnete dann mit, daß wir das Mehl erhalten; im übrigen bedauere er, daß wir uns ein solches Geschäft entgehen ließen. Dies zur Aufklärung über die betr. Notiz.— Wie hieraus zu ersehen, geschehen noch Zeichen und Wunder. Fr her hatte sich der Vorstand des Konsumvereins Gießen bei der Gemeindever— tretung in Kleinlinden die erdenklichste Mühe gegeben, für seine dortigen Mitglieder liefern zu dürfen; es wurde glatt— weg abgelehnt. Unsere Mitglieder in Kleinlinden waren ge⸗ zwungen, sich dort Brot zu kaufen, das tatsächlich manchmal nicht genießbar war; eben aus dem Ofen heraus, glühend heiß, wurde es verkauft. Und wie war manchmal die Quali- tät! Das machte alles nichts, wir durften nicht liefern und dabei blieb es. Jetzt, in der größten Not, war der Konsum⸗ verein wieder einmal der Retter in der Not. Allerdings sollte er jo nur den Lückenbüßer machen, denn der Bäcker⸗ meister Slein ist vom Herrn Pfarrer und den anderen maß- gebenden Herren reklamiert worden und dann bbäken die Vorhältnisse dieselben geworden, wie vordem. Schwer genug dürste es dem Herrn Beigeordneten Jung geworden sein, den Beschluß des Gemeinderates zur Ausführung zu bringen, da er bekanntlich selbst einen Spezereiladen unterhält, im übrigen aber als der heftigste Konsumvereinsgegner gilt. Hofsentlich sehen die übrigen Herren des Gemeinderates in Kleinlinden ein, daß es doch an der Zeit ist, einen gangbaren Weg zu finden, um die Einwohner mit einem einwandfreien, genießbaren und bekömmlichen Brot zu versehen; als solches wurde in den wenigen Tagen das Konsumvereinsbrot fast von der gesamten Einwohnerschaft Kleinlindens anerkannt. — Die Eierpreise sind fast jeden Markttag mee die Höhe geklettert und jetzt sind sie glücklich auf 20 und 2 Pfg. gekommen. Gering bemittelten Familien ist es bei derartigen Auterhörten Preisen natürlich gar nicht möglich, Ero ich, kaufen. Wie manche Familie hat aber kranke und 1 liche Kinder, für die sie unbedingt bessere Nahrung 7 sonders Eier nötig hätte. Kann sie keine beschaffen, so 1 die Entwicklung der Jugend, was sich in späteren Reifen fark bemerkbar machen wird, zebrigens fehlen in den meisten Haushalten nicht mur die besseren Nahrungsmittel, sondern auch die geringeren. Viele haben nicht satt Kartoffeln und Brot!—. Das Gießener Keisamt hat einen Waggon Eier beschafft, die demnächst an noch zu bestimmenden Stellen an Private— nicht Händler, Konditoren usw.— abgegeben werden sollen. Der Preis dürfte auf 35 Pfg. für zwei Stück sestgesetzt werden.— Man muß sich wirklich oft wundern, wie Frauen auf dem Markte, die gar nicht so wohlhabend aussehen, jeden geforderten Preis bezahlen. Gestern zum Beispiel bot eine Frau einer Butterverkäuferin mehr, als dieso für ihre Butter verlangte! In solchen Fällen sollte der Name der betreffenden Person festgestellt und veröffent— licht werden. Eine Frau, die in dieser Weise mit ihrem Gelde verfährt, kann es kaum auf ehrliche Weise erworben haben!— Uebrigens könnte auch manchmal von der Polizei gegen die Preistreiberei schärfer eingeschritten werden.—— Kürzlich wurde zum Beispiel von der Gendarmerie in Eschl— kam(Niederbayern) ein großes Quantum Eier beschlag— nahmt, die mittels Fuhrwerks in das Amtsgericht Neu— kirchen verbracht wurden und demnächst versteigert werden. Händler hatten die Eier zu derart hohen Preisen aufgekauft, daß diese den örtlichen Verhältnissen in keiner Weise mehr angemessen waren. Neben dem Verlust der Eier haben die Händler auch noch eine empfindliche Strafe zu gewärtigen. Würden die Behörden überall so gegen die Preistreiber, die meist gar nicht unschwer zu ermitteln sind, verfahren, dann könnte die Teuerung der Lebensmittel nicht eine solch erschreckliche Höhe erreichen. 6 Krautwucher. Hinter die Kulissen des Nahrungsmittel- wuchers läßt ein Brief; und Depeschenwechsel sehen, der von einer Leipziger Firma unserem dortigen Bruderblatte zur Verfügung gestellt wurde. Er zeigt, welche Gepflogenheiten gegenwärtig im Großhandel herrschen und wie die Preise in wenigen Stunden in die Höhne schnellen. Es handelt sich um den Einkauf von Weißkraut zur Herstellung von Sauer— kohl. Unterm 18. September bot ein Großhändler in Süder— deich in Holstein der Leipziger Firma fünf Waggon Weiß kraut zu 2,60 Mk. den Zentner für September und 2,75 Mk. sür Oktober an. 5 Am 28. September bot die gleiche Firma durch Depesche Weißkraut zum Preise von 3,20 Mk. an. Schon am 6. Oktober forderte die Firma 4,25 Mk. für den Zentner und auf ihrer Rechnung vom 8. Oktober bemerkt sie, daß Weißkraut nunmehr 5,50 Mk. koste. Daraus geht her— vor, daß der Preis für den Zentner Weißkraut in der kurzen Zeit vom 18. September bis zum 8. Oktober um 2,90 Mk., also mehr als um 100 Prozent, gestiegen ist. In einem andern Falle forderte eine Firma in Flensburg am 29. Sep— tember 3,50 Mk. für den Zentner Weißkraut. Auf einen etwas geringeren Preis ging der Großhändler nicht ein. In einem Briefe vom 7. Oktober forderte er sogar 4 Mk. Am 6. Oktober, abends 7 Uhr, sandte der Flensburger Groß— händler eine Depesche ab, durch die er 50 Tonnen Weißkohl für 3,75 Mk. ab holsteinischer Station anbot. Dabei wurde „heutige Drahtzusage“ verlangt. Weil die Depesche erst nach Geschäftsschluß in Leipzig eintraf, konnte die Leipziger Firma die Zusage erst am folgenden Tage machen. Darauf verweigerte die Flensburger Firma die Annahme des Auf— trags. Dagegen bot sie am 11. Oktober 30 Tonnen Weißkohl sür 5 Mk. den Zentner an. Die Depesche ist 2 Uhr 48 Min. in Flensburg aufgegeben, die Antwort sollte bis 4 Uhr wieder dort sein. Da die Leipziger Firma erst ½4 Uhr in den Besitz des Angebots kam, war eine rechtzeitige Antwort unmöglich. Auch in diesem Falle stieg der Preis für den Zentner Weiß. kohl in dreizehn Tagen von 3.50 Mk. auf 5 Mark. Dabei ist zu berücksichtigen, daß der normale Preis für Weißkraut von schleswig⸗holsteinischer oder mecklenburgischer Station ab un— gefähr 75 bis 85 Pfennig für den Zentner beträgt. Der jetzt geforderte Preis ist also sechsmal so hoch. Wie hoch werden nach der Verarbeitung die Verbraucher das Sauerkraut be— zahlen müssen? — Unfall an einem Transformator der Ueberlandaulage. In Clim bach gelang es am Samstag zwei kleinen Kindern im Alter von etwa 5 Jahren, in ein Transformatoren— Häuschen hineinzukommen, wo sie durch den Starkstrom er— hebliche Verbrennungen erlitten, die noch sehr nach— teilige Folgen für sie haben können. ö — Gefallene aus Oberhessen und Nachbergebieten. Musketier Heinrich Loth aus Saasen, Inf. Regt. 254.— Ersatzreservist Louis Gemmer aus Zell, Inf.-Regt. 176. — Exsatzreservist Wilhelm Kalbfleisch aus Heidelbach, Inf. Regt. 81.— Ersatzreseervist Heinrich Will aus Aßlar, Inf.⸗Regt. 116.— Musketier Konrad Muskat aus Aßlar, Inf.⸗-Regt. 88. — Ueber die Versorgung mit Petroleum wird geschrleben: Für die Verfsorgung mit Petrolcum steht infolge des Fehlens der amerf⸗ kanischen Zufuhr für die nächsten Monate nur etwa der fllufte Teil der in Friedenszeiten benötigten Mengen zur Verfügung. Durch Verordnung vom 8. Juli ds. Is. hat der Bundesrat die Reichs⸗ regierung ermächtigt, Grundsätze aufzustellen, nach denen die Ver⸗ teilung der im Handel befindlichen und in den Handel kommenden Petroleumbestände au die Verbraucher zu erfolgen hat. Diese Vor⸗ schrist war erforderlich, um trotz bestehender Lieferungsverpflichtun⸗ gen der Petroleumseinsuhr-Gesellschaften eine gleichmäßige und zweckentsprechnde Verteilung der Petroleumvorräte zu ermöglichen. Die Grundlage für diese Verteilung bilden die von den Landes⸗ zentralbehörden geschafften Bedarfsnachweisungen. Die Reichs⸗ regierung hat nun auf Grund der ihr erteilten Ermächtigung durch Rundschreiben den Bundes regierungen mitgeteilt, daß die Ein— flihrung von Petroleu mkarten durch die Gemeinden als ein geeignetes Mittel zu einer zweckentsprechenden Verteilung der Petrolcumbestände im Sinne der Bundesratsverordnung anzusehen sei. Um diese Regelung durch Karten⸗-Ausgabe rechtlich sichern zu können, spird der Bundesrat demnächst durch eine neue Verordnung eine Ergänzung seiner Bekanntmachung vom 8. Juli in bezug auf die Strasvorschriften vornehmen. — Die Gleichstellung der unehelichen mit den ehelichen Kindern fordert das Archiv deutscher Berufsvormünder in einer Eingabe an den Reichstag. Gegen diese Forderung wendet sich die Kreuzzeitung in folgender Weise:„Ohne in dieser Einzelfrage Stellung nehmen zu wollen, möchten wir uns doch grundsätzlich dagegen wenden, daß man nach und nach alle Rechtsnachteile der unehelichen Kinder mit der Begründung zu beseitigen sucht, sie dürften nicht den Fehltritt ihrer Mutter büßen. Diefe Betrachtungsweise ist eine einseitig individualistische und übersieht die Bedeutung eines geordneten Familienlebens für Staat und Gesellschaft. Es kann die in den Großstädten ohnehin erschreckend hohe Zahl der unehelichen Kinder nur vermehren, wenn lie mehr und mehr rechtlich und dadurch au 1 5 in der moralischen Auffasfung der Bevofterung den ehellchen gleich; gestellt werden.“ Diese Vetrachtungswelse paßt wenig zu de christ⸗ lichen Worten, die in den Spalten der Kreuzzeitung sehr reichlich zu finden sind, meint dazu die Leipziger Vollsztg. Es braucht aber nur darauf hingewiesen zu werden, daß das Blatt sich sehr dagegen auflehnen würde, wenn man etwa in der Einreihung zum Heeres- dienst die unehelich geborenen Bürger zurlickweisen wollte. Wer bel der Erfüllung von Pflichten keinen Unterschied zwischen ehelichen und unehelichen Kindern machen will, der darf auch ulcht bei den ihnen zustehenden Rechten zweierlei Maß anlegen. Wie Profitwut manchen dazu treibt, die Notlage seiner Mit- menschen zur eigenen Bereichexung auszunutzen, davon heute ein Beispiel, das aus Speyer berichtet wird. Eine Bauersfrau brachte dort letzte Woche 18 Pfund Kernbohnen auf den Markt, wo sie die Bohnen zu 35 Pfg. das Pfund verkaufen wollte, Es waren einige Frauen da, die' sich mit se 1 Pfund begnügt hätten. Da erschten auf der Bildfläche ein Spezereiwarenhändler und kaufte den ganzen Vorrat auf, so daß alle übrigen Liebhaber das Nachsehen hatten. Was tat nun der„menschenfreundliche“ Kaufmann mit den Bohnen? Er stellte sie in einem Gefäße in seinem Laden auf und zeigte auf einem Schildchen den Pfundpreis an und zwar mit— 60 Pfg. Also um 25 Pfennig Profit au einem Pfund! Gllcklicherweise wurde die Sache ruchbar und so erfolgte Anzeige. Nicht immer ist die Polizei in der Lage, derartige Fälle aufzudecken und zu bean zeigen, da sie keine Keuntnis davon erhält. Es wäre Pflicht eines jeden, der Kenntnis von solcher Ausbeutung seinyer Mitmenschen erhält, Anzeige zu erstatten, um dem wucherischen Treiben einzelnen Einhalt zu gebieten. — Folgen der Teuerung. Aus Wörrstadt berichtet das Offenbacher Abendblatt: Eine alleinstehende Frau glaubte bei der herrschenden riesigen Teuerung aller Lebensmittel ihren Unterhalt nicht mehr bestreiten zu können. Durch ständiges Nachgrübeln über die Teuerungsverhältnisse erlitt sie eine Geistesstöxung. Sie stürzte sich in einem unbewachten Augenblick in die, Pfuhlgrube, wo sie erstickte.— Bei dieser Teuerung kann man allerdings verrlick/ werden. — Eine Preisprüsungsstelle ist jetzt in Gießen errichtet worden. Damit wird einer Vorschrift des Ministeritums Rechnung getragen, daß etwa die Lebensmittelpreise dadurch billiger werden, braucht niemand zu glauben. — Künstlerabend. Die Gießener Freilichth ühue ver⸗ anstaltet nächsten Sonntag abend in der Aula einen Künstlerabend, dessen Reinertrag zu Liebesgaben für die„Vergessenen“ verwendet werden soll. Der Abend wird durch einen von Alfred Bock ver— faßten und von Frl. Gretel Leist gesprochenen Prolog eingeleitet werden; es folgen dann Lieder von Anny Floöohn- Burckhard, die am Flügel von Frau Nebelung-Kuapp begleitet werden. Musikalische Darbietungen von dem Schülerorchester des Gym— nasiums, das durch 20 Mitglieder der Kapelle des Ersatzbatafllons verstärkt wird, reihen sich an und den Schluß machen Rezitationen in Poesie und Prosa aus neuerer Zeit von Martha Schild. Der Abend beginnt um 8 Uhr. — Stadttheater. Gestern abend ging ein Lustspiel über unsere Bühne, das vor etwa 20 Jahren von Schönthan und Koppel-Ellfeld der Welt geschenkt wurde. Es sollte ein historisches Lustspiel sein und spielt deshalb vor etwa 100 Jahren in Karlsbad und dort in den„besten Kreisen“ der Kurgäste.„Lomtesse Gu cer!“, so betitelt es sich, ist sicher nicht das schlechteste unter der leichten Ware, welche die sehr produktiven Verfasser auf den Markt ge— bracht haben. Ganz unterhaltsam. Ueber den Inhalt ist nicht viel zu sagen: nach etlichem Herüber und Hintber und kreuz und quer gibt es zwei glückliche Paare. Dabei hat die von Anna Rubens flott gespielte Gräfin Trachau, die man früher in Wien wegen ihrer schönen Augen Komtesse Guckerl nannte, Gelegenheit, ihren Geist und Witz zu zeigen und ihrem Anbeter ihre Schelmerei fühlen zu lassen. Diesen gab Ferd. Steinh ofer, der recht gut gefiel. Das andere Paar wurde von Else Bu rghoff und Arthuf Eugens dargestellt; letzterer hatte eine wenig dankbaxe Rolle; 2 Backfisch des Frl. Burghoff erntete aber verdienten Beifall. Ausgezeichnet war wieder Herr Goll mals alter Hofrat, dessen hochnäsige Ehe⸗ hälfte durch Else Jü n glüng trefflich verkörpert wurde. Augetberig des Großen Hauptnuurtien. Günstige Kämpfe vor Dünaburg und am Styr Glänzende Fortschritte auf allen serbischen Kampfplätzen. W. B. Großes Hauptquartier, 19. Okt., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Keine wesentlichen Exeignisse. Oestlicher Kriegsschauplatz Heeresgruppe des Geueralfeldmarschalls v. Hindenburg. 0 Südlich von Rien stürmten unsere Truppen mehrere Stellungen und erreichten die Düsma östlich Bor ckso itz; 1 Offizier, 240 Mann wurden gefangen, 2 Maschinengewehre erbeutet. Ein russischer Angriff nordwestlich Jakobstadt wurde abgewiesen. In Gegend von Smolwy wurde durch eines unserer Kampfflugzeuge ein französischer Doppeldecker, der von einem russischen Stabskapitän geführt wurde und mit einem eng- lischen Maschinengewehr ausgerüstet war, abgeschossen. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls ö Prinzen Leopold von Bayern. Nichts Neues. Heeresgruppe des Generals v. Linsingen. Die gestern gemeldeten Kämpfe am Styr nahmen einen für uns günstigen Verlauf. Balkankriegsschauplatz. 5 Bei der Heeresgruppe des Geueralfeldmarschalls u. Mackensen wurde von der Armee des Generals v. Köweß durch österrei— chisch-ungarische Truppen die Stadt Obrenovac genom: men. Südlich von Belgrad erreichten deutsche und österr., ung. Verbände nach Kampf die Höhen östlich Vranja, südlich von Ripanj und südlich von Grocka an der Donau. Die Armee des Generals v. Gallwitz erkämpfte mit dem rechten Flügel die Gegend westlich von Seo ne sowie die Orte Vodanj und Mala Krsnua. Das Höhengelände bei Lucica sowie südlich und östlich von Boge vac bis Misl⸗ jenonac wurden dem Feinde entrissen. Die Armee des Generals Bojacjeff draug gegen Zajevac, Kujagevac, über Inowo und gegen den Kessel von Pirot weiter vor. Andere bulgarische Truppen haben Vranje im oberen Morawatale genommen und weiter südlich die Linie Egri-Palanka⸗ Stip bereits ch Uüberschritten. Oberste Heeres leitung. falls zurückgeschlagen. Stellungen nordwestlich vo Der österreichisch⸗ ungarische Tagesbericht f Die Macva besetzt. Starke Angriffe der Russen und Italiener zurückgeschlagen. i 2000 Serben gefangen. Wien, 19. Okt.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart 19. Oktober. Ruffischer Kriegsschauplatz. Die Russen setzten gestern ihre Angriffe im Sumpf- und Wald⸗ gebiete des unteren Styr fort. Bei dem nordwestlich von Derazuo liegenden Dorf Bogus⸗ La wka stürmte der Jeind dreimal vergebens gegen die Stel⸗ lung einer Honved⸗Division an. Er wurde durch Feuer und im Nah⸗ kampf in die Flucht geschlagen und ließ drei Offiziere, über 500 Mann und zwei Maschinengewehre in unserer Hand. Auch eine über Kulikowiee vordringende russische Division wurde wieder auf das Ostufer zurückgetrieben. 7 15 In der Gegend von Czartorysk gewann der Gegner an einigen Punkten das Westufer des Styrflusses. Dort wird noch ge⸗ kämpft. Nördlich von Rafaloweka griffen die Russen gleichfalls mit starken Kräften an, sie wurden abgewiesen, wobei wir 100 1 gefangen nahmen. Sonst ist die Lage im Nor dosten unver⸗ ündert. Jtalienischer Kriegsschauplatz. Die Kämpfe an der ZJsonzo⸗Front nehmen an Ausdehnung zu. Gestern mittag setzte gegen unsere Stellungen am Krn, am Tol⸗ meiner Brsickenkopf, bei Tonale und Plava, gegen den Görzer rückenkopf und das Plateau von Doberdo starkes feindliches Ge⸗ schützseuer ein, das mit großer Heftigkeit bis in die Abendstunden anhielt und in einzelnen Abschnitten auch nachts andauerte. Unter dem Schutz dieses Feuers ging die italienische Infanterie an zahl⸗ reichen Stellen zum Angriff vor. Am Krn, am Mrzli Vrh und vor den Stellungen des Tolmeiner Brückenkopfes brachen alle feindli chen Angriffsversuche in unserem Infanterie⸗ und Maschinengewehr⸗ und flankierenden Geschützfeuer zusam⸗ men. Die gegnerische Infanterie flüchtete, wo sie angegangen war, unter den schwersten Verlusten in ihre Gräben zurück. Stellen⸗ weise zog sie es vor,„Avanti!“ zu schreien, ohne ihre Deckungen zu verlassen. . Ein gegen den Monte Sabotino swestlich von Salcano) ge⸗ richteter Angriff und mehrere starte Vorstöße gegen die schon seit einigen Tagen heiß umstritlene Stellung bei Peteano wurden gleich⸗ Auch hier erlitt die italienische Infanterie große Verluste. 32 9 75 50 und Tirol herrscht weiter rege feindliche Artillerie— gkeit. Sidöstlicher Kriegsschauplaß. Die Angriffe der verbündeten Heere machten auch gestern über all Fortschritte. die Macva ist zum größten Teil in unserem Besitz. Die beiderseits der Kolubara-Mündung überschifften k. und I. Truppen nahmen um Mitternacht die Stadt Obrenovac und die Höhen südöstlich davon. Die von Belgrad vordringenden Streitkräfte gelangten in der Verfolgung des Feindes über Ripanj hinaus. Eine österreichisch-ungarische Kolonne er st ür mte mit dem Bajonett den Zigeunerberg südlich von Grocka und nahm mit den beiderseits der unteren Morava erfolgreich vorrückenden deutschen Divisionen die Verbindung auf. In den dreitägigen Kämpfen um den Avala und um die a 4 Grocka sind von unseren Truppen 15 serbische Offiziere und 2000 Mann als Ge⸗ fangene eingebracht worden. 5 Die Bulgaren entrissen dem Feinde Linie östlich von Pirot und drangen Vranja vor. die erste befestigte bis in die Gegend von Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnant. 0 Das Scheitern der großen Offensive. i Die Times schreibt in einem Leitartikel: Auf dem west⸗ lichen Kriegsschauplatze ist die große Offensive vor— läufig aufgegeben worden, und aller Wahrscheinlichkeit nach wird sie in diesem Jahre nicht wieder aufe genommen werden. Ueber das Resultat kann man sich ein Endurteil noch nicht bilden, aber so weit man bis jetzt urteilen kann, scheint dasselbe im Verhältnis zu der An— strengung gewesen zu sein. Die deutschen Verlustlisten be— stätigen unsere eigenen Berichte, daß wir und die Franzosen dem gemeinschaftlichen Feinde einen schweren Schlag beigebracht haben. Die Leichen von 7 bis 8000 Deutschen wurden vor unseren Laufgräben am Tage, nachdem ihr An— griff abgeschlagen war, gefunden. Dies beweist klar, wie groß ihre Verluste waren. Auch hat unsere Anstrengung zweifelsohne bis zu einem gewissen Grade den Druck auf unsere russischen Freunde in einem sehr kritischen Augen— blick erleichtert. Es hat sich herausgestellt, daß wir und unsere französischen Kameraden mit einer genügenden An— zahl von Leuten und mit genug Munition die undurchdring— lichen deutschen Linien nehmen können, und daß der eng— lische und der französische Soldat dem stärksten Gegner mehr als gewachsen ist. Dagegen ist es klar, daß es den Verbün⸗ deten nicht geglückt ist, die deutschen Linien auf⸗ zu rollen. Kritische Lage der Russen bei Riga. Die Times meldet aus Petersburg: Die Lage in der Gegend von Riga wird durch die Angriffe des Feindes auf die Sta tion Garrofen an der Eisenbahn Mitau— Kreuzburg, 25 Meilen süd⸗ lich von Riga, sehrernsthaft. Der Feind hat die Station vor⸗ übergehend besetzt, wurde jedoch später durch einen Gegenangriff wieder vertrieben. In der Gegend von Janeb, nördlich der Statlon Grossekau, drängte der Feind die Russen drei bis 4 Meilen nach dem Norden zurück. Trotz der Kraft, womit diese Operationen ausgeführt werden, werden sie lediglich als Vor⸗ hutgefechte betrachtet, die wahrscheinlich die doppelte Absicht haben, die Aufmerksamteit der Russen von Dünaburg abzulenken und Riga von Südosten aus zu umzingeln. Nach der Auffassung militäxischer Sachverständiger können diese Gefechte zu einem wichtigen Kampf auf der ganzen Front im Stromgebiet der mittleren und unteren Düna führen. Italiens Kriegserklärung an Bulgarien. Wie die Agenzia Stefani nach einem Telegramm der Frankf. Ztg. mitteilt, hat Italien Bulgarien den Krieg erklärt. Die Kriegserklärung wird damit be⸗ qründet, daß Bulgarien Serbien überfallen und sich den Feinden Italiens und der Verbündeten angeschlossen habe. f Noch eine Kriegserklärung. T. U. Bukarest, 19. Okt. Wie Dimineata meldet, ist nun⸗ mehr auch seitens Rußlands die offizielle Kriegserklärung an Biillgarien erfolgt. stets und überall nur die über 20 Jahre bestehende deutsche Marke Sturm vogel. Fahrräder und Nähmaschinen in zahlreichen Modellen u. von höchster Leistungslähigkeit. f 5 und eingeführten Mascbinen zu vertreiben.. Aubehörteile, Taschenlampen, Batterien, Ersatzteile 8 in grosser Auswahl. Kataloge post frei. Deutsche Handels gesellschaft Sturmvogel Gebr. Grüttner, Berlin, Halensee 14. 5 e Neu! Konkurrenzlos! Nen! Versand⸗Karton (D. R.⸗Patent 130568) für Gelee, Honig, Butter, Schmalz, Fleischwaren ꝛe. Praktischer, vorteilhafter und billiger als lech oder Glas⸗Packung. 25 Pfg. ssishe Volkszeitung Gießen Bahnhofstraße 23. Preis für 1 Pfund⸗ Oberhe WW Packung nur — Egri Palanka und K 18. Oktober griffen Aufklärungsabteilungen an, warfen webels Stritzke im gestellt worden. Die neuen bulgarischen Erfolg Budapest, 19. Okt.(W. B. Nichtamtli 5 meldet aus Sofia: Wie der bulgarische amt! richt vom 16. Oktober meldet, sind die Bulgaren am 15 tober in die Stadt Vranja eingezogen; sie haben außet otschana besetzt. Der türkische Bericht. 4 N Konstantinopel, 19. Okt.(W. T. B.) Das Hauptauar tier meldet von der Dardanellenfront: gräben ihrer Hauptlinie zurück und fügten ihnen schwere Ver⸗ luste zu. Bei Ari Burnu und Sedd⸗ül⸗Bahr örtlich be- schränkter Feuerkampf und Bombeuwerfen.„ An den anderen Fronten nichts von Bedeutung. n.⸗Wetzlar. Die Notiz von dem ertrunkenen Kinde des 11 37 Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen. a 15 In der Nacht zun unsere Aufklärungsabteilungen feindliche sie bis in die Schützen⸗ N. 7. B 1 2 5 i 1. Briefkasten. 1 3 n des Feld. gestrigen Blatte war aus Versehen unter 1 ießen— 1 7 J . 14 G. m. b. o. Ofßenbach a N Die Marktpreise für Vieh und Frumnt und die Gießener Fleisch⸗ und Brotpreise am 18. Oktober 1915 Schlachtviehpreise in Fraukfurt a. M. Fleischpreise in Gieben N Ochsen 50 kg Schlachtgewicht Kälber 1 2 Schweine ½„ 165—180 „ 112-138 Mk. 108138 Pf % Ka 120124 Ph ½%„120-11 %„ 190 00% tel . Getreidepreise in Mannheim. 1 0 6 Brotpreise in Gießen. Weizen 100 kg Roggen 15 23.00 27.00 Mk. Höchstpreis Höchstpreis Weißbrot KN fg. Schwarzbrot 2 2 68% Moderne Ledergamaschen in verschiedener Ausführung sowie eine Partie guter Ledergamaschen ältere Muster werden zu bedeutend er⸗ mäßigten Preisen ab⸗ gegeben. Lederhandlung füchengetste Sch Bahnhofstrasse 34 Grösstes, eleganteste Lichtspiel-Theater Giessen Telephon 2077 80 und modernstes Ankauf. Alteisen, Lumpen, Knochen, Papier, Kupfer, Messing, Zink,! Zinn, Blei, bei Louis Rothenberger Neuenweg 22. Haadlhheaer U Dir.: tlermann Stelngoetter. Freitag, den 22. Oktober 1015, 7 2. Freitags⸗Abonn.⸗Vorstellun ein alter Lustspiel in 3 Akten 55 Arnold und Viktor Arnold. Gewöhnl. Preise ermäßigt, 7 5 abends 8 uhr: Heir von ö Ende nach 10 Uhr.“ Aumeldung der beschlagnahmten Auf Grund der Verordnung des Stellvertretenden Generalkom— mandos des 18. Armeekorps vom 31. Juli 1915, betreffend Beschlag— nahme, Meldepflicht und Ablieferung von fertigen, gebrauchten und ungebrauchten Gegenständen aus Kupfer, Messing und Reinnickel, fordere ich die Besitzer der seit 31. Juli ds. Js., nachts 12 Uhr be— schlagnahmten Gegenstände auf, diese unter Verwendung des vor— geschriebenen Vordrucks in der Zeit vom 17. Oktober bis 16. Novem⸗ ber 1915, unbeschadet bereits anderweitig erfolgter Meldungen, auf dem Stadthaus, Zimmer 7 zu melden. Nach dem 16. November 1915 wird die Enteignung der nicht freiwillig abgelieferten Gegen— stände erfolgen. Die vorgeschriebenen Meldevordrucke sind im Stadthaus, Zim— mer 7, sowie in den Brotmarkenausgabestellen zu erhalten. Letztere sind täglich von 8—9 Uhr vormittags geöffnet. Die beschlagnahmten Gegenstände bleiben bis auf weiteres in den Händen der Besitzer. Freiwillige Ablieferungen können nicht mehr erfolgen, da die städtische Metallabnahmestelle geschlossen ist. Nachstehend gebe ich nochmals die einschlägigen Bestimmungen der Verordnung vom 31. Juli 1915 sowie die Strafbestimmungen bekannt: 5 Von der Verordnung betroffene Gegenstände. Klasse A. Gegenstände aus Kupfer und Messing: 1. Geschirre und Wirtschaftsgeräte jeder Art für Küchen und Back— stuben, b wie beispielsweise Koch- und Einlegekessel, Marmeladen- und 0 Speiseeiskessel, Töpfe, Fruchtkocher, Pfannen, Backformen, Kasserollen, Kühler, Schüsseln, Mörser usw.; 2. Waschkessel, Türen an Kachelöfen und Kochmaschinen bezw. Herden; 3. Badewannen, Warmwasserschiffe, sbehälter, ⸗blasen, ⸗schlangen, Druckkessel, Warmwasserbereiter(Boiler) in Kochmaschinen und Herden: Wasserkasten. eingebaute Kessel aller Art. „ 8 9 Klasse B. Gegenstände aus Reinnickel: 1. Geschirre und Wirtschaftsgeogenstände jeder Art für Küchen⸗ und Backstuben, wie beispielsweise Koch- und Einlegekessel, Marmeladen- und Speiseeiskessel, Fruchtkocher, Servierplatten, Pfannen, Back⸗ formen, Kasserollen, Kühler, Schüsseln usw.; Einsätze für Kocheinrichtungen, wie Kessel, Deckelschalen, Innen⸗ töpfe nebst Deckeln an Kipptöpfen, Kartoffel-, Fisch- und Fleisch⸗ einsätze usw. nebst Reinnickelarmaturen. § 3. Von der Verordnung betroffene Personen und Betriebe. Von der Verordnung werden betroffen: Handlungen, Laden- und Installationsgeschäfte, Fabriken und Privatpersonen, die obengenannte Gegenstände erzeugen oder verkaufen, oder die solche Gegenstände, die zum Verkauf bestimmt sind, im Besitz oder in Gewahrsam haben; Haushaltungen; Hauseigentümer; Unternehmungen zur Verpflegung fremder Personen, insbeson⸗ dere Gast⸗ und Schankwirtschaften, Pensionate, Kaffeehaus⸗, Konditorei- und Küchenbetriebe, Kantinen, Speiseanstalten aller Art, auch solche auf Schiffen, Bahnen u. dergl.; öffentliche leinschl. kirchliche und stiftische usw.) und private Heil-, Pflege- und Kuranstalten, Kliniken, Hospitäler, Heime, Kasernen, Erziehungs- und Strasanstalten, Arbeitshäuser u. dgl. 8 5 Meldepflicht. Die von der Beschlagnahme Betroffenen haben unter Benutzung des vorgeschriebenen Meldevordrucks eine Best an dsmeldung 1 S— * der beschlagnahmten durch§ 2 gekennzeichneten Gegenstände an die mit der Durchfübrung der Verordnung beauftragten Behörden Frgenfinde ur But, Meiag und A + 5 Der Oberbürgermeister. Feller. innerhalb der von den letzteren festzusetzenden Frist einzureichen, N Nicht zu melden sind diejenigen Gegenstände, die bereits nach den Bekanntmachung betr. Bestandsmeldung und Beschlagnahme für 18 Metall M. 1. 4. 15 K. R. A, vom 1. Mai 1915 der Meldepflicht unter⸗ 1 lagen. 8. 7 5 8 8. 18 Ausnahmen.„„ Ausgenommen sind mit dem beschlagnahmten Metall überzogene N (3. B. galvanisch) und plattierte Gegenstände aus Eisen oder einem anderen nicht beschlagnahmten Metall. 775 N Bestehen Zweifel, ob gewisse Gegenstände von der Verordnung betroffen sind, so kann eine Befreiung von der Beschlagnahme 5 1 willigt werden. Ueber die Befreiung entscheidet die mit der Dur; führung der Verordnung beauftragte Behörde endgültig. 1 8 12. 1 5 4 0 Strafbestimmungen. 9 1 1 Wer vorsätzlich die Bestandsmeldung auf dem vorgeschriebenen ö t Formular nicht in der gesetzlichen Frist einreicht, oder wissentlich 10 unrichtige oder unvollständige Angaben macht oder den erlassene 1 Ausführungsbestimmungen zuwiderhandelt, wird mit Gefängnis bis 0 zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu zehntausend Mark he.. straft. Auch können Vorräte, die verschwiegen sind, im Urteil fünf dem Staate verfallen erklärt werden. Fahrlässige Verletzung 13 5 Auskunftspflicht wird mit Geldstrafe bis zu Dreitausend Mark, im 1 Unvermögensfalle mit Gefängnis bis zu sechs Monaten bestraft. 45 „Ferner wird mit Gefängnis bis zu einem Jahr bestraft, 1 5 4 nicht nach den allgemeinen Strafgesetzen höhere Strafen verwirkt 0 N sind, wer das Verbot gemäß 88 4 und 5 dieser Verordnung über⸗ 1 tritt oder zur Uebertrekung auffordert oder anregt ö Gießen, den 15. Oktober 1915. 1