Otgan für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Oerhessische Volksseituna erscheint jeden Werktag Abend in Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich Janschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl. 1. 80 Mk. Redaktion und Expedition Giesien, Bahnhofstraste 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Inserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends? Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. 1 244 Gießen, Montag, den 18. Oktober 1915 10. Jahrg ang 5—— 1 5 9e„ 1 5 2. 7 Aache und franzöjische Sozialisten zum Kriege. Antr der Ueberschrift„Zu den Waffen!“ erließ das sozia⸗ e nationale Verteidigungskomitee Groß⸗ zniens folgendes Manifest: bürger! Noch nie in unserer tausendjährigen Geschichte ch unser Land in einer so tödlichen Gefahr wie jetzt. Nur Mund dem Bürgersinn der Männer, die freiwillig zu den glilten, ist es zu verdanken, daß Britannien nicht das ArBelgiens, Polens und Armeniens erlitten hat. Der urdanken wir unser Leben, die Ehre unserer Frauen, die ie und Heiligkeit unseres heimischen Herdes. Zehn- sstarben, um ihr Vaterland zu verteidigen, und viele mehr um den Preis der Verwundung und der Invalidität dem Fronneu. annier! Die Plätze dieser Helden müssen ausgefüllt wer⸗ können un dürsen diejenigen, die für uns fechten, nicht epprechende Verstärkungen lassen. Mindestens eine halbe nehr Mannschaften ist sofort nötig, um die Kräfte unserer Ir in Frankreich, Belgien, Gallipoli und Mesopotamien zu stirk, oder um die Plätze derjenigen einzunehmen, die in der nahm Indien und anderswo Garnisondienst leisten. Es gibt Herttaufende von jungen, kräftigen und sähigen Leuten, die orreichen Dienst übernehmen könnten, aber noch nicht in de sind. Wenn sie noch länger zaudern, so wird es ihnen pen Schande gereichen. Wenn sie sich weigern, dem Rufe zes zu folgen, so muß und wird die Nation sie unter an— ingungen in ihren Dienst stellen. fürger! Es kann keine Rechte ohne Pflichten geben. kann nicht existieren, wo die Menschen nicht bereit sind, heteidigen. Die Verteidigung des Landes ist die elemen⸗ iht sedes waffenfähigen Bürgers. Wenn das Land ruft, lle folgen. Die Erzwingung der Pflicht der Nationalver⸗ . wie sie die nationale Solidarität einschließt, verstößt U gigen die Grundsätze der Demokratie noch gegen die Grund⸗ J e Gewerkschaftswefens. Die Leute, die sich jetzt der Pflicht Die werden sicherlich gezwungen werden, solidarisch zu han⸗ Ons sie werden als nationale Streikbrecher behandelt werden. N Die Regulierungen, die zur Verteidigung eurer Juter⸗ 1 riedenszeiten nötig sind, wurden von der überwältigenden i der Gewerkschaften aus patriotischen Gründen aufge- Wir freuen uns, dies konstatieren zu können. Aber es solche, die unter bestimmten Umständen mit Streik % obwohl ein Streik die Lahmlegung unserer nationalen lung bedeuten würde. Wissen denn diese Leute nicht, daß 0 cher Sieg den Verlust aller ihrer mit so großen Opfern ien Rechte bedeuten würde? Das Recht auf Streik ist mgätzbare Waffe in den Händen der Arbeiterklasse, aber Jaht hat seine Grenzen. Diese Grenzen sind erreicht, wenn age gestellte Arbeit das Leben der Soldaten, die das Land din, gefährdet. Unter solchen Umständen ist ein Streik it gegen das Land und ein Schlag gegen unsere Brüder 1 schützengräben. Die notwendige Folge wäre ein Streik eslaten; und dann— Gott beschütze die Zivilisten! kürger! Das Stillschweigen der Regierung ist zweideutig, und gefährlich. Soll sie sich aussprechen. Soll sie es lichener gestatten, sich zu äußern. Soll sie uns sagen, wo zen und was wir tun müßten. Das britische Volk wird dem fe ken. Britannien, halb bewaffnet und die halbe Kraft en, wird Deutschland nicht besiegen, das die ganze Natson 0 Rrieg mobil gemacht hat. Nationaldien st ist nicht I. Pflicht, sondern ein Recht.“ * ü 2 unser französisches Bruderorgan Populaire du Centre, 1 salistische Tageblatt von Limoges, mitteilt, hat Gustav 4 ür seine neugegründete Zeitung L' Oeuvre(wurde in⸗ 1 mehrfach verboten) eine Umfrage veranstaltet über das guziel. Die Franzosen sagen gewöhnlich, sie wollten bout“(bis ans Ende) gehen. Die Frage, die Tory lautete: Was bedeutet„bis zu Ende“ gehen? Hier; sind Antworten: Das Kammermitglied Verlot(Vertreter Uühlkreises in den Vogesen) erklärte:„Frankreich wird bis sich das Deutsche Reich flir besiegt erklärt und um hittet. Die erste Pflicht wird sein, es zu zersplittern. öh wird die militärische Macht des Reiches zerstören, in⸗ Im eine jährliche Kriegsentschädigung auferlegt, die min⸗ em Armee⸗ und Flottenbudget gleichkommt.“ Der Seug⸗ M illon(Vertreter von Deux⸗Sevres) antwortete:„Bis händigen Erschöpfung der Finanzen, des Kriegsmaterials Nenschen.“ Der Senator Gen ou x(Vertreter von Haute bra st der Ansicht:„Die Nation wird den heiligen Kampf s wenn nßtig— bis zur Erschöpfung sämtlicher Hilfs⸗ ex moralischen und der physischen, um den Sieg zu er⸗ , Josef de Castelnau erklärte:„Frankreich wird bis zu ken,— das heißt: bis zur Wiedereroberung von Elsaß⸗ Tien, Auflösung des Deutschen Reiches und Herstellung eines abnropas.“ Im Gegensatz zu diesen Antworten erklärte den ee Mistral(Vertreter von Isere),„bis zu Ende, gehen e. zur Herstellung eines Friedens, der in tine bedingungen keine Ursache zur Revanche, keinen Keinisten slerneuen Kriege enthält. Mit sämtlichen Sozig ten die, daß der Krieg zwischen Nationen nur mit dem Ber Hen des Kapitalismus ein Ende nehmen wird. 0 Mistral bekämpft die Idee, daß die Verbaudsmächte i güren, den deutschen 9 5 995 zu zerstören? 400, Mil 6 Zeutsche könne man nicht unterdricken und vom Auslande ieren. Solange der Militarismus in Europa. bestehe, Luc der deutsche Milftartemus bestehen. Die Ausetghalschen it dem deutschen Militarismus solle man dem deutschen aue üderkassen. Mistral schleßt:„ch habe Verkraner schen Sozialismus und zum' deutschen Volke.“ nem Leitartikel vom 4. Oktober schließt sich der Populaire du Centre den Ansichten Mistrals vollständig an. Nicht die Zer— splitterung Deutschlands un Oesterreichs sei das Heilmittel, denn le mehr kleine Staaten und Nationen, desto größer die Eifersucht, die Intrigen und die allgemeine Unsicherheit. Der Krieg werde verschwinden mit dem Untergange des Kapitalismus und mit der Herstellung einer Föderation freier Völker. In der Vereinigung und nicht in der Zersplitterung der Völker und Staaten liege das Heilmittel. 0 Leider ist die Zahl der so vernünftig denkenden Sozialisten in Frankreich wie in England noch ganz geringfügig. 5 0 . Auf der schiefen Ebene. Unser französischer Korrespondent schreibt uns vom 9. Oktober: Die Entwicklung der Dinge auf der Balkanhalbinsel hat die öffentliche Meinung in Frankreich konsterniert. Seit Monaten war die französische Presse gezwungen, blauen Dunst über die Situation auf dem Balkan zu verbreiten. Es läßt sich nicht mit Bestimmt⸗ heit sagen, wie weit die Diplomatie selbst sich in falschen Hofs⸗ nungen gewiegt hat. Jebensalls scheint die Diplomatie vollständig in das Schlepptau der russischen geraten zu sein. Zur Stunde be⸗ wahrheitet sich unsere Vermutung, daß die französische Diplomatie nicht mehr zurück kann und unaufhaltsam die schiefe Ebene hinabgleitet, auf die sie vor Jahren Jaurès vergebens zurückzu⸗ halten gesucht hatte.„Diplomatie à la suite“ nannte Jaurès die Politik, die Frankreich gegenüber Rußland übte. Noch vor dem Abschluß des Blündnisses mit Rußland, im Jahre 1887, hatte Jaures schon seine warnende Stimme erhoben. Er befürchtete, daß sich Frankreich bereit finden würde, dem imperialistischen Drängen Rußlands Helferdienste zu leisten und dadurch in gefähr⸗ liche Abenteuer verwickelt werden könnte. Denselben Standpunkt nahm er gegenüber dem euglischen Freundschastsbündnis ein. Die französische Diplomatie, in der Furcht, daß Rußland dem Biündnis entsagen könnte und daß Frankreich einem deutschen Angriff gegen⸗ über alleinstehen würde, hielt sich für verpflichtet, die russische Politik überall und immer zu unterstützen. Diese Furcht vor einem deutschen Angriff, beileibe nicht die Absicht, einen Revanche⸗ krieg zu entfesseln, denn dazu war eine Stimmung in Frankreich nicht vorhanden und hätte Rußland nicht die Hand geboten, hat die französische Diplomatie seit 45 Jahren beherrscht und sie auf die schiefe Ebene des neuen Balkankonfliktes gebracht. Wie Frankreich durch die„Diplomate à la suite“ seine eigene Politik vernach⸗ lässigte, hat es jetzt seine eigene Verteidigung zurückgestellt, um Rußland Konstantinopel zum Geschenk zu machen. Für England ist die Dardanellenexpedition ein durchsichtiges Ablenkungs⸗ manöver, um von dem Suezkaual und von Aegypten einen türki⸗ schen Angriff fernzuhalten. Was Frankreich betrifft, kann es bei dem Unternehmen nichts gewinnen. Im Gegenteil, es kann nur verlieren. Wie auch der Krieg ausgehen mag, sein säkularer intel⸗ lektueller politischer und wirtschaftlicher Einfluß in der Türkei ist sehr in Frage gestellt. Siegt Rußland, dann ist eine Russifizierung der französischen Institutionen so gut wie sicher. Im gegenteiligen Falle wird Frankreich den Völkern Kleinasiens als der Besiegte erscheinen. Vorläufig legt sich die öffentliche Meinung Frankreich noch keine Rechenschaft ab über die verhängnisvolle Tragweite dieser Politik, die in der krampfhaften Sucht nach neuen Verbündeten, die französische Politik vernachlässigt und die Verteidigungskraft Frankreichs zersplittert. Die Gewinnung Italiens, die oberfläch⸗ lich betrachtet, eine Stärkung des Dreiverbandes war, hat in Wirk⸗ lichkeit dem Einfluß Fraukreichs auf dem Balkan den stärksten Stoß gegeben und alle die Folgen gezeitigt, die Frankreich zwingen, immer bedeutendere Streitkräfte seiner eigenen Verteidigung zu entziehen. Daß das große Publikum darin nicht klar sieht, ist nicht verwunderlich, denn es fehlen ihm die Elemente, um sich ein selbständiges Urteil zu bilden. Ueberraschen muß jedoch, daß sich unter den Abgeordneten und Senatoren niemand findet, um die Diplomatie beim rechten Namen zu nennen. Zum Zeppelinaugriff auf London. Tu. London, 15. Okt. Das Kriegs kinisterium gibt jetzt einen ausflihrlichen Bericht über den letzten Angriff deutscher Luftschiffe, worin es heißt: Ein Geschwader feindlicher Luftschiffe besuchte die östlichen Grasschaften und ein Teilgebiet von London unter Abwerfung von Bomben. Eine Anzahl Ballonabwehrkanonen wurden in Stellung gebracht. Fünf Flugzeuge stiegen auf, konnten aber infolge des Nebels die Luftschiffe nicht finden. Ein einziges Flugzeug fand einen Zeppelin. Als es sich auf die notwendige Höhe hinaufge⸗ schraubt hatte, war das Luftschiff verschwunden. Eine Anzahl Häufer wurden durch Bombenwürfe beschädigt, an verschiedenen Punkten brachen Brände aus, die jeboch schnell gelöscht werden konn⸗ ten. Kriegsmatertalschaden ist nicht angerichtet. Einschließlich der bereits gemeldeten Zahlen betragen die Ver⸗ luste 42 männliche Personen tot, 77 verletzt, darunter 15 Soldaten tot, 13 verwundet. Ferner wurden 9 Frauen getötet, und 30 ver⸗ wundet, während sich 5 Kinder unter den Toten und sieben unter den Verletzten befinden. Auf London selbst entfallen 23 Tote und 95 Verwundete. 4 Zeppelinwirkung. Rotterdam, 15. Okt. Eine Depesche des Londoner Korre— spondenten des Nieuwe Rotterdamschen Courant über Zeppelinangriffe erreichte das Blatt so Ver stüm mel, daß sie keine Einzelheiten mehr enthielt. Gestern abend traf kein Frachtdampfer aus England in Vlissingen ein und auch heute nicht, angeblich wegen Nebel. Vom serbischen Kriegsschauplatz. Dem Berl. Lok.⸗Anz. wird aus dem Kriegspressequartier ge⸗ meldet: Oesterreichisch-ungarische Bataillone haben den rechten Flügel der Kumodraz⸗Stellungen abgesprengt und die Serben zum Il i ie N. schleunigen Rückzug nach ihren Positionen auf dem Avalaberg ge⸗ nötigt. Durch die Wegnahme des zwischen der Grockgerstraße und der Donau gelegenen Höhenrückens scheint die starke Stellung des Feindes auf dem Kumodraz unhaltbar geworden zu sein, sodaß die Serben von hier weiter nach Süden abziehen mußten. Die Er⸗ stürmung der sehr starken Besestigungsanlagen nächst des Erino⸗ berges wurde durch konzentrisches Massenfeuer unserer schweren Artillerie vorbereitet und dann durch Infanterie ausgeführt. Der Feind ließ Gefangene in unserer Hand und wich fluchtartig nach Slidwesten zurück. Er wurde sogleich von unseren Truppen ver⸗ folgt. Serbische Deserteure. Sofia, 15. Okt.(W. B. Nichtamtlich.) Nach Meldungen aus Strumitza ergaben sich dort gestern 950 serbische Deser⸗ teure mit ihren Gewehren den Grenzbehörden. Schwieriger Vormarsch der Salonik⸗Truppen Konstantinopel, 14. Okt. In Salonik scheint ein ziem⸗ liches Durcheinander zu herrschen: Ordre, Kontreordre, Desordre. Die abtransportierten Ententetruppen kehrten wieder zurück, nachdem sie mehrere Kilometer vorangegangen waren. Aus guter Quelle verlautet, die griechische Re⸗ gierung lehnt es ab, ferner Eisenbahnwaggons für die Expedition dieser Truppen zu stellen. 0 Italiens Zurückhaltung. Der Avanti faßt die Gründe, welche die italienische Regierung von einer Teilnahme am Balkanfeldzug zurückhalte, folgender- maßen zusammen: Der Truppenüberfluß Italiens sei mehr schein⸗ bar als wirklich, da der Gebirgskrieg, infolge der erhöhten An⸗ strengungen eine häufigere Ablösung und infolge der Schwierig⸗ keiten bei der Zufuhr eine unverhältnismäßige Menge Etappen⸗ truppen gegenüber den Kampftruppen erfordere. Ein weiterer Grund sei der, daß Italien bisher weder gegen Deutschland noch gegen die Türkei trotz der erfolgten Kriegserklärung Krieg führe. Der„sacro egoismo“ mache es nicht rätlich, diese Lage zu ändern. Schließlich erklärt der Avanti, daß die Gründe, welche Italien ver⸗ anlaßt hätten, eine beobachtende Haltung gegenüber dem Balkan⸗ feldzug einzunehmen, noch wachsen, austatt abzunehmen.(Damit ist wohl der dauernde Interessengegensatz Italiens zu Serbien wegen der Ostküste der Adria und zu Griechenland wegen Epirus, Dodekanes und Kleinasiens gemeint. Ueberdies tritt unserer An⸗ sicht nach immer mehr die Tatsache hervor, daß Italien, wie im alten Dreibund, auch den neuen Verbündeten gegenüber eine Sonderstellung einnehmen will.) Popolo d'Italia wendet sich gegen die vom Giornale d'Italia gegebene Begründung für das Fernbleiben Italiens vom Balkankrieg in einer Bemerkung, welche die Zensur bis auf die Einleitung gestrichen hat. Auch ein Pariser Telegramm des Popolo d'Italia über die französische Ansicht, wes⸗ halb Italien nicht interveniere, ist ein Opfer des Zensorstifts ge⸗ worden.(Frankf. Ztg.) Ein russisches Transportschiff versenkt. Von der russischen Grenze, 15. Okt. Wie in Odessa ver⸗ lautet, ist über den Verbleib des Transportschiffes „Sewastopol“ bisher keine Nachricht eingetroffen. Das Fahr⸗ zeug hatte Kriegsmaterial an Bord und sollte es nach Serbien transportieren.„Sewastopol“ hat vor drei Wochen den Odessaer Hafen verlassen, ohne daß es seinen Bestim⸗ mungsort erreicht hätte. In Odessaer Reederkreisen nimmt man an, daß der Transportdampfer von feindlichen Unter⸗ seebooten versenkt worden ist. Feindliche Unterseeboote(deut⸗ sche und türkische) patrouillieren an der bulgarischen Küste und bewachen die Hafenausfahrten von Odessa und Sewasto⸗ pol. In Odessa ist man davon völlig überzeugt, daß sich eine effektive Blokade der bulgarischen Küste durch die russische Flotte daher nicht wird ermöglichen lassen. Auch ein Bombardement der bulgarischen Küste sei mit den allergrößten Schwierigkeiten verknüpft. Es sef mehr denn fraglich, ob sich die russische Schwarzemeerflotte wird hierzu entschließen können. Die Bulgaren hätten vor den Häfen ausgiebige Minenfelder von erheblichem Umfange angelegt, deren Lage noch nicht aufzuspüren gewesen sei. Grey vor dem Unterhause über die Balkaufrage. London, 15. Okt.(W. T. B. Nichtamtlich.) Unterhaus. Sir Edward Grey gab eine Erklärung über die diplo— matische Seite der Balkanlage ab und sagte: Beim Ausbruch des Krieges wünschten wir, daß er sich nicht ausbreite. Wir haben zusammen mit unseren Alliierten der Türkei die Versicherung gegeben, daß, wenn sie neutral bliebe, das türkische Territorium nicht in Mitleidenschaft ge⸗ zogen würde. Als sich die Türkei dann am Kriege beteiligte, richteten die Alliierten ihre vereinigten Bemühungen darauf, eine Uebereinstimmung zwischen den Balkanstaaten zu erzielen. Unglücklicherweise war die Stimmung auf dem Balkan nicht für Einigkeit, sondern für schärfsten Zwiespalt. Es war klar, daß nur ein entschiedenes Uebergewicht und Vorteile auf dem Schlachtfeld es den Alliierten ermöglichen ——— —— ——— —.— 9 140 0 190 1 1 0 . 1 . ö . 1 14 11 0 ö 5 5 1 5 1 0 0 0 N 0 1 N i i e N würden, eine einheitliche Politik am Balkan durchzusetzen. Außer bezüglich Thraziens boten die Zentralmächte Bul⸗ garien für die Neutralität mehr, als die Alliierten billiger⸗ weise bieten konnten. Die Versprechungen, die Bulgarien veranlaßt haben, den Krieg zu erklären, sind von den Zentral⸗ mächten auf Kosten der Nachbarn Bulgariens gemacht wor⸗ den, ohne einen entsprechenden Vorteil für letztere. Wir standen die ganze Zeit in freundschaftlichen Be⸗ ziehungen zu Rumänien, das einen Balkanbund be⸗ günstigte. N 5 Grey pries sodann die Geschicklichkeit und Tapferkeit der Serben, mit der diese sich gegen die Feinde kehrten und sie aus dem Lande vertrieben, als einen der hervor⸗ stechendsten Züge des Krieges. Wieder sehe sich Serbien einer Krise gegenüber und begegne ihr mit demselben glänzenden Mute. Die Teilnahme Bulgariens am Kriege übe einen großen Einfluß auf die Lage aus. Es liege auf der Hand, daß die Interessen Griechenlands und Serbiens jetzt identisch seien. Auf die Dauer würden sie zusammen stehen und fallen.. Bei den Maßregeln, die wir ergriffen haben, fuhr Grey fort, gehen wir in engster Zusammenarbeit mit Frank— reich vor. Die Mitwirkung russischer Truppen ist versprochen worden, sobald sie verfügbar gemacht werden können. Die militärischen Maßnahmen, die ergriffen wurden, um den Erforder— nissen gerecht zu werden, bilden den Gegenstand andauernder Aufmerksamkeit der militärischen Stellen der Alliierten. Sie werden auf gesunden strategischen Grundlagen aufgebaut. Serbien kämpft um seine nationale Existenz. Es ist eben jetzt in ein erbittertes heftiges Ringen verwickelt. Aber auf welchem Kriegsschauplatze immer die Kämpfe stattfinden, der Streit ist ein und derselbe. Auch die Entscheidung wird für alle dieselbe sein. Ermordung deutscher Seeleute durch englische Seesoldaten. Newyork, 14. Okt.(W. B. Nichtamtlich.) aus New Orleans: Vier Amerikaner, Mitglieder der Mannschaft des Aang iske„Nicosian“, legten eine schriftliche eidliche Er⸗ klärung nieder, in der sie schildern, wie die Engländer 11 hilflose Mitglieder der Besatzung eines deutschen Tauchbootes kaltblütig er⸗ mordet haben. In der eidlichen Erklärung wird zunächst der Au⸗ uriff des Tauchbootes auf die„Nicosian“ beschrieben. Nachdem die Mannschaft die„Nicosian“ in Booten verlassen hatte, begann das Tauchboot die Zerstörung der„Nicosian“ durch Beschießung. In⸗ zwischen näherte sich ein vorher am Horizont gesichteter Dampfer, auf dessen Außenseite mittschiffs zwei Bretter mit aufgemalter amerikanischer Flagge angebracht waren. Die Insassen des Bootes waren erfreut durch den Gedanken, daß ein neutraler Dampfer in der Nähe sei, um sie aufzunehmen. Das die amerikanische Flagge führende Schiff, das sich später als das britische Kriegsschiff„Baxa⸗ long“ unter dem Kapitän Me Bride herausstellte, kam an die „Nicosian“ herau. Gleichzeitig verschwanden die vorerwähnten Bretter und an Stelle der amerikanischen wurde die britische Flagge gehißt.„Baralong“ feuerte sofort auf das Tauchboot; später schoß die„Baralong“ mit schwerem Geschütz. Mehrere Deutsche auf dem Tauchboot wurden getroffen. Das Tauchboot sank langsam. Die Mannschaft stand bis zur Hüfte im Wasser. Elf Mann, darunter der Kommandant, sprangen ins Wasser und schwammen auf die „Nicosian“ zu. Fünf erreichten den Bord der„Nicosian“, die an⸗ Die World meldet deren sechs hielten sich an herabgelassenen Tauen fest. Inzwischen erreichten unsere Boote die„Baralong“ und wir gingen an Bord. Der Kapitän Me Bride schien hocherfreut zu sein. Darauf befahl er seinen Leuten, sich an der Reeling aufzustellen und auf die sechs Deutschen unten im Wasser zu feuern. Sodann wies jemand darauf hin, daß fünf Deutsche auf der„Nicosian“ seien. Von eini⸗ gen Offizieren zur„Nicosian“ begleitet, suchten nun britische See⸗ soldaten die Deutschen an Bord der„Nicosian“ auf. Kapitän Me Bride befahl den Seesoldaten, mit allen aufzuräumen und keine Gefangenen zu machen. Die Schriftstücke schildern eingehend, wie die einzelnen Deutschen erschossen wurden. Der Schiffszimmer⸗ mann der„Baralong“ ließ einen Deutschen mit hochgestreckten Hän⸗ den auf sich zukommen und erschoß ihn dabei mit einem Revolver. Der Kommandant des Tauchbootes sprang von der„Nicosian“ und schwamm auf die„Baralong“ mit hocherhobenen Händen zu. Die Scesoldaten feuerten auf ihn von der„Nicosian“ aus. Ein Schuß traf ihn in den Mund; schließlich versank er. Sodann kehrten die Seesoldaten auf die„Baralong“ zurück; es herrschte große Freude unter ihnen. Diese Schriftstücke decken sich mit den seinerzeitigen Angaben des Amerikaners Dr. Banks. der damals Tierarzt auf E der„Nicosian“ war und besonders den Mißbrauch der amerltani⸗ schen Flagge betonte. 5 Engli che U-Boote in der Ostsee. (W. T. B Nichtamtlich.) Nach der Malmö, 15. Okt.. d Berlingfke Tidende ist wiederum eine Anzahl deutscher Der Kapitän Schiffe in der Ostsee versenkt worden. des deutschen Dampfers„Adler“ meldet, daß er am Mon⸗ tag abend nicht weniger als drei deutsche Dampfer infolge von Angriffen von Unterkeebooten explodieren gesehen habe. Eine Verwechselung mit den bereits gemeldeten Dampfern sei ausgeschlossen, da deren Torpedierung zur Mittagszeit beobachtet worden ist, während der„Adler“ über Unfälle nach der Dämmerung berichtet. 15 Die schwedischen Makler erhielten die telegraphische An⸗ ordnung, die deutschen Schiffe in den schwedischen Häfen zurückzuhalten. Deshalb liegen in Stockholm etwa zehn und in Lulea zwanzig deutsche Schiffe. Der Dampfer„Lulea“ abgeschleppt. T. U. Lübeck, 15. Okt. Der Erzdampfer„Lulea“ ist von seiner Strandungsstelle abgeschleppt worden und völlig unbeschädigt in den Travemünder Hafen eingelaufen. Es handelt sich um den Dampfer, der angeblich von einem englischen Unterseeboot torpe⸗ diert und versenkt sein sollte. Das englische Torpedo ist wahrschein⸗ lich an dem Dampfer vorbeigegangen. Die Teuerung in Frankreich. Die Pariser 20. Sektion der sazialistischen Partei hat sich in ihrer letzten Versammlung mit der Teuerung der Lebens- mittel und der Untätigkeit des Parlaments beschäftigt. In einer Erklärung an den sozialistischen Verband der Seine 855 klärte die Versammlung:„Der Fleischgenuß ist für die Arbeiterfamilie zu einem Luxus geworden; Butter, Gemüse, Kohle, Petroleum usw. sind im Preise derart gestiegen, daß sie für die Arbeiter kaum erreichbar sind: ebenso steht es mit Zucker, Milch und Eiern.“ Bei diesem Zustande der Ernährung werde die moralische Kraft beeinträchtigt, die zur Befreiung des Landes vom Feinde nötig sei, umsomehr als das Volk sehe, daß die Unternehmer enorme Reichtümer anhäufen und die Regierung sich auf ver⸗ altete Formeln beruft, wenn sie aufgefordert wurde, dem rapiden und ununterbrochenen Steigen der Lebensmittel- preise Einhalt zu gebieten. Die Sektion verlangt von der Partei, daß sie im ganzen Lande eine eifrige Agitation gegen diese Zustände ins Leben ruft. g Bemerkenswert ist dabei, daß Frankreich nicht, wie Deutschland, durch eine gewaltige feindliche Flotte von aller Zufuhr aus dem Auslande abgeschnitten ist, sondern aus aller Welt ungehindert Vorräte beziehen kann. Wie man sich in Rußland vom Militärdienst drückt. In Rußland dürfen keine Personen zum Heeresdienst einge- zogen werden, die von den Justizbehörden irgend einer Straftat wegen belangt werden. Erst wenn der in Frage Kommende seine Strafe verbüßt hat, bemächtigt sich seiner die Militärbehörde, um ihn an die Front zu senden. Unter Ausnutzung der diesbezüglichen Bestimmungen haben nun Tausende in Rußland irgend eine Straftat begangen, um voraussichtlich für die Dauer des Krieges vom Heeresdienst frei zu sein. Die angestellten Untersuchungen er⸗ gaben dem Justizminister die Gewißheit, daß weite Volkskreise in Rußland die einschlägigen Bestimmungen zu diesem Zwecke miß⸗ brauchten, um sich vom Heeresdienst zu drücken. Bulgariens siegreiches Vorgehen. T. U. Sofia, 16. Okt. Der bulgarische Angriff ist im siegreichen Fortschreiten begriffen. Nachdem die serbischen Vorposten zurückgedrängt und das Gebiet unmittelbar an der Grenze überall vom Feinde gesäubert worden ist, hat jetzt die bulgarische Infanterie, unterstützt von schwerer Artillerie, mit dem Angriff auf die starke serbische Bergstellung des Sen Nicola begonnen. Die serbischen Stellungen bei Kadibogaz sind bereits von den Bulgaren besetzt; auch die Höhe 621 mußte von den Serben geräumt werden. Der An— griff auf den Eisenbahnknotenpunkt Knaschievatz steht zu er⸗ warten. Auch der Angriff gegen die sepbischen Stellungen im oberen Timoktal machte gute Fortschritte. Veliki Isvor mußte in brennendem 8 D n 2 Zustande von den Serben aufgegeben werden, die Serven zogen sich auf der Straße Ba und werden offenbar versuchen, ihre Stellungen Stadt östlich des Timokflusses und die Brückenköpfe Timok zu halten. g f Nach den hier vorliegenden Meldungen hat de garische Angriff an drei Stellen gleichzeitig eingesetzt nächste Ziel scheine Zaltschar, Nisch und Pirot zu sein Teil der serbischen Kolonne, durch deren Ueberfall au bulgarischen Grenzposten die bulgarische Offensive endg entfesselt wurde, konnte gefangen genommen werden, der R flüchtete auf Gebirgswegen nach Serbien zurück. Die fangenen befinden sich in einem mitleiderregenden Zustand Bewaffnete bulgarische Flußdampfer ind die Donau wärts gefahren und vernichteten mehrere serbische Trans dampfer, die mit rumänischer Munition befrachtet waren Eine Verbindung zwischen Serbien und Rumänien auf d Schiffahrtswege dürfte bereits jetzt schon nicht mehr mö lich sein. 5 5485 Der Enthusiasmus in Sofia ist beispiellos. Man glam daß in wenigen Wochen die Verbindung zwischen den den f und den bulgarischen Heeren hergestellt sein wird. Die Drohungen des Vierverbandes mit dem Eingreifen einez Erpeditionskorps aus Saloniki werden nur bespöttelt. Man glaubt im allgemeinen nicht einmal, daß der Vierverband das Abenteuer wagen wird, mit einem völlig isolierten Korps von 100 000 oder selbst 150 000 Mann das schlagfertige bul. garische Heer auf seinem eigenen Gebiete anzugreifen. Man erhofft es aber, da man nicht einen Augenblick an der Zet, schmetterung des Gegners zweifelt. n 3 Serbiens Hilferuf. 5 Französische Blätter veröffentlichen eine offizielle Nischer Meldung, in der Frankreich und England ermahnt werd keine Zeit zu verlieren und einzugreifen; diesmal könnte e einziger Fehler eine Katastrophe herbeiführen. Wenn Serbien lange den eigenen Kräften überlassen und niedergerungen werde, würde es eines zehnfachen Kräfteaufwandes bedürfen, die alten Fehler wieder gut zu machen. Rumänien und Griechenland. 1 Sofia, 16. Okt. Die Regierungen Griechenlands und 9 mäniens haben, wie verlautet, in Sofia mitteilen lassen, daß ihre neutrale Haltung beibehalten werden, solange Bulgarien, darauf beschränkt, seine berechtigten Interessen Serbien gegenü zu wahren. Eine Denkschrift der bulgarischen Regierung, in die Willkürakte der Serben dargelegt und nachgewiesen wird die Serben der provozierende Teil sind, ist nach Athem und B abgegangen. Menschenopfer unerhört! In Fortsetzung der Berichte aus der Champagne schreibl Max Osborn aus dem Py⸗Grunde: In jeder Sekunde werk Frauen zu Witwen, Kinder zu Waisen, Eltern zu ungl lichen Menschen gemacht. Wie am Tage bleibt es in der Na Die französischen Generäle rührt das nicht. Heran Soldaten, heran in den Tod! Wozu? Für ein Nicht für ein eisernes Umsonst, denn die Unseren weichen nicht vom Platze, halten aus, tun ihre Pflicht, ihre über menschliche Pflicht und jagen die Anstürmenden zurück Als einmal zwei Minuten lang der Schießlärm schlief, sages ein Major zu Osborn: Einen solchen Augenblick, in dem gar kein Schuß zu hören war, gab es seit drei Wochen nichk. Kriegsnotizen. Die Kriegsziel⸗-Eingabe der Schwerverbände an den Reich kanzler ist bekanntlich durch eine Professoren⸗Einga unterstützt worden. In einer Polemik gegen Prof. De teilt nun Prof. Dr. R. Seeberg in der Tägl. Rundschau mit, die Eingabe der Professoren 1341 Unterschriften aufweist; darunter 352 Professoren von Universitäten und weiteren Hochschulen, 199 Schulmänner und Geistliche, 145 höhere Verwaltungsbeamte, B it. germeister und Stadtverordnete, 148 Richter und Anwälte, Reichs⸗ und Landtagsabgeordnete, 18 inaktive Admirale und G rale, 182 Männer aus Industrie, Handel und Bankwesen, 52 La wirte, 252 Künstler, Schriftsteller, Verlagsbuchhändler.— Eine von Prof. Delbrück veranlaßte Gegenschrift fand 141 Unterschriften, unter denen sich, wie Seeberg tadelnd hervorhebt, auch die Quidde und Schücking befinden. 5 1 4 Pulver und Gold. Roman aus dem Kriege 1870-1871. 19 Von Levin Schücking. „Ich glaube, es ist nichts Gefährliches,“ sagte der Abbé; „es ist ein Streifschuß, eine reine Fleischwunde, die bald heilen wird... der Blutverlust hat Sie wohl ein wenig er⸗ schöpft?“ „Der Blutverlust oder der Weg!“ entgegnete ich,„oder beides zusammen— ich fühle wenigstens, daß es mich sehr glücklich machen würde, wenn in den nächsten vierundzwanzig Stunden niemand von mir verlangte, daß ich ein Glied rühren solle!“ „Gewiß wird das nicht der Fall sein!“ versetzte der Abbe, seine Waschung fortsetzend; dann legte er Scharpie auf und begann meinen Arm zu verbinden. „Sie können den Arm frei bewegen?“ fragte er. Ich erhob den Arm; ein heftiger Schmerz zog durch die obern Muskeln, aber die Bewegung war nicht gehindert. Fräulein Blanche kam zurück und setzte sich in den Sessel, den sie zuerst eingenommen... der Abbs berichtete ihr, wie er die Wunde gefunden. „Ich werde Ihre Pflegerin sein,“ sagte sie mit einer eigentümlichen harten Bestimmtheit.„Ihr Diener hat mir alles erzählt, was sich ereignet hat, nachdem Sie Colomier verlassen. Ich bin es gewesen, die an diesem Unfall die Schuld trägt— und ich will Ihnen zeigen, wie schwer das auf mir liegt, wie sehr ich alles tun möchte, es wieder gut zu machen, und die Folgen desselben für Sie zu lindern...“ „Und wenn Sie nicht die Schuld trügen?“ fragte ich, langsam meine Gedanken sammelnd. „Was meinen Sie?“ „Würden Sie dann auch— vorausgesetzt, ich bedürfte einer weiblichen Pflege— mir diese mit derselben Güte bieten?“ Sie sah ihn an, ohne zu antworten. „Sie begreifen,“ fuhr ich lächelnd nach einer Pause fort, „daß das mich sehr glücklich machen würde; wenn Sie mir jetzt jedoch sagen, daß bloß das Bewußtsein, schuld an meinem Unfall zu sein, bloß das Bedürfnis, dies wieder gut zu machen, Sie zu so viel Selbstverleugnung führt, so antworte ich Ihnen: ich danke Ihnen; die ganze Sache ist nicht so ernst und ich werde sogleich aufstehen, um Ihnen zu zeigen, daß ich wirklich eines so aufopfernden Dienstes nicht bedarf, daß Ihre „Schuld“ in der Tat nicht sehr groß ist, daß Sie auf das, was mir zugestoßen, durchaus kein Gewicht zu legen brauchen!“ Sie fuhr fort, mich schweigend zu betrachten.„Ich ver— stehe Sie nicht,“ sagte sie dann, wie aus Gedanken auf— fahrend;„was Sie sagen, ist unfreundlich...“ „Ich will nur sagen, daß ich lieber einen Beweis Ihrer Güte sehen möchte, als einen Beweis Ihrer Gewissenhaftig— keit. Doch genug. Lassen Sie mich Ihnen sagen, daß ich nicht begreife, wie Sie sich die Schuld meines Unfalles zu— schreiben können!“ Sie senkte tief ihre Blicke in mein Auge und sagte dann: „Sie sind nicht aufrichtig jetzt! Ihr Herz strömt über von einem häßlichen, giftigen Verdacht— doch nein, einem Verdacht, der nur zu natürlich ist! Sie sind überzeugt, daß wir Sie haben in einen Hinterhalt locken wollen; aus den Angaben Ihres Dieners habe ich entnommen, wie die Beob— achtung, daß wir von vornherein Sie in Colomier über Nacht halten wollten, Sie aufgeschreckt und veranlaßt hat, im stillen auf und davon zu gehen! Beweist das nicht Ihr Mißtrauen hinlänglich?“ Friedrich hatte sich längst mit den gebrauchten Sachen entfernt und konnte nicht von mir zum Zeugen aufgerufen werden, daß Blanche sich irre; der Abbé hatte mit ihm das Zimmer verlassen, um mir, wie er sagte, zu essen bringen zu lassen; wir waren allein. 3 „Ich ging, weil es meine Pflicht war, nicht über Nacht von meinem Posten zu bleiben“, sagte ich.„Bloß und allein deshalb!“. „In der Tat?“ rief sie mit besonderer Lebhaftigkeit aus. „Ist das wahr?“ „Gewiß— können Sie daran zweifeln?“ „Ich zweifle immer daran, daß ein Mann sich aus blo Pflichtgefühl eine große Anstrengung zumutet, während er so viel Gründe oder Vorwände hat, sich die Notwendigkeit derselben wegzuleugnen.“ 3 „Sie haben keine große Achtung vor männlichem Pflicht gefühl,“ bemerkte ich. ö. 1 „Nein!“ sagte sie trocken. „Und doch war es bloß das, was mich gestern abend ver anlaßte, mich loszureißen aus einer Situation, die— glau- ben Sie es mir, einen sehr großen Zauber für mich hakte; was mich verzichten ließ auf das Vergnügen, heute an Ihrer Seite heimzufahren...“ 2 „So danke ich Ihnen“, sagte sie lebhaft und mir wie un⸗ willkürlich die Hand hinstreckend...„ich danke Ihnen und will Ihnen obendrein noch gestehen, daß es mich freut. Sie stockte mit einem leichten Erröten. g „Freut? Was?“ „Daß Sie fester gewesen sind als ich gestern, wo ich S sehr nachgiebig fand, glaubte!“ 5 „Aber wenn ich Sie nun auch noch von aller und jede Schuld an meinem Unfall freispreche, fällt auch für Sie die Pflicht fort, sich meiner Pflege anzunehmen und die barm⸗ herzige Schwester bei mir zu spielen.“ f machen.“ „Nein, gewiß nicht. Ich brauche Ihnen nicht zu sage wie glücklich es mich machen würde, wenn Sie bei mit über die Pflicht hinaus— blieben...“ 8 „Ah“, fiel sie, wie um meine Versicherungen über diesen Punkt rasch abzuschneiden, lächelnd ein,„wir Frauen be mögen allerdings noch mehr, als was Pflicht ist, zu tun; aber es ist sehr viel verlangt, daß ich Ihnen einen Beweis dabo geben soll.“ „Sie haben recht, der Fremde, der„Feind“, verdient ds nicht um Sie. Wie müßte der Mann sein, um den Sie; viel tun könnten, etwas Schweres, etwas Außergewöhnli weit über die gewöhnliche Christenpflicht Hinaus des 5(Fortsetzung fo „Sie scheinen darauf auszugehen, mir dies schwer 51 N . 1 . ˙¹ü A SSD und Nachbargebiete. Gießen und umgebung. — Hessen — Stadtverordnetenversammlung. Zur Sitzung am Freitag waren ein ganzes Bäckerdutzend Stadtverordnete 0905 schienen; viel hätte nicht gefehlt und die Sitzung wäre sogar mach den neuen, dem Kriegszustande Rechnung tragenden Be⸗ stimmungen beschlußunfähig gewesen. Es lagen nur wenige Gegenstände auf der Tagesordnung, so daß die öffentliche Sitzung nicht lange Zeit in Anspruch nahm. Diskussion gab s nur bei zwei Gegenständen. Anwesend: Oberbürgermeister Keller, Beig. Emmelius: Stadtv. Dr. Ebel, Eichenauer, Faber, Helfrich, Huhn, Löber' Orbig, Petri, Plank, Professor Sommer, Vetters, Dr. Wimmenauer, Winn. Der Oberbürgermeister macht Mitteilung von einer Stiftung des Stadtv. Prof. Sommer ür Errichtung zweier Stege über die Lahn oberhalb und interhalb der Wehre und spricht dem Spender dafür herz— lichsten Dank aus. In einer Rede, die Prof. Sommer im vorigen Jahre hielt, hat er auf die Notwendigkeit hingewiesen, die Lahn mehr in Verbindung mit der Stadt zu bringen md seine Stiftung soll die Erreichung dieses Zieles anbahnen. — Franz Schmidt beabsichtigt ein Verkaufshäuschen auf dem Brundstück Seltersweg 83 zu errichten; die Genehmigung bvpird versagt, weil das Aussehen der Straße leiden würde.— inem Gesuch des Bäckermeisters K. Sommer, eine Kaffee⸗ bvirtschaft Bismarckstraße 26 zu eröffnen, wird ebenfalls nicht dattgegeben, weil das dazu bestimmte Lokal zu klein ist.— . Kampen ersucht um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb für Janzleiberg 5. Das Gesuch wird befürwortet.— Für die erstellung des Hauses Wolkengasse 11 werden noch 350 Mk. sachbewilligt.— Für die Versicherung der Hans Bock-Ge⸗ näldesammlung gegen Feuer und Diebstahl werden 948 Mk. ür die Jahre 1915—1920 bewilligt.— Dem Ausschuß für nilitärische Ausbildung der Jugend beantragt der Finanz⸗ zusschuß einen Zuschuß von 500 Mk. zu bewilligen zur An⸗ schaffung von Uebungskleidung. Vetters wendet sich egen Bewilligung dieser Summe. Diese Dinge arteten in Sport und Spielerei aus, mit Recht hätten sich auch beachtens— verte Stimmen aus militärischen Kreisen abfällig darüber geäußert. Jetzt wolle man Uniformen anschaffen, nicht lange verde es dauern, werden Pickelhauben für die Jungen ver⸗ angt werden, schließlich Flinten, Bagagewagen usw. Er ürchte, daß diese Dinge nachteilig auf die Erziehung der Jugend einwirken werde. Jetzt, wo die Stadt riesige Aus⸗ zjaben habe, solle man das Geld nicht so unnütz ausgeben.— Zlank hält die Ausgabe auch nicht für nötig. Bisher sei s ohne Uniform gegangen, es werde auch noch weiter ohne olche gehen.— Petri ist für Bewilligung. Dr. Ebel tritt ür Bewilligung ein, weil soziale Momente dafür sprächen. Dem ärmeren Jungen müsse die Möglichkeit gegeben werden, m gleichen Kleide als die anderen zu erscheinen. In der Schweiz sei die Uniformierung viel eiter durchgeführt. Winn hält die Zeit für Bewilligung des Zuschusses nicht ür geeignet. Der Oberbürgermeister erklärt, daß s sich nicht um Uniformierung handele.— Der Zuschuß wird gegen 3 Stimmen bewilligt. Den 1 Uhr⸗Ladenschluß am Sonntag in Gießen inzuführen, wird von mehreren Organisationen beantragt. Andere hessische Städte haben früheren Ladenschluß als Hießen. Die Handelskammer hat sich gegen den 1 Uhr⸗Schluß ausgesprochen; mehrereVersammlungen vonGeschäftsinhabern rklärten sich für den Schluß um 2 Uhr. Die Ausschüsse haben n der Mehrheit für die Beibehaltung des 3 Uhr-Schlusses gestimmt.— Dr. Ebel tritt für den Schluß um 2 Uhr ein, benso Huhn, Plank und Vetters. Löber und Zetri sind für den bisherigen Schluß. Gegen drei Stim⸗ nen wird beschlossen, den 2 Uhr⸗Schluß einzuführen.— Be⸗ glich der Weiterversicherung der als Hilfskräfte ingestellten städtischen Arbeiter bei der Ortskranken⸗ zaasse wird nach Vorschlag des Ausschusses beschlossen, die— enigen weiter zu versichern, welche seit einem Jahre im Dienste der Stadt stehen und wenn sie außerhalb wohnen, seit Rriegsbeginn. 0 Am Schluß der Tagesordnung regt Vetters an, doch er Schaffung einer gut wirkenden Schutzvorrichtung an den Straßenbahnwagen Interesse zuzuwenden und ittet den Oberbürgermeister unter Hinweis auf die beiden ädlichen Unfälle in einer Woche, diese Frage mit dem Direk⸗ or des Elektrizitätswerkes zu erörtern. Der Oberbürger⸗ eister meint, dieses Problem beschäftige technische Kreise hon lange, es lasse sich aber schwer etwas brauchbares finden. s müßten aber auch die Eltern gemahnt werden, die Kinder or den Gefahren der Straße zu warnen und besser zu beauf⸗ chtigen. Prof. Sommer will später mal eingehender ber die Frage sprechen. 5 Dr. Ebel macht Mitteilung darüber, welche An— rengungen der Lebensmittel⸗Ausschuß gemacht hat, um Milch und Butter für die Einwohnerschaft der Stadt herein⸗ zubekommen. Darauf schließt die öffentliche Sitzung. — Witwen und Waisen von Kriegsteilnehmern haben Anspruch auf Hinterbliebenen⸗Fürsorge nach der Reichs⸗Ver⸗ sscherungs⸗Ordnung, sofern der Verstorbene zurzeit seines Fodes die Wartezeit für die Invalidenrente(200 resp. 500 Beitragswochen) erfüllt und die Anwartschaft aufrecht er⸗ alten hat. Der Anspruch verfällt, wenn er nicht innerhalb ines Jahres nach dem Tode des Versicherten angebracht ist; r ist bei den Versicherungsämtern geltend zu machen, in „ deren Bezirk der Verstorbene zuletzt gewohnt hat ode bee 1 schäftigt war. Nicht allgemein bekannt ist es, daß nach l 1265 der Reichs⸗Versicherungs⸗Ordnung die gesetzlichen beistungen auch dann gewährt werden, wenn der Versicherte Lerschollen ist. Er gilt im Sinne des genannten Gesetzes als berschollen, wenn während eines Jahres keine glaubhaften Nachrichten von ihm eingegangen sind, und die Umstände inen Tod wahrscheinlich machen. Es leuchtet ohne bene ein, daß dieser Fall in der gegenwärtigen Kriegszeit sehr ufig vorkommen wird, und daß diese gesetzlichen Ber Fimmungen von großer Wichtigkeit für die Angehörigen der gegen Invalidität versicherten Krieger sind. Die Bezirks⸗ ausschüsse zur Ermittlung Vermißter sind bereit, im Interesse der Angehörigen Bescheinigungen auszustellen, daß die von ihnen angestellten sorgfältigen Ermittlungen ohne Erfolg ge— blieben sind, und die Angehörigen, welche die Hilfe der Be— zirksausschüsse in Anspruch genommen haben, können sich dieser Bescheinigungen zum Nachweis für die Verschollenheit der Kriegsteilnehmer bei Stellung ihrer Anträge an die Ver— sicherungsämter bedienen. Da nach 8 1253 der Reichs-Ver⸗ sicherungs⸗Ordnung länger als auf ein Jahr rückwärts vom Eingang des Antrages gerechnet, keine Rente gezahlt wird, so empfiehlt es sich, nicht ein volles Jahr nach Empfang der letzten Nachricht von dem Kriegsteilnehmer zu warten, son— dern die Ansprüche bei dem Versicherungsamt möglichst schon nach Ablauf von 9—10 Monaten seit Eingang der letzten Nachricht geltend zu machen. — Aufgefundene Leiche. Am Samstag früh wurde im Anneröder Walde eine nur mit Hemd und Unterhose beklei⸗ dete männliche Leiche aufgefunden. Wie wir hören, soll es sich um einen entwichenen Pflegling der Irrenanstalt han⸗ deln, der vermutlich Selbstmord verübt hat. Näheres muß die Untersuchung ergeben.— Ferner wurde im Damen— Toiletteraum des Bahnhofes die Leiche eines mehrere Tage alten Kindes gefunden. Wie die kleine Leiche dorthin ge— kommen ist, konnte noch nicht ermittelt werden. — Kein Brot. In Kleinlinden war dieser Tage empfindlicher Brotmangel eingetreten, weil von den noch vorhandenen zwei Bäckern der eine einberufen wurde und deshalb seinen Betrieb schloß. Mit der dadurch eingetretenen Kalamität hatte sich der Gemeinderat zu beschäftigen und dieser beschloß, vom Gießener Konsum verein Brot zu beziehen, was nach Verständigung mit dem Konsumverein ermöglicht wurde. f — Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Unteroffizier Sans Höpfner aus Gießen, Res.-Inf. Regt. Nr. 81.— Gefreiter Willi Horn aus Gießen, Inf.-Regt. 116. Wehrmann August Wagner aus Gießen.— Musketier Otto Wacker aus Wieseck, Inf.-Regt. 254.— Musketier Ernst Heilmann aus Gießen, Inf.⸗Regt. 88.— Wehr⸗ mann Edmund Helbing aus Heuchelheim, Inf-Regt. 14. — Musketier Ludwig Häuser aus Watzenborn-Steinberg, Inf.⸗Regt. 118.— Reservist Karl Bellof aus Rödgen, Inf.⸗Regt. 118.— Wehrmann Ludwig Jung aus Staufen⸗ berg, Inf.⸗Regt. 253.— Reservist Ludwig Schäfer aus Reiskirchen, Inf.⸗Regt. 87.— Musketier Karl Luckhardt aus Salzböden, Inf.⸗Regt. 17.— Wehrmann Wilh. Allen⸗ dörfer aus Lützellinden.— Musketier Heinrich Schaub aus Wetzlar, Inf-Regt. 88.— Wehrmann Friedrich Becker aus Wetzlar, Landw.⸗Inf.⸗Regt. 116.— Landsturmmann Ludwig Weimer aus Naunheim, Inf.-Regt. 40— Grena⸗ dier Fritz Kottmann aus Wetzlar, 2. Garde-Regt. z. F.— Reservist Reinhard Zimmer aus Wetzlar, Wehrmann Heinrich Hagner aus Oberbiel, Landw.⸗Inf.⸗Regt. 116.— Musketier Anton Dörr aus Niederlemp, Inf.⸗Regt. 223.— Musketier Wilhelm Kunz aus Werdorf, Inf.-Regt. 21. — Zuckerprofite. Nichts vermag die Zuckerpolitik der Re⸗ gierung besser zu beleuchten als folgende Talsache: Die Aktiengesell⸗ schaft Zuckerfabrik Schroda steigert ihre Dividende von 24 auf 40 Prozent. Der Reingewinn der Gesellschaft stieg von 306 800 auf 509 000 Mk.— Bekanntlich gibt es für Zucker nicht Höchst⸗, sondern Mindestpreise. Noch vor kurzem hat die Regierung den Preis für Rohzucker für 1915/16 wieder erhöht. Die Gewinne, die von den Zuckerfabriken im Jahre 1914/15 gemacht wurden, waren der Regierung offenbar noch zu niedrig. Jetzt können die Aktionäre dank der Fürsorge der Regierung für das nächste Jahr noch eine höhere Dividende erwarten! Die Verwaltung der Zuckerfabrik ist natürlich über das Er⸗ gebnis höchst erfreut; sie schreibt sogar in ihrem Bericht: „Den Dank, den wir unserem Vaterlande für den Schutz, den es uns gewährt, schulden, wollen wir zum Ausdrucke bringen und werden der Generalversammlung einen dementsprechenden Antrag einreichen.“ Auf diesen„Dank“ kann man wirklich neugierig sein. Es ist e daß die Gesellschaft vorläufig noch so schamhaft darüber schweigt. N — Ein Wirts⸗Zubiläum. Heute begeht Herr Gastwirt Max Jaskowsky sein 25jähriges Geschäftsjubiläum. Am 18. Oktober 1890 übernahm er die Wirtschaft„Zu den 12 Aposteln“ und später das„Hotel Einhorn“. Als tüchtiger und strebsamer Gastwirt hat er sich in den Kreisen seiner Gäste stets Anerkennung und Wert⸗ schätzung zu verschaffen gewußt. Lebhafte Tätigkeit hat er im Gießener Gastwirteverein entwickelt, dessen Vorstand er seit mehr als 20 Jahren angehört, seit 1906 als Vorsitzender. Unsern Glück⸗ wunsch zum heutigen Tage! — Unser Stadttheater eröffnete Freitag abend die Spielzeit mit dem Drama Uhlands„Herzog Ernst von Schwaben“. Das Haus wies eine verhältnismäßig gute Besetzung auf, verhältnismäßig in Rücksicht auf das Stück, das keineswegs geeignet ist, große Zugkraft auszuüben. Es spielt in„grauer Vorzeit“— im 11. Jahrhundert— und hat fürstliche Erbschaftsstreitigkeiten und daraus entstehende Fehden zum Gegenstande. Im Vordergrunde steht Herzog Ernst, der sich, weil er sich benachteiligt glaubt, gegen seinen Stiefvater, den Kaiser Konrad II. empört und deshalb von diesem in Reichsacht erklärt wird. Als Geächteter nimmt er aufs Neue, unterstützt von seinem Freunde Werner von Kiburg, den Kampf für sein Recht auf, unterliegt aber mit diesen in einer entscheidenden Schlacht. Uhland hat seinen Helden in prächtigen Versen verherrlicht, doch die Hörer werden nicht gepackt, das Drama erzielt keine Bühsenwirkung. Direktor Steingoetter leitete die Aufführung und hat sich mit der Einstudierung zweifellos große Mühe gegeben, auch die Mitwirken⸗ den boten gute Leistungen. Hervorzuheben ist Ferd. Steinhofer in der Titelrolle, ferner Walter Dworkowski, der den Kaiser mit Würde und Hoheit auszustatten wußte. Als neue Mitglieder des Stadttheaters wirkten mit: Ernst Theiling als Werner, Arthur Eugens als Bischof Warmann; beide führten sich sehr gut ein. Die treue Hingabe an den geächteten Freund brachte Herr Theiling wirkungsvoll zum Ausdruck. Anna Rubens, ebenfalls eine neue Kraft, gab die Kaiserin Gisela, die die Aechtung ihres Sohnes nicht abwenden kaun und dessen Untergang mit ansehen muß. Die Darstellerin wurde ihrer Aufgabe vollkommen gerecht. Am gestrigen Sonntage wurde ein neuer Schwank„Herr⸗ schaftlicher Diener gesucht“ gegeben, der von dem zum großen Teil aus Feldgrauen bestehenden Publikum mit heiterem Beifall aufgenommen wurde. Auch auf der Bühne spielte das Feldgraue mit; in die Familie des im Felde befindlichen Oberst⸗ leutnant Falkenthal schleicht sich Fritz Stauffen als Diener ein, der auf die Schwester der Frau Oberstleutnant, Ilse, ein Auge ge⸗ worfen hat. Der Pseudodiener wird auch einberufen und zufällig Bursche bei v. Falkenthal, mit dem er auf Urlaub kommt. Bei dem Wiedererscheinen des früheren Dieners in dem Hause, in dem er als solcher sehr schlecht debütierte, gibts allerhand heitere Szenen, schließlich erobert er aber die Ilse, die dabet möglichst wenig Schwierigkeiten macht. Ferdinand Steinhofer fand sich mit 1 der Rolle des Stauffen, die ja eigentlich nicht in sein Fach ein⸗ schlägt, recht gut ab. Seine Partnerin, Else Burghoff, spielte trefflich die frische, übermütige Ilse; R. Goll als alter Baron, Anton Eugens als„richtiger“, aber stotternder Diener, Else Jüngling als berlinerisches Dienstmädchen exxegten lebhafte Heiterkeit, was ja der alleinige Zweck des neuen Produkts zweier Lustspielfabrikanten sein soll. Gegen die Lohndrückerei bei Militärarbeiten hat das Bellei⸗ dungsamt des 6. Armeekorps in Breslau energische Vorkehrun⸗ gen getroffen. Es verpflichtet alle Unternehmer in einem scharfen Vertrag, den es der Volkswacht zur Veröffentlichung übergab, den Heimarbeitern in jedem Falle 75 Prozent, den Werkstattarbeitern 65 Prozent der vom Bekleidungsamt gezahlten Preise zu gewähren und das Garn zum eigenen Einkaufspreise abzugeben. Die Unter⸗ nehmer und Geschäftsinhaber dürfen keinen Angestellten des Be⸗ kleidungsamtes(nebst Angehörigen) Geschenke oder Vorteile zu⸗ wenden oder sie„freihalten“. Was aber besonders wichtig ist, das ist die Bestimmung, daß auch durch Weitergabe der Arbeiten an Zwischenmeister, Unterarbeitgeber usw. der Prozentsatz des Lohnes nicht sinken darf. Die Nichtbeachtung der Vertragsbedingungen hat die sofortige Entziehung der Arbeit zur Folge und da mam den Be⸗ dingungen eine gewisse rückwirkende Kraft gegeben hat, konnten viele Heimarbeiter ihren Lohndrückern noch nachträglich mit Hilfe des Gewerbegerichts einen Teil des durch unsittliche Manipulationen eingeheimsten Profits wieder abnehmen. Gerade in der jetzigen schweren Zeit haben die Bestimmungen große Zustimmung in den Arbeiterschichten gefunden. l Von Nah und Fern. Ein verurteilter Steuerdrückeberger. Die Mannheimer Strafkammer sprach in dem Prozeß wegen Steuerhinterziehung gegen die Firma J. Siegle& Co, Schuhfabrik in Kornwestheim bei Stuttgart, in dem vor acht Tagen die Hauptverhandlung stattfand, jetzt das Urteil. Der Teilhaber der Firma, Max Levi, wurde wegen Vergehens gegen die Steuergesetzgebung in 1m Fällen zu einer Gesamtgeldstrafe von 99 860.20 Mk. und zur Zahlung des Wertersatzes in Höhe von 58 203.60 Mk., im Nichtvermögensfalle zu 2 Jahren Gefängnis verurteilt. Hochwasser im Osten. In den Flußgebieten der Oder und Elbe herrscht in den letzten Tagen Hochwasser. Oberhalb Breslaus hat sich ein großer See ge⸗ bildet.— Im Eulengebirge ist der Verkehr überall unterbunden. Häuser und Fabriken sind eingestürzt. Dammbrüche konnten nur mit größter Mühe verhindert werden. Der Schaden an Feld⸗ früchten ist bedeutend. Die Neiße gleicht einem See.— Die Elbe hat ihre Ufer im nördlichen Sachsen und der Magdebur Gegend auf weite Strecken hin überflutet.— Eine Merkwürdigkeit: dort Hochwasser, während es in unserer Gegend seit Wochen nur wenig geregnet hat. ö 0 Telegramme. 8 Tagesberichtedeß Großen Sauptzuartiers. Deutsche Erfolge in der Champagne und den Vogesen. Alle russischen Anstürme vergeblich. Fortschreitender Durchbruch durch Serbien. W. B. Großes Hauptquartier, 16. Okt., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz, Ein feindlicher Angriff gegen die Stellungen nordöstlich von Vermelles wurde abgeschlagen. f In der Champagne blieben bei der Säuberung des Franzoseunestes östlich Auberive nach erfolglosem feind⸗ lichen Gegenangriff im ganzen 11 Offiziere, 600 Mann, 3 Maschinengewehre und 1 Minenwerfer in den Händen der Sachsen. Kleinere Teilangriffe gegen unsere Stellung nord⸗ westlich von Souain und nördlich von Le Mesnil, wo⸗ bei der Feind ausgiebig Gebrauch von Gasgranaten machte, scheiterten. f Ein Versuch der Franzosen, die ihm am 8. Oktober ent⸗ rissenen Stellungen südlich von Laintrey zurückzunehmen, deren Wiedereroberung sie am 10. Oktober 4 Uhr nachmittags schon amtlich meldeten, mißglückte gänzlich. Mit erheblichen Verlusten, darunter 3 Offiziere, 40 Mann an Gefaugenen, wurden sie abgewiesen. Ein Angriff zur Verbesserung unserer Stellungen auf dem Hartmannsweiler Kopf hatte vollen Erfolg. Neben großen blutigen Verlusten büßte der Feind 5 Offiziere, 226 Mann als Gefangene ein und verlor 1 Revolverkanone, 6 Maschinengewehre und 3 Minenwerfer. Feindliche Augriffe am Schratzmännle wurden vereitelt. Oestlicher Kriegsschauplatz. ö Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg.. Ein russischer Vorstoß westlich von Dünaburg scheiterte. Nordöstlich von Wesselowo wurden zwei An⸗ griffe durch unser Artilleriefeuer im Keime erstickt. Am Nachmittag und in der Nacht in dieser Gegend erneut unter⸗ nommene Angriffe wurden abgeschlagen. Wir nahmen hier⸗ bei 1 Offizier, 444 Mann gefangen und erbeuteten 1 Ma⸗ schinengewehr. Auch nordöstlich und nördlich von Smorgon griffen die Russen mehrfach an. Sie wurden überall zurückgeworfen. Heeresgruppen Prinz Leopold von Bayern und von Linsingen. Nichts Neues. Balkankriegsschauplatz. Die Armeen der Heeresgruppe Mackensen sind terem Fortschreiten. Südlich von Semendria Vranowo⸗Berg, östlich von Pozarevac, Smoljinac erstürmt. 9 Bulgarische Truppen erzwangen nach Kampf an vielen Stellen zwischen Negotin und Strumica den Ueber⸗ gang über die Grenzkämme. Die Ostforts von Zajecar sind genommen. Oberste Heeresleitung. in wei⸗ ist der der Ort * Der Uebergang über den unteren Timok erzwungen. Ein Geheimbefehl Joffres zur letzten Offensive. W. B. Großes Hauptquartier, 17. Okt., vorm.(Amtlich.)] Westlicher Kriegsschauplatz,. Feindliche Handgranatenangriffe in Gegend von Ver⸗ melles und Roclincourt waren erfolglos. Der Westhang des Hartmannsweilerkopfes ist planmäßig und ohne vom Feinde gestört zu werden, heute nacht von uns wieder geräumt worden, nachdem die feind— lichen Gräben gründlich zerstört sind. Bei St. Souplet, nordwestlich von Souain, brachte Leutnant Bölke im Luftkampf ein französisches Kampfflugz 45 g— damit in kurzer Zeit sein fünftes feindliches Flugzeug— zum Absturz. 1 Welche Erwartungen unsere Feinde im Westen auf ihre aufgewandt hatten, ergibt sich, abgesehen von dem schon ver⸗ öffentlichten Befehl des Generals Joffre vom 14. September, aus folgendem weiteren Befehl, der am 13. Oktober bei Gr. H. qu. der Ostarmeen. Generalstab 3. Bureau Nr. 12975. 5 Gr. H. qu., den 21. Sept. 1915. 1 . Geheim! N Weisung für die nördliche und mittlere 3 Heeresgruppe. Allen Regimentern ist vor dem Angriff die ungeheure Kraft des Stoßes, den die französischen und eng⸗ lischen Armeen führen werden, etwa in folgender Weise klar zu machen: 8 Für die Operationen sind bestimmt: 35 Divisionen unter General de Castelnan, 18 Divisionen unter General Foch, . 13 englische Divisionen und 0 15 Kavallerie-⸗Divisionen(darunter füuf englische). Außerdem stehen zum Eingreifen bereit: 12 Infanterie⸗Divisionen und die belgische Armee. an der allgemeinen Schlacht teil. Sie werden unterstützt durch 2000 schwere und 3000 Feldgeschütze, deren Munitionsrüstung bei weitem jene vom Be— ginn des Krieges übersteigt. Alle Vorbedingungen für einen sicheren Erfolg sind ge— geben, vor allem, wenn man sich erinnert, daß bei unseren letzten Angriffen in Gegend Arras nur 15 Divisionen und 300 schwere Geschütze beteiligt waren. 0 . gez. J. Joffre. g Oestlicher Kriegsschauplatz 5 Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls 5 v. Hindenburg. HOestlich von Mitau warfen unsere Truppen den Gegner aus seinen Stellungen. Nördlich und nordöstlich Gr. Eckau wurden die Russen bis über die Misse zurückgedrängt. Sie ließen fünf Offiziere und über 1000 Mann als Gefangene in unserer Hand. Vor Dünaburg wurden starke russische Angriffe schlagen. Die Russen verloren dabei 4 Offiziere, 440 Mann an Gefangenen. 5 Ebenso wurden südlich von Smorgon russische zum Teil in Nahkämpfen, überall abgewiesen. Heeresgruppe des Geueralfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Nichts Neues. Heeresgruppe des Generals v. Linsingen. f Die Russen sind auch bei Mulczyce über den Styr ge— worfen. Angriffsversuche derselben am Kormyn scheiterten. Balkankriegsschauplatz. Beiderseits der Bahn Belgrad--Palanka wurden der Petropgro⸗Berg und der beherrschende Avala-Berg sowie der Vk. Kamen und die Höhen südlich von Rivotek(an der Donau) genommen; das Höheugelände südlich von Belgrad ist damit in unserer Hand. Die Armee des Generals von Gallwitz warf den Feind von der Podunaplje hinter die Ralja(süd⸗ westlich von Semendria) und von den Höhen bei Sa⸗ pina und Makai. Die Armee des Bojadjeff erzwang sich den Uebergang über den unteren Timok und erstürmte den 1198 Meter hohen Glogovica-Berg (östlich Knjazevac), wobei acht Geschütze erbeutet und 200 Ge— fangene gemacht wurden. Auch in Richtung Pirot drangen bulgarische Truppen weiter vor. Die Heeresgruppe Mackensens eroberte bisher 68 serbische Vorstöße, letzten Unternehmungen gesetzt und welche Kräfte sie dafür einem gefallenen französischen Stabsoffziier gefunden wurde:“ e aufragende Höhe Glogovica, Drei Viertel der französischen Streitkräfte nehmen somit“ abge⸗ bulgarischen Generals“ Geschütze. Oberste Heeresleitung. Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Erstürmung ferbischer Höhenstellungen. Erfolglose italienische Angriffe. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Wien, 17. Oktbr.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: 17. Oktober 1915. 8 Desterreichisch⸗ungarische und deutsche Bataillone haben gestern in umfassendem Angriff von Norden und Westen die serbischen Stellungen auf dem Avala⸗Berg ge st ür met. Die beider⸗ seits der Straße Belgrad⸗Groeka vordringenden k. und k. Truppen entrissen dem Feind die Höhen Velly—Kamien und Pasuljiste, südwestlich von Semendria. Südöstlich von Pozarevac wurde der Gegner durch die Deutschen neuerlich ge⸗ worfen. Die Bulgaren übersetzten abwärts von Zajecar den Timok und erstürmten die östlich von Knjazevac wobei sie 200 Mann gefangen nahmen und acht Geschütze erbeuteten. all vorwärts. Russischer Kriegsschauplatz. Am Kormyn⸗Bach wurden starke russische Angriffe abgeschlagen. Sonst im Nordosten nichts Neues. Italienischer Kriegsschauplatz. Nach kräftiger Artillersevorbereitung setzten die Italiener gestern früh gegen den Nordwestabschnitt des Plateaus von Doberdo mehrere Infanterieangriffe an, die an unseren Hindernissen zu⸗ sammenbrachen. Der Feind erlitt große Verluste und ging in seine früheren Stellungen zurück. Ein in den Nach⸗ mittagsstunden erneuerter Angriff wurde schon durch unser Ge⸗ schützseuer zum Stehen gebracht. Am Abend und während der Nacht versuchte die feindliche Infanterie noch weitere Vorstöße, die wie alle früheren scheiterten. Die angreifenden Truppen werden auf drei bis vier Insanterie-Regimenter geschätzt. Weiter nördlich im Görzer⸗ und Tolmeiner Brückenkopf standen unsere Stellungen tagsüber unter feindlichem Artilleriefeuer. Der Gegner verschoß gegen Teile des Tolmeiner Brückenkopfes Gasbomben. In Kärnten und Tirol stellenweise Geschützseuer. Keine Ereignisse. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnant. 1 0 Das Vordringen im Morava⸗Tal. Paris, 17. Okt.(W. T. B. Nichtamtlich.) Der Sonderbericht⸗ erstatter des Temps drahtet aus Nisch, daß die Oesterreicher und die Deutschen im Morava-Tale mit außerordentlich starken Streit⸗ kräften angreifen, augenscheinlich, um ihre Vereinigung mit Bul⸗ garlen im Timok-Tale zu vollziehen. An dieser Stelle seien die Serben stark gefährdet. Es sei zu befürchten, daß die serbische Armee, die bei Pozarevac kämpft, in zwei Teile geteilt, und daß der rechte serbische Flügel an die griechische Grenze zurückgeworfen werde. Man verlange in Serbien stürmisch Hilfe, da die Ueber— zeugung herrsche, daß bei einem rechtzeitigen Eintreffen von Ver⸗ stärkungen die österreichisch-deutsche Armee vernichtet werden könne. Die Eisenbahn Salonik⸗Nisch außer Funktion. Wien, 17. Okt. Die bulgarische Meldung von der Ein⸗ nahme der Pässe von Njegotin an der Strumitza wird von allen Beurteilern als Hindernis jeder Ententeaktion gegen Mazedonien bezeichnet. Die Eisenbahn Salonik-Nisch ist schon damit außer Funktion. Eine große Schlacht. Lyoner Blüttern wird gemeldet, daß eine große Schlacht in der Umgegend von Valandowo im Gange ist, das von 40 000 Bulgaren mit zahlreicher Artillerie angegriffen werde. In Mazedonien steht ein Zusammenstoß zwischen den den Serben zu Hilfe geeilten Verbündeten und den Bulgaren bevor. Ein Zusammenstoß in Salonik. Zwischen griechischen und französischen Kolonialsoldaten in Salonik ist es nach Berichten bulgarischer Blätter, zu einem blutigen Zusammenstoß gekommen. Da Klagen erhoben worden waren, daß englische und französische Soldaten in die Hänser der Vorstädte eindringen und dort allerlei Gewaltakte verüben, wurden griechische Wachen entsandt, die vorgestern nacht in einem Hause acht französische Soldaten antrafen, die dort gewalttätig auftraten. Die französischen Soldaten widersetzten sich der Wache. Die Wache tötete hierauf vier Franzosen, während die übrigen schwer verletzt wurden. Verwirrung in Serbien. Nach sicheren Nachrichten aus Ni sich nimmt die Ver⸗ wirrung der leitenden serbischen Kreise über⸗ hand. Der Hof und sein Gefolge haben sich in Vranska Banja, einem kleinen, zwischen Nisch und Vranja gelegenen Badeorte, provisorisch installiert. Das fremde diploma⸗ tische Korps tat gestern das Gleiche, doch werden jetzt schon Vorbereitungen zur definitiven Uebersiedelung nach Pirstina getroffen. Stimmen, die zu einem raschen Frieden Ihr Angriff schreitet über⸗„ mit den Zentralmächten raten, sind in Zunahme, sie werden sich zweifellos vermehren, wenn die sehusüchtig erwartete Hilfe der Ententemächte ausbleibt, und es dem bulgarische⸗ Vorstoß gelingt, die Eisenbahnlinie Kumanowo—Vrauja in 1 0 der serbischen Haupt⸗ stadt nach Pristina liegt der Gedanke zu Grunde, im Falle g 5 gesicherte Flucht Besitz zu nehmen. Der Verlegung der Niederringung Serbiens eine cher 5 linie zu haben. König Peter mag beabsichtigen, dann bei dem König von Montenegro ein schon einmal benutztes Asyl zu gewinnen oder über Monastir griechischen Boden zu er⸗ reichen. f N 5 5 N Verantwortlicher Nedakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen. 1 Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M. Wochenmarktpreise in Gießen am 16. Oktober 1915 4 0 Hammelfleisch p. Pfd. 96— 110 Pfg. Butter per Pfd. 1.90— 2.00 Mk. 1 Milch 55 Liter 26 Pfg. Kartoffeln p. Malter 7-7 50 Mt. Hühnereier Stück 18—20 Pfg.] Kartoffeln Pfd. 4% Pfg. Gäuseeier Stück— Pfg. Zwiebeln per Pfund 15—18 Pfg. Käse Stück 8—9 Pfg.] Blumenkohl per Stck. 20—40 Pfg. Käsematte 2 Stück 5—6 Pfg.] Weißkraut v. Haupt 10— 20 Pfg. Tauben per Paar 1.30— 1.50 Mk.] Rotkraut p. Haupt. 10—255 Pfg. Hühner per Stück 1.80—2.30 Mk. Wirsing p. Haupt 1015 ig. Hähne per Stück 1.50— 2.50 Mk. Kohlrabi ver Stück 6—8 Pfg. Gänse 5 Pfd. 1— 1.15 Sellerie per Kopf 812 Pfg. Ochsenfleisch per Pfd. 1.20—1.24Mk. Birnen Pfund 7—12 fg. Kalbfleisch per 0 Pfg. h 1 e 915 Kuh⸗ u. Rindfl. per Pfd. 110.416 Pfg.] Falläpfe Pfund 4 Pfg. 0„cd Nüsse 100 Stück 40 45 Pfg. Schweinefleisch Pfd. 180—490 Pfg. Neu! — Konkurrenzlos? Nen! Versand⸗Karton 5(. R.⸗Patent 130568) 5 für Gelee, Honig, Butter, Schmalz, Fleischwaren ꝛc. pralischer, vorteilhafter und billiger 110 lech oder Glas⸗Hackung.= F Oberhessische Volkszeitung Gießen Bahnhofstraße 23. 5 Briefbogen, 5 Kuverts, 5 Feldpostkarten Stück 10 Pfg. Inhalt: Rn Sehr lohnender Artikel für Wiederverkäufer! empfiehlt 5 Oberhessische Volkszeitung Giessen, Bahnhofstraße 23. Fleißiges, kräftiges aahealer Lisssel. Dienst mädchen Dir.: Hermann Steingoetter. gegen guten Lohn zum 1. Novbbr. gesucht. Liebigstraße 8. 2 e stin een 8 Okt. 1915, — abends 8 Uhr: 9 5 Hautkra ke 1. Dienstags⸗Abonn.⸗Vorstellung Flechten, Ausschlag, Jucken, Krätze, offene und geschwollene Beine, Hämorrhoiden, Magenbeschwerden teile ich schriftl. oder mündl. mit, wie sich jeder davon befreit. Fran John, Herford 115, Steinstr. l 2 R— Comtesse Guckerl Lustspiel in 3 Akten von Franz von Schönthan u. Franz Koppel Ellfeld, Ende 10% Uhr Gewöhnliche Preise ermäßigt, n Nuntlhnmg ber bel Auf Grund der Verordnung des Stellvertretenden Generalkom⸗ mandos des 18. Armeekorps vom 34. Juli 1915, betreffend Beschlag⸗ nahme, Meldepflicht und Ablieferung von fertigen, gebrauchten und ungebrauchten Gegenständen aus Kupfer, Messing und Reinnickel, fordere ich die Besitzer der seit 31. Juli ds. IJs., nachts 12 Uhr be⸗ schlagnahmten Gegenstände auf, diese unter Verwendung des vor⸗ geschriebenen Vordrucks in der Zeit vom 17. Oktober bis 16. Novem⸗ dem Stadthaus, Zimmer 7 zu melden. Nach dem 16. November 1915 wird die Enteignung der nicht freiwillig abgelieferten Gegen— stände erfolgen. Die vorgeschriebenen Meldevordrucke sind im Stadthaus, Zim⸗ mer 7, sowie in den Brotmarkenausgabestellen zu erhalten. Letztere sind täglich von 8—9 Uhr vormittags geöffnet. Die beschlagnahmten Gegenstände bleiben bis auf weiteres in den Händen der Besitzer. Freiwillige Ablieferungen können nicht mehr erfolgen, da die städtische Metallabnahmestelle geschlossen ist. Nachstehend gebe ich nochmals die einschlägigen Bestimmungen der Verordnung vom 31. Juli 1915 sowie die Strafbestimmungen bekannt: 82. Von der Verordnung beirofsene Gegenstände. Klasse A. Gegenstände aus Kupfer und Messing: stuben, wie beispielsweise Koch- und Einlegekessel, Marmeladen- und Speiseeiskessel, Töpfc, Fruchtkocher, Pfannen, Backformen, Kasserollen, Kühler, Schüsseln, Mörser usw.; 2. Waschlessel, Türen an Kachelöfen und Kochmaschinen bezw. Herden; g. Badewannen, Warmwasserschiffe, ⸗behälter, ⸗blasen, ⸗schlangen, Druckkessel, Warmwasserbereiter(Boilex) in Kochmaschinen und q Wasserbasten, eingebaute Kessel aller Art. ber 1915, unbeschadet bereits anderweitig erfolgter Meldungen, auf 1. Geschirre und Wirtschaftsgeräte jeder Art für Küchen und Back⸗] 5 sagnahmken Hegenstände aus Kupfet, Klasse B. Gegenstände aus Reinnickel: 1. Geschirre und Wirtschaftsgegenstände jeder Art für Küchen⸗ und Backstuben, wie beispielsweise Koch- und Einlegekessel, Marmeladen- und Speiseeiskessel, Fruchtkocher, Servierplatten, Pfannen, Back⸗ formen, Kasserollen, Kühler, Schüsseln usw.: Einsätze für Kochein richtungen, wie Kessel, Derkelschalen, Innen⸗ töpfe nebst Deckeln an Kipptöpfen, Kartoffel-, Fisch⸗ und Fleisch⸗ einsätze usw. nebst Reinnickelarmaturen. § 3. Von der Verordnung betroffene Personen und Betriebe. Von der Verordnung werden betroffen: 1. Handlungen, Laden- und Installationsgeschäfte, Fabriken und Privatpersonen, die obengenannte Gegenstände erzeugen oder verkaufen, oder die solche Gegenstände, die zum Verkauf bestimmt sind, im Besitz oder in Gewahrsam haben: Haushaltungen; Hauseigentümer; 8 Unternehmungen zur Verpflegung fremder Personen, insbeson⸗ dere Gast⸗ und Schankwirtschaften, Pensionate, Kaffeehaus⸗, Konditorei- und Küchenbetriebe, Kantinen, Speiseanstalten aller Art, auch solche auf Schiffen, Bahnen u. dergl.; 5. öffentliche leinschl. kirchliche und stiftjsche usw.) und private Heil-, Pflege⸗ und Kuranstalten, Kliniken, Hospitäler, Heime, Kasernen, Erziehungs- und Strafanstalten, Arbeitshäuser u. oͤgl. 8 5 Meldepflicht. Die von der Beschlagnahme Betroffenen haben unter Benutzung vorgeschriebenen Meldevordrucks eine Be st an dsmeldung beschlagnahmten durch§ 2 gekennzeichneten Gegenstände an die 1 —= des der mit der Durchführung der Verordnung beauftragten Behörden le fg und Reinnickel innerhalb der von den letzteren festzusetzenden Frist einzurei ö den letzte 0 en Frist einzureichen. Nicht zu melden sind diejenigen Gegenstände, die bereits nach der Mebanntmachunn ben Bestandsmeldung und Beschlagnahme für 3 7 M. 1. 4. 15 K. R. A. vom 1. Mai 1915 der Meldepflicht unter⸗ 0 1. f 8 8. Ausnahmen. 6 en 1 8 mit dem beschlagnahmten Metall überzogene 3. B. galvanisch) und plattierte Gegenstände aus Ei. r einem anderen nicht beschlagnahmten Metall. nde an w a b Bestehen Zweifel, ob gewisse Gegenstände von der Verordnung 1 0 sind, so kann eine Befreiung von der Beschlagnahme be⸗ 5 igt werden. Ueber die Befreiung entscheidet die mit der Durch⸗ führung der Verordnung beauftragte Behörde endgültig. 0 § 12. Strafbestimmungen. Wer vorsätzlich die Bestandsmeldung auf schri N 8. i Bestandsmeldung dem vorgeschriebenen 1 nich in der gesetzlichen Frist einreicht, 95 feen 1 1 5 oder unvollständige Angaben macht oder den erlassenen e elührungsbestimmungen zuwiderhandelt, wird mit Gefängnis bis i sechs„Ronaten oder mit Geldstrafe bis zu zehntausend Mark be⸗ straft Auch können Vorräte, die verschwiegen sind, im Urteil für 20 verfallen erklärt werden. Fahrlässige Verletzung der 5 8 unftspflicht wird mit Geldstrafe bis zu Dreitausend Mark, iw Fpermigensfalle mit Gefängnis bis zu sechs Monaten bestraft.. aich mit Gefängnis bis zu einem Jahr bestraft, sofern 1 1— dae ll gomeinen Steafgeseden höhere Strafen verwirkt e 5 Verbot gemäß Ss 4 und ß dieser Verordnung über⸗ oder zur Uebertretung auffordert oder anreizt 0. Gießen, den 15. Oktober 1915.. 5 Der Oberbürgermeister. 15 Keller.