Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. 25 9* Die Oberhessische Volkszeitung erscheint jeden Werktag Abend in N Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich 1 60 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl.1. S0 Mk. 0 Redaktion und Exyvedition Gießen, Bahnhofstrasse 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Juserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 239 Gießzen, Dienstag, den 12. Oktober 1915 10. Jahrgang Sie 9 7 9 2 0 0 0 0 Kriegsinvalidenfürsorge. (Schluß) Worauf sich die eigentliche Arbeits- und Erwerbslosenfürsorge erstrecken hat, ist zunächst eine Berufsberatung, bann ie Berufsausbildung und schließlich die Beschaffung on Arbeit. Eine Berufsberatung ohne Hinzuziehung von ertretern der Gewerkschaften ist ein Unding; denn dem Verletzten t nicht damit gedient, daß man ihm sagt, er taugt nicht mehr für nen Beruf, sondern man muß ihm auch klarmachen, für welchen tuen Beruf er sich eignet, und gerade hierfür eignen sich gerade i erster Linie seine eigenen Klassengenossen, nicht nur, weil er zu itien Vertrauen besitzt, sondern auch, weil ihnen die erforderlichen Fpaktischen Erfahrungen zu Gebote stehen. Eine falsche Berufs⸗ L. bratung stiftet mehr Schaden als Nutzen und kann unter Um⸗ finden dem Kriegsverletzten für alle Zeiten bei seinem weiteren 11 rtkommen hindernd in Wetze stehen. N . Auch bei der Berufsaus ildung, die teilweise bereits in den 98 Fzaretten einsetzt, aber in erschöpfendem Maße erst nach der Ent⸗ . ssung erfolgen kann, geht e ohne die Hilfe und Unterstützung er Arbeitervertretern nicht ab. In erster Litie wird man ver⸗ 5 schen müssen, den Invaliden in seinem früheren fe, wenn e, zu beschäftigen: wo das beibt nichts anderes übrig, als die Ausbildung uen Beruf. Es ist bekannt, daß der preußische Handelsminister geordnet hat, daß die gewerblichen Fachschulen, insbesondere die t Lehrwerkstätten ausgestatteten, und die Gewerbeförderungs— stalten für die Invalidengusbildung zur Verfügung gestellt rden, und daß er den Beamten der gewerblichen Unterrichtsver— uch in anderer ist, ganz „ rltung und den Gewerbeaufsichtsbeamten Fühlungnahme mit den 11 br ganisationen für Kriegsinpalidenfürsorge an gen hat. Die 1 gierung erwägt auch bie Gewährung von 9 en an Hand⸗ 1 brksmeister, die sich der Berufsausbildung von Juvaliden pdmen wollen. Das niht alles, was wir ist immerhin etwas verlangen müssen. öffentlichen saaften werden nicht umhin können, iu großzügiger Weise f Arufsausbildung zu sorgen und zu diesem Zwecke besondere An— ten zu gründen, die aber nicht vom grünen Tische aus ver⸗ waltef und geleitet werden dürfen, sondern in deren Leitung sbildung hat sich die Be⸗ brwaltung Männer der Praxis gehören. An die Berufsberatung und Berufsan b die hiaffung von Arbeit anzuschließen. Das wird eine der schwierig en Aufgaben sein, deren Lösung nicht zuletzt von der Gestaltung e. Arbeitsmarktes nach dem Kriege abhängt. So sehr wir die diegsausschüsse begrüßen, die sich hier und da, z. B. in der Ber⸗ er Metallindustrie, gebildet haben, und so sehr wir es nen, wenn Arbeitgeber sich, zur Einstellung von Kriegsbesch u bereit erklären, so dürfen wir uns doch darüber nicht täuschen, I es mit dem guten Willen allein nicht getan ist und daß die eitgeber im allgemeinen nicht so selbstlos sind, um Leute, die zen nicht genug leisten, dauernd zu beschäftigen. Sie werden laid dazu übergehen, sie entweder zu entlassen, oder aber ihnen len geringeren Lohn anzubieten, und sie werden dazu umso ehe under Lage sein, je größer das Angebot von Arbeitskräften nach len Kriege und je geringer der Widerstand ist, den die Invaliden hen Bestrebungen entgegensetzen können. Es m deshalb imer und immer wieder mit allem Nachdruck dara hinge⸗ een werden, daß die Forderungen der Gewerkschaften an⸗ imnt werden, wonach der Rentenbezug für die Unternehmer ht ein Mittel zum Lohndruck sein darf und wonach ferner die Febifverträge auch für die Kriegsbeschädigten gelten und eine enderung oder Außerkraftsetzung der Tarife nur unter ausdr 0 Zustimmung der in Betracht kommenden Gewerkschaft erfol⸗ darf. Die Hoffnung, daß die organisierte Arbeitgeberschaft wauf eingeht, ist gering. Hat doch erst kürzlich die 1 in auch bei weitem — 1 10 1 egeberzeitung einen Artikel veröffentlicht, der sich mit aller denheit gegen die Zusammenarbeit mit Gewerkschaftsvert. etern kudet,„selbst wenn manche Regierungsbehörden die Hinzuziehung er Leute aus Unkenntnis des Milieus und der vitalen Inter⸗ in von Industrie, Handel und Gewerbe einleiten sollten“. Ka en deutlicher seiner Abneigung gegen die Gleichberechtigung der beiter Ausdruck verleihen? Kann man deutlicher bekunden, daß „den Unternehmern selbst bei der Kriegsverletztenfürsorge, 9 Vorliebe als eine nationale Aufgabe hinstellen, auf die 1 banung ihrer eigenen Interessen ankommt? Umsomehr hat 9 5 Hleiterklasse die Pflicht, nichts unversucht zu lassen, um die Vor⸗ krrile zu zerstören, die Kriegsfürsorge aller Ne nee J Meleiden und sie wahrhaft sozial zu gestalten. Zu verhindern, die Männer, die ihre Gesundheit geopfert haben, schließlich auch 0 Ausbeutungsobjekte gewissenloser Elemente werden, ist 116 icht, der sich die Arbeiterklasse nicht entziehen kann und nicht ehen wird. 2 8 Ein rufsisches Urteil. Die Nationaltidende erfährt aus Petersburg, ö kürte dort die größte Energie beim Augriff der Deutschen nd Oesterreicher am Balkan, um Serbien zu zer⸗ ümettern, bevor die Alliierten zu Hilfe kommen, U Französische Unruhe. Die französische Presse läßt trotz des strengen 9 Ultens der Zensur doch erkennen, daß der Mißerfolg der fensive in der Champagne und die bedenkliche Wendung Dinge auf der Balkanhalbinsel, die öffentliche Meinung ss neue ernstlich beunruhigen. Die Zeitungen een, wie die Frankf. Ztg. berichtet, bereits in aue deutungen zu, daß die französischen Trupen, die in 850 eschifft wurden, zum Teil von den Dardanellen abge man er⸗ 0 0 0 ü 1 es; und zogen wurden, und der Oberstleutnant Rousset spricht dabei in der Liberté offen das Wort aus, daß die Dardanellen⸗ Expedition gescheitert sei. Man will durch dieses Zugeständnis offenbar die öffentliche Meinung überzeugen, daß die Sendung von Truppen nach Mazedonien die Streit- kräfte an der Front in Frankreich selbst nicht schwächen wird. Die Presse gibt aber auch zu, daß die Expedition nach dem Balkan eine bedenkliche Unternehmung darstellt und daß ihre Koston nicht von Frankreich allein bestritten werden sollten. Der Matin und das Echo de Paris machen auch deutlich darauf aufmerksam, daß Eng land eigentlich in erster Linie an der Erhaltung seines Einflusses im Balkan interessiert ist und daß es deshalb auch vor allem ihm obliege, guf Griechenland und Italien einzuwirken zur Unterstützung der mazedonischen Erpedition. Englischer Aerger. Daily Mail und Morning Post fahren mit scharfen Anger en d uf das Auswärtige Ame fort, das, wie sie sagen, die Lage am Balkan verpfuscht hätte. Die Times wendet sich gegen die Verteidigung des Aus- wärtigen Amtes durch das liberale Abendblatt Star, das gestern schrieb: Diese Vorwürfe konnten ebensogut den Ministerien für auswärtige Angelegenheiten Frank Die Times kreichs, Rußlands und Italiens gemacht werden. Die Times schreibt: Das ist'sicher nicht der Fall. England nahm auf dem Balkan eine einzigartige Stellung ein. hamentlich in Bulgarien. England allein unter den Enkentestaaten galt als die Macht, die am Balkan keine egoistischen Absichten verfolgte, Rußland wurde mit Argwohn betrachtet und Frank- reich war nichts anderes als Rußlands Bundesgenosse. Die Behauptung, daß die Vorschläge Italiens Serbien an⸗ genehm seien, sei einfach lächerlich. England allein konnte darauf rechnen, gehört zu werden. Dieser unschätzbare Vor⸗ teil wurde während der letzten Monate auf die eine oder andere Weise durch Unachtsamkeit, Kleinmut und Mangel an Konsequenz größtenteils verspielt. Noch kann dieser Vor⸗ teil wieder gewonnen werden, aber nur durch kräftiges Auf⸗ treten der Regierung, gestützt durch die ganze Kraft der öffentlichen Meinung. Italienssche Mißstimmung. Gegenüber dem Scheitern der Balkanpläne der Entente, die nach dem Geständnis des Corriere della Sera in Mailand infolge des deutschen Vormarsches eine der schwersten Krisen im Verlaufe des Krieges hervorgerufen hat, fordert ein Leitartikel dieses Blattes dringend einen gründlichen Wechsel in den Me⸗ thoden der Kriegführung: nämlich die ffung eines ausführen⸗ den Organs aller Ententemächte in einer Ententehauptstadt, um dadurch eine einheitliche Führung der diplomatischen und mili⸗ tärischen Aktionen zu erreichen. Sonst führe jeder der Verhün⸗ deten fort, egoistisch nach Sondergesichtspunkten erfolglos Krieg zu führen während die Mittelmächte durch einheitliche olten 3 Leitung auf allen Kriegstheatern Erfolge e Iten. Das Blatt empfiehlt ferner, durch Gerüchte über griechisch-bulgarische An⸗ 75 näherungs-Verhandlungen beunruhigt, durch Zwangsmaß⸗ regeln zur See Griechenland zur Stellungnahme zu zwingen. Die Stampa bezweifelt, daß die Entente mit ihren Truppenlandungen in Salonik die Deutschen an dem Marsch mach Konstantinopel verhindern kann. Das Unter⸗ nehmen der Verbandsmächte erscheint dem Blatte als ein Zuge ständnis an die öffentliche Meinung der Länder der Entente, die über die Vorgänge auf dem Balkan enttäuscht und besorgt sei. Auch die neue französische Offensive könne bereits als ge⸗ scheitert angesehen werden und werde außerdem die Deutschen von ihren Balkanplänen nicht abbringen. Belgische Enttäuschung über die mißolückte Offensive. T. U. Rosendaal, 10. Okt. Aus Le Hapre wird berichtet: Belgische Regierungskreise machen von der bitteren Ent— täuschung über die mißglückte Offensive kein Hehl. Einige Blätter versuchen auf die in Frankreich und England lebenden Belgier beruhigend einzuwirken. Sie gaben ihren Landsleuten zu bedenken, daß man von den Verbündeten nicht verlangen könne, die Truppen in den nutzlosen Tod zu treiben. Die Alliierten erkennen die griechische Neutralität nicht au. T. U. Athen, 10. Okt. Zaimis erklärte gestern den Ententediplomaten, daß Griechenland seine Neutralität streng einhalten werde. Die Diplomaten überreichten darauf eine Kollektivnote, in der hervorgehoben wird, daß die Entente die Neutralitätsankündigung nicht anerkenne und gleich— zeitig erklärt, daß die Truppenlandungen im Interesse Griechenlands vorgenommen wurde und daß das griechisch— serbische Bündnis dies auch bedinge. Gleichzeitig wird Griechenland eine Entschädigungsgarantie zugesichert. er! lichen Angaben z N ien. Unterseebos!⸗Erfolge im Mittelmeer. Die deutschen Unterseebobte im Mittelmeer entfalteten in den letzten Tagen eine besonders erfolgreiche Tätigkeit. Sie versenkten einen euglischen etwa 8000 Tonnen großen Dampfer vom Typ der versenkten„Arabia“, dessen Name noch nicht ermittelt ist. Bei Kap Matapan wurden der englische Dampfer„Craiton“ und der französische Dampfer„Marga⸗ rete“ torpediert. Aus Athen wird gemeldet: In den Ententekreisen herrscht große Beunruhigung über die Versenkung zahlreicher Schiffe im östlichen Mittelmeer durch U-Boote der Mittelmüchte. Allein in den letzten 14 Tagen sind folgende Schiffe als ver⸗ loren gemeldet: Englise deridig“(4944 Tonnen),„Burr⸗ field“(4037 Tonnen), verash“(3753 Tonnen),„Scarby“ (3658 Tonnen) und e Notorprahm von 30 Tonnen; fran⸗ zösische:„Provincia“(3523 Tonnen),„Autoine“(Tonnen⸗ gehalt fehlt),„Marguerite“(3800 Tonnen) und„Admiral Famelin“(5651 Tonnen). Außerdem wurden ein französi⸗ 2 66051 To ö sches Trupepntransportschiff und ein unbekannter Traus⸗ portdampfer versenkt. Zahlreiche Zerstörer der Entente⸗ müchte suchen fieberhaft alle griechischen Inseln ab, um die dort vermuteten Stützpunkte der U⸗Boste zu finden. Aus Nußland. Ministerwechsel in Rußland. Petersburg, 10. Okt.(W. B. Nichtamtlich.) Meldung der Petersburger Telegraphenagentur: Der Minister des Innern, Fürst Schtscherbatow, ist zurückgetreten und durch den Kamnmerherrn Chwostow ersetzt worden. Auch dem Ober- prokurator des Heiligen Synods, Samarin, ist der Abschied bewilligt worden. Das Elend der russischen Flüchtlingskinder. Mos lau, 10. Okt.(W. T. B. Nichtamtlich.) Rußkoje Slom berichtet: Nach Moskau wurden bereits 1000 Kinder von Flücht⸗ lingen Jeden Tag werden 200 weitere eingebracht, sodaß sie in Moskau keinen Platz mehr finden können. Die Kinder wer⸗ den regelmäßig von den Vertretern der Semstwos mitgenommen. Ueberall auf den Straßen und in den Konzentrationsplätzen geher buchstäblich ungählige Kinder zugrunde. J Straßenkämpfe in Rußland. bringt eine Meldung der Rjetsch, wonach Die Köln. Ztg in Odessa Stre f n Landsturmleuten und Polizei stattfanden. Viele Verhaftungen wurden vorgenom⸗ men. In Moskau und Astrachan fanden schwere Ausschrei⸗ tungen statt. Die Opfer der Moskauer Uuruhen. Nach dem amtlichen Bericht über die kauer Unruhen von kämpfe 35 0⁴ 27. September hatte die Menge in den n Barrikaden er⸗ richtet, die non Militär und Polizei gestürmt wurden. Den amt⸗ olge murden drei Personen getötet und 20 erlässigen Meldungen sind min⸗ onen getötet und verwundet worden. ge Polizeioffiziere und 25 Polizisten durch det worden. ei den Barrikadenkämpfen ging die Menge mit äußerster Erbitterung vor. Man erblickt nach einem Bericht aus Moskau darin einen r die im Volke schlum⸗ de Unzufriedenheit. Diese werde genährt durch den immer d ender auft nden Mangel an Lebensmitteln, durch die Ent⸗ täuschung über das Ausbleiben der oft angekündigten kriegexischen Erfolge, durch die neuerliche politische Niederlage auf dem Balkan, durch das andauernde Verbleiben der unfähigen volksfeindlichen Regierung. Diese Unzufriedenheit habe schon so feste Wurzeln ge⸗ faßt und sei so gefährlich geworden, daß ein so geringer Aulaß, wie die Verhaftung eines betrunkenen Soldaten genüge, um eine offene Empörung mit Barrikadenkämpfen hell auflodern zu lassen. * 2 K 0*. r Einführung der allgemeinen Dienstpflicht 8 8 8 in England? Berlin, 10. Okt. Verschiedene Morgenblätter melden aus Rotterdam, daß dort Nachrichten aus London einge⸗ troffen sind, wonach die Einführung der allgemeinen Wehr— pflicht in England im Ministerrat beschlossen worden sei. Sir Edward Grey habe Mitteilungen der russischen und fran⸗ zösischen Regierung verlesen, wonach diese eine ausgiebigere Beteiligung Englands an den neuen Aktionen fordern. Kitchener habe erklärt, daß ohne die Einführung der allge— meinen Wehrpflicht dies nicht möglich sei. Darauf sei der Beschluß gefaßt worden, alle Männer zwischen dem 17. und 50 Lebensjahre der allgemeinen Wehrpflicht zu unterwerfen. Die Champagneschlacht. Ueber die Champagneschlacht berichten alle Kriegskorrespondenten aus dem Großen Hauptquartier, daß sie mit vorübergehenden Unterbrechungen mit größter Heftigkeit weiter tobt. Bernhard Kellermann schreibt im Berliner Tageblatt vom 10. Oktober: Hestern abend verwundet. Nach destens viermal Ferner sind vier hö Steinwürfe verw steigerte sich das Feuer unserer schweren Artillerie zu ganzen Salven von Explosionen. Wie im Mai und Juli bei der Lorettohöhe und bei Souchez warf Joffre ohne jede Rücksicht auf Verluste Regimenter um Regimenter ins Feuer. Am 6. und 7. Oktober begann eine neue Reihe von Angriffen. Sie wurden durch ein Trommelfeuer vorbereitet, das zeit⸗ weise die Heftigkeit der Septembertage übertraf. Man berechnet die Zahl der seit dem 20. September geschleuderten Granaten auf mehrere Millionen. Die Verluste auf beiden Seiten sind bei der Heftigkeit der Kämpfe schwer, indessen it die Zuversicht unserer Truppen unerschüttert. Bulgar en ist bereit. T. U. Kopenhagen, 11. Okt. National Tidende meldet aus Petersburg, daß die kriegerischen Vorbereitungen Bul⸗ gariens in allen Gebieten beendet sind. Zum Chef der ersten Armee wurde General Bojadzica, zum Chef der zweiten Armee Todorof ernannt. Beide Generale sind erbitterte Russenfeinde. Das bulgarische Rote Kreuz unter dem Protektorat der Königin ist ebenfalls vollständig ausgerüstet. Alle Hospitäler sind zur Aufnahme von Verwundeten bereit. Eine strenge militärische Zensur ist auch für inländische Korre— spondenzen eingeführt. Bevorstehende russische Truppenlandung an der bulgarischen Küste. Bukarest, 11. Okt. Der Universul meldet: Von der bessarabischen Front wurde ein Teil der russischen Truppen nach Odessa dirigiert, von dort gehen sie mit Schiffen nach der bulgarischen Küste ab. Aus dem Innern Rußlands weffen ebenfalls Truppen in Odessa ein. Der Eindruck der Erstürmung Belgrads. Wien, 11. Okt. Hiesige diplomatische Kreise bewerten die Er⸗ stürmung Belgrads außerordentlich hoch. Nach den vorliegenden Meldungen ist das Ereignis in Bukarest und in Athen mit respekt⸗ vollem Ernst aufgenommen worden. Man sagt, daß von heute ab an der Neutralität Griechenlands und Rumäniens nicht mehr zu zweifeln sei. Telegramme aus Sofia berichten, daß dort das Er⸗ eignis nachts bekannt wurde und stürmische Kundgebungen für die Mittelmächte auslöste. Die dortigen Kreise verfolgten mit fieber⸗ hafter Spannung die zweitägigen Straßenkämpfe in Belgrad und als die Nachricht von dem Fall der Festung eintraf, hafen sich auch die bisher abseits Stehenden den Kundgebungen an. Die montenegrinischen Stellungen auf dem Lowtschen. T. U. Kopenhagen, 11. Okt. Central News melden aus Rom, daß die Montenegriner einen österreichisch-ungarischen Angriff auf den Lowtschen, der die Cattaro-Bucht beherrscht, erwarten. Die Montenegriner hätten hier 12 Zoll-Kanonen eingebaut und sich auf eine verzweifelte Verteidigung ein— gerichtet. Wie sie sich in Salonik einrichten. T. U. Saloniki, 11. Okt. 30 englische Mechaniker, die mit dem General Hamilton ankamen, haben im Hafen von Saloniki eine Station für drahtlose Tele⸗ graphie errichtet, was großes Aufsehen erregt. Der General wird nächstens nach Nisch reisen. Die„Deutsche Tageszeitung“ verboten. Berlin, 11. Okt. Das Erscheinen der Deutschen Tageszeitung ist laut Mitteilung des Blattes abermals bis auf weiteres verboten worden. Kriegsnstizen. In Königsberg i. Pr. waren seit dem 3. August 1914 die politischen Vereine geschlossen. Vereinsversamm⸗ lungen durften nicht stattfinden. Jetzt macht der Gouverneur be⸗ kannt, daß diese Bestimmung vom 10. Oktober ab außer Kraft tritt. Die Genehmigung öffentlicher Versammlungen und Vorträge über militärische Angelegenheiten und über Kriegsziele wird nur aus⸗ nahmsweise erteilt. Versammlungen politischer Vereine sind nur als geschlossene Mitgliederversammlungen gestattet. Die Aus⸗ forderung hierzu geschieht nicht öffentlich, sondern ergeht an die einzelnen Mitglieder des Vereins persön⸗ lich. Der Zutritt steht nur den Mitgliedern des Vereins gegen Vorzeigen der Mitgliedskarte zu. Fremde und Gäste dürfen nicht eingeführt werden. ueber die Versammlungen darf in der Presse nicht berichtet werden. Die Ver⸗ anstaltung einer solchen Versammlung ist durch den Vorstand des Vereins mindestens 24 Stunden vorher der Ortspolizeibehörde mit Angabe von Zeit und Ort schriftlich zu melden. Die Anwesenheit in der Versammlung und ihre Ueberwachung ist den Vertretern der Polizeibehörde gestattet. Ihren Anordnungen ist unbedingt Folge zu leisten. Zuwiderhandlungen werden mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft. 3 a Bei der Beratung eines Gesuches von 3000 Kriegerfrauen um Erhöhung der Kriegsunter st ü tzung stellte der Bürger⸗ meister der Stadt Plauen i. V. fest, daß die Höchstbe steuer⸗ ten für die Kriegshilfe im allgemeinen sehr wenig oder gar nichts gegeben hätten! 5 Die deutschen Gewerkschaften haben in dem Jahre seit Beginn des Krieges bis 31. Juli 1915 insgesamt 21578 506 Mark für Arbeitslofe und 10 421 584 Mark für die Unterstützung der Familien eingezogener Mitglieder ausgegeben. Von den 2510585 Mitgliedern wurden 1061404= 42,7 Proz. zum Heeresdienst einberufen. 5 5 8 8 Die öffentlichen Arbeitsnachweise in Deutsch⸗ land vermittelten im ersten Kriegsjahr 2 100 000 Arbeitsstellen. Der sozialistische Landtagsabgeordnete Westmeyer ist, wie der Sozialdemokrat mitteilt, am 4. Oktober in Karlsruhe ver⸗ haftet worden. Ueber den Grund der Verhaftung liegen keine Mitteilungen vor. Vierzehn der von den Russen als Geiseln aus dem Kreise Petrikow fortgeführten Personen sind aus der Ge⸗ fangenschaft entflohen und in ihre Heimat zurückgekehrt. 5 Der Nieuwe Rotterdamsche Courant bringt eine Statistik über die Vermehrung der Waffen- und Munitionsaus⸗ fuhr aus Amerika in den Kriegsjahren. Diese Ausfuhr be⸗ trug im Jahre 1913/14: 12 341156 Dollar, im Jahre 1914/15: 67 802 270 Doll., hat sich mithin um 400 Prozent vermehrt. Die Ausfuhr von Patronen stieg von 3 Mill. auf 71 Millionen, von Pulver von 4% Million auf 5 Millionen, von Explosionsstoffen von 1 auf 17 Millionen, Feuerwaffen von 3 auf 9 Millionen, Kriegs- artikel aus Messing von 4 auf 18 Millionen. Nicht mit inbegriffen ist alles indirekte Kriegsmaterial wie Automobile usw. und der Export nach Kanada. Parteinachrichten. Karl Ibsen gestorben. Aus Newyork wird dem Vorwärts geschrieben: Wieder ist einer der alten Kämpfer dahin, die in der schweren Zeit des Sozialistengesetzes tren zur Partei des Proletariats stan⸗ den. Den Jüngeren ist der Name Karl Ibsens wenig bekaunt, aber in den achtziger Jahren wurde sein Name in Deutschland sehr häufig genannt. War der Verstorbene doch eines der ersten Opfer bes Polizeirats Rumpf. Ibsen wurde ein Jahr nach dem Erlaß des Sozialistengesetzes beschuldigt, einen Meineid geschworen zu haben, um einen Genossen zu retten, den man angeklagt hatte, Bebels Buch„Die Frau“ verbreitet zu haben. Auf die nichtigsten Indizien hin wurde er für schuldig befunden und zu einer dreijäh⸗ rigen Zuchthausstrafe verurteilt. Karl Ibsen büßte die harte Strafe ab, konnte sich nach seiner Freisetzung der Verfolgung durch die Behörden nicht entziehen und wanderte deshalb nach den Ver⸗ einigten Staaten aus. 2 Hier hat er seine parteipolitische und gewerkschastliche Tätig⸗ keit, die er in Frankfurt a. M. begonnen, mit unverändertem Mut und Schaffensdrang fortgasetzt. Brauer hat ihm viel zu danken. In Newyork redigierte er die Brauer⸗Zeitung und die Bäcker⸗Zeitung; später leitete er die da- mals in Pittsburg und Cleveland bestehenden Arbeiterzeitungen, um dann in die Redaktion der Newyorker Volkszeitung einzutreten, die dem Verstorbenen einen warmen Nachruf widmet. Doch die Wunden, die ihm die Justiz geschlagen, vernarbten nie. Die schweren Leiden, die ex ertragen, erzeugten eine Gemütskrankheit, die ihn in den letzten Jahren zur Arbeit unfähig machten. In dieser be⸗ dauernswerten Verfassung machte der wackere Kämpfer am 23. September in Newer nem Leben durch einen Pistolenschuß ein Ende. Keir Hardies Leichenbegängnis. Am Mittwoch wurde Keir Hardies Leiche im Krematorium von Glasgow eingeäschert. Die Teilnahme der Bevölkerung war außer⸗ ordentlich groß, viele Tausende standen den Straßen entlang, durch die sich der Leichenzug bewegte. Außer einer Vertretung des Ge⸗ meinderats von Merthyr Tydall, des Wahlkreises Keir Hardies, des Gemeinderats von Glasgow und vielen Mitgliedern der Unter⸗ hausfraktion der Arbeiterpartei wohnten zahlreiche Delegierte der Unabhängigen Arbeiterpartei, der Gewerkschaften und anderer proletarischer Vereinigungen der Feierlichkeit bei. Nach der reli⸗ giösen Feier sprach das Unterhausmitglied Genosse Jowett, ein alter Freund des Verstorbenen, über das Leben und Wirken des Vorkämpfers der selbständigen Arbeiterpolitik in England. Im Anschluß an die Beisetzung fand in Glasgow eine von der Unabhängigen Arbeiterpartei zum Andenken an Keir Hardie ver⸗ anstaltete große Volksversammlung statt. Eine andere wurde am Sonntag in London abgehalten. Hauptredner war Genosse Suowden. Der Labour Leader hat einen großen Teil seiner letzten Num⸗ Namentlich die Gewerkschaft der mer Keir Hardte gewidmet. Wir finden darin u. a. Genossen und Genossin Bruce Glasier. f f Die englischen Arbeiterführer auf der französischen Agita Der Verwaltungsrat der sozialistischen Partei Frankrei im Einverständnis mit der britischen Arbeiterpartei beschl Agitationstour in Frankreich zu unternehmen, um das Publikum mit den Anstrengungen bekannt zu machen, die di länder machen, um Waffen und Munition herzustellen. Es wu bereits drei Versammlungen abgehalten: in Paris, Brest Rennes; die nächsten Versammlungen werden in Lyon, Vi 5 und Montlucon stattfinden. Als Redner treten auf: der ö der Arbeiterfraktion John Hodge, Unterstaatssekretär G. H. Rob f Adolf Smith und der französische Sozialist Gaston Levy.. 7 2 0 Arbeiterbewegung. 1 Vom Burgfrieden der Scharfmacher. 5 0 Zu den Fragen der Arbeitsvermittlung läßt sich die Deu 1 Arbeitgeberzeftung unter dem 5. September d. J. von„geschätz 00 Seste“ folgendes schreiben:„Mit Entschiedenheit aber muß e 0 Arbeitgeberschaft abweisen, in allen diesen Frage je mit G f schaftsvertretern, denn das sind im Gegensatze zu den Arbeitern 70 eigentlichen Repräfentanten der Sozialdemokratie, und sie 5 meist nur von der Agitation und dem Gelde, das sie den Arbe fil aus der Tasche ziehen, gemeinschaftlich zu tagen, selbst wenn m in Regierungsbehörden die Hinzuziehung solcher Leute aus Unke nis des Milieus und der vitalen Interessen von Industrie, Ha und Gewerbe einleiten sollten.“ Daß viele Arbeitgeber neben 0 von ihren Vätern ererbten, also auch nicht aus eigener Kraft fi worben und verdienten Vermögen, in der Hauptsache nur von d Di leben, was sie den Arbeitern aller Art an Lohn für deren Arb 0 leistungen vorenthalten oder den Käufern ihrer Produkte übe wirklichen Wert der betreffenden Produkte hinaus aus der Tasche erz gezogen haben, das sehen diese Herren selbstverständlich nicht e Ir Daß ferner alle Gewerkschaftsbeamte und Parteifunktionäre für die 1 Arbeiterschaft in erster Linie eine Notwendigkeit geworden nur weil durch das arbeiterfeindliche Verhalten vieler Unte fl die Arbeiter meist nicht in der Lage sind, ihre diesbezüglichen Kit teressen selbst wahrzunehmen, die Funktionäre der organisier nt Arbeiterschaft also nur Früchte arbeiterfeindlicher Bestrebun, det sind, und infolgedessen die Arbeiterschaft durch das gegensä 0 Verhalten vieler Unternehmer erst gezwungen wurde und wi i ihre Lohnforderungen auch die Ausgaben für Abwehr arbeiter den licher Bestrebungen mit einzurechnen, dürfte die„geschätzte Seit der Deutschen Arbeitgeberzeitung in der Eile ebenfalls nicht übe legt haben. Aber es ist trotzdem so. Und der Herr wird sich dahe 64 wenn er noch nicht alle Logik zum alten Eisen geworfen hat und uit etwas gewissenhafter über die Ursachen nachdenkt, die für die fol stellung und Bezahlung von Gewerkschaftsbeamten für die Arbeite 15 schaft maßgebend geworden sind, sagen müssen, daß eigentlich g 0 Unternehmer oder die kapitalistische Wirtschaftsordnung als 10 zeuger dieser„Repräsentanten der Sozialdemokratie“ in ersc die Linie in Frage kommen. Und das wird so lange gelten, als arb Unternehmer und Kapitalisten gibt, die die Arbeitskräfte f etz Mitmenschen in solch unsozialer Weise für sich in Anspruch nehm 10 daß ein orgonisierter Widerstand dagegen im Interesse kültn Fortschritts liegt. Industrie und Volkswirtschaft. 10 Kriegsgewinne. N Die Zündwarenfabrik Stahl& Nölke in Kassel 0 1914/15 bei einem Aktienkapital von 1 Million Mark einen I gewinn von 820 073 Mk. gegen 483 775 Mk. 1913/14. Der gewinn beträgt 388 220 Mk.(201 966), woraus 12(10) P f Dividende verteilt werden. l 8 Die Aktiengesellschaft Z. Banning in Hamm i. W. konnte N Reingewinn steigern von 83 161 Mk. im Jahre 1913,14 auf 2 e Mark im Jahre 1914/15, woraus 14(4) Prozent Dividende v 2 teilt werden.* Bei der Aktiengesellschaft Lauchhammer ergab der 0 schluß für 1914/15 bei 1892 902 Mk.(1 585 134) Abschreibun einen Reingewinn von 2301786(1487862) Mk. An Dividen wurden 10(6) Prozent bezahlt und 697 028(438 947) Mk. auf ne Rechnung vorgetragen. 5 1 Die Eschweiler⸗Rattinger Maschinenbau⸗Ak be tiengesellschaft hat in dem letzten Geschäftsjahre, trotzd 77 nach dem Bericht die Betriebe im August und September v. 5 fast ganz ruhten und die Arbeiterzahl von 548 auf 303 herunt 1 ging, einen Reingewinn von 429994 Mk. gegen 322 425 Mk. Vorjahre erzielt. Die Abschreibungen betragen 173 889(13570 Mark, die Gewinnanteile und Belohnungen an Aufsichtsrat, bn und Beamte 48 528(33 451) Mk. Die Dividende beträgt 7(5 brozent. g 1 Auch die Dillinger Aiken haben, trotzdem f Werke im Aufmarschgebiet liegen, den Krieg gut überste 1 Zur Verteilung gelangt eine Dividende von 18(19) Pro Pulver und Gold. Roman aus dem Kriege 18701871. 14 Von Levin Schücking. „Frauen nicht immer mit dem Geschick, womit ich Sie in so kundiger, fester Hand die Zügel lenken sehe!“ warf ich ein. „Doch könnte es jede. und man kann es!“ Man muß es nur lernen wollen, „Unsere Straße ist sehr glatt und eben, eine vortreffliche Vizinalstraße,“ sagte ich lächelnd,„vielleicht kommt noch eine schmale Brücke, ein Ausweichen, eine schwierige Stelle, wo ich die Genugtuung habe, Ihnen helfen zu müssen.“ a„Es wäre sehr töricht, wenn ich Ihre Hilfe erbäte, ehe ich weiß, ob Sie denn auch fahren können.“ „Das ist wahr, ich muß nach einer Gelegenheit suchen, — 2 Ihnen zu beweisen, und ich wünschte nichts mehr als „Da ist Colomier aux Bois!“ sagte jetzt der Geistliche, auf eine Burgruine in der Nähe deutend. Wir hatten längst eine Wendung gemacht und waren in ein höchst romantisches Seitental, das ein dem Oignon zu— strömendes Gewässer bildete, eingefahren. Schroffe Felsen und pittoreske Klippenbildungen engten rechts und links die Talsohle ein. Das Gewässer rauschte nahe unter uns in einem tief durch das Gestein gewühlten Bette— oft schoß es schäu— mend in heftigen Stromschnellen dahin; zuweilen zog sich unser dem Ufergestein abgewonnener Weg in steilen Er— hebungen empor; dann hatten wir das tobende Gewäsfser in einer abgrundtiefen Schlucht unter uns und erhielten pracht— volle Ueberblicke über das romantische kleine Flußtal. Die Burgruine mit dem Belfried, die im Süden vor uns, wo das Tal vollständig abgeschlossen schien, von einem höheren Rücken herüberblickte, hatte ich längst ins Auge gefaßt; Fräulein Blanche hatte bis jetzt nicht daran gedacht, mich auf dies unser liebenswürdig, wie sie es gestern gewesen; es war etwas Ge— reiztes in ihrem Wesen; sie warf wie Vorwürfe die Worte hin, die sie mir antwortete, mit dem schmollenden Aufwerfen der Lippen, durch das uns Frauen ihre Ungnade an den Tag legen. Was hatte sie? Reute sie die große Freundlichkett, die in dieser unserer Fahrt für mich lag? Sie selbst hatte sie doch vorgeschlagen. Mich, ich muß es gestehen, beunruhigte es. Ich war von Fräulein Blanche nach jener ersten abendlichen Unterhaltung schon bezaubert— aber auf dieser Fahrt verliebte ich mich in sie. Es sah so edel, so stolz und vornehm aus, dies Profil des vorwärts gerichteten, in die Ferne blickenden Kopfes, das ich neben mir hatte. Ihr dunkles Auge hatte einen so seelen— vollen Blick; es sprach so fesselnd von der rätselvollen Gemüts— tiefe, die der Deutsche in den Augen sucht, in die er sich ver— liebt; es hatte so gar nichts von dem Wechsel von trügerischem Sanftmutsschlummer und leidenschaftlichem Feuer der Süd— länderinnen; in all ihrem einfachen natürlichem Wesen sprach sich eine solche Klarheit eines starken, sich selbstbewußten und tüchtigen Charakters aus; und ich, ich war vollständig von dieser schönen und fesselnden Erscheinung befangen... ich hätte so im leichten Gefährt neben ihr immer weiter rollen mögen in diese schöne, sonnige Gotteswelt hinein, ohne Ziel, ohne Ende— in ihren Händen die Zügel unseres Fahr⸗ * kamen an einen kleinen Weiler; die Bergwände traten an dieser Stelle unseres Weges zurück; der offene Raum war dazu benutzt, eine Mühle zu erbauen, in deren Räder sich ein dünnes, über blankgewaschenes Gestein nieder⸗ rauschendes Gewässer stürzte; umher standen kleine, auf Wohlhabenheit deutende Häuser mit Blumengärtchen nach der Straße hin. Die Reihe dieser Häuser zog sich, zwischen Berg⸗ wand und Chaussee liegend, unseren Weg entlang. Als unser Wagen an diesen Wohnungen vorüberrollte, stürzten aus mehreren derselben die Einwohner heraus; auf ihren Schwellen stehend, starrten sie die preußischen Uniformen an, ziel aufmerksam zu machen. Sie war überhaupt nicht so stießen auch Rufe aus, die ich nicht verstand. Ein paar Burschen, die uns entgegenkamen, blieben inmitten des Wege stehen, als ob sie Lust hätten, unser Gefährt aufzuhalten. E war nicht unmöglich, daß sie auf den Gedanken geriet Fräulein Kühn werde eben von diesen Deutschen entfüh war das der Fall, so wurden sie bald beschwichtigt, denn des“ Fräulein rief ihnen einige Worte entgegen, worauf fi N grüßend die Mütze zogen und beiseite traten, um uns d 1 mit sehr zornigen und haßerfüllten Blicken nachzuscha⸗ N 0 U „Diese Fahrt mit uns wird Sie um Ihre Popu im Lande bringen, Fräulein Kühn,“ sagte ich.„Und unglücklicherweise unsere Truppen bei weiterem Vorrüe dieses Tal hinaufziehen würden, wird man Sie beschuld uns den Weg gewiesen zu haben... fürchten Sie das n „Nein,“ sagte sie kurz,„meine Landsleute kennen 0 Der Geistliche mischte sich ins Gespräch, und Fräuf 1 Blanche verhielt sich schweigsam, bis wir Colomier erreich li hatten. Dies war wirklich ein Punkt von großer Schönh Es war ein rundum fast ganz abgeschlossener Bergkessel, Grund smaragdgrüne Wiesenmatten bildeten. Im H grunde lag ein Gehöft, dicht an eine Felswand geschobe 11 Rechts davon schoß der Fluß aus einer schmalen Felse f hervor, tosend und schäumend; von dem Gehöft führte ein hochgeschwungene Brücke über ihn fort auf eine Waldwi die von dunklen Tannen umstanden war, und von Hintergrunde hob sich ein hübscher geräumiger Pavillon 1 seinem hohen, spitzen Schieferdach ab. Ein kleiner, auf Fluß hinaus sich erstreckender Altan mit einer vor umramkten Veranda vollendete das hübsche Archit das dies schmucke kleine Gebäude bildete.* Die ringsumher malerisch gelagerten Felsmasse bis zur halben Höhe von einer reichen Vegetation und verhüllt; sie waren gekrönt von den mächtiger Mauern des alten Schlossos von Colomier, auf dem der geistliche Vetter, der in der Geschichte bewand als in der Geographie. hatte es behauptet— Herzöge von Hochburgund zeitweise ihren Sitz 5 Eortsetzung folgt.), und Nachbargebiete. Gießen und Umgebung. — Die Kriegstagung der Deutschen Zentrale für Jugendfürsorge. Der Krieg mit seinen furchtbaren Wirkungen hat rauh in das Familienleben eingegriffen. Mehr denn je ist darum der Ruf nach größerer Fürsorge für die Jugend, für die kleinen Kinder und Säuglinge begründet. Zwingen doch die Folgen des Krieges manche Mutter, dem Erwerbsleben nach⸗ zugehen, wodurch sie sich nur wenig um die Versorgung und Erziehung ihrer Kinder kümmerß kann. Pflicht des Staates und der Gemeinde ist es, die Jugendfürsorge zu pflegen und geeignete Einrichtungen dafür zu schaffen. Beide haben bis her auf diesem Gebiete sehr wenig getan, es in der Haupt⸗ sache der privaten Fürsorge überlassen. Das zeigte erneut die Tagung für Jugendfürsorge, die von der Deutschen Zentrale für Jugendfürsorge veranstaltet, am Donnerstag und Freitag in Frankfurt abgehalten worden ist. Die Tagung war von zahlreichen Vertretern staatlicher und städtischer Behörden besucht. Auch sozialdemokratische Kinderschutzkommissionen waren eingeladen und vertreten. Die Tagung begann mit Vorträgen über die Aufgaben der Jugendfürsorge nach dem Kriege vom Standpunkt der Volks⸗ erziehung. Der erste Redner. Stadtrat Dr. Ziehen⸗ Frankfurt a. M., gab einen Ueberblick über die etwa 100 jährige Entwicklungsgeschichte in der Kleinkinderfürsorge. Er verwies auf die Verdienste der evangelischen und katholischen Kirche auf diesem Gebiete, hob Fröbels Bedeutung hervor und zeigte dann, wie das letzte Stadium in der Entwicklung der Jugendfürsorge von der Sozialdemokratie ausgeht, deren Eintreten neue Gesichtspunkte eröffnet habe. Die Sozial⸗ demokratie verlange die Kinderfürsorge von dem Gesichts⸗ punkt der Erfüllung einer unerläßlichen Pflicht der Gesellschaft. Ihre Forderung war ein Notschrei der wirklich Bedrängten. Die Mitarbeit dieser Partei könne und solle nicht ä entbehrt werden. Die Mitwirkung der sozialdemo— kratischen Kinderschutzkommissionen habe gezeigt, wieviel man von diesen Leuten lernen könne. Auch für die Zukunft müsse die Losung sein: auf gemeinsamen Boden zusammenzu— arbeiten; man schaffe diesen Boden, indem man eine Volks. erziehungswissenschaft in kulturpolitischem Sinne ausbaue. Nötig sei eine praktische Stätte gegenseitiger Verständigung für diese Frage, ein Parlament der Kleinkinderfürsorge, in dem es nur darauf ankomme, sich gegenseitig zu verstehen, die Arbeit zu fördern. Der Redner forderte hierzu die Errichtung eines Reichsamts für Volkserziehung. Der zweite Redner, Pastor Schultze⸗Berlin, betonte, Jugendfürsorge und Jugendpflege müsse mehr miteinander Hessen 1 4 zn! verbunden sein, auch gehöre Jugendfürsorge und Familien— N flüürsorge zusammen, da der Einfluß auf die Jugend nach der bel Schulentlassung verloren gehe. Er klagte über die Verwahr— 1 losung der Großstadtjugend und schlug für die Knaben von de 2—14 Jahren Jungenklubs vor. 0 Am zweiten Verhandlungstage sprach Fräulein Dr. 1[Duensing⸗Berlin über„Die Not der kleinen Kinder in und nach dem Kriege“. Die Kleinkinderfürsorge sei bisher sehr vernachlässigt worden. Es werde oft vergessen, daß das kleine Kind schon Erziehung verlangt, daß sein Geist wiß⸗ begierig ist, sein Charakter sich entwickeln müsse. Für das körperliche Werden sei das Säuglingsalter, für Wesensart und Auffassung aber das Kleinkinderalter entscheidend. Es sei erschreckend zu hören, daß von 15000 Krüppeln in Deutsch⸗ land nur ein Fünftel von Geburt an Krüppel seien. Not⸗ wendig sei es, Maßnahmen zu ergreifen zur Pflege und zum Schutze der Kinder zwischen dem Säuglings- und dem schul⸗ pyflichtigen Alter. ö n Das Thema:„Wie sollen und können Tagesheime dem dun Erziehungsnotstaud von Kleinkindern abhelfen? behandelte „ Fräulein Droescher⸗ Berlin. Sie verlangte die Schaffung von Tagesheimen, die durch familienhafte Erziehung und Berücksichtigung der einzelnen Individuen in körperlicher, geistiger und sittlicher Beziehung den Kindern das geben, was ihnen durch mangelnde Elternsorge fehlt. Freilich werde die Errichtung solcher Heime nur bei tatkräftiger und ein⸗ sichtsvoller Beteiligung der Städte möglich sein. Die Familienheime müßten so beschaffen sein, daß der große Haushalt Mittelpunkt für die Kinder werde, wie der kleine es für die Familie ist. Bei der Durchführung dieser Aufgabe komme es darauf an, daß Persönlichkeiten mit mütterlichem Sinn die Kleinkinderfürsorge leiten und ausführen, die für diese Arbeit genügend vorgebildet sind. 8 In der Aussprache über die beiden Vorträge wies Stadt⸗ schulrat Dr. Sickinger ⸗ Mannheim darauf hin, daß man die Kinderfürsorge nicht behandeln könne, ohne gleichzeitig die Wohnungs- und Bodenreformfrage zu erörtern. Reichs⸗ tagsabgeordneter Genosse Dr. Quarck⸗Frankfurt a. M. be⸗ grüßte die Forderung an die Städte, die in den Vorträgen erklungen sei, mehr als bisher die Kinderfürsorge zu pflegen. Einmal müsse doch die Zeit kommen, wo die Vereins⸗Kinder⸗ fürsorge überwunden sei. Nicht im Aeußeren dürfe das deut sche Wollen und Können hängen bleiben. Bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen für die Mütter ließen manche üble Er⸗ scheinung verschwinden. Quarck empfahl den Anschluß der Kleinkinderanstalten an die Volksschulen. g f Die Bedeutung der Mütterberatungsstellen für die Klein⸗ kinder erörterte Professor Langstein⸗ Charlottenburg. Unter den Fürsorgestellen der Säuglingsberatung seien die Mütterberatungsstellen unstreitig die wirkungsvollsten. Die Säuglingsfürsorge könne aber nur halbe Arbeit leisten wenn sie ihre Tätigkeit mit dem ersten Geburtstag des. breche. Die Säuglingsfürsorgestellen müßten zu Kleinkinder— fürsorgestellen ausgebaut werden. 7 0 61 Die Frage, inwieweit in der Kleinkinderfürsorge Pier Liebestätigkeit, städtische und staatliche Behörden an der 15 haltung der Familie mitwirken und die Ersatergiehung nen ssen könn„ behandelten drei Referenten. Die beiden bastor Alberts ⸗Kalberstadt und Mons. N Dr. Werthmann, exörlerten die Frage vom rein reli— giösen Standpunkt aus. Der evangelische Redner klagte über religiöse Gleichgültigkeit, die Verachtung der höchsten Autorität. Glaubend, in Liebe müsse man arbeiten. Dr. Werthmann stellte als erstes Ziel, daß die sittliche und soziale Bedeutung der Familie für Gegenwart und Zukunft allüber⸗ all wieder in das hellste Licht gesetzt werden müsse. Hierbei müßten mitwirken: die Kirche, die Müttervereine, Frauen bund, Arbeiterverein und Veranstaltungen der Pfarr— gemeinde. Das zweite Ziel sei die Unterstützung der elter— lichen Erziehungstätigkeit durch besondere caritative An⸗ stalten und Vereine, Kinderbewahrungsanstalten, Kinder— gärten, Kinderhorte. Bürgermeister Luppe-⸗Frankfurt a. M. untersuchte, was Staat und Gemeinde in der Kleinkinderfürsorge tun können. Man müsse bauen an dem vorhandenen: Kleinkinder⸗ bewahrungsanstalten, Kleinkindergärten. Dabei solle man aber den einen Gedanken berücksichtigen: diese Aufgaben dürften nicht dem Zufall überlassen, sondern müßten als soziale Pflicht anerkannt werden. Bei den bis⸗ herigen Beratungen habe der eine gesagt, man müsse die Kinder, der andere. man müsse die Eltern erziehen; beides sei aber notwendig. Die Aufgabe der Jugendfürsorge sei so wichtig, daß sie nicht nach dem Krieg aus finanziellen Gründen zurückgehen, sondern noch vorwärtsschreiten miüsse. Die Säuglingsberatungsstellen sollten zu Kleinkinder⸗ beratungsstellen ausgebaut werden, und die Krankenver— sicherung müsse so ausgedehnt werden, damit sie die Haus⸗ pflege in vollem Maße übernehme. Die Gemeinden hätten die Aufgabe, Kleinkinderbewahranstalten, Tagesheime zu er— richten. Aufgabe des Staates sei es, die Gemeinden zu unterstützen, Mittel zur Verfügung zu stellen, die Aufsicht auszuüben. Nach einer kurzen Aussprache faßte Dr. Polligkeit⸗ Frankfurt a. M. die Ergebnisse der Tagung zusammen. Die Notwendigkeit der Neuorientierung in der Jugendfürsorge sei allgemein anerkannt worden. Man brauche weitere Sozialpolitik zur Förderung kultureller Werte, der Erziehung der Familie. Wenn gesagt werde, alles für das Volk, so müsse es heißen: alles durch das Volk. In gemeinsamer Arbeit müßten alle Kräfte zu⸗ sammengefaßt werden. Der Vorsitzende, Amtsgerichtsrat Dr. Köhne Berlin, schlug zum Schlusse vor, um eine engere Verbindung der in der Kinderfürsorge Tätigen zu erzielen, einen deutschen Ausschuß für Kleinkinderfürsorge mit dem Sitz in Berlin zu schaffen, Der Kongreß stimmte diesem Vorschlag zu und wählte einen solchen Ausschuß, der das Recht, weitere Personen hinzuzuziehen, hat. Vorsitzender des Ausschusses ist Dr. Polligkeit-Frankfurt a. M., als Vertreterin der Arbeiterschaft gehört ihm Gertrud Hanna⸗ Berlin an. Die Reichskartoffelstelle. Der Bundesrat hat in seiner (Sitzung vom Samstag eine Bekanntmachung über die Kar— toffelversorgung erlassen. Die wesentliche Neuerung besteht in der Begründung einer„Reichskartoffelstelle“, bei der die Kommunalverbände ihren Kartoffelbedarf anmelden, soweit der Bedarf nicht anderweitig gedeckt ist. Den Gemeinden werden also neue und nicht leichte Aufgaben auferlegt. Denn sie müssen sich einen Ueberblick verschaffen über den Kartoffel— markt ihres Bezirks und müssen auf ihre Verantwortung hin die Fehlmenge feststellen, und bei der Reichsstelle anmelden. Der amtliche Auszug aus der Bundesratsverordnung lautet: Es wird eine„Reichskartoffelstelle“ mit einer behördlichen Verwertungsabteilung und einer kaufmännisch geleiteten Ge— schäftsabteilung errichtet. Die Geschäftsabteilung ist eine G. mn. b. H. Insoweit die zur Ernährung der Bevölkerung eines Kommunalverbandes für Herbst und Winter erforder— lichen Kartoffeln nicht anderweit beschafft werden können, meldet der Kommunalverband den Fehlbetrag bei der Reichs— kartoffelstelle an. Diese deckt den angemeldeten Betrag zu bestimmten Grundpreisen freihändig. Soweit dies nicht mög⸗ lich ist, werden die angeforderten Mengen auf die Pro— duktionskreise zur Lieferung umgelegt. Zum Zwecke der Sicherstellung dieser Mengen haben alle Kartoffelerzeuger mit mehr als 10 Hektar Kartoffel-Anbaufläche 10 v. H. ihrer gesamten Kartoffelernte bis zum 29. Februar 1916 zur Ver⸗ fügung des Kommunalverbandes zu halten. Diese Kartoffeln müssen Speisekartoffeln oder Kartoffeln sein, die als Speise⸗ kartoffeln verlesen werden können. Hinsichtlich dieser Mengen ist die Enteignungsbefugnis gegeben. Der Enteignungs⸗ preis wird unter Berücksichtigung der Güte und der Verwert⸗ barkeit der Kartoffeln bestimmt. Er darf jedoch den Grund— preis nicht übersteigen, der nach Bezirken festgesetzt ist und sich zwischen 55 und 61 Mark für die Tonne loko Eisenbahn⸗ versandstation bewegt; für unsere Gegend gelten 61 Mark, das sind also 3,05 Mark für den Zentner. Die Preise gelten für Lieferung ohne Sack und für die Barzahlung bei Empfang. Bei Enteignungen nach dem 31. Dezember 1915 kann neben dem Enteignungspreis eine Verwahrungsgebühr gewährt werden. Die Reichskartoffelstelle gibt Bezugsscheine an die Bedarfskommunalverbände aus, auf Grund deren diese ihren Bedarf aus den festgelegten Kartoffelmengen durch Erwerb decken können. 5 — Ganze Arbeit machen! Im gestrigen Gieß. Anz. wendet sich ein Einsender gegen das Oktroi. Er meint, es müsse wohl jeder Fremde den Kopf schütteln, wenn er am Selterstor⸗Häuschen„Städtische Oktroi-Erhebestelle“ lese und sich wundern, daß in Gießen noch eine so mittelalter⸗ liche Steuer bestehe. Ist aber kein Ersatz für die Steuer da, so— sagt der Einsender— solle man wenigstens das Fremdwort beseitigen!— Du lieber Himmel, was ist denn damit getan? Wenn der Pfannkuchen teurer und schlechter ist, als vorher die Omelette, so bin ich um nichts ge— bessert und ich pfeise auf die Verdeutschung! Also muß man schon ganze Arbeit machen und die Steuer überhaupt beseitigen. Die Sozialdemokraten in der Stadtverordneten— Versammlung haben ihre Aufhebung schon oft beantragt, sie blieben aber bei der Abstimmung immer allein, nicht mal ein Freisinniger war dafür zu baben. Immer bat man sich mit 0 Inf.⸗Reg. 349.— Wehrmann Wilhelm Haus aus Hohen 7 7 der Frage nach dem Ersatz für den Einnahmeausfall ein) schüchtern lassen. Wo konnt denn jetzt der Ersatz her für die 20— 30 fach höheren Ausgaben, welche die Stadt infolge des Krieges machen muß? —„Patriotischer“ Ueberschwang. Von einer neuen Ge⸗ pflogenheit, die einzuführen versucht wird, schreibt uns ein Leser: Am Sonntag abend befand ich mich in einem Lokal, in welchem eine Musikkapelle konzertierte. Man spielte unter anderem auch das„Heil Dir im Siegerkranz“, wobei sich Männlein und Weiblein vom Platze erhoben und mitsangen. Natürlich machten fast alle die Geschichte mit und n Blicke trafen denjenigen, der sitzen blieb. Im empfand dies als eine Belästigung; denn wenn ich ein Glas Bier im Wirts⸗ haus trinke, will ich keine Demonstration mitmachen, welcher Art sie immer sei.— Man kann dem Mann nicht unrecht geben; übrigens äfft man damit eine Sitte der vielgehaßten — Engländer nach! i — Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Leutnant der Reserve Dr. Theodor Ranft, Oberlehrer aus Gießen.— Freiwilliger Ludwig Lu aus Allendorf a. Lahn, solms, Inf.⸗Reg. 81. 5 — Militärische Versorgungsausprüche und Unterzeichnung dei Stammrolle. Das preußische Kriegsministerium hat in einem Er⸗ lasse darauf hingewiesen, daß in keinem Falle zulässig ist, eine Verzichtleistung auf gesetzlich zustehende Militär⸗ versorgungsgebührnisse zu fordern. Vielmehr sei es selbstverständlich Pflicht der Truppenteile und Behörden, für die Zubilligung etwa zustehender Versorgungsgebührnisse auf das Weitgehendste besorgt zu sein. Die in Ziffer 35,2 der Pen⸗ sionierungsvorschrift vom 16. 3. 1912 vorgesehene Unterzeichnung der Stammrolle oder des Auszuges aus ihr hat lediglich den Zweck, die Richtigkeit aller vorgeschriebenen Eintragungen, insbesondere von Dienstbeschädigungen, Verwundungen und sonstigen Krank⸗ heiten von den zu Entlassenden bestätigen zu lassen. Sie bat keinerlei Einfluß auf etwaige Versorgungs⸗ ansprüche, für die nur die nachteiligen Folgen solcher Ge sundheitsstörungen in Frage kommen.— Vor allem möchten wir aber raten: alles genau durchlesen, bevor man es unter⸗ schreibt! a — Eine Bluttat. Gestern abend gerieten in einer hiesig Wirtschaft zwei Männer in Streik, in dessen Verlauf der eine 5 b anderen niederstach, sodaß der Tod sofort eintrat. Wie man hört, soll Eifersucht die Ursache der Tat sein. Der Täter, der auf Urlau zurückkam, soll durch andere Leute erfahren haben, seine Frau habe sich inzwischen mit einem anderen abgegeben. 5 — Beinahe wieber ein Unglück. Gestern nachmittag stießen auf der Bahnhosstraße, wo diese von der Löwengasse und Mühlstraße gekreuzt wird, zwei Radfahrer zusammen. Beide fielen vom Rade und gerade auf das Gleis der Straßenbahn. Im gleichen Augen⸗ blicke kam auch ein Straßenbahnwagen vom Bahnhof her und hätte die Radfahrer überfahren, wenn der Führer nicht sofort gebremst hätte. So wurde durch dessen Aufmerksamteit ein schweres Un⸗ glück verhütet. Beim Fahren in der Stadt muß eben größte Vor⸗ sicht geübt werden!— Wie wir hören, ist der Führer des Wagens, durch den am Sonntag das Kind überfahren wurde, infolge des Schreckens schwer erkrankt. Von mehreren Seiten wird uns be⸗ stätigt, daß den Mann, der bereits in vorgerückten Jahren steht l als ein vorsichtiger, ruhiger Fahrer bekannt ist, keine Schuld trifft. — Stadttheater. Von heute Dienstag ab werden an dey Tageskasse des Stadttheaters jeweils von 10—1 Uhr die Abonne⸗ ments ausgegeben. An der gleichen Stelle werden von jetzt ab auch die weiteren Abonnementsenmeldungen entgegengenommen.“ — Die Proben haben bereits den Beweis erbracht, daß die Er⸗ üffnungsvorstellung am Freitag in Ludwig Uhlands„Herzog Erust von Schwaben“ eine interessante Aufführung bringen wird. Da die Uhlanoͤsche Dichtung außerordentlich selten aufge⸗ führt wird, werden der hiesigen Erstaufführung vermutlich ver⸗ schiedene Intendanten und Direktoren benachbarter Sädte bei- wohnen. Die Tinte wird teurer. Die Vereinigung deutscher Tinte⸗ fabrikanten beschloß eine sosortige Preiserhöhung um zehn Prozent. — Göchstpreise im Kreise Friedberg. Der Lebensmittel⸗ Prüfungsausschuß des Kreises Friedberg hat neue Preise sestgesetzt, jedene Lebensmittel gegen die bisherigen Pveise eine nennenswerte Herabsetzung bedeuten. Der Verkaufspreis ssür den Doppelzentner Wetterauer Speisekartoffeln beträgt 6—7 Mark. Im Einzelverkauf darf der Preis für das Pfund Kartoffeln 5 Pfg. nicht übersteigen(was im Verhältnis zum Zent⸗ nerpreis viel zu teuer ist), nur Mäuschenkartoffeln dürfen bis 8 Pfg. das Pfund abgegeben werden. Land butter kostet 1.70—1.75 Mk. das Pfund, Wetterauer Süßrahmbutter 2.20 Mark. Der Molkerei⸗ verkaufspreis beträgt vom 14. Oktober ab 2.10 Mk. für das Pfund Süßrahmbutter, auch für den Versand nach auswärts. Ferner setzte der Ausschuß flir Ob st Höchstpreise fest. Wirtschaftsäpfel kosteten im Zentner 5—7 Mk., pfundweise 6—9 Pfg., Tafeläpfel der Zentner 8—12 Mk., pundweise 10—20 Pfg., Wirtschaftsbirnen der Zentner 6—8, Mk., das Pfund 8—10 Pfg. Für Spalierobst edler Sorten, kön⸗ nen höhere Preise gefordert werden.— Das Kreisamt verbietet ferner unter Androhung der gesetzlich höchsten Strafen Preisverab⸗ redungen von Verkäusern und Interessenten zur Erzielung höherer Lebensmittelpreise als vorgeschrieben sind. Die Vorschrift gilt be⸗ sonders auch für die Molkereien. Auch wer Lebensmittelvorräte dem Verkehr entzieht, um sie später oder anderwärts für höhere Preise zu verkaufen, kommt durch das Kreisamt zur Anzeige. Westerwald und Unterlahn. * Ein großes Feuer brach im der Nacht zum Freitag in Katzen⸗ ellenbogen, in der Möbelfabrik von Faust aus. In den großen 0 Holzvorräten fand das Feuer reichliche Nahrung und sprang mit un⸗ glaublicher Schnelligkeit auf das Wohnhaus und die Werkstätte über. In dem Moment, als man das Feuer bemerkte, stand auch das ganze Anwesen schon in hellen Flammen. Aus dem Hause und der Schrei⸗ nerei konnte nicht das geringste mehr gevettet werden, ein Lehrling, der im Dachgeschoß schlief, konnte nur das nackte Leben retten. Trotz sofortigen energischen Eingreisens der Feuerwehr konnte nicht ver⸗ hindert werden, daß das Feuer auch auf das benachbarte Auwesem des Gastwirtes Hofmann übersprang. Stall und Scheune davon sind niedergebrannt, wobei auch zwei Schweite vier Ziegen und zwölf Hühner verbrannten. Von Nah und Fern. * Eine zärtliche Gattin. Ueber das kaum glaubliche Vers halten einer Kriegerfrau wird aus Biskupitz(Oberschlesien) fol⸗ gendes berichtet: Ein im Betriebe des Borsigwerkes beschäftigter Arbeiter, der eingezogen war, hatte das Unglück, infolge eines Kopfschusses die Sehkraft beider Augen zu verlieren. Als er nach seiner Genesung in Begleitung eines Unteroffiziers der Familie zugeführt wurde, ist ihm ein unerwarteter Empfang bereftet wor⸗ den. Die Frau lehnte in barschem Tone die Auf⸗ nahme des verunglückten Kriegers ab, obwohl ihr eine auskömmliche Unterstützung zugesichert war. Sie wies ihren, Ehemann und Vater von zwei Kindern aus der Wohnung hinaus mit dem Bemerken, daß sie mit ihm nicht mehr leben werde. Der Unglückliche ist bis auf weiteres noch im Reservelazarett der Donnersmarckhütte untergebracht. Der Frau ist die Kriegsunter⸗ stützung entzogen worden.— Man kann ja immerhin nicht wissen, ob andere Gründe die Frau zu ihrem Verhalten veranlaßt haben. ——— die für versch Telegramme. Unit des Großen Hauptguartiers. Fortschritte us und Beute. N Erfolge im Luftkrieg. W. B. Großes Hauptquartier, 11. Okt., vorm.(Amtlich.) K Westlicher Kriegsschauplatz In der Gegend Souchez-Neuville und in der Champagne Kordöstlich von Le Mesnil wurden feindliche Handgranaten⸗ ungriffe abgewiesen. a Unsere Kampfflieger erledigten gestern vier feind— liche Flugzeuge. Ein englisches Flugzeug stürzte östlich von Poperinghe ab. Nordwestlich von Lille zwang Leutnant Immelmann einen englischen Kampfdoppeldecker in 4000 Meter Höhe ieder; dieser Offizier hat damit innerhalb kurzer Frist vier feindliche Flugzeuge zum Absturz gebracht. Ferner wurde in der Champagne bei Somme-Py und auf den Maashöhen westlich von Hattonchatel je ein französi⸗ scher Kampfdoppeldecker im Luftkampf abgeschossen. Wir büßten ein Beobachtungsflugzeug südlich Priesterwaldes ein. Oestlicher Kriegsschauplatz. eue des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. Vor Dünaburg und nordöstlich von Widsy sind russische Augriffe abgeschlagen. Ein feindliches Flugzeug wurde westlich von Smorgon Hheruntergeschossen. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. . Oestlich von Beranowiczi wurde ein schwacher feindlicher Vorstoß leicht zu rückgewiesen. Heeresgruppe des Generals v. Linsingen. In den Kavalleriekämpfen in der Gegend von Kuchocka⸗ söola ist der Gegner hinter die Abschnitte der Beziminnaja und Wiesiolucha geworfen. Bei Jeziercy sind die Gefechte noch nicht abgeschlossen; nördlich von Bielskaja-Wola ist der Feind vertrieben. Die Armee des Generals Grafen Bothmer wies erneut starke feindliche Angriffe ab. Deutsche Truppen nahmen die Höhe südlich Hladki(am Sereth 15 Kilometer nordwestlich von Taruopol) und schlugen aus dem Dorfe Wb angesetzte russische Vorstöße zurück. Balkankriegsschauplatz. An der Drina entwickeln sich weitere Kämpfe. Auf der Front zwischen Schabatz und Gradiste ist der Donau⸗ übergang vollendet. Südlich von Belgrad sind die Höhen zwischen Zar bawo und Mirijewo erobert. Weiter öst⸗ lich ist der Angriff im Gange. Die Anathema-Stellung im Donaubogen von Ram wurde erstürmt. Weiter unter⸗ halb von Orsowa finden stellenweise Artilleriekämpfe statt. Die deutschen Truppen machten bisher 14 Offiziere, 1542 Mann zu Gefangenen und erbeuteten 17 Geschütze, da⸗ vunter zwei schwere, sowie 5 Maschinengewehre. Oberste Heeresleitung. Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Wien, 11. Okt.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: 11. Oktober 1915. N Russischer Kriegsschauplatz. Die russische Angriffstätigkeit hat gestern an nserer ganzen Nordostfront wesentlich nachgelassen. Der Feind unternahm nunmehr gegen unsere Linie an der Strypo einige Vorstöße, die für ihn wie an den Vortagen mit vollen Mißerfolg endeten. Im Raume zwischen Zeleznica und dem unteren Styr wurde der Feind gegen Nordosten zu rück⸗ geworfen. Italienischer Kriegsschauplatz. An der Südwestfront fanden gestern gleichfalls keine größeren Kämpfe statt. Ein Angriff der Italiener gegen den Mrzli Vrh wurde schon durch unser Artilleriefeuer abgewiesen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. In der Matschwa und bei Obrenowatsch keine besonderen Er⸗ eignisse. Die über Belgrad vorgehenden österreichisch-ungarischen und deutschen Streitkräfte warfen die Serben aus ihren süd⸗ östlich und füdwestlich der Stadt angelegten Verschanzungen, wobei unsere Truppen den Grünen Berg und den Velky Vracar er⸗ ür mten. Im Raume von Semendria und Pozarewatsch * Divisionen unserer Verbündeten abermals a u m. Bei der Einnahme von Belgrad fielen den K. u. K. Truppen 0 Schiffsgeschütze, 26 Feldgeschützrohre, ein Scheinwerfer, zahlreiche Gewehre, viel Munition und anderes Kriegs material in die Hand. Zehn serbische Offiziere und über 600 Mann wurden als Gefangene eingebracht. Die blutigen Verluste des Gegners waren sehr groß. Die Donauflottille hob eine Anzahl von Fluß⸗ und russischen Seeminen. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnant. 8 Von der bessarabischen Grenzfront. An der bessarabischen Grenzfront in der Nähe des süd— lichen Dujestrufers sind starke Bewegungen der Russen be— des gewannen beträchtlich an einem merkbar. Eine intensivere Artillerietätigkeit hat begonnen. Von den Russen wurde mehrmals versucht zu stürmen, alle ihre Vorstöße wurden erfolgreich abgewiesen. Das nasse Wetter verhindert die Russen, in dem bewaldeten schlüpfrigen und lehmigem Terrain größere Aktionen vorzunehmen. Deutscher Vorsprung. Zur Einnahme von Belgrad bemerkt die Neue Züricher Zeitung:„An sich schon ein großer und glückverheißender Anfangs⸗ erfolg, liegt das Hauptgewicht der raschen Einnahme von Belgrad vor allem auf der politischen und moralischen Seite. Sie verleiht der diplomatischen Aktion im Balkangebiet eine reelle Unterlage und ist geeignet, halbgezückte Schwerter aus der Scheide zu reißen, andere in sie zurückzuzwingen. Sie bedeutet aber vor allem gegen⸗ über der vom Viermächteverband erst geplanten oder schon in der Ausführung begriffenen Aktion am Golf von Saloniki einen immensen Vorsprung, der von der anderen Partei nur schwer ein⸗ zuholen sein wird.“ 4 Untergang eines russischen Kreuzers in der Ostsee. Schweizerische Blätter berichten, der Köln. Ztg. zufolge, aus Petersburg: Private Todesanzeigen in der Nowoje Wremja melden den Verlust eines russischen Kreuzers mit dem gesamten Offizierkorps 5 der Ostsee. Berlin, 11. Okt. Tonnen groß, ist bei Kythera von worden. Der eng 11 ische Dampfer„Trieste“, 1512 einem U-Boot versenkt * 2* Französisch⸗englisches Abkommen über die Landesverteidigungs⸗Industrie. Paris, 11. Okt.(W. T. B. Nichtamtlich.) Der Muni⸗ tionsunterstaatssekretär Thomas erklärte nach seiner Rück⸗ kehr aus London einem Mitarbeiter des Matin, er habe in London mit Lloyd George ein Abkommen unterzeichnet, dessen Inhalt man dahin zusammenfassen könne: Beide Länder verpflichten sich gegenseitig, alle ihre Rohprodukte der Fabrikation für die Landesverteidigung zu widmen. Die Fabrikation aller Privatindustrien, selbst wenn sie ein großes wirtschaftliches Interesse besitzen, sollen erst in zweiter Reihe Berücksichtigung finden. Dieses Abkommen besitze die größte Wichtigkeit für Frankreich, das an Rohstoffen Mangel leide. Die großen Fabriken Frankreichs würden ihre Produktion für den Heeresbedarf mit Unterstützung von England und Amerika ständig erhöhen können. 2 Vom Balkan. Bevorstehendes bulgarisches Ultimatum an Serbien. T. U. Kopenhagen, 11. Okt. Aus Petersburg wird ge⸗ drahtet: Aus zuverlässiger Quelle wird bestätigt, daß Bul⸗ garien Serbien ein Ultimatum überreichen wird über die Abtretung Mazedoniens, bevor es Serbien formell den Krieg erklärt. Blockade der bulgarischen Küste. Genf, 11. Okt. Laut einer Athener Meldung berichten Kapitäne von Segelschiffen, welche am 9. Oktober abends in Athen eingetroffen sind, daß ein starkes englisches Ge⸗ schwader seit zwei Tagen Dedeagatsch und die bul⸗ garischen Küsten blockiert. g Englands Angst vor deutschen U-Booten. Athen, 8. Okt. Der englische Gesandte Elliot veröffentlicht heute in hiesigen Blättern wieder einen Aufruf zur Einbringung deutscher Unterseeboote oder sicheren Angaben darüber. Die bis⸗ herigen Belohnungen dafür sind erheblich gestiegen. Elliot bietet 2000 Pfund Sterling und mehr. Die griechische Regierung wird gegen dieses bisher geduldete Treiben der englischen Diplomatie scharf protestieren und außerdem auf administrativem Wege den griechischen Blättern derartige Ankündigungen in Zukunft ver⸗ bieten. Uneinigkeit im französischen Ministerium. Mit Delcasse, so berichtet der Pariser Korrespondent des Secolo, trat auch Millerand gegen eine Landung in Salonik auf, was zu schweren Differenzen im französischen Minister⸗ rat führte. Delcasseé begründete seinen Widerspruch mit dem Widerwillen, den England gegen eine Landung mit Rücksicht auf die Begründung seines Krieges gegen Deutschland zeigte. Briand gelang es jedoch, die Mehrheit des Ministeriums für die Londung zu gewinnen, worauf Viviani und Augagneur mit fieberhafter Eile im Kraftwagen bis Calais und von dort im Torpedoboot über den Kanal reisten, um gegenüber dem englischen Zaudern die Landung durchzu⸗ setzen. Doch ließ England absichtlich den französischen Truppen den Vortritt in Salonik. Interessant ist ferner das Geständnis des Secolo-Korre— spondenten, daß sowohl Joffre wie French nur zaudernd der Landung zustimmten. Schließlich habe Joffre eingewilligt, einen Teil der in Frankreich stehenden Engländer dafür frei— zugeben. Verschärfte Zensur in Paris. Paris, 11. Okt.(W. T. B. Nichtamtlich.) Der Temps mel Die Zeitung Oeuvre, die vorgestern verboten wurde und geste wieder erschien, ist für weitere 14 Tage verboten worden. Da Hlakt Radtcal ist auf zwei Tage verboten worden, ebenso de Rappel. Die Guerre Sociale, die ihr Erscheinen gleichfalls ein stellen mußte, konnte gestern wieder erscheinen. 8 * Eine Warnung an die englische Regierung. T. U. London, 11. Okt. Das Kriegswochenblatt Nation ist mit der Einleitung einer Aktion in Saloniki keineswegs zufrieden. Das Blatt nennt die Entsendung eines Heeres nach diesem Kriegsschauplatz, abgesehen von politischen Ge⸗ fahren, ein äußerst bedenkliches Unternehmen und hofft, daß die Regierung sich die dort zu lösende Aufgabe und die damit verbundenen Schwierigkeiten vorher aufs sorgfältigste über, legt habe. Die Sitnation der Entente in Athen. Der Athener Korrespondent des Corriere della Sera fährt in seinen höchst unerbaulichen Schilderungen fort und erzählt, daß in den Ententekreisen in Athen tiefes Mißtrauen gegen die griechische Politik herrsche. Bevor Griechenland nicht gewichtige Garantien gebe, könne der Vierverband es nicht wagen, sein Expeditionsheer nach dem Innern des Reiches zu schicken. Obwohl das griechisch⸗ Volk die Möglichkeit seiner Blockade durch die Entente erwäge werde dennoch der Rücktritt Venizelos von niemandem mißbilligt Allerlei Gerüchte von einem Mackensenschen Heer durchschwirren die Luft. Der türkische Tagesbericht. Konstantinopel, 10. Okt.(W. T. B. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: An der Dardanellenfront, bel Anaforta brachte am 9. Oktober unsere Artillerie die feind lichne Batterien zum Schweigen, die unsern linken Flügel be schossen. Bei Ari Burnu zerstörte eine von uns gesprengt. Mine die im Bau begriffene feindliche Mine. Die feindlich Artilleriestellung wurde bei Korfodere durch wirksames Feuel unserer Artillerie vernichtet. Der Feind wurde gezwungen diese Stellung zu räumen. Bei Sedd⸗ül⸗Bahr griffen in dex Nacht zum 9. Oktober unsere Aufklärungskolonnen des linker 4 mit Beute zurück. Sonst nichts Neues. 2 Das Dardanellenunternehmen der Entente T. U. Konstantinopel, 11. Okt. richteten Kreisen nicht den Glauben, daß die Alliierten dag Dardanellenunternehmen aufgeben werden. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen. 10 Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach 4 Bekanntmachung. Die im September 1898 geborenen Landsturmpflichtigen der g bis 12 Uhr und nachmittags von 2 bis 6 Uhr im Rathaus am Markt platz zur Landsturmrolle melden. Auswärts Geborene haben ihren Geburtsschein vorzulegen. Gießen, 6. Oktober 1915.* 4 Der Sbesdargernelter, 1 9 Keller. 3 . Eilen Sie Probieren Sie! . Ja. Hleischwurst. ber Pfund 1.50 Ba. Preßtoyf., 1.50 jeden Tag frisch zu haben im Lebensmittelhaus Marktstrasse IA. 2 4** Zeugnis des hiesigen chem. Untersuchungsamts enth. die Wurst keine Konservierungs⸗ noch Bindemittel. Clektromonteure für Haus⸗Installationen bei gutem Lohn sofort I dauernd gesucht. Aauara Bede J-, Nächst a n. Ankauf: neun tts. mus, Ischias u. Gicht können Sie selbst bekämpfen, Ich wil nichts verkanfen. Für Aus „ Kkuntt Freimarke beifügen. Brandt, kriegschulbeamter a. 0. Alteisen, Lumpen, Knochen, Papier, Kupfer, Messing, Zink, Zinn, Blei, bei Louis Rothenberger Neuenweg 22. Halle A. 8. 438, Jakobstrett Preis 40 Pfg. DWir bitten unsere Träger, Bestellungen sofort aufzugeben. Buchhandlung der Oberhessischen Volkszeitung Gießen, Nahngofstr. 7 ist erschienen. Preis 40 pfg 8 55 20038. Flügels die feindlichen Gräben mit Bomben an und kame Die Wegziehung eng lischer Truppen von den Dardanellen erweckt hier in unten 1 Stadt Gießen müssen sich am 15. Oktober ds. Is., vormittags von“