N Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. die Oberbessische Volkszeitung erscheint jeden Werktag Abend in lien. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich 9 Fig. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl. 180 Mk. Redaktion und Expedition Gießen, Bahnhofstraste 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Inserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. rr 99% 1 1 1 2 U Nr. 237 Gießen, Samstag, den 9. Oktober 1915 10. Jahrgang Im Höheput einde im eigenen Land. ius parlamentarischen Kreisen schreibt man uns: n einer bestimmten Presse, dexen Tendenzen durch die Namen e Tageszeitung, Rheinisch⸗Westfälische Zeitung zur Genüge gerigt sind, geht zur Zeit ein richtiges Kesseltreiben vor sich aden Bund„Neues Vaterland“. Dieser Vereinigung, an deren i Persönlichkeiten von unbezweifelbgrer Treue zu Deutschland e wird vorgeworfen, daß sie durch ihre Veröffentlichungen die fte des feindlichen Auslandes besorge und so die schweren e der deutschen Truppen zunichte mache. Die Hetzpresse der ühschen Länder nutze diese Veröffentlichungen aus, um ihrem um zu erzählen, es bestehe in Deutschland Kriegsmüdigkeit, em seien Rundschreiben des Bundes an seine Mitglieder ins lud gelangt, durch welche Petitionen für und gegen Annexio⸗ er Kenntnis des Auslandes gekommen seien und dieses in die persetzt worden sei, Stimmung gegen Deutschland zu machen. würde kaum der Mühe lohnen, von dieser mit aufreizenden worten wie„Schüsse in den Rücken“,„Feinde im eigenen und dergleichen betriebenen Hetze Kenntnis zu nehmen, e nicht geradenwegs denunziatorischen Charakter trüge. Die behörden werden aufgerufen, der ohnehin in ihrer Be⸗ sfreiheit arg eingeschränkten Vereinigung den Lebensfaden imdig zu unterbinden. Von schlimmeren Zwecken der Hetze cht zu reden. Was aber ganz besonders dazu Veranlassung egen diese letztere Stellung zu nehmen, ist der Umstand, daß umgekehrt die Presse, welche sie betreibt, und deren Hinter⸗ ler es sind, welche Deutschland wirklich im Auslande schaden, var nicht nur im feindlichen, sondern auch im neutralen d. Durch ihre sinnlosen Ergüsse wilden Hasses, ihre Agi⸗ für angemessene Friedensforderungen Deutschsands liefern Deutschland feindlichen Presse im Ausland immer neues Aeiial für deren Hetzartikel. Sie sind die wirklich gefährlichen ide im eigenen Land“, denn gerade sie haben den für die Aus⸗ thwolitik Deutschlands verantwortlichen Personen wiederholt asse in den Rücken“ versetzt, welche ihnen Schmerzensrufe ent⸗ ke,, wie sie der Bund„Neues Vaterland“ noch nie veranlaßt „Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung weiß davon zu erzählen. tiaben keinen Anlaß, uns als Hüter der Reichsregierung aufzu⸗ (en. Aber soviel ist jedem klar, der unser politisches Leben auf⸗ kamen Blickes verfolgt, daß, wenn die Leiter der Auswärtigen Ie Deutschlands bei Bemühungen, die Zahl von dessen Feinden irgend jemand Schutz brauchen, sie ihn gegen die nötig habeg. welche sich herausnimmt, den Bund„Neues Keand“ der Schädigung Deutschlands zu zeihen, weil er, statt waßlose, für maßvolle Friedensziele eintritt. kopiel an die Adresse der konservativen und nationalliberalen lber dieser Hetze. An ihr haben sich aber auch volkspar⸗ il che Blätter, wie Freisinnige Zeitung, Hamburger Fremden⸗ Matisw. beteiligt, zum Teil gleichfalls in gehässig denunziatori⸗ 1 1 Wendungen. Sie machen u. a. den Bund dafür verantwore⸗ aß gewisse annexionistische und anti⸗annexionistische Denk⸗ uten ihren Weg ins Ausland gefunden haben. Als ob nicht Druckwerk, das an einen größeren Personenkreis versandt schließlich auch in die Hände von Personen gelangt ist, für die t bestimmt war. Dinge, für die in weiteren Kreisen agitiert ind einfach nicht auf die Dauer geheim zu halten, auf die eine endere Weise kommen sie doch ans Licht und damit auch ins ö uche Ausland, das über die Vorgänge bei uns und namentlich J be hie Aeußerungen unserer Presse von Korrespondenten in neu⸗ en Ländern sehr gut unterrichtet wird. 2 e muß denn der Freisinnigen Zeitung das folgende passieren: volkspartefliche Blatt ist ganz besonders ungehalten darüber, e Pariser Humanité die anti⸗annerionistische Denkschrift des „Neues Vaterland“ in die Hand bekommen hat und nun tlichte. Aber die Humanits hat auch die anti⸗annexionistische ichrift der freikonservativ⸗liberalen Intellektuellen, eines Del⸗ veröffentlicht, und in ihrer Nummer vom 2. September ug sie sogar ein Verzeichnis der hauptsächlichsten Unterzeichner ein Denkschrift. Und woher hat sie das Wissen davon? Man * sei entsetzt, empört: aus der Freifinnigen Zei⸗ * zalsächlich ist es natürlich alles Mögliche, nur nicht eine kilhgung Deutschlands“, wenn das Ausland erfährt, daß es bei Wach Leute, ja sogar Geleheete gibt, die in dieser Zeit der Per⸗ ung der Geister einen leidlichen Blick für das politisch Mög⸗ c und Vernünftige sich bewahrt haben. Am Ruf, überlegte zu beherbergen, ist noch kein Land zugrunde gegangen. Das in selbst volksparteiliche Redaktionen begreifen. * 8 Griechenland und Bulgarien. uf dem Balkan überjagen sich förmlich die Sensationen. Nach obilisation Bulgariens kam das Ultimatum Rußlands, die Asche Mobilmachung, die Truppenlandung in Saloniki, 155 1 Assche Protest, die Demission Venizelos, nach dieser die Abreise Wierverbandsgesandten aus Soja und die Bildung eines Kean Gsninisteriums in Athen. Man braucht kein Prophet zu sein, un stens eine weitere Senfation vorhersagen zu können; 1 00 Umatum Bulgariens an Serbien und den en- Euch zwischen diesen beiden Staaten. Inzwischen aber kon zen. it sich die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf die Vorgänge wechenland und auf das Verhältnis dieses Landes zu Bulgaren Esceint nach allen Mitteilungen, die selbst Reuter und die en Uresse verbreiten müssen, sicher zu fein, daß es nach der 120 des griechischen Ministerpräsidenten weder zu. einer Mevo⸗ in Griechenland noch zu einer Kriegserklärung dieses Landes (garen oder an den Vierverband kommt. Der Anhang, den Rinig im Lande gewonnen hat und der sich besonders aus 0 trischen Erfolgen als Kronprinz im zweiten Balkankriege ce sscheint weit stärker zu sein, als man bisher irgend wn dur Es kommt aber ein allgemeiner politischer Grund für ikt des die gegenwärtige kriegerische Enthaltsamkeit Griechenlands hinzu, die unferes Erachtens viel zu wenig gewürdigt wird. Die Verwick⸗ lung Griechenlands in einen Weltkrieg bedeutet nämlich für Griechen⸗ land etwas ganz anderes, als seinerzeit seine kriegerische Ein⸗ mischung auf dem Balkan bedeutet hat. Es gibt kein Volk der Welt, die Juden ausgenommen, wenn man sie als Nation betrachten wollte, das so sehr in der ganzen Welt verstreut lebt und so sehr mit anderen Nationen verwachsen ist, wie das griechische. Die Griechen in den fremden Volkskörpern haben sich außergewöhnlich schnell und gründlich ihrer neuen Umgebung angepaßt und die Verwirklung Griechenlands in den gegenwärtigen Weltkrieg würde nicht nur sie, sondern auch ihre heimatliche Regierung dadurch in katastrophale Widersprüche bringen können. Dieser Umstand wird sicherlich auch in Athen entsprechend gewürdigt und er bildet zweifellos für die be⸗ kannte Friedensliebe des Königs ein starkes Moment der Unter stitzung im Lande. Das deutsche Reich kann der weiteren Eutwick lung auf dem Balkan gegenwärtig verhältnismäßig ruhig entgegen⸗ sehen. Die Entscheidung Bulgariens für die Zentralmächte steht fest und die militärische Situation ist dadurch für uns und die Türkei wesentlich verbessert worden. Die militärische Ueber⸗ legenheit der Zentralmächte hat sich überdies im Osten so unzweifel⸗ haft erwiesen, daß sie auch im Südosten in höchstem Ansehen steht und jeder Gefahr trotzen wird. Andererseits aber kann der deutschen Heerführung und ebenso dem deutschen Volke nichts daran liegen, durch das Eingreisen Griechenlands im Sinne der Entente-Mächte einen Gegner mehr zu bekommen. Im Gegenteil wird Deutschland alles tun, was es vermeiden kann, einen neuen Gegner zu bekom⸗ men, um desto schneller mit den schon vorhandenen Gegnern mili⸗ tärisch fertig zu werden und den Frieden zu beschleunigen. Vom diplomatischen Standpunkte aus würde Deutschland freilich eine weit leichtere Situation auf dem Balkan bekommen, wenn Griechen⸗ land sich zu seinen Feinden schlüge, denn dies würde die Aus⸗ gleichung der zwischen Bulgarien und Griechenland seit dem zweiten Balkankriege bestehenden starken Gegensätze zweifellos erheblich er⸗ leichtern und beschleunigen. Aber kein vernünftiger Mensch wird aus diesem Grunde die offene Feindschaft Griechenlands wünschen, oder sie gar provozieren helfen. Nicht nur aus militärischen, son⸗ dern auch aus rein menschlichen Gründen werden wir uns deshalb mit aller Macht dafür einsetzen müssen, daß Griechenland zum mindesten neutral bleibt und alles vermeiden, was ohne Grund zur Verschärfung der Gegensätze zwischen Griechenland und Bulgarien beitragen könnte. Das neue griechische Kabinett. Paris, 7. Okt. Agence Havas meldet: Zaimis hat die Bildung des neuen Kabinetts übernommen, welches Theo⸗ tokis, Rhallis, Dragumis und Gunaris um⸗ fassen wird. Die endgültige Ministerliste wird morgen dem König überreicht werden. Zaimis wird das Aus w ärtige übernehmen. 5 ö 2 Ueber die Entwicklung der Ministerkrisis macht Havas noch folgende Mitteilung: Der König empfing Dienstag abend Zaimis und am Mittwoch Gunaris und Rhallis, um sich mit ihnen über die Ministerkrisis zu besprechen. Im Laufe dieser Besprechungen er- suchte der König die ehemaligen Minister um ihre Unterstützung. Nach langer Diskussion wurde im Prinzip beschlossen, ein Koa⸗ littonskabinett unter dem Vorsitz von Zaimis unter Aus⸗ schluß von Veniselos zu bilden. Die Klärung der Lage ist also erfolgt durch die Bildung eines Ministeriums Zaimis, dem sämtliche Fi der Opposition angehören. Die Leitung der Staatsgeschäfte übernimmt ein Ministerium, das mit der Neutralitäts⸗ politik des Königs einverstanden ist, und es hätte die Nach⸗ folge von Veniselos schwerlich übernommen, wenn es sich nicht die Kraft zutraute, dieser Neutralitätspolitik auch zur ehrlichen Anerkennung vor dem ganzen Volke zu verhelfen. Ob unter solchen Umständen der Vierverband noch den Mut haben wird, seinen Neutralitätsbruch durch die Fort⸗ setzung der Landung in Salon ik fortzusetzen, werden die nächsten Tage lehren. Man wird dann auch sehen, ob die Landung hier mit unzulänglichen Kräften unternommen wurde, weil der Vierverband über gen ügende Streit⸗ kräfte für einen Balkanfeldzug nicht verf gt, und es nur auf einen Bluff abgesehen war, um die griechische Armee für die Zwecke des Vierverbandes einzuspannen. Die Truppenlandung in Salonik. Der Berliner Lokal-Anzeiger meldet aus Chiasso: Der Corriere della Sera berichtet aus Athen vom 6. Oktober, daß die begonnene Truppenlandung des Vierverbandes in Salonik bis zur Klärung der Lage eingestellt worden sei. Die Franzosen zum Fall Veniselos. Die französische Presse macht, wie der Frankf. Ztg. berichtet wird, aus ihrer Ueberraschung über die Demissson von Veni⸗ selos kein Hehl. Der Temps führt aus, der König Konstantin sei aus Furcht vor Deutschlan d und vor dem deutschen Kaiser aufs neue zurückge wichen; aber die griechische Regierungs⸗ krisis könne die Expedition der Verbündeten nach Magedonien in keiner Weise beeinträchtigen. Das Echo de Paris nennt die Ent⸗ lassung von Veniselos einen Staatsstreich des Königs Kon⸗ stantin.„Er hat“, so sagt das Blatt,„das Mobilmachungsdekret unterzeichnet, er hat der Landung französischer Truppen zuge⸗ stimmt, aber er will nicht in den Krieg ziehen gegen die mit den Von einer Rücksicht auf die Deutschen verbündeten Bulgaren.“ on 10 a keine Rede mehr sein. Es innere Krisis Griechenlands könne jetzt handle sich darum, so schnell wie möglich den Deutschen den Weg nach Konstantinopel zu verlegen. Der Matin ist ebenfalls der Meinung, daß die vorgestrige Kammerrede von Veniselos dessen Demission herbeigeführt habe, weil der König gegen eine aktive Teilnahme Griechenlands am euxopäischen Kriege sei. Der König sei durch seine Umgebung totsächlich den deutschen Einflüssen ausgesetzt, er glaube an die deutschen Siegesberichte. und vielleicht habe ihm sein Schwager, der Kaiser, märchenhafte Vorteile für die Entlassung versprochen. Her vs spricht in der Guerre Sociale die Befürchtung aus, daß die Franzosen und Engländer angesichts der griechischen Neutralität nicht in der Lage sein werden, die 300 000 bis 400 000 Mann Truppen nach Mazedonien zu schicken, die zu einer erfolgreichen Expedition un ⸗ erläßlich seien. Da auch Rumänien Neigung zeige, vor⸗ läufig neutral! zu bleiben, müsse FTtalien einspringen, damit die jetzt von Frankreich und England zu landenden 100 000 bis 150 000 Mann nicht nutzlos geopfert würden. Die bulgarische Antwortnste. Paris, 7. Okt. Savas meldet aus Sofia: Ein Com⸗ muniquc gibt bekannt, daß die bulgarische Note den Vertretern Frankreichs, Englands und Rußlands überreicht worden sei. Sie erklärt das Wesen der b ewaffneten Neutralität Bulgariens und weist die Anschuldigung bezüglich der angeblichen Anwesenheit d eutscher und österreichisch-ungarischer Offiziere in der bul⸗ garischen Armee zurück. Die bulgarische Regierung beab⸗ sichtigt die Veröffentlichung eines Grünbuches über ihre Ver⸗ handlungen mit dem Vierverband. Gegen die Wehrpflicht in England. f In Nottingham wurde am Dienstag die Generalversammlung des englischen Bergarbeiterbundes abgehalten. Der Vorsitzende teilte mit, daß von 700 000 Mitgliedern schätzungsweise mehr als 200 000 bereits Freiwilligendienst nahmen. Der Vorsitzende sagte weiter in seiner Eröffnungsrede, daß der Ruf nach allgemeiner Wehrpflicht aus zwei Gründen mißbilligt werden müsse. Einmal. weil England ein Freiwilligen-Heer zusammengebracht habe, das alle Träume der Konskription überträfe und dann, weil überhaupt keine autoritative Erklärung über die Bedürfnisse des Landes er⸗ folgt sei. Die Frage der Wehrpflicht würde als Vorwand für die industrielle Zwangsarbeit benützt. Es handle sich nicht darum, Soldaten für die Armee zu bekommen, sondern dahinter steckt die Einführung von Arbeiterzwang in den Fabriken, Bergwerken und Eisenbahnen. Eine neue euglische 12 Milliarden⸗Anleihe. Die Neue Zürcher Zeitung bringt eine Meldung vos Verhandlungen des englischen Schatzministers mit einigen Großbanken über eine fünfprozentige Anleihe von 600 Mil⸗ lionen Pfund Sterling. Englische Geldsammlungen für Flüchtlinge. T. U. Amsterdam, 7. Okt. Wie der Times aus Petersburg ge. meldet wird, hat sich die Einwohnerzahl von Petersburg, Moskau und anderen großen Städten durch die aus Westen geflüchtete Land⸗ bevölkerung um 50 Prozent vermehrt und die Ernährungsfrage be⸗ gegnet infolgedessen großen Schwierigkeiten. In Petersburg gibt es eine Million Einwohner mehr als sonst. Namentlich die Herbei⸗ schaffung von Lebensmitteln ist sehr schwierig, da es an Transport⸗ mitteln mangelt. Die Regierung habe die Versorgung der Haupt⸗ städte jetzt selber übernommen und dem Landwirtschaftsminister mit dem Ankauf und der Ueberführung von Lebensmitteln beauf⸗ tragt. Ein Komitee in London sammelt jetzt Geld für die jüdischen Schlachtopfer in Rußland und Polen. Der Vorsitzende des Komitees, in dem fast alle englischen Juden von Namen vertreten sind, ist Leopold von Rothschild in London. Die Firma Rothschild er- öffnete die Liste mit einem Beitrage von 5000 Pfund. Freigabe des norwegischen Dampfers „Modig“. Das deutsche Oberprisengericht gab den norwegischen Dampfer„Modig“, die beschlagnahmte Ladung und die für den Schiffswert hinterlegte Summe frei. Das Blatt Sjöfarts Tidende schreibt dazu: Dieses Urteil befestigt noch mehr den guten Ruf, den das Berliner Oberprisengericht sich bereits verschafft hat. Dieser neue Beweis der strengen Recht⸗ schaffung der deutschen Gerichte wird in Norwegen mit großer Befriedigung aufgenommen. Präventivzensur in Rußland. Kopenhagen, 7. Okt. Obwohl mitgeteilt wird, die russische Regierung habe den Vorschlag einer Wiederein⸗ führung der Präventivzensur abgelehnt, soll die Frage laut Nowoje Wremja noch schweben. Die Generalversammlung des Petersburger Pressevereins nahm eine Protestresolution gegen die Präventivzensur an mit der Begründung, diese würde ein Zusamemnarbeiten der Regierung mit der Presse, das in jetziger schwerer Zeit notwendig sei, unmöglich machen. Eine Deputation des Pressevereins suchte zweimal eine Audienz bei dem Mimister des Innern Schtscherbatow nach abar vergeblich. die russischen 8 Zur Eroffnung der Duma. 5 T. U. Stockholm, 7. Okt. Die Reichsduma wird nicht bor Nodember(neuen Stils), wahrscheinlich zum 7. No⸗ vember, einberufen werden. Ein dahingehender Beschluß ist im jüngsten Ministerrat im Hauptquartier des Zaren gefaßt worden. Der Eisenbahner⸗Revers vor dem Finanzausschuß der bayerischen Abgeordnetenkammer. In Vayern müssen die Eisenbahner einen Revers unterzeichnen, daß sie sozialdemokratischen Organisationen nicht angehören. Gegen diesen Revers ist schou oft Sturm gelaufen worden, auch während der Dauer des jetzigen Krieges, aber immer vergeblich. Im Finanz⸗ ausschuß gab nun der Ministerpräsident v. Hertling die Erklärung ab, daß die Staatsregierung mit aller Entschiedenheit daran fest⸗ halten müsse, daß der Streik vom Eisenbahndienst serngehalten werde. Die Regierung sei nicht gewillt, unter allen Umständen an dem Nevers festzuhalten. Zum Zwecke der Aufhebung sei bayeri⸗ scherfeits die Abhaltung einer Konferenz aller deutschen Eisenbahn⸗ verwaltungen angeregt worden; diese Konferenz werde in den nächsten Wachen stattfinden. Sie soll Mittel ausfindig machen, den Ftreik von den Eisenbahnbetrieben fernzuhalten. Eine späte Anerkennung. In einer von der Täglichen Rundschau veröffentlichten Artikelserie„Dem sozialen Frieden entgegen“ von Direktor Spieker, finden wir folgende Worte, die in uns eigenartige Erinnerungen und Gefühle hervorrufen: Die Sozialdemokratie hat nach reinen vorurteilsfreien Beobachtungen das große Verdienst, sowohl den Alkoholis⸗ mus so erfolgreich wie kaum eine andere mit ihr kon— kurrierende Vereinigung zu bekämpfen; sie hat auch das Verdienst, durch ihre Jugendpflege die Fabrik⸗ lehrlinge von der Straße und aus dem Wirtshause fortgebracht zu haben. So war es mir durchaus nicht überraschend, als mir unlängst ein Fabrikbesitzer aus Berlin, der 500 Arbeiter beschäftigt, er— klärte, er verdanke es allein der Anti-Alkoholbewegung und der Jugendpflege der Sozialdemokratie, daß sowohl seine zahlreichen Lehrlinge, als ouch seine Arbeiter überhaupt, in den letzten Jahren auf ein bedeutend höheres sittliches Niveau gehoben worden seien. Herr Spieker verspricht sich im übrigen eine Milderung der sozialen Gegensätze u. a. auch von einer gerechten Aenderung des Dreiklassenwahl⸗ systems und einem wirksamen Schutz gegen übertriebene Erhöhung der Lebensmittelpreise.. Die deutsche Offensive am Balkan. Mit dem Beginn der neuen Offensive gegen Serbien sind, wie Major Morath im Berliner Tageblatt schreibt, die großen deutschen Heeresgruppen um einen gewaltigen Raum aus⸗ einandergerissen. Verbinden wir die Punke Libau-Riga Belgrad, so erhalten wir ein Dreieck, dessen Seitenlängen rund 1500 Kilometer betragen. Unsere östliche Front zwischen der Ostsee und den Ufern der Donau würde mehr als 1700 Kilometer betragen. Eine Würdigung der ungeheuren Schwierigkeiten der einheitlichen Gesamtleitung unserer ilitärischen Streitkräfte wird erst dann möglich sein, 125 wir das Gesamtbild unseres großen Kampfes abgeschlossen vor uns haben. Zur Zeit können wir diese Leistung unseres Großen Hauptquartiers nur als beispiellos bezeichnen. Bulgarien contra Serbien! Ein Ultimatum Bulgariens an Serbien. Reuter meldet aus Petersburg: Nach der Birshewija Wiedomosti erhielt der serbische Gesandte Bericht, daß die bulgarische Regierung ein Ultimatum an Serbien gerichtet habe, in dem die bulgarischen Forderungen auf Mazedonken nuch einmal zusammengefaßt werden und eine Antwort inner⸗ halb 24 Stunden verlangt wird. 5 Serbien provoziert! Serbien zeigt angesicht des Rickhalts, den es in der eng— lisch⸗französischen Truppenlandung in Saloniki zu sehen glaubt, Bulgarien gegenüber eine recht hevaus⸗ fordernde Haltung. Wie der Dimineatza aus Nisch tele graphiert wird, verlangt die serbische Regierung zwecks Ver⸗ meidung eines bewaffneten Konfliktes nicht nur die Demobili⸗ sation der bulgarischen Armee, sondern fordert außerdem den Anschluß Bulgariens an den Bjerverband, damit Serbien bei der bevorstehenden Offensive der Zentralmächte im Rücken gedeckt sei. Die serbische Militärpartei bemüht sich nach einer Meldung des Preporetz, an der mazedonischen Grenze Zwischenfälle herbeizuführen, um einen Krieg mit Bulgarien zu provozieren. Längs der ganzen mazedonischen Grenze sind starke serbische Truppenmassen konzentriert. 5 Bulgarische Vorsichtsmaßnahmen. T. U. Amsterdam, 8. Okt. Die Times melden aus Saloniki, daß die bulgarischen Behörden aus strategischen Gründen die Räu⸗ mung aller Städte und Dörfer an der thrazischen Küste von der bürgerlichen Bevölkerung angeordnet haben. Die Truppenlandungen der Entente in Salonik. Pariser Meldungen aus Sofia zufolge sind bis gestern 30 000 Mann gelandet worden. Die Ausschiffungen werden entgegen anderslautenden Meldungen fortge⸗ setzt. Beständig treffen neue Trausportdampfer ein. In kurzen Zwischenräumen gehen die Züge ab, um die Truppen nach Norden zu führen. Das wahre Gesicht Englands. „Die Morning Post wirft die Maske gegenüber Griechenland ab, indem sie schreibt: Es ist vielleicht nicht überflüssig, Sir Edward Grey darauf aufmerksam zu machen, daß die Zeit ge- lommen ist, im Ministerium Geisteskraft und Entschlossenheit zu zeigen. Hohe Ideale sinb nicht genug; man muß losschlagen und offenherzig reden. Der Dardonellenmißgriff ist uns teuer bu stehen gekommen, aber es ist nicht der einzige Fehler, den wir im Orient gemacht haben. Ein Balkaustaat ist schon verloren, jetzt gilt es zu verhüten, daß nicht auch der zweite verloren geht. Dazu missen wir die Landmacht und die Seemacht klug benutzen. Wir haben das Recht, die in Betracht kommenden Länder zu fragen: Freund oder Feind? Falls Griechenland Englands Freund ist, so muß es uns mit Heer und Flotte helfen, verhindert aber irgend eine politische Partei diese Politik, so müssen wir mit unserem Heer und unserer Flotte Griechenland von der Herrschaft dieser Partei befreien. Ein rabiater Ministersohn. Magdeburg, 8. Okt.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die Magbe⸗ burgische Zeitung meldet: Der im Gefangenenlager in Halle inter⸗ nierte französische Leutnant Deleassé, ein Sohn des fran⸗ zösischen Ministers des Aeußern, wurde wegen Gehorsamsver⸗ weigerung und Widersetzlichkeit zu einem Jahr Festungshaft ver⸗ urteilt. Delcasse hatte sich zu Beschimpfungen Deutschlands hin⸗ reißen lassen. Ein zweiter französischer Offizier erhielt 17 Jahre“ Festungshaft. 5 Kriegsnolizen. Der Leiter der Versuchs⸗ und Lehranstalt für die Brauerei, Professor Lindner, hat ein Verfahren entdeckt, das es ermöglicht, aus Hefe Fett zu gewinnen.— Ob es sich dabei um mehr handelt als um ein interessantes Experiment, muß abgewartet werden, Die Zeitschrift Kunst und Künstler schreibt in ihrer neuesten Oktober-Nummer: Der verwundete, in französische Gefangenschaft geratene Berliner Maler Ernst Gabler schreibt uns von Belle⸗-Isle-en-Mer, daß es ihm, den Verhältnissen ent⸗ sprechend, gut ergeht. Er schreibt unter anderm:„Vor einem der Nachbarzelte sitzt der Berliner Bildhauer Gerstel und schnitzt Holzfiguren, kann sich auch Aufträgen wie des Einschnitzens von Namen in Tabakpfeifen nicht eutziehen. Ich habe Porträtaufträge, bei denen auf gute Ausführung der Uniform und der Ordens⸗ abzeichen Wert gelegt wird.“ Die Morning Post meldet aus Madrid vom 5. Oktober: Nach einem Telegramm aus Barcelona sind dort ein deutscher General und zwei Offiziere aus Villefranche de Conflens, die mit neun anderen deutschen Kriegsgefangenen fhüchteten, angekommen. Die anderen neun sind wieder sestgenommen worden Der Mangel an Lebensmitteln beschäftigt jeden Tag die Petersburger Zeitungen. Versammlungen werden abge— halten mit den heftigsten Angriffen auf die Verwaltung der Stadt. 900 Wagen mit Getreideprodukten sind spurlos verschwunden. Die Repräsentanten der Stadtbehörden werden beauftragt, diese Wagen aufzuspüren, die seit dem 1. Mai auf dem Wege waren. Der Aus⸗ schuß für Regelung der Brennholzpreise ist zu dem Eegeb⸗ eee Aer umme vis gekommen, daß die Versorgung mit 5 1 Brennm 'etersburg, Moskau und Kiew bedrohlich seii f 9 der Cholerafälle, die in Finnl kommen find, sahen sich die dortigen Behörden veranla sondere Maßnahmen au ergreifen. a Bei mehreren in Deutch: Südwestafritg Gesellschaften ist, wie die Tägl. Rundschau berichtet, eingegangen, daß die Angestellten— auch die, welch südafrikanischen Union eingerichteten Sammellager worden waren— nunmehr an ihre früheren Wohnstätten zn gekehrt sind und ihre berufliche Tätigkeit wieder aufgem haben. g 5 Partei⸗Nachrichten. Straferlaß. ö Genosse Otto Geithner wurde bekanntlich wegen stätsbeleih gung. die er durch die Veröffentlichung der Fabel mäuse und Hamster“ nach Richterspruch begangen Hat, zu einen urenatigen Gesängnisstrase verurleilt. Jwei Drittel dieser hat Genosse Geithner verbüßt, ein Gestellungsbesehl beendig nächst die Haft. Jetzt erhielt der Landsturmrekrut Geithner din teilung, daß ihm der Rest seiner Strafe erlassen ist. Der holländische revolutionär⸗sozialistische Bund. IK. Von unserem holländischen jo⸗Mitarbeiter: Alle d bringen jetzt das Manisest der Konserenz in Zimmerwald sich auch Vertreter der sozialistischen Partei Hollands beteiligt sollen. a In Parteikreisen hat man sich nicht wenig gewundert übe; erstaunliche Nachricht, da nämlich keiner der bekannten unter den Teilnehmern war. Bald stellte sich heraus, daß malige Genossin, Frau Roland⸗Holst die einzige Vertreteri soziglistischen Partei“, wie es im Manifest heißt, war. Frau Holst ist nicht Mitglied der holländischen Partei, sonde einigen Monaten eine Partei für sich, oder eigentlich einen gegründet, den„Revolutionär⸗sozialistischen Bund“. Au haben sich vielleicht 20 bis 30 Paxteigenossen, die keine neus gründen wollten, angeschlossen. Der Bund gibt eine Mog Die Internationale heraus. Das sieht zwar nun alles artig aus, aber man erfährt jetzt durch die Blätter, daß tag, den 26. September der Bund eine Generalversammlung um— sich aufzulösen. Die Gründe sind wohl darin zu s der Bund ebensoviele Richtungen wie Mitglieder einzelne Mitglied hat seine eigene revolution jali fassung und ist überzeugt, daß nur die seine die wahre mit der der andern nicht vereinigen läßt. Wir haben einmal darauf hingewiesen, daß Frau Rola olst ber g ist, daß der Sozialismus nur durch die Vern ng und Zen der sogzialistischen Bewegung zu retten sst. Nachdem sie Schweiz den Frieden gefördert hat, hat sie am Sonntag Sozialismus durch Vernichtung gerettet.. Aus der schwedischen Sozialdemokratie. Dem soeben erschienenen Jahresbericht der schwedi partei entnehmen wir, daß auch während der jetzigen Zeit auf allen Gebieten Fortschritte gemacht werden konnten. gliederzahl stieg von 71 84 410, also um sast 90 auf 730 Parteivereine ve In den Stadtverordnet lungen sitzen jetzt 426 Partei 360 im während die sozialdemokratischen G ter sich 754 vermehrten. Auch in sonstigen öffentlich örpers der Einfluß der Partei zusehends. In kommunalen Kö wie in Schulräten usw., sinnd jetzt 4795 Sozialdemokraten 2691 im Vorjahre. Nur die Frauen⸗ und In gehen zurück. Die Frastenklubs zählen noch 838 Mitglieder Jugendbund, der es 1908 auf 12905 Mitglieder gebracht h auf 7000 Mitglieder in 275 Gruppen gesunken. 3 2 len- After 2 00 Soziales. 15 g Zur Rielgnaufor nag für die Kriegsfürsorge. Dem ga Rae ist eine vom Rechtsanwalt Dr. Josef Kausen⸗Mlinchen ay ö eile verfaßte Petition zugegangen, welche für die Zeit nach r 3 die öffentlichen Sammlungen jetzigen Stils für die K unge digten als unzulänglich bezeichnet. Da die Vermögen der 95 10 durch die Opfer der Kriegsbeschädigten erhalten geblieben 0 die Kriegsfürsorge nicht etwa Verdienst, sondern eiserne I Gan 8 Besitzenden; die Mittel dafür sollten daher als K sor r N. in Form einer Abgabe vom Vermögen und Einkommen 1 Muster des Wehrbeitrages aufgebracht und nach einheitlich sichtspunkten durch eine sür das gauze Reich zuständige behörde verwendet werden. Die Bittschrift trägt, wie der in Nr. 40 der Münchener Allgemeinen Rudschau ersehen 4200 Einzelunterschristen aus allen Teilen Deutschlands, die Namen zahlreicher und hervorragender Parl Zuristen, Aerzte, Geistliche, Kaufleute, Universitätsprof Städtevertreter ohne Unterschied der religiösen und Ueberzeugung, sowie der Vorstandschaften von rund 250 und Verbänden mit über einer Million Mitgliedern.. Pulver und Gold. Roman aus dem Kriege 1870—1871. 12 Von Levin Schücking. Ich war ein wenig erstaunt, den geistlichen Herrn so be— teitwillig auf einen solchen Plan, der etwas ganz überraschend Freundliches hatte, eingehen zu sehen. Es war mir ein leises Mißtrauen gekommen, daß er meinen Verkehr mit seiner Cousine mit mehr Widerwillen als Freude, ja vielleicht einem eifersüchtigen Gefühle ansehe. Darin, schien es, hatte ich mich Fründlich getäuscht. 5 „Wenn der Ausflug nicht lange währt und mich nicht zu weit von meinem Posten hier entfernt,“ sagte ich zögernd und, wie ich fürchte, ein wenig rot bei dem Gedanken an eine solche kleine Partie in Gesellschaft des Schloßfräuleins werdend. „Es ist eine Nachmittagsspazierfahrt,“ fiel sie ein,„wir könnten sie gleich heute machen, wenn ich heute meine Mutter, die eine schlechte Nacht hatte, verlassen dürfte; also sei es norgen— nach dem Diner, etwa um vier Uhr.“ Ich verbeugte mich. 5 „Sorgen Sie für den Wagen, Etienne,“ sagte sie;„und nun muß ich nach der Mutter sehen... adieu, mein Herr— bis morgen!“ f Man konnte nicht graziöser und zugleich würdevoller mit einem leichten Kopfnicken grüßen, auch nicht anmutigeren und elastischeren Schrittes dahinwandeln, wie es Fräulein Kühn at, als sie jetzt den Büchersaal verließ. „Sie werden von Ihren Landsleuten nichts zu besorgen haben, wenn Sie sich in friedlichem Vereine mit einem Feinde ins Land hinauswagen?“ fragte ich, als auch ich nun ging, den Geistlichen. f „Darüber seien Sie ohne Sorgen,“ versetzte dieser, mir folgend.„Unser Landvolk ist nicht sehr kriegerisch gestimmt. Die Franktireurs, die vorgestern von Ihnen verfolgt wurden, waren, um es zu gestehen, Leute und ziemlich harmlose Leute us unserer Gemeinde; diesen ist Fräulein Blanche eine ge⸗ * * heiligte Person, und wer als ihr Gast kommt, ist es eben— 5 7 2317 falls! „Und selbst wenn er ein Barbar aus dem Ulanenvolk von den fernen Grenzen des Dragonerlandes ist?“ sagte ich. „Sie spotten mit Recht meiner Unwissenheit— meine Cousine hat mich aufgeklärt, wie dumm ich war! Aber wollen Sie jetzt nicht auch in unsere Fremdenzimmer hier nebenan einen Blick werfen?“ fragte der Geistliche. „Ich danke Ihnen noch einmal für Ihre Güte— ich sagte Ihnen den Grund, weshalb ich sie ablehnen muß,“ versetzte ich. Ich verbeugte mich und wir trennten uns. „Du hast recht,“ sagte ich zu Friedrich, als ich diesen wiedersah,„man will uns durchaus aus diesen Zimmern fort— schaffen. Das muß uns wachsam machen. Halte deine Tapetentür ein wenig im Auge. Besonders morgen. Ich werde dann am Nachmittage einen kleinen Ausflug mit der Herrschaft machen; verlaß unterdes die Zimmer nicht.“ „Sie wollen einen Ausflug machen— und allein mit unseren Wirten? Sie allein?“ „Weshalb nicht? Sind sie nicht die beste Eskorte, wenn ich unter Feinde geriete?“ „Sie müssen es wissen,“ sagte Friedrich kopfschüttelnd. „Sie sollten mich mit sich nehmen,“ setzte er nach einer Weile hinzu. „Ich brauche dich nötiger hier— als Hüter, weißt du!“ „Oder Herrn Glauroth...“ Der wäre der letzte gewesen, den ich mitgenommen. hätte. „Nein, nein,“ sagte ich,„man hat Herrn Glauroth nicht geladen. Sprich nicht mit ihm darüber— der Ausflug ist eine Sache von ein paar Stunden und der Rede nicht wert.“ Trotzdem sollte ich Friedrich doch zum Begleiter auf un— serem Ausfluge erhalten. Der Geistliche machte mir am anderen Morgen einen Be— such. Er kam, wie er sagte, mich daran zu erinnern, daß ich versprochen, am Nachmittage mit ihm und Fräulein Blanche eine Spazierfahrt nach dem alten Schlosse von Colomier aur Bois zu machen. e Wie könnt ich eine so verheißungsvolle Partie vergessen haben— ich verspreche mir einen sehr großartigen G= von,“ antwortete ich. a „Ich hoffe,“ sagte der Abb lächelnd,„daß auch Blanche den Genuß davon haben wird, Sie von ih mier ganz entzückt zu sehen.“ a „Gehört es ihr?“— „Der Familie Kühn— bas alte Kastell und eine liche Ferme am Fuße desselben.“ 3 „Ah, desto besser,“ fiel ich ein. Diese Tatsache m mein Mißtrauen nehmen, wenn ein solches in mir übe außerordentlich freundliches Entgegenkommen aufg wäre. Es war so natürlich, daß man dem Fremdei schönen Besitz zeigen, ihm damit am Ende ein wen 9 nieren wollte! 5 „Ich habe dabei eine Bitte,“ fuhr der geistl fort...„wir haben ein kleines Vesperbrot mitzun um es zu hüten und zu servieren, fehlt der Bedien Diener von Madame Kühn ist unter die Zuaven gegah der Gärtner eignet sich zu solchen Diensten nicht— w Sie Ihren Burschen nicht mitnehmen können?“ 5 „Sehr gern!“ sagte ich bereitwillig.„Er hat mit den Wunsch ausgedrückt, mich begleiten zu dürfen!“ „Also um vier Uhr treten wir unsere Fahrt ans“ „Wann Sie befehlen!“ s 9 Nach einer kurzen Unterhaltung über gleichgültige empfahl sich der geistliche Herr. 1 „Ich soll Friedrich mit mir nehmen?“ sagte ich „Merkwürdig! Was braucht man einen Diener bei 4 kleinen ländlichen Vesperbrot, wie sie das nennen? Und sie ihren Kutscher nicht, wenn der Bediente fehlt? Es f auch Friedrich soll aus diesem Zimmer fortgoeschafft wel Nun wohl, ich will dafür sorgen, daß es nichts hilft, uns“ listen zu wollen. Warum sagt dieser geistliche Herr offen, was dahinter steckt? Wenn sie irgend etwas Wert in dem Versteck da aufbewahren, was sie entfernen w weshalb reden sie nicht, und weshalb fürchten sie Diebe und Plünderer?“ i N 1a Sortfetzung solgt. 5 Beilage zur Ob Gießen und Umgebung. Trübes Wetter. Es ist ein stiller Regentag So weich, so ernst und doch so klar, Wo durch den Dämmer brechen mag Die Sonne weiß und sonderbar. Ein wunderliches Zwielicht spielt Beschaulich über Berg und Tal: Natur, halb warm und halb verlühlt, Sie lächelt noch und weint zumal. Die Hoffnung, das Verlorensein Sind gleicher Stärke in mir wach; Die Lebenslust, die Todespein, Sie zieh'n auf meinem Herzen Schach. Ich aber, mein bewußtes Ich, Beschau das Spiel in stiller Ruh', Und meine Seele rüstet sich Zum Kampfe mit dem Schicksal zu. Gottfried Keller. bessen und Nachbargebiete. Mutter⸗ und Säuglingsfürsorge. Der Bund Deutscher Frauenvereine veröffentlichte un— In Organisationen für Mutter- und Säuglingsschutz, zrgend⸗ und Gemeindewaisenräte ud Lieferungsverbänden, die Träger der Reichswochenhilfe Es soll durch diese Zusammenarbeit haupt⸗ rden. Infolge de Aerzte richteten die meisten Gemeinden Säuglingsbe⸗ kungsstellen ein, während in Landkreisen Wandersäuglings— kesorgerinnen angestellt wurden. Der Beratung durch den Ast konnte sich jede Säuglingsmutter unterziehen, eine Pämie war nur für stillende Mütter ausgesetzt(in der Regel 10 Mk. im Monat für 8 Monate). Die Prämie sollte der Jutter nicht nur eine bessere Ernährung ermöglichen, sondern auch für die durch Erwerbsarbeit verlorene Zeit entschädi— . Die Hausbesuche der Säuglingspflegerin ergänzten die Atliche Beratung. Dazu trat die gemeindliche Aufsicht über 8 Ziehkinderwesen und die Berufsvormundschaft als Kon— ll: und Beratungsstelle für besonders gefährdete Säug— Phe. Die Gesetze betr. die Reichswochenhilfe bedeuteten ee Entlastung der Gemeinden in finanzieller Hinsicht, da ch die Verordnungen vom 3. 12. 1914 alle Ehefrauen dunken⸗ oder invalidenversicherter Kriegsteilnehmer und alle gstversicherten Mütter und durch die Verordnung vom A 4. 1915 alle minderbemittelten Ehefrauen von Kriegs— nehmern sowie die Mütter unehelicher Kinder von Kriegs- elnehmern ein Stillstand in Höhe von 15 Mk. im Monat t 3 Monate erhielten. Eine Entlastung der Mütterbe— mungsstellen bedeutete die Reichswochenhilfe nicht, denn in e Regel machten die Krankenkassen und Lieferungsverbände a Gewährung des Stillgeldes von einer Stillbescheinigung e Mutterberatungsstelle abhängig. Hierdurch wurde der ö geis der Frauen, die die Beratungsstelle besuchen, stark ver⸗ e ßert. Das führte zur Heranziehung ehrenamtlich tätiger, eist nicht vorgebildeter Kräfte. Wenn aber irgendwo, so i. hier die Arbeit un ausgebildeter Kräfte Acht am Platze. Die Säuglingspflege darf nicht den Egrakter der Armenpflege erhalten, denn der überwiegende 2 der Frauen hat den gesetzlichen Anspruch auf das Still⸗ „ gd, der bei vielen nur eine Gegengabe für ihre Versiche— umgsbeiträge ist. Auch hat die Säuglingskontrolle nur dann Art, wenn sie durch dazu ausgebildete Kräfte ausgeübt wird, Idas auch Prof. Dr. Langstein und Oberarzt Dr. Rott vom eserin Augusta Victoria-Haus zur Bekämpfung der Säug⸗ igssterblichkeit verlangen. Diese Forderung wird auch für . Fall zu gelten haben, wenn die Reichswochenhilfe in end einer Form auch nach dem Frieden weitergeführt wird. Heute erhalten nur die Frauen von Kriegsteilnehmern A die selbstversicherten Frauen die Wochenhilfe. Frauen Arbeitern, die nicht Kriegsteilnehmer sind, die Lasten der icherung aber mitzutragen haben, Frauen Minderbe— üttelter, die vielleicht durch den Krieg ein noch vermindertes blommen haben, erhalten die Wochenhilfe nicht. Da die sachswochenhilfe nicht nur die Gewährung von Stillgeld, adern Entbindungsgeld in Höhe von 25 Mk. und Wochen⸗ eb in Höhe von 1 Mk. im Tag für 8 Wochen vorsieht, was i dem Stillgeld zusammen 123 Mk. beträgt, bedeutet diese furichtung eine große Erleichterung für die Arbeiterfrau Führer schonungsbedürftigsten Zeit. Es ist im Interesse ies gesunden Nachwuchses zu wünschen, daß sie auf a 0 be Anderbemittelten ausgedehnt a n siedenszeit fortgeführt werde. Die verschie— asten Organisationen haben sich hierfür ausgesprochen. Der Aud Deutscher Frauenvereine schreibt in den schon erwähn⸗ in Thesen:„Alle beteiligten Organisationen sollen schon i darauf hinarbeiten, daß die Reichswochenhilfe und di; unit verbundene Beaufsichtigung der Säuglinge auch! nach i Krieg bestehen bleibt. Im Interesse des Volksbestandes n e jeder minderbemittelten Wöchnerin und jedem Säug⸗ imeine Unterstützung in Höhe der Reichswochenhilfe ge⸗ chert sein.“ Die vom Propaganda-Ausschuf der natfo⸗ 0 N U sellliberalen Frauen herausgegebene Beilage zum eutschen Kurier schreibt;„Es dürfte damit zu rechnen sein, ichswochenhilfe nach dem Krieg die jetzt eingeführte Reichs gatorisch für alle een weitergeführt werden . Eine Aufhebung dieser wichtigen Leistan gl . nach Beendigung des Krieges würde nie oer stand 15 eden und kann auch nicht im Interesse eines geordneten atswesens liegen. Es gilt ja nicht allein, die schweren E Gießen, Samstag, den 9. Oktober 1915. Verluste auszugleichen, sondern auch künftig das Volk gesund und lebensfähig zu halten.“ In der Zeitschrift Die Orts- 1 10 ufenkasse heißt es:„Wir denken uns die Sache so: Alle Krankenkassen beteiligen sich an diesem wichtigen Werke, indem sie nach Möglichkeit jetzt schon dazu übergehen, solche wichtigen Mehrleistungen in punkto Mutterschutz freiwillig einzuführen. Damit entlasten sie den Staat heute etwas und zwingen ihn moralisch, weiter mitzuhelfen, weil sie dieses unter der Voraussetzung leisten, daß der Staat weiterhelfen wird.“ Die Deutsche Gesellschaft für Säuglings⸗ schutz verlangt die Umgestaltung der früher freiwilligen Mehrleistungen der Krankenkassen in obligatorische Leistun⸗ gen; ferner unentgeltliche Beratung in Säuglingspflege, Ge— währung von Säuglingsmilch und Gewährung von Stillgeld 16 Wochen lang. Für die zuletzt erwähnten Einrichtungen sollen Reichszuschüsse gegeben werden; die Pflichtleistungen sollen die Kassen selbst decken. In den Kreisen der Krankenkassen haben diese Forde— rungen nicht allgemeine Zustimmung gefunden. Viele Kassenvereinigungen verlangen für die erweiterten Leistungen Reichszuschüsse. Von anderer Seite ist der Vorschlag einer Reichs⸗Mutterschafts-Versicherung gemacht worden. Uns er⸗ scheint es nicht möglich, Personen ohne selbständiges Ein⸗ kommen der Versicherungspflicht zu unterziehen.— Heute trägt die Krankenkasse nur diejenigen Mehrleistungen an selbstversicherte Wöchnerinnen, die in der Bundesratsverord— nung vom 3. 12. 1914 vorgesehen sind; die Leistungen für Frauen versicherter Kriegsteilnehmer und für Frauen nicht versicherter minderbemittelter Kriegsteilnehmer trägt das Reich. Wir glauben, daß die Krankenkassen in der Lage sind, nach dem Krieg auch die erweiterte Wochenhilfe für Ehefrauen der bei ihnen Versicherten zu übernehmen, sodaß das Reich nur die Leistungen für unversicherte Minderbemittelte auf— zubringen hätte. Die Auszahlung der vom Reich gewährten Wochenhilfe könnte durch die Kreis- oder Gemeinde-Säug⸗ lingsfürsorgestellen erfolgen, die eng mit den Krankenkassen zusammenarbeften müßten. ärztliche Beratung der Mutter, verbunden mit der Gewährung der Wochenhilfe, wird für Mutter und Kind und damit für Nation und Staat von größtem Nutzen sein. Von den Himmelserscheinungen im Oktober. 5 Die Sonne hat sich eigentlich in den letzten zehn Jahren nicht ganz programmäßig benommen. Die elfjährige Periode, in der auf ihr die Fleckentätigkeit auf- und niederwogt, womit auch die irdischen entsprechenden Folgeerscheinungen gleichlaufen, ist ein 1 Mie wenig in Unordnung geraten. Die Zeit, da die größte Zahl der Flecken auftreten sollte, war unbestimmt und wechselnd wie die Laune einer hysterischen Person und ähnlich scheints mit dem Ein⸗ tritt des sogenannten Minimums zu werden, der Zeit, in der eine Mindesttätigkeit der Sonne einzutreten pflegt. Man braucht so etwas natürlich nicht zu bedauern, im Gegenteil, zumeist springt bei solchen Beobachtungen in unserer Zeit der eifrigen Durchforschung früher nicht beachteter Erscheinungen gewöhnlich irgend etwas neues Wissenswertes heraus, und wenn es auch nur Nebenerscheinungen sind, die neu bekannt werden und vielleicht garnichts zur Sache selbst tun. Auf Grund mehrerer Anzeichen glaubt der bekannte Zürcherische Meteorologe J. Maurer annehmen zu dürfen, daß zu gewissen Zeiten, und zwar bei gesteigerter Fleckentätigkeit der Sonne Ring⸗ erscheinungen um die Sonne entstehen. Er führt das auf eine Lathodenstrahlenwirkung der Sonne zurück und empfiehlt, auf die Färbungen des Sonnenbildes und des Himmels zu achten. Es dürfte wohl schwer sein, die Färbung des Sonnenbildes selbst bei klarem Wetter zu beobachten, wenn man nicht zu einem Hilfsmittel seine Zuflucht nimmt, indem man etwa die Sonne durch ein Fern⸗ rohr auf einen Schirm projiziert und nun auf die Färbungen des Bildes achtet. Aber so läßt es sich sehr schön und unschwer machen. Man braucht auch nur ein kleines Fernrohr dazu. In anderer Weise kann man derartige Feststellungen in der Weise vornehmen, daß man auf Ringerscheinungen acht gibt. Die hierbei entstehenden Ringe haben allerdings größere Ausmaße als die sonstigen an der Sonne auftretenden Ringe. In dieser Hinsicht ist ein Brief von Professor Wolfer an Maurer interessant, in dem es folgendermaßen heißt:„In den letzten Tagen ist mir mehrmals das verschleierte Aussehen der Sonne aufgefallen, das, obschon weder eigentliche Wolken noch jene leichten Dunstschleier vorhanden waren, die Wahr⸗ nehmung der Flecken und Fackeln schwierig machten. Die Farbe des Sonnenbildes in der Projektion war ein ausgesprochenes Weiß⸗ grau. Heute nun ist die Erscheinung auffallender als je, indem das Bild wieder tief verschleiert, aber ausgeprägt gelbblau, mit einem Ton ins Rötliche erscheint.“— Am 17. Juni zur Mittagszeit war die vorgenannte bräunliche Korona nicht mehr fühlbar und auch der Himmel schien sonst einwandssrei blau zu sein. Am 16. Juni, nachmittags 2 bis 3 Uhr hatte die deutliche Dunstscheibe 70 Grad Durchmesser, das sind 140 Vollmondsbreiten. Damals lonnte zum ersten Male eine deutliche braune Umsäumung von etwa 30 Voll⸗ mondsbreiten festgestellt werden. Da anzunehmen ist, daß sich derartige Dinge des öfteren wiederholen werden, so sei darauf auf⸗ merksam gemacht. Solche Beobachtungen sind vielleicht gerade für den von Interesse, der keine Instrumente zur Verfügung hat und sich bei allen seinen Naturbeobachtungen ohne Hilfsmittel begnügen muß. Der zweite Tempelsche Komet, der zuletzt im Jahre 1904 gesehen worden ist, ist am 9. und 10. August auf der Hamburger Sternwarte zu Bergedorf wiederaufgefunden worden. Seine Um⸗ laufszeit um die Sonne ist 5,3 Jahre. In seiner letzten Rückkehr zur Sonnennähe ist er nicht entdeckt worden. Die größte Annähe— rung an die Sonne führt ihn noch einiges innerhalb der Marsbahn, die größte Entfernung fast in die Jupitersferne hinaus. Der Komet wird nur mit Fernrohren zu beobachten sein. Von den großen Planeten bleibt die Venus im Oktober ganz unsichtbar. Merkur wird gegen Ende des Monats auf kurze Zeit des Morgens im Südosten sichtbar. Mars steht in der zweiten Monatshälfte um Sonnenaufgang herum schon hoch im Meridian, also in seinem höchsten Tagesstande, den er für uns jetzt erreichen kann und ist am Monatsende über? Stunden lang sichtbar. Jupiter dagegen geht schon vor Tagesanbruch unter, doch kann man ihn in der Mitte des Oktober noch 9% Stunden, Ende 894 Stunden lang sehen. Saturn steht in der ersten Monatshälfte um Sonnenaufgang herum schon hoch im Meridian; seine Sichtbar— keitsdauer nimmt noch weiter zu bis auf 9½ Stunden. Es ist wohl allgemein bekannt, daß die astronomische Zentral- stelle für Entdeckungen die Kieler Sternwarte ist. Wer sich die Priorität einer astronomischen Eutdeckung sichern will und beab sichtigt, auf dem schnellsten Wege den Fachkollegen davon Nachricht zu geben, telegraphiert nach Kiel, von wo aus die Mitteilung in alle Welt geht. Während des Krieges hat diese Funktion die Stern⸗ warte in Kopenhagen übernommen. Sie funktioniert sogar auch ichtig. rhessischen Volkszeitung Nr. 237 eee Wie das Leder verteuert wird. Der Zeitzer Volksbote bringt von fachmännischer Seit; eine längere Abhandlung über die mehr als verwerfliche Preistreiberei in der Lederfabrikation. Die Redaktion des Volksboten warf vor einigen Tagen die Frage auf, welche Preise von den Häutehändlern an die Fleischer gezahlt wer⸗ den, um den Verdienst der Lederfabrikanten zu ermitteln, und erhielt von fachmännischer Seite folgende Zuschrift: „Antwortlich Ihrer Anfrage in Ihrer Zeitung, Nr. 176, wegen Häutepreise, die die Fleischer erzielen, gebe ich Ihnen eine Notiz aus meiner Faktura vom Monat März⸗April 1915. Ich erhielt für f. schwarze Bullenhäute, Pfund 74 Pfg. Kuhhäute 107 ö 89 Pfund, pro 4 * 47*„„* 5 1 6%„%%% *„ 61„ 1.. 119„ 5 1 92„ 121 1 2 5 57„ 5 ö gelbe 1 6%„„„ . 9„ 17 55 —. 5 2 0 1 Kalbfelle, Stück 8„„ 00 Mt. , 7 6—8 77„„ 5 1 7. 8—10. 7. 8,50 2 5 5 10%:„% 12„ 15,40 1 Aus dieser Aufstellung interessieren uns die Preise für die Häute. Daraus geht hervor, daß die Fabrikanten als, höchsten Preis für beste Häute 120 Mark für den Zentner zahlen. Sie geben aber, wie die Schuhmacher⸗Innung kürz⸗ lich mitteilt, das fertige Leder für 800 Mark ab. Nun kann man, wenn man sehr tolerant ist, die Produktionskosten: Gerben, Lohn, Transport usw. auch auf 120 Mark rechnen (von fachmännischer Seite wird die Summe aber nur auf etwas über 50 Mark angegeben), so kommt man auf 240 Mk. Es handelt sich um eine Differenz von 560 Mark, die sich die Fabrikanten in die Tasche schieben und um diese Summe ist das deutsche Volk dem Lederspekulanten tributpflichtig. Wir fragen: Ist solche Ausbeutung erhört? Weder die Her⸗ stellungskosten, noch das Risiko, noch sonst ein Umstand recht⸗ fertigen diese Preise, die festgesetzt sind.“ Oktober. Bei der Umwandlung der lateinischen Monatsnamen in deutsche hat Karl der Große dem Oktober den Namen„Windums⸗ manoth“, also Monat der Weinlese, gegeben, und auch heute heißt der zehnte Monat in der Bauernsprache noch vielfach Weinmonat, weil um diese Zeit die Tage der Lese gekommen sind, da das glühende Sonnengold die köstliche Gabe des Rebstocks als reif aus dem Weinberg entläßt, damit sie des Menschen Herz erfreue. Fröh⸗ liche Winzerfeste, wie sie besonders im Süden und im Westen un⸗ seres deutschen Vaterlandes gefeiert werden, geben um die Mitte des Monats der harten Winzerarbeit ihren krönenden Abschluß. Da gibt es lustige Umzüge und Verkleidungen, da wird wohl auch ein„Weinhansel“, eine Puppe aus Stroh und Weinstäben mit einer Zipfelmütze, auf ein Faß gesetzt und unter jubelnden Zu⸗ rufen der Winzerjugend herumgetragen, und der sunge Most wird bei den Klängen einer Kapelle mit einer aus tiefster Weinandacht bis zur tollsten Ausgelassenheit anwachsenden Stimmung aus den großen Gläsern getrunken, die der Fremdling mit fröhlichem Staunen bewundert. Von Hand zu Hand gehen da die großen Humpen, und selbst die ältesten Mütterchen und die in den ersten Hosen steckenden Jungen trinken mit. In diesem Jahre des Krieges, da die kräftigen Männer und Jünglinge unter Waffen stehen, werden diese Winzerfeste freilich nur einen schwachen Ab⸗ glanz von den Feiern in friedlichen Jahren geben. Wenn auch jetzt noch die Sonne hin und wieder einmal vom wolkenlosen Himmel herablächelt, so kann das nicht darüber hinwegtäuschen, daß der Herbst seine Herrschaft angetreten hat. Kürzer und kürzer werden die Tage; langsam färbt sich das Laub der Bäume aus dem leuch⸗ tenden Grün in ein dunkles Rotbraun, bis die Blätter welk zur regenfeuchten Erde fallen und von den unerbittlichen Herbststürmen in wildem Wirbel durch die Straßen gefegt werden. Dann ist die Zeit gekommen, zu der sich der Himmel einen dichten Wollenschleier vor sein griesgrämliches Gesicht bindet, und zu der man gern den traulichen Kreis des Lichts aufsucht. Jetzt wird auch wieder die Arbeit des Strickens beginnen, diese echt frauliche Liebestätigkeit für unsere Truppen in Feindesland, die durch Versorgung mit warmer Winterkleidung den Soldaten da draußen das Leben so er⸗ träglich wie nur irgend möglich machen soll. Mit dem Monat Oktober ist auch der Aberglaube aufs innigste verknüpft. Besonders der rätselhafte Opal mit seinem reichen Farbenspiel, der dem Oktober gleichsam als Symbol zuerteilt wird, spielt im Volksarberglauben eine hervorragende Rolle. Als ein Monat des Glücks gilt der germanische Weinmonat vor allem bei unseren Feinden jenseits des Kanals. Nur vier Tage, und zwar der 4. der 6., der 16. und 24. Oktober scheinen davon ausgenommen zu sein. Sie stehen nach dem englischen Volksglauben unter dem Walten böser Geister. Um sich davor zu schsügen, soll der im Okto⸗ ber zur Welt gekommene Erdenbürger den Opal tragen. Es gibt natürlich auch Mittel, um die Geister, die sich sonst so beherrlich in Schweigen hüllen, zum Sprechen zu bringen. Die Nacht des 6. Oktober ist in dieser Beziehung besonders geeignet für die jungem Mädchen, die ihren künftigen Gatten kennen lernen wollen. Dreꝛ Jungfrauen backen zusammen einen Kuchen, und sie miissen die drei gleich großen Stücke schweigend verzehren. Sie müssen auch zu⸗ sammen schlafen; dann gibt sich ihnen der Zukünftige, nachdem sie einen Zauberspruch gläubig heruntergebetet haben, im Traum zu erkennen. Eine rechte Zaubernacht ist auch die Nacht vor Aller⸗ heiligen. Da versuchen die schottischen Fischer das Schicksal zum Guten zu bewegen. Sie bestreichen ihre Kähne mit Kreuzen aus 1 Teer, die, solange sie halten, Glück versprechen, oder sie gießen unter Anrufung ihres sagenhaften Seegottes Shony Bier in die Fluten. Reiche Ernte. In einem Sonntagsblatte, das vielen klerikalen Zeitungen bei— liegt, steht zum Erntedankfest folgendes Gedicht: Das ist ein Leuchten aus dunklem Grün: rotwangige Aepfel prächtig glüh'n. Das ist ein Segen in diesem Jahr, so reich, wie lange keiner mehr war. Es beugt sich zur Erde Ast um Ast, man muß sie stützen, die süße Last. Der Hans schleppt Körbe so groß und schwer, die Gretel bringt Obst in der Schürze her. Die Apfelkammer daheim ist so voll, man weiß nicht, was das noch werden soll. Und weiter fällt es, bald dort, bald hier—— Allgütiger Gott, wir danken dir! 7 2 In den Wohnungen der Städter ist von diesem Erntesegen wenig zu spüren, und die Stimmung ist daher auch nicht so dank⸗ freudig wie auf dem Lande. Giltigkeil der Brotkarte im ganzen Lande hat der Abg. Henrich im Landtage beantragt. Mindestens soll sie aber in einem ganzen Kommunalverband gelten. Im Ausschuß⸗ berichte über den Antrag heißt es u. a.:„Die Erleichterung, die darin liegt, wenn der Arbeiter, der außerhalb seines Wohnortes arbeitet, oder derjenige, der sich vorübergehend an einem anderen Orte aufhält, auf Grund seiner heimatlichen Brotkarte an dem jeweiligen Aufenthaltsort Brot kaufen kann und nicht gezwungen ist, Brot von zuhause mitzu⸗ bringen oder umständliche Bescheinigungen der Behörden zu erwirken, ist unverkennbar. Es wurde jedoch dagegen geltend gemacht, daß eine dazu unerläßliche Voraussetzung, nämlich die einheitliche Gestaltung der Brotmarken, wegen der Verschiedenheit der örtlichen Gewohnheiten bezüglich des Gewichts des Brotes nicht herbeizuführen sei, und daß dies ferner durch die Freizügigkeit der Brotkarte die Kontrolle in den einzelnen Orten erschwert werde. Für jede Gemeinde werde die ihr zustehende Menge an Mehl genau festgestellt und wenn hieraus Entnahmen auf fremde Brotkarten statt⸗ finden, dann fehlt dieser Teil den Einheimischen; eine Ver— rechnung mit den Gemeinden, denen die fremden Brotkarten zugehören, sei aber umständlich und schwierig. Von anderer Seite wurde hervorgehoben, daß die mit dem Austausch von Brotmarken verbundenen Umständlichkeiten nicht sehr ins Gewicht fielen und gegenüber den Erleichterungen bei einer Freizügigkeit der Brotkarte nicht in Betracht kämen. So ab⸗ solut scharf ließe sich der Bedarf einer Gemeinde im voraus niemals abgrenzen, die kleinen Verschiebungen im Verbrauche fielen bei der Gesamtmenge der einem Kommunalverbande zustehenden Mehlmenge, die sich vielfach wieder ausglichen, kaum in Betracht und für größere Mengen ist eine Ver⸗ rechnung auf Grund der fremden Brotmarken nicht schwierig. Es wurde besonders darauf hingewiesen, daß die Freizügig⸗ keit der Brotkarten für das ganze Königreich Bayern bestehe. Die Regierung verneint ein Bedsirfnis für die Ausdehnung der Gültigkeit der Brotkarten auf das ganze Land oder auch nur auf eine Provinz, dagegen sei eine solche für den Bereich eines Kommunalverbandes eher möglich und in einzelnen Kommunalverbänden auch bereits durchgeführt.“ Der Aus⸗ schuß beantragt die Annahme des Antrags Henrich.— Zweifellos würde dies eine bedeutende Erleichterung be— jeuten. 0 — Christentum und Krieg. Pfarrer Georg Löber in Fremdiswalde bei Leipzig hat ein Schriftchen„Christenkum und Krieg“ erscheinen lassen, worin er zu dem Ergebnis kommt, daß ein Widerspruch zwischen Gottesdienst und Kriegsdienst nicht bestehe. Jeder diene Gott, der im Kriege, im Kriege aus Notwehr, das Blut der Feindefließen lasse, und weil er damit Gott diene, dürfe er auch auf Gottes Wohlgefallen rechnen, wenn er ihm mit anderen für einen gewonnenen Sieg danke Die sittliche Weisung des Neuen Testaments, das Böse mit Gutem zu überwinden, sei im Kriege nicht zu gebrauchen, da müsse Böses mit Bösem oder noch besser: mit gesteigertem Bösen vergolten werden. Der Krieg erfordere alttestamentliche Strenge, nicht neutestamentliche Milde. Pfarrer Löber will, daß das alttestamentliche Wort für uns wahr wird: Hoch zu loben ist, wer erlebt, daß er seine Feinde untergehen sieht! In diesem Sinne heißt es weiter: Das Verlangen, gründliche Vergeltung an unseren tückischen Feinden zu üben, und die reine, ungetrübte, erhebende Freude über schwere, den Feinden beigebrachte Verluste sind nur die Kehr— seite tiefer Vaterlandsliebe. Wir flaggen die Häuser, wir läuten die Glocken, wir singen:„Nun danket alle Gott“, wenn unübersehbare Scharen von Russen in den masurischen Sümpfen einen schrecklichen Tod finden oder wenn fast 2000 Seeleute durch U 9 auf den Grund des Meeres befördert wer— den. Und solche Aeußerungen dankbarer Freude sind echt deutsch und sind echt christlich.— Es dürfte viele Christen geben, die mit dem hier an den Tag gelegten Christentum keinesfalls einverstanden sind. Sogar viele Nichtchristen werden christlicher denken. Zigarrenverteuerung. Die Tabakfabrikanten sind mit den Kriegsgewinnen, die sie durch die Heereslieferungen machten, noch nicht zufrieden; sie kündigen jetzt eine Preis— erhöhung für die Tabakfabrikate an. Die neue Schröpfung der Raucher wird mit der Knappheit an Rohtabaken be— gründet. Die Deutsche Tageszeitung schreibt zu dieser Be— gründung:„Diese ist ohne weiteres zuzugeben, wenn sie auch nicht in dem Maße vorhanden ist, wie es vielfach angenommen bird. In erster Linie beziehen wir aus Niederländisch-Indien Tabak, und dieses Rohmaterial steht uns auch zurzeit recht ausgiebig zur Verfügung. Auch aus anderen Ländern ist die Zufuhr nicht ganz unterbrochen worden, während es aller— dings mit den amerikanischen Tabaken recht schlecht bestellt sein soll. Die Preissteigerung ist eben ein Mittel, um auf den Verbrauch einschränkend einzuwirken,. Daß dabei gleichzeitig die Warenhersteller kein schlechtes Ge— schäft machen, das ist zuzugeben. Sie haben ja bisher schon echtgutabgeschnitten und dürften auch bei kleinerem Umsatze, aber höheren Preisen auf ihre Kosten kommen. Die geldliche Verteuerung ist es ja nicht allein, die im Tabak— geschäft eine Rolle spielt, obgleich sie auch ganz wesentlich ins Gewicht fällt. Denn wenn eine 10 Pfennig-Zigarre zu 12 Pfg. verkauft wird, so bedeutet das schon eine Steigerung um 20 Prozent. Aber daneben spielen noch andere Preis— verschiebungen mit, die der Raucher meist gar nicht merkt: die Zigarre z. B. ist leichter gewickelt, die Zusammensetzung des Tabaks ist eine etwas andere, meist nicht bessere geworden, die Formänderungen ermöglichen starke Einwirkungen auf den Preis. Diese Verschiebungen verteuern aber das Fabrikat oft sehr viel stärker als eine geldliche Preiserhöhung. Und mit solchen Preisverschiebungen dürfte in nächster Zeit noch mehr zu rechnen sein, als dies schon in Friedenszeiten der Fall gewesen ist.“ — Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten: Leutnant Adolf Jäger aus Gießen, Landw. Inf.⸗Regt 116. 0 1 Musketter Felir Noll aus Gießen, Inf.⸗Regt. 17. Ers.⸗Res. Carl Bu sch aus Gießen, Landw.⸗Inf.⸗Regt. 116. — Gefr. Johs. Scharmann aus Gießen. Heinrich Nagel in Rüddingshausen.— Musketier Ludwig Heß aus Grüningen, Res.⸗Inf.⸗Regt. 87. Heinrich Dietz aus Kesselbach, Landw.⸗Inf.⸗Regt. 116.— Musketier Heinrich Fischer aus Rudingshain, Kr. Schotten, Inf.⸗Regt. 144. — Musketier Wilh. Schudt und Musketier Wilhelm Leidner, beide aus Wetterfeld.— Vizefeldw. Friedr. Ufer aus Garbenheim, Inf.-Regt. 81.— Füs. Wilhelm Keiner aus Werdorf, Inf.⸗Regt. 80.— Musketier Wilh. Kern aus Naunheim, Inf.⸗Regt. 82. Getreide für Jutterzwecke. In seiner letzten Sitzung hat der Bundesrat einen Beschluß über das Schroten von Brotgetreide ge⸗ faßt, bei dem es sich um die Versorgung der Landwirtschaft mit Futtermitteln handelt. Die Reichsgetreidestelle ist mit einem sehr bedeutenden Vorrat an Brotgetreide aus dem letzten Erntejahr. in das neue hineingegangen. Außerdem ermöglichen die bisherigen Erfahrungen, von der Rücklage so großer Reserven abzusehen, wie ursprünglich in Ausficht genommen war. Es werden infolgedessen bedeutende Mengen von Brotgetreide verfügbar, die für die Auf- zucht und die Durchhaltung unserer Viehbestände Verwendung finden sollen. Zunächst dürfte es sich um etwa 150 000 Tous Ge⸗ treide handeln, das geschrotet werden soll. Vielleicht wird sich das endgültige Ernteergebnis so gestalten, daß noch weitere Mengen für Futterzwecke verwertet werden können. Das Schrot wird der Landwirtschaft zu demselben Preise überlassen werden, der für Futtergerste festgesetzt ist. Zur Verhütung von Unregelmäßig⸗ keiten ist eine leichte Färbung des Schrotes mit Eosin in Aussicht genommen. Durch die Herabfetzung der Ausmahlung von 82 bezw. 80 Prozent auf 75 Prozent, die gleichzeitig einer Verbesserung des Mehles dient, wird der Zuwachs an Futtermitteln von etwa % Million Tonnen gewonnen. Die Weiterzahlung der Reichskriegsunterstützung für die Fami⸗ lien Gefallener. Durch Gesetz vom 30. September 1915 ist bestimmt worden, daß die Familienunterstützung während dreier Monate über den Zeitpunkt hinaus zu gewähren ist, von dem an das Recht auf Hinterbliebenenbezüge in Kraft tritt. Das ist, falls auf die Gnaden⸗ löhnung verzichtet wird(was wir als die Regel empfehlen möchten). der auf den Sterbetag folgende Tag. Es lausen als von dem auf den Sterbetag des Gefallenen folgenden Tage ab während dreier Monate Hinterbliebenenrente und Reichtsfamilienunter tiitzung neben einander. Wenn über die Dauer von drei Monaten hinaus die Reichssamilienunterstützung weiter gezahlt wird, weil die Hinterbliebenenbezüge noch nicht festgesetzt sind, so gilt diese weiter gezahlte Unterstüützung als Vorschuß auf die Hinterbliebenenbezüge und kommen bei deren Auszahlung in Abzug. Die Teuerungszulagen(Kriegsbeihilsen) für die preußisch⸗ hessischen Eisenbahner sind jetzt bekanntgegeben worden. Es sollen danach diejenigen verheirateten oder verwitweten mittleren und unteren Beamten, die weniger als 2100 Mark Diensteinkommen be— ziehen und ein oder mehrere Kinder zu unterhalten haben, eine monatliche Kriegsbeihilse für jedes Kind unter 15 Jahren er⸗ halten und zwar 6 Mk. sür 1 oder 2 Kinder und 3 Mk. für jedes weitere Kind unter 15 Jahren. Nicht zu berücksichtigen sind die⸗ jenigen Beamten, welche bereits vorher Zulagen erhalten hatten. Die Umschnürung von Postsendungen. Um dem Mangel an Bindfaden aus Hanf, Baumwolle u. dergl. abzuhelfen, sind verschie⸗ dene Ersatzmittel in Gebrauch genommen worden, von denen u. a. Bindfaden aus Papierfasern, mit Papier oder anderen Stossen um- sponnener Draht usw. sich im allgemeinen als brauchbar erwiesen haben. Derartige Ersatzmittel können auch zur Umschnürung der Postsendungen, insbesondere der über 50 Gramm schweren Feld— postbriefe mit Wareninhalt(Päckchen), verwendet werden, voraus⸗ gesetzt, daß sie haltbar sind und eine seste Umschnürung damit her⸗ gestellt werden kann. Dlinner Draht(sog. Blumendraht) ohne Um⸗ spinnung ist zur Verpackung von Postsendungen nicht geeignet, weil er sich nicht knoten läßt und Verletzungen des Personals und Be⸗ schädigungen der Briefbeutel und anderer Postsendungen durch den Draht unvermeidlich sind, namentlich wenn die Umschnürung und der Verschluß nicht sorgfältig ausgeführt werden. g Kriegsschwindel. Die in Deutschland ziemlich stark vertretene Klasse der Industrieritter findet immer neue Wege, um aus der Not der Zeit Kapital zu schlagen. Jeden Tag fast tauchen„Nahrungs⸗ Ersatz⸗Mittel“ auf, die in schwindelhafter Weise angepriesen wer⸗ den. erade die ärmsten Kreise der Bevölkerung werden dadurch, unverschämt betrogen. So wird jetzt wieder ein„Kriegsfleisch ersatz“ angeboten. Die Behörden haben sestgestellt, daß dieses neue „Nahrungsmittel“ aus braunen, gelatinösen, nach Sellerie riechen⸗ den Stücken besteht. Die Masse ist zusammengesetzt aus Koöchsalz und einer dünnen Eiweißlösung, die mit Hilse gelatinierender Sub⸗ stanz in eine feste Form gebracht wurde. Der Nährwert ist ein außerordentlich geringer und entspricht dem Preise— 60 Pfg. das Pfund— in keiner Weise. Man müßte auch die Namen dieser In⸗ dustrieritter der Oeffentlichkeit übergeben. Gegen solche Elemente ist Rücksichtnahme keinesfalls angebracht. „Billige Schuhe“ kann man von den Schuhfabrikanten Christ. Deuser und Bernhard Bachmann, Inhaber der Firma F. E. Zöller, sowie dem Schuhhändler Ludw. Moch, sämtlich in Pirmasens, er⸗ halten. Trotz des durch den Krieg hervorgerufenen Mangels an Leder, verkaufen sie Kinder- und Mädchenstiefel zu 4,50 Mk. und 3,25 Mk. das Paar. Die Schuhe haben nur den einen Nachteil, daß ihre Sohlen aus Pappdeckel bestehen. Zur Täuschung der Käufer sind sie mit einer ganz dünnen Lederschicht derart gut beklebt, daß selbst Schuhhändler auf den Schwindel hereinfielen. Es bedarf keiner besonderen Aufklärung, daß solche Schuhe schon nach einem Tage, unter Umständen nach einer Stunde unbenutzbar werden und daß die Händler, die solche wertlose Ware in den Verkehr bringen, sich des Betruges schuldig machen und besonders in der gegen- wärtigen Notlage der allgemeinen Verachtung preisgegeben werden müssen. Rüicksichtslos muß gegen solche Ausbeuter des Volkes ein⸗ geschritten werden. Gegen die eingangs Genannten schwebt auch schon Strafverfahren bei der Staatsanwaltschaft in Zweibrücken. Jeder, der sich durch den Bezug minderwertiger Schuhe mit Papp⸗ sohlen betrogen fühlt, wolle seine Beschwerde bei der Zentralstelle zur Bekämpfung der Schwindelfirmen in Lübeck mitteilen, damit sie die geeigneten Maßnahmen ergreift. — Die Strafkammer Gießen sah gestern zwei schwere Jungen vor ihren Schranken, die seit Jahren in allen möglichen Städten Deutschlands gemeinsam besonders Ladendiebstähle ver— übten. Diese waren ihre Spezialität, aber sie genierten sich auch durchaus nicht, sich in anderen Branchen des Spitzbubenhandwerks zu betätigen und mitzunehmen, was ihnen gerade in die Hände fiel. Von einer Reihe Gerichte sind ihnen schon erhebliche Strafen zudiktiert worden. Der eine, noch ziemlich jugendliche Angeklagte, mit dem an„Werthers Leiden“ erinnernden Namen Jerusalem hat bereits 6 Jahre 9 Monate Zuchthaus eingeerntet;: sein Kollege Schaffrath auch schon dreieinhalbes Jahr. Auf ihren Fahrten kamen die Beiden mit noch einem Dritten, der früher bereits ab— geurteilt wurde und heute als Zeuge auftritt, Ende November 1913 nach Gießen, wo sie im Goldladen von Brück eine Uhr stahlen und bei Weinhändler Schwan ein silbernes Zigaretten-Etuis. Außer diesen Diebstählen kommen noch mehrere in Darmstadt und Offen⸗ bach verübte, mit zur Verrechnung. Beide Angeklagte sind ge⸗ ständig und sie werden mit den von andern Gerichten bereits er⸗ kannten Strafen wegen Diebstahls in 6 Fällen verurteilt: Jeru⸗ salem zu 8 Jahren 3 Monaten, Schaffrath zu 4 Jahren 6 Mo⸗ naten Zuchthaus.— Bei der Verkündung des Urteils hatte das Ge⸗ richt bezüglich des Jerusalem 5 Jahre 8 Monate als gegen ihn be⸗ reits verhängt gerechnet, wogegen der Angeklagte als ordnungs⸗ liebender Mensch die Einrede erhob, daß es bereits 6 Jahre 9 Mo— nate seien. Das Gericht mußte deshalb nochmals beraten und es erkannte jetzt auf 3 Monate mehr als vorher. — Musketier Carl Langs dorf aus Gießen, Inf.⸗Regt. 49. Diese Frage war be Was ist K. K. Brot 2 ö s i st K. K. Bro Der Bäs rufungssache zu beantworten. Di 99 5 heim war vom Friedberger Schöffengericht zu 5 Mk, verurteilt worden, weil er Brot, den er 20 Prozent, ten und 10 Prozent geriebe Kartoffeln zugesetzt hatte, nicht mit K.! bezeichnet hatte. Er behauptet, daß dies bei Verwendung i Gerstenmehl nicht vorgeschrieben sei und das A ibt ihm Recht. Aus der Verordnung geht hervor, daß für rot, 1 Nanft herstellte, die Bezeichnung„K. K.“ nicht vorgeschr Seiner Berufung wird deshalb stattgegeben und es e olgt sprechung. 6 Küdtisch 2 — Getragenes Schuhzeug. Von der städtischen Kriegs fürsorge wird um lleberlassung gebrauchten Schuhwerks beten, um damit die Familien der Kriegsteilnehmer zu unterstüß Gebrauchte Schuhe aller Art werden im städtischen Hospitalgebäud Seltersweg 11, entgegengenommen; auf schriftliche Mitteilung w 50 den sie in der Wohnung abgeholt. a i — Für die gefangenen Deutschen in Rußland werden durch d Rote Kreuz Sammlungen veranstaltet, heute und morgen sind 0 diesen Zweck besondere„Opfertage“ angesetzt Daß unsere La N„ leute in russischer Gefangenschaft eine Unterstützung wohl ge⸗ ge brauchen können, darüber dürfte kein Zweifel bestehen, und wird gern zurLinderung der Not beitragen. Bei der furchtbaren rung werden unsere minderbemittelten Mitbürger allerdings w 1 übrig haben, weil sie kaum ihre Angehörigen einigermaßen zu ers n nähren in der Lage sind. Indessen wird jeder der es irgend ein ein Scherflein beitragen wollen. Die Aufrufe sind allerdings in Et unserem Blatte nicht veröffentlicht worden; es scheint also, als 6 wenn man an zuständiger Stelle auf Beteiligung des Leser f der Oberhessischen Volkszeitung an der Sammlung Verz leisten wolle. Trotzdem wollen wir nicht diese naheli lle chlußfolgerung ziehen, sondern wir raten demjenigen, der et geben kann, dies zu tun. 5 — Verdienste der Zuckerfabriten. Alle Zuckerfabriken. zeichnen im letzten Geschäftsjahre große Gewinne. Die Trach berger Zuckersiederei(bei Dresden) schloß im vorhergehe Jahre mit einem Ver lu st von 218 395 Mk. ab. Im letzten, 10 erzielte sie einen Gewinn von 142626 Mk.— Daher die Ste 1 rung der Zuckerpreise! 8 9 — Verhaftet wurde eine in der Löwengasse wohnende Franen person, der mehrere Diebstähle zur Last gelegt werden. g — Farbige Gefangene. Gestern vormittag kam ein Tr sangener Marokkaner und Inder, zusammen etwa 120 Ma 0 an und wurden im Gefangenenlager untergebracht. Man den Leuten an, daß sie direkt aus dem Felde kamen; manche, f verwundet und das Gehen fiel ihnen offenbar schwer. Me 551 Verwundete wurden mit der Elektrischen befördert. Il Ein Paradies. Für den Amtsbezirk Cham in der baue Jor Oberpfalz, wurden mit sofortiger Wirksamkeit folgende H 976 festgesetzt: 1. Für Eier 10 Pfg. für das Stück beim Ankauf b r wirten vder Sühnerbesitzern. 11 Pfg. für das Stück im Handel oh ins Haus gebracht; 2. für Landbutter 1,30 Mk. das Pfund; 3 Butterschmalz 1,50 Mk. für das Pfund.— Führwahr ein Par Kim — Oberhessischer Kunstverein. Die Veränderungen im stellungssaal für Unterbringung der Gemälde der Dr. Han 1 Gedächtuis⸗Stiftung sind soweit fertiggestellt, daß die Eröffum 00 Ausstellung bald erfolgen kann. ladungen, die an sehr namhaf beg Künstler ergangen sind, haben Erfolg gehabt und bekannte Künstle tte baben die Beschichlng der Eröffnungsausstellung zugesagt, f diese eine große Anzahl von hervorragenden Kunstwerken agufweisen können. — Stadttheuter. Der Direktion ist es gelungen, trotz schwierigen Verhältnisse guten Ersatz für die ausscheidenden glieder zu gewinnen. Als erste Liebhaberin ist Frl. Ru be die das Fach in den letzten Jahren am Bremer Schauspielhause schönem Erfolg vertreten hat, verpflichtet worden. Als erste N kommt Frl. Else Burghoff vom Neuen Stadtheater in Bre haven; die liebenswürdige Schauspielerin hat sich bereits im S mer in Bad-Nauheim die Gunst des Publikums in hohem Maße e rungen. Eine junge fesche Soubrette gibt das Magdeburger Sto ö thegter in Frl. Herta Zon der van an uns ab. Das Fach fe Väter wird durch Herrn Wilhelm Hellmuth vom Hal 0 Stadttheater, das der jugendlichen Komiker durch Herrn A Eugens vom Dauziger Stadttheater vertreten werden. 2 Herren haben sich bereits im Sommer in Bad⸗Nauheim aufs bewährt. Für Helden und Liebhaber wurde Herr Ernst T lung vom Schillertheater in Hamburg verpflichtet. Die vom N jahre her bekannten und bewährten Kräfte wie die Herren Gol Dworkowski, Steinhofer, sowie die Damen Sch Freuzel und Jüngling wird das Publikum sicher wie gerne begrüßen. 5 Anlagemusik. Sountag, den 10. Oktober, vormittags 11% U! in der Südanlage, ausgeführt von der Kapelle des Landsturm⸗ Evsatz⸗Bataillons Gießen. Spielfolge: 1. Ouvertüre z. Op. nächtliche Wanderung“ von Moskau; 2. Die Waldschmiede, von Küßler; J. Alhambra, Walzer von Faust; 4. Arie g. d. O „Glöckchen des Eremiten“ von Maillart; 5. Auf dem Nieder Patr. Potpourri von Schreiner; 6.„Aus großer Zeit“, Deut Soldateulieder-Marsch teu) von C. Krauße, Großh. Musikd A. D. Gießen.— Anläßlich des Opfertages für die gefangenen schen in Rußland findet abends von 5 bis 6 Uhr Konzer dem Lindenplatz statt. Westerwald und Unterlahn. Wieder Opfer der Spielerei mit Schußwaffen. Als in Siegen zwei Sekundauer mit einem Revolver hantierten, entlud sic die tit Waffe. Der Schuß drang dem einen ins Herz. Der Getrofsene n fort ede Bon Nah und Fern. Frankfurt a. M., 8. Okt. Zwei lebensmüde Brüder Im Stadtwalde fanden gestern nachmittag Spaziergänger n g 1 Schützenschneise die Leichen zweier junger Männer. Beide waren f erschossen. Die n wurden als die der Gebrüder Ernst um ö Paul Herbig, 25 und 23 Jahre alt, ermittelt. Was die beid den Tod getrieben hat und ob sie sich selbst gegenseitig erschofß baben, konnte gestern noch nicht ermittelt werden. Die Leichen wur den dem Sachsenhäuser Friedhof zugeführt. 0 Zwei Kinder totgefahren. Inu Godesberg wurden zwei Kinder, die auf der Stu spielten, von einem Kraftwagen überfahren und getötet. Wagenführer soll unterlassen haben, Warnungszeichen zu geben, 0 sodaß ihn die Schuld an dem bedauerlichen Unglück treffen würde. 0 Ein Brückeneinsturz. l Am Donnerstag abend ist die im Bau befindliche Od 0 rücke bei Fürstenberg eimgestürzt. Etwa 200 7 der fertigen Eisenkonstruktion liegen im Fluß. Neun Personen, meist Frauen, sollen ertrunken sein. 5 5 Vereinskalender. Montag, 11. Oktober. Gießen. Schneider verband. 9 8 0 rlanns 1 lung im Gewerkschaftshause. 3 5 5 9 Von den Apotheken in Giessen ist am 1 den 10. Okt. von 3 Uhr nachmittags an und die hindurch geöffnet die Pelikan-Apotheke. N T. 10 ieferant D. Haminks, Giesen r. Gießen u. dar a 1 N N 0 N „ — — 5 „ . ** l Telegramme. Uüsberiht des Großen Haupthunfttz Etwas Ruhe in der Champagne. Einbruch nach Serbien in Fortgang. W. B. Großes Hauptquartier, 8. Okt., vctm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Nach den vergeblichen Durchbruchsversuchen der Fran— zosen am 5. und 6. Oktober war der gestrige Tag in der Champagne verhältnismäßig ruhig. Das Grabeustück östlich des Navarin⸗Gehöftes, das die Franzosen noch besetzt hielten, wurde vormittags durch Gegenangriff gesäubert, wobei einige Gefangene und 2 Maschinengewehre in unsere Hand fielen. Gegen Abend nahm das feindliche Artilleriefeuer wieder zu. Nachts kam es an einzelnen Stellen zu Infanterieangriffen, die sämtlich abgewiesen wurden. Bei einem erfolgreichen Vorstoß auf eine vorgeschobene feindliche Stellung bei St. Marie à Py nahmen wir dem Feinde 3 Offiziere und 250 Maun Gefangene ab. Oestlich der Argon neu bei Malancourt wurden mehrere feindliche Minenstollen durch Sprengung zerstört. Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. Russische Angriffe nördlich von Kosjany und südlich des Wizniew⸗ Sees sind abgeschlagen. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Die Lage ist unverändert. Heeresgruppe des Generals v. Liusingen. Bei Newel und Omyt(südwestlich vou Pin sk) sind russische Postierungen von uns vertrieben. Unsere Angriffe in der Gegend nordwestlich von Czartorysk machten Fortschritte. Die deutschen Truppen der Armee des Generals Grafen Bothmer wiesen mehrere russische Angriffe ab. Balkankriegsschauplatz. Der Uebergang über die Drina, Save und Donau nimmt einen günstigen Verlauf. Südwestlich von Belgrad sind 4 Offiziere, 396 Mann zu Gefangenen gemacht und 2 Maschineugewehre erbeutet. Gegenüber von Ram fielen nach Kampf 3 Geschütze in un— sere Hand. Oberste Heeresleitung. 2 Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Alle russischen Angriffe abgewiesen. 4000 Russen gefaugen genommen. Wien, 8. Oktober.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: 8. Oktober 1915. Russischer Kriegsschauplatz. Der Feind griff gestern an der ganzen ostgalizischen und wolhynischen Front an. Seine unter großen Kräften und Muniiongaufwand geführten Angriffe blieben ohne Er⸗ folg. An der bessarabischen Grenze auf den Höhen des Dujestr und an der Strypa brachen die russischen Sturmkolonnen zusammen, ehe sie an unsere Hindernisse herankamen. Nordwestlich von Tarnopol drangen die Russen au zwei Stellen in unsere Schützengräben ein, wurden aber durch herbei⸗ eilende deutsche und österreichisch⸗ungarische Unterstützungen heute morgen wieder zurückgeschlagen. Ein ähuliches Geschick hatte der feindliche Angriff auf das nordwestlich von Kremjenee liegende Dorf Sakano w, das gestern als Mittelpunkt erbitterter Kämpfe mehrmals den Besitzer wechselte, nun aber wieder festein unserer Hand ist. 1 Ebenso warfen wir sübwestlich von Olyka überlegene russische Kräfte im Nahtampf zurück, wobei sich das Jufauterie⸗ Regiment Nr. 89 und das Landwehrinfanterie-Regiment Teschen Nr. 31 besonders hervortaten. Sehr heftig wurde auch südlich von Olyka gekämpft. Nördlich und nordöstlich von Kolki gewannen Ansere Gegenangriffe neuerlich Raum. Wir entrissen dem Feinde die Dörfer Lisowo und Galuzia 85 2 Insgesamt wurden in den gestrigen und vorgestrigen Kämpfen auf wolhynischem Boden etwa 4000 Russen gefangen ge⸗ nommen. Der Gegner erlitt sehr große Verluste. Italienischer Kriegsschau platz Gegen die Hochfläche von Vilgereuth setzten die Italiener gestern nachmittag an der ganzen Front mit starken Kräften zu einem neuen Angriff an, der gleich allen früheren blutig ab⸗ gewiesen wurde. Besonders heftig tobte der Kampf un. einen unserer Stützpunkte nordöstlich des Maroniaberges. Hier stürmten drei feindliche Bataillone dichtgedrängt vor, drangen durch das zer⸗ reschischen Landwehr⸗Regiments Nr. 14 mit dem Bajonelt hinaus⸗ geworfen. Der ganze Angriff endete mit der Flucht der Jtalfener in ihre Ausgangsstellungen. Im Nordteil des Doberdo⸗Abschuittes griff der Feind wieder vergeblich an. Bei Selz verjagten die Abteilungen des In⸗ janterie⸗Regiments Nr. 87 die Italiener aus einem in ihrer Kampflinie gelegenen Steinbruch, schlugen einen Gegenangriff ab und sprengten die feindlichen Stellungen. Südöstlicher Kriegs schauplatz. Der Uebergang der österreichisch⸗-ungarischen und deutschen Streitkräfte über bie untere Drina, die Save und die Donau wurde fortgesetzt. Die Versuche der Serben, unsere Unterneh⸗ mungen zu stören oder zu vereiteln, scheiterten auf allen Punkten. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnaut. 6 Der Vormarsch gegen Serbien. Dem Berl. Tagbl. wird aus dem K. und pressequartier gemeldet: Die Offensive gegen Serbien ist nunmehr aus dem vorbereitenden Stadium in das ausffh— rende getreten. Während die Artillerie der Verbündeten die Drinabefestigungen der Serben zusammenschoß und die ser— bischen Grenzschutztruppen Tag und Nacht beunruhigte, wur⸗ den auf der Eisenbahn Pontons und Brückenschlagmaterial in großen Mengen herangeführt und gänzlich unbemerkt an ge⸗ eigneten Punkten zur Verwendung vorbereitet. Französische Flieger, die nach Ungarn kamen, wurden teils durch geschickt angelegte Maskierungen getäuscht, teils durch unsere Ah⸗ wehrgeschütze und Kampfflugzeuge vernichtet. Ein Bom⸗ bardement von furchtbarer Heftigkeit trieb den serbischen Grenzschutz in die Deckungen und legte Sperrfeuer zwischen ihnen und dem Angreifer; darauf begannen an zahlreichen Stellen zugleich deutsche und k. k. Pioniere unter Infanterie⸗ schutz' die Uebergangsvorbereitungen. In wenigen Stunden wurde die Drina, Save und die Donau an mehreren Punk⸗ ten übersetzt. Die übergegangenen Sturmkolonnen iffen die serbischen Grenztruppen und Vorhuten an, die sich ver— gebens in den zerstörten Stellungen zu halten suchten. Erfolgreiche Angriffe auf Trausport⸗ dampfer. Unsere Unterseeboote haben in der letzten Zeit mit außer⸗ ordentlichem Erfolge im Mittelmeer operiert. Sie haben seit Mitte September eine ganze Anzahl großer Dampfer ver⸗ senkt, darunter eine Anzahl größerer Truppentransport⸗ dampfer. Versenkt wurde kürzlich erst der Dampfer„Arabia“, ein Schiff von 8000 Tonnen mit 18 Seemeilen Geschwindig— keit und mit englischen Truppen an Bord. Ferner sind tor⸗ pediert worden der Dampfer„Ramasan“ am 18. September mit 500 Mann indischen Truppen an Bord,„Patagonia“ 3000 Tonnen am 15. September,„Linkmoor“ 4000 Tonnen am 20. September,„Cyrene“ 3000 Tonnen am 8. Oktober; an französischen Dampfern„Indian“ 800 Tonnen,„l' Aude“ 3000 Tonnen,„Ville de Mostaganem“ 2650 Tonnen,„Provincia“ 3000 Tonnen und„Ravitailleur“ 3000 Tonnen, dazu noch eine Anzahl kleinerer Dampfer. Alle Versuche, durch Gegenmaß— regeln die Erfolge deutscher Unterseebbote im Mitelmeere zu verhindern, sind bis jetzt gescheitert. Da wird der Entente auch die Absendung von Hilfstrup—⸗ pen für Serbien sehr schwer werden. Nussische Verlegenheiten. K. Kriegs⸗ vegt. berrscht Mangel an Lebeysmitteln, die Preissteigerung ist enorm. Der Stadtrat erbat von der Regierung dringend einen Millionen- Vorschuß. Die Ereignisse in Griechenland. Mailand, 8. Okt.(W. T. B. Nichtamtlich.) oft gut unterrichtete Sonderberichterstatter des Corriere della Sera in Athen gibt unter dem 6. Oktober interessante Einzel⸗ beiten über die letzten Ereignisse in Griechenland. U. a. teilt er mit, daß bei Bekanntwerden Demisszon o; Vel der Veniselos' Kundgebungen mit Hochrufen auf den König stattfanden, denen von keiner Seite auch nur im geringsten widersprochen wurde. Das Werk Veniselos', der immer angegeben habe, mit dem König eines Sinnes zu sein während ihre Anschauungen immer auseinandergingen, habe gehängt. Mit sibyllinischen Phrasen hobe der Minister präsident immer von vollem Einverständnis mit dem Köni gesprochen, wobei er aber immer nur von angeordneten oder zukünftigen Maßnahmen gesprochen habe und nicht von der Politik, die immer ein dunkler Puntt in der Situation ge⸗ blieben sei. In einem unlängst gewährten Interview, das, Veniselos nicht zu telegraphieren erlaubte, habe Veniselos sich über einen Punkt nicht festlegen wollen. Er habe nur, gesagt, so lange er am Ruder sei, bedeute dies, daß er und der König einig seien. Aber so hätte es nicht weiter gehen tönnen, ohne die Ententemächte regelrecht zu be⸗ trügen, die einzig und allein im Vertrauen auf Veniselosihre Soldaten ausschifften und ihre Vorbereitungen getroffen hätten. Bevor sich die Krisis zuge⸗ spitzt habe, hätte Veniselos das Bedürfnis gefühlt, sein Ver- hältnis zur Krone zu klären, um nicht nachher in der Patsche zu sitzen. Daher seine Aeußerungen in der Kam⸗ mer, infolge deren der König Veniselos zu sich rief, Worauf die Demission erfolgte. Bevor Veniselos den König verließ, habe er ihm den Gedanken eines Koalitionskabinetts unter Zaimis entwickelt. Dies neue griechische Kabinett, so schreibt der Berichterstatter, versuche eine versö hnliche P o lit ix dem Vierverband gegenüber zu befolgen, da es Repressalien zur See vermeiden wolle. Es sei daher möglich daß die von dem Vierverband verlangten Garantien für den Durchzug der Truppen an der Grenze bei Salonik gewährt werden. Man habe übrigens endlich gleichlautende Nach⸗ richten über die Landung französischer Truppen in Salonik. Die ersten Verbände hätten sich kompagnieweise nach Santo Parasken begeben, wo Feldlager errichtet seien. Eine zahlreiche Volksmenge längs der Straße hätte sich zurückhaltend verhalten. Der Eindruck der griechischen Truppen sei sehr gut gewesen. Gemischte Wachen aus fran⸗ zösischen und griechischen Soldaten hätten verhindert, daß die gelandeten Soldaten Salonik betraten. Der Transport der Truppen nach Serbien sollte mit 500 serbischen Wagen erfolgen, sei aber infolge der Ministerkrise vorerst verschoben worden. 5 1 1 W Die Haltung der veniselistischen Partei. London, 8. Okt.(W. T. B. Nichtamtlich.) Das Reuter Burkau meldet aus Athen: Die neuen Minister haben den Eid ge⸗ seistet. Es verlautet, daß die Veniselos⸗Partei die neue Negierung unterstützen wird, um weitere Verwickelungen zu vermeiden, da eine Kammerauflösung in der Mobilmachungszeit einen chaotischen Zustand herbeiführen würde. 1 Verantwortlicher Redakteur; F. Vetters, Gießen. 1 Verlag von Krumm& Cie., Gießen. l. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M. Bekanntmachung. Alle diejenigen, die Wieseuheu, Klee⸗ und Luzernheu am 2 September d. J. im Gewahrsam hatten, sordere ich hiermit auf, dieses sofort auf dem Stadthaus Zimmer Nr. 9 anzumelden. Wer die Anzeige nicht in der angegebenen Frist erstattet, oder wer wissentlich unrichtige oder unvollständige Angaben macht, wird mit Gefängnis bis zu 6 Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 15 000 Mark bestraft. 4 Gießen, den 7. Oktober 1915.. 1 Der Oberbürgermeister. 2 25 Keller. Oeffentliche Aufforderung. mitteln und innerhalb einer dem Stadthaus, Zimmer Nr. 9 anzuzeigen. in welcher Art und Weise(Abwiegen oder Sch ermittelt worden ist. Abzüge flir Schwund und Verderb dürfen nicht vorgenommem werden. Dagegen ist möglich auf kranke oder verdäch zen) das Ergebnis st genau sestzuͤftellen, welcher Teil der Ernte Knollen entfällt. 3 der er auf Grund der angezogenen gesetz⸗ „nicht in der gesetzten Frist erteilt 10 dige Angaben macht, wird mit Gefängnis bis zu 6 Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 10 000 Mark bestraft. Auch können Vorräte, die verschwiegen sind, für dem Staat verfallen erklärt werden. 25 der unwif Ein Ausschuß von erfahrenen Landwirten wird die gemachten; Angaben nachprüf 1 Gießen, den 28. September 1915. 0 Der Oberbürgermeister. 2 e. 4 — Verstorbene. Johannes Döbus in Gießen, 78 Jahre alt.) ef — Frau Maria Bräunig Witwe, geb. Heitzenröder, in Wetzlar, seit Anfang der Mobilmachung an einem Spinnewebfaden 77 Jahre alt. störte Hindernis ein, wurden aber durch Abteilungen des Oester⸗ Unter den Gegenständen, Kriegsteilnehmer in allzuvielen Fällen nur für Um hier helfend eingreifen zu können, bewährte Opferwilligkeit unserer gebrauchte Schuhe aller Art Kriegerfamilien freundlichst zuweisen zu wollen. im städtischen Hospitalgebände, Seltersweg 11. 8 g i 8 Rneumasismus-, Ischias- und Gichtleidende nehmen die glänzend bewährten Petrin- Tabletten Name gesetzlich geschützt auerkaunt bestes Mittel, da vollständig unschädlich, ohne jegliche Nebenerscheinungen und sleher wirkend.— Zu haben in allen Apotheken. 27 C zur Verteilung an bedürftige Die Entgegennahme erfolgt im städtischen Auf schriftliche Mitteilung läßt die städtische auch in den Wohnungen der Geber abholen. Gießen, den 6. Oktober 1915. Städtische Kriegsfürlorge Keller. Dr. Ebel. die durch den Krieg am meisten verteuert 1 i i i erk, dessen Beschaffung heute den Familien der e eee sehr schwer oder überhaupt nicht mög⸗ lich ist. Bei der städtischen Kriegsfürsorge wird daher immer häufiger das Ver⸗ langen nach Gewährung von Schuhen Erwachsene und Kinder erhoben. wenden wir uns an die so oft Mitbürger mit der dringenden Bitte, uns 5 uh E. 158 56 5 6 8 885K 88858865655 c 78 888 88 88 d c c goeben erschienen! zo steht der am 8. Oktober 1915. 4 Hauptkarten, 14 Spezialkarten. Preis nur 40 Pfg. Aleinverkauf: Oberhessische Volkszeitung, Bahuhofstr. NK NN NN NN Ne NN NN NN Beste Rriegskarte! Krieg 23. Kriegsfürsorge die Gaben Telcpost-Senaebten in jeder Größe 1 zu beziehen durch die Vuchhaudlung Oberhess. Volkszig. Bahnhofstraße 28. f Lichtpiehaas Giessen Bahnhofstrasse 34 Telephon 2077 80 Grösstes, elegantestes und modernstes Lichtspiel-Theater am Platze. 80 Jeden Mittwoch u. Samstag Programmwechsel. Geg. 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