. N — 1 1 ursten, zweiten und 10 N 5 11 1 1 7 5 1 15 der Gegner 1 1 19 fehls bereits zerpflückt te englisch-fran; * deser großen Ossensive zum Frieden gene für die Interessen des wer Provinz Oberhessen und der der ktätigen Volkes Nachbargebiete. Die Oberbessische Volkszeitung erscheint jeden Werkt Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 P 60 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post be ag Abend in 10 Pfg., monatlich zogen vierteljähr ll. 80 Mk. 9 Redaktion und Expedition Giesten, Bahnhofstraße 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Nr. 234 Gießen, Mittwoch, den 6. Oktober 1915 N i 2 f Bulgarien Wollen und Können. Unsere Leser kennen den Armeebefehl des französischen Gene— ralissimus Joffre, der von der deutschen obersten Bekennen öffentlicht worden ist. Sie hat den militärischen Inhalt dieses Be⸗ 1 und auf seine ganze Nichtigkeit zurückgeführt. Der Befehl enthält aber darüber hinaus noch eine Reihe 500 ichten und Tatsachen, die eine weitere Besprechung nützlich erscheinen lassen. Das wesentliche im politischen Sinn war tach dem Armeebefehl Joffres die Absicht der englisch-französischen Regierungen, dem Krieg durch diesen gewalt gen Vorstoß ein Ende zu machen. Sie glaubten, nach Durchstoßung der rst 5 dritten deutschen Linie bis in das sogenannte reie Gelände kommen zu können, d. h. bis nach Belgien hinein und don dort an den Rhein. Diese Absicht ist nicht nur nicht geglückt, ondern die Engländer und Franzosen sind unter den schwersten Zerlusten zwar ein wenig vorwärts gekommen, aber an vielen Stellen 0 ch o un wieder zurückgeschlagen und die große ffensive ist in der Absicht, etwas wirklich Großes zu erreichen, atsäch li ch vollkommen zusammengebrochen. Aus iesem Zusammenbruch ergibt sich nun in politischer Hinsicht das, denn es auf diese Art den Franzosen und Engländern ni cht ge⸗ lungen ist, dem Krieg ein Ende zu machen, es vielleicht der ßegenseite gelingt, durch die Ab we her dieser großen Ofsen⸗ ve dem Krieg ihrerseits ein Ende zu bereiten. Es ist klar, daß zösische Heeresleitung an diesen Vorstoß so außer- fte nur setzte, wenn sie glaubte, alles damit zu 8 sie nun nicht nur nicht alles, sondern nichts er- leicht hat, und ihre große Absicht vollkommen zu schanden ge— zorden ist, so sollten die Regierungen in allem Ernst darin einen egweiser sehen, wie machtlos sie gegenüber der eisernen Maucz ker Deutschen bleiben. Und es heißt nur aus solcher Erkenntnis lie tatsächliche Folgerung ziehen, wenn sie nun nach dem Scheitern; igt wären. Die dutsche oberste Heeresleitung wie die ganze deutsche öffentliche Mei— ng mit Ausnahme von ein paar Heißspornen, deren Geschrei in R Verhältnis zu ihrer politischen Bedeutung steht, üben keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie einen ehr⸗ lichen und sicheren Frieden wollen, wenn die Gegner zu Hereit sind. Wir zweifeln nicht, daß, wenn die englische und mzösische Regierung aus dem Fehlschlagen ihrer Offensive eine Arnünftige Konsequenz ziehen, die deutsche Regierung ebenso ver— ünftig darauf antworten wird. Die politischen Gesichtspunkte, die durchaus zu Gunsten der utschen sprechen, dürfen aber nicht darüber täuschen, daß auch auf . gewichtige Momente zu verzeichnen sind, die uns Dwesentlich anderes Bild von ihrer Kraft geben, b viele deutsche Pressestimmen es darstellen und viel fach im Publi⸗ um geglaubt wird, weil man es von sich aus wünscht. Was in ier Hinsicht zunächst der Joffresche Tagesbefehl enthüllt, das ist 32 ein außerordentlich großer Opfermut und eine N ganisation kriegerischen Sinnes, vor denen wir n Respekt haben müssen. Es ist nichts verkehrter, weder in schem, noch im militärischen Kampfe, als den Gegner zu unter— ben, und man tut auch unseren eigenen tapferen Soldaten und ger Führung keinen Gefallen, wenn man die Gegner, die sie so nergleichlich abwehren, als schwächliche und desorganisterte ssen hinstellt. zm Gegenteil: wie aus militärischen Kreisen be⸗ ant wird, haben im besfonderen die Franzosen bei diesem gewal— an Vorstoß eine musterhafte Organisation der rückwärtigen Ver⸗ dungen gehabt und außerordentlich glänzende Leistungen im Ein⸗ Allen vollbracht. Nicht zuletzt haben sie ihre Flieger und Uftfahrzeuge in einer ganz besonders mutigen, wenn man 1 wöhnliche Krä treichen. Wenn ih sagen muß, waghalfigen Art benutzt. Sie haben nämlich ihren Luftfahrzeugen Abteilungen von Soldaten bis hinter die flksche Front gebracht, sie dort abgesetzt und versucht, durch sie iktärische Einrichtungen, im besonderen Brücken und Straßen, ich Sprengungen vernichten zu lassen. Diese Absichten sind zum lick nicht verwirklicht worden, da die deutschen Besatzungen auf Hut waren und diese von seindlichen Luftfahrzeugen abgesetzten yaten glattweg gefangen haben. Jedenfalls aber zeigen solche gen nicht von Desorganfsation, auch nicht von Feigheit und Un⸗ gkeit. Es heißt nur den Respekt vor unseren eigenen Leistungen ehen, wenn wir solche Tüchtigkeit der Gegner anerkennen. Wenn trotz aller solchen besonderen Leitungen das Fehlschlagen de großen englisch⸗französischen Offensive von Stunde zu Stunde Zulicher wird und das erneute Vorwärtskommen der deutschen gent im Westen uns immer größere Hoffnungen auf einen bal⸗ % Frieden gibt, so ist der letzte Grund für alles, was wir jetzt et haben, doch der, daß es eben bei den Gegnern nicht an dem ziblen gebricht, zu siegen, auch nicht an großen einzelnen siugen, daß ihr Können im Ganzen aber an der Ueber— betleit der deutschen Führung und der deutschen Massen immer fler scheitert. Dieser Unterschied zwischen Wollen und nen ist es, der am besten den Gegenfatz zwischen den deutschen tungen und den Leistungen unserer Feinde offenbart. Die kite Kraft kennt sich in ihrem Wollen und Können. Sie mutet icht mehr zu, als sie wirklich kann, und das, was sie kann, setzt nil eisernem Willen durch. Wir sind in dieser Hinsicht auch ordentlich nüchtern und es fehlt uns sicherlich der Elan, der angösischen Willen von jeher ausgezeichnet und sicherlich auch Ahanchen Taten angespornt hat. Aber dieser Elan steht eben in zen Verhältnis zu der wirklichen Leistungsfähig⸗ 1 und es erscheint uns nach wie vor als die beste Eigenschaft chlands, daß bei ihm Können und Wollen in einem emonischen Verhältnis steht. * 2— f Die Kämpfe im Kaukasus. n Lonstantinopel, 4. Okt.(W. T. B. Nichtamtlich.) Meldung Viener. Korrespondenzbureaus. Nach einem Telegramm aus uor Spital diente, obwohl die Fahne des Ro flatterte, hauptsächlich als Zielscheibe und wurde zerstört. Ein Kranker ist getötet. Die feindlichen Schiffe feuerten sodann 41 Schüsse gegen die Ortschaft Techirali. Abends vorher hatten sie Kalamal! an derselben Küste beschossen, wobef sie ein dem Mini⸗ sterium für fromme Stiftungen gehöriges Gebäude zerstörten. Aus Erzerum wird gemeldet, daß mit Ausnahme von S mützeln an der Grenze dieses Wilajets Ruhe herr sich kische Abteilungen trieben in östlicher Richtung ein ruf Kavallerie-Regiment und ein Infanterie-Bataillon zurück. türkischer Feldwebel mit acht Mann zeichnete sich bei dieser Gelege heit gegen überlegene russische Kräfte besonders aus. Im russi schen Heere wütet die Cholera. Was wird Bulgarien antworten? Von einer unterrichteten bulgarischen Persönlichkeit wird der Telegraphen⸗Union versichert, daß die Regierung in Sofia aller Wahrscheinlichkeit nach das russische Ultimatum über haupt nicht beantworten wird. Man erwartet in Bulgarien mit völliger Gelassenheit die Ab berufung aller Entente⸗Gesandten aus 5 der H bulgarischen Reiches voraussichtlich noch ten Halbmondes über ihm e 1 1 ang Erklärungen Nadoslawolps. Die Haltung Gricchenlands und Rumäniens. Der Budapester Vilag meldet aus Sofia: Radoslawow empfing eine Abordnung der Mitglieder der mit deb Genadiewgruppe abermals vereinigten Stambulowpartei. Sie ersuchte den Ministerpräsidenten, die Partei über die Balkanlage zu orientieren. Radoslawow erklärte folgendes: Bulgarien kann mit Recht erhoffen, daß seine Situation sich vorteilhafter als bisher gestalten wird. Die für die nächste Zukunft voraussichtlichen weiteren Ereignisse versprechen sehr vorteilhafte Resultate. Bulgarien wird seine Grenzen gegen Nordwesten und Süden ausdehnen. Unser Verhältnis zu Rumänien ist herzlich. Der zwischen Rumänien und den Zentralmächten aufgetauchte Konflikt ist bereits beigelegt. Rumänien wird während der ganzen Dauer der Offensive der Zentralmächte gegen Serbien neu— tral bleiben, auch in dem Falle, wenn am Balkan neue Komplikationen entstehen. Die rumänische Regierung gab eine Erklärung ab, wonach sie bezüglich Serbiens desinter— essiert seji. Griechenlands Haltung während der Offensive der Zentralmächte gegen Serbien werde identisch mit Rumäniens Haltung sein.? Die Entente will„einschreiten“. Die Pariser Blätter melden, daß die Ententemächte entschlossen sind, auf dem Balkan unverzüglich einzu⸗ schreiten und am Endpunkt der Eisenbahn, die Serbien ver— sorgt, Truppen zu lan den. Der Figaro sagt, daß König Ferdinand, wenn er sich entschließen sollte, die serbische Grenze zu überschreiten, sich englischen und französischen Soldaten gegenüber finden werde. Die Wiener Allgemeine Zeitung erfährt auf indirektem Wege aus Paris, daß die französische Regierung anordnete, daß die in Frankreich sich aufhaltenden Bulgaren Frank- reich nicht verlassen dürfen. Sperrung der bulgarischen Donauhäfen. Nach einer Bukarester Meldung schloß Bulgarien alle Dongu⸗ häfen. Die rumänischen Schiffe dürfen nicht mehr an den rumäni⸗ schen, sondern nur an den österreichisch-ungarischen Pontons anlegen. Der Truppendterchzug durch griechisches Gebiet. Ein Notenwechsel. Der griechische Generalkonsul für Holland erhielt nach der Frankf. Ztg. folgenden amtlichen Bericht aus Athen vom 3. Oktober: Der französische Gesandte richtete heute an den griechischen Ministerpräsidenten folgenden Brief:„Jan Auftrage meiner Re⸗ gierung habe ich die Ehre, Ew. Exzellenz in Kenntnis zu setzen von der Ankunft des ersten französischen Truppen⸗ detachements in Salonik und gleichzeitig zu erklären, daß Frankreich und England als Bundesgenossen Ser⸗ biens ihre Truppen senden, sowohl um Serbien zu Hilfe zu kom⸗ men, als auch mit Serbien Verbindung zu unterhalten, und daß die beiden Mächte darauf rechnen, daß Griechenland, das ihnen bereits soviele Beweise der Freundschaft gegeben hat, sich icht diesen Maßregeln widersetzen werde, die im Interesse Serbiens getroffen wurden, das zu gleicher Zeit der Bundesgenosse Griechenlands ist. Gez. Guillemin. Am Abend antwortete der griechische Ministerpräsident 80* ** dung. 3 Schreibens habe ich die Ehre, Euer je königliche Regierung, welche neu⸗ tral in dem enropälschen Kriege ist, die durch Sie angeführten Handlungen nicht gutheißen kann, da sie die Neu⸗ tralität Griechenlands berühren, ein Eingriff, der von umso größerer Bedeutung ist, da er durch zwei große kriegführende Mächte geschieht. Die Regierung hat sofort die Pflicht, gegen den Durchmarsch fremder Truppen durch griechi⸗ sches Gebiet zu pratestieren. Der Umstand, daß diese Trup⸗ pen ausschließlich bestimmt sind, um Serbien, dem Bundesgenossen G enlands, zu Hilfe zu kommen, ändert in keiner Weise die juristische Stellung der königlich griechischen Regierung. Denn selbst vom Balkanstandrunkt aus betrachtet, würde das neutrale Griechenland, wenn nicht der casus foederis gegeben ist, absolut ts zutun haben mit der Gefahr, die im Augenblick erbien bedroht, und die die Ursache der Entsendung internatio⸗ naler Truppen ist, um Serbien zu Hilfe zu kommen. Gez. Veniselos.“ Eutente⸗Truppen in Saloniki. Zeitungen von Sonntag abend melden die englisch⸗ sischer Truppen in ls eine bereits in Ausführung begriffene Von der Haltung Griechenlands wird als einer ganz nebensächlichen Sache gesprochen. Im Journal wird sogar ausdrücklich bemerkt, daß man die Ein⸗ holung der Erlaubnis Griechenlands zur Landung der Truppen als eine Erledigung unbedeutender diplomatischer Formalitäten ansehe. Nach direkten Nachrichten aus Salonik und Athen voll. z og sich am Sonntag die Landung starker französisch⸗ englischer Kräfte in Salonik unter Leitung d' Amades, der aus Serbien eintraf, wo er mit der Regierung den Feld⸗ zugsplan vereinbarte. Er übernimmt nunmehr das Ober⸗ kommando der Ententekräfte in Mazedonien, während Hamilton die Basis in Salonik organisiert. Auch der französi⸗ sche Oberst Bousquier ist von Nisch in Salonik eingetroffen. Nachrichten aus Rom sprechen von einer weiteren Landung in Kawalla in der Nähe der bulgarischen Grenze. Athen unter dem Belagerungszustand. Mailand, 4. Okt.(W. B. Nichtamtlich.) Mailänder Blätter erfahren aus Athen, daß der König gestern das Dekret der Ver⸗ hängung des Belagerungszustandes über Athen und den Piräus unterzeichnet hat. Die Verfügung tritt jedoch erst in einigen Tagen in Kraft. Das Eingreifen Italiens. Lugano, 4. Okt. Endgültig steht nunmehr fest, daß dit Italiener nicht in Mazedonien, sondern in Albanien in den Krieg auf dem Balkan eingreifen.(Frankf. Ztg.) Fra kreich und England. Unter dieser Ueberschrift veröffentlicht die Humanité vom 28. September folgenden Artikel:„Unser Freund Augustin Hamon schreibt im Intermediaire des Chercheurs et des Curieus: „Nach allem, was ich von der englischen Politik gesehen habe — und ich bin nahe dabei, denn ich wohne in England seit 15 Mo⸗ naten— bin ich überzeugt, daß diese Macht uns zu Hilfe gekommen wäre, die Deutschen zu bekriegen, selbst wenn diese die Neutralität Belgiens nicht verletzt hätten.(In der Humanité gesperrt ge⸗ druckt.) Sicher hätte das England nicht schon am 4. August getan, denn es hatte dann eine ziemlich starke Opposition im Ministerium, im Parlament und in der Bevölkerung zu besiegen; aber diese Oppo⸗ sition wäre ziemlich rasch niedergerungen warden, wenn man nach der Begeisterung urteilt, zu der Sir Edward Grey das Unterhaus am 3. August hinzureißen wußte, bevor die Verletzung Belgiens bekannt geworden war. Es erscheint wahrscheinlich, daß dieser Minister Frankreich helfen wollte. Er wußte, daß das im In⸗ teresse Englands lag, England, auf das Deutschland in Wirklich⸗ keit abzielte. Seine Rede zeigte eine hervorragende Geschicklich⸗ keit, denn sie vermied es, die Haltung zu erörtern, die das Land einnehmen müßte; sie wies vielmehr einfach auf die Tatsachen hin und forderte das Unterhaus auf, seinen Willen kundzugeben. Es gab einen Augenblick des Schweigens, des Zögerns, dann kam von der Seite der Irländer ein Zwischenruf zugunsten des Krieges. Der ganze Saal, ausgenommen einige wenige Deputierte, brach in stürmischen Beifall aus. Die Partie war gewonnen. Sir Ed⸗ ward Grey war überzeugt, daß ihm die Majorität folgte. a Die Vergewaltigung Belgiens hat ihm sicher die Arbeit er⸗ leichtert, denn die große Majorität der Bevölkerung war von da ab für den Krieg gestimmt. Der Irländer, der solchermaßen das Parlament mitriß, ist ein großer Freund Frankreichs, wo er lange gelebt hat. Mit der geistigen Geschmeidigkejt und der Leb⸗ haftigkeit, die die Irländer charakterisieren, hatte er alsbald ein⸗ gegriffen“Gier folgt eine Zensurlücke.) 5. Die Humanité bemerkt zu diesen Auslassungen, die wir in wörtlicher Uebersetzung wiedergeben: „Die Meinung von Hamon stimmt nicht mit der offiziellen Wahrheit überein, aber sie ist darum nicht weniger interessant und mahrscheinlich. f (Anm. der Red.: Und wir haben dazu zu bemerken, daß 0 a Exzellenz z 1 Die Pariser dung 425 Lan f S a der e. en beschossen vorgestern zwel Torpedoboote, darunter ein fran⸗ ces, die Stabt mit ewa hundert Geschofsen. Das städtische folgendes: in der Humanitsé so gut wie in der gesamten bürgerlichen beginn zu lesen Presse Frankreichs unzählige Male seit Kriegs a lität Belgiens war, daß einzig die Verletzung der Neutra Ingland caf den Plan gerufen habe.) Friedensdemonstrationen in der Schweiz. In der ganzen Schweiz fanden am Sonntag machtvolle Kund⸗ gebungen für den Frieden statt. Zumeist formierten sich die Teil⸗ nehmer zu geschlossenen Zügen, die unter Vorantragen von Jahnen und Tafeln mit entsprechenden Inschriften durch die Straßen zogen. Den Schluß der Veranstaltungen bildeten Versammlungen, in denen Vorträge gehalten wurden, die der Bedeutung der Aktion ent⸗ sprachen. Das Scheitern der lex Schiffer, das bekanntlich dem nationalliberalen Abg. Bassermann zu danken ist, bedingt die Beibehaltung der Gefängnisstrafe von mindestens einem Jahr auch für die geringste Uebertretung der auf Grund des Belagerungs-(in Bayern des Kriegs-) zustandgesetzes erlassenen militärischen Anordnungen. Der Senatspräsident Dr. Koffka schlägt nun vor, daß der Bundes— rat auf Grund seiner Vollmacht die vom Abg. Schiffer bean⸗ tragte Milderung des Strafgesetzes anordne. Ob die Voll⸗ macht des Bundesrats soweit geht, ist fraglich und Vizekanzler Delbrück hat schon einmal ein Hinausgehen des Bundesrats über die ihm erteilte Vollmacht abgelehnt. Die Notwendigkeit der Mis im Belagerungs— zustandgesetz vorgesehenen Mindeststra, bes wird nun auch von der konservativen Berliner Presse anerkannt. Ahorn in einem Atem wird die Berechtigung der Gründe, die n. den Abg. Bassermann bei seiner Obstruktion leiteten, erkannt. Es handelte sich für ihn bekanntlich darum, seinem Parteifreund aus dem preußischen Landtag, Dr. Cremer eine Kritik seiner Zensorentätigkeit zu ersparen. Seither hat das zuständige Generalkommando eine Cremer⸗ freundliche Darstellung der Personalverhältnisse in der betr. Zensurstelle als unrichtig erklärt und Dr. Cremer ist in eine andere Dienstverwendung übersiedelt. Aber: Bassermann hatte Recht! Die„Beschützer“ der kleinen Staaten. Zur Vergewaltigung der Neutralität Griechenlands heißt es im Berliner Tageblatt: Mit stürmischem Protest haben die Ententemächte den Einmarsch der deutschen Armeen in Belgien aufgenommen, und England hat sich an⸗ geblich nur deshalb zum Kriege entschlossen, weil die belgische Neutralität von Deutschland verletzt worden sei. Jetzt bei der ersten Gelegenheit, wo es ihnen paßt, setzten sich dieselben Ententemächte, die eben noch die Rechte der neutralen Völker 1a 8 an⸗ zu schützen vorgaben, über die Neutralitätsrechte eines kleineren Staates hinweg. Bulgarien endgiltig„verloren“! T. U. Kopenhagen, 5. Okt. Die dänische Presse hält nach der Bekanntgabe des russischen Ultimatums den Anschluß Bulgariens an die Zentralmächte für entschieden. Ueber die Rückwirkung des bulgarischen Angriffs auf Rumänien und Griechenland urteilt Politiken, daß die rumänische Regierung aufrichtig für die Be- wahrung der Neutralität sei und daß Griechenland noch weniger einen Krieg wünscht. Hier vorliegende Nachrichten aus Paris be⸗ sagen, gleichzeitig mit dem russischen Ultimatum sind auch alle eng⸗ lisch⸗französischen Verhandlungen in Sofia abgebrochen worden. Die Regierungen in Nisch und Athen sind verständigt worden, daß der Vierverband die Forderung eines Gebietsabtritts an Bul⸗ garien endgiltig zurückgenommen hat. Rumänien will keinen Krieg! Das Neue Wiener Tagblatt meldet aus Lugano: Die Stampa veröffentlicht ein Telegramm ihres Bukarester Sonderbericht⸗ erstatters, worin es heißt: Keine unwahrere Nachricht gebe es als die, daß Rumänien demnächst an der Seite des Vierverbandes in den Krieg eingreifen werde. Einvernehmen Bulgariens mit Griechenland und Rumänien. Aus Sofia wird gemeldet, der griechische Gesandte in Sofia hatte neuerdings eine längere Unterredung mit dem Ministerpräsidenten Radoslawow, die in freundschaftlicher Weise verlief. In bulgarischen Regierungskreisen wird auf das Bestimmteste erklärt, daß Bulgarien mit Griechenland lichen Beziehungen wünsche und nichts unterlassen werde, das gute Einvernehmen unbedingt zu erhalten. Mobilmachung Grieche Veniz spricht, von sie nicht wünscht, genossen habe. Griechenland ein schreibt: Mit England nicht nur ausgeladenen ameri schon in Dänemark selbst starke 9 den ärmeren Schichten besteht, Dampfer„Frederick VIII“ zurückgehalten einem anderen englischen Hafen mit den um dort die Fleischladung aus Amerika zu löschen. 1 Verhalten Dänemarks bei der Erfü Poegierung auferlegten Pflichten, es 9 In Griechenland Friedensliebe. Athen, 5. Okt.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die allgemeine nlands wurde trotz der Artikel der elospresse, welche von Jubel und Begeisterung im Lande der Bevölkerung gleichgültig aufgenommen, da daß Griechenland sich zur Verteidigung in Abenteuer stürzt. Es wird versichert, daß keine Verpflichtung gegenüber den Entente⸗ Der König habe das Angebot Frankreichs, en Kredit von 100 Millionen Franken zu gewähren, abgelehnt. England vergewaltigt die Kleinen! Kopenhagen, 5. Okt.(W. B. Nichtamtlich.) National Tidende steigender Ueberraschung ist Dänemark Zeuge, daß die Zurückschaffung des bereits in Kopenhagen kanischen Fleisches nach England verlangt, ob⸗ nachfrage nach billigem Fleisch in sondern jetzt auch den dritten rund von Kirkwall nach Passagieren befördert hat. Es bedeutet dies die Verschärfung der Kontrolle und Mißtrauen in das loyale llung der ihm von der englischen bedeutet ferner einen erheblichen creien und Importeure sowie eine starke Be⸗ d zurückgebaltenen Passagjere. Serbiens Griechenland Schaden für die Reed lästigung der gleichfalls in Englan Ueber die Ursache dieser verschärften Order verlautet. daß England trotz klarer gegenteiliger Erklärungen der dänischen Regierung be⸗ hauptet, daß das amerikanische Fleisch das dänische Fleisch ersetzen solle, das Dänemark nach Deutschland lieferte. Die dänische Re⸗ gierung versuchte durch den enalischen Gesandten Vorstellungen über die Rechtswidrigkeit des Verfahrens und die Notwendigkeit des Im⸗ portes billigen amerikanischen Fleisches für den dänischen Konsum zu machen, bislang aber erfolglos. Man verhehlt sich nicht, daß die Schwierigkeiten größer sind, als man ursprünglich vermutete. 33 Generäle bisher aus der italienischen Armee entlassen. T. U. Lugano, 5. Okt. Zusammen mit den vorgestern zur Disposition gestellten Generälen Haselli, Nava, Reisoli, Mirone, Giove, Caputo und Amadei sind mit den vorauf⸗ gegangenen bisher in vier Wochen 33 Generäle aus der italienischen Armee entfernt worden. Die russischen Arbeiter. Berlingske Tidende erfährt aus Petersburg, beiterversammlung, der viele Mitglieder der Reichsduma bei⸗ wohnten, habe einstimmig die Vorlage eines großzügigen Hilfs⸗ werkes zur Unterstützung der Flüchtlinge gefordert. In Rußland werden, wie aus Petersburg gemeldet wird, jetzt alle möglichen Schritte getan, um die Arbeiter für die Kriegs- industrie zu interessieren. Arbeiter werden sogar als Vertreter in den Zentral-Kriegsindustrie-Ausschuß gewählt. KNriegsnotizen. Bund deutscher Bodenreformer, der in Bielefeld tagte, faßte folgende Entschließung: Die 24. Haupt⸗ versammlung gibt dem Wunsch Ausdruck, daß in dem besetzten Gebiet unverzüglich jeder Bodenspekulation durch Un⸗ tersagung aller Grundstücksübertragungen ohne obrigkeitliche Genehmigung vorgebeugt wird. Grundstücksüber⸗ tragungen sind ausnahmsweise unter Ortsangesessenen zu gestatten. Die Hauptversammlung sieht in diesem Verbot den ersten not⸗ wendigen Schritt zu weiteren Maßregeln gegen schrankenlose Privatwirtschaft und Ausbeutung des Bodens und der Bodenschätz ee. Mit aller Entschiedenheit tritt sie dafür ein, daß von vornherein die Grundsätze der Landordnung von Kiautschon zur Anwendung gelangen. Das Oberkommando in den Marken verbietet gemäß S ob des Gesetzes über den Belagerungszustand in einer sveben er⸗ schienenen Bekanntmachung die Veröffentlichung und Ver⸗ breitung aller Abhandlungen, Flugschriften, Propagandakarten und als Manusfkript gedruckter Erörterungen, in denen gegen die im Heere angewandten Schutzimpfungen Stellung genommen wird.— Soldaten, die sich geweigert haben, sich impfen zu lassen, sind mit erheblichen Strafen belegt worden. Das mag der Anlaß zu dem Verbot gewesen sein. In Budapest hat eine Demokratenversammlung sehr scharf eine große Ar— Der und ebenso mit Rumänien die Aufrechterhaltung der nachbar— gegen die Untätigkeit der Stadtverwaltung gegen⸗ über dem Lebensmittelwucher protestjert, über die Zen⸗ l 2 F sierung der Presse im Kampfe ge gen die Teuerung geklagt un Berichterstattung in einer zu⸗ lung aufzufordern und bei d t Oesterreich gemeinsamen lsammelstelle für Leben Sollte di schlossen, den Bürgermeister zur berufenden Gemeinderatsversammlu Regierung die Aufstellung eines mi nährungsplanes, Errichtung einer Zentra mittel und eventl. Zwangsrequirierung zu beantragen. Regierung hierauf nicht eingehen, so fordert die Versammlung den Gemeinderat zur Mandatsniederlegung auf.. Der„Bund für Menschheitsinteressen“, dessen Organ die Doku⸗ 5 mente des Fortschritts sind, beschloß auf der Hauptversammlung in 0 Bern, die Verlegung des Vereinssitzes von Paris in die neutrale f Schweiz nach Bern. 2 2 Ein internationaler Friedens kongreß fol an 1 14. bis 18. Dezember in Bern stattfinden. Friedensvereinigungen 0 mehrerer Länder haben ihre Beteiligung zugesagt. Der holländische 1 Anti⸗Kriegsrat schlägt sein Friedensprogramm, das im allgemeinen den Forderungen der deutschen Sozialdemokratie entspricht, als bl Grundlage der Verhandlungen vor. f e Aus dem Kohlengebiet von Lüttich wird dem Neuen bee Rotterdamschen Courant berichtet, daß der Betrieb dort lebendiger wird. Die Zahl der Arbeiter ist vermehrt, die Ar⸗ beitszeit nähert sich wieder ihrer normalen Dauer. Den Berg⸗ arbeitern ist zum 1. Oktober eine Vermehrung der Lohneinnahme um 20 Prozent zugesagt. 1 1 Secolo erfährt aus Gallarate, daß sich zur Werbebewegung fl in: Arstzis jetzt auch die Bewegung der Hüttenarbeiter gesellt. be Die tenarbeiter überreichten den Industriellen eine Denkschrift, wort sie dreißig Prozent Lohnerhöhung verlangen. Sie begrün eb den ihre Forderung mit der Teuerung. 5 el Das Friedensprogrammder deutschen Sozial⸗ fle demokraten wie auch die von Partei— und Fraktionsvorstand l an den Reichskanzler gemachte Eingabe gegen die bekannte Petition der sechs Wirtschaftsverbände werden im Labour Leader wieder⸗ gegeben. Das Blatt der englischen Unabhängigen Arbeiterpartei ges bemerkt im Anschluß an das letztere Schriftstück:„Auch dieses Doku⸗ ist ment vertritt die Mehrheit der deutschen Partei: es enthüllt Mi uns die Tatsache, daß sogar die Haltung der für den Krieg eintretenden Sozialisten eine einfichtüge und maßvolle ist 5 * 1 55 alt Arbeiterbewegung. 1 Genossenschaften und Gewerkschaften in England.. Der englische Verband der Genossenschaftsangestellten nahm kürzlich zu der Frage der Frauenarbeit Stellung. Der Verband bell fordert, daß Frauen nur mit einem minimalen Lohne von 17 Ml. böll per Woche für einen Monat beschäftigt werden können. Wenn sie gu nach Beendigung des Probemonats nicht entlassen werden, so sollen eint ihnen dieselben Löhne wie den Männern gezahlt werden, d. h. bei 6 einem Alter von 21 Jahren nicht unter 20 Mk, bei 25 Jahren nicht* unter 30 Mk. per Woche. Weiter dürfen sie nur für die Kriegs⸗ 0 dauer eingestellt werden und sind alle zurückkehrenden Männer, dee wenn sie um ihre alten Stellungen nachsuchen, in diese wieder ein⸗ ug zustellen. Auch müssen alle beschäftigten Frauen der Organisatlon re beitreten. An einigen Orten haben die Genossenschaften die A nahme dieser Bedingungen verweigert, so daß der Verband Stroef 90 ankündigungen erließ. 5 0 In England besteht das gewerkschaftliche Monstrum einer 00 Did sonderen Organisation der Genossenschaftsangestellten, eine Ein⸗ dad richtung, die sowohl für die Genossenschaften wie für die gewerk⸗ Gef schaftlichen Berufsorganisationen aus erklärlichen Gründen nur Aus Störungen und Unzuträglichkeiten im Gefolge haben kann, weil unte bazu führen muß, einseitige Interessen herauszubilden und zu dh fördern. Die britischen Gewerkschaften haben deshalb auf ihrem, letzten Kongreß auch einer Erklärung des Vertreters Banfield d 0 Bäcker und Konditoren zugestimmt, der den Versuch mißbilligte, die in Genossenschaftsunternehmungen beschäftigten Arbeiter besondef zu organisieren; diese Arbeiter sollten sich vielmehr den regelrecht Gewerkschaften anschließen. . 2 8 2 8 Jundustrie und Volkswirtschaft. Zucker⸗Dividenden. In welchem Maße die in keiner Weise rechtfertigten hohen Zuckerpreise die Säckel der Zuckerfabrikan füllen, zeigt der Geschäftsbericht der Zuckerfabrik Kruschwitz in W preußen. Das Unternehmen hat in dem Ende Juni 1915 abgelaufe⸗ nen Geschäftsjahr einen Reingewinn von 566835 Ma erzielt. Im Vorjahre betrug der Reingewinn 169 360 Ma Während das vorletzte Geschästsjahr keine Dividende brachte, halten im Kriegsjahr die Aktionäre 15 Prozent Dividen Dabei war die Rübenernte im letzten Geschäftsjahr geringer als vorletzten. 5 Pulver und Gold Roman aus dem Kriege 18701871. Von Levin Schücking. „Ich empfehle es nicht— ich möchte nur wissen, was dieser Herr darüber sagt. Mich entzückt das Buch an vielen Stellen, wenn es auch an anderen mich abstößt. Sie möchten es verbrannt wissen. Ist es nicht natürlich, daß ich jemand darüber reden hören möchte, der ganz anders denkt als ich, und ganz anders als Sie?“ Er zuckte die Achseln und ich äußerte mein Verlangen, ein Buch zu lesen, das Fräulein Kühn so interessierte. Sie besaß es und wollte es mir in mein Zimmer senden. Wir sprachen dann— ich benützte die Anknüpfung, um auf ein harmloses neutrales Gebiet zu kommen— von anderen Werken. Sie kannte manches deutsche Werk, doch nur ältere, die meisten Dramen Schillers, Callot-Hoffmann natürlich, Töpfer, den Genfer— bei einer Reise, die sie mit ihrem Vater nach Süddeutschland gemacht, hatte sie einige deutsche Schauspiele kennen gelernt; über alles das sprach sie sich leb— haft aus, frisch und originell, oft sehr paradox und wunder— lich freilich— aber mit einer innerlichen Teilnahme und liebenswürdigen Wärme, die zeigte, wie sehr solche Dinge ihr Interesse erregten; es war gar nicht möglich, davon nicht an⸗ gesteckt, nicht auch warm zu werden, in einen heiligen Eifer zu geraten, die paradoxen Ideen zu berichtigen, die Sachen in das rechte Licht zu rücken— und so kam es, daß das Ge— spräch sich gerade so verlängerte, wie es sich erwärmt hatte. Der Geistliche, der einsilbig zugehört, schien dabei innerlich immer aufgeregter zu werden; er mochte geärgert sein, daß Fräulein Kühn das alles nicht allein anhöre, sondern auch in sich aufnehme und in sich verarbeite, so daß er eine entsetz— liche Last bekommen werde, ihr das wieder zu nehmen und ihre Seele von diesem Greuel zu reinigen! Zuweilen lag in dem unwilligen Ausdruck, mit dem sein Auge auf ihr haftete, etwas von leidenschaftlichem Aufflammen— zu⸗ * — an—, wie nur ihre Erscheinung in sich saugend, ohne zu hören, was sie sagte, ohne anderes zu vernehmen, als den Klang ihrer wohltönenden Stimme. Mir kam der Gedanke, daß der arme Abbe eine Leidenschaft für seine schöne Cousine, oder was sie war, gefaßt habe. Ich mußte mich, so umstrickt ich auch war und so wenig das Fräulein von unserer Debatte ermüdet schien, losreißen: ich brach auf und hatte die Genugtuung, daß man mir er⸗ laubte, am andern Morgen zu kommen, um den„Faust“, den ich immer im Felleisen bei mir führte, als Revanche für den in Aussicht gestellten Michelet zu überbringen. In der gehobensten Stimmung— es war mir zumute, als habe ich mich in eine Art von Rausch hineingesprochen — kam ich in mein Zimmer und nahm den„Faust“ zur Hand. Ich blätterte darin mit dem Gedanken an all die Anknüpfun⸗ gen zu hundert Besprechungen, die dies wunderbare Buch bietet, an all die Aufklärungen und Erläuterungen, die das Fräulein, wenn sie nur mit ein wenig Ernst die Lektüre be— ginne, von mir werde verlangen müssen. Gleich darauf trat mein Bursche ein. „Wir müssen den Leuten hier in diesen Zimmern sehr störsam sein, Herr Wachtmeister,“ sagte er.„vorhin kam ein recht sauberes Dienstmädchen, noch viel schönere Fremdenzimmer, die sollten wir doch be— ziehen. Ich sagte, daran wär nicht zu denken, Sie müßten daß diese Zimmer bewohnt würden, darin schlafen?“ weilen, und dann öffnete sich Beit und ganz sein Auge, sah . a 5 er sie mit einem träumerischen Blicke, fast wie schmachtend das ein wenig Deutsch spricht, zu mir und meinte, sie hätten oben im ersten Stock unten bleiben, denn wenn es einen Alarm gebe, müßteen Sie zur Hand sein und ich auch, und wir wollten auch die Herr— schaften da oben und die kranke Madame nicht stören, und da meinte sie, die würde sich nicht stören lassen, und wenn ich hinaufziehen wolle, solle es mein Schaden nicht sein, ich solle ein gutes pour boire haben; die Herrschaft sehe nicht gern, es schlafe immer der Herr Bischof von Autun darin, wenn er zu Besuch komme...“ „Und darum,“ fiel ich lachend ein,„dürfen keine Ketzer kopfschüttelnd mit einem leiseren Tone.„Sie haben irgend etwas da hinten in der letzten Stube...“ f „In welcher Stube?“ „In der letzten hinter meiner Kammer. Eine Tap tür führt hinein. Aber die ist verschlossen mit einem großen und schweren Vorhängeschloß; und als ich heute morgen, gewacht war und noch ein wenig in den warmen Kissen lieg blieb und dabei so recht lässig und träge meine Augen a alles richtete, was in meiner Kammer war, da sah ich auf“ Boden und nahm den Schmutz von Fußtapfen wahr, die Ihrem Zimmer her durch meine Kammer auf die Tapen zu geschritten sein mußten; es mußten recht schmutzige Fi gewesen sein, die dahergeschritten waren; und das muf gestern abend gewesen sein, unmittelbar bevor wir in d Zimmern Quartier nahmen, denn sonst wären sie wohl w gefegt gewesen— es ist ja sonst alles so sauber hier im Hal und Dienstvolk ist genug da! Sagen Sie nicht, ich selber der Schmutzfink gewesen; das kann nicht sein; wir haben gestern den Tag über die Stiefel im Steigbügel gehabt, 1 eh ich in die Zimmer ging, hab ich mir die Sohlen an! Kratzbürste draußen im Flur jedesmal gewissenhaft gerei also wer kann gestern abend noch mit diesem sch lehmigen Schuhwerk hier gewesen und in die Stube der Tapetentür mit dem Vorhängeschloß gegangen Haben Knechte da etwas hineinzuschleppen gehabt, oder es gar die Franktireurs gewesen, die, was sie auf i Wagen hatten, hineingerettet?“. Friedrich legte mit diesen Folgerungen seine schar obachtungsgabe und den ganzen, durch diesen Kr unseren Leuten geweckten Spürsinn an den Tag, und zu kombinieren verstand, zeigte er dadurch, daß er fügte:„Ich habe anfangs nicht weiter viel daran ge mir aber das hübsche Zöflein mit so freundlichem und ihr Köpfchen drehend, just wie ein junger Kreuz im Nest, den Vorschlag machte, wir sollten d räumen... Sie wissen, Herr Vizewachtmeister, un 0 o dach e r 8 S 2 2 „Ich glaub nicht, daß es das ist,“ entgegnete Friedrich lich zuerst anzureden, pflegt die Sorte sonst dämmerte mir etwas!“„ 0 und Nachbargebiete. . Gießen und Umgebung. 5 Mehr Schutz gegen die Groß⸗Molkereien! 1 1 Durch Verordnung des Frankfurter Generalkommandos tt mit Gültigkeit vom 1. Oktober ab bestimmt worden: Wer aan Händler oder Vereinigungen, die in den Städten Frank⸗ furt a. M....„ Offenbach Haushaltungsvollmilch an die Verbraucher abgeben, Milch liefert, darf hierfür keinen 2 höheren Preis wie 22 Pfennige für den Liter frei Stadt 0 9 fordern. Trotzdem besitzt die Molker eigenossenschaft 60 Ostheim bei Butzbach, die bereits seit dem 18. September von einem hiesigen Milchhändler 22 Pfennige für den Liter „ gefordert hatte, obgleich der Kleinverkaufspreis nur 26 Pfg. . betrug, die Kühnheit, demselben Milchhändler zu schreiben: 1 3„Vom 1. Oktober laufenden Jahres ab berechnen wir 10 das Liter Vollmilch mit 23 Pfen nigen gez. Dog.“ Und einem Frankfurter Milchhändler hat dieselbe 05 Molkerei sogar mitgeteilt, daß es von jetzt ab 24 Pfennige . für den Liter Vollmilch zu zahlen habe. Ferner wird uns 0 berichtet, daß die Molkerei Fischer in Selters die 9 ebenfalls bereits seit längerer Zeit 22 Pfennige gefordert und 15 erhalten hat, einem hiesigen Milchhändler mitgeteilt hat, sie stelle ihre Vollmilchlieferung ein, wenn er aber 23 Pfennige zahlen wolle, dann könne er auch weiterhin Milch erhalten. Es darf erwartet werden, daß mit äußerster Strenge „ gegen diese Leute vorgegangen wird. Was hier vorgeht, das % isst nachgerade ein Verbrechen am Volke. Die städtischen irg Milchhändler aber seien darauf hingewiesen, daß die von der Verordnung des Generalkommandos angedrohte Strafe bis zu 1 Jahr Gefängnis oder bis zu 10000 Mark Geldstrafe auch den Händler trifft, der seiner Molkerei mehr als 22 Pfg. frei Stadt bezahlt. nahe 1— Städtischer Wildbret⸗Verkauf. Von unserer Stadt⸗ ü verwaltung werden Vorbereitungen getroffen, der Be⸗ 5 1 völkerung Wildfleisch zu angemessenen Preisen zuzuführen. n, Zu diesem Zwecke wird mit einer Anzahl Jagdpächter ver⸗ „ eeinbart, daß sie das von ihnen erlegte Wild der Stadt über. weisen. Den Verkauf wird ein hiesiger Metzgermeister über⸗ nehmen, dem die Verkaufspreise vorgeschrieben werden. unt des Diese Einrichtung ist gewiß zu begrüßen und wir sind über⸗ r zeugt, daß sie stark in Anspruch genommen wird, wenn die lang Preise erschwinglich sind. W anne — Gegen den 7 Uhr⸗Ladenschluß, der von einer größerer Anzahl Gießener Geschäftsleute angestrebt wurde, hat sich „ Widerspruch erhoben. Am Freitag abend waren diejenigen „% Ladeninhaber zusammengekommen, die sich durch so frühen semtt Geschäftsschluß benachteiligt glauben und sie wählten einen un Ausschuß, der die nötigen Schritte gegen den früheren Schluß peil unternehmen soll. Es wurde in der Versammlung betont, ab daß die Geschäftslage gegenwärtig nicht derart sei, daß man * eine Stunde früher schließen könne. Besonders sei auch des a Sonntags ein früherer Schluß in Rücksicht auf die Landkund⸗ on schaft nicht angezeigt.— Wir bemerkten kürzlich bereits, daß lreht für manche Geschäfte der 7 Uhr⸗Schluß Schwierigkeiten bei der Durchführung bieten mag, wenigstens für die Ueber⸗ gangszeit. Aber man könnte ja für derartige Geschäfte Aus⸗ nahmen zulassen, wie das jetzt auch geschieht. Aber darüber dürfte doch Einstimmigkeit herrschen, daß in den weitaus it! meisten Ladengeschäften der frühere Schluß ohne weiteres rü durchführbar ist und sowohl den Inhabern, wie dem Personal 1 80 Nutzen und Erleichterung brächte. Das Publikum gewöhnt 175 sich sehr bald daran, es hat sich auch gezeigt, daß die bei Ein⸗ führung des 8 Uhr-Ladenschlusses geäußerten Befürchtungen * nicht eintraten. Wer wird übrigen in Wäsche-, Kleider-, 0 Stoffe⸗Geschäften und vielen anderen ähnlicher Art abends etwas kaufen? Jeder wird derartige Sachen bei Tageslicht ansehen wollen, ehe er zum Kauf schreitet. — Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten: Freiwilliger Albert Glater aus Wetzlar, Landwehr⸗Inf.⸗ Regiment Nr. 13. — Stäbtische Lebensmittel⸗Versorgung. Die Stadt Lübeck bat, um die Fleischpreise einigermaßen erschwinglich zu gestalten, zu nem nachahmenswerten Mittel gegriffen, was allerdings dem kübeckischen Staat einen sehr erheblichen Verlust im Staatshaushalt sringen wird. Um dem Lübecker Markte Schweinefleisch zuzuführen, bauptsächlich aber um der unerhörten Preistreiberei ein Ende zu gachen, mußte die Behörde erheblich früher als ursprünglich beab⸗ schtigt mit dem Verkauf von Gefrierfleisch beginnen, infolgedessen sie Vorräte frühzeitig zu Ende gingen. Um nun die Versorgung er Bevölkerung sicher zu stellen, hat die Behörde große Lieferungen tuf Gefrierfleisch abgeschlossen, das sie an die Fleischer zu einem liorgeschriebenen Einheits⸗Verkaufspreis abgibt. Der Verdienst des F wischenhandels wird verringert.— Die Stadt Osnabrück hat fir 85 000 Mark Butter eingekauft und einfrieren lassen; es bellen gegebenenfalls Einkäufe im Betrage bis zu 130 000 Mark er⸗ solgen. Es wird in Erwägung gezogen, an die Bevölkerung Scheine zn verabfolgen, die zum Bezug billiger Kohlen berethtigen. — Schädliche Einflüsse auf die Zugenderziehung. In der Allg. gehrerkorrespondenz wird auf die vermehrte Straffälligkeit der Jugend in der letzten Zeit hingewiesen. Als Ursachen dieser Er⸗ sheinung wird der Krieg angeführt. Ganz richtig wird gesagt:„Von shädlichem Einflusse ist es, daß die Kinder vielfach durch das Haus licht ausreichend überwacht werden. Da die Schulen elfach zu Noteinrichtungen greifen müssen, wird die Tagesein⸗ telung für die Schüler unregelmäßig. Schwächere Naturen fühlen sch dadurch zum„Schulenlaufen“ verfuchf, das, nicht sofort entdeckt, ergehen und Straftaten nach sich zieht. Militärische Schauspiele ühren mehr als sonst die Kinder zusammen; der„kriminelle Spiel⸗ hieb“ erwacht und führt zu Ausschreitungen, an die der einzelne gur nicht denkt oder zu deren Ausführung er nur in seltenen Fällen en Mut besitzt. Daneben wirkt der Nachahmungstrieb 1 1 nehr als zu anderen Zeiten unheilvoll auf die Jugend ein. Das Soldatenspiel kaun in Roheit ausarten, die erfor⸗ 0 derlichen Aus rüstungsgegenstände werden nicht selten auf unxed⸗ he Weise erworben. Mitteilungen in der Presse über jugendliche As reißer und ihre Vergehen ermutigen zu ähnlichen Versuchen. Die Schundlite ratur, jetzt fast nur unter patriotischem Titel und Deckmantel, trägt mit ihren unwirklichen, unwahren, nerven⸗ ütschenden Schilderungen ein übriges dazu bei, in der unbetreuten Jugend allerlekelbenteuergelülste zu erwecken. Die zunehmende Strafe ligkeit der Jugendlichen ist in der Mehrzahl der Fälle aber darauf rliczuführen, daß in der häuslichen Erziehung der Einfluß a 2 333 *—— .—ñ—ů— müssen, so sind die Kinder mehr oder weniger sich selbst überlassen und in Gefahr zu verwahrlosen.“ e Teuere Heringe. Für gewöhnliche Heringe werden jetzt in den Läden 15 Pfg. und mehr für das Stück verlangt, wofür man früher 6, 7, höchstens 8 Pfg. zahlte. Um mehr als das Doppelte ist der Preis dieses Nahrungsmittels gestiegen; es muß ein Abend— essen, bestehend in Kartoffeln und Hering, das früher vor dem Kriege als das billigste angesehen wurde, schon als eine teuere Mahlzeit bezeichnet werden, die sich eine gering bemittelte Familie kaum noch leisten kann. Ueberhaupt weiß eine Hausfrau, deren Wirtschaftsgeld nicht ziemlich reichlich bemessen ist, kaum noch, was sie eigentlich auf den Tisch bringen soll, da es fast nichts mehr gibt, was für mäßigen Preis zu beschaffen wäre. Was Heringe betrifft, liegt zu dieser Preistreiberei, die von den Fischreedern und Groß⸗ händlern ausgeht, keine Veranlassung vor, da die Fänge in der Nord⸗ und Ostsee außerordentlich reichlich ausgefallen find, die holländische Heringsfischerei, die durch den Krieg stark beeinflußt wurde, hat sich in letzter Zeit wieder sehr stark gehoben. Nach alledem müßten die Heringe ihren alten normalen Preis behalten, wenn nicht in dieser Kriegszeit jegliches Lebensmittel einer wüsten Spekulation unterläge, die dafür sorgt, daß kein Lebensmittel von der Verteuerung verschont bleibt. Hler find zweifellos unsaubere Spekulantenfinger im Spiele. Spekulanten haben gesorgt, daß der Preis für diese Armeleutenahrung so enorm gestiegen ist! Das Spekulantentum, das sich jetzt so breit macht, ist direkt gemein⸗ gefährlich! Die Bluttat in Lampertheim. Vor dem Starken⸗ burger Schwurgericht begann am gestrigen Montag die Verhandlung gegen die beiden Metzgergesellem Rich. Drabik, 21 Jahre alt, und Alb. Palig a, 19 Jahre alt, beide aus Königs⸗ hütte in Oberschlesien wegen Mord, Mordversuch und Diebstahl. Die beiden lamen im November v. J. zusammen mit den oberschlesischen evakuierten Militärpflichtigen nach Darmstadt. Die Gegend hatte ihnen, wie der Angeklagte Paliga sagte, so gut gefallen, daß sie, nachdem sie längst wieder in ihre Heimat zurückkransportiert worden waren, beschlossen, abermals ihre Schritte dahin zu lenken. Nach der Aussage von Drabik soll indessen Paliga den Vorschlag, wieder nach Darmstadt zu gehen, gemacht haben, mit der Motivierung, daß man hier leicht Diebstähle ausführen könne, weil wegen des Krieges wenig Polizei da sei. Um sich die Mittel für die weite Reise zu ver⸗ schaffen, verübten sie in Königshütte einen Einbruch, bei dem ihnen ungefähr 500 Mark in die Hände fielen. Das Geld aber haben sie unterwegs mit lustigen Frauenzimmern verjubelt, sodaß sie Ende April d. Js. hier sozusagen wieder mit leeren Taschen ankamen. Während Drabik als unsicherer Heerespflichtiger bei den 115ern eingestellt wurde, nahm Paliga Arbeit in Ober⸗Ramstadt. Bald daxauf schon desertierte Drabik, nachdem beide in der Kaserne ein⸗ gebrochen und sich so Revolver und Hirschfänger verschafft hatten. Paliga verließ auch seine Arbeitsstelle; beide wollten, wie Paliga sich ausdrückte, nunmehr Verbrecher spielen, um sich auf diese Weise ihren Lebensunterhalt zu sichern, wozu die Kriegszeit besonders ge⸗ eignet sei. Sie verabredeten auch(nach dem Geständnis Paligas), wenn es zu Ueberraschungen bei Einbrüchen komme, die Waffen zu gebrauchen. Am 20. Mai schon traten sie einem Makler Jankau auf der menschenleeren Landstraße zwischen Hemsbach und Laudenheim mit vorgehaltenem Revolver und dem Rufe: Das Geld, oder's Leben! entgegen. Sie erbeuteten eine ganze Mark in Papier. Drabik freilich behauptet, sein Kollege habe das allein geschafft, er habe nur zugesehen. Wie Paliga aussagte, habe ihm Drabik zu⸗ gerufen:„Lauf ihm nach und stech ihn tot, damit er nichts verrät. Drabik bestreitet das aber. Paliga ist auch tatsächlich dem Makler nachgerannt und hat ihm einen Stich mit dem Hirschfänger in den Rücken versetzt. Da der Mann aber im raschen Fortlaufen war, hatte der Stich nur die Gewandung zerrissen. Paliga behauptet, daß er garnicht die Absicht gehabt habe, den Mann totzustechen, son⸗ dern er habe dem Drabik nur zeigen wollen, daß er keine Angst habe, etwas auszuführen. In dem großen Wald irrten sie daun mehrere Stunden umher, bis sie bei Lampertheim herauskamen. Hier schlichen sie sich am Dorfrande in eine Hofraite ein und nächtigten da in einem Stall. Dabei kundschafteten sie die näheren Verhält⸗ nisse aus, sodaß sie wußten, daß ein Mann und zwei Frauen das Haus bewohnten. In der folgenden Nacht gingen sie planmäßig zum Einbruch gegen das Wohnhaus vor. Aus dem leeren Schweinestall hatten die Metzgergesellen den Schluß gezogen, daß die Schweine bei der guten Marktlage verkauft seien und sich nun viel Geld im Hause befinden müsse. In der Küche tranken beide zunächst Kaffee. Als durch das Eindrücken einer Fensterscheibe die Witwe Frödert er⸗ wachte und im Rahmen der Wohnzimmertüre erschien, habe Drabik, so behauptet Paliga, ihm auf polnisch zugerufen:„Stech sie, sonst werden wir überrascht. Paliga stach mit der Linken auf die arme Frau ein, die entseelt zu Boden stürzte. Die beiden liefen dann davon. Paliga behauptet, es wäre nicht passiert, wenn Drabik nicht gewesen wäre. Im Felde aber hat Paliga zu Drabik gesagt:„Es (das Messer) ist hereingegangen wie Butter; jetzt habe ich meln Meisterstück gemacht!“ In Auerbach stahl Drabik ein Fahrrad vor einem Laden, in dem Paliga Zigaretten kaufte. Das Fahrrad sowie einen Mantel, versetzten sie und fuhren dann nach Königshütte zurück. Auch hier führte sie ihr Weg nicht zur Arbeit, sondern zu weiteren Einbrüchen. Am 29. Mai wurden sie auf Veranlassung der Darmstädter Staatsanwaltschaft festegenommen. Nach anfänglichem Leugnen räumten sie die Bluttat schließlich ein. Beide haben die Volksschule besucht. Paliga sagt von sich selbst, er sei nicht gern in die Schule gegangen. Bei seinem Vater erlernte er das Metzger⸗ handwerk. Drabik ist ein uneheliches Kind; in seiner ganzen Kinderzeit galt seine Mutter zuhause als seine älteste Schwester! Während Paliga den Drabik als den bösen Anstifter bezeichnet, be⸗ hauptet Drabik, daß die schlimmen Vorschläge stets von Paliga aus⸗ gegangen seien. Drabik ist vom Kriegsgericht wegen Fahnenflucht, Kasernendiebstahl usw. zu insgesamt 5 Jahren Gefängnis verur⸗ teilt worden. Außer den oben erwähnten Verbrechen hat sich Paliga auch noch wegen Begünstigung der Fahnenflucht und wegen des Kasernendiebstahls zu verantworten.— Die Verhandlung wird heute Dienstag, fortgesetzt. — Oeffentliche Bücherhalle. Im September wurden 2247 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 1276, Zeitschriften 163, Jugendschriften 218, Gedichte und Dramen 44, Literaturgeschichte 17, Geschichte und Biographien 138, Kunst⸗ geschichte 20, Naturwissenschaft und Technologie 140, Heer- und Seewesen 23, Haus- und Landwirtschaft 14, Gesundheitslehre 15, Religion und Philosophie 47, Staatswissenschaft 11, Sprachwissen⸗ schaft 21, Fremoͤsprachliches 30 Bände. Nach auswärts kamen 57 Bände. + Zigarettensteuer. Im Interesse unserer zahlreichen mit der Zigarettensteuer unterliegenden Waren Handel treibenden Leser machen wir an dieser Stelle auf die einschneidende Bestimmung in 8 15 des Zigarettensteuergesetzes besonders aufmerk⸗ sam, wonach derjenige, der sich gewerbsmäßig mit dem Verkauf von Zigaretten, Zigarettentabak, Zigarettenhülsen und Blättchen be⸗ fassen will, dies vorher der Steuerbehörde anzuzeigen hat. Die Anmeldung hat im Bezirk eines Steueramts bei diesem, im übrigen aber unmittelbar bei dem zuständigen Hauptsteueramt zu erfolgen. — Die Beachtung dürfte umsomehr erforderlich sein, als Zuwider⸗ handlungen gegen die betreffenden gesetzlichen Vorschriften mit be⸗ sonders hohen Strafen, bis zu 300 Mk., geahndet werden. reis rledbera⸗Büdingen. Ende des Vaganten. Im Walde von Bisses wurde am Samstag ein beinahe 60 Jahre alter Mann tot aufgefunden. Es stellte sich heraus, daß der Tote ein gewisser Held aus Offenbach war, ber schon seit vielen Jahren die Welt durchstreifte und keinen festen Wohnsitz hatte. KNrels Marburg⸗sirchhain. Ermäßigung der Brot- und Mehloreise in Marburg. Vom 4. Oktober ab wurde der Höchst preis für ein 4 Pfund⸗ Roggenbrot auf 66 Pfg. sestgesetzt; ein Pfund Weizenmehl des Vaters fehlt. Der Krieg zeigt offenkundig, welche große der ihm gerade in den breiteren Volksschichtel zukommt. Da in erhöhtem Maße der Erwerbstätigkeit nachgehen — 2 Tahesbericht des Großen Hauptquartier Teilangriffe in West und Ost abgewiesen. W. B. Großes Hauptquartier, 5. Okt., vorm.(Amtlich) Westlicher Kriegsschauplatz, Englische Handgramatenangriffe auf das Werk nördlich von Loos wurden wieder abgewiesen. Bei den vergeblichen Angriffen auf dieses Werk haben die Engländer außer deh sonstigen sehr beträchtlichen Verlusten am Toten und Ver⸗ wundeten über 80 Gefangene und 2 Minenwerfer in unsexei Hand gelassen. 7 Daß von den Franzosen an der Höhe nordwestlich von Givenchy besetzte Grabenstück ist gestern zurückerobert 4 französische Maschinengewehre wurden dabei erbeutet. In der Champagne lag stärkeres feindliches Artillerie feuer auf der Stellung nordwestlich von Sougin, wo auch Angriffsabsichten beim Feinde erkennbar waßen. Unsen Artilleriefeuer verhinderte ein feindliches Vorgehen. Bei Vauqubis kamen wir mit Minensprengungen dem Feinde zuvor. Zahlreiche feindliche Minenstollen wurden abgequetscht. ö 7 Feindliche Flieger bewarfen den Ort Biascch e St Vannst nördlich Arras mit Bomben. Ein Einwohner wurde getötet. Sonst entstand kein Schaden. 7 Oestlicher Kriegsschauplatz. 3 Heeresgruppe des Generalfeldmarschallss v. Hindenburg. Nach ihren Niederlagen am 3. Oktober haben die Russe gestern die Angriffe i schwachen Abteilungen wiederholt. wiesen. 1 1 gegen unsere Stellungen nur mit Sie wurden leicht abge Bei den anderen Heeresgruppen hat sich nichts ereignet. 4 *** Russische Patrouillen tragen, wie einwandfres festgestell ist, zur Täuschung unserer Truppen deutsche Helme. Es i selbstverständlich, daß solche russische Militärpersonen, wen sie in unsere Hände fallen, nach dem Kriegsrechte behande werden. Oberste Heeresleitung. 7 ** Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Wien, 5. Oktober.(W. T. B.) Amtlich wird verlausbatff 15. Oktober 1915. 27 Russischer Kriegsschauplatz. Nichts Neues. 24 Italienischer Kriegsschauplatz. 133 Die Lage an der Südwestfront ist unverändert. Auf den Hochs flächen von Vilgereuth und Lafraun hat der Feind seine Angriffe gestern nicht erneuert. 0 Südöstlicher Kriegsschauplatz. i Unsere Truppen unternahmen von der Drinagrenze aus Stre fungen auf serbisches Gebiet. Es wurden Gefangene gebracht. Sonst keine besonderen Ereignisse. 98988 Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnant. 0 7 Die große Offensive. Unser französischer Korrespondent schreibt uns 29. September: 8 Die große Offenstwe, die von der französischen Presse so oft für den Herbst angekündigt worden ist, hat augenschein⸗ lich begonnen. Daß sie trotz der ungünstigen Witterung i Angriff genommen wurde, scheint unter dem Einfluß der bulgarischen Mobilmachung geschehen zu sein. Für das Ge⸗ lingen eines Durchbruchs der deutschen Linien ist in der Tat die Witterung von großem Einfluß. Der Lehmboden in Flandern, der Kreideboden in der Champagne, verwandeln sich bei feuchter Witterung in klebrigen Morast, der den Vor⸗ marsch der Infanterie, wie das Manöverieren der Artillerie ungemein erschwert. Es mußte dahen überraschen, daß die französische Heeresleitung nicht die Trockenperiode von An⸗ fang August bis Mitte September wählte, da ihr das Terrasg selbst eine Wahl nicht läßt. Das stark vorgeschobene Zen trum der deutschen Front zwingt zu einem Angriff auf den Flügeln. Mehrere Erwägungen mögen für die Hinaus schiebung der Offensive in Betracht gekommen sein. Di französische Heeresleitung hatte die Beobachtung gemacht, da die deutsche Heeresleitung bei Durchbruchsversuchen auf französischer Seite Truppenverschiebungen vom östlichen auf den westlichen Kriegsschauplatz vornimmt. Sie scheint also abgewartet zu haben, daß die deutsche Armee auf der Ost⸗ front so weit engagiert, die russische Armee derart mit Mu⸗ nition versehen ist, daß eine derartige Verschiebung der Re⸗ serven aus doppelter Ursache nicht odennur mit großen Zeit⸗ verlusten möglich ist. Ob die deutsche Heeresleitung auf die Reserven der Ostfront angewiesen ist, um eine Offensive dom Westen zurückzuweisen, ist freilich eine andere Frage. Di französischen Militärschriftsteller bejahten sie rundweg, Schließlich hat die französische Heeresleitung möglicherweise auch abgewartet, daß die französische Munitionsfabrikation derart verstärkt ist, um ihr auf jeden Fall ein erdrückendes Uebergewicht über die deutsche Artillerie zu geben. Dig diplomatische Notwendigkeit, auf die Balkanstaaten 8 moralischen Druck auszuüben, mag die französische Heeres leitung veranlaßt haben, die kurze Trockenperiode, die im Oktober gewöhnlich eintritt, nicht abzuwarten. Wie 1 1 den auch sein mag, die am 25. September begonnene Offensive 0 unstreitig die wuchtigste und ausgedehnteste, die seit einem Jahr, seit der Schlacht an der Marne, von der französischen Heeresleitung unternommen worden ist. Sie fand gleich⸗ zeitig auf zwei Angriffsfronten statt, zwischen denen, einen vorgeschobenen rechten Winkel bildend, das deutsche Zentrum sich befindet. Es liegt auf der Hand, daß es in der Absicht der französischen Heeresleitung liegt, durch den gleichzeitigen Durchbruch vom Norden und Süden das deutsche Zentrum zur Räumung seiner Stellungen und zum Rückzug bis an die belgischen Ardennen zu zwingen. Ein französischer Angriff kostet 24 Pfg., bei Bezug von 10 Pfund 22 Pfg. mit den Gefahr verbunden, daß die fra im Zentrum selbst— von Reims bis Noyon— ist außerdem r...— eee 95 7 5 e werden, wie im vergangenen Frühjahr Grie chi ch e Minist erkrisi 8. f 1 d e be 0 5 . 1 0 5* 5 5 172 Man wird wohl noch einige Zeit abwarten müssen, um Ser ani j 2 117 matum verantwortlich zu machen. f„ ein Urteil über das Resultat der französischen Offensive ab⸗ Der König gegen 15 1 a Heine bulgarische Antwort au Rußland. .„ 11 sich nur fesistellen, daß die N Venizelos! 5 T. Ul. Lngano, 5. Okt. Nach Meldungen der italienischen. 0 e 15 5 1 nsturm einen. ersten 8B. Paris, 6. Oktober. Ag. Hav. erfährt] Blätter ist das russische Ultimatum an Bulgarien mittags 12 4 ber be 55 55 e e e aus Athen, daß Ministerpräsident Venizelos uhr abgelaufen, ohne daß die bulgarische Regierung eine Ant keiten ungleich größere iind, war das Resultat für die fran⸗ gestern vom König empfangen wurd. Der gort i ee 8 Sale d 5 zösische Armee relativ viel günstiger wie in Flandern. Daran König erklärte ihm, er könne der Politik 100„„ e 5 306 chmittags mitgeteilk 110 1 e gegenwärtigen Kabinetts nicht bis zuhalten, daß die Netenungen dicser drei Mächte sech vollig mit f ragen haben. Doch die Entscheidung liegt im Ende folgen. Beuizelos hat dem König sein Rußland eins fühlen und sofort nach der Abreise des russshen . Norden. Während die französische Armee von Lens bis ere 8 8 2 1 0 5 a Arras noch ziemlich günstig abschnitt, ohne jedoch an die A bschiedsgesuch eingereicht. Gesandten auch ihre Vertreter abberufen werden 1 . i a e dl der en d Front bei Vimy heranzu⸗ Die Landung in Salonik. Verantwortlicher Redakteur 1 N Gießen.— 1 . kommen, hat die englische Armee auf der 70 Kilometer 72 2 1 ich j Secol 5 3 Verlag von Krumm& Cie., Gießen.„ 0 „ 55 5 8 5 8 Mailand, 5. Okt.(W. B. Nichtamtlich.) Secolo meldet 5 nohlatt, G. m. b. O., Offenbach a. M. 4 5 von Ypern bis Lens nur geringe Fortschritte z Sülonik vom 3. Oktober, abends, daß bisher 16 große Druck: Verlag Offenbacher 1„ e ö 0. Lemacht. franzöfische Truppentransporte vor der Brücke von Kara⸗ Verstorbene. Frau Dorotheg e in Giesfen.— Jo. Ji f Die Kämpfe um Dünaburg. bur un verankert sind, aber noch nicht in den Hafen ein⸗ 5 5 in Lang⸗ 69 N—. 2 0 T. U. Kopenhagen, 5. Okt. In einem Kommentar des liefen. Es wird behauptet, daß starke französische Abteilun⸗ Fr 2 5 N 5 2 offiziösen Petersburger Telegraphenbureaus über die Kämpfe gell zum Schutze der Eisenbahnlinie Gewgeli-Veles gegen bul⸗ 9 N a 33 7 1 um Dünaburg heißt es, daß die Deutschen vom Westen aus sich garische Angriffe bestimmt sind, um dadurch die Eisenbahnver⸗ ö me 8 115 ö 6 1 1 bis auf 8 bis 10 Werst der Festung genähert hätten. Die bindungen zwischen Saloniki und Serbien zu sichern.— Idegg V 2 I 1 2 7817 z 5 5. 7 57 07 7 12 3 erf 8 E 8 Kn! 2 5 7 Kämpfe südlich Dünaburg, an der Bahnstrecke Wilejka-Polock Nazionale behauptet, daß das erste Landungs korps i! für jede Hausfrau ist die Benübung einer guten, batten 5 1 Heer bei Dünaburg ein wenig Erleich⸗ Salonik 3000 Mann stark sei.. e lu le end schnetnahenden Sturmvogel 0 Das russische Ultimatum an Bulgarien. e Kabmascfne. lehnte Mobile in Gice, a Im letzten Stadium des Weltkriegs? Mailand, 5. Okt.(W. B. Nichtamtlich) Der Sonder r unn a be berichterstatter des Corriere della Sera drahtet aus Peters⸗. J Deulsche Fabritate ersten Ranges. Ein gukek, Ueber die Kämpfe im Westen schreiben die Neuen e 5 6 5 18 Hüricher Nachrichten: burg, das russische Ultimatum an Bulgarien . Mean steht voraussichtlich loch nicht bor dem Jöhe sei im Namen aller Regierungen des Vierverban des Punkte der englisch⸗französischen ea Dieser dürfte überreicht worden, die hinter dem Wortlaut des Ultimatums leicht verkäuflicher Artikel für Händler. Auf- llärender und lesenswerter Kakalog gratis. Herrenräder, Damenräder, Jugendräder in gediegener Ausstättung. eee Alle Zubehör⸗ und Ersatzteile. mit dem Vorbrechen der neuen französischen Ostarmee an⸗ eee— 8 5 0. kiicen, Die plötzliche Verhängung einer schärfsten Grenz. die Beeratsung ue ee N— Scutsche Handelsgesellschaft Stuemonel— sperre an unserer ganzen Westfront deutet darauf, daß dort 8 Georg 9 Gebr. Grüttner 5 ein weiteres furchtbares Ungewitter sich zusammenbraut, und Unget heute Mittwoch nachmittag ½5 Our von der Kapelle 9 Berlin⸗Halensee 141. 2 die gleichzeitige Verhängung gewisser italienischer Sperr— enen e 5 f eee, regeln erhöhen diesen Eindruck in einer für uns be— Hermann Degenhardt u. Frau. 5 Wee eee ee eee 7 eee eee Neu! los! Neu! EK and⸗Kat 91 (D. R.⸗Patent 130568) i 1 für Gelee, Honig, Butter, Schmalz, Fleischwaren de. puultiher, zorkrlhafter und biliger ll = hlech oder Glas⸗Packung.. ge. 25% Oberhessesche Volkszeitung Gießen Bahnhofstraße 23. 5 achtenswerten Weise.(Bekanntlich hat schon vor längerer eee geit auch das W. T. B. auf auffallende Vorgänge und Trup— 5 enverschiebungen an der französisch⸗italienischen Grenze hin⸗ gewiesen.) Die schweizerische Wacht an den Alpen und am Jura wird in den nächsten Wochen ihre Augen mehr denn je offen halten müssen. Das Fazit aber lautet: Um die Sache des Vierverbaucdes steht es heute schlechter als je: Die wol⸗ hynische Offensive kaput, an den Dardanellen die Lage trost— loser als je, die Italiener an der österreichischen Front von Woche zu Woche übler daran, auf dem Balkan ein beständiges Sinken der Chancen, die Amerika-Anleihe eine unerhörte Demütigung für Frankreich-⸗England— mißglückt nun auch moch die Westoffensive endgültig— es wird sich erst mit dem Eingreifen der französischen Ostarmee entscheiden—, dann d dämmert doch eine Möglichkeit auf, den Weltkrieg noch vor Ablauf des Jahres in sein letztes Stadium treten zu sehen, das freilich immer noch Monate lang dauern wird. Entente⸗Rückzug von den Dardanellen? Berlin, 5. Okt.(Priv.⸗Tel., zens. Blu.) Die Vossische Zeitung berichtet aus Sofia: Sicheren Nachrichten zufolge hat die Entente bereits begonnen, die Truppen von der Halb⸗ insel Gallipoli zurückzuziehen. Es gilt als sicher, daß der Vierverband die Dardanellenaktion endgültig aufgibt. 0 Demission des Kabinetts Venizelos? T. U. Budapest, 5. Okt. A Vilag meldet aus Athen: Im gestrigen Ministerrat führte Ministerpräsident Venizelos aus, Griechenland würde nicht genügend Truppen haben, um einer ebentuellen Landung von Truppen des Vierverbandes Wider— stand leisten zu können. Am besten sei daher, daß man dem natürlichen Zwange gehorche und den Ententemächten machgebe. Die Regierung solle in einer Protestno e erklären, daß eine Landung von Truppen des Vierverbandes eine ungesetzliche Verletzung der Neutralität Griechenlands sei, im übrigen aber, nach diesem Pro— test, den Durchmarsch der betreffenden verbündeten Truppen ratschellsische Pfund 28 Pfg. »Mittel⸗Kabeljau⸗ Pfund 36 Pfg. ja Vollheringe se 14, 15, 16 Neue Salzgurken 10 Neues Sauerkraut wn 13% b Fst. Makkaroni 8, Ware 95 5 Magnet⸗Speisenmehl! Wa 38 Flammeris, Aufläufen u. dergl... 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Man meint, daß, im Falle Rallis mit der Bildung des neuen Kabinetts betraut werden sollte, der gegenwärtige Generalstabschef Dusmanis auf seinen Posten verbleiben werde.— Preis 40 Pfg. it erschicucn. 5 Wir bitten unsere Träger, Bestelungen sofort aufzugeben. 77 5 salbe). Büchse 1 Marx erprobte, sicher wirkende Mittel, N aAdler-bpregerie eden Mitwoch u. Samstag 1 Seltersweg 39. Programmwechsel. Verkaulsstellen: Bahnhofstrasse 26, strasse 20, Walitorstrasse 24. r eee 8. 7 e Buchhandlung der Oberhesf en Volkszeitung ieteg, Panelte 28