4 [Organ für der e die Interessen des werktätigen Volkes Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. 5 Die Oberhessische Volkszeitung erscheint jeden Werktag Abend in 1 Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., m onatlich 80 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl. 1.80 Mk. Redaktion und Expedition Giesen, Bahnhofstraße 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Inserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 230 Gießen, Freitag, den 1. Oktober 1915 10. Jahrgang Sturm in Ost und West ä Vest. 3 Von Richard Gädke. 5 Auf den großen Angriff der Franzosen im Westen muß a läugst gefaßt sein: er lag in der Luft, in der Natur der Hin Hofften sie überhaupt noch eine positsv günstige Entscheidung ex⸗ zwingen zu können, so war es höchsste Zeit zum Losbruch, so durften sie nicht solange warten, bis der größte Teil unseres Ost⸗ heeres Zu anderen Entscheidungen verfügbar wurde. Auch der Verlauf der Ereignisse auf dem Balkan drängte sie zu dem gleichen Entschlusse. Große Erfolge im Westen, wenn möglich ein glänzen⸗ der Sieg, machten die Rückficht auf das Ansehen des Vierverbandes in der Welt dringend wünschenswert. „Man kann sich daher nur wundern, daß der große Angriff so spät erfolgt ist. Angekündigt war er ja Monate vorher und oft genug. Wenn er solange auf sich hat warten lassen, so dürfen wir die Ursache darin suchen, daß der solide und vorsichtige Joffre erst die erforderlichen Menschen und vor allen Dingen die erforderliche Munition bereit stellen wollte. Menschen und Munition! Das sind die Voraussetzungen für die mörderische Arbeit eines modernen Angriffs. Darin liegt auch der eigentliche Kern der sogenannten ö Munitionsfrage, die in Frankreich, England, Rußland soviel Staub aufgewirbelt und zu scharfen Angriffen auf die Heeresver— waltungen dieser Länder Anlaß geboten hat. Die Wahrheit ist, daß an sich, nach den Erfahrungen früherer Kriege die Muni⸗ lionsversorgung genügend gesichert war. Aber dieser Krieg ver— schluckte je länger, je mehr, so ungeheure Mengen an Geschossen, daß pbeorher selbst die kühnste Phantasie darauf nicht gefaßt war. Die seine Schießkunst, die sich während des Friebens auf allen Schieß⸗ plätzen herausgebildet hatte, versagte vor den groben Anforder⸗ ungen der Schlacht— mit möglichst wenig Munition möglichst große Wirkungen zu erzielen, galt vorher für das Zeichen des ge⸗ übten Artilleristen. Die Beobachtungen aus der Luft und die ge⸗ änderten Richtvorrichtungen hatten aber inzwischen die Beding⸗ ungen des Schießens gründlich geändert, sie hatten ein rasch ein⸗ setzendes Massenfeuer möglich gemacht; und dieses Massenfeuer wieder erwies sich sofort als der wirksamste Faktor in der Schlacht. 1 Auf ihm und der verheerenden Gewalt der Geschosse beruht die — Bedeutung der modernen Artillerie in der Schlacht. Der Angriff erlangte die Ueberlegenheit nicht nur über die Festungen, sondern e auch über die Feldbefestigungen. Die ungeheure Zahl der heraus⸗ geschleuderten Geschosse ebnete die Schützengräben ein, N sozusagen vom Erdboden fort, zerstörte die Drahthindernisse, bdaurchschlug die Unterstände und erschütterte die Nerven der Män⸗ N ner. Alle Teilnehmer, die je unter den furchtbaren Schlägen dieses Trommelfeuers gestanden haben, schildern übereinstimmend seinen wischte sie entsetzlichen Eindruck. Das aber machte die Munitionsversorgung mit einem Schlage zu einem der schwierigsten Probleme des 8 Kriegsverwaltung hinter der Front. Wenn die Franko⸗Engländer dem Ansetzen ihres Angriffs ein fünfzigstündiges, stellenweise ssiebzigstündiges Trommelfeuer vorhergehen ließen, so darf man an⸗ nehmen, daß allein hierfür jedes dazu eingesetzte Geschütz 1000 Schuß verbraucht haben mag— das wären in 3—4 Minuten je ein Schuß, während die Feuerschnelligkeit selbst noch der mittleren Kaliber das zehnfache beträgt Natürlich hat dieses Trommel⸗ sseuer nicht die vollen vierundzwanzig Stunden eines Tages hin⸗ Zurch angehalten, sondern ist in der Nacht durch ein Beunruhi⸗ Zungsfeuer— d. h. Beschießen der Anmarschwege und der Ert⸗ schaften hinter der Front— abgelöst worden. Aber immerhin ann man sich eine Vorstellung machen von der Höhe des Muni⸗ Jionsverbrauchs, von der Geschoßmenge, die für die große Schlacht Hereitgestellt werden mußte. itung wird nach den früheren Erfahrungen doch mit einer wenigstens vierzehn⸗ gigen Dauer der Kämpfe aller Wahrscheinlichkeit nach von vorn⸗ Feldherrn und der elbst wurde auf zwei weit voneinander ent⸗ leichzeitig unternommen, in zwei wohlbekannten 5 Stellungskrieges: einmal auf der 75 Kilometer ne zwischen s(20 Kilometer 8 St. Ménehould) le Ch 8 f langriff hat ihr weiteres Vorgehen zum her Nuk 6 5 Aer fublich gelten weber 77 750 l änkten Raume . Gegen u ei die Franzosen mit großer Heftigkeit an; sie wollen das Dorf Souchez, am Fuß der blutgetränkten Lorettohöhe, nach lebhaftem Kampfe genommen und auch sonst Fortschritte gemacht haben. Der deutsche Bericht gesteht nur die freiwillige Räumung von Souchez zu. Aus den Mitteilungen des Marschalls French geht hervor, daß er die Offensive der Engländer hauptsächlich unter dem Gesichts⸗ punkte einer Unterstützung des französischen Angriffs betrachtet hat, um deutsche Reserven auf sich zu ziehen. Zuzutrauen wäre diese Art von wohlwollender, bewaffneter Neutralität auf dem Schlachtfalde den Engländern schon; es ist aber auch möglich, daß er seinen Be⸗ richt zur Bemäntelung seiner geringen Erfolge abgefaßt hat. Doch auch hier ist der Kampf noch nicht beendet. Die Zahl der Gefange⸗ nen auf beiden Seiten zwischen Arras und pern scheint sich ziem⸗ lich auszugleichen; in der Champagne aber wollen die Franzosen 1600 un verwundete deutsche Gefangene gezählt haben, während wir bisher nur 3900 Franzosen als gefangen aufweisen. Inu halbamtlichen Erklärungen deutscher Zeitu werden die An⸗ gaben Joffres als übertrieben bezeichnet. Man hat den Eindruck, daß diesmal wirklich ein ernster An⸗ griffsversuch vorliegt, mit dem Ziele, uusere Stellung an irgend⸗ einem Punkte zu erschüttern und zu durchbrechen. Aus diesem Grunde müssen wir auf weitere starke und umfassende Vorstöße offres gefaßt sein. Nach der Länge der Front, auf der er bisher augegrifsen hat und nach früheren Erfahrungen wird man die Stärke der von ihm für beide Schlachtfronten eingesetzten Truppen auf mindestens 16—20 englische und französische Armeekorps be⸗ vechnen müssen.— * Auch die Russen im Osten sind in diesen Tagen an den verschie⸗ densten Stellen ihrer Front zum entschlossenen Gegenstoß vorge⸗ gangen; sie scheinen vor allen Dingen die bedenkliche Lage ihres Heeres um Wilna durch scharfe Angriffe gegen die deutschen Um⸗ sassungsflügel entlastet zu haben. Aber auch General Rußki im Norden ist immer wieder über die Düna hinüber zum Angriff vor⸗ gebrochen und hat auch die Verteidigung seiner Stellung um Düna⸗ burg höchst aktiv geführt. Man muß weitere Nachrichten abwarten, ehe man den Stand der Dinge im Nordosten beurteilen kann. Die kraftvolle Offensive des Generals Iwanow, die er mit großen Verstärkungen ungefähr um den 6. September gegen die Heere des Erzherzogs Friedrich zuerst in Ostgalizien und dann in Wolhynien begann, scheint sich in den letzten Tagen erschöpft zu haben. Ihr Ergebnis war, daß er den weiteren Vormarsch der nerhündeten Armeen drei Wochen lang aufhielt und sie an einigen Stellen zurückgedrückt hat. Auch hier werden wir abwarten müssen, ob er noch stark genug ist, im Gebiet der Festung Rowno und am Sereth die Verteidigung sortzusetzen oder ob nun der österreichische Heerführer seinersefts versuchen wird, den kleinen Rest von Galizien zurückzugewinnen, der noch in der Hand des Gegners ist. Die Beschießung, die deutsche und österreichische schwere Artillerie von den Nordufern der Donau und der Sawe gegen be⸗ festigte serbische Städte am 19. September begonnen hat, hat bisher leine Jortsetzung gehabt und einen neuen Angriff gegen Serbien, von dem soviel geredet wird, bisher noch nicht eingeleitet. Auch hier können erst die Exeignisse selbst über die Absichten der verbün⸗ deten Heerführung volle Klarheit schaffen. Nur will es scheinen, als ob im Osten, wie im Westen der Atem der kriegerischen Ereig⸗ nisse bald lebhafter gehen wird. Wir werden auf allen diesen Kriegs⸗ schauplätzen der Entscheidung näher kommen. An den Dardanellen hingegen und in Italien herrscht nach wie vor verhältnismäßige Ruhe; die Berichte Cadornas erzählen seit Wochen mit dor gleichen Einförmigkeit von italienischen Erfolgen, die doch seit 4 Monaten keine irgendwie merkbare Veränderung der Ein energieloser Krieg, Kriegslage haben mit sich führen können. dabei nicht ohne blutige Opfer, in dem man wesentlich auf die Siege der andern rechnet und es schon als großen Erfolg betrachtet, einige hunderttausend Oesterreicher von wichtigeren Aufgaben fern⸗ gehalten zu haben. 8 8. Die deutschen U-Boote im Schwarzen Meer. Konstantinopel, 29. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die Agence Milli meldet: Die Blätter des Vierverbandes veröffentlichen De⸗ peschen, nach denen kürzlich türkische oder deutsche Unter⸗ seebpote im Schwarzen Meer und in der Nähe der Dardanellen versenkt oder aufgebracht worden sein sollen. Nach Erkundigungen an sicherer zuständiger Quelle sind wir in der Lage, zu erklären, daß alle türkischen und deutschen Unterseeboote wohlbehall sind. Die letzten Nachrichten besagen, daß die fraglichen Unte bvote ihre Aufgabe mit Erfolg erfüllen. Vom Balkan. Der Vierverband und Griechenland. Dem Daily Chronicle wird aus Athen berichtet: Gestern abend haben die Gesandten der verbündeten Mächte der griechischen Regierung mitgeteilt, daß ihre Länder bereit seien, im Falle des Angriffs gegen Serbien und Griechenland sogleich mit Artillerie ausgerüstete Streitkräfte zu landen. Sie teilten der griechischen Regierung ebenfalls mit, daß sie jeglichen geforderten finanziellen Beistand gewähren würden. Eine Ministerkrise in Bulgarien? Der Agence Havas wird aus Sofia gemeldet, daß der bul— garische Finanzminister und der Handelsminister ihre Demission eingereicht hätten. Der offizielle Grund dieser Demission seien Meinungsverschiedenheiten über ihren Standpunkt. Der wahre Beweggrund sei eine Uneinigkeit mit Radoslawow über die weitere Politik infolge der energi⸗ schen Haltung Griechenlands. Der König habe dem russen⸗ iesenfront en. freundlichen Malinow in einer langen Audienz die Aufgabe angeboten, ein neues Kabinett zu bilden. Die Neutralität Rumäniens. Bukarest, 28. Sept. Gestern fand eine Versammlung der kon⸗ servativen Partei Marghilomans statt. Dieser forderte in einer Ansprache die Fortsetzung der im Kronrat beschlossenen Neu⸗ tralität mit Respektierung der Pflichten, die Rumänien aus seinen internationalen Verträgen erwachsen. Andere Redner, darunter der ehemalige Minister Nenitzescu, sprachen sogar für ein Zu⸗ sammengehen mit Deutschland. Alldem gegenüber bleibt die Regierung bei ihrem gefaßten Be⸗ schluß, nicht zu mobilisieren und neutral zu bleiben, Aus Nußland. Bevorstehender Generalstreie in ganz Rußland. Aus sozialistischer Quelle aus Moskau meldet die Korre⸗ spondenz Rundschau, daß die P in ganz Rußland für den 1. Oktober beschlossene Sache sei. In Pet rg-seien deshalb in den letzten drei Tagen mehr 91 jonärer Umtriebe ver⸗ hte über aufgedeckte Attentatspläne 0 1 revolu großen Stils verdichte Die Semstwoabordnung und die Regierung. Ein Petersburger Telegramm des Daily Telegrapz meldet, daß die Antwort auf das Ansuchen um eine Audienz der Semstwoabordnung beim Zaren nicht eher erwartet werden könne, als bis die Regierung über die Richtlinien der im Innern zu befolgenden Politik zu einem entscheidenden Enkschluß gelangt sein werde. 72 0 Politiken erfährt aus Petersburg, daß der Finanzministel Bark, der gegenwärtig in Paris und London wegen einer russischen Anleihe verhandelt, telegraphisch bei den leitenden Staatsmännern Rußlands anfragte, wann die Duma wieder einberufen werde. Freisinnige russische Blätter erklären, die Anfrage beweise, daß Bark die reaktionäre, durch die Dumavertagung betätigte Politik mißbillige, und daß das Ergebnis der Anleiheverhandlungen wesentlich von der Haltung der russischen Regierung gegen die Volksvertretung abhänge. Barks reaktions feindliche Bestrebungen sollen von Sasanowegestützt werden. Die amerikanischen Fleischlieferungen für Dänemark. i Kopenhagen, 29. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) National Tidende schreibt: Das amerikanische Fleisch, das auf dem„Oskar II.“ hierher gekommen war, ist von englischer Seite noch immer nicht freigegeben worden. Obwohl die Ladung aus einem neutralen Land nach Dänemark fuhr, England nicht berührte und nun hier auf dem Kaj lagert, verlangt England eine Gewähr dafür, daß die Ware nicht nach Deutschland gelangt. Die englisch⸗französische Anleihe. London, 29. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Das Reutersche Zureau meldet aus Newyork: Offiziell wird mitgeteilt. daß die englisch⸗französische Anleihe von 500 Millionen Dollars zu einem Zinsfuß von 5 Prozent und ablösbar in fünf Jahren dem amerikanischen Publikum zu 98 Prozent und dem Garantiesyndikat zu 96 Prozent angeboten wird. Nach Ablauf von fünf Jahren steht den Besitzern der Umtausch in 4% prozentige englisch⸗französische Anleihescheine mit einer Laufzeit von 10 bis 20 Jahren zu, die wiederum nach dem Ermessen der betreffenden Regierungen in 10 oder 15 Jahren nach dem Zeitpunkt des Ab⸗ schlusses der ursprünglichen Anleihe eingelöst werden können. Zwei deutsche Flieger bestraft. Amtlich wird bekanntgegeben: Gemäß einer Mitteilung der kaiserlich deutschen Regierung ist auf Grund der durch⸗ geführten militärischen Untersuchung festgestellt worden, daß sich am 21. September zwei deutsche mit der Gegend nicht vertraute Flieger bei dunstigem Wetter auf Schweizer Gebiet verirrten und daß einer von ihnen eine Bombe fallen ließ. Sowohl gegen die Schuldigen als gegen die Wiodorholung ähnlicher Vorkommnisse sind strengste Maßna⸗ 35 worden. N Ein beachtlicher Vorschlag. Dem Reichstag ist eine vom Rechtsanwalt Dr. Josef Kausen⸗ München angeregte und verfaßte Petition zugegangen, welche für die Zeit nach dem Kriege die öffentlichen Sammlungen jetzigen Stils für die Kriegsbeschädigten als unzulänglich bezeichnet. Da die Ver⸗ mögen der Besitzenden durch die Opfer der Kriegsgeschädigten er⸗ halten geblieben sejen, sei die Kriegsfürsorge nicht etwa Verdienst, sondern eiserne Pflicht der Besitzenden; die Mittel dafür follten da⸗ her als Kriegsfürsorgebeitrag in Form einer Abgabe vom Ver⸗ mögen und Einkommen nach dem Muster des Wehrbeitrages aufge⸗ bracht und nach einheitlichen Gesichtspunkten durch eine für das gange Reich zuständige Fürsorgebehörde verwendet werden. Die Bittschrift trägt, wie der Abdruck in Nr. 40 der Münchener Allge- meinen Rundscham ersehen läßt, rund 4200 Einzelunterschriften aus allen Teilen Deutschlands, darunter die Namen zahlreicher und her⸗ vorragender Parbhamentarier, Juristen, Aerzte, 5 Hauf⸗ leute, Universttätsprofessoren und Städdevertveter olme Uinterschied nation des Generalstreiks N 6 der religiösen und politischen Ueberzeugung, sowie der Vorstand⸗ schaften von rund 250 Vereinen und Verbänden mit über einer Million Mitgliedern. Die Schlacht in der Champagne. Der Kriegsberichterstatter der Berl. Morgenpost, Dr. Max Ostborn, meldet seinem Blatte aus dem Großen Haupt⸗ quartier unterm 29. September: Die Offensive der Fran⸗ zosen in der Champagne wurde gestern mittag und nachmittag mit neuen Angriffen von außerordentlicher Wucht fortgesetzt. Besonders richtete sich der Vorstoß der anstürmenden In⸗ fanteriemassen wieder gegen den Abschnitt Saint Hilaire— Souain—Perthes und Mesnil. Aber auch diesmal wurde ihr wuchtiger Anprall durch die nicht genug zu rühmende Tapferkeit unserer Champagnetruppen auf der ganzen Linie abgewiesen. Trotz der Riesenzahl der eingesetzten Kräfte und der schwersten Verluste hatte der Feind an keiner einzigen Stelle Erfolg. Ein Verwundeter erzählte mir, daß heute früh in der Dämmerung unsere Kompagnie glaubte, die Franzosen hätten neue Verschanzungen aufgeworfen, bis wir allmählich erkannten, daß hier Haufen übereinander getürm— ter Leichen des Feindes vor uns lagen. Namentlich zeichneten sich gestern nachmittag wieder sächsische Regimenter durch heldenmütige Standhaftigkeit aus. Was unsere Truppen in diesen schweren Kämpfen bei Tag und Nacht, bei ununter⸗ brochenem furchtbaren Artilleriefeuer an Ausdauer und Heldenmut leisten, kann kein Wort der Bewunderung und des Dankes ausdrücken. Eine der größten Schlachten des ganzen Krieges ist hier entbrannt. Griechenland annektiert den Nordepirus. T. U. Athen, 30. Sept. Ein königliches Dekret, das die Vor⸗ nahme von Wahlen auf den Inseln Imbros, Lemnos und Castellorizo anordnet, erregt großes A ufsehen, weil man der Ansicht ist, daß die Regierung hiermit den ersten Schritt zur Annexion der genannten Inseln, der auch in kürzester Frist die Annexion des Nordepirus folgen wird, tut. Da der Londoner Vertrag diese Inseln und den Nordepirus Griechenland abge⸗ sprochen hat, weigert sich die Regierung Venizelos, die formelle Annexion dieser Gebiete anzuordnen. Zum Untergang des„Benedetto Brin“. T. U. Lugano, 30. Sept. Bei der Explosion des„Bene— detto Brin“ wurden noch drei weitere im Kriegshafen von Brindisi liegende Schiffe der Kriegsflotte schwer be⸗ schädigt. Einzelheiten hierüber fehlen, da die Zensur alles unterdrückt. Der Eindruck der Nachricht von der Explosion in Italien war ungeheuer. Die öffentliche Mei— nung vermutet, daß ein feindliches Unterseeboot in den Kriegshafen eindraug und den„Benedetto Brin“ torpedierte. Die Marineverwaltung tut natürlich ihr Möglichstes, um dieses zu bestreiten und die Katastrophe auf andere Weise zu erklären. Die römischen Blätter behaupten, es handle sich um ein Attentat ausländischer Agenten. In Brindisi sind bereits zahlreiche Leichen geborgen, die alle furchtbar ver⸗ stümmelt sind. Auch in Fachkreisen hält man es für nicht ausgeschlossen, daß die Katastrophe durch ein österreichi⸗ sches Unterseeboot verschuldet worden ist, das durch das Fjord, das den Hafen mit dem Meere verbindet, in den Hafen eindrang und das über keine Schutznetze ver⸗ fügende Panzerschiff torpedierte. Heftige Angriffe gegen Sembat, Guesde und Thomas. T. U. Zürich, 30. Sept. Schweizer sozialistische Zeitungen be⸗ richten von tiefgehenden Unstimmigkeiten in der französischen rabikal⸗sozialistischen Partei. Die heftigsten Vorwürfe wegen des duldsamen Verhaltens der Regierung gegenüber den Lieserungs⸗ mißbräuchen hat sie auch gegen Sembat, Guesde und Thomas ge— richtet und diese Mitglieder der Regierung wären vorgestern zu— rückgetreten, wenn nicht knapp vor der Abstimmung über den Staatshaushalt Ribot sie beschworen hätte, in diesem kritischen Augenblick auf ihren Posten zu verbleiben. Kriegsusdizen. ö Als russische Truppen vom 270. Infanterie-Regiment am 13. September 1914 zu Schillgallen im Kreis Tilsit von deutschen Truppen angegriffen und schwer bedrängt wurden, haben mit Stricken gebunden, zwei davon durch und zwei durch Bajonettsti gelang es, mit den f J Urheber dieser schändlichen Roheit, Oberst Wol kom vom russischen Infanterie-Regime fangenschaf seines Gewissens sein mord verübt. ungen für das Militär— aus Auch sind eine große Anzahl regimenter, beim ersten Hieb 7 Bajonettstiche getötet dem fünften Gefangenen Der 270. in deutsche Kriegsge⸗ Entlastung Selb st⸗ che verwundet; Verwundeten den Russen zu entkommen. nt, ist t geraten und hat, nachdem er zur Verbrechen eingestanden hatte, zum Ruhm der eder liefer⸗ gefügt habe. Dem Avanti wird berichtet, daß Florenz Karton ⸗Militärstiefelsohlen nun noch den der L gepreßten Filz— t ha Pickel, Aexte und Beile für Pionier⸗ in Stücke zersprungen, da sie aus minderwertigem Gußeisen bestanden. Aus Catanzaro wird ge⸗ meldet, daß dort Partei und Gewerkschaft gemeinsam einen un erhörten Schwindel in den Militärbäckereien aufdeckten, in denen täglich einige Säcke feingemahlener Sand unter das Mehl gemischt wurde. Seit längerer Zeit hatten sich die Soldaten schon über schweres, unverdauliches Brot beklagt. Keine Unter⸗ suchung führte zum Ziel, bis es den Genossen gelang, einiger Sand⸗ säcke, über deren Bestimmung eine beiliegende Gebrauchsanweisung keinen Zweifel ließ, habhaft zu werden. Endlich sind in einigen größeren Städten Italiens die Volksschulen wieder eröffnet worden, nachdem die Parteiblätter sich seit Kriegsbeginn andauernd tief darüber be⸗ Zwecke benützt und klagten, daß die Gebäude alle für militärische e i chen Städten wird ihrer Bestimmung entzogen werden. In man auch jetzt noch von der Räumung abgesehen. Der Labour Leader berichtet:„Eine Pariser Frau im Alter von 60 Jahren, die Mutter eines Militärarztes, saß mit einer Freundin im Luxemburg⸗Garten und unterhielt sich mit ihr; sie meinte, Kohle und Zucker würden im kommenden Winter. in Paris teuer sein, wahrscheinlich teuerer als in Deutsch⸗ land; ferner, daß der französische Sieg an der Marne gar nicht so groß gewesen sei, wie manche Leute behaupteten. Ein Vorbei⸗ gehender zeigte die Frau an. Sie wurde vor das Kriegsgericht ge⸗ stellt und zu 20 Tagen Gefängnis verurteilt.— Ein Mann wurde zu einer Geldstrafe von 100 Franken veruxteilt, weil er sagte, die russische Dampfwalze rolle rückwärts.— Ein Tischlermeister erhielt ein Jahr Gefängnis, weil er in seiner Werkstätte geäußert hatte, daß die französische Armee unter Napoleon I. sowie in den letzten Jahrzehnten in den Kolonien sich viele Grausam⸗ keiten habe zuschulden kommen lassen.“ Wir berichteten neulich über den Erlaß der fran zösischen Behörden, daß die mobilisierten Arbeiter in den Waffen- und Ge⸗ schoßfabriken kein Recht auf Unfallentschädigung haben. Die sozialistische Fraktion hat sich am 17. September mit dieser Frage beschäftigt und den Beschluß gefaßt, beim Kriegs- minifter vorstellig zu werden, und ihn zu ersuchen, den genannten Erlaß zurückziehen zu lassen. Parteinachrichten. Zur Bildung einer internationalen sozialistischen Kommission in Bern, durch die internationale sozialistische Konferenz, die kürzlich in staltfaud, schreiben die Genossen van Kol und VBliegen im He Volk unter der Ueberschrift„Ein Widerspruch, der eine Bestätigung ist“ folgendes: 4 Die Genossin Roland Holst schreibt die Teilnahme an der Sozialistischen Konferenz, die ein sogenann⸗ tes internationales Bureau gründete. Danach waren anwesend die sozialistischen Parteien von Italien, Rußland, Polen, Ru⸗ mänien, und Bulgarien und die sozialistische Jugendbewegung von Schweden und Norwegen. Mit anderen Worten: Nicht anwesend waren die sozialdemokratischen Parteien von Frankreich, Deutsch⸗ land, Oesterreich, England, Vereinigte Staaten, der drei skandi⸗ napischen Länder, Niederlande, Belgien, Spanien usw. und selbst die Schweiß nicht, obgleich die Konferenz in diesem Lande stattsand. Von den teilnehmenden Parteien ist soviel sicher, daß die Russen und die Polen mit ihren Ländern nicht in Verbindung stehen konnten. Aus Niederland scheint selbst die S. L. P. nicht vertreten gewesen zu sein. Besser kann wohl nicht ins richtige Licht gerückt werden, daß diese Konferenz lediglich eine zufällige Zusammenkunft einer Gruppe von Menschen gewesen ist, die keine Autorität hatten, gegenüber dem Internationalen Sozialistischen Burcau ein inter⸗ sationales Sekretariat zu gründen. Hierbei ist noch zu bemerken, daß alle, die im Bericht al teilnehmende Parteien genannt sind, die Uebersiedlung des inte nationalen Bureaus nach dem Haag gutgeheißen haben. Bern 5 im N. Rott. Ct. über 8 — 1 Arbeiterbewegung. Die Gewerkschaften am Schluß des ersten Kriegsjahres. In anerkennenswerter Weise hat sich die Generalkommisston der Gewerkschaften Deutschlands während des Krieges wiederholt bemüht, durch Erhebungen bei den ihr angeschlossenen Verbänden den Einstuß des Krieges auf dle Gewerkschaften tat len. Die letzte dieser Erhebungen wurde am 31. nommen. 1 1 8 Die der Generalkommission angeschlossenen e 291 am Schluß des 2. Quartals 1914, allo furd vor Aus 15 12 N Krieges, 2 510 585 Mitglieder. Dagegen betrug der 13 ieder⸗ Men am 31. Juli d. J. 1 180 049. Auch während des rieges büßten die Gewerkschasten ihre Werbekraft nicht 1 wa durch die Tatsache belegt wird, daß die Statistit 24 4 1 eingetretene Mitglieder verzeichnet. Bei einigen Trace ist dieser Zuwachs an neuen Mitgliedern sogar recht 2 ich. So verzeichnet der Metallarbeiterverband allein de 8. e nahmen, der Bauarbeiterverband 23 44, und 4 weitere Verbände ae 1020 000 nene ben ie Zahl der Eingezogenen har aäß der S stöndig gesteigert Bis zum 31. Juli waren 1061404= 42,7 Prozent zum Heeresdienst eingezogen sehr Prozentsatz der Eingezogenen ist in den einzelnen Verbänden 91 verschieden. Er steigt von e bei den Tabakarbeitern bis auf 73,2 Prozent bei den Bäckern. 5 0 Von 1 Berichterstattung über den Grad der Arbeits⸗ losigkeit wurden 1139 095 Mitglieder erfaßt. Davon waren am 31. Juli, dem Erhebungstage, 30 006 2, Prozent arbeitslos. Außerdem arbeiteten noch 4437) Mitglieder bei verkürzter Arbeits⸗ zeit und verkürztem Lohne. Durch, die Anfang September v. J. vorgenommene Erhebung wurde festgestellt, daß von je 100 Mit⸗ gliedern 21,2 arbeitslos waren. Die Gegenüberstellung der Prozent⸗ zahlen an den beiden, über 10 Monate auseinanderliegenden, Er⸗ hebungstagen spiegeln die bei Ausbruch des Krieges herbeigeführte sch da il vor ch naturgemäß während plötzliche Unterbrechung des friedlichen Erwerbslebens und die später eingetretene Festigung der Wirtschaftslage wieder, Ist auch eitsmarkt zurzeit den Umständen nach ine Berufe recht erhebliche Arbeits⸗ ie Lage bei den Hutmachern. 44,7 Prozent arbeits⸗ die Gesamtlage auf dem Arb günstig, so weisen doch einze 8 bn 5 auf. Recht ee 7 d aan Von den Mitgliedern dieses Verbandes waren 41, Pr r los. Dieser 1 hohe Stand der Arbeitslosigkeit ist hier auf die weiblichen Mitglieder zurückzuführen, die zu 62,5 Prozent ar⸗ beitslos waren. 5 Verbände hatten 1015, 7 Verbände 5500 17 Verbände 1—3 und 11 Verbände weniger als 1 Prozent arbei lose Mitglieder. 9026 Mitglieder erhielten Arbeitslosenuntere stützung. 8 5„ Die Unterstützung der Arbeitslosen seit Begun 0 des Krieges hat die Jentralverbände übermäßig stark belastet. 1 zum 34. Juli wurden dafür 22 578 506 Mark verausgabt. Trotzdem wurden auch noch die Familien der eingezogenen NMit⸗ glieder bedacht. Zur Unterstützung derselben wurden 10 423 584 1 Mark aufgewendet. Insgesamt verausgabten die Zentralverbände 10 für Unterstützungen aller Art seit Beginn des Krieges bis 31. Juli d. J. 36 724 181 Mark. 5 it über den Rahmen der den Ge⸗ werkschaften in Friedensze Das Correspondenzblatt hebt starken finanziellen Bela männlichen Mitglieder zum Gewerkschaften diese kaum alle der wachsenden Ansorderungen völlig gerecht zu werden vermögen. Die aus dem Felde zurücklehrenden Mitglieder hätten aber d auf Hilseleistung, wenn sie ö iben oder der von den Strapazen des Fesödiens en. Diese Hi 5 1 e erlassen bleiben. Hier sei darf den Gewerkschaften nicht allein üd 5„0 ge d ausreichende Mittel für es Jflicht des Reiches, einzugreisen un 5 3 die Hilfsbedürftigen zur Verfügung zu stellen. Es muß anerkann J werden, daß auf Anforderung der Gewerkschaftsvertreter die Reichsregierung weitere 200 Millionen Mark dem Hilfsfonds für die durch den Krieg in ihrer Lebenshafstung Beeinträchtigten und für die Familien der Kriegsteilnehmer überwiesen hat. Hflicht der Reichsregierung sei es, zur gegebenen Zeit die zur Hilfeleistung erforderlichen Mittel bereitzustellen. Im Zeichen des Vurgfriedens. In einem Artikel der Deutschen Arbeitgeber⸗ vom 5 September, der sich mit dem Thema:„Sozialdemokratie. Arbeiter⸗ politik und Arbeitsnachweis“ beschäftigt, findet sich folgende an⸗ mutige Stelle: 11 Mit Entschiedenheit a ber muß es die Arbeitgeberschaft abweisen, in allen diefen Fragen je mit Gew erkschaftsver⸗ tretern, denn das sind ganz im Gegensatz zu den Arbeitern die eigentlichen Repräsentanten der Sozialdemokratie, und sie leben meist uur von der Agitation und dem Gelbe, das sie den Arbeitern aus den Taschen ziehen, gemeinschaftlich zu tagen. selbst, wenn manche Regierungsbehörden die Hinzuziehung solcher Leute aus Unkcuntuss des Milieus und der vitalen Interessen von Industrie, Handel und Gewerbe einleiten sollten. 1 Wenn das Arbeitgeberorgan schon heute, während des Krieges, in einer Zeit. wo Millionen von gewerkschaftlich organi⸗ sierten Arbeitern und Sozialdemokraten im Felde stehen, wo Hun⸗ derttausende ihr Blut verspritzen, etwas Dexartige zu schreiben sich nicht scheut, wie mag dann erst die Tonart wert wenn der„Burgfriede“ nicht mehr existiert! sie fünf friedliche Einwohner des Ortes aufgegriffen, 1.— 0: rr er Pulver und Gold. Roman aus dem Kriege 18701871. Von Levin Schücking. Wir waren in halblautem Gespräch zwischen zwei langen, etwa vier Fuß hohen Taxushecken hinabgeschritten, die in ein Gehölz führten, durch das sich eine Allee unter dunklen, ihre Aeste zusammenstreckenden Wipfeln vor uns dahinzog. Glau— doth blieb plötzlich stehen— wie lauschend. „Was haben Sie?“ fragte ich. „Pst,“ flüsterte er zurück,„ich hörte ein Knacken, wie wenn man ein Gewehr spannt.“ „Ah... in welcher Richtung?“ Er trat rasch seitwärts, war im Augenblick neben der Hecke rechts und beugte sich mit dem Oberkörper hinüber. „He da!... Schauen Sie einmal her, Bernold!“ rief er dabei aus. Ich war bereits neben ihm; ein Mann, der da nieder— geduckt gesessen haben mußte, erhob sich just von Glauxoth am Kragen gefaßt. Es war ein Mann in einer Bluse, ein Knecht, wie es schien; er war unbewaffnet. Eine kurze Tabakspfeife, die er in der Hand hielt, war die einzige Waffe, die er führte. „Was seid Ihr? Was treibt Ihr hier? Weshalb ver— kriecht Ihr Euch hier?“ rief ich ihn auf französisch an. Er stammelte Worte zurück, die ich nicht verstand; aber ich glaubte ihn zu erkennen währenddessen. Es war derselbe mürrisch aussehende Mensch, der uns mit so verbissener und widerwilliger Miene heute das Gittertor geöffnet hatte. „Wo ist Eure Waffe? Ihr habt den Hahn einer Flinte gespannt!“ „Pardon, Monsieur, ich habe nicht daran gedacht, denn ich habe keine Flinte!“ rief er jetzt, seine Pfeife erhebend. „Ich habe nur das getan! setzte er, mit dem Daumen den Deckel aufmachend und dann wieder niederklappend, hinzu. „Es ist dasselbe Geräusch!“ sagte mein junger Kamerad. 0 drossen fort;„ich dachte nur, daß das Feuer meiner Pfeife, die ich eben angezündet hatte, durch die Hecke schimmern könne, und darum schloß ich rasch den Deckel...“ „Aber weshalb haltet Ihr da Wache und duckt Euch bei unserem Kommen so ängstlich nieder?“ „Ich lauere auf Marder, die uns das Obst stehlen!“ sagte er.„Ich bin nicht ängstlich vor den Herron,“ fügte er mür⸗ risch hinzu,„ich hatte mich gesetzt, weil ich müde war. Wenn ich nicht wollte, daß Sie mich wahrnehmen sollten, so war's natürlich. Ich hatte kein Verlangen nach dem Verhör, das Sie jetzt eben mit mir anstellen— hier in unserem eigenen Garten!“ Ich verdolmetschte diese Antworten meinem Kameraden Glauroth, der in seinen Klassen so viel Französisch gelernt, um es zu verstehen, wenn er es in einem Buche deutlich ge— druckt vor sich hatte, nicht aber, wenn es ein lebendiger Mund vor ihm sprach. Er war wie ich der Ansicht, daß der Mensch schwerlich um der Marder willen da verborgen war; an einem Tage, wie der heutige für die Schloßbewohner gewesen, dach— ten sie wohl nicht daran, daß ein paar Aprikosen oder Birnen von ihren Spalieren verschwinden könnten. „Ihr habt auf Franktireurs gewartet,“ sagte ich,„und wolltet ihnen den Weg ins Schloß zeigen, um uns überfallen zu können!“ Er sah mich mit einem feindlichen, höchst tückischen Blick unter den buschigen Brauen her an und sagte:„Sie irren, Monsieur— die Franktireurs sind verdammtes Gesindel, mit denen wir nichts zu schaffen haben. Wenn sie gekommen wären, wahrhaftig,“ er wandte seinen Koof rasch ab, dem Eingang der Allee zu, und fuhr mit einer Stimme, die plötz⸗ lich dreimal lauter war als bisher— aber wieder zu mir ge— wandt:„Wahrhaftig, macht, daß ihr fortkommt, würde ich ihnen zugerufen haben, die Preußen sind hier!“ „Und weshalb schreist du so laut, Spitzbube?“ rief Glan⸗ roth, ihn an der Jacke erfassend, aus. Ich hatte das Gesicht nach derselben Richtung gewendet, wohin der Mensch soeben geblickt, nach dem Eingange der glaubte eine dunkle Gestalt wahrzunehmen, die sich dort aus dem Schattendunkel heraufbewegte— und im nächsten Augen ⸗ blick zurückfliehend in demselben verschwunden war. 1 „Nehmen wir den Menschen zwischen uns; er soll uns folgen und uns durch die Allee zum Flusse führen,“ sagte Glauroth. a Ich war einverstanden. g „Also vorwärts,“ rief ich unserem Gefangenen zu,„geht mit uns bis zum Flusse hinab!“ 1 „Ich werde mich hüten,“ versetzte er mürrisch;„ich.. ich habe nichts im Gehölz zu tun und will schlafen gehen!“ „Ihr geht mit uns, wie wir's Euch befohlen...“ ö „Und wenn ich nicht will?“ 1 „Es ist offenbar, daß er seinen Wachtposten hier nicht verlassen will!“ rief mein Kamerad.„Es wäre gut, wenn wirr 0 1 „Still!“ sagte ich, mich wendend, weil ich Schritte der. nahm— ich sah dieselbe Gestalt, welche vorhin ins Dunkel 10 zurückgetreten war, herankommen; es waren leichte Schritte, 1 die auf dem Kiesboden knirschten, begleitet von dem Rauschen von Seide, und das Nahen einer Dame ankündigten— in der Tat, eine junge Dame trat rasch aus der Schattenregion in das helle Mondlicht. 1 1 Wir beide starrten sie überrascht an, diese schlanke el“ gante Gestalt mit, wie es schien, feinen und edlen Zügen— ö deutlich erkennen konnten wir nur das schöne Oval des 40 N sichts, um das sie ein schwarzes Spitzentuch geknüpft krug auch ihr Kleid war schwarz, der Mondschein rieselte hell an den Falten desselben nieder. 7 Sie hatte beim Herankommen den rechten Arm ein weng erhoben, wie eine Bewegung der Beschwichtigung m 175 und in langsamem, französisch akzentuiertem Deutsch sagte sie: „Lassen Sie den Mann, lassen Sie ihn... es ist unset Gärtner... was verlangen Sie von ihm?“ Die Worte waren mit einer gewissen Betonung Entrüstung ausgesprochen. 13 00 Es War fehr dunn bun mir,“ fuhr der Knecht ber⸗ Allee— und täuschte ich mich oder war es Wirklichkeits Ich (Gortsetung folgt! ij 2 e ä— .ꝓ+PEuñ ũ df 7˙ Ä——..; ĩ˙. ²˙ n 2. SN A .— 9 — 5 4 5„ cheitz Unten. Jegim 1. 96 oten Nit 123 N diet ing ön ing be den a n. d. Hessen und Nach bargebiete. Gießen und Umgebung. 7 — Neue Brotmarken. Morgen gelangen die Vrotmarken für die nächsten zwei Wochen an den bekannten Ausgabe— stellen in den Stunden von 8—12 Uhr vormittags und von 2—6 Uhr nachmittags zur Ausgabe, worauf wir unsere Leser aufmerksam machen. g — Nicht so eilig mit dem Einkaufen der Winterkartoffeln! Eine von seiten der Regierung ergangene Erklärung warn a vor zu frühzeitigem Kartoffeleinkauf. Es heißt darin, daß infolge lebhafter Nachfrage zu einer Zeit, wo die Ernte noch kaum begonnen habe, eine Preissteigerung eingetreten sei, die bei den sehr günstigen Ernteaussichten nicht begründet ist. Die Bewegung auf dem Kartoffelmarkte wird regierungs— seitig mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt. Die Re— gierung verschließt sich nicht der Ueberzeugung, daß der ärmeren Bevölkerung bei der leider unvermeidlichen Steige— rung der Preise für die meisten Lebensmittel die Kartoffeln zu vertretbaren Preisen zur Verfügung gestellt werden müssen. Die hierzu erforderlichen Organisationen sind in Vorbereitung. Nötigenfalls wird die Regierung eine Sicherung des für die ärmere Bevölkerung in den Städten und Industriebezirken erforderlichen Bedarfs durch Zwangsmaßnahmen herbeiführen. Im gegenwärtigen Augenblicke läßt sich weder der im freihändigen Ankauf, noch der zu deckende Bedarf an Eßkartoffeln, noch die Wirkung der hervorragenden Ernte auf die Preisbildung genügend übersehen. Es kann deshalb nur dringend davor 9585 warnt werden, durch übereilte Eindeckung einer durch die Verhältnisse nicht begründeten Preistreiberei Vor— schub zu leisten.— Diese Warnung trifft auch für unsere Gegend zu, wie wir bereits vor einiger Zeit ausführten und sollte allgemeine Beachtung finden. Gegenwärtig geben die Landwirte noch keine Kartoffeln heraus, sie warten stets erst, bis sich der Preis gebildet hat. Voreiliger Einkauf wirkt preistreibend! — Städtische Nahrungsmittelversorgung. Von seiten des Kommunalverbandes sind der Stadt 15000 Mark zur Verfügung gestellt worden, welche Summe die Stadt für An— schaffung von Kartoffeln und Milch für Kinder zu verwenden heabsichtigt. — Die Generalversammlung des Konsumvereins Gießen findet, wie bereits bekannt gegeben, nächsten Sonntag, nach⸗ mittags 3 Uhr, im Saale des Gewerkschaftshauses statt. Wir werden ersucht, nochmals darauf hinzuweisen und die Mit— glieder zu zahlreichem Besuche aufzufordern. Die Tages— ordnung ist aus dem Inserat ersichtlich. Zutritt haben nur Mitglieder und deren Frauen.. — Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Landsturmmann Max Speier aus Gießen, Inf.-Reg. 49. — Reservist Ernst Ganz aus Gießen, Inf.⸗Reg. 224. Beschlagnahme von Spinnstoffen und Garnen. Am 28. Sep⸗ tember ist durch die Militärbefehlshaber eine Bekanntmachung be— treffend Bestandserhebung von tierischen und pflanzlichen Spinn⸗ stoffen(Wolle, Baumwolle, Flachs, Ramie, Hanf, Jute, Seide) und daraus hergestellten Web⸗ und Strickgarnen veröffentlicht worden. Die Bekanntmachung führt eine monatliche Meldepflicht für die ge— nannten Spinnstoffe und Garne ein und setzt die Bestimmungen der früheren Bekanntmachungen W. I. 1./0. 15. K. R. A. betreffend Bestandserhebung unversponnener Schafwolle, V.. I. 62 1./7. 15. 1 betreffend Bestandserhebung von Bastfaser-Rohstoffen usw. und W. II. 384/, 15. K. R. A. betreffend Bestandserhebung für Baumwolle usw. insoweit außer Kraft, als sie regelmäßig wiederkehrende Bestandserhebungen angeordnet haben. Zu der Bekanntmachung gehören 4 Arten von Meldescheinen und Meldescheine 1 für Wolle und Garne vorwiegend aus Wolle, Meldescheine 2 für Baumwolle und Garne vorwiegend aus Baum⸗ wolle, Meldescheine 3 flir Bastfaser und Garne vorwiegend aus Bastfasern und Meldescheine 4 für Seidenabfälle und Bourette-⸗ 5 Diese Meldescheine sind bei den örtlich zuständigen amt⸗ ichen Vertretungen des Handels(Handelskammern usw.) eut⸗ weder mittels Postkarte(nicht mit Brief) anzufordern oder im Bureau der betreffenden Handelskammer abzuholen. Abfindung verwundeter und kranker Mannschaften. Eine an⸗ scheinend offiziöse Notiz besagt:„Den aus dem Felde zurückge⸗ kehrten verwundeten und kranken Mannschaften, ebenso wie den kranken Mannschaften immobiler Formationen wird vielfach auf besonderen Antrag die Erlaubnis erteilt, sich zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit zu Erntearbeiten usw. in Privatpflege bei Ange⸗ hörigen usw. zu begeben. Diese Leute werden hinsichtlich ihrer Gebührnisse ebenso behandelt, wie die zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit beurlaubten Mannschaften. Sie haben daher für die ganze in Betracht kommende Zeit Anspruch auf die Löhnung ihres Dienstgrades nach den Sätzen mobiler oder immobiler Formg⸗ tionen, sowie auf die Gewährung der Geldabfindung zur Selbst⸗ beköstigung. Für Angehörige mobiler Formationen beträgt diese ohne Unterschied des Dienstgrades 1.20 Mk. für den Kopf und Tag. Angehörige immobfler Formationen erhalten das Beköstigungs⸗ geld des Truppenteils, dem sie zur Verpflegung zugeteilt sind.“ Der Bundesrat scheint zu dem Beschluß des Reichstags, den Ver⸗ bflegungssatz für die Dauer des Krieges ganz allgemein auf 4,20 Mk. pro Kopf und Tag sestzusetzen, noch keine Stellung ge— nommen zu haben. 0 — Geheimnisse der Feldpost⸗Tuben. Das Bochumer„Städtische Nahrungsmittel⸗Untersuchungs, Amt“ wendet sich gegen die uner⸗ hörte Uebervorteilung des Publikums beim Einkauf von Tuben, die für Feldpostsendungen bestimmt sind. Der Leiter des Amtes weist darauf hin, daß in letzter Zeit auf dem Nahrungsmittelmarkte aufallend viele Neuheiten auftauchen, Nahrungs⸗ und Genuß⸗ mittel in Dosen, Düten, Tuben und Beuteln. Das habe den großen Nachteil, daß dem Käufer die Möglichkeit fehle, die Güte und Menge des Inhalts zu prüfen. Das Untersuchungsamt hat festge⸗ stellt, daß in den allermeisten Fällen der Inhalt der Packungen der enge nach nicht dem hohen Preis entspricht. So enthielt 3. B. eine Dose„bürgerliche Nahrung mit Pfefferpothast“ die 1,35 Mark kostet, 335 Gramm Kartoffelbrei mit 2 Fleischstückchen zu 27 Gramm. Der Wert des ganzen Inhalts beträgt etwa 15 Pfg. Tür„Naturbutter in Tuben“ wird 4 Mk. das Pfund gezahlt. Eine Dose Fleischwurst mit Kartoffelsalat hat bei einem Einkaufspreis von 4,15 Mk. einen wirklichen Wert von höchstens 30 Pfg.„Kar⸗ koffelmehl“ läßt sich die neue Tuben⸗Industrie mit einem geringen Zusatz von Kochsalz als„Butterstreckpulber Heureka“ mit 4 Mk. das Pfund bezahlen. Sogenannte„feinste Himbeermarmelade“, in Wirklichkeit eine Mischung von ausgepreßten Himbeerkernen, aus⸗ gelaugtem Apfelmark und„Stärkesirup“, gefärbt und mit kllnst⸗ lichem„Himbeeräther“ parflimiert, bringt 4,20 Mk. das Pfund. „Sardellenbutter“, in der von Butter keine Spur zu finden ist die aber zu einem Drittel aus Heringen besteht, wird nach dem Ver⸗ hältnis des Tubenpreises mit 5 Mk. bezahlt. Das Untersuchungs⸗ amt hebt hervor daß mit dem Paragraußen des, Gesetze iu mur meisten Fällen nicht eingeschritten werden lann. Es kann also nur den] Einspruch erheben. eine öffen tliche Warnung helsen, um das Publikum vor solchen unerhörten Uebervortellungen zu schützen. „ e Zu dem Gedenktag der Stadt Gießen hatte auch der frühere Oberbürgermeister von Gießen und spätere Finanzminister Gena uth ein Glückwunsch-Telegramm an Oberbürgermeister Keller gerichtet, das zu erwähnen in unserem gestrigen Verichte versehentlich unterblieben war. — Eine zartfühlende Dame. Die Wiener Arbeiter-Zeitung (vom 24. September) schreibt: Zufällig kommt uns das September⸗ heft von Velhagen und Klasings Monatsheften in die Hand, in der eine Frau Emmi Lewald„Gedanken“ aufzeichnet, die ihr„in schlaflosen Nächten“ kommen. Zum Exempel dieser:„Dreitausend tote Engländer vor der Front!“ Keine Sy mp honie klänge mir jeczt schöner! Wie das angenehm durch die Nerven rinnt, tröstlich, hoffnungserweckend:„Dreitausend tote Engländer vor der Front“— bis in die Träume klingt es nach und surrt wie eine s ch me ichelnde Melodie ums Haupt...“— Daß eine rau derartiges niederschreiben und eine„vornehme“ Zeitschrift es drucken kann, ist ein höchst betrübendes Zeichen. Doch muß man eine solche Roheit als Einzelerscheinung betrachten und sich zum Troste sagen, daß doch noch nicht die ganze Menschheit verrückt ge— worden ist. Kreis Friedberg⸗Büdingen. Butzbach, 29. Sept. Der falsche Leutnant. Gestern nachmittag trieb sich in den hiesigen Straßen ein junger Mann in bayerischer Offiziersuniform, angetan mit Sporen und Feldbinde, auf der Brust das Eiserne Kreuz und die Tapferkeitsmedaille, herum, Er ließ sich vom hiesigen Militär und den Verwundeten fleißig grüßen. Später löste er sich zu dem Nachmittagszug eine Fahrkarte nach Frankfurt a. M. Dem Stationsbeamten Oberbahn⸗ assistent Kais kam der schlottexige Leutnant jedoch verdächtig vor und er gab deshalb eine Depesche an die Bahnhofspolizei Frankfurt d. M. auf. Der Herr Leutnant wurde dort verhaftet und es stellte sich heraus, daß in seiner Uniform ein früherer Schreinergeselle des Schreinermeisters Diehl in Butzbach steckte, der schon längst von der Polizei gesucht wird. Kreis Wetzlar. n. Tod im Bergwerk. Am Dienstag vormittag kam der Berg⸗ mann Wilhelm Schmidt aus Waldgirmes in der Grube dadurch ums Leben, daß er mit seiner Grubenlampe ein Kabel der elektri⸗ schen Leitung berührte und durch den Starkstrom sofort getötet wurde. Der Verunglückte ist verheiratet und Vater zweier Kinder, er war noch nicht dreißig Jahre alt. Westerwald und Unterlahn. * Tödlicher Unfall bei der Arbeit. Auf den„Geisweider Eisen— werken bei Siegen wollte der Werkflihrer Otto Schmidt ein Hindernis für einen Bahntransport beseitigen. Er wurde dabei so heftig gegen einen Lampenmast gedrfckt, daß er bald darauf verstarb. Von Nah und Fern. Eile Schlagwetter-Explosion ereignete sich Mittwoch friih auf der Zeche Holland. Sie war vermutlich durch einen Sprenaschuß verursacht und entstand an einer Stelle, wo 42 Bergleute arbesiecten Davon sind zweitot, 25 verletzt, davon 6 schwer. Hessischer Landtag. Zweite Kammer. ö 5 5 Darmstadt, 29. September. 5 Die Zweite Kammer trat heute zu einer Sitzung zusammem, die im wesentlichen zu dem Zweck einberusen worden war, den Fraktionen Gelegenheit zu voraufgegangenen Einzelberatungen zu neten. geben. Das Haus war aut besucht. In seiner Eröffnungsansprache flihrte Präsident Köhler It. a. aus: So innig der Wunsch nach Frieden bei uns allen am Schlusse der vorigen Tagung war, er hat sich bis jetzt nicht erfüllt; lonnte sich nicht erfüllen. Seitdem hat das deutsche Heer gegen Rußland gewaltige Schläge geführt. Gott sei Dank ist auch der ge⸗ waltige Anprall gegen unsere Westsront an unserer tapferen Wehr zerschellt; Gott gebe es, daß es so bleibe! Was die Tätigkeit in der Heimat anlangt, so ist die Meinung noch mehr verstärkt, daß die Kraft zum Durchhalten noch mehr gewachsen ist. Ein Wirtschafts⸗ jahr während des ungeheueren Krieges haben wir glänzend über⸗ standen. Kleingläubige mögen hinblicken auf das stolze Ergebnis der letzten Kriegsanleihe(Bravo!) In diesem Sinne und diesem Geiste wollen wir weiter schaffen. Unsere Devise seit weiter: Einig und stark!(Bravo!) Wir haben wieder einen Verlust aus unserer Mitte zu beklagen: Heinrich Busold, der seit 191 für den Wahlkreis Vilbel dem Hause angehörte. Wie sehr ihn seine Mitbürger geschätzt haben, zeigt uns, daß er seit 1907 dem Gemeinderat in Friedberg, seit 1909 dem Kreistag und auch kurze Zeit dem Reichstage angehörte. Wir alle erinnern uns noch gern der lebhaften und eifrigen Art, wle er an unseren Verhandlungen teilnahm. Und wir glaubten nicht, daß er sobald aus unserer Mitte abberufen werden würde. Bei seinem Tode habe ich der Frau namens der Kammer ein Trauertelegramm gesandt; der Kollege Damm vom Präsidium vertrat die Kammer bei Busolds Beerdigung. Ich danke Ihnen, daß Sie sich von Ihren Sitzen er⸗ hoben haben. Besonders begrüße ich noch die im Feloͤgrau des Kriegers erschienenen Mitglieder. Erster Punkt der Tagesordnung war ein Antrag betr. Erweiterung des Finanzgusschusses durch je ein Mitglied der fünf Fraktionen zur Vorberatung aller Vorlagen, Anträge, usw., soweit sie sich auf die Volksernährung und wirtschaftliche Fragen aus Anlaß des Krieges beziehen. Auf Vorschlag Dr. Osanns wer⸗ den durch Zuruf gewählt: Dr. Fulda, Heerdt, v. Helmolt, Lang, Hebel, sowie als Stellvertreter Raab, Korell, Breidenbach, Stöpler, Singer. Die Regierungsvorlage über die Wahlgesetznovelle(Ver⸗ längerung der Wahlperiode) wurde auf Antrag Korell⸗Angenrod von der Tagesordnung abgesetzt.(Der Bauernbund ist sich in der Frage noch nicht definitiv schlüssig.) Zum Antrag Dorsch(Bbd.) betr. das Darmstädter Hoftheater (die Regierung zu ersuchen, dahin wirken zu wollen, daß während der Dauer des Krieges auf der Bühne des Großherzoglichen Hof⸗ theaters keine französischen, englischen oder russischen Stücke, resp. keine Stücke mit französischer, englischer oder russischer Tendenz auf⸗ geführt werden) hat der Ausschuß beantragt, den Autrag für er⸗ ledigt zu erklären, da zur Bemängelung des Spielplans des Hof⸗ theaters im Sinne des Antrags Dorsch keine Veranlassung vorliegt. Abg. Dorsch(Bbd.) erklärt den Antrag aus allgemeinen Ge- sichtspunkten gestellt zu haben. Heute abend gäbe das Hoftheater z. B. Shakespeares„Sommernachtstraum“. Er wolle nichts dagegen sagen; werde sich das Stück mal ansehen.(Große Heiterkeit.) Er möchte aber fragen, ob man in Paris, London oder Petersburg Schiller oder Goethe spielt. Er betrachte das Theater als eine Stätte, wo das nationale Rückgrat des Volkes gestärkt werden sollte. Das aber geschieht nicht, wenn man sich die frechen Stücke der Franzosen oder die hochnäsigen Stücke der Engländer ansieht. Was haben wir denn mit unseren Halbgöttern erreicht, die wir uns von den Ausländern geholt hatten? Shaw, Maeterlink, d'Annunzio! Sie haben Gold und Lorbeeren bei uns geerntet und uns, als der Krieg ausbrach, Barbaren geschimpft. Wir sollten doch die Senti⸗ mentalität verlernen. Daß seine Kollegen sie noch nicht verlernt haben, bedauere er.(Große Heiterkeit.) In einer Berliner Oper wurde die englische() Oper Fra Diavolo sogar englisch gesungen. Wenn die Feldgrauen aus dem Kriege kommen, werden sie schon ihre Meinung dazu sagen. 8 f 8 Abg. Adelung(Soz., in jeldgrauer Uniform) freut sich, daß Dorsch sich mal Shakespeares„Sommernachtstraum“ ansehen will. Hätte er das früher schon getan, wäre wohl sein Autrag hier nicht gestellt worden. Gegen die Tendenz des Antrags Dorsch müsse er Wir wollen uns hüten, die Albernheiten des 5 ahmen! Kunst und Wissenschaft kennen keine Landesgrenzen. E stgerode ein Stiick der Größe Deutschlands, daß wir die Kunst ge⸗ würdigt haben, einerlei, woher sie kam, wenn es nur wahrhafte Kunst war. Wenn ein Träger solcher Kunst uns nachher beschimpft. Grund, daß wir die Kunst an sich verwersen sollten. Ist es ausländische Ten⸗ denz, wenn Schiller die Jungfrau von Orleans oder den Wilhelm doner oder Petersburger Pöbels herabzusteigen. a den Antrag Man kann Musik nach ren einen nur bescheidenen Rahmen B, russische Tendenz eines Werkes Zimmermann“, elue der schö sters, nicht mehr spielen?. Abg. Wünzer(Natl.): Wenn er sich den Spielplan der deut⸗ schen Bühnen ansehe, so müsse er schon fsagen, daß in dem Antrage Dorsch ein berechtigter Gedanke steckt. Ganz unsympathisch sei ihm aber der Antrag Dorsch darin, daß man sich von Staatswegen mit dem Spielplan der Bühne befassen soll. Wir haben dafür eine Presse und die öffentliche Meinung, die sich gerade in dieser Zeit gut be⸗ währt haben, uns vor Geschmacklosigkeiten zu bewahren. In dieser 1 1 gehe der Antrag zu weit, seine Freunde werden ihn da her ablehnen. N Abg. Dor sch(Bbd.): Sein Autrag sage doch ausdrücklich: „während der Dauer des Krieges“; das werde von den Vorrednern gar nicht beachtet. Die Internationalität ist doch in die Brüche gez gangen. Abg. Ulrich(Soz.): Nach diesen Ausführungen müssen wir, den Antrag erst recht ablehnen. Denn das wäre doch ein merkwür⸗ diges Verlangen, daß wir jetzt während des Krieges alle Zivilisations abweisen sollten. Was Einzelne über den Internationalismus an Albernheiten geleistet haben, das müssen wir uns hüten, nachzu⸗ ahmen. Der Internationalismus ist nötig für die Wissenschaft, für die Kunst, für unsere Wirtschaft, auch für unsere Politik und in reli⸗ giösen Dingen. Der Interngtionalismus des Proletariats wird sich nicht dadurch irre machen lassen, daß Einzelne vergessen haben, was sie selbst früher gepredigt haben. So sehr wir alle ergriffen sind von dem Geschehen dieses großen Krieges, so sei er doch der Meinung, daß wir nach dem Kriege erst recht den Internationalis⸗ mus wieder erreichen müssen. Wir haben nicht nötig, solche Klei⸗ nigkeiten wie die vorliegende zu betreiben. Das Bedürfnis des in⸗ ternationalen Zusammenschlusses wird sich nach den erlebten großen Dingen erst recht zeigen. Wir können uns nicht aus kleinlichen Gründen gegen etwas wehren, was unvermeidlich in der Entwick⸗ lung liegt, die uns dieser Krieg bringen wird. Abg. Korell(Fortschr.): Seine Beobachtung sei die, daß die deutschen Bühnen sich nicht so auf der Höhe dieser Zeit gezeigt haben. Der Gedanke des Antrags rsch sei also wohl anzuerkennen; aber die Form des Antrages müssen wir ablehnen. Der berethtigte In⸗ zrnationalismus ist nur dann gesund, wenn sich das deutsche Volk abkehrt von Verhimmlungen des Internationalismus. Nach weiteren Ausführungen des Abg. Wünzer(Natl.) über die Oper„Fra Diavolo“ wurde der Antrag Dorsch abgelehnt. Es folgte ein weiterer Antrag des genannten Abgeordneten betr. Schaffung eines Gesetzes über die Einschränkung fremsprachiger Geschäftsbezeichnungen und Hausinschriften. Abg. Dorsch(Bbd.) begründete unter großer Unaufmerksam⸗ keit und Unruhe im Hause seinen Antrag. uffallend war, daß er wörter wäre also wohl erklärlich. Minister des Innern v. Hombergk: Einigkeit bestehe wohl darin, daß die Fremdwörtersucht zu bekämpfen ist. Verschiedene Meinung bestehe nur über den Weg. Wir alauben, daß das deutsche Volk nach dem Kriege aus sich selbst heraus die Kraft finden wird, durch das verstärkte vaterländische Empfinden. Auf dem richtigen Weg sind wir schon. Freilich werde im Ausschußbericht z. B. das Wort„lokal“ gebraucht, das man ganz gut durch„örtlich“ hätte er⸗ setzen können.(Heiterkeit) Bei der Bekämpfung der Fremdwörter solle man sich von Uebertreibungen fernhalten, das führt nur zu Verhunzungen unserer Sprache. Man sollte auch nicht das Maß der Vaterlandsliebe bemessen nach der Zahl der Fremdwörter, die jemand gebraucht.(Zustimmung.) Aus rechtlichen, wie allgemeinen Gründen bitte er den zweiten Teil des Ausschußantrages(Fremd⸗ wörterverbot auf dem Wege der Polizeiverordnungen) gleichfalls abzulehnen. 15- Abg. Molthan(tr.) beautragt die Rlickverweisung det, Sache an den Ausschuß unter Hinweis auf die vom Regierungstisch gemachten rechtlichen Einwände. 8 Nach weiteren Ausführungen des Abg. Korell Cortschr.) und des Ministers v. Hombergk zog Abg. Uebel(Ztr.) als Aerichterstatter des Ausschusses den zweiten Teil des Ausschußan⸗ trages zurück. 5 a Abg. Raab(Soz.): Er habe schon im Ausschuß die Auffassung vertreten, daß der Antrag Dorsch überfllülssig sei. Die Regierung gebraucht in den einzelnen Ressorts auch noch reichlich überflüssige Fremdwörter, sodaß viele Leute aus Briefen der Behörden darum nicht klug werden können, weil diese mit Fremdwörtern geradezu gespickt sind. Der Antrag Dorsch wollte den gesetzlichen Weg; der Antrag des Ausschusses den Weg der Poligeiverordnungen. Auch mit dem letzteren konnte er sich nicht einverstanden erklären. Mam könne natürlich im Ausschußantrag nicht etwas verlangen, dem die Regierung gar nicht stattgeben darf. Nachdem hievauf noch Abg. Dorsch(Bbd.), Abg. Molthan (Ztr.), Minister v. Hombergk gesprochen und Abg. Ulrich (Soz.) an den Ausführungen des Abg. Dorsch über die neue In⸗ schrift am Reichstagsgebäude gezeigt hatte, zu welchen Lächerlich⸗ leiten man kommen kann, wenn man den Wünschen und Ausführun⸗ gen von Dorsch folgt, wurde der Antrag Dorsch abgelehnt. 85 Die Verhandlungen wurden dann abgebrochen. Die nächste Sitzung soll in der übernächsten Woche stattfinden; den Tag wird der Präsident noch bekanntgeben. 10 Tagesbericht des Großen Hnptturfttz. Furchtbare Kämpfe im Westen. Fortschritte bei Hindenburg und Linsingen. W. B. Großes Hauptquartier, 30. Sept., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Der Feind setzte seine Durchbruchsversuche in der Champagne fort. Südlich der Straße Men in Ypern wurde eine von zwei englischen Kompagnien besetzte Stellung in die Luft gesprengt. Südlich Loos schritt unser Gegenangriff lang⸗ sam vor. Südöstlich von Souchez gelang es den Franzosen, an, zwei kleineren Stellungen in unsere Linien einzudringen. Es, wird dort noch gekämpft. Ein französischer Teilangriff südlich Arras wurde leicht abgewiesen. 8 Zwischen Reims und Argonnen waren die Kämpft erbittert. N Südlich von Marie A⸗Py brach eine feindliche Bri⸗ gade durch die vorderste Stellung durch und stieß auf unser Reserve, die im Gegenangriff dem Feinde 800 Mann ab⸗ gestern nur) „gebildeten“ Pöbels von Paris, London und Petersburg machzue nahm und den Rest vernichteten“ kein Fremdwort richtig ausspricht; sein Aerger über die Fremd⸗ Alle französischen Angriffe zwischen Straße So mme py —Souain und Eisenbahn Challerange—Semin⸗ gol wurden gestern teilweise in erbittertem Nahkampfe unter schweren feindlichen Verlusten abgeschlagen. Heute früh brach ein starker feindlicher Angriff an der Front nord⸗ westlich Massiges zusammen. Nördlich Massiges ging eine dem flankierenden Feuer sehr ausgesetzte Höhe (191) verloren. Auf den übrigen Fronten fanden Artillerie- und Minen⸗ kämpfe in wechselnder Stärke statt. Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. Südlich von Dünaburg ist der Feind in die Seen⸗ enge östlich von Wesselowo zurückgedrängt. Die Kavalleriekämpfe zwischen Dryswjaty⸗See und der Gegend von Postawy waren für unsere Divisionen erfolgreich. Oestlich von Smorgon ist die feindliche Stellung im Sturm durchbrochen. Es wurden 1000 Gefangene, darunter Offiziere, gemacht und 6 Geschütze, 4 Maschinengewhre rbeutet. Südlich von Smorgon dauert der Kampf an. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Feindliche Teilangriffe gegen viele Abschnitte der Front wurden blutig abgewiesen. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen. Die Lage ist unverändert. Heeresgruppe des Generals v. Linsingen. Die Russen wurden am oberen Kor min in östlicher Richtung zurückgeworfen. Es wurden etwa 800 Gefangene gemacht. Zwei russische Flugzeuge wurden abgeschossen. Oberste Heeresleitung. 0* Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Zähe Kämpfe in Wolhynien. Vergebliche Angriffe der Italiener. (W. B. Wien, 30. Sept. Amtlich wird verlautbart: 30. Sep⸗ lember 1915. N Russischer Kriegsschauplatz. 5 Die Lage in Ostgalizien, au der Ikwa und an der Puli⸗ lowka ist unverändert. Im Sumpflande des Korminbaches er⸗ stürmten österreichisch⸗ungarische und deutsche Truppen mehrere Stützpunkte, wobei vier russische Offiziere und 1000 Mann in Ge⸗ faugenschaft fielen. Zwei feindliche Flieger wurden herabge⸗ schossen. Die k. und k. Streitkräfte in Litauen wiesen russische Angriffe ab. Die Kämpfe führten stellenweise zum Handgemenge. Der Gegner erlitt große Ver luste. Italienischer Kriegsschauplatz. ö An der Tiroler Westfront wurde in der vergangenen Nacht im Adamellogebiete gekämpft. Ein Angriffsversuch des Feindes auf den Paß westlich der Cima Presena wurde durch unsere Artillerie abgewiesen; auch bei der Mandronhütte mußten die Italiener nach mehrstündigem Gefecht zurückgehen. Auf der Hochfläche von Vielgereuth griffen sie gleichfalls nachts unsere Stellungen zweimal vergebens an. Ebenso scheiterten an der Kärntner Front nächtliche Angriffe auf unsere befestigten Linien westlich des Bombasch⸗Grabens(bei Pontafel). Die Kämpfe bei und nördlich von Tolmein dauern fort. Vor dem Mrzli Vreh wich der Feind in seine alten Stellungen zurück. Gegen Dolje griff er wiederholt an, wurde aber stets abgewiesen. Heute früh begann das italienische Artilleriefeuer gegen den Raum von Tol⸗ mein, das schon gestern sehr lebhaft war, von neuem. 5 Südöstlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnant. 8 Die Niesenschlacht in der Champagne. Die feindliche Offensive im Westen ist durchaus noch micht, wie es zunächst den Anschein hatte, gebrochen. Be⸗ sonders in der Champagne ist sie wieder mit gewaltigem Un⸗ gestüm erwacht. Es ist grauenhaft auszudenken, daß immer und immer von neuem wieder Tausende von kostbaren Menschenleben hingeopfert werden, ohne die geringste Aus⸗ sicht auf wirklichen Erfolg. Denn auch die vorurteilslosen Fachleute auf Feindesseite sind sich darüber klar, daß Teil⸗ erfolge, selbst wenn sie da und dort bis in unsere Reserven und bis zur dritten Stellung führen, die Aussicht auf einen endgültigen Durchbruch nicht im geringsten fördern. Der ist einfach unmöglich. Die deutsche Mauer im Westen ist un⸗ Zurchbrechbar. Hangen und Bangen in Paris. Die sranzösischen Tagesberichte, die zunächst über die Ergeb⸗ gisse der Offensive sehr sachlich berichtet haben, fangen wieder an— wie deutscherseits, wo die amtlichen Stellen diese Berichte ohne Scheu durchgelassen werden, festgestellt wird— in etwas gar zu Handgreiflicher Weise zu übertreiben und von deutschen Verlusten zu melden, die alles Wahrscheinliche weit hinter sich lassen. Man hat es offenbar notwendig, die Stimmung der Franzosen anzu⸗ stacheln, und die Pariser Presse muß kräftig mithelsen. Das Hangen und Bangen, in dem die Bevölkerung Frankreichs sich eben befindet, geht deutlich aus der folgenden Meldung hervor, die Wolffs Bureau unterm 30. September aus Paris bringt: Die freudige Erwartung, welche durch die seit Monaten angekündigte französisch⸗englische Offensive erweckt wurde, dauert an; die Presse erklärt den glücklichen Anfang des allgemeinen Angriffes für viel⸗ versprechend, doch solle man den Jubel zurückhalten, bis die er⸗ hofften Erfolge Wirklichkeit geworden sind. Die großen Hoff- nungen der Franzosen spiegeln sich in einem Artikel Hervés in der Guerre Sociale wider, der es für entschuldbar erklärt, wenn man in Anbetracht dessen, was auf dem Stiele srehe nervos ser. Wenn die Offensive gelinge, seien Frankreich und Belgien vom Feinde gesäubert, Bulgarien abgekühlt und Rumänien und Griechenland zum Eingreifen bereit. Mißlinge sie, so seien die besetzten Gebiete von Frankreich und Belgien noch auf Monate hinaus in deutscher Gewalt und Griechenland und Rumänien würden den Anschluß nicht finden, einzugreifen. Die bisherigen Ergebnisse der Offensive waren zwar großartig, aber man dürfe keine Luftschlösser bauen. Auch die bestbegonnene Offensive könne schließlich noch scheitern. Er wolle aber nicht entmutigen. Der Zweck seiner Aus führung sei nur, vor übertriebenen Hoffnungen zu warnen, um bitteren Ent⸗ täuschungen vorzubeugen, falls der bisherige Erfolg sich nicht ent⸗ sprechend den Wünschen des französischen Volkes entwickeln sollte. Gute Aussichten im Osten. Trotzdem die Russen an allen Stellen der gewaltigen Ostfront überaus zähen Widerstand leisten, können sie unseren Vormarsch höchstens da und dort verzögern. Und wenn ihnen das an einzelnen Stellen einmal gelingt, so be⸗ eilt sich der Generalstab, solches Gelingen sofort in glänzende russische Siege umzudichten und von der Vernichtung ganzer deutscher Armeekorps zu fabeln. Andererseits hält man es aber doch für nötig, in Preßnotizen das Ausland auf eine weitere Zurücknahme der Front vorzubereiten, und daß es in Wirklichkeit auch so kommen wird, dafür ist hinreichender Beweis die Räumung von Minsk, jenes Punktes, den man als das Zentrum der bisherigen russischen Rück⸗ zugsbewegungen bezeichnen kann. Hierüber wird dem Ber⸗ liner Tageblatt über Stockholm gemeldet: Der Heilige Synod hat befohlen, daß die geistlichen Mittel⸗ und Hochschulen von Witebsk und Minsk nach Riagesan und Jaroslaw verlegt wer⸗ den. Auch alle Kirchengeräte und andere Wertsachen müssen dorthin überführt werden. Ferner hat der Synod beschlossen, die geistlichen Schulen in Kiew nach Kasan zu verlegen. Die Ackerbauschule von Schitomir wurde nach Nowotscherkewsk überführt. Der Oberprokurator des Synods hat befohlen, alles in den Kirchen und Klöstern eingegangene Gold der Reichsbank zu übermitteln. Bekanntlich hat der Eisenbahn⸗ minister ebenfalls befohlen, daß alle Reisende, die ihre Fahr⸗ karten mit Gold lösen, vor allen anderen Reisenden an den Schaltern den Vorrang erhalten sollen. 294405 Onadratkilometer russischen Bodens im Besitz der Verbündeten. T. U. Wien, 30. Sept. Wie verlautet, haben die deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen im Osten 294 405 Quadratkilo⸗ meter russischen Boden, also weit mehr als die Hälfte des Deutschen Reiches, im Besitz. Eine russische Kabinettskrise bereitet sich offenbar wieder vor. Hierüber liegen folgende Meldungen vor: Mailand, 30. Sept. Der Londoner Berichterstatter des Corriere della Sera drahtet zur Abreise des russischen Kabi— netts ins Hauptquartier, daß diese in London als Vorspiel zur Neubildung des Kabinetts ausgelegt werde. Die Krisis sei seit einiger Zeit vorausgesehen worden. Amsterdam, 30. Sept. Ein hiesiges Blatt meldet aus London: Ein außergewöhnlicher Ministerrat unter dem Vor⸗ sitz des Zaren, zu dem alle Minister nach der Front reisten, hätte anfangs nächster Woche in Zarskoje Selo zusammen⸗ treten sollen. Wichtige Ereignisse an der Front hätten aber die Abreise des Zaren verhindert. W. B. Petersburg, 30. Sept. Meldung der Petersburger Telegraphenagentur. Im Zelt des Zaren fand unter dem Vorsitz des Zaren ein Ministerrat statt. An den Dardanellen keine Veränderung. W. B. Konstantinopel, 30. Sept. Das Hauptquartier teilt mit: An der Dardanellenfront ist die Lage unverändert. Am 27. September brachten unsere Küstenbatterien ein feind⸗ liches Torpedoboot in der Gegend des Kereviedere zum Sinken und beschossen wirksam die feindlichen Stellungen an der Küste von Sedd⸗ül⸗Bahr. In der Nacht vom 27. zum 28. September überraschten unsere nach verschiedenen Richtungen ausgesandten Erkundungsabteilungen eine feind⸗ liche Abteilung in einem Hinterhalt, machten sie zum Teil nieder und nahmen den anderen Teil gefangen. Sie schlugen andere Erkundungskolonnen, die sie angetroffen hatten, in die Flucht und erbeuteten eine Anzahl Gewehre und Munition. Bei Sedd⸗ül⸗Bahr erwiderte am 28. September unsere Artillerie kräftig das Feuer verschiedener feindlicher Batterien, die einen Augenblick unsere Stellungen beschossen hatten und brachten sie zum Schweigen. Von den anderen Stellen ist nichts zu melden. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M. Bekanntmachung. Die Auszahlung der Familienunterstützung für 1.—45. Oktober an die Angehörigen der zum Heeresdienst Einberufenen findet statt: a. Reichs⸗ und Kreisunterstützung an diejenigen, deren Namen beginnen mit K Freitag, den 1. Oktober I 2 Samstag, den 2. Oktober. b. Städtische Unterstützung(Mietszuschuß) an diefenjgen, deren Namen beginnen AK Montag, den 4. Oktober I—4 Dienstag, den 5. Oktober. c. An Vermieter, die Mietbeträge abholen Mittwoch, den 6. Oktober. Die Auszahlungen finden statt von 8—1 Uhr vorn Stadthaus Zimmer Nr. 16. Gießen, den 27. Oktober 1915. Der Oberbürgermeister: Keller. — E 7 5 e eee re 1 9 5 rostet 1 Pfund 1 n nur 2. 9 25 Pig Marktplatz 2 N Neformhaus neben der Engel⸗Apotbeke. 1 Kreuzplatz 5. 0 0 5——w— 2 7 . 1 Bekanntmachung. Betrifft: Die Vergebung der Kultur- u. Wegebauarbeiten für 19 , den 2. Stlober 23 Js., vormittags 10% Uhr, werden im Stadthaus, Gartenstraße 2, die in den Waldungen der Staßt“ Gießen erforderlichen 5 4 1 Kultur⸗ und Wegebauarbeiten öffentlich wenigstnehmend versteigert. N ie Großherzoglichen Bürgermeistereien der uw meinden werden ersucht, dies alsbald ortüblich belann; lassen.. Gießen, den 24. September 1915. Der Oberbürgermeister: V. Grünewald. Geländeverpachtung der Stadt Gießen. Mittwoch, den 6. Oktober 1915 findet die anderweite Ver⸗ pachtung leihfällig werdender Grundstscke der Stadt, des Stadt⸗ erweiterungsfonds und der Armenkasse statt und zwar: 83. a) vormittags 9 Uhr beginnend mit Zusammenkunft an der Wirt⸗ schaft im Philosophenwald 5 33 Triebviertel bei den Torflöchern auf 6 Jahre 10 Grundstsücke gegenüber der Provinzial⸗Siechenanstalt auf 2 Jahre„ 12 Grundstücke am alten Feldweg, im Heegstrauch und am Schiffenbergerweg, 1 b) nachmittags 2½ Uhr mit Zusammenkunft am Erdkauterweg bei Zimmermeister Schubecker 5 3 eine größere Zahl Grundstücke am Saudkauterweg und Grüninger Pfad, am Ohleberg, in den Rödern, am Leih⸗ 0 gesternerweg, im Schlagenzahl, auf dem Beltersberg und bei f der Margaretenhütte auf die Dauer von 6 Jahren. Gießen, den 30. September 1915. Der Oberbürgermeister. J. V.: Grünewald. 4 Verstorbene. Georg Graf in Gießen, 40 Jahre alt.— Karl Ruhl in Alten⸗Buseck, 63 Jahre alt. 1 Konsumverein Giessen u. Umg. Sonntag, den 3. Oktober 1915, nachmittags 3 Ubr 9 General⸗Versammlung im Saale des Gewerkschaftsbauses, Schanzenftr. ö Tagesordnung: 1. Geschäfts⸗ und Kassenbericht. 2. Beschlußfassung über die Verteilung der Erübrigung. 3. Ergänzungswahl des Vorstandes. 4. Ergängungs⸗ wahl des Aufsichtsrates und Wahl der Stellvertreter. Neu! Ne Konkurrenzlos! Neu! Versand⸗Ka 2 erfanb⸗ Karton (D. R.⸗Patent 130568) für Gelee, Honig, Butter, Schmalz, Fleischwaren re. Praktischer, vorteilhafter und biliger als * 3 2 1 lech oder Glas⸗Packung. 25 Pfg⸗ Oberhessische Volkszeitung Gieße Bahnhofstraße 23. e f Rep araturen ö Sonntagsstiefel . Halbschuhe Meubeziehen f elrbeitsschuhe 2 5 für Frauen und Männe „ nd bie Knabenstiefel Fasse dennh u. le Preis für 1 Pfund⸗ Packung nur Giessen. Seltersweg 52 1 Kinderstiefel 1 marburg a. 1.„in schwarz und brenn a Dis- und Kamelhaarshn- 2 9 Turnschuhe 7 Schuhhaus 5 W. Herbe! Refanm. Wasch pulver 2