der Organ für die Interessen des werkta Provinz Oberhessen und der N ig tigen Volkes achbargebiete. N 5 Die Oberbessische Volksgeitung erscheint jeden Werktag Abend in Wabar 5 6 f ö 91 5 12 1 1 25 0 on und Expedition Inserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pig. g. 1 60 e n d 5 5 5 ent 5 fa. monatlich Giesten, Babnhofstraße 23, Ecke Löwengasse. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr 1 00 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl.1. 80 Mk. Telephon 2008. für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. K 1 8. g„ 7 0 Nr. 229 Gießen, Donnerstag, den 30. September 1915 10. Jahrgang a 10 5 Ertolgrei lesten * Wie Frauen der neutralen Länder i die. auf dem rechten Flügel der Westfront die] Ententemacht bestätigt, sodaß sie große Glaubwürdigkeit be⸗ i 1 3 Ofsensive. Ihre Vorbereitungen waren zeitraubend, kostspielig, fit 2 ines schie; i Se 2 5 1 für den Frieden wirken. gründlich, ihre Verluste find ungeheuer, ihre Refültate aua] ißt. Allerdings scheinen die Ententemächte, seitdem sie vo Von Luise Zietz. Der freisinnige Professor Tönnies ⸗Kiel, von dem bekannt At, daß er die Geschehnisse des sozialen Lebens von hoher Warte beobachtet und beurteilt, hat sich kürzlich, wie die Ethische Kultur mitteilt, in einem Brief an das Stockholmer Swenska Dagbladet über die Aufgaben geäußert, die den Frauen der neutralen Länder zufallen bei der Propaganda für den Frieden und nach dem Frieden bei den Bemühungen für die Wiederherstellung der menschlichen Gemeinschaft, des freundschaftlichen Neben- und Mit⸗ einanderlebens der jetzt im Kriege stehenden Völker. Der Schluß⸗ satz des Tönnies'schen Briefes, der vielfach in der Presse Abdruck gefunden hat, lautet: Darum werden alle geistigen internationalen Bestrebungen in erster Linie auf Erhaltung des Friedens abge⸗ stimmt sein müssen, und— ich wiederhole es— zur Vermittlung und Versöhnung sind erstens die neutralen Völker, zweitens die . 1 8 durch die Natur der Dinge und durch das Sittengesetz be— rufen. 1 2 Zu unserer großen Freude anerkannten die Frauen der neu⸗ tralen Länder seit Kriegsbeginn die Pflicht, in diesem Sinne gu f wirken und sind eifrig bemüht, mit hoher Begeisterung und voller Hingabe für die Idee der menschlichen Solidarität aller Vö lker zu wirken. . In den skandinavischen Ländern: Schweden, Norwegen, Däne— mark, in Holland, der Schweiz und auch in Amerika haben große Frauenkundgebungen für den Frieden stattgefunden, die abgelöst wurden von einer stillen, eifrigen Propagandaarbeit. Je nach der Weltanschauung der Frauen trugen diese Kundgebungen einen ver⸗ schiedenen Charakter. Von den Pazifisten(bürgerliche Friedensfreunde) wird haupt— fächlich die Barbarei des Krieges aufgezeigt: die grauenvolle Ver— N michtung unzähliger Menschenleben, die Zerstörung wertvoller Kul— kurgüter, die Leiden der Flüchtlinge, ber daheimgebliebenen Frauest end Kinder, der heimgekehrten Krüppel u. a. m. und unter Hinweis Zuf alle diese Leiden wird Propaganda gemacht für einen baldigen Frieden und für Maßnahmen, die den Frieden zu einem dauernden Zestalten sollen. Von den Sozialistinnen wird tie fer gegraben. Ohne die Schuldfrage der betreffenden Regierungen zu erörtern, legen sie die dpirtschaftlichen Ursachen des Krieges dar, weisen nach, daß der bochentwickelte Kapitalismus mit seinem Ausdehnungsdrang, seiner nung schuf, die sich im gegenwärtigen Weltenbrand entlädt. In klarer Erkenntnis dieser Ursachen begnügen sich die So- alistinnen der neutralen Länder nicht mit der Propaganda für die Zeendigung des Krieges, wenngleich diese naturgemäß das Nächst⸗ liegendste, das Wichtiaste ist und deshalb überall in den Vorder rund gestellt wird: sie rufen vielmehr, unter Hinweis auf das ent⸗ kEtzensvolle Völkerringen, gleichzeitig auf zum unermüdlichen Kampf für die Verwirklichung der großen sozialistischen Ideale, um so liner Wiederkehr männermordender Kriege vorzubeugen. 5 Und mit Recht verweisen unsere Genossinnen auf die Tatsache, aß gerade die Sozialdemokratie besonders viel durch den Krieg zerliert. Dieser Verlust kommt nicht nur zum Ausdruck durch die Zahl der verlorenen Kämpfer, durch die furchtbare Vernichtung von Nenschen leben, ihnen muß zugerechnet werden, was an Men⸗ henkultur, an hochentwickelten Intelligenzen, an hoher edler Hesinnung, an sozialistischer Weltanschauung mit in die Massen— räber gesunken ist. 5 5 25 In ihren Kundgebungen begegnen wir auch Hinweisen auf die ungeheuren Summen, die in allen kriegführenden Ländern der Krieg lerschlingt, von denen ein kleiner Teil die Erfüllung alter sozial⸗ wlitischer Forderungen hätte bringen und den Aufstieg der Ar⸗ eiterklasse erleichtern können, während jetzt alles auf die gegen— Altige Vernichtung von Menschen und Gütern eingestellt ist. „Die bürgerlichen Friedensfreunde führen also Krieg gegen den krieg: die Sozialistinnen dagegen bekämpfen den Krieg und seinen lährboden: den Kapitalismus. Denn sie wissen nur zu genau, daß Aer Abschen gegen die Kriege und die Barbarei, alles Entsetzen, un dem die Zeitgenossen gepackt werden, alle aufregenden Schil⸗ Erungen der blutigsten Schlachten à la Berta Suttner, Lamszus ad anderer, nichts vermögen gegen jene realen Kräfte, die aus den kulcnomischen Verhältnissen der Gegenwart ihre Nahrung erhalten umd stets erneut friedengefährdend wirken. e Was aber in all diesen Kundgebungen der Sozialistinnen und zazifistinnen besonders zum Ausdruck kommt, ist die Betonung der atsache, daß die Frauen am schlimmsten unter den Schrecknissen des Krieges leiden. 2 Als Trägerinnen und Gebärerinnen neuen Lebens, als Hüterin⸗ zun und Pflegerinnen der heranwachsenden Jugend schmerzt sie die Massenvernichtung blühenden Menschenlebens am tiefsten. g Sie nehmen den innigsten Anteil an dem schweren Seelenleid der Mitter, die ihre Söhne hergaben, der Frauen und Linder, die m Gatten und Vater beweinen, sie fühlen mit jenen, die infolge 0 be Krieges ein noch kärglicheres Brot als sonst ihre tägliche slihrung nennen. 1 , Alle ernsten Bestrebungen, die die Beendigung des Krieges zu oje 1 31 Achleunigen geesonet sind, finden ihre volle Sympathie und ihre salkräftige Unterstützung. 5 Dafür danken wir den Genossinnen der neutralen Länder und n die Hoffnung, daß ihr Wirken nicht ohne Erfolg sein möge. * 8 * Ungeheuere Verluste der Feinde. 5 „Ueber die englisch⸗franzö feusive zwischen Mpern und las berichtet der be Berliner Tageblatts: N Mit einem Massenaufwand von Munition, üffzehn Divistonen, darunter ein Teil der K mit vierzehn b is itchener-Armee, mit Welteroberungsvpolitik, in allen Ländern die weltpolitische Span⸗ nennenswert. Vom 20. an begannen sie zu trommeln. vier Tage lang schweres Wirbelfeuer auf unsere Gräben, auf be⸗ stimmte Abschnitte einen volllommenen Feuervorhang. Von Ar⸗ nientiéxes bis hinab zur Lorettohöhe bereiteten sie den Angriff vor der am 25. begann. Die Hauptstöße waren nordöstlich von Fro⸗ melles. Hier wurden sie unter schweren Verlusten abgeschmettert, ferner westlich Aubers. Teilweise in unsere Gräben eingedrungen, wurden sie durch einen Gegenstoß geworfen und dabei eine indische Brigade total vernichtet. Von einem Bataillon von 800 Mann blieben etwa 100 am Leben, mehr als die Hälfte davon fiel in unsere Hände. Aehnlich erging es ihrem Angriff bei Givenchy und Festubert, demselben Festubert, wo sie bei ihrer Früh⸗ lingsoffensive 15000 Mann Verluste hatten. Sie arbeiteten hier erfolglos mit Rauchbomben. Das einzige nennenswerle Resultat erzielten sie südlich des Kanals von La Bassée, wo sie nicht mit Soldaten angriffen, sondern ihren Truppen Hunderttausende von Kubikmetern giftiger Gase als Sturmkolonnen voraussandten. Diese Gaswellen waren so dicht, daß man auf zehn Schritt Abstand keinen Baum mehr sah. Bis weit hinter La Bassée waren sie sühl⸗ bar. Vor diesem Austurm von Gaswellen mußten wir uns auf unsere zweite Stellung zurückziehen. Aber sobald es wieder lichter wurde, gingen unsere Truppen zum Gegenangriff vor und eroberten Teile der verlorenen Stellung zurück. Gleichzeitig mit den Engländern und den Gaspwellen griffen die Franzosen von der Lovettohöhe bis Riviére südlich von Ar vas nach einem tagelangen Hagelwetter von Graualen an, unter Ver⸗ wendung von Gasgranaten. Ihre Verluste sollen ins Grauenhafte gehen. Spuchez om Fuße der Lorettohöhe, jener Trümmerhaufen, um den seit Monaten wsitend gekämpft worden war, wurde zum Ausgleich unserer Stellung geräumt. Wix haben 2500 Mann ge⸗ fangen genommen, darunter einen englischen General, einen Oberst⸗ leutnant, einen Oberst, sowie eine Anzahl Maschinengerbehre er⸗ beutet. Alle unsere Stellungen von Armentiekres bis hinab sibldlich von Arras sind bis auf unwesentliche Scharten vollkommen in unsexer Hand. Nur wo die Engländer Gaswellen zum Sturm ver⸗ wandten, sind wir auf unsere zweite Stellung zurückgegangen, ein flacher Bogen südlich von La Bassée und nordwestlich von Lens, Heute morgen wurde ein neuer Vorstoß der Engländer bei Givenchy unter sehr schweren Verlusten für den Feind abgewettert. Unsere Truppen sind bereit. Große Freude in Amerika über die deutsche „Niederlage“. Daily Expreß erfährt aus Newyork: Die englisch⸗ französischen Erfolge werden von der amerikanischen Presse als einer der bedeutendsten Siege seit der Marneschlacht an⸗ gesehen. Die amerikanischen Kritiker erklären, diese Erfolge bewiesen, daß die deutsche Front nicht unbezwinglich sei. Die Amerikaner sind der Ansicht, Frankreich und England hätten Petersburg gerettet und Bulgarien eine Lektion erteilt. Erfolge der Verhündeten haben den Amerikanern Freude verursacht. Ein neutvales Urteil. Der Berner Bund schreibt zur englisch-französischen Offen⸗ sive:„Die Verbündeten haben zwar einen klaren, bestimmt abge— grenzten taltischen Erfolg davongetragen, der ihnen noch eine strategische Auswirkung verspricht, mußten sich aber damit bescheiden, eine Aufgabe in Etappen lösen zu wollen, die die größte Sicherheit der Ausführung nur durch das erste und überraschende Durchstoßen möglichst vieler Linien der befestigten Kordons empfängt. Es sei an den Durchbruch von Gorlice erinnert, der dergestalt angelegt und mit einer solchen Wucht ausgeführt wurde, daß neun russische Verteidigungslinien ohne wesentlichen Aufenthalt aufgerissen und erobert werden konnten. Das Abstoppen des Angriffs vor der zweiten Linie bedeute zwar nicht die Erledigung der Offensive im Westen. Der Angreifer werde versuchen, das Spiel von neuem zu beginnen. Wie lange er eine solche Etappenoffensive aus hält, ist eine andere Frage. Die deutschen Verluste sind sehr beträchtlich, sie entsprechen aber den Kampfbedingungen durchaus. Die Maschinengewehre und Ge— schlitze waren eingebaut und unbeweglich und ihre Verteidiger nach der deutschen Vorschrift darauf eingeschworen, ihre Gräben bis zum äußersten zu halten. Nur so konnten die An⸗ greifer gebremst und bis zum letzten Augenblicke mit vernichtendem Feuer überschüttet werden. Den ersten schlimmen Moment hat die deutsche Verteidigung überstanden, die Elastizität ihrer Linien aufs neue nachgewiesen und damit viel gewonnen.“ Das verlorene Spiel der Italiener. Der Berichterstatter Roda Roda meldet der B. Z. aus dem Kriegspressequartier: Ein sehr hoher Offizier, der eben von der Südwestfront zurückgekehrt ist, äußerte sich über die dortige Lage folgendermaßen: Wenn die Italiener fortfahren, ihre sogenannten Erfolge in demselben Zeitmaße wie bisher zu erringen, müssen 180 Jahre vergehen, ehe wir aus unserer Vorstellung in die erste Hauptverteidigungsstellung zurückgegangen sind. Ich und alle meine Kameraden sind überzeugt, daß die Italiener die Karten zusammen⸗ werfen und das Spiel aufgeben könnten, mit der Beruhigung, keinen Stich vergeben zu haben. Die italienische Partie ist aus⸗ sichtslos. Die Balkanpläue der Entente. Die Nachricht des Corriere, daß England und Frankreich in Athen 150000 Mann Ententetruppen an⸗ boten, wenn Griechenland sich der Entente anschließe, Sie legten „ Die große einer Reihe von Tagen die Absicht kundgetan, Griechenland diese unerbetene Hilfe aufzudrängen, noch keinen Schritt zu ihrer Verwirklichung getan zu haben. Doch arbeitet die Diplomatie in Athen mit Hochdruck. Angesichts der Erfolge, die man von einer Landung in Salonik erwartet, soll zunächst Griechenland in den Ententekreis gepreßt und dann die Ver⸗ bindung Salonik-Nisch, die einzige, die Serbien mit dem Ausland verbindet, gesichert werden. Weiter hofft die Entente dadurch, Bulgarien von dem Anschluß an die Zentral- mächte noch abzuhalten, jedenfalls den deutschen Vormarsch nach Konstantinopel zu verhindern, indem nötigenfalls die vereinigten Serben und Griechen allein den bulgarischen An⸗ griff aufhalten, bis die Ententetruppen eintreffen. Nach Petersburger Meldungen bezweckt das Angebot weiter, daß Griechenland Serbien einen Ersatz für das gegen Oesterreich gebundene serbische Heer zuführt. Es soll der griechische Einwand entkräftet werden, der Bündnisfall mit Serbien liege nicht vor, da Serbien die Vertragsverpflichtung zur Entsendung von 150 000 Mann gegen Bulgarien nicht er⸗ füllen könnte. Diesen Einwand hatte Veniselos den ver⸗ sammelten Entente-Gesandten vorgebracht, worauf zuerst der französische und dann der englische Gesandte aufstanden, in⸗ dem sie erklärten, die Entente böte an, die Lücke auszufüllen. Darauf fiel der griechische Widerstand und die Mobilisation wurde angeordnet. Jedenfalls stimmen die verschiedenen italienischen Blätter darin überein, daß Griechenland zur Entente abschwenten werde, während die Haltung Rumäniens zweifelhaft bleibe. Gegen Bulgarfen hegt man in Petersburg die größte Erbitterung. Die russischen Blätter dürfen das Balkan⸗ problem nicht erörtern, desto eifriger arbeitet die Diplomatie in Athen und Bukarest.(Frankf. Ztg.) Der Seekrieg. Der in Maasluis aus London eingetroffene norwegische Dampfer„Rollen“ meldet, daß auf der Themse ein englischer Lotsendampfer in die Luft geflogen ist. Der große schwedische Postdampfer„Fingal“ aus Kham ist im Nebel an der Nordspitze von Skagen gestrandet. Bergungs- arbeiten sind im Gange. Amerikanische Baumwolle für Deutschland? Wie bekannt, hat die kürzlich gegründete Bremer Baumwoll⸗Import⸗Gesellschaft 1915 einen funkentelegraphischen Auftrag nach Amerika auf große Mengen Baumwolle abgegeben. Der Köln. Ztg. zufolge wird es sich um eine Million Ballen handeln. Die Gesell⸗ schaft bot 15 Pence frei Bremen, wobei ein Aufschlag für Ge⸗ winn, Fracht und Versicherung von 6 Pence berechnet worden war. Insgesamt handelt es sich um einen Auftrag von 100 Millionen Dollars. Der Präsident der Baumwoll-Gesell⸗ schaft, Lohmann, hatte eine Unterredung mit einem Vertreter der amerikanischen Hearst-Blätter, worin Lohmann u. a. fagte: Die deutschen und österreichisch-ungarischen Händler könnten zwei Millionen Ballen Baumwolle gebrauchen, wozu noch die Versorgung der belgischen, französischen und spani⸗ schen Spinnereien mit Rohstoffen komme. Man erwarte jetzt den Eingang des Angebots von Amerika. Die inzwischen eingetretene Preissteigerung von 1½ Pence bedeute für die Vereinigten Staaten, auf 16 Millionen Ballen zu 500 eng⸗ lischen Pfund gerechnet, 120 Millionen Dollars Ge⸗ winn. Angenommen der Gewinn der Vereinigten Staaten für Kriegsmaterial betrüge 30 Prozent, so würde dieser Auf⸗ trag einem Auftrag auf Munition im Werte von einer Milliarde Dollars entsprechen. Washington habe denn auch in London Schritte unternommen, um die freie B förderung der Baumwolle durchzusetzen. Die Baum- wollverhältnisse in Deutschland und Oesterreich⸗Ungarn seien derart, daß die Regierungen genügend Baumwolle für mili⸗ tärische Zwecke auf Jahre hinaus fest in der Hand haben. 0 * Was jetzt gewünscht werde, sei einfach der gewöhnliche Jahres- bedarf für die Zwecke der friedlichen Bevölkerung. Es sei nicht daran zu zweifeln, daß die Baumwollfrage eine be— friedigende Li ösung zugunsten der amerikanischen Ssüdstaaten finden werde. * Entrüsten wir uns! 5 Mexikanische Indianer brachten einen sperrten 80 Frauen und Kinder in einen Heuwagen und zündeten ihn an, Nur 20 konnten gerettet werden. Wie schändlich! Wie wird Amerikas Moral aufschveien! Viel Zug zur Entgleisung, n aller Schattie⸗ ftiger Gase er⸗ tten, Irländern 8, Sith Farbige f 5. hs und Farbigen mit Hunderttausenden von Kubikmetern gi wird aus Petersburg und auf der römischen Botschaft einer leicht erkennt man bald die zivilisatorische Notwendigkeit, Mexiko einzugemeinden. 5 5 i Zwölf Millionen Menschen haben die sich zurückziehenden rechnen, daß bei d land selbst tonangebende Politiker em herrschenden hysterischen Haß gegen Deutsch⸗ sich mit dem Gedanken befreun⸗ Russen, diese Kämpfer für Europas Freiheit, aus ihren Wohnsitzen h e 1 5 auf die Landstraßen, in die Sümpfe und Wälder. in Not und Elend, den. Soll doch Lord Haldane die Richtlinie für eine solche Sunger und Tod gejagt: Frauen und Kinder, Greise und Gebärende. Blockierungspolitik angegeben. haben. Soll de eine 5 sranzösisch⸗ In Ostpreußen und Galizien haben die Truppen der Nikolaje] italienische handelspolitische Konferenz in Villa d'Este sich in erster Dörfer und Städte verbrannt, Unzählige gemartert, ausgeraubt, aufgeknüpft. f Die Italiener haben das Lazarett in Görz zusammengeschossen. England schickt seine Gurkhas, die sich schlangengleich durchs Gras winden, das Messer zwischen den Zähnen, in die deutschen Schützengräben. a 5 Frankreich hat Tausende Bewohner des Sundgaus verschleppt Ind in vermisteten Lagern konzentriert wie Schlacht vieh. Wo bleibt die Entrüstung, Herr Wilson? Aber— seien wir nicht ungerecht: Wenn der österreich⸗ungarische Botschafter in leuten sagt, sie sollen nicht Granaten fabri⸗ zieren, die auf ihre Brüder abgeschossen werden, dann ist Herr Wil⸗ son empört. Und Dumba muß weg. Deun im freien Amerika gibts nur zwei böchste Dinge: Geschäft und Moral. Rüstungen in Finnland. Washington seinen Lands U 55 Die schwedische Zeitung Snällposten hat Erkundigungen über die pussischen Truppen in Finnland eingeholt. Auf her kein Militär gab, besonders in placiert. In Ausbilden. Kasko, verschiedenen Plätzen. wo es frü den Küstenstädten, sind jetzt Truppenkontingente Vasa sind 2000 Mann von der Jahresklasse 1916 zum Die Einfahrten der Küstenstädte Vasa, Kristinestad, Mäntyluoto, Raumo und Nystad sind miniert, und in allen, be⸗ sonders in Raumo und Bjoerneborg, gibt es viel Militär. Seit drei Wochen ist der Generalstab der russischen Truppen in Finn⸗ land nach Tammerfors verlegt. Alle Brücken sind miniert und von Truppenkontingenten bewacht. Die Küstenbesestigung längs Südwestfinnland von Helsingfors bis Hang und Aland sind von geringerer Bedeutung. da sie nicht mit Betonkonstruktionen gebaut sind, sondern von Erde und Stein. Die Inseln sind mit großen Geschützen bestückt. Die Alandfestungen sind sehr stark und alle Einfahrten minjert. Ein Teil der russischen Flotte ist in Degerby und Abo stationiert. Ueberall auf Aland wimmelt es von Militär. In Wibora sind moderne Besestigungsarbeiten aus⸗ geführt, und bei den Putil o w werken sind zwülf Torpedo⸗ boote und acht Unterseeboote im Bau. In Reval werden neun Unterseeboote gebaut, wovon zwei diefer Tage sertig werden. Aber man leidet Mangel an geübter Mannschaft zu den Unterseebvoten. Die englischen u nterseebbote sind wahrscheinlich in Baltisch Port stationiert. Die mohammedanische Bewegung in Nordindien. T. U. Konstantinopel, 28. Sept. Aus Persien sind heute zwei glaubwürdige Berichte hier angelangt, die geeignet er⸗ scheinen, als Symptome der mohammedanischen Bewegung in Indien zu gelten. In Nordindien soll der mächtige Naboß Abdulla Chan, der als Mohammedaner seinen eingebrachten gefangenen Glanbensgenossen helfen wollte, deshalb zu lebenslänglicher Kerkerarbeit verurteilt worden sein. Ein mohammedanischer Schiffsoffizier, der Obermaschinist Abdul Kader, brachte einen Transportdampfer, der zur Nieder— werfung des Aufstandes im nordindischen ikt von Kalkutta abgefahren war, zum Sinken, wobei er mit fast sämtlichen Truppen unterging. Wenig Gerettete über— brachten die Kunde dem Lande. Handelskrieg gegen Deutschland nach dem Kriege. da(Stockholm) vom 23. 9. schreibt: Vom Bierverband wird augenblicklich eine neue Art Krieg nach dem Kriege vorbereitet. Nuove Antologia enthält im Septemberheft darüber einen interessanten Artikel vom Herausgeber. Das Ziel des Verbandes im jetzigen Kriege ist, den deutschen Militarismus für ewige Zeiten zu vernichten. Das ist nicht, wie England wohl anfangs hoffte, durch einen großen Sieg erreichbar gewesen. Deshalb müssen die Mächte des Verbandes zu ihrem sicher überlegenen wirtschaftlichen Waffen greifen. Nach dem Friedeusschluß setzt ein wirtschaftlicher Verteidigungs⸗ krieg ein gegen die Mittemächte, der auf eine streng durchzuführende Blockade hinausläuft. Auch die Kleinstaaten müssen daran teil⸗ nehmen. Jeder muß sich für Deutschland oder England entscheiden. Wer Deutschland Bedarfsartikel liefert, verlängert die Blockade, ver⸗ letzt also die Neutralität. Gegen eine solche Scheinneutralität müßte England sich wehren. Deutschland als der schuldige Teil hat kein Recht, gleiche Behandlung von den Neutralen zu verlangen. Man könnte versucht sein, das Ganze für ein Hirngespinst zu halten, da eine Blockierung der Mittemächte Europas Ruin und Ohnmacht vollenden würde, vielleicht Amerika oder Japan zum Vor⸗ teil, der Menschheit aber zum Verderb. Trotzdem muß man damit Pulver und Gold. Roman aus dem Kriege 18701871. Von Levin Schücking. „Sie irren,“ sagte der Geistliche.„Madame ist leidend, sie ist gelähmt und kaum imstande, ihren Sessel zu verlassen. Das hat sie gezwungen, auch bei der Annäherung der deut— schen Truppen in diesem unbeschützten Hause zu bleiben.“ „Sie hat sehr wohl daran getan,“ fiel ich ein;„den besten Schutz, den sie finden konnte, wird sie in unserer Rück— sichtnahme auf die Anwesenheit einer leidenden Dame im Hause finden.“ Der Geistliche antwortete mit einer kleinen Verbeugung. „Und jene schlankgewachsene junge Dame, die ich sah?“ „Ist Mademoiselle Kühn, die hier bei ihrer Mutter zu deren Pflege geblieben ist.“ „Ah— das ist sehr brav—“ „Daß sie ihre Pflicht erfüllt?“ „Daß sie uns nicht fürchtet... aber freilich, wie sollte sie auch, da sie im Grunde doch eine Deutsche ist?“ „Ah,“ sagte lächelnd der Geistliche,„Mademoiselle Kühn würde das für kein Kompliment halten. Sie fühlt sich sehr als Französin— sie ist in einem französischen Kloster erzogen und sehr begeistert für Frankreich, sehr erbittert gegen die Deutschen.“ „Und Sie,“ fiel ich ein,„der Sie deutsch reden, also auch wohl Deutschland ein wenig kennen, tun nichts, um Ihre Damen unparteiischer denken zu lassen?“ „Sollen Frauen unparteiisch denken?“ „Legen Sie den Ton dabei auf das„Unparkeiisch“ oder auf das„Denken“?“ „Vielleicht,“ antwortete er, an seinem Glase nippend und lächelnd,„auf beide Worte!“ „Also wie Lessing sagt: Eine Frau, die denkt, ist so piderwärtig wie ein Mann, der sich schminkt. Aber da in Frankreich die Männer, wenn nicht sich, doch all ihr Tun und Treiben sehr stark mit schönen Phrasen zu schminken pflegen, so könnten die Frauen auch beginnen zu denken!“ 0 Distr Nua Dagligt Allehan 4 Linie mit der Fra 0 renz nach dem Kriege völlig vom Nowoje Wremia vom 1 gegen Deutschlan Kriege vollständig ernst genommen. augenblicklich England denken, welche Folgen tritt. tagsabgeordneten Scheidemann, Dr. David, Ebert zum westlichen Kriegsschauplatz und in die okkupierten Ge— biete Nordfrankreichs und Belgiens beendet. für das Studium der Wirtschaftsfragen, [von Bissung Aufklärungen ge beschäftigt haben, wie man die deutsche Konkur⸗ Markte verdrängen kann. Und 6. g. befürwortet einen großen Zollverband 0 d Wie man sieht, wird der Gedanke eines Handelskrieges nach dem Handels⸗ und Verkehrsverhältnisse will, tun klug, bei Zeiten daran zu wenn cinmal Frieden ein⸗ Und die Kleinstaaten, deren „ordnen“ 2 das nach sich zieht, Das deutsch⸗konservative Kriegsziel. Die Deutsche Tageszeitung(Nr. 490 vom 28. September) gstem Druck die folgende Er kLä⸗ 9 f eröffentlicht in auffälli 5 5 ung der deutsch-konservativen Partei: 5 Der Engere Vorstand der deutsch⸗konservativen Partei t trat dieser Tage in Berlin zu einer Besprechung der allge⸗ meinen politischen Lage zusammen. Mit höchster Anerkennung und in begeisterter Dankbarkeit wurde der unvergleichlichen Leistungen unseres Heeres und un⸗ zerer Flotte, der tapseren Mitwirkung unserer Verbündeten und der günstigen militärischen Lage auf allen Kriegsschauplätzen ge⸗ dacht. Dabei wurde der vollen Zuversicht Ausdruck ge⸗ geben, daß die herrlichen Exfolge unserer Waffen die Riesenmacht des rüssischen Feindes endgültig brechen und die nationale Sicher⸗ heit des deutschen Volkes im Osten dauernd gewährleisten werden. Der Engere Vorstand der konservatiwen Partei ist sich zugleich bewußt, daß unter den gewaltigen Aufgaben, die der Weltkrieg dem deutschen Volke gestellt hat, unverrückbar das Ziel im Vorder⸗ grunde bleibt, das er als das wichtigste ansieht. 5 8 die mit allen Mitteln zu erstrebende Niederringung Englands welches den Krieg heraufbeschworen hat und niemals aufhören wird, unsere Stellung in der Welt und unsere weitere Entwicklung für alle Zukunft zu bedrohen und zu unterbinden. Mit der konservativen Gesamtpartei und mit dem ganzen deutschen Volke weiß sich der Engere Vorstand einig in dem Ent⸗ schlusse, vor keinem weiteren Opfer zurückzuschrecken, das erforder⸗ lich ist, um den Krieg bis zu einem dauernden ehrenvollen, die Grundlagen der deutschen Zukunft sichernden Frieden durchzu⸗ führen. Auch für alle zu diesem Zwecke erforderlichen Gebiets⸗ erweiterungen wird er selbstverständlich eintreten. Studienreise sozialdemokratischer Reichstagsabgeordueter. Vier Führer der deutschen Sozialdemokratie, die Reichs⸗ 155 1 0 i und Schöpflin, haben soeben eine Informationsreise Die Reise, die en Ztbeck, die mit dem Krieg zusammenhängen, durch unmittelbare Anschauung Material zu liefern. Den Beginn machte ein kurzer Aufent⸗ halt im Großen Hauptquartier. Darauf führte die Er⸗ kundungsfahrt nach Lille und an die belgische Küste. Sodann ging es nach Brüssel, wo Generalgouverneur über die Zivilverwaltung und nach Antwerpen, wo der Zivil⸗ gouverneur den Parlamentariern über die Bedeutung Ant- werpens als Handelsstadt änteressante Mitteilungen machte. Den Abschluß machte ein Besuch von Mons und Charle⸗ pille, wo die augenblickliche Lage der Industrie und der Arbeiterschaft im Hennegau studiert wurde. Schwere Verluste des Feindes iin Westen. Im Berliner Tageblatt wird über die schweren Verluste der Engländer und Franzosen aus Genf berichtet: In Paris erhielt das Publikum von den schweren Verlusten an Offizieren und Mannschaften bei dem ungeheuren Ringen in Nordfrankreich weder aus den Berichten von French, noch aus dem französischen des Generalstabes die geringste Kunde. Doch geht aus Andeut⸗ ungen der Blätter hervor. daß man in den Pariser Redaktionen über jene erschütternden Zahlen weit genauer unterrichtet ist, als die Zensur mitzuteilen gestattet. In der Fachkritik gibt sich eine gewisse Enttäuschung darüber kund, daß sowohl im Nor⸗ den wie in der Champagne den ersten Vorstö einen privaten Charakter trug, hatte vor allem d Belgiens gab so denken, wie ein persönliches Gefühl oder eine Erfahrung ihres Herzens es sie lehrt, und nichts wird sie davon ab⸗ bringen und„unparteiisch“ zu denken lehren.“ „Und lehrt Fräulein Kühn eine Erfahrung des Herzens, schlecht von den Deutschen zu denken?“ Sein Schweigen mochte mir andeuten sollen, daß das eine indiskrete Frage sei; ich fuhr um desto rascher fort:„Ich sehe, es bleibt also nichts übrig, als daß wir Deutschen hier, wenn wir lange genug bleiben sollten, selber Propaganda für uns und möglichst viel„moralische Eroberungen“ machten!“ „Sie werden, wenn Sie auf letztere ausgehen, uns nicht mit Enceinten(Wällen) und unüberwindlichen Außenforts verschanzt finden,“ sagte höflich der Geistliche. „Desto besser,“ fiel ich lachend ein,„denn dann kann hier unser Feldzug sich ganz in der Ruhe und Stille voll⸗ ziehen, welche Sie für Ihre kranke Dame wünschen müssen. Sind Sie überzeugt, daß Ihre Franktireurs die Ruhe nicht unterbrechen werden, vielleicht nicht diese Nacht schon? Ihre Sympathien werden auf seiten dieser Leute sein, aber Sie werden selber nicht wünschen, daß dies Haus der Schauplatz eines Ueberfalles und eines Kampfes werde... würden wir von einer Uebermacht hier überrascht und niedergehauen, so würden die Unserigen bald da sein, um uns zu rächen, und die nächsten verderblichen Folgen würden Chateau Giron treffen— es würde zerstört, dem Erdboden gleich gemacht werden, man würde die Bewohner...“ „Seien Sie darüber beruhigt,“ fiel der Geistliche, mich mit offenbar sehr erschrockener Miene ansehend, ein.„Wir glauben nicht, daß Franktireurs in der Nähe sind; sollten solche auftauchen, so würde es nicht geschehen können, ohne daß wir von ihrer Annäherung erführen, und dann würden wir es als eine Pflicht gegen Sie, unsere Gäste, betrachten, Sie zu warnen.“ „Nun, mehr verlange ich nicht,“ versetzte ich, dem Geist⸗ lichen, der aufgestanden war, sich zu empfehlen, die Hand reichend. Er nahm sie und verabschiedete sich mit einer Verbeugung gegen die Söhne des Ulanenstammes, die während meiner Unterredung mit ihm sich untereinander laut und lärmend mäßig lange Pause fol Gegner mehrfach befürchtet wird. das Gefecht bei Neuve Chape reich die erste deutsche Linie blutig zurückgeschlagen wurden. neuen blutigen Zusammenstö ßen der Polizei gekommen sei. in Fort Villefranche de Con machten und sich herabließen. ufen werden. die 0 a g In Holland sollen die 8 riegsgewinne zu einer Sonderbesteue rung herangezogen werden. Eine staatliche Kommission zur Ausarbeitung eines bereitung. Polizei von Montreux hat einen Ort südöstlich von Malines Belgier ausgab und behauptete, auch einen Mercier vor. Blättern veröffentlichte Nachricht, Cholera wüte und wonach festgestellt worden seien. Der Gesundheits Mailand sei kein Ch Nielsen, der den neuen S erfunden hat, eine Fabri im Auftrage der dänischer Dieser zeichnet sich nicht nur Billigkeit, sondern auch durch portes aus. aus Tokio der dortige Gerichtsßof in der kürzlich entdeckten Be⸗ stechun as angelegen der des Parlaments wurden ergab, daß der frühere Minister des Parlament die Anna Kriegsmaterials durchzusetzen. alten Garde unserer Partei, ßen eine verhältnis⸗ folgte, lle erinnert, w durchbrachen, vor der Arbeiterunruhen in Rußland. Die Wiener Reichspost läßt sich aus Stockholm berichten, aß es in Hastroma, Kiem, Charlom, Jekaterinoslaw zu zwischen den Arbestern ung 7 75 riegsnolizen. Der Temps meldet, daß zwei deut sche Offiziere die flent, in den Ostpyrenäen, gefanger ontag auf Dienstag ent Nacht von M ich eine Strickleiteß ehalten wurden, in der 8 0 15 aus Bettüchern lohen sind. indem sie sich fortdauern. sol ländischen Fuße Dezember ein be Falls die außergewöhnlichen Zustände er Jahrgang 1916 der nieder! ruppen schon in der zweiten Hälfte des Gesetzentwurfs ift in Vor⸗ eneve bringt unter der Ueberschrist„ de Notiz aus dem Konton Wallis: Di Walliser aus Bagnes leinem Martigny) verhaftet, der sich flir einen von den Deutschen verstümmelten seine Frau und seine Kinder seien füsiliert worden; er zeigte mpfehlungsbrief des Kardinoe Stefani dementiert die von ausländische 1 wonach in ganz Italien in Mailand bereits 600 Fa e Diese Nachricht entbehre jeder Grundl im Königreiche sei ausgezeichnet. olerafall festgestellt morden. rt, hat der dänische Ingenie 0 prengstoff namens Aerolit k bei Jyderup eingerichtet, wo er zunächst 1 Regierung seinen Spreugstoff herstellt. durch seine Sprengwirkung und die völlige Gefahrlosigkeit des Trans- eizerischer Blätt 1. Das Journal de G alscher Belgier“ folgen (Mecheln) wahrscheinlich hm entrissen und E gefälschten Die Agenzia zustand Wie Sozialdemokraten erfäh * 3 Laut der Köln. Itg. hat nach Meldungen sch 19 Mitglie⸗ heit sein Urteil gefällt. mals schuldig besunden. Das Urteil Meinistervräsibent Graf Oura(der gezahlt habe, um Verstärkung des ehemalige Innern) 100 000 Frs. hme einer Vorlage über Parteinachrichten. Ein Sechzigjähriger. den 29. September vollendet Genosse P. Neiß Am Mittwoch, Genosse Reißhaus g haus in Erfurt sein 60. Lebensjahr. 18 zu dem kleinen, immer mehr zusammenschmelzenben flein der die unter den Stü Stürmen und Wetterf des Sozialistengesetzes in der Arbeiterbewegung einexerziert worden ist. Als Ausgewiesener kam er im Jahre 1882 von Berlin nac Erfurt und faßte hier sesten Fuß. Gleich in den folgenden Jahrg beteiligte er sich am öffentlichen Leben Erfurts, kandidierte zum ersten Male bei den Stadtverordnetenwahlen, 1887 bei Septemberwahlen zum Reichstage sür den Kreis Erfurt⸗Schl gen⸗Ziegenrück und ebenso 1890, wo die Partei dann zum e Male mit den Gegnern in Stichwahl kam. Seit 1893 vertritt nosse Reißhaus den Wahlkreis Saalseld⸗Sonneberg im Reich mit Ausnahme der Wahlperiode 1907/1. In der thüringisch sonders aber in der Erfurter Paxteibewegung steht Genosse haus seit jener Zeit in den vordersten Reihen, an der Gründung de Erfurter Parteiblattes, der Tribüne, im Jahre 1889 nahm er d lebhaftesten Anteil. Auch zu den Mitbegründern des deutf Schueiderverbandes im Jahre 1888 zählte er. Genosse Reißth vollendet sein 60. Lebensjahr in erfreulicher stiger und kö licher Frische. Möge ihm noch eine ersprießliche Tätigleit Dienste der Partei und der allgemeinen Arbefterbewegung schieden sein! 19 l 2 „Sie haben ja eine große Freundschaft mit diesem 1 dächtigen Schwarzen geschlossen, Herr von Bernold,“ sagte einer der Ulanen.„Ich würde dem Gesicht nicht über den Weg trauen!“ 0 „Das ist die alte Wahlverwandtschaft zwischen Heiligen und den Rittern!“ rief der beredte Abiturient at „Der Junker braucht den Pfaffen wie der Schäfer den Hund. „Wenn Sie sich in ungehörigen Redensarten ergehet wider Ihren Chef und Kommandoführer, lieber Glauroth! versetzte ich,„so lasse ich Sie die Nacht hindurch zur Strase in dem Karren schlafen, den die Franktireurs zurückgelass haben. Vorläufig können Sie mich auf einer Streifpa begleiten, die ich nach dem Flusse hinab machen will, bevor ic mich zur Ruhe begebe.... Ihr anderen könnt eich legen; aber vergeßt nicht, nach den Pferden zu sehen; sie werden ihn Futter verzehrt haben und müssen getränkt werden.“ Ich ging, und während die anderen lässiger aufbrach. folgte mir Glauroth, der beredte Jüngling. Draußen schie der Mond auf Schloß und Hof und Gärten. Diesen letztere wandte ich mich zu. Da sie hinter dem Schlosse nach del Flußseite hinaus lagen, wollte ich durch sie hinabwandeln um das Flußufer zu erreichen und zu sehen, ob eine Fähre oder eine Laufbrücko unsere Franktireurs dort bei ihre Flucht auf das andere Ufer und in das Bergland da dri aufgenommen habe; war das nicht der Fall, so konnten sie sit immer noch in unserer Nähe versteckt halten und wir muß g dann trotz der Versicherung des Hausgeistlichen auf unsere“ Hut sein. Die Gartenanlagen, die wir betraten, waren schön soviel das Mondlicht erkennen ließ, außerordentlich wo gepflegt. Eine breite Terrasse, dann ein tiefer liegende Grund mit Bassins, Springbrunnen und wasserspeiende Triton und Nereiden oder was diese kalt vom Mondlich übergossenen Figuren darstellten; umher große Blumenb in üppiger Fülle; dann Gänge von niedrigen Spalieren oder sauber geschorenen Hecken eingefaßt; rechts lag das blau Himmelslicht schillernd auf dem langen Glasdach ei Warmhauses, links zog sich ein ähnliches Gebäude, dunklem Schatten daliegend, hin. 9 2 »as sollte das helfen?“ sagte er.„Sie werden immer unterhalten hatten. FTFortsetuna folgt.) Ji U tig Ah a 7 gtr, eri und Nachbargebiete Gießen und Umgebung. g Eine deutsche Kartoffelverteilungsstelle. Am Dienstag fand auf Veranlassung des Reichskanzlers en Düsseldorf unter dem Vorsitz des Staatssekretärs des Innern, Dr. Delbrück, eine Konferenz von Vertretern der Regierung und der Kommunalverbände usw. statt, um über die Frage der Versorgung der westlichen Großstädte und Industriereviere mit Kartoffeln und Milch zu beraten. An den Verhandlungen beteiligten sich u. a. auch der preußische Landwirtschaftsminister, der Handelsminister und der preußische Minister des Innern. Bei der Erörterung der Kartoffelfrage wurde von der Regierung darauf hingewiesen, daß sehr reichliche Kartoffelvorräte im Lande vorhanden und daß alle Befürchtungen über geringe Vorräte vollständig unbegründet seien. Die diesjährige Kartoffelernte werde einen Rekord des letzten Jahrzehnts darstellen. Man rechne mit mindestens 52 Millionen Tonnen Kar⸗ toffeln; vielleicht werde man auch auf eine Summe von 60 Millionen Tonnen kommen und es müsse deshalb dringend vor sogenannten Angstkäufen gewarnt werden. Jeder könne beruhigt darüber sein, daß genügend Kartoffeln zu ange— messenen Preisen auf den Markt kommen. Die Regierung habe in Aussicht genommen, aus den Reihen der Kommunal⸗ verbände insbesondere der Städte, ferner aus den landwirt— schaftlichen Genossenschaften und den Händlern eine gemein— nützige Gesellschaft m. b. Haftung zu bilden, die dafür sorgen soll, daß den Städten und sonstigen Bedarfsverbänden auf ihr besonderes Verlangen hin Kartoffelvorräte als Reserve für die kalte Periode und für eine gewisse Uebergangszeit im Frühjahr zu angemessenen Preisen zugeführt werden. Die Beschaffung dieser Reserven soll durch Vermittlung des Handels erfolgen, dessen freie Betätigung im übrigen in Feiner Weise gehemmt wird. Die Gründung ist denn auch bereits unter dem Namen „Deutsche Kartoffelverteilungsstelle“ erfolgt. Sie hat ihren Sitz in Düsseldorf. Die Verteilungsstelle ar⸗ beitet in Verbindung mit dem deutschen Kartoffelgroß⸗ händlerverband in Düsseldorf. Sie ist unter behördliche Auf⸗ sicht gestellt und will erreichen, daß die Kreise und Städte, die hauptsächlich als Abnehmer in Frage kommen, die Preise sich nicht gegenseitig in die Höhe treiben, indem sie alle mög⸗ lichen Händler und Agenten veranlassen, Kartoffeln aufzu⸗ kaufen oder Angebote einzusenden. Vielmehr sollen die Städte die von ihnen gewünschten Angebote durch die Ver— teilungsstelle einfordern und ihr so Gelegenheit geben, Ware zu billigen Preisen zu beschaffen. Der Schmutz des Geldes. So weit ist wohl heute jeder denkende Mensch in dem Be⸗ wußtsein, was er seiner Gesundheit schuldig ist, gekommen, daß er einen wahren Ekel schon bei dem bloßen Gedanken empfinden würde, ein Geldstück in den Mund zu nehmen. Man stelle sich vor, durch wie viele und was für Hände ein Pfennig oder ein Nickel ge⸗ gangen sein muß, ehe er in den Zustand der Abgegriffenheit und Verfärbung gelangt ist, wie ihn ältere Jahrgänge gewöhnlich auf⸗ weisen. Wieviel Schmutz an einem solchen Geldͤstück klebt, davon erhält man erst einen Begriff, wenn man einen Reinigungsversuch vornimmt. Man kann selbst bei eifriger Arbeit eine lange Weile damit zubringen, ehe es gelingt, die Kruste von schwarzem fettigem Schmutz an einer solchen Münze insoweit zu beseitigen, daß der ursprüngliche Glanz wieder zum Vorschein kommt. Der leichter entfernbare Schmutz der kleinen Münzen besteht zus mehr oder weniger feuchten oder klebrigen Stoffen. Ihr Ur⸗ sprung ist nicht schwer zu erraten. Abgesehen von den natürlichen Ausscheidungen der menschlichen Haut gibt es eine Unzahl von klebrigen Stoffen, die sich an den Fingern der Leute befinden und in vielen Fällen leider geradezu befinden müssen, die am meisten mit dem Kleingeld zu tun haben, also namentlich in den Läden. Die Hände eines Schlachters sind oft noch mit etwas anderem ver⸗ unreinigt als mit Fett, und was von dem Tisch eines Material⸗ warenladens alles auf die Geldstücke übergehen mag, entzieht sich zwar der Gewißheit, nicht aber der Vermutung. Die Gedanken daran sind den zur Reinlichkeit erzogenen Leuten so unangenehm, daß sie sich wohl nur höchst selten die schmutzige Beschaffenheit der Münzen in ihren Händen vergegenwärtigen, geschweige denn über die Möglichkeit grübeln, daß auch die Geldstücke Träger für Krank⸗ heitskeime sein können. Und doch sind sicherlich sehr oft viele krank⸗ heitserregende Bakterien in den Vertiefungen einer Miinze ver⸗ borgen. Auch der bakteriologische Zustand einer Hosen⸗ oder Rock⸗ tasche würde in dieser Hinsicht einer Untersuchung wert sein. 5 Auch ohne eingehende Forschungen dieser Art kann man, ein Bedauern dafür empfinden, daß keine Gelegenheit und vielleicht auch kein Mittel dazu besteht, die schmutzigen Münzen von Zeit zu Zeit einer Reinigung zu unterziehen. Wenigstens sollte dafür an den Stellen gesorgt sein, wo sie sich besonders ansammeln, also an Isentlichen Zahlstellen. Es würde gar nicht schwer sein, Jroße Mengen von Münzen gleichzeitig durch Waschen in heißem Wasser und Seife ziemlich gründlich zu reinigen. Nun sollte man außer⸗ dem glauben, daß ein einigermaßen geschickter Erfinder ohne viel Mühe eine billige und handliche Maschine zur schnellen Reinigung von Münzen herstellen könnte, die an gewissen Orten gute Dienste leisten würde. Vielleicht bedarf es nur einer starken Anxegung, um diese Frage einmal wirksam auf die Tagesordnung zu setzen. Alle Mittel des Geldverkehrs in einem Zustande zu erhalten, 5 den Forderungen der Gesundheitspflege nicht zuwiderlaufen, wir vielleicht niemals erreichbar sein, aber Versuche sollten diesbezüg⸗ lich doch gemacht werden. Ganz besonders wäre es auch angezeigt, das Papiergeld in dieser Hinsicht noch einer viel schärferen 1 5 sichtigung zu unterwerfen. Namentlich auf die kleinen Scheine, die der Krieg uns gebracht hat, die Ein⸗ und Zweimarkschelne, aber auch auf die Fünfmarkscheine und auch auf die Scheine von 1. Wert bis zu 100 Mark trifft der scherzhaft gebrauchte Ausdru Lappen“ nur allzu häufig buchstäblich zu. — Ein Jubiläum der Stadt Gießen. Aus Anlaß der 650jährigen Zugehörigkeit Gießens zu Hessen hielt die Stadtvertretung gestern eine Festsitzung ab. 5 5 Bürgermeistereigebäude wehten die Flaggen, woraus manche aus dem Publikum den Schluß zogen, daß vielleicht wieder ein großer Sieg ersochten, oder am Ende der Friede gesichert sei. Ein Anschlag am Brett klärte aber die Neugierigen über den Grund der festlichen Schmückung auf. Im Stadtverord. netensaale war das Podium mit grünen Pflanzen geschmückt; eine große Anzahl städtischer Beamter wohnte der Sitzung bei. Von den Stadtverordneten waren 15 Mann anwesend. Der Ober bür germ ehster ergriff das Wort und führte u. a. aus; Mitten in dem gewaltigen Völkerringen ist für unsere Stabt ein Gedenktag herangekommen und wenn auch die ernste Zeit des Krieges, der all' unsere Gedanken erfüllt, größere Feierlichkeiten naturgemäß verbietet, so wollen doch die erwählten Vertreter der Stadt eine Stunde dankbarer Erinnerung dem denkwürdigen Er⸗ eignis weihen, daß heute die Stadt Gießen 650 Jahre mit Hessen vereinigt ist. Im Jahre 1265— am 29. September wird es zum erstenmale urkundlich bezeugt— kam Gießen, schon damals mit dem Stadtrecht begabt, an Heinrich, den ersten Landgrafen von Hessen, den Be⸗ gründer des hessischen Fürstenhauses, aus dem Herzogsstamme von Brabant. 1265 und 1915, welche Fülle wechselvollen Geschehens in unserem Hessenlande, in unserem Fürstenhaus, im Staats⸗ und Verfassungsleben, im Städtewesen, nicht zum wenigsten im Werde⸗ gang unserer Stadt Gießen. Aber, so verschieden die Zustände des 13. von denen des 20. Jahrhunderts sind; gerade in der Entwicklung der Städte darf die vergleichende Be⸗ 9 0 2 655 cht ung manche Uebereinstimmung feststellen. 5 Die Glanzzeit im Aufstieg der Städte während des Mittelalters ist das 13. Jahrhundert. Wir sehen die Städte in der Blüte ihrer Kraft auf allen Gebieten, vor⸗ nehmlich in der Pflege eines ausgebreiteten Handels und voll⸗ endeten Gewerbefleißes. Vermöge ihrer stets bewährten Gesinnung ward den Städten bedeutsamer Einfluß auf die Landes⸗ regierung vergönnt und zuerst von allen Ständen sind die Städte zur Landstandschaft gelangt. „Wenn so das Reich die Kräfte ausgelöst hat, welche das Städte⸗ bürgertum zu neuen herrlichen Taten wirtschaftlichen und kul⸗ turellen Schaffens entflammt hat, so wissen wir doch, daß die Wurzeln allen Aufstiegs im heimatlichen Boden, in hei⸗ matlicher Art und Sitte gelegen sind. Als zu Beginn des vorigen Jahrhunderts die Erneuerung des preußischen Staats zur Notwendigkeit wurde, gründete Freiherr vom Stein in beispielloser Kühnheit der Gedanken die Wieder⸗ geburt der Nation auf die freie Selbstverwaltung des Städtebürgertums. Es war der Leitgedanke der Stein- schen Reform, die Verfassung des Staates aus der kommunalen Selbstverwaltung heraus zu entwickeln. Zu allererst wurden die Bürger der Städte zur freiwilligen Teilnahme am Staatswesen aufgerufen. Freiheit und Selbständigkeit in der Verwaltung städtischer Angelegenheiten, daraus folgend Belebung des Gemein— geistes und Bürgersinnes, wie der Vaterlandsliebe und National- 1110— auf diesen Grundlagen sollte der Staat neu aufgebaut werden. Machtvoll sind die Städte durch die freie und ehrenamtliche Arbeit ihrer Bürger emporgestrebt und in stetigem Fortschritt zu hoher Kultur und großem Wohlstand gelangt; immer neue wirt- schaftliche, soziale und kulturelle Aufgaben nahmen sie auf sich auf zahlreichen Gebieten eines mannigfaltigen kommunalen Lebens. Durch den Gemeingeist ihrer Bewohner, durch opferwillige Tat- kraft und Vaterlandsliebe wurden die Städte zu her vorragen⸗ den Gliedern des Staates und nie versagenden Helsern des Vaterlandes. Redner schloß mit einem Hoch auf den Großherzog. — Hierauf verlas der Oberbürgermeister die Glückwunsch⸗ telegramme, die vom Ministerium des Innern, sowie vom Staatsminister v. Ewald eingegangen waren; ferner die Ant— wort, die er darauf abgesandt hat. Vom Großherzog wurde aus Anlaß des Tages dem Oberbürgermeister eine Amtskette gestiftet.— Stadtv. Dr. Ebel hielt hierauf einen längeren Vortrag über die wechselvolle Geschichte Gießens und die Lei⸗ den, welche die Stadt bei den vielen Kämpfen, Truppendurch⸗ dizüg, Belagerungen ꝛc. auszustehen hatte. Natürlich ist es nicht möglich, alle die Daten hier anzuführen, die in der Ge⸗ schichte der Stadt von Bedeutung sind und die zahlreichen Grafen, Landgrafen, Edlen, Ritter usw., die dabei eine Rolle spielten.— An die Sitzung schloß sich eine nichtöffentliche an. — Beutegeschütze in Gießen. Generalkommando hat den hessischen Städten erbeutete Geschütze zur öffentlichen Aufstellung zur Verfügung gestellt. Auch Gießen erhält solche, über deren Aufstellung die Stadtverordneten gestern zu beschließen hatten. Die Geschütze sollen vor der alten Klinik aufgestellt werden. — Der Gießener Herbst-Pferdemarkt, der gestern abge⸗ halten wurde, hatte sehr unter dem ungünstigen Wetter zu leiden, er war vom Publikum so schlecht besucht, wie es kaum je vorher der Fall war. Die Beschickung des Marktes mit Tieren war auch erheblich geringer als früher, was auf den Kriegszustand zurückzuführen ist. Im ganzen waren 90 Pferde und Fohlen aufgetrieben, während bei früheren Märkten etwa 250 Stück gezählt wurden. Unter den zur Prämiierung vorgeführten Arbeitspferden waren recht statt liche Exemplare, doch sah mam auch recht geringes Material. An Prämien wurden insgesamt 1650 Mark zuerkannt; die einzelnen Preise bewegen sich zwischen 80 bis 10 Mark. — Die Untauglichen. In den letzten Tagen wurden die als dauernd Untauglichen aufs neue gemustert. Man nimmt an, daß sich das Leiden, das sie damals untauglich machte, bei vielen inzwischen gehoben hat, und daß sie nun den verschiedenen Truppenteilen oder wenigstens dem Garnisondienste zugeführt wer⸗ den können. Andererseits werden täglich viele, die draußen im Felde gestanden haben, als untauglich erklärt, oder sie werden nummehr für den Garnisondienst bestimmt oder als Soldaten für Arbeit in ihrem Berufe. So nimmt der Staat eine systematische Einteilung des Menschenmaterials nach der Gesundheit und den Körperkräften und Fähigkeiten vor. Immer mehr wird gesiebt und organisiert. Draußen die Gesunden und Starken, in den Garnisonen die Schwä⸗ cheren und im Arbeitsleben, natürlich mit Ausnahmen, diejenigen, die für jene militärischen Dienste nicht zu gebrauchen oder über⸗ flüssig sind.„„ 0 0 Daß solche Einteilung nach körperlicher Kraft und Fähigkeit einem gesunden Grundgedanken entspricht, läßt sich nicht leugnen. Jeder auf dem Platze, für den ihn die Natur geschaffen, und da im Kriege die körperliche Kraft und Gesundheit der richtige leitende Maßstab ist, so soll mit Recht jeder auf dem Posten stehen, den seine körperliche Veranlagung erheischt. 5 8 925 Aber warum kennt man nur im Kriege solche planmäßige Or⸗ ganisierung von einem festen Grundgedanken aus? Müßte nicht auch dem Leben des Friedens solche systematische Einteilung zugute kommen? Müßte nicht auch da jeder zu finden sein, wohin ihn die Natur zwingt, die körperliche und geistige Veranlagung? Warum aber sitzt da oft der Schuster am Katheder, wie sich Bebel einmal aus⸗ drückte, und der Professor auf dem Schusterstuhle? Weil die Vor⸗ aussetzung zur Bildung heute noch eine private, peku niäre Unterlage ist, weil die Entwicklung der natürlichen Fähigkeiten heute noch vom Besitze des Geldes abhängig ist. Und darum sind all die Hunderttausende, die heute nicht mit Glücksgütern gesegnet sind, in unnatürlicher Weise die„Untauglichen“. 5 Würde man auch diese Untauglichen eimmal mustern: gar man⸗ cher hervorragende Ingenieur, der Veranlagung wach, gar mancher talentserte Philosoph, gar mancher hochbegabte organisatorische Kopf wäre darunter. Und wenn man anderseits die Menschen in Amt und Würden einmal mustern würde, dann würden gar viel„Untaug⸗ liche“ darunter zu finden sein. 5 Auch das friedliche Wirtschaftsleben wird darum auch einmal eine Musterung zu bestehen haben und darum haben sich diese„Un⸗ tauglichen“ im heutigen Zusammenleben zu Kampforganisationen zu⸗ sammengeschlossen, die ihnen allein die Tauglichkeit erringen können. Zwar ruß! jet“ dieser Kampf. aber es ist nur eine Kampf pause. Das Wenn die Zeit militärischer Tauglichkeit oder Untauglichlelt vorüber dann werden jene Untauglichen wieder auf ihrem Kampfplatze zu finden sein. 5 Ein Dank an die hessische Landwehr. Anläßlich des im Tages⸗ bericht vom 20. ds Mts. erwähnten tapferen Verhaltens der hess Landwehr entfandte der Großherzog folgendes Telegramm „Wieder vernahm unser Hessenland von Heldenmut und Todesver⸗ achtung der hessischen Landwehr, welche dem feindlichen 1 erfolgreich standgehalten hat. Ich weiß, daß in der Heimat alle Herzen stolz und bankbar der hessischen Helden gedenken und mit mir Gottes ferneren Beistand inbrünstig erflehen. Ernst Ludwig.“ — Stadttheater. Uns wird geschrieben: Wie schon bekannt geben, wird die diesjährige Spielgeit Freitag, den 15, Oktober, er⸗ öffnet. Als Eröffnungsvorstellung hat die Direktion Ludwig Uhlands Schauspiel„Herzog Ernst von Schwaben“ wählt, das mit seiner prächtigen Sprache und der Verherrlichn der deutschen Treue bis in den Tod wohl verdient, gerade in un seren Tagen wieder einmal aufgeführt zu werden.— Trotz der z Zeit vorliegenden Schwierigkeiten ist es Direktor Steingoetter lungen, als Ersatz für ausscheidende Mitglieder Kräfte zu gewinnen, die auch den Ansprüchen jeder Großstabtbühne genügen würden. Gastspicle und Engagements im Sommer in Nauheim rechtserti was Zusammenstellung des Personals betrifft, recht hohe tungen. Es wird in den nächsten Tagen noch Näheres bet gegeben. — Vorsicht bei Vertragsabschlüssen mit Bilderreisendeu. gabe Auf⸗ 0 Reihe von Vorfällen und Klagen zeigen, daß sich auf dem Reisende den Familien gefallener Soldaten aufdrängen, um träge auf photographische Vergrößerungen von Bild und Lieferungen von Rahmen zu unreellen Preisen und 5 ungen zu erhalten. Die Frauen werden vor dieser gewissensos⸗ Ausbeutung gewarnt und gebeten, sich nicht betören zu lassen. V allen Dingen sei man mit dem Unter schreiben bei derarti Geschäften vorsichtig und wende sich lieber an bekannte schäste, die für gewissenhafte Arbeit und solide Preise ach leisten. Wer vor Schaden bewahrt bleiben will, sei solchen 5 reisenden gegenüber vorsichtig und lasse sich auf keinen Abschluß ein. — Die Maul- und Klauenseuche ist in Großen⸗Linden auf. treten; ferner auch in einer Anzahl Orte des Kreises Wetzlar, i Lützellinden, Leun, Katzenfurt, Oberlemp und Odenhausen. 1 Von Nah und Fern. Mainz, 27. Sept. Von einem„deutsch⸗russischen; Bündnis“ in Mainz erzählt man sich folgendes allerliebstes Ge⸗ schichtchen: In Mombach waren bei einem Dreschmaschinenbe mehrere Russen beschäftigt, die von einem Landsturmmann bewa wurden. Zwischen letzterem und dem Dreschmaschinenbesitzer, eine nicht besonders zart besaitete Persönlichkeit sein soll, gab dieser Tage eine Auseinandersetzung, bei der der Dreschmaschinen mann gegen den Landsturmmann tätlich wurde. Dabei hatte aber die Rechnung ohne die Russen gemacht, denn ohne aufge⸗ fordert zu sein, nahmen sie Partet für den Landstürmer und ver⸗ bläuten den Dreschmaschinenmann nach Noten, sodaß er jede Lust weiteren Brutalisierens gegen den Landsturmmann verlor. Aus Furcht vor Strase. In Nürnberg stürzte sich in der Singerstraße eine 13jährige Werkmeistertochter in selbstmörderischer Absicht von einem Fenster ber im 4. Stock gelegenen elterlichen Wohnung aus auf den i herab, wobei sie gräßliche Verletzungen erlitt. Der Grund zur war Furcht vor Strafe. Telegramme. Lagebericht des Großen Haupthuurtierz. Unsere eherne Mauer im Westen. Fortschritte vor Dünaburg. W. B. Großes Hauptquartier, 29. Sept., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Die feindlichen Durchbruchsversuche wurden auf den bis⸗ herigen Angriffsabschnitten mit Erbitterung fortgesetzt. Ein Gegenangriff nach einem abermals gescheiterten eng nördlich von Loos von uns aufgegebenen Geländes. Heftige englische Angriffe aus der Gegend Loos brachen unter star⸗ ken Verlusten zusammen. Wiederholte erbitterte französische Angriffe in Gegend Souchez Neuville wurden teilweise durch zestige Gegenangriffe zurückgewiesen. Auch in der Gegend Champagne blieben alle feind lichen Durchbruchsversuche erfolglos. Ihr einziges Ergebnis mar, daß der Feind nordwestlich Souain in einer Streck von 100 Metern noch nicht wieder aus unseren Gräben ver trieben werden konnte. An dem unbeugsamen Widerstand badischer Bataillone sowie des Rheinischen Reserveinfanterie⸗ regiments Nr. 65 und des Westfälischen Infanterieregiments 2 Nr. 158 brachen sich die unausgesetzt vordringenden französi⸗ schen Angriffswellen. a 5 Die schweren Verluste, die sich der Feind beim oft wieder holten Sturm gegen die Höhen bei Massiges zuzog, waren vergeblich. Die Höhen sind restlos von unseren Truppen ge⸗ halten. Die Versuche der Franzosen, bei Fille morte ver⸗ loren gegangene Gräben wieder zurückzuerobern, scheiterten. Die Gefangenenzahl erhöhte sich. In Flandern wurden zwei englische Flugzeuge herun tergeschossen, die Insassen gefangen genommen. 5 1 Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. Der Augriff südwestlich von Dünaburg ist bis in die Höhe des Swenten⸗Sees vorgedrungen. Südlich des Dryswjaty Sees und bei Postawy dauern die Ka⸗ valleriegefechte an. Unsere Kavallerie hat, nachdem sie die Operationen der; Armee des Generalobersten v. Eichhorn durch Vorgehen gegen di e Flanke des Feindes wirksam unterstützt hatte, die Gegend östlich von Wilajka verlassen. Der Gegner blieb untätig. Westlich von Wilajka wurden unvorsichtig vorgehende feindliche Kolonnen durch Artilleriefeuer zersprengt. Zwischen Smorgon und Wischnew sind unsere Truppen in siegreichem Fortschreiten. ö Bei den Heresgruppen des Generalfeld⸗ marschalls Prinz Leopold von Bayern und des Generalfeldmarschalls v. Mackensen hat sich) nichts Wesentliches ereignet. Heeresgruppe des Generals v. Linsingen. Die Russen sind hinter den Kormin und die Pu tie lowka geworfen. Oberste Heeresleitung. Der österreichisch⸗ungarische Tages bericht Die Verfolgung der Russen in Wolhynien. Alle italienischen Angriffe abgeschlagen. Wien, 29. Sept.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: 29. September 1915. Russischer Kriegsschauplatz. 1 Die Lage in Ostgalizien und an der Ikwa ist unverändert. Feindliche Abteilungen, die westlich von Tarnopol gegen unsere 99 9005 vorzudringen versuchten, wurden durch Feuer ver⸗ trieben. Im wolhynischen Festungsgebiet warfen unsere Truppen den Gegner aus allen westlich der oberen Putilowka ein⸗ gerichteten Nachhutstellungen. Weiter nördlich er stürmten sic das zäh verteidigte Dorf Boguslawka Bei den K. und K. Streitkräften in Litauen verlief der Tag ruhig. 5 Jtalienischer Kriegsschauplatz. Im Stilffer⸗Zoch⸗Gebiete vernichtete unser Ar⸗ tilleriefeuer mehrere feindliche Geschütze. Ein auf der Hochfläche von Vielgereuth nördlich des Coston angesetzter italienischer Angriff brach nach kurzem Feuergefecht zusammen. Gegen den Mrzli Vrh und den Tolmeiner Brückenkopf begann gestern nach⸗ mittag ein sehr heftiges Artilleriefeuer, dem abends je ein Angriff auf den genannten Berg und bei Dolje folgte. Beide Angriffe wurden an unseren Hindernissen abgeschlagen. Bei Dole warfen unsere Truppen den durch zerschossene Hindernisse in die Stellungen eingedrungenen Feind sogleich wieder hinaus Wie immer blieben alle Stellungen fest in unserem Besitz. Im übrigen ging die Gefechtstätigkeit auch an der küstenländischen Front über das gewöhnliche Geschützfeuer und Geplänkel nicht hinaus. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnant. Die Eutscheidung im Westen. i In einer Betrachtung des ungeheuren Ringens im Westen schreibt die Frankf. Ztg. Das deutsche Volk kennt den furchtbaren Ernst des blutigen Ringens, das sich jetzt im Westen abspielt. Mit allen Mitteln versuchen unsere Gegner und werden auch weiterhin noch versuchen, die deutsche Front zu durchbrechen, und daß sie nicht gewillt sind, das gesteckte Ziel so bald wieder preiszugeben, geht mit aller Deutlichkeit auch aus einer Aeußerung des englischen Premierministers Asquith her⸗ vor. Er appellierte in feierlichem Ton an alle Fraktionen des Unterhauses, auf die weitere Behandlung der den Keim inneren Zwistes in sich tragenden Frage der allgemeinen Wehrpflicht zu verzichten.„Denn wir stehen jetzt in einem kritischen Augenblick der Geschichte des Krieges,“ so fügte er als Begründung hinzu.„Wir beobachten mit Interesse, mit Sympathie und Hoffnung die vereinten mutigen An⸗ strengungen der Verbündeten.“ Aus diesen Worten erkennt man, daß die Franzosen umd Engländer im Westen auf die Entschei⸗ dung drängen. Wir sind gerüstet dazu und können mit Zuversicht dem Fortgange des Kampfes entgegensehen. Es ist nicht deutsche Art, in leichtherzigen Jubel auszubrechen, daß es bisher gelungen ist, alle wütenden Durchbruchsver⸗ suche zum Scheitern zu bringen. Aber je härter der Kampf ist, desto mehr stählt sich deutsche Kraft, und an dieser unbe⸗ zwinglichen deutschen Widerstandskraft sind bisher alle die bombastisch angekündigten Offensiven des fran⸗ zösischen Generalissimus zusammengebrochen. wird es auch diesmal sein! Deuten doch bereits zahlreiche Meldungen aus dem feindlichen Hauptquartier darauf hin, daß die großen Hoffnungen, die man auf der Gegenseite an den bis in die letzten Einzelheiten gründlich vorbereiteten ersten Angriff knüpfte, nicht in Erfüllung gegangen sind, und Reuters Sonderdienst hält es bereits für nötig, den unge— bildeten City⸗Lesern zu erzählen, nähere Einzelheiten über 85 französisch⸗englischen Angriffe gäben keinen Grund zu der Annahme, daß der Kampf unter günstigen Bedingungen begonnen habe. Von Nachteil wäre vor allem das schlechte Wetter gewesen, und militärische Sachverständige seien der Meinung, daß der Feind nun starke Kräfte an die bedrohten Stellen ziehen würde. Darauf können unsere Gegner allerdings mit Bestimmtheit rechnen. Nur wäre es ein Wahn von ihnen, wenn sie glauben wollten, was von demselben Reuterschen Bureau gemeldet wird, daß wir dadurch andere Teile unserer Front schwächen müßten. Deutschland ist micht erschöpft, wie unsere Feinde so gerne glauben möchten. Wir verfügen über genügend freie Reserven, die jederzeit und an jedem Ort eingesetzt werden können, ohne daß wir dadurch an irgendeiner anderen Stelle, sei es im Osten oder Westen, unsere Front schwächen. Die Erkennt— nis dieser Tatsache werden wir unseren Gegnern aufzwingen. Französische und englische Schilderungen. Reuter meldet: In Pariis kommen die Verwundeten aus dem Kampf in der Champagne kan, und sie geben die ersten Be⸗ richte über den Anfang der großen Offensive. Die Ehre, den An— griff eröffnet zu haben, kommt den kühnen Kolonialtruppen gu, die durch den General Marchand angeführt wurden. Die Leute stürmten unaufhaltsam fiber das Gelände zwischen den Linien, um zum Angriff überzugehen. Marchand fiel mit einer gefährlichen Wunde im Unterleib; aber seine Leute stürmten mit unwidersteh⸗ licher Kraft nach den vordersten deutschen Linien. Dabei über⸗ holten sie verschiedene Gruppen Deutscher, die sich in vorgeschobenen Verschanzungen befanden. Der Angriff war so überwältigend, daß die französischen berittenen Truppen unter Ansührung des So die ersten Linien der vorausgeschobenen Stellungen hindurchge⸗ brochen worden war, drangen die Angreifenden mit solcher Schnel⸗ ligkeit vor, daß sie trotz des wütenden Gegenangriffes des Feindes bis zu den Artilleriestellungen vordringen konnten, wo sie die Kanonen von Deutschen aller Waffengattungen umringt fanden, die aus den Laufgräben geflüchtet waren und die dann umzingelt und gefangen genommen wurden. Der Nieuwe Rotterdamsche Courant berichtet aus London: Die Blätter enthalten Berichte über die O8ffensive an der Westfront, datiert vom 26. September, die jedoch erst gestern abend durch den Zensor freigegeben wurden. Sie enthalten nicht viel Neues, sie geben jedoch den Eindruck von der Heftigkeit der Beschießung, die 70 Stunden lang ohne Unterbrechung fortgedauert hat. Daily Chronicle und Daily Telegraph melden, daß es noch niemals seit Beginn des Krieges ein so heftiges Ar⸗ tilleriefeuer gegeben habe. Alle Zeitungskorrespondenten sprechen iiber die Gefangenen. Buchan von der Times und Daily News erklärt: Die Kriegsgefangenen waren Männer von kräftiger Körperbeschaffenheit, die besser aussahen, als ich solche je zuvor unter den deutschen Truppen gesehen habe. Es waren jedoch auch verschiedene junge Leute darunter und auch eine nicht unbedeutende Zahl von Männern reiferen Alters mit dem schwarz⸗goldenen Knopf des Landsturms auf der Mütze. Die meisten waren jedoch gutgebaute junge Leute, der Typus der Landbewohner. Sie zeigten keinerlei Befangenheit. Sie führten rasch aus, was ihnen befohlen wurde, und einer der ihren, der sich irrte, erhielt von seinem Sergeanten die Mahnung, er solle sich erinnern, daß er ein Deut⸗ scher sei und den Engländern zu zeigen habe, daß er wisse, wie er sich zu betragen hätte. Die meisten schienen trotz ihrer Ermüdung guter Stimmung zu sein. Einzelne der jüngeren Kanoniere schie⸗ nen geneigt, über strategische Fragen zu sprcchen. Sie schrieben den englischen Erfolg der Tatsache zu, daß die Engländer das deutsche Beispiel befolgt hätten. Ein Heer, das aus solchrn Soldaten besteht, darf nicht unterschätzt werden. Aber es ist unmöglich, sich nicht die Frage vorzulegen, ob der kriegerische Geist dieser Leute ebenso hoch steht, wie ihre körperliche Beschaffenheit und ihr unver⸗ kennbar guter Drill. Ganze Kompagnien waren abgeschnitten und gefangen genommen worden. Kaum einer von 50 hatte eine Ver⸗ wundung. Zusammenbruch der russischen Offensive. Aus Wien wird der Frankf. Ztg. geschrieben: Wie sehr die russische Offensive im wolhynischen Festungsgebiet zusammenbrach, beweist wohl am deut⸗ lichsten der Rückzug in einem Tage bis hinter die Put i⸗ lowka in dem Raum von Olyka, das ist in einem Zug eine Marschleistung von 35 bis 40 Kilometer, durch die sie den ganzen mit so schweren Opfern erkauften Geländeab⸗ schnitt zwischen diesem Flusse und dem Styr wieder preis⸗ gab. Einen so ausgedehnten Raum, um den man hartnäckig gerungen hatte, mit einem Schlage zu opfern, hat den energischen Führer General Jwanow sicher einen schweren Entschluß gekostet und nur triftige Gründe können ihn dazu veranlaßt haben. In erster Linie scheint wohl die drohende Umklammerung durch die Heeresgruppe Linsingen, die zur Verstärkung herangeführt worden war, schon sehr vorge⸗ schritten zu sein. Diese Gruppe hatte sich den Uebergang über den Styr beiderseits Roziszeze erzwungen und drang unaufhaltsam gegen den Nordflügel, der im großen Bogen zwischen diesem Ort und Dubno stand, vor. Blieben die Russen stehen, so war die Umklammerung eine sichere Folge. Die energischen Verfolger warfen alle feindlichen Nach⸗ huten kräftig zurück. Unserer Führung ist es gelungen, durch eine glänzende Operation die einige Zeit hindurch schwierige Lage mit einem wohldurchdachten Schlage zu einem be⸗ deutenden Sieg umzuwandeln. Giolitti über den Krieg. Die Augsburger Postzeitung gibt folgende an den Leiter einer großen Schiffahrtsgesellschaft gerichtete Aeußerung Giolittis wie⸗ der:„Ob dieser Krieg überhaupt auf dem Schlachtselde entschieden wird, ist fraglich; weder Sieger noch Besiegte werden es bis zur letzten Konsequenz kommen lassen. Bei der gegenwärtigen politi⸗ schen Lage sei es ganz ausgeschlossen, daß die Mächtegruppen nach dem Kriege dieselben bleiben. Aus Feinden werden Freunde und aus Freunden Feinde. Diese politischen Neugruppierungen, die sich vielleicht schon während des Krieges vollziehen können, werden den Krieg eventuell zu einem frühzeitigen Ende führen. Sehr viel wird für den Ausgang des Krieges auch davon abhängen, wie sich schließlich die Gruppierung der Balkanstaaten gestalten wird. Es ist wie beim Schachspiel, bei aufmerksamem Spiel kann die Partie sehr lange dauern, doch ein falscher Zug kann die Partie über⸗ raschend schnell und rettungslos zugrunde richten. Ich habe die 1 1 N als ob eine Mächtegruppe einen falschen Zug getan hätte.“ 15 Keine deutschen Friedensbemühungen. Berlin, 29. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die Nord⸗ deutsche Allgemeine Zeitung schreibt: Von verschiedenen Seiten hören wir, daß wieder einmal die Mär herumgetragen wird, als trage der Reichskanzler sich seit längerer Zeit mit dem Gedanken eines vorzeitigen und übereilten Friedens mit England. Kommentare, die an eine Entschließung des engeren Vorstandes der konservativen Partei geknüpft wurden, deuten an, daß auch bei dieser Kundgebung solche Gerüchte mitgespielt haben. Wir sind er⸗ mächtigt, nochmals diese Gerüchte als unbegründete und bösartige, die Interessen des Reiches schädigende Treiberei zu bezeichnen. Budapest, 29. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Der Berliner Korrespondent des Pester Lloyd meldet, bezüglich der Meldung der Petersburger Telegraphenagentur, daß das deutsche Heer in Polen bemüht sei, eine Grundlage für die Friedensbedingungen zu schaffen: In der Umgebung der Petersburger Telegraphenagentur hätte man wirklich wissen müssen, daß an einem solchen Gerede kein wahres Wort ist und für Deutschland und seine Ver⸗ bündeten gar kein Grund vorliegt, über Hals und Kopf Frieden zu schließen. Der andere hätte das vielleicht nötiger. 0* ** 3 8 7 5 2 E Die Vernichtung des„Benedetto Brin Der Untergang des„Brin“ schmerzt Italien um so mehr die italfenische Flotte bisher kein österreichisches 11e 0 nichtet hat. Neben 100 Mann sind nicht weniger als 25 0 A 5 Sanden achricht wurde aber 24 Stun. 0 Einzelheiten wurde bis jetzt nur bekannt gegeben, daß die Explosion durch einen Brand in der Pulverkammer entstand und das Schiff bis zur Unbrauchbarkeit in den wichtigsten Teilen zerstörte.„Brin“ war ein Divisions⸗Admiralschiff. Die Leiche des verunglückten Kontreadmirals Rubin ist bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Die Presse vom Schlage des Secolo sucht natürlich die Ursache im Ver⸗ rat ausländischer Agenten. Er weist darauf hin, daß gestern auch auf dem Hilfskreuzer„Piemonte, im Hafen von Syrakus infolge Kurzschlusses ein Brand mit nachfolgender Ex⸗ plosion der Pulver kammer stattgefunden hat, deren Wirkung jedoch beschränkt werden konnte. Der Hinweis der ita⸗ lienischen Presse auf ähnliche im gehalten. Von Verluste, namentlich der französischen Marine infolge von Fahrlässigkeit, läßt niemanden vergessen, daß es der Stolz der italienischen Marine bisher war, solche Unglücks⸗ fälle vermieden zu haben. 5. 5„„„ 18 0 1 Der türkische Tagesbericht. Konstantinopel, 29. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier berichtet von der Da rd anellen⸗ front: In der Nacht zum 27. September unternahmen unsere aufklärenden Kolonnen bei Anaforta einen über⸗ raschenden Angriff mit Bomben auf die feindlichen Schützen⸗ gröben. Wir erbeuteten über 50 Gewehre, Bajonette und Ferngläser. Bei Ari Burn u brachten unsere auf dem rechten Flügel stehenden Batterien eine feindliche Batterie von drei Geschützen zum Schweigen und zerstörten ein Ge⸗ schütz. Bei Sedd⸗ül⸗Bahr am 27. September auf der ganzen Front beiderseitiges Gewehrfeuer, auf dem linken Flügel Artillerieduell, Kampf mit Bomben im Zentrum. Einige fünfzig Feinde suchten anzugreifen, waren aber kaum einige Schritte von ihren Unterständen entfernt, als sie größtenteils durch unser Feuer vernichtet wurden. Der Rest flüchtete in die Schützengräben zurück. Am 27. September traf eines unserer Flugzeuge mit einer Bombe die feindliche Flugzeughalle auf Lemnos. Vereinskalender. Donnerstag, 30 September. Gießen. Wahlverein Abends 9 Uhr: Mitgliederver⸗ sammlung. Vortrag des Genossen S. Katzenstein⸗ Berlin liber: Die gegenwärtige Lage. 1 55 Die Marktpreise für Vieh und Frucht 1 und die Gießener Fleisch⸗ und Brotpreise am 27. September 1915 Schlachtviehpreise in Frankfurt a. M. Fleischpreise iu Gießen Kälber 2 22—142 Pf Schweine/* 170-190„ ½„ 180—000„ Getreidepreise in Mannheim. Brotpreise in Gießen 100 kg 27.00 Mk. Höchstpreis] Weißbrot 28.00„ Ochsen 50 be Schlachtgewicht 112—185 Net. 17 7 5 1„ Weizen Roggen Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen. a Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach ANN Neu! Konkurrenzlos! Neu! (D. R.⸗Patent 130568) für Gelee, Honig, Butter, Schmalz, Fleischwaren ꝛse. N Prakkischer, vorteilhafter und billiger als Blech oder Glas⸗Packung.—— Preis für 1 Pfund⸗ Packung nur Bahnhofstraße 23. Das Unglück geschah bereits am Dienstag„die Versand⸗Karton 1 f 1 Ig 110120 Pf. 2 kg. Pfg. Höchstpreis] Schwarzbrot 2, 68„„ 3 4 N. DD — 25. 1 Oberhessische Volkgzeitung Gießen E Ankauf. Alteisen, Lumpen, Knochen, Papier, Kupfer, Messina, Zink, Zinn, Blei, bei Louis Rothenberger Nenenweg 22. L 1 * Rheumatis mus, Ischias u. Gicht können Sie selbst belcämpfen. Ich will nichts verkanfen. Für Aus- kunft Freimarke beifügen. Brandt, kriegschulbeamter a. U. Halle a. S. 438, Jakobstr. 44. zu verkehren, ist Pflicht eines jeden terstützt der Arbeiter sein eig. eim organisierten Arbeitens. Durch den Besuch desdewerkschaftshauses un-