9 8 2 1 ichtbaren Krieg mitkämpfen unter auderm aus: Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Die Oberbessische Volksseitung erscheint jeden Werktag Abend in Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich 60 Pfg. einschl. Vringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl.1. S0 Mk. Redaktion und Expedition Gießen, Bahnhofstraße 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Inserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 225 Gießen, Samstag, den 25. September 1915 10. Jahrgang Zwischen Sozialdemakratie und Staat. Richard Calwer, der sich einstmals selbst zur Sozial- demokratie rechnete, beschäftigt sich im Tag mit der Stellung des Staates zur Sozjaldemokratie nach dem Krieg und führt dabei Anders, ganz anders werden sich die Dinge auf dem wirt— schaftlichen und politischen Kampfplatz nach dem Kriege voll— ziehen. Dort werden die materiellen Interessen wieder im Vordergrund stehen, man wird von seinem Be— sitz und von seinen Rechten nichts aufgeben wollen, soweit es nicht im Kampfe abgerungen wird. An dieser Tatsache ist nicht zu rütteln: sie vermögen die besten Absichten und die idealsten Gesinnungen nicht zu erschüttern. Eine andere Frage ist freilich die, welche Stellung die Staatsleitung gegenüber der Sozialdemokratie, gegenüber den Gewerkschaften und gegenüber den Ge— nossenschaften einnehmen wird. Sicherlich ist die Re— gierung in der Freiheit ihrer Stellungnahme durch die Schranken eingeengt, die sich aus der ganzen parlamentarischen Situation ergeben. Aber innerhalb dieser Schranken muß und kann sie doch den Blick weiter hinaus in die Zukunft des deut— schen Volkes lenken und eine Initiative entfalten, durch die die wirksame Eingliederung der Sozialdemokratie in den staatlichen Rahmen erreicht wird. Durch die Haltung der Sozialdemokratie in den Stun⸗ den der Not ist bewiesen, daß diese Partei die Vorbeding— ungen für die politische Gleichberechtigung ihrer Anhängerschaft erfüllt hat, daß sie reif ist, zur staatlichen Mitarbeit und zur politischen Verantwortung herangezogen zu werden. Nie viel⸗ leicht kommt noch einmal ein so günstiger Augenblick, in dem die Staatsleitung die Sozialdemokratie zur positiven Mit⸗ arbeit an den Aufgaben der inneren Politik heranziehen kann. Im Interesse der Zukunft des deutschen Volkes ist es wünschenswert, daß man die Gelegenheit nicht vorübergehen läßt, diesen Augenblickzu nützen, das Eisen zu schmie⸗ den, solange es heiß ist. Daß sich gegen eine solche Initiative der Staatsleitung starke Widerstände geltend machen würden, das ist frei⸗ lich nicht zu bestreiten, aber eine Regierung ist nach einem sieg⸗ reichen Kriege innerpolitisch so stark, daß sie eine neue Aera trotz solcher Widersprüche inaugurieren kann. Man hüte sich vor allem, eine solche Wendung etwa davon 1 1 1 9 f Lämpfe annehmen, das wird nicht von der Sozialdemokratie allein 1 1 0 1 9 5 1 ö 9 ird, insofern ganz richtig, daß dann der materielle Interessen— 1 jildemokratie das bente. Wir glauben ihm aber versichern zu können— be s Hamb. Echo— daß er in der Hinsicht eine große Enttäuschung hrausamkeiten der Russen gegen eigene Untertanen abhängig machen zu wollen, daß man gewissermaßen ein A b— schwören bisheriger Grundsätze von der Sozial⸗ demokratie verlangt. Dies verlangen hieße nichts anderes, als die wirkliche Eingliederung der Sozialdemokratie in das Staats- ganze hinausschieben. Man begnüge sich mit der Tatsache des Verhaltens der Sozialdemokratie in diesem Kriege, alles übrige wird die innere Entwicklung innerhalb der sozialdemokratischen Partei selbst vollbringen. Calwer beurteilt die Situation, die nach dem Kriege eintreten mpf unweigerlich wieder in den Vordergrund treten wird. (benso werden auch die Parteiunterschiede und ⸗gegensätze un⸗ elfelhaft wieder sich geltend machen. Das ist eine Selbstver— ndlichkeit für alle, die den„Burgfrieden“ für das genommen en, was er ist und einzig sein kann: ein stillschweigender afsenstillstand im Innern, solange draußen der Krieg tobt, in dem es sich um die Existenz des Vaterlandes und der nationalen gultur dreht. r 2 Welche Formen die nach dem Kriege wieder auflebenden kshängen, sondern viefmehr— auch darin hat Calwer recht— von der Haltung des Staates, aber auch von der Haltung der übrigen arteien gegenüber der Sozialdemokratie 1 Daß die„wirksame Eingliederung der Sozialdemokratie in En staatlichen Rahmen“, das heißt die positive Mitarbeit ir Sozialdemokratie an den Aufgaben des Staates, bisher nicht Jer doch nicht im ausreichenden Maße stattgefunden bat, ist nicht schuld der Sozialdemokratie, die zu solcher positiven Mitarbeit, wo im Allgemeininteresse und im besondern im Interesse der Ar— hliter lag, immer bereit gewesen ist. „Wenn Calwer aber von einem„besonders günstigen Augen— ick“ für die Heranziehung der Sozialdemokratie zur positiven llitarbeit spricht und der Regierung rät, das Eisen zu schmieden, ange es heiß ist, so verrät er damit, daß er von der Sozial⸗ nokratie mehr und anderes als die Bereitwilligkeit zur positiven sktarbeit erwartet. Er warnt die Regierung zwar, von der So⸗ Abschwören bisheriger Grund⸗ tze zu verlangen: er scheint aber auf eine Stimmung in der Abeiterschaft zu rechnen, die zu etwas Aehnlichem geneigt 1 bemerk geben wird. Die sozialdemokratische Arbeiterschaft ist sich in seragroßen Mehrheit der bitteren Notwendigkeit bewußt, den f zu müssen. Aber sie hat darum der ihre Grundsätze noch ihre Ideale aufge⸗ eben und wird nach dem Kriege für sie weiterkämpfen, l darauf die Zukunft ihrer Klasse beruht. 5 Die Formen der Zukunftskämpfe werden dann abhängen n dem Maße des Entgegenkommens' das die Regierung und die ügerlichen Parteien den Wünschen und Forderungen entgegen⸗ (igen. Das Ziel der Kämpfe wird dadurch nicht berührt. ces steckt sich die Sozialdemokratse selbst.— * 0 Wien, 21. Sept. Aus dem Kriegs ssequartier wird 4 67 gspresseq f ae zeldet: Ein Bericht des in Kisfelin errichtet gewesenen öster⸗ Hisch⸗ungarischen Kommandos enthält folgende Darstellung: 9 1 Darunter befand sich ein Kolonist mit seiner ruhrkranken Frau und seinem ein Jahr alten Rückzuges in das Hinterland geschleppt. Knaben. Die schwerkranke Frau, die sich in gesegneten Umständen befand, wurde auf einem landesüblichen Fuhrwerk verladen. Der Mann mußte mit dem Knaben notdürftig bekleidet, gegen 50 Werst zu Fuß zurücklegen. Infolge der übermenschlichen Anstrengungen, Eutbehrungen und Schrecknisse der Reise trat bei der völlig erschöpf⸗ ien Frau Frühgeburt ein. Das Kind starb einige Stunden nach der Geburt und wurde von den Russen im nächsten Walde aus dem Wagen geworfen, ebenso bald darauf die arme Mutter, obwohl sie noch lebte. Dem Maune gelang es, in der darauffolgenden Nacht mit dem Knaben am Arm zu entwischen und seine halbtote Frau in dem versumpften Walde wiederzufinden. Unter unsäglichen Schwie⸗ rigkeiten brachte er sie mit einem Wagen in das mittlerweile von uns besetzte Kisielin und in ein Feldspital. Die Wahrheit der Angaben, des Kolonisten bestätigten der über seine Frau abgegebene ärztliche Befund und die Aussagen zweier zu gleicher Zeit dort eingetroffenen kranken Kolonisten, denen es ebenfalls gelungen war, den Russen zu entwischen. Die schwer ruhrkvanke, durch die Frühgeburt und die fürchterlichen Entbehrungen herabgekommene Frau war nicht im Stande, sich irgendwie verständlich zu machen, doch war Hoffnung vorhanden, ihr Leben zu erhalten. Die von dem Feldspital erhal⸗ tenen Arzneien, Eßwaren, Wein und Wäsche wollte der arme Kolo— nist, dessen ganzes Hab und Gut vollständig vernichtet war, mit dem letzten ihm verbliebenen Gelde zahlen und konnte kaum begreifen, aus and beschenkt zu werden. Alle diese Kolonisten, durch⸗ Feinde 2201 deutsch sprechende Leute, erzählen entsetzliche Einzelheiten über die grenzenlose Grausamkeit der Kosaken, die alles niederbrennen und verwüsten. Eine deutsche Sprachverordnung in Warschau. Die deutsche Militärverwaltung in Warschau hat ange⸗ ordnet, daß sämtliche russische Aufschriften auf allen öffent⸗ lichen Gebäuden bis zum 1. September entfernt werden müssen. Die russischen Straßennamen, sowie alle russischen Aufschriften auf Privathäusern, öffentlichen Lokalen, alle Geschäftsschilder usw. müssen bis zum 20. September ver— schwinden oder durch polnische ersetzt werden. Nur die Straßentafeln müssen zweisprachig, das heißt deutsch und polnisch, sein. Der Seekrieg. Ein französisches Propiantschiff versenkt. Paris, 23. Sept. Den Blättern wird aus London ge— meldet, daß ein französisches Verproviantierungsschiff auf der Südseite der Insel Kreta durch ein feindliches Unterseeboot versenkt worden ist. Die Besatzung wurde gerettet. Eugland und der dänische Handel. Kopenhagen, 23. Sept. Die Engländer halten seit Sonntag den dänischen Amerika-Routendampfer„Oskar II.“ mit 400 Passa⸗ gieren und großer Post in Kirkwall zurück. Der Dampfer bringt eine große Ladung amerikanischen Specks mit, der von den däni— schen Abnehmern wegen der hohen Schweinefleischpreise in Däne— mark gekauft wurde. Die Engländer befürchten, daß eine weitere Ausfuhr nach Deutschland beabsichtigt sei. Wahrscheinlich muß die dänische Regierung zwecks Freigabe des Schiffes das Ver⸗ bleiben der ganzen Speckladung in Dänemark garantieren. Der U VBootkrieg und Norwegen. Kristiania, 23. Sept.(W. B. Nichtamtlich.) Das deutsche Auswärtige Amt teilte der norwegischen Gosandt⸗ schaft in Berlin mit, daß aus Anlaß des Unterganges der Dampfer„Rym“ und„Peil“ eingehende Untersuchungen angestellt wurden. Der Inhalt des norwegischen Berichtes, den die Gesandtschaft dem deutschen Auswärtigen Amt zuge— stellt hatte, wurde mit den dienstlichen Berichten verglichen die sämtliche U-Boots⸗Befehlshaber abgaben, die zur Zeit des Unterganges im fraglichen Gebiet Dienst taten. Kein Bericht ergab einen Anhaltspunkt für die Annahme, daß die Dampfer durch deutsche U-Boote in Grund gebohrt worden 501 seien. Ein neues deutsches Minenfeld im Sund. T. U. Kopenhagen, 23. Sept. Nach einer eingetroffenen Mel— dung werden die Deutschen am Südausgange des Sundes auf internationalem Gebiete Minen legen. Die Wirkung des Minen⸗ feldes beginnt am 24. September. Das dänische Marineministerium wird morgen eine Bekanntmachung erlassen, worin die Lage der Minenselder genau angegeben ist und Auweisungen für die Schiff⸗ fahrt enthalten werde. Die neutrale Schiffahrt wird durch das Minenfeld nicht behindert. Der Dampfer„Königin Emma“ gesunken. T. U. Ainsterdam, 23. Sept. Wie das Handelsblad meldet, ist der auf eine Mine geratene Dampfer„Königin Emma“, der sich an⸗ fänglich noch über Wasser halten konnte, nunmehr gesunken. Die Passagiere konnten sämtlich gerettet werden. In den Grund gebohrt. Kristiansand, 23. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Der schwe⸗ dische Dampfer„Forsvil“ aus Kristineham, mit Kohlen aus Hull nach Stockholm unterwegs, wurde am 19. September durch eine Mine oder ein Torpedo in den Grund gebohrt; die Mannschast ist in Kristiansand gelandet worden. 48 2 Die U⸗Bootfrage. Nach einer Meldung der Times aus Washington hat der Associated Preß über die U-Bootfrage folgendes geäußert: Passagierschiffe werden nicht ohne vorherige Warnung angegriffen, wenn sie den maritimen Code beachten, und sie werden nur versenkt, wenn die Möglichkeit vorliegt, die Men⸗ schen zu retten. Es ist hauptsächlich Sache unserer Feinde, ihre Kapitäne zu instruieren, keine verdächtige oder feindliche Aktion und auch keinen Fluchtversuch zu unternehmen. Es wäre vielleicht am besten, die Anweisungen, Unterseeboote anzugreifen, sowie die ausgesetzten Prämien für solche Taten zurückzuziehen. Neutrale Handelsschiffe einschließ⸗ lich der amerikanischen, werden nicht angegriffen, wenn sie nicht Bannware führen, und' sie werden nur versenkt, wenn die an Bord befindlichen Menschen in Sicherheit sind. Zum Schluß des Interviews erklärte v. Jagow, die kaiserliche Regierung hoffe bestimmt, daß eine volle Ver⸗ ständigung erzielt wird, die in Zukunft Schwierig⸗ keiten mit Amerika bezüglich der Unterseeboote unmöglich mache. Der Nieuwe Rotterdamsche Courant meldet hierzu aus Washington: Die Presse bespricht mit Genugtuung das nach Newyork gelangte Interview mit dem Minister von Jagow bezüglich des Unterseebootkrieges. Obwohl sich Re⸗ gierungspersönlichkeiten weigern, Erklärungen abzugeben, so vorlautet doch, daß die versöhnlichen Erklärungen Jagows als ein günstiges Zeichen betrachtet Werden. Schutzzölle in England. Seit laugen Jahren spielte in der inneren Politik Groß⸗Britan⸗ niens der Kampf der Schutzzöllner gegen den die englische Wirt⸗ schaftspolittk beherrschenden Freihandel eine große Rolle. Man er⸗ innert sich, daß es insbesondere Joe Chamberlain war, der für die Schutzzölle agitierte, die um das ganze englische Weltreich eine Mauer ziehen sollten und von denen er erwartete, daß sie durch die Ausschaltung der ausländischen Konkurrenz, durch die Sicherung des englischen Marktes für die britischen Kolonieen und des kolonialen Marktes für die englische Industrie den Zusammenhang zwischen den Dominions und dem Mutterlande befestigen würden. Das englische Volk in seiner weitaus überwiegenden Mehrheit hatte aber keine Neigung, darauf einzugehen, da es von Schutzzöllen in erster Linie eine Verteuerung seiner gesamten Lebenshaltung befürchtete. Die Unionisten, die zum Teil sich zum Schutzzollprogramm bekehrt hatten, wurden bei den vorletzten Unterhauswahlen entscheidend geschlagen und wenn auch die letzten Wahlen bei dem in England üblichen Wechsel der beiden Parteien eine Stärkung der Konservativen er⸗ gaben, so behielten die freihändlerischen Liberalen, zu denen mit einem erheblichen Mandatgewinn die Arbeiterpartei kam, die Mehr⸗ heit. Der Krieg hat auch hierin einen Wandel eintreten lassen. Groß⸗ Britannien führt einen teuren Krieg. zumal es nicht nur seine eigenen Kriegsausgaben aufbringen, sondern auch seinen Verbün⸗ deten finanziell helfen muß. Mit Kriegsanleihen hat man in Eng⸗ land bisher keine allzugünstigen Erfahrungen gemacht und deshalb wurde das neue Budget durch Steuererhöhungen, insbesondere für die hohen Einkommen, sowie durch neue Zölle ins Gleichgewicht gebracht. Autos, Kinofilme, Uhren. Maschinen, Instrumente, Spiegelglas und Hüte sind nun mit Zöllen belegt und die einzigen Einfuhrzölle, die es bisher in England gab, die auf Tabak und Spiritus, sind ganz bedeutend erhöht worden. Mit einem Schlage ist England, der Hort des r 5, unter die Schutzzollstaaten eingerückt. nung hat noch nicht so nasch um⸗ 0 5 die Daily News, bezeichnet die Schutzzölle als eine unnötige und schlechterwogene Maßregel, die zwar nur vorläufigen Charakter hat, aber doch gefährliche Folgen bringen könne. l Natürlich läßt sich jetzt noch in keiuer Weise überblicken, ob Eng⸗ land die Schutzzölle auch nach dem Kriege beibehalten wird. Die Kriegshaltung der sranzösischen 3 Sozialisten. Wie wir seinerzeit berichteten, wurde von der Schweiz aus das Gerücht verbreitet, daß sich innerhalb der französi⸗ schen Partei eine Opposition gegen die offizielle Kriegshal⸗ tung bemerkbar mache. Demgegenüber erläßt der Partei- sekretär Louis Dubreuilh in der Humanité vom 17. Sep⸗ tember folgende Erklärung:„... Der permanente Ver⸗ waltungsausschuß der Partei erinnert daran, daß seine Handlungsweise sowie die der sozialistischen Fraktion die ein⸗ stimmige Billigung der Partei gefunden hat, wie dies aus dem Beschluß der am 14. und 15. Juli 1915 stattgefundenen Konferenz des Nationalrats hervorgeht; in dieser Versamm⸗ lung stimmten die Delegierten der Verbände der Departe⸗ ments für eine Resolution, die mit folgendem Satze schloß: „Der Nationalrat billigt von neuem die Aktion, die der Ver⸗ waltungsausschuß und die Fraktion seit dem Beginn des Krieges unternommen haben, und erteilt ihnen das Mandat, im selben Geiste unbeugsamer Entschlossenheit das Werk der nationalen Verteidigung zu verfolgen.“ Der Verwaltungs- ausschuß erinnert ferner daran, daß dieselbe Aktion und die⸗ selbe Haltung schon am 11. Juli 1915 von den Sektionen von „Bon den zahlreichen in Kisielln lebenden deutschen Kolo⸗ isten wurden sehr viel von den Russen vor und während des der Staatsseknatär von Jagow gegenüber einem Vertreter 9523 gegen 334 Stimmen Paris und der Seine auf ihrer Verbandsversammlung mit und 197 Enthaltungen gebilligt Wurden. Diese Tatsachen sind so bekannt, daß sie niemand innerhalb und außerhalb Frankreichs mißverstehen kann. Die Haltung der„Vataille Syndicaliste“. Wir haben bereits bemerkt, daß unter der sozialistischen und Arbeiterpresse von Paris die Bataille Syndicaliste sich im allge⸗ mernen noch verhältnismäßig auständig gegenüber der deutschen sozialistischen und gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung benimmt. Jedeufalls anständiger als die Humanité, die mit Ausnahme Rouanets durch und durch nationalistisch geworden ist. Von den Mitarbeitern der Bat. Synd. ist nur der holländische Anarchist Chr. Cornelissen absolut deutschfeindlich. Hieraus darf jedoch nicht ge⸗ schlossen werden, daß bie syndikalistische Tageszeitung sich wirklich die Mühe genommen habe, die verschiedenen diplomatischen Doku⸗ mente zu studieren und sich über die Ursachen und Anstöße zum Welt⸗ krieg ein selbständiges Urteil zu bilden. In der Rummer vom 30. August beklagt sich ein Arbeiter, daß die Zeitung alle Schuld den Deutschen in die Schuhe schiebe und nur„von der deutschen mili⸗ taristischen Barbarei“ spreche, während doch die französische Repu⸗ blik sich ganz schreckliche Taten in Marokko habe zuschulden kommen lossen und sich mit dem blutigen Zarismus verbündet habe. Der Arbeiter führt weiter aus:„Dieser Krieg, den die Bourgeoiste in Frankreich gewünscht und seit 15 oder 20 Jahren vorbereitet hat, wird einen ungeheuren Rückgang der Befreiungsideen zur Folge haben.“ Jedoch sei es jetzt unmöglich, sich weiter darüber auszu⸗ lassen, da„wir durch eine zäsaristische Regierung erdrosselt werden.“ Hierauf antwortet die Redaktion in einem dreispaltigen Leitartikel, daß Deutschland schuld an dieser Katastrophe sei, da es Oester reich nicht abgehalten habe, gegen Serbien vorzugehen, und daß der Krieg doch nützlich werden könne, indem er den Militarismus niederschla⸗ gen würde. Das ist alles, was die Redakteure der Vat. Synd. von der Geschichte der europäischen Katastrophe wissen. Der Streik in den Petersburger Fabriken. T. U. Stockholm, 23. Sept. Der Petersburger Streik nimmt drohende Formen au. Neuerdings legten 20 600 Mann die Arbeit nieder, und zwar vornehmlich in Fabriken, die mit Heereslieferungen beschäftigt sind. Erneute Tätigkeit der deutschen Truppen in Ostafrika. T. U. Rotterdam, 23. Sept. Londoner Depeschen be⸗ tichten, daß eine erneute Tätigkeit der deutschen Truppen in Deutsch⸗Ostafrika an der Grenze von Rodesia schon vor einiger Zeit sich bemerkbar gemacht habe und daß deutsche Streit⸗ kräfte im Osten sich zu einem Angriff gegen den Grenzposten Saisa zusammengezogen hätten. Am 24. August meldete der englische Konsul, daß der Vormarsch aufgehalten worden sei. Nach jetzt eingetroffenen Meldungen hat ein Gefecht mit belgischen Truppen 2½ Kilometer von Saisa entfernt statt⸗ gefunden. Einzelheiten darüber werden nicht angegeben. Das Ergebnis der Kriegsanleihe. W. B. Berlin.(Nichtamtlich.) Die Zeichnungen auf die dritte deutsche AKriegsanleihe haben nach den bis jetzt vorliegenden Er⸗ gebnissen eine Summe von 12 Milliarden und 30 Millionen Mark erbracht. Einzelne kleine Teilergebnisse stehen noch aus. Russische Kriegsgefangene und sozialdemokratischer Guts besitzer. Auf dem Gute des sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten Genossen Hofer in Ostpreußen waren eine Anzahl russischer Kriegsgefangener beschäftigt, von denen eines Tages der größte Teil flüchtete. Das konservative Tilsiter Tageblatt benutzte den Vorfall zu einem Angriff auf den sozialdemokratischen Landtags⸗ abgeordneten. Es schrieb die Russen wären nur deshalb entflohen, weil sie auf dem Hoferschen Gut schlecht behandelt und verpflegt worden wären. Die Russen hatten aber Briefe hinterlassen, in denen sie für die gute Verpflegung und Behandlung herzlich dankten und bedauerten, daß sie dem Gutsherrn durch ihre Flucht Unannehmlichkeiten bereitet hätten. Ihre Liebe zum Vaterlande sei aber größer als ihr Dankgefühl zu Herrn Hofer. Der Verwalter des Gutes sandte darauf dem konservativen Russische Stichproben. (Aus Nr. 1 der neuen sozialistischen Halbmonatsschrift Die Glocke(Herausgeber Parvus), München, Verlag für Sozjalwissen⸗ schaft G. m. b. H., Altheimereck 19.) (Schluß) 0 Der Sündenbock. Die Regierung ist selbstverständlich sehr gut unterrichtet über die Lage des Reichs, über die Zustände, die sie geschaffen, und die Leute, die sie erzogen hat. Sie weiß, daß die Stunde der Abrechnung kommen muß und sie sucht sich Deckung gegen den Volkszorn. Sie sucht Schutz in Maßregeln einer asiati— schen, orientalen Tücke, des Luges, des Betruges und des Schreckens. Wie immer in Rußland erweist sich als das beste Mittel dieser Art die antisemitische Hetze. Mit den ersten Mißerfolgen in Ostpreußen ertönte auch gleich der Ruf vom Verrat der Juden. Die Brutalitäten, die die russische Regierung aus diesem Anlaß begangen hat, über⸗ steigen alles, was auf diesem Gebiet die Geschichte der Mensch— heit aufzuweisen hat. Die Juden werden des Verrats zu— gunsten der Deutschen bezichtigt, sie werden gehängt, scho⸗ nungslos, ohne jede Gerichtsverhandlung. In einer Ent⸗ fernung von 50 Kilometern vom Kriegsschauplatz werden sämtliche Juden ausgewiesen. Es ist noch gut, wenn man ihnen 24 Stunden Zeit gewährt. So in den Großstädten. In den Dörfern und kleineren Ortschaften läßt man ihnen überhaupt keine Zeit, um Atem zu holen. Der Polizeibeamte kommt und verjagt im Nu die gesamte jüdische Bevölkerung. Dabei wird, wie selbstverständlich oder„aus strategischen Rücksichten“, das gesamte Hab und Gut der Juden unter die Polizei verteilt. Selbst die Kranken werden ausgewiesen. Bis zu den Eisenbahnstationen werden sie von Soldaten mit Gewehrkolben getrieben. Im allgemeinen Wirrwarre wer⸗ den die Eltern von den Kindern getrennt. In Wilna sah sich die jüdische Gemeinde veranlaßt, eine spezielle Kommis— sion zu bilden, um von Eltern gesuchte Kinder und von Kindern gesuchte Eltern ausfindig zu machen. Drei Kinder irrten mit wundgelaufenen Füßen umher. Es kommen oft Entbindungen von Frauen während des Marsches vor. Greise stürzen tot zusammen. Zu alledem verbieten übereifrige Gouverneure häufig, den Unglücklichen Nahrung zu reichen. So hat der Gouverneur von Poltawa verboten, den Flücht⸗ lingen, die mit den ersten Zügen kamen, Nahrung und Trank zu gewähren. Der erste mit Flüchtlingen überfüllte Eisen⸗ bahnzug wies mehrere Leichen auf, zwei Frauen, die vor der Organ eine Berichtigung, die es schließlich auch veroffentlichen mußte. an der Grenze festgenommen worden. wird, nahmen die Vertreter der Semstwos und Städte, die e Die Russen haben übrigens ihr Land nicht erreicht, sondern sind Russisches. 1 Die Forderungen der Semstwos und Städte. Wie der Berlinske Tidende aus Petersburg gemeldet gegenwärtig in Moskau tagen, eine Entschließung an, worin folgende Forderungen aufgestellt wurden: Die unverzügliche Einberufung der Reichduma, die Ernennung eines Mini⸗ steriums, welches das Vertrauen des Volkes genießt, politische und religiöse Amnestie, sowie Gleichberechtigung aller Natio- nalitäten des russischen Reiches. Drohende Hungersnot. Kopenhagen, 24. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Nach dem Rjetsch verschärfte sich der Lebensmittelmangel in Petersburg in⸗ folge der Störung der Haupteisenbahnstrecke wiederum außer⸗ ordentlich. Die Bäckereien haben ihre Tätigkeit bereits wieder eingeschränkt. Es sind noch für eine Woche Lebensmittel vor⸗ handen. Die maßgebenden Kreise hätten schon vor einigen Wochen die Regierung aufmerksam gemacht, daß man vor einer wirklichen Hungersnot stände. Der Rietsch führt eine Statistik über die Eisenbahnwagen zum Beweise dafür an, daß der Mangel an Zu⸗ fuhr an der Hungersnot schuld sei. Im Mai kamen 2132 Wagen Weizenmehl, im August nur 153 Wagen, Roggenmehl im Mai 1455, im August 173 Wagen au. Der Verbrauch in Petersburg ist täg⸗ lich 150 Wagen Mehl, die Zufuhr erreichte aber nur 13 Wagen. Massen von Flüchtlingen seien eingetroffen, die auch Verpflegung haben müßten. Erwähnenswert ist auch der Kaxtoffelmangel. Im Mai kamen 777, im August nur 6 Wagen an. Das Blatt fordert die ernstesten Maßnahmen, andernfalls würden Hungeraufstände entstehen. Genau so liegen die Verhältnisse in Pslow. Auf der Eisenbahnlinie Dlinaburg— Petersburg ist weder Zucker und Salz, noch Petroleum und Tabak vorhanden. Der Stadthauptmann Tolstoi erklärte, es seien mindestens 400 000 Kubikfaden Feuerung erforderlich, hiervon seien nur 12 000 beschafft worden, sodaß vor⸗ läufig nur die Lazarette befriedigt werden könnten und nicht darau zu denken sei, an Privatleute zu verkaufen. Außerdem seien 25 Millionen Rubel für die Anschaffung der Feuerung erforderlich, die die Stadtverwaltung nicht besitze. Ein überflüssiger Duma⸗Ausschuß. Die russische Regierung teilte, wie verschiedene Morgen⸗ blätter erfahren, dem Vorsitzenden des Heeres- und Muni⸗ tionsausschusses der vertagten Duma mit, daß die Regierung auf die Beratungen des Ausschusses vorläufig verzichte. Die Klöster sollen bluten! T. U. Stockholm, 24. Sept. Rußkoje Slowo meldet aus Nisch⸗ ninowgorod: Der Heilige Synod hat dem Konsistorialrat befohlen, Verzeichnisse über das ständige Einkommen der Frauen⸗ und Männerklöster sowie über jene Silber⸗ und Goldgegenstände, die die Klöster auf dem Altar des Vaterlandes opfern könnten, zu⸗ sammenzustellen und dem Heiligen Sunod einzusenden. Ein„teurer Bruder“. Im Haag verlautet, daß die Forderungen des russischen Finanzministers Bark in London einem Ultimatum an England gleichkommen, andernfalls Rußland aufhören müsse, zukämpfen. Bark fordert folgende drei Punkte: 1. Zahlung der russischen Staatsscheine; 2. die Bezahlung aller russischen Bestellungen durch England, und 3. die Ge⸗ währung von 2000 Millionen Franken in barem Gelde zur Fortsetzung des Krieges. Mumnitionsfabriken in der Türkei. Pariser Zeitungen erfahren aus Athen, daß in Konstanti⸗ nopel unter Leitung deutscher Ingenieure neuerlich drei große Munitionsfabriken entstanden seien, in denen viele Tausend Arbeiter beschäftigt seien. 5 1 g Einige Fälle mögen hier noch angeführt werden zur Psychologie der russischen Offiziere und ihres Verhaltens den Juden gegenüber. Hier die Erzählung eines russischen Kapi⸗ täns, die von mehreren Personen bezeugt werden kann. „Als meine Kompagnie— erzählte der Kapitän— nach Augustow im Gouvernement Suwalki marschierte, äußerten die Soldaten den Wunsch, im Heu auszuruhen. Ich will⸗ fahrte ihnen und nachdem ich erfahren hatte, daß es in Augustow einen Speicher mit Heu gibt, erlaubte ich ihnen, dort auszuruhen. Da kommt nun zu mir der Jude, der Eigentümer des Speichers, und bittet, die Soldaten aus dem Speicher wegzuweisen, denn er fürchte, die Soldaten werden Tabak rauchen und da könnte es zu einem Brande kommen, die Versicherungsgesellschaften bezahlen aber jetzt keine Prämie. Er bietet zum Ersatz seine Wohnung aus elf Zimmern in der Nähe der Lederfabrik an. Ich stimmte zu. Als aber die Soldaten sich dort installierten und ich nachher kam, um nachzuschauen, wie sie sich eingerichtet haben, da höre ich denselben Juden auf die Soldaten schimpfen, weil sie ihm seine Möbel beschmutzten und ähnliches mehr. Ent⸗ rüstet gab ich ihm eine Maulschelle, daß er umfiel. Als er aufstand, drohte er mir, sich zu beschweren. Da schickte ich ihn nach dem Speicher und ließ ihn von den Soldaten mit Ruten züchtigen. Blutüberströmt beruhigte er sich doch noch nicht und drohte wieder, sich zu beschweren. Da begriff ich, daß dahinter etwas steckte. Nichts anderes als Verrat. Man bedenke: den Speicher gibt er uns nicht, aus der Wohnung jagt er uns. Da stimmt etwas nicht. Er hilft offenbar den Deutschen. Ich berichte in diesem Sinne an den Feldstab mit dem Vorschlag, den Juden dem Feldgericht zu überweisen. Er wurde gerichtet, und ich selbst ließ ihn hängen.“ Ein anderer Fall, ebenfalls aus dem Gouvernement Suwalki: Einem Offizier fiel sein Pferd um.„Ich rief— erzählte der Offizier— die Tierärzte zusammen, aber sie konnten dem Gaul nicht helfen und nicht einmal feststellen, woran das Pferd krepierte. Darauf erkundigte ich mich, womit das Pferd gefüttert worden war, und erfuhr, daß es Hafer bekommen hatte, der bei einem Juden genommen war. Ich beauftragte dann den Tierarzt zu bestimmen, ob nicht der Hafer verdächtig und das Pferd vergiftet war. Der Tier⸗ arzt antwortete:„Vielleicht.“ Bericht an den Feldstab mit dem Vorschlag, den Juden aufzuhängen. Und der Jude wurde„aufgehängt“. Als einer der Zuhörer den Mut faßte, den Offizier zu fragen, wie viel Pferde es in der Kompagnie und des Eintritts Bulgarien Zukunft, die Stin Der bulgarische Dichter 1 Unterstützung der Regierung auf. die ganze Pariser Presse. gegen die Zensur, die ihm bi strichen habe. lange Konferenzen mit den Gesan aber bisher keinerlei Klärung der tritt in den Krieg gilt in London Griechenlands für äußerst zwei Grey findet fortwährend ein e Lage auf dem Balkan statt, die all des russischen Heeres, daß der Königspalast und Stuttgarter Meldung des Bulgariens Mobi Die Stimmung des bulgar Nach einer S. ei in Voraussicht der nah umung des Volkes er ichen Partei angehört, ruft Bulgarien Der Eindruck in Fra Die Haltung Bulgariens be Die eien aufs höchste beunruhigt. Diplomat Clemencea ssee leußeren, Delca Der Minist 2 inister des Fe ein neidlich, dagegen hält man 1 4 felhaft. ingehender in den Hintergr Zum Fliegerattentat au Augesichts der Behauptung der fra Bahn gen Fliegerangriff mit Bom Berliner L keines dieser Gebäude Beschädigungen erli Gestern früh trafen 18 türkis Dardanellen, über Bulgarien un schen Genesungsheim in Wiesbaden Beigeordneten Borgmann empfangen Hotels und Stationen untergebracht. Die Wiener Arbeiterzeitung verö Ueberschrift:„Kundgebung für K! Notiz geht hervor, daß die Vertrauensp ei un Kla auch der Genossin Klara e der es am Schluß heißt, daß sie nit lebh⸗ men worden ist, wird durch einen wei Zen sur hat die Resolution gestri Nach ciner Meldung der Neuen land sind die seit Mai in Schynhammer aus B. Zür weil sich für die ihnen zur Last gelegten Eine Liga zur Verteidigung gZuden bilbete sich kürzlich in. Paris. Boris Kritchevsky. selbst die von der Liga bisher erxlassen brachte oder, was wahrscheinlicher konnte. mission sich mit dem sogenaunten Wei Die Hauptangeklagten sind Baumann, Doppelzentner für 19 Frauk unbeachtet gelassen hatte. ferner von der Kriegsrerwaltung beauftr Armee in fünf Departements während die billigen Angebote der Händl igten Staaten aufgehoben und starben doch nicht?“— erfolgte „Wie naiv! perfid die Juden sind? N Das System. Zur Kennzeichnung der administrat von Petersburg Mangel an Brennh Grunde, Archangelsk für Einfuhr nach Pete konnte. rührte die ganze Zeit keinen Finger, anzulegen. Die Eisenbahn nach Ar überladen, daß viele es vorziehen, i von Archangelsk bis Wiadka auf eine bahn zu bringen. Diese Verbrechen, diese Mißwir Deutschland erhalten hatte. Mit die in Wettbewerb die Gewissenlosigkeit z. B. auf die einzelnen Plätze schickt, oder unerfahrene, junge Aerzte beor Munitionsmangel herausstellte, Soldaten nur damit, daß her War r zwei Gewehre zu lief, die Unbewaffneten di ergreifen könnten. Sehr bald, im J. die Soldaten schon mit Gewehren alt von den zentralen bis zu den lokalen gab, antwortete der Offizier:„Zehn.“ Auf die weitere Zeit entbunden hatten. und einen Irrsinnigen. Frage: Wurden diese Pferde mit demselben Hafer gefüttert der Staatsorganismus von Mißwi 0 mus Mißwirt Korruption und Dummheit der Tschi machung. ofioter Depesche der en Entscheidun, n l s in den Kampf um eine große Wasow, welcher herrscht laut Deutsch u eifert in seinem Blatte Sher 20 Artikel über Bulgarien ge⸗ der Balkanstagten ab, die Lage brachten. Bulgariens Ein⸗ und Paris als absolut unver⸗ Eingreifen Rumäniens Zwischen Delcassee und Depeschenwechsel über die es andere, so die krit und stellt. hof in Stuttga ben belegt worden s okalanzeigers festgeste Rriegsustizen. che Offiziere 5 d Wien kommend, im Deut⸗ ffentlicht eine Notiz unter der Frauen Wiens versammelt gewesen sind und Zetkin gedacht haben. after 3 ßen Fleck dargestellt; chen. Untersuchungshaft befindlichen Mar ayern und Isabe amerika vom Untersuchungsrichter in Fre auch nicht der geringste Anhalt ergeben hat. Der Vorsitzende ist Ge Er ist Redakteur der Humanité, die Aus Paris wird gemeldet, daß die parlamentarische 5 zenskandal besche tungsrates der Mühlen von Corbeil und der Bankier Louis Drer Ersterer hat bald nach Kriegsbeginn dem Kriegsministerium 330 izen für 24 Frank pro Doppelzeutner verkg während der Minister Messimy kurz vorher ein Angebot dikats der Pariser Getreidehändler von einer Million Doppelzentn bald darauf einen Vertrag für Lieferung von 263 000 Doppelzentne⸗ für 29 Frank pro Doppelzentner abgeschlossen. Baumann e notwendigen Hafer aufgzukau Aus Washington wird gemeldet: Lansing unterzeichnete ein Ab⸗ kommen mit Rußland, wonach das Aus fuhrverbot nach den Vereini Wissen Sie denn nicht, wie heimtückisch und 0 Der Jude hat ja mein Pferd ver giftet, das Pferd des Kommandanten!“ folgende Exempel. Den ganzen Winter litten die Einwo Waldreichtums schon in der Nähe von Petersburg. Gro Mangel war auch an Fleisch und zwar aus dem einft weil nämlich nur die Eisenbahnverbindung Diese Eisenbahn ist schmalspurig und die Regiern hundert Kilometern zu expedieren, um sie dort auf die Ei nahme, sie bilden die Norm, sie liegen im System. in den ersten Anfängen des Krieges zeigte sich ein Mange an den allernotwendigsten Gegenständen. Die Aerzte wa entrüstet, weil sie kein Chloroform, kein Jod, keine Instru mente, keine Thermometer, so gut wie gar keine Verbank stoffe, überhaupt nichts vorfoͤnden, was man bis dahin a 7 geradezu sinnlos verteilt Hervorragende Chirurgen wurden in die Feldlazarette g wo nicht operiert werden konnte, großen Bezirks- und Militärkrankenhäuser Geburtshelfer Bild bei der Equipierung und Bewaff 5 3 l fnung. Die Soldo blieben monatelang ohne Kleidung, sie 3 nicht Kriegsschauplatz abgehen, weil Uniformstücke und Waffe nicht rechtzeitig zur Stelle waren. Als sich später abso uter e Gewehre der Gefal Kurz und gut, überall und in allem, von oben bis ischen Voltes. Kölnischen Zeitung g auf dem Balka nst und zurückhalte der russonfreu zur Eintrecht und zi ukreich.* e Tageszeitung Vierverbandes en des „hält in Paris ständ und ische Lags Stuttgart. nzösischen Kriegsberichte rt bei NT ö eien, wird in einer 1 1 lt, tten hat. 1 von den n. Sie wurden von dem nd in den verschiedenen ö ö 1 Aus der ra Zetkin“. ersonen der sozialistischen bei dieser Gelegenheit Die Resolution, von ustimmung augenom⸗ 1 cher Zeitung aus Ma lla Wade aus No iheit gesetzt worden Spionageversuchs der unterdrückt en Kundgebungen u ist, nicht brin Delegierter des Ve des Syn Desgleichen hat D agt, den gesamten für er unbeachtet blieben. wird. die klassische Antwor iven Mißwirtschaft olz. trotz des eno rsburg benutzt wer 0 um ein zweites Glei changelsk ist dermaß hre Waren per Wag r Strecke von mehr tschaft sind keine A S ser Systemlosigkeit trat Die Aerzte wurd während in die dert wurden. Dasselbe um es Regel, auf je ern. Man tröste ahre 1914 noch, wurden er Systeme ausge Institutionen zei schaft, Gewiss nowniks durch N N A 1 1 1— 1 N 0 Hedssen und Nachbargebiete. Gießen und umgebung. — 8— 0 Mein und Dein. * Zwei Worte beherrschen die ganze Welt: 1 Auf„Mein“ und„Dein“ ist alles gestellt. N Wär„Mein“ und„Dein“ erst meilenweit, a 1 1 Dann hätten wir Frieden und Ruh' allezeit. E 1 Ganz frei wär' jeglich Hab' und Gut, We ö Käm' Mann und Weib insgleich zugut. 10 9 Gemeinsam wär' allen Weizen und Wein 10 Wohl über der See und an dem Rhein. Y Kein Mord wär' mehr in keinem Land, Wär'„Mein“ und„Dein“ daraus verbannt. 1 1 Der Herrgott gab doch allen zum Heil ö Jedwedem sein flüchtig' Erdenteil N Zu Erb' und Eigen gemeinschaftlich, N Damit er nähre und labe sich S Und Leib und Füße auch kleide daneben N Und führ' ein schlicht, geruhsam Leben. Nun aber rast die Gier also, Daß keiner im tiefsten Herzen froh, Es sei denn, die weite Welt wär' sein Und alles nur ihm und ihm allein.— William Morris, nach einem flämischen Gedicht des 14. Jahrhunderts. Hauswirtschaft und Volkswirtschaft. N Der Krieg hat so manches deutlich werden lassen, was wir im gewöhnlichen Leben nicht erkannt haben. Zu diesen Dingen gehört auch— so meint Emmy Freundlich in der Konsumgen. Rundschau— die Anerkennung, wie wichtig die Führung des privaten Haushalts für die Volkswirtschaft ist. Im allgemeinen hat man nicht mehr viel für die Hauswirt⸗ schaft übrig. Sie ist in der Skala der verschiedenen Arbeiten das Aschenbrödel, das man nicht gerne schätzt und nur ver— inißt, wenn es seine treuen Dienste nicht voll und ganz er— füllt. Eine alte Frau pflegte zu sagen:„Hausarbeit lerz man nur schätzen, wenn sie nicht getan wird.“ Diese Miff⸗ achtung der Hauswirtschaft ist im Zeitalter der Großbetriebe, der Riesenfabriken und weitverzweigten Organisctionen vohl zu verstehen, denn heute kann der Kleinbetrieb seine FJunktion immer nur im Schatten der Riesen ausüben, er Ekeann nicht mehr das leisten, was die Großen zu vollbringen jimstande sind, und sein Wert sinkt. Die Hauswirtschaft ist aber ein solcher Kleinbetrieb, den wir heute noch sehr not— wendig brauchen, denn die hauswirtschaftlichen Großbetriebe fehlen gänzlich, so daß wir ohne diese Kleinbetriebe gar nicht eben könnten. Die wichtigsten Funktionen sind ihm über— kassen, die Gesundheit, dieser wichtigste Reichtum und das Budget der Familie liegt in den Händen der Hausfrauen, und man kann kaum verstehen, wie man die einzige Organi— ation des Wirtschaftslebens, die sich mit diesen Dingen be— ene u faßt, so vollständig unterschätzen kann. Daß es geschieht, — ann nur begriffen werden, wenn wir die geschichtliche Ent⸗ eu vicklung des Haushalts verfolgen. J bott Der Haushalt war fast bis in das Mittelalter nicht nur vie Heimstätte der Familie, sondern auch die Werkstätte der wichtigsten Erzeugnisse zum Unterhalt vieler Menschen. Die Arbeit War schon in den ersten Anfängen zwischen den männ⸗ ichen und weiblichen Hausgenossen geteilt. Der Frau ge⸗ 1 börte alles an Arbeit, was mit der Nahrung zusammenhing. Sie mußte das häusliche Behagen schaffen, die Verbesse—⸗ ungen im Hausgerät erfinden, und viele wichtige Indu— ktrien haben von dieser weiblichen Teilarbeit ihren Ausgang stenommen. Dem Manne gehörte die Viehzucht und die Fagd. Er mußte Waffen herstellen, die Tiere zähmen und den Pflug führen. War das Feld geebnet, dann konnte es die Frau bestellen. So war das Heim auch die Fabrik, und jede Familie Sar Produzent und Konsument für den eigenen Bedarf. Daran hat sich viele Jahrhunderte lang nichts geändert. Erst düt der beginnenden Arbeitsteilung kommt eine Scheidung in die verschiedenen Bedürfnisse. Die Hausarbeit aber bleibt bas ungeteilte Reich der Frauen. Sie versorgt noch immer 9 bie Familie mit den wichtigsten Nahrungsmitteln, sie kennt bur diese eine Arbeit, aber die gehört ihr als unbestrittenes deich. Je mehr aber die Entwicklung fortschreitet, um so nehr ändert sich auch die Führung des Haushalts. Es heiden für viele Haushaltungen die wichtigsten Aufgaben 0 don ehedem aus. der Kreis der Pflichten der Hausfrauen 0 bird kleiner, und die Funktion der Hauswirtschaft wird eine endere. Die Frau wird ein Glied in dem Handel, der ent— feht. Es werden nicht mehr die Waren getauscht, wie iim kesten Anfang, wo einfach der Tischler mit dem Schuster die en tauschte, sondern alle, die verkaufen wollen, müssen cuf den Markt gehen und ihre Läden öffnen und für Geld die Waren verhandeln, damit sie andere Waren dafür kaufen 0 binnen. Die Hausfrau verkehrt nun zwischen den einzelnen Produzenten als Vermittler. Sie verkehrt noch mit jedem 0 Froduzenten direkt, und ihr größter Stolz ist es, wenn sie die Waren gut erhandeln kann. Das Feilschen und Preise. rücken galt für die Hausfrau des Mittelalters als die höchste Tugend. g Die Entwicklung steht nicht still. Die Erfindungen, die die Produktion erleichtern, vermehren die Menge der erzeug: m Waren. Zwischen die Hausfrauen und die Produgenten zfitt der Großhandel und der Zwischenhandel, die au diesem Wauschgeschäfte viel verdienen wollen. Die Hausfrauen— kbegenden von ehemals können keine Wirkung mehr tun. Sie knnen an dem Preise nichts mehr ändern, sie müssen zahlen, us man verlangt. Die Hauswirtschaft erhält dadurch eine andere Bedeutung für die Gesellschaft. Sie ist nicht mehr 17 Verkstätte, sie produziert nichts mehr— die Heimarbeiter nd die letzten Heimproduzenten, die gewiß mehr und mah en werden—, sie ist nur noch Lan zum ent. Di 1 0 * — Beilage zur Oberhessischen Volkszeitung Nr. 225 Gießen, Samstag, den 25. September 1915. Jamilie verbraucht die hergestellten Waren, sie erhält sie durch die Vermittlung der Hausfrauen. Die Hausfrauen haben nun immer noch eine sehr wichtige, aber sie haben eine voll— ständig andere Funktion im gesellschaftlichen Leben erhalten. Sie regeln den Verbrauch. Das ist durchaus keine neben⸗ sächliche Funktion. Es zeigt sich num im Krioge, wie wichtig diese Funktion ist. Der Staat muß an die verteilenden, den Konsum regelnden Frauen herantreten, damit sie mithelfen, seine Widerstandskraft zu vermehren. Weil aber der Haushalt jede Funktion als Produzent verloren hat, ist seine Stellung als Konsument um so wich— tiger geßßorden. Im Gegensatz zum Kleinbetrieb im gewerb⸗ lichen Leben ist dieser Kleinbetrieb in keiner Weise an den hohen Preisen interessiert. Er verkauft nicht, er kauft nur, und das gibt ihm die Grundlage seiner Stellung in der Volkswirtschaft. Die Hausfrauen repräsentieren heute die Konsumenten in der reinsten Form. Sie müssen deshalb auch erkennen, daß sie als Konsumenten die wichtigste Funktion ihres Da⸗ seins erfüllen, und daß sie zu allen Fragen des wirtschaftlichen Kampfes von diesem Standpunkt aus Stellung nehmen müssen. Welche Funktionen hat nun die Hausfrau als Konsu⸗ ment? Sie soll ihre Familie mit guten und möglichst billi⸗ gen Waren versehen, damit das Einkommen der Familie in der besten Weise genützt werden kann. Das ist nun dis schwierige Problem. Wie soll sie das können? Als einzelne Frau kann sie es natürlich niemals. Der einzelne scheidet dabei vollständig aus. Er kann immer nur wirken als Glied einer Gemeinschaft, niemals als Person. Seine Bedeutung liegt nur im Zusammenschluß, in der Organisation. Die Frauen müssen deshalb in Gemeinschaft diesem Ziele zustreben. Sie können das Ziel nur erreichen, wenn sie diese Gemeinschaft schaffen. Der einzige Weg, der heute den Preis senken kann, ist die Ausschaltung des Handels und die Eigenproduktion, das heißt, die Wiedervereinigung von Kon— sumenten und Produzenten, die Abkürzung des Weges, den die Ware von dem Erzeuger zu dem Käufer zurücklegen muß, und die Ueberführung des privaten Profits in kollektives Eigentum. Dieser Weg kann nach den Erfahrungen aller Nationen nur der gemeinsame Einkauf und Ver⸗ kauf auf Rechnung der Konsumenten sein. Der Konsum verein schaltet als einzelner Verein den Zwischenhandel aus und konzentriert viele kleine Betriebe zu einem großen-Geschäft, er schaltet in der Form der Großein⸗ kaufsgesellschaften den Profit der Großhändler aus und führt endlich durch seine Eigenproduktion zur Vereinigung von Produzenten und Konsumenten. Gelingt es ihm noch, seine Rohprodukte zu erzeugen, dann ist in der Form einer großen, weltumspannenden Organisation der kleine Haushalt der ersten Zeiten wiedergekehrt, Produktion und Verbrauch arbei— ten wieder gemeinsam. Der Haushalt ist nur das letzte Glied dieser Kette, und auch er kann und wird immer mehr zu einem Teile dieser Organisation werden. Der Baseler Konsumverein hat über die Kriegsdauer eine Volksküche eröffnet, wo man billiges Essen bekommen konnte, billiger, als der kleine Haushalt es herstellen kann. Darin liegt eine sehr wichtige Neuorgani⸗ sation eines genossenschaftlichen und hauswirtschaftlichen Be⸗ triebs, die uns zeigt, daß wir langsam den Haushalt aus seiner privaten Isoliertheit herausheben werden, um aus ihm wieder eine große öffentliche Organisation werden zu lassen. Das ist in den gröbsten Linien die Entwicklung, die Hauswirtschaft und Volkswirtschaft nehmen werden, und diese Entwicklung kann und muß von den Hausfrauen klar erkannt, und ihren Wegen muß gefolgt wevden. Heute hat die Hausfrau keinen Einfluß auf den Warenmarkt, sie ist lediglich das Objekt, an dem sich aller Wahnsinn der privaten Wirtschaftsorganisation austoben kann, dem sie wehrlos aus— geliefert ist. Sie muß aber den ersten Schritt aus dieser Isoliertheit wagen, sie muß den Weg zur Organisation finden und sich ein Wirkungsrecht und einen Wirkungskreis innerhalb der Organisation erstreiten, dann wird sie nicht von dieser notwendigen Entwicklung willenlos getrieben, sondern sie selbst kann wieder die wichtige Stollung erobern, die sie als Hausfrau besessen hat, wenn sie nur mit der nöti— gen Energie und Zielklarheit diesen neuen Zielen zustrebt. Je bedeutungsloser die private Hauswirtschaft für die Volkswirtschaft wird, um so wertvoller wird die Hausfrau für die Volkswirtschaft, denn ohne sie wird man niemals alle Probleme lösen können, die auf dem Wege zu einer neuen Wirtschaftsordnung schlummern. Der Krieg hat mit der Deutlichkeit, die sein Anschau⸗ ungsunterricht in so vielen Dingen gezeigt hat, auch diese tiefen Zusammenhänge klar werden lassen; an den Frauen ist es nun, zu erkennen und der Erkenntnis zu folgen. Sommers Ende und Herbstaufang. Wenngleich in der jüngsten Zeit einige wärmere und sonnige Tage uns noch einmal einen verspäteten Sommer vorgetäuscht haben, so zeigt doch schon der Kalender, daß die warme Jahreszeit an ihrem Ende angelangt ist. Am morgigen Freitag, dem 24. Sep⸗ tember, wird der Sommer auch kalendarisch sein Ende erreicht haben; an diesem Tage um 4½ Uhr morgens überschreitet die Sonne mit ihrem Mittelpunkt wieder den Aequator, und der Herbst beginnt. Die Witterung, die, von den schon erwähnten einzelnen warmen Tagen abgesehen, ja schon seit geraumer Zeit berbstlich anmutet, hat echt sommerlichen Charakter im Grunde ge— nommen auch schon lange nicht mehr gehabt. Die eigentliche warme Jahreszeit fiel in diesem Sommer in den Frühling und Vorsommer, und wie so oft, wenn frühzeitig große Hitze eintritt, zeigte auch diesmal der Hochsommer nur wenig von seinem wahren Gesicht. Er brachte uns nach der vorange— gangenen Dürxe reichlichen Ueberschuß an Regen, und wenn er auch micht so ausgesprochen kühl und unfreundlich war wie etwa in den beiden Jahren 1942 und 1913, so stand er doch dem vorjährigen Hochsommer an Wärme und Beständiakeit ganz erbeblich nach. Am schönsten war unstre ee. er uns doch einen außerordentlichen Reichtum an Sonnenschein und eine fast ununterbrochene Beständigkeit des Wetters beschert! Wohl kamen zu Beginn des Monats im Verlauf eines kurzen Rück⸗ schlags im mittlern Norddeutschlaund nochmals zahlreiche Nacht⸗ fröste vor; doch sehr bald trat, wie schon in der zweiten Maihälfte, wieder große Hitze ein, und die Tage vom 9. und 10. Juni waren bei weitem die wärmsten des ganzen Sommers. 2 Eine dann einsetzende Abkühlung führte am 15. und 18. des Monats in Nordwest- und Mitteldeutschland nochmals zu leichten Nachtfrösten, da während dieser Witterungsperiode mäßig warme Tage mit außerordentlich kühlen Nächten abwechselten. In der letzten Monatswoche wurde es aber von neuem hochsommerlich, und es wurden wiederum vielfach 30 Grad Wärme überschritten. In den meisten Landesteilen war der Gesamtmonat um etwa 17% bis 2 Grad zu warm. Noch auffälliger war der Mangel an Regen. In ganz Deutschland fiel durchschnittlich nur etwa die Hälfte der für den Juni normalen Niederschlagsmenge. Seit mehr als 25 Jahren war jedenfalls der Juni nicht mehr so trocken wie diesmal. Der Juli brachte im Laufe der ersten Monatswoche zwar noch⸗ mals große Hitze mit Temperaturen bis zu 32 Grad Celsius: dann nahm aber die Abkühlung mehr und mehr zu, und besonders um die Monatsmitte war es ungemein rauh; vielfach wurden nicht einmal mittags 15 Grad Wärme erreicht. Eine größere Er⸗ wärmung trat nur noch einmal zwischen dem 22. und 24. ein. Dem⸗ entsprechend war der Monat fast überall zu kalt, in West⸗ und Süddeutschland um volle 2 Grad. Die durchschnittliche Regen⸗ menge überstieg den normalen Wert nicht unerheblich. Der August zeichnete sich wie der Juli durch andauernde Ver⸗ änderlichkeit und sehr reichliche Niederschläge aus, die nach ver⸗ einzelten heiteren und wärmeren Tagen immer wieder von neuem einsetzten und oftmals an einzelnen Orten ganz bedeutende Regen⸗ mengen ergaben. Namentlich im letzten Monatsdrittel war es zeitweilig schon ganz außerordentlich kühl und herbstlich. Erst in den letzten Monatstagen kam es nochmals zu einer vorübergehen⸗ den Hitzeausbildung. Der September war wie der August und der Juli sehr veränderlich: zu einer hochsommerlichen Erwärmung kam es sast überhaupt nicht mehr. Es bleibt abzuwarten, ob uns im Laufe des Herbstes noch einmal beständigeres Wetter beschieden sein wird, wie es sich nach veränderlichen Sommern häufig im ersten Teile des Herbstes noch einmal einzustellen pflegt. Die Kriegsbeschädigtenfürsorge im Großh. Hessen. Uns wird geschrieben: Durch eine Bekanntmachung des Großh. Ministeriums des Innern vom 9. August 1915 hat die Kriegsbeschädigtenfürsorge für das Großherzogtum Hessen eine neue Organisation erhalten, für die sich weitere Kreise interessieren dürften. Bisher lag die Durchführung der Kriegsbeschädigtenfürsorge in den Händen eines Landesaus⸗ schusses, der auf Grund freier Vereinbarung zusammenge⸗ treten war und sich aus Vertretern der Großh. Staatsregie⸗ rung, der Militärverwaltung, der verschiedenen Berufsstände, verschiedener sozialer Vereinigungen usw. zusammensetzte. Daneben waren in den größeren Städten des Landes Orts⸗ ausschüsse für die Kriegsbeschädigtenfürsorge gegründet wor⸗ den, die den Landeausschuß in der Durchführung der Kriegs⸗ beschädigtenfürsorge unterstützten. Durch die obengenannte Bekanntmachung hat nun die Organifation eine straffere Zu⸗ sammenfassung und eine bessere Gliederung erhalten. Der Landesausschuß, der bisher aus 17 Mitgliedern bestand, wurde auf 4 Mitglieder beschränkt. Von diesen Mitgliedern wird je eines vom Hessischen Landesverein vom Roten Kreuz, von der Landesversicherungsanstalt für das Großh. Hessen, vom Ministerium des Innern, vom Sanitätsamte des 18. Armeekorps ernannt. Zur Zeit sind als Mitglieder be⸗ stellt: Oberkonsistorialpräsident P. Nebel, Geh. Regierungs⸗ rat Dr. Dietz, Ministerialrat Hölzinger und Generalarzt Dr. Lindemann. Zum Vorsitzenden des Landes⸗ ausschusses wurde Geh. Regierungsrat Dr. Dietz ernannt. Dem Landesausschuß steht zur Be⸗ ratung ein Beirat zur Seite, in den Vertreter des Kultus, der Organisationen des Handels, der Industrie, der Land⸗ wirtschaft, des Handwerks, der Post- und Eisenbahnverwal⸗ tung, der sozialen Fürsorge, der verschiedenen Arbeiterorgani⸗ sationen, der Presse usw. abgeordnet werden. Der Landes⸗ ausschuß soll sich nicht mit der Fürsorge im Einzelfall be⸗ schäftigen, sondern ihm liegt die Durchführung der Fürsorge im ganzen ob. Für die Bearbeitung der einzelnen Fürsorge⸗ fälle wird gemäß§ 8 der eingangs erwähnten Bekannt⸗ machung in jedem Kreis oder für mehrere Kreise zusammen ein Kreisausschuß für die Kriegsbeschädigtenfürsorge ge⸗ bildet, dem der Kreisrat, Vertreter des Roten Kreuzes, der christlichen Konfessionen und des israelitischen Kultus, der Arbeitgeber und der Arbeiterverbände sowie der öffentlichen Arbeitsnachweise angehören sollen. Nach Bedarf können auch für einzelne Orte Ortsausschüsse errichtet oder Vertrauens⸗ männer bestellt werden. Der neugebildete Landesausschuß hat in seiner ersten Sitzung, die am letzten Freitag statt⸗ fand, die Landes versicherungsanstalt Großh. Hessen zur Geschäftsstelle bestellt und beschlossen, daß wegen der Organisation der Kreisausschüsse alsbald mit den Kreisräten des Landes in Verbindung getreten werden solle. Ferner wurden für die Tätigkeit des Landesausschusses und der örtlichen Ausschüsse Richtlinien aufgestellt, die demnächst im Druck erscheinen. Der Landesausschuß hat sich der neu⸗ gegründeten Zentralstelle für die Kriegsbeschädigtenfürsorge in Berlin angeschlossen und wird auch in den engeren Reichs⸗ arbeitsausschuß für die Kriegsbeschädigtenfürsorge durch Geh. Regierungsrat Dr. Dietz vortreten sein. Gleichzeitig gehört der hessische Landesausschuß dem Ausschuß für die Kriegsbeschädigtenfürsorge in Frankfurt a. M. an, der sich über den Bezirk der Provinz Hessen-Nassau, des Großherzog— tums Hessen und des Fürstentums Waldeck— das Gebiet des Mitteldeuntschen Arbeitsnachweisverbandes erstreckt. Der hessische Landesausschuß ist aber eine selbständige Lan⸗ desorganisation, die die wirtschaftliche Fürsorge für die Kriegsbeschädigten im Großherzogtum Hessen unmittelbar durchführt. Es darf sonach erwartet werden, daß die Kriegs- beschädigtenfürsorge im Großherzogtum Hessen in Kürze vollständig organisiert und in der Lage sein wird, ihre ebenso wichtige wie dringende Aufgabe im ganzen Lande planmäßig in Angriff zu nehmen. Betont muß aber werden, daß die einzelnen Organisationen der Kriegsbeschädigtenfürsorge nur itig der erste Sommermonat, der Juni. Hatte Bilanzen von Lederfabriken Kriege günstige Aussichten. dann mit nachhaltigem Erfolge tätig werden können, wenn sie von allen Schichten der Bevölkerung bei ihrer Arbeit nach⸗ drücklichst unterstützt werden. Die Organisationen benötigen vor allem für die so wichtige Aufgabe der Berufsberatung freiwilliger Mitarbeiter aus den verschiedensten Erwerbs ständen. Ferner gilt es, die so schwierige Frage der Arbeits— bermittelung für die Kriegsbeschädigten zu lösen, was nur dann erreicht werden kann, wenn die Arbeitgeber möglichstes Entgegenkommen zeigen und so weit irgend angängig Kriegs beschädigte in ihren Betrieben wieder einstellen. Es ergeht darum an die ganze Bevölkerung die herzliche Bitte, nach Möglichkeit dabei mitzuwirken, daß unseren Kriegsbeschädig⸗ ten die Rückkehr ins Erwerbsleben erleichtert wird, und daß sie wieder schaffende und Werte erzeugende Glieder der Volks- gemeinschaft werden. Das goldene Zeitalter der Lederindusttie. Der Schuh⸗ markt bespricht in seiner Wochenübersicht die glänzende Lage der Lederindustrie, die auch an der Börse ihren frohen Aus— druck findet. Die Aktien der Lederfabriken gehören zu den meistbegehrten Papieren, die während der Kriegszeit start im Kurse gestiegen sind. Die bis jetzt veröffentlichten und die weiter in Aussicht stehenden Dipidendenerklärungen solcher Unternehmungen haben die Phantasie der Börsenkreise angeregt und ver— anlassen sie von Woche zu Woche zu weiteren Käufen. Der Satz, daß der Krieg vielfach zum Umlernen zwingt, darf auch auf das Verhältnis von Börse und Bankwelt gegenüber den Unternehmungen unseres Faches Anwendung finden. Wäh⸗ rend früher die Lederindustrie in diesen Kreisen eine weniger günstige Beurteilung fand, ist heute gerade das Gegenteil der Fall. Die Lederfabrikation wie auch der Lederhandel haben sich finanziell stark gekräftigt und einen großen Teil der ihnen früher eingeräumten Kredite abtragen können, Sowohl die Banken wie die Börse wissen, daß der größte Teil der Unternehmungen unseres Faches heute über reich— liche Geldmittel verfügt, und sie haben daher ihr Urteil gegen früher geändert; die Lederindustrie gehört heute zu den— jenigen Gewerbszweigen, mit welchen der Bankier gerne arbeitet. Diese Wandlung ist im Interesse unseres Faches recht erfreulich, und sie eröffnet auch für die Zeiten nach dem Der Lederindustrie, die sich ja selbst innerlich stark gekräftigt hat, werden nach dem Kriege große Kapitaljen zur Verfügung stehen, und es werden ihr gerne Kredite gewährt werden, wenn sie solche zur Aus— führung ihrer geschäftlichen Unternehmungen benötigt. Da nach dem Kriege mit einem außerordentlich starken Leder— bedarf zu rechnen ist, so find die Aussichten für unsere In⸗ dustrie, die sich jetzt während der Kriegszeit schon als außer— ordentlich leistungsfähig erwiesen hat, auch für die Friedens— zeit recht günstig und sie berechtigen zu den schönsten Hoff— nungen.“— Das Unternehmerblatt— bemerkt hierzu das Schuhmacher-Fachblatt zutreffend ist entzückt von der oldernte der Lederkapitalisten, an die auch der ärmsts Teufel in Gestalt der hohen Schuhpreise seinen drückenden Tribut entrichten muß. Bedeuten doch die 8 Mark für Sohlen und Flecken für einen schlechtentlohnten Proletarser den ganzen sauer verdienten Wochenlohn oder einen erheb- lichen Teil davon. Auf der Börse handeln die Kapftalisten und Spekulanten darum, stecken mühelos große Kursge— winne, hohe Dividenden und Tantiemen in ihre weiten und tiefen Taschen. Mühelos! — Kampf um Butter und Butterpreise. Aus Fulda wird berichtet, daß dort von der Polizeiverwaltung der Marktpreis für Butter auf 1,50 Mk. festgesetzt wurde, weil die Händler 1,90—2,00 Mk. forderten. Daraufhin kam keine Butter mehr auf den Markt, aber die Händler kamen doch und verkauften auf dem Bahnhofsplatze. Vom Publikum werden sie bei ihrer Ankunft fast überrannt und erhalten jeden geforderten Preis. Die Käufer überbieten sich sogar, um nur Butter zu bekommen. Viele müssen wieder abziehen, ohne Butter erhalten zu können. Wenn die Käufer sich so töricht verhalten, ist es natürlich, daß der Preis nicht her— untergeht. Bef dem allgemenen Mangel an Fetten benutzen natürlich Bauern und Händler die Konjunktur; obwohl Futter genügend vorhanden ist und die Butter sehr wohl billiger gegeben werden könnte. Nach der heutigen Sachlage brauchte der Preis nicht höher als 1,30— 1,0 Mk. zu sein, wobei die Produzenten einen recht ansehnlichen Verdienst hätten. — Einer der größten Konsumvereine in Deutschland ist der von Leipzig-Plagwitz, dessen Bericht über das letzte Geschäftsjahr dieser Tage erschienen ist. Danach stieg die Mitgliederzahl auf 65 000, trotzdem ging der Umsatz um fast 200 000 Mk. zurück. Dies erklärt sich daraus, daß die vielen Tausend Männer zum Heeresdienst eingezogen wur— den und daher als Konsumenten ausfielen. Immerhin wurde der riesige Umsatz von 25 358819 Mk. erzielt. Der Rein gewinn beträgt rund 2,2 Millionen Mark und es gelangen 2,1 Millionen als Rückvergütung zur Verteilung an die Mit— glieder, außerdem werden den Reserven erhebliche Beträge zugewiesen. Interessant ist noch, daß die Metzgerei des Ver— eins einen Umsatz von mehr als 4¼ Miflionen Mark zu ver— zeichnen hatte, fast ½ Million Mark mehr als im Vorjahre. Trotzdem war gerade hierbei der Reingewinn geringer als im Vorjahre, weil die Einkaufspreise für Vieh so hohe waren, daß die Verkaufspreise für Fleischwaren nicht in dem Maße folgen konnten. Die Mitglieder konnten daher ihren Fleischbedarf zu günstigeren Bedingungen einkaufen, als ihnen dies bei den Metzgern möglich war.— Für die zum Heeresdienst eingezogenen Angestellten des Vereins wurden an Löhnen und Unterstützungen beinahe 60000 Mark auf⸗ gewendet. — Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Leutnant Wilhelm Bode aus Gießen, 20. Reserve-Jäger⸗ Bataillon.— Landsturmrekrut Friedr. Weißenborn, Inf.⸗Regt. 61, Landsturmmann Adolf Schmidt, Inf. Regt. 222, Ersatz⸗Rosorvist Georg Buchenau, Inf. Regt. Nr. 254, sämtlich aus Storndorf, K. Alsfeld. — Eine Massenanklage wegen Viehseuchevergehens Sußde gestern vor der Gießener Strafkammer verhandelt. Nicht weniger waren angeklagt, mit dem Vieh als elf Landleute aus Nieder-Ohmen, darunter zwei Frauen, auf den Acker gefahren zu sein, Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und Die Angeklagten erkläxen insgesamt, daß sie in der fraglichen Zeit unbedingt die notwendigen Arbeiten auf dem Acker vornehmen mußten. Die Sache lag auch so, daß sie die Erlaubnis dazu vom Kreisamt ohne weiteres erhalten haben würden, wenn sie darum nachgesucht hätten. Das Gericht läßt daher Milde walten und jeden Angeklagten mit 1 Mark Strafe davon kommen. 5. 5 N 5 — Wegen Gefährdung eines Eisenbahntransports hatten sich gestern zwei Bahnbeamte aus Friedberg Kleiß und Weil vor der Strafkammer Gießen zu verantworten. Es handelt sich dabei um einen Zug-Zusammenstoß, der sich in der Nacht vom 9. zum 10. Nopember vorigen Jahres im Friedberger Bahnhofe ereignete, In dieser Nacht verkehrte zum ersten Male seit Kriegsausbruch ein Postzug wieder, der in den Friedberger Bahnhof gegen 2 Uhr nachts von Fraukfurt her einfahren sollte. Kurz vorher hatte man aber einen Leerzug in das Hauptgleis einfahren lassen, das auch der Postzug benutzen mußte. Dieser fuhr daher auf den Leerpark auf, wodurch mehrere Wagen zertrümmert wurden und ein Material⸗ schaden von 1800 Mark entstand. Kleiß und Weil sind Fahrdienst⸗ leiter, ersterem untersteht das Stellwerk J an der Ausfahrt nach Frankfurt, während Weil das Stellwerk III an der Ausfahrt nach Gießen zu überwachen hat. Beiden wurde bekannt gegeben, 1 der Postzug wieder verkehren werde. In der langen bis gegen Abend bauernden Verhandlung konnte nicht genau festgestellt werden, wer eigentlich der Verantwortliche dafür war. Es blieb schließlich an, Kleiß hängen, der den Leerzug hatte hereinsahren lassen, an den Postzug aber„nicht mehr gedacht“ hatte. Der Staatsanwalt hielt beide ssir schuldig und beantragte gegen Kleiß 100 Mark, gegen Weil 50 Mark Geldstrafe. Die Verteidiger Justizrat Grünewald und Windecker(Friedberg) plädierten für Freisprechung. Das Urteil lautete guf 50 Mark Geldstrafe für Kleiß, während Weil freige⸗ sprochen wurde. Kl. habe sahrlässig gehandelt, wird im Urteil aus⸗ gesprochen; es hätten aber allerlei Umstände mitgespielt, die sein Vergehen in milderem Lichte erscheinen lassen. Das Gericht spricht die Erwartung aus, daß dem bisher unbestraften Beamten keine Nachteile weiter in dienstlicher Beziehung anläßlich dieses Vorkomm⸗ nisses entstehen. Vadische Banknoten in Hessen. Der Ssidd. Kons. Korx, wird aus 0. geschrieben:„Wenn der Bauer aus dem südlichen Starkenburg im bengchbarten Baden Rinder oder landwirtschaft⸗ liche Produkte losgeworden ist, muß er wohl oder fübel badische Banknoten als Zahlung annehmen, obgleich sie in Hessen von seder öffentlichen Kasse zurückgewiesen werden. Mitunter gelingt es, sie einem Kaufmann aufzuschwatzen, obwohl diese natürlich zugeknöpft sind. Denn bares Geld lacht, auch wenn es amtlich als nicht ganz „koscher“ gilt. Was so nicht anzubringen jist, das trägt der Land⸗ mann, wenn die Steuer fällig ist, zum Rechner und läßt sich herausgeben. Der ist davon noch weniger erbqut, denn er wird bei der Gelegenheit noch ein gutes Teil des Kleingeldes los, dessen er zur Auszahlung von Löhnen und Krankenunterstützungeen so dringend bedarf. Trotzdem ist er nicht so zugeknöpft wie die Herren an Post und Sparkasse. Er nimmt das Geld und schwatzt es anderen Leuten auf. Das sind in diesem Falle der Pfarrer und der Lehrer, deren Gehälter er auszahlt. So setzt die badische Banknote ihre Reise durch das Hesseyland fort, bis sie zu einem Herr komint, der sie jn der Nähe überhaupt nicht mehr unter— bringt. Bei diesem bleibt sie liegen, bis er einmal in eine Stadt kommt, wo eine Bank ist. Dauerk dies zu lange, so wird sie durch die Post an die Bank geschickt. Der Einschreibebrief kostet 35, die Postanweisung, welche die klingende Minze bringt, 25 Pfg., beide einschließlich Bestellgeld also 60 Pfg. Anstatt soo Mk. hat man also nur noch 99,40 Mk. Und doch ist so ein Verlust von einigen Pfennigen, wenn er nicht allzuhäufig kommt, ziemlich unbedeutend im Vergleich zu den zahllosen Scherereien. Ließe sich das im eini— gen Deutschland nicht beseftigen?“ Gegen Schwerhörigkeit und Ohrgeräusche werden in letzter Zeit wieder häufsg Mittel wie Gehörpatronen und Ohrbrillen als neue unnd äußerst wertvolle Erfindungen angepriesen. In Wirklichkeit sind sie weder neu noch unersetzlich. Diese außerordesitlich über- teuerten Gummipfropfen usw. können durch viel billigere Dinge,. B. Wattepfropfen, ersetzt werden. Anderseits können sie niemals die ihnen zugeschribenen großartigen Wirkungen haben. Die Ein— führung dieser Patronen kany sogar zu schweren Gefahren für das Ohr, selbst zur Lebensgefahr führen, wenn beispielsweise alte Ohr⸗ eiterungen dadurch wieder entflannant werden. Dies gilt für die verschiedensten Mittel, wie die Sommerschen Ohrbrillen, die Schfiller⸗ schen Apparate, für Siegers Gehörpatronen. Die wenigen Fälle, in denen ein solcher Apparat einmal hilft, sind zum Teil durch obwohl im Orte die dies deshalb untersagt war. Suggestion zum Teil auf die oben beschriebene einfache Art zu er⸗ zielen. Man muß daher vor dem unüberlegten Ankauf der ange⸗ prie Man ziehe bei Ohrerkrankungen zu⸗ esenen Appgrate warnen. nächst einen Arzt zu Rate. Aufklärung über bestjimmte in der Oeffentlichkejt angebotene Mittel gegen Ohrleiden erteilen jeder- mann kostenlos die Zentralstelle zur Bekämpfung der Schwindel— fiypmen in Lübeck, sowie die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung des Kurpfuschertums in Dresden-Hellerau. „Durch Pulverdampf und Kugelregen“ benennt ein gewisser Armd Waschke qus Liegnitz bei Breslau ein Buch, das 800 Seiten stark und mit Bildern versehen sein soll und das er gegen Vorein— sendung von 75 Pfg. zusenden werde. Arno Waschke ist allem An— schein nach ein Betrüger, der von Stadt zu Stadt zieht, seine Lock— anzeige in den Zeitungen veröffentlicht und die Vorauszahlungen einsterkt, ohne das in Aussicht gestellte Buch zu liefern. Sollte der Aufenthalt des Waschke bekannt werden, so wolle man dies unver— gliglich der Zentralstelle zur Bekämpfung der Schwindelfirmen in Lübeck mitteilen. Dort wollen auch von Waschle Geschädigte ihre Veschwerden vorbringen. Der Krieg ein unverschuldetes Unglück. Der Verband reisender Kaufleute Deutschlands hat an den Bundesrat eine interessante Ein— gabe gerichtet. Rach dem Handelsgesetzbuch hat der zum Militär dienst einberufene kaufmännische Angestellte Auspruch auf die Fort⸗ zahlung des Gehalts für 6 Wochen. Auf diese Bestimmung stlsstzten sich eine Reihe von Klagen, die vor die deutschen Kaufmann gebracht wurden. Die Rechtsprechung darsüber schwankt. 9 die einen Gerichte den klagenden Angestellten das Gehalt zusprechen werden diese Klagen von anderen Gerichten verworfen, weil in de Kriegsdienstleistung kein unverschuldetes Unglück, sondern die Er— fiillung einer vaterländischen Ehrenpflicht zu erblicken sei. Zunächst geht gus der Eingabe hervor, daß eine Anzahl Kaufmannsg ˖ doch wohl einen Gegensatz zwischen der Erfüllung einer vaterländi— schen Pflicht und einem Unglück nicht anzuerkennen vermögen. Diese Meinung hat in der Tat viel ffir sich. Es ist natürlich gar keine Rede davon, daß man sich der Erfsillung der Wehrpflicht, zumal im Kriege, entziehen wollte oder könnte; das hindert aber nicht, daß der Krieg als solcher, unbekümmert darum, wie der Einzelne über seine Entstehung denken mag, als ein Unglück empfunden wird, das uns betroffen hat. Diese Empfindung geht auch aus zahllosen Kund— gebungen der höchsten Stellen im Staate hervor, wenn natürlich auch immer gusgesprochen wurde, daß nun, wo wir in einen Krieg hineingezogen wurden, glles getan werden müsse, um einen Einbruch feindlicher Heere in unser Land zu verhindern und Sicherung gegen solche Gefahr zu schafsen. So gewinnt die rein juristische Frage, ob der Krieg ein unverschuldetes Unglück sei, eine ganz andere und höhere Bedeutung. Daß das deutsche Volk den Krieg nicht gewollt hat, ist fonnenklar und ist vom Kaiser und Kanzler oftmals ausge⸗ sprochen worden. - Anlagenmusik. Sonntag, dein 26. Sept., vorm. 11˙½ Uhr in der Süd⸗Anlage ausgeführt von der Kapelle des Landsturm⸗Infanterie⸗ Ersatz⸗Batgillous Gießen. Spielfolge: 1. Altniederländisches Dank⸗ gebet von A. Valerius. 2. Ouverture z. Op.„Die beiden Blinden“ von E. H. Méhul. 3. rtett a. d. Op. Lucia di Lammermoor von Donizetti. 4. Scheiden und Meiden, Walzer von O. Fetras 5. Vor 100 Jahren, Hist. tr. Marsch⸗Pofpeurri von Th. Kruse. 6. Düppel⸗ D den 26. Sept. von 3 Uhr nachmittags an und die N. Schangen⸗Sturm-Marsch aun G. Piefte. Kreis Friedberg ü ingen Bad⸗Nauheim, 25. Sept. Bis zum 23. 8 tember 20 144 Kurgäste angekommen. Bäder wurden bis zum 1915 262 775 abgegeben. 170 Arbeiterbewegung. 25 Jahre Leipziger Gewerkschaftskartel. Das Leipziger Gewerkschaftskartell blickt auf ein 1 1 0 stehen zurifck. Es wurde am 8. September 1800 gain dem Kartell angeschlossenen Gew ften 3 185 Migt Gründung rund 8000, im Jahre 1914 aber 25 Während der 25jährigen Tätigkeit des Kartells 11 820% Leipziger Gewerkschaften, zum Teil durch das 2 8 050 geben: Zur Unterstützung arbeitsloser 72100880 1 ff zur Unterstützung kranker Mitglieder 5 400 000 Mark, 7 Lohn⸗ bewegungen 3 800 000 Mark, für sozigle Einrichtungen 11 Wahlen 64 000 Mark, für Bildungszwecke 33 000 Mark und zur Un. erhaltung des Arbeitersekretariats 139 000 Mark.. Unterstützungserweiterungen im Bauarbeiterverband. 1 Eine Konferenz des Verbaudsbeirats und ⸗Ausschussos mit dem Verbandsvorstand, die vom 16. 18. September in H en tagte, hat die Wiederinkraftsetzung der statuta rischen Arbei losen⸗ und Krankenunterstützungen vam 1. November d. J. ah beschlossen. Mit diesem Tage wird die am 173 0 August 1914 eingeführte Notstands⸗ unterstützung aufgehoben. Die R iseunterstützung wird noch nicht wieder eingeführt. Entgegen der en fra ieren. Bestim⸗ mung, wonach die Unterstützungs berechtigung für die eee Mitglieder erst dann wieder begissut, wenn vom letzten Tage der voraufgegangenen Unterstützungsperjode an gerechnet ein Warte⸗ jahr von 52 Wochen verstrschen und das Milg jed w shrend. dieser Zeit erwerbsjähig gewesen ist und mindestens 44 Vo beiträge 2 zahlt hat, soll für alle Mitglieder ein neues Unterstützungsjahr* ginnen, sofern sie vom Tage ihrer letzless ee Unterstützung ober seit dem 17. Auguft v. J. mindestens 44 Beiträge geleistet haben. Als Vollbeiträge werden auch die non der Notstandsunter⸗ stützung in Abzug gebrachten verminderten Beiträge angesehen. Um auch den nachwekslich erwerbsunfähigen Kranken, die während der Außerkraftsetzung des Statuts Unterstützung, nicht er⸗ halten haben und deshalb beitr rei waren, mit dem 1. November den statutarischen Unterstützungsanspruch zu siche rn, werden i die während ihrer Krankheit verabfolgten Freimarken als Voll marken angerechnet. 5 5 Die an beschloß alsdann noch, zu Weihngchten den Famflien der Kriegsteilnehmer nochmals eine Unterstützung 25 kommen zu lassen. Bisher ist diese Unterstützung während des Krieges dreimal zur Auszahlung gekommen. Sie hat dem Ver- bande bereits 336 000 Mark gekostet. Für die in Aussicht ge 1 vierte Auszahlung werden anderthalb Millionen Mark veransch 1 Der Verband der Buch- und Steindruckerei⸗Hilfsarbejter nach einem Kriegsjahre. b 8 g Wie viele andere Verbände, so mußte auch der aa een, 8 verband bei Kriegsausbruch das Statut zum Teil aufheben. 1 galt auch hier, die Rot der durch den Krieg arbeitslos Gewordessen zu lindern. In Anbetracht der vorhandenen Mittel wurde 7 nächst beschloffen, die Arbeitslosen 10 Wochen lang zu untersts Nach Ablauf dieser Zeit wurde die Unterstützung auf weitere 5 Wochen ausgezahlt. Dann wurde die Unterstützungsdauer auf 20 Wochen erhöht, und moch ehe diese Zeit perstrichen war ei der Verbaudsporstand eine Verfügung erlassen, wonach lle Aus steuerten auf weitere 5 Wochen noch eine Extraunterstützung er⸗ hielten. 5 1 Vom 1. August 1914 bis dahin 1915 wurde an arbeitslose Mitt 5 glieder die ungeheure Summe von 211.716 Mk. ausgezahlt. iese außerordentliche Hilselesstung war jedoch nur möglich, indem die 9 Arbeit befindlichen Mitglieder noch einen Extrabeitrag von 50 wöchentlich zahlten, wodurch 52 168 Mk. eingenommen wurden. 10. April konnte die Krankenunterstistzung wieder eingeführt wer⸗ den. Der Vorstand ist überzeugt, daß der Verband auch die 0 gende Kriegszeit glücklich überstehen wird und bej debe ne den aus dem Kriege heimkehrenden Mitgliedern wieder helfe zur Seite stehen kann. Eine Gauvorsteherkonferenz des Transportarbejterverbandes nahm nachstehende Erklärung an: Die ann 19. und 20. September 1915 in Berlin tagende; fereng von Vertretern der Gau- und Ortsvorstände des Deutschei Transportarbeiterverbandes hält die von der Mehrheit der soßzial⸗ demokralischen Reichstagsfraktion im Verlaufe des Krieges 1 genommene Stellung für die auch im Interesse der deutschen Gewenk schaften allein richtige. l Die Konferenz schließt sich den von der Generalkommission Gewerkschaften und der Konferenz von Vertretern der Ver 0 vorstände gegen das organisationssch de Treiben ein Sonderbündler gerichteten Erklärung vo udig an. blickt in diesen Versüchem unverafftwortlicher Quertreiber, splitterung und Uneinigkeit in die Organisatfon zu tragen, große Gefahr für das erfolgreiche Wirken der Arbeiterschaft politischem und wirtschaftlichem Gebiete. 5 1 Die Konferenz macht es deshalb gallen Verbandsfunktion zur unbedingten Pflicht, jedem Versuche, derartige organisatjonz⸗ zerstörende Bestrebungen in unseren Verband hineinzutragen, ß aller Entschiedenheit entgegenzutreten. Vermischtes. Eine Dynamit⸗Explosion in der Newyorker Untergrundbahn, Reuter meldet aus Newyork: Nach einem Polizejberi infolge einer Dynamjit⸗Explosion beim Bohren des Tunneks eine neue Untergrundbahn sieben Menschen umgekommen und m als 50 schwer verwundet worden. Eine Trambahn, die gerade der Explosionsstelle fuhr, und zwei Personen fielen in das die Erploston entstandene Loch. Unter den Toten befinden sich fl Arbeiter, die bei dem Tunnelbohren beschäftigt waren. Die F qäste in der Trambahn, 78 Personen, fiberfiel eine Panik. Anzahl Frauen schlug mit den bloßen Händen die Fensterschei ein, um aus den Wagen zu entkommen. Im Aaßeibe 1 Unglück geschah, waren die Straßen voller Menschen. Es wa ick, daß die Fußsteigplatten in der Nähe des Lochs st wäre die Zahl der Opfer noch größer geworden. 81 4 0 dhiel N Die. wehr ließ sich an Seilen durch das Loch in den Tunnel hies 17 brachte die Verwundeten herauf. Die Unternehmer des Tun baues widersprechen der Ansicht, daß eine zu große Ladung Dy gebraucht worden sej. Sie behaupten, daß ein großer Felsblt gegen die Eisenstreben, auf denen die Straßendecke ruhte, gef; dagen wurde, wodurch die Steine weggeschoben wurden. Mehr al Arbeiter waren jn dem Tunnel beschäftigt, die meisten jedoch war in gesichertem Obdach, als die Explosion vor sich ging. 1 Vereinskalender. i Sonntag, 26. September. , Waßzenboen⸗Steinberg. Wahl verein. Nachmittags 4 Mitgliederversammlung bei Wirt Ludw. Pfaff zur Ludwigs! Von den Apotheken in Siessen ist am Sonn hindurch geöffnet die Hirsch-Apotheke. D.Kaminka, Giehen e Marktplatz ll. übe, Ukrmacher und Goldarbeiter. 66 Jahre alt. geb. Reiber 9 Ruppert U TTT n — * 3 0 0 Ostgalizien Ruhe herrschte, Telegramme. C Lalksbericht des Großen Hauptquartiers. Fortschreitender Kampf um Dünaburg. Weiterer Rückzug der Russen auf Minsk. W. B. Großes Hauptquartier, 24. Sept., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Die Artillerie- und Fliegertätigkeit auf der ganzen Front lleigerte sich im Laufe des gestrigen Tages. Ein südlich des Kanals von La Bassee angesetzter Angriff weißer und farbiger Engländer scheiterte bereits in unserem Artilleriefeuer. An der Küste wurde ein euglisches Flugzeug abge— schossen. Der Führer ist gefangen genommen. Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. Südwestlich von Lennewaden sind die Orte Rose and Strigge, die vorübergehend geräumt waren, wieder genommen. Vor Dünaburg wurden nordöstlich von Melina weitere russische Stellungen gestürmt und dabei etwa 1000 Gefangene gemacht. Unsere bei Wilejka in der Flanke der zurückgehenden Russen befindlichen Kräfte stehen in hartnäckigen Kämpfen. Starke russische Angriffe hatten in einer Stellung vorüber⸗ gehend Erfolg. Dabei gingen mehrere Geschütze, deren Be— dienung bis zuletzt ausharrte, verloren. Die dem wesichenden Gegner hart nachdrängende Front hat die Linie Sol y— Olschany— Traby— Iwje— Nowo Grodek über⸗ schritten. Heeresgruppe des Geueralfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Der Widerstand des Feindes ist auf der ganzen Front ge⸗ brochen. In der Verfolgung ist der Sekwetsch-Ab⸗ schnitt oberhalb von Korelitschi sowie der Szezara— Abschnitt nordwestlich von Kraschin erreicht. Weiter süd⸗ lich fanden noch Kämpfe mit feindlichen Nachhuten statt. 100 Gefangene und 3 Maschinengewehre fielen in unsere Hand. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen. Die vorgeschobenen Abteilungen nordöstlich und östlich bon Logischin wurden vor einem umfassenden russischen Angriff hinter den Oginski⸗ Kanal und die Jasiolda zurückgenommen. Sie führten 2 Offiziere, 100 Mann ge⸗ fangen mit sich. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Keine Veränderung. Oberste Heeresleitung. Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Russische Mißerfolge an der Ilwa. Gescheiterte Angriffe der Italiener. Wien, 24. Sept.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: 24. September 1915. Russischer Kriegsschauplatz. Im Nordosten trat gestern keine Aenderung ein. Während in kam es im Raume von Nowo⸗Aleksiniee und an der unteren Ikwa zu heftigen Kämpfen. In dem erstgenannten Abschnitt griffen die Russen unter starkem Artillerieaufgebot elf Glieder tief unsere Linien an. Sie wurden überall unter den schwersten Verlusten zurückgeworfen, worauf ihnen unsere im Gegenangriff nachdrängenden Truppen noch eine Höhenstellung entrissen. Eine russische Batterie wurde durch unser Artilleriefeuer zersprengt. Bei Rydoml fielen auf ver⸗ hältnismäßig engem Gefechtsfeld 11 Offiziere und 300 Mann in unsere Hände. Auch die Uebergangsversuche des Feindes über die untere Ikwa scheiterten. 5 In der Gegend nordwestlich von Kolki am Siyr vertri e b unsere Reiterei den Feind aus einigen Ortschaften. Die in Litauen kämpfenden österreichisch⸗ungarischen Kräfte haben in der Verfolgung des Gegners weiteren Raum ge⸗ wonnen. Italienischer Kriegsschauplatz. An der Tiroler Westfront vertrieben unsere Landes⸗ schützen die feindlichen Alpini von der Albiolo⸗Spitze(nördlich des Tonale⸗Passes). Auf der Hochfläche von Vilgereuth wurde ein An⸗ griff einiger italienischer Kompanien auf den Durer(nordwestlich des Coston) abgewiesen. Etwa 1000 Italiener, die sich auf den Osthängen des Monte Piano gegen unsere Stellungen in Bewegung setzten, wurden durch unser Artilleriefeuer zum Rückzug gezwungen. Im Kärntner Grenzgebiete scheiterte ein feind⸗ licher Angriffsversuch auf die Cellen⸗Spitze löstlich des Plöcken⸗ Passes). Au der kü sten zu Geschützkämpfen. Die Gesamtlage ist unverändert. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Im Südosten verlief der gestrige Tag ohne wesentliche Begeben⸗ heiten. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnant. * Die Kämpfe an der bessarabischen Grenzfront. Czernowitz, 24. Sept. Im Zentrum der bessarabischen Grenzfront haben die Russen heute nacht einen a uß er st heftigen Ansturm unternommen. Der Kampf währte die ganze Nacht hindurch, die Russen trieben immer neue Reihen ins österreichisch-ungarische Feuer. Trotzdem die An⸗ stürme regelmäßig abgeschlagen wurden, unternahmen dennoch die Russen fortwährend neue Stürme. Vor unseren Drahtverhauen häuften sich die feindlichen Leichen. Nach starken Verlusten der Russen kam es zum erbitterten Hand⸗ gemenge. Der Versuch der Russen, unsere Stellungen zu gewinnen, blieb erfolglos. In den Kämpfen der letzten Tage wurde me 5 rumänische Neutralität verletzt. Ein russischer Flieger überflog einigemale rumänisches Gebiet. Nur ein einziges Mal wurde er von rumänischen Soldaten ange⸗ schossen. Mehrere russische Schrapnells sind über ruman⸗ schem Gebiet explodiert, ohne größeren Schaden anzurichten. Der Verkehr an der rumänisch⸗russischen Grenze in der Nähe des Kampfplatzes ift deswegen aefährdet. ländischen Front kam es gestern nur mehrmals die Japan wieder der Erretter! Paris, 24. Sept. Die Agence Havas glaubt, folgende Meldung des Petit Parisien aus Turin wiedergeben zu müssen: Die russischen Blätter veröffentlichen Depeschen aus Tokio, wonach eine Intervention Japans zugunsten Ruß⸗ lands bevorstehen soll. Die ungeheuren russischen Ofsiziersverluste. 0. U. Bukarest, 24. Sept. Wie die Moldava aus zuverlässiger Auzile erfährt. haben die Russen in dem ersten Kriegssahr 223 271 Offiziere an Toten, Verwundeten und Gefangenen verloren. Die Zerstörungen in London. Zu dem letzten, von Kapitänleutnant Mathey ausge⸗ führten Zeppelinangriff auf London hat der bekannte ameri⸗ kanische Journalist v. Wiegand über die sichtbaren Erfolge des Unternehmens nach Amerika das folgende berichtet: Zu⸗ verlässige Berichte gehen dahin, daß der Li veypoolbahn⸗ hof in London fast vollständigzzerstört wurde. Dort befindet sich ein durch Bomben verursachter Trichter, in dem man zwei Omnibusse unterbringen könnte. Eine große An⸗ zahl von Telegraphenmasten und Semaphormasten liegen auf den Bahnstrecken, so daß die Züge den Verkehr einstellen und die Passagiere die Züge verlassen mußten. In Bishopsgate(bei Liverpool-Station) wurden vier große Geschäftshäuser zerstört, ebenso wurden die Towerbrücke und der Holborn⸗Viadukt schwer beschädigt. In der Woodstreet zwischen der St. Paul⸗ Station und der Bank von England wurden mehrere Ge⸗ schäftshäuser in Brand gesetzt. Das hintere Teil des Ge⸗ bäudes der Bank von England sowie die Börse wurden gleichfalls getroffen. Eine Bombe fiel auch in der Nähe des Tower, eine andere in der Nähe der London-Brücke. Große Zerstörungen werden auch aus der Leadenhall⸗Street gemeldet, ebenso auch aus Bloomfield, Northon⸗Falgate, Morrgate, Aldersgate(Holborn) near Farrington⸗Road, Hattongarden-Wood. Die dritte deutsche Kriegsanleihe. 12000 Millionen Mark! Ein neuer glänzender Erfolg Deutschlands ist das Er⸗ gebnis der dritten Kriegsanleihe, das über zwölf Milliarden Mark darstellt. Es ist ein gewaltiger Erfolg in zwei Rich⸗ tungen: Einmal sichert das finanzielle Ergebnis auf ein wei⸗ teres halbes Jahr die deutschen Kosten des Weltkrieges. Und zweitens muß der moralische Eindruck, den dies Ergebnis der Kriegsanleihe des angeblich völlig erschöpften Deutschen Reiches im Auslande macht, ein gauz gewaltiger sein. Die ständige Hoffnung der Feiude, Deutschland, das man mili⸗ tärisch nicht zwingen kann, finanziell und wirtschaftlich zu Boden zu ringen, muß danach in ihrer ganzen Schwäche aller Welt klar werden. Wenn die Gegner den furchtbaren Krieg noch über den kommenden Winter hinaus fortsetzen wollen — unter ganz ungeheuren Opfern eben dieser Gegner— dann zeigt das Resultat dieser dritten deutschen Kriegsanleihe, daß Deutschland bereit und imstande ist, den Kampf auch für diese Zeit mit ungeschwächten Kräften fortzusetzen. Hoffen wir, daß in diesem Sinne das über alles Erwarten glänzende Ergebnis der dritten deutschen Kriegsanleihe zum Mittel wird, den furchtbaren Krieg abzukürzen und bald zu beenden. Der Reichsschatzsekretärzum Auleiheergebnis. Der Staatssekretär des Reichsschatzamtes, Dr. Helfferich, hat sich gegenüber Vertretern der amerikanischen Presse über das Ergebnis der dritten Kriegs⸗ anleihe ausgesprochen, die nachstehende Aeußerungen des Staatssekretärs nach den Vereinigten Staaten kabelten: Das Ergebnis der dritten deutschen Kriegsanleihe ist rund 12 Milliarden Mark. Zusammen mit der ersten Kriegsanleihe vom September 1914: 4½ Milliarden Mark und der zweiten Kriegs⸗ anleihe vom März 1915: 9,1 Milliarden Mark stellte also das deutsche Volk rund 25½ Milliarden Mark in Form langfristiger Anleihen endgültig für den Krieg zur Verfügung. Damit sind alle bisher aufgelaufenen Kriegskosten gedeckt, darüber hinaus ist neues Geld und unser kurzfristiger Kredit verfügbar für die weitere Kriegführung. Wir haben nicht nur neue Heere, wie der Reichs⸗ kanzler im Reichstag gesagt hat, sondern auch neue Milliarden frei zu neuen Schlägen. Die Finanzierung des Winterfeldzuges bis in das Frühjahr hinein ist gesichert. Die auf die dritte deutsche Kriegsanleihe gezeichnete Summe übertrifft noch die über die ganze Welt als unerreichbare Leistung gerühmte zweite englische Kriegsanleihe. Die dritte deutsche Kriegsanleihe ist mithin die größte Finanzoperation der Weltgeschichte. Im Wege langfristiger Anleihen hat England bisher 18 ½, Deutschland 25% Milliarden aufgebracht. Dabei sind die bisher aufgelaufenen Kriegskosten Englands kaum geringer als diejenigen Deutschlands und werden bald größer sein, da England heute fast 100 Millionen Mark, Deutschland nicht viel mehr als 60 Millionen Mark täglich für den Krieg ausgibt. Das sind in Deutschland eine Mark, in England mehr als zwei Mark täglich pro Kopf der Bevölkerung. Ich zweifle, ob die englischen Finanzleute heute noch glauben, daß sie den längeren Atem haben werden. In diesem Zweifel werde ich durch folgende Erwägungen bestärkt: Deutschland hal drei Kriegsanleihen bei gleichem Zinssatz der Reihe nach zu steigendem Preise begeben, England mußte den Zinsfuß von 3½ auf 4% Prozent erhöhen und ist aller Voraussicht nach jetzt gezwungen, für die neue Kriegsanleihe, sei es im Inland oder in Amerika, 5 Prozent zuzugestehen. Deutschland hat seine Kriegsanleihen aus⸗ gezeichnet placiert, was sich darin zeigt, daß der Kurs stets höher als der Ausgabekurs notiert. England hat seine Kriegsanleihen schlecht placiert, ihre Notierung steht um mehrere Prozent unter dem Ausgabekurs. England stattete, um für die zweite Kriegsanleihe einen großen Erfolg zu erzielen, die Titres mit Konversionsrechten für die 2½prozentigen Konsols aus. Die erste Zi prozentige Kriegsanleihe gewährte andere „Inducements“. Deutschland erzielte einen größeren Erfolg ohne alle künstlichen Reizmittel. Alles, was das Ausland über einen Druck und Zwang verbreitet, ist Fabel. Wir wandten uns ledig⸗ lich an die finanzielle Kraft und den Patriotismus der Mitbürger. Der Erfolg muß der Welt die Augen öffnen, wie stark Deutsch⸗ lands Finanzkraft und wie stark sein Wille ist. England bedrohte die Vereinigten Staaten bei Ausbruch des Krieges durch die rück⸗ sichtslose Zurückziehung seiner. Guthaben. Heute sind die Rollen vertauscht: England sucht Geld in Amerika; Deutschland dagegen findet die Mittel zur Kriegführung bei sich selbst und braucht keine fremde Hilfe. Der Glückwunsch des Kaisers. Der Haiser hat an den Staatssekretär des Reichsschatz⸗ amtes Dr. Helfferich auf die Meldung über den Erfolg der dritten Kriegsanleihe nachstehendes Telegramm gerichtek: „Ich dauke Ihnen für die Nachricht vom dem glänzenden Aus. fall der Zeichnungen auf die dritte Kriegsauleihe und beglück⸗ wünsche Sie zu diesem weuen, schönen Erfolg unserer Ihrer Leitung anvertrauten finanziellen Kriegsührung. Das be. Voll hat im vollen Vertrauen auf die eigene Kraft damit dem Feinde wie der ganzen Welt bekundet, daß es auch ferner wie ein Mann einmütig zusammensteht im dem unerschsütterlichen Willen, den durch freventlichen Ueberfall uns aufgezwungenen Krieg bis zum sieg reichen Ende durchzuflihren und für die Sicherheit und Freiheit des Vaterlandes jedes erforderliche Opfer anf Gut und Blut freudig darzubringen. Wilhelm I. K.“ a Nach Empfang des endgültigen Ergebnisses der drittem Kriegsanleihe richtete der Kaiser aus dem Großen Hauptquartier an den Staatssekretär des Reichsschatzamtes, Staatsminister Dr. Helfferich, eine zweite Drahtu folgenden Wortlautes: 5 Meinen wärmsten Dank für die Meldung von dem 5 Erwarten günstigen Erfolge der dritten Kriegsanleihe, der einem glänzenden Siege auf dem Schlachtfelde gleichkonmt keine Blutopfer gefordert hat. Wilhelm I. R.“ Dank an Lehrer und Schüler. 3 Vom Kaiser ist dem Kultus m inister aus dem Großen Hauptquartier folgendes Telegramm zugegangen „Wie ich höre, hat zu dem glänzenden Ergebnis der Zeiĩch⸗ nungen auf die dritte Kriegsanleihe die Tätigkeit der Leh rer und Schüler in erfreulicher Weise beigetragen; In Würdigung des überraschend großen Erfolges wünsche ich der Schuljugend meinen Dank zum Ausdruck zu bringen und bestimme, daß in den Schulen der Monarchie am morgigen Tage der Unterricht ausfällt. Ein österreichisches Urteil. Wien, 24. Sept.(W. B. Nichtamtlich) Die Wiener Allgem⸗ Ztg. bezeichnet das Ergebnis der dritten deutschen Kriegsamleihe als beispiellos und alle Erwartungen übertressend. Das Blatf sagt:„Die neuerliche glanzvolle Bekundung der Opferwilligkeit des deutschen Volkes wird im feindlichen Auslande e aber a Verblüffung hervorrufen. In der Monarchie aber ruft 5 Ergebnis freudige Genugtuung hervor.“ 5 7 2 4* 1 2— 5 Der türkische Tagesbericht. f Artillerieerfolge. Konstautinopel, 24. Sept.(W. B.) Das e teilt mit: Au der Dardanellenfront bei Anaforta griffe unsere Aufklärungspatrouillen die feindlichen Gräben int Bombenan, fügten dem Feind Verluste zu und erbeutete Gewehre und Munition. Wir stellten fest, daß wir e Beschießung des feindlichen Lagers von Buyuk Kemikli 22. September erusten Schaden aurichteten. Bei Ari Bur zerstörte unsere Artillerie am rechten Flügel die Gräben dez Feindes, Teile ihrer Werke, seine beiden Beobachtungsposte⸗ und versenkte zwei mit Grubenholz beladene Segelschiff In der Nacht vom 22. September brachten wir am f. Flügel eine Mine zur Explosion und eine Gegenmine des Feindes zum Zusammensturz. Am 21. Seplember vernĩ teten wir bei Sedd⸗ül⸗Bahr in der Umgebung von Kere zere eine feindliche Patrouille, bestehend aus einem Offi; und neun Mann. Unseve Artillerie brachte eine feindlich Batterie zum Schweigen, die ihr gagenübarstand, und zw ein feindliches Torpedobvot, das sich Hissarlik⸗Burun nähert zur Flucht. Unsere Küstenbatterien verjagten durch i N Feuer ein feindliches Torpedobvot, das sich der Meeren näherte und beschossen auch erfolgreich feindliche Truppen be Mortoliman sowie die feindliche Artillerie beß Hissarlik. 21. September warf ein feindlicher Flieger, ohne ein Ergeb⸗ nis zu erzielen, drei Bomben auf ein Lazarett an den Dar danellen, dessen Lage und Abzeichen seit langer Zeit bekam waren. Auf den übrigen Fronten keine Veränderungen. 5 Ein vereitelter Landungsversuch an der kleinasiatischen Küste. Konstantinopel, 24. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Man erz fährt jetzt, daß am 14. September drei kleine feindliche Schiffe 53 Geschosse gegen Tuzla nördlich Budrun an der Küste des Wilajets Smyrna abgefeuert haben und mittels Motorbooten Truppen zu landen versuchten. Der Feind mußte sich jedoch, da die türkischen Truppen das Feuer tapfer erwiderten, zurückziehen. Vom Balkan. Die serbisch⸗bulgarischen Grenzgebiete als Kriegszone. Budapest, 24. Sept. Nach einer aus Sofia kenne be langten Nischer Meldung hat die serbische Armeelestung dit serbisch-bulgarischen Grenzgebiete als Kr iegszone erklärt! 2 i Bulgarien will nicht angreifen? Budapest, 24. Sept.(W. B. Nichtamtlich.) Nach hiesi gen Berichten aus Sofia drückten die Ententege⸗ sandten Radoslawow gegenüber ihr Bedauern 858 daß die Mobilisierung angeordnet wurde, ehe der Standpunkt der bulgarischen Regierung zu dem letzten Anerbieten der Entente ihnen kundgegeben worden sei. Die Gesandten 7 klärten, daß ihre Regierungen zu einem en ergischen Schritt gegen Serbien entschlossem seien, jedoch erwarten sie, daß die bulgarische Regierung ihre Entschlüsse aufschiebe, bis dieser Schritt irgend ein Ergebnis habe. Radoslawow erwiderte, die Mobilisierung könne nicht als eine Maßregel aufgefaßt werden, die eine Spitze gegen die Ententemächte habe. Sie sei hervorgerufen wor⸗ den, weil dem bulgarischen Gesandten in Nisch in einer Note erklärt worden sei, daß das ganze Gebiet längs der ser⸗ bisch⸗bulgarischen Gremze zur Kr iegs zowee erklärt worden sei. Die bulgarische Regierung habe shre Entscheidun⸗ auf das Anerbieten der Entente verzögert, wei die Gesandten selbst ersucht hätten, die Beantwortung hin auszuschieben. Mittlerweile habe das Vorgehen der serbi⸗— schen Regierung Bulgarien gezwungen, die unerläßlichen Vorkehrungen zu treffen. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. l Verlag von Krumm& Cie., Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach aM erbst⸗Pferden zu Gießen. Am Mittwoch, den 29. September 1915, vormittags von 7 Uhr ad. findet auf den städtischen Marktanlagen au der Rodheimerstraße . Mit dem Pierdemartt ist eine Prämierung 2 ges besten Pferdematerials verbunden, wofür über 2200 Mark zur e ungsplan ist von Herrn Weinhändler August Schwan in Gießen erhälllich. Die Prämienverteilung erfolgt nach Beendigung der Prämiierung. Gießen, den 8. September 1915. Die städtische Pferdemarkt⸗Deputation. Grünewald, Beigeordneter. N 7 7,, 0 Telegramm! Achtung! Achtung! Mache die geehrten Einwohner von Gießen und Umgegend barauf aufmerksam, daß durch verspätetes Eintreffen der letzten, Waggons der Verkauf um 7 Tage :: verlängert wird:: Bemerke noch, daß alle fehlenden Sachen wieder am Lager sind, z. B. Löffelbleche(weiß) 1.10 Mk., Sand, Seife, Soda mit Schrift 160 Mk., eiserne geschliffene Pfaunen 34 em 1.20 Mk., ovale Spülwannen mit Fuß, 40 em 1.50 Mk., 45 em 1.70 Mk. Hochachtend Frau Carl Dorp aus Elberfeld. 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