b eich g Die Oberbessische Volksgeitung erscheint jeden Werktag Abend in Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich 60 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl.. 80 Mt. Redaktion und Expedition Gießen, Bahnhofstraste 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Juserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pig. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. 1 Gießen, Freitag, den 24. September 1915 10. Jahrgang Die füssungsschlacht von Wilna. Von Richard Gädke. Mit einem grimmigen Lächeln wird der gestürzte Großfürst in iflis die Nachrichten lesen, die ihm der amtliche Bericht über en Verlauf der Kämpfe in Litauen bringt. Vielleicht sagt er zu inem getreuen Januschkewitsch:„So gut hätten wir es am Ende uch noch gekonnt.“ Seine Rückzugsstrategie, so wenig einwand— tei sie nach dem Falle von Brest-Litowsk auch war, feiert gewisser⸗ Allerdings ist es nicht ganz seiner Absetzung den Enkt⸗ Hluß zu einer neuen Schlacht gefaßt hatte, durch die er das Drängen der deutschen Heere aufhalten wollte und vielleicht auf ne siegreiche Verteidigungsschlacht hoffte. Es wäre möglich, daß as Drä gen von Petersburg her ihn dazu veranlaßt hätte. Zenigstens scheinen in den ersten Tagen des September während er Eroberung Grodnos durch die Deutschen seine Entschlüsse mehr⸗ ich geschwankt zu haben. An sich war es ein schwerer Fehler der russischen Heeresleitung, 1 ch zur Schlacht zu stellen, nachdem die starke Njemenlinie ver⸗ bren gegangen war: sie taten damit gerade das, was der deutsche eldherr aufs innigste wünschen mußte. Zu rechtfertigen war kkeser Entschluß nur daun, wenn er entschlossen und imstande war, kit dem weitvorgebogenen rechten Flügel Riga⸗Dünaburg gleich⸗ gitig zum Angriff vorzubrechen. Und selbst dann wäre es vor⸗ N Eilssichtlich zweckmäßiger gewesen, die Front zunächst in raschen Närschen bis zur Linie Dünaburg⸗Minsk⸗Luninez zurückzu⸗ sehmen, dort das Heer gründlich herzustellen und einzugraben. 75 ie russischen Entschlüsse scheinen politische Gründe mehr is militärische maßgebend gewesen zu sein: die Rücksichten sowohl uf die bedrohlichen Verhältnisse im Innern, wie auch auf die Ge⸗ jaltung der Dinge auf dem Balkan. Hoffte man immer noch auf riechenlands und Rumäniens, vielleicht gar auf Bulgariens Ein⸗ Keiseng daun durfte man sich freilich nicht als besiegt erklären. Nan mußte versuchen, die deutschen Kräfte dort aufzuhalten und sir längere Zeit zu binden. Und so ging es denn, wie es immer ght, wo die Politik ihre verderblichen Einflüsse auf die bessere Ein— scht des Feldherrn ausübt. zm übrigen scheint mau die eigenen Streitkräfte in den (renzen des Möglichen verstärkt und umgruppiert zu haben und nan rechnete wohl, daß die Front, die von der Ostsee bis zu der soljessie reichte, so leicht nicht umfaßt werden könne. Der endgiltige Entschluß zur Schlacht scheint alsbald mit der lebernahme des Oberbefehls durch den Zaren gefaßt worden zu lin. Vom 6. September an verdichtete sich der russische Wider— sund auf der ganzen langen Front. Zugleich aber begann die 11 55 Heeresgruppe der Russen, unter dem Befehl des Generals (vauow, ihrerseits zum Angriff vorzugehen, der in den nächsten Der ganze neue Feldzugsplan ist durchgeführt worden, und verfehlt gewesen wäre, ö U dagen an Heftigkeit zunahm. ao jedenfalls in einheitlicher Weise denn er nicht dem Grundgedanken nach knnte man ihm eine gewisse Großartigkeit nicht absprechen. Die deutsche Heeresleitung hat es verstanden, den Fehler der Jussen tatkräftig auszunutzen. Sie fand die schwache Stelle des begners in dem Raume zwischen Dünaburg und Wilna, der an⸗ sheinend verhältnismäßig dünn, zum Teil nur durch Reiterei be⸗ st war Hier sollte die 10. Armee des Generals v. Eichhorn lrchbrechen, um dann von Norden und Nordosten her den rechten Nügel der 330 Kilometer langen Front, die sich nördlich Wilna⸗ Crany⸗Wolkewysk⸗Prushany⸗Kobrin ausdehnte, zu umfassen und um den Rlickzugsstraßen nach Minsk abzuschneiden. Damit aber die 10. Armee ihre Aufgabe erfüllen konnte, mußte I gegen Bedrohungen in Flanke und Rücken durch die russische geresgruppe des Generals Rußki aus der Front Riga⸗Dünaburg Armee Below zu. Zu ssichert werden. Dieser Auftrag fiel der der unteren hesem Zwecke reinigte sie zunächst das linke Ufer Luna vom Gegner, den sie aus den Brückenköpfen von Jakobstadt hid Friedrichstadt in den ersten Septembertagen hinauswarf Sie ii dann Riga zunächst liegen und wandte sich mit verstärktem lichten Flügel gegen den großen Brückenkopf von Dünaburg. Hier urr der gefährliche Punkt, von dem aus Eichhorns Umfassungs⸗ bvegung aus den Angeln gehoben werden konnte. Am 14. 1 nber begann sie ihre Angriffe, die bald zu einem heftigen Kampfe 1 9 worden. Mit Mühe konnten die Nussen sich zunächst noch be⸗ Aupten, aber nicht daran denken, ihren gefährdeten Kameraden bei Alna Hilfe zu bringen. Inzwischen hatte die lange deutsche Ir er n griff begonnen, der angesichts des hartnäckigen Widerstandes en Russen nur langsam Schritt vor Schritt Raum gewinnen bunte. Um so besser für das Gelingen der Umfassungsbewegung, am 10. September angetreten wurde. Verschleierud scheinen ih große Reitermassen vorhergegangen zu sein, die besonders auf em linken Flügel die russische Reiterei zurückwarfen. Vom Sept. an entwickelten sich zwischen Dünaburg⸗Wilua⸗Meretsch üßere Gefechte. am 12. war Eichhorns Vorbewegung bereits n„flottem Gange“: die Bahn Dünaburg⸗Wilna wurde von den Fortruppen überschritten: die Truppen Hindenburgs hatten wieder iiumal ihre Siebenmeilenstiefel angelegt: Niemandem mehr als ihm scheint der Grundsatz Napoleons zum Evangelium geworden zu en, daß man die Schlachten mit den Beinen der Soldaten ge⸗ int. Und noch immer scheint die Heerführung der Russem die aße Gefahr nicht geahnt zu haben, die ihr hier aus dem Norden lruhte. Ob sie in ihrer rechten Flanke nur stärkere Reiterei vor 5 5 Ob sie allzu hypnotistert nach der Westsront starrto, nn Ir Truppen in schwerem, verlustreichem Kampse. gegen die meen Scholz, Gallwitz, Prinz Leopold standen, während gegen den linken Flügel sich Mackensens Heersäulen immer weiter urch das Sumpfgebiet der Polfessie arbeiteten? Noch am 15. zcptember leistete die rufsische Mitte harten Widerstand aud der zarschierte, östlich der Bah ülna⸗Dünaburg die une Wien wönzischki⸗Komai 5 1 7 nordöstlich Wilna, schon ont auch ihrerseits den 15 1 7 siegreich kämpfte. Er stand den Wegen, die über Minsk nach dem Osten führen, zum Teil näher als die in der Front fechtenden Russen. Erst am folgenden Tage begannen sie südlich Wilna unter den wuchtigen Schlägen der Armee Scholz zu weichen, am folgenden Tage aber erreichten Eichhorns Truppen bereits die Eisenbahn Wilna⸗Minsk auf der Front Smorgon-Molodetschno. 68 Kilometer südöstlich Wilna. In erstaunlichen Gewaltmärschen wax damit die riesige Umfassuagsbewegung vollendet, während die russischen Truppen noch bei Wilna standen. Von hier bis Minsk sind es 170 Kilometer, von Molodetschno nach Minsk nur 64. Erst am 18. wurde Wilna von den Russen geräumt und war der russische rechte Flügel eingekesselt zwischen den Bahnen Wilna⸗Lida⸗ Baranowitschi und Wilna-Molodetschno-Minsk. Nun ist ja diese Umkreisung nicht so zu verstehen, als wenn eine Volksmenge auf dem Molkenmarkt von Schutzleuten eingekreist wird. Zwischen Lida und Molodetschno ist immer noch ein Raum von 110 Kilometern. Es ergeben sich also für einen zähen Gegner noch manche Möglich- keiten der Rettung. Trotzdem sollte man meinen, daß beträchtliche Teile sich aus der Schlinge nicht mehr werden befreien können und daß die Beute des Siegers eine sehr große sein wird. Das müssen schon die allernächsten Tage ergeben. Wir werden, wie gesagt, noch etwas warten müssen, denn das warnende Sprichwort„Zwischen Lipp' und Kelchesrand...“ gilt nirgend mehr als im Kriege. Aber der Anblick des Krieges im Osten hat doch noch nie, auch in den letzten viereinhalb Monaten nicht, so zukunftsfroh ausgesehen wie zur Stunde. 8 2 5 1 7 7 5 Wie wird der Weltkrieg enden? Ueber die„Entscheidung“ des Weltkrieges äußert sich eine von der Basler Nationalzeitung am 17. 9. veröffentlichte Zuschrift des Blattes wie folgt: Die Mehrzahl der Betrachtungen über die weitere Entwicklung des Krieges kommt zu dem Ergebnis, daß die Mittemächte nach Beendigung der Offenstve im Osten eine„Entscheidung“ im Westen herbeiführen werden. Rein militärisch betrachtet, ist dieser Plan durchaus einleuchtend. Aber militärische Erwägungen allein können die Frage nach der Entscheidung nicht lösen. Letzten Endes werden die Politiker bestimmen, welche militärische Lage der Dinge die Beendigung des Kampfes erwünscht erscheinen läßt. Hierbei ist den Pressestimmen der kriegführenden Länder kein Wert beizulegen. Diese können nicht anders, als sich von der Eroberung Calais' durch die Deutschen, oder von einem Vorstoß der Verbandsmächte bis zum Rhein die endgültige Entscheidung zu versprechen. Als allein maßgebend dürfen vielmehr die offiziellen Kundgebungen der Regierungen angesehen werden. Aus diesen geht aber mit Klarheit hervor, daß keine der Regierungen daran denkt, es könne ihr gelingen, einen Gegner so zu Boden zu werfen, daß er sich auf Gnade und Ungnade unterwirft. Daraus aber folgt logisch, daß der Krieg nur durcheine Verständigung der Kriegführenden untereinander beendet wer⸗ den kann. Ohne sich in Vermutungen zu verlieren, dürfte man nach der bekannten Rede des deutschen Reichskanzlers und Greys Er⸗ llärungen dazu behaupten, daß eine solche Verständigung schon angebahnt wird, daß die Heere schon nicht mehr kämpfen, um den Gegner zu„vernichten“, sondern um eine mög⸗ lichst günstige militärische Grundlage für die Friedensbedingungen zu erreichen. Deutschland hat durch den Mund des Reichskanzlers sein Kriegsziel und seine Friedensbedingungen deutlich zu erkennen gegeben. Es ist bie Schaffung eines unabhängigen Polens. Aus der Absicht dieser großen Veränderung im Osten ist zu schließen, daß man im Westen Annexionen nicht beab⸗ sichtigt. Mit dieser Orientierung der deutschen Politik wird das Schicksal der besetzten Landesteil Belgiens und Frankreichs in nicht mißzuverstehender Weise bestimmt. Die Grundrichtung Beth⸗ mannscher Politik ist: Schwächung Rußlands, erträglicher Frieden im Westen. Diese Politik kommt dem Kriegsziel der West⸗ mächte weit entgegen. Es liegen so die Kriegsziele der deut⸗ schen und englisch⸗französischen Regierungen nicht mehr so weit auseinander, daß man nicht in Verhandlüngen auf dieser Grund⸗ lage eintreten könnte. Wenn das noch nicht geschieht, so liegt es in der Hoffnung der Verbandsmächte, durch Erzwingung der Dardanellen sich ein Kompensationsobjekt von größerem Wert für die Verhandlungen verschaffen zu können. Das wissen die Mittemächte ebensogut. Daher gibt es flir sie nur die eine Direktive: Konstantinopel und die Dardanellen zu siche en. Spricht man überhaupt von einer„Entscheidung“ in diesem Weltkriege, so liegt sie in der Türkei. Daher werden wir nicht im Westen, sondern auf dem Balkan großen Aktionen entgegengehen. Gelingt es den Mittemächten, die Balkanlage zu ihren gunsten zu gestalten, und werden dann hier wieder starke Kräfte frei, dann wird die Lage auch für die Westmächte bedrohlich oder doch so unvorteilhaft, daß der Gedanke der Westmächte an eine Offeußve unausführbar wird. Aus der Bethmannschen Politik ergibt sich dann aber, daß auch Deutschland nicht die Offensive ergreifen, sondern in diesem kritischen Augen⸗ blick eine weise Mäßigung gegen den Westen beobachten wird, die einen Weg zu jener Verständigung anbahnt, die allein die Welt von der Last des Krieges befreien kann. Nur durch solche weife Mäßigung Deutschlands wird die Grundlage für einen Frieden gegeben sein, der ein dauernder sein kann. Rufsisches Flüchtlingselend. Ein erschütterndes Bild von dem Elend, das die sinnlose und unmenschliche Rückzugsstratogie der Russen unter der Bevölkerung angerichtet hat, gibt der folgende, vom 9.(22.) August datierte Brief eines vussischen Soldaten, der in deutsche Hände gefallen ist. Teuerste Waljal g Denle, liebe Walja, seit dem 1. August haben wir keine Ruhe und Rast mehr. So war es ausgeschlossen, selbst den kleinsten Brief zu schreiben. Denn beute endlich habe ich ein paar freie Mi⸗ uͤuten, um Dir Nachweche zukommen lassen zu können. Balkan. Walja! Du kannst Dir auch nicht die geringste Vorstellung machen, wie es hier zugeht und was mit der Bevölkerung alles gemacht wird. Tag und Nacht fahren sie. Es ist unmöglich, sich durch die unendlichen Reihen durchzuwinden. Die Flüchtlinge verlassen ihre heimatlichen Dörfer und führen, was sie nur mit sich nehmen kön⸗ nen, auf irgend welchen Wagen nrit. So ziehen sie dahin, ohne zu wissen wohin. Frieren müssen sie Tage lang! Wasser gibt es hier überhaupt wicht und Flüsse sind keine da.. Kurz, die Unseren schleppen die Menschenmassen zur Vernich⸗ tung, Kinder weinen und schreien, aber alles umsonst! Unzählige sterben unterwegs. Man läßt sie aber einfach liegen, entlang der Straße in den Gräben und schüttet etwas Erde darauf. Weiter und weiter geht der unendliche Zug! Oh, großer Gott, Walla, ein ungeheures Elend hat die Menschheit betroffen in dieser mit henblut überschwemmten Gegend! Man kann dies alles gar⸗ nicht schildern, so furchtbar gräßlich ist es. Aber wenn ich gesund bleibe und wiederkomme, werde ich Dir alles sagen können. Das Wetter ist unerträglich geworden. Heute kam ein kleiner Regenguß und da konnten wir nach langer Zeit wieder etwas auf⸗ atmen und uns von dem Staub, Rauch und Schmutz erholen. Wir haben helle und heiße Tage. aber die Sonne ist nicht zu sehen, denn das Feuer der Geschütze, die Rauchwolken der platzenden Geschosse verdunkeln den Himmel. Datzu kommt noch der Rauch und Brand bei der Vernichtung aller Ansiedlungen, Dörfer und Städte beim Abzug unserer Truppen. Alles, alles, was überhaupt zu verbren⸗ nen ist, müssen die Unfrigen anzünden, damit der Gegner nichts in die Hand bekommt. So ist dies alles kein Leben mehr, sondern eine Völker⸗ hin richtung. Schon seit zwei Wochen kann man keine Zünd⸗ hölzer bekommen, Zigarettenpapier ist auch nicht zu haben— wir rauchen jetzt wit dem Papier Nr. 7(Schreibpapier). Was für eine Kriegszeit ist über uns gekommen. Krieg kann man das Schreckliche aber nicht wehr nennen.— Es ist so, wie wenn man eine unzählige Menschenenenge in einen großen Kessel pressen würde und der gänzlichen Vernichtung preisgäbe. Was die Zu⸗ kunft alles bringen wird, von all dem Furchtbaren kanm man heute moch gar keine Ahnung haben! Vor uns her ziehen die Flüchtlinge zu Zehntausenden und hinter uns sieht es aus, wie eine ungeheure Heuschreckenmasse, die alles verschluckt und nichts hinter sich läßt. Je weiter wir zurückkommen, desto schrecklicher wird es werden Ich bekam schon lange keinen Brief mehr von Dir. Schreibe mir, welche Bücher angekommen sind, und wer ihr Verleger ist. und wie es Dir geht. Ich wünsche Dir Gesundheit und frohes Wiedersehen mit mir. Ich küsse Dich und die kleinen Kinderchen. Erwarte baldige Antwort. Dein treuer J. P. Shuiko w. Arbeiteruntuhen in Petersburg und anderen Städten. In den Straßen der nördlichen Vorstädte von Peter g, auf der Wiborger Seite, fanden wegen der Vertagung der Duma Kund⸗ gebungen und Um e mit roten Fahnen statt, Rufe ertönten: „Nieder mit der Regierung!“ Die Arbeit in einem Drittel aller Fabriken ist eingestellt. Dem Mir wird der Aufruf des Generals des Petersburger Kriegsbezirks, Frolow, zugestellt, der besagt: Die Arbeiter haben in den Fabrikgebäuden allerhand Fragen erörtert und die Zusammenkünfte auf die Straße verlegt. Straßenskandale und Arbeitseinstellungen folgten. Unser Hauptkommandierender. General Rußki, nennt eine solche Handlungsweise Vaterlandsverrat⸗ Wenn wir auch schmerzlich die Ereignisse auf den Kriegsschauplätzen empfinden, so sind doch keinesfalls innere Unruhen berechtigt. ermahne euch, dient und seid tätig. In Smolensk fanden große Stvaßenunruhen statt, in deren Verlauf mehrere Geschäfte zerstört wurden. In Kostroma gab es tumultuarische Unruhen, zu deren Unterdrückung Militär aufgeboten werden mußte. Die Ausschreitungen begannen überall wegen der Teuerung, nahmen jedoch bald einen rein politischen Charakter an und erreichten einen großen Umfang. Die Menge stieß Rufe gegen die Regierung aus und schwenkte Fahnen, auf denen zu lesen stand: „Statt der Freiheit winkt uns wieder die Knute.“ Der Gemeinderat der Stadt Twer hat einstimmig beschlossen, das Dumapräsidium telographisch aufzufordern, es möge dem Zaren unverzüglich die Bitte unterbreiten, mit der Durchführung weitreichender freisinniger steformen nicht so lange zu zögern, da das Volk mit Bestimmtheit auf solche rechne und diesmal nicht getäuscht werden dürfe. Die Einberufung des ungedienten Landsturms. Petersburg, 22. Sept.(W. B. Nichtamtlich.) Der Rjetsch veröffentlicht ein Manifest des Zaren vom 13. Sep⸗ tember betreffend die Einberufung des ungedienten Land⸗ sturms. Der Aufruf besagt, daß der Feind in das Land ein⸗ gebrochen und es deshalb nötig sei, mit neuen jungen Kräften die Armee zu stärken. Nowud vollständig geräumt. a T. U. Stockholm, 22. Sept. Flüchtlinge aus Rowno erzählen, daß die Stadt vollkommen leer ist und daß die Lebensmittel zur Neige gehen, sodaß es unmöglich ist, in der ganzen ausgestorbenen Stadt etwas zu kaufen. In Klewany, einer Station vor Rowno, stehen russische Vorposten. Die Cholera in Südrußland. Trotz der russischen Vertuschungsmaßnahmen wird die Tatsache doch bekannt, daß in Sstdruß land die Cholera große Fort⸗ schritte macht. Gauge Dörser und Landstriche in Bessarabjen, Podo⸗ lien, Cherson und Taurien sind verseucht. In zahlveichen Ortschaften sind mehr als zehn Prozent der Bevölkerung erkrankt, wovon mehr als fünfzig Prozent sterben. Jufolge Mangels jeden Aerztemate⸗ rials, das beim Heere verwendet wird, sind die Sanitätsmaßnahmen Teuersto! äußerst ungenügend; die polizeilichen Maßnahmen versagen gausz an Initiative und Organisationsgeist die irrenden Hunde auf den Trottoirs finden würde.“ 85 Die Entente⸗Anleihe in Amerika. (Frankfurter Zeitung.) Zwei Ver⸗ Loeb u. Co. konferierten wieder französischen Delegierten. Das sehr entente⸗ achrichten, daß Eine Kundgebung der bulgarischen Studenten in Berlin. (W. B. Nichtamtlich.) 90 Studenten in Berlin begaben sich in corpore auf, Gesandtschaft, um ihre patriotischen Gefühle aus In der Gesandtschaft empfing N di Studenten, in deren Mitte sich auch ein Sohn des Ministerpräsi⸗ denten, stud. jur. Radoslawow, befand. Nitschkow, stud jur⸗ beglück⸗ wünschte namens der Erschienenen den Gesandten Bulgariens, Ge⸗ sandter in Berlin gerade in dem Augenblick zu sein, da unter dem Beifall Deutschlands die mazedonische Heimat des Gesandten für Bulgarien zurückgewonnen werden solle. Die bulgarische Studenten⸗ schaft werde ihrer Dankesschuld an Deutschland und dessen gastfreundliche Hauptstadt stets eingedenk bleiben. brausend aufgenommenen Hoch auf das große vereinigte Bulgarien, König Ferdinand und die bulgarische Armee schloß die Ansppache. Der bulgarische Gesandte drückte seine große Freude über bie Kundgebung der Studenteuschaft aus und gab den Erschienenen die herzlichsten Wünsche mit auf den Weg. Die Abordnung begab sich darauf nach dem bulgarischen Konsulat, wo Konsul Kommerzienrat Mandelbaum die Herren empfing. ö bulgarische Jugend trete mit Begeisterung und mit der festen Hoff⸗ nung auf den Sieg der gerechten Sache in die Aktion für die Ver⸗ wirklichung des nationalen Idoals, erfüllt und beseelt von dem glor⸗ reichen Beispiel deutscher Einigkeit sowie deutscher Dis⸗ ziplin und angesport durch das warme JInteresse des gro⸗ ßen Deutschland an den Schicksalen Bulgariens. klang in ein begeistertes Hoch auf Kaiser Wilhelm, die kaiserliche Familie und ganz Deutschland aus. N 1 einer Ansprache den Herren aufs herzlichste für ihr Erscheinen und schloß mit einem dreifachen Hoch auf den Zaxen Ferdinand, die könig⸗ liche Familie und das bulgarische Volk.— Am Freitag verlassen die bulgarischen Studenten Berlin in von der deutschen Eisenbahnver⸗ waltung gestellten Sonderwagen. Der Seekrieg. „Hesperian“. (W. B. Nichtamtlich.) Nach Aus- kunft im Admiralstabe der Marine steht im Gegensatz zu der durch das Reutersche Bureau englischen Admiralität nunmehr fest, daß für den Angriff auf die„Hesperian“ ein deutsches Unterseeboot Die bulgarischen die bulgarische zudrücken, ehe sie zu Berlin, 22. Sept.. 1 1 8 Newyork, 22. Sept. treter des Bankhauses Kuhn, mit den englisch freundliche Wall Street Journal erklärt die Nacht„ d irgend eine Anleihe bereits abgeschlossen sei, für verfrüht. Mitglieder der Hochfinanz geben das zu, erklären aber gleich⸗ zeitig, daß die Aussichten für einen schließlichen Erfolg er⸗ mutigend seien. Bulgarische Mobilisalion. Nach einem Sofioter Telegramm der Köln. Ztg. ist der Befehl zur Mobilmachung des ganzen bulgarischen Heeres gestern im Amtsblatt erschienen. Die Berufung des früheren Generalissimus garischen Armee Sawow nach Sofia wird, wie verschisdene Morgenblätter berichten, über Genf gemeldet. Daß die Gesandten demnächst aus Sofia abberufen werden, meldet dem Berlnor Tageblatt zufolge der Bukarester Seara mit dem Zusatz, die englische Gesandtschaft 5 Saloniki schaffen lassen. Deutsches Gold nach der Türkei. den Fahnen eilen. Stud. med. Flitscheff sagte, die Vierverbandes ihre Archive Herr Mandelbaum dankte in Rumänien ein deutscher Waggon, der nach der Türkei bestimmt war und 4830 Kilogramm Gold in deutscher Mark, sowie Goldbarren und deutsche Banknoten enthielt. U rchfahr wurde erst erteilt, nachdem auf Anordnung des Finanzministers der Waggon durchsucht worden war. Numäniens Neutralität. Zürich, 23. Sept. Der Tagesanzeiger meldet aus Buka vest: Der Ministerrat hat sich angesichts der neuen Vorgänge auf dem Balkan für das Verharren Rumäniens in der Neu- tralität entschieden. Politischer Skandal in Griechenland. T. U. Athen, 23. Sept. Großes Aufsehen erregt in der griechi⸗ schen Presse die Haltung der Behörde von Saloniki gegenüber etwa 100 griechischen Ueberläufern aus Serbisch⸗Mazedonien, die sich nach Saloniki geflüchtet und offenbar mit Zustimmung oder auf Anord⸗ nung der Regierung unter militärischer Bedeckung den serbischen Grenzbehörden von Geygeli übergeben wurden. il ob die Auslieferung der Griechen, die sich der serbischen Bedrückung entziehen wollten, auch in dem vielberufenen Bündnisvertrage mit vorgesehen sei. 0 Bezirk von Monastir ausgewanderten Griechen in Saloniki wird wegen des Vorfalles beim König, beim Generalstabschef Dusmanis und bei Gunaris Einspruch erheben. Bevorstehende Streiks in Rußland. Der München-Augsburger Abendzeitung wird gemeldet, der Dumaabgeordneten Material wonach den Anfang des großen der Putilowwerke machen sollten. Minister des Innern angedrohten Zwangsmaßnahmen gegen einen Generalstreik im ganzen Reiche, tungen zur Arbeitsniederlegung in sämtlichen wichtigen Be⸗ trieben getroffen worden. werkstätten sind Arbeitergruppen organisiert und leiten den Das Zeichen zur allgemeinen Arbeitsniederlegung soll von den östlichen Eisenbahnwerkstätten ausgehen. geplante militärische Bewachung aller industriellen und tech⸗ konnte nicht durchgeführt Zentrale der Streikorganisation soll über ausreichende Mittel verfügen, um den Ausstand auch auf andere Fabrikbetriebe ausdehnen zu können. Protest der Deutsch⸗ Amerikaner. Aus Washington läßt sich laut Berliner Tageblatt das Petit Journal melden, Riesenversammlung zum Einspruch gegen die englisch⸗fran⸗ zösische Kriegsanleihe ankündigten. 10 2 8 RNeaktionäre Gewaltmaßregeln. Die russische Presse meldet ehemaligen Dumamitgliedes Die Erlaubnis zur Durchfahrt Berlin, 22. Sept. verbreiteten Aeußerung der nicht in Frage (W. B. Nichtamtlich.) Der holländische Dampfer„Patroclus“ stieß am 14. September auf der Reise nach Liverpool abends mit dem eng⸗ lischen Fischdampfer„City of Dundee“ zusammen. sank sofort. Neun von der fünfzehn Mann starken Besatzung wur⸗ (W. B. Nichtamtlich.) Laut Funkspruch aus Halifax ist der griechische Dampfer„Athinai“ auf hoher See in Brand ge⸗ Die Passagiere begaben sich an Bord Amsterdam, 21. Sept. Das Handelsblad meldet aus Ymuiden: * Fi ch dai* 0 9 . Die Zeitungen fragen entrüstet, London, 22. Sept. melden aus Newyork: Die hiesigen Blätter a 8 s bielig 5 Der Verein der aus dem raten und wurde verlassen. der Dampfer„Tuscania“ und„Rumanian Prince“. Die Pakete der französischen Gefangenen. des Schweizerischen macht darauf aufmerksam, daß viele Pakete mit Liebesgabe an die in Deutschland gefangenen Franzosen den Adressaten Mit den Aufschriften„gestorben, zurück nach Frankreich“,„unbekannt, zurück nach Heimat“ kommen sie zu Tausenden wieder über die Schweiz, nachdem sie manch⸗ mal wochenlang von einem Lager in Deutschland zum an⸗ Manchmal müssen ganze Wagenladungen wieder nach Frankreich zurückbefördert werden. mittel sind inzweischen meist verdorben und werden geradezu zu einer Gefahr. Das Blatt hebt Wiederausfuhr Das Organ Zugpersonalvereins bei Haussuchungen zutage gefördert wurde, Generalstreiks Pulverfabriken nicht erreichen. die Arbeiter Trotz der vom sind alle Vorberei⸗ deren wanderten. Die Lebens⸗ staatlichen Eisenbahn⸗ lobend hervor, dieser wertvollen Waren gestattet, aber, man sollte diese Bazillennester Da wäre es doch noch einfacher, wenn man die Absender solcher Pakete veranlassen könnte, den Vermerk bei daß der Inhalt für die anderen Gefangenen des verwendet werden darf, wenn der Adrossat Natürlich müßte der Absender hier— daß Deutschland die lieber in Deutschland] nischen Betriebe gleichen Lag dort nicht anzutreffen. von benachrichtigt werden. Obdachlose Soldaten int Paris. Wie man in Frankreich über die Boches denkt, verrät Hervé wieder einmal in seiner Guerre Sociale: Er nimmt sich der zahllosen Soldaten an, die in Paris ohne Obdach bleiben, keine Familie haben, bei der sie ihren Urlaub zubringen kön⸗ Es handelt sich dabei besonders um Soldaten, die aus den vom Feinde besetzten Gegenden stammen und mit einem von der Axmes⸗ leitung bewilligten kurzen Urlaub meistens ohne Mittel nach Paris kommen, wo weder die Stadt noch das Kriegsministerium flür eine Unterkunft oder Unterstützungen gesorgt haben. Herves sagt, in den Straßen herum wie herrenlose Hunde. utsch⸗Amerikaner die Verhaftung des und Arbeiterführers Jeg o⸗ In Rostow am Don sind sämtliche Mitglieder des Ausschusses zur Bekämpfung der Teuerung Die Gouverneure verhaftet scheinen in der Vertagung der . chlossen worden.— Rjietsch zufolge sind die Verwaltu mitglieder der Petersburger Krankenkasse verh tet worden. In Orenburg wurden die Arbeit glieder des Kriegsausschusses ebenfalls verhaftet. 1 Seuchen unter den G tentetruppen auf Gallipoli. und Kranken dort eine aue geschleppt. Die spanischen 3 er. Eingreifen sanitäter Vorsichtswaßregeln. Ein i 10 küspektor ist nach dem panischen Wannen 1 80 Handhabung der Sanitätspflege zu ub: vachen. U. a. ist die Ein. 0 ätspflege u 1 führung aller Abfallstoffe von Gibraltar untersagt. hielten alle spanischen Häfen den als verseucht zu behandeln.. 1 Mriegsnolizen. f nter Präventivzensur wurde die in Würzbu 1 e e Landeszeitung— das von Sie Ma 5 Lebens gerufene Bauernbundsorgan gestellt. Sie ha 70 einem„Zeitungslügen“ überschriebenen Artikel gegen Sensation berechnete Berichterstattung der Gans ca n gewandt, die sich in Meldungen über den Abschluß des bulgarisch⸗ türkischen Vertrages einen Tag um den anderen widersprach. Der Geschäftsführer der Verwaltungsstelle Solingen des Deutschen Metallarbeiterverbandes, erhielt einen Tag Ge⸗ 1 N ö 0 5 5 ö 7 f a nis, weil er eine Werlstattversammlung nicht ange⸗ 6530 21 hatte. Gegen dieses Urteil soll Revision eingelegt Trotz strengster Maßnahmen der Behörden wollen die italien⸗ cher kein Ende nehmen. In Ferrara wurde Dabei zeigte sich, daß die Säcke nur zur Hälfte Getreide, zu anderen Hälfte Erde enthielten. zufolge 3000 0 Weber in der Provinz Mailand mit den Ausstand. urlaubten französischen Soldaten nicht volle freie Rü ck* H erfahrt gewährt worden sei, antwortete der Ge⸗ am 3. Juli durch ein Zirkular Anweisung gegeben wurde, allen von der Front beurlaubten Mannschaften freie Hin⸗ und Rückfo h kann aber nur in geschlossenen Gruppen oder mit Sonderzügen 1 0 den entsprechend zur Verfügung stehenden Transportmitteln 1 Wie in der Times mitgeteilt wird, werden von der enge lischen Post Zeitungen und Zeitschriften nur daun ins Ausland oder deren Agenten aus versandt werden. Alle von Prival⸗ personen aufgegebenen Drucksachen werden konfisziert, well meldungen verwendet werden könnten. f Partei⸗Nachrichten. Am 20. September starb in Nordhausen Genosse Theodor Zimmermann, Geschäftsführer des Konsumvereins, im Alter hausens und der Grafschaft Hohenstein ein schwerer Verlust. ö nosse Zimmermann war einer jener Alten, dessen sozialistische die an ihrem Ideal bis zum letzten Atemzug festhalten. Ueberal⸗ wo Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue, ohne viele Worte eine des Gewerkschaftskartells dessen Kassierer. Jahrzehntelang be⸗ sorgte er die Kassengeschäfte der Partei, wie er der Genossenschaftz⸗ Die Nordhäuser Arbeiterschaft wird immer seiner ehrend gedenken, In militärische Schutzhaft Peter Winnen genommen. Der Parteisekretär ist ebenfalls“ u in Schutzhaft. 3 0 Sehusüchtig erwartet die Menschheit den Frieden. Von det, Sozialdemokratie, die immer eine Friedenspartei gewesen, es deutsche Partei hat nach dieser Richtung hin ihre volle Schuld keit getan, leider hat sie bei den Sozialdemokraten des feindliche aber in den Kreisen der deutschen Parteigenossen nicht genügend bekannt oder es sind die Einzelheiten in Vergessenheit geraten. drängte, aber übersichtliche Zusammenstellung der wichtig Stimmen veröffentlicht, die als Echo der Friedensbestrebungen werden. gestern Getreide ausgeladen, das aus einem Heeresmagazin kam. Laut der Köln. Volksztg. drohen einer Meldung des Abend Auf mehrere Beschwerden darüber, daß den von der Front 9 ö nosse Sembat, der Minister der öffentlichen Arbeit, daß schon bis zu ihrem heimatlichen Truppendepot zu gewähren. Die Jaht währt werden. weiter befördert, wenn sie direkt vom Drucker, Verleger man befürchtet, daß dieselben zur Vermittlung von Spione Totenliste der Partei. von 55 Jahren. Es ist das für die Arbeiterbewegung No. Ueberzeugung unter dem Sozialistengesetz gestählt worden war un Mann erforderte, wurde er hingestellt. So war er seit Gründung Buchdruckerei eine der besten Stützen als Vorstandsmitglied wan, wurde der stellvertretende Parteisekretär in Düsseldorf, Genose ö „Der Friede und die Internationale“. wartet die Bevölkerung, daß sie die Initiative ergreife. Di Auslandes kein Entgegenkommen gefunden. Diese Tatsachen sin Hugo Poetzsch hat deshalb unter obigem Titel eine ge deutschen Sozialdemokratie aus dem Auslande zu uns drangen. Die 24seitige Schrift kostet trotz guter Ausstattung num 10 Pfg. und ist durch jede Buchhandlung zu beziehen. Sie bilde das 9. Heft einer Zehnpfennig⸗Bibliothek, welche der Verlag den“ Internationalen Korrespondenz, Berlin-Karlshorst, unter 1 Deutschen“, so schließt der Artikel,„haben allerhand Fehler. Wir können sie mit Verachtung als Barbaren und Boches behandeln. Aber so sehr sie auch Boches sein mögen, sie wären nicht in Ver- legenheit gewesen, wenn sie ähnliche Probleme wie wir zu lösen Bei ihnen käme es nicht vor, daß man aus Mangel ... TT Duma das Signal zu Repressalien gegen alle öffent⸗ lichen Einrichtungen zu erblicken und warten Dipektiven aus An zahlreichen Orten sind die Organisationen ge⸗ Petersburg gar nicht erst ab. gehabt hätten. genossenschaftlichen Sammeltitel„Kriegsprobleme der Arbeiterklasse“ in rascher Folge erscheinen läßt. Da die Schrift wesentlich zum Verständnis den Haltung der deutschen Arbeiterbewegung in der jetzigen Zeit bes⸗ trägt, ist ihr die größte Verbreitung zu wünschen. 1 sie haben die Restaurants, Cafés, Hotels und Theater förm⸗ lich überschwemmt. Als Großfürst Nikolai Nikolajewitsch im Herbste 1914 Warschau besuchte, ging er durch die Straßen und spähte durch die Fenster der Cafés Offiziere zu erwischen. Russische Stichproben. (Aus Nr. 1 der neuen sozialistischen Halbmonatsschrift Die Flocke(Herausgeber Paxvus), München, Verlag für Sozlalwissen⸗ schaft G. m. b. H., Altheimereck 19.) Kommandierende und Offiziere. Wie die Rechtsprechung und die russische Administration, so auch die Kommandogewalt der Armee. kannt, daß übereifrige Generäle, die auf dem Kriegsschau⸗ platz ihre Aufgaben nicht zu erfüllen vermochten, Dutzende von Juden aus den nächsten Ortschaften aufhängten, um ihr Mißgeschick durch angeblichen Verrat der Juden zu erklären. Welcher Art das Pflichtbewußtsein dieser Herren ist und wie groß ihre Verachtung des gemeinen Mannes der Armee, be— zeugen die Fälle, in denen Kommandanten den Stab um Verstärkung ersuchten, die Stabsoffiziere aber dieses Gesuch mit der Begründung ablehnten, der betreffende Offizier be— sitze ja bereits die Medaille des heiligen Georg, also möge er sich dabei beruhigen. Die Offiziere flüchteten massenweise von der Front nach In Warschau hatte der Kommandant eine Verordnung erlassen, wonach Offizieren, die keine be— sondere Erlaubnis aufzuweisen haben, der Aufenthalt in Warschau nicht zu gestatten sei und bei der polizeilichen An⸗ meldung der Offiziere darauf acht zu geben sei. Gewitzigten verstanden es auch ohne polizeiliche Anmeldung bei Freunden und Bekammten eine Unterkunft zu finden und und Restaurants, Es kam vor, daß er vor den Augen des Publikums Offizieren ins Gesicht schlug, die ihre Ab⸗ wesenheit von der Front nicht zu erklären vermochten. Einer dieser Offiziere hat, nachdem er einen Schlag ins Gesicht er⸗ halten hatte, seinen Revolver auf den Großfürsten abgefeuert und diesem den Aermel seiner Uniform durchlöchert, worauf er vor den Augen des Publikums sich selbst erschoß. Es gibt in Petersburg viele Tausende von Offizieren, die dort die verlebt haben. Protektion hatten, erreichten es, daß für sie spezielle Aemter in der Residenz geschaffen wurden, um sie den Gefahren der Ein bekannter Rechtsanwalt, Herr B., der Reserveleutnant ist, wurde nach einer akuten Krankheit von einer ärztlichen Kommission untersucht und als untaug⸗ lich für den Dienst an der Front befunden. darauf beim Generalstab. Es sind Fälle be⸗ des Krieges Front zu entziehen. Er meldete sich Als der betreffende Oberst des Generalstabs aus den Dokumenten ersah, daß Herr B. zum Frontdienst untauglich sei und nun in Petersburg selbst ver⸗ wendet werden müßte, erschien ihm die Sache nicht ganz an⸗ Denn er mußte für Herrn! machen und dafür jemand an die Front schicken, der bereits in dem warmen Nestchen saß. Warschau und Wilna. ein Zivilamt frei Darum ordnete er an, den Rechtsanwalt B. nochmals ärztlich zu untersuchen, ob er nich vielleicht vollkommen militäruntauglich sei. Die neue Aerzu⸗ kommission löste selbstverständlich ihre Aufgabe vollkommen im Sinne des Obersten und erklärte den Rechtsanwalt für völlig untauglich. Darauf sprach der Oberst Herrn Rechts anwalt B. seine Glückwünsche zur Befreiung vom Milite dienst aus. Der Rechtsanwalt konnte nicht umhin, sein Er sie haben es verstanden die Reserveleutnants in den Krien zu schicken, sich selbst aber Plätze im Inne sichern. Plätze im Innern des Landes D „„ ² K11TTTT0T igen ach. ulger gen gen teln a 0 er e erleg 1 Piz 0 ert, Spion eue 5 vollae Hessen weises Hanau die Ma infolge der Eigenherstellung der Tapezierer für und Nachbargebiete. Gießen und Umgebung. 0 Der hessische Arbeitsmarkt im August. 12 onatsbericht des Mitteldoutschen Arbeits nachweisver⸗ bands entnehmen wir; In der Metallindu strie hatte nach dem Bericht des Städt Arbeitsamtes Frankfurt a. M. die Maschinenbranche wenig Nach⸗ nach Arbeitskräften, dagegen konnten Bau- und Konstruktlons⸗ schlosser nicht genügend beschafft werden. Bei den Schmieden blieben 50 Prozent der offenen Stellen unbesetzt. In Cassel sehlte es in den Maschinen⸗ und Eisenbahnwagen⸗Fabriken an Schmieden und tüch⸗ digen Drehern, trotzdem eine große Anzahl Kriegsgefangener be⸗ schäftigt wurden. In Wiesbaden mangelte es nach wie vor an Ar⸗ beitskräften. In Oberlahnstein war anhaltend lebhafte Nachfrage mach Schmieden, Schlossern, Formern und Drehern, in Oberursel nach Eisendrehern und Werkzeugschlossern für Fab rikbetriebe. In der Edelmetall⸗Industrie hat sich nach dem Bericht des Arbeitsnach⸗ Lage wenig geändert. An Wagnern herrschte gel. Für Sattler hat nach dem Bericht des Städt. Arbeitsqantes Militärverwaltung die Arbeits⸗ gelogenheit bedeutend nachgelassen. Bei den Tapezierern war die Arbeitsgelegenheit zufriedenstellend. Es wurden hauptsächlich Matratzen und Kundschaftsarbeit verlangt. Dagegen war für Polstever auf Möbel keine Arbeitsgelegenheit vorhanden. 5 In der Industrie der Holz⸗ und Schnitzstoffe war für Schreiner auf bessere Möbel wenig Arbeitsgelegenheit vorhan⸗ den. Bauschreiner und Schreiner für Kundschaftsarbeiten konnten jedoch verhältnismäßig leicht untergebracht werden. Nach Anschlä⸗ gern war wenig Nachfrage vorhanden. Während sonst im August zahlreiche Aufträge von auswärts einliefen, lagen im Berichtsmonat solche fast gar nicht vor. Der Deutsche Holzarbeiter-Verband in Frankfurt a. M. berichtet, daß die Lage gegen den Vormonat un⸗ derändert war; immer noch gab es eine große Anzahl von arbeits⸗ losen Bauanschlägern, von denen ein Teil in andere Berufe über⸗ gegangen ist. Jüngere gelernte Fleischer fanden nach dem Bericht der Fleischer⸗Innung in Frankfurt a. M. stets Arbeit; alle Bewerber konnten untergebracht werden. Für Bäcker waren weniger offene Stellen gemeldet als im Vormonat. Nach dem Bericht des Deutschen Tabakarbeiter⸗Verbandes in Frankfurt a. M. war in der Zigar⸗ renbranche der Geschäftsgang im Berichtsmonat gut. In der Zigarettenbranche war nach demselben Bericht die Geschäfts⸗ lage nicht so günstig. Nach dem Bericht der Schneider⸗Innung in Frankfurt a. M. Fahrburschen 1 ging die Zivilschn eiderei im Berichtsmonat sehr schlecht. In der Uniformschneiderei ist allgemein ein Stillstand einge⸗ treten. Die Damenkonfektion ging ebenfalls schlecht. In Wiesbaden konnten bei den Schneidern und Schuhmachern nicht alle offenen Stellen besetzt werden. In der Beschäftigung der Schuh⸗ fabriken in Offenbach a. M. trat gegen den Vormonat eine Verschlechterung ein; es mußte teilweise mit verkürzter Arbeitszeit gearbeitet werden. Die Bautätigkeit lag danieder; infolge der vielen Ein⸗ berufungen finden jedoch die zurückgebliebenen Bauhandwerker noch immer leicht Beschäftigung. Im graphischen Gewerbe war nach dem Bevicht des Deutschen Buchdruckerverbandes in Frankfurt a. M. der Geschäfts⸗ gang noch immer still. Das Schriftgießereigewerbe zeigte kleine An⸗ fänge zur Besserung. Im Gastwirtsgewerbe war die Lage gegen den Vor⸗ monat unverändert.. 5 An Erdarbeitern herrschte nach dem Bericht des Städt. Arbeitsamtes Frankfurt a. M. großer Mangel, nur die Hälfte der angemeldeten offenen Stellen konnte besetzt werden. An geeigneten mangelte es ebenfalls. Die Nachfrage nach Fabrikarbeitern konnte befriedigt werden. Vielfach klagen die Arbeitsämter über die Zunahme arbeitsscheuer Elemente, die unter allerhand nichtigen Vorwänden angebotene Arbeit auch zu guten Lohnbedingungen ablehnen. Die gleichen Beobachtungen wur⸗ den auch in den Obdachlosen⸗Asylen gemacht. Für ältere Packer und Auslaufer waren die Verhältnisse angünstig; wenn auch wohl Arbeit vorhanden war. so scheiterten die Vermittlungen doch meistens an den Lohnverhältnissen. Für jugendliche Arbeiter hat sich nach dem Bericht des Städt. Arbeftsamtes Frankfurt a. M. die Lage etwas gebessert. Auf dem landwirtschaftlichen Arbeitsmarkt war die Nachfrage nach Knechten sehr lebhaft, die größtenteils befriedigt werden konnte. Die Nachfrage nach Schweizern ist infolge der Ver⸗ ringerung des Viehbestandes zurückgegangen. Die Nachfrage nach Taglöhnern für die Dreschmaschine konnte befriedigt werden. Auf dem weiblichen Arbeitsmarkt meldeten sich nach dem Bericht der weiblichen Abteilung des Städt. Arbeitsamtes Frank⸗ furt a. M. mehr Dienstboten als im Vormonat, darunter jedoch sehr viele, die noch nicht im Haushalt tätig und daher schwer unter⸗ zubringen waren. Für die Wasch⸗ und Putzfrauen war mehr Ar⸗ beitsgelegenheit vorhanden als im Vormonat. In der Gastwirts⸗ abteilung war es immer noch sehr still. In der gewerblichen Ab⸗ teilung hat sich das Bild ungünstig verändert. Die Nachfrage von arbeitslosen Frauen und Mädchen hat sich gegen den Vormonat ver⸗ ringert, gleichzeitig bleiben jedoch die Aufträge für Heimarbeit aus, so daß die Arbeitslosigkeit stieg. In den meisten Fällen handelte es sich um Frauen, die früher keine Erwerbsarbeit geleistet haben. — Die Zweite Kammer des Landtags ist auf nächsten Mittwoch, 29. September, zu einer Sitzung einberufen. — Die Zeichnung zur Reichsanleihe in Gießen hat das Ergebnis gehabt, daß 25,4 Millionen Mark bei den verschie⸗ denen Bankhäusern gezeichnet wurden. Der weitaus größte Teil davon entfällt auf die beiden großen Banken, Mittel deutsche und Darmstädter Bank, nämlich 21½ Millionen. Ferner wurden gezeichnet bei Bankhaus Grünewald 1 Mil⸗ lion, Gewerbebank 650 000, Sparkasse 500 000 Mark usw. — Die Kartoffelpreise sind trotz der überaus reichen Ernte noch immer nicht heruntergegangen. Für den Zent⸗ ner werden noch immer ganz kühn 4 Mk. und sogar noch mehr verlangt. Allerdings sind die Spätkartoffeln noch nicht auf den Markt gekommen; die Ernte ist noch nicht beendet und man darf wohl erwarten, daß die Preise nachdem erheb. lich fallen. Nach sachverständigen Schätzungen beträgt die Ernte 50 Millionen Tonnen, während die Bevölkerung Deutschlands höchstens 16 Millionen Tonnen Speisekartoffeln braucht. Das ist nur ein Drittel. Für industrielle Zwecke wird das zweite Dritte verwendet und das dritte für Saat⸗ gut und Viehfutter verwendet.— Der Berliner Markthallen. Direktor Spiecker hält 2.50 Mk. für den Zentner für einen guten Preis, der als Höchstpreis gelten könnte, wenn ein solcher festgesetzt würde. 1 — Kriegsverletzte und Kleinhandel. Die Frage, we für die durch den Krieg an ihrer Gesundheit geschädigten Volks- genossen in dauernd wirksamer Weise gesorgt werden kann und soll, gewinnt immer größere Bedeutung, je mehr dis Zahl der Kriegsverletzten anwächst. Es kommt hierbei sehr wesentlich darauf an, daß die Kriegsbeschädigten— worunter neben den Verlezten auch die Kriegswitwen zu verstehen sind— nicht nur mit einer Rente abgefunden werden sollen, sondern daß ihnen auch Gelegenheit gegeben werden muß, ihre Eristenz auf dem Ertrag eigener Arbeit aufzubauen. Am besten ist es deshalb, daß auch sie fernerhin in dem vor dem Kriege geübten Berufe tätig sind oder daß sie einen Be⸗ ruf ergreifen, in dem sie ihre ihnen gebliebene Arbeitskraft aum wirksamsten ausnutzen können. Falls ihnen diese Mög⸗ lichkeit, auch unter Mithilfe entsprechender Organisationen, gegeben werden könnte, wäre dies die beste Lösung der Frage. Da dies aber in zahlreichen Fällen nicht möglich sein wird, erscheint es notwendig, daß die betreffenden Personen auch nach anderen Berufen Ausschau halten. Hierbei wird der Händlerberuf wohl der bevorzugteste Beruf sein, da ja auch schon vor dem Kriege zahlreiche Personen, die in ihrem bisherigen Beruf unmöglich geworden waren, dort Unter⸗ schlupf gesucht und gefunden haben. Der Händlerberuf übt seit langem auf zahlreiche Leute eine große Anziehungskraft aus, weil die allgemeine Auffassung dahin geht, daß zu seiner Ausübung die wenigsten Vorkenntnisse erforderlich seien und daß er am meisten einbringe. Auch die damit ver⸗ bundene verhältnismäßige Unabhängigkeit trägt eine ge⸗ wisse Anziehungskraft in sich. Da ist es denn se hr wahr⸗ sche i nlich, daß die Kriegsbeschädigten in Massen in den Kleinhändlerberuf hineinströmen werden. Der bekannte Volkswirtschafter, Professor Dr. Wygodzinski (Bonn), behandelt in einem Artikel der Sozialen Praxis (Nr. 43 vom 27. Juli) dies Thema und gelangt zu dem Er⸗ gebnis, daß man mit allen Mitteln unsere Invaliden und Kriegswitwen davor behüten müsse, im Kleinhandel eine neue Existenz zu suchen. Er weist mit Recht darauf hin, daß das Fehlen einer gründlichen Berufsvorbildung eine der Ursachen mit sei, weshalb so viele kleinhändlerische Existenzen Schiffbruch leiden, wozu dann noch das Fehlen eines ge⸗ nügenden Betriebskapitals und die daraus entspringende Borgwirtschaft kommt. Ein anderer Grund für die nicht wegzuleugnende Notloge der Kleinhändler besteht darin, daß der Kleinhändlerberuf überfüllt ist, weil sich in ihm nicht nur verkrachte Existenzen zusammenfinden, sondern auch Leagite, die früher produktiv tätig, aber abhängig waren und nun eine scheinbar unabhängige Stellung suchen. Der in dem modernen Menschen steckende Freiheitsdrang treibt viele in den Händlerberuf hinein, die erst zu spät erkennen, daß die erwartete Freiheit nur ein Truggebilde ist. Wenn sich auch hier und da ein paar Leute emporarbeiten und dann als Lockvögel wirken, so bleibt die große Mehrzahl doch nach vor eingeengt und abhängig vom kaufenden Publikum und den Lieferanten. — Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Ers.⸗Res. Wilhelm Friedrich Bill aus Naunheim.— Land⸗ wehrmann Heinrich Lang aus Maar, Kr. Lauterbach.— Musketier Wilhelm Textor aus Kirchgöns. Zulassung eiserner Gewichte. Amtlich wird bekanntgegeben: Durch die Beschlagnahme von Messing, Kupfer und Nickel ist ein empfindlicher Mangel an Präzisionsgewichten und kleinen Ge⸗ wichten, die bisher nur aus diesen Metallen hergestellt werden durften, im Handel hervorgerufen worden. Dem Mangel ist jetzt — wie die kaiserliche Normal⸗Eichungskommission mitteilt— durch Zulassung von eisenern Gewichten abgeholfen worden. 8 Mit Beseitigung der Nachtarbeit im Bäckereigewerbe b tigte sich dieser Tage eine große Versammlung der Berliner Ba gesellen. Das Referat hatte der Vorsitzende des Bäckerverbandes All ma un aus Hamburg, der auf die längst festgestellten, durch die Nachtarbeit verursachten gesundheitlichen und kulturellen Schädigun⸗ gen verwies. Dann schilderte der Redner die Kämpfe, welche der Verband seit Jahren für die Beseitigung der Nacht⸗ und Sonntags⸗ arbeit führt. Der Erfolg dieser Kämpfe war, daß bis zum Beginn des Krieges 283 Tarifverträ de zoche haben. In der Beseitigung der Nach Verband keinen Erfolg. Nun hat der Krieg die Bundesratsverordnung gebracht, welche die Nachtarbeit verbietet. Die Meister fürchteten, das Gewerbe würde dadurch schwer geschädigt werden. Doch diese Befürchtung ist nicht eingetroffen. Es hat sich im Gegenteil gezeigt, daß die Meister, be⸗ sonders auch die kleinen, manchen geschäftlichen Vorteil durchdie Tagesarbeit haben. Infolgedessen ist die Zahl der Meister, welche für Beibehaltung der Tagarbeit sind, immer größer geworden, und ihre überwiegende Mehrheit hat sich gegen Wieder⸗ einführung der Nachtarbeit erklärt. Der Zentralverband der Bäcker und Konditoren hat in Gemeinschaft mit den christlichen und Hirsch⸗ Dunckerschen Organisationen eine Petition an den Bundesrat ge⸗ richtet. Sie sordert ein Verbot der Nachtarbeit für die Zeit von 10 Uhr abends bis 6 Uhr morgens und eine tägliche Arbeitszeit von 10 Stunden für Gesellen und 9 Stunden für Lehrlinge. Die Sonntags⸗ arbeit soll gänzlich verboten werden. Es wird auch, im Gegensatz zur Regierungsvorlage, gefordert werden, daß die Bestimmungen im ganzen Reich, einheitliche sein sollen und keine Handhabe geboten wird, welche jeder Gemeinde oder jedem Polizeibezirk die Möglich⸗ keit gibt, abweichende Bestimmungen zu treffen. Die Versammlung spendete den Ausführungen Allmanns leb⸗ haften Beifall.— Vorher war ein Schreiben des Obermeisters vom „Germanig“-Innungsverband verlesen worden, in welchem der Obermeister erklärte, daß die Junungen nicht die Beibehaltung der Nachtarbeit verlangten, sondern sich in der Frage neutral verhielten. Der Vorsitzende der Versammlung, Schneider, bemerkte dazu, daß die Haltung des„Gevmania“-Verbandes sehr zweifelhaft sei. — Die Preise für Seefische sind in der letzten Woche etwas zurückgegangen, doch sind sie immer noch bedeutend höher als früher. Man hat die höheren Preise mit den gegenwärtigen Schwierigkeiten des Fischfangs begründet: doch wird berichtet, daß die Fischerei außerordentlich günstige Ergebnisse erzielte. Seit Wochen dauern mach diesen Berichten die gewaltigen Fänge von Makvelen und Sprotten an den Küsten von Schleswig⸗Holstein an. Diese Arten Fische gelangen zwar nur als Räuchorware zu uns; doch soll auch der Sckollfisch⸗Fang überaus reichlich ausfallen. Danach zu urteilen, dürften die Preise schon mäßiger sein, der arme Konsument wird aber von allen Seiten unerhört gerupft. — Das Schwurgericht der Provinz Oberhessen, das am 27. Sep⸗ tember zusammentreten sollte, fällt auch diesmal wieder aus, Es liegt nur ein Fall vor; der wegen Brandstiftung Angeklagte befindet sich auf freiem Fuße, die Sache ist also nicht dringend und dem Staate wird dadurch eine ganz erhebliche Summe erspart. — Leihgestern. Der Ziegeleihesitzer Chr. Faber von hier hat an den Land kag eine Vorstellung gerichtet, in der er sich darüber be⸗ schwert, daß er bei dem Feldbereinigungsverfahren benachteiligt worden sei. Seine Beschwerden haben bereits das zuständige Schiedsgericht beschäftigt: er verlangt, daß seine. Angelegenheit an, ein anderes zurückverwiesen werde. Der vierte Ausschuß der Kam⸗ mer beantragt, der Vorstellung Fabers keine Folge zu geben. Kreis Metlar. — Die Nachmusterung der dauernd Untauglichen findet im Kreise wie folgt statt: Samstag, den 25. September 1915, Bürgermeisterei Aßlar vormittags 8½ Uhr, äge von 17000 Bäckergesellen bestanden, von deen 11000 auf Grund der Tarife einen Ruhetag in jeder tarbeit hatte der Sie kann nur durch Gesetz beseitigt werden. 8 17 Montag den 2. Septenven 1919, our gaugs 8% Uhr, a) Büürgermeisterei A tz ba ch, b) Blürgermeisterei Launsbach. 5 Dienstag, den 28. September 1915, vormittags 8½ Uhr, Bürgermeisterei Braunfels(Stadt und Land). Mittwoch, ben 29. September 1915, vormittags 8% Uhr, Bürgermeisterei Gre ifenstein. Donnerstag, den 30. September 1915, Bürgermeisterei Re chten bach, 5 aus der Bürgermeisterei Ho hensolms die Art Ahrdt, Alten⸗ kirchen, Vellersdorf. Vermoll, Blasbach und Groß-Altenstädten. Freitag, den 1. Ottober 1915, vormittags 8½ Uhr, ) Bürgermeisterei Schöffengrund,. 5 aus der Bürgermeisterei Ho hensolms die Hohensolms, Mudersbach und Oberlemp. Samstag, den 2. Oktober 1915, vormittags 8s Uhr, aus der Stadt Wes lar, die in den Jahren 1876-1884 Geborenen. Montag, den 4. Oktober 1915, vormittags 8¼ Uhr, aus der Stadt Weh lar, die in den Jahren 18851895 Geborenen. 62 — J vormittags 8½ Uhr, Orte Erda, Von Nah und Fern. „ Typhus⸗Erkrankungen sind in der letzten Woche in Jena zahlreich vorgekommen, insgesamt etwa 150, die sich auf das ganze Stadtgebiet verteilen. Man glaubt, daß die Infektion durch irgend ein Nahrungsmittel, das in größerem Umfange genossen wurde, herbeigeführt ist. Eine schwere Explosion ereignete sich am Montag in der Hanauer Pulverfabrik. Sie erfolgte in einem Schmelz⸗ haus und richtete Materialschaden an, der jedoch nicht sehr erheb⸗ lich sein soll. Leider ist der Verlust von sechs Men schen⸗ leben zu beklagen und eine Anzahl Arbeiter ist durch Glassplitter größtenteils leicht verletzt. Zu der Kesselexplofion in Kempten bei Bingen, von der wir gestern berichteten, wird weiter mitgeteilt, daß das Schulmädchen Diekescheid an den erlittenen Brandwunden im Hospital in Bingen gestorben ist.— Die explodierte schwere Lokomobile wurde durch den furchtbaren Druck hochgehoben und schlug dann über eine drei Meter hohe Mauer, die fast zerstört wurde, auf ein Nachbarhaus, Ueber zwölf Kinder wurden verletzt, davon sieben schwer mehrere lebensgefährlich. S. Bensheim, 23. Sept. Zu der Ehetragödie, gestern früh hier abgespielt hat, erfahren wir, daß zwischen dem auscheinend nervenkranken Ehemann Reichenbach und der zwar lebenslustigen, aber guten Ruf genießenden Ehefrau, aus gifer⸗ suchtsgründen seit einigen Tagen Zwistigkeiten herrschten, die so⸗ weit gingen, daß ein in Berlin wohnender Bruder telegraphisch angerufen wurde, damit er vermittelnd eintrete. Er war aber verhindert, zu kommen. Die Frau flüchtete, nachdem sie mehrere Schüsse erhalten hatte, aus dem im ersten Stock gelegenen Wohn⸗ zimmer in die zu ebener Erde gelegenen Räume, wo sie noch um Hilfe rufen konnte; man fand sie dort sterbend in einem Sessel lie⸗ gend. Inzwischen hatte sich der Ehemann selbst einen tödlichen Schuß beigebracht, er wurde schwer verletzt auf dem Boden liegend gefunden. Er starb dann, ohne bas Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Die Leute lebten seit zwei Jahren, seit sie von Böhmen in das Bensheimer Villenviertel zugezogen waren, sehr friedlich, und hatten noch vor wenigen Tagen die Absicht geäußert, zur Erholung des nervenkranken Mannes auf einige Wochen in das Neckarthal Der Mann lebte als Rentner, Kinder sind nicht vor⸗ die sich zu reisen. handen. Kein Kriegsbrot mehr— in Oesterreich. Die Tage des Kriegsbrotes sind in der vergangenen Woche in ganz Oesterreich⸗ Ungarn zu Ende gegangen. Infolge der überaus günstigen Ernte in Oesterreich-Ungarn ist den Bäckern wieder gestattet worden, nur Weizen⸗ und Roggen mehl für die Brotherstellung zu ver⸗ wenden. Telegramme. Tageöbericht des Großen Hauptgvartierz. Artillerie- und Luftkämpfe im Westen. Die Russen verfolgung hinter Wilna. W. B. Großes Hauptquartier, 23. Sept., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Begünstigt durch die klare Witterung herrschte chuf der ganzen Front sehr rage Tätigkeit der beiderseitigen Artillerien und der Flieger. a Ein anscheinend gegen die Friedhofstellung von Souchez beabsichtigter Angriff kam in uuserem Feuer nicht zur Durchführung. Ein feindliches Flugzeug stürzte in unserem Feuer nörd⸗ lich von St. Mene hould brennend ab. Ein anderes mußte nach Luftkampf südöstlich von Von ziers landen. Die Insassen sind gefangen genommen. Ueber Pont 9 Mousson schoß ein deutscher Flieger im Kampf mit zweit Franzosen den einen ab; das Flugzeug stürzte brennend zwischen der deutschen und französischen Linie nieder. Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. Südöstlich von Lennewaden ist der Kampf noch nicht abgeschlossen. Bei unseren, Gegenangriffen wurden gestern 150 Gefangene gemacht. Auch westlich von Düna⸗ burg gelang es, in die russische vorgeschobene Stellung eiu⸗ zudringen. 17 Offiziere, 2105 Mann, 4 Maschinengewehre fielen in unsere Hand. Gegenaongriffe gegen die von uns südwestlich von Dünaburg genommenen Linien wurden abgewiesen. 0 Der Widerstand der Russen von nörlich Oschmiana bis östlich von Subotniki(an der Gawia) ist gebrochen. Unsere Truppen folgen dem weichenden Gegner, der über 1000 Gefangene zurückließ. Der rechte Flügel kämpft nördlich von Nosio Grodek. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Westlich von Walowka wurde die russische Stellung genommen. Dabei wurden 3 Offiziere, 380 Mam gefangen geuommen und 2 Maschinengewehre erbeutet. Weiter südlich ist die Lage unverändert. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen. Nordöstlich und östlich von Logisch in wird weiter gekämpft. Südöstlicher Kriegsschauplatz. „Die Lage ist unverändert. Oberste Heeresleitung. 0 N . f Zufuhr aus Frankreich und England ihre Artillerie, beson— Der österreichisch⸗ungarische Tages bericht Abgeschlagene russische Angrisse in Wolhynien. Artillerie Kämpfe an der italienischen Front. Wien, 23. Sept.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: 23. September 1915. Russischer Kriegsschauplatz. An der Front in Ostgälizien verlief der Tag im all⸗ gemeinen ruhig. Es fanden nur Kämpfe vorgeschobener Ab⸗ teilungen statt. f An der Itwa und am Styr kam es an mehreren Siellen zu heft igeren Kämpfen. So wurden südöstlich von Nowo⸗ Poczajew zwei russische Angriff blutig zu rückgeschlagen. Ein feindliches Infanterieregiment. das nachts nahe der Ikwamündung über den Styr vorgedrungen war, mußte nach einem von unseren Truppen durchgeführten Gegenangriff unter großen Verlusten auf das Ostufer zurückgehen. Unsere bisher östlich Luck befindlichen Abteilungen wurden in die Stellungen am Westufer des Styr zurückgenommen. JItalienischer Kriegsschauplatz. Im Tiroler Grenzraum fanden mehrere kleinere Kämpfe statt. Angriffe schwächerer italienischer Abteilungen im Tonalegebiet, dann nördlich und östlich von Condino, wurden ab⸗ gewiesen. Die Hochflächen von Vilgereuth und Lafraun unter dem Feuer der feindlichen schweren Artillerie. Unsere tapfere Besatzung des Monte Coston, die diesen weit vor unseren Linien gelegenen Grenzberg Monate lang gegen einen der Zahl nach bedeutend überlegenen Gegner behauptet halte, räumte heute zeitig früh ihre nun von mehr als zehnfacher Uebermacht angegriffene und fast umschlossene Stellung. g Die Artillerielämpfe im Dolomitengebiete dauern mit großer Heftigkeit fort. An der Kärntner Front versuchte vorgestern abend eine Alpini⸗Abteilung am Monte Peralba durchzubrechen; sie wurde mit Verlusten heruntergeworfen. An der küstenländischen Front beschränkt sich die Tätigkeit unserer Truppen auf Geschützfeuer und einige erfolgreiche Unter⸗ nehmungen des Stellungskrieges. 0 Heute läuft der vierte Monat des Krieges gegen Italien ab. Der Feind raffte sich in diesem Monat zu keiner Kampfhand⸗ stehen wieder lung großen Stils auf, sondern führte nur gegen einzelne Abschnitte Angriffe mit Kräften bis zur Stärke mehrerer Infanteriedivisionen. Alles vergebens, unsere Front steht fester denn je. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Keine wesentlichen Ereignisse. i 0 Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnant. 8 Serbischer Kriegsschauplatz. An der Save und an der unteren Drina dauern die Ar— stilleriekämpfe an. Es verlautet, die Serben hätten durch ders die schwere, bedeutend verstärkt. Davon sollen sechs schwere Batterien in Belgrad aufgestellt sein, die in den an der Save gegen Semlin gelegenen Werken untergebracht und von englischen Mannschaften bedient werden sollen. Auch der Kalimegdan genannte Park soll in eine große Festung . sein. Bombensichore Unterkünfte wurden dort angelegt. Die bulgarische Mobilmachung. Der Verlauf der Mobilmachung. (W. B. Nichtamtlich.) Aus Athen eingetroffene Tele— gramme enthalten Einzelheiten über die bulgarische Mobil— machung. Danach war der Warenverkehr am Samstag Nacht auf dem bulgarischen Eisenbahnnetz eingestellt. Sonntag abend unterzeichnete König Ferdinand den Erlaß der Mobil⸗ machung von fünf Divisionen. Gleichzeitig gingen von Sofia mehrere Reiterregimenter nach einem geheimen Be— stimmungsorte ab. Alle bulgarischen Offiziere, die sich in Frankreich auf Urlaub befanden, um die dortigen Operatio⸗ nen zu verfolgen, wurden zurückberufen. In Athen rief die Nachricht der Mobilmachung tiefen Eindruck hervor. Kein bulgarisches Ultimatum an Serbien. T. U. Berlin, 23. Sept. Die Meldung der Idea Nakio⸗ nale, daß Bulgarien ein Ultimatum an Serbien gerichtet habe, das heute abend abläuft, ist, dem Verl. Tagebl. zufolge, vollständig erfunden. Der Eindruck bei der Entente. Die Italiener: Die italienische Presse ist über die Vorgänge auf dem Balkan vhne eigene Informationen, weil die Consulta schweigt; daher sind die Blätter auf Berliner und Londoner Informationen angewiesen und unorientiert, jedoch höchst bestürzt über den endgültigen Zu⸗ sammenbruch der Balkanpläne der Entente. Ahnend erwartet man, daß die bulgarische Mobilisierung mindestens die Be— setzung Mazedoniens, wenn nicht gar Krieg gegen Serbien bei gleichzeitigem deutsch⸗österreichisch-ungarischem Angriffe bedeutet. Die Hoffnungen auf die Hilse der Griechen sind gesunken, da das Kabinett in Athen die Auffassung vertritt, der Bündnisfall trete nur bei isoliertem Angriffe Bulgariens auf Serbien ein, nicht aber, wenn der Weltkrieg auch Bulgarien ergreife. Natsirlich ist die italienische Presse, die in der Auslegung von Blindnisverträgen selbst die größte Gewandtheit gezeigt hat, über die Auffassung in Griechenland entrüstet. Auch die Hoffnung auf Rumänien, auf dessen Eingreifen wie bekannt gleichzeitig mit der italienischen Kriegserklärung gerechnet wurde, ist tief gesunken. Das Giornale d Italia bringt einen Brief aus Bularest unter dem bezeichnenden Titel:„Rumänien wird kaum kämpfen“. Gleichzeitig meldet der Secolo den Besuch des Herzogs von Mecklenburg auf der Jacht des Königs von Rumänien bei Braila. Im übrigen weiß die italienische Presse keinen anderen Rat, als daß die Entente durch einen verzweifelten An griff auf die Dardanellen die Situation retten solle. Die Engländer: 0 London, 23. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Der Bericht, daß Bulgarien mobilisiere, nicht im Klaren. ö richt erst am 21. September spät abends. Sie erklärte, Bulgarien werde weiter Neutralität bewahren, aber eine bewaffnete Neu⸗ tralität. In anderen Kreisen werde erklärt, Bulgarien versetze wie die Schweiz und die Niederlande. Die Russen: Petersburg, 23. Sept. Rußkoje Slowo schreibt, die bulgarische Mobilmachung habe die Petersburger Diplomatie vollständig über⸗ rascht. Die Mehrheit der Diplomaten fasse die Mobilisation als Vorspiel des Krieges gegen Serbien auf, während die Minderheit empfehle, die Ereignisse abzuwarten. Ein Diplomat habe erklärt, die Mobilisation bedeute: das Spiel ist aus, Bul⸗ garien greift Serbien an, denn einen bulgarischen Angriff gegen die Türkei zu erwarten, wäre lächerlich. Es bleibt nur die Frage offen, ob Bulgarien eingreift, nachdem der deutsch⸗österreichische Einmarsch durch das eiserne Tor erfolgreich geschehen, oder ob es diesen durch einen gleichzeitigen Angriff begünstigt. Jedenfalls werde aber Serbien nicht allein bleiben, da Griechenland und Rumänien dem Verschwinden Serbiens nicht untätig zuschauen könnten. Eine Erklärung der griechischen Reg lserung. Athen, 23. Sept.(W. B. Nichtamtlich.) Die Agence d Athenes veröffentlicht folgendes Communiqués: Die Re⸗ gierung verfolgt mit Ruhe die Entwicklung der Ereignisse und wird die durch die Umstände gebotenen Maßnahmen treffen, um jeder Eventualität die Stirne zu bieten.— Zwischen dem König, Venizelos und dem Generalstab herrscht vollste Uebereinstimmung. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M. Bekanntmachung. Nachstehende Bekanntmachung des Großh. Kreisamts Gießen bringe ich zur öffentlichen Kenntnis. Gießen, den 21. September 1915. Der Oberbürgermeister: ee Bekanntmachung. Betrifft: Der Verkehr mit Oelfrüchten und daraus gewonnenen Produkten. Zum Ankauf der von dem Kriegsausschuß für pflanzliche und tierische Oele und Fette G. m. b. H., Berlin W. 8, Kanonierstraße 29/30 zu erwerbenden Oelsgaten, sind beauftragt worden: 1. die Zentral⸗Genossenschaft der hess. landwirtschaftlichen Kon⸗ sumvereine, e. G. m. H., Darmstadt: 2. die Grbrüder Altstädter, Weinheim(Baden). Diese Firmen und deren Beauftragte, die sich auf Verlangen, auszuweisen haben, sind berechtigt, im Kreise Gießen, die für den gen. Kriegsgusschuß zu liefernden Oelsaaten aufzukaufen und zu empfangen. Gießen, den 11. September 1915. Großherzogliches Kreisamt Gießen. J. V.: Hechler. Bekanntmachung. Nach Bundesratsbeschluß vom 26. August 1915 soll am 1. Ok⸗ tober 1915 im Deutschen Reiche eine Viehzählung stattfinden. Die Zählung erfolgt durch die Schutzmannschaft innerhalb der Bezirke. Zu zählen sind alle Viehstsicke, die sich in den Haushaltungen in der Nacht vom 30. September zum 1. Oktober 1915 befinden, sei es in Außenwerken oder auf Wiese, Weide, Feld usw. Dabei ist gleich⸗ gültig, wer Eigentümer des Viehes ist: auf längere Zeit eingestelltes Vieh wird wie eigenes behandelt; Viehstücke, die vorübergehend(auf Neisen, Fuhren usw.) abwesend sind, sowie Viehstücke, die im Laufe des J. Oktober verkauft werden, sind mitzuzählen. Nicht mitzuzählen sind Viehstücke, die im Laufe des Zähltages (1. Oktober) er auft werden oder die nur zufällig und vorüber⸗ gehend anwesend sind. Metzger und Händler haben auch das bei ihnen stehende oder im Laufe des Zähltages eintrefsende und in der Nacht vom 30. Sep⸗ tember zum 1. Oktober 1915 auf dem Transport gewesene, zum Schlachten oder Verkauf bestimmte Vieh aufzuführen, sofern es nicht etwa erst am Zähltage gekauft wird. Bei den Pferden sind die Militärpferde nicht mitzuzählen. Als Militärpferde gelten alle zu militärischen Zwecken gehaltene Telegramm! Achtung! Achtung! Mache die geehrten Einwohner von Gießen und Umgegend darauf aufmerksam, daß durch verspätetes Eintreffen der letzten Waggons der Verkauf um 7 Tage :: verlängert wird:: Bemerke noch, daß alle fehlenden Sachen wieder am Lager sind, z. B. Löffelbleche(weiß) 1.10 Mk., Sand, Seife, Soda mit Schrift 160 Mk., eiserne geschliffene Pfannen 34 em 1.20 Mk., ovale Spülwannen mit Fuß, 40 em 1.50 Mk., 45 em 1.70 Mk. Hochachtend Frau Carl Dorp aus Elberfeld. b isen natürlich viel Unruhe verursacht, hat in den diplomatischen Kre obwohl man auf eine derartige Entwicklung vorbereitet war. Ueber die Bedeutung der Mobilisierung ist man sich augenblicklich noch Die bulgarische Gesandtschaft erhielt die Nach⸗ sich lediglich in denselben Zustand wie einige seiner Nachbarn oder. 5 g 123 Pferde, für welche Rationen in Natur oder in Gestalt von G gütung oder 1 0 Bezahlung aus Magazinen der Militärv 918 abgegeben werden. Pferde der Landgendarmerie gelten als Militärpferde. 2 5 4 Schasherben sind stets in der Gemeinde zu zählen, in der si auf Weide oder in Fütterung, wenn auch nur vorübergehend finden, und zwar bei der Ha haltung desjenigen, in dessen O a oder Pflege sie stehen, auch wenn es nicht der Eigentümer ist. Wer wissentlich unrichtige oder unvollständige Angaben macht, wird mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu zehntaufend Mark bestraft; auch kaun Vieh, dessen Vorhanden⸗ sein verschwiegen worden ist, im Urteil für dem Staate verfallen er⸗ klärt werden. 1 Gießen, den 20. September 1915. a Der Oberbürgermeister. 3 Keller.. 0 1 Bekanntmachung. 1 Nerfii 5 3— Von den in diesem Jahre der Stadt zur Verfügung stehenden 0 Fichtendeckreiser können eine beschränkte Anzahl Wellen au 0 Ne Private abgegeben werden. Wer solche zu beziehen wünscht, wolle Git dies alsbald spätestens aber bis zum 1. Oktober ds. Js. 60 5 auf dem Stadthaus, Gartenstraße 2, Zimmer Nr. 15 anzeigen. Ber Preis N Welle beträgt 30 Pfennig und ist bei der Be⸗ stellung zu entrichten. Die Lieferung erfolgt frei vor das Haus. Weniger als 5 Wellen werden nicht abgegeben. Gießen, den 14. September 1915. f Der Oberbürgermeister: N . J. V.: Grünewald.—5 5 4 Verslorbene. Fran Johanna Kirchner geb. Hormel in Wetzlar, 72 Jahre alt,. Belnrich Kr 8 in Oberndorf. 3 J. Konsumverein Giessen u. Um E. G. m. b. H. 5 Bilanz am 30. Juni 1915. Aktiva. Mk. Passiva. Mk. Nee Fassalonto 8530.10 Neservefondstonto 2445285 11 Gewerbebankkonto 3125.51. Spez.⸗Res. Konto 9464.78 Bankkonto G.⸗E.⸗G. 23735.48 Mitgl.⸗Anteilkonto 55189.— Anteilkonto G.⸗E.⸗G. 7427.80 Spareinlagenkonto 65813. 1 Anteilkonto Verlagsgesell⸗ Sbarmarkenkonto 252.01 schaft 687.90 Unerh. Zinsenkonto für Wareukonto 69000.—] Anteile 0 8.60 Inpentarkonto 8100.— Rabatiguthabenkonto der 5 Fuhrwerkskonto 3300. Mitglieder 9 Bäck.⸗Inv⸗Konto 0.—]Lieferantenkonto 2²⁴484.49 Bäck.⸗Masch.⸗Konto 600.— Hypothekenkonto 29200.— Min.⸗Inv.⸗Konto 1800.— Grundstückskonto 17000.— Min.⸗Masch.⸗Konto„ 3000.— Reingewinn 8740.67 Immobilienkonto 221800.— Lieferantenkonto 2512.01 Außenständekonto 640.86 Summa: 570080. Summa: 370080446 2714 9 452— 3196 . Die Mitgliederzahl betrug aur 1. Juli 19111„ Eingetreten sind im Laufe des Jahres Ausgeschieden sind im Laufe des Jahres 7 Mitgliederstand am 30. Juni 1915., Die Haftsumme betrug am 1. Juli 1914. Mek. 81450 Dieselbe erhöhte sich im Laufe des Jahres um 12. Sie betrug am 30. Juni 1915 Mek. 98480.— . Mk. 48327.— 6862.— — Der Geschäftsanteil betrug am 1. Juli 1914. Derselbe erhöhte sich im Laufe des Jahres um. Er betrug am 30. Juni 1915 Gießen, im September 1915. 8 Der Vorstand: Michael Keßler. Carl Koppe. Für den Auffichtsrat: Friedr. Vetters, Vorsitzender. „„ M 55180. Sonntaa, den 3. Oktober 1915, nachm. halb 3 Uhr 5 GHeneral- Versammlung im Saale des Gewerkschaftshauses, Schanzenstr. Tagesordnung:. 1. Geschäfts⸗ und Kassenbericht. 2. Beschlußfassung über die Verteilung des Reingewinns. 3. Ergänzungswahl des Vorstandes. 4. Ergänzungs? wahl des Aufsichtsrates und Wahl der Stellvertreter. 5. Anträge. 01 Etwa zu stellende Anträge sind spätestens drei Tage vor der 100 General-Versammlung schriftlich einzureichen. n Die eta e Montag, den 27. September ab 111 in den Verteilungsstellen zur Abholung bereit. 8 8 Der Mussichtsrat. ö 10 2 ul due Die freiwillige Sanitätskolonne bildet in nächster Zeit nicht mehr Wehrpflichtige und Angehörige des ungedienten Landsturmes II. in einem besonderen Kursus zu Krankenträgern aus. Sich eignende Kursusteilnehmer können im Anschluß daran als Krankenpfleger ausgebildet und im Elappengebiet verwendet werden. Mündliche oder schriftliche Anmeldungen zur Teilnahme am Kursus werden entgegen⸗ genommen im Geschäftszimmer des Noten Kreuzes in der alten Klinik, Liebigstraße. Sprechstunden: Wochentags von 10 bis 12 Uhr morgens und von 4 bis 6 Uhr nachmitlags. Der Beginn des Kursus wird jedem Teilnehmer schriftlich mitgeseilt. 1 Der Vorsitzende. Wiener. ieee eee 5 1 Reparaluren Neubeziehen on Sonnen- und Negenschirmen gut und billig bassb brochrmabrk 8 Giessen. Seltersweg 52 L. Reform- Waschpulver kostet 1 Pfund nur 25 Pfg. NWeformhaus Kreuzplatz 5. e Marburg a.