b 0 1 Organ für die Interessen des werktätigen Volkes 8 der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich N 60 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl. 1.80 Mk. Giessen, Bahnhofstraßse 23, Ecke Lömengasse. Telephon 2008. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 223 Gießen, Donnerstag, den 23. September 1915 10. Jahrgang e mi inden. Von Heinrich Cunow. „Zum Kriegführen sind drei Dinge nötig: Geld, Geld — und n. tochmals Geld!“ In Erinnerung an diesen dem einstigen öster⸗ eichischen Feldmarschall Grafen Raimund von Montecuccolli zu— eschriebenen Ausspruch hat der frühere Schatzkanzler, jetziger Nunitionsminister des englischen gemischten Geschäftsministeriums 10 berr Lloyd George bekanntlich zu Anfang des Weltkrieges ver⸗ le findet, daß schließlich die Macht den Sieg im blutigen Kampf da⸗ hae, on tragen werde, die die beste Munition, die meisten„silber⸗ len Kugeln“ zur Verfügung hätte— und das seinatür⸗ lich das kapitalkräftige Großbrtannien. Der lusspruch des österreichischen Granden hat sicherlich seine Be— icchtigung; aber es gibt noch einige andere Faktoren, die neben der e, A Lapitalskraft über die Ersolge im Kriege entscheiden: vor allem elne, ie militärische und innere wirtschaftliche Organisation, und wir fürfen hoffen, daß Herr Lloyd George sich betreffs des schließlichen briegsausganges ebenso irren wird, wie er sich in seiner früheren Sigenschaft als Schatzkanzler über die Finanzstärke Englands und sessen Kriegskosten geirrt hat. Noch Anfang Mai berechneten Herr (loyd George in seinem naiven Optimismus die englischen Kriegs Osten für die ersten acht Kriegsmonate(von Ausang August 1914 is Ende März 1915) auf nur 307 Millionen Pfd. Sterling, also ungefähr 38¼ Millionen Pfd. Sterling pro Monat oder 26 Mill. — Hark pro Tag. Die weiteren Ausgaben für die nächsten fünf Mo ate, von April bis Ende August, veranschlagte er auf Grund einer Einsicht in die englischen Staatsfinanzverhältnisse und die 4. agufenden Rechnungen auf rund 480 Millionen Pfd. Sterl. oder 9 Nillionen Pfd. pro Monat. 1 Selten hat sich ein Finanzminister gründlicher geirrt, als dieses suglische Finanzgense. Nach den vor einigen Tagen vom eng⸗ ischen Ministerpräsidenten Asquith im Unterhaus gemachten An⸗ 13 uben betragen zurzeit die täglichen Kriegskosten Englands an al. Willionen Pfd. Sterling oder 100 Millionen Mark lin Deutsch⸗ gerad stellen sie sich jetzt auf henahe 70 Millionen Mark pro Tag) in hne die Rückzahlungen an die Bank von England, die Kriegs⸗ n unterstützungen an die englischen Kolonien und die an die Alliier⸗ 1E en, vornehmlich Rußland und Italien, gezahlten Vorschüsse und ei Lubsidien, deren Höhe Herr Asquith insgesamt auf ungefähr 250 Nilltonen Pfd. Sterl.(über 5 Milliarden Mark) bezifferte. Auch diese Angaben des Herrn Ministerpräsidenten sind brigens noch schön geschminkt. Nach einem Finanzartikel der Simes vom 11. September, der sich auf frühere Angaben des ktzigen englischen Schatzkanzlers Mac Kenna und den letzten Bochenausweis des Schatzamtes bezieht, stellt sich die Finanzlage N soch weit ungünstiger dar. Danach hat die Ausgabe des Schatz⸗ — mtes vom 1. April bis zum 19. Juni, also in 80 Tagen, ungefähr 80 Millionen Afd. Sterl., d. h. Millionen Pfd. per Tag be⸗ ragen. Vom 20. Juni bis 4. September betrug dagegen die Aus⸗ abe ungefähr 520 Millionen Pfd. Sterl., oder 6% Millionen fd. l ro Tag. Darunter befinden sich jedoch 160 Millionen Pfd. Sterl., ie an die Bank von England gezahlt sind, teils zur Deckung von unbezahlt gebliebenen Wechseln und zur Lombardierung(Inpfand⸗ ahme) englischer Kriegsanleihepapiere, teils zur Gewährung von f Zorsch nen an die Kolonien und Verblindeten, sowie sonstigen„ge⸗ ole. Lissen“ Kriegszwecken. Zieht man diese 160 Millionen fo Sterk. jn sbgleich noch sehr fraglich ist, was und wieviel England von seinen 5 Zorschüssen nach Friedensschluß zurückerhalten wird, von den zue bigen 520 Millionen Pfd. Sterl. ab, so ergibt sich, daß England in len letzten auderthalb Monaten nicht weniger als 360 ee Bid. Sterl. für Kriegszwecke verausgabt hat— zirka 45 Mill. Ifund pro Tag. Und diese tägliche Ausgabe wird sich voraus ichtlich demnächst noch beträchtlich steigern, so daß die Asquithsche Schätzung von 100 Millionen Mark pro Tag sich bald als reichlich ,(ptimistisch erweisen wird. die England erst vor zwei auch nach der eigenen Rech⸗ Bis zum 4. September waren ereits ausgegeben 452 Mill. Von der großen Kriegsanleihe, Monaten aufgenommen hat, ist denn nung der Times nichts mehr übrig. uuf diese Anleihe eingezahlt und auch b fd. Sterl. Einzuzahlen blieben noch zu welchen als Guthaben des Staates noch 93,0 Millionen Pfd. Sterl. hinzukommen, bei der Bank von England sodaß am 4. Sep⸗ tember, vorausges alles klappt, dem 101 korps d Shef f rie⸗ noch 226,0 1 975 Gerl 017 Verfügung standen. Dieser Der Stab es 12. Armeekorps an den Chef der Infanterie⸗ 2 Aten ee deren schwebenden division 12: 12. Juni 1915. Nr. 181. Summe steht aber, ganz abgesehen von allen af Aus dab 1 Der Höchftke andierende befiehlt, aus der eintreffenden Schuld⸗ und Zahlungsverpflichtungen allein eine Ausgabe vo Der enen, e Briefe aus. 11 75 en 235 Millionen Pfd. an kurzfristigen Schatzwechseln gegenüber, oe] Koxrrespondenz al le geschlossenen Briefe zur 7 50 5 i de Laß schon seit Anfang September Eugland wieder auf Pump wirt⸗] namentlich die aus dem Au 5lan d eintreffenden, da sie Nach⸗ schaftet. Wenn dennoch Herr Asquith vor einigen Tagen im eng⸗ richten darüber enthalten, daß es den Soldaten in der Kriegs⸗ ischen Unterhaus erklärte, man hoffe bis zur dritten aden gefangenschaft e; 1 bee e e e ee woche mit den Einnahmen aus der letzten Kriegsanleihe auszu⸗ Solche Nachrichten wirken auf unsere Kold aden. führe⸗ Jbommen, so beweist das nur, daß für ihn nur die voraussichtlichen visch. Es wind daher, befohlen, alle derartigen Briefe unter dem 9 e in Betracht kommen, nicht die Schulden und. 1 nis e 0 e Zahlungsverpflichtungen. a 5 Aal eee 0 3 Selbst 1 11 110 e ben sich auf der e 115 0 Diese Geheimerlasse sind wic e e e galten und nicht wesentlich zunehmen, wird also bis Ende die essowohl flir die„Barbarei der Deutschen wie für Rußlands Mission es 1 3 0 1 ie 2 11858 0 0 lei Jahres England noch an 11 bis 12 Milliarden Mark für Kriegs an dar Seite Frankreichs und Englands„für Freiheft und Kultur Ausgaben gebrauchen, nicht mitgerechnet die Summe, die 55 Baer der Völker Europas. hin noch dem halbbankerotten Rußland und Italien wird l 5 Russisches müssen, wenn diese nicht wirtschaftlich zusammenbracge g 1 0 5 g Aber es ist gang sicher, daß in den nächsten Monaten ne nid. Die Die Sitzung des Moskauer Magzistrats und Kkbenso weiter steigen werden, wie sie bisher gestiegen 15 0 hen Semsiwos. sschönen Hoffnungen des Herrn Asquith werden sich als 0 5 1 5 zu go T 1 krügerisch erweisen, wie die der Finanzgrößen Llond ee T. U. Kopenhagen, 21. Sept. Berlinske Tidende meldet 45 1 e 1 weil auf e ind und in aus Petersburg: Magistrat und Semstwos von Moskau kräge, die im Sommer nach Amerila verge e 12 insti f seschluß, d s im gegenwärtigen nen nächsten Monaten zur Ablieferung gelangen, bisher meist 112 1 einstimmig 9 e 1 4 s 1 5 4 eerst 20.30 Prozent des Betrages angezahlt worden sind, der 168 Augenblick hauptsächlich auf die Ue ereinstinmung. zwischen 4 9 er teils noch vor der Verschiffung, teils sofort nach der Regierung und dem 8 ankommt. Die Regierung ider; ieserung entrichtet werden muß. 2 1 1 1 imisse das Vertrauen des Volkes genießen(das heißt, das Um sich zur Bezahlung dseser großen Kriegs materialien! misse de ve l 0 3 133 Millionen Pfd. Sterl. englischen Schatzam! lieferungen die nötigen Geldmittel zu verschaffen un günstigere Gestaltung der Zahlungsbilanz den S Newyork zu heben, bemüht sich seit mehreren Wo Regierung im Verein mit der französischen eine auf dem amerikanischen Geldmarkt zustande zu brin Sher stand dem Abschluß solcher Anleihe die Abneigung der amerikani⸗ schen Regierung entgegen, durch ihre Zustimmung zu einer der⸗ artigen finanziellen Unterstützung Englands und seiner Stipen⸗ diaten sich der offenen Parteinahme für den Vierverband schuldig zu machen. Nach ben letzten Meldungen haben aber die Herren Wilson und Lausing ihren Einspruch aufgegeben, und auf die widersprechenden Interessen verschiedener Teile der amerilanischen Geschäftswelt, besonders der Landwirtschaft in den Süddstgaten, wird die Morgan⸗Bankgruppe kaum Rücksicht nehmen, wenn Eng⸗ land nicht nur durch Hinterlegung von amerikanischen Eisenbahn⸗ und anderen guten amerikanischen Wertpapieren die Sicherheit der Anleihe garantiert, sondern auch Bedingungen übernimmt, die der betreffenden Bankwelt außergewöhnliche Profite versprechen, leiden doch zurzeit die amerikanischen Banlen an einem Gold⸗ überfluß, der sie zwingt, ihr Geld zu sehr niedrigen Sätzen auszu⸗ leihen. Doch selbst oder gar 1000 N zugle rlings die englische zere Anleihe en. Bisher wenn es Eugland gelingt, eine Ank von 500 illionen Dollar in Amerika aufzuneh vermag es dadurch nur für kurze Zeit seine finanzielle Lage etwas zu ver⸗ bessern. Der größte Teil der Summe bleibt sicherlich in Amerika zur Bezahlung der von England und seinen Verbündeten bestellten Kriegslieferungen zurück, und der Wechselkurs wird, da die Warenausfuhr der Vereinigten Staaten nach Großbritannien die der amerikanischen Einfuhr aus Großbritannien um mehr als das Dreifache übersteigt, bald aufs Neue hinabsinken, tiefer und tiefer. — Und wo bleiben Rußland und Italien, denen die Munition der „silbernen Kugeln“ sehr knapp geworden ist, und die wenn Eng⸗ land nicht hilft, bald ihren Kampf aufgeben müssen? Auch für sie gilt der Ausspruch des Grafen von Montecuccoli. ** * 2 2 3 83 3— Zwei russische Geheim⸗Erlasse. Russkija Iswjestia veröffentlicht in Nr. 52 folgende Geheim⸗ befehle russischer Militärbehörden: 1 üteriedivision 41. 24. Dezember 1914. Nr. 995. Abschrift eines Geheimerlasses des General⸗ quartiermeisters beim Obersten Kon mando vom 8. Dezenr⸗ ber 1914(Nr. 1033) an den Chef des Stabes der Südwestarmee: In der letzten Zeit beginnen Briefe von unseren in seind⸗ lichen Ländern gefangenen Kriegsgefangenen einzutreffen. In einigen dieser Briefe wird außer den Angaben über den Aufenthaltsort und das Befinden ihrer Absender auch das Leben in der Gefangenschaft in sehr günstiger Beleu chtung ge⸗ schildert, weshalb die Verbveitung solcher Nachrichten unter den Truppen und den Militärpflichtigen une r w ünscht erscheint. Im Anschluß an diese Ausführungen bitte ich auf Befehl des Chefs des Stabes des Höchstkommandierenden die Ihnen unter⸗ stellten Militärzensurbehörden anzuweisen, daß solche Briese un⸗ serer Kriegsgefangenen, deren Inhalt auf andere Leute ver⸗ führerisch wirken könnte, be schlagnahmt und nicht den Adressaten ausgehändigt werden;: die Namen der Absender mit den zur Feststellung der Identität dienlichen Angaben(Vor⸗ und Vatersname, Truppenteil) sollten der Besonderen Abteilung des Hauptstabes zur Feststellung der Verluste der Operations⸗ armee überwiesen werden, um die Verwandten benachrichtigen zu können. 3 Für getreue Abschrift: Der Regimentsadsutant des Sakatalski⸗ Infanterie⸗Regiments Nr. 164. Stabs⸗Kapitän (Unterschrift unleserlich). Dazu erging folgende Entschließung des Kommandeurs des Re⸗ giments 164:. Die Kompagnieführer haben alle aus dem Ausland ein⸗ treffenden Briefe zu öffnen und dur chzulesen, Briefe von Juden und Tataren sind zu vernichten. II. — „An den Chef der Infar Oberst Kolog.“ „Vertraulich. Abschrift. ee Mnisterium Goremykin müsse durch eine Regierung des Polksvertrauens ersetzt werden). Die Unterbrechung der; Dumasitzungen müsse so kurz wie nur möglich sein. Das Volk dürfe nicht nationale Arbeiten verlassen, die jetzt wichtig für sie seien. Diese vom ersten Bürgermeister unterzeichnete Magistratsresolution wurde an allen Straßenecken ange⸗ schlagen. Briefe für Analphabeten. Der Briefwechsel der schen Schreidenkundigen müßte, so sollte man meinen, recht schwierig vonstatten gehen und eigentlich nur durch die Hilse von Schreibkundtgen zöglich sein. Dem ist aber keineswegs so: vielmehr setzt eine Jahr sinnige Einrichtung der russischen! derwaltung selbst den dos Schreibens Unkundigsten in die Lage, mit allen seinen Bekannten und Verwandten in un⸗ unterbrochenem persönlichen Briefverkehr zu stehen. Wie das möglich ist? Ganz einfach dadurch, daß den Soldaten gedruckte Briefe eingehändigt werden, in denen alles steht, was ein Brief⸗ empfänger gern lesen möchte. Dem Schreiber dieser Zeilen liegt ein solcher Brief vor, der links in ber Ecke den Vermerk Serie 6 Nr. 5 trägt: es scheint alsi dafür geforgt zu fein, daß den verschiedensten Ansprüchen an den Briefinhalt genügt wir Die erste Seite des Briefes zeigt ein grobes, buntes Schlachtenbild, das den„siegreichen“ Kampf bei Wladimir⸗Wolynftif darstellt: die Russen dringen vor, die Oester⸗ reicher sind in voller Flucht. Eine entsprechende Beschreibung zu dem Bilde ist daneben gedruckt. Der eigentliche Brief beginnt auf der zweiten Seite mit der Anrede:„Meine teuern Verwandten und Bekannten!“ Seinen Inhalt, der zum großen Teile sogar gereimt ist, lassen wir am besten für sich selbst sprechen: „Ich sende Euch eine kleine Nachricht von der Front und schreibe Euch über mein Ergehen: Wir hatten mit den Deutschen einen heißen Kampf, aber Gott der Herr hat uns einen großen Sieg geschenkt. Die Deutschen haben wir besiegt, und nur ihre Fersen zu sehen gekriegt. Sie wollten gern nach Warschau kommen, da haben wir sie nicht schlecht vorgenommen: die wissen nun, mit wem sie es haben zu tun. Wir sitzen hier in den Schützengräben und bewachen die Deutschen, und wenn auch der Hundedeutsche scharf späht, beim Anblick unsrer Soldaten er vor Zittern vergeht. Ich denke an Euch alle, meine Freunde, und möchte Euch wieder⸗ sehen. Vergeßt mich nicht und gebt mir von Euch Nachricht. Betet zu unserm Herrgott, daß ich gesund nach Hause kehre, daß aber der Deutsche krumm und lahm geschlagen werde. Glaubt, meine Teuern und Verwandten, daß der Tag unsers Wiedersehens nahe ist, und dann werde ich Euch viel erzählen, wie unsre Jungen siegen, die Deutschen aber unterliegen. Wir stehen kühn auf Wache, für unsre gerechte Sache, für unser Mütterchen Ruß! Meinetwegen macht Euch keine Sorgen, bald lacht uns ein froher Morgen. Langweilt Euch nicht, mich aber erwartet mit dem Georgs-Kreuz! Run auf Wiedersehen! Innig grüße ich Euch alle teuern Verwandten und Bekannten, und wer sich über meinen Brief freut, ist auch zu einer Antwort bereit. Ich verbleibe Euer Euch liebender.“ Unter dieses gedruckte Machwerk setzt der„Briefschreiber“ nun seine drei Kreuze, und hat dann das Bewußtsein, seine Ver⸗ wandten und Bekannten mit einer sehr inhaltschweren Nachricht be⸗ glückt zu haben. Und die Verwandten und Bekannten werden auch tatsächlich beglückt und beruhigt sein, denn sie können sa auch nicht lesen, also nicht kontrollieren. Wer aber schreibt die Adressen?— „Geplünderte“ belgische Apotheken. Der Niederländische Pharmaceuten⸗Verein veranstaltet eine Sammlung für die durch den Krieg geschädigten belgischen Apotheker. Ein englisches Fachblatt, das den Aufruf zur Beteiligung an dieser Sammlung abdruckte, hat daran die Behauptung geknüpft, daß eine Anzahl Apotheken von den deutschen Truppen geplündert worden seien. Der deutsche Generalgonverneur sür Belgien, Freiherr von Bissing, hat darauf Erhebungen angeordnet und nun dem nieder⸗ ländischen Verein geschrieben: 10 „Die Erhebungen über die Richtigkeit der Angaben, die in dem Aufruf des niederländischen Apothekervereins zugunsten der durch den Krieg betroffenen belgischen Apotheker enthalten sind, haben ergeben, daß allerdings eine größere Anzahl von Apotheken in Belgien den Kriegshandlungen, insbesondere den Bombarde⸗ ments von Antwerpen, Mecheln usw., zum Opfer gefallen sind, daß mit anderen Zivilpersonen auch einige Apotheker in den Straßen⸗ kämpfen den Tod fanden oder zwei oder drei gefangen genommen wurden. Auch mußten in vielen Fällen, wie dies im Kriege un⸗ vermeidlich ist, die durchmarschierenden Truppen Material und Instrumente für ihre Bedürfnisse in Anspruch nehmen. Plün⸗ derungen durch deutsche Soldaten sind dagegen nirgends festgestellt worden.“ Die englisch⸗französische Anleihe. Newyork, 21. Sept.(W. B. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Die leitenden Bankleute, die an den Beratungen mit der englisch⸗französischen Kommission teilgenommen haben, teilen mit, es sei beschlossen worden, ein Syndikat amerikanischer Banken zu bilden, das die ganze Union umfassen und die Anleihe übernehmen soll. Es solle jedoch in der nächsten Woche noch keine amtliche Mitteilung über die Art der Emission gemacht werden. An dem Syndi⸗ kate nähmen schätzungsweise 80 000 Bankleute teil. In dem Anleihevertrag würden keine einschränkenden Bestimmungen über die Verwendung des Geldes enthalten sein. Persien. Auch Persien rührt sich— wenn auch in landesüblicher Weise 0 Wenigstens wissen die anglo⸗russischen Depeschen nichts von kriegeri⸗ schen Angriffen persischer Truppen und Stämme auf die Soldaten 1 9 des Jaren und die Söldner Seiner großbritannischen Majestät, son⸗ dern nur von Mordanschlägen auf die Konsuln der Entente und ihre konnattonalen Kaufleute zu melden. Diese Angriffe aber scheinen einen beträchtlichen Umfang anzunehmen und es scheint auch, daß man die Herren Russen bewogen hat, Teheran zu verlassen. Wie man weiß, hat vor einigen Jahren England, um Rußlands langsamem aber unentwegtem Vordringen nach Indien Einhalt zu tun, Nord⸗Persien dem Zaren überlassen. Und als der auf seine nationale Unabhängigkeit bedachte Teil des Perservolkes, als ins⸗ besondere der kriegerische Stamm der Bachtiaren gegen die schwache, das Land dem Zarismus ausliefernde Regierung Front machte, und die Einführung einer Verfassung und eines Parlaments, des Medschlis erzwang, da rlickten einfach Väterchens Kosaken— als Stütze der Ordnung und der persischen Regierung— in ganz Nord⸗ persien, das heißt in den nicht wüstenhaften Teil des Landes, ein. Alsbald reckten sich die Wahrzeichen russischer Völkerbefreiung in dle Luft und manch ein aufrechter Perser hing daran, auf daß die an⸗ deren erkennen, wie das demokratische England wieder einmal ein Volk befreit hatte. Zweifellos warten alle nationalen Elemente in Persien nur auf den geeigneten Augenblick, sich den Türken anzuschließen, gleich denen auch Persien sein staatliches Sein gegen das Länderverteilungssyn⸗ dikat des Vierverbandes zu verteidigen hat. Einstweilen aber scheinen die Folgen des jahrhundertlangen Verfalls und der nicht potischen Wirtschaft ein entschiedenes Vorgehen Persiens noch nicht möglich zu machen. Es fehlt den Persern an jenen inneren Erlö— sungstendenzen, die in Stambul einen Enver vom Leutnant zum Leiter des Reiches gemacht haben.... Nach einer offiziellen Peters burger Meldung haben die persischen Gesandtschaften dort und in London erklärt, die persische Regierung unternehme alle erdenklichen Maßregeln, um die Situation in Jspahan zu klären und ebenso die in Südpersien(gegen die Engländer) ausgebrochenen Unruhen zu bekämpfen. Entgegen den Behauptungen, daß die persische Regierung nichts getan hätte, um die Verletzung ihrer Neutralität zu vermeiden, erklärt sie, seit Ausbruch des Krioges ihre ganze Zeit und Aufmerk⸗ samkeit auf die Aufrechterhaltung ihrer Neutralität verwendet zu haben. Es sei eine wahre Herkulesarbeit geleistet worden. Die Re⸗ gierung habe seit Beginn des Krieges alles getan, was in ihrer lag, um Ausbrüche religlöser oder anderer Animosität gegen die einzelnen Parteien zu verhindern. Als Beweis hierftir könne gelten, daß bei der persischen Regierung sogar gegen ihre Haltung protestiert wurde, die als zu freundlich gegenüber Großbritannien und Rußland hingestellt wurde. Wir wollen im Interesse Persiens hoffen, daß sich die persische Neutralität zur rechten Zeit und zur Freude des Vierverbandes die — italienische zum Vorbild nehmen wird. Schließlich könnte ja auch das vumänische Beispiel aus dem Balkankrieg von Nutzen sein: warten, bis die andern sich verblutet haben und dann gerüstet auf den Plan treten— auf dem ja ingwischen Nikolai Nikolajewitsch höchst selbst erschienen sein wird. Anrechnung der Kriegsjahre. Das Reichs⸗Gesetzblatt veröffentlicht einen kaiserlichen Erlaß, der feststellt, wer als Kriegsteilnehmer anzusehen ist. Als Teilnehmer an dem gegenwärtigen Kriege gelten: 1. die Angehörigen des Deutschen Heeres, der Marine, der Schutz⸗ und Polizeitruppen in den Schutzgebieten, die wäh⸗ rend des Krieges an einer Schlacht, einem Gefecht, einem Stellungskampf oder einer Belagerung teilgenommen haben, gleichgültig, ob diese Teilnahme bei den deutschen oder den Streitkräften eines mit dem Deutschen Reiche verbündeten oder befreundeten Staates erfolgt ist, 2. die Angehörigen des Deutschen Heeres, der Marine, der Schutz. und Polizeitrup⸗ pen, die, ohne vor den Feind gekommen zu sein(Ziffer J), sich während des Krieges aus dienstlichem Anlaß mindestens zwei Monate im Kriegsgebiet aufgehalten haben. Als Kriegsgebiet sind anzusehen: a) das Gebiet der Staaten, mit denen das Deutsche Reich und die mit ihm ver— bündeten oder befreundeten Staaten sich im Kriege befinden, einschließlich der Kolonien dieser Staaten und Luxemburg, b) sämtliche deutsche Schutzgebiete, e) die Gebietsteile des Deutschen Reiches und der mit ihm verbündeten oder be— freundeten Staaten, soweit in ihnen kriegerische Operationen stattgefunden haben, d) das gesamte Meeresgebiet und e) das Küstengebiet, soweit sie vom Feinde gefährdet sind. Denjenigen Kriegsteilnehmern, die sowohl im Kalender⸗ jahr 1914 wie im Kalenderjahr 1915 die vorstehenden Be— dingungen erfüllt haben, sind zwei Kriegsjahre anzurechnen. Hansabund und Bund der Landwirte. In der Budgetkommission des Reichstags ist bei der Be— ratung über die Versorgung der Hinterbliebenen von Kriegs teilnehmern verlangt worden, die Pension nach dem Einkom⸗ men abzustufen, das der Gefallene zu Lebzeiten hatte. Der Staatssekretär des Reichsschatzamts erklärte schließlich nach langem Hin und Her, daß der Bundesrat gewillt sei, nach dem Kriege eine Abänderung der Hinterbliebenengesetze in der ge— wünschten Richtung vorzunehmen, und daß bis zur erfolgten (Aus Nr. 1 der neuen sozialistischen Halbmonatsschrift Die Glocke(Herausgeber Parvus), München, Verlag filr Sozlalwisfen⸗ schaft G. m. b. H., Altheimereck 19.) Korruption daheim. Während die Regierung so in dem okkupierten Gebiet wirtschaftete, feierte die Bureaukratie im Inlande die schlimmsten Orgien. Die Mißwirtschaft der Tschinowniks stieg mit der Ausdehnung des Krieges. Die Intendantur, die Artillerieverwaltung, das Rote Kreuz und ähnliche In⸗ stitutionen, auch solche, die unter dem Protektorat verschie— dener öffentlicher Körperschaften standen, bereicherten sich zynisch. Jede Spur von Schamgefühl wurde abgestreift. Die Vermittler zwischen diesen Instituten und den Liefe— ranten entwickelten eine emsige Tätigkeit. Besonders regsam in diesem Geschäft zeigten sich verschiedene Damen der Ge— sellschaft; sie kamen ohne weiteres zu den Lieferanten, den Kaufleuten und Fabrikanten und trugen ihnen Geschäfte an. Allgemein bekannt sind Fälle, das Kommissionen, die aus Generälen der Artillerie sich zusammensetzten, Metallhändler zu sich einluden und diesen unter der Bedingung einer Be— teiligung am Geschäft Preise anboten, die höher waren, als die zuvor von den Kaufleuten selbst verlangten. Als einige Herren an das Rote Kreuz mit dem Angebot kamen, Arznei— mittel zu liefern, wurde ihnen bedeutet, sie sollen sich an einen bestimmten Vermittler wenden. Den Kaufleuten, dio mit solchen Antworten abzogen, folgten auf dem Fuße die „Damen“ und die Vermittler, die ihnen erhöhte Preise au— boten. Die Geschäfte mußten entweder unter Beteillaun— D dieser Vermittler abgeschlossen werden oder sie kamen ie her bekannt gewordenen Mißstände in Russische Stichproben. wiederholt sich in dem ganzen immensen russischen Reich. haupt nicht zustande. gesetzlichen Regelung auf dem Wege der Unterstützung die Ziele des Antrages möglichst erreicht werden sollten. Das Kriegsministerium hat nun Richtlinien aufgestellt. die bei Gewährung solcher Unterstützungen zu beachten sind. 1 Die Deutsche Tageszeitung bucht dies als einen Erfolg des gemeinsamen Vorgehens des Hansabundes und des Bun⸗ des der Landwirte. Dieser Selbstbeweihräucherung muß entschieden entgegengetreten werden, weil es sich um ein Resultat handelt, an dem alle Parteien, und mit ganz besonderer Energie die Sozialdemokraten mitgearbeitet haben. Uebrigens handelt es sich jetzt bloß um Unterstützungen, die einen Rechtsanspruch nicht begründen. Das Gesetz selbst wird erst nach dem Kriege kommen und es ist noch sehr fraglich, ob es auch nur den bescheidensten An⸗ sprüchen genügen wird. Wenn auch der Schatzsekretär schließ⸗ lich dem Prinzip zustimmte, so ist damit noch nicht viel getan. Jedenfalls aber muß dem Versuch des agrarischen Blattes, die tatsächlichen Vorgänge zu verschieben, entgegengetreten werden. Die vorzüglichen deutschen Heilmethoden. Daß Vlamsche Nieuve meldet: von den in sämtlichen Hospitälern Deutschlands behandelten Soldaten wurden in der Zeit zwischen August 1914 und April 1915 88,5 Prozent wieder als Diensttauglich entlassen. Gestorben sind: 1.9 Prozent. Als Dienstuntauglich wur⸗ den 9,6 Prozent entlassen. Vom April 1915 bis August 1915 stieg die Zahl der als tauglich für den Dienst Entlassenen von 88,5 Pro⸗ zent auf 91,2 Prozent, dagegen siel die Sterblichkeitsziffer von 170 Prozent auf 1,4 Prozent. Wenn diese Statistik richtig ist, so bestätigt sich die bisherige Annahme, daß die deutschen Verwundeten bis auf einen kleinen Prozentsatz geheilt und zum größten Teil ihren Dienst weder aufnehmen können. „Nuinen rechts und links“! Die Zentrumspresse liebt es, schadenfrohe Betrachtungen über die Vorgänge in der internationalen sozialistischen Arbeiterbewegung anzustellen. Man kann sich— so schreibt der Elsässer(Nr. 266)— den Abgrund„kaum tiefer denken, der sich zwischen den ehedem mit⸗ einander befveundeten Arbeiterparteien auftut.... Ruinen rechts, Ruinen links!“ Die christliche Gewerkschaftspresse stößt in dasselbe Horn. Im Fachblatt der christlichen Holzarbeiter(Nr. 38) lesen wir:„Der Krieg hat der internationalen Sozialdemokratie einen kräftigen Stoß versetzt. Von der internationalen Brüderlichkeit ist zurzeit nicht viel mehr vorhanden. Die harte Wirklichkeit hat dem schönen Traume plötzlich ein Ende gemacht.“ Vielleicht haben die Herrschaf⸗ ten mal die Güte, sich im eigenen Lager umzusehen. Sie würden dann finden, daß von der katholischen Internationale gegenwärtig auch nicht viel mehr übrig ist. Ruinen rechts, Ruinen links! Die Haltung Griechenlands. T. U. Athen, 22. Sept. Die Unterredung des Minister⸗ präsidenten Venizelos mit dem Könige führte zu einer völli— gen Uebereinstimmung über die Haltung Griechenlands gegenüber der neuesten Wendung auf dem Balkan. Griechen⸗ land betrachtet ein etwaiges bewaffnetes Eingreifen Bul⸗ gariens nicht als einen Grund, seinerseits aum der Seite Ser⸗ biens einzugreifen, da es durch keinen Vertrag gebunden sei, sich in den Krieg einzumischen. Bevorstehende englisch⸗französische Offensive? Senator Henry Berenger, der Vorsitzende des Senats⸗ ausschusses für Munitionsangelegenheiten, veröffentlichte gestern im Temps eine Erklärung, daß der historische Augen⸗ blick jetzt nahe sei, wo England und Frankreich zu dem un⸗ widerstehlichen Vorstoß ansetzen werden, der Frankreich, Belgien, Luxemburg und das linke und rechte rheinische Elsaß⸗Lothringen befreien werde. Frankreich habe genügend Truppen und die Waffen für diese Truppen seien jetzt ein⸗ geschmiedet. Die deutsche Kriegsauleihe. Haag, 22. Sept. Holländische Banken erhielten namhafte Zeichnungen auf die deutsche Kriegsanleihe; ferner zeichneten Amerikaner durch die Vermittlung von holländischen Banken 25 Millionen Dollar. 5 Die geheime Kammersitzung. T. U. Genf, 22. Sept. Eine unangenehme Ueberraschung er— fuhr die französische Regierung durch den eben erfolgten ein stimmigen Beschluß der sozialistischen Kammer⸗ gruppe, die Angelegenheit der Abhaltung einer geheimen Kam— mersitzung neuerlich vor das Plenum gelangen zu lassen. Die Sozialisten bestehen namentlich darauf, daß der bekanntlich ab— lehnende Kommissionsbeschluß auf die Tagesordnung einer der nächsten Kammersitzung gestellt werde, um auf diese Weise die seit⸗ mehreren Zweigen der Krlegsverhallung und Obersten Heeregleitung bringen. Der Deputlerie Kekote Nn 281 a sugeschrän 15 l 5 asdrücklich, daß die Sozialisten 1 gte Iflicht erachten, 1 wisse Vorgänge bel dem englisch⸗ranszsischen 50 nehmen, sowie die politischen und milttärischen Ere land Regierungserklärungen zu fordern. 1271 Ludwig Ganghofer verwundet. München, — 8.5 Augen, jedoch ohne Gefährdung des Augenlichtes, verletzt Ganghofer ist 5 München zurückgekehrt und befindet ärztlicher Behandlung, wird aber in einigen Wachen setzung seiner Kriegsschilderungen durch ein Dekret des französischen Finanzministers a diesen Ländern verboten. 1 315 N Gefängnisstrafen für streikende den die Arbeit wieder aufzunehmen. Verhaftungen vorgenommen. b N gegeben zu haben. Nrlegs notizen. Bei der Ersatzwahl für den verstorbenen der holländischen Grenze festgenommen. nähere Angaben gemacht werden konnten. tötet wurden. Nach einer Mitteilung infolge unsichtigen Wetters in der Kjögebucht dänisches Se rium überflog. über Italien und die Schweiz heimkehvenm. Bei Beratung der Schweizer Staats rechnung unumgänglich notwendig sein. haushaltes zu decken. Londoner Polizeistationen Hunderte gemeldet, um interniert zu werden. Der Kurjer Litewski teilt mit, daß über Kiew nach 37 Wagen mit galizi den seien. — Wie die Regierung, so die Stadtverwaltungen. Diese Vorbilder ließen natürlich auch die städtischen Verwaltungen nicht ruhen. So wurde z. B. bekannt, daß ein Mitglied eines engeren Stadtrates in Petersburg für die städtischen Militär⸗Krankenhäuser mehrere Zehntausende von Betten, Linnen usw. zu Preisen einkauften, die die ge— wöhnlichen Preise weit überstiegen. Selbst in der Abteilung der städtischen Verwaltung in Petrograd, die über die Unter— stützung der Familien der Kriegsteilnehmer zu verfügen hat, sind Mogeleien festgestellt worden. Unter anderm führten die höheren Angestellten dieser Verwaltung folgenden Trick aus: Für die Zeit nach 4 Uhr nachmittags wurde Ueberstunden— lohn bezahlt. Diese Herren erscheinen nun im Bureau über⸗ haupt erst knapp vor 4 Uhr, um auf diese Weise außer ihrem gewöhnlichen Gehalt auch noch Ueberstundenentschädigung zu erhalten. Hand in Hand mit dieser korrupten Wirtschaft ging ein tolles Luderleben. Obwohl, wie bekannt, in Petrograd von Beginn des Kriegs an sämtliche Branntweinschenken geschlossen wurden, und der Verkauf von Alkohol in Geschäfts⸗ läden und Wirtshäusern verboten war, haben die feinen Restaurants von Köba, Medwed, Konstant nie so glänzende Geschäfte gemacht, nie so viel alkoholische Getränke verkauft wie in diesem Kriege. Was in Petersburg vor sich geht, Schauerliche Zustände deckte der Kongreß der Bürger⸗ meister in Moskau im Juni ds. Is. auf. Unter anderm er⸗ zählte der Bürgermeister von Archangelsk folgende pikante Geschichte: Er hatte es im Anfang des Krieges übernommen, für die Regierung innerhalb eines Monats eine Million Pud Steinkohle nach Archangelsk frei Schifsbord zu liefern. Der Auftrag wurde von ihm rechtzeitig zahlt. Zuziehung von Aerzten, Ch beriet während eines ganzen Monats anrüchigen Eiern zu geschehen habe. der Beratung teilte der Krie daß ein Unternehmer den Vor ist ein Pulver zuz verwandeln Kriegsschauplatz schicken könnte. Fabrik zu bauen, brauchte man doch die Bewilligung des Fabrikneuban Ausladung der Steinkohlen zu organisieren. Ausladung. immer nicht ausgeladen worden. Ruchlof, diese Geschichte erzählte, beiden Händen an den Kopf und rief aus: tun? Eine Eiergeschichte. Krieg ausbrach, sammelten sich in Eier an, die zur Ausfuhr nach für Eier in Petersburg enorm gestiegen war 5 i 300 000 Rubel das Kriegsministerium diese n erledigt, aber die Staatsbeamten hatten es versäumt, die faulten die Eier vollständig. auf der Kammertribüne auch über ge. danellenunter. nisse in Ruß. 2 2 12 7 Sept. Ludmig Gaughoser ist bei Wilng durch eine Sprenggranate an der linken Hand verwundet und an beiden zur Fort⸗ wieder an die Front gehen. Gänzliches Ausfuhrverbot von Gemüsen. Die Ausfuhr von Gemüsen, die bis jetzt nach den ver. bündeten Ländern und nach Amerika gestattet war, wu Arbeiter. Petersburg, 21. Sept. General der Infanterie Folow, Chef des Petersburger Militärbezirks, und Fürst Jussupow, der Chef des Moskauer Bezirks, erließen eine Verordnung, die allen Arbeitern die Arbeit auf Verabredung niederzu legen verbietet. Jeder streikende Arbeiter werde mit einer Gefängnisstrafe bis zu sechs Monaten, streikende bei die in Munitionswerkstätten tätig waren, mit einer solchef bis zu einem Jahre fortan bestraft werden. Gegebenenfall komme auch sofortige Verwendung zum Frontdienst in Frag Alle zur Zeit streikenden Arbeiter haben innerhalb 24 Stun Im Petersburger B zirk wurden auf Grund dieser Verordnung bereits zahlreiche Verhör des ehemaligen Gouverneurs von Tsingtan Petersburger Nachrichten zufolge hat in Tokio das Ver⸗ hör der in Tsingtau gefangen genommenen Offiziere und des früheren Generalgouverneurs von Tsingtau begonnen die beschuldigt werden, bei der Uebergabe der Festung an die Japaner eine Million Staatsgelder nicht her konservat ben Reichstagsabgeordneten Grafen Carmer, im Wahlkrelse Steinau Wohlau, ist der Landrat a. D. v. Goßler gewählt worden. Die am 30. August aus Diez entwichenen französischerß Kriegsgefangenen Vallier, Marius und Bochet wurden a Den Baseler Blättern wird von der Schweizer Grenze gemeldet Es war dieser Tage über einen schweren Unglücksfall auf dem Militärflugplatz in Belfort berichtet worden, ohne daß Nun erfährt man, daß in einem Schuppen beim Ausrüsten mehrerer Apparate mit Bomben eine Bombe durch die Unvorsichtigkeit eines Soldaten explo⸗ dierte, wobei nicht nur der Schuppen und die darin befindlichen Apparate vernichtet, sondern auch zwei Flieger und ein Soldat ge des däntschen Ministeriums des Aeußern hat die deutsche Regierung ihr Bedauern darüber ausgedrückt, daß am 16. August ein deutsches Luftschif eterrito⸗ Vergangene Nacht suhren in Lugan d 50 aus Aegypten ausgewiesene deutsche Frauen und Kinder durch, die erklärte der Bundespräsident Wotta im Ständerat, im Hinblick auf die Tatsache, daß die Staatsschuld der Eidgenossenschaft bei einer weiteren Kriegsdauer in etwa zehn Monaten insgesamt um min⸗ destens eine halbe Milliarde zunehmen werde, würde die Einführung des Tabakmonopols seiner Ueberzeugung nach 5„ Tabaksteuer, selbst mit Biersteuer werde niemals gentgen, um die finanziellen Bedürfnisse des Staats⸗ Meldung des Reuterschen Burcaus: Gestern haben sich bei del 5 8 5 von Angehörigen feindlicher Staaten, die im militärpflichtigen Alter stehen, Galizien schen Juden zurückgesandt wor Sie schlugen deshalb dem Bürgermeister vor, auch die Ausladung zu be⸗ sorgen. Da das dem Bürgermeister unmöglich war, empfahl er den Staatsbeamten einen Ingenieur für das Geschäft de Die Behörden konnten sich aber mit diesem Ingenieur nicht einigen, denn die Herren Staatsbeamten ver⸗ langten von ihm zu ihren eigenen Gunsten 20 Prozent der Kosten. Und so war denn die Steinkohle bis zum Juni noch m gele Als der erwähnte Bürger⸗ meister dem Minister der Kommunikationsmittel, Herrn griff sich dieser 10 50 8 sol 1 In Rußland sitzt überall ein Dieb 1— Reizend ist auch die Geschichte mit den Eiern. Als der Archangelsk viele Millionen N A dem Ausland bestimmt waren. Man erinnerte sich daran, nach drei Monaten, als der Preis Archangelsk aber hatten der Zeit bereits cen 5 Da ernannte die Regierung eine Kommission unter emikern usw. Die Kommission die Frage, was mit den n habe. In diesem Stadium gsminister der Kommission mit, schlag gemacht habe, diese Eier das man bequem nach dem Um aber die dazu nötige . Während Frage beriet, um schließlich es zu versagen, ver⸗ (Fortsetzung folat D. e SS — —. 0 * g ö über die ersten 0 eeisig⸗eisernen Banden. Gießen und umgebung. — Die Blätter fallen! 1 Leise gleitet die Natur in den Winterschlaf. ihre Müdigkeit täuschen. Sie warf sich den glutprang mantel über die Schulter, und Astern. Vergebliches Bemühen. Und wie auch die Blätter an Tinten spielen, es ist vorbei sie fallen! greift in die falsche Pracht, löst ste aus der Menge gefährten und wirft sie in den Staub. Die Tage der Rosen Als der Wind Stoppeln wehte, wollte sie uns noch einmal über 0 enden Sonnen⸗ ließ die Obstbäume unter des Segens Fülle brechen und schmückte die Gärten mit vielfarbigen Georginen siud vorüber. Baum und Strauch in den waghalsigsten Eine unerbittliche 2 der Schicksals⸗ Da geht ein wehes Zittern durch die Zurückgebllebenen, ein leises, kaltes Grausen. Packt es auch uns? So rie pon Blatt zu Blatt, so vauscht es von sich nieder bis zum Baum zu Baum. des Todes steigen hinauf bis in die Kronen der Eichen und senken Zwergengesträuch, das sich am Boden verkriecht. selt es fragend Die Schauer Ohne Gnade schreitet das Sterben über die Erde und schon webt der Winter mitleidig an dem großen Leichentuch, das die ekle Verwesung decken soll. Und die Menschen? ber Freude. und unterm Erntekranz jauchzte die Jugend. und Gesang, leuchtende Augen in zufriedenen Gesich 158 herbstlichen Tod. licchen Werdens? Ach, heute sind die Herzen schwer. Frucht. gemarterten, können, sich nicht mehr aufbäumen. Sie zucken nur unsäglichen Weh und ihr klagendes Wimmern schleicht In grauen Nebeln auch liegt das Künftige. Schwingen trug uns sonst die Phantasie in lichte, Zukunft. Winter. In unendlich weite Ferne scheint uns ein frühling gerückt. Sicherlich! Friedenssommer wird ihm folgen. 1 Die Antwort verschlingt der Donner der Kanon angehört in Blut und Tränen. Die Blätter fallen!— Deutscher Städtetag. Samstag eine Vorstandssitzung des Deutschen mit sehr umfangreicher Tagesordnung statt. führten abwechselnd der Wermuth⸗Berlin und Oberbürgermeister v. Bor rungsmittelfragen ein. die Versammelten der festen Ueberzeugung, daß mehr zurückgestellt werden dürfen. daß zur endgültigen Konsolidierung der von während des Krieges aufgenommenen Anleihen schatzsekretär städtischer Schatzanweisungen unerläßlich ist. denken wurden gegen die durch Gesetzgebung lichen Sammlungen geäußert. Vor hatte der Nahrungsmittelausschuß frage eingehend etörtert wurde. sehen, daß die Erhöhung der Krankenlöhnung immer nicht durchgeführt ist. Nach wie vor m Verwundeten mit 10 Pfennigen pro Tag abfin die Erhöhung der Krankenlöhnung auf den demokraten ihren Antrag als erledigt zurück Sitzung des Reichstages vom 26. August konnte ausführen: „Meine Herren, wir begrüßen es nämlich den kranken und verwundeten 38 Pfennigen pro Tag. Ich stelle auch das hier a weil, draußen in bezug hierauf offenbar eine sehr heit besteht, und weil vielleicht die Erlasse, die herau den sind, noch nicht genügend verstanden werden wenn von dieser Stelle aus ausdrücklich davauf daß dann die kranken und verwundeten zu verlangen haben.“ retten die Klagen kamen, daß die erhöhte Kranker veröffentlicht. Darüber sind nun wieder zwei flossen, die Verwundeten bekommen noch imme erwünscht, den Grund dieser Verzögerung kenner — Riesenhafte Kriegsgewinne. Anna zehnfachung des Reingewinns Gladbacher Wollindustrie Akt.⸗Ges. vormals L . gewinns für die Zukunft. Die Dividende ungefähr den zehnten Teil des Reingewinn. 40 258 Mk. der gesetzlichen Rücklage üüberwiesen zu Sonderabschreibungen verwandt, genannten„Verfügungsbestand“, neue Rechnung werden 695 295 Mk. vorgetrag tierung der einzelnen Posten zeigt deutlich, keiten die Gezellschaft bei der Unterbrinaung nung immobiler Truppen sei bereits beschlossene Sache. 2 Grund dieser bündigen Erklärung zogen dann die Sozial⸗ Löhnung nicht. Unter diesen Umständen wäre es hern g verzeichnet die Wie war ihnen sonst der Herbst die Zeit Von den Weinbergen donnerten die Böller ins Tal Trompetengeschmetter tern begrlßten War er denn nicht der Vorbereiter des lenz⸗ Eine furchtbare Gewalt he den ewigen Gleichschritt der Natur aus dem Gleise gewensen c was abgenutzt und alt ist, holt der Tod, er bricht Blüten und reifende Der silberhaarige Siebzigjährige hat heute Aussicht länger zu leben, als der blonde Knabe von siebzehn Sommern. g mit glühenden Zangen zerrissenen Menschenherzen Und die ohngnächtig im lautlos durchs All; grau, wesenlos, wie der Herbstnebel auf den Wiesen Mit leichten hoffnungsfrohe Heute ist der Schwung gelähmt, unser Hoffen liegt in Wir sehen nur den Herbst und den nahen neuer Völker⸗ Er wird kommen und ein ewiger Aber wanm, wann? en, sie versinkt Im Rathause München fand am Städtetages Den Vorsitz Vorsitzende, Oberbürgermeister scht⸗München. Einen weiten Raum in den Verhandlungen nahmen die Nah— Hinsichtlich der Milchfrage waren im Interesse der städtischen Bevölkerung durchgreifende Maßregeln nicht Auch über die Aufstel⸗ lung der städtischen Haushaltspläne für 1916 wurde beraten. Hier wurde die übereinstimmende Meinung ausgesprochen, den Städten die Ausgabe Lebhafte Be⸗ und Verwal⸗ tung jetzt eingeführte Praxis bei der Zulassung von öffent⸗ der Vorstandssitzung des Deutschen Städte⸗ tages eine mehrstündige Sitzung, in der u. a. die Kartoffel⸗ Warum so langsam? Aus vielfachen Klagen ist zu er⸗ bis jetzt noch üssen sich die den. In der Budgetkommission des Reichstags erklärten sowohl der Reichs⸗ als auch ein Vertreter der Heeresverwaltung, Betrag der Löh⸗ Auf und in der Abg. Stücklen mit Freude, daß endlich einer von uns gegebenen Anvegung Rechnung getragen wurde, daß Soldaten nicht mehr die völlig unzulängliche Krankenlöhnung von 40 Pfeunigen pro Tag gezahlt wird, sondern jetzt die immobile Löhnung im Betrage von usdrlücklich sest, große Unklar⸗ üsgegeben wor⸗ Ich glaarbe, hingewiesen wird, Soldaten wissen, was sie Die Vertreter der Regierung setzten dieser Feststellung keinen Widerspruch entgegen. Als bald darauf aus den Laza⸗ löhnung noch nicht bezahlt werde, erteilte das Kriegsministerium auf An, frage die Auskunft: die erforderliche Kabinettsordre sei noch nicht zurück, sie were aber jeden Tag erwartet und dann sofort Wochen ver— r die erhöhte dringend zu lernen. d eine Ver⸗ Josten. Der Reingewinn stieg von 271 422 Mk. auf 2 490 553 Mk. Als Dividende werden 20 Prozent gegen 8 Prozent im Vorjahre gezahlt. Die Gesellschaft sorgt bei der Verteilung des Rein- beansprucht nur Es werden 400 000 Mk. 725 000 Mk. einem so⸗ 1 aufgespart, wiesen, 120 000 Mk. dem Unterstützungsfonds zugeführt. über⸗ Auf en. Die Do⸗ welche Schwierig- des Verdienstes hatte. Die Aussichten werden auch weiterhin ihne— Ungeheuer sind auch die Profite, die in der Lede rin d ustrie gemacht werden. Das Lederkapital hat tatsächlich den Krieg zur ergiebigsten Profitquelle ge— macht. Zum Beispiel hat die Aktiengesellschaft für Leder— fabrikation in München ihren Ueberschuß gegen das Vor— jahr von 191.000 Mark auf mehr als 1½ Millionen gesteigert. Um trotzdem die Dividende„nur“ von 4 auf 30 Prozent steigern zu müssen, hat sie einen Vortrag auf die Rechnung des nächsten Jahres in Höhe von 622 000 Mark beschlossen Die Nürnberger Lederfabrik, Aktien⸗ gesellschaft, vormals Schreier& Naser, hat im Kriegsjahr gar mehr verdient, als ihr Aktienkapital be⸗ trägt. Mit 400 000 Mark Kapital hat sie nämlich einen Nettoprofit von 433 000 Mark, also von 110 Prozent erzielt. Höchstpreise gibt es ja nicht. Dafür muß aber auch der ärmste Mann 5—6 Mark für Sohlen und Absätze be⸗ zahlen, wenn er nicht etwa in Holzpantoffeln laufen will.— Sollte sich die Regierung nicht mal mit der Frage beschäf⸗ tigen, in welcher Weise die phantastischen Kriegsprofite zur Steuer heranzuziehen sind? i 1 Konsumverein Gießen. In einer Notiz in der Mon⸗ tagsnummer war gesagt, daß Anträge zur Generalver⸗ sammlung acht Tage vorher eingereicht sein müßken. Das ist nicht ganz richtig; die Frist beträgt nur drei Tage.— Die Generalversammlung ist auf Sonntag, den 3. Oktober, nachmittags 3 Uhr, in den Saal des Gewerkschaftshauses einberufen. — Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Feldwebel Franz Hermann Bepler aus Heuchelheim, Inf.⸗ Regt. 253.. —. Zu der Hausfrauen⸗Versammlung am Dienstag ist noch nachträglich zu bemerken, daß die Einzeichnung von Mitgliedern sehr zahlreich erfolgte. Es sollen etwa 400 Frauen noch in der Ver⸗ sammlung beigetreten sein. Vom Vorstandstisch aus wurden auch gleich Vorschläge zur Bildung von Kommisstonen und Ausschüssen gemacht, welchen besondere Aufgaben zugewiesen werden. Daß in diesen Ausschlüssen, welche in ihrer Gesamtheit den provisorischen Vorstand bilden, nur sehr wenige Frauen aus den unbemittelten und arbeitenden Kreisen vertreten sind, ist bemängelt worden. Wir werden ersucht, dagu mitzutellen, daß selbstverständlich die Mit⸗ arbeiterschaft, von Frauen aus allen Kreisen gewünscht wird, daß aber vorläufig nur solche in Vorschlag gebracht wurden, die bereits auf diesem Gebiete tätig waren und von denen man annehmen konnte, daß sie zur Arbeit in dieser Organisation die nötige Zeit aufzubringen in der Lage sind. . Urlaub und Löhnung. Der Kaiser hat, wie die Kreuzztg. be⸗ dichtet, bestimmt, daß den Mannschaften, die unter Gewährung freier Fahrt beurlaubt werden, allgemein die Löhnung unverkürzt fort⸗ gewährt wird. Die Stiesel sollen noch teurer werden! Obwohl Schuhfabriken, gegenwärtig keine Veranlassung haben, über unge⸗ nügende Gewinne zu klagen, verweisen sie mit Bedauern darauf, daß die fertigen Schuhwaren bis etzt keine verhältnismäßige Steigerung erfahren konnten, weil die meisten Schuhwarenhändler noch ziemlich umfangreiche Lager von fertigen Stiefeln besaßen. Dabei geht aus den Jahresberichten der Aktiengesellschaften für Schuhwaren hervor, daß 10 und 12 Prozent Gewinnverteilung keine Seltenheit sind, was gewöhnlich eine Steigerung der Divi⸗ dende von 6—8 Prozent gegen die Vorjahre bedeutet. In ähnlicher Weise liegen ja bekanntlich auch die Dinge bei den Lederfabriken. Nun sind aber die Preise für fertige Stiefel schon mitunter recht erheblich, in die Höhe gegangen; wenn nun die Schuhfabrikanten triumphierend verkünden, daß nunmehr Aussicht ehe, die Schuhwarenpreise mit den Lederpreisen in Einklang zu bringen, dann kann das konsumierende Publikum auf diesem Gebiete noch ganz nette Dinge erleben. g Merkblatt über bie Verteilung der mittel im Grofihevgogtum Hessen. Der Viehhalter meldet seinen Bedarf an biachlagnahmten Juttermitteln(Kleie, zuckerhaltige Futtermittel, sonstige Kraftfuttermittel und Gerste) bei der rllichen* erteilungsstelle(Großh. Bürgermeisterel oder Genossenschaft) au. Die Bestellung erfolgt am besten nach Aufforderung der örtlichen Verteilungsstelle, weil dann ger meinsam bezogen werden kann. Gesonderte Bestellungen sind mit höheren Transportkosten verbunden. Die örtliche Verteilungs- stelle selbst hat keine Futtermittel auf Lager, sondern gibt die Be⸗ stellungen der Viehhalter im ganzen bei der Geschäftsstelle der Landesverteilungsstelle für Futtermittel, nämlich der Zentral⸗ genossenschaft der hessischen landwirtschaft⸗ lichen Konsumpereine in Darmstadt(Fernruf Nr. 66) auf. Bei der Knappheit der Futtermittel ist es in der Regel nicht möglich, die Bestellungen voll zu berücksichtigen. Die örtliche Ver⸗ teilungsstelle wählt deshalb einen Beirat von 3—4 Mitgliedern, welcher die eingelaufenen Bestellungen der einzelnen Viehhalter prüft und später die von der Landesverteilungsstelle zugewiesenen als gut be— gerade die beschlagnahmten Futter⸗ Futtermittelmengen an alle Besteller, unter Zugrundelegung des Viehstandes, verteilt. Dabei sind Abmelkwirtschaften und Besitzer von Zucht⸗ und Muttextieren besonders zu berücksichtigen.— Die Preise der Futtermittel sind vom Reichskanzler festgesetzt. Die örtliche Verteilungsstelle darf lediglich ihre baren Auslagen hinzu⸗ schlagen.— In welchen Mengen die vorhandenen Futtermittel den einzelnen Gemeinden zugewiesen werden, stellt die Landesver⸗ teilungsstelle auf Grund des Viehstandes sest. Häcksel⸗ oder Torfmelasse(nach Wahl der Zentralgenossenschaft) kann bis auf weiteres jederzeit und nach Bedarf geliefert werden. Auch Zuckerfutter(Rohzucker mit Häcksel gemengt) steht wieder in beschraͤnkten Mengen zur Verfügung. Von der anfallenden Kleie erhält jede Gemeinde in Zwischenräumen von mehreren Wochen eine im voraus festgesetzte Menge, die jedoch weit hinter dem Bedarf bleibt. Ger ste ist der Landesverteilungsstelle bis jetzt noch nicht zugewiesen. Alle übrigen beschlagnahmten Futter⸗ mittel werden iim neuen Wirtschaftsjahr auch nur in sehr geringer Menge zur Verfügung stehen. Der Zeitpunkt ihrer nächsten Ver⸗ tellung wird den örtlichen Verteilungsstellen noch bekanntgegeben. Die Landesverteilungsstelle für Fütte rs; mittel in Darmstadt, Bleichstr. 1(Fernruf Nr. 292), besteht aus 5 Mitgliedern und zwax aus je einem Vertreter der Großh. Zentralstelle für die Landesstatistik Gugleich Vorsitzender der Landesverteilungsstelle), der Landwirtschaftskammer, der Handels- kammern, der Handwerkskammer und der Zentralgenossenschaft der hessischen landwirtschaftlichen Konsumvereine. Beschwerden über die Verteilung haben die Viehhalter bei der Großh. Bürger⸗ meisterel, bei der Landesverteilungsstelle oder bei dem Großh. Kreisamt vorzubringen.— Die Zuteilung des Ha fers an die Pferdebesitzer geschieht durch die Großh. Kreisämter. Kreis Alsfelb⸗Lauterbach. Die neue Bahnstrecke Alsfeld⸗Grebenau soll am 1. Dezember dem Verkehr übergeben werden. Dann ist die ganze Strecke Als⸗ seld⸗Hersfeld in Betrieb und es wird dadurch die Verbindung von Alsfeld mit Thüringen(Etsenach, Gotha usw.) um ein ganz erheb⸗ liches Stlick abgekürzt. Von Nah und Fern. Groß⸗Gerau, 22. Sept. Sittlichkeits verbrechen. Auf der Landstraße zwischen Worselden und Klein⸗Gerau ist durch einen svemden Burschen an einem 17 Jahre alten Mädchen ein Sittlich⸗ keitsverbrechen begangen woxdau, ohne daß es bisher gelungen ist, den Täter festzunebmen. Man itt aber auf einer Snur.. Sell, Bensheim, 22. Sept. Ehetragödie. Heute früh hat der 40 Jahre alte Oberingenieur Reichenbacher seine Ehefrau, eine Münchnerin, aus Eifersucht durch einen Schuß in ben Kopf getötef und sich dann selbst so schwer verletzt, daß er bald darauf starb. Kempten(Kr. Bingen), 21. Sept. Schweres Explosions⸗ unglück. Heute vormittag ist vor Beginn des Schulunterrichtes der Kessel einer neben dem Schulhause stehenden Lokomobile explo⸗ diert. Da sich die Kinder um diese Zeit schon alle zum Unterricht eingefunden hatten, ereignete sich ein fürchterliches Unglück, Eine ganze Reihe von Kindern wurde von dem ausströmenden Dampfe und dem kochenden Wasser bös zugerichtet. Mehrere Kinder sind sehr gefährlich verletzt, viele vor allem schwer verbrannt worden, Bis jetzt wurden in das Binger Hospital 12 Kinder eingeliefert und weitere folgen nach. Prozeß des entmündigten Grafen. Vor dem Oberlandesgericht Darmstadt wird demnächst in der Berufungsinstanz die Klage des Grafen Erasmus von Erbach ⸗Ex bach auf Aufhebung seiner wegen Geistesschwäche bestehenden Entmündigung aufs neue zur Verhandlung und zur Entscheidung gelangen. Das Landgericht hat diese Klage, nachdem außer den früheren psychiatrischen Gut⸗ achten noch ein Obergutachten der Medizinalabteilung des Mini⸗ sterlums eingeholt worden war, auf Grund der Beweiserhebungen abgewiesen, und der Kläger, dem gerichtlich ein Anwalt für den Prozeß bestellt ist, verfolgt jetzt gegen das Landgerichtsurteil Be⸗ rufung. Ursprünglich war bie damals vom Amtsgericht Ober⸗ Ursel(als damaliger Aufenthaltsort) ausgesprochene Entmündigung wegen Geisteskrankheit ersolgt, während das später zuständig ge⸗ wordene Amtsgericht Michelstadt sie nur noch wegen Geistes⸗ schwäche des bekanntlich durch den Tod seines Vaters zur, Erbfolge in der Standesherrschaft gelangten Grafen ausspricht.— Der Graf wurde durch seine Verheiratung mit der Tochter einer Wäscherin bekannt. Das war wohl auch der Grund, weshalb seine Familie die Entmündigung betrieb. Ein tapferes Mädchen. Die 15jährige Tochter des Revierförsters Stadler zu Hirsch⸗ bach(Nb.) hat drei Kindern das Leben gerettet. Die kleine Ge⸗ sellschaft hatte sich unvorsichtigerweise auf einem Notsteg befunden, als plötzlich diese schwache Brücke unter dem Anprall des ange⸗ stauten Triftbaches zusammenbrach und die Kinder in das Wasser stürzten. Durch Mut und anerkennenswerte Geistesgegenwart ge⸗ lang es dem braven Mädel, die Gespielen dem hochgehenden Wasser zu entreißen. K Rezept für Kriegshetzer. Die Wiener Arbeiterzeitung berichtet: Das amerikanische sozialistische Organ Appeal to Reason gibt den kriegswütigen Amerikanern einen vernünftigen Nat. Es sagt:„Wenn Sie den Krieg lieben, ziehen Sie einen Graben in Ihrem Garten, füllen ihn halb mit Wasser, kriechen hinein und blelben dort einen Tag oder zwei, ohne etwas zu essen; bestellen Sie sich weiter einen Geisteskranken, damit er mit ein paar Revolvern und einem Maschinengewehr auf Sie schieße, dann haben Sie etwas, was gerade so gut ist und Ihrem Lande eine Menge Geld erspart.“— Dieses Rezept wäre für alle Kriegshetzer am Platze, nicht bloß für die ameritanischen. Tätigkeit der Vulkane in Italien. Aus Rom wird berichtet: Augenblicklich finden zahlreiche heftige Vulkanausbrüche in Italien statt. Der Vesuv, der Aetna und Stromboli sind in großer Tätigkeit, wie es bisher noch niemals beobachtet worden ist. Alle drei Vulkane sind gleichzeitig in Aktion getreten. Die Ausbrüche geben keinerlei Anlaß zu Beunruhigung. Telegramme. Lgesberictkt des Großen Hauptnnartierz Vergebliche Einzelangrisse der Franzosen. Siegreiche Kämpfe im Brückenkopf von Dünaburg. W. B. Großes Hauptquartier, 22. Sept., vorm.(Auntlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Zwischen Souchez und Neuville sowie östlich von Roclincourt griffen die Franzosen gestern abend an. Die Angriffe brachen im Feuer vor unseren Hindernissen zusammen. In der Champagne wurden nordwestlich des Ge⸗ höftes Bean Séjour neue Schanzarbeiten durch kon⸗ zentrisches Feuer zerstört. Stärkere Patrouillen, die teil⸗ weise bis zur dritten feindlichen Linie durchstießen, vervoll⸗ ständigten die Zerstörung unter erheblichen Verlusten für die Franzosen, machten eine Anzahl Gefangener und kehrten be⸗ fehlsgemäß in unsere Stellung zurück.. Ein englisches Flugzeug wurde bei Willerval(öst⸗ lich von Neuville) von einem deutschen Kampfflieger ab⸗ geschossen. Der Führer ist tot, der Beobachter wurde ver⸗ wundet gefangen genommen. Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. Südwestlich von Lennewa den(an der Düna nord⸗ westlich von Friedrich sta dt) machten die Russen einen Vorstoß. Es wird dort noch gekämpft. Oestlich von Smelina(füdwestlich von Dü na burg) brachen unsere Truppen in die feindlichen Stellungen in einer Breite von 3 Kilometer ein, machten 9 Offiziere und 2000 Mann zu Ge⸗ sangenen und erbeuteten 8 Maschinengewehre. Nordwestlich und südwestlich von Osch ma jaua ist unser Angriff in weiterem günstigen Fortschreiten. Der Gawla⸗Abschnitt ist beiderseits Subotniki über ⸗ schritten. 5 Der rechte Flügel ist bis in die Gegend von No wo Grodek vorgekommen. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Der Molezadz-⸗Abschnitt ist auch südöstlich des gleichnamigen Ortes überschritten. Russische Stellungen auf dem westlichen Mischanka⸗Ufer beiderseits der Bahn Brest⸗Litowsk— Minsk wurden erstürmt und dabei 1000 Gefangene gemacht, 5 Maschinengewehre erbeutet. Weiter südlich wurde O strog nach Häuserkampf ge nommen. Ueber den Oginski gegangene Abteilungen warfen die broslawka zurück. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen. Oestlich von Logischin fanden kleinere Kämpfe statt. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues.„ Oberste⸗Heeresleitung „Kaual bei Telechauy vor⸗ Russen in Richtung Do Unveränderte Lage an der italienischen Front. reitete die öffentliche Meinung lawow mit der Auflehnung der parlamentarischen Opposition einen Einmarsch deutscher Truppen in Serbien mit der Mo- sichern. Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Heftige Artilleriekämpfe an der Ikwa. Wien, 22. Sept. Amtlich wird verlautbart: 22. September 1915. Russischer Kriegsschauplatz. In Ostgalizien und in Wolhynien ist die Lage un⸗ verändert. An der Ikwa kam es in einigen Abschnitten zu heftigen Artillerietämpfen. Vereinzelte Versuche der Russen, über den Fluß vorzudringen, scheiterten im Feuer unserer Batterien. Die in Litauen kämpfenden k. ung k. Streitkräfte haben gestern im Raume Nowaja⸗Mysch eine russische Stellung durchbrochen, 900 Mann zu Gefangenen gemacht und 3 Maschinengewehre er⸗ vobert. 5 Italienischer Kriegsschauplatz. Gegenüber dem Nordabschnitt der Hochfläche von Lafraun unterhielt die feindliche Infanterie heute durch mehrere Stunden vor Tagesanbruch ein sehr heftiges Feuer, ohne jedoch vor⸗ wärts zu kommen. Im Dolomitengebiete erhöhte die italienische Artillerie ihre Tätigkeit gegen den Monte Piano und das Gebiet beiderseits dieses Berges. Die Gesamtlage ist unverändert. Südöstlicher Kriegsschauplatz. An der Save und unteren Drina Artilleriekämpfe und Ge⸗ plänkel. Pozarevac und vk. Gradiste wurden mit Bomben belegt. Montenegrinische Artillerie beschoß Teodo. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnant. 8 Beunruhigung in Paris. Die Pariser Presse verzeichnete gestern nach der Frankf. Ztg. nicht ohne Unruhe das Eingveifen der deut⸗ schen Artillerie an der serbischen Front und be⸗ im Zusammenhang damit auf die Wahrscheinlichkeit vor, daß die Verhandlungen der Alliierten mit Bulgarien am Ende angelangt sind und daß Bulgarien die letzten englisch⸗russisch⸗französischen Anerbie⸗ tungen ablehnen werde. Die vom Ministerium des Aeußern informierte Presse hält aber noch an der Hoffnung fest, daß Bulgarien sich nicht aktiv an die Seite der Oesterreicher und Türken stellen werde, und sie droht der Regierung Rados⸗ (W. T. B.) und dem Untergange Bulgariens. Der Figaro läßt sich aus London melden, daß Rumänien bilmachung beantworten dürfte. Das Echo de Paris ist der Meinung, daß die Würfel bereits gefallen seien und daß Deutschland, wie einzelne Zeitungen hätten erkennen lassen., entschlossen sei, sich durch serbisches Gebiet einen Weg nach Konstantinopel 3 u Italienische Unzufriedenheit mit England. Rom, 22. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) In einem Leit⸗ artikel der Tribung werden diejenigen getadelt, welche England beschuldigen, seine Pflicht im Kriege nicht zu tun, weil es statt Blut nur Geld gebe. England habe seinen Teil am Kriege geleistet, sogar mehr. Nach diesem Kompliment fährt jedoch die Tribung mit der Beschuldigung gegen England fort, daß es mit ebenso leichtsinniger wie stoischer Gleichmütigkeit den endlosen Fortgang des Krieges betrachte. Dies käme daher, daß Eng⸗ land von seiner eigenen Unverwundbarkeit überzeugt sei. Es gebe aber Nationen, die nicht auf einer unzugänglichen Insel wohnen und daher den Fortgang des Krieges nicht mit derselben Gelassen⸗ heit betrachten könnten. England müsse seiner Inselpsychologie Gewalt antun, aus seiner allzugroßen Gleichmütigkeit heraustreten und durch schnelleres intensiveres Eingreifen Rücksicht auf die Nöte anderer Nationen nehmen. Die Idea Nazionale weist in einem Leitartikel darauf hin, daß die Einführung der militärischen Dienstpflicht in England zum internationalen Problem des ganzen Vier verbandes geworden sei. Die Verbündeten Englands hätten an dessen Lösung ein vitales und unmittelbares Interesse, ja sogar ein Recht auf die Forderung der Dienstpflicht, denn in einem Kampf, der England den größten Gewinn einbringen soll, wäre es nicht recht, wenn die Opfer Englands in irgend einem Gebiete geringer seien, als die— jenigen seiner Kampfgenossen. Ein russisches Unterseeboot zerstört. Petersburg, 22. Sept. Eine private Meldung des Rußkoje Slowo meldet den Tod des Kommandanten des russischen Unterseebootes„Delfin“, Kapitän⸗ leutnants Tscherkassoff, mit der gesamten Mannschaft in der Ostsee. Aus Nußland. Russische Greuel gegen die eigene Bevölkerung. Amtlich wird geschrieben: Die deutsche Oberste Heeres⸗ leitung hat schon mehrfach in ihren Berichten die unmensch⸗ liche Behandlung erwähnt, die die zurückflutende russische Armee den eigenen Landsleuten zuteil werden läßt. ausführlicheren Meldungen unserer Armeegruppen brachten und bringen immer wieder Einzelheiten darüber, wie schonungslos die Russen um kurzer Augenblicksvorteile willen die unschuldige Bevölkerung opfern. Gegenüber den Ab— leugnungsversuchen des russischen Generalstabes seien einige Die ee feldmarschall v. Mackensen, daß die Russen den vor⸗ dringenden deutschen Kolonnen Tausende von Einwohnern, darunter Weiber und Kinder, entgegentrieben, von denen leider im Gefecht einige getötet worden seien.— Am Tage darauf lief von derselben Heeresgruppe folgender Bericht ein:„Die Russen treiben unseren angreifenden Truppen zahllose Flüchtlinge aus der Zivilbevölkerung entgegen. Diese Maßnahme wurde erst in den letzten 24 Stunden von den Russen angewendet; sie kann nur auf die Absicht zurück⸗ geführt werden, wegen der Anhäufung bei Kobin(Kobrin lag im Rücken der russischen Stellung) und nördlich davon den weiteren Vormarsch unserer Truppen mit allen Mitteln aufzuhalten.“ Am 1. September meldete die Armeeabtei⸗ lung v. Woyrsch:„Eine wahre Völkerwanderung von Flücht⸗ lingen zieht über Prudzana westwärts. Sie sind von den Russen wieder in Freiheit gesetzt worden, als die russischen Bagagen Gefahr liefen, durch die Flüchtlingswagen an dem rechtzeitigen Entkommen gehindert zu werden. Zum Teil liegen die Flüchtlinge seitwärts der Dämme Waren, deren Pferde von den Kosaken mitgenommen worden sind.“— Spätere Berichte schildern die Zustände auf den russischen Rückzugsstraßen im Sumpfgebiet ebenfalls als äußerst traurig. Sobald durch die mit kümmerlicher Habe beladenen Flüchtlingswagen Störungen entstanden, haben die Rüssen rücksichtslos die fliehenden Bewohner samt Fahr⸗ zeug in den Sumpf geworfen. Die Pferde schnitten sie von den Wagen ab und gaben die eigene Zivilbevölkerung zu Hunderten hilflos dem Hungertode und dem Versinken im Sumpf preis. Die Gärung in Rußland. Kopenhagen, 22. Sept.(W. B. Nichtamtlich.) In einem Artikel über die Gärung in Rußland teilt das Blatt Sozialdemokraten mit, maßgebende Politiker in Rußland hätten erzählt, daß der Zar persönlich eine bestimmtere Hal⸗ tung in der inneren Politik Rußlands durch sein Eingreifen bewirkt habe und meint, deutlicher könne nicht ausgesprochen werden, daß anstelle der Versprechungen, die der Zar bei Kriegsbeginn den Polen, Juden und anderen Völkerschaften gemnacht habe, wieder die alte echte russische Reaktion träte. Es verstehe sich von selbst, daß man in England und Frankreich über die Entwicklung der Dinge nicht be⸗ geistert sei. Man sei sich dort klar, welche verhängnis⸗ vollen Folgen die Vertagung der Duma haben werde. Anknüpfend an den Aufruf Herveés in der Guerre Sociale meint das Blatt, die Gärung in allen Bevölkerungsschichten scheine mit dem Einsetzen der Reaktion zuzunehmen. Nach russischen Zeitungen seien selbst die wirtschaftlichen Verhält⸗ nisse nahezu verzweifelt und böten fürchterliche Bilder des Elends, in welchen Tausende Vertriebener und Flücht⸗ linge lebten. Gerüchte sprächen davon, daß itberall große Ausstände als Protest gegen die Ver⸗ tagung der Duma vorbereitet wurden. Man könne nicht wissen, ob der vorläufige Sieg der Reaktion nicht der Anfang vom Ende für sie sein werde. Bulgarien und der Weltkrieg. Das Abkommen mit der Türkei. Vor der Regierungsmehrheit erklärte Rados lawow, daß Bulgarien nunmehr bewaffnete Neutralität übe. Die Verhandlungen mit der Entente dauern fort. Das Ueber⸗ einkommen mit der Türkei sei von den beiderseitigen Staatsoberhäuptern sanktioniert. Bulgarien bekommt etwa dreitausend Quadratkilometer, kauft die Eisenbahn ab und wacrt mit der Türkei die freundschaftlichsten Beziehungen. Bei der Berührung der serbisch-bulgarischen Beziehungen sagte Radoslawow: Serbien bietet uns jetzt die sofortige Besetzung von Mazedonien bis zum Wardar durch uns an. Serbien macht die Abtretung von Mazedonien jen⸗ seits der Wardar davon abhängig, daß es selbst Bosnien, die Herzegowina, Kroatien und Dalmatien erhält. Diese Be⸗ dingungen sind für uns ungenügend. Rumänien und Griechenland werden neutral bleiben. Der Minister sprach nicht von Kawalla und Seres, die jetzt im Besitze Griechenlands sind. Die Besprechung wird am Nach⸗ mittag fortgesetzt werden. Feindliche Flieger über Stuttgart. Berlin, 22. Sept.(W. T. B. Amtlich.) Um 8 Uhr 15 Minuten vormittags fand ein Angriff feindlicher Flieger mit dem deutschen Flugzeichen auf Stuttgart statt. Mehrere Bomben wurden auf die Stadt abgeworfen. Vier Leute wurden getötet, eine Anzahl Militär- und Zivilpersonen ver⸗ letzt. Der Sachschaden ist ganz unbedeutend. Die Flieger wurden von den Abwehrkommandos beschossen und entfernten sich gegen 8 Uhr 30 Minuten in südlicher Richtung. Auf die Benutzung deutscher Abzeichen und den zufälligen Umstand, daß kurz zuvor, 7 Uhr 45 Minuten, den zuständigen mili⸗ Beispiele angeführt: Am 28. August berichtete Generalfeld⸗ Deen Beste Kriegskarte! Soeben erschienen! Zo steht der am 20. September 1915. 4 Hauptkarten, 14 Spezialkarten. Preis nur 40 Pfg. Meinverkauf: Oberhesssche Volkszeitung, Bahnhofstr. 23. Hzezeeaxneng ene NNnNN Nee NN tärischen Stellen der Anflug eines deutschen Fliegers gemeldet ...... ˙—.wm g Halgcler frage Ortsgruppe Sießen. Aus kunftstelle für Frauenberufe. Frauen und Mädchen erhalten unentgeltlich Rat und Aus- kunft für alle Berufe im alten Rathaus, Marktplatz 14. Diens⸗ tags nachm. von 6½ 7 Uhr. Rechtsschutzstelle. Frauen und Mädchen erhalten unentgeltlich Rat und Auskunft in Rechts augclegenheiten im alten? Marktplan 14 Mittwoch lags von 6¼ Krieg bis 8 Uhr. neben ihren war, ist es zurückzuführen, daß die Bevölkerung er Ai spät gewarnt werden konnte. Um 9 Uh nuten vormittags erschien der erwähnte deutsche Flieger ü Stuttgart und wurde kurz beschossen, bis er als deutsch Flieger sicher erkennbar war. Er landete unverletzt Nähe der Stadt. 1 Bekanntmachung. Messing und Reinnickel. Auf Grund der Verordnung des Stellvertretenden Generalkom wanbvs des 18. Armeekorps vom 31. Juli 1915, betreffend Beschlag⸗ nahme, Meldepflicht und Ablieferung von fertigen, a und ungebrauchten e 5 und Reinn jordere ich die Besitzer der seit 31. Juli d. achts 1 kegnäpmnten Gegenstände auf, die Anmeldung dieser Gegenstän de unter Verwendung des vorgeschriebenen Meldevordrucks in der Heit vom 26. September bis 1. Oktober 1915 a uf Stadthause, Zimmer 7, zu erstatten. 2 15 Die i Meldevordrucke sind im Stadthaus, Zim. mer 7 sowie in den e zu erhalten. Letztere sind täglich von 8 bis 9 Uhr geöffnet. 4 g 3 15 Die beschlagnahmten Gegenstände bleiben bis auf werben in den Händen der Besitzer. 4. 5 1 3 Freiwillige Ablieferungen bla 5 mehr erfolgen, da die tädtische Metallabnahmestelle geschlossen ist. 5 55 Nachsehen 1 ich nochmals die einschlägigen Bestimmungen der Verordnung vom 31. Juli 2 die Strafbestimmungen bekannt: Von der Verordnung betroffene Gegenstände. 9 Klasse A. Gegenstände aus Kupfer und Messing: 1. Geschirre und Wirtschaftsgeräte jeder Art für Küchen und Back- stuben, Speisekessel, Töpfe, Fruchtkocher, Pfannen, Kasserollen, Kühler, Schüsseln, Mörser usw.: Herden; 15 5 5 3. Badewannen, Warmwasserschiffe, ⸗behälter, blasen,:schlan⸗ Druckkessel, Warmwasserbereiker(Boiler) in K 5 und Herden; Wasserkasten, eingebaute Kessel aller Art. Klasse B. Gegenstände aus Reinnickel: Backstuben, formen, Kasserollen, Kühler, Schüsseln usw.; 10 töpfe nebst Deckeln an Kipptöpfen, Kartoffel-, Fisch⸗ und Fleisch⸗ einsätze usw. nebst Meinte e armee g § 3. 1 Von der Verordnung betroffene Personen und Betriebe. Von der Verordnung werden betroffen: verkaufen, oder die solche Gegenstände, die zum Verkauf stimmt sind, im Besitz oder in Gewahrsam haben; 2. Haushaltungen; 3. Hauseigentümer; dere Gast⸗ und Schankwirtschaften, Penstonate. Kaffeehaus⸗ Konditorei⸗ und Küchenbetriebe, Kantinen, aller Art, auch solcher auf Schiffen, Bahnen u. dergl.; Heil⸗, Pflege⸗ und Kuranstalten, Kliniken, Hospitäler, Heime, dergleichen. 94 8.30 79 Meldepflicht. ö Die von der Beschlagnahme Betroffenen haben unter Benutzult des vorgeschriebenen Meldevordrucks eine Bestandsmeldung der be⸗ Durchführung der Verordnung beauftragten Behörden innerhalb der von den letzteren festzusetzenden Frist einzureichen. sind diejenigen Gegenstände, die bereits nach der Bekauntmachung betr. Bestandsmeldung und Beschlagnahme für Metall N. ½ 15 K. R. A. vom 1. Mai 1915 der Meldepflicht unterlagen.. 8 Ausnahmen. anderen nicht beschlagnahmten Metall. Bestehen Zweisel, ob gewisse Gegenstände von der Verordnung willigt werden. f inf führung der Verordnung e ue Behörde endgültig. 2 Strafbestimmungen. Auch können Vorräte, die verschwiegen sind, im Urteil für dem Staate verfallen erklärt werden.. lunftspflicht wird mit Geldstrafe bis zu dreitausend Mark, im Un⸗ vermögenssalle mit Gefängnis bis zu sechs Monaten bestraft.. Ferner wird mit Gefängnis, zu einem Jahre bestraft, sofern nicht nach den allgemeinen Strasgesetzen höhere Strasen verwirkt oder zur Uebertretung auffordert oder anreizt. Gießen, den 21. September 1915. Der Oberbürgermeister. 17 Keller. 1 Ab Für Wirte! Für Wir empfehlen Druck: Verlag Offenbacher in allen Preislagen aus der Spielkartenfabrik Frommann& Bünte, Darmstadt. Obethesssche Boltsxiang, Gicsen Dahnholstraße 23. Telephon 2008. L. Kaminka, Gießen„ e Reicbeliges 80 er in uhren, old und Gilbert area. Marktplatz li. ber ahn Sanum n E . 75 Anmeldung der beschlagnahmten Gegenstände aus Kupfer, 1 5 J, nachts 12 Uhr be. N wie beispielsweise Koch- und Einlegekessel, Marmeladen⸗ und deen, 2. Waschkessel, Titren an Kachelöfen und Kochmaschinen bezw. ochmaschinen 1. Geschirre und Wirtschaftsgegenstände jeder Art für Küchen und 9 wie beispielsweise Koch⸗ und Einlegekessel, Marmeladen⸗ und 1 Speisetessel, Fruchtkocher, Servierplatten, Pfannen, Back, f „Einsätze für Kocheinrichtungen, wie Kessel, Deckelschalen, Innen 5 1. Handlungen, Laden und Auttallationsgeschäfte, Fabriken und Privatpersonen, die obeggenannte Gegenstände erzeugen oder 4. Unternehmungen zur Verpflegung fremder Personen, insbeson. 0 Speiseanstalten ö Kasernen, Erziehungs⸗ und Strafamstalten, Arbeitshäuser und schlagnahmten, durch§ 2 gekennzeichneten Gegenstände an die mit der Nicht zu melden Ausgenommen sind mit dem beschlagnahmten Metall überzogene a 0 (3. B. galvanisch) und plattierte Gegenstände aus Eisen oder einem betroffen sind, so kann eine Befreiung von der Beschlagnahme be⸗ Ueber die Befreiung entscheidet die mit der Durch⸗ Wer vorsätzlich die Bestandsmeldung auf dem vorgeschriehenen Formular nicht in der gesetzlichen Frist einreicht oder wissentlich un⸗ richtige oder unvollständige Angaben macht, oder den erlassenen Aus⸗ führungsbestimmungen zuwiderhandelt, wird mit Gefängnis bis u sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu zehntausend Mark bestraft. 0 Fahrlässige Verletzung der Aus⸗ a sind, wer das Verbot gemäß§§ 4 und 5 dieser Verordnung übertritt 1 0 N 0 14 1 3 1 ö 1 9 9 0 9 1 5. öffentliche(einschl. kirchliche und stiftische usw.) und privat!“ 2 Spielkarten fe ei li ch des . In Jugzen Aa l N Ne