1 be 90 der Organ für die Interessen des werktätigen Volkes Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. 1h Die Oberhessische Volkszeitung erscheint jeden Werktag Abend in 0 Gieten. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich ung(0 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl.1. 80 Mt. Redaktion und Expedition Giesten, Babhnhbofstraße 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Inserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 222 5 Gießen, Mittwoch, den 22. September 1915 10. Jahrgang Die Wirkscaftslage in Rußland. J a Von A. Grigorjanz. Wie so vieles andere in diesem Kriege, hat sich auch das Wirt⸗ gaaftsleben Rußlands viel widerstandsfähiger erwiesen, als man ies vorher glauben konnte. Eine wirtschaftliche Kalamität ist var vorsühergehend eingetreten, doch nicht solcher Art wie er— bartet, nicht dadurch verursacht, daß Rußland vom Welthandel seinahe ganz aßgeschnitten wurde und sein Haupthandelsprodult das Getreide— nicht mehr ausführen konnte. Das, was im ergangenen Winter alle Spuren eines wirtschaftlichen Chaos trug, tittel, die Kohle und andere Gegen- Jänk täglichen Bedarfes, obschon an anderen Enden des Liesenreiches die gesuchten Waren im Ueberfluß vorhanden waren. Nit großer Schwerfälligkeit gelang es inzwischen, dieser Uebel— ünde Herr zu werden, sodaß nunmehr derartige Klagen nur selten aut werden. a 3 Es unterliegt indessen keinem Zweifel, daß das russische Wirt⸗ 0 haftsleben— im ganzen genommen— von einer Erschütterung eerschont geblieben ist. Drei Viertel der Bevölkerung leben un— kittelbar von den Erträgnissen der Landwirtschaft. Der Ausfall ber Ernte hat noch immer die ausschlaggebende Bedeutung für den ohl⸗ bezw. Notstand der Bevölkerung. Während Mißernten sonst egelmäßig jede 3 bis 4 Jahre ein oder das andere ziemlich aus⸗ bdehnte Territorium heimsuchen, war die Ernte 1914 befriedigend Afsgefallen und die diesjährige scheint ihr ebenbürtig zu sein. Da⸗ 1 rch ist aber die breite Masse des Volkes vor einer Notlage ge— 3 Die in den letzten Jahren in großem Umfange betriebene beldbeleihung des Getreides mit Hilfe der Staatsbank und an⸗ rer Kreditinstitutionen hat im Kriegsjahre an Ausdehnung ge— 155 gonnen. Diese Maßnahme in Verbindung mit dem Wirken der rden ndlichen Genossenschaften, die in wenigen Jahren zu einer großen ig in Pacht geworden sind, hat die Stabilität des Getreidemarktes ge— chert. Gewaltige Einkäufe der Heeresverwaltung führten bald zu Ireiserhöhungen, an denen der Bauer in diesem Jahre vielleicht it erheblich höherem Maße profitiert hat, da er seine Ware nicht gleich nach der Ernte verschleudert hatte. Das Verbot des Brannt⸗ beinausschankes hat zu diesem Ergebnis sehr viel beigetragen. Lährend die unproduktive Ausgabe für den Alkohol ausbleiben bunte, erhöhte sich gleichzeitig der Erlös aus dem Verkauf der Undwirtschaftlichen Produkte. Rußland führt seine Landes- Fodukte zum großen Teil nicht deshalb aus, weil es ihrer zu viel t, sondern aus Not, weil diese Ausfuhr unter den gegebenen Ver⸗ ltnissen das sicherste Mittel darstellt, dem Lande neue Werte und Geld zuzuführen. Und so ist es, daß dank dem Kriege der ussische daheim gebliebene Bauer sich vielleicht an seinem Brote, nofür er sonst der Lieferant von Halb⸗Europa ist, mal auch satt Agessen hat. Jedenfalls ist es sehr bemerkenswert, daß alle Eßhilderungen des russischen Dorflebens der Gegenwart den er— hihten Wohlst immer wieder betonen. 5 5 Zu allen diesen Feststellungen, die beweisen, daß von einer Lerschlechterung der Grundlage des russischen Wirtschaftslebens ine Rede sein kann, tritt eine für Rußland neue Erscheinung hin⸗ l Das ist das Anwachsen der Einlagen in den staatlichen Spar⸗ ssen, wie dieses früher noch nie zu verzeichnen war. Die russtschen Sarkassen bedienen ausschließlich die kleinen Sparer, und so be⸗ nmen wir hier einen lehrreichen Maßstab, zur Beurteilung der 0 Age, der vom volkswirtschaftlichen Standpunkte aus, beachtens⸗ bert erscheint. Während in den Jahren 1908 bis 1913 der jähr⸗ he Zuwachs der Spareinlagen rund folgende Zahlen betrug: 17, 4 67, 60, 45, 90 Millionen Rubel, machte er in den letzten vier Jonaten 1914 allein 107 Millionen Rubel und in den ersten 7 Mo⸗ 0 ten dieses Jahres den verhältnismäßig gewaltigen Betrag von 5 Millionen Rubel aus. u und r bet Dir lheit liches esehel Ein⸗ . Wollte man die Lage der Industrie nach dem in Friedenszeiten 12. kennzeichnenden Stande des Arbeitsmarktes beurteilen, so sechen küßte man sie als überaus günstig ansehen. Allerdings objektive un i hadmesser des Angebotes und der Nachfrage auf dem Arbeits⸗ g. urkte in Rußland gibt es nicht, doch wollen die heftigen Klagen ain eis den Unternehmerkreisen über Arbeitermangel nicht verstum⸗ n, ja sie haben sich in den letzten Wochen zu einem wahren Not⸗ drei verdichtet. Nicht nur an gelernten Arbeitern, sondern über⸗ apt an einigermaßen verwendbaren Arbeitskräften soll ein dußer Mangel bestehen. Der Abgang der Bergarbeiter des 5 nezbeckens zu den Erntearbeiten hat z. B. in den Monaten ni—Juli einen bedeutenden Ausfall an der Kohlenförderung ö 1 1 s ru keursacht. Ganz besonders macht sich der Bedarf an gelernten [beiter fühlbar, und in letzter Zeit werden diese von der Ffnt in die Fabriken zurückgeschickt. Es ist selbstverständlich. daß die Aufträge für den i arf der Tätigkeit der Industrie den gewaltigsten Impuls ehen. Und mit der Zeit, die die Versäumnisse der Heeres⸗ manisation aufdeckt, wird die Beschäftigung der Industrie, darch i Militärverwaltung immer angespannter. Seit, den Nieder⸗ en in Galizien ist man fortwährend damit beschäftigt, die In⸗ trie zu„mobilisieren“ und jetzt sogar— zu„militarisiexen Auf f issem Gebiete betätigen sich nunmehr in den zu diesem Zwac ae⸗ 15 kuffenen„kriegsindustriellen Komitee“ Unternehmer, Wissen⸗ buafter, Kommunalpolitiker usw. Jede Fabrik und jede Werk⸗ soll in den Dienst der Sache gestellt werden. Mag hier viel aneben gehauen werden, Tatsache bleibt es doch, daß die in Bes kocht lommenden Industriezweige über Beschäftigungsmangel surchaus nicht klagen. Sa be Der eigentlich russischen Industrie kommt die Lahm 9 8 omischen Jndustrie 1 1 Mit Ausnahme einiger Zweige bn nebensächlicher Bedeutung ist die polnische Industrie eine nkurxenzindustrie der russischen. Ihre Ausschaltung verbessert i Aussichten der letzteren. Außerdem kommt in Betracht. daß— Wilna im Besitz des durch die Verhinderung der Einfuhr aus dem Auslande und eine recht befriedigende Nachfrage nach Fabrikaten von seiten der Be⸗ völkerung— der russischen Industrie an sich ein guter Beschäftig⸗ ungsgang gesichert ist. Solch charakteristische Zweige, wie die Kohlen- und Eisenindustrie, erlitten zwar einen Rückgang, der aber verhältnismäßig nicht ins Gewicht fällt. Die Fabriken sind in vielen Fällen garnicht imstande, die Nachfrage nach Waren zu befriedigen oder für die Privatkundschaft zu arbeiten. Die eben be⸗ endete Messe in Nishni⸗Nowgorod mit ihren sonst gewaltigen Um⸗ sätzen hat dies bestätigt. Die Messe litt keinesfalls an Ueberange— bot von Waren, sie stand außerdem im Zeichen von ziemlich großer Geldflüssigkeit, eine für die dortigen Verhältnisse seltsame Erscheinung. Auch in der russischen Industrie hat sich eben, natür lich in viel kleinerem Maßstabe, entsprechend dem wenig ent⸗ wickelteren Stande der Industrie, ein Anpassungsprozeß, wie anderswo, vollzogen. Eine wirtschaftliche Katastrophe, eine wirtschaftliche Not ist ausgeblieben, wenn auch in Wirklichkeit nicht alles so glatt vor sich gegangen ist, wie dies, aus der Vogelperspektive betrachtet, ge⸗ sehen wird. Immerhin besteht in der jetzigen Lage Rußlands das Fatale darin, daß seine Produktivkräfte den Erfordernissen der Zeit nicht gewachsen sind, es könnte sonst eine bedeutend reicher ausgestattete Industrie mit Kriegsaufträgen vollauf versorgen. * 0 Die Lage im Osten. Die Lage im Norden des russischen Kriegsschauplatzes nach dem Fall Wilnas schildert ein militärischer Sachver⸗ ständiger in der Frankf. Ztg. u. a. wie folgt: Wenn wir uns die Lage bei Freund und Feind in die Karte einzeichnen, so ergibt sich eine Aehnlichkeit mit Sedan, aber in weit größerem Maßstabe, denn die Einschließungsoperation von heute erfüllt einen Raum von über 10 000 Quadratkilometer. Die russischen Massen, die zwischen Wilia und Njemen und an der Schtschara Wider⸗ stand leisteten, können nur mehr nach Südosten an Minsk vorbei in Richtung auf Sluzk ihren Rückzug nehmen. Schon das wird ihnen nicht ohne größte Verluste möglich sein. Bei diesem Rückzug müßten sie aber weiter den Spitzen der Heeresgrupe Mackensen in die Arme laufen. Ein Rückzug auf oder in der Nähe der großen Straße nach Minsk oder Smolensk ist, wenn der linke Flügel Eichhorn stark genug ist, heute nicht mehr möglich. Durch die grandiose Umfassung dieses Generals ist also eine strategische Krisis für die Russen geschaffen worden, wie sie im bisherigen Verlauf der Operationen sei Gorliece in diesem Maße nicht auftrat. Bisher bestand immer die Möglichkeit für die Russen, durch Verlegen der Rückzugs⸗ richtung um wenige Grade und durch rücksichtsloses Opfern der Nachhuten die Gros zu retten. Das kam daher, weil es der allgemeinen Lage nach nicht gelingen konnte, die Um⸗ fassung tief genug anzusetzen. Nun aber stehen unsere umfassenden Truppen im Rücken der russischen Massen, haben schon eine Hauptrückzugslinie in den Hän⸗ den und verengern den Raum für den Rückzug in solchem Maße, daß man nur mit höchster Spannung die weitere Entwickelung dieses strategischen Dramas abwarten kann. Der Versuch der Russen, die deutsche Umfassung nun etwa durch ein angriffsweises Vorgehen von Dünaburg und der Gegend östlich davon in den Rücken zu kommen, ist durch die Wegnahme Widsys und durch starke Truppen, die sich dort vermutlich aufgestellt haben, sowie durch das energische fron— tale Vorgehen gegen den Brückenkopf Dünaburgs vereitelt, bevor sie noch begonnen haben. Was bedeutet gegen diese Entwicklung der Dinge ein Zurückgehen der Oesterreicher im Festungsdreieck um ein paar Kilometer? Unsere Leser werden sich erinnern, daz wir vor einiger Zeit feststellten, daß es den Russen nicht ge⸗ lingen kann, den Schwerpunkt der operativen Gesamtlage aus der Gegend Wilna—Dünaburg nach Ostgalizien oder Wol⸗ hynien zu verlegen. Unsere Oberste Heeresleitung erntet nun die Früchte einer Konsequenz, mit der sie unbekümmert um den schweren Stand der Truppen im Süden das Haupt⸗ ziel verfolgte. Bei den Russen aber zeigt sich die fehlerhafte Zweiteilung ihrer Absichten und Kräfte, sie wollen in Wol⸗ hynien und Galizien siegen und brauchen dort natürlich Ueberlegenheit, und sie wollen gleichzeitig die Entscheidung bei Dünaburg— Wilna annehmen und brauchen dazu natür⸗ lich auch soviel Kräfte, als nur irgend möglich. Das End⸗ ergebnis: Für eine durchbrechende Offensive im Süden und! für eine entscheidende Verteidigung im Norden sind sie zu schwach geworden. Andere Urteile über die Lage im Osten. Eine däuische Stimme. Politiken schreibt, die Deutschen seien durch die Einnahme von 5 wichtigsten Eisenbahnknoten⸗ punkts Nordwestrußlauds gekommen. Die Russen hätten natur⸗ gemäß jene Stadt, die die Sendung von Truppen und Vorräten nach den bedrohten Punkten ermöglichte, besonders zähe verteidigt. Jetzt würden die Deutschen über Wilna reichlich Material und Soldaten leiten. Den Russen die noch in der Gegend von Wilna kämpfen, stehe nur noch er Weg nach Süd und Südwest über Lida und östlich Lida zur Verfügung. Dort drängten aber gewaltig die deutschen Heere vor, und die Russen seien auf der ganzen Front in schnellem Rück⸗ zug. Es sei nicht unwahrscheinlich, daß den Russen um Wilna eine Katastrophe drohe. Die nächsten Tage würden zeigen, ob bie Russen die notwendigen Anstalten zur Rettung von möglichst viel Material und Menschen von Wilna getroffen haben. Anscheinend wi u die Riickzugsoperationen des Zaren nicht mit der eisernen Energie des Großfürsten Nikolaf geleitet. Der russische Angriff in Galizien scheine an der Strypa völlig zusammen⸗ gebrochen zu sein. Ein holländisches Urteil. Nieuws van den Dag schreibt: Der Fall Wilnas wurde schon lange erwartet. Die Begleitumstände können die Besetzung der Stadt noch zu einem glänzenden Erfolge der Deutschen machen, da die umfassende Bewegung der Deutschen die Russen gezwungen hat, die Stadt zu räumen. Deutsche Kavallerie hat bereits die Bahn⸗ linie Molode io— Polotsk besetzt. Es handelt sich um ei ir en erustlichen Mißerfolg für die Russen, da dadurch das rüssische Heer bei Diinaburg und das bei Wilug voneinander ge⸗ trennt worden sind; letzteres ist erustlich mit einer Umzinge⸗ lung bedroht. Wenn die Umzingelung gelingt, muß man annehmen, daß der Abgang des Großfürsten die Ur sache dieses Un⸗ J ift bringt. Es steht nur fest, daß ein Teil der russischen in großer Gefahr schwebt und Petersburg von allen direkten Eisenbahn verbindungen mit der Hauptmacht a b⸗ geschnitten ist. Was die Franzosen sagen. 5 Til. Genf, 20. Sept. Die französischen Korrespondenten im hen Hauptquartier betonen trotz ihres Optimismusses die un⸗ gewöhnlich schwierigen Umstände, unter denen sich der Rückzug der rufsischen Truppen und zwar im Wilna⸗Pinskorabschnitt vollzieht. Die aus der Umgebung des Zaren stammenden Depeschen an das Elysee vermeiden jeden Hinweis auf die klfinftige russische Front. Diese durch die außerordentliche Schnelligkeit der deutschen Bewegung verursachte allgemeine Unsicherheit der gegen⸗ wärtig tonangebenden russischen Strategen, wird von Pariser Fach⸗ kritikern als Hauptursache der schweren Beklem⸗ mungen aller Freunde des Zarenreiches erkannt, dessen Wider⸗ standskraft durch jeden furchtbaren Schlag Hindenburgs auf eine harte Probe gestellt wird. g Italienischer Wind. Der Militärkritiker des Corriere della Sera schreibt, wie vor⸗ auszusehen war, der Besetzung Wilnas eine geringe Bedeutung zu, da Wilna als Bahnknotenpunkt für die Russen nach der Unter⸗ brechung seiner Verbindungen mit Dünaburg und Petersburg air Wichtigkeit verloren habe und alle für die Deutschen nützlichen Be⸗ stände aus Wilna fortgeschleppt seien. Stillegung der Fahrt auf der Themse. T. U. Amsterdam, 20. Sept. Das Allgemeen Handels⸗ blatt meldet aus Vlissingen: Auf Befehl der englischen Admiralität ist die Fahrt auf der Themse für einige Tage stillgelegt. Der Postdampferdienst der Gesellschaft Zeeland ist ebenfalls zum Stillstand gekommen. Das Schiff„Mecklen⸗ burg“, welches 102 Passagiere an Bord hatte, ist gestern morgen nicht abgefahren. Nach einer weiteren Meldung ist auch der Dampfer„Prinzeß Juliana“, der gestern in See gehen sollte, liegen geblieben. Die Offensivkraft der„Zeppeline“. Die Morning Post sagt:„Die Ernennung von Sir Perey Scott zum Leiter der Verteidigung Londons gegen Luftangrifse muß als amtliches Eingeständnis der Tatsache gelten, daß die Möglichkeit der Verwendung der„Zeppeline“ für Offensiv⸗ Operationen unterschätzt und daß die Notwendigkeit erkannt wurde, Gegenmaßregeln zu treffen. Es ist bezeichnend, daß die Er⸗ nennung Scotts am Tage des Zusammentritts des Parlaments erfolgte. Die Notwendigkeit solcher Gegenmaßregeln leuchtet dem Mann auf der Straße vollkommen ein, obwohl noch immer viele, die sich mit dem Luftfahrwesen beschäftigten, über das angebliche Fiasko Zeppelins zu spotten belieben. Die Zeppeline haben zweifellos enorme Fortschritte in der Treffsicherheit des Bomben⸗ swerfens gemacht, sie arbeiten jetzt besser in einer Höhe von 8 bis 10,000 Fuß als im vorigen Jahre in einer solchen von 2000 und 4000 Fuß. Obwohl der damalige Kriegssekretär Seely wenige Monate vor dem Kriege im Unterhause versicherte, daß wir ein wunderbaxes Geschütz gegen Luftangriffe besäßen, hat bisher keines dieser Geschütze mit einer möglichen Ausnahme einen„Zeppelin“ getroffen, obschon wir 18 Monate Zeit zu ihrer Verbesserung hatten.“ Der englische Gewerkschaftskongreß. Der Labour Leader bespricht das Ergebnis des Gewerk— schaftskongresses in Bristol und weist darauf hin, daß die Abstimmung von 600 Stimmen gegen 7, womit die Unter⸗ stützung der Regierung bei der Fortführung des Krieges beschlossen ist, ein unrichtiges Bild von der Stimmung des Kongresses gebe, da in der Tat nicht weniger als 100 Abge— geordnete sich der Stimmabgabe enthalten haben und auf dem Kongreß eine starke Unterströmung der Unzufriedenheit die Traditionen der organisierten Arbeiter nicht aufrecht er⸗ geherrscht habe. Labour Leader tadelt es, daß der Kongreß halten habe. Havelock Wilson lobte z. B. sehr, daß ein Teil der deutschen Arbeiterschaft sich dem Kriege widersetzte, aber zu gleicher Zeit verurteilte er auf das Schärfste denjenigen Teil der britischen Arbeiterschaft, der sich in gleicher Weise gegen den Krieg erklärt habe. Das Parlamentsmitglied Hodge hatte erklärt, daß er ablehne, an der Sitzung des inter⸗ nationalen sozialistischen Bureaus im Haag teilzunehmen, da er nicht einem Deutschen die Hand geben wolle, die von Blut triefe. Unwürdige Behandlung deutscher Reichs⸗ angehöriger in Italien. T. U. Wien, 20. Sept. Zurückgekehrte freigelassene Oester⸗ teicher erzählen, daß sie in Italien in grausamer Weise in fürchterlichen Gefängnissen gequält worden seien, ehe sie an die Grenze gebracht worden sind. In Genua haben sie gefangene Reichsdeutsche getroffen, die dort schon im Gefängnis 10 Tage fest⸗ gehalten wurden. Viele von ihnen waren auf der Rückreise von Spanien in Genua festgenommen worden. Ueberhaupt werden die Reichsdeutschen in Italien bereits so behandelt, als ob schon Kriegszustand zwischen beiden Ländern herrscht. Die Entente⸗Anleihe in Amerika. Ein Privattelegramm der Frankf. Zeitung berichtet: Nach einer Umfrage bei den Bankiers, die der Jahres⸗ versammlung der Bankiers-Vereinigung beiwohnten, erklärt der Vertreter der Evening Post, sein Eindruck sei, daß die bedeutendsten Banken außerhalb Newyorks den Gedanken einer großen Anleihe ohne Unterschied ablehnen. Ein solcher Versuch sei zum Scheitern verurteilt, weil die Zeich⸗ nungen aus dem Volke ausbleiben würden. Neuerdings wird vorgeschlagen, daß die Unternehmungen, die Kontrakte für Kriegslieferungen haben, 500 Millionen Dollars Kredit gewähren sollen, während eine weitere halbe Milliarde durch die Banken aufzubringen wäre. Aus alledem geht hervor, daß der Anleiheplan der En⸗ tente trotz der Unterstützungen, die er gefunden hat, noch immer auf starke Widerstände und Hindernisse stößt und daß man in weiten Kreisen die Entente auf Grund der gegen— wärtigen Kriegslage nicht für eine Kundschaft hält, der man ohne gutes Pfand borgen kann. An dieser aus der einfachen Feststellung der Tatsachen hervorgehenden Auffassung hat die systematische Kundgebung einer der Wirklichkeit hohnsprechen⸗ den Siegesgewißheit, deren finanzpolitischer Hintergedanke jetzt klar ist, nichts zu ändern vermocht. 2 Newyork, 20. Sept.(W. B. Nichtamtlich.) Meldung des Reuter⸗ schen Bureaus: Die Anleihe, deren Betrag zwischen 600 und 800 illionen Dollar sich stellen wird, wird von einem großen Syndikate abgeschlossen. Die dem Syndikate Angehörenden werden eine kleine Kommission, wahrscheinlich von einem halben Prozent, erhalten. Die Sicherheit für die Anleihe wird durch britische und französische fünfprozentige Regierungsbonds ge⸗ bildet. Der Uebernahmepreis wird sich auf pa ri stellen. Die Affäre Dumba. Der österreichische Botschafter in Washington, Dumba, der durch den Journalisten Archibald Briefe befördern ließ, die den Engländern in die Hände fielen, erklärt jetzt in einem Briefe an den Unterstaatssekretär Lansing:„Der Zensor habe ihn gehindert, die drahtlose Telegraphie zu benützen. In- folge der Instruktionen, die von seiner Regierung einge— laufen, habe er es für nötig erachtet, seinen Landsleuten von der Arbeit in Munitionsfabriken abzuraten, weil sie sich da durch des Landesverrats schuldig machten. Da es ihm so schwer gemacht worden sei, Briefe nach Oesterreich— Ungarn zu schicken, halte er es nicht für nötig, sich deshalb zu entschuldigen, daß er Archibald Briefe anvertraut habe.“ Russische Stichproben. (Aus Nr. 1 der neuen sozialistischen Halbmonatsschrift Die Glocke(Herausgeber Parvus), München, Verlag für Sozialwissen⸗ schaft G. m. b. H., Altheimereck 19.) Als der Krieg kam. Die Regierung Nikolaus II. ruhte sich auf den Lorbeeren aus. Die Revolution war unterdrückt. Die Freiheiten, die man sich in einer Stunde der Schwäche hatte abtrotzen lassen, waren zurückgenommen, die Presse war erdrosselt. Die Ge⸗ sellschaft schwieg. Die gehorsame Duma trottelte auf ihrem Platz, mit„positiver“ Arbeit beschäftigt. Die Gerichte voll— endeten die Liquidation der Revolution. Die Dinge standen so günstig, daß die Regierung sich sogar den Luxus des mittelalterlichen Prozesses Belis erlauben durfte. Nur das ungehorsame Proletariat von Petersburg störte noch die Ruhe Nikolaus II. Es streikte und im Juli 1914 baute es Barrikaden. Aber die treue Armee wird leicht mit dem inneren Feind fertig. Da bedeckt sich auf einmal der Himmel mit schweren Wolken, aus denen sich der Krieg mit Deutschland entlädt. Petersburg erlebt unruhige Stunden. Im Baltischen Meer erscheint die deutsche Flotte. Libau wird bombardiert. Die Regierung wird verwirrt. In Erwartung einer Landung in Finnland wird der Hafen Hange gesprengt. Finnland wird von Militär überflutet. Der Stadtpräfekt läßt Bekannt- machungen anschlagen, in denen er die Arbeiter einlädt, gegen hohen Lohn an den Erdarbeiten in der Umgebung von Petersburg teilzunehmen. In aller Eile wird Petersburg mit Laufgräben versehen. Der große Schuwaloffsche Park an der finnischen Eisenbahn wird gefällt. Dieser hastigen Tätigkeit der Behörden entspricht die Konfusion der öffent⸗ lichen Meinung. Alle Welt erwartet das entscheidende Wort Englands. Unterdessen verkündet die Regierung, die ihrer Sache nicht mehr sicher ist, der Gesellschaft„Freiheiten“. In aller Eile wird ein Manifest geschrieben, das die Amnestie und die Gleichberechtigung verkünden soll. Personen, die Verbindungen in der Bureaukratie besitzen, sahen den Text mit eigenen Augen. Von Tag zu Tag, von Augenblick zu Augenblick wird seine Verkündigung erwartet. Die Gesell⸗ schaft schweigt. Nur die Huligams der Straße, die Straßen⸗ Aufgehobenes Militärverbot. Das Militärverbot für Säle und Wirtschaften, in denen sozialdemokratische Versammlungen abgehalten werden, wurde seinerzeit in Sachsen insofern gemildert, daß es nur bestehen blieb für den jewefligen einzelnen Fall. Die Gastwirte waren, ver⸗ pflichtet, ein Plakat auszuhängen, daß den Soldaten den Zutritt für den Tag verbot, an dem eine Versammlung, ein Ver⸗ gnügen oder irgend eine andere Veranstaltung des sozialdemo⸗ kratischen Vereins in dem Lokale stattfand. Das ständige Mili⸗ tärverbot blieb aber für die Lokale bestehen, in denen regelmäßiger und dauernder Verkehr der sozialdemokratischen Organisation in Frage kam. Ende August 1914 wurde durch Verfügung der Generalkommandos das ständige Militärverbot überhaupt aufge⸗ hoben.— Wie jetzt bekannt wird, ist am 1. Juni 1915 im Dresdener Bezirk den unteren Behörden mitgeteilt und von ihnen angeordnet worden, daß auch das Erfordernis des erwähnten Aus⸗ hanges fallen gelassen ist. An den Veranstaltungen selbst, insbe⸗ sondere an politischen Versammlungen, dürfen jedoch nach wie vor Soldaten nicht teilnehmen. Die großen Steuerzahler. Bei der grundsätzlichen Erörterung der Steuerfragen spielt es bekanntlich eine nicht unwesentliche Rolle, ob die reichen Leute, würde die Schraube der direkten Steuern scharf angezogen, nicht den Fortzug aus ihrem Heimatlande vorziehen werden, um im Auslande in Ruhe ihre Einkünfte verzehren zu können. Der Krieg scheint dieses Problem zu⸗ nächst nicht international, sondern interlokal zu machen. Es gibt zweifellos jetzt schon mehr als einen Fall, in dem reiche Leute, die bisher in einer Industriegemeinde mit hohen Unterstützungsausgaben und demgemäß steigenden Steuer- zuschlägen wohnten, einen Ortswechsel zur Minderung ihrer Steuerverpflichtungen vorgenommen haben. Ein solcher Fall, der auch wegen der darin handelnden Persönlichkeit von Interesse ist, wird aus Elberfeld ge⸗ meldet. Dr. Henry Theodor von Boettinger, Geheimer Regierungsrat, Mitglied des Herrenhauses, viel⸗ facher Millionär und einer der größten Steuerzahler der Wupperstadt, zieht es vor, den Staub des Ortes von den Füßen zu schütteln, wo die Arbeit vieler Hunderter und Tausender den Grund zu seinem Reichtum legte. Er geht nach Berlin, wo am Pariser Platz eine fürstliche Wohnung seiner wartet. Der Preis ist wohl Nebensache, denn bei den enormen Einkünften des Herrn beträgt der Unterschied der Steuersumme bei den 10 Prozent Zuschlag Berlins und den 240 Elberfelds jedenfalls genug, um den Schaden mehr als wett zu machen. Für eine Stadt wie Elberfeld, der vom Kriege schwere Wunden geschlagen Wurden— man denke an die starke Ein⸗ schränkung der Industrie infolge des Baumwollenmangels — ist ein derartiger Verlust mehr als fühlbar, er ist schmerz⸗ lich. Er ist doppelt beachtenswert, weil bei der herrschenden Tendenz des Kapitals ein solches Beispiel nur allzuleicht Nachahmung findet. Da scheint sich ein Problem aufzutun, das der weitesten Beachtung nicht nur des Kommunalpoli⸗ tikers, sondern vor allem des Gesetzgebers wert ist. Gestalten sich Einzelfälle dieser Art zu einer Entwicklungserscheinung weiteren Umfanges, so gesellt sich den Finanzschwierigkeiten nach dem Ende des Krieges eine neue zu. Ihre Bekämpfung muß um deswillen schon jetzt ins Auge gefaßt werden, wei sie die Tendenz zur Abwälzung der Lasten auf die schwachen Schultern erheblich verstärkt. Ein ungeheneres Sedan. In der Guerre sociale erklärt Gustave Herve, die deutsche Heeresleitung wolle anscheinend das russische Zentrum um⸗ schließen und den Russen ein ungeheures Sedau bereiten. Von drei Rückzugslinien seien heute bereits zwei abge⸗ schnitten. Wenn das deutsche Umzingelungsmanöver nicht angehalten werden könne, warde in wenigen Tagen die dritte und letzte Linie, erg Kam a vi abgeschni Rage. Tode, Statlonsvorsteher Lamy aus Guesnes zu lebenslänglichem 18 nit Die Lage in Rußland sei zwar noch nicht verzwei 5 schlimm genug, so daß man sich auf alles gefaßt machen n Das russische Zentrum stehe vor der Wahl, sich umzingeln z lassen, oder 150 bis 200 Kilometer zurückzugehen. Hervs erklärt sodann, das deutsche Manüver sei großartig und würdig, daß die französische Heeresleitung sich die Lektion von Initiative und Kühnheit, welche Hindenburg augenblicklich gebe, als Beispiel dienen lasse. 1 Amsterdam, 20. Sept.(W. B. Nichtamklich) 1 Handelsblad schreibt über die Besetzung von Wilna: Es ist fraglich, ob die Verteidigung der Stadt nicht zu sehr in die Länge gezogen wurde, so daß ein großer Teil der Armeen, die sich dort befinden, abgeschnitten werden wird. Durch den 1 Fall von Wilna wird die ganze Dünafront bedroht. Der Fall Dünaburgs selbst, der ganzen Dünalinie und von Riga ist wohl nunmehr eine Frage von Tagen. Auch dort besteht für die Russen die Gefahr der Umzingelung, wenn es den Deutschen gelingt, Polozk zu exreichen, von dort einen Flankenstoß gegen den Fluß auszuführen und den Russen den Rücken zu fallen. Ein französischer Sozialistenkongreß. 1 Paris, 20. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Humanite melde. daß am 25., 26. und 27. Dezember ein nationaler Sozialistenkongreß 5 in Paris stattfinden werde, der sich besonders mit der Erörterung der allgemeinen Lage und der Haltung der Sozialistenpartei im Kriege sowie mit der Verstärkung der Landes verteidigung be⸗ fassen soll. 5 8 Revolutionäre Wetterzeichen in Rußland. Wien, 21. Sept. Das Volksblatt meldet aus Peters⸗ burg: Infolge der Schließung der Duma sind 24000 Ar⸗ beiter der städtischen Werke in Peter sburg und Kron ⸗ stadt in den Ausstand getreten. In Moskau streiken 17 000 und in Charkow etwa 21 000 Arbeiter. 1 Wien, 21. Sept. Die Sonn- und Montagszeitung mel⸗ det aus Petersburg: Die Bureaus der sozialistischen revolutionären Partei und der Bauern⸗ . 4 gruppe sind polizeilich geschlossen worden. In dem Bureau der Bauerngruppe sind zahlreiche Bücher und Flugschriften beschlagnahmt worden, deren Versendung in Rußlands bereits begonnen hatte und. in denen das Volk zum Kampf gegen die Regierung und gegen eine zwecklose Fortsetzung des Krieges aufgefordert wurde. 5 Bulgarenfeindliche Haltung in Neu⸗Griechenland T. U. Saloniti, 21. Sept. In verschiedenen Gebieten Griechenlands tritt, wahrscheinlich als Folge der Aufhetzung d venizelistischen Presse, eine stark bulgarenfeindliche Haltung der hörden wie der Bevölkerung zu Tage. Bei Serres wurden 27 Bul⸗ garen, angeblich Komitatschis, verhaftet. In Wrondo bei Serres will man in den Häusern der Bulgaxen große Mengen Gewehre gefunden haben. Die bulgarische Bevölkerung vom Weleschgebirge bis Jenikzori bei Drama wird scharf überwacht und teilweise we nach dem Innern gebracht, damit sie nicht die Komitatschis unter stützen können. Kriegsnolizen. f In den Morgenstunden des gestrigen Tages sind in der Näh 4 des Flugplatzes Adlershof zwei Flugzeuge von der Militär⸗ Fliegerschule Adlershof und Johannistal in der Luft zusam mengestoßen. Beide Flugzeugführer, ein Leutnant und ein Unteroffizier, wurden sofort getötet. 1 Nach Bekanntgabe des deutschen Gouvernements in Brüssel erfolgten zahlreiche weitere Verurte ilungen wegen Sp io Der Handlungsreisende Debakker aus Ucele wurde zum Zuchthaus, zwei Angeklagten zu je 15 Jahren, 4 Angeklagte zu je 10 Jahren Zuchthaus wegen Spionagebeistandes und Aufnahme von Spionen verurteilt. 1 Eine Mailänder Gesellschaft kaufte in Savona ein Grundstii zum Bau einer Sprengstofffabrik, die 3000 Arbeiter beschäf⸗ 0 tigen und nach Friedensschluß die Chemikalien, die Deutschland bisher lieferte, herstellen soll. 1 schaft der slavischen Einigung“ Kundgebungen. Kaum aber hat England Deutschland den Krieg erklärt, so hat die Regie⸗ rung sich wieder gefunden. Das Manifest über Gleichbe⸗ rechtigung wird unter das grüne Tuch gelegt. Es beruhigt sich auch die sogenannte öffentliche Meinung. Im Kriegs⸗ manifest fordert der Zar auf, die inneren Zwistigkeiten zu vergessen. Und die öffentliche Meinung vergaß sie tatsäch⸗ lich. Sr. Majestät allergetreueste Opposition(die kon⸗ stitutionellen Demokraten) verkündeten durch den Mund ihres Führers und mit ihr in Uebereinstimmung die Radi— kalen: Es sei unwürdig, jetzt während der Kriegszeit um Freiheiten zu handeln. Im übrigen, erklärten sie, führe Rußland den Krieg in einer so anständigen Gesellschaft, wie die französische Republik und das freie England; diese Ge— sellschaft aber lege je Verpflichtungen auf.. Sowohl Frankreich wie England würden die russische Regierung zwingen, im Innern allerlei Freiheiten einzuführen. Sehr gelegen kam um diese Zeit das russische Publikum aus den deutschen Badeorten zurück, das den Deutschen die Unbequemlichkeiten einer Reise während der Kriegszeit nicht hat verzeihen können. Es verbreitete die unsinnigsten Ge⸗ rüchte über deutsche Brutalitäten russischen Reisenden gegen— über. Die Zeitungen bauschten diese Gerüchte ungeheuer auf. Die Kriegszensur, die die Arbeiterzeitungen unter- drückte, begünstigte die gelbe Presse in ihrer Hetze gegen alles Deutsche. So begann der wilde Kriegstanz des Natio⸗ nalismus in der Presse und in der„Gesellschaft“. Alle Be- griffe wirbelten durcheinander. Alle politischen Kränkungen wurden vergessen. Man konnte Regierung, Staat, Armee und Volk nicht mehr auseinander halten. Als das alles in einen Topf geworfen war, stand schließlich das Slaventum dem Militarismus entgegen, unter welchem selbstverständlich nur der deutsche Militarismus zu verstehen war. N Die russische Freiheit in Galizien. .. Die russische Regierung führte den„Befreiungs.- krieg“ in der Weise, daß sie die Bevölkerung Galiziens der Freiheiten beraubte, die ihr in Oesterreich⸗Ungarn zustan⸗ den. Sie rottete alles aus, was das Volk des eroberten Ge⸗ bietes an seine früheren Rechte erinnern ließ. Sie schloß die polnischen Schulen und die polnischen Buchhandlungen. Sie unterdrückte die polnischen Zeitungen. Darauf unter. nahm sie es, der Bevölkerung die Wohltaten des russischen jungen und anderer Pöbel veranstalten mit der„Gesell⸗ Staates und der russischen Kultur zu spenden. Zunächst schickte sie mit den Segnungen der alleinseligmachenden Re„ ligion den Bischof Elogius, der als Anhänger der schwarzen Hundert bekannt ist. Nachdem er den Ruthenen erklätk batte, daß die orthodore Kirche die uniatische nicht aner- kenne, sandte dieser heilige Mann mit Unterstützung des 0 Generalgouverneurs Bobrinsky an die uniatischen Geist⸗ lichen ein Ultimatum. Sie sollten sich entweder sofort zum Heil der Orthodoxie bekennen, oder nach dem Gouvernement Tomsk in Sibirien verbannt werden. So wurden denn Hunderte uniatischer Geistlichen nach Sibirien verschickt, ö während ihre Gemeinden mit Gewalt zur Orthodoxie be- kehrt wurden. Hinter der schwarzen Brüderschaft des Bischofs Clogius stürzte sich über Galizien die offene und die geheime Polizei. Zum Polizeipräfekt von Lemberg wurde Skalom ernannt, der sich in Kiew durch Bestechungen und Fälschungen im Amte einen Namen gemacht hatte. An den Spitze der politischen Polizei erschien der berüchtigte Grägus, der berühmte Organisator des Foltermuseunts in Riga. An die Spitze der Ochrana stand der nicht minder berühmte Gendarmerie-Rittmeister Terestschenkoff, der sich durch die Niedermetzelung der Arbeiter an der Lena einen Namen zarischen Armee nach Galizien die Grundsätze der Wahrheit 5 gemacht hatte. Dieses Gesindel brachte in Gefolgschaft der der Gerechtigkeit und des Rechts, wie die demoralisterte Presse täglich und stündlich ebenso hartnäckig wie lügenhaft e So wurden den Polen die Versprechungen d Mamifestes des Großfürsten Nikolau ikolajewitst 8 olaus Nikolajewitsch ver Gegenüber den Juden trat die Regi 0 i 5 1. Ju egierung noch energie scher auf. Sie konfiszierte einfach deren Sücder un verschickte die Besitzer nach Sibirien b Es versteht sich von selbst, daß i . 855 t, daß vom ersten Tage der Einführung der russischen Staatsordnung 10 Gelzien die Bestechungen und Erpressungen der Beamten um sich griffen. ö So hat Skalom den Tag seines Amtsantritts als Polizei⸗ 0 präfekt von Lemberg dadurch gefeiert, daß er das Hot schließen ließ, in dem er vorher gew ei 5 5. her gewohnt hatte, e eine Pfennig bezahlt zu haben. Der Sotelbesihe 9 1 Staatsordnung noch nicht kannte, machte fich N W g durch mißliebig, daß er die Forderung des Herrn Skalom ab⸗ Betrieb weiterzuführen. lehnte, diesem 5000 Rubel zu bezahlen für das Recht, den (Fortsetzung folgt.) 1 1 Hessen N N ö ö ö und Nachbargebiete. Gießen und umgebung. Wie sie es machen. Die agrarischen Blätter beklagen sich von Zeit zu Zeit mit gut gespielter Bitterkeit darüber, daß gegenüber den Agrarpatrioten fortgesetzt der Burgfrieden gebrochen wird, indem ihnen von allen Seiten her nachgewiesen wird, wie sie in allen Fragen der Nahrungsmittelversorgung unseres Volkes zu allererst immer an ihre eigenen Interessen denken. Das nennen sie dann Bruch des Burgfriedens, bei Leibe aber — nicht ihre eigene Handlungsweise. Nun, auf die Gefahr hin, auch heute wieder eines Bruches des Burgfriedens den Agrariern gegenüber geziehen zu werden, wollen wir trotzdem wieder ein Paar Proben dieser agrarischen Selbstsucht, die so ganz und gar nicht zu den patriotischen Beteuerungen paßt, aus neuerer Zeit be⸗ kanntgeben. Der Darmstädter Komsumentenausschuß beriet dieser Tage über die Milchfrage. Dabei konnte der Stadtverord— nete Hamann die Feststellung machen, daß viele Bauern eine künstliche Milchknappheit in der Stadt absichtlich herbei führen. Die Produzenten einzelner Gemeinden mit großer Milproduktion aus der Umgegend Darmstadts weigern sich, Milch in die Stadt zu liefern mit der Begründung, daß sis diese für Butter, wie auch für Käse, für welche das benach⸗ barte Franzosenlager ein guter Abnehmer sei, notwendig gebrauchen; auch benötigten sie die Ueberreste für die Schweine. Als nun trotzdem die Verhandlungen zu dem Ergebnis führten, daß die betreffende Gemeinde täglich wenigstens 500 Liter Milch nach der Stadt liefern solle, mach— ten die in der Versammlung anwesenden Landwirte zum Schluß ihre endgültige Zusage davon abhängig, daß auch ihre Frauen damit einverstanden wären! Tatsache ist aber, daß nach acht Tagen die Nachricht von dieser Zusage moch nicht eingelaufen ist. Ein anderer Ort mußte durch das Generalkommando unter Strafandrohung dazu veranlaßt werden, das seitherige Quantum Milch, deren Lieferung ohne besonderen Grund unterbrochen war, weiter in die Stadt zu liefern. Und eine weitere Probe aus dem mit so ungeheueren Opfern des ganzen Volkes befreiten Ostpreußen. Als in Tilsit die Lebensmittelpreise eine unerträgliche Höhe er⸗ reicht hatten, setzte der Magistrat nach langem Zögern Höchst⸗ preise fest. Die Gutsbesitzer lieferten daraufhin fast keine Lebensmittel mehr nach Tilsit, und die Frauen wurden, wie ein bürgerliches Blatt schreibt, der Verzweiflung nahe ge⸗ bracht. Die Gutsbesitzer und Bauern erklärten offen, es fiele ihnen nicht ein, ihre Waren zu den Höchstpreisen abzu⸗ geben, sie schmierten die Butter lieber den Russen aufs Brot oder benutzten sie als Wagenschmiere! Das hat in der Stadt natürlich große Erregung verursacht, und bei der Be⸗ sprechung der sozialdemokratischen Interpellation über diese Zustände sprach der Bürgermeister Rohde mit Schärfe gegen den agrarischen Lebensmittelßpucher. Nach der Tissiter All⸗ gemeinen Zeitung führte er u. a. aus:„. Mit der Fest⸗ setzung von Höchstpreisen ist nur in beschränktem Umfange und auch nur gegen ganz bestimmt begrenzte Lebensmittel vorgegangen worden, als auf unseren Tilsiter Märkten Zu⸗ stände sich entwickelten, die in letzter Linie als unhaltbar bezeichnet werden mußten. Es wurden Preise für Lebens⸗ mittel des täglichen Bedarfs, und zwar wie die von uns in weitgehendem Maße befragten Sachverständigen überein⸗ stimmend sagten, ohne jeden zwingenden Grund genommen, Preise, die in keinem Verhältnis zu den Produktionskosten und den Kosten der Arbeitslöhne der Produzenten standen, sondern Preise, die lediglich eine für den Marktverkäufer günstige Situation ausnutzten. Und diese Ausnutzung der Situation erfolgte in rücksichtslosester Weise... Wir waren uns von vornherein darüber klar, daß die Höchstpreisfest⸗ setzung selbstverständlich in bestimmten Kreisen einen ganz außerordentlichen Widerstand auslösen würde, einen Wider⸗ stand, der möglicherweise bis zu dem Versuch führen würde, unsere Stadt Tilsit zu boykottieren bei der Zufuhr von Lebensmitteln. Wir sagten aber, wir wollten den Versuch machen. Wenn dieser Versuch sich nicht bewährt— man kann nach 14 Tagen nicht sagen, daß er sich nicht bewährk hat— wird uns nichts anderes übrig bleiben, als die Höchst⸗ preise wieder aufzuheben. Die Herrschaften, die, als der Feind ihre Aecker verwüstete und ihre Gehöfte in Brand setzte, in den Mauern unserer Stadt Zuflucht suchten, wurden jedenfalls nicht so behandelt, wie sie uns jetzt behandeln.“— Wir brauchen nichts hinzuzufügen. — Vor einem Jahre. Wem stehen sie nicht unauslöschbar in der Erinnerung, die Siegestage in der ersten Septemberhälfte 19141 Mit eiserner Faust hatte Hindenburg den russischen Eindringling aufs Haupt ge⸗ schlagen: unaufhaltsam drangen die deutschen Heere in Frankreich bor. Die Fahnen flatterten, und die Zeitungen überschrieben mit dicken Lettern ihre Siegesartikel„Vor Paris“. Da kam der Rückschlag, am 10. September meldete die Oberste Heeresleitung:„Die östlich Paris in der Verfolgung an und süber die Marne vorgedrungenen Heere sind aus Paris und zwischen Meaux und Montmirail von überlegenen Kräften angegriffen wor⸗ den. Sie haben in schweren zweitägigen Kämpfen den Gegner auf⸗ gehalten und selbst Fortschritte gemacht. Als der Aumarsch neuer starker feindlicher Kolonnen gemeldet wurde, ist ihr Flügel zurück⸗ genommen worden. Der Feind folgte au keiner Stelle. Als Siegesbeute dieser Kämpfe sind bisher 50 Geschütze und einige kausend Gefangene gemeldet.“ Die Schlacht an der Marne! In jener Stimmung des Sieges rausches, die damals so viele erfaßt hatte, wurde die Bedeutung dieser Nachricht zunächst kaum er⸗ kannt; niemand konnte annehmen, daß diese Kämpfe, die Zurück⸗ gahme der deutschen Heeresflügel, die Kriegslage in Frankreich zutscheidend beeinflussen, das Vorspiel gun Stellungskrieg im Wosten sein würden, der nun noch nach einem Jahre das Charakte⸗ eistikum des Krieges im Westen ist. i Die ununterbrochene und aufdringliche Hurrasctmume der Saheimgebliebenen mit Bier, Musik und Fahnen wurde zum ersten⸗ nal ein wenig eingedämmt, und jener überströmende Siegeslärm der ersten Kriegswochen ist bei allen späteren Ersolgen doch nie ganz viedergekehrt. So mancher von denen, die, damals gar nicht ge⸗ Uuschvoll genug felern konnten, hat inzwischen selbst die Waffen schultern und am eigenen Leibe alles Schwere fühlen müssen, das der Krieg den Kämpfenden auferlegt. Allmählich verschwanden auch aus den Schaufenstern die geschmacklosen Ulkkarten, die die Gegner Deutschlands und ihre soldatische Tüchtigkeit zu verhöhnen suchten; so einfach war es eben nicht! Wer hätte damals daran gedacht, daß wir nach einem Jahre noch kämpfen, noch keinen Aus⸗ blick auf ein nahes Ende haben? Das, was uns damals über alles erfüllte, hat sich inzwischen noch unendlich erweitert und vertieft: die Sehnsucht nach Frieden und Verständigung! — Herbstanfang. Man nimmt gewöhnlich den 21. Sep⸗ tember als Beginn des Herbstes an, die Astronomen sagen uns aber, daß die Sonne am 23. September den Himmels⸗ äquator durchschneidet und Tag- und Nachtgleiche eintritt. Die Tageslänge nimmt bei uns auf der nördlichen Erdhälfte von diesem Zeitpunkt mehr ab, die Nächte werden länger als die Tage. Es wird auch schon empfindlich kühler; in der gestrigen Nacht war das Thermometer bis auf den Gefrier⸗ punkt gesunken. Da muß sich der Familienvater nach Heizung umsehen, die in diesem teueren Jahr auch mehr kostet als sonst, da die vereinigten Kohlenbarone die Preise ganz be⸗ deutend in die Höhe getrieben haben. Für viele Gemeinden und ihre Einwohner ist es da ein Vorteil, wenn sie Gemeinde⸗ wald besitzen, in dem sich die Gemeindeangehörigen Holz holen können. Wie neulich bekannt gegeben, ist das jetzt für Gießen an zwei Tagen in der Woche, Mittwochs und Freitags, möglich und man kann beobachten, daß von dieser Befugnis reichlich Gebrauch gemacht wird. — Hausfrauen⸗Versammlung. Außerordentlich zahlreich hatten sich gestern abend die Gießener Hausfrauen zu det Versammlung eingefunden, die in die Aula einberufen wor⸗ den war. Es stand allerdings ein sehr aktuelles und in den Haushalt einschneidendes Thema zur Erörterung:„Unge⸗ rechtfertigte Lebensmittelteuerung“, über das Frau v. d. Groeben aus Eisenach sprach. Die Rednerin legte dar, wie der von ihr in Eisenach ins Leben gerufene Hausfrauenver⸗ ein, der jetzt 1700 Mitglieder zählt, in der Lage war, durch seine gute Organisation einen Einfluß auf die Preisgestal⸗ tung auf dem Lebensmittelmarkte auszuüben. Im Jahre 1912 war es ihm möglich, eine von den vereinigten Land⸗ wirten geplante erhebliche Milchpreiserhöhung glänzend ab⸗ zuschlagen, und später arbeitete er dadurch erfolgreich im Interesse der Konsumenten, daß er den Verkauf gewisser, im Haushalt viel und notwendig gebrauchter Artikel selber in die Hand nahm. Diese Organisation der Hausfrauen habe sich auch während der Kriegszeit bewährt, wo sie auf anderen Gebieten manches für die allgemeine Wohlfahrt habe leisten können. Die Rednerin schloß mit der Aufforderung an die Frauen, sich zusammenzuschließen und sich gemeinsam gegen die ungerechtfertigte Teuerung zu wehren. Ihre Ausfüh⸗ rungen wurden beifällig aufgenommen.— Frau Neumann als Einberuferin richtete die Aufforderung an die Frauen, recht zahlreich dem Hausfrauenverein beizutreten.— Die Diskussion beschränkte sich auf kurze Anfragen. Kommunale Kartoffelversorgung der Kriegsteilnehmer⸗ familien und der Unbemittelten. Wie die Kölner, so hat auch die Stadtverwaltung von Mainz beschlossen, den Familien der Kriegsteilnehmer bei der Beschaffung ihrer Winterkartoffeln behilflich zu sein. Es soll den Kriegsteil⸗ nehmerfamilien ihr Jahresbedarf in guten Industrie⸗Kar toffeln zuzm billigsten Tagespreis im Monat Oktober frei Haus geliefert und die Bezahlung dafür in Ratenzahlungen an den jeweiligen Unterstützungsbeiträgen in Abzug gebracht werden.— In Darmstadt wird die Stadtverwaltung Kartoffeln durch die Stadt nach einer vorherigen Zusammen⸗ stellung der von der Bevölkerung benötigten Menge beziehen, d. h. die Stadt wird den notwendigen Vorschuß leisten. Da es aber auch in Darmstadt Leute gibt, die nicht in der Lage sind, ihre Winterkartoffeln aufbewahren zu können, wird die Stadt mit verschiedenen Händlern Verträge abschließen, um für die Leute einen gleichmäßigen Kartoffelpreis wäh⸗ rend des Winters und des Frühjahrs zu ermöglichen. — Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Wehrmann Heinrich Hofmann aus Lützellinden, Inf. Regt. 222.— Füsilier Jean Frey aus Ehringshausen, Kr. Wetzlar, Lehr⸗Inf.⸗Regt.— Landsturmmann Hermann Lotz aus Echzell, Inf.⸗Regt. 118.— Musketier Karl Köhler aus Wahlen, Kr. Alsfeld, Inf.⸗Rogt. 222.— Ers.⸗Res. Karl Hildebrand aus Storndorf, Kr. Alsfeld, Res.⸗Inf.⸗ Regt. 81. — Wahlverein Gießen. Die am Montag abgehaltene Mit⸗ gliederversammlung hatte nur einen mäßigen Besuch aufzuweisen, was durch die zahlreichen Einberufungen erklärlich ist. Immerhin sind noch viele anwesend, die sehr wohl die Versammlung besuchen könnten, bedauerlicherweise aber meistens fehlen. Genosse Vetters sprach über„Gemeindestenern“, Redner zählte in seinen Aus⸗ führungen die hauptsächlichsten Einnahmequellen auf, die einer Ge⸗ meinde zur Verfügung stehen und beschäftigte sich dann eingehender mit den städtischen Finanzverhältnissen und dem diesjährigen Vor⸗ anschlag, der eine Erhöhung der Einkommensteuer um 30 Prozent brachte. Diese Erhöhung sei aber nicht in den Aufwendungen für die Kriegsfürsorge veranlaßt— diese werden vielmehr gesondert verrechnet— sondern sie war zum Ausgleich des städtischen Haus⸗ halts notwendig. Wären bei den städtischen Werken, besonders bei dem Elektrizitätswerk, die üblichen Abschreibungen vorgenommen worden, hätte schon längst eine Steuererhöhung kommen müssen. Mit der Einkommensteuer wurde natürlich im gleichen Verhältnis die Grund- und Vermögenssteuer erhöht. Von einigen, Stadt⸗ verordneten wurde der Versuch gemacht, diese Steuer im Verhält⸗ nis zur Einkommensteuer herabzusetzen, wogegen aber die Mehr⸗ heit stimmte. Es wäre dies in der Tat auf eine Mehrbelastung der Minderbemittelten zugunsten der Vermögenden hinausgelaufen. Redner besprach kurz noch das Oktroi, das als eine veraltete Steuer anzusprechen sei, durch welche den Einwohnern das Brennmaterial erheblich verteuert werde. Unser Antrag, die Verbrauchssteuer auf Brennmaterial zu beseitigen, fand bisher noch keine Gegen⸗ liebe. Die Filialsteuer steht mit nur 8000 Mark im Voranschlag: bei dieser haben wir es ebenfalls mit einer Steuer zu tun, welche auf die Konsumenten abgewälzt wird.— Große Aufwendungen der verschiedensten Art haben immer neue Anleihen nötig gemacht und dazu geführt, daß Gießen eine ganz bedeutende Schuldenlast aufweist, für deren Verginfung allein 943 000 Maxk aufgewendet werden müffen. Schulden sind immer lästig; nicht aber immer etwa eine Folge schlechter Wirtschaft. Wenn Anleihen zu Er⸗ richtung von Werken, die für die Folge Gewinn für die Stadt ver⸗ sprechen, aufgenommen werden, so läßt sich dagegen nichts ein⸗ wenden. Zu der hohen Schuldenlast der Stadt haben noch gahl⸗ reiche Grundstücksankäufe beigetragen, für viele Grundstlcke gibt es jetzt und vielleicht auf Jahre hinaus keine Verwertungsmöglich⸗ keit, die dafür aufgewendeten Kapitalien müssen aber verzinst wer⸗ den. Auch die Erneuerung des Straßenpflasters, sowie dle Schaffung der Ueberlandzentrale hat die Schuldenlast erheblich vermehrt. Wenn von den städtischen Werken vorsichtig gearbeitet werde, so kann immerhin noch ein günstiges Ergebnis erzielt wer⸗ den; wie freilich die riesigen Ausgaben für Kriegsfürsorgezwecke wieder aufgebracht werden sollen, darüber schwebt vorläufig noch tiefes Dunkel.— An diese Darlegungen schloß sich eine kurze Dis⸗ kussion, in welcher mehrere Redner die Stellungnahme des Genossen Vetters zur Hundesteuer, ffir deren Erhöhung er eintrat, nicht billigen.— Nach Erledigung einiger geschäftlicher Angelegenheiten schloß der Vorsitzende die Versammlung.. N Verbrannte Feldpostsendungen. Der Staatssekretär des Reichspostamtes Kraetke erläßt folgende Warnung: Am 5. Sep⸗ tember ist ein mit Feldpost für das Ostheer beladener Eisenbahn⸗ güterwagen auf der Strecke Berlin— Thorn in Brand geraten. Als der Brand auf einer Station bemerkt wurde, hatte er bereits oweit um sich gegriffen, daß fast die Hälfte der Ladung, etwa 200 Brief⸗ beutel mit rund 22 000 Fel dpostpäckchen, vernichtet waren. Ferner ist am 10. September in einem gleichfalls mit Feldpost für das Ostheer beladenen Eisenbahngitterwagen auf der Strecke Dresden⸗ Breslau Feuer ausgebrochen. Da das Feuer bald entdeckt und gelöscht wurde, konnte die von der Postsammelstelle in Hannover abgesandte, aus etwa 500 Briefbeuteln bestehende Ladung bis auf fünf Beutel mit etwa 500 FJelbdpostpäckchen, die vernichtet sind, ge⸗ borgen werden. Ein Teil der geborgenen Lodung, 54 Beutel, ist angebraunt. Nach dem Befunde ist in beiden Fällen Selbst⸗ entzündung von Streichhölzern oder Benzin als Ursache der Brände anzusehen. Auf das Verbot der Versendung feuer⸗ gefährlicher Gegenstände durch die Feldpost, wie Streichhölzer, Benzin, Aether, ist aus Anlaß früherer Brände wiederholt hinge⸗ wiesen worden. Das Publikum wird erneut auf das dringendste ersucht, im Juteresse der Allgemeinheit und insbesondere unserer heldenmütigen Kämpfer im Felde die Versendung solcher Gegen⸗ stände durch die Post unbedingt zu unterlassen. Jede zur Kenntnis der Postbehörden gelangende Zuwiderhandlung gegen dieses Ver⸗ bot, die nach§ 367 unter 54 St.⸗G.⸗B. strafbar ist, wird gerichtlich verfolgt. Kürbiskerne sind Oelfrüchte! Man darf jetzt in der Kriegszeit den inneren Teil des Kürbisses, welcher für menschliche Nahrung nicht taugt, nicht wegwerfen. Mau darf aber auch nicht das lockere Fleisch ganz in das Viehfutter wersen, sondern man muß die Kerne herauslösen. Die Kürbiskerne enthalten ein Fünftel bis ein Viertel des Gewichts an Oel. Würde man die Kerne mit dem lockeren Mark an die Schweine füttern, so wäre das ein Verlust; denn wenn man den Schweinen 100 Teile Nährwert gibt, geben sie nur 40 zurück. Man verwende deshalb möglichst unr Nähr⸗ stoffe zum Schweinesutter, überhaupt zum Viehfutter, welche der Mensch nicht brauchen lann. Das Kür biskernöl kann aber der Mensch vorzüglich gebrauchen. Aus den geschälten Samen gepreßt, ist es klar, hellgelb oder farblos, ohne Geruch, von angenehmem. süß⸗ lichen Geschmack und sehr dickflüssig, also gerade was volkstümlich settig oder ölig heißt. Deshalb müssen Kürbiskerne getrocknet und gesammelt werden. — Die Spielzeit des Stadithesters beginnt am 15. Oktober. Wie die Direktion bekannt gibt, werden wieder, wie int Vorjahre, zwei Abonnements zu je 15 Vorstellungen eingerichtet, am Dienstag und am Freitag. Es ergeht das Ersuchen an die Bürgerschaft, das Theater möglichst zu u nterstützen und namentlich die früher gehabten Abonnements für diese Spielzeit wieder zu erneuern.. 0 Von Nah und Fern. Bestrafte Lebensmittelwucherer. Die Strafkammer in Magde⸗ burg verurteilte die Frau Oberamtmann Pfannenschmidt in Hein⸗ richsdorf zu 2000 Mark Geldstrafe, weil sie an zwei Händler Kar⸗ toffeln über den Höchstpreis verkauft hatte. Die beiden Händler er⸗ hielten je 100 Mark Geldstrase. Zwölf junge Pferde erstickt. Auf dem Bahnhof von Norden sind in einem Waggon 12 junge Pferde, dem Händler Seligmann aus Wirdum gehörend, erstickt. Der Schaden beträgt etwa 18000 Mark. Die Schuld soll auf Unvorsichtigkeit des Verladens zurückzu⸗ führen sein. 5 Schweres Unglück bei einer Kletlerpartie. Am Sonntag hat sich in der Sächsischen Schweiz, im Gebiete des bekannten Bastei⸗ felsens ein schweres Unglück zugetragen. Bei einer Kletterpartie ind sechs Kletterer abgestürzt: vier davon sind bald darauf an den Folgen des Sturzes gestorben, während zwei schwer verletzt sind. Die Verunglückten sollen junge Leute sein aus Dres⸗ den, die jefenfalls im Klettersport unerfahren und ungeübt waren. — Warunt muß auch unbedingt auf die steilen Sanmdsteinfelsen hinausgeklettert werden? Tages bericht des Großen Haupttuartiets. Der Sappenlrieg im Westen. Hindenburgs Zange schließt sich. W. B. Großes Hauptquartier, 21. Sept., vorm.(Amtlich.] Westlicher Kriegsschauplatz. Im Abschnitt Souchez-Arras unterhielt die französische Artillerie fast ununterbrochen starkes Feuer. In der Gegend von Neuville kam es zu Handgranaten⸗ kämpfen. 0 Das gestern in Trümmer geschossene Schleusenhaus von Sapigneul(am Aisue Marne⸗Kanal nordwest⸗ lich von Reims) wurde nachts nach Sprengung der Ueber⸗ reste planmüßig und ohne Berührung mit dem Feinde vom uns geräumt. Westlich von Perthes(in der Champagn e) und in den Argon nen wurden mit Erfolg Minen in der feind⸗ lichen Stellung gesprengt. Mehrere Handgranatenangriffe am Hartmanns weiler Kopf wurden abgewiesen. 1 Oestlicher Kriegsschauplaßtz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. Die Truppen des Generalobersten v. Eichhorn sind nord⸗ westlich und südwestlich von Oschmiana im fortschreitenden Angriff. Der rechte Flügel der Heeresgruppe erreichte unter hart. näckigen Gefechten die Gegend östlich von Lida bis westlich von Rowo Grodek. d Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Der Uebergang über den Molozadz bei und südlich Dworzec ist erzwungen. Weiter südlich gelangten unsere Truppen unter Ver⸗ folgungskämpfen bis in Linie südöstlich Molcezadz Nowo Jamysch— Ostrog. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen. Die Lage ist unverändert. e Südöstlicher Kriegsschauplaß. Bei den deutschen Truppen hat sich nichts ereignet. Oberste Heeresleitung. Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht„ eiche Wien, 21. Sept.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart,„ Al. September 1915: Russischer Kriegsschauplatz. Ernente russische Angriffe auf unsere Stellungen im Raume östlich von Luz k wurden abgeschlagen. An der Ikwa zersprengte das Kreuzfeuer unserer Batterien einige feindliche Abteilungen, die auf dem Westufer des Flusses festen Fuß zu fassen versuchten. Sonst verlief der gestrige Tag im Nor dosten ruhig. Die Lage ist völlig unverändert. 5 Italienischer Kriegsschauplatz. In Südtirol eröffneten unsere schwersten Geschütze das Feuer gegen die vom Feinde belegten Ortschaften, sowie gegen seine Stellungen und Batterien im Raume von Seravalle nördlich von Ala. Vor unserer Grenzstellung auf dem Coston(Hochfläche von Vilgereuth) wurden die Jtalienen wie immer abge⸗ wiesen. Ein feindlicher Doppeldecker warf auf Trient hö ch st einfältige Flugschriften aus der Feder des Leutnant Gabriele d Annunzio ab. An der Kärntner Front hat sich nichts von Bedeutung ereignet. N Im Raume von Flitsch ist nun nach den vollständig ge⸗ scheiterten italienischen Angriffen der vergangenen Woche wieder Ruhe eingetreten. Nur die feindliche Artillerie feuert noch weiter. An den anderen Teilen der küstenlänbdischen Front be⸗ schränkte sich die Kampftätigkeit gestern auf Geschützfeuer und kleinere Unternehmungen des Schützengrabenkrieges. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Unsere Artillerie störte serbische Befestigungsarbeiten an der unteren Drina. Sonst nichts Neues. e Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnant. Stier und Walfisch. Der amerikanische Journalist White, der eine Reise durch die . Länder gemacht hat, erklärte einem Vertreter des ally Chronicle: „Ich gehe nach Amerika zurück, um den Amerikanern mitzu⸗ teilen, daß der Krieg unentschieden enden muß. Ich bin überzeugt, daß die englische Flotte unbesiegbar ist, aber das deutsche Heer bei Hissarlik. die betäubende Gase verbreiten. der Schiffe auf die Schiffe; er verlor dr soviel. den beladenen Der Seekrieg. Reuter meldet den, ist gesunken. hatte 1434 Tonnen vor, die Zahlung von Parlamentsdiäten dauer einzustellen. friedenheit über diesen Vorschlag. daß die Parlamentsmitglieder, die Mitte U 9. 7 . 16 ebenfalls. Ich kann nicht einsehen, wie Deutschland zur See siegen, 2 5 Frankreich.„ a) bei hiesigen Arbeitgebern: 5 . aber ebensowenig, wie England zu Lande einen Sieg davontragen Der englische Arbeiterabgeordnete und Sekretär der 1 landw. Arbeiter, 1 Maschinenschlosser, 3 Bauschlosser, 1 N 11 +— 2 7 4 7 1 0 12 22 N 9 2 ohne, daß eine der 5 1 zu Lande] Stahlarbeiter Hodge begab sich am 18. September nach] Spengler, 1 Kraftfahrer für die städtische e Müller, dee eon dinake un dete Keen ar ehen dauef Franterh en dere wertete leer die enanschen arten See eee, e e e 10 zwischen einem Stier und einem Walfisch vergleichen.“ leistungen zu halten. Am 19. sprach er in einer sozialistischen VVV 5 b 7 7 3 Versammlung in Paris, in der Eduard Vaillant den Vorfitz 2 landwirtschaftliche Arbeiter, 1 junger Arbeiter für Molkerei, 0 155 Die Zeppelinaugrisse auf London. führte. Bei seinem letzten Besuche in Frankreich im Monat 1 Knecht für Baugeschäft, 2 Schreiner, 1 Kraftfahrer, 5 Maschinen⸗ * Newyork, 21. Sept.(W. B. Nichtamtlich.) Der Privat⸗ schlosser, 1 Spengler, 1 Bäcker, 20 Maurer. 22 Zimmerleute, 20 korrespondent des W. T. B. meldet durch Funkspruch: Augen⸗ zeugen des Zeppelinangriffs auf London am 8. September, versenkte ihn gerade vor dem Hafen von O An den anderen Fronten keine Veränderung. hat sich nichts ver⸗ unsere anatolischen Batterien wirksam den Posten von Mortoliman, ferner feind⸗ liche Truppen bei Sedd⸗ül⸗Bahr und feindliche Artilleristen Der Feind gebraucht für die schweren Geschütze Geschosse, Am 19. September nach⸗ mittags landeten zwei feindliche Schiffe, die ein Segelschiff begleitete, 50 Soldaten bei Bozburru, südwestlich Nermeris. In dem darauf entstehenden Gefecht mit den Küstenwachen flüchtete der Feind trotz der Unterstützung durch das Feuer ei Tote, wie Die feindlichen Soldaten nahmen bei ihrer Flucht Sachen aus den an der Küste gelegenen Häusern mit. Ein Teil der osmanischen Seemacht torpedierte englischen Dampfer„Patagonia“ und dessa. aus Lowestoft: Das Dampfschiff„Hor⸗ Die Besatzung ist gerettet.—„Horden“ Inhalt und gehörte nach New Castle. Aus Enkhuizen wird berichtet: Die Fischerschute„E. H. 110“ lief in der Nordsee auf eine Mine und sank. Abschaffung der Parlamentsdiäten iu England. Der Sparsamkeitsausschuß des englischen Parlaments schlägt während der In der Arbeiterfraktion herrscht n Es besteht jedoch die Aussicht, viel llosigkeit nach können, auch fernerhin ihre Diäten ausbezahlt erhalten werden. Kriegsagitation englischer Arbeiterführer in August wurde Hodge von Poincaré empfangen und erzählte ihm von den Anstrengungen, die die englische Arbeiterklasse macht, um dem Vierverbande zum Siege zu verhelfen. Kriegs⸗ Die Marktpreise für Vieh und Frucht f und die Gießener Fleisch⸗ und Brotpeeise am 20. Septemb Schlachtviehpreise in Frankfurt a. M. Sleischvreise h — 1% kg 116120 Nfg. Ochsen 50 kg Schlachtgewicht 110140 Nkk. f Kälber ½„ 8 115137 Pf%„ 114118 Schweine ½„ 0 160190„ ½„180— 000„ Getreidepreise in Mannheim. Brotpreise in Gießen 100 Kg 2700 Mk. Höchstpreis Weißbrot 2 kg Nfg. 15 25 23.00 Höchstpreis Schwarzbrot 2„ 68„ Bekanntmachung. Aus der Lotz⸗Leug⸗Stiftung kommen am 11. November 1015 die Jahreszinsen für 1915 mit 1911,47 Mark an bedürflige, arme Witwen und Waisen zur Verteilung. Weizen Roggen eben⸗ 30. September 1915 Gießen, den 21. entgegen. 0 September 1915. Der Oberbürgermeister: (Armen verwaltung). Keller. Städtischer Wohnungsnachweis Gießen. Es sind zu vermieten: 5 5 1 Haus zum Alleinbewohnen, 10 Zimmer, Bad, Küche und Zu⸗ J herrxschaftliche Wohnungen von 6 Zimmer, 7 Wohnungen von 5 Zimmer, 8 Wohnungen von 4—5 Zimmer, 2 Wohnungen von 3 Zimmer, 1 Wohnung von 3 Zimmer mit oder ohne Laden, 3 Woh⸗ nungen von 2 Zimmer, 5 Wohnungen von 1 Zimmer, 2 Ladenräume mit je t Zimmer, 1 Lager- oder Fabrikraum, 3 Lagerräume mit 1 Arbeitsraum, 9 möblierte Zimmer, davon 2 nebeneinander⸗ liegende, 2 leere Zimmer, 2 Stallröume mit Burschenstube. Zu mieten gesucht: 20 Wohnungen von 1—7 Zimmer. Unzu⸗ weisen Städtischer Arbeitsnachweis Gießen. f Es können eingestellt werden: 6 Arbeiter für Fabrik. Es suchen Arbeit: Anmeldungen nimmt das Städtische Armenamt, Asterweg 9, bis behör, 1 herrschaftliche Wohnung von 7 Zimmer mit Zentralheizung, 5 1 4 ö Taglöhner, 15 Wärter für Heil- und Pflegeanstalt, 1 junger Kellner, 4 9 i die mit den Dampfern„Orduna“ und„Rotterdam“ in N 1 Oberschweizer, 1 Kraftfahrer, 1 Kesselschlosser, 1 Geschirr⸗ 17 Philadelphia eingetroffen sind, schildern eingehend den hier⸗ Bekanntmachung jattler, 1 Schneider, 2 Schuhmacher, 1 Heizer oder Maschinist, f 0 bei angerichteten Sachschaden, dessen Umfang die englische 5 5 85. 5 1 kaufm. Lehrling, 1 Burcaugehilse, 1 Kutscher, 1 Bülfettfräulein, 17 1 Zensur bisher geheimgehalten hat. Die Augenzeugen er⸗ Leseholzuutzung in den Staats⸗ und Gemeindewaldungen. Nach⸗ 10 Putz⸗ und Lauffrauen. 8 Arbeiter, 2 Bitglerinnen, 2 Lehr⸗ 95 lä ine Zeppelinb 15. 5 0 dem sich das Bedürfuis für die Erweiterung der Leseholz⸗Nutzung mädchen für Schluhgeschäfte, 1 Mädchem für Zigarrengeschäft, Gren eine Zeppelinbombe habe fast einen ganzen Block von auf wöchentlich zwei Tage ergeben hat, ist von Großh. Oberförsterei] 3 Dienstmädchen. a 1 Lagerhäusern mit Kriegsmunition zerstört. Der Sachschaden Gießen angeordnet worden, daß bis auf weiteres Mittwoch und Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. 1 in der im Engros⸗Schnittwarenviertel gelegenen Woodstreet] Freitag jeder Woche Leseholztage sind. i 90 Gießen, den 10. September 1915. betrage allein 10 Millionen Dollars. werde auf 100 bis 150 geschätzt. Die Zahl der Toten Der Oberbürgermeister: J. V.: Grünewald. Druck: Verlag Bulgarien macht mobil! 5 Berlin, 21. Sept.(W. B. Nichtamtlich.) Die Königl. bulgarische Gesandschaft in Berlin bringt zur Kenntnis aller im Deutschen Reiche sich aufhaltenden bulgarischen Staats- ungehörigen, daß die Königl. bulgarische Regierung heute, am 8.(21.) September die allgemeine Mobilmachung ange⸗ ordnet hat. Infolgedessen werden sämtliche bulgarischen Staatsangehörigen, die sich in Deutschland befinden und militärpflichtig sind, aufgefordert, sich unverzüglich nach der Heimat über Wien oder Rumänien zu begeben. Um etwaige nähere Auskünfte über die allgemeinen Dinge können sich die bulgarischen Staatsangehörigen mündlich oder schriftlich an die Königl. bulgarische Gesandtschaft in Berlin, Kur⸗ fürstendamm 27, wenden. f g Aufregung in Griechenland. T. U. Athen, 21. Sept. Hier hat sich eine große Auf⸗ Pfund 28 Pfg. Kabeljau, Pfund 30 Pfg. mittel⸗ groß regung der ganzen öffentlichen Meinung bemächtigt, weil die Schellsisch in Gelee g 10 Aktion der deutschen und österreichisch-ungarischen Armeen 5 5. 100 0 gegen Serbien als unmittelbar bevorstehend betrachtet wird. ase 2 9 1 Pfuud⸗Pose 65 4 l Wi 70085* 5 905 5 5 2 Pfund 3. Feldpostvers. 00 ie festzustellen ist, besteht über Venizelos ententefreund— Feinste frisch e e 0 19 1 980* 15 1 mehr. Die oppositionellen geräucherte Bückinge 2 Stück 25 n Kreise, die ständig an Boden gewinnen, sind der Ansicht, daß 5 08 8 der Gegensatz zwischen dem König und Venizelos wieder her— Neues Sauerkraut Pfund 139 worgetreten sei, und geben diese Ansicht durch ihre Presse kund. Die Freilegung der Straße Berlin—Konstantinopel, Neue Zwiebeln 3 uud 40 die auch für Griechenland die Entscheidung bringen dürfte, würde deshalb, wenn Venizelos seine Politik nicht vollständig ändert, hier wahrscheinlich zu einem Kabinettswechsel führen. Die rumänische Greuzsperre durchbrochen. 9 Aufläufen u. dergl.. Magnet⸗Speisenmehl zur Bereitung von Puddings, e 5 Pake 89 04 8— U. Sofia, 21. Sept. Das Prinzip der Grenzsperre für die a Eipulver bester Ersatz für frisches Hühnerei 1 Einfuhrgüter aus den Zentralstaaken und Rumänien wird zwar 10 15 60 9 1 5 anz wurde 1 700 einzelnen Fällen bereits mehrfach Paket 9 3. 2 „ durchbrochen, anderseits hat sich auch Rumänien dazu bequemt, das 5 2 f ur Selbstbereitu * 9 im Vorfahre durch die Zentralmächte eingekaufte Getreide endlich Honigpulver 5on Kunsthonig Palck 9. 0 n für den Durchgangsverkehr zwischen den 0 110 Zentralmächten und Bulgarien und Griechenland sowie der Türkei i frisch“- i iirfel 10 Erleichterungen eintreten zu lassen. i„Citroneufrisch 8 Limonadenwürfel 5 2 7 1 geben durch einfaches Auflösen in Wasser eine 4 „ Der türkische Tagesbericht. erquickende Limonade.... Würfel 6 5 19 0“ Konstantinopel, 21. Sept.(W. B.) Das Hauptquartier n 1 empfehlenswert 1 den Felbppübersaud. i meldet: An der Front von Irak machten wir am 19. und 5 Citronen⸗Mof e de 8 9 E 15 20. September einen Feuerüberfall auf ein zu beiden verkochter und mit Ameifensäure konser . i Seiten des Flusses gelegenes feindliches Lager und auf Citronensaft. Vorzügliches Erfrischun e Motorboote des Feindes. Die Mannschaft einer feindlichen 98 Liter⸗ 95 1 J Liter⸗ „ Artillerie-Patrouille wurde getötet und Pferde, Waffen und Flasche 9] Pfg. Flasche . Munition erbeutet. Ein Motorboot wurde in den Grund 1 geschossen.. l An den Dardanellen bei Anaforta hat sich nichts 1 10 ereignet. Bei Ari Burnu lenkten wir am 19. September 6 unser Feuer auf zwei feindliche Geschütze, die östlich von Ari 1 Burnu aufgestellt waren, erzielten Volltreffer und brachten 1 6 den fliehenden feindlichen Artilleristen 0 schwere Verluste bei. Am gleichen Tage beschossen wir bei Ari Burnu ein feindliches Schiff, auf dem wir einen Brand hervorriefen. Ebenso beschossen wir einen Schlepper, der von Truppentransportschiffen begleitet war, die bei Kabatepe Ladungen löschten. Er wurde getroffen. Beide Schiffe zogen sich nach der Insel Imbros zurück Verkaufsstellen: Bahnhofstrasse 2 58 Pig. kleine Feldpostflasche 48 Pfg. Strasse 20, Walltorstrasse 24. bierter reiner igsgetränk Ludwig elsgesellschaft Sturmvogel f Gebr. Grüttner: Berlin⸗Haleusee 14. e — Deutsche Hand * N DDD Wir suche zum sofortigen Eintritt einen jungen Mann im Alter von 14—16 Jahren als Eepreßbote. Demselben ist Helegenheit geboten, sich in allen Bureau⸗Rrbesten auszubilden. Hute Fandschrift Bedingung. f Oberhessische Dolks zeitung Bahnhofstraße 23. S Giessen Bahnhofstrasse 31 Telephon 2077 Grösstes, elegantestes und modernstss Alteisen, Lumpen, Vadler. 81 15 ln Kuvchen, 5 b fer, Messing, Zink, dun, Ble', bei 8 eue Fuhenberger Lichtspiel-Theater 1 f Neu uweg 22. Am Platze f 5 S 5 0 Huutkrankre. Flechten, Lusschlag, Jungen, Krätze, 88 7 3 195 heel Vene, 8 0 Hämorrhoiden. 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