Fomwno soll fast die ganze Bevölkerung Hebiete, freilich sind große Teile von ihm Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Die Oberhessische Volkszeitung erscheint jeden Werktag Abend in Gießen. Der Abonnementsbpreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich 80 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl. 1.80 Mk. Redaktion und Expedition Gießen, Bahnhofstraße 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Inserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 219 Gießen, Samstag, den 18. September 1915 Die Völkerwanderung in Rußland. Von Dr. Paul Lensch. f Der jetzige Krieg hat uns ungeheure Exeignisse gebracht, viele, je man in den Zeiten des Friedens nicht für möglich gehalten. ber das Entsetzlichste, das er uns bietet, ist der Anblick er entvölkerten Westgebiete des russischen Reiches. 1 Seit dem siegreichen Vorrücken der verbündeten Armeen am Zug, Weichsel und Narew hat die russische Heeresleitung ein System beschlossen und durchgeführt, das darin besteht, die preis— egebenen Dörfer und Städte zu verbrennen, die Ernte zu N ernichten⸗ die Brunnen zu verschütten, jede menschliche nd tierische Behausung dem Erdboden gleich zu machen, die gevölkerung aber zwangsweise davon zuführen, weit veg ins endlose Rußland, wo sie irgendwo sich ein Unterkommen juchen möge. 1 Man stelle sich vor, was das heißt! In der Absicht, dem nach⸗ fückenden siegreichen Feinde das Weiterkommen zu erschweren, legt ian eine Wüste zwischen die beiden Heereslinien. Und die Be— kerung des eigenen Landes ist es, deren Boden man zur b öde verwandelt und die man selber als Bettler ins Elend jagt. In endlosen Zügen auf grundlosen Wegen, durch Wald, Morast ind Heide wandern augenblicklich Millionen unglück⸗ icher Menschen, auf wackeligen Karren, hochgepackt den ermseligen Hausrat, mit Weibern und Kindern, in Herbstnebel ud Sprühregen dahin. Tausende sterben unterwegs. Andere berden in Eisenbahnen verfrachtet; im plombierten Viehwagen, gen sie also auf ihren langsamen stundenlangen Fahrten nicht ver⸗ gassen können, werden sie abgeschoben. Aber ihre Fahrtausweise gelten nicht für weite Strecken. Aufs neue müssen sie den Kampf m neue Fahrkarten führen: denn die Schalterbeamten wollen auch eben, und wer am meisten zahlen kann, hat Hoffnung, am ersten eitergeschoben zu werden. Jeder betrachtet die Vertriebenen als jöchst geeignetes Objekt seiner Bereicherungsgelüste, die letzten mit⸗ senommenen Zehrgroschen preßt man ihnen ab. Und wenn sie bis uf den letzten Heller ausgeplündert sind, stoßen sie allenthalben tuf feindselige Blicke. Jede Stadtverwaltung sucht die ungebetenen häste möglichst schnell wieder los zu werden, jeder Bezirk sie abzu⸗ hieben. Sie sind ja nicht Russen, sie sind Fremdvölker, holen, Litauer, Esthen, auch Letten, deren Sprache man nicht ein— bal versteht und die auch nicht den richtigen orthodoxen lauben haben. Nur fort, immer weiter! Familien werden rück⸗ schtslos auseinander gerissen, auf Nimmerwiedersehen. Wer will n dem großen Rußland bei den riesigen Entfernungen und der frenzenlosen Verwirrung dieser kopflosen Flucht den Eltern sagen, ho ihre Kinder geblieben sind, wer den Kindern, wohin ie Mutter oder der Vater geraten? Und damit nicht genug! Dem Schwarm des Elends und der erzweiflung folgt als ein düsterer Schatten die Seuche, beson⸗ ers die Cholera, und fordert ihre Opfer. Was Wunder. henn die Bauern der Dörfer, durch die der traurige Zug geht, den 4 uc feindselig entgegentreten, die Brunnen rschütten und so den Flüchtlingen nur das faulige Wasser r Lachen in Straße und Wald zum Trinken und Tränken über⸗ lssen! Auch die Klöster, reich an Gold und Grundbesitz, ver⸗ schlossen sich ihnen und mußten erst von den Behörden gezwun⸗ gen werden, ihre meist weiten Gebäulichkeiten zur Unterkunft zur Jerfügung zu stellen. In einzelnen Städten hat man Baracken ii errichten begonnen, aber was sind zween Fische für fünftausend Fungrige? f Ueber die Zahl der Vertriebenen wird man wohl nie was Zuverlässiges erfahren. Die erste und bisher letzte Volks⸗ jfihlung wurde in Rußland am 9. Februar 1893 vorgenommen, also vor 18 Jahren. Damals hatte Polen eine Bevölkerung von 4 Millionen Menschen, und Polen ist nur eins der geräumten den Deutschen in die ande gefallen, bevor die grauenhafte Taktik des Volk⸗ und Land⸗ terwüstens von den Russen durchgesetzt wurde. Doch sind in⸗ zwischen im Norden Litauen, Kurland und teilweise schon Livland, in Zentrum die Gebiete von Wilna bis zur Poljesje und im güden schon Wolhynien als Räumungsgebiete hinzugekommen. Laß unter diesen Umständen die Zahl der Vertriebenen bereits eit in die Millionen geht, ist sicher anzunehmen. Eine Etadt wie Brest⸗Litowsk, die vor dem Kriege über 50 000 Menschen zihlte, hatte nach der Eroberung nicht einen einzigen mehr. War⸗ dau soll die Hälfte seiner Bevölkerung von rund 800 000 Köpfen ugebüßt haben, aus den Gouvernements Lublin, Suwalli und von den Russen fortge⸗ lieben worden sein. Riga, eine Stadt von mehr als 300 000 Men⸗ hen, soll schon jetzt, wo sie sich noch in den Händen der Russen be⸗ indet, die reichliche Hälfte seiner Bevölkerung verloren haben. Zabei fordert, wie gemeldet wird, die lettische Presse ganz offen hezu auf, die Auswanderung nicht mitzumachen, sondern lieber in Ruhe abzuwarten. Die Letten heben eben inzwischen das furchtbare Elend mitansehen können, 1 7 von Haus und Hof Vertriebenen im weiten Rußland be⸗ börsteht. Die russische Regierung hat, soviel man vernimmt, sich bemüht, bie Vertriebenen in den einzelnen Gouvernements unterzubringen, robei man bisher aber nur einige Angaben aus den Gouperne⸗ bents des Ostens zur Verfügung hat. Nach Pambow und Kostrowa len je 100 000 Flüchtlinge überwiesen worden sein, obwohl die ktädte dieser Bezirke zusammengenommen nicht einmal so viel Enwohner zählen. Nishun⸗Nowgorod, eine Stadt von 109900 Enwohnern, hat 100 000 Flüchtlinge zugewiesen erhalten. Man enn sich denken, wie fürchterlich das Elend unter diesen Verhält⸗ issen sein muß. Und das nun am Ziel der„Reise“, wo gewisser⸗ 9 baßen für die Vertriebenen gesorgt wird!— Nun liegen diese 9 din Einmarsch der Deutschen 0 9 4 9 N 0 0 kezirke schon mehr als tausend glometer hinter der Front. Aber bemit nicht genug. Bis nach Sibirien hinein schleppt man die Un“ glücklichen, wie man aus den Verhandlungen der Duma entnehmen knnte, die sich scharf dagegen aussprach, daß man den Interessen ir Großgründbesttzer und andustriellen Sibiriens zuliebe diese 1 Revolutionäre Zwangsverschickungen soweit ausdehnte, damit die Vertriebenen dort billige Arbeitskräfte abgeben könnten! Eine derartig grauenhafte Kriegführung war noch nicht da und nur ein Barbarenstaat wie das zari⸗ stische Rußland ist ihrer fähig. Dabei ist es ein ganz abgeschmackter Gedanke, mit dieser Mordbrennerei etwa das Beispiel von 1812 wiederholen zu wollen und die deutschen Armeen zum Lande hin- ausräuchern zu können, wie man Napoleon hinausgeräuchert zu haben vorgibt. Wir sagen: vorgibt. Denn in Wahrheit hat Napoleon nicht durch die Verbrennung Moskaus den russischen Feldzug verloren, sondern durch die liederliche Intendantur seines Heeres und die schlechten Etappenverbindungen, die schon auf dem Hinmarsch das Heer und seine Disziplin aufzulösen drohten. Im Zeitalter der Eisenbahnen und der Automobile ist aber eine solche Taktik doppelt sinnlos und verbrecherisch. Aber was damals, in den Zeiten rückständigster Naturalwirtschaft verhängnis— mäßig leicht vom Lande ertragen werden konnte, das schsägt jetzt, wo in den Städten des Reiches der Kapitalismus sich auszu⸗ breiten begonnen hat, dem Lande schwere Wunden. In Polen hat Rußland das intensivste Industriegebiet verwüstet, über das es zu verfügen hatte. Die vom heimischen Boden abgerissene und über alle Gebiete des ungeheuren Reiches zerstreute Bevölkerung aber wird am gründlichsten Aufklärung über das kriegerische Geschick Rußlands allenthalben verschaffen. Es sind wandernde Zeugen des russischen Zusammenbruchs. Und so sicher ist Väterchen Zar nicht mehr seiner Sache und so fernab von jeder Gefahr revolutionärer Erschütterungen, daß er das Zeugnjs dieser Unglücklichen nicht zu fürchten hätte. 0 0 0 Ein Antialkoholgesetz in Frankreich. Unser französischer Korrespondent schreibt uns vom 11. Sept.: Der Krieg hat in Frankreich die Alkoholbekämpfung in Fluß gebracht, die sich bisher an den Widerständen der interessierten Schichten gebrochen hatte. Die eigentümliche Lagerung der Alkohol⸗ produktion und des Alkoholgenusses in Frankreich hat es bewirkt, baß gerade der Krieg, dem man eine Förderung des Alkohol⸗ konsums nachsagt, dessen Bekämpfung erleichtert hat. Wenn man in Frankreich von Alkoholkonsum spricht, meint man damit den„künstlich“ erzeugten Alkohol aus Melasse, Korn, Kartoffeln ufw. Wein(auch Bier) und den daraus gebrannten Likören, sowie Kognak, Apfelwein und den aus Obst gebrannten, Likören, werden zu den„natürlichen“ Alkoholgetränken gerechnet. Diese etwas willkürliche Unterscheidung hat ihre Ursache in dem Tatbestand, daß der„künstliche“ Alkohol sast ausschließlich in Nordfrankreich erzeugt wird, während der„natürliche“ Alkohl, so⸗ weit er aus Wein gebrannt wird, aus Süd- und Südwest⸗Frank⸗ reich stammt. Der aus Obst gezogene Alkohol kommt in der Haupt⸗ sache aus West⸗Frankreich und zwar aus der Normandie. Der Absinth schließlich kommt— oder kam— aus der Gegend von Pontarlier an der Schweizer Grenze— Die Fabrikanten des„natürlichen“ Alkohols sehen in dem „künstlichen“ Alkohol einen unlauteren Konkurrenten. Folglich haben sie immer dessen Schädlichkeit nachzuweisen gesucht. Ein an⸗ deres Argument der„natürlichen“ Alkoholiker besteht darin, daß der„künstliche“ Alkohol den Kognak und die berühmten französi⸗ schen Liköre(die„natürliche“ Produkte sind, weil sie aus Weingeist und allerlei Kräutern gebrannt werden, ohne chemische Zutaten), im Ausland in Mißkredit bringe und die„künstlichen“ Nach⸗ ahmungen im Auslande fördert. Die Gelehrten, je nachdem sie aus der„künstlichen“ oder aus der„natürlichen“ Alkoholgegend stam⸗ men, differieren vielfach in der Beurteilung der Schädlichkeit der beiden Gattungen, insofern als die einen den„natürlichen“ Alkohol für ebenso schädlich halten wie den„künstlichen“, während die an⸗ deren den„künstlichen“ für allein gesundheitsschädlich erklären. Nun hat der Krieg u. a. zunächst den Belagerungszustand gebracht, der Versammlungen und Manifestationen erschwert, wo nicht un⸗ möglich macht. Außerdem sind die meisten Alkoholvertilger und ein erheblicher Teil der Alkoholerzeuger und ⸗Händler mobilisiert. Schließlich ist der Kriegsschauplatz Nordost-Frankreich— die Hei⸗ mat des„klinstlichen“ Alkohols— wovon ein erheblicher Teil unter feindlicher Okkupation steht. Daraus resultiert, daß den Alkohol⸗ verbreitern im allgemeinen die Beeinflussung des Parlaments er⸗ schwert ist, während den„künstlichen“ Alkoholikern jede Kund— gebung überhaupt unmöglich gemacht ist. Daraus haben die„natürlichen“ Alkoholiker Nutzen zu schlagen gewußt. Als geschickte Taktiker gingen sie zunächst dem Absinth zu Leibe, über dessen Schädlichkeit es nur eine Meinung gibt. Dem Absinth wurde ohne weiteres der Kragen umgedreht. Die Fabri⸗ kation, Einfuhr, wie der Verkauf von Absinth sind radikal verboten worden. Von diesem Erfolg etwas berauscht— wenn man so sagen darf— schlugen die unentwegten und konsequenten Antialkoholiker vor, daß der Verkauf von Alkohol, der einen gewissen Stärkegrad übersteigt, verboten werden soll. So hatten die„natürlichen“ Alkoholiker aber nicht gewettet. Was sie wollten, war die Be⸗ seitigung eines unbequemen Konkurrenten, aber beileibe nicht die Beseitigung des Schnapses, soweit er„natürlich“ ist. Und die Antialkoholiker wurden geschlagen. Nun hat der Finanzminister einen Gesetzentwurf eingebracht, der aus ebenso„natürlichen“ Motiven entspringt. Es soll näm⸗ lich, unter dem Scheine der Alkoholbekämpfung, mit Hilse der „natürlichen“ Alkoholiker, dem Staate eine Einnahmevermehrung bringen. Er beseitigt zunächst das„Privileg der Hausbranntwein⸗ brenner“. Ein Gesetz gestattet nämlich den Bauern die steuerfreie Erzeugung von Obstbrauntwein, soweit er zum Haus ver⸗ brauch dient. Dieses Privileg erleichtert nicht nur den„Be⸗ trug“ des Fiskus, es fördert besonders den Alkoholgenuß. In der Normandie, wo die„häusliche“ Branntweinerzeugung besonders im Schwung ist, hat der Alkohol seine größte Verbreitung. Der Schnaps, der aus den Resten der Aepfel und Birnen, die zu Aepfel⸗ und Birnenwein verarbeitet werden, erzeugt wird,„kostet ja zetterzeichen in nichts“. So besäuft sich die ganze Familie. und die Kinder saugen 10. Jahrgang tußland. buchstäblich den Alkohol mit(nicht etwa„schon in“) der Mutter⸗ milch ein. Der Gesetzentwurf schlägt also die Beseitigung dieses Ver⸗ giftungsprivilegs vor. Im wesentlichen schlägt er dann eine Ex⸗ höhung der Alkoholsteuer auf 500 Fr. pro Hektoliter reinen Alkohols vor, mit einem weiteren Zuschlag von 100 Fr. für den „künstlichen“ Trinkalkohol, dem außerdem eine Reihe anderer Be⸗ schränkungen auferlegt werden, die ebenso viele Begünstigungen des„natürlichen“ Alkohols sind. Schließlich— und das ist die be⸗ deutfamste Maßregel— wird die Denaturierung und der Verkauf von denaturiertem Alkohol zum Staatsmonopol erhoben. Man hofft dadurch nicht nur eine Erhöhung der Staatseinnahmen, sondern eine Regularisierung des Preises, was den industriellen Verbrauch fördern würde. Damit hofft man die„künstlichen“ biese davon denken, wissen wir Alkoholiker zu entschädigen. Was 80 n i a nicht. Wir würden uns nicht wu„wenn sie sich in ihrer Zwangslage als verkauft und verraten betrachten. 059 3 ee i 5 Maxim Gorki für den Frieden. Marim Gorki, der sich augeablicklich in Moskau aufhält, hat kürzlich auf einem Diskutierabend der großen Studentenver⸗ einigung„Swobodnoje Slowo“ das Wort ergriffen und sich für einen Frieden mit Deutschland ausgesprochen. Nach einer Buka⸗ rester Mitteilung der Kreuzztg. hatte die Rede des russischen Dichter halt: „Wir müssen en, ber furchtbaren Gefahr, in der unser Vaterland augenblicklich schwebt, unerschrocken in die Augen zu sehen. Es ist nicht mehr zu leugnen, die russischen Heere sind vollständig geschlagen. Sie befinden sich auf der Flucht, von einem geordneten Rückzug kann gar keine Rede sein Die Uebermacht des deutschen Heeres ist klar erwiesen. Nie wird e⸗ unseren Soldaten gelingen, den Vormarsch der Deutscher aufzuhalten. Es ist ein lächerlicher und absurder Ein⸗ fall, das Volk auf das nüchste Frühjahr zu vertrösten, in der Hoff. nung, daß in den Wintermonaten die fehlende innere Organisatior Rußlands geschaffen werden soll. Es klingt wie Hohn! Eine Arbeit, zu der das überlegene Deutschland Jahrzehnte gebraucht hat sollen wir in acht Monaten leisten! Deutschland wird den Winter auch nicht nutzlos verstreichen laffen. seine Ueberlegenheil wird im kommenden Frühjahre noch bedeutender sein als jetzt. Die innere Befreiung und Organisation in Rußland könnte viel⸗ leicht einmal die Frucht dieses Krieges für Rußland sein. Der russische Bauer, das russische Volk haben in diesem Kriege nich! versagt. Rußland hat mehr geleistet als seine Bundesgenossen! Der russische Soldat hat immer, sobald er die geeignete Führung hatte, tapfer und hingebend gekämpft, er hat standgehalten und fich zu Tausenden hinmähen lassen. Das haben unsere Feinde auch un⸗ umwunden anerkannt. Versagt haben in Rußland nur die Männer der Regierung und die Führer des Heeres Es hat gezeigt, daß sich in Rußland seit dem fapanischen Krieg im Prinsip noch nichts geändert hat. Noch ist es für Rußland Zeit, einen billigen und ehren ⸗ vollen Frieden zu schließen, noch hat vielleicht Deutschland ein Juteresse an einem baldigen Frieden mit Rußland. Wenn seine Soldaten erst in Petersburg und Kiew und vielleicht in Moskau stehen werden, und sie werden dahin kommen, dann haf Deutschland keine Eile mehr mit dem Frieden. Der Weg nach Westen steht ihm dann offen, denn das russische Lebensmark ist dann zerschnitten, und Rußland wird sich langsam verbluten. Wenn die Minister in Petersburg auch sagen, der Krieg werde noch fünf Jahre dauern, Rußland werde sich bis hinter den Ural zurückziehen, so ist das ganz unsinnig, und die Minister wissen das auch. Sobald unsere Feinde in Petersburg, in Kiew und in Moskau sind, hat das heilige Rußland aufgehört zu existieren.“ Die Versammlung versiel zum Schlusse der polizeilichen Auf⸗ lösung. Gorki wurde am nächsten Tage zur Behörde bestellt, und es wurde ihm bedeutet, daß man es nicht dulden werde, wenn er fernerhin für einen Frieden agitieren werde. Nur mit Rücksicht auf Gorkis augenblickliche große Popularität in Rußland hat man von anderen Maßnahmen gegen ihn Abstand genommen. Die Reformbewegung in Rußland. Die Berlinske Tidende meldet aus Petersburg: Das Kabinet, erwägt, wie es sich in nächster Zeit verhalten soll. Man nimmt an, daß es viele Punkte aus dem Programm des Blocks gutheißen wird, dagegen ist das Kabinett gegen den Anspruch der Duma auf eine stärkere Beteiligung der Duma an der Lösung der zur Zeit schwebenden Fragen, als sie bereits durch die Teilnahme von Duma⸗ mitgliedern am Kriegsausschusse hat, und gegen den Wunsch der Duma, dauernd zu tagen. Sie schlägt vor, lieber mehrere kürzere Sessionen abzuhalten.— Die National Tidende meldet aus Peters⸗ burg: Die Bewegung, welche eine Aenderung im Regierungssystem anstrebt, nimmt stetig zu. Die meisten Großstädte und viele indu⸗ strielle und korporative Gesellschaften erklärten die Zustimmung zu den Resolutionen der städtischen Körperschaften von Petersburg und Moskau auf Einsetzung eines Ministeriums, welches das Vertrauen des Volkes genösse.— Die Nowoje Wremja schreibt von der Sehn⸗ sucht des Landes nach dem Augenblick, in welchem die Regierung aufhöre, unverantwortlich zu sein. Viele Zustimmungserklärungen aus allen Teilen Rußlands ließen erkennen, daß das Land des Wartens müde sei. Die Gleichberechtigung der Nationalitäten. Die sozialdemokratische Fraktion der Reichs⸗ du ma hat einen Initiativantrag auf Herstellung der bürger⸗— lichen Gleichberechtigung für die Angehörigen aller Nationalitäten eingebracht. Jusbesondere sollen die Beschränkungen der Freizügigkeit und der Wahl des Wohnortes, des Berufs, der Teilnahme an staatlichen und Gouvernements⸗(Semstwo) Wahlen, des Zutrittes zum Staatsdienst und zu den staatlichen Lehranstalten, des Er⸗ werbs von Grundeigentum und alle Sunderbestimmungen, aus rosige Darstellung der militärischen Lage (Anhaltender Beifall.) die von den Juden besondere Steuern und Militärleistungen fordern, aufgehoben werden. Die Bestimmung würde der Sondergesetzgebung gegen die Juden ein Ende machen, aber auch eine große Reihe von Beschränkungen, die sich in höherem oder geringerem Grade gegen alle Nichtrussen richten, auf. heben. Die sozialdemokratischen Abgeordneten erbaten die Unterschrift der Kadetten und Progressisten für den Antrag, wurden aber abgewiesen, weil diese beiden Parteien sich angeblich durch den Beitritt zum Block, der die Oktobristen und einen Teil der Nationalisten mit umfaßt, an das gemeinsam mit diesen Parteien aufgestellte Arbeits programm gebunden glauben. Das englische Parlament. In London sind Ober- und Unterhaus wieder eröffnet. Im ersteren gab der Höchstkommandierende Lord Kitchener eine über⸗ Er sprach zunächst über Frankreich und sagte, daß dort die Stellungen derart aus⸗ gebaut und befestigt seien, und daß die Laufgräben durch eine Ver⸗ mehrung der einzelnen schweren Kanonen derartig in einen Ver⸗ teidigungungszustand gebracht worden seien, daß das Ganze wohl kaum zu nehmen sei. Auch die Versuche der Deutschen, mit Gasen und flüchtigen Brennstoffen zu arbeiten, hätten jetzt keine A rkung mehr, da die nötigen Gegenmaßregeln getroffen worden seien. 8 seien elf neue Heeresdivisionen dem Marschall French zugeschickt worden, so daß diese eine Front von 27 Kilometern von dem sran⸗ zösischen Alliierten hätten übernehmen können. Die neuen Dirssin⸗ nen hätten nun bereits Erfahrung in der Kriegsöührung, so daß sie mit Erfolg andere Stellen hätten einnebmen lönnen. Auf dem rusfischen Kriegsschauplatß bäften nun allem Auscheine nach die Deutschen ihre Pscsle u ziemlich verschossen und während früher der Vormarsch 7 bis 8 Kilometer pro Tag betrug, sei er jetzt nur noch 1 bis 2 Kilometer. Die Deutschen hätten nichts gefunden als den nackten Boden und die geräumten Forts. Da Ziel der Deutschen sei es offensichtlich gewesen, die russischen Heere zu vernichten, um hierdurch eine große Anzahl von Truppen frei⸗ zumachen. Aber auch dieser Plan sei nicht gelungen und in der Ge⸗ schichte werde sich einmal zeigen, in welch glänzender Weise die russi⸗ schen Heere geleitet worden seien. Wir sehen jene Heere, die der Deutsche prahlerisch als vollständig geschlagen und demoralisiert bezeichnet, tapfer kämpfen und an verschiedenen Punkten des Landes sogar zur Offensive übergehend und den Deutschen große Verluste beibringend. Alles zusammengenommen können wir ruhig sagen, daß, während die Deutschen allein infolge ihrer Kanonen das Ueber⸗ gewicht hatten und es mit enormen Kosten bezahlen mußten, sie nichts gewonnen haben, indem sie die russische Front zurückdrängten. Bei den Dardanellen sprächen alle Anzeichen dafür, daß die durch die Deutschen getriebenen Türken demoralisiert seien infolge der schweren Verluste und des sortdauernden Mangels an Hilfs⸗ guellen. Uebrigens stehen die türkischen Kriegsgebräuche über denen ihrer deutschen Lehrmeister. Im Unterhause hielt der Ministerpräsident Asquith eine ähn⸗ liche Rede. Zum Schluß sagte Asquith: Dieser Konflikt ist im ganzen ein Krieg der Technik, der Organisation und der Ausdauer. Der Sieg wird sehr wahrscheinlich auf der Seite des⸗ jenigen sein, der am besten bewaffnet ist und der am längsten sich halten kann, und das ist es gerade, was wir zu tun beabsichtigen. Bringen wir nicht so viel Gegenbeschul⸗ digungen vor! Wir haben die berechtigten Wünsche und Hoff⸗ nungen unserer Verbündeten befriedigt, und wir nehmen die Last auf uns, die uns infolge unserer Auffassung von Pflicht und Ver⸗ antwortlichkeit auferlegt wird. Was ich tadle, das sind die inneren Streitigkeiten, damit man nicht sagen kann, daß im entscheidendsten Augenblick unserer Geschichte irgend ein Nachlassen der hartnäckigen Energie und des Willens des englischen Volles vorhanden war. Trotz dieser Mahnung gab es dann bald im Unterhause eine heftige Debatte über die Frage der Einführung der Wehr⸗ pflicht. Wirtschaftszusammenschluß der Entente. Bern, 16. Sept.(W. B. Nichtamtlich.) Der Mailänder Sera meldet aus Como, daß die ersten Teilnehmer an der französisch⸗ italienischen Zufammenkunft, die morgen in der Villa d'Este beginnen wird, eingetroffen sind, darunter die Italiener Luzatti. Raineri, Rubini und Ratoni, die Franzosen Barthou, Sannotaux, Pichon. Es sei zwar schwierig, Näheres über das Pro⸗ gramm anzugeben, es handle sich jedoch darum, auf industri el⸗ lem Gebiete engere Bande zwischen Frankreich, England und Noten, die immerzu mißverstanden werden und nur Erregung hervorrufen, unzweckmäßig ist. Die amerikanische Regierung wünscht vielmehr die Angelegenheit in vertraulichen Be⸗ sprechungen zwischen Lansing und Bernstorff friedlich zu regeln. 5 Daily Expreß vernimmt aus Newyork: Graf Bernstorff habe einem Berichterstatter der Evening World erklärt, in vierzehn Tagen würden alle die Vereinigten Staaten und Deutschland trennenden Schwierigkeiten endgültig geregelt sein, und die beiden Länder würden durch eine engere Freund— schaft als je zuvor miteinander verbunden sein. Lansing und ich, fügte Bernstorff bei, sind zu einem vollkommenen Ein⸗ verständnis gelangt. Gefangenenaustausch zwischen England und Deutschland. Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt: Durch neutrale Vermittlung zwischen der deutschen und groß⸗ britannischen Regierung ist nunmehr die Verständigung ge— troffen worden, daß von beiden Teilen den im Gebiete des anderen Teiles zurüclgctaltenen Männern zwischen 17 und 47 Jahren die Abreise gestattet wird, soweit sie für eine mili⸗ tärische Verwendung während der Kriegsdauer unkavalich sind. Wie es gemacht wird. Haag, 16. Sept.(W. B. Nichtamtlich.) Der Nicuwe Courant meldet aus Newyork: Da das drahtlose Ersuchen des Botschafters Dumba, ihn mit Urlaub abzuberufen, gestern in den Blättern rschienen ist, hat namens Dumbas Graf Bernstor sf bei Staats⸗ retär Lansing dagegen Einspruch erhoben, daß die Mitteilung Dumbas auf ungesetzliche Weise der Presse in die veröffentlicht worden ist. Lansing sprach seine Entrüstung über den Vorfall aus und rer⸗ a Die Situation in Rußland. Berlingske Tidende meldet aus Petersburg: Die politi⸗ sche Mißstimmung in Rußland wäch st fortwährend. Man sieht mit großer Spannung der nächsten Sitzung der Reichs⸗ duma entgegen, welche die Eutscheidung bringen müsse, ob die Regierung die Verständigung mit der fortschritts⸗ freundlichen Mehrheit erstreben oder ohne die Re ichs duma regieren wolle. Nach der Rückkehr Goremykins aus dem Hauptquartier sei in Petersburg sofort ein Kabinettsrat abgehalten worden, dessen Ergebnis noch ge— heimgehalten werde. Mehrere hervorragende Politiker er⸗ klärten dem Korrespondenten der Wetscherna Mjedomosti, die Vertagung der Reichsduma sei eine Ver höhnung der öffentlichen Meinung und würde schwere Folgen nach sich ziehen. 0 Zur Vertagung der Duma sagt der Berliner Lokal- anzeiger: Das ist weniger als die Anz lösung, kommt aber im Grunde so ziemlich auf dasselbe heraus und ist ein Beweis dafür, daß der Zar sich noch stark genug fühlt. auch ohne, wenn es sein muß auch gegen den Block der Linken, das Staats⸗ schiff zu führen. Die lärmenden Kundgebungen des schwarzen Verbandes müssen ihn in dem Glauben bestärkt haben, daß es vor⸗ läufig das beste ist, eindeutigen Entscheidungen aus dem Wege zu gehen und erst einmal im Felde neue Lorbeeren zu pflücken. Wir können der weiteren Entwicklung der Dinge im Zarenreiche mit Ruhe entgegensehen. Hoffentlich wird der Fortgang der militäri⸗ schen Ereignisse wesentlich zu ihrer Beschleunsaung beitragen.— In der Vossischen Zeitung heisst es: Wenn überhaupt die Duma, als sie zusammentrat, die Illusion gehabt hat, daß sie den Umschwung zu bringen imstande sei, muß sie längst eines anderen belehrt worden sein. Von jeher zeichneten sich die Debatten in der Duma durch Sachlichkeit wenig aus. Die praktischen Ergebnisse werden daher nicht anders sein, weil die Duma vertagt wurde, als „Unvermeidlicher Weise“. Der Kölnischen Zeitung zufolge stellt der Tens einer Betrachtung über die militärische Lage fest, daß der Verlauf der großen Schlacht in Kurland eine entschie wenig günstige Wendung für die russische At nee nehme und daß ebenso die russischen Armeen, die zw Tarnopol und Dnujester kämpfen, sich un v ermeidli Weise nach Osten zursickzichen msißten.— Die Kölnise ö Zeitung bemerkt dazu: Das bedeutet, daß beide russischen Armeen„unvermeidlicher Weise“ eine neue Nieder Lage. erleiden. f* Amerika ein schlechter Verbündeter. 1 S tali schimpft Wilson und die Amerikane Web e i ibu 8 Mittelmächten 5 gegenüber, denen Amerika hätte den Krieg erklären müssen. Auf der anderen Seite sagt das Blatt aber, der Vierverband müsse die amerikanische Neutralität allerdings deshalb vorziehen weil mit einem solchen Verbündeten doch nichts zu erreichen sei.. Der innere Feind Italiens. 1 Die italienische Kriegspartei fordert scharf von Barzilai N daß in den kommenden Tagen allgemeine Maßregeln der Regierung gegen den inneren Feind angekündigt werden. N Diese Forderung beweist aufs neue die Zunahme der Kriegs. müdigkeit und der neutralistischen Werbearbeit. Auch der Corriere della Sera bricht in die bittere Klage aus, daß viele Italiener dem Kriege wie der Spieler dem Spiele gegenüberstehen, der verzweifelte, wenn er eine Viertelstunde keinen Erfolg hat. Der Avanti berichtet, daß Dutzende Bürger und Gemeinderäte aus den nördlichen Provinzen al“ politisch unzuverlässig in Unteritalien eingeschlossen wurden,. Die bösen U-Boote. 1 Reuter meldet aus Paris: Das Marineministerium macht be.. kannt, daß deutsche Untersceboote vor der Mündung der sulige Loire und der Gironde erschienen sind. Es werden Vorsichts aten s maßregeln getroffen werden. 1 Lyon Républicgin meldet aus Paris: Die Senatoren 5 Deputierten des Devartements Chorente Jufcrieure haben mit den fer d Marincminister die Maßnahmen besprochen, welckg zur Sicherunt t Pro der Schiffahrt in den Gewässern des Golfes von Gascogm] der ob und zur Verteidigung der dortigen Häfen getrossen werden sollen. sundher Krlegsuslizen. ehe ber! Auch in Erfurt erfreuten sich die Arbeitervereine keiner be., sonderen Sympathie bei den städtischen Behörden. Auch der Ar- gecei beiterturnverein Erfurt, dem es für seine starke Mitgliedschaft aß einem geeigneten Turnlokal fehlte, hatte wiederholt au den Magi lden strat das Ersuchen gerichtet, ihm ebenso wie bürgerlichen Turn 1 al vereinen eine der vielen existierenden städtischen Schulturnhalle 0 6 abends gegen eine zu vereinbarende Vergütung zu überlassen. 2 ach Gesuche wurden regelmäßig, meist ohne Begründung, abge⸗ lehnt. Jetzt ist ein Umschwung eingetreten. Dem Arbeiter- Fin turnverein wurde die Turnhalle einer neuerbauten städtischen n Mittelschule für seine Turnabende zur Verfügung gestellt. Hoffeng 5 b — 2 lich hält die Toleranz auch nach dem Kriege an. 4 Aach In Striegau i. Schl. erklärten bie Fleischermeister öffent l die lich, sie hätten beschlossen, in Zukunft leine Schweine mehr einzu“ nt kaufen und zu schlachten, da das Geschäft nicht mehr genug Gewinn abwerse, sondern nur Verluste bringe. Darauf hat der Ar h eiter 0 konfumpverein Striegan beschlossen, das Abschlachten d 91 Schweine sofort selbst in die Hand zu nehmen und hal, ier cher mit dem Verkauf des Fleisches schon begonnen.* bl 0 Spionage 0 Ein zweites Todesurteil wegen 0 wurde von dem Wülhauser Kriegsgericht gefällt. Der früher Haken Rennfahrer D. Dörflinger, schweizerischer Staatsangehörigen] alt und zuletzt Reisender in Basel, war angeklagt:„Mit Vorsatz eine nen feindlichen Macht Vorschub geleistet, um den deutschen Truppeyn ö Nachteil zuzufügen— es unternommen zu haben, mit Persone 0 eines feindlichen Heeres über Dinge, die die Kriegsführung be Nei treffen, mündlich und schriftlich Verkehr zu pflegen.“ Der Ange lach die klagte hatte sich im Laufe des Krieges von Leuten des französischen ie gt Nachrichtendienstes als Spion anwerben lassen und auch von diesen Italien sestzulegen. Mit dem industriellen Problem hingen die] wenn sie, ioie die Linke wünschte, in Permanenz erklärt worden Geld erhalten: außerdem hatte Dörflinger versucht, dritte Pe 66 Zoll- und Eisenbahnsragen zusammen. Vorerst gelte es, in den wäre. Aber die Beibehaltung, des Vertaqupasbeschlusses deute jung anzuwerben. Der Anqessaate legte im Laufe der Verhank⸗ 0 Hrundfragn für di italinisch⸗französische Zoll⸗ darauf hin, daß der in der Tiese Rußlands grollen⸗ lung ein Geständnis ab. Das Gericht verurteilte ihn zum Todt. ln g Liga eine Verständigung zu erreichen. den Unzufriedenheit das Ventil versperrt wor⸗ 1 den 11 der ien Forstakademie Len Fit 31 den sei.— Die Kreuzzeitung bezeichnet die Entschließung] werden jetzt von ranzösischen kriegs gefangenen Zücht 0 Deutschland und Amerika. des Zaren als eine folgenschwere. Die ganze innere poli— e 0 15. e Es 1 Interessen 15 Bevorstehende Verstä 2 lische Lage Rußlands werde mit einem Schlage verändert.— Die] Gelegenheit gegeben werden die kunstgerechte Anlage und Aue en N steh 0 een 72 I[Deutsche Tageszeitung führt aus: Ob Nikolaus Ik der führung der Kulturen zu erlernen. 4 e 5 kewyork, 16. Sept. 1 B. Nichtamtlich.) Nach Mann ist, den Dingen die Spitze zu bieten, erscheint mehr als Die Neuen Tiroler Stimmen melden: Am h. Septemben 0 1 f übereinstimmenden Berichten beabsichtigt die amerikanische e Eher wäre es vielleicht der 1 Vize⸗ i 5 dem 5 von 1 7 195 abe Regierung, die deutsche Aufzeichnung über die Versenkun könig des Kaukasus, und für ihn ist vielleicht die Botschaft von] Soldat, der ein schweres⸗ militärisches erbreche 80 55 Arabic“ 1 6 5 e 0 Sie sicht 15 diesem Gewaltstreich seines Neffen eine Nachricht, die ihm in seiner] begangen hatte, standrechtlich erschossen. Seit Ausbruch d bee „ 8. zu be. Sie s kaukasischen Zurückgezogenheit wie eine Fanfare kommender Er-] Krieges ist es das erste vollzogene Todesurteil in Trient. e die dem Standpunkt, daß die unvermittelte Veröffentlichung von leignisse in die Ohren klingt. 5 ih —— 3 5—.— 8—. 1 900 — 1* 2 N. 2 4 N*— 2— N 5 ö Die Greuzfeve war. Hastig löste er es finsteren Blickes.„Verflucht, sies artig leise den wenig betretenen Pfad emporklomm, welches] eng f 0 7 wissen davon?!“— e 5 5 in östlich, dann südlich gelegener Richtung aufwärts 1 1 d Eine Erzählung aus dem Heidelgebirge von A. E. Brachvogel. Als er den Zettel öffnete und seinen Inhalt gelesen, dem Heidelberge führte. Es war Brandt, und er ging allein 3 3; 5— sanken i die A 0. obrab. Sein Gesi* 2 1 17 13 1„ der bornehnen sanken ihm die lrme schlaff herab. Sein Gesicht ward fahl,— Vor neunzehn oder zwanzig Jahren, als gemeiner 3 e Gesellschaft mit ziemlichem Glück anzueignen gewußt sein Auge starr, seine Brust arbeitete heftig.— Auf dem jäger, war er hier auch oft hinaufgegangen, aber zu zw Ie so ward doch nur höchst mühselig durch denselben 70 Zettel stand in unorthographischen, kaum leserlichen Zügen:[Arm in Arm, Brust an Brust mit Genofeva Wehner, des 50 9 innere Roheit seines Herzens verdeckt, welche ihm den Haß:„Du willst mich fangen, daß 8 heiraten kannst! Du 1 e. dem hübschesten Mädch 9 n des ganzen Gebirges und aller seiner Untergebenen reichlich wirscht nich, und sull ich Dich vom Altar wegreißen! Dus en Hochwald. 0 800 etwas geschehen, das alle ch eingetragen hatte, nach oben hin aber als Amtseifer und oder ich! Wenn De kee feigen Kerle bist, triffste mich do, reden machte.— Der alte Müller warf sein Kind za e Energie desto desserr Friichte brachte. Wie der Zaher gegen wa Du mich so ofte getroffen hast, an der Dunne bergs Sogn nn de ene er Erbe Nen t e 5 Lähne! Feva.“ Sohn wurde sein einziger Erbe. Nun ist Höpplen am Schlagbaum sehr richtig bemerkt hatte, lieh ihm die Grenzrevision nur das Mittel, die Genofeva und die alte, sehr anrüchige Geschichte mit ihr für ewig los zu werden. Mit der beruhigenden Zuversicht, unter dem Schirme eherner Gesetzesparagraphen sich einer Person zu entledigen, die ihm möglicherweise Heirat und Zukunft gefährden konnte, betrat er in voller Uniform sein Bureau, um die letzten Dispositionen zu treffen, ehe er seinen kühnen Zug unternahm. Wie erstaunte er, seine sämtlichen Papiere vom Arbeits- tisch am Fenster im Zimmer verstreut und die Fenster— scheibe so zertrümmert zu sehen, daß die Splitter das grüne Tuch des Tisches bedeckten. Als ein Mann von kaltem Blute untersuchte er die Sache. Unzweifelhaft hatte man ihm einen Stein während der Nacht ins Fenster geworfen, und der hereinblasende Wind die Papiere alsdann verstreut. „Mit dieser Frechheit“, murmelte er,„hat's noch keiner gewagt, mir seinen Haß zu zeigen! Sonderbar, daß das erst heute, und gerade heute geschieht, wo— Sollte das Gesindel'ne Ahnung haben?!“— Er erschrak unwillkürlich. Er eilte, das Corpus delieti, den Stein, zu finden. Mitten im Zimmer sah er ihn endlich; ein großer, flacher, scharf: kantiger Dachziegel, auf dem ein Stück Papier festgebunden Nach und nach fand sich Brandt aus seiner Starrheit. — Er schauderte. Dann murmelte er:„Sie oder ich! Sie will's haben!— Gut!“ schrie er auf und knirschte vor Wut. „Ehre oder Leben, ich nehm' den Tanz auf!“ Mit dem Entschlusse der Verzweiflung prüfte er die Schärfe seines Seitengewehrs, trat an seinen Waffenschrank und riß eine Doppelbüchse vom Nagel, lud sie scharf, steckte zwei gezogene Pistolen zu sich, nahm die Munitionstasche um, deren Inhalt er untersuchte, und auflachend zündete er sich mit dem bewußten Zettel die Zigarre an. Als am Boden der letzte Fidibusrest verglommen war, schritt Brandt hinaus und gab dem Steuersekretär den Schlüssel. „Bin ich übermorgen nicht zurück, nehmen Protokoll über den Befund auf!“ „Zu Befehl!“ sagte der Sekretär erstaunt. Brandt eilte zum Wachtlokal.„Vorwärts, Leute, nach Rheimswaldau!“— Die Sonne senkte sich, Abendschatten hüllten die Schluch⸗ ten ein. Als es in Friedland unten zehn Uhr schlug, stieg der Mond auf. Um diese Zeit war's, daß ein einsamer Ge— sell mit Büchse, Hirschfänger und Tasche vom Schulzen zu öffnen Sie und Rheimswaldau nördlich dem Zuckerberge aufbrach und fuchs⸗ S N alles unterm 5 1 Subhastationshammer in die vier Winde zerstoben.— 17 8 Brandt ließ sich natürlich versetzen. en Als er nach Jahren wiederkam, war er ein ande ali Mann, ein vornehmer Mann, und dazu ein Teufel auf alles Ach was in seinem Revier einen Pack unterm Arm trug, er hic] le seitdem der„Teufels⸗Brandt“.——— 7 An dies alles dachte er jetzt wohl nicht, sondern wie seing Ehre von einem guten Schuß abhänge, den er mit Paragre N so und so des Reglements und einem fulminanten Amtsei vertreten könne. Zwischen den Büschen vor der großen b wiese duckte er sich und wartete; die Weistritz murmelte nb U glitzerte im Mondlicht. Plötzlich erhob sich eine weiße Raben] vom Gipfel des Zuckerberges, dann eine andere jenseits des ul Grenzberges von der österreichischen Seite. Matte 8 signale klangen rings in der Runde.— Brandt huschte, gleitl 55.0 einem Raubtier, von einem Gebüsch zum anderen. Die dan 18 1 war geöffnet, aber eine finstere Jagd hatte er sich allein von Feu behalten, sie vertrug kein anderes Auge.— 10 d An besagter Lehne des Donnersbergs, wo i i f 3 5 8 8, wo in vo N Nacht Genofeva so seltsame Dinge SN hatte, befanda““ sich jetzt wiederum zwei Menschen.— 3 (Schluß folat.) Beilage zur Ob * iete. und Nachbargeb Gießen und Umgebung. Wir Drei. Wir waren ehemals drei Gesellen, das Herz so jung, so keck die Faust. Es hat das Leben uns in hellen und heißen Wirbeln oft umbraust. Wir schlugen Reue, Gram und Sorgen leichtsinnig lachend aus dem Feld — das Heute galt und nicht das Morgen— und trotzten aller, aller Welt. ö 1 Jetzt liegt der eine tief in Flandern, „ drei Kugeln in der breiten Brust. ee Seit Wochen hab' ich von den andern, Sefer In seit langen Wochen nichts gewußt. dere Heut kommt ein Brief, ihm jüngst geschriehen, cri zurück. Von fremder Hand 9 steht kalt darauf:„Vorm Feind geblieben.“ 1 Verscharrt, verscharrt in Polens Sand! Der erste fort und fort der zweite, zerrissen unsrer Freundschaft Band— wann wühlen mir die rühr'gen Scheite ein kaltes Bett im fremden Land? Hermann Wendel. 0 0 15 93 Krieg und Gemeindeschulden. . Die Kriegsfürsorge fordert von den Gemeinden ge— Baltige Opfer. Offenbach hat für diese Zwecke bereits im ursten Kriegsjahr über eine Million Mark ausgegeben, von deren Städten z. B. Chemnitz sechs Millionen, Dresden er zwölf, Leipzig mehr als zwanzig Millionen Mark. In er Provinz Westfalen sind in den ersten Kriegsmonaten nach iner oberflächlichen Schätzung von den größeren Stadt- und Sandgemeinden allein rund 40—50 Millionen Mark als Anleihen aufgenommen worden. Da die Anforderungen stets einer! trößer werden, die Ausgaben fortgesetzt zunehmen, während der ileichzeitig die Einnahmen naturgemäß sich verschlechtern, schaße h muß mit einer ungemein starken Zunahme der Gemeinde— f* Ihulden gerechnet werden. Man erhält jedoch ein falsches, i ddenfalls sehr einseitiges Bild, wenn man die Verschuldung in sich betrachtet und nicht in Verbindung mit dem bis⸗ serigen Zustand und der kommunalen Entwicklung. Eine gemeindliche Reichsfinanzstatistik gibt es leider soch nicht. Nach einer Denkschrift des Reichsschatzamtes, die uin Jahre 1913 dem Reichstag vorgelegt wurde, belief sich 911 die Steuerlast der Gemeinden in Deutschland auf ins⸗ gefamt 1 378 150 000 Mk., davon direkte Steuern 250 454 000 Mk. oder 90,74 Prozent. Das gibt aber kein üchtiges Bild von den finanziellen Leistungen und Kräften der Gemeinden. Heute erzielen bereits mehrere Großstädte cus ihren wirtschaftlichen Unternehmungen, Elektrizitäts⸗ berken, Straßenbahnen, Gaswerken usw., ebensoviel, ver⸗ einzelt sogar mehr Einnahmen als durch Steuern. Die Ein⸗ ahmen und Ausgaben aller Gemeinden Deutschlands sind heute wahrscheinlich nicht kleiner als die Haushaltsrechnung s Reichs. Aber sie sind wesentlich anderer Art, und deshalb tach die Schulden. Die preußischen Gemeinden allein haben ene größere Schuldenlast, als das Reich vor Ausbruch des brieges hatte, und man bleibt wohl noch etwas hinter der Virklichkeit zurück, wenn man die derzeitigen Schulden er Gemeinden Deutschlands auf 10 Milliarden Mark Mü ätzt. Zich 0 Der bpesentlichste Teil dieser Schulden hat sich erst in den e Iten 20 Jahren herausgebildet und drückt nicht eine Ver— 5 c bmung, sondern den zunehmenden Reichtum der Gemeinden Seht, us: die Wirksamkeit der modernen Kommunalpolitik. Ge⸗ che neinden mit wenig Schulden haben in der Regel eine rück⸗ beh. fändige Verwaltung und bieten nichts ihren Bewohnern. ß daß die 146 Städte mit über 30 000 Einwohnern der Ver⸗ inigten Staaten von Amerika eine Zunahme der Schulden en 900,2 Millionen Dollar im Jahre 1902 auf 1803,1 Mil⸗ 1 1% bnen Dollar im Jahre 1911, von 44,19 Dollar pro Kopf auf 1 1 Dollar, zu verzeichnen haben, ist eine erfreuliche Er⸗ 1 its 7780 5 5 1 5 5 2 7 55 eee 1 l ö sheinung, die zeigt, daß sich auch die amerikanischen Städke * 9 berbessern. Die Schulden der Stadt Newyork sind sogar in 1 m genannten Zeitraum von 277 Millionen Dollar auf 14 23,3 Millionen Dollar gestiegen, pro Kopf der Bevölkerung M Im 76,45 auf 145,92 Dollar, sie haben sich also absolut ver— e g, zeifacht, relativ verdoppelt. Die Summe der kommunalen a egulden betrug Ende März 1911 in Großbritannien 635 160 Pfund Sterling, gleich 12,6 Milliarden Mark. In Frankreich betrugen die Gemeindeschulden Ende 1911 dscgegen nur 4,5 Milliarden Franken, wovon allein auf Paris Milliarden entfielen. Dennoch, oder gerade deswegen, Fil ihr Schuldenstand ein wesentlich größerer ist, stehen die aclischen Gemeinden finanziell und sozialpolitisch weit höher ls die französischen. 5 5 Die heutigen Gemeindeschulden bilden eben im wesenk⸗ then das Anlagen- und Betriebskapital der kommunalen mrichtungen, welche ein werbendes Vermögen darstellen, e Einnahmen abwerfen, das kommunale Vermögen also größern. Mit der Zunahme der Schulden wächst deshalb nch, und zcßar im höheren Maße, das Gemeindevermögen. Das Vermögen wächst überall viel stärker als die Schulden, das heißt, die Gemeinden werden fortgesetzt eher. Wie aus der neuesten Statistik über die Finanzen e“ größeren und mittleren Gemeinden Sachsen, im ersten left, 60. Jahrgang der Zeitschrift des Königlichen Sächsischen itistischen Landesamtes hervorgeht, betrugen die Anteile werbenden Unternehmer und Anstalten an Gesamt⸗ semögen bei nicht weniger als 52 von den 162 größeren 15 mittleren Gemeinden Sachsens mehr als 50 Prozent. E diesen 52 Gemeinden gehören 11 mit weniger als 3000, * erhessischen Volkszeitung Nr. 219 Gießen, Samstag, den 18. September 1915. 30 mit 5000 bis 10 000, 8 mit über 10000 bis 20 000, zwei mit über 20000 bis 50 000 und 1 mit mehr als 50 000 Ein⸗ wohnern. Unter den 162 Gemeinden fanden sich nur 8, die überhaupt keine Unternehmungen oder werbende Anstalten aufwiesen, andererseits aber 6, bei denen der Wert der Unter⸗ nehmungen und Anstalten mehr als 80 Prozent vom Gesamt⸗ vermögen ausmachte. Ein anderer“ großer Teil des Ge— meindevermögens bildet der Grundbesitz, der am Schluß des Jahres 1910 bei 44 Gemeinden mehr als 50 Prozent vom Gesamtwert aller Vermögensgegenstände ausmachte. Unter den Gemeinden mit so hohem Anteil befand sich auch hier eine solche mit mehr als 50 000 Einwohnern, und zwar war dies die Stadt Zwickau, die im Jahre 1910 ein Gesamt⸗ vermögen von 35,4 Millionen Mark aufzuweisen hatte, gegen 11,8 Millionen Mark Schulden. Zu diesen Gemeindever— mögen sind noch hinzuzuzählen die 57,3 Millionen Rücklage⸗ und Erneuerungsbestände aller Gemeinden und 79,2 Mil⸗ lionen Sparkassenrücklagen; außerdem auch die 131,5 Mil⸗ lionen Vermögensbestände, die nicht im Gemeindeeigentum stehen, also die rechtsfähigen Stiftungen und die Bezirks⸗ vermögen der eximierten Städte. Das kommunale Vermögen in ganz Deutschland dürfte über 20 Milliarden Mark betragen. Und es kann keine Rede davon sein, daß die Gemeinden durch die Kriegsausgaben etwa dem„Bankrott“ zugeführt werden, wie mancher glaubt. Freilich haben die großen Städte unproduktiv verwendete Schulden. Es sind dies die Anlagen für Krankenhäuser, Theater, Museen usw. Aber in den meisten Gemeinden Sachsens z. B. waren mehr als 50 Prozent der Schulden auf Unternehmungen verwendet, in 11 Gemeinden sogar über 90 Prozent. Nur in 9 Gemeinden wurden die gesamten Schulden für unproduktive Zwecke verwendet. Da die Er⸗ trägnisse der kommunalen Unternehmungen nicht nur zur Bestreitung der laufenden Gemeindeausgaben verwendet werden, sondern auch zur Abstoßung von Schulden, so liegt in ihnen die Gewähr, daß die Kriegsausgaben die Gemeinden nicht ruinieren werden. Der kommunale Vermögenszuwachs wird freilich auf eine Reihe von Jahren unterbunden sein. fc d Uec eee 25 erptenber 1915. 2833 28 N Ur Die hohen Kriegsausgaben werden aber trotzdem die Gemeinden in eine schwierige Situation bringen. Denn sie bringen eine Erhöhung der„unproduktiven“ Schulden, deren Verzinsung das Gemeindebudget stark belastet. Die bis⸗ herige Entwicklung zeigt aber auch hier den Weg, den die Ge— meinden gehen müssen, um die schwere Last tragen zu können: Ausbau und Vermehrung der kommunalen Betriebe! Der Stadt Berlin wird es sicher finanziell sehr zu statten kommen, daß sie kurz nach Ausbruch des Krieges die Elektrizitäts⸗ werke in ihren Besitz brachte. Lassen die Gemeinden von nun an jede Rücksicht auf privatkapitalistische Interessen außer acht, dann öffnen sich ihnen neue und große Einnahmequellen, mit deren Hilfe sie aller Schwierigkeiten Herr werden können. Warum soll zum Beispiel die Kommune für ihre Mitglieder nicht das gesamte Getreide beziehen und in eigenen Mühlen mahlen? Warum nicht die Versorgung der Einwohner mit Brennmaterial übernehmen? Und dergleichen mehr. Solche Maßnahmen dieser Art bewegen sich freilich in sozialistischer Richtung. Aber das konnte von den neuesten Kriegsmaß⸗ nahmen gesagt werden. Und als Retter aus der Misere, die der Krieg gebracht, werden auch die Gemeinden den Sozialis⸗ mus begrüßen müssen! 10 „Fassen“. In dem einige Jahre vor dem Ausbruch des jetzigen Krieges erschienenen dritten Bande des v. Altenschen Handbuches für Heer und Flotte findet man unter dem Stichworte„Fassen“ folgende Er⸗ klärung:„In West⸗ und Süddeutschland gebräuchlicher Ausdruck für empfangen, z. B. Essen fassen“. Diese Erklärung trifft heute nicht mehr zu, während der einjährigen Dauer des Krieges hat sich das Wort„fassen“ in der gesamten deutschen Millionenarmee fest⸗ gesetzt, ja, es stellt heute einen Lieblingsausdruck unserer Feld— grauen dar. Man begegnet ihm unzählige Male in Feldpost⸗ briefen, in den Berichten von den Kriegsschauplätzen usw. Nicht nur der Süddeutsche und Westdeutsche faßt heute Essen, Kaffee, Bier, Wollsachen und alle anderen schönen Dinge, sondern auch der Berliner, der Ostpreuße, der Schlesier, der Sachse, der Thüringer usw. In einem Feldpostbriefe, der dieser Tage durch die Presse ging, sprach ein Schleswig-Holsteiner sogar seine Genugtuung aus über die guten Quartiere, die er mit seinen Kameraden gefaßt hatte. Der Ausdruck stammt ohne jeden Zweifel aus Süddeutsch— land; er ist nicht militärischen Ursprungs, und ist aus der Sprache der Kaufleute und Gewerbetreibenden in die Soldatensprache ge— wandert. In Süddeutschland und in Oesterreich gebraucht man schon lange das Wort„fassen“, im Sinne von„laden“; man spricht dort von„Zucker fassen“,„Kohlen fassen“ usw. Es ist nicht unmöglich, daß dieser Ausdruck ursprünglich nur ein Schifferwort gewesen ist. Das Wort„fassen“ wandte man anfänglich nur in bezug auf Dinge an, die in einem Gefäß Aufnahme fanden; wenn der Schiffer Kohle faßt, so faßt er sein Schiff eben als Gefäß auf. Die erste Anwendung des Wortes im Soldatenleben weist ebenfalls die Beziehung zu Gefäßen auf, wie die Ausdrücke Essen fassen, Kaffee fassen usw. zeigen. Bei der großen Bedeutung, die das Wort „fassen“ im Leben unserer wackeren Feldgrauen erlangt hat, konnte es nicht ausbleiben, daß es auch schon in die Sprache der Nicht⸗ Soldaten gewandert ist: der Zivilstratege z. B. faßt am Stamm⸗ tisch seinen Frühschoppen oder Abendschoppen.. Das Merkwürdigste bei diesem Ausdruck, der bei unseren Feldgrauen sowohl im Bereich der Gulaschkanone als auch über diese hinaus eine so große Bedeutung erlangt hat, ist die Tatsache, daß er in bezug auf eine Sache gar nicht angewandt wird, die der Soldat am allernotwendigsten braucht. Man hat noch nie etwas darüber gehört, daß unsere Soldaten Mut gefaßt haben, oder Mut fassen mußten, Augenscheinlich verfügt der Soldat über einen so großen Vorrat an Tapferkeit, daß es für ihn vollkommen über⸗ Die Obstpreistreibereien. Wir haben schon des öfteren auf eine der Hauptursachen der viel zu hohen Obstpreise hingewiesen: auf die massen⸗ haft in allen Obstbaubezirken erscheinenden Händler, die sich gegenseitig den Rang ablaufen und dadurch die Preise un⸗ geheuer in die Höhe treiben. Es handelt sich da nicht nur um zünftige Händler, sondern auch um solche Leute, die sich lediglich der guten Aussichten wegen auf den Handel mit Obst und Gemüse geworfen haben. Die sind sogar, wie unserem Frankfurter Parteiblatt glaubhaft versichert wird, die schlimmsten. Die Händler wissen, daß sie heuer das Obst zu jedem Preis los werden; da man nicht von der Luft leben kann und im wesentlichen auf die heimische Erzeugung angewiesen ist, muß man schließlich, ob man will oder nicht, den letzten Pfennig für Gemüse und Obst hergeben. Das stellt jetzt auch ein Mainzer Blatt an folgendem Beispiel fest: In unseren Nachbargemeinden konnte man bis vor einigen Tagen noch die schönsten Zwetschen, die namentlich in Kostheim in gewaltigen Mengen gepflanzt werden, zu 8 bis 10 Pfg. in jedem Quantum bekommen. Als vor einigen Tagen Großhändler aus Norddeutschland in hiesiger Gegend erschienen, boten sie den Bauersleuten sofort 16 bis 18 Mark im Zentner und kauften in kürzester Zeit gewaltige Massen auf. Die Folge davon ist natür⸗ lich, daß jetzt Zwetschen unter diesem Preis hier kaum zu haben sind. Im verflossenen Jahr kosteten die Zwetschen 3 bis 4 Mar] der Zentner. An keinem Obst zeigt sich übrigens die unerhörte Preis⸗ steigerung deutlicher als an den Zwetschen, die doppelt bis drei⸗ und viermal so viel kosten als in früheren Jahren trotz einer recht guten Ernte. Auch dem Wiesbadener Tageblatt werden zu dem gleichen Kapitel recht bezeichnende Mitteilungen gemacht. Es heißt da: Fragt man auf den Dörfern bei irgend einem Bauern, der sonst gern seinen Ueberfluß der Privatkundschaft abließ, in diesem Jahr um Obst nach, so erhält man in fast allen Fällen die Ant⸗ wort:„Der X oder Y aus Frankfurt oder Mainz hat mir schon 3 Mark mehr für den sonst üblichen Preis geboten und da habe ich ihm das Obst in Bausch und Bogen gelassen.“ Und der Privat⸗ mann hat das Nachsehen. Als am letzten Samstag der Sturm im Maingebiet Hunderte von Zentnern Fallobst abgeschüttel! hatte, brachten die Milchbauern dieses Obst in die Städte und ver⸗ kauften es pfundweise für 3 bis 4 Pfg. an ihre Kunden. Kaum hatten die Händler davon erfahren, so bereisten sie die Dörfer und kauften das gesamte noch erreichbare Fallobst für 4 bis 5 Pfg. das Pfund auf. Sie lasen es aus und verkauften das wurm⸗ stichige für 6, das andere für 10 Pfg. das Pfund. Zwetschen kosteten, ehe die Händler aufs Land kamen, höchstens 10 Pfg., die Händler boten 12, 14, 16 bis 20 Pfg. fürs Pfund, und sie erhielten die Waren. Die Verbraucher sind den Herren rettungslos preis⸗ gegeben, sie stehen ihnen macht⸗ und wehrlos gegenüber und müssen die unverschämten Preise bezahlen. 5 Daß gegenüber solchen Unerträglichkeiten immer von neuem wieder und immer lauter und eindringlicher der Ruf nach rücksichtslosem Eingreifen der Behörden zum Schutze des Publikums erklingen muß, sollten wir eigentlich nicht erst zu betonen nötig haben. Auf eines aber möchten Wir in diesem Zusammenhange noch einmal hinweisen: daß es ein schwerer Fehler ist, wenn in der gegenwärtigen Zeit die Gemeinden und die Kreisbehörden ihre Obsternten zur Ver⸗ steigerung bringen. Denn diese Versteigerungen tragen nur dazu bei, die Obstpreise in die Höhe zu treiben. Darüber konnten wir schon ein recht krasses Beispiel aus Fulda melden, so las man es schon aus verscheidenen anderen Orten und jetzt wird der Neuen Tageszeitung in Friedberg aus Holz ⸗ hausen v. d. H. berichtet: Ein Zeichen der teueren Zeiten r.... ̃ ͤ KK hatte das Obst einen so hohen Preis wie heute, wurde doch der Doppelzentner Aepfel wie Birnen am Baum mit 12 bis 14 Mark bezahlt. Und hierzu bemerkt sogar das Bündler⸗ blatt:„Die Gemeinde-Obstversteigerung sollte doch besonders in der Kriegszeit lediglich den Minderbemittelten zugute kommen, leider ist das in unserer Gemeinde nicht der Fall, denn die Obsthändler und Wirte trieben die Preise so in die Höhe, daß es den minderbemittelten Leuten unmöglich oder doch nur zu ganz hohen Preisen möglich war, sich einiges Obst für den Winter zu steigern. Man sollte doch von seiten der Gemeindeverwaltung mehr Rücksicht auf die kleinen Leute nehmen, namentlich wo doch die Lebensmittel so hoch im Preise stehen. Wo es dieses Jahr so viel Obst gibt, sollte man bestrebt sein, es zu einem angemessenen Preis den Ver⸗ brauchern zukommen zu lassen und nirht gewissen Unersätt⸗ lichen noch mehr die Taschen zu füllen.“ Wir gehen noch weiter und verlangen, daß die Gemeinden und Kreise ihre Obsternten überhaupt nicht versteigern, sondern auf die Märkte bringen und dort' durch niedrige Preisfestsetzung von vornherein an einer Herabdrückung der Preise auf einen vernünftigen Stand mitarbeiten.% 0 ee e Vorsicht bei„konzentrierten“ Nahrungs⸗ und Genuß⸗ mitteln. Durch den Krieg hat die Spezialindustrie, Nahrungs⸗ und Genußmittel aller möglichen Arten zu konzentrieren, das heißt fabrikmäßig in handliche und leichte Vexsandform zu pressen, gewaltigen Umfang angenommen. Die Spekulation war richtig, denn derartige Waren finden noch immer reißenden Absatz, da sie massenhaft zu Liebes⸗ gaben verwendet werden. Von strafbarer Nahrungsmittel⸗ fälschung kann man wohl im allgemeinen nicht sprechen. flüssig ist, Mut zu„fassen“. ergab auch heute die Gemeinde-Obstversteigerung. Noch nie sehen ja solchen Fabrikanten ziemlich scharf auf die Finger. währten Familienunterstützungen Die Behörden, soweit sie im Kriege noch Zeit dazu haben, Sehr viele der Präparate sind aber entschieden minderwertig. Der gutgläubige Käufer läßt sich von allerlei papiernen An⸗ gaben bestechen und fällt vor allem einer ungeheuren Ueber⸗ teuerung zum Opfer. Bei einzelnen Artikeln, beispiels⸗ weise bei der kondensierten Milch in Tuben, läßt sich nichts einwenden, solange der dafür geforderte Preis in gemessenen Grenzen bleibt. Werden andere solcher Liebesgaben genauer nachgeprüft, so stellt sich, wie in der neuesten Nummer des Naturarzt ein Nahrungsmittelchemiker schreibt, vielfach eine maßlose Ausbeutung der Kriegslage auch auf diesem Gebiete heraus, der nicht energisch genug entgegengetreten werden könne. So kommen Kaffee⸗Pastillen in Blechröhren in den Handel, die aus nichts weiter bestehen, als aus zu⸗ sammengepreßtem, gemahlenem Kaffee mittlerer Güte. Ge⸗ wöhnlich enthalten diese Röhrchen 12 Stück Pastillen und kosten 40 Pfg. Eine Pastille wiegt 2 Gramm, man erhält also für 40 Pfg. ganze 24 Gramm, so daß der Preis für ein Kilo sich auf 16 Mk. stellt! Aehnlich steht es mit den soge⸗ nannten Teebomben und Kakaowürfeln. Sind solche Kon⸗ zentrate noch zur Hälfte mit dem viel billigeren Zucker ver⸗ setzt, so ergibt sich eine noch schlimmere Uebervorteilung des Käufers. Bei Bouillonwürfeln„mit Ei“ ist der Eizusatz, wie jener Nahrungsmittelchemiker sagt, meist nur in homöopathischer Dosis vorhanden. Vor den sogenannten Grogwürfeln müsse auch im Gesundheitsinteresse ganz be⸗ sonders gewarnt werden. Chemisch untersuchte Würfel dieser Art bestanden aus Gelatine als Bindungsmittel, in die hauptsächlich Zucker eingetragen war. Forner war eine kleine Menge Alkohol und Gewürz, sowie eine ganz erheb⸗ liche Menge Anjlinfarbstoff nachweisbar. Abgesehen von der schädlichen Wirkung des künstlichen Farbstoffes sollen diese Präparate auch geschmacklich ganz wertlos und auch für gerade nicht verwöhnte Soldaten ungenießbar sein. Welchen Verdienst müssen hiernach die Fabrikanten solcher Liebesgaben eingeheimst haben? Natürlich ist mit den wenigen Anführungen des Nahrungsmittelchemikers die Liste der konzentrierten Ueberteuerungs⸗ oder Schundware noch lange nicht erschöpft. In der neunten Sitzung des Kriegsausschusses der Zweiten Kammer kam zunächst der Antrag Henrich und Genossen betreffend die Unterstützung motleidender Staatsbeamten. Gewerbetreibender und Staatsarbeiter zur Besprechung. Die Großherzogliche Regierung gab, gestützt auf statistische Erhebungen, einen Ueberblick über die finanzielle Tragweite des Antrags und legte des weiteren ihre Stellungnahme zu demselben dar, worauf die Weiterbesprechung auf morgen vertagt wurde.— Ueber die mißliche Lage der Hausbesitzer refe⸗ rierte Dr. Osann. Er faßte seine Ausführungen und An⸗ regungen in folgendem Antrage zusammen: Die Regierung zu ersuchen, 5 1. daß noch während des Krieges vorbereitende Maßnahmen zur Erleichterung des städtischen Realkredits getroffen wer⸗ den, entweder durch einen Ausbau der Landes⸗Hyotheken⸗ bank oder durch öffentlich rechtliche Kreditaustalten(Pfand⸗ briefanstalten für den städtischen Grundbesitz), oder durch Förderung der Garantie der Gemeinden für zweite Hypo⸗ theken; 5 die Herabsetzung des Immobilien- und Hypothekenstempels anläßlich der durch den Krieg geschaffenen Verhältnisse er⸗ neut in Erwägung zu ziehen; 3. beim Bundesrat dafür einzutreten, daß die Zahlungsfrist bei Hypotheken und Grundschulden laut der Bekanntmachung des Bundesrates vom 22. Dezember 1914 bis auf ein Jahr erstreckt werden kann, wenn die Lage des Schuldners dies rechtfertigt und dem Gläubiger kein unverhältnismäßiger Nachteil entsteht; 4. zu erwägen, ob nicht in besonderen Fällen ein Erlaß von Grundsteuern an notleidende Hausbesitzer ein⸗ zutreten hat; 5. zu erwägen, ob zur Vertretung der Interessen der Hausbe⸗ sitzer eine Hausbesitzerkammer errichtet werden soll. Da Großherzogliche Regierung sich ihre Stellungnahme zu diesem Antrag vorbehielt, mußte die Besprechung des An⸗ trags ebenfalls auf die nächste Sitzung vertagt werden.— Bei Besprechung des Antrags Dr. Schmitt und Genossen betreffend die Mindestunterstützungen der Familien von Kriegsteilnehmern wies die Re⸗ gierung darauf hin, daß die Erhöhung der vom Reiche ge⸗ bereits Gegenstand von Erwägungen der Reichsregierung sei und daß Großherzogliche Regierung bereit sei, im Bundesrate im Sinne des Antrags Schmitt zu wirken. Der Antrag wird hierauf für erledigt erklärt.— Eine längere Debatte knüpfte sich an den Antrag Ulrich und Genossen, in welchem die Antragsteller ver⸗ langen, daß in den Landgemeinden, in welchen seither weder durch den Kreis noch durch die Gemeinde Zuschüsse zu den reichsgesetzlichen Kriegsunter⸗ stützungen gewährt worden sind, für die Zukunft hin⸗ reichende Kriegsbeihilfen geleistet werden. Die Re— gierung erklärte, es seien wiederholt an die Großherzoglichen Kreisämter Verfügungen ergangen, daß Gesuche unt Ge⸗ währung der Kriegsunterstützungen möglichst entgegen⸗ kommend behandelt werden sollen. In nur ganz wenigen Kreisen würden Zuschüsse zu den reichsgesetzlichen Unter⸗ stützungen nicht gewährt. Der Antrag wurde darauf ein⸗ stimmig angenommen. — Kartoffelernte. Gegenwärtig ist man überall dabei, die Kartoffeln einzuernten, das Wetter ist dazu auch sehr günstig. Es bestätigt sich, daß die Kartoffeln außerordentlich gut geraten sind, so gut wie seit Jahrzehnten nicht. Pfund⸗ schwere Knollen sind durchaus nicht selten. Man sollte meinen, daß unter diesen Umständen wenigstens dieses not⸗ wendigste Nahrungsmittel billig zu haben sein müßte, aber das dürfte allem Anschein nach nicht der Fall sein, wenn nicht von den Behörden der Preistreiberei ein Riegel vorge⸗ schoben wird. Bei normalen Ernten kostete das Malter Kartoffeln in früheren Jahren 4,50 bis 5,50 Mark; teurer dürften sie dieses Jahr auch nicht sein. Bei solchem Preise würde die Landwirtschaft, die in diesem Jahre wirklich nicht notleidet, noch ein recht gutes Geschäft machen. — Obstsegen. In diesen Tagen finden überall Obst⸗ 0 gibt es in großen Mengen und durchweg vortrefflicher Qualität. Aber auch die Birnen sind gut geraten. Es gibt Gemeinden, welche mehrere hundert Zentner Obst zur Ver⸗ steigerung bringen; bei den Kreisen, denen meistens das Obst an den Kreisstraßen gehört, beläuft sich die Ernte oft auf tausende Zentner. Im Kreise Büdingen zum Beispiel wird der Obstertrag an 45 Straßen auf mehr als 4000 Zentner geschätzt. Trotz dieser reichen Ernte werden bei den Ver⸗ steigerungen gute Preise erzielt, auf billige Aepfel braucht man sich daher nicht zu freuen. — Ein alter Bekannter. Wie uns aus Kreuznach be⸗ richtet wird, beging der frühere dortige Theaterdirektor Alfred Helm sein 50jähriges Bühnenjubiläum. Helm hatte hervorragende Begabung für das charakter⸗komische Fach und erzielte damit im In⸗ und Auslande starke Erfolge. Er war früher Direktor des Gießener Stadttheaters, als es noch im Leibschen Sa untergebracht war; später übernahm er die Leitung des Theaters in St. Gallen, Ka ferslautern, in 0 Kreuznach. Seine langjährige Bühnentätigkeit war von einem ernsten künstlerischen Streben getragen und förderte das soziale Ansehen des Theaters und der Schauspieler in starkem Maße. Helm hat sich aus gesundheitlichen Gründen vor etwa zwei Jahren in das Privatleben zurückgezogen. — Vom Baume gestürzt. In Borsdorf bei Nidda stürzte der Weichensteller Jungk beim Obstpflücken vom Baum ab und star bean den erlittenen Verletzungen.— Auch in Geiß⸗Nidda fiel ein Obstpflückeivom Baume und verletzte sich tödlich. a Zur gefl. Beachtung! Unsere Träger werden wiederholt ersucht, all monatlich bis zum 29. itzre Bestellungen auf den ihnen zugeftellten Karten zu machen. Wir können nicht einfach die Zahl des Vormonats senden, da gerade jetzt durch die Einbernfungen die Abonnentenzahl sehr häufig wechselt. Deshalb müssen wir unbedingt auf regel⸗ mäßiger Bestellung besteheu. Ferner bitten wir die Träger dringend, jeden Monat und zwar spätestens bis zum 25. mit uns abzurechnen. Ae Expedition der Oberg cfiichen Volkszeitung. belle über leuchten. — Feldpostsendungen(Päckchen) mit frischem Obst, Butter, Honig, Eiern, Marmelade usw. müssen so dauerhaft verpackt sein, daß der Inhalt vor Verlust und Beschädigung geschützt ist und daß im Falle der Beschädigung andere Sendungen nicht in Mitleiden⸗ schaft gezogen werden. Trotz wiederholter Hinweise finden diese Ersordernisse noch immer nicht die gehörige Beachtung, nach wie vor müssen zahlreiche Päckchen mit Lebensmitteln genannter Art infolge ungenügender Verpackung von der Weiterbeförderung aus⸗ geschlossen werden. Viele Pappkästchen können den Einflüssen von außen(Druck, Stoß, Reibung) während der Beförderung nicht standhalten, sie werden in den Briefsäcken zerquetscht, zerrissen oder lösen sich auf, fodaß der Inhalt zerbricht, herausfällt oder ausläuft und die ganze Sendung wertlos wird. Frisches weiches Obst(Birnen, Pflaumen, Pfirsiche, Wein⸗ trau ben), ebenso rohe Eier sind am besten überhaupt nicht ins Feld zu schicken; die Möglichkeit, solche Genuß⸗ mittel widerstandsfähig zu verpacken, wird meist schon an der Rück⸗ sicht scheietrn, die auf das Gesamtgewicht der Sendung zu nehmen ist. Honig und andere flüssige, halbflüssige oder leicht schmelzbare Genußmittel dürfen nur in Bleich⸗ behältern mit fest schließenden Deckeln versandt werden. Blechbüchsen mit Druckverschluß sind, wie bie Erfahrung ge⸗ lehrt hat, ungeeignet, weil die Deckel während der Beförderung leicht aufspringen. Wenn Oelpapier als Umhüllung einer Feldpostsendung verwandt wird, so darf die Aufschrift nicht auf die Umhüllung aufgeklebt werden, sondern ist auf ihr ungeachtet der sich dabei etwa ergebenden Schwierigkeiten mit Tinte deutlich niederzuschreiben. Aufgeklebte Aufschriften haften auf Oelpapier erfahrungsgemäß nur selten fest genug, in den weitaus meisten Fällen fallen sie ab. Wenn sie nicht wieder aufgefunden werden können, werden die Sendungen herrenlos. Vielfach ist es auch nicht möglich, abgefallene Aufschriften mit den richtigen Sendungen wie⸗ hielten, auszuschließen. — Von der Volksfürsorge, der gewerkschaftlich-genossenschaft⸗ lichen Versicherung, kamen für Sterbefälle nach Ablauf des ersten Versicherungsjahres 53 Mk. zur Auszahlung, für welche Summe nur 695 Mk. als Prämie eingezahlt worden waren.— Die Kriegsversicherungskasse der Volksfürsorge verfügt jetzt über 273030 Mk., die nach Friedensschluß an die Angehörigen der im Kriege Gefallenen oder an den Folgen des Krieges sterben⸗ den versicherten Kriegsteilnehmer zur Verteilung gelangen. Vis zum 10. September wurden im ganzen 54606 Anteilscheine für 37 602 Kriegsteilnehmer gelöst. — Beschlagnahme der Wolle. Eine neu erschienene Bekannt⸗ machung, deren Anordnungen mit dem 18. Sept. 1915 in Kraft treten, befaßt sich mit dem Wollertrag der deutschen Schafschur 1914/15, sowie dem bei den deutschen Gerbereien befindlichen Woll⸗ gefälle, soweit es noch nicht in das Eigentum von Fabrikanten von Heeres- oder Marinebedarf übergegangen ist, und mit dem Woll⸗ ertrag der deutschen Schafschur 1915/16, gleichviel, ob sich dieser bei den Schafhaltern, an sonstigen Stellen oder noch auf den Schafen befindet. Der gesamte Wollertrag beider deutschen Schafschuren ist beschlagnahmt. Das Waschen des beschlagnahmten Wollertrages wird, soweit er noch nicht an Fabrikanten für Heeres- oder Marinebedarf verkauft ist, genau geregelt. Die Wolle muß spätestens 12 Wochen nach dem Scheeren oder Fallen in einer der in der Bekanntmachung namentlich aufgeführten Wollwäschereien eingeliefert werden. Das Verkämmen der Wolle ist gänzlich ver⸗ boten, soweit nicht durch eine ausdrückliche Verfügung der Kriegs⸗ Rohstoff⸗Abteilung hierzu Erlaubnis erteilt worden ist. Eine Ver⸗ äußerung der beschlagnahmten Wolle darf nur noch an die Kriegs⸗ wollbedarf⸗Aktiengesellschaft in Berlin, sowie an solche Personen, Firmen oder Gesellschaften erfolgen, welche die Wolle unmittelbar Sr erfolgreich. erstickt. schaffen, ehe verankert wi die Stadt Augsburg Mi den Liter Milch mit 22 Händlern 24 Pfennige kostete 0 5 gekündigt worden war, hat bewi Aachen und zuletzt seit 12 Jahren des Kurtheaters in Bad wieder auf den Preis von 22 P Teil der Händler liefert sogar zu diese in die Wohnung.— Der Vorgang bew behörden kräftig zugreifen, 0 Lebensmittelpreise vorzubeugen ist. — Was Versicherun die Abschlüsse — Anlagemusik. 5 11½ Uhr, in der Süd⸗Anlage, ausge age e, e 8 S rademarsch, J. Möllendorf. 2... 3. Pere über das Lied:„Ein Vöglein sang im Lindenbaum“, von Eberle. Klang, Potpourri, Schreiner. Krauße, Großh. Musikdirektor a. D. Bad⸗Nauheim, 19. Sept. 19673 Kurgäste angekommen. ber 1915 254 984 abgegeben. 1 Kriegsopfer. Aus dem Dorse Schwarz im Kreise Als das rund 650 Einwohner zählt, zum Kriegsdienst eingezogen. 3 werden bereits seit vorigem Jahre vermißt, fo Tode gerechnet werden muß. n. Befreiung vom Religionsunterricht a e. Preußen mußten bisher(seit 1900) alle Schulkinder am Religion unterricht teilnehmen, i waren, es sei denn, daß die Kinder anderweit Moralunterricht e der als Ersatz! i Wiederholt sind im preu den empörenden Zwang; hat nun das Provir Sch losen Vaters stattgegeben, unterricht zu befreien. Da in einem Einzelfall, einer Forderung Rechnung getragen, wird endlich von genonmnen, den gerade aufrichtig relig 0 Der Krieg hat wohl auch deine n. Unvorsichtiger Radfahrer. 2 der Nähe von Marburg, verung 19 Jahre alte Sohn des im Felde wei Briel dadurch, daß er mit seinem Rad gegen einen Baum ra und die Böschung hinunterkollerte. der zu vereinigen. Die Postanstalten sind angewiesen, alle Feld⸗ sinnungslos dort liegenden jungen Mann und sorgten für seim postsendungen, deren Verpackung den Erfordernissen der Sicherheit Ueberführung in die⸗Klinik, wo er bald darauf st arab. 173 nicht entspricht, von der Annahme und Beförderung unbedingt 555 8 g Grubenunglück. Ein schweres Grubenunglück hat sich auf Sch 3 der Kaligewerkschaft Heiligenroda bei Vacha in Rhön zugetragen. Nachdem nach beendeter Schicht noch eine Al Spreugschüsse abgegeben worden waren, begaben sich der St Heise und ein Bergmann Wenk aus Sprengen vorzeitig nach d Sprengorte, um deu Erfolg der Sprengschüsse zu prüfen. Die 9 schwaden der Schüsse waren noch nicht genüg Bergleute wurden bewußtlos. Sofort eilten eine Anzahl B zur Rettung herbei, aber sie wurden in den Nachschwaden bewußtlos und sanken zu Boden. dann, die Bewußtlosen zutage zu fördern und mit ärztlicher Wiederbelebungsversuche anzustellen. Der Steiger Heise, der Bergmann Johannes Wer der auf rlaub anwesende Landsturmmann Karl waren Der wildgewordene Stier. Schlachthofes in Leipzig gelang z es einem zu entledigen und das Freie zu gewinnen. Ein 70 J. 5 besitzer wurde von dem Stier erfaßt, zu Boden geschleudert schwer verletzt. wurde, kam mit leichteren Verletzungen davon. Da sche, den Stier einzufangen, erfolglos blieben, wurde er Schutzmann und einem Forstaufseher erschossen. Gießen. Wahlvereiin. . Die Erkräge sind sehr bedeutend, be sonders Aepfel 1914/15 muß bis zum statk. Die Erträge sind sehr bedeut f elch esellscaft stehen. leber den von Preis entscheidet endgültig die Krie hörung einer setzung unter Zuziehung von effentenkreisen geregelt ist. Sachverständigen⸗Kommission, solche inländische Ve Reihe anderer 88 1 8 be eigenen Haushalt und über di erk ie Kriegswollbedarf⸗ Außerdem wird Der Wortlaut der Bekanntmachung 5 ist an dem Bür Lusestellem einrichtete und do während er bei den gfenn auch der sellschaften verdienen. Aus einer Von diesen Aufsichtsratsmitglieder Daß angesichts solcher Ergebn ene 2 5 9285 gonnene Anfang, das sozial⸗ un scha Gebiet der Weeeeraag der privaten Profitwirtschaft zu en rücken und es auf die Basis der gemeinnützigen genossensch Zusammenarbeit zu stellen, von deutung ist, dürfte großer auch 19. September, vormitt hrt von der Kapelle 2 5 1. Pa⸗ Gärt Sonntag den Gießen. piel⸗Folge: Festspiel⸗Ouverture, L. „F. Zikoff. 5. Mit Saug sere Feldgrauen! Marsch, 4. Romannesca⸗Fantasie 6. Un Kreis Friedberg⸗ Büdingen. Bis zum 6. September 1915 find Bäder wurden bis zum 6. Sentem⸗ Kreis Alsfeld⸗ Lauterbach. sind nicht weniger als 130 M 15 Mann davon sind gefahlen daß auch unit derem Kreis Wetzlar. 5 in der Schule. auch solche, deren Eltern Religionsunterricht angesehen wur indtage Anträge gessellt en, allein vergeblich. 5 um der Bitte eines konsef n Kind vom Reli gi mit ist endlich, wenn auch unverkennbarer Gere Die dem preußischen Landtag vorli icht er ter 5 len Passauten fanden den Von Nah und Fern. gend abgezogen, und eb Weiteren Bergleuten gelam Diese waren auch teiln In der Schlachthalle des städ tier, sich seiner Ein Schulknabe, der gleichfalls zu Boden ge von 0 Vereinskalender. Mon tag, 20. September: Abends 9 Uhre Mitgl oder mittelbar an die Kriegswollbedarf-Aktiengesellschaft in Berlin verkaufen. Für die Lieferung der Wolle durch den Schafhalter sind ebenfalls bestimmte Vorschriften gegeben. In jedem Falle muß die Wolle spätestens 10 Wochen nach der Einlieferung in einer versteigerungen von seiten der Gemeinden und der Kreise * der zugelassenen Wäschereien in das Eigentum der Kriegswoll⸗ bedarf-Aktiengesellschaft übergegangen sein: der Wollertrag sammlung. Halb 9 Uhr: Vorstandssitzung. Fe — Vertretern der verschiedenen Inter Die Kiens welded Akrter e schaft verteilt die von ihr erworbene Wolle unter Genehmigung Kriegs⸗Nohstoff⸗Abteilung an 5 5 welche die Wale banhweislich zur Ausführung von Aufträs deutschen Heeres⸗ oder Marine⸗Verwaltung brauchen. kanntmachung enthält noch eine 9 über Anträge von Schafhaltern auf Freigabe Rohwolle zum Verbrauch im. e die bei e eee d Aktiengesellschaft angeboten werden a n. 5 das SN 95 Schafe zu einer früheren als in anderen Ja üblichen Zeit verboten. in unserer Geschäftsstelle einzusehen, und meistereigebäude angeschlagen. 5 — Lebensmittelversorgung durch d Stadt. De rarbeiter, en Die Be“ Bestimmungen, 1 von 19. hervor, diese Gesellschaften 1 volkswirtschaftlicher Be⸗ dem oberflächlichsten Beobachter ein⸗ konsessionslos ieder⸗Ber:? „ N lich von Perthe Telegramme. Dagehrrig hes Großen Haupthurfttz Die Einschließung von Wilna. Ueber die Szezara. W. B. Großes Hauptquartier, 17. Sept., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. In der Champague wurde den Franzosen nordwest— s durch einen Handgranatenangriff ein Grabenstück der vorderen Stellung entrissen. Ein Gegen— angriff wurde abgeschlagen. Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. Nördlich von Düna burg wurde die Straße Widsy⸗ Goduzischki⸗Komal erreicht. W idsy wurde heute früh nach heftigem Häuserkampf genommen. Nordwestlich, nördlich und nordöstlich von Wilna wird unser Angriff fortgesetzt. 5 Die Lage östlich von Olita⸗Grodno kist im wesent⸗ lichen unverändert. Die Szezara wurde bei dem gleich— namigen Orte überschritten. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Auch bei der Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern erzwangen unsere Truppen an mehreren Stellen den Szezaraübergang. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen. Die Sumpfgebiete nördlich von Pinsk werden vom Feinde gesäubert. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Von den deutschen Truppen nichts Neues. Oberste Heeresleitung. N 2 2 Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Heftige Kämpfe im wolhynischen Festungsgebiet. Wien, 17. Sept.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: 17. September 1915: Russischer Kriegsschauplatz. Die Russen versuchten, die Wirkung unseres gestern gemachten Flankenstoßes nordöstlich von Buczacz durch einen Gegenangriff zu vereiteln. Sie wurden geworfen. Unser Artilleriefeuer ver⸗ nichtete hierbei ein feindliches Panzer⸗Automobil. Von den drei Offizieren der Besatzung wurden zwei getötet, einer unver⸗ wundet gefangen genommen. Von der Mannschaft blieb alles, mit Ausnahme eines gleichfalls in Gefangenschaft geratenen Chauf⸗ feurs, tot am Platze. Im übrigen ließ in Ostgalizien und an der Ikwa⸗Linie die Gefechtstätigkeit wesentlich nach. Die Lage blieb v öllig unverändert. Angesichts der Unmöglich⸗ keit, in diesen Räumen einen Erfolg zu erringen, führt der Feind neuestens umso heftigere Angriffe gegen unsere im wol⸗ hynischen Festungsgebiet stehenden Streitkräfte. Die gestern entbrannten Kämpfe dauern noch an. An der Szezara nichts Neues. Italienischer Kriegsschauplatz. „An der Tiroler Front fanden gestern wieder vielfach Artilleriekämpfe statt. Nachmittags wurde das feindliche Feuer gegen die Hochfläche von Lafraun und Vilgereuth heftiger. Heute nach Mitternacht griff starke italienische Infanterie den Monte Coston und unsere Stellungen nördlich dieses Grenzberges an. Diese Vorstößse wurden unter beträchtlichen Verlusten des Angreifers abgewiesen. Im Kärntner Grenzgebiet ent⸗ faltete die gegnerische Artillerie namentlich gegen den Raum von Tarvis eine lebhafte Tätigkeit. Dieser Ort und zwar insbesondere das dortige Spital wurde aus den Stellungen nächst des Greuz⸗ baches von Sumdogna von weittragenden Geschützen beschossen. An der küstenländischen Front setzte der feindliche Angriff gegen den Raum von Flitsch wieder ein. Mehrere Vorstöße der Italiener wurden zurückgeschlagen; die Kämpfe sind jedoch noch nicht abge⸗ schlossen. Weiter isonzoabwärts bis einschließlich des Görzer Brückenkopfes herrschte verhältnismäßig Ruhe. Einige Ort⸗ schaften südlich Görz und der Nordwestrand der Hochfläche von Doberdo standen unter lebhaftem feindlichen Geschützfeuer. West⸗ lich San Martino wurden Annäherungsversuche der Italiener wie immer vereitelt. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschallentnant. * Wilnas Umklammerung.⸗ Der Frankf. Ztg. wird geschrieben: Die endgültige Unterbrechung der Bahnlinie von Petersburg und Dünaburg nach Wilna, die durch die Besetzung des etwa 40 Kilometer östlich der Bahn gelegenen Ortes Widsy bestätigt wird und die gleichzeitige Ueberschreitung der Szezara, die als ein sehr ernstes Flußhindernis gelten darf, prägt die schon seit einigen Tagen angedeutete Um klammerung von Wilna deutlicher aus. Die Stadt, die von den Russen sicherlich mit Feldbefestigungen ersten Ranges umgeben wor— den ist, bildet tatsächlich jetzt einen„Vorsprung“ in der russischen Front, wie Kowno ihn während des Angriffs unserer Truppe bildete. Eine Räumung Wilnas hätte nun wohl für die russische Heeresleitung taktische Vorzüge, dürfte aber zunächst noch hinausgeschoben werden, da der Eindruck eines weiteren Rückzuges offenbar in den ersten Tagen des Oberbefehls des Zaren vermieden werden soll. Die Fort. schritte, die jetzt von unseren Truppen erzielt werden, sind in hartem Kampf errungen, in Widsy ließen sich die Russen sogar auf einen Häuserkampf ein. Ob diese Kämpfe als Ein⸗ leitung zu einer großen entscheidenden Schlacht zu betrachten sind oder nur die Vorbereitung weiterer Rückzugsbewegungen verschleiern sollen, zu denen die siegreiche Offensive die Russen bald wieder nötigen wird, läßt sich auch jetzt noch nicht er— kennen. ueber unruhen in Polen wird dem Berliner 0 a us Lodz geschrieben: Seitdem Baer 1 0 erobert ist, machten sich revo lutionäre Umtriebe in Lodz bemerkbar, es wurden in der Stadt Flug⸗ blätter verteilt, die in polnischer Sprache zur Revolution auffor⸗ derten, und nach zuverlässigen Mitteilungen beabfichtigte die radl⸗ kal⸗poinische Parte, duch öffentliche Umzüge und sonitige nach außen hin wirkende revolutionären Schritte Propaganda für ihre Zi f 1 85 1 N 10 ele ein selbstständiges Königreich Groß-Polen zu 11 5 5 4 55 0 ernst die Sache aber von den deutschen Behörden aufgefaßt wird, ist as der Bekanntmachung ersichtlich, die der Ortskommandant von Lods, Oberstleutnaut von Braunschweig, erlassen hat, in der es heißt:„Trotz der gänzlichen Aussichtslosigkeit solcherpläue gegenüber den Machtmitteln der Kaiserlich Deutschen Regierung mag es tat⸗ sächlich Verführer und Verfführte geben, welche an die Möglichkeit eines Erfolges ihrer Vestrebungen glauben. Diesen sei warnend mitgeteilt, daß die Kaiserlich Deutsche Reglerung im gegebenen Falle gegen alle Störer der Ruhe und Ordnung in der Stadt mit allen ihr zu Gebote stehenden Machtmitteln und mit ungachsichtlicher Strenge einschreiten wird.“ Unter der russtschen Herrschaft stand das Räuberunwesen in Polen in üppiger Blüte, und auch jetzt noch gehören, trotz der un⸗ nachsichtlichen Strenge, mit denen die deutschen Behörden hiergegen vorgehen, Räuberüberfälle, bot denen auch Menschenleben vernichtet werden, nicht gerade zu den Seltenheiten. Die deutschen Behörden machen kurzen Prozeß mit den, Banditen. Diese werden vor ein Feldgericht gestellt und bei erwiesener Schuld ohne Gnade inner⸗ halb 24 Stunden ehe 858 Der Handel in Polen sängt an, sich allmählich wieder zu heben. Während der letzten zwei Wochen wurden aus Lodz Manufaktur⸗ waren im Werte von ungefähr 7 Millionen Rubel ausgeführt. Der Verbehr geschieht ausschließlich gegen bar. Infolge der Wiederher⸗ stellung der Verbindung mit Warschau sind große Transporte von Galanteriewaren und Gummischuhen von dort in Lodz für die Herbstsaison eingetroffen. 0 0 * Von den Dardanellen. Türkische Erfolge. Konstantinopel, 17. Sept.(W. T. B.) Das Haupt⸗ quartier meldet: Die Lage an der Dardanellenfront ist un⸗ verändert. Unsere Aufklärungstruppen, die nach verschiedenen Richtungen vorgeschickt wurden, plänkelten bei jeder Gelegen⸗ heit mit dem Feinde und kehrten nach jedem Angriff und jedem Ueberfall mit Beute beladen zurück. Unsere Artillerie hat den Feind, welcher Schützengräben zu bauen versucht und gelegentlich Truppenansammlungen unserem Feuer aussetzt, erfolgreich beschossen, die Ansammlungen zerstreut und ihm Verluste beigebracht. Bei Sedd⸗ül⸗Bahr hat unsere Artillerie vom linken Flügel am 16. September eine große Explosion in einer feindlichen Minenwerferstellung hervorgerufen und diese außer Gefecht gesetzt. Ein Teil unserer Flotte hat einen Leuchtturm und eine Fabrik an der Südküste der Krim mit Erfolg beschossen. Das Geschütz- und Gewehrfeuer des Feindes hat ihr keinen Schaden getan. In derselben Gegend hat sie vier großie voll⸗ beladene russische Segelschiffe versenkt. An der Irak-Front haben unsere Freiwilligen in der Gegend von Kalaat-ül⸗Medjim in der Nacht zum 12. Sep⸗ tember ein Lager des Feindes überrumpelt, ihr große Ver⸗ luste beigebracht und viel Beute abgenommen. Am folgenden Tage wurde ein neuer Augriff auf das Lager gemacht. Der Feind verlor mehr als 100 Tote und wurde aus seiner Stellung verjagt. Am 16. September haben mir nördlich von Korna ein englisches Flugzeug heruntergeschossen und die Flieger, einen Feldwebel und einen Mechaniker, gefangen genommen. Nach geringfügiger Instandsetzung benutzen wir das Flugzeug gegen den Feind. Italienische Truppen für den Sitekanazl? Bern, 17. Sept.(W. B. Nichtamtlich.) Der Mailänder Sera übernimmt aus dem Petit Nicois aus angeblich absolut sicherer Quelle die Nachricht, daß General wando zur Verteidigung der ägyptischen Küste inne hat, unlängst Kairo verlassen hat,um in besonderer Mission nach Rom zu gehen. Der General habe dort Verhandlungen eingeleitet, um die Ver⸗ teidigung eines Teiles des Suezkanals den italieni⸗ schen Truppen zu überlassen, damit eng li sche Soldaten und Kolonialtruppen für die Unternehmungen au den Dardanellen frei würden. Anscheinend sei es vorzuziehen, die italienischen Trup⸗ pen, die ursprlinglich für Gallipoli bestimmt waren, nach Aegypten zu bringen, wo sie sich näher an der Operationsbasis und dem liby⸗ schen Kommando befinden. General Hunter soll am 30. August mit dem holländischen Dampfer Rembrandt nach Kairo abgereist sein. 0* Aus Rußland. Die Vertagung der Duma. Der Petersburger Korrespondent des Temps meldet, daß die Unterbrechung der Dumatagung auf etwa zwei Monate in parlamentarischen Kreisen zu schärf⸗ ster Kritik Anlaß gibt. Man erblickt darin eine Weigerung der Regierung, auf dem durch das Reformprogramm vor— gezeichneten Wege weiterzuschreiten, das der von der liberalen Majorität gebildete Block festgelegt hat und das von ihm als für den Sieg durchaus notwendiges Element erachtet wird. Der Korrespondent der Daily Mail in St. Petersburg berichtet, daß die Vertagung der Duma, die bereits seit einigen Tagen bekannt war, als ein Sieg der Bureaukratie und ihres Anhanges in der Volksver— tretung angesehen werde. Drei Viertel der Duma und nahezu die gesamte Presse haben sich der Vortagung wider⸗ setzt. Die Fjetsch erklärt, daß die gesamte Presse mit Aus- nahme der durch die Regierung subventionierten, Blätter die Maßregel als eine dro hende nationale Kata- strophe betrachten. Die Nowoje Wremja greift Goremykin heftig an und sagt, er klebe an den Traditionen einer üblen Vergangenheit und er sei zu alt, das Land in Kriegszeiten zu regieren. Amnestieerlaß des Zaren? T. U. Kopenhagen, 17. Sept. Einem Londoner Tele⸗ gramm aus Petersburg zufolge, erließ der Zar eine Amnestie für politische Vergehen. Hierdurch erhalten viele Hundert⸗ tausende politische Gefangene, die größtenteils nach Sibirien verschickt waren, ihre Freiheit wieder. Die Nachricht steht in grellem Widerspruch zu dem sonstigen Verhalten der russischen Machthaber und verdient ein dickes Fragezeichen. Der Himmel muß helfen! Laut Nowoje Wremja werden in allen orthodoxen russischen Kirchen seit einer Woche Tag und Nacht ununter: brochen Gottesdienste abgehalten, um den Sieg der russischen Heere zu erflehen. Hunter Pascha, der das Oberkom⸗ ff Der Landsturm an der Front. Eine Verordnung hebt die bisherige Bestimmung, daß Land⸗ stürmleute zweiten Aufgebots nur in besonderen Landsturm⸗ truppen verwendet werden dürfen, auf. Der ganze Landsturm kann künftig zur Ausfüllung der Lücken in der Front benutzt werden. 6 Millionen Flüchtlinge! Englischen Blättermeldungen zufolge hat der Lo 1 d⸗ mayor von London aus St. Petersburg ein tele⸗ graphisches Ersuchen um Geldunter st ü tz ung erhalten, da für 6 Millionen Flüchtlinge gesorgt werden miisse. 5 85* Vom Balkan. Mobilisation? Dem Echo de Paris wird aus Nisch gemeldet, die bul⸗ garische Regierung habe den Jahrgang 1916 unter die Fahnen berufen. 5 Nach einer Athener Meldung desselben Blattes ruft, ein königliches Dekret auf den 1. Oktober die Reservisten der Jahresklassen 1886, 1887 und 1888 unter die Fahnen. 2 Serbien bereit! Der serbische Ministerpräsident Paschitsch hat einem Bericht⸗ erstatter des Petit Parisien erklärt, die angebliche Konzen⸗ tration von feindlichen Truppen an der Nordgrenze Serbiens existiere in Wirklichkeit nicht. In dieser Hinsicht würden von den französischen Fliegern beständig und genaue Nachrichten eingeliefert. Paschitsch fügte hinzu, die rekonstituierte mit Muni⸗ tion reich versehene serbische Armee werde einen Durchmarsch durch das gebirgige Land für den Feind sehr schwierig ge⸗ stalten, der zur Ausführung eines solches Vorhabens über mehr als 450000 Mann verfügen müßte. 3 Der Dardauellenvertrag der Entente. Lugano, 17. Sept. Nach einer Meldung der Giornale d'Italia aus Sofia veröffentlichen die dortigen Zeitungen den Wortlaut des am 22. Dezember 1914 zwischen Rußland, England und Frankreich geschlossenen Dardanellenvertrags, dessen wichtigste Bestimmung die ist, daß Kon⸗ stantinopel und die Meerengen Rußland zufa[len sollten. Der Vertrag sollte vor den Balkanstaaten geheim gehalten werden. Druck und Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H.— Ver⸗ antwortlicher Redakteur: Georg Kaul.— Für den Inseratenteil verantwortlich A. Ulrich sämtlich in Offenbach a. M. Von den Apotlieken in Giessen ist am Sonntag, den 19. Sept. von 3 Uhr nachmittags an und die Nacht hindurch geöffnet die Pelikan- potheke. Verstorbene. Frau Elisabetha Petri Wwe.,, geb. Hainbach, in ppenrod, 66 Jahre alt O . Am 14. September starb, nachdem er bereits 1 Jahr in Russland gekämpft hatte, an den Folgen einer Er- krankung, mein lieber, unvergesslicher Mann, unser lieber Vater, Bruder, Schwager und Onkel im Festungslazarett Zzu Metz im 38. Lebensjahre. In tiefer Trauer: Margarethe Gerlach, geb. Kreiling und 4 Kinder Familie Krombach Familie Wilhelm Kreiling Krauskopf 5 Leonhard Arnold Heinrich Gerlach Karl Arnold. Wilhelm Gerlach Heuchelheim und Fellingshausen, den 17. September 1915. 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