C.. ³˙— . * — — 5 Organ für die Interessen des werktätigen Volles 1 der Provinz Ob 5 N nz Oberhessen und der Nachbargebiete. 9 N it. 1 Die Oberbessische Volksseitung erscheint jeden Werktag Abend in Redaktion und Expedition Juserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg le Gießen. Der Abounementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich ien Waben ene e e pen 1 1 5 n 1 1 8 2 5 8..„Ecke gasse. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends? Uhr 10 eo Nie. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl. 1.80 Mk. Telephon 2008. für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. 1 8 1 Nr. 216 Gießen, Mittwoch, den 15. September 1915 10. Jahrgang 15 1 E 1* 0* * ü om Welt reg a 1* 15 brüchigen nicht aufgenommen, da sie ihrerseits ebenfalls die] ginge einem schweren Winter entgegen und die Privatper⸗ ö Es geschah sehr bald nach Ausbruch des Krieges, daß in allen kriegführenden Ländern die Bedeutung der Industrie für den Krieg untersucht und gewürdigt wurde. Der Krieg und die Judufrie. 5 Je länger der Krieg nun gedauert hat, desto mehr nimmt diese Würdigung zu, und es gibt heute kaum noch einen einsichtigen und vorurteilslosen Menschen, der nicht zugibt, daß die Industrie geradezu die aus schlag⸗ gebende Voraussetzung der Durchführung dieses Welt⸗ krieges geworden ist. In dieser Anerkennung und Erkenntnis liegt g nur die selbstverständliche Einsicht, wie sehr die Technik ber l Waffen⸗ und Munittonsfabriken, der Eisenbahnen, der Auto⸗ mobile und Luftschiffe und der Sicherung der Volkswirtschaft im Innern von der Industrie abhängig geworden ist, ja geradezu durch sie erhalten wird— in dieser Erkenntnis und Anerkennung liegt jetzt auch das offene Bekenntnis, das der Marxismus zuerst in die Welt gebracht hat, daß die Arbeit das Fundament der menschlichen Kultur aber auch der Unkultur, d. h. des Krieges, geworden ist. Aus dieser Erkenntnis kommt dann ganz naturgemäß in der ganzen öffentlichen Erörterung aller politischen Parteien und aller Länder eine wachsende Einsicht von der Bedeutung, nicht nur der Arbeit, sondern eben auch der Ar⸗ bpeiter, der Menschen, die durch ihre Leistungen das Fundament des Krieges erhalten und fördern. Von dieser Voraussetzung aus l ist die wachsende soziale und politische Anerkennung der Arbeiter nur der Ausdruck der ökonomischen Leistungen der Arbeiter und n Lein einfaches Spiegelbild der gegenwärtigen Produktionsweise. Es e bommt fetzt für die Arbeiter nur darauf an, durch die geschlossene 1 Einheitlichkeit dieser Organisationen und durch klaren Willen % diese Veränderung des Ausbaus der Produktionsweise in ent⸗ % sprechenden neuen Rechtsformen des staatlichen Lebens zu ver⸗ wandeln. Dann wird die Emanzipation der Arbeiter⸗ klasse durch diesen Krieg und nach diesem Kriege einen bedeutenden Schritt vorwärts getan haben. Die Einsicht in die ungeheure Bedeutung der Industrie und der in ihr tätigen Menschen während des Krieges ist besonders in 0 Deutschland gewaltig gestiegen. Aber gerade die Leistungen der bdeutschen Industrie sind im feindlichen Auslande und im neu⸗ 1 tralen Auslande noch weit mehr gerühmt worden als in unserem Eigenen Lande. Die Presse des ganzen Auslandes überströmt von SA A f und Staunen über die Leistungen der deutschen In⸗ keicht begreiflichen Gründen das Lob der deutschen Industrie aus⸗ bustrie für den Krieg draußen im Felde und auf dem Meere und für die wirtschaftliche Erhaltung im Innern. Es wird aber aus schelig auf Gründe der Organisation, der maschinellen Technik umd der Vielseitigkeit der Rohstoffe und auf die Mittel der „ Hdeutschen Wissenschaft, sie zu ersetzen, zurückgeführt. Diese Er⸗ al. scheinungen sind gewiß unzweifelhaft und außerordentlich be⸗ hre 1 deutsam. Aber sie erschöpfen keineswegs das Problem und erklären keineswegs die sichtbaren Erfolge der deutschen Industrie. Man vergißt nämlich, daß die besten Maschinen und die besten Rohstoffe nichts bedeuten, wenn nicht die menschliche Intelligenz und die persönliche Tüchtigkeit des Arbeiters sie zweckentsprechend zu benutzen verstehen. Es sind die höhere Intelligenz und Geschicklichkeit des deutschen Ar⸗ Heiters, die der deutschen Industrie diesen Weltruhm verschafft gaben. Diese gewaltige persönliche Ueberlegenheit des deutschen Arbeiters aber ist seit über 40 Jahren zum allergrößten Teil Er⸗ folg und Verdienst der deutschen modernen Ar⸗ beiterbewegung. Es gibt keinen Streit mehr darüber, daß die Erziehung des deutschen In dustriearbeiters durch Sozialdemokratie, Gewerkschaften und Genossenschaften ge⸗ kadezu repvolutionferend auf seine Fähigkeiten eingewirkt gaben. Schon im Frieden haben die Berichte der Gewerbe- und Jabrikinspektoren, dann Untersuchungen der ökonomischen Wissen⸗ chaft und schließlich die Urteile vieler Regierungsstellen und Unternehmer dies offen anerkannt. Im gegenwärtigen Kriege aber wird der Ruhm des deutschen Industriearbeiters ebenso sehr von ben militärischen Stellen als von den zivilen Behörden anerkannt und als Muster vorgehalten. Gerade unsere größten Heerführer, wie Hindenburg, haben für die Kriegführung selbst den unersetz⸗ lichen Wert der intellektuellen und moralischen Ausbildung des veutschen Arbeiters anerkannt und die Leiter unseres Verkehrs⸗ vesens wie die zentralen Beobachtungsstellen unserer Industrie gaben dasselbe Urteil mit gleicher Einmütigkeit über den deutschen Arbeiter abgegeben. 5. Diese Tatsachen und Urteile werden die deutschen Arbeiter dewiß nicht zur Ueberhebung veranlassen, aber sie be⸗ zechtigen durchaus zu einem gesteigerten Selbstbewußt⸗ ein, das sozial und polftisch seine Früchte tragen muß. Wenn lie Industrie und in ihr die Arbeiter die Durchführung, des Erieges bis zum siegreichen Ende für Deutschland sichern, so ist da⸗ nit die Bedeutung der deutschen Arbesterklasse nicht nur für den Krieg, sondern erst recht für den Frieden mit ehernen und unver⸗ bvischbaren Lettern in die Weltgeschichte eingegraben, und wer N 0 1 1 iese Schrift nicht wird lesen können, muß die Folgen seiner Blind— leit tragen. 2 2 Der Seekrieg. Torpedierte Handelsschiffe. ö Der Temps gibt Blättermeldungen aus Coruna wieder, zach denen der englische Postdampfer„Orania“ den Haßen 'on Coruna anlief, da er durch Funkspruch benachrichtigt orden war, daß bei Kap Finisterre ein deutsches nterseeboot liege. Die Besatzung berichtete, sie habe in der Nähe der französischen Küste eine Barke mit etwa c 0 Personen gesichtet, die einen versenkten enal i chen en. Die„Orania“ habe die Schiff⸗ Anwesenheit eines deutschen Unterseebootes festgestellt habe, das die„Orania“ hätte angreifen können. Nach einer Meldung des Temps aus Saint⸗ Nazaire hatte der aus Montreal eingetroffene englische Dampfer„Norseman“ 23 Mann der Besatzung des englischen Dampfers„Mimosa“ an Bord. Die„Mimosa“ war 137 Meilen südwestlich Fastnet von einem deutschen Unterseeboot versenkt worden. Die Versenkung der„Mimosa“ war bereits vor einigen Tagen gemeldet worden. Der Fischdampfer„107 Batavier II“ brachte ein Fisch⸗ boot ein, das am Freitag von dem Ymnider Fischdampfer „137 Sint Nicolaas“ übernommen worden war. Das Boot trug die Aufschrift„S. D. 57 Fischhandel“. Es gehörte zu dem Fischdampfer gleichen Namens aus Altona, der nach einer Mitteilung der Besatzung des„Sint Nicolqas“ von einem englischen Kreuzer torpediert worden war. Die deutsche Besatzung wurde von dem britischen Kreuzer mit⸗ genommen. 5 Ein deutsches Unterseeboot steckte am 10. September zwölf Meilen südsüdöstlich von Kap Lindenges das norwegi⸗ sche Schiff„Presto“ in Brand, das mit Grubenholz beladen war. Die Besatzung von sieben Mann wurde von einem Fischkutter aufgenommen und an Bord eines Lotsen⸗ bootes gebracht, das sie später an Land setzte.— Der Dampfer „Beßheim“ wurde am 11. September früh, östlich Kyvingen Leuchtfeuer, von einem deutschen Unterseeboot an⸗ gehalten und schickte ein Boot zu dem Unterseeboot. Nach zehn Minuken erhielk den Bmg dee Erlaubnis zur Weiter⸗ fahrt. Das Unterseeboot ging südwestlich auf ein mit Holz beladenes Schiff zu, das nach Westen steuerte, Der englische Dampfer„Ashmore“ mit 1564 Tonnen Wasserverdrängung ist durch ein deutsches Unterseebood versenkt worden. 42 Mann der Besatzung werden ver⸗ mißt. Die Finanzlage Englands. Die Times behandelt in ihrem Leitartikel die finanziellen Aussichten Englands. In einer Hinsicht, sagt die Times, sind die Aussichten unglücklicherweise nicht verbessert worden, seit Mac Kenna als Nachfolger Lloyd Georges im Amte des Schatzkanz⸗ lers die neue Kriegsanleihe zu einem triumphierenden Erfolg ge⸗ bracht hat. Wir haben, es ist wahr, die neuen Kriegsausgaben bis jetzt bezahlen können und unsere Verpflichtungen gegen unsere Ver- bündeten in Geldangelegenheiten ohne große Schwierigkeiten mit Hilfe von Anleihen erfüllen können. Aber in derselben Zeit sind die Ausgben in einer geradezu beunruhigenden Weise ge⸗ stiegen. Die Ziffern können durch jedermann, der die wöchentlichen Aufstellungen des Schatzamtes verfolgt, ausfindig gemacht werden, wenngleich die meisten Leute dies nicht tun. Als Mac Kenna die Kriegsanleihe am 21. Juni einführte, konnte er sagen, daß die Ein⸗ künfte zusammen mit den Anleihen die Ausgaben seit 1. April aus⸗ gleichen. Bis zum 19. Juni, also während einer Periode von 80 Tagen, betrug die Gesamtausgabe des Schatzamtes 280 Millionen Pfund. Dies ist eine tägliche Ausgabe von etwa 3½ Millionen Pfund. Aber seit dem glücklichen Gelingen der Kriegsanleihe, die alle Angst um unser Finanzwesen hinwegzunehmen schien, sind die Ausgaben bis zu einem bis jetzt noch nicht genügend bemerkten Be⸗ trag gewachsen. Vom 20. Juni bis 4. September war die Gesamt⸗ ausgabe 520 Millionen Pfund. Das würde eine tägliche Ausgabe von 694 Millionen Pfund darstellen. Diese Ziffer schließt 160 Mil⸗ lionen Pfund ein, die von der Regierung der Bank von England zurückbezahlt worden sind. Aber auch wenn wir diesen Betrag ab⸗ ziehen, so beträgt die Ausgabe seit 20. Juni täglich 4% Millionen Pfund, während sich die Einnahmen nur auf 750 000 Pfund pro Tag belaufen. Die Wichtigkeit dieses augenfälligen Steigens der Ausgaben ist klar, wenn man sich hieraus die Gesamtausgaben für das Jahr ausrechnet. Im Mai nahm Lloyd George hierfür eine Milliarde 132 Millionen an. Das ist eine zu geringe Schätzung. Bei den gegenwärtigen Ausgaben werden sich nämlich die gesamten Ausgaben für das Jahr auf über 1½ Milliarden belaufen, denen als Einnahmen 270 Millionen eutgegenstehen. Die Anleihen, die in diesem Jahre gemacht worden sind, werden sich bereits auf nahezu 900 Millionen belaufen, so daß das zu erwartende Defizit außer⸗ ordentlich beträchtlich sein wird. Von der neuen Kriegsanleihe sind bereits 452 Millionen verausgabt worden. Das Land wird sich nicht zu sehr über diese Kosten des Krieges beun ruhigen. Es wird seinen letzten Mann und, wenn es nötig ist, seinen letzten Schilling für den Sieg hergeben. Dabei ist die Einfuhrzifser nach England bei weitem größer als die Ausfuhrziffer. Aber dies sind nur Nebenerschei⸗ nungen. Unsere Aufgabe liegt nun darin, neue Einkünfte zu ge⸗ winnen und das Publikum zur Sparsamkeit zu zwingen, und wir hoffen, daß Regierung und Parlament sich ganz in dieser Linie be⸗ wegen werden. England verweigert die Kohlenaus fuhr nach Schweden. T. U. Kopenhagen, 13. Sept. Die Malmöer Snaell⸗ posten erfährt aus zuverlässiger Stelle, daß die englische Kohlenausfuhr nach Schweden in Zukunft völlig eingestellt werde. Bereits seit dem 1. Juli habe England Schweden jede Kohlenausfuhr verweigert. Die südschwedische Industrie braucher werden mit einer ungeheuren Kohlenverteuerung rechnen müssen. Deutsches Entgegenkommen gegen Schweden. T. U. Stockholm, 13. Sept. Nach Blättermeldungen hat die von der deutschen Regierung erteilte Erlaubnis, schwedische Telegramme durch die Funkenstation von Nauen abgehen zu lassen, allgemeine Befriedigung erregt. Die Telegramme müssen allerdings wichtig sein und nicht mehr als 25 Worte enthalten. In schwedischen Industriekreisen hält man dieses Entgegenkommen Deutschlands für sehr be⸗ deutend, da es der schwedischen Industrie auf diese Weise möglich ist, ohne England mit Amerika zu korrespondieren und sie auch den bedeutend längeren und teueren Weg über das sibirische Kabel vermeiden könne. Depeschenspionage in Bukarest? Der Berl. Lok.⸗Anz. meldet aus Wien: Das rumänische Blatt „Seara, meldet, daß auf dem Bukarester Telegraphenamt ein weit⸗ verzweigtes Spionagesystem aufgedeckt worden sei. Wichtige Tele⸗ gramme sollen dem englischen und russischen Gesandten ausge⸗ händigt worden sein. Eine nene„Internationale“. Unter dieser Ueberschrift verbreitet das französische Telegraphenbureau Havas die folgende Nachricht:„Die mächtige englische Papierarbeitergewerkschaft hat unter den Gewerkschaften die Initiative einer Bewegung für den voll⸗ ständigen Boykott der österreichisch⸗deutschen Arbeit ergriffen. Nachdem kürzlich von der Föderation ein Versuch in der Schweiz unternommen wurde, die internationale Organi⸗ sation der Gewerkschaften wieder ins Leben zu rufen, hat die Gewerkschaft der Papierarbeiter einstimmig beschlossen, mit den Vertretern der Nationen, welche dem Massenmord der wehrlosen 1400 Frauen und Kinder der„Lusitania“ zujubelten, nie wieder Konferenzen abzuhalten. Die Papier⸗ arbeiter wünschen im übrigen internationale Verbindungen mit den Arbeitern zivilisierter Nationen aufrecht zu erhalten. Sie haben vorgeschlagen, in London oder in Paris eine Konferenz abzuhalten, wo man ein neues Internationales Sekretariat, aus dem die Oesterreicher und Deutschen ausge⸗ schlossen sein werden, errichten will. Dieser Vorschlag ist allen angeschlossenen Organisationen übermittelt worden.“ Hollaud und die deutsche Barbarei. Aus Amsterdam wird uns geschrieben, daß sich in Holland oll mählich doch die Anschauung durchsetzt, daß die Barbareien nicht ein deutsches Privileg sein können. Und das obwohl die Hetzpresse der Entente seit Kriegsbeginn ausgiebig dafür gesorgt hat, den Hol⸗ ländern den Glauben beizubringen, daß die Welt noch nichts ge⸗ sehen habe, was sich mit den von den Deutschen in Belgien begange⸗ nen Greueln könne messen lassen. Was in Ostpreußen, Galizien und Polen von den Russen geschehen ist, davon erfuhren die Holländer nur wenig. Seitdem aber nun darüber auch hier einiges bekannt geworden ist, ändert sich der Standpunkt merklich. Besondere Be⸗ deutung haben die Nachrichten, die aus der Presse der Entente selbst — der Hüterin von Menschlichkeit und Kultur— stammen. So machte unlängst ein Artikel starken Eindruck, den der Nieuwe Rotterdamsche Courant aus der Depeche de Tou⸗ on se abdruckte, und der eine entsetzenerregende Schilderung der russischen Grenz-Völkerwanderung landeinwärts enthielt:„Ge⸗ spensterheere von schrecklicher Beweglichkeit“ heißt es in dem Ar⸗ tikel,„die am San plötzlich verschwinden, um in zwei Tagen in Kurland aufzutauchen, teuflische Heere von Oesterreichern, die als Preußen verkleidet sind, Bayern, die in der Honved-Uniform stecken, sind kaum gesichtet worden, so klingelt schon der Fernsprecher, Ordonanzen stüürmen davon zu Pferd und auf Motorrädern: Brand, Brand, überall Brand! Hütten und Schlösser, Heide und Weide, Steine selbst würden in Brand gesteckt, wenn es ginge. Dem Bauer wird befohlen: stecke dein Haus in Brand— er tut es. Der Fabri⸗ kant wird angeherrscht: Verwüste deine Fabrik!— er tut es. Allen sagt man: deckt Quellen zu, legt Wälder nieder, macht Wege ungangbar, vernichtet das Getreide! Nichts wurde geschont.. Schlösser mit ruhmreicher Vergangenheit, die Jahrhunderten ge⸗ trotzt, wurden zu Schutt gemacht wie armselige Bauernhütten, alte Möbel, Ahnenbilder, Teppiche— eine ganze Geschichte wird Beute der Flammen.... Obdachlose wurden zu Haufen getrieben und man befahl ihnen: Macht die Kirchen dem Erdͤboden gleich. Es warfen sich Leute auf die Knie und flehten: Wir können nicht, nun und nimmer! Da wurden Brandstifter-Abteilungen formiert, die die Kirchen mit Petroleum begossen und mit Dynamit belegten... Polen nur noch eine Oede. Millionen von Bewohnern waren besitzlos, Wind und Wetter ausgesetzt. Mit Kolbenstößen mußten wir(der Berichterstatter der Depeche de Toulonse hat selbst auf russischer Seite gekämpft) sie von den Trümmerhaufen weg⸗ treiben. Wie in einem riesigen Fangnetz trieb das russische Heer die Frauen, Kinder und Greise vor sich her. Viele stürzten in Gräben und Bäche, besonders Kinder und alte Leute. Die Schritte der Nachfolgenden gingen über sie hin“... Unser holländischer Parteifreund schveibt zu dieser grauenvollen Schilderung:„Das ist denn doch etwas anderes als die Zerstörung der Kathedrale von Reims! Wie viele Kathedralen werden die Russen in ihrem eige⸗ nen Lande vernichtet haben?“ setzen werde. Ungeschickterweise— so nennt es Heine— er sich der sofortigen Vornahme der dritten Lesung des An⸗ Die heilige Einigkeit. 5 Ueber die Wirkung, die der französische Mobilmachungs⸗ befehl auf die Bevölkerung zu Anfang des Krieges ausübte, schreibt die Humanité in ihrem Leitartikel vom 7. Sep⸗ tember 1915: 3 5 „Ja, die Bewegung des Volkes war glänzend, als die Mobilmachung dekretiert wurde. Niemand zauderte. Der gleiche Schwung riß das Proletariat und die herrschende Klasse hin. Man sah, wie die Leute sämtlicher Parteien sich in Reih und Glied stellten, wie sie alle das gleiche Gefühl der Unabhängigkeit und des nationalen Stolzes teilten.“ Dieser Verzicht auf den Klassenkampf und das Ver⸗ schmelzen der verschiedenen Elemente Frankreichs zu einer einheitlichen Nation vollzogen sich noch vor dem 4. August 1914, also ehe die Fraktion der deutschen Sozialdemokratie für die Kriegskredite stimmte und ehe der deutsche Einfall in Belgien Tatsache war. Spanische Sympathie mit Deutschland. T. U. Madrid, 13. Sept. Aus San Sebastian geht der hiesigen Presse folgende Mitteilung des dortweilenden deutschen Bot— schafters Prinzen von Ratibor zu: Auf Grund der von den ver⸗ blindeten deutschen und österreichischen Heeren in Polen erzielten Erfolges, deren Krönung die Einnahme von Warschau gewesen, hat di K. und K. und deutsche Botschaft in Madrid von allen Gesell⸗ schaftsschichten angehörenden Personen so massenhaft Glückwünsche und Sympathiekundgebungen erhalten, daß es ihr zu meinem größten Bedauern unmöglich ist, jedem Einzelnen eine Erwiderung zugehen zu lassen und daher sieht sie sich genötigt, die Hilfe der Presse in Anspruch zu nehmen, indem sie auf diesem Wege allen, die sie durch Zusendung von Briefen, Karten und Drahtungen be— ehrt haben, ihren Aufrichtigsten Dank ausspricht. Deutschland und Amerika. Newyork, 13. Sept. Der Chefredakteur der Newyork Tribune, Simonds, erklärte bei Erörterung der Lage in Washington, daß Wilson die Ansicht gewonnen habe, daß nur Newyork und die atlantischen Küstengegenden nördlich von Newyork den Krieg wegen des„Arabic“-Falles ver⸗ langen, während die anderen Gegenden lieber den Ehren⸗ gesichtspunkt einer Teilnahme des Landes an dem europäischen Kriege opfern wollen. Wilson wies auf die stets wachsende Zahl von Politikern aus dem Süden und Westen hin, die nach Washington mit der Erklärung kommen, daß ihre Landesteile den Frieden wünschen.(Frankf. Ztg.) Schwere Verluste der Engländer in Mesopotamien. Konstautinopel, 13. Sept.(W. B. Nichtamtlich.) Privaten Nachrichten aus Bagdad zufolge haben die füngsten Kämpfe der Stämme nördlich von Kalet⸗ul⸗Nedsim gegen die Engländer mit der Niederlage und der Flucht des Feindes geendet, der große Verluste erlitt und eine Menge Munition im Stiche ließ. Die Lage der Eng⸗ länder, die schon infolge der Aufstände der indischen Truppen übel war, hat sich jetzt verschlimmert, da sie von allen Seiten von den Stämmen angegriffen werden. Eine volks freundliche Tat. Im Berl. Tagebl. kommt Reichstagsabgeordneter Genosse Wolfgang Heine auf die Behandlung der„Lex Schiffer“ in der letzten Tagung des Reichstages zurück. Es handelte sich dabei um einen aus Anträgen der Sozialdemokraten und der Nationalliberalen entstandenen Beschluß der Budget⸗ kommission, der nun nach vorher erteilter Zustimmung der Reichsregierung und auch der Militärbehörden zum Gesetz erhoben werden sollte; noch im Plenum hatte der Staats- sekretär des Reichsjustizamts, Dr. Lisco, erklärt, daß er sich im Bundesrat für die Gesetzwerdung dieses Vorschlags ein⸗ hatte man diese Beratung mit der über die Zensur verquickt, in der bekanntlich dem Genossen Dittmann die Möglichkeit genommen wurde, gewisse Ereignisse im Leben der west⸗ fälischen Presse zu besprechen— Ereignisse, deren öffentliche Erörterung Herrn Bassermann so unangenehm waren, daß trags seines Parteifreundes Dr. Schiffer widersetzte, als er Die Grenzfeve. 1 Eine Erzählung aus dem Heidelgebirge von A. E. Brachvogel. Das verdutzte Mädchen nickte stumm. Höpplen trat in die Hoftür und tat einen hellen Pfiff. Dann wartete er. Nazi kam aus dem Garten gerannt. „Was ist, Ohm? Befehlt Ihr was?“ „Du gehst auf mein Stuben, Nazi, und rührst di nit. Rauch dein Pfeifen oder schlag d Zither a bisserl, wann d was tun mußt; in die Kuchel kommst mer nit. J bin bald retour.“— Nazi senkte das Haupt und ging rasch hinauf.— „Resi, dei Mutter wird um elf af d Nacht kommen. Bleib auf, und laß d Nanni auf ihre Kammer gehn. Was wir zwa beid, die Fev und ich, reden, soll unser Herrgott alleinig wissen!— Mei Herz is gar schwer, Resi.— Gott bewahr dei Muttern!“ Das Mädchen erschauerte und war sehr bleich.„Se— se geht wohl wieder dan heimlichen Weg, Herr?“ „Sie geht n, Resi, und soll nenit gehn, das mal nit! J sag dir's, s is ihr Unglück!“ „Ihr meent wohl, Herr, se wern se fangen?— Ach nee, nee! Meine Mutter fängt doch gar keiner nich! So alt, wie ich bin, habt Ihr's schon geprophenzeit, aber sie hat noch nie einer nicht gekriegt.“ „No, do is recht, zum Teixel!— Du— du bist so dumm. Madel, daß d nit amol Ahnung hast, was dei Mutter tut!“ „Meine Mutter, Herr,“ sagte die Kleine unendlich traurig,„is a böses, unglückseliges Weib, verschändt überall und gieht sündhafte Wege!— Kann ich se halten? Hat se Liebe zu mir?— Ach, Ihr seid ja allein mein Vater!“ Und schluchzend lehnte sie ihr Gesicht an seine Brust. „Und dei Vater will i bleibe, arms unschuldigs Wesen du, und wenn eine ganze Welt voll Schand über mich käm!“ Als er sie so in seinen Armen hielt, klang von obenher leise der Ton der Zither. „Woher ist das unselige Gsangsel, das kenn ich?“ 4 sah, daß der in der zweiten Lesung am Reden verhinderte Dittmann sich dafür zum Wort gemeldet hatte. So scheiterte die Lex Schiffer dank Herrn Bassermann. Es muß aber fest⸗ gehalten werden, was der Antrag Schiffer wollte. Nämlich: das preußische Belagerungs⸗ und das bayerische Kriegszustandgesetz bestimmen, daß alle Zuwider⸗ handlungen gegen Anordnungen der Militärbehörden in Kriegszeiten ausschließlich mit Gefängnis bestraft werden dürfen. Dies ist also im ganzen Reich geltendes Recht. Heine macht nun darauf aufmerksam, daß selbst die kleinsten Vergehen gegen militärische Verfügungen mit Gefängnis bestraft werden müssen, während Zuwiderhandlungen gegen Anordnungen, die etwa die Gemeinden, Polizeibehörden usw. zwar im Auftrag der Generalkommandos, aber doch von sich aus erlassen haben, auch mit Haft oder Geld geahndet werden können. Nun gibt es natürlich unter den vielen Verord⸗ nungen der Generalkommandos auch manche, die dem ein⸗ fachen Mann und erst recht der Frau aus dem Volke nicht durchaus klar sind. Dies trifft in der Tat auf die Metall beschlagnahme zu, die schließlich jeden einzelnen. Haushalt betreffen kann. Hier sind Uebertretungen in großer Zahl fast unumgänglich— aber dank Herrn Bassermann werden alle diese Sünder ins Gefängnis wandern müssen, soweit eben diese Verfügungen nicht von den Gemeinden getroffen sind. Besonders hart wirkt die Gefängnisstrafe dort, wo alle Straftaten vor die Kriegsgerichte gehören, wie in den Grenzgebieten; gegen kriegsgerichtliche Urteile gibt es keine Berufung und sie müssen binnen 24 Stunden vollstreckt wer⸗ den. Man kann sich den Eindruck— den weder die Militär⸗ behörden, noch die Kriegsgerichte wollen— ausmalen, der erzeugt wird, wenn nach einer Kriegsgerichtssitzung gleich eine Anzahl der Angeklagten ins Gefängnis abgeführt werden Mien Bei all dem bleibt es nun: gegen den Willen des Reichs⸗ aber dank Herrn Bassermann, der nicht wollte, daß öffent⸗ lich ein Zustand besprochen werde, über den alle Parteien nur einer Meinung sein können. Ein nationalliberales Blatt unter Vorzensur. nationalliberale Bergisch-Märkische Zeitung in Elberfeld, die unter der Leitung des nationalliberalen Land⸗ tagsabgeordneten Baumeister steht, hat derart in Annexionshetze und Verdächtigung von Regierungsstellen gemacht, daß sie nunmehr unter Vorzensur gestellt wurde. In der Verfügung des Stellvertretenden Generallommandos in Münster heißt es u. a.; „Sie haben in Rr. 295 Ihrer Zeitung(Morgenausgahe vom Dienstag, 7. September) in dem Artikel„Unterseeboolskrieg, Deutschland und Amerika“ wiederholt behauptet, daß unsere Re⸗ gierung in der Frage der Unterseeboot⸗Kriegführung unser gutes Recht aufgegeben habe, und ferner, daß die von einzelnen Preß⸗ organen betriebene Flaumacherei schlimmster Art unter dem Ein⸗ fluß der Regierung erfolgt sei. Diese Behauptungen beleidigen die Reichsregierung gröblich und sind geeignet, das Zutrauen der Bevölkerung in die Reichs⸗ regierung auf das tiefste zu erschüttern; Sie gefährden deshalb während der Kriegszeit das Staatsinteresse. Nachdem Sie bereits vergeblich mehrere Verwarnungen er⸗ halten haben, sehe ich mich genötigt, die Vorprüfung über Ihre Zeitung zu verhängen.“ Die Schlacht im Osten. In einem Bericht des Berliner Lokalanzeigers zu den Kämpfen nördlich des Niemen heißt es: Die große Schlacht, die anscheinend in ganz selbständige Kämpfe aufgelöst, von nördlich Wilna bis zur Poljaßje im Gange ist, gestaltet sich sowohl in ihren strategischen wie auch taktischen Einzelheiten für uns auf das günstigste. Die voraussichtlich baldige Ent⸗ scheidung verspricht einen neuerlichen großen Erfolg für unsere Waffen. Die skytische Kriegführung, die die Russen in den letzten Tagen angeblich auf Befehl des Zaren aufge⸗ geben hatten, scheint wieder fortgeführt zu werden, denn in den letzten Kämpfen wurden alle an den Rückzugsstraßen Die tages, der Reichsregierung und der obersten Militärbehörden,“ ieleg bichaften in Brand gesteckt, die Einwohner 24 831 20 der Gefangenen wird von Tag trieben. 8 3 5 größere. Die Ausrüstung der Russen, ganz be das Schuhzeug, ist in der letzten Zeit merklich sch echter 25 Trotzdem hält sich der Feind im allgemeinen besonders in der letzten Zeit, wo seine Artillerie anscheinend genügend Munition erhalten 2. Wie dem Berliner Lokalanzeiger über Kopenhagen gemeldet wird, unterzeichnete der Zar einen Befehl über die Einberufung der Reichswehr zweiten Aufgebots. Die Einberufenen binnen drei Tagen zur Abreise bereit sein. 3 Ein Angriff auf Bulgarien. 1 Havas meldet aus Petersburg: Nach einer hierher ge! langten Meldung hat die russische Schwarze Meer ⸗Flo 5 den Befehl erhalten, sich bereit zu machen, um nach den bulgarischen Gewässern abzugehen. In Odessa und anderen Häfen der Krim liegt eine große Anzahl von Dampfern, die Truppen aufnehmen sollen. f Rumänische Grenzverletzung durch die Russen. Das Neue Wiener Journal meldet aus Czernowitz: Bel den in der letzten Zeit stattgefundenen Kämpfen an der 1 bessarabischen Grenze wurde durch die Russen die Neutralitä 1 Rumäniens wiederholt verletzt. Ein russischer Fliegen überflog einige Male rumänisches Gebiet, wurde jedoch von rumänischen Soldaten angeschossen. Der rumänische Grenz“ verkehr ist wegen der Nähe des Kampffeldes in dieser Gehen 9 gestört.. e Russische Mißwirtschaft. 1 T. U. Stockholm, 14. Sept. Auch gestern kamen keine In“ validen aus Rußland in Haparanda an, weshalb der schwedische Invalidenzug leer durch Schweden gehen mußte, um in Trelleborg die russischen Invaliden aus Deutschland abzuholen. Diese treffen noch immer regelmäßig ein. 0 9 Einstellung des Eisenbahnverkehrs in Serbien T. U. Bukarest, 14. Sept. Nach einer Meldung aus Saloniki ist der gesamte Eisenbahnverkehr für den Zivil“ transport in Serbien eingestellt worden. Als Begründung hierfür gibt die serbische Heeresleitung an, daß das ganze Eisenbahnnetz für bevorstehende Truppenverschiebungen in Anspruch genommen wird. K 2 Kriegsuslizen. Der Familie Baron von Forstner in Rinteln(Grafsch Schaumburg) ist, wie der Deutsche Kurier meldet, aus Anlaß Heldentodes ihres Sohnes, bes Leutnants von Forstner(früher in Zabern vom Kronprinzen ein Lorbeerkranz mit eine eigenhändigen Beileidsschreiben zugegangen. 7 sind den 5 ge⸗ Von der Landesversicherungsanstalt Westfalen Kreisen und Städten 421060 Mk. als Beihilfe zur Verhütun sundheitlicher Schäden infolge des Krieges(namentlich zur Tuber kulosebe kämpfung) zur Verfügung gestellt worden. Weit e 100 000 Mk. erhalten die Gemeinden als Beihilfen zur Durchfüh⸗ rung von Maßnahmen gegen die Skrofulose. Anspruch haben aber nur die Gemeinden, die selber dafür Aufwendungen machen. 9 Der Arbeitsausschuß für die Bekämpfung der Not in der w fälischen Textilindustrie hat u. a. beschlossen, beim B rat zu beantragen, daß durch besondere Anordnung die wöchentliche Beschränkung der Arbeitszeit auf 5 Tage in den textilin. striellen Betrieben auch auf die Heimarbeiter ange wendet werden möge, damit die Streckung der Arbeitsgelegen nicht durch übermäßige Beschäftigung der Heimarbeiter zum N teil der Fabrikarbeiter verhindert wird.„ Die über unser Görlitzer Parteiblatt unterm 1. Juli ver. hängte Vorzensur ist bis auf weiteres von Seiten des stellven tretenden Generalkommandos aufgehoben worden. b Der Nouvelliste de Lyon meldet aus Paris: Der ehemalige Deputierte und Generalrat von Nivore, Chandioux, ist vo gestern wegen Unterschlagung und Fälschung öffentlicher Urkunden und Unterschlagung einer Postanweisung für Fl cht linge aus Nordfrankreich verhaftet worden. Das Journal meldet die auf Veranlassung des französtschen Marineministers erfolgte Verhaftung eines bekannten Reed direktors, der betrügerischer Weise die von der Regierung requi⸗ rierten Schiffe über ihren Wert abschätzen ließ, jede Einheit un etwa 150000 Franken. Diese falschen Erklärungen wurden v den Erbauern der Schise abgegeben, die der Reeder bestochen hatt N ö hat, wie ich noch kleene war, und se hier noch im Hause ge⸗ west is.“ „Bist de jung und scheene, Looft a hingerher, Bist de alt alleene— Moag a dich nich mehr!“ Sie hatte es schwermütig leise nachgesungen.— Der Höpplen ließ sie rasch los und rannte hinaus, als wenn ihm der Kopf brenne. Er ging stracks zu Seppelt, dem Weinschenken, mit welchem er seinen Rechtsstreit des„Bergels“ wegen hatte, und bot ihm ohne weitere Redensart sein ganzes liegendes Besitztum für zwanzigtausend Gulden an. Seppelt erstaunte anfänglich, griff aber hastig genug zu, weil er erwog, wie leicht sich ein anderer Weinschenk aus der Umgegend des herr— lichen Grundstücks bemächtigen, ihm also als Konkurrent auf die Nase setzen könne. Höpplen kehrte, als dies Geschäft vorläufig abgesprochen war, langsam nach Hause zurück, setzte sich, ohne Resi noch Nazi sonderlich zu beachten, an sein Pult und schrieb sofort sein„alleruntertänigstes Entlassungsgesuch aus kaiserlichem Zolldienst wegen zu großen Alters“. Es war ein gar harter Entschluß für den alten Mann, mit zwei Schlägen sich von seiner ganzen Vergangenheit los⸗ zusagen, aber ihm war, als wenn ein ahnungsvoller, innerer Dämon ihm peinigend zurief:„Verkauf alles, geh aus dem Zolldienst!“ Die jungen Leute, welche selten den Greis so finster und bewegt gesehen, verhielten sich möglichst still, wagten nur einen hastigen Blick und verstohlenen Händedruck. Als Höpplen sein Schreiben geendet und es versiegelt hatte, warf er es auf den Tisch mit dem Befehl an Nazi, daß er es morgen früh gleich an das Hauptamt zu Ruppersdorf bringen müsse. Dann verlangte er Wein und zwei Gläser, setzte sich neben den Neffen, schenkte ein und begann zuerst von ganz gleich⸗ gültigen Dingen zu reden. Er kam nach und nach auf seine Jugend, seine Heimat Rattenberg zu Tirol im Inntal, un⸗ zählte vom blauen Achen, von dem grünen Inn, wie das stolze Innsbruck mit dem goldenen Dächle rage, von Schwatz und dem Himmelreich, Schloß Freundsberg und der Martins wand— dem Ignaz wurde ganz seltsam zumute. So be⸗ geistert von seiner Heimat und so sehnsüchtig⸗wehmütig zu⸗ gleich hatte er den Oheim noch nie reden hören. Hinter del Gesprächigkeit des Alten lauerte zugleich eine ängstliche U ruhe, als rede er nur, sich schlimme Gedanken zu verschwatzen In dieser Bemühung war er jedoch plötzlich unterbrochen. f Die Tür sprang auf und in ihr erschien eine hohe, mager! Weibsperson. Ihr schwarzes Haar, ihr tiefliegendes, wild funkelndes Auge, und die scharf gebogene Nase, alles bewies, daß sie Rösels Mutter, das berüchtigtste Weib des ganzen Gebirges, mit einem Wort, die Grenzfeve war, welche vor ihm stand. Was irgend noch an Weiblichkeit etwa erinnern mochte, war vollständig unter Bosheit, Tücke, List und Herz“ losigkeit erstarrt und ließ sie, obwohl sie erst anfangs der Vierziger war, wenigstens fünfzehn Jahre älter erscheinen. Sie glich einer menschgewordenen, alten, dürren, beute gierigen Katze. Ein dunkelroter, sehr zerrissener Rock nebst graublauer, schmieriger Schürze deckte ihren Unterkörper ung das nackte, unbeschuhte Bein. Ihre Brust umspannte ein altes, schwarz und rot geblümtes Mieder von verschossenem Manchester, die Spangen und Hefthaken aber waren meist ab⸗ gerissen, so daß auf der Brust alles auseinander klaffte un auf das schmutzige Hemd einen sehr unfreiwilligen Einbli gestattete, welchen das gelbe, wollene„Vortüchel“ schlecht verhinderte. Eine Jacke hatte sie über den Arm geworfen, in welchem sie zugleich einen dicken Prügel, so lang ie fi selber, hielt; um ihren Kopf hatte sie ein rotes Tuch gewickelt, wie es die böhmischen Nußweiber tragen, und die Zipfel desselben fielen auf ihre Schultern. Auf dem Rücken krug sie aber einen großen Pack. Indem sie an der Tür beim Ofen die Bürde niedersetzte, den Stock an die Wand stellter sagte sie kurz und rauh:„Do hast de mich!“ d „Geh nunter, Nazi, aber— du weißt, was du mir zucgzsag 13 ist das schlässche Liedel, was mir mei Mutter gelernt weit der Ziller, und wie da alles Jo schön und wonnig sei, er⸗ hast!“— Nazi ging still hinab. »Furtiegung folgt! *— 0 N fen ein rei teil. 2 777 Hessen Gießen und Umgebung. Frsaß der Petroleumbelenchtung durch Spiritusglählich Trotz allen Bemühungen wird der Bedarf der Zivil— bevölkerung an Leuchtpetroleum für den kommenden Herbst und Winter nur zu einem Teil gedeckt werden können. Die Reichs- und Staatsbehörden sind daher seit längerer Zeit bemüht, für die Schaffung von Ersatzbeleuchtung Sorge zu tragen. Wo es nach den örtlichen Verhältnissen nicht mög⸗ lich gewesen ist, elektrisches oder Gaslicht einzuführen, kommt für den Petroleumersatz im nächsten Winter hauptsächlich das Azetylenlicht und das Spirituslicht in Betracht. Das für die Azetylenbeleuchtung erforderliche Karbid wird aber im kommenden Winter nur in mäßigen Mengen zur Verfügung stehen, da die Karbidfabrikanten vertraglich gebunden sind, das Karbid zum größten Teile für die Verwendung zu Stickstoffprodukten zu liefern. Ueber⸗ dies sind mit der Azetylenkleinbeleuchtung(Tischlampen) bei ungeeigneter Konstruktion, nicht sehr sorgfältiger Aus⸗ führung oder unzweckmäßiger Behandlung der Lampen eine Reihe von Mängeln verbunden, sodaß die Behörden auch aus diesem Grunde von einer Förderung dieser Beleuchtungsart absehen werden. Ein nahezu vollwertiger Ersatz der Petroleumbeleuchtung ist in der allerdings etwas teureren Spiritusbeleuch⸗ tung gegeben. Die Hauptschwierigkeit, nämlich die Be⸗ schaffung einer genügenden Anzahl der bisher aus Kupfer und Messing hergestellten Brenner, ist von der Industrie durch die Herstellung eines ohne Verwendung von Kupfer und Messing gefertigten Brenners von tadelloser Beschaffen— beit überwunden worden. Nachdem weiter von den Behörden durch geeignete Maßnahmen die Bereitstellung hinreichender Mengen Spiritus gesichert worden war, ist unter Mitwirkung und Aufsficht der obersten Reichs⸗ und Staatsbehörden eine Vertriebsgesellschaft, die Spiritus Glühlicht⸗ Kriegsgesellschaft m. b. H. zu Berlin, Leipziger⸗ straße 2, gegründet worden mit dem Zwecke der Versorgung Deutschlands mit Kleinbeleuchtungsmitteln für Spiritus⸗ glühlicht, insbesondere des Vertriebes von Spiritusbrennern für Kleinbeleuchtungszwecke. Die Gesellschaft wird den neuen Spiritusbrenner unter der Bezeichnung„Kriegslicht“ einschließlich Docht zum Kleinhandelspreis von 4 Mark ver⸗ treiben. In diesen Betrag ist der Preis für die Zubehör⸗ teile, wie Glühstrumpf, Zylinder, Füllkännchen, Füllstück, deren Beschaffung etwa noch 1,25 Mark Unkosten verursacht, nicht eingeschlossen. Um die Einführung der neuen Brenner nach Möglichkeit zu fördern, sind die Staats⸗ und Kommunal⸗ behörden veranlaßt worden, Bestellungen auf die Brenner zu sammeln und der Kriegslichtgesellschaft die Sammel⸗ aufträge zu übermitteln. Behörden und Kommunen werden die neuen Brenner, die etwa von Mitte September lieferbar sein werden, zu einem Vorzugspreis unter der Verpflichtung erhalten, sie zum Preise von 4 Mark an die Bevölkerung ab⸗ zugeben. Die neuen Brenner lassen sich auf jede Petroleumlampe aufschrauben. Zumeist wird noch ein mit passendem An⸗ Achlußgewinde versehenes Füllstück zwischen Lampensockel und Brenner verwendet werden müssen. Die Kriegslichtgesellschaft wird aus diesem Grunde den Kleinhändlern, die Kriegslichtbrenner vertreiben, die Ver⸗ pflichtung auferlegen, diese nur mit, Glühkörpern und Zylindern bestimmter Fabriken auszurüsten. Da die Um⸗ änderung vorhandener Petroleumlampen in eine Spiritus⸗ lampe immerhin eine gewisse Sachkunde voraussetzt, empfiehlt es sich, hiermit die Kleinhändler zu betrauen, bei denen die Brenner gekauft werden. Die Händler werden von der Krieglichtgesellschaft auf Einhaltung des Einheitspreises von 4 Mark für den Brenner sowie angemessener Preise für die Zubehörteile, deren Güte geppährleistet wird, verpflichtet werden. Die neuen Spiritusbrenner haben eine Lichtstärke von durchschnittlich 50 Hefnerkerzen gegenüber etwa 18 Kerzen der 14 Linien⸗Petroleumbrenner. Ihr Spiritus⸗ verbrauch beträgt etwa/ Liter in der Stunde, sodaß sich die Betriebskosten bei dem gegenwärtigen Preis des ver⸗ gällten Spiritus von 60 Pfg. für das Liter auf 5 Pfg. für die Brennstunde stellen. Eine Ermäßigung des jetzigen Spirituspreises ist aber nicht ausgeschlossen. Sollte nach längerer Brenndauer die Helligkeit zu stark abnehmen, so genügt in der Regel die Reinigung der Lampe und die Er⸗ neuerung des Dochtes(Preis etwa 25 Pfg.), um die Lampe wieder in den früheren Stand zu setzen. Die Reinigung wird man am besten dem Kleinhändler üüberlassen. Einem Bedürfnis nach Herstellung von Spirituslampen geringerer (etwa 30 Kerzen) oder größerer Helligkeit(bis zu 100 Kerzen) würden die Brennerfabrikanten durch Abänderung der 50 Kerzen⸗Brenner entsprechen können. Der Vorteil kleinerer Brenner würde in einem geringeren Spiritusverbrauch liegen, hingegen würde sich der Preis nicht ermäßigen lassen. Vorläufig beabsichtigt die Kriegslichtgesellschaft jedoch nur den normalen Brenner herstellen zu lassen. 1 f Im Interesse der gewerbetreibenden und ärmeren Be⸗ völkerungskreise, denen das wenige im kommenden Winter zu Gebote stehende Petroleum wegen seiner Billigkeit vor⸗ zugsweise überlassen werden sollte, darf erwartet werden, daß jeder, dem es seine Mittel irgendwie gestatten, auf Petroleum verzichtet, und wenn Gas oder Elektrizität nicht zur Verfügung stehen, nur Spiritusbeleuchtung für Innen⸗ licht verwendet. Auch die Behörden werden aus diesem Grunde in eigenen Betrieben an Stelle der bisherigen Petroleumbeleuchtung Spiritusbeleuchtung, soweit irgend ongängig, einführen. 0 Weiter ist von der Reichsleitung angeregt worden, über⸗ all dort, wo der Bedarf an Licht nur teilweise gedeckt werden kann, größere Säle in Schulhäusern oder dergleichen für die Bevölkerung zur Verfügung zu stellen. Eine solche Schaffung ** W und Aufenthaltsräumen 155. arbeiterinnen Gelegenheit geben, ihre Arbeit auch ende . Tagesstunden 50 Eecigen und sich dem erforder⸗ und Nachbargebiete. lichen Verdienst zu sichern. Zur Beleuchtung solcher Arbeits- stuben eignet sich das Spiritusglühlicht ganz besonders wegen seiner großen Leuchtkraft. i Die Fortdauer der hessischen Landtagsmandate. Der Gesetzgebungsausschuß der Zweiten Kammer tagte am Sams- tag unter der Leitung seines zweiten Vorsitzenden, des Abg. Reh, und hatte zum einzigen Beratungsgegenstand die Re— gierungsvorlage betr. die Abänderung des Wahl- gesetzes vom Juni 1911 und der vom Dezember v. J. dazu erlassenen Ergänzungsbestimmungen. Nach kurzer Beratung stimmte der Ausschuß der Vorlage einstimmig zu und vertagte sich dann. Das Plenum der Kammer wird Mittwoch den 29. September zu einer kurzen Tagung zu⸗ sammentreten, um über die Ausdehnung der Mandatsgültig⸗ keit zu beschließen. Höchstpreise für Kartoffeln. Der„Kriegsausschuß für Konsumenteninteressen“ hat an den Stellvertreter des Reichs⸗ kanzlers eine Eingabe gerichtet, in der die Festsetzung von Höchstpreisen für Kartoffeln verlangt wird. Bei der Fest⸗ setzung dieser Höchstpreise soll nicht von dem Wert der Kar⸗ toffel als Futtermittel, sondern von den Erzeugungskosten und auch von der Zahlungsfähigkeit der Verbraucher aus- gegangen werden. Der Erzeugungswert stellt sich auf den Berliner städtischen Rieselgütern auf etwa 1,25 Mark für den Zentner. Wenn auch bei diesen Gütern infolge der höheren Löhne und der erheblichen Verzinsung und Amortisation des teueren Bodens in der Nähe der Großstadt (trotz der billigen Düngung) höhere Preise als bei den eigent⸗ lichen landwirtschaftlichen Großgütern am Platze sind, so will der Kriegsausschuß doch allen Erzeugern in Anbetracht der durch den Krieg verteuerten Herstellungsbedingungen einen Zuschlag von 100 v. H., also einen Verkaufshöchstpreis von 2,50 Mark zugestehen. Dem Großhandel sollen hierzu 70 Pfg. Aufschlag und dem Kleinhandel 60 Pfg. Aufschlag gewährt werden, sodaß sich der Zentner Kartoffeln beim Verkauf an die Verbraucher auf höchstens 3,80 Mark stellen würde. Bei dem 10 Pfund⸗Verkauf soll der Kleinhändler statt des genannten Aufschlages von 6 Pfg. einen solchen von 8 Pfg. nehmen dürfen. Der Preis für 10 Pfund Kar⸗ toffeln würde sich also auf höchstens 40 Pfg. stellen dürfen. — Für unsere Gegend ist angesichts der überaus reichen Kartoffelernte dieser Preis für den Einzelverkauf entschieden zu hoch. Aeichnet die dritte Kriegsanleihe! — Die Schweinefleischpreise, welche jetzt eine geradezu phantastische Höhe erreicht haben, zeigten auf dem Frank— furter Viehmarkte vom Montag immer noch steigende Tendenz, obwohl auf dem Schweinemarkt gedrückter Ge⸗ schäftsgang herrschte und trotz geringen Auftriebs Ueberstand verblieb. Wo das noch hinführen soll, mögen die Götter wissen. Unverständlich ist es, daß die Regierung nicht ein⸗ greift, um der Preistreiberei ein Ende zu machen. Jeder weiß, daß die unerhörten Preise durch nichts gerechtfertigt sind; aber die Agrarier nehmen, was sie kriegen und fühlen sich dabei noch höchst„patriotisch“.— Bei den Wucherpreisen für Fleisch, Fett usw. wird den Leuten auch noch schlechtes, verdorbenes Zeug verkauft. Deswegen hatten sich dieser Tage zwei Metzger in Frankfurt vor Gericht zu ver⸗ antworten. Der Metzger und Wirt Jean Schäfer hat im Mai Schweineschmalz verkauft, das nach dem Gutachten des Nahrungsmittelchemikers Dr. Willecke unglaublich verdorben, sauer und„ranzig“ war. Die Verdorbenheit rührt zum Teil daher, daß bei der Herstellung das Wasser nicht ordentlich ausgeschieden war. Schäfer wurde von der Strafkammer wegen wissentlichen Vergehens gegen das sKahrungsmittel⸗ gesetz zu 300 Mark Geldstrafe verurteilt. Das Urteil soll auf seine Kosten veröffentlicht werden.— Auch der Metzger Felix Mündler hat Schweineschmalz verkauft, das sauer und ranzig war. Außerdem war es durch den Zusatz von Rinder⸗ talg verfälscht. Das Urteil lautete wegen wissentlichen Ver— gehens gegen das Nahrungsmittelgesetz auf 200 Mark Geld⸗ strafe. — Warum zeichnen wir die Kriegsanleihe? Ueber dieses Thema sprach gestern abend Prof. Skalweit in der neuen Aula vor sehr zahlreicher Zuhörerschaft. Der Redner führte aus, daß die finanzielle Seite des Krieges die gleiche Be— deutung beanspruche wie die militärische. Er beleuchtete in seinen weiteren Ausführungen die wirtschaftlichen Verhält⸗ nisse der feindlichen Staaten, die erheblich ungünstiger da⸗ ständen als Deutschland. Sogar in England, dessen Finanzen alle Welt für unerschütterlich gehalten habe, machen sich die Folgen des Krieges auf das empfindlichste im Wirtschafts⸗ leben bemerkbar. Was noch nie dagewesen, sei jetzt einge— treten: das Sinken des Sterlingkurses, der bei schwersten Finanzkrisen unerschütterlich fest gestanden habe. Dadurch erleide England große Verluste, da es seine von Amerika bezogenen Waren um soviel Prozent teurer bezahlen müsse, als der Sterlingkurs gesunken sei. Zum Schluß appellierte Redner an alle, die dritte Kriegsanleihe zu zeichnen, auch wer nur eine geringe Summe zeichnen könne, solle es tun, zumal er dabei Vorteile habe und kein Opfer bringe. Wir zeichnen die Anleihe, weil wir müssen und wollen! schloß der Redner unter lebhaftem Beifall.— Oberbürgermeister Keller bemerkte, daß bei der ersten Kriegsanleihe Gießen von den hessischen Städten den größten Betrag geliefert habe, was ihn mit Stolz erfülle. Er hoffe, daß auch bei dieser Anleihe Gießen an erster Stelle stehe; unsere Kassen und Banken seien gefüllt. Die Hoffnung der Feinde auf den wirtschaftlichen Zusammenbruch Deutschlands müsse zu— schanden werden. Auch die Ausführungen des Oberbürger— meisters fanden starken Beifall. ö — Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Freiwilliger Ludwig Schön aus Beuern, Inf.⸗Reg. 254.— Musketier Heinrich Boppert aus Altenburg bei Alsfeld, Inf.⸗Reg. 146. i e N geriff Fortschritte. Abänderung des Margarinegesetzes. Oer Bundesrat vat durch Verordnung die nachstehende Abänderung des Margarinegesetzes bestimmt: Die Inschrist auf Gebinden oder Kisten, in denen Mar⸗ garine, Margarinekäse oder Kunstspeisefett gewerbsmäßig verkauft oder seilgehalten wird, kann bei ausländischen Erzeugnissen anstelle des Namens oder der Firma sowie der Zeichen(Fabrikmarke) des Fabrikanten den Namen und den Wohnort oder die Firma und den Sitz des Verkäufers, der die Ware eingeführt hat, enthalten. 0 Skandalöser Mehlwucher. In Mainz ist, sestgestellt worden, daß von Bäckern und Mehlhändlern Leute, die gegen Abgabe der Brotkarte Weizenauszugsmehl zum gesetzlichen Höchstpreise ver⸗ langten, mit dem Bemerken abgewiesen wurden, es sei nur beschlagnahmefreies Mehl zum Preise von 65 Pfg. das Pfund vor⸗ rätig. Die polizeiliche Untersuchung ergab, daß der Händler vom Kommunalverband überlassenes Weizenmehl als beschlagnahmefreies Mehl verkaufte und anstatt für 28 Pfg. das Pfund für 65 Pfg., also mit einem Wuchergewinn von nahezu 300 Prozent absetzte. Anzeige ist erstattet worden. 3 — Die Gefährlichkeit der Tollkirsche. Aus Pforzheim wird be⸗ richtet, daß dort zwei Kinder des Fuhrunternehmers Mannal infolge des Genusses von Tollkirschen starben. Zwei Landwirte in 85 in der Oberpfalz büßten vor Kurzem insolge der gleichen Unvor⸗ sichtigkeit das Leben ein. Wir erwähnen diese traurigen Fälle, die zur Vorsicht mahnen, deshalb, weil in den Wäldern unserer Gegend die Tollkirsche häusig anzutreffen ist; Kinder, die im Walde Beeren suchen, oder dahin Ausflüge unternehmen, sollten daher vor dem Genuß dieser giftigen Beeren und überhaupt aller Frlichte, die sie nicht genau kennen, gewarnt werden. 5 0 — Auf den Wochenmürkten suchen sich die Hausfrauen nach Möglichkeit selber zu helfen. In Marburg kauften am Sams⸗ tag viele keine Butter, weil die Verkäufer 1,80 bis 10 Mk. ver⸗ langten. Am Ende des Marktes waren infolgedessen noch be⸗ deutende Buttervorräte unverkauft. Das drückte dann doch auf den Preis; da die Händler und Bauern ihre Ware nicht wieder mitnehmen wollten, verkauften sie das Pfund nunmehr zu 1,50 Mk. — In Zittau i. Sachsen benutzten die über die hohen Preise empörten Hausfrauen als Wurfgeschosse Eier und Butter. Der handelsübliche Preis für ein Stück Butter war dort 90 Pfg. Eine Händlerin soll nun 1,08 Mk. verlangt und, als die Käufer über diesen Preis empört waren, die Aeußerung gebraucht haben: „Da freßt doch keine!“ Das hat dem Faß den Boden ausge⸗ schlagen. Die empörten Käufer nahmen den Eierkorb und stülpten ihn der Händlerin über den Kopf, und als diese den Korb dann hinter den Frauen herwarf, nahmen diese die Butter und warfen sie der Händlerin an den Kopf. Einem anderen Händler, er schleunigst den Markt mit seinem Wagen verlassen wollte, hat mau die Körbe vom Wagen gerissen und dem Händler an den Kopf ge⸗ worfen. Weithin trug der Platz die Spuren vernichteter Eier und Butter, aber auch die Kleidungsstücke verschiedener Marktbesucher nahmen Andenken davon mit nach Hause. Natürlich erschien auch bald die Polizei und suchte durch eine Ansprache die empörten Ge⸗ müter zu beruhigen, dabei die Regelung der Preise versprechend. — Einlösung der Zinsscheine der Reichskriegsanbeihen bei den Postanstalten. Zur Erleichterung der Einlösung der Zinsscheine der Kriegsanleihen sind die Reichspostaustalten angewiesen wor⸗ den, die Zinsscheine der Reichs-Kriegsanleihen künftig— zunächst versuchsweise— in Zahlung zu nehmen oder gegen bar umzu⸗ tauschen. Die am 1. Oktober fälligen Zinsscheine der ersten Kriegs⸗ anleihe werden bereits vom 21. September ab eingelöst. Hierdurch wird hoffentlich allen denen, die bisher wegen Schwierfgkeit, der. Einlösung der Zinsscheine von der Zeichnung auf die dritte Kriegsanleihe absahen, der Entschluß zum Zeichnen erleichtert wer⸗ den. Die Zeichnungen auf die dritte Kriegsanleihe werden noch bis zum 22. September, mittags 1 Uhr, bei allen Postanstalten ent⸗ gegengenommen. 155 — Die Metall⸗Sammelstelle ist, wie der Oberbürgermeister in seiner heutigen Bekanntmachung bekannt gibt, von jetzt ab Montags und Donnerstags von vormittags 9—12 Uhr geöffnet. E Kreis Alsfeld⸗Laukerbach. — Kartoffel⸗Versorgung im Kreise Alsfeld. Ein Aufruf des Kreisrats Dr. Heinrichs an die Bürgermeistereien betrifft die Ver⸗ sorgung der minderbemittelten Einwohner mit billigen Kartoffeln. In der Bekanntmachung heißt es u. a.:„Da die Kartoffelernte reich⸗ lich ausfällt, braucht mit einem Mangel an Kartoffeln nicht gerech⸗ net zu werden. Infolgedessen muß der Bedarf für die minder⸗ bemittelten Kreise auf ein Jahr sichergestellt werden. Den Ge⸗ meinden ist deshalb zu empfehlen, beizeiten entsprechende Vorrät für genannten Zweck zu beschaffen, um sie im Laufe des Jahres billig abgeben zu können. Daß dabei infolge Kartoffelschwund und Verderben mit einem Ausfall gerechnet werden muß, darf kein Grund sein, das Nötige nicht zu tun.... Die Bürgermeister haben bis zum 22. September Bericht zu erstatten, welche Maßregeln sie zur Beschaffung billiger Kartoffeln ergriffen haben.“ Die Verord⸗ nung des Alsfelder Kreisrats verdient wärmste Beachtung und Nachahmung! J Westerwald und Unterlahn. Liebesdrama. Ju Limburg erschoß am Montag in der Nähe des Gymnasiums ein gewisser Höhmeisen aus Köln seine Geliebte, ein Fräulein Nied aus Nomborn i. W., und dann sich selbst. In einem Briese, der neben ihnen lag, hatten die beiden den Ver⸗ wandten von ihrer Absicht Mitteilung gemacht und Abschied ge⸗ nommen. N 8 8 Telegramme. Lugrstrridt zeöGiufen Funpark Luftüberfälle auf süddeutsche Städte. Erfolgreiche Kämpfe im Osten. W. B. Großes Hauptquartier, 14. Sept., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Unter teilweise sehr heftiger Tätigkeit der Artillerit verlief der Tag sonst ohne wesentliche Ereignisse. Ein schwacher Vorstoß gegen das Schleuseuhaus von Sapigneul(ruordwestlich von Reims) wurde zurückge⸗ schlagen. 0 Auf Trier, Mörchingen, Chäteau⸗Sa; lins und Donaueschingen wurden von feindlichen Fliegern Bomben abgeworfen. Bei Donau eschingen wurde ein Personenzug mit Maschinengewehrfeuer be⸗ schossen. Es sind einige Personen getötet oder verletzt. Aus dem über Trier erschienenen Geschwader wurd ein Flugzeug(südwestlich von Feutsch) heruntergeschossen, Oestlicher Kriegsschauplatz. 15 Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls 2 v. Hindenburg. Auf der Front zwischen der Düna und der Wilijg (nordwestlich von Wilna) sind wir unter Kämpfen in weite⸗ rem Vorgehen. Es wurden 5200 Gefangene gemacht, 1 Gee schütz, 17 Munitionswagen, 13 Maschineugewehre und viel Vagage erbeutet. Auch östlich von Olita machte unser An⸗ 4 Im Niemen bog kn ⸗Guorböstlich von Gr du dhene langke die Verfolgung bis halbwegs Lida. Weiter südlich mähern wir uns dem Szozara-Abschnitt. »Der Bahnhof Lid a wurde nachts mit Bomben beworfen. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls * Prinzen Leopold von Bayern. Die Verfolgung gegen den Szezara-Abschnitt blieb im Fluß. Feindliche Nachhuten wurden geworfen. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls 0 v. Mackensen. Auch hier konnte der Feind die Verfolgung nicht auf⸗ halten. Einige 100 Gefangene wurden eingebracht. 9 Südöstlicher Kriegsschauplatz. die 2 2 Lage bei den deutschen Truppen ist unverändert. 7 g Oberste Heeresleitung. n 2 Deutsche Wasserflugzeuge über dem Rigaer Meerbusen. W. B. Berlin, 14. Sept.(Amtlich.) Am 12. Sept: haben deutsche Wasserflugzeuge einen Angriff auf russische Seestreitkräfte im Rigaer Meerbusen und auf Rig a und Dünamünde gemacht. Eines der Flugzeuge sichtete vor der Bucht ein feindliches Flugzeug⸗Mutterschiff und belegte es mit Erfolg mit Bomben. Brandwirkung wurde beobachtet. Ein anderes Flugzeug griff einen Zerstörer mit Bomben an und erzielte einen Treffer. Ein drittes entdeckte in der Arensburger Bucht ein Flugzeug⸗Mutterschiff und brachte ihm zwei Treffer bei. Einem vierten Flugzeug, das bei Zerel einen Kampf mit zwei russischen Flugzeugen zu bestehen hatte, gelang es, an einen Zerstörer heranzukommen und auf ihn einen Treffer zu erzielen. . Das fünfte traf zwei getauchte U-Boote vor Windau und bewarf sie mit zwei Bomben. Der Erfolg konnte nicht festgestellt werden. . Das letzte Flugzeug erzielte auf der zum Torpedobvot⸗ bau für die russische Marine bestimmten Mühlgraben-Werft in Dünamün de sechs Treffer in den Werkstätten und auf den Hellingen. Die Werft geriet in Brand. Eines der Flugzeuge begegnete im Rigaer Meerbusen einem russischen Segelschiff, welches versenkt wurde, nachdem, die Mannschaft gerettet war. 1 Der Chef des Admiralstabs der Marine. 2 5 Der österreichisch · ungarische Tages bericht Die Kämpfe in Wolhynien und Litauen. * ien, 14. Sept.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: 1. Salenter 1915: Russischer Kriegsschauplatz. Die Lage in Ostgalizien ist unverändert. Der Feind griff heute früh unsere Strypa⸗Front an, wurde aber abgewiesen. Auch in Wolhynien sind die Russen unter Heranziehung neuer Truppen an zahlreichen Stellen zum Angriff übergegangen. Während bei Nowo⸗ Aleksiniec die Kämpfe noch andauern, wurde der Feind bei Dubno unb am Stubiel⸗Abschnitt überall unter großen Ver⸗ lusten zurückgeworfen. Unsere in Litauen kämpfenden Streitkräfte überschritten in der Verfolgung des Gegners südlich von Slon im die Griuda⸗Niederung. Nachlassen der italienischen Angriffe. 8 Italienischer Kriegsschauplatz. Nach erfolglosen italienischen Angriffen der letzten Tage trat gestern in den großen Kämpfen bei Flitsch und Tolmein eine Pause ein. Bei Plawa vertrieb ein Feuerüberfall unserer Artillerie den Feind aus einem mehrere Kilometer breiten Frontstück. Die slüchtenden Italiener erlitten große Verluste. An der Tiroler Front wurden Angriffsversuche schwächerer feindlicher Abteilungen gegen unsere Stellungen bei der Grenzbrücke im Popenatale(süd⸗ lich Schluderbach) und im Tonalegebiet abgewiesen. Im großen und ganzen herrscht an der Südwestfront Ruhe. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschallentnant. Lloyd Georges„Vorrede“. Die Vorrede Lloyd Georges zu den Kriegsreden, die im Auszug bereits gemeldet wurde, lautet:„Nach zwölf Monaten des Krieges ist meine Ueberzeugung stärker denn je, daß England dem Sriege nicht fern bleiben konnte, ohne seige eigene Sicher⸗ heit zu gefährden und seine Ehre zu beeinträchtigen. Wir hätten 5 zunisch mit verschränkten Armen zusehen können, während das * nnd, dem wir das Versprechen unseres Schutzes gaben, von dem itbeschützer verheert und zertreten wurde. Wenn britische Frauen und Kinder auf hoher See von deutschen Unterseebooten brutal getötet worden wären, hätte die Nation darauf bestanden, das kindermörderische Reich zu strenger Verantwortung zu ziehen. Alles, was seit der Kriegserklärung geschehen ist, hat klar bewiesen, daß ein Militärsystem, das so wenig Rücksicht auf die bona kides, ehrenhafte Verpflichtungen und die elementaren Triebe der Mensch⸗ lichkeit nahm, eine unbeschränkte Bedrohung der Zivilisation dar— stellt und trotz der schrecklichen Kosten, die seine Zerstörung erheischt, verlangt das Wohlergehen der Menschheit, daß es gerstört werde. Die Tatsache, die durch die Ereignisse erwiesen ist, daß die Macht einer Militärclique die düstersten Voraussagen ibertrofsen hat, ist ein weiterer Grund für ihre Zerstörung. Die widrigen Ereignisse des Krieges haben meinen Glauben an den schließlichen Sieg nicht geschwächt, wofern die Alliierten all ihre Kraft anspannen, ehe es zu spät ist. Obwohl die Hilfs- guellen Englands, Frankreichs, Rußlands und der ganzen in⸗ dustriellen Welt zur Verfügung der Alliierten leberlegenheit an Kriegsmaterial und Ausrüstung; eine beklagens⸗ werte Tatsache. Es ist genau das, was man vorhersehen konnte. Die eiserne Ferse der Deutschen ist tieser denn je in den Boden Belgiens und Fvankreichs gesunken. Polen ist ganz deutsch und Litauen folgt schnell. Die russischen Festungen, die für unüberwindlich galten, fallen wie Sandburgen vor der unwiderstehlichen Flut der deutschen Invasion. Wann wird diese Flut zurückebben oder zurückgedrängt werden? Sobald die Alliierten mit einem Ueberfluß an Kriegs— material versehn sind! Ich führe diese unerfreuliche Tatsache an, weil ich meine Landsleute dazu aufstacheln möchte, alle Kraft anzu⸗ f besitzen dennoch die Zentralmächte eine überwältigende spannen, um die Lage zu verbessern. Es ist die unangenehmste Auf-] gabe, die einem im öffentlichen Leben stehenden Manne zufallen kann, auf solche Dinge hinzuweisen. Aber wer solchen Tatsachen micht ins Gesicht sehen will und nicht sein Bestes tut, damit auch die anderen ihnen ins Gesicht sehen, bis sie wieder gutgemacht sind, übt Hochverrat. In den Ländern der Alliierten hat es ein großes Erwachen ge- geben. Gewaltige Anstrengungen wurden gemacht, um die Heere auszurüsten. Wir leisten Enormes, aber können wir nicht noch mehr leisten? Spannen wir alle unsere Muskeln an, um die ver— lorene Zeit einzuholen, bekommen wir alle Männer, die wir im müchsten Jahre an die Front stellen wollen, nur deshalb, damit wir behaupten können? Versteht jedermann, der helfen kann, daß it den Ruin bedeutet? Wie viele in Enaland verstehen die volle Bedeutung des rufsischen Ruczuges? Floyd Weorge schneßt die Vorrede, wie bereits gemeldet, mit einer Mahnung zum höchsten Opfermut.“(W. T. B.) Die Räumung von Petersburg wird fortgesetzt. T. U. Kopenhagen, 14. Sept. Berlingske Tidende meldet aus Petersburg: Die Räumung der Stadt wird fortgesetzt, ebenso die Entfernung von Wertsachen und Kupfergegen⸗ ständen. Diese wird so gründlich durchgeführt, daß sogar das kupferne Dach des Domes entfernt wurde. 5 Die Morningpost meldet aus Petersburg: Der Erfolg der Deutschen bedroht die russischen Stellungen bei Wilna und an der Düna. Der allgemeine Eindruck ist, daß die Deutschen überall den empfindlichsten Punkt in den russischen Stellungen suchen, um eine entscheidende Schlacht zu liefern. Der Zweck der russischen Bewegungen war bisher, dieses zu vermeiden. Aber bei der Beschleunigung der Munitions⸗ lieferungen ist es möglich, daß die Zeit bald kommen wird, in der die Notwendigkeit dieser Verzögerung aufhört. Zit den Z- Angriffen auf London. Der Londoner Korrespondent der Amsterdamer Tyd berichtet seinem Blatte über die Zeppelinangriffe auf London eine Reihe von Einzelheiten, denen folgendes zu entnehmen ist: Beim Er⸗ scheinen der Zeppeline ertönte aus allen Gegenden 8 Geläute. Fenster wurden aufgerissen, Menschen liefen auf die Straße und es entstand ein allgemeines Angstgefühl. Die Leute klagten darum, wie die Zeppeline London erreichen konnten, ohne angekündigt zu werden und warum nicht Geschwader von Flugzeugen sie ver⸗ treiben. Es wird dringlich verlangt, daß die Militärbehörden end— lich kräftige Maßregeln ergreifen, um die Stadt besser vor der Luftgefahr zu schützen. Der Schaden, der von den Zeppelinen an⸗ gerichtet worden ist, ist sehr bedeutend. Der Korrespondent be— schreibt die Stadtteile, in denen bei dem letzten Bombardement keine Fensterscheibe ganz geblieben ist. Viele Brände haben zum Vernichtungswerk mit beigetragen. Nach jedem Angriff ist die Zahl der Toten beträchtlich. Nach einem Bericht des Amsterdamer Handelsbladet aus London sind bei den Zeppelinangriffen im Hafenviertel von London Bomben geworfen, durch die auch neu— trale Schiffe in Gefahr gerieten. Das Allgemeen Handelsblad erfährt aus London: Infolge der mehrfachen feindlichen Luftangriffe auf London verfügten die Be— hörden, daß der gesamte Hafenbetrieb, wie das Löschen und Laden der Schiffe im Londoner Hafen, des Nachts ruhen muß. Sämtliche Lichter des Hafens müssen gelöscht werden, um dadurch feindlichen Luftschiffen keine Orientierung nach der Themse und dem Hafen zu ermöglichen. Diese Maßnahme dürfte den Handel schwer schädigen und für den Schiffsverkehr erhebliche Verzögerungen zur Folge haben. Auch die Einnahme der Stadt London aus dem Hafen— betrieb dürfte dadurch beträchtlich geschmälert werden. Das Londoner Pressebureau teilt mit, daß Admiral Sir Perey Scott zum Kommandanten der Londoner Fliegerabwehr— artillerie ernannt worden sei. Amsterdam, 14. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Aus England eingetroffene Reisende erzählen, daß Zeppeline in der Nacht vom 12. September bis Chiswick im äußer⸗ sten Südwesten des Londoner Bezirkes gelangten. Der ange⸗ richtete Schaden soll entgegen den amtlichen englischen Meldungen sehr bedeutend sein. Der türkische Tagesbericht. Konstantinopel, 14. Sept.(W. T. B.) Das Haupt⸗ quartier teilt mit: Auf der Dardanellenfront in den Ab⸗ schnitten von Anaforta und Ari⸗Burnu überfielen in der Nacht zum 13. September unsere Aufklärungskolonnen er⸗ folgreich verschiedene Stellen der feindlichen Gräben. Am 13. September beschoß unsere Artillerie mit Erfolg feind— liche Truppenansammlungen und Verpropiantierungs⸗ kolonnen und zerstreute sie, indem sie ihnen Verluste bei— für jede Hausfrau ist die Benützung einer guten, % 0% 2 , modernen und schnellnähenden Sturmvogel⸗ Cb ARäghmaschine. Elegante Modelle in Eiche, mit Ziermöbel in neuartiger Ausführung. Die ——— Maschine der Zukunft mit versenkbarem Oberteil. ee J Deutsche Fabrikate ersten Ranges. Ein guter 7 7 T 8 5. 70. 8. 2 N N 5 leicht verkäuflicher Artikel für Händler. Auf⸗ 4 klärender und lesenswerter Katalog gratis. 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Sept.(W e relle quartier wird det: 2 14 An Zeunseaben Tage wo die Engländer den gemeldeten Au⸗ griff gegen die Stadt Lohaja, nördlich von 5 0 9 1015 Meere unternahmen, griff eine Streitmacht von 2 M die itte waren und von dem Verräter von allen Existenzmitteln entblöß 5 F das sie von den Engländern erhalten riß mit Hilfe von Geld, das b von der Landseite an. 0 ff ren 1 hatten, bewaffnet worden waren, Kileger unternahmen einen Türken und eingeborene 5 174 875 1 kühnen Gegenangriff und schlugen die A ngreifer zurück, 1 die 423 Tote, darunter den Anführer Mehemed Tahir, und* ö— Menge Verwundeter zurückließen. 1 95 05 Im eignen Netz gefangen. 2 ate. Ein in Le Havre weilender hervorragender französischer Tauch⸗][ df bootkommandant hat, wie der Berliner Lokalanzeiger nach dem bele«— gischen Regierungsblatt XX. Siecle mitteilt, berichtet, daß vor einigen Tagen ein französisches Unte rseeboot zu Nr. Grunde l gegangen sei, weil es an der belgischen Küste in ein vom— Feinde gelegtes Fangnetz geriet. Da an ein Entweichen nicht 14 mehr gedacht 1 4 2 versuchte das Boot an die Oberfläche N zu kommen und zwar samt dem Netz. Das glückte zwar, aber das Boot war nicht mehr manöverierfähig. Die Mannschaft rettete sich au die von den Alliierten besetzten Küstensäume. Die Marktpreise für Vieh und N Frucht E September 1915 ö und die Gießener Fleisch⸗ und Brotpreise am 13. 5 Schlachtviehpreise in ischpreise in Ge; 1 Frankfurt a. M. Fleif hpreis 5 1 SOchsen 50 kg Schlachtgewicht 11014 Mk. ½ kg 116120 Pf. Kälber.„ 15 119—142 Pf ½„ 106110. Schweine/„ 170190„ ½„ 170000 ber 5 7 7 e Getreidepreise in Mannheim. Brotbreise in Gießen Fuse Weizen 100 Eg 2700 Mk. Höchstpreis Weißbrot 2 kg Pfg. 10 0 Aeabe 15 1 23.00 Höchstpreis[Schwarzbrot 2„ 71„ 0 Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen. 22 Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H. Offenbach a. M. Bekanntmachung. Die städtische Metall⸗Saumelstelle ist von jetzt ab Montags und Donnerstags von 9 bis 12 Uhr vormittags geöffnet. 4 Gießen, den 14. September 1915. Der Oberbürgermeister. Keller. 5 3 Verstorbene. Wilhelm Kröck in Heuchelheim, 44 Jahre galt. — Frau Katharine Ermel, geb. Habermehl, in Eudorf bei Als⸗ feld.— Heinrich Pfeiffer in Hermannstein bei Wetzlar. Donnerstag frisch eintreffend: Bratschellsische& Pfund 34 Pfg. Kabeljau, mittel 3 Alan 36 W. Bückinge.. 2 Ste 25 Für den Feldpostversand: Leber⸗Pastete in Dosen, 90 von ca. ½ Pfd. brutto. Dose 85 Blutwurst in Dosen von ca. ½ Pfd. brutto nnen astier eigen And oner , de u dus n die wl Feinste geräuch. Vorzüglicher Brotbelag: K . aus Früchten neuer Ernte Marmeladen ee ee M. 1.1 zum Pelbben vagen 80 .— 65. 0 60 Citronen⸗Limonadenwürfel „Citronenfrisch“ geben durch einfaches Auflösen in Wasser eine erquickende Limonade. 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