2 1 N 1 Oberhess Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Die Oberhessische Volkszeitung erscheint jeden Werktag Abend in Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich 60 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl. 1. 80 Mk. Redaktion und Expedition Gießen, Bahnhofstraßse 23, Ecke Löwengasse. Telepbon 2008. Inserate kosten die ö mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 214 Gießen, Montag, den 13. September 1915 10. Jahrgang Amerika im Weltkriege. Die Maßregelung des österr.⸗ungar. Botschafters. Reuter meldet aus Washington: Der amerikanische Ge— sandte in Wien, Penfield, wurde telegraphisch angewiesen, die österreichisch-ungarische Regierung dahin zu informieren, daß Dr. Dumba nicht mehr als Gesandter in den Vereinigten Staaten zu halten sei, und daß der amerikanische Gesandte die Abberufung des Dr. Dumba erbitten müsse. 14 0 5 10 1 deutschen Reiches sie von solcher Stelle nicht gewohnt war. Was hat zu diesem aufsallenden Vorgehen gegen den Bot⸗ schafter Dr. Dumba Vereanlassung gegeben. Die Botschafter des und Oesterreich-Ungarns in den Vereinigten Staaten von Nordamerika waren damit beschäftigt, unsere Lands⸗ leute jenseits des großen Teichs davon abzubringen, in den Rüstungsindustrien Kriegsmaterial für unsere Feinde her⸗ zustellen. Diesem Beginnen stand unzweifelhaft die tiefste moralische Berechtigung zur Seite. Es ist ein trauriges Zeichen von Verwilderung, wenn große englische Blätter sich über dieses Vorgehen der beiden Botschafter entrüsten— englische Stimmen, die sonst so gern von Moral und Sitte sprechen. Man sollte nicht für möglich halten, daß selbst der er— bitterste Feind eines Staates wünschen könnte, daß Bürger dieses Staates in einem neutralen Lande die Feinde seiner alten Heimat rüsten helfen. Man konnte einigermaßen gespannt darauf sein, wie sich das offizielle Nordamerika, das die altenglische Vorliebe für sittliche Predigten teilt, zu der Sache stellen wird— zu der Agi⸗ tation der beiden Botschafter. Denn um eine Agitation handelt es sich, sogar um eine Agitation unter Arbeitern— wenn man will sogar um eine Streikagitation, wie man l Auch hier hat der Welt⸗ krieg ein ganz Neues gebracht. Die Stellungnahme des offiziellen Amerika ist nun also erfolgt. In einer an Oesterreich⸗Ungarn gerichteten diplomatischen Note wird das Vorgehen Amerikas gegen den Botschafter Dr. Dumba näher begründet Die Note sagt, daß Dr. Dumba seiner Regierung Vorschläge gemacht habe, in den amerikanischen Fabriken, die mit der Anfertigung von Kriegsmunition beschäftigt sind, Streiks hervorzurufen. Die Regierung erhielt, wie die Note weiter ausführt, diese Mitteilungen durch die Abschrift eines Briefes des Botschafters an seine Regierung. Der Ueberbringer des Briefes war ein amerikanischer Bürger, der mit amerikanischem Paß reiste. Der Botschafter benutzte diesen amerikanischen Bürger Archibald, um offizielle Depeschen an die österreichisch⸗ungarische Regierung gelangen zu lassen. Nachdem Dr. Dumba nun erklärt hat, eine Art Vers chwörung eingeleitet zu haben, um die gesetzmäßigen Industrieunternehmen in den Vereinigten Staaten ihrer Arbeiter zu berauben und den gesetzmäßigen Handel zu stören, und nachdem 9 1 N f 1 1 er auf diese Weise die diplomatische Sitte verletzt hat, indem er einen amerikanischen Bürger, der durch einen amexikanischen Paß geschützt war, als Ueberbringer offizieller Depeschen a durch die Linien des Feindes nach Oesterreich⸗Ungaxn benutzte, beauftragt mich der Präfident, Ihnen mitzuteilen, daß Dr. Dumba für die Re⸗ gierung der Vereinigten Staaten als Botschafter seiner Kaiserlichen und Königlichen Majestät in Washington nicht länger zugelassen werden kann. In der Hoffnung, daß die Kaiserliche und Königliche Regierung begreifen wird, daß der Re⸗ gierung der Vereinigten Staaten kein anderer Weg offen stand, als die Abberufung Dumbas wegen seines unzulässigen Betragens zu fordern, bezeugt die Regierung der Vereinigten Staaten ihr tiefes Bedauern, daß ihre Handlungsweise notwendig geworden ist, und lie versichert Oesterreich aufrichtig, daß sie die herzlichen und freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Ver⸗ einigten Staaten und Oesterreich-Ungarn dauerhaft fortzusetzen wiinscht. Die Note Amerikas ist wieder moralische Heuchelei und den völligen Mangel an natürlichem Rechtsgefühl, der in diesem Kriege die ö Feinde der Zentralmächte besonders aus⸗ Zeichnet. 1 Deutschland ist au der Angelegenheit in weit geringerem Maße interessiert als Hesterreich⸗Ungarn. Unsere Auswanderung ist in den letzten Jahrzehnten immerzu gesunken, sie hatte in den Jahren vor dem Kriege fast ganz aufgehört, und soweit es Auswanderung us Deutschland gab, ging sie nach unseren Schutzgebieten, nach dem für die Rüstung des Vierverbandes nicht in Betracht kommenden Südamerika, nach der uns befreundeten Türkei, nach China und wohl auch nach Indien. Dagegen stand Oesterreich-Ungarn unter den Auswanderungsstaaten mit in erster Reihe; es wurde in der relavitven Höhe der Auswanderung nicht einmal von Rußland, sondern nur noch von Italien übertroffen. Es leben in den Ver⸗ einigten Staaten hunderttausende Oesterreicher und Ungarn; sie sronden dem Sternen⸗ und Streifenkapital in den Höllen von Pittsburg ebenso wie in den Riesenwerken von Chioago und den Minen und Hütten des ganzen weiten Landes. In die Zehn— tausende wird auch ihre Anzahl in Canada gehen. 5 „ Gewiß kann kaum ein Zweifel darüber bestehen, daß viele österreichisch⸗ungarische Arbeiter jetzt an der Rüstung des Vierver⸗ bandes arbeiten— umsomehr, als der Krieg ja auch in Amerika die industrielle Produktion stark beeinflußt und viele Fabriken zur Eingliederung in die Rüstungsindustrie gezwungen hat, wenn sie nicht überhaupt schließen wollten. Stehen aber die armen Teufel drüben über dem Ozean vor der Wahl, entweder zu hungern oder für die Feinde ihrer alten Heimat zu arbeiten, dann ist wohl zu befürchten, daß die Entscheidung nicht nach ber sittlich allein gerecht— fertigten Seite fällt. All diese Erwägungen scheinen auch den beiden Botschaftern nicht fremd geblieben zu felt denn aug den englischen Presse⸗ ungriffen geht hervor, daß den in der Rülstungsindustrie arbeiten⸗ den Landsleuten Erfatz für die aufzugebende Beschäftigung ver⸗ sprochen wurde. Dagegen dürfte ein offizieller Hin weis auf den strafrechtlich zu abnenden Verbrechenscharakter der ein Musterbeispiel für die Vorwürts in Rüstungsarbeit weniger wirksam sein. An eine Auslieferung wegen solcher Verbrechen, zumal sie im Ausland begangen sind, ist nicht zu denken, diese Leute beabsichtigen wohl auch nicht zurückzu⸗ kehren, und die eventuelle Folge der Vermögensbeschlagnahme dürfte die besitzlosen Auswanderer nicht schrecken. Mehr Erfolg versprach der von den Botschaftern betretene Weg und wir können nur hoffen, daß ihrem Bemühen der Erfolg in möglichst reichem Maße zu teil werden möge. * Amerika ist der wirkliche Sieger im Weltkriege. Unser Kopenhagener Parteiblatt schreibt: Eine oberflächliche Betrachtung könnte zu dem Glauben Ver— anlassung geben, daß Amerika sich mit Haut und Haaren England und seinen Verbündeten verschrieben habe. Das kann man aus der Haltung der Regierung und der Presse sowie aus dem mit Hochdruck betriebenen Munitionsexport wohl schließen. Aber ernst nehmen muß man diese Sumptome nicht. Die Erbitterung gegen Deutschland wird von den Millionären besonders fabriziert. Rockefeller und Morgan treiben keine Gefühlspolitik. Sie brauchen die Presse dazu, um diejenigen Stimmungen und Ge— fühle zu erzeugen, die ihren Interessen im Augenblick am meisten dienen. Sie versichern dem amerikanischen Volke, daß sie durch Waffenausfuhr am Siege der Freiheit und der Demokratie arbeiten. Dasselbe würden sie versichern, wenn Deutschland der Empfänger wäre, und wenn sie beiden Parteien-liefern könnten, so würden sie eine sportmäßige wohlwollende Neutralität aus diesem Anlaß an den Tag legen. Daß dies so ist, sieht man an den Krediten, die den Ver⸗ bandsmächten eingeräumt werden. Die amerikanischen Kapi⸗ talisten denken nicht im Traume daran, Deutschlands Feinden Bargeld zur Verfügung zu stellen. Sie danken auch für eine Anleihe zugunsten der Kriegführenden und lachen über die schoflen 4% v. H., die die neue englische Anleihe bietet. Sie wissen ihr Portefeuille besser in acht zu nehmen. Hohe Zinsen und die Erwerbung erstklassiger amexikanischer Wertpapiere, das sind die Bedingungen, die England und Frankreich auferlegt werden, wenn sie nicht mit Gold oder gar mit eignem Gelde, das tief im Kurse gesunken ist bezahlen wollen. Auch die französische Anleihe, die angeblich 43 Millionen Dollar beträgt, mußte mit amerikanischen Eisenbahnobligationen bezahlt werden. Das hat in Frankreich schwer gehalten, denn die dortigen Bankiers kennen auch den Wert amerikanischer Papiere. Die einzige Sympathie, die die amerikanische Stimmung leitet, ist die Sympathie für den Dollar. Eine Gefühlspolitik, mit der die amerikanischen Kapitalisten das Volk an der Nase herumziehen, dient aber auch noch andern Zwecken, nämlich imperialistischen Interessen. Der Artikel führt dann weiter aus, daß, nachdem einmal ameri⸗ kanische Munitionsfabriken viel Geld in Erweiterungsbauten ge⸗ steckt haben, die Kapitalisten alles Segel aufspannen müssen, um dafür zu sorgen, daß Amerikas Heer und Flotte vermehrt werden, damit diese Fabriken für später auch Arbeit haben. Unter dem Drucke dieser Kapitalisten mußte Bryan abdanken und Daniels zu Kreuze kriechen, „Veim Kriegsende wird England, selbst wenn es Deutschland besiegt habe, erkennen, daß Amerika sich mittlerweile eine gleich⸗ wertige Flotte schaffen will, und auch auf wirtschaftlichem Gebiet wird Amerika seine guten Freunde gründlich ggerupft haben. England verliert nicht nur einen ansehnlichen Teil seines Finanzgeschäfts, sondern auch seinen Ein⸗ fluß auf den südamerikanischen Handel. Mittelamerika ist längst von Nordamerika erobert. Amerika ist der einzige Sieger im europäischen Kriege. Der finanzielle Schwermennkt der Welt geht von London auf Newyork füber.“ ** 0 5 Begräbnis deutscher Gebeine von 1670. In Morgenbladet schreibt E. Berggrav-Jensen: In Sedan wohnte ich einer merkwürdigen Beerdigung bei, Es waren 1063 der in der Septemberschlacht 1870 gefallenen Deutschen, die von ihren Kameraden von 1915 bestattet wurden. Im Friedensvertrag zwischen Frankreich und Deutschland wurde vereinbart, daß die Gräber der gefallenen Krieger in Ehren ge⸗ halten werden sollten. Rings um Sedan vexrursachte das große Schwierigkeiten, da die Leichen in kleinern Haufen gesammelt und auf den Feldern beerdigt worden waren, wie es gerade kam. Diese Gräber bildeten indessen für die Bauern ein Hindernis bei ihrer Feldarbeit. Die französische Regierung ließ deshalb in den Jahren 1876/77 auf dem Kirchhof von Bazeilles außerhalb Sedan eine Art Mausoleum mit einer Gruft zur Aufbewahrung der Gebeine der Soldaten errichten. Die Gräber wurden zu diesem Zwecke geöffnet, und die Gebeine nach der Gruft gebracht. Diese ist ein langge— strecktes Gewölbe mit einem Gang in der Mitte und sieben Räu⸗ men zu jeder Seite. In den Räumen gegen Osten wurden die Deutschen, gegen Westen die Franzosen untergebracht. Alle Gebeine wurden durcheinander in zwei Reihen in jedem Raume längs der beiden Wände gelegt. Vor ihnen wurde dann in zwei entsprechenden Reihen die Schädel in einer Linie aufge⸗ stellt. Sie bilden also eine Art Spalier flür die, welche den Raum durchschreiten. Derart wurde früher die Gruft für etwaige Besucher geöffnet. Ein offenes Gitter trennte die Reisenden im Mittelgang von den. Gebeinen in den Seitenkammern. Die Schädel sind in den meisten Fällen ganz; Schußlöcher durch den Kopf kann man indessen auch in vielen Fällen beobachten. An zwei derartigen Löchern in der Schädeldecke meinte eine französische Offtziersfrau sicher den Kopf ihres bei Sedan gefallenen Mannes wiederzuerkennen. Seitdem kam sie jedes Jahr, so erzählte der Aufseher, und brachte einen Kranz und einen kleinen Rosenstrauch, die sie an seiner Schläfe niederlegte. Aber jetzt gehen große Veränderungen in der Gruft vor sich. Nicht mit den Räumen auß der franzüsischen Seste. Die sind voll⸗ st und ständig unberührt geblieben. Aber die Gebeine der deutschen Sol; daten werden unter die Erde gebracht. In jedem Raume wird ein großes gemeinsames Grab geöffnet, in das alle Gebeine in dieser Abteilung gelegt werden. Oben darauf wird ein einfacher Sarkophag aus Zement gemauert mit einer Inschrift. Deutsche Soldaten waren mit dieser Arbeit beschäftigt, als ich unten in der Gruft war. Das hatten sie wohl kaum geahnt, als sie hinaus in den neuen Krieg zogen, daß sie ihre Kameraden aus dem vorigen begraben würden. Die Arbeit war vom Etappenkommandanten in Sedan angeordnet worden, der sich mit der romanischen Behandlung der Toten nicht befreunden konnte. Die deutsche„Arabic“ ⸗Note. Berlin, 10. Sept.(W. B.) Nachstehende Aufzeichnung ist als Anlage eines kurzen Anschreibens in Notenform dem hiesigen amerikanischen Botschafter übergeben worden. 0 Aufzeichnung. Am 19. v. M. hatte ein deutsches Unterseeboot etwa sechzig Seemeilen südlich von Kinsa lle den englischen Dampfer„Dunsley“ angehalten und war im Begriff, die Brise, nachdem die Besatzung das Schiff verlassen hatte, durch Geschützfeuer zu versenken. In diesem Augenblick sah der Kommandant einen größeren Dampfer in gerader Richtung auf sich zukommen. Dieser Dampfer, der— wie sich später herausstellte— mit der„Arabic“ identisch war, wurde als feindlicher erkannt, da er keine Flagge und keine Neutrali⸗ tätsabzeichen führte. Beim Herannahen änderte er seinen ursprünglichen Kurs, drehte dann aber wieder direkt auf das U-Boot zu; hieraus gewann der Kommandant die Ueberzeugung, daß der Dampfer die Absicht habe, ihn anzugreifen und zu rammen. Um diesem Angriff zuvorzukommen, ließ er das Unterseeboot tauchen und schoß einen Torpedo auf den Dampfer ab. Nach dem Schusse überzeugte er sich, daß sich die an Bord befindlichen Personen in fünfzehn Booten retteten. Nach seinen Instruktionen durfte der Kommandant die „Arabic“ ohne Warnung und ohne Rettung der Menschen⸗ leben nur dann angreifen, wenn das Schiff entweder einen Fluchtversuch machte, oder Widerstand leistete. Aus den Be— gleitumständen mußte er aber den Schluß ziehen, daß die „Arabic“ einen gewaltsamen Angriff auf das Unterseeboot plante. Dieser Schluß lag um so näher, als er am 14. v. M., also wenige Tage vorher, in der Irischen See von einem großen, anscheinend der britischen Royal Mail Steam Packet Company gehörigen Passagier⸗ dampfer, den er weder angegriffen noch angehalten hatte, schon aus weiterer Entfernung beschossen worden war. Daß durch das Vorgehen des Kommandanten Menschen⸗ leben verloren gegangen sind, bedauert die deutsche Regierung auf das lebhafteste; insbesondere spricht sie dieses Bedauern der Regierung der Vereinigten Staaten wegen des Todes amerikanischer Bürger aus. Eine Ver⸗ pflichtung, hierfür Schadenersatz zu leisten, vermag sie indes selbst für den Fall nicht anzuerkennen, daß der Kommandant sich über die Angriffsabsicht der„Arabie“ geirrt haben sollte. Sofern etwa über diesen Punkt zwischen der deutschen und der amerikanichen Regierung eine über⸗ einstimmende Auffassung nicht zu erzielen sein sollte, wäre die deutche Regierung bereit, die Meinungsverchiedenheit als eine völkerrechtliche Frage gemäß Artikel 38 des Haager Ab- kommens zur friedlichen Erledigung internationaler Streit- fälle dem Haager Schiedsgericht zu unterbreiten; dabei setzte sie als selbstverständlich voraus, daß der Schieds⸗ spruch nicht etwa die Bedeutung haben soll, eine generolle Entscheidung über die völkerrechtliche Zulässigkeit oder Un⸗ zulässigkeit des deutschen Unterseebootkrieges zu treffen. Berlin, den 7. September 1915. Die Anleihe der Verbündeten in Amerika. Der Haager Nieuwe Courant meldet aus Newyork: Als Bestätigung der schon seit einiger Zeit umlaufenden Gerüchte, daß die Verbündeten eine Anleihe von 500 Mil- lionen Dollars in den Vereinigten Staaten unterzubringen suchen, wird jetzt die Tatsache bekannt, daß sechs englische und frawzösische Finanziers gestern hier angekommen sind, um eine große Kreditanleihe unterzubringen, mit der die amerikanischen Lieferungen für die Verbündeten und auch andere Lieferungen bezahlt werden sollen. Die Associated Preß meldet, daß die Herren am Mitd. woch abend im Hafen von Newyork eintrafen; sie gibt den Namen des betreffenden Schiffes nicht an. Nichtoffiziell wird treten, sondern hier auch eine telegraphische Vollmacht vor⸗ zinden, für Rußland zu handeln. Die englischen Arbeiter und der Krieg. Reuters Bureau berichtet aus London:.* Die Versammlung des sozialistischen Komitees für die nationale Verteidigung zu Bristol nahm eine Entschließung an, worin die illoyalen Umtriebe einer kleinen Gruppe von Friedensfreunden als ungehörig bezeichnet werden. Man habe es abgelehnt, sich mit diesen Leuten solidarisch zu er⸗ klären. Die Entschließung prote stiert dann gegen jede Aeußerung von Friedens bedingungen, welche die Freiheit Belgiens, Nordfrankreichs, Elsaß⸗ Lothringens und Polens ausschließen. Das Parlamentsmit⸗ glied Hodge, der Vorsitzende des Komitees, sagte, daß Ramsay Macdonald, dem kürzlich die Regierung die Erlaubnis zur Teilnahme an dem internationalen Kongreß in der Schmeig verweigerte, erklärt habe, er werde trotzdem eine sozialistische Abordnung zu dem internationalen Kongreß schickeu. Hodge sagte, die Arbeiter müßten derartige Männer aus der Partei ausschließen. * Auf dem Gewerkschaftskongreß in Bristol hielt Lloyd George eine Rede. Ex wünschte dabei von den Arbeitern erhöhte Munitionsproduktion und richtete wiederum an sie die Auf⸗ forderung, die Regeln der Gewerkschaft nunmehr außer Acht zu lassen.„Es ist dies ein Krieg des Materials“, sagte Lloyd George,„und die Frage, die die Regierung am ersten zu lösen hat, ist eine reine Arbeitsfrage. Die Gewerkschaften bilden eine der stärksten Kräfte im Land. Mit Euch ist uns der Sieg sicher, ohne Euch sind wir verloren. Marschall French erzählte mir vor lurzem, daß er niemals zuvor Truppen mit mehr Todesverachtung sah als die englischen, und so müssen die Leute der Gewerkschaften sio stützen. Augenblicklich sind sechszehn Arsenale eingerich⸗ tet, und es werden noch elf gebaut. Die Maschinen arbeiten noch nicht Tag und Nacht, aber wenn die Gewerkschaften gewisse Re⸗ geln beiseite stellen, dann wird die Produktion von 30 auf 200 Pro⸗ zent steigen. Uns fehlen noch 200000 ungeübte Män⸗ ner und Frauen. Gestern habt Ihr Euch dazu verpflichtet, die Regierung bei einer nützlichen Fortsetzung des Krieges zu unter⸗ stützen. Die Regierung verlangt Eure Hilfe. Selbst wenn wir einen jeden gelernten Arbeiter in Dienst nähmen, hätten wir noch nicht zu viel Arbeitskräfte.“ Der Kongreß nahm unter Applaus lution für Lloyd George an. Die Kämpfe am Sereth. Die Russen setzen, wie das Berliner Tageblatt meldet, mit stark konzentrierten Kräften die Gegenangriffe auf der Serethlinie fort, ohne durch ihre numerische Ueberlegenheit mehr als vorübergehende Teilerfolge zu erzielen. Die Ver⸗ folgung der fliehenden russischen Truppen durch die Sümpfe auf Pinsk zu schreitet rüstig fort. An mehreren Stellen der— suchte nach einer Meldung des Az Est der Feind den Vor— marsch aufzuhalten, wurde aber nach heftigen Kämpfen aus allen bezogenen Stellungen geworfen. Die fliehenden russischen Heere haben die Schleusen der durch die Sümpfe führenden Kanäle geöffnet, um den siegreich folgenden deut⸗ schen und österreichisch⸗ungarischen Truppen ein Hindernis entgegenzustellen. Das trockene und schöne Wetter vereitelte diesen Plan und der Regen, der jetzt fällt, kann den Ver⸗ bündeten nicht mehr schädlich entgegenwirken. Der staunens— wert funktionierende Mechanismus der Kriegführung über⸗ brückt, wie das ungarische Blatt sagt, alle Hindernisse. An der bessarabischen Grenze gewinnen, wie der Pester Lloyd schreibt, die Kämpfe an Heftigkeit. Es scheint, daß die Russon die bessarabische Grenze mehr aus politischen als aus strategischen Gründen zu halten sich bemühen. Kälte an der Westfront. Nach Schweizer Blättermeldungen aus London wird von der flandrischen Front fortgesetzt Kälte und feuchtes Wetter gemeldet, das die militärischen Operationen stark be— hindert. Der Krankheitszustand unter den britischen Truppen wächst bedeutend. eine Dankes reso⸗ Die Grenzfeve. 5 Eine Erzählung aus dem Heidelgebirge von A. E. Brachvogel. Diesen Augenblick huschte Zachers lange Gestalt aus dem Graben, bückte sich, sah sich um, und dann trat er ruhig wie vorhin an den Schlagbaum.„Er ist weg, was steht drin?“ „Zacher, hört,“ begann der alte Beamte, und seine Brust arbeitete schwer.„J hab was getan, was ich nit gesollt hätt! Hab den Brief aufgmacht! Was vpüll schlimmer is, i soll Euch verraten, was drin steht! Euer gottverdammt Gewerb, Kerl, kann mr auf mei alte Täg teuer zu stehn komme! Aber — ich, ich muß s sagen! Es darf nit gschehgn! Sie sollen die Fev nit fangen. Und wann's mei letztes is! Laufts um Gottes Jesu willen nach Wise, saget der Fev, sie soll bloß auf eine Wochen Ruh halten! Morgen nacht ist der Teixel los! Unserer alten Zeit zulieb, Zacher, bittet sie gar schön von mir, sie sollet doch den Bluthund nit gar in den Rachen rennen!!“ „Vergelts Gott. Will gleich nüber! Morgen nacht also! Das sollt nit vergesse sein, Herr; solang der Zacher noch an Glied am Leib hat!“ Der Lange wollte dem Beamten die Hand reichen, da sich dieser aber schroff wendete, um in den Hausflur zu treten, eilte jener den Weg hinab, welchen Rupacher genommen, und stieß einen Pfiff aus, worauf sich ein zweiter jüngerer Gesell zu ihm fand, mit dem er hastig seinen Weg fortsetzte.— „Die ganze Schwärzerbande ist af m Sprung! Sie haben wieder an Zug vor, und die Preußen drüben haben Wind! Höpplen, Höpplen, bist dei Lebtag doch a respektabler kaiserlicher Beamter gewesen, schau fein, daß d nit gar mit grauem Haar afen Spielberg kommst! Der preußische Kujon aber, der Brandt, soll sie nit kriegen, ehnder mögens mich lebendig in die Gruben tun!“— Das durch Rupacher spedierte Schreiben hatte, wie Höpplen richtig vorausgesetzt, die eiligste Rückkehr des Ober mautners Spengerl in Begleitung Rupachers von Grenz dörfel zufolge, wo er bei dem Kaplan auf Besuch gewesen war. Kaum hatte Höpplens Chef aber die abgetriebene, gemeldet, daß sie nicht nur allein ihre eigenen Länder ber Die Absetzung des Großfürsten. Der Deutschen Tageszeitung wird aus dem Haag ge⸗ meldet: Obwohl die englische und französische Presse infolge höherer Weisung die Absetzung des Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch als für den Fortgang des Krieges günstig besprechen, steigert sich von Stunde zu Stunde die Nervosität der Regierungen in London und Paris. In den russophilen Kreisen am Balkan erregte nach zu⸗ verlässigen Nachrichten der Kreuzzeitung die Nachricht von der Absetzung des Großfürsten geradezu Schrecken, da die Russophilen in der Entfernung des Großfürsten Anzeichen für das Schwanken Rußlan ds begzüglich der letzten Kriegsziele erblicken.. Maßregeln gegen die Vernichtung von Lebensmitteln. T. U. Amsterdam, 11. Sept. Dem Telegraaf wird aus Peters⸗ burg gemeldet: Um die Vernichtung von Lebensmitteln und Vor⸗ räten in den Gebieten der militärischen Operationen zu verhindern, verbreiten die deutschen Behörden Kundgebungen, in denen gegen jeden, der Lebensmittel vernichtet oder Korn in Brand steckt, strenge Strafen angedroht wird. Die Deutschen ergreifen verschiedene Maß⸗ regeln, um die Flucht der Ortsbewohner zu verhindern und raten den Flüchtlingen, ruhig auf ihrem Wohnsitz zu verbleiben. Zum letzten Zeppelinangriff auf London. Ein gestern aus London zurückgekehrter Holländer hat dem Vertreter der Telegraphen-Union mitgeteilt, daß die Anzahl der beim letzten Zeppelinangriff auf London abge⸗ geworfenen Bomben über 320 betrug. Auf Middlesborvugh wurden 70 Bomben abgeworfen, die zum größten Teil heftige Brände verursachten. Das Hamburger Fremdenblatt meldet aus Rotterdam: Nach einer Meldung der Times haben die letzten deutschen Luftschiffangriffe auf die englische Ostküste zu einem Sturm auf die Versicherungsgesellschaften geführt. Deutsche Parlamentarier in Belgien. Während der letzten Tage haben deutsche Reichstags abgeordnete Belgien bereist und besonders in Antwerpen und Brüssel eigene Informationen auf allen Gebieten der Ver— waltung eingezogen. Die Engländer wollen den deutschen Handel in China verdrängen. T. U. Amsterdam, 11. Sept. Telegraaf meldet aus London, das euglische Haudelsministerium macht bekannt, daß durch das Mini⸗ sterium des Aeußern Maßnahmen getroffen werden, durch Vermitt⸗ lung britischer Handelskonsuln in Peking und Schanghai eine An⸗ zahl englischer Handelsagenten nach China zu entsenden, um dort durch Verdrängung des deutschen Handels den englischen Handel hoch zu bringen. 0 Nriegs notizen. Das Reichsgericht hat kürzlich eutschieden, daß auch die Versammlungen der Junungen unter der Herrschaft des Be⸗ lagerungszustandes der Anmeldepflicht unter⸗ liegen. Das trifft auch zu auf die Versammlungen der Gewerbe⸗ vereine und ähnlicher Korporationen. Seit Monaten wird von deutscher Seite eine frauzösische Zeitung Gazette des Ardennes hergestellt, die u. a. auch eine Liste der in deutschen Gesangenenlagern befindlichen Frauzosen bringt. Nach dem gleichen Muster erscheint nun auch eine Zeitung in rus⸗ sischer Sprache, unter dem Titel: Rußkija Iswfestija(Russische Nachrichten). Das Blatt wird in den Gefangenenlagern und in den besetzten Gebieten verbreitet. Laut Matin stimmte die frauzösische Regierung dem Vor⸗ schlage über die Internierung gewisser Kategorsen kranker deutscher Kriegsgefangener in einem neutralen Lande, nämlich in der Schweiz, zu. Diesbezügliche Verhand⸗ lungen sind, wie der französische Kriegsminister mitteilte, gegen⸗ wärtig im Gange. Nach dem Pariser Journal verweigerten die deutsche: Kriegsgefangenen in Saint Nazaire, die zum Aus⸗ laden von Kohlenschiffen verwendet wurden, anfangs vielfach die schwere Arbeit des Kohlentragens. Die Militärbehörden wählten unter ihnen 90 aus und verschickten sie als angebliche An⸗ stifter der Arbeitsverweigerung nach Marokko. Wie die Pariser Blätter melden, ist eine große Feuers⸗ brunst in der Oel- und Fettefabrik von Pantin aus⸗ 2 —. k—.ñ——.—.—.— K Mann herfiel, daß er sich erlaubt habe, das Amtsschreiben zu eröffnen, daß dies Vergehen dem Herrn Hauptmann bereits angezeigt sei, ihm die Geschichte Kassation auf den Hals ziehen werde, und dergleichen übertriebene Zorndrohungen, die noch mit einigen patriarchalischen Epitheta wie„alter Esel“ und „talketer Schneesieber“ illustriert wurden. Höpplen war sich böser Liebe gar zu sehr bewußt, fühlte den entsetzlichen Vor⸗ wurf, das Amtsgeheimnis den Paschern verraten zu haben, tief in seinem redlichen Gewissen; anderseits gab ihm aber das Bewußtsein, ein erfahrener Beamter zu sein, noch mehr aber sein Vermögen Zuversicht genug, dem Obermautner trocken zu antworten:„Scho gut, Euer Gnaden, werd mein Meinung von der Geschicht dem gestrengen wohledlen Herrn Hauptmann ad protocollum geben, mit Verlaub!“ Dieses Argument wirkte als niederschlagendes Pulver. Herr Spengerl wußte, daß sein Platz— mindestens doch der seines Stellvertreters— während der Amtsstunde nicht beim Pfarrer zu Grenzdörfel, sondern beim Zollhausfenster zu Neudorf sei, daß also den Höpplen in die Patsche zu bringen so viel heiße, als sich selber mindestens eine riesige Nase, wenn nicht Schlimmeres zuzuziehen. Die allgemeine Wut— so— wohl innerlich wie äußerlich— daß der gewöhnliche, gemüt⸗ liche Gang der Amtsgeschäfte so arg gestört worden, entlud sich natürlich in österreichisch-patriotischer Weise wie immer auf das imaginäre Haupt des„verfluchten, hochnasigen Sackerlotts-Preußen, der immer m Satan was Extras 3 braten hat“!— Nichtsdestoweniger waren aber laut Dienst⸗ reglement des Grenzviertels die kaiserlichen Beamten in pleno verbunden, bei einer plötzlichen, allgemeinen„Grenzrevision“, wie man das nannte, mit den preußischen Beamten vereint zu operieren, sowie letztere natürlich im selbigen Falle Gegen⸗ dienste zu leisten hatten. Dieser Verpflichtung gemäß ward nicht nur das ganze aktive Personal der österreichischen Finanz- und Zollwache des Distrikts aufgeboten, auch der Hauptmann selbst mit zehn Beamten erschien gegen Abend, und ein fliegender Kordon ward von Weckelsdorf über Heinzendorf bis an die östliche Grenze hin etabliert, der die rauchende Dienstmähre verlassen. als er aiftia über den alten Orte Wiesau. Grensdörfel und Ruppersdorf einschloß. In ebrochen: sie nahm bald solchen Umfang an, daß ganz Pantin din Beträchlicher Teil von Paris in Rauchwolken ei Erst gegen Abend konnte die Feuerwehr des Brandes Herr w Mehrere Menschen sind bei dem Brande umgekommen, enormer Materialschaden sst verursacht worden. In Florenz wurden zwei Heereslieferanten haftet, weil sie Soldatenstiefel mit 1 geliefert, hatten Aus amtlicher Quelle wird gemeldet, die Pforte beschl für S schäden infolge von Beschießungen, wel g 125 e der Meuschlichteit und des Völkerrechts zuwider⸗ 1 1 laufen, eine Schadloshaltung as dem Eigentum dern 0 Angehörigen feindlicher Länder zu gewähren. 1 0 Dem Nieuwe Rotterdamsche. Courant zufolge berichten dis griechischen Blätter, daß durch die letztangekommenen indischen 7 Truppen die Beulenpest auf die Halbinsel Gallipoli ein. un geschleppt worden sei. Die Kranken würden auf einer kleinen Insel U nördlich von Samos isoliert. Auch herrsche der Typhus stark unter 155 en Truppen. 2 10 15 Iweiundvierzig Anhänger Kemps sind wegen, Aufruhr zu We zefängnisstrafen von neun Monaten bis zu drei Jahren und 1 Pita zu Gelöbußen von 50 bis 150 Pfund Sterling ver. urteilt werden. Der sogenannte Prop het von Reudsburg. der im westlichen Transvaal großen Einfluß besaß, erhielt 18 Mo“ 1 Gefängnis. 8 1 ee e Wen Post meldet aus Kalkutta, daß zahlreiche 1. Baumwollbrände in Bom bay Besorgnis erregen. Gestern fal seien wieder Baumwollbrände ausgebrochen, wobei Baumwolle im Werte von 2000 Pfund vernichtet worden sei. g Parteinachrichten. „Bebel als Prophet“. 1 10 Unter biesem Kennwort m ein Absatz aus Bebels Buch„Di 9. Frau und der Sozialismus“ die Runde durch konserpative Blätter. in dem unser verstorbener Führer durch den gegenwärtigen Krieg aller⸗ 0 dings bündig widerlegte Sätze niederschrieb. Er sagte vor etwa 28 bis 30 Jahren: 8 i 5 Vie Kriegs⸗ und M ordwerkzeuge werden in einem⸗ In jort verbessert; sie haben eine Vollkommenheit i gen Schnelligkeit, Ferntragsfähigkeit und Durchschlagskraft erlang des die sie für Freund und Feind surchtbar macht. Wird eines Tage Da dieser ungeheure Apparat in Tätigkeit gesetzt, so wird sich zeigen, daß er unregierbar und unlenkbar geworden ist. Es eit gibt keinen General, der solche Massen lo m ma ndieren kann es gibt kein Gebiet, groß genug, um sie zu fassen und aufzu⸗ stellen: keinen Verwaltungsapparat, der sie auf die Dauer zu ernähren vermag. Und im Fall von Schlachten fehlen die Hospitäler, um die Zahl der Verwundeten unterzubringen, wird die Beerdigung der zahlreichen Toten fast zur Unmöglichkeit.. Dazu wird bemerkt:„Was würde der Alte für ein Gesicht machen, wenn er heute sehen müßte, wie heute seit Jahr und Ta alle diese von ihm festgestellten„Unmöglichkeiten“ zu glatt sich ab spielender Wirklichkeit geworden id D g 5 Es ist nicht Bebel allein, der sich über den Weltkrieg n Vorstellungen gemacht hat, sondern er teilt sich in seinen Irx mit Hunderttausenden von Menschen, Militärs und Zivilisten, Poli⸗ fel likern und Lajen. Allen hat der Kricgg alte Anschauungen aufge⸗ eint hoben, und noch am ersten Tage des Krieges haben die berühmtesten ö Fachleute nicht an eine jahrelange Dauer des Krieges, an den dal Schltzengrabenkampf mit seinen Besonderheiten geglaubt, n dar mancher militärische Schriftsteller hat diese seine falsche Vorstellung die öffentlich eingestanden. a N Anderersests ist das Zitat aus Bebel auch eine Warnung au gewisse Theoretiker unserer Partei, die sich garnicht daran gewöhnen können, aus den veränderten Tatsachen die ent⸗ sprechenden Konseguenzen zu ziehen. Da es 1 Parteitagen und Kongressen sozufagen halb und halb beschlossen war, daß die Kraft des Proletariats den Krieg ab wen den wird, daß er, wenn er aber trotzdem kommt, mit einer fürchterlichen Kata- strophe beginnen und endigen muß, und daß er damit das Proletariat in revolutionärem Elan zum Siege führen wird— des⸗ halb macht man die Augen hübsch zu, ignorsert alle anderen Tat⸗ sachen, oder beweist frisch⸗frei⸗fromm, daß die Theorie richtig und die Tatsachen falsch sind. f So wie Bebel heute offenherzig eingestehen müßte: Freunde, ich habe mich furchtbar getäuscht, wir mütssen daraus die Konsequenzen ziehen, so müssen auch wir dle Augen offen halten für das, was anders gekommen ist, als wir es erwa oder gewünscht haben, und auf dem Neuen unsere Politik für die Arbeiterklasse aufbauen. Das erfordert die Ehrlichkeit gegen sich selbst und gegen die Genossen. 6 7 Parteitag der schweizerischen Sozialdemokratie. e Der Vorstand der schweizerischen Sozialdemokratie hat bes schlossen, den diesjährigen Parteitag zum 20. und 21. November einzuberusen. Der Tagungsort wird durch die Geschäftsleitung, der Partei bestimmt. Auf die Tagesordnung, soll gestellt werden: 1. Partei⸗Reorganisation; 2. Die Wirtschaftspolitik und die Finanzreform des Bundes. 1 jedes dieser Dörfer wurde noch eine besondere Finanzwache von fünf bis sechs Mann zum„Spitzeln“ gelegt. Höpplen, als der Hauptmann Edler von Staufinger anlangte, hatte sich schon aufs Aeußerste gefaßt gemacht, aber das Aeußerste erfolgte nicht, nicht einmal eine ganz kleine, ganz liebens⸗ würdige Nase. Um sieben Uhr abends endlich wurde der alte Herr vom Tagesdienst abgelöst und, da man seinem Alter anstrengende Verrichtungen nicht mehr zumutete, für dig Nacht nach Hause entlassen.. Hierauf hatte er heute unter allen Umständen gerechnet. Er humpelte, so rasch es sein Alter nur erlauben mochte, nach seinem Häuschen in Wiesau, aber nicht der lieben Bequemlich⸗ keit halber, sondern um ein Wesen zu retten, das in mehr al einer Beziehung sein altes Herz interessierte. Er schritt durch seinen obstreichen, blühenden Garten in das Haus, ohne seines sonstigen Lieblingsplätzchens, der Weinlaube mit der reizend Aussicht, zu achten, und trat in die Küche. a Sein Eintritt erregte sichtbaren Schreck. Die Magd fut! zusammen und schloß rasch die Tür, welche nach dem Hofe zu aufgeblieben war. Ein junges Mädchen, obwohl ebenfalls 0 ländlich, aber besser und zierlicher gekleidet, kam ihm verwirrt a entgegen. Sie war erst siebzehn Jahre, von schlanken, schneidigen Formen, aber ihr dunkles Haar, das in breit Zöpfen um die Stirn gewickelt war, ihre schwarzen, blitzenden Augen, die Fülle des Oberkörpers, die runden, schneeweien; Arme und das intelligente, ja trotzig⸗naive Gesichtchen mi! der fast vornehm gebogenen Nase, ließen sie bedeutend älten erscheinen. ö „Wer ist da drein in der Kuchel gwesen, Resi? z is einen eben aus der Kuchel gangen!“ 5 Aus der Kiche, nein, nein, Herr,“ sagte die Kleine und wurde rot.„Hier drinne is gar keener gewest.“ „Wo ist mei Gschwisterkind, der Nazi?“ „Ich glaube— der is— naus auf n Seppelts sei Busch bergel gegangen!“ 5 5 1 (Fortsetzung folgt.) . K f U a 1 3 setzungen erfüllt sind. Hessen und Nachbargebiete. Gießen und Umgebung. Kriegsinvalide und Invalidenversicherung. Die Leistungen der Invalidenversicherung können neben den Renten, die die Kriegsinvaliden vom Reich für ihre Ver— wundungen, Verletzungen und Erkrankungen beziehen, eben— falls unverkürzt bezogen werden, wenn die anderen Voraus- Bei der Invalidenversicherung wird es sich in erster Linie um die Invaliden- und Krankenrente und in zweiter Linie um das Heilverfahren drehen. Letzteren Punkt wollen wir für heute ausschalten, weil die Militär- verwaltung hinsichtlich des Heilverfahrens in ausreichender Weise sorgt. Ueber die Rechte, die den versicherten Kriegs— beschädigten an die Invalidenversicherung zustehen, sind diese nicht in wünschenswerter Weise orientiert. Die Invaliden— rente nach den Bestimmungen der Reichsversicherungsordnung wird gewährt, wenn der Versicherte mindestens 200 Beitrags⸗ wochen nachweisen kann und die Anwartschaft aufrecht er⸗ halten hat und dauernd zu mindestens 66 ¼ Prozent erwerbs— beschränkt ist. Die Krankenrente wird gewährt, wenn die Voraussetzungen der Beitragsleistung in gleicher Weise er— füllt sind wie bei der Invalidenversicherung, der Versicherte, 26 Wochen ununterbrochen erwerbsunfähig war und nach Ablauf dieser Zeit noch nicht erwerbsfähig ist, für die weitere Dauer der Erwerbsunfähigkeit. Invaliden- und Kranken⸗ rente sind gleichhoch, so daß es für die Versicherten gleich ist, welche Rente ihnen gewährt wird. Es kann auch bei Invalidenrente, die nur bei dauernder Erwerbsunfähigkeit gewährt wird, die Einstellung erfolgen, wenn im Zustand des Versicherten eine entsprechende Besserung eingetreten ist. Das Wort„dauernd“ ist nicht so aufzufassen, daß die Rente zeitlebens bezogen werden kann. Mit dauernd soll nur gesagt sein, nach menschlicher Voraussicht werde in dem Zustand des Versicherten in absehbarer Zeit keine so wesentliche Ver⸗ änderung eintreten, daß die Rente wieder eingezogen werden kann. Kontrolluntersuchungen werden für die Kranken- wie für die Invalidenrentner in gewissen Zeitabschnftten an⸗ geordnet. Um den engen Nock. Die Mode ist sehr launisch. Was früher für schön und empfeh⸗ lenswert galt, wird nach Jahr und Tag für häßlich erklärt, um nach einiger Zeit von neuem als besonders hübsch und kleidsam gepriesen zu werden. So ist es auch dem engen und dem weiten Rock er⸗ gangen. Als der enge Rock Mode wurde, waren die Meinungen darüber sehr geteilt, zumal manche Trägerinnen die neue Mode auf die Spitze trieben. Seit einigen Tagen ist iu den Spalten der Zei⸗ tungen eine Auseinandersetzung entbrannt über den engen und den weiten Rock, eine in der Kriegszeit besonders„brennende Frage“. Anlaß dazu bot eine vom Wolffschen Telegraphenbureau ver⸗ breitete Mahnung, den engen Rock zu bevorzugen. Die dem ge⸗ nannten Bureau von„berufener Seite“ zugegangene Meldung besagt: „Es ist erfreulich, zu sehen, daß unsere Mode mit Erfolg be⸗ müht ist, sich vom französischen und englischen Gängelbande zu befreien und sicher und selbständig neue Wege einzuschlagen. Not macht erfinderisch und sparsam, und so gelingt es uns, die Be⸗ rechnung unserer Feinde zuschanden zu machen und mit allem, was wir zum Leben und zum Kriegführen brauchen, durchzu⸗ halten bis zum siegreichen Ende. Hat nun auch die Mode ihre Neuschöpfungen diesem Ge⸗ danken, der als höchstes Gesetz über all unserm Tun und Lassen heute stehen muß, untergeordnet? Es hat einige Zeit gedauert, ehe wir uns an die lächerlich beengenden Gewänder unserer Frauen und Mädchen gewöhnt hatten. Die Industrie hatte den Schaden davon. Jetzt aber, in demselben Augenblick, wo die Textilindustriellen des ganzen Reichs mit den Behörden Rat nehmen, geeignete Methoden ausfindig zu machen, auch die Vor⸗ räte der Gewebe zu strecken, um den Bedürfnissen des Heeres und der Bevölkerung auf möglichst lange Zeit durch eine weise Einschränkung gerecht werden zu können— ich sage, in diesem selben Augenblick schickt sich die deutsche, ausgerechnet die neue deutsche Mode an, durch die üblichen Schaustellungen und Re⸗ klamen weite und faltige Röcke und Unterkleider einzuführen, die den Stoff geradezu verschwenden und einen Mehrbedarf von 60 bis 80 Prozent erfordern. Darf die Mode uns so weit tyranni⸗ sieren, daß, wenn sie in übermütiger Laune zum Extremen greift, auch wir gedankenlos genug sind, uns ihr in solcher Zeit zu unterwerfen? Noch ist es Zeit, dem Unheil zu steuern. Die Großkonfektion würde gut daran tun, namentlich soweit Baum⸗ wollgewebe in Betracht kommen, sich mit den maßgebenden Be⸗ ratungsstellen der Regierung ins Einvernehmen zu setzen, bevor diese sich gezwungen sieht, durch eine geeignete Warnung, nötigen⸗ falls durch empfindlichere Eingriffe, dafür zu sorgen, daß die von ihr getroffenen Maßnahmen ulcht leichtfertig durchkreuzt werden. Unsere Frauen und Mädchen aber werden sich nicht der Be⸗ schämung aussetzen wollen, sie werden auch nicht den Vorwurf per⸗ dienen wollen, den Anforderungen und dem Geiste unserer ernsten Zeit sich nicht angepaßt zu haben. Haben sie in guten Zeiten aus Laune den denkbar sparsamsten Gebrauch von den ihnen gebotenen Bekleidungsstoffen gemacht, so mögen sie jetzt aus Einsicht und zum Wohl des Vaterlandes auch dabei verbleiben. Nach dieser Auslassung ist es höchst unpatriotisch, den weiten Rock zu bevorzugen, zumal er als eine Verschwendung von Stoffen, bezeichnet wird. Der enge Rock läuft dagegen auf eine„Streckung der Stoffvorräte hinaus. Gegen diese Mahnung wenden sich die verschiedensten Interessenten schon deswegen, well diese Maßnahme schon viel zu spät käme. Der weite Rock, der jetzt wieder zur Gel⸗ tung käme, sei längst fertig, die Lager sesen damit gefüllt, und so würde die Befolgung der neuen Mahnung darauf hinauskommen, die fertigen Waren liegen zu lassen und neue zu verarbeiten. Das bedeute aber eine neue Stofsverschwendung, was doch gerade ver⸗ mieden werden sollte. In der Vossischen Zeitung lesen wir über diefe Angelegenheit folgende Bemerkungen::. dnn „Bevor man eine Warnung erließ die jede Frau für un, patriotisch erklärt, die einen weiten Rock trägt, hätte man darauf Rlicksicht nehmen mlissen, daß man die Interessen der heimischen Industrie und damit die Interessen der deutschen Volkswirtschaft schädigt, wenn man die Fabrikanten daran hindert, die vorhan⸗ denen fertig hergestellten Waren unterzubringen. Diese halb⸗ amtliche Warnung schafft gerade erst die Verschwen dung, die man vermeiden will. Es hätte zur Wahrung des nationalen Inter⸗ esses viel mehr beigetragen, wenn man sich darauf besch ann hätte, vor Uebertreibungen zu warnen, und wenn man einen deutlicheren Unterschied zwischen den zu schonenden Baumwoll⸗ geweben und anderen Stoffen gemacht hätte. Hat der Staat das Interesse, den Umsatz einer ganz bestimmken, schonungsbedürf⸗ tigen Ware künstlich einzuschränken, so soll er dies in einer Weise tun, die die gleichzeitige Gefährdung anderer nicht knapper Waren vermeidet. Warum Wollstoffe, die in der Lausitz hergestellt wer⸗ den, unter etwagem Baumwollmangel leiden sollen, ist unerfind⸗ lich. Barum dle Kreselder Seidenindustrie, wenn sie genügend Rohmaterial hat, auf den Umfatz verzichten soll, weil Baumwolle besvart werden muß. it nicht minder unverstandlich. [Tode des verstorbenen Außerdem aber ist noch 1 bedenken, daß die gewählte Art des Kampfes gegen die befürchtete Baumwollverschwendung leicht zu einer Belästigung der Frauen durch unverständige Kreise führen kann, da sich das Auge des Publikums so sehr an über⸗ trieben euge Maße gewöhnt hatte, daß schon ein nach früheren Begrifsen ganz normal und solide gehaltener Rock vielen als unnormal weit erscheint. Darin liegt auch für diejenigen Ge⸗ schäftsleute eine Gefahr, die sich heute nicht betroffen wähnen, weil sie vermeinen, keine weiten Röcke zu führen. Denn was dle Leute als„weit“ oder„eng“ bezeichnen, hängt natürlich völlig von der Gewöhnung des Auges ab.“ Eins ist sicher: Die Mahnung wird in der Tat dazu führen, a erörtern, was ein enger oder weiter Rock ist. Das ist aber eine Frage, die uns in heutiger Zeit eine recht müßige zu sein scheint. Es gibt ernsthaftere Probleme, als darüber sich den Kopf zu zer⸗ brechen. Die breite Masse des Volkes ist au dieser Frage weniger interessiert, da ihr setzt die Magenfrage und der Kriegsverlauf ganz andere Kopfschmerzen bereiten als die Frage des engen und des weiten Rockes. — Vortrag über die Kriegsanleihe. Wir weisen noch— mals auf den Vortrag hin, den morgen(Dienstag) abend 7% Uhr Herr Prof. Skalweit in der neuen Aula über die neue Kriegsanleihe halten wird. — Gegen den Wahrsagereiunfug geht die Frankfurter Polizei mit einem drastischen Mittel vor. Sie gibt die Namen der Frauen, die bei Wahrsagerinnen erwischt wer⸗ den, öffentlich bekannt und macht zugleich mit vier Frauen den Anfang. In der Bekanntgabe heißt es dann weiter, daß die polizeilichen Kontrollen und die Veröffent⸗ lichung der neugierigen Frauen planmäßig fortgesetzt wür⸗ den.— Hoffentlich nützt das! Eine Richtpreiskommission in Mainz. Vom Oberbürger⸗ meister der Stadt Mainz und dem Kreisrat des Kreises Mainz wurde auf Grund der entsprechenden Bundesratsverordnung eine Richtpreiskommission gebildet, die als vorberatende Be— hörde wirken soll, um dem Kreisrat und Oberbürgermeister die Richt⸗ und eventuell Höchstpreise zu empfehlen. Auch soll sie in allen Arten des Lebensmittel« und Bedarfsartikel⸗ marktes vorberatend und empfehlend wirken. Die Kommission setzt sich aus je einem Vertreter und einem Stellvertreter der Handelskammer, der Handwerkskammer und der Landprodu— zenten nebst zwei Vertretern des Kriegsausschusses für Kon⸗ sumenteninteressen zusammen. Jacet die deite Kriegganleihe! Ein Landes⸗Preisamt zur Bekämpfung des Lebens⸗ mittelwuchers wird in Baden errichtet. Es gliedert sich an das Statistische Landesamt an und hat die Aufgabe, die Berechtigung der im Kleinhandel verlangten Preise nachzu⸗ prüfen. In geeigneten Fällen soll es die Festsetzung von Höchstpreisen beim Ministerium und bei den einzelnen Be— zirksämtern beantragen. Vor allem soll es übermäßigen Preissteigerungen in den verschiedenen Orten vorbeugen und auf die Preisunterschiede in dieser oder jener Gegend hinweisen. Das Landes-Preisamt wird durch einen Beirat unterstützt, der vom Ministerium ernannt wird und in welchem die Vertreter der Produzenten, des Groß⸗ und Kleinhandels, sowie der Verbraucher zum Wort kommen. Damit das Preisamt seine Funktionen wirksam ausüben kann, sollen in allen badischen Städten mit mindestens 10000 Einwohnern, ebenso für die Amtsbezirke Aus schüsse zur Ueberwachung der Preise für die Gegenstände des täglichen Bedarfs gebildet werden. e — Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Reservist Judwig Heidt aus Ruttershausen, Res.⸗Inf.⸗ Reg. 116.— Unteroffizier Wilhelm Wallenfels aus Geilshausen, Inf-Reg. 254.— Matrose Konrad Schmitt aus Fronhausen. — Die Kriegerfrau mit zwei Männern. In unerer Nummer vom Freitag druckten wir unter der Stichmarke„Eine merk⸗ würdige Geschichte“ eine Notiz ab, welche verschiedene auswärtige Blätter brachten. Danach sollte„in der Umgebung von Gießen“ eine Kriegerfrau sich wieder verheiratet haben, nachdem ihr mitge⸗ teilt worden sei, daß ihr Mann in den Karpathenkämpfen ge⸗ fallen sei. Bald nach ihrer Verheiratung habe ihr aber der erste Mann geschrieben, daß er in russtscher Gefangenschaft sei— nun habe sie zwei Männer. Dazu bemerkten wir gleich, daß diese Ge⸗ schichte ins Reich der Fabel zu verweisen sei. Daß aber auch in rechtlicher Hinsicht die Sache mit einer Wiederverhetratung nicht so schnell geht und diverse Haken hat, wird in einer Zuschrift an unser Darmstädter Parteiblatt dargelegt, das die Geschichte eben- falls gebracht hatte. In der Zuschrift heißt es ganz richtig:„Ob⸗ schon für den Kenner unserer gesetzlichen Verhältnisse die Er⸗ dichtung dieser Notiz sofort klar war, halten wir es doch aus ver⸗ schiedenen Gründen und nicht zuletzt im Interesse unserer vor dem Feind kämpfenden verheirateten Soldaten für angebracht, daß der Volksfreund seinen Lesern die Unmöglichkeit der Richtigkeit dieser Notiz mitteilen möchte. Zur, Erledigung der Formalitäten bei der Wiederverheirotung einer Witwe gehört in erster Linie die standes amtliche Urtunde über den Tod des Mannes. Eine solche Urkunde ist aber nicht etwa schon zu erhalten, wenn von Kameraden ein Soldat als gefallen gemeldet wird, viel⸗ mehr muß der Tod vom Kriegsministerium an das Justtlz⸗ ministerium, von letzterem an das Amtsgericht und von diesem dem Standesamt mitgeteilt werden. Daß dies alles erstens einmal nicht so rasch und zweitens auch nicht ohne einwandfreie Feststellung des Todes geschieht, dürfte auch weniger gesetzeskundige Personen ohne weiteres einleuchten. Abgesehen von noch weiteren Formalitäten (Vermögensauseinandersetzung usw.) darf aber nicht vergessen werden, daß nach dem bestehenden Recht, die Wiederver⸗ heiratung einer Witwe erst zehn Monate nach dem Mannes statthaft ist. Eine Dispens von dieser Vorschrift wird aber in der Regel nicht und in solchem Falle erst recht nicht erteilt werden, sodaß ein Heiratsschein nicht erhältlich und somit die Trauung nicht möglich ist. Sollte aber, was doch auch kaum anzunehmen ift, ein Standesbeamter die Trauung der Witwe ohne die Erledigung aller dieser Formali⸗ täten vorgenommen haben, so wäre diese Ehe einsach zu Unrecht ge⸗ schlossen und deshalb u ngültig. Aus alledem dürfte die dichterische Herkunft der in Frage stehenden Blättermeldung ohne Zweifel feststehen.“ 1 — Nicht leichtfertig eine Unterschrist leisten. Ueberqus häusig kommt es vor, daß von redegewandten Reisenden beim Aupreisen von Gegenständen jeglicher Art Schriftstlcke zur Unterschrift vor⸗ gelegt werden, die nachher als Anerkennung einer Schuld dienen. Darum muß immer wieder darauf hingewiesen werden, daß von dem Inhalt einer solchen Vorlage erst genau Kenntnis zu nehmen ist, ehe man seinen Namen daruntersetzt. Besonders sei dies den Frauen ans Herz gelegt. Nachstehender Fall gibt hierfür den besten Beweis: Einem Gastwirt in Bentheim hatte der Ressende einer Sprechautomatensabrit den Vorschlag gemacht, zu gestatreu, daß in seiner Wirtschaft ein Sprechautomat aufgestellt werde. Kosten wilrr⸗ den ihm dadurch nicht entstehen, da die Aufstellung auf Kosten der Firma erfolge, die auch das in ben Automaten geworfene Geld er⸗ halte. Der Gastwirt gab hierzu seine Genehmigung, und darauf er⸗ suchte der Reisende ihn, ein Papier zu unterschreiben, das erkenntnis der zur Aufstellung des Apparates in seiner 2 erhaltenen Erlaubnis sei und nur dazu dienen solle, die genaue Adresse des Wirtes für seine Firma festzustellen. Der Gastwirt unterschrieb, ohne den Schein durchgelesen zu haben. Dieser war in Wirklichkeit ein Kaufvertrag über den Automat, in dem der Gast⸗ wirt sich verpflichtete, ihn für 600 Mark und außerdem Schallplatten für 120 Mark zu kaufen. Als Zahlung nicht erfolgte, verklagte die Flrma die Witwe des inzwischen verstorbenen Gastwirts. Diese, die den Verhandlungen des Reisenden mit ihrem Manne seinerzeit beigewohnt hatte, berief sich darauf, daß der Reisende falsche An⸗ gaben gemacht habe und der Kaufvertrag wegen Täuschung nichtig sei. Der Reisende war inzwischen flüchtig geworden, sobaß ein anderer Zeuge nicht vorhanden war.— Sowohl Landgericht Osna⸗ brück wie Oberlandesgericht Celle erklärten jedoch den, Vertrag für vechtsverbindlich und die Beklagte wäre ohne Zweifel verurteilt worden, wenn es ihr nicht gelungen wäre, zahlreiche andere Fälle nachzuweisen, in denen der Reisende in gleicher Weise vorgegangen war. Durch dicse nachgewiesenen Fälle hielten die Gerichte den Beweis für erbracht, daß der Reisende auch bei ihrem verstorbenen 2 2 75 die von ihr behaupteten betrügerischen Mittel angewandt habe. —„Nieder mit dem Achtstundentag! der Gießener Anzeiger in seiner Samstagsnummer, oder läßt sie vielmehr durch einen gesangenen Kanadier verklünden. Nicht acht Stunden täglich soll der Mensch nur arbeiten, sondern zweimal acht Stunden, das führt zum Heile der Menschheit. Zu dieser höchst merkwürdigen Ueberzeugung ist der Kanadier bei— der Landarbeit in Langsdorf gekommen. Allen Ernstes erzählt der Anzeiger über die Arbeit der Gefangenen: „Einem Kanadier gefiel anfangs die harte und lange Arbeits⸗ zeit gar nicht. Er sprach Deutsch und behauptete, die lauge Arbeit. müsse die Menschen kaput machen. Bei ihnen daheim sei der acht⸗ stündige Arbeitstag üblich, eine längere Arbeitszeit verweigere jeder Arbeiter mit der hauptsächlichen Begründung, daß sie gesundheits⸗ schädlich wirke. Unser Kanadier aber fügte sich in das Unvermeid⸗ liche und siehe da, von Tag zu Tag wurde er freudiger, bekam eine blühende Gesichtsfarbe, aß wie ein Drescher und schlief wie ein Sack. Ehrlich erklärte er, daß er sich über den Wert der Arbeit im Irrtum befunden habe. Er habe eingesehen, daß der zweimal Achtstundentag hintereinander den Menschen, wenn er sonst, vernünftig lebe, vor allen Untugenden am besten schütze und kein Unsegen, kein Gift genannt werden könne. Der intelligente Mann spricht sich voll Verwunderung über den hohen Kulturstand unserer Landbevölkerung aus, über deren Fleiß und Regsamkeit. Ein solches Volk, so meinte er neulich, kann nicht untergehen.„Ihr seid die Starken, wir sind die Schwachen.“ Das ist doch mal ein vernünftiger Arbeiter! werden gewisse Leute ausrufen, die gerne sehen, daß andere 16 Stunden täglich ar⸗ beiten, se lb st aber der Arbeit möglichst im weiten Bogen aus Wege gehen. Also, ihr deutschen Arbeiter, nehmt euch ein Beispiel an diesem zur Einsicht gelangten Kanadier, packt ein mit eurem Streben nach verkürzter Arbeitszeit und dem Achtstundentag; ar⸗ beitet 16 Stunden, dann— schlaft ihr gut. Und das letztere ist die Hauptsache! Dann seid ihr brave Arbeiter, das heißt, neben⸗ bei müßt ihr auch so billig sein, wie dieser Kanadier! s Falsches Papiergeld als Reklame unzulässig! Seit einigen Monaten hat sich in der Lederbrauche die Uebung eingeführt, die Banknotentaschen mit nachgemachtem Papiergeld zum Zwecke der leichteren Anpreisung auszustatten. Die verschiedenen Fächer der Banknotentaschen werden mit entsprechenden Ziffern bedruckt, die den Wert des einzuschiebenden Papiergeldes andeuten. Um die Sache noch besser zu veranschaulichen, hat nun eine Berliner Firma von dem verschiedenen zur Zeit sich im Umlaufe befindlichen Papier⸗ gelde Muster drucken lassen, und diese an die Lederfabrikanten ver⸗ teilt. Das nachgeahmte Geld wird in die entsprechenden Fächer ein⸗ geschoben, um der Tasche für den Käufer dadurch noch mehr Reiz zu verleihen. Eine Hauptverhandlung vor dem Offenbacher Schöffen⸗ gericht gegen einen hiesigen Fabrikanten bat ergeben, daß diese Art der Anpreisung unzulässig, und nach§ 360,6 Str.⸗G.⸗B. strafbar ist. Nach dieser Bestimmung ist verboten, Drucksachen und Abbildungen, die in Form oder Verzierung dem Papiergeld ähnlich sind, anzu⸗ fertigen oder zu verbreiten, und als solche Drucksachen ist das hier vorliegende Papiergeld nach. Ansicht des Gerichts zu betrachten, da es sie, als dem echten für äh nlich bezeichnet. Bestrasung mußte deshalb erfolgen. Für alle, die noch auf gleiche Weise ihre Leder⸗ taschen anpreisen, wird diese Entscheidung von Bedeutung sein und Anlaß geben, diese neue Art des Verkaufs zu vermeiden, um nicht auch mit dem Strafgesetz in Konflikt zu kommen. Der Preis der Hülsenfrüchte. Zu den Verordunngen über Höchstpreise bezw. Beschlaguahme von, Hülsenfrüchten wird der Kölnischen Volkszeitung(Nr. 709) geschrieben:„Von Hülsenfrüch⸗ ten werden Erbsen zuerst geerntet und zwar schon Mitte Juli. Der Preis dieses Artikels, der in Friedenszeit se nach Ernte und Beschaffenheit der Ware zwischen 25 und 35 Mark ab Sachsen schwankte, ging seit Beginn des Krieges bis auf 110, sogar 115 Mk. pro 100 Kilo. Der Preis für diesjährige Ware setzte nun gleich mit 110 Mark ein, ging aber in letzter Zeit, als die Festsetzung von Höchstpreisen in Aussicht stand, auf 90 Mark zurück. Der Höchst⸗ preis wird jetzt auf 60 Mark sestgesetzt, dabei sollen Käufe. welche vorher abgeschlossen—aber noch nicht seitens des Verkäufers er⸗ ledigt sind— berichtigt werden, Wie ist es aber nun mit den Käufen, die schon erledigt und mit 100 bis 110 Mark bezahlt sind? Der Bundesrat möge verordnen, daß auch Geschäfte, die in dies⸗ jährigen Erbsen bereits getätigt sind, auch unter die Verordnung fallen und dann mögen sich die Händler und Produzenten unterein⸗ alder auseinander setzen. Jeder Käuser von zeuer Ware zu hohen Preisen möge der zuständigen Behörde unter Vorlage von Belegen ein Verzeichnis geben und an Hand dieses Materials würde bald festzustellen sein, wer der schuldige Teil für die abnormen, nicht durch schlechte Ernte bedingten hohen Preise ist. Da noch nicht viele Geschäfte abgeschlossen sind, so würde diese Feststellung nicht allzu⸗ viel Arbeit verursachen.“. Etwas vom törichten Gerede über die„schamlosen Weibs⸗ personen“, die sich an Kriegsgefangene herandrängen sollen, wird jetzt aus Orb bekannt. Dort war Ende Juli eine polizeiliche Be⸗ kanntmachung erschienen, in der Klage darüber geführt wurde, daß „schamlose Weibspersonen“ in späten Abendstunden sich an Kriegs- gefangene herangedrängt hätten. Die Stadtverordnetenversamm— lung beschäftigte sich mit der Klarstellung der Angelegenheit in drei Sitzungen, und es kam zu einer völligen Erklärung der ganzen An⸗ gelegenheit. Ein kriegsgefangener Irländer war mit seinem Ar⸗ beitgeber in den Wald gefahren und kam mit diesem erst spät am Abend nach Hause. Da die Gefangenen zum Lager zurückgeführt werden müssen, eine männliche Person in diesem Haufe aber nicht vorhanden war, so führten die beiden Töchter des Hauses den Ge⸗ fangenen über den Kirchplatz zum Gefangenenlager. Ein Mann, der die beiden Mädchen mit dem Gefangenen sah und annahm, daß hier ein Unfug vorliege, machte der Behörde Mitteilung. Ein Stadtverordneter stellte in der Sitzung die Namen der beiden Mädchen der Polizeibehörde zur Verfügung; es handelt sich um durchaus einwandfreie Personen.— Hoffentlich bekommt jetzt der sübereifrige Denunziant etwas aufs Dach. — Deffeutliche Bücherhalle. Im Aug ust wurden 2235 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 1252, Zeit⸗ schriften 100, Jugendschriften 250, Gedichte und Dramen 32, Litera⸗ turgeschichte 21, Länder- und Völkerkunde 35, Kulturgeschichte 20, Geschschte und Biographien 128, Kunstgeschichte 31, Naturwissen⸗ schaft und Technologie 103, Heer- und Seewesen 21, Haus- und Landwirtschaft 4, Gesundheitslehre 20, Religion und Philosophie 32. Staatswissenschaft 15, Sprachwissenschaft 24, Fremdsprachliches 48 Bände. Nach auswärts kommen 44 Bände. Diese Losung verkündet griffe behauptet. Angriffe aufzuhalten. beworfen. Uebergang über die Zelwianka ist an einzelnen Stellen 8 Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls sche an der Zelwianka-Mündung ist der deutschen Heeres— Kossow— Slonim ist der Feind geworfen. Telegramme. Tugebbeithedtsgrosen Hauptiuurtiers. Siegreiches Fortschreiten an der Düna und an der Zelwianka. Russische Gegenangriffe am Sereth blutig abgeschlagen. W. B. Großes Hauptquartier, 11. Sept., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Am Hartmannsweiler Kopf wurden die am 9. September gestürmten Gräben gegen zwei französische An⸗ Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. In den Gefechten südöstlich von Friedrichstadt und östlich von Wilkomierz sind weitere 1050 Gefangene gemacht und 4 Maschinengewehre erbeutet worden. Auf der Front zwischen Jeziory und Zelwa(an der Zelwianka) leisten die Russen noch hartnäckig Wider— stand. Sie versuchen durch Gegenstöße starker Kräfte unsere Skidel und das nordwestlich davon gelegene Niekrasz konnte erst nach hin- und herwogenden Kämpfen von uns in der Nacht endgültig erobert werden. Auch Lawna(an der Straße Skidel-Lunno Wola) ist er⸗ stürmt. Der Angriff gegen die feindlichen Stellungen an der Zelwianka geht vorwärts. 2700 Gefangene und 2 Maschinengewehre fielen in unsere Hand. Die Eisenbahnknotenpunkte Wilejka(östlich von Wilna) und Lida wurden durch unsere Luftschiffe ausgiebig Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Auch auf der Front dieser Heeresgruppe dauert der Kampf zwischen den Straßen Wolkowisk-Slonin und Kobryn⸗Milowidy mit gleicher Heftigkeit an. Der erzwungen. Oesterreichisch-ungarische Truppen nahmen das Dorf Alba(pestlich von Kossow). Um den Bahnhof Kossow wird gekämpft. N Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls . uv. Mackensen. Die Lage ist im allgemeinen unverändert. 5 Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die deutschen Truppen der Armee des Generals Grafen Bothmer wiesen heftige Gegenangriffe unter starken Verlusten des Feindes ab. Sie machten über 300 Gefangene. Oberste Heeresleitung. W. B. Großes Hauptquartier, 12. Sept., vorm.(Amtlich.) 5 Oestlicher Kriegsschauplatz. v. Hindenburg. Auf der Front zwischen Düng und Merecz lam Njemen) haben die Kämpfe an einzelnen Stellen einen größeren Umfang angenommen. Es sind erneut 1800 Gefangene gemacht und 5 Maschinengewehre erbeutet worden. Zwischen Jeziory und dem Njemen dauerten die hart— näckigen Kämpfe den ganzen Tag über an; erst heute früh gab der Feind weiteren Widerstand auf. Er wird ver— folgt. An der Zelwianka sind die feindlichen Linien an mehreren Stellen durchbrochen. Der Gegner verlor 17 Offiziere und 1946 Mann an Gefangenen und 7 Maschinen— gewehre. Der russische Bericht vom 10. September spricht von Gefechten der russischen Garde im Norden von Abeli(42 Kilometer westlich von Dünaburg). Deutsche Truppen waren hieran nicht beteiligt. Hingegen wurde die russische Garde gestern nordwestlich von Wilna festgestellt, angegriffen und geworfen. Ueber den in demselben russischen Bericht er— wähnten Sieg von zwei russischen Soldaten über sechs deut— leitung kein Bericht zugegangen. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Im engen Zusammenwirken mit dem rechten Flügel der Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Hindenburg wurden die feindlichen Stellungen östlich von Zelwa genommen. Auch bei Koszele ist die Zelwianka überschritten. Beiderseits der Straße Bereza—Kartuska— Die Heeres⸗ gruppe machte 2759 Gefangene und nahm 11 Maschinen— gewehre. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen. Unsere Truppen sind im Angriff beiderseits der Bahn uach Pinsk. Einige Vorstellungen wurden heute nacht durch Heberfall genommen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Deutsche Verbände wiesen weitere Angriffe unter schweren Verlusten des Feindes ab. Westlicher Kriegsschauplatz. Auf einem großen Teil der Front rege Artillerie— tätigkeit. Erfolgreiche Sprengungen in der Champagne und in den Argonnen verursachten starke Be— schädigungen der französischen Gräben. Feindliche Flieger warfen gestern früh Bomben auf Ostende. Schaden ist nicht entstanden. Personen sind nicht verletzt. Während der Nacht wurden die Docks von London und deren Umgebung mit sichtbarem Erfolge be— Der österreichisch⸗ungarische Tages bericht Abweisung rufsischer Vorstöße. Schwere Mißerfolge der Italiener. Wien, 12. Sept.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart. 12. September 1915. 0 Russischer Kriegsschauplatz.. Unsere in Polen kämpfenden Streitkräfte haben gestern bei Derazno den Goryn und bei Dubno die Ikwa überschritten. Die russischen Angriffe bei Tarnopel nahmen an Heftigkeit zu. Nordwestlich der Stadt gelang es dem Feind in unsere Schützen⸗ gräben einzudringen und das Dorf Dolzanka zu gewinnen, aber die aus den Nachbarabschnitten herbeieilenden Deutschen und Honved⸗Bataillone faßten den Gegner in beiden Flanken und er⸗ oberten das oben genannte Dorf zurück und warfen die Russen wieder auf ihre Brückenkopfstellung. Die gegnerischen Verluste sind groß. Auch die feindlichen Vorstöße südwestlich von Tarnopol wurden abgewiesen. Auf unseren Fronten auf dem östlichen Strypaufer, am unteren Sereth und an der bessarabi⸗ schen Grenze verlief der Tag ruhig. Die K. K. Truppen in Litauen entrissen dem Feind das bei Koswo liegende, stark verschanzte Dorf Szkuraty. Italienischer Kriegsschauplatz. Wie erwartet wurde, kam es gestern an der küstenländi⸗ schen Front und zwar namentlich in ihren nördlichen Ab⸗ schnitten zu einer Reihe größerer Kämpfe, die sämtlich mit dem vollen Mißerfolg der angreifenden Italiener endeten. Im Flitscher Becken kamen die wiederaufgenommenen feindlichen Infanterieangriffe überhaupt nicht vorwärts. Gegenüber Jablo⸗ nica zwang unser Feuer den Gegner zu fluchtartigem Zu⸗ rückweichen. Ebenso wurden Angriffs versuche italseni⸗ scher Abteilungen, die sich südlich des Javozek eingenistet hatten, abgewiesen. Im Wrsic⸗Gebiet tobte der Kampf den ganzen Tag heftiger, denn je. Hier schlug die St. Pöltener Landwehr mit bewährter Tapferkeit den feindlichen Angriff zurück. Wieder blieben alle Stellungen fest in unserer Hand. Das Vorfeld ist mit toten Italienern bedeckt. Von dem Tolmeiner Brückenkopf stand der südliche Teil wieder unter stärkerem Geschützfeuer. Wie sich jetzt herausstellt, waren an den hier am 9. September geführten Angriffen von seiten des Gegners die 7. Infanterie⸗Division, eine Alpinigruppe und ein Versaglieri⸗ Bataillon beteiligt. Das italienische Infanterie⸗Re⸗ giment Nr. 25 verlor dabei allein 1000 Mann. Im Abschnitt von Doberdo wurden mehrere Vorstöße des Feindes im vorspringenden Teil der Hochfläche wie immer abgewiesen. An der Tiroler Front griffen die Italiener gestern nachmittag und heute im Raume westlich vom Monte Piano mit Gruppen bis zur Stärke eines Bataillons unsere Stellungen im Popena⸗Tal und im Cristallo⸗Gebiet vergeblich an. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnant. 3 5 Vergeblicher Angriff russischer Wasserflugzeuge auf einen Kreuzer. Berlin, 12. Sept.(W. T. B. Amtlich.) Am 12. Sep⸗ tember vormittags haben mehrere russische Wasserflugzeuge einen deutschen kleinen Kreuzer vor Windau mit acht Bomben angegriffen, die sämtlich ihr Ziel verfehlten. Ein feind⸗ liches Flugzeug wurde heruntergeschossen, nach Windau eingebracht und seine Besatzung, zwei russische Offiziere, gefangen genommen. Der Chef des Admiralstabs der Marine. Der Schaden des letzten Zeppelinangriffes auf London. Alle Berichte der aus Holland ankommenden Reisenden besagen, daß der Schaden, der durch den letzten Zeppelinangriff auf London verursacht wurde, außerordentlich groß ist. In London allein seien über 200 Häuser zum Teil vernichtet, zum Teil schwer beschädigt worden. In den östlichen Grafschaften sollen über 80 Häuser beschä⸗ digt worden sein. Ein russischer Dampfer anf eine Mine geraten. Köln, 12. Sept.(Priv.⸗Tel., zens. Frkft.) Die Kölnische Volkszeitung meldet aus Petersburg: Bei dem Transport von Flüchtlingen und wertvollen Maschinenteilen aus Riga nach Reval geriet der Dampfer„Zerbino“ auf eine(jeden⸗ falls russische) Mine und sank. Mehr als 200 Personen, an— geblich der besseren Stände, sind ertrunken. Die innere russische Krise. Der Sturz des Großfürsten. Aus Stockholm meldet der Lokalanzeiger: Ueber die politischen Ursachen der Absetzung des Großfürsten Nikolaje⸗ witsch werden jetzt nähere Einzelheiten bekannt. Der Großfürst versuchte hartnäckigen Widerstand, als die liberale Umformung be⸗ gaun. Auf ihn persönlich sind vor allem die Bestrebungen für die Bildung des schwarzen Blockes zurückzuführen, der die reaktionären Kräfte sammelte. Es ist kein Geheimnis, daß der Großfürst neuer⸗ dings einen Schritt gegen die Duma plante. Noch wenige Tage vor seiner Absetzung veröffentlichte sein Blatt Petrogradski Wiedomosti einen Aufruf gegen die geschwätzige Duma, der unge⸗ heures Aufsehen verursachte. Eine Verschwörung gegen das Leben des Großfürsten wird bezeichnenderweise erst jetzt nach seiner Absetzung aufgedeckt. Die Polizei nahm 50 Verhaftun⸗ gen vor. Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ermordet? T. U. Stockholm, 12. Sept. Einem Telegramm der Stockholms Tidningen aus Haparanda zufolge ist in Tornea das Gerücht verbreitet, daß der neue Vizekönig des Kaukasus. der frühere Oberbefehlshaber Großfürst Nikolai Nikolaje— witsch, ermordet worden sei. Das Ministerium und die Resormbewegung. Petersburg, 12. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Rjetsch meldet: In Regierungskreisen verlautet, daß sich die Re— gierung gegenüber den Wünschen der Moskauer und sonstiger Stadtverwaltungen auf die Bildung eines sogenannten Vertrauensministeriums durchaus ablehnend verhält und daß sie den Moskauer Organisationen, die der— artige Wünsche geäußert haben, ihr Mißfallen ausge⸗ drückt hat. Rietsch droht der Partei der Rechten und der Presse die schwersten Folgen an, falls sie die Bekämpfung der liberalen Maßregeln, die zur Verteidigung des Landes notwendig seien, nicht aufgäben. In einem Artikel, überschrieben„Ein Verzweif lungsschrei aus dem Lande“ schildert Rjetsch die un- geheuren Hemmungen und Bedrückungen, die die Bevölkerung in der Provinz in dieser Zeit von der Regierung auszuhalten habe, insbesondere die willkürliche Unterdrückung von Zeitungen. Den Semstwos sei direkt verboten worden, die kriegerischen Ereignisse vorfen. f Oberste Heeresleitung. Zigarren ⸗Spezial⸗Geschäfsft Eine Konferenz. Daily Telegraph berichtet aus Petersburg von einer Kon⸗ ferenz 85 Mie ut Vertretern dar rene 5 50 0 die sehr erregt gewesen sein und bis Mitternacht A abet soll. Die Minister selbst seien geteilt gewesen, tei 59.. 1 Verlängerung der Dumasession, die aushetzend ah die it d 1 stimmung wirken würde, teils für die Zusammenar eit mit, dex 1 Duma, jedoch nicht für Gewährung aller ihrer Forderungen Zum Schluß habe die versöhnlichere Stimmung gesiegt. Die 1 911 hätten versprochen, die Wünsche des Dumablocks 51 88 rtes vorzutragen. Jedenfalls scheine kein Grund für 1 eee vorzuliegen, daß die innere Krisis die Energie 1 1 hrung beeinträchtigen könnte: vielmehr verlange der Block selbst in erster Linie kräftige Fortsetzung des Krieges. 0 1 Sozialdemokratische Kritik. Aus Stockholm wird der Frankf. Ztg. berichte: Während der Debatte der Reichsduma über die Ein- kommensteuer machte der Sozial de mokrat Sto b e le w einen Angriff auf die Regierung die er nach ö der Rjetsch beschuldigte, das Land während des Krieges des organisiert zu haben. Die Regierung habe keinen Kredit mehr, weder zu Hause noch im Auslande. Die ganze Weis⸗ heit des Finanzministeriums bestehe im Druck von Bank. noten. Solch eine Politik sei Falschmünzerei. Man spreche von Reformen: Ja, in Polen seien Reformen einge⸗ 7 führt worden, nachdem ganz Polen vom F ei 8 e b esetzt worden sei. Polens Selbständigkeit sei proklamiert worden, nachdem nur die polmhischen Mitglieder der Duma und des Reichsrats von der polnischen Be völkerung unter dem Zepter des Zaren übrig geblieben seien. Die Juden hätten Bewegungsfreiheit erhalten, aber erst seitdem sie in großen Scharen aus dem Lande flüchteten. In der Fortsetzung seiner Rede sprach Skobelew 4 von Desorganisatoren, Dieben und Ver⸗ V0 rätern. Zuletzt wurde ihm das Wort entzogen. 10 Die Beamtenkorruption. 5 1 195 0 T. U. Petersburg, 12. Sept. Bei der Hafenverwaltung von 4 auf Archangelsk sind Unterschleifen vorgekommen, die, wie Eingeweihte Vssetten. behaupten, bisher selbst im Rußland noch nie dagewesen waren. ca Unzählige Millionen, die seit Friegsbeginn für die Hafenvertiefung Lliberg für Eisbrecher usw. von der Regierung nach dorthin überwiesen“werk worden waren, sind verschwunden, ohne daß etwas ausgeführt gtchind wäre. Der neue Justizminister hat einen der Richter beim Peters⸗ dae, de burger Oberlandesgericht dorthin abgesandt, der soeben zuxrück⸗ Vokal kehrte und fast unglaublich klingende Anklagen gegen die höchsten ade Regierungsbeamten von Archangelsk mitgebracht hat. f 1 le me Vereinskalender. 1 f Montag, 13. September. 5 0 0 f Gießen. Schneiderverband. Abends 9 Uhr Versamm⸗ f 15 ung. daben es, Wochenmarktpreise in Gießen. e am 11. September 1915. Ven Ar Butter per Pfd. 1.65—1.75 Mk.] Zwiebeln ver Pfund 12—15 Pfg aer ll Milch Liter 24 Pfg. Blumenkohl ver Stck. 20—50 Pfg den ei Hühnereier Stück 15—00 Pfg.] Weißkraut p. Haupt 10—20 Pfg. 1 alben Gänseeier Stück— Pfg.] Rotkraut p. Haupt 10—25 Pfg. Aachsam Köse Stück 8—9 Pig. Wirsing v. Haupt 1020 Pg 15 Käsematte 2 Stück 5—6 Pfg.] Kohlrabi ver Stück 6—8 Pfa. li der Tauben per Paar 1.30—1.50 Mk.] Gurken ver Stück 10—20 Pfg unden, Hühner per Stück 2.00—2.50 Mk.] Kleine Gurken Stück 3—5 Pfg. Alen e Hähne ver Stück 1.50—1.80 Mk.] Bohnen Pfund 1518 Pfg. ict. chsenfleisch per fd. 1.16—1. 20 Mk. Kopfsaaat ver Kopf 8—12 Pfg. en Kalbfleisch ver Pfd. 100—104 Pfg.] Gelbe Rübchen Päckchen 6—18 Pfg. A Kuh⸗ u. Rindfl. per Pfd. 112.116 Ufg.] Birnen Pfund 10—15 Pfg. boni Schweinefleisch Pfd. 160—470 Pfg.] Aepfel Pfund 8—15 Pfg. Jene Hammelfleisch p. Pfd. 96—410 Pfg.] Falläpfel Pfund 4—5 Pfg. vorbere Kartoffeln p. Malter 78.00 Mk. Jwetschen Pfund 18—00 Pfg.] duch Kartoffeln Pfd. 4—5 Pfg Brombeeren Schoppen 18—20 Pfg. duge Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. 1 mung! Verlag von Krumm& Cie., Gießen. e ge Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H. Offenbach a. M. a. dein Bekanntmachung. b Die vom 8. September 1870 bis 31. Dezember 1895 geborenen, 1 0 ale als dauernd untauglich ausgemusterten und in Gießen wohnhafter age Personen fordere ich hiermit auf, sich f f am 14. und 15. September d. Is. von vormitkags 8—1 Uhr und al nachmittags von 3—6 Uhr im Rathaus am Marktplatz hee zur Aufnahme in die Landsturmrolle anzumelden. Bei der Anmel⸗ cen e der geldun be en(gelber Schein) vorzulegen. N 1 Nichtanmeldung hat Bestrafung nach den Militärgesetzen zuz dcr Folge. ö i eee da Gießen, den 11. September 1915. 0 ai Der Se orgerneißer. ee 0. Ke 5 1 10 Verslorbene. Frl. Lina l 15e Wiesech, 18 Jahre alt 1 10 5 Frau Marie Luch, geb. Schmidt, in Gießen, 28. Jahre alt.— 1 9 0 Jrau Marie Allendorf in Alsfeld. 8 f 1 i . N den f f 0 a0 2 J 0 b . AFV be Ates u Gie 10 3 en. I as Am Mitewoch, den 29. September 1915 W a ab, findet auf den städtischen Marktanlagen an der dateien 0 1 5 i Pferdemarkt den want de en der. en ist unzulässig I a0 a der in der Nähe des Markt 1 S erteisg Herr Lohnkutscher Huhn Auetunste vor henden ee 1 n Mit dem Pferdemarkt ist eine f f oni —— 2 pda a r Prämierung 0 8 Hof. Jar.* 1 0 771 7 ö i Werten sieberdematerials verbunden, wofuͤr über 2200 Mark zur 1 5 Der Prämii 8 ist 3 1 Schwan rende e ol Beeren Weinbäudler Auen, 0. Die Prämienverteilung erfolgt nach Beendigu ämii ue Gießen, den 8. September 1915. eure der fee 0 15 Die städtische Pferdem 1 arkt⸗D i. Grünewald, Leigeordneter Fütatfotk. 1 a 8. ö ff 9 g 7 ö 0 10 dee E 1 0c 7 0 5 — N l Schulstraße 5* ei 1 5 empfiehlt eine aus rein überseeischen Tabaken hergestellt öffentlich bekannt zu geben Jigarttten I. giuattiloz, Rau-, Kal, 1. Schuupftabtle. . 2*„ ten Fabrikate bestenns 90