* Oberhesst Organ für die Interessen des werklätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. „ Die Oberbessische Volksseitung erscheint jeden Werktag Abend in Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich 60 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl. 1. 80 Mk. Redaktion und Expedition Gießen, Bahnhofstraßse 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Inserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pig. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 213 Gießen, Samstag, den 11. September 1915 10. Jahrgang Wo fehen die Gewerkschaften? Von August Winnig. Die absolute Neutralität der Gewerkschaften hat stets nur ein Zapierdasein geführt. Ganz gleich, welche Organisationsrichtung sie Neutralität für sich in Anspruch nahm,— sie war in keinem Falle vorhanden. Sie konnte auch nicht vorhanden sein; neu⸗ rale Gewerkschaften sind eben aus zwingenden Gründen schlecht⸗ deg unmöglich. Die Denkrichtung der Masse, ihre Stellung zu alen Fragen, die ihre Klasseninteressen berühren, setzt sich in allen Organisationen durch. Man betrachte die Entwicklung der deutschen Zewerkschaften daraufhin: so oft von innen oder von außenher der Zersuch gemacht wurde, sie politisch zu neutralisieren, so oft ist er sescheitert. Wohl kann man verschiedene Abstufungen in der geltendmachung des politischen Standpunktes feststellen, hier ein ücksichtsloses Ansprechen, dort eine mehr oder weniger große, von aktischen Erwägungen bestimmte Zurückhaltung; aber politisch rientiert sind alle Gewerkschaften, und von einer wirklichen Neu⸗ kalität kann nirgend im Ernst die Rede sein. Das ist eine durch⸗ uuẽs natürliche Erscheinung, sie wurzelt in dem selbstverständlichen Streben der Arbeiter, alle ihre Organisationen mit dem Geiste zu füllen, der sie selbst beseelt, und was man auch dagegen sagen nag, dies Streben wird sich immer durchsetzen, genau so, wie es ich in den Organisationen der Landwirte, der Industriellen, der Handwerker usw. durchsetzt, vielleicht mit dem Unterschied, daß das kärker pulsierende politische Leben der Besitzlosen auch hier zu— age tritt. Es kann darum gar nicht ausbleiben, daß der Streit um die Stellung der politischen Organe der Arbeiterklasse auch die Ge⸗ berkschaften berühren wird. Das nahe Nebeneinander und die nge geistige Gemeinschaft der Organisationen bringen das ohne eiteres mit sich. Was den einen Teil der Arbeiterbewegung aufs ste bewegt, kann an dem andern nicht spurlos vorübergehen. Der rein gewerkschaftliche Streit um die Organisationsform in den chtziger und neunziger Jahren übertrag sich schließlich auch auf ie politische Bewegung, und ebenso haben die taktischen Diffe⸗ senzen in der Partei in den letzten zehn Jahren ihr Echo in den e werkschafklichen Organisationen gefunden. Man mag das be⸗ kagen, muß es aber als eine logisch und geschichtlich bedingte Er⸗ cheinung in Kauf nehmen. Alle Befürworter der gewerkschaft⸗ ichen Neutralität waren sich dieser Bedingtheit nicht bewußt oder ahen sie übersehen. Die Frage nach dem Verhalten der Gewerkschaften ist durch en gegenwärtigen Parteistreit aktuell geworden. Vereinzelt hat dan den Gewerkschaften wiederum geraten, streug neutral zu leiben. Diesem Rat werden die Gewerkschaften aber aus den an⸗ eführten Gründen nicht folgen können. Das steht überdies heute on sest: denn die Gewerkschaften haben längst durch ihre Presse a dem Streit Siellung genommen. Das rege geistige Leben in en deutschen Gewerkschaften, das seinen Ausdruck in der hoch⸗ utwickelten Presse findet, macht ein Vorbeigehen an solchen, die Arbeiterbewegung tief bewegenden Fragen von vornherein unmög⸗ dich. Es ist bekannt, daß die Stellungnahme der Gewerkschaften berwiegend, nämlich bis auf zwei oder drei Ausnahmen, im Sinne eer FFraktionsmehrheit erfolgte. l 15 Ist diese für die Entscheidung der Streitfragen nicht neben⸗ g üchliche Stellungnahme nun bloß ein Zufallergebnis, hervorgerufen burch opportunistische Denkart der Führer? Oder ist sie im Wesen der Gewerkschaften begründet? 5 Im Ganzen der Arbeiterbewegung haben die Gewerkschaften die Aufgabe, durch die Stärkung der wirtschaftlichen und sozjal⸗ ö echtlichen Potenzen der Arbeiterklasse die ökonomische Grundlage für den Aufstieg zur Macht zu schaffen. Die Hütung und Förde⸗ ung der ökonomischen Interessen der Arbeiter steht darum im Zordergrunde des gewerkschaftlichen Pflichtenkreises. Daraus er⸗ geben sich die Methoden der gewerkschaftlichen Arbeit: nicht Kampf am des Kampfes willen sondern um des Erfolges willen, un die Hebung der wirtschaftlichen Lage der Arbeiterschaft, um die Besse⸗ zung ihrer rechtlichen Stellung im Arbeitsvertrag, um die Stär⸗ ung ihres Wertgefühls ihres Selbstbewußtseins. So schafft die Zewerkschaftsbeweguna den ökonomischen Untergrund, auf dem sich er Ueberbau des politischen Machtstrebens, der kulturellen Er⸗ wecung und Erhöhung emporreckt. Von dieser Auffassung ihrer Iflichten ist die deutsche Gewerkschaftsbewegung bis ins innerste zurchdrungen, und die Erfolge im letzten Vierteliahrhundert, seit⸗ em sich diese Methode gegen mannigfache Widerstände durchgesetzt gat, geben uns das Recht, unverbrüchlich an ihr sestzuhalten. Unter siesem Gesichtspunkt will auch die Haltung der Gewerkschaften gegenüber den Fragen der Kriegszeit beurteilt sein.. Als der Krieg allen Bekundungen des Friedenswillens der Urbeiterschaft zum Trotz ausbrach, da mußten die Gewerkschaften — Fre vornehmste Aufgabe darin sehen, die ölonomischen Interessen eerr Arbeiterklasse zu schützen. Zunächst mußten sie ihre eigene 1 bristenz sichern. Das Verschwinden der Organisationen hätte die Arbeiterklasse ihres stärksten, ja ihres einzigen Riickhaltes beraubt, en sie niemals nötiger hatte. als gerade in der Zeit des Krieges, ie wirtschaftliche Veränderungen einschneidendster Art bringen nußte. Dahinter aber standen die schier unübersehbaren Auf⸗ aben der sozialen Kriegfürsorge: Schaffung von Arbeitsgelegen— eit, Unterstützung der Arbeitslosen, Arbeitsvermittlung, Rege⸗ ung der Arbeitsbedingungen in den Rilstungsbetrieben, Schutz or Lebensmittelwucher usw. Wer da meint, daß diese ökonomi⸗ ö chen Interessen der Arbesterklasse um einer zwar wirkung s⸗ ofen, aber schönen revolutionären Geste willen hätten preis egeben werden müssen, mag es tun, dagegen soll hier nicht bolemistert werden: hier sei nur festgestellt, daß die Gewerkschaften rem ganzen Wesen nach diefen Interessen den Vorzug geben nußten. Die Bewahrung der Arbeiterklasse vor Desorqanssation und Verelendung mußte ihnen tausendmal wichtiger sein, als die Alussicht, in Schönheit zu sterben. 599 1 Die Haltung der Fraktion zu den Tragen der Laudesverteidi⸗ 1 0 71 ö a 1 gung ermöglichte den Gewerkschaften die Vertretung des ihnen durch den Krieg aufgezwungenen Programms, sie ebnete den Weg, den die Gewerkschaften gehen mußten. Eine andere, verneinende und ablehnende Haltung hätte ihn zumindest arg erschwert, viel— leicht gänzlich versperrt. So lag und liegt die Politik der Fraktion also im Interesse der Gewerkschaften. Die Gewerkschaften mußten eine solche Politik wünschen und müssen sie nun, wo sie Tatsache ist, verteidigen, so— weit das notwendig und möglich ist. Sind hiermit die Beweggründe für die Haltung der Gewerk- schaften auch nicht erschöpft, so sind dies doch die unmittelbarsten, die am stärksten wirkten. Daneben und im gleichen Sinne wirkte die Erkenntnis, daß der Kriegsausgang über die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands und damit auch ber deutschen Arbeiterklasse entscheiden würde; die Hinweise auf die Aktion des internationalen Proletariats waren ausgeklungene Worte, aber die Bedrohung durch die Ziele des englischen Wirtschaftskriegs war eine Tatsache, und bei dem starken Sinn der Gewerkschaften für Tatsachen konnte sie daran nicht achtlos vorübergehen. Darum können die Gewerkschaf⸗ ten gar nicht anders, als die Politik der Partei anzuerkennen und ihre Mitglieder in diesem Sinne aufzuklären. Sie werden dabei sicherlich stets von der wohlberechtigten Sorge geleitet sein, zer— setzenden Streit aus ihren Reihen fernzuhalten, aber sie können um ihrer selbst willen nicht so tun, als ob sie die Frage nach der gegenwärtigen und künftigen Stellung der Arbeiterklasse in Staat und Gesellschaft nichts anginge. Die Meinungsverschiedenheiten rühren zu stark an die Grundauffassungen der Gewerkschaften, als daß sie sich auf eine„überneutrale Vogelstraußpolitik“ zurückziehen könnten, wie die Bergarbeiter-Zeitung eine solch unmögliche Hal⸗ tung nennt. Die Gewerkschaften mußten ihrem Wesen und ihren Aufgaben nach diese Politik der Fraktion wünschen, sie müssen u werden darum auch für ihre Anerkennung eintreten. * * 0 Der Seekrieg.* Der englische Dampfer„Dictator“(4116 Tonnen) aus Liverpool ist gesunken. Die Besatzung besteht aus 41 Mann und wurde gerettet Das versenkte norwegische Schiff„Store sand“ war von Iquique nach England mit Salpeter unterwegs. Es war ein Schiff von 1638 Tonnen und mit 110 000 Kronen kriegsversichert. Nach einer Pariser Meldung des Corriere della Sera macht die Tatsache, daß die deuts chen Tauchboote jetzt auch im Bereiche der französischen Schiff⸗ fahrtslinien operieren, in Marinekreisen großen Eindruck. Bisher seien sie nur bis zu der Insel Quessant gekommen, aber nun tauchten sie auch im Atlantischen Ozean bis zu der Girondemündung auf, wo sie bereits drei Dampfer versenkt hätten. United Preß meldet, daß die deutsche Note an die Ver— einigten Staaten über die Versenkung des Dampfers „Arabic“ sich auf die Erklärung des deutschen Untersee⸗ boot⸗Kommandanten beruft, daß er Grund gehabt habe zu der Befürchtung, die„Arabie“ werde sein Boot rammenz; deshalb habe er in Selbstverteidigung das Torpedo gegen sie abgeschossen. * Daily News meldet aus Plymouth: Der Kapitän eines bewaffneten Fischdampfers ist vom Kriegsgericht zur Dienstentlassung verurteilt worden, weil er nicht die äußerste Anstrengung machte, sein Schiff gegen ein U-Boot in Aktion zu bringen. Der Fischdampfer befand sich auf Patrouille, als er die Schüsse hörte. Er fuhr acht Meilen in der Richtung des Geschütz⸗ feuers, sichtete einen Dampfer, ein U-Boot und drei mit der Be⸗ mannung des Dampsers besetzte Rettungsboote. Der Kapitän des Fischdampfers wollte die Boote in Schlepptau nehmen, wurde aber von den Insassen gebeten, wegzufahren, damit nicht das Feuer des Bootes sie selbst träfe. Der Fischdampfer änderte den Kurs und kehrte nach einer halben Stunde zurisck. Er fand den Dampfer ge⸗ sunken und das U-Boot verschwunden. Die englischen Arbeiter über die Wehrpflicht. Ueber die Tagung des englischen Gewerkschaftskongresses in Bristol, der von 670 Vertretern besucht ist, läßt sich der Berl. Lokalanz. über Kopenhagen berichten:„Das Haupt⸗ ereignis der gestrigen Sitzung bildete die einstimmnige An⸗ nahme einer Resolution, die sich gegen die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht ausspricht. Das Ergebnis der Ab- stimmung wurde mit langanhaltendem Beifall begrüßt. Bei der voraufgegangenen Debatte wurde betont, daß die eng⸗ lische Arbeiterwelt entschlossen sei, die Regierung bis zum äußersten zu unterstützen, damit der Krieg fortgesetzt werden könne, bis ein gutes Ergebnis erzielt sei. Die Arbeiter brächten hierfür ohne Zögern jedes Opfer, würden sich aber mit aller Macht jedem Versuche der Einführung der all— gemeinen Wehrpflicht widersetzen, weil solcher Schritt nicht nur durch nichts gerechtfertigt, sondern auch einen Rückschritt bedeuten würde, der das Land unter das preußische Militär- system bringen müßte, für dessen Vernichtung England gerade kämpfe.“ 6. September in Chicago amerikanische Wa 3 Bom Weltkrieg. Eine Etappe? Der abgesägte russische Generalissimus ist schon nach der Stätte seines neuen Wirkens, dem Kaukasus abgereist. Mit grimmigem Humor schreibt der Großfürst in seinem Abschied, unter der Führung des Zaren werde die Armee gewiß U nvergleichliches leisten. Die Nowoje Wremja dagegen kündigt an— spottet ihrer selbst und weiß nicht wie— daß das Heer seines gewesenen Führers würdig bleiben werde. Wir werden es nicht zu bedauern brauchen, wenn die ganze Wucht der hoffentlich noch folgenden weiteren russischen Niederlagen vor dem Volke auf den Zaren selbst fällt. In einem abso⸗ lutistischen Staate ist es nur ganz in der Ordnung, wenn der all⸗ mächtige Herrscher selbst die Verantwortung für den Verlauf eines Krieges trägt, den er seinem Volke auferlegt hat. Held Nikolaj, der Aeltere aber, der schon der Macher des Japan⸗ krieges war, geht nach Tiflis. Er reist bequemer als die Millionen Polen, Litauer, Zuden, Letten und Ukrainer, die sein Befehl von der Scholle, aus der Existenz riß und auf die Landstraßen, in die Wälder und Sümpfe jagte, in Not und Jammer ohne Gleichen triböohb Er zieht in den Kaukasus, umwittert von dem Dampf des Blut⸗ meeres, das er gegen die Karpathen peitschte. Er geht nach Tiflis. Vielleicht ist es nur eine Etappe. Viel⸗ leicht erleben wir es noch, daß die wackeren Männer der Familie Romanow⸗Holstein-Gottarp ihr fegens reiches Leben dor! beschließen, wohin ihr Gebot Unzählige der Edelsten und Besten trieb, wo Rußlands Zukunft in unsagbaren Qualen moderte: in der Tanga Ostsibiriens, in den Bergwerken von Kara, im Zuchthause von Akatuj, auf der Insel Sachalin. Dahin, Nikolaj, Onkel und Neffe, sei auch der Weg gesegnet! An den Friedenskongreß in Amerika. Berlin, 9. Sept.(W. B. Nichtamtlich.) Wie der Weltbund der Wahrheitsfreunde, Zentralstelle für Deutschland, Berlin, Pots⸗ damer Straße 48, mitteilt, wurden von den amerikanischen. Wahr⸗ heitsfreunden an den Kongreß der Friedensfreunde, der am 5. und tagte, folgende Telegramme gesandt: Die hrheits⸗Gesellschaft von München in Unterstützung der Ziele der Versammlung energisch gegen die niedrigen Entstellungen der anglo⸗amerikanischen Presse wegen der angeblichen Schuld Deutschlands am Ausbruch des Krieges und klagt die Newyorker Presse einer unamerikani schen Haltung an. Grüße! Herzlichste Sympathie dem Gegenstande eurer Versammlung von der amerikanischen Kirche in München. Die Amerikaner Berlins senden herzlichste Wünsche für den Erfolg der edlen Be⸗ strebungen. Der gute Name Amerika muß unter allen Umständen vor den Augen der Menschlichkeit und Geschichte wiederhergestellt werden. Ein Blick in das Leben des wirklichen Deu tschland würde unseren Landsleuten die Wahrheit offenbaren. Unser nationales Motiv sei: Vermittelung und nicht eingreifen! Laßt unsere Neutralität solche offenen Arme der Bruderschaft, nicht solche eisernen Arme des Zerbrechens sein.— Der von Amerikanern und anderen Ausländern gegründete Wahrheitsbund, Berlin, sendet allen Freunden der Wahrheit beste Wünsche. Euer Motto sei: Nicht Wunden heilen, sondern Wunden verhüten! Japanische Kriegslieferungen. 5 Lyon, 9. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Der Nouvelliste meldet aus Tokio: Man arbeitet mit verdoppelter Kraft an den Kriegsmateriallieferungen für Rußland. Die schweren Geschütze der Befestigungen an der Nordküste von Japan mit den Bedienungsmannschaften und Munition Wurden nach Rußland gesandt. Der russische Abnahmeausschuß siber⸗ nahm in Korea 40 000 Paar Stiefeln, 30 000 Kisten Munition und viel Material. Eine japanische Zellstoffgesellschaft lieferte 140 Tonnen Schießbaumwolle. Die Staatsfabriken arbeiten Tag und Nacht an der Herstellung von Gewehren. Der Kriegsminister beschloß, die Gewehrbestände in den Arsenalen von 500 000 auf eine Million zu erhöhen. Die Unruhen gegen den Vierverband in Persien. Ispahan, 9. Sept.(W. B. Nichtamtlich.) Meldung der Peters⸗ burger Telegraphenagentur. Terroristen bedrohen den russtschen und fronzösischen Konsul und den Leiter der russischen und englischen Bank mit dem Tode; Gendarmen bewachen die Behausungen der Be⸗ drohten. Die Lage in der Stadt ist bedrohlich; die russische und die englische Kolonie haben den Befehl zur Abreise erhalten. 0 Beratungen über die deutsche Wirtschasis⸗ politik. Die Beratungen des wirtschaftlichen Ausschusses über die zukünftige Handels- und Wirtschaftspolitik des Deutschen Reiches werden, nach einer Mitteilung der Täglichen Rund- schau, am 14. September beginnen. Für die Dauer der Be⸗ ratungen, die in Berlin stattfinden, sind etwa drei Tage in Aussicht genommen. Der wirtschaftliche Ausschuß wird sich gutachtlich über dieselben Fragen äußern, die kürzlich der Hauptausschuß Berliner kaufmännischer, gewerblicher und industrieller Vep⸗ eine beraten hat. Wir haben hierüber kurz berichtet. Nach der Ansicht des Hauptausschusses wird das Ziel der deutschen Handelspolitik darin bestehen müssen, dom deutschen Handel die gleiche Berechtigung auf allen Märkten, besonders auch auf den Märkten unserer jetzigen Feinde, zu verschaffen und zu sichern. Es dapf als zweifellos gelten, daß auch der wirt schaftliche Ausschuß sich in diesem Sinne äußern wird. pro testiert 5 N Ein unhaltbarer Zustand. 0 Unter dieser Ueberschrift bringt das Berl. Tagebl. folgende Notiz, die ein Licht auf die bestehenden Zensurverhältuisse wirft: „Wie man weiß, ise den Zeitungen jegliche Erörterung der „Kriegsziele“, das heißt der zukünftigen Friedensbedingungen, unterfagt. Obwohl in den Debatten des Reichstages und in den Kommissionsberatungen sehr viel von diesen und anderen Ver⸗ fügungen gesprochen wurde, und obgleich die Vertreter der Re⸗ gierung wiederholt eine milde Handhabung des ganzen Zensurwesens in Aussicht stellten, sind die Bestimmungen immer wieder vers schärft worden. 5 5 Man braucht nicht zu betonen, wie sehr die redaktionelle Ar⸗ beit erschwert wird, aber wir sind selbst dafür eingetreten, daß bis auf weiteres eine öffentliche Aussprache über die einzelnen Kriegs⸗ zielwünsche unterbleibe, und wenn noch weitergehende Maßregeln für nötig gehalten werden, so muß man sich ihnen eben fügen. Ein unhaltbarer Zustand tritt indessen dadurch ein, daß Zeitungen und Kreise, die in diesen Fragen eine ganz bestimmte Richtung ver⸗ treten, nach wie vor ihre Wünsche und„Ziele“ ohne die mindeste Zurückhaltung an die Oeffentlichkeit bringen, mit aller Ausführlich⸗ keit, unbekümmert die Einzelheiten ihres Programms darlegen und in drängendem Ton die Verwirklichung fordern. Da wir nicht im geringsten gegen die doch nun einmal ergangenen Vorschriften ver⸗ kose wollen, so versagen wir es uns, auch nur andeutungsweise en Inhalt von Artikeln zu berühren, die gerade jetzt wieder ver— öffentlicht worden sind, aber wir gestatten uns, zu bemerken, daß sich mehr als berechtigte Verstimmungen ergeben müssen, wenn die Vertreter einer bestimmten Anschauung glauben, erlassene Verbote hätten nicht für sie, sondern nur für die anderen eine zwingende Giltigkeit.“ Die Eroberung der Festung Dubno. Zu der Eroberung der Festung Dubno schreibt der Berliner Lokalanzeiger: Mit Dubnos ist die zweite Festung des wolhynischen Festungsdreiecks in die Hände der Verbündeten gefallen, nachdem Luck bereits früher nach kurzem Kampfe genommen worden war. Der Fall von Dubno ist insofern von Bedeutung, als er den von Rowno nach sich ziehen dürfte. Mit dem Wegfall des Schutzes, den diese drei Festungen dem rechten Flügel der noch in Ostgalizien stehenden russischen Heeresteile zu geben vermochten, ist aber auch ein beschleunigter Rückzug der Russen aus Ostgalizien zu erwarten. Der deutsche Erfolg in den Argonnen. Ueber den siegreichen Angriff der Deutschen in den Argonnen erfährt das Berliner Tageblatt durch seinen Korrespondenten Kellermann: Die unter Führung des Generals von Mudra stehen— den Truppen haben wiederum einen glänzenden Erfolg errungen. Die Zahl der eroberten Maschinengewehre und gemachten Ge— fangenen wächst von Stunde zu Stunde. Es handelt sich darum, die in unsere Linie bogenförmig vorgetriebene Stellung des Fein— des über Hubertusrücken—Charmbachtal und Houyett-Mulde, das sogenannte Werk Marie Therese, einzudrücken. Der Feuerangriff war auf 8 Uhr morgens angesetzt, der Sturm auf 11 Uhr mittags. Um 8 Uhr setzte ein wahres Höllenfeuer auf die feindlichen Gräben ein, wie man es noch nie hörte, weder bei Ypern, noch bei Arras. Das tolle Donnerwetter krachte bis um 11 Uhr mittags: dann gingen die Truppen im Sturm vor. Mit der Tollkühnheit und Todesverachtung der Argonnenkämpfer stürzten sich württembergi— sche, reichsländische und preußische Regimenter auf den Feind. Um 11 Uhr 30 Min. kamen die ersten Siegesmeldungen aus den er— oberten Gräben. Trotz wütender Gegenwehr und tollen Feuerns wurde der Feind überall geworfen und nach 12 Uhr war die vor- geschriebene Linie schon erreicht und sogar überschritten. Die ersten Gefangenen machten einen vollkommen erschöpften Eindruck. Dank einer bis in die letzten Einzelheiten geleiteten sorgfältigen Vor— bereitung waren unsere Verluste gering. Einstellung der Dardanellenaktion der der Entente? Sofia, 10. Sept. Verschiedene hier eingetroffene Nach⸗ richten lassen darauf schließen, daß der Vierverband mit der Möglichkeit der Einstellung der Dardanellenaktion rechnet.(2) So wurden alle in Dedeagatsch gemachten Ankäufe vun Lebensmitteln für die englisch-französischen Truppen vor den Dardanellen mit Lieferfristen bis Ende September abge— schlossen und sämtliche Angebote in späteren Lieferfristen ab— gelehnt. Hiermit in Zusammenhang steht die Nachricht, daß Italien seine Teilnahme an der Dardanellenaktion endgültig verweigert hat.— Man hat allgemein eine Verstärkung der Angriffe auf die Dardanellen erwartet, die obige Nachricht muß deshalb unter Vorbehalt gegeben werden. An der Isonzofront steht es gut! Der Kommandant der am Isonzo kämpfenden Armeen, General der Infanterie von Boroevic, äußerte sich dem Ver⸗ treter der Vossischen Zeitung gegenüber über die Lage an dieser Front: Ich kann nur sagen, daß die Situation glänzend steht. Ich kann sie mir überhaupt gar nicht besser denken. Griechenland lehnt die Note der Entente ab. Der Matin meldet aus Athen, daß Griechenland unter dem Zwang der Verhältnisse die Note des Vierverbandes nach Eintritt in die Mächtegruppe amtlich abgelehnt hat. Die Antwort Griechenlands sei dem Vierverband am Montag überreicht worden. Serbien lehntdiebulgarischen Forderungen ab In diplomatischen Kreisen im Haag verlautet mit Be⸗ stimmtheit, daß Serbien trotz dem von den Vierverbands⸗ mächten ausgeübten Drucke die bulgarischen Forderungen über Mazedonien abgelehnt hat. Wenigstens hätte sich Serbien geweigert, die bulgarischen Vorschläge gemäß der bulgarischen Fassung und in ihrem gesamten Umfange anzu⸗ nehmen. Die Opfer des letzten Zeppelinangriffes auf London Aus London wird amtlich gemeldet: Die Gesamtzahl der Opfer des deutschen Luftangriffes vom 8. September abends beläuft sich auf 12 Männer, 2 Frauen, 6 Kinder tot, 8 Männer, 4 Frauen, 2 Kinder schwerverwundet, 38 Männer, 23 Frauen und 11 Kinder leichter verletzt. Es sind alles Zivilisten, mit Ausnahme von vier Soldaten, von denen einer getötet und drei verwundet sind. Kriegsnotizen. Die Verwendung von Kriegsin validen i m badischen Staatsdienst soll— nach einer Veröffentlichung im dortigen Staatsanzeiger— eine möglichst häufige sein; bei Be⸗ setzung von Stellen erhalten Kriegsinvaliden den Vorzug, Die Staatsverwaltung wird sich bei der Besetzung von freien Stellen der vom badischen Landesausschuß flür Reichsinvalidenfürsorge ge⸗ schaffenen Arbeitsnachweise bedienen. Alle Behörden seien entsprechend benachrichtigt. Natürlich komme es auch darauf an, ob die sich bewerbenden Kriegsinvaliden für die zu besetzenden Stellen eignen. Die Basler Nachrichten melden aus St. Gallen: Oester⸗ reich sperrte nunmehr den gesamten Grenzverkehr mit der Schweiz, auch die Linie Feldkirch Buchs, sowie sämt⸗ liche Straßenübergänge. Die französische Militärverwaltung hat für Zwecke der Sprengstoffabrikation alle Vorräte an denatu⸗ riertem Alkohol beschlagnahmen lassen. Für Fabri⸗ kanten, welche denaturierten Alkohol benötigen, wird auf Ansuchen von der Militärbehörde jeweils für einen Monat die notwendige Alkoholmenge freigegeben. 8 Der Untersuchungsrichter hat den Mörder Jaurès, Villaine, vor die Anklagekammer unter der Beschuldigung des mit Vorbedacht ausgeübten Mordes verwiesen. Man berichtet, daß eine schwere Korruptionsaffäre, die in ihren Folgen von großer Tragweite sein kann, in Car- maux im Departement Aveyron entdeckt worden sei, und daß bereits mehrere Verhaftungen vorgnommen worden sind. Le Journal meldet aus Tours: Das Kriegsgericht hat das Ehepaar Bonneau, seine Tochter und seinen Sohn, zu je drei Monaten Gefängnis verurteilt, weil sie einen Deut⸗ schen, der aus einem Gefangenenlager entflohen war, beherbergt, bewirtet und mit Geld versehen hatten. 2500 Bergarbeiter in dem als unruhig bekannten Rhonddatale in Südwales legten die Arbeit nieder, da in den Bergwerken Nichtmitglieder der Südwales-Berg⸗ arbeiterföderation angestellt worden waren. Am 14. Juni d. Is. sind auf dem auf der Fahrt nach Lissabon befindlichen Dampfer„Portugal“, der 12 Stunden, bevor er den Hafen von Madeira anlief, von einem englischen Kreuzer an⸗ gehalten und durchsucht wurde, die Deutschen Otto Laug-⸗ heid, Primus Maurer und Friedrich Weier in Kriegsge— fangenschaft genommen worden. Die drei Leute, die zur Besatzung des in Leanda liegenden deutschen Dampfers„Adelaide“ gehörten, waren an Beriberi erkrankt und sollten zu ihrer Heilung nach Madeira gebracht werden. 9 8 8 Partei⸗Nachrichten. Preßprozeß. Wegen Vergehens gegen das Belagerungsgesetz wurde der ver— antwortliche Redakteur der Bremer Bürgerztg., Gen. Emil Sonne⸗ mann, von der Bremer Ferien-Strafkammer zu drei Tagen Gefäng— nis verurteilt. 2 Unser Bremer Parteiblatt hatte eine Notiz aus dem mit einer e 0 ericht eine Herabwürdigun 99 sei, in der Nevölser Staatsanwalt hatte e Türmer abgedruckt, und sie der Staatsanwalt und das G und rine erblickte, die geeignet 8 Aergernis zu 3 er sefängnis beantragt. l 5 3 4 rbuch für Politit und Arbeiterbewe Das Internationale ga e 110 e ö ist s i e der Buchhandlung Vorwärts, Berl n ee Werk von Aufang an sein in Spi. ichte unserer Zeit, das ist ein Spiegel der gefamten Geschich arken Jahrg eworden. An diesem dritten, 900 Seiten 9 läßt st 5 95 wie notwendig als eee ein solch i Nachschlagewerk flir die Arbeit des politisch denkenden und scha 9 7775 ist. Das Material, das dem Werke Bedeutung gibt, i die der Arbeiterbewegung als Faktor des sozialen un politischen Lebens. Andere politische Jahrbücher verkennen, Wichtigkeit diefes Faktors sehr. Die Objektivität unseres 7 buches ist gewollt und ist von der Kritik a ene„Dies muß auch dem neuen Jahresbande zuteil werden, dessen We dicsntal befonders beim Studium der Vorgeschichte des Weltkrf jedem aufdrängen wird. Das Jahrbuch gibt uns eine nach Tagesdatum geordnete und international gruppierte Zusan n lung der diplomatischen Aktenstücke, die den Weg pflasterten, der da Weltfrieden zum Weltkrieg überleitet. Für die Ereignisse Kriegshalbjahres ist diese Aufzeichnung in internationalem U einander festgehalten; nur was außerhalb der Kriegsvorgänge g schah, ist in die aus den früheren Bänden des Jahrbuchs annte Einzelstaaten⸗Rubriken eingeordnet worden. Das Inhaltsverz nis sichtet den Tatsachenstoff gründlich. Es wird ein Führer der keiner Frage die Antwort schuldig bleibt.— Der neue B des Internationalen Jahrbuchs kostet geb. 12,0 Mk.; Heft 3 und! als Kriegsheft besonders kostet broschürt 7,50 Mark. Mächte des Weltkrieges. 5 Von der im Verlage der Buchhandlung Vorwärts, Berlin schienenen Broschülren-Serie„Mächte des Weltkrieges“, ist. das 4. Heft zur Ausgabe gelangt. Es führt den Titel: Serbi und die Serben.“ Der Inhalt ist wie folgt gegliedert: 1. 2 serbische Volk vor der Türkenherrschaft. 2. Die türkische Inv Z. Unter türkischem Joch. 4. Der Befreiungskampf. 5. Entwiclu der inneren Zustände seit der staatlichen Selbständigkeit. 6. W schaftliche und soziale Zustände. 7. Die österreichisch⸗serbischen ziehungen.§. Die bosnische Frage. 9. Die Katastrophe. Das Heft ist mit zwei Uebersichtskarten versehen. Es ist durch jede Buchhandlung zum Preise von 75 Pfg.(Vereinsausgaf 30 Pfg.) zu beziehen. 30 1 Unsere Feldgrauen über die Parteiwirren. f Feldbriese, gesammelt von der Internationalen, Korrespondem (A. Baumeister), Berlin⸗Karlshorst. 24 Seiten. Preis 10 Die Broschüre enthält die erste Serie von Kundgebungen, von unseren feldarauen Genossen in der soztaldemokratischen gewerkschaftlichen Presse erschienen sind und in welchen sie zu aus der Bewilligung der Kriegskredite entsprungenen Pa fragen Stellung nehmen. Die Sammlung soll Zeugnis davon legen, wie tief das geistige Interesse ist, mit dem die organister Arbeiter an der Front, inmitten des Kriegsdonners und de Schlachtengetümmels, die Vorgänge in der Heimat verfolgen. sind unmittelbare sozialistische Kriegsdokumente zu den uns all bewegenden Problemen. Es ist beabsichtigt, die Sammlung fort zusetzen. Vermischtes. Bismarck und Bebel. In Breslau ist soeben ein von den beiden dortigen Kra kussenverbänden geschaffenes Licht-Luftbad eingeweiht worden. gaben Ve einem der Aufenthaltsräume der Anstalt hängen als Wandschmuüt be gestiftet von dem Fabrikdirektor Klemann, die Bilder Bismarch N und Bebels friedlich neben einander. Mit Beziehung hieral! meinte der Oberbürgermeister der Stadt Breslau in seiner 6 wunschrede: Er hoffe, daß die zwischen den Krankenkassen Bres ausgetragenen schweren Kämpfe nun zu dauerndem Frieden g haben. Der Ausspruch des Kaisers„Ich kenne keine Pat mehr!“ könne wohl auch hier zur Anwendung kommen. Das erf man schon aus einem der Anstaltszimmer, in dem zwei Geister des 19. Jahrhunderts im Bilde nebeneinander hi Bismarck und Bebel.. Radium in Colorado. — benet Allens il „ einen 1 sogene ahn bur die at sich Die Grenzfeve. Eine Erzählung aus dem Heidelgebirge von A. E. Brachvogel. „Wann Ihr aber s Brieferl, das Euch der Preuß, der Fentsack, gebracht hat, lesen möcht, könnt Ihr's wohl wissen!“ und das hat tr auch abgepaßt?!— Möcht a wissen, was drin steht?!“ f „Ich weiß s schon, Herr!— A vornehmer Mann aus Waldenburg drüben, a Badegast, hat's gestern bei meim Schwager Seppelt beim Weine erzählt! Hat gsagt, s soll auf dero ganzen Grenz jetzt an allgemeine Jagd auf die Schwar— zer gemacht wern, weil's jetzt in dero unruhigen Zeit gar z arg würd, und der Brandt, der neue preußische Steuer— inspektor, alles Gsindel einfangen will; und die Herren Kaiserlichen müßtn a mit und helfen, daß gar ka Mensch durchschlupfet, hate rgsagt!— J stand bei der Tür und spület die Gläser ab, da er's gsagt hat.— Seppelt, mein Schwager, gibt mir an scharfen Blick, i lauf naus, nehm Jackel, Mütz und Stock und gleich mit dem Jokle ins Preußische! In Friedland habens mir welche vor ganz gwiß gsagt!“— Dem Aufzieher war in starrem Staunen die Pfeife aus— gegangen.— „Der Brandt?! Der neue Inspektor?!— Na gar!— Der Hund, der Schuft, der Höllnbraten will a große Hatz machen?!— Zacher, s gilt Euch, i sag's ja, s gilt Euch und dem Wahnerhannes, Tannebühlers Jürgen und dem Geiger— franzel!“ „Stellet Euch nit so dumm, Aufzieher!— No ja, s wär scho recht, wenn ma uns auch fängete, aber wem's gilt— das ist die Grenzfev, Eurer alten Fev von. Wisa!!— Ihr wißt doch noch der alten Zeiten, Herr.— Hurje, wo sind die geblieben?!“ Wenn vorher schon eine gewisse Unruhe sich des alten Mannes bemächtigt hatte, so verwandelte sich dieselbe jetzt in eine tiefe innere Bewegung. Er zitterte heftig und wischte sich eine hervorbrechende Träne aus der Wimper.„Zacher, um Gottes willen, redet mir das nit ein! Ich glaub's nit! — Nachdem der Schurk, der Brandt, vor neunzehn Jahren die unselige Genovefa zu dem gemacht hat, was sie jetzt ist, zu einem wilden, ruhelosen Weib, will er sie ins Zuchthaus liefern?!“ Zachers Gesicht ward finster und höhnisch.„Ja, Auf— zieher! Seit der Brandt sich nach der alten Gschicht versetzen gelassen, hat er sei Glück zu Breslau gmacht, is a Inspektor worden in Friedland, weil, so sagen die Leut, der Steuer— direktor Hanstein in Waldenburg ihn gern hat, er ihm seine älteste Tochter gebn wird! Eine vornehme Frau, eine reiche Frau!— Hihi— da denket der Brandt, muß doch die Feve für immer ins Loch, daß die alte Geschichte gar tot ist, verstehts?!“ Der Beamte nickte, er war sehr blaß geworden. es— es darf nit geschehgn!!“— 1 „Das darf a nit geschehgn, Aufzieher, oder— s kostet Blut, der Jokle hat's gschworn!“ Ein Schauder fuhr über des Alten Leib.—„Hört, j will — den Brief will i aufmachen und mit dem Rupacher nach m Grenzdörfel zum Obermautner schicken. Kommt wieder. wann der Rupacher weg ist!“ Er lehnte sich scheinbar ruhig wie vorhin an den Schlagbaum. Der Zacher warf einen prüfenden Blick durch das große Schiebefenster ins Zollamt, er sah durch die Scheiben und die offene, gegenüberliegende Tür der vorderen Amtsstube die schreibende Gestalt des Rupacher am Fensterpult des Hinterzimmers. Er nickte kurz, war mit zwei Sätzen jenseits der Straße und verschwand in dem tiefen, weidenbestandenen Chausseegraben. Kein Lufthauch, kein Geräusch unterbrach die Ruhe der Landschaft. Der alte kaiserliche Finanzwächter war mühsam seiner Gefühle Herr geworden. Er griff in die Brusttasche, zog das Schreiben mit dem preußischen Adler hervor, erbrach es, ohne das Siegel zu verletzen, und vertiefte sich in seinen Inhalt. Die Blässe seines Gesichtes nahm zu, er bedeckte sein Auge. Er sann bewegt nach. Dann raffte er sich mit einem Ruck empor, faltete das Schreiben zusammen, steckte es wieder ins Kuvert, trat an das Fenster des Mautamts und zog scharf an der Signalglocke Ein Poltern und Ru⸗ „Zacher, moren innen bewies die Wirkung derselben. Rupacher, das Seitengewehr noch festschnallend, das Käppi aufstülpend, er, schien hastig in der Tür. n „Was schaffens, Herr Aufzieher?“ 145 „Rupacher, Ihr müßts weg, nüber nach m Grenzdörfel! Ist da eine wichtige Avertierung vom— Preußen drüben kommen! Muß gleich an den Herrn Obermautner und woh gar an den wohledeln Herrn Hauptmann nach Ruppersdorf, Habt Ihr ein'n Gaul?“ „Gott behüt. Ihr wißt ja, auf unseren zwei Gäulen sind ja der Herr Obermautner mit Schneidinger nach m Grenzdörfel weg!“ 1 „So müßts gleich per pedes nüber, Freund! s kann nig helfen, denn s is a wichtige Sachen, a allgemein Aufgebol von Landshut bis Braune! Zitissime! Bleibt beim Schlag baum, ich will das Skriptum wieder einsiegeln und drauß schreiben, daß ich's bloß aufgemacht hab!“ 4 Während der bedeutend jüngere Rupacher verdutzt am Zollbaum blieb, eilte der Alte ins Amt, und es verging wirk— lich nur geringe Zeit, bevor er hastig wieder herauskam, der einen Hand den geschlossenen Brief, in der andere Flinte, Horn und Tasche. f 5„Das muß a verwettert Gschreibsel von dem Preußen 9 sein, Herr Aufziehger, weil Ihr so auf der Fassong kommt?“ brummte der junge Mann, welcher von dem plötzlichen Spaziergange nicht sehr erbaut schien. g „Ist's auch, ist's auch! Unsere ganze Charg steht auf m Spiel, Männel, wann der Obermautner die Schrift nit gleich kriegt! Lauft! Lauft! Herr! Zitissime steht drauf!“ 1 Nupacher hatte Tasche, Horn und Büchse über die Schulter geworfen und rückte sein Käppi ärgerlich auf die f Seite.„Nit amol sei Pfeifen kann mer sich mitnehme! N is a Malefizdienst!“ und so schlenderte er, weniger zitissime, als der Alte ihm geraten, die staubige, gekrümmte Chausses“ hinab, während der alte Höpplen auf die steinerne Tür schwelle trat und ihm mit schlecht verhaltener Aufregung na starrte, bis derselbe vollständig im Laube der Allee ve 7 schwunden war. 8 5 1 5 Bekämpfung der Wohnungsnor. Das Reichskarkell r 7 0 1 und Arbeiter stagtlicher Verkehrs- Jbrstalten, eine Organisation mit 130 000 Mitgliedern, ersucht ö n Reichskanzler, dem Reichstag einen Notgesetzentwurf zur eseitigung der Wohnungsnot der Kriegerfamilien vorzu⸗ gen, der auf folgender Grundlage aufgebaut sein soll: I Das Reich stellt aus den allgemeinen Kriegskosten Mittel r entstandenen Mietschulden der milien nach Beendigung des Krieges. 2. Das Reich legt allen Gemeinden die Verpflichtung auf, fo fort für kinderreiche Familien Wohnungen zu bauen, entl. in Verbindung mit gemeinnützigen Bauvereinen.— Das Reich übernimmt für sich und überträgt auf alle fentlichen Gewalten, Staat, Provinz, Kreis, Gemeinde, bisenbahn, Post, Militär⸗ und Marinewerkstätten, das Recht der Enteignung des notwendigen Bodens zu dem Werte, den e Besitzer bei der Selbsteinschätzung zum Wehrbeitrag dafür igegeben haben.— 4. Schaffung eines Reichswohnungs⸗ esetzes und Bereitstellung der Mittel zur Schaffung einer seichspfandbriefanstalt für Kleinwohnungsbau. Zum Schluß 1 1 reit zur Bezahlung de abemittelten Kriegerfa erden noch Kriegerheimstätten in Stadt und Land gefordert. — Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Lionier Johannes Wagner, Installateur aus Gießen.— usketier Caspar Balsier aus Rödgen, Inf.⸗Regt 254. E Geistige Verwirrung durch den Krieg. Kürzlich brachte die sölniche s Zeitung einen Artikel mit der Ueberschrift„Im Banne Ir Kriegspsychose“. Darin wird unter anderem gesagt: J Der Krieg hat in der öffentlichen Meinung der Völker eine beistesverfassung gezeitigt, die man. in unserem Zeitalter der znuternationalität und intellektuellen Aufklärung nicht für möglich halten hätte. Nationalstaatlicher Egoismus und das Streben, se eigenen Daseinsinteressen mit allen Mitteln durchzusetzen, be⸗ errschen so ausschließlich die kriegführenden Völkergrupfen, daß e in sich abgeschlossene Vorstellungskreise bilden, in deten jene räfte mit autosuggestiver(selbsteingeredeter oder eingelildeter), st alle Individuen erfassender Wirkung die einzige Qielle des enkens und Handelns geworden sind. So hestehen diese Vorstel⸗ singskreise nebeneinander, ohne sich zu berühren, und cus Tat⸗ stchen, die in Friedenszeiten zweifellos hier wie dort dielelbe Be⸗ Irteilung erfahren würden, werden unter dem Einfluß des alles denken und Wollen gefangen nehmenden nationalen Egoismus Schlüsse gezogen, die sich schnurstracks widersprechen, so daß man gen Eindruck erhält, als ob Logik und gesunder⸗ Menscherverstand nzlich aus dem Kriegsbegriffsvermögen ausgeschaltet siid. Das Streben der Kulturvölker, sich gegenseitig zu verstehen, hat der Drang abgelöst, sich gegenseitig mißzuverstehen, mit hilfe der absichtlichen Mißdeutung der Motioe des inderen sich gegenseitig ins Unrecht zu sezen und ie eigenen Volksgenossen selbst auf Kosten des logisch rordneten Denkens in dem nationalen, ausschließlich auf den Sieg erichteten orstellungsbanne festzuhalten. In jedem(2) Zeitmgsblatte indet man heute zahllose Beweise dieser Geistesverfassung“ Die Kölnische Zeitung bezieht diese Feststellung eijes krank⸗ haften Zustandes ausdrücklich auch auf De utschlan!: ö„Aber wir wollen nicht nach Pharisäerart an unere Brust schlagen und sagen: Herrgott, wir danken dir, daß wir nicht sind vie diese Zöllner. Wir wissen, daß auch wir in unsrem Vor⸗ tellungskreise befangen sind, und wir müssen es sein ud bleiben, veil auch uns der nationale Egoismus beherrscht, siegen u wollen.“ Was das nationalliberale Blatt da schildert, trifft tatsächlich uf einen großen Teil des deutschen Volkes zu, besonder aber auf die sogenannten„höheren“ oder„besseren“ 17 In der arbei⸗ f enden Bevölkerung dagegen denkt und urteilt m im allgemeinen giel ruhiger und vernünftiger. Hoffentlich ist d Zeit nicht mehr fern, wo der gesunde Menschenverstand wieder die Olerhand ge⸗ vinnt. 8 — Zbwischenscheine bei der Kriegsauleihe. Wir verden um Aufnahme des folgenden ersucht: Bei der zwesen Ktiegsanleihe var die Ausgabe von Zwischenscheinen nicht rgesehen. Dabei jat sich die Verabfolgung der Schuldverschreibußen angesichts der iberaus großen Zahl(6 667 476 Stücke) trotz Awendung aller zu Gebote stehender technischer Mittel nicht mit d erwünschten Be⸗ schleunigung durchführen lassen und wird noch nige Zeit in An⸗ kpruch nehmen. Es ist daher eine gewisse Beufuhigung entstau⸗ den. Um solchen Schwierigkeiten bei der drsen Kriegsanleihe vorzubeugen, sollen bei dieser für Beträge son 1000 Mk. ab Zwischenscheine auf Antrag ausgegeben werden. Im übrigen wird für schnelle Herstellung der Schuldverschreibußen, soweit nur irgend möglich, Sorge getragen werden. Hierbesollen die kleinen Wertabschnitte in erster Linie Berücksichtigung nden. Es bedarf kaum der Hervorhebung, daß eine Verzögerung der Aushändi⸗ gung der Schuldverschreibungen auf die Sich heit und Rechte zeitigkeit des Zinsenbezuges keinen Einfluß ha Dies gilt auch von den Eintragungen in das Reichsschuldbuch, alls dem Zeichner wegen der großen Zahl der Anträge.(annäher 300 000) die Be⸗ 0 scheinigung über die Eintragung noch nicht zugsangen sein sollte. 1— Fischkost ist von vielen Seiten empfohll worden, seitdem wir mit unseren Nahrungsmitteln Haushalten usssen. An Rezepten zur Bereitung von Fischkost hats auch nicht gessüt, um diese mehr einzubürgern; gelehrte Professoren haben sogr erklärt, daß man aus Fischgräten und Fischköpfen noch sehr gutes(sen bereiten könne. Mar erlebt jetzt aber auch bei Fisch, was maß tr anderen, vorher weniger begehrten Lebensmitteln erfuhr: die reise gehen un⸗ glaublich in die Höhe! Man kann schon sagen sei Preisen, wie sie in den letzten Tagen für Seefische in Gießen frlangt werden, ist der Fisch ein zu teueres Essen. Kostete doch 5 Pfund Schellfisch (größere Sorte) 65 Pfennige.— Wie wirhren, will die Stadt wieder einen Fischmarkt einrichten, was gewif f begrüßen ist, doch muß sie sich schon mit einer Fisch⸗Reederei Verbindung setzen, die die Konjunktur nicht in so unverschämter Isse ausnützt, wie es einer großen Anzahl jetzt gefällt. Mag sein aß die Seefische rei setzt mit Schwierigkeiten zu kämpfen hat; aber) den Herren Unter⸗ nehmern wird„Verdienen“ während des Krehs groß geschrieben und dreimal unterstrichen. — Unfall auf der Straße. Am Donnerstag. der Kohlenfirma Klinkel in der, Ludwigstraße! durch einem erheb⸗ lichen Unfall, daß er beim Durchfahren einer Mve zu nahe an die Bordsteine herankam, und da er seitlich auf dendagen saß, schlugen ihm die Beine mit solcher Gewalt gegen eingsaternenpfahl, daß ein Bein brach. Der Verunglückte wurde i zwei Landsturm⸗ leuten in die Klinik gebracht. 1 5 Der Krankenkassenverband für das Großh.sessen hält am kom⸗ menden Sonntag, den 12. September in Bin gst seine 23. Jahres⸗ versammlung ab. Auf der Tagesordnung steht a. ein e Herrn Justizrat Dr. Mayer(Frankenthal) üb!„Die Wochenhilfe nach dem Kriege“, sowie des Herrn Geh. Reg ungsrat Dr. Dietz (Darmstadt):„Die Krüppelfürforge“. Die eisernen Fünfpfennigstücke. Der Rei eee licht die Bekanntmachung über die Ausprägun von Fünfpfennig⸗ stücken aus Eisen. Darnach wird der Reiganzler ermächtigt. Fünfpfennigstücke aus Eisen bis zum Betrag v 5 Millionen Mark herstellen zu lassen. Die Fünfpfennigstücke alfisen sind im ge⸗ rippten Ringe zu prägen; sie tragen auf der hriftseite über der Zahl„3“ die Unterschrift„Deutsches Reich“ usunter dieser Zahl das Wort„Pfennig“ in wägerechter Stellung, funter die fahrer zahl. Die Fünfpfennigstlicke aus Eisen sind spstens 2 Jahre mach Friedensschluß außer Kurs zu setzen. 6 1 dummes Zeug rlitt ein Fuhrknecht nzeiger veröffent⸗ Gefährliches Geschwätz. Es wird wieder gal; ö att, 8 ten d nicht am wenig⸗ geschwätzt, sogar von ganz ernsthaften Leute fe in Mülhausen usw. usw. stehen. An dlesen Gerüchten ist kein wahres Wort. Man hüfte sich, darauf hereinzusallen, hüte sich aber noch mehr, sie weiter zu verbreiten, denn die Verbreiter derartiger unwahrer Gerüchte machen sich strafbar. Ein Denunziant, der Glück hatte. Bei der Sittenpolizei in Franbfurt g. M. lief ein anonymes Schriftstück ein, in dem ein junges Mädchen der gewerbsmäßigen Unzucht bezichigt wurde. Der Schreiber des Briefes habe sich durch geschlechtlichen Verkehr mit dem Mädchen eine Krankheit geholt. Er sei verheiratet und nenne deshalb seinen Namen nicht.„Ein gerupfter Herr“ lautete dle Unterschrift. In einer„Nachschrift“ hieß es, eln gewisser Schuh⸗ macher Heinrich Rupp kenne das Treiben des Mädchens auch. Der Verfasser des Briefes war Ru pp selbst. Er ist gar nicht ver⸗ heiratet und hat die Denunziation aus Rache vom Stapel gelassen, weil das Mädchen nichts mehr von ihm wissen wollte. Jetzt hatte er sich vor der Strafkammer im Frankfurt wegem wissentlich falscher Anschuldigung zu verantworten. Es ergab sich, daß es bis zu in⸗ timem Verkehr zwischen den beiden gar nicht gekommen war. An⸗ dererseits aber wurde festgestellt, daß das Mädchen so wenig ein Engel der Unschuld ist, daß der Schuhmacher zur Not in dem Glau⸗ ben sein konnte, es liege Gewerbsunzucht vor. Von einer w issent⸗ lich falschen Anzeige konnte daher keine Rede sein. Auch war in der unrichtigen Behauptung, er habe mit dem Mädchen intim ver⸗ kehrt, eine Beleidigung nicht zu erblicken, da das Mädchen nicht herabgesetzt werde, wenn gesagt werde, es habe noch mit einem Manne mehr verkehrt. Wenn der Brief auch nicht zu entschuldigen sei, so sei er doch strafrechtlich nicht zu fassen. Daher mußte Frei⸗ sprechung erfolgen. Die hessischen Landesfarben. An uns werden öfters Anfragen gerichtet, warum das Band der hessischen Tapferkeitsmedaille nicht die Landesfarben zeigt. Das dürfte folgendermaßen zu erklären sein: Die hessischen Farben waren ursprünglich„blau⸗weiß⸗rot“, bis diese Farben von der französischen Republik angenommen wur⸗ den. Landgraf Ludwig X. gab daraufhin Befehl, das Blau aus der hessischen Flagge zu streichen; von da ab zeigt sie die Farben„Weiß⸗ Rot“. Das Band der Tapferkeitsmedaille ist also wohl eine Er⸗ innerung an die alte Landesfarbe. — Wahlverein Gießen. Die nächste Mitglieder⸗Versammlung findet Montag über 8 Tage, am 20. September statt. — Gießener Pferdemarkt. Diesen Herbst soll wieder ein Pferde⸗ markt in Gießen abgehalten werden, der auf den 29. September seskchefehr wörbem ist. Mil bein Markt ist eine Prämierung den besten Pferdematerials verbunden. Die Obsternte an der Bergstraße. Wie aus Heppenheim a. d. B. gemeldet wird, ist in diesem Jahre an der Bergstraße und im Odenwalde die Obsternte, besonders in Aepfeln, so hervorragend, wie seit Jahrzehnten nicht. Ein Gang durch diese obstgesegneten Fluren, wo dem Auge überall ein seltenschönes Bild üppigen Ge⸗ deihens und farbenprächtiger Fülle sich darbietet, ist ein wirklicher Genuß für den Naturfreund, Hoffentlich beschert der Himmel für die kommenden Wochen der Ernte schönes trockenes Wetter und er⸗ schwingliche Preise. Doch die werden wir uns wohl erst selbst erkämpfen müssen. Anlagenmusik. Sonntag, 12. September, 11½ Uhr vormittags in der Süd⸗Anlage, ausgeführt von der Kapelle des Land⸗ sturm⸗Infanterie⸗Bataillons Gießen. Spielfolge: Choral Ein feste Burg ist unser Gott von Dr. M. Luther; Ouverture romantique von E. Weißenborn; Priestermarsch und Arie a. d. Op. Die Zauber⸗ flöte“ von Mogart; Patrouille Espagnole von E. Des hayes; La Barcarolle, Walzer a. d. Op.„Hoffmanns Erzählungen“, von Fetras, Kgl. Pr. Armeemarsch Nr. 205 von F. W. Voigt. Kreis Friedberg⸗ Büdingen. Bad Nauheim, 11. Sept. Bis zum 9. September 1915 sind 19252 Kurgäste angekommen. Bäder wurden bis zum 9. September 1917 246 144 abgegeben. 7 Kreis Wetzlar. „Tos bei der Arbeit. Auf der Grube„Thor“ bei Ahausen er⸗ eignete sich gestern ein trauriger Unglücksfall, dem leider zwei Meme schenleben zum Opfer fielen. Durch Stickgase wurden der Steiger Müller und der Bergmann C. Würges, beide von Cubach, bewußt⸗ 1 bei ihrem Auffinden konnte nur noch der Tod festgestells werden. Von den Apotheken in Giessen ist am Sonntag, den 12. Sept. von 3 Uhr nachmittags an und die Nacht hindurch geöffnet die Engel-Apotheke. Ghee Nee et e Nami, Die erste Kriegsanleihe hat nicht weniger erbracht als 47% Milliarden. Die zweite mehr als das Doppelte. Welcher Erfolg wird der dritten beschieden sein? In Schätzung der Summen gehen die Meinungen der Sachverständigen auseinander, aber darin stimmen alle über⸗ ein, daß die Voraussetzungen für gutes Gelingen auch diesmal gegeben sind. a 1) An verfügbaren Geldern und Kapitalien fehlt es nicht. Zeiten, 21 Milliarden betragen die Einlagen bei den Spar⸗ kassen, über 15 Milliarden liegen bei Banken und Genossen⸗ schaften. Auch jetzt, nachdem Millionen von Zeichnern zwei⸗ mal schon ihr Erspartes dem Vaterlande dargebracht haben, ist Geld in Fülle vorhanden. Freilich, die 13—14 Milliarden der ersten Anleihen spielen zu großem Teile wieder mit. Fast restlos sind sie in Deutschland verblieben. England und Frankreich zahlen, was sie aus Anleihen erlösen, an Amerika — Rußland an Amerika und Japan, Deutschland aber zahlt an tausende und abertausende einheimischer Fabriken, ein⸗ heimischer Lieferanten und Arbeiter. Die Hände Wechseln, aber es sind deutsche Hände, die die Milliarden erhalten haben und willig sie den neuen Anleihen dienstbar machen. Ein Kreislauf des Geldes! Und sodann: große Ausgaben fallen fort im Kriege— für Ausdehnung der Industrie, Neuein⸗ richtungen und dergl. Die sonst hierfür verwendeten Summen suchen nach Anlage. Nicht minder auch Millionenerlöse aus dem Verkauf der Bestände und Läger. Der Ankauf der Roh⸗ stoffe ruht. So fließen auch diese Millionen nur in beschei⸗ denstem Maße dem Auslande zu. f 2) Dank der Fülle des Geldes ist der Geldstand über⸗ aus leicht. Er ist leichter noch als im Frühjahr und viel leichter als im vorigen Herbste. Die Sparkassen gewähren an Zinsen etwa 3½ Proz. Die Einzahlungen auf die zweite Anleihe haben sie hinter sich und inzwischen beträchtliche Spargelder neu vereinnahmen können. Die Zinsen für Einlagen bei den Banken sind noch geringer. Für tägliches Geld 1½ Proz.] Nur solche Zinsen können die Banken vergüten, denn ihre Kassen sind überfüllt. Die Einleger empfanden dies Peinlich, der Anleihe aber kommt es zugute. 3) Die Käufer der früheren Anleihen haben ein gutes Geschäft gemacht. Wer vom Deutschen Reiche 5 Proz. erhält und daneben schon im Kriege einen Kursgewinn zu verbuchen hat, darf zu⸗ frieden sein. Seit die bislang über Gebühr bevorzugten fremdländischen Renten schon hinsichtlich der Zinszahlung böse im Stich gelassen haben, sind die Staatsanleihen wieder in Gunst, wird namentlich die Kriegsanleihe geschätzt, die nicht im Stiche läßt und noch dazu hohe Zinsen geßspährt. 4) Mau weiß es im Volke: der Krieg kostet Geld und doppelt Geld, wenn jetzt doppelt so viele Soldaten im Felde stehen. i. Man weiß aber auch: diese Vorsorge verbürgk uns den Sieg. 5 a 5 Der deutsche Krieger, der bei Tannenberg den schweren Anfang mitgemacht, brennt darauf, jetzt auch bei dem Ent⸗ scheidungskampf mitzutun. So auch das deutsche Volk. Es hat in bangeren Tagen die Kriegskassen gefüllt. Es wird auch jetzt— und jetzt erst recht dabei sein, wo die Waffen⸗ erfolge unserer Söhne— um bescheiden zu sprechen— die Zu⸗ versicht des Gelingens gefestigt haben. Zu den Anleihebedingungen: Der Hprozentige Zinsfuß ist beibehalten. Er Wird auch diesmal starken Anreiz ausüben. Deutsch⸗ land zahlte im Frieden 4 Prozent. Es hat für die Kriegs anleihen diesen Satz um Ein Prozent erhöht. Der Versuch Englands, gleich uns mit solcher Erhöhung auszukommen, ist mißglückt. Es mußte zuletzt seinen Friedenssatz um volle 2 Prozent erhöhen: von 2½ auf 4½. Der Preis der Hprozentigen Anleihe beträgt 99, sten natürlich an Stammtischen. In den Vog ergangen sein, die 5155 sollen soaar naß vor Kolmar. 4 Schuldovheintragungen kosten nur 98,80, Zur drikten Kriegsanleihe. Deutschland lebt nicht mehr in der Knappheit früherer 7 Der Ausgabekurs der ersten Anleihe stellte sich auf 97,50 Proz., der der zweiten auf 98,50 Proz. Die Kurse beider Anleihen haben inzwischen eine so wesentliche Erhöhung er⸗ fahren, daß der jetzt festgesetzte Kurs von 99 oder 98,80 ala mäßig bezeichnet werden muß. Uebrigens genießt der Zeichner noch Zinsvorteil. Es werden ihm 5 Proz. Stück⸗ zinsen vom Zahlungstage bis zum 1. April 1916, mit welchem Tage der Zinsenlauf der Anleihe beginnt, vorweg vergütet. Vor dem Jahre 1924 ist die 5prozentige Anleihe nicht kündbar. 8 Die neunjährige Laufzeit dürfte für Kursgewinn erfreu liche Aussichten eröffnen. Diese Unkündbarkeit bedeutet aber nur, daß das Reich die Anleihe bis 1924 nicht kündigen und also auch den Zins⸗ fuß nicht herabsetzen kann. Die Inhaber der Schuldver⸗ schreibungen können natürlich über diese wie über jedes andere Wertpapier(durch Verkauf, Verpfändung usw.) ver⸗ fügen. Die Zeichner können die gezeichueten Beträge vom 30. September ab jederzeit voll bezahlen oder auch die bis zum Januar 1916 geräumig bemessenen Ein⸗ zahlungstermine innehalten. Die frühere Bestimmung, wonach Zeichnungen bis 1000 Mark voll bezahlt werden mußten, ist im Interesse der kleinen Zeichner fallen gelassen. Reichsschatzanweisungen gelangen nicht zur Veraus⸗ gabung, für die Reichsanleihe aber ist ein Höchst⸗ betrag der Verausgabung nicht festgelegt. Es Wird hierdurch auch diesmal der Uebelstand ver⸗ mieden, daß Zeichner leer ausgehen oder sich mit geringerer Zuteilung zu begnügen haben. Die Zeichnungen können vom 4. September bis zum 22. September, mittags 1 Uhr, vorgenommen werden. Die Festsetzung einer mehrwöchigen Frist hat sich be⸗ währt. Jedermann hat Zeit, sich Aufklärung zu verschassen und in Muße seine Zeichnung vorzubereiten. Es empfiehlt sich aber, die Zeichnung nicht bis zum letzten Tage aufzu⸗ schieben. Für Gelegenheit, die Zeichnungen anzubringen, ist wie beim letzten Male in ausgedehntestem Maße gesorgt. Außer der Reichsbank, der Königlichen Seehandlung, der Preußischen Zentralgenossenschaftskasse, der Königliche Hauptbank in Nürnberg stehen alle Banken und Bankiers, alle Sparkassen und Lebensversicherungsgesellschaften, alle Kreditgenossenschaften, alle Postanstalten und in Preußen alle Königlichen Regierungs⸗Haupt⸗ und Kreiskassen zur Ver⸗ fügung. Wer Stücke von 1000 Mark und darüber zeichnet, er) hält auf Antrag Zwischenscheine. g Hiermit wird den Wünschen Vieler Rechnung getragen, Technische Schwierigkeiten verbieten es, die Verausgabung von Ziwischenscheinen auch auf kleinere Zeichner auszudehnen. Zum Ausgleich sollen aber kleine Zeichner bei Ausgabe der Stücke vorweg befriedigt werden. Wenn hiernach hinsichtlich der Anleihebegebung im Weseutlichen alles beim Alten bleibt, so besteht die sichere Hoffnung, daß auch hinsichtlich der Freudigkeit und Be⸗ geisterung, mit der ganz Deutschland sich den früheren Au;/ leihen zuwandte, alles beim Alten bleiben wird. Wer für das Wohl des Vaterlandes sorgt, sorgt für die eigene Zukunft. In allen Fällen deckt sich der Dienst um Vaterland mit eigenem Vorteil. Hier aber macht er sich da⸗ neben noch durch hohe Zinsen gauz unmittelbar bezahlt. NMrex zeihuen kun, der eiche! Große und Kleine! Und jeder so viel als möglich! Die wirtschaftliche Kraft unseres Volkes— deß sollen die Feinde inne werden— hält Stand wie die Kraft unserer Heere! 12 3 Bei age fur Oberhessschen Voltszeit Gießen, Samstag, den 11. September 1915. und Nachbargebiete. Sießen und umgebung. Herbstgefühl. Grünen, Blühen, Duften, Glänzen, Reichstes Leben ohne Grenzen, 5 Alles steigernd, nirgends stockend, Selbst die kühnsten Wünsche lochend: Za, da kann ich wohl zerfließen, Aber nimmermehr genießen; Hessen „ Solche Flügel tragen weiter 5 Als zur nächsten Kirschbaumleiter. Doch wenn rot die Blätter fallen, Kühl die Nebelhauche wallen, Leis durchschauernd, nicht erfrischend, In den warmen Wind sich mischend: Dann vom Endlos⸗Ungeheuren Flücht' ich gern zum Menschlich⸗Teuren, Und in einer ersten Traube Sieht die Frucht der Welt mein Glaube. 1 Fr. Hebbel. Wenn Minister in Versammlungen reden. Die Werbetätigkeit für die dritte Kriegsanleihe hat auch derm hessischen Finanzminister auf die Rednerbühne der Volks⸗ versammlung gerufen. Exzellenz Braun spricht in Versamm⸗ lungen über die Bedeutung der neuen Kriegsanleihe, und zsbar, wie er selbst erzählt hat, an 16 Tagen zwölfmal. Eine ebenso anstrengende wie angesichts des bedeutsamen Zwecks anerkennenswerte Leistung, für die wir ihm gern den besten Erfolg wünschen. Wir meinen aber, Herr Dr. Braun täte gut daran, wenn er sich eben um der Sicherung des unbestreitbar notwendigen Erfolges willen sich in gewissen Fragen die Reserve auferlegte, je jetzt von der militärischen Zensur allen anderen Volks⸗ versammlungsrednern auferlegt wird: wir meinen in den Fragen der Kriegs⸗ und Friedensziele. Die Er⸗ öyterung dieser Fragen in der Presse und in Versammlungen ist von der militärischen Zensur verboten. Man kann ge⸗ teilter Meinung über die Notwendigkeit solchen Verbots sein, und wir möchten, jedenfalls im Gegensatz zu unserem Finanz⸗ minister, der Auffassung zuneigen, daß tatsächlich eine Er⸗ örterung von Kriegs⸗ und Friedenszielen zur Zeit besser unterlassen wird, weil sie die Gefahr einer kriegverlängernden Wirkung in sich birgt. Aber welcher Meinung man auch sein mag, jedenfalls muß das eine feststehen: ist die Erörterung verboten, dann muß auch ein Minister, wenn er als Ver⸗ sammlungsredner auftritt, sich dem Verbot unterordnen. Das hat Herr Dr. Braun in Mainz und in Worms, wo er bisher sprach, nicht getan. Er hat zwar in Mainz ausdrück⸗ lich gemeint, man sollte die Nichtanwesenheit des Gouverneurs in der Versammlung sich nicht zunutzen machen und nicht eltda trotz dem ergangenen Verbot von Friedensbedingungen sprechen. Dann aber hat der Finanzminister aber doch von Friedensbedingungen gesprochen, und zwar nicht nur rein kheoretisch⸗akademisch sondern in recht konkreter Form. Wenn Herr Dr. Braun dabei die Ueberzeugung durchblicken ließ, daß seine Auffassung die des ganzen Volkes ist, so können wir ihm perraten, daß sehr große Volksteile gegen seine An⸗ sichten recht erhebliche Bedenken hegen. Weil wir aber auch ohne das bestehende Verbot eben der Ansicht sind, daß der— artige Erörterungen zur Zeit unterbleiben sollen, verzichten wir darauf, Herrn Dr. Braun entgegenzutreten und be⸗ schränken uns darauf zu fordern, daß auch ein hessischer Minister Ausführungen unterläßt, die selbst nach Ansicht der Reichsregierung und nach der unserer Obersten Heeresleitung zur Zeit durchaus unangemessen sind. 5 Zwischen Sommer und Herbst. Zum zweiten Male während dieses Krieges geht ein Sommer allmählich zur Rüste. Imer niedriger zieht die Sonne ihre Kreise über dem Horizonte, und immer tiefer senkt sich, was fruchtbeladen ist, dem Erdboden zu. Aber das Herannahmen der kälteren Jahreszeit ist nicht durchweg von einer Abnahme des Pflanzen⸗ wuchses begleitet. Wie ein Gradmesser des nahenden Herbstes sind die Sonnenblumen währenddem immer höher geschossen, haben sie ihre massigen Stengel und Blätter gestreckt und entfaltet. Immer breiter wurden ihre leuchtenden Sonnengesichter, die sie, dem sinkenden Tagesgestirn zugewandt, tieser und tiefer neigen und nun sind sie wie gebeugt unter der Last tausendfältiger Fruchtfülle. Es gibt kein anderes Gewächs bei uns, das aus kleinem Samenkorn im Laufe eines einzigen Sommers eine derartige Massigkeit von Stamm. Blatt, Blüte und Frucht entwickelt, um dann mit den ersten Frösten abzusterben, und obwohl die Sonnenblume aus Peru dammt, ist sie uns doch als ein Symbol der Fruchtbarkeit unserer Zärten und als Zierde des scheidenden Sommers lieb geworden. Es liegt etwas Wehmütiges in diesen gesenkten, schweren Blumen- häuptern, das besonders an trüben Tagen der Herbststimmung ent⸗ legenkommt. Dieser Herbst ist aber noch sehr jung, erst im Werden, und nie— and vermag zu sagen, ob er programmäßig verlaufen oder ob er Linen zweiten Sommer bringen wird. Durch die langen heißen Frühsammerwochen, die den Pflanzewuchs frühzeitig erschöpft ben, so daß besonders in den Straßen der Stadt die braunen lätter herabrieseln, darf man sich nicht täuschen lassen. Die grüne elt hat das Spiel noch nicht verloren gegeben und unter der Wir⸗ zung der späteren reichlichen Niederschläge den Kampf ums Leben don neuem aufgenommen. Zwar, was einmal verwelkt war, wird richt wieder grün, dafür aber entsteht eine neue Vegetation. Aus zen von Sonnenglut braun versenkten Wiesen- und Grasflächen haben sich neue Legionen grüner Halme in dichtem Schluß gereckt und diesen kräftigen Nachschub kann man überall draußen beobach⸗ en. Er beschränkt sich nicht auf bloßen Kraut- und Blätteransatz, zondern es kommt vielfach auch zur zweiten Blüte. So findet man bisweilen Ebereschen im Schmuck ihrer roten Beerendolden, die da⸗ wischen neue Blüten hervorgebracht haben. So darf man wohl hoffen, daß diese Wiederbelebung auch der Gemüseerzeugung in hohem Grade zugute kommen wird. Im Walde ist es still geworden. Den Vogelgesang werden die eintönigen, aber doch ergreifenden ewigen Melodien des Herbst⸗ windes in den hohen Wipfeln ablösen. Aber an Leben hat der Wold trotz alledem nicht viel zin⸗abüßt Die Schügen Fonlem es wimmelt von Wild, das sich dem aufmerksamen Wanderer überall bemerkbar macht und entschieden an Scheuheit verloxen hat. Das Tier hat Frieden, weil der Mensch Menschen bekriegt. Aber auch dieser zweite Herbst einer furchtbaren Tragödie wird vorübergehen. Möge schon die Wintersonne deren letzten Akt bescheinen! F 1 5 Kommunale Konservenfabriken. Von berufener und unberufener Seite wurden während des letzten Jahres Rezepte zur Herstellung billiger Konserven herausgegeben. Man ging von dem Grundsatz aus, daß alles Obst und Gemüse verwendet werden müsse. Rechtzeitige Konservierung bedeute Sparsamkeit und Vorsorge für den Winter. Für viele bürgerliche Familien mag diese Anregung gut gewesen sein; manche hatten Gelegenheit zu billigem Einkauf, so daß das Einkochen von Gemüse und Obst nicht zu teuer wurde. Für die Arbeiterinnen, wie überhaupt für die minderbemittelten Volksschichten kommt die Konservierung für den eigenen Bedarf aus verschiedenen Gründen nicht in Frage. In den unteren Schichten muß die Hausfrau mit dem Wochenverdienst, bestenfalls mit dem Monatseinkommen rechnen, das, abgesehen von geringfügigen Ersparnissen, voll⸗ kommen aufgebraucht wird. Es fehlt ihr also das Kapital zum größeren Einkauf von Zucker, Obst, Gemüse, Gläsern und Zubehör. Sie kann nur für den täglichen Bedarf ein⸗ kaufen; es ist ihr nicht möglich, für spätere Zeiten vorzusorgen. Aber abgesehen davon, gehören zur Aufbewahrung der Konserven geeignete Räume, und wo wären die in den meisten engen und überfüllten Wohnungen der Arbeiterbevölberung zu finden? So sind die Frauen der Armen darauf ange⸗ wiesen, im Winter Konserven zu kaufen, und die sind ver⸗ hältnismäßig teuer, vor allen Dingen für das schmale Porte⸗ monnaie der Kriegerfrau. 5 ö Wäre es nun nicht möglich, daß die Städte Konserven⸗ fabriken in Betrieb nähmen, und die in eigener Regie her⸗ gestellten Waren ohne Preisaufschlag an die minderbemittelte Bevölkerung verkauften? Eine solche Einrichtung hätte zu⸗ gleich den Vorzug, daß für arbeitslose Frauen Verdienst⸗ möglichkeiten geschaffen würden, und daß der billige städtische Verkauf preisregulierend auf die privaten Konservenfabriken und die Verkaufsstellen wirkte. Von den Frauen wird öfter geklagt, daß bei den Fleisch⸗ konserven nicht das Stück in der Büchse sei, das auf dem Etikett angekündigt war, und daß verhältnismäßig wenig Fleisch und dafür sehr viel Brühe und Knochen den Inhalt ausmachen. Auch diese Uebelstände wären bei einem kom⸗ mumalen Unternehmen, das keinen Gewinn erzielen will, leicht zu vermeiden. Die Kosten der Einrichtung können nicht sehr hoch sein, und es wäre nur zu wünschen, daß eine Stadt den Mut hätte, diesen neuen Weg zur billigen Lebens⸗ mittelversorgung zu beschreiten. a, r e r n eee Zeichnet die dritte Kiegsauleihe! K r 2 Der„kleine Mann“ und die Kriegsanleihe. Einer Zuschrift entnehmen wir: Die Anleihe bietet den' Zeichnern eine ganz vorzügliche Kapitalanlage. Erstens wird dieses Kapital mit 5 Prozent verzinst, zweitens werden die Papiere mit nur 99 Prozent in Kurs gesetzt, der Zeichner hat also sofort bei Zeichnung den Kursunterschied verdient, drittens werden diese Papiere sicherlich sofort nach Friedensschluß über 100 steigen; die Zeichnung bringt deshalb ein absolut sicheres und gewinn⸗ bringendes Anlagepapier. Die Großbanken, Großkapitalisten und auch der mittlere und kleine Kaufmannsstand werden sich alle schon deshalb über diese Anleihe herstürzen, weil sie die gezeichneten Be— träge stets zu flüssigem Kapital verwandeln können. Wir werden nicht fehlgehen, wenn wir annehmen, daß unsere Leser nicht alle mit dem Bank- und Kriegsanleihewesen vertraut sind und auch, daß nicht alle die Vorteile kennen, die diese Anleihe bietet. Im Interesse unserer Leser sehen wir uns veranlaßt, hier einiges zur Aufklärung zu bringen, damit auch der kleine Mann seine Er⸗ sparnisse sicher und mit guten Zinsen anlegen kann, ohne daß auch mur die leiseste Gefahr vorhanden ist, Verluste zu erleiden. Die Banken sind verpflichtet, Zeichnungen von 100 Mk. entgegenzu⸗ nehmen; es kann sich daher jeder an dieser Anleihe beteiligen. Die Einzahlung kann sofort mit Raten erfolgen, der Rest braucht erst am 22. Januar 1916 bezahlt zu werden. Die Zeichner, welche den ganzen Betrag einzahlen und die Obligationen selbst in Besitz haben wollen, können deshalb diese Obligationen stets als flüssiges Kapital ansehen, weil die Reichsdarlehnskassen, welche sich in allen Reichsbankinstituten befinden, angewiesen sind, diese Obligationen mit 75 Prozent zu beleihen. Wer also im Besitz von Obligationen dieser Kriegsanleihe ist und aus dem einen oder anderen Grunde Geld braucht, der kann sich zu jeder Zeit bei den Reichsdarlehns⸗ kassen 75 Prozent auf diese Obligationen geben lassen und sie zu— jeder Zeit wieder einlösen, ohne daß er nur einen Pfennig daran zu verlieren braucht. Es können diese Obligationen deshalb stets als vorrätiges bares Geld angesehen werden. Wenn jemand bei der ersten und zweiten Kriegsanleihe gezeichnet hat und sich nicht ganz sicher ist, daß er die jetzt zu zeichnende dritte Kriegsanleihe bis zum 21. Januar 1916 vollbezahlen kann, dann kann er auch die Obligationen der ersten und zweiten Kriegsanleihe bei den Reichsdarlehnskassen mit 75 Prozent beliehen bekommen. Ein nachahmentswerter Schritt. Wie die Systemlosigkeit bei der Festsetzung von Höchst⸗ preisen durch einzelne Kommunalverwaltungen unange⸗ nehme Wirkungen gezeitigt hat, indem Händler und Produ⸗ zenten die Zufuhr nach bestimmten Städten einstellten, so hat auch die mangelnde Verständigung der Kommunen beim Einkauf von Lebensmiteln zu schlimmen Erscheinungen ge⸗ führt. Um diesen Erscheinungen entgegen zu wirken, ist in Karlsruhe, wie wir gestern bereits in anderem Zusammen⸗ hange kurz berichteten, eine Einkaufsgenossen⸗ schaft südwest⸗deutscher Städte gegründet wor⸗ den, eine Einrichtung, die auch anderwärts Nahahmung fin⸗ den sollte. Die Tätigkeit der Organisation wurde streng nur auf werten Bedürfnisse beschränkt; es muß den einzelnen Ko munen überlassen werden, die von der Gesellsf empfangenen Lebens- und Gebrauchsmittel zu verschle den kann.. 3 Die G. m. b. H. hat ihren Sitz in Mannheim, von dort 8 aus wird die Fühlung mit den Zentralbehörden(Berlin) ge. nommen. In die Leitung stellt Mannheim zwei, die Städte Ludwigshafen, Heidelberg, Pforzheim und Karlsruhe l einen Vertreter. Zur Beteiligung sind auch andere Städte zugelassen, besonders aus dem Süden des Reiches, etliche si schon beigetreten. In Hessen will man sich noch überlegen, ob ein besonderer Verband dort gegründet werden soll. Oh aber num der Anschluß an die Mannheimer Genossenschast erfolgt, oder ob eine selbständige Einrichtung geschaffen werden soll, jedenfalls muß etwas geschehen, und wir würden es mit glößter Genugtuung begrüßen, wenn die Stadt Offen bach die Initiative ergreifen würde!* Das Einlagekapital der G. m. b. H. ist auf 50 000 Mark und wird zum Einkauf, zur Bearbeitung und Abgabe grundsätzlich eine Berücksichtigung der ittelten Bevölkerung empfohlen wird. Es wird sofort mit dem Bezug der dringendsten Bedürfnisse begonnen f Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Oel, Kakao, usw. Es sollen vom Bezug ausgeschlossen sein: ürste, frische Fische. Ohne Zustimmung des Aus. schusses hürfen die Städte nur in solchen Ausnahmefällen eigene Estßderbungen machen, wo in unmittelbarer Nähe für einzelne Bezugsmittel spezielle Produkte hergestellt werden. Sen p e — Eswerbung der Staatsangehörigkeit. Im Anschluß an unsert gestrigen Bemerkungen zu diesem Gegenstande sei noch bemerkt, daß derjenige, der die Staatsangehörigkeit er⸗ werben gill, in erster Linie sich einen Geburtsschein besorgen snuß, falls er einen solchen nicht besitzt. Weiter muß er sich enen Staatsangehörigkeits⸗-Ausweis beschaffen den er von den Landrats⸗ oder Kreisämtern seiner Heimat alf Antrag ausgestellt erhält. Einige andere noch 75 erforderlice Papiere kann man sich leicht im Wohnorte be⸗ schaffen.— Wiederholt sei bemerkt, daß unsere Redaktion be⸗ reit ist, Parteigenossen die nötigen Schriftstücke anzufertigen in Wirtschaften. Die Verordnung über den Ver⸗ rot und Mehl vom 12. März d. J. hat eine Ab. rfahren. Danach erhalten Gastwirtschaften usw. nach Bedarf für ortsfremde Gäste, die sich nur vorübergehind hier aufhalten. An Einheimische dürfen Wirte Brot nur gegen Brotmarken und zusammen mit anderen 1 Spreisen algeben. Wir machen auf die Bekanntmachung im heutigen Batte cufmerksam. f 5 9 — Wertzuvie für eine Ware bezahlt, ist strafbar. So har das Reichsgericht vor einigen Tagen entschieden. Mit anderen Worten der Käufer macht sich ebenfalls durch Ueberschreitung di Höchstpreise strafbar. Eine Witwe war angeklagt, weil si für 10 Pfund Kartoffeln 70 Pfg., die ihr abverlangt worden waren, bezahlt hatte, während der Söchst⸗ 9 preis nur 6½ Pf. für das Pfund betrug. Die Frau war vom Landgericht Magdeburg freigesprochen worden. Das reichsgerichtliche lrteil geht von der Annahme aus, das Höchstpreisgesetz abe das Ueberschreiten des Höchstpreises durch Strafandraung gegen Verkäufer und Käufer ver. hindern wollen. Diese Auslegung halten wir für irrig, meint dazu der Vrwärts, teilen vielmehr die von Landge⸗ richten und auch berlandesgerichten betätigte Ansicht: einen Preis könne stetsnur der Verkäufer überschreiten, für den Käufer sei eie Ueberschreitung begrifflich unmöglich. Indessen wird mar nun leider mit der Auslegung durch das Reichsgericht in dr Praxis rechnen müssen. Wir bedauern das, weil im Gegusstz zu der Absicht des Reichsgerichts hier⸗ durch die Bewucheunig des Publikums durch Höchstpreis⸗ überschreitung gefrlert werden kann. Denn es ist klar, daß der, der sich selbststafbar gemacht haben soll, schwerlich den, der ihn übers Ohr hauen hat, anzeigen wird. — Kalte Näche. In den letzten Nächten ging die Tem⸗ peratur wieder gasg ungewöhnlich herunter, in gestriger Nacht fehlte kaum och etwas am Gefrierspunkt! Knapp 2 Grad zeigte das Dermometer in der Süd⸗Anlage. Diese Kälte ist verschiedesef Gemüsen, Bohnen, Gurken uswh. die bei warmem Wette soch wachsen würden, sehr nachteilig. Reicher Erntefgn. Eine der glänzendsten Ernten der letzten Jahrzehnte ist nach dem Mainzer Journal heuer in der Rheinpfalz zu przeichnen. Bohnen, Gurken ergaben velpch eine Rekordernte. Täglich werden von den Pflanzernis der Pfalz viele Millionen Gurken zu Einmachzwecken veanft. Die Güte des 1915 er Kriegsweins dürfte diejenige de 1011er Jahrgangs noch übersteigen. Vor⸗ trefflich ausgefalle 5 auch die Ernte der Mandeln und Feigen, welche in ir sonnigen Südpfalz in größere b angepflanzt werde. großeren Menge Gegenden. Unteranderem haben wir eine Aß 8 5 72 5 e Apfelernte zu „ die ꝙ nicht übertroffen Werden Ran Und rotzdem Preise, fr die der Ausdruck„Wu, 1100. 5„ 8„ er zu mild sein wird cherpreise“ bald kehr mit änderung Brotmarkes „Kriegs⸗Taba. Der Bundesrat hat für die Da, 0 Krieges Wald mister in e N als Tabakersatzstoff be der Herstellung von Tabakerzeugnissen an Stelle von Vanleroots mit der Maßgabe zugelassen, daß die jährliche Mindtmenge auf 20 Kilogramm festgesetzt wird ö und die bereits»wendeten Mengen Vanilleroots auf die Mindestmenge anxechnet werden können. So wird denn den Einkauf der für die beteiligten Gemeinden begehrens⸗ in nächster Zeit ah die Marke„Waldmeister“ als 22 wbar ar belonder Geltung komen 4 rie, wobei auch der ansässige Handel in Anspruch genommen wer⸗ 1 7 Lagerung der notwendigen Gebrauchsgegenstände verwendet, Kartoffeln und 3 Aehnlich ist es auch in anderer 4 5 5 —B ö 4 1 * N . * 1 1 W m Rozanka. Kräfte wurden über die Stubiel⸗Niederung Telegramme. Tagesbericht des Großen Hauptguartierg. Erfolgreiche Teilkämpfe bei Souchez und in den Vogesen. Russische Stellungen an der Zelwianka genommen. Mackensen im Vormarsch auf Pinsk. W. B. Großes Hauptquartier, 10. Sept., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Nördlich von Souchez wurde ein vorgeschobener französischer Graben genommen und eingeebnet. Die Be— satzung fiel bis auf einige Gefangene im Bajonettkampf. In den Vogesen wurden nahe vor unseren Stellungen am Schratzmännle und Hartmannsweiler Kopf liegende Gräben gestürmt und dabei 2 Offiziere und 109 Mann gefangen genommen, 6 Maschinengewehre, 1 Minenwerfer erbeutet. Ein Gegenangriff am Schratz männle wurde blutig abgeschlagen. 5 Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. In Gefechten südöstlich von Friedrichstadt und bei Wilkomierz machten unsere Abteilungen einige hundert Gefangene. Sonst ist die Lage zwischen der Ostsese und dem Niemen bei Merecz im wesentlichen unverändert. Bei Skidel und am Zelwianka Abschnitt ist der Kampf noch im Gange. Die Höhen bei Pieski(an der Zelwianka) wurden gestürmt. Im Laufe des Tages sind 1 Gefangene eingebracht und 7 Maschinengewehre er— eutet. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leppold von Bayern. Die Heeresgruppe ist im Angriff gegen feindliche Stellungen an der oberen Zelwianka und östlich der Olezanka ist genommen. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen. Unsere Verfolgungskolonnen nähern sich dem Bahnhof Kossow. An der Strasse von Kobrin⸗-Milowidy (beiderseits der Bahn nach Pins k) erreichten wir die Linie Tulatycze⸗Owzicze. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Deutsche Truppen warfen die Russen aus Bu cui ow (am Sereth südlich von Tarnopo l). Südwestlich von Bueniow und bei Tarnopol sind heftige feindliche An⸗ griffe abgeschlagen. Oberste Heeresleitung. * Der österreichisch⸗ungarische Tages bericht Heftige Kämpfe am Sereth. Abgeschlagene italienische Angriffe. Wien, 10. Sept.(W. B.) Amtlich wird verlautbart: 10. Sep⸗ tember 1915: Russischer Kriegsschauplatz. Die im Raume westlich von Rowno kämpfenden russischen geworfen. Unsere von Zalosce vorbrechenden Truppen drängten den Feind in der Richtung gegen Zbaraz zurück. Bei Tarnopol schlugen österreichisch⸗ungarische und deutsche Bataillone mehrere russische Angriffe zurück. Unsere Verbündeten nahmen das Dorf Bocniow. Westlich des mittleren Sereth traten neuerlich feind⸗ liche Verstärkungen ins Gefecht; es wird dort heftig gekämpft. Oestlich der Sereth⸗Mündung und an der bessarabischen Grenze herrschte Ruhe. Die k. k. Streitkräfte in Litauen haben das weite Sumpf⸗ gebiet der Jasiolda und der Orla vollends überschritten und kämpfend den Raum füdöstlich von Rozany gewonnen. Italienischer Kriegsschauplatz. Gestern nachmittag und abends griffen die Italiener den Tolmeiner Brückenkopf mehrmals heftig an, wurden jedoch jedesmal unter schweren Verlusten an, unseren Hindernissen zurückgeschlagen. Im Abschnitte von Doberdo wiesen unsere Truppen die üblichen Annäherungsversuche des Feindes wie immer ab. Die Gesamtlage ist unverändert. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnant. 8 Ereignisse zur See. Geslern wurde bei einer Rekognos zierung unser Tor⸗ pedoboot„51“ von einem feindlichen Unterseeboot torpediert und am Bug beschädigt. Das Torpedoboot ist in seinen Basishafen eingelaufen. Flottenkommando. Das Torpedoboot„51“ gehört zur Klasse jener Schiffe, deren Typschiff bei arrow in England gebaut wurde Es hat 3000 P8, eine Wasserverdrängung von 200 Tonnen und eine Schnelligkeit von 32 Seemeilen, ist mit vier Geschützen, von 4,7 Zentimeter Kaliber und zwei Torpedorohren über Wasser armiert, hat eine Länge von 54,8 und eine Breite von 5,5 Metern, einen Tiefgang von 1,3 Metern. Die Bemannung des Fahrzeuges beträgt 20 Personen. * Der neue russische Oberbefehlshaber. Ein Armeebefehl des Zaren vom Montag ordnete die Wiedereinsetzung von achk russischen Gene⸗ ralen, deren Enthebung von leitenden Kommando— stellen nach den masurischen Schlachten durch den Großfürsten Nikolajewitsch erfolgt war, an. Rjetsch schreibt, doß unter dem Oberbefehl des Zaren eine sachgemäße Reugruppierung aller russischen Streitkräfte im Interesse einer geste igerten Schlag- zertigkeit des Heeres begonnen habe. Wilna und Minsk vor dem Fall. T. u. Stockholm, 10. Sept. Die Stimmung in Wilna ist so ge⸗ drückt, wie sie nur in einer russischen Stadt, sein kann, die 910 vor ihrem unmittelbaren Fall befindet. Rietsch berichtet, ein R esen⸗ strom von Flüchtlingen aus Wilna, die auf Wagen und mittels der Eisenbahn flüchten, haben Minsk überflutet. Die Teuerung nimmt wegen Mangels an Zufuhren zu. Brot ist nur schwer zu erhalten, Fabrikgebäude, deren Maschinen fortgeschleppt wurden, stehen leer, Die Theater, Casés und Kings find geschlossen, das Publikum ist in sehr erregter Stimmung. Staatliche Beamten organisierten sich, um die zurückgebliebenen Armen zu unterstltzen. Die Verbrecher aus den Gefängnissen wurden nach Smolensk übergeführt, während die leichten Verbrecher freigelassen wurden. Der Post und Tele— graphenverkehr ist völlig abgebrochen. Zeitungen erscheinen nur noch mehr wenige. Der Universul meldet aus Petersburg, die allgemeine Räu— mung von Minsk habe begonnen. Die Kaukasus⸗Armee des Großfürsten. Konstantinopel, 10. Sept. Zu der Uebernahme des Ober— befehls der Kaukasus-Armee durch Nikolai Niko⸗ lajewitsch wird hier bemerkt, daß diese Armee aus etwa 120000 Mann besteht. Sie ist aus den heterogensten Ele— menten zusammengewürfelt und weist starke Einschläge kau— kasischer Armenier und Perser auf; Tscherkessen, Georgier und relativ viel Juden sind in ihr vertreten, während das rein russische Element sich in der Minderheit befindet. Ende Sep— tember, spätestens Mitte Oktober ist jeder größeren Operation in diesen Gegenden mit ihren mangelhaften Wegen durch die dann einsetzenden Schneefälle ein natürlicher Damm gesetzt. Ein Luftangriff auf Baltischport. Berlin, 10. Sept.(W. B. Amtlich.) In der Nacht vom 9. zum 10. September hat eines unserer Marine⸗ luftschiffe auf den russischen Flottenstützpunkt Baltisch⸗ port und auf seine Eisenbahnanlagen eine Anzahl Bomben mit gutem Erfolg geworfen. Das Luftschiff wurde vom Gegner mehrfach wirkungslos beschossen und ist un beschä⸗ digt zurückgekehrt. Der Chef des Admiralstabs der Marine. Wladiwostok als Zentrale für Kriegslieferungen. Reuter meldet aus Tokio: Der Kapitän des Dampfschiffes „Kokura Maru“, das vor kurzem aus WI adiwostok gekommen ist, berichtet, daß in dem dortigen Hafen eine große militärische Betriebsamkeit herrsche. Unübersehbare Quantitäten von Kriegsmaterial und Vorräten würden überall durch Schiffe aus Japan und Amerika angebracht, und alle Werften seien mit Matertal vollgestapelt. An der Station der Eisenbahn, die Wladi⸗ wostok am nächsten gelegen ist, sehe man ein ähnliches Schauspiel. Der gewöhnliche Güterverkehr sei auf 20 bis 30 Tonnen im Tage beschränkt, und die übrigen Güterwagen werden für die Ver- sendung von Kriegsmaternal gebraucht. Die Beziehungen zwischen Russen und Japanern, so fügt der Kapitän hinzu, werden mit jedem Tag herzlicher. Der letzte Luftangriff auf England. Berlin, 10. Sept.(W. B. Nichtamtlich.) Wie wir an zu⸗ ständiger Stelle erfahren, sind beim Angriff unserer Marine⸗ luftschiffe auf die City von London in der Nacht vom 8. zum 9. September insbesondere die Stadtte ile um den Hol⸗ born⸗Viadukt herum getroffen worden. Zahl⸗ reiche umfangreiche Einstürze und gewaltige Brände konnten von den Luftschiffen, da die Verhältnisse für die Beobachtung äußerst günstig waren, einwandfrei fest— gestellt werden. Bei Norwich wurde eine große Industriean⸗ lage im Südwesten der Stadt ausgiebig mit Bomben belegt, worauf mehrere lang anhaltende Explosionen und Brände beobachtet wurden. Bei Middlesborough wurden hauptsächlich die Hafenanlagen und die Hoch o fenwerke an der Bahn Southbank⸗Redcar mit Bomben belegt. Auch hier konnte guter Erfolg festgestellt werden. Die amtliche englische Berichterstattung ve rschweigt aus naheliegenden Gründen, wie üblich, die bedeutenden mate— riellen Erfolge der deutschen Luftangriffe und beschränkt sich im wesentlichen auf die Angabe einer willkürlich gegriffenen Zahl von Menschenverlusten. Keine italienischen Truppen an der schweizerischen Grenze. Bern, 9. Sept. Von zuständiger militärischer Seite wird erklärt, daß nach eingezogenen Nachrichten die Mitteilungen eines Berner Privatkorrespondenten des Wolff⸗Bureaus über Verschiebungenitalienischer Truppenander Schweizer Grenze jeder tatsächlichen Grundlage en t⸗ behren. Der parlamentalische Block in Rußland. Der Korrespondent des Daily Telegraph in Petersburg berichtet über das gem einschaftliche Programm, auf Grund dessen sich ale P arteien zu einem russischen parla⸗ mentarischen Block zusammengetan haben, und das durch die Führer aller Parteien gezeichnet ist. Die Forderungen des Programms enthalten, wie schon kurz gemeldet, eine aus ge⸗ dehnte Amnestie für politische und kirchliche Ver⸗ gehen, sofortige Vorlage eines Gesetzes, um Polen die Mutonomie zu verleihen, Verbesserungen der Rechtsper⸗ hältnisse der Juden, eine versöhnende Politik mit dem Ausland, Erweiterung des Versammlungsrech⸗ tes im Interesse der Arbeiterklassen. Das Programm vexlangt weiterhin übereinstimmende Annahme aller Gesetze durch Regie⸗ rung und gesetzgebende Körperschaften, sowie Gesetze über inner- politische Reformen, wie z. B. die Erweiterung der lokalen Selbst— verwaltung. Der Block hat beschlossen, das Programm der Regie⸗ rung nicht offiziell vorzulegen, sondern es ihr offiziös mitzuteilen. Der Vorsitzende des Zentrums hat diese Aufgabe übernommen. während in der Reichsduma der Block die Mehrheit hat, besteht er im Reichsrat allein aus Sozialisten und den akademischen Gruppen, ist also dort in der Minderheit. Man muß daher abwarten, welche Aufnahme des Programm bei den Ministern finden wird. Wenn es von den Ministern angenommen wird, dann wird es, glaubt der Korrespondent der Daily Telegraph, auch im Reichsrat eine günstige Aufnahme finden. Poliwan ow Ministerpräsident? London, 10. Sept.(W. B. Nichtamtlich.) Die Times meldet aus Petersburg: Die Ernennung des Kriegsministers Poliwanow zum Ministerpräsidenten steht nahe bevor. Bulgarien steht zu den Zentralmächten! Das bulgarisch⸗türkische Abkommen. Wien, 10. Sept. Die endliche Freigabe der Mitteilung vom Abschluß des bulgarisch⸗türkischen Abkommens, der schon am 3. September erfolgte, bereitet allgemein grosse Genug; tuung. Bulgarien wird mit Recht als Angelpunkt der poli⸗ tischen Lage angesehen. Die Hoffnung der Entente auf Wieder⸗ Zucker gibt es überhaupt nicht mehr. Die grosßsen Magazine haben ihre Vorräte alle 5 115 Minern Rußlands oebracht. Die berstellung des einstigen Balkanbundes ist geschwunden. Die Diplomatie glaubt, daß Bulgarien tatsächlich nur nach einer Front kämpfen müsse, trotzdem Griechenlands Haltung noch nicht absolut zweifelsfrei ist. Die diplomatische und militäri⸗ sche Lage der Zentralmächte ist derzeit so glänzend, daß man mit vollster Beruhigung der nächsten Zukunft entgegensehen kann. In Bulgarien wird jetzt eine Broschü re in 20000 Exemplaren an die Gemeinden verschickt, in der ausgeführt wird, daß ein Eintreten für die Zentralmächte im politischen wie im wirtschaftlichen Interesse Bulgariens ge— legen ist. Schutzmaßnahmen in Dedeagatsch. Laut einer Meldung des Temps aus Dedeagatsch wird angeb— lich an der Befestigung des dortigen Hafens unaufhörlich ge⸗ arbeitet. Längs der ganzen Ksiste seien schwere Geschütze gufge fahren, sowie auf den Höhen, welche den Hafen be⸗ herrschen. Aus strategischen Rüccksichten sei während einer Nacht der Verkehr in der Stadt vollständig verboten worden. Aufgabe der Dardanellenaktion? Die Nachrichten über die angebliche Aufgabe der englisch⸗ französischen Aktion auf der Halbinsel Gallipoli mehren sich, ohne doch den Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit beseitigen zu können. Aus Budapest wird der T. U. telegraphiert: A Nap veröffentlicht ein Athener Telegramm, wonach nach dorthin gelangten Nachrichten die Verbündeten auf der Halbinsel Gallipoli sich zurückziehen. Die Engländer hätten bereits mit ihrem allgemeinen Rückzug begonnen. Die Türken unternahmen 1 15 Gegenangriff, wobei sie zahlreiches Kriegsmaterial er⸗ euteten. Die Verluste der Verbündeten an den Dardanellen. Konstantinopel, 10. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Das türkische Pressequartier teilt mit: Die Engländer messen sich alles als Verdienst an den Dardanellenkämpfen bei und wollen den Anschein erwecken, daß nur die Söhne Englands ihr Blut an den Dardanellen vergießen und schweigen über die Verluste der Neuseeländer, der Au stralier und vor allem der Franzosen. Gefangene, die wir kürz⸗ lich machten, berichten, daß die neuseeländischen und australi⸗ schen Truppen bereits die H älfteihrer neuen Mann- schaft verloren haben, obwohl jedes Bataillon zur Auf⸗ füllung seiner Lücken bis jetzt um 1500 Mann verstärkt wor- den ist, das heißt also von Grund aus neu gebildet war. Eine indische Brigade erlitt bei Sedd⸗ül⸗Bahr so starke Verluste, daß das englische Kommando die Unmöglichkeit ein⸗ sah, sie wieder herzustellen und ihre Reste bei den Aus⸗ rüstungskolonnen verwendete. Die Gefangenen berichten auch, daß die Franzosen so furchtbare Verluste erlitten hätten, daß sich jeder der jetzigen französischen Bataillone aus den Resten von drei oder vier aufgeriebenen Bataillonen zu⸗ sammensetzte, die drei Viertel ihres Bestandes verloren hätten. Die französischen Gefangenen sagen, die französischen Truppen seien darüber entrüstet, daß die Engländer die Opfer der Franzosen verschweigen, und die Neuseeländer und Australier erzählen, daß diese Zustände in ihrer Heimat lebhaft erörtert würden. In den Briefen würde das Erstaunen darüber aus⸗ gedrückt, daß sich in den Verlustlisten von den Dardanellen kein Neuseeländer oder Australier finde. Von Nah und Fern Ein gutes Weinjahr. Aus Rheinhessen wird berichtet: Im süd⸗westlichen und mittleren Teil Rheinhessens, in der sogen. rhein⸗hessischen Pfalz, rechnet man in vielen Orten mit dem Riesen⸗ ertrag von über 17 Stück pro Morgen Wingert, während in den divekt am Rhein gelegenen Weinorten durchschnittlich mit einem Stück gerechnet wird. Der Ertrag von 1½ Stüick stellt mehr als einen Vollherbst dar. Daß diese Schätzung nicht übertrieben ist, zeigt ein Gang durch jene Weinberge. Die Reben sind in der Tat von oben bis unten hin mit prächtig entwickelten Trauben wie über⸗ schüttet. Seit etwa 50 Jahren war eine so reiche Ernte nicht zu ver⸗ zeichnen. Auf der Lokomotive gestorben. In Miltenberg a. Main wurde am Mittwoch der Loko⸗ motipführer Müller aus Loher auf seiner Maschine von einem Schlaganfall betroffen, dem er soforterlag. Ein Mädchen von einem Schüler erschossen. Ein bedauerlicher Unglücksfall, dem ein Menschenleben zun Opfer fiel, hat sich in Schöneberg zugetragen. Bei dem in der Hewaldstraße 10 wohnenden Kaufmann Kahn weilte seit einigen Tagen sein Schwager, der 17jährige Gymnasiast Franz Rosenheimer aus Wien, zu Besuch. Am Donnerstag Nachmittag machte sich der Schüler an einem kleinen Revolver zu schaffen. Dabei berührte er infolge einer unvorsichtigen Bewegung den Hahn, die Wasse entlud sich und die Kugel traf die in der Küche mit der Zubereitung des Essens beschäftigte 21jährige Köchin Maria Vejr in die linke Kopf⸗ seite. Das Mädchen brach lautlos zusammen und starb nach wenige Augenblicken. Der Gymnasiast stellte sich selbst der Polizei. So ist der Krieg! Ein schwerer Schicksalsschlag traf die Familie Odrosnik in Schwientochlowitz. Der Vater mit drei Söhnen stand draußen im Kampfe gegen die Feinde. Im Vorfahre ist einer der Söhne ge— fallen. Der Vater stand mit einem Sohne bei einem und demselben Regiment. Freitag bekam nun die Familie die traurige Nachricht, daß Vater und Sohn im Kampfe gefallen sind. Die Mutter befand sich bei Ankunft der Nachricht auf dem Felde, um Kartoffeln zu hacken. Die Kinder brachten ihr das Schreiben. Beim Lesen dieses äußerst traurigen Falles sank sie hin. Ein deren be⸗ reitete auch der Mutter ein Ende. Außer dem einen Sohne im Felde bleiben noch vier unversorgte Kinder zurück. Ein bestialisches Verbrechen. In Buschhoven bei Bonn ist ein 14jähriges Mädchen einen scheußlichen Verbrechen zum Opfer gefallen. Ein Mann fand das arme Geschöpf kurz vor dem Dorse in entsetzlicher Weise verletzt vor. Der Schädel war ihm mit einem stumpfen Instrumend ein⸗ geschlagen. Außerdem wies der Körper noch eine große Anzahl Stiche auf, die wahrscheinlich mit einer tate e ausgeführt wor⸗ den sind. Als das Kind in die Bonner Klinik eingelsefert wurde, lebte es noch, starb aber an den Folgen der schweren Verletzungen. Von dem Täter fehlt jede Spur. Durchgebrannte Bestien. Aus dem Zologischen Garten in München brachen zwei Wölse aus, während der Wärter den Käfig räumte. Einer fiel den Wärter sofort von hinten au und brachte ihm einen tiefen Biß ins. Genick und mehrere in den Oberschenkel bei. Der Wärter ist schwer verletzt. Ein Soldat eilte ihm zu Hilfe und schlug mit dem Säbel auf das Tier ein, traf dabet aber auch den Wärter. Der Wolf wurde dann von einem anderen Wärter durch einen Schuß getötet. Das zweite Tier konnte nach einiger Zeit wieder eingefangen werden. n Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H., Offenbach a. M 1 5 255 9 * Vereinskalender. Sonntag, 12. September. Watzenborn⸗Steinberg. W a hlverein. Nachmittags 4 Uhr r bei Wirt Schmandt„Zum grünen Baum“. Gießen. Schneiderverband. Abends 9 Uhr Versamm⸗ * lung. g Bekanntmachung. Mit Zustimmung der Aufsichtsbehörde erhält§S 66 der Verordnung boom 12. März 1915 über den Verkehr mit Brot und Mehl in der Stadt Gießen mit Wirkung von heute ab folgende Fassung: 8 6. Gast⸗ und Speisewirtschaften, Vereinshäusern usw. können nach Maßgabe des von ihnen näher zu begründenden Bedarfs Brotmarken für solche orts fremde Gäste, die nur vorübergehend Aufenthalt nehmen, zugewiesen werden. An Einheimische und ortsfremde Per⸗ sonen, die nicht nur vorübergehend in der Stadt Gießen Aufenthalt hehmen, darf die Abgabe von Brot nur gegen Brotm marken erfolgen. Wirte dürfen Brot nur zusammen mit anderen Speisen abgeben und müssen dafür eine besondere Vergütung verlangen; sie müssen den Gästen gestatten, mitgebrachtes Brot zu verzehren. Gie ßen, den 10. Sopleiteer 1915. Der Oberbürgermeister: Keller. Verstorbene. Louis Petri III. in Gießen, 67 Jahre alt.— Philipp Weifenbach, Rektor i. P., in Schlitz, 86 Jahre alt. Herbst⸗Pferdemar zu Gießen. Am Mittwoch, den 29. September 1915, vormittags von 7 Uhr ab, findet auf den städtischen Marktaulagen an der Rodheimerstraste Pferdemarkt slatt. Der Auftrieb aus Sperrbezixken ist 1 Bezüglich der in der Nähe des Marktplatzes vorhandenen Stallungen erteilt 3 7 Lohnkutscher Huhn Auskunft. Mit dem Pferdemarkt ist eine 2 Prämierung 2 besten 1 verbunden, wofür über 2200 Mark zur 1 stehen. 1 0 Herrn Weinbändler August rämiierungsplan ist von Schwan in Gießen erhältlich. Die Prämienverteilung erfolgt nach Beendigung der Prämiierung. Gießen, den 8. September 1915. Die städtische Pferdemarkt⸗ Deputation. Grünewald, Beigeordneter. Bürgerverein Gießen Wir machen unsere Mitglieder auf den nächsten Dienstag, den 14. September, abends 8½ Uhr in der Aula der Universität statt⸗ findenden Vortrag des Herrn Prof. Skalweit über die dritte Kriegs⸗Anleihe besonders aufmerksam und bitten im Interesse dieser vaterländischen Sache um recht zahlreichen Besuch derselben. Der Vorstand. Kriegsausschuß für Konsumenten⸗Interessen Gießen. e den 13. September er., abends 3½½ Uhr pünktlich im„Metropol“ Sitzung Tagesordnung: Insammenstellung von Material für unsere Bestrebungen. Bemerkung. Interessenten aus Verbraucherkreisen, die uns Mit zweckdienlichem Material unterstützen können, sind willkommen. Der Vorstand. Schuhwaren Gute Qualitäten. Billigste Preise. Wilh. Herbert, IBettfedern Apotheke. grau per Pfd. von 95 pf. an L. Rosenbaum& Jacob am Oswaldsgarten. Marlin Krug, ieh en Schulstraße 5 Zigarren⸗Spezial⸗Geschäft empfiehlt seine aus rein überseeischen Tabaken hergestellten Fabritate bestens Zigaretten u. Zigarrilog, Rauch⸗, Kau- u. Schnupftabalt. e . garen d Arlene 1200 kite, Mützen anden, Kragen, Aravaen uerwäsebe Militär-Artikel Militä Besonders ermässigte Preise. Lictepiehaas Giessen Bahnhofstrasse 34 Telephon 2077 80 ——— e und modernstes Lichtspiel-Theater am Platze. är-Mützen N erschienen! steht der Alleinverkauf: Beste Kriegskarte! am 6. September 1915. 4 Hauptkarten, 16 Spezialkarten, 1 Kriegschronik. Preis nur 50 Pfg. Oberhessische Volkszeitung, Bahnhofftr. 680 eden liittu och u. Samstag fag. Delbcher rauemeren Ortsgruppe Gießen. Auskunftstelle für Frauenberufe. Frauen und Mädchen erhalten unentgeltlich Rat und Aus⸗ kunft für alle Berufe im alten Rathaus, Marktplatz 14. Diens⸗ e e e e Slricklümpen und Schafwolle nehmen zu höchsten Preisen an L. Nosenbaum& Jakob Tel. 171. am Oswaldsgarten. — Händler ee 1 ee ee eee eee N Dee N Für unsere Krieger empfiehlt zu billigsten Preisen in grosser Auswahl: See ee Taschenlampen mit und ohne Blende, sowie mit drehbarem Scheinwerfer.& Ganz neu:„Perlux“, als besondere Signallampe, sowie als Tisch- und Wandlampe zu gebrauchen. In. Ratterien, Glühbirnen, Taschenmesser, Stiletts Knieker, Scheren, Essbesteecke, Soldatenkisten, Klopp- Peitschen, Brustbeutel, Geldscheintaschen, Lunten- und Benzinfeuerzeuge, Lunte, Wiehs- und PFutzbürsten, Spirituskocher, Hartspiritus, Waffen u. Munition, Versandbüchsen u. Flaschen aus Nickel, Weissblech und Holz . ü Edgar Borrmann Telephon 165 Neustadt 11 Eisenwaren-, Haus- und 1. FFF Giessen Fabrik u. Verkaufsstelle Walltorstrasse 24. —Doelephon 1018. Wir empfehlen unsere vorzügl.— im Einxel- verkaufe zu 5, 6, 7, 8, 10 Pig. und höher(Abgabe auch einzelner kistchen) und offerieren gleichzeitig div. Zigarretten, Rauch- und Kautabak. Unsere Verkaufsstelle ist Werktags von 7—8 Uhr und Sonntags von 11—3 Uhr geöffnet. Die Geschäftsleitung. tags nachm. uon 8. von 6/7 Uhr. Rechtsschutzstelle. Frauen und Mädchen erhalten unentgeltlich Nat und Auskunft in Rechts angelegenheiten, int alten Rathaus Marktplatz 14 Mittwoch Pi i von 6¼ Tafel⸗ Zuckerhonig garantiert reiu. ausserordent- lich wohlschmeckend und be- kömmlich, durch grossen Absatz 5 Grösstes, elegantestes Tuaaaten „ gels Hilig. 22 5 Kilo-Postkolli gegen Nach- nahme Mk. 4.25 Man verlange Preisliste. Luckersabrik Ur.-Geran Ankauf. Alteisen, Lumpen, Knochen, Papier, Kupfer, Messing, Zink, Zinn, Blei, bei Lonis Rothenberger (Hessen). Nenenweg 22. J. Friesleben Bahnhofstrasse 50 Cigarren-Spezial-Geschäft empfiehlt Cigarren, Cigaretten, Giessen, Rauch-, Kau- und Sehnugt-Tabake Besitzer: Ludwig Müller Bahnhofstrasse 52 à, Arden Hotel Schü hält sich der geehrten Einwohnerschaft von Giessen und Umgegend zu gelegentlichem Besuch bestens empfohlen. Stets Ja Backwaren Für Wirte! Für Wire! Wir empfehlen 2 Spielkarten in allen Preislagen aus der Spiltortenfabk Frommann& Bünte, Darmstadt. 0 Oberhessische Lolkszeitung, Gießen Telephon 2008. Bahnhofsstraße 23. n ein dee Ab W. sghaster Luce Auaten leute je Ni st u zustellen 10 900 Reichen Ich üben aglische frechen. Ailerste Algates Ilten h h das liche ation 6 sch, eu I e vun leg ei Die ird d bläher! Vorschl länge aserl erun de 1 bithern Hale