Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Die Oberhessische Volkszeitung erscheint jeden Werktag Abend in Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich 60 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl. 1. 80 Mk. Redaktion und Expedition Gießen, Bahnhofstraßse 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Inserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 211 Gießen, Donnerstag, den 9. September 1915 10. Jahrgang Russische Wirren. Ueber die nordilchen Länder kommen allerlei Alarmnachrichten zus dem innern Rußland. Man braucht diesen Sensationsmel— dungen nicht in all ihren Einzelheiten Glauben zu schenken, um dennoch annehmen zu können, daß die russische Verwüstungs⸗ strategie mit ihren furchtbaren Folgen, dem Rückfluß verelendeter Menschen, den Schändungen aller Zivilisation doch ihre Rück⸗ virkungen auf das innere Rußland ausüben müssen. Es kommt binzu, daß rein wirtschaftlich gesehen der deutsch-österreichisch— imngarische Vormarsch immer kräftiger die großen Industriezentren Rußlands lahmlegt oder doch wenigstens in ihrer Produktivität außerordentlich gefährdet, und daß dadurch weitere innere Konflikte utstehen müssen. Schließlich ist Rußland seit Jahrhunderten ein Bulkan, zu dessen Belebung weit kleinere Ursachen genügt haben önnten als ein Weltkrieg und die russischen Niederlagen. Die Dumaverhandlungen haben ebenfalls schon ein Spiegelbild innerer Didersprüche, Wirrnisse und Gegensätze gegeben, und man kann aus ellen diesen Gründen schon anzehmen, daß Väterchens Reich aus nehr als einem Anlaß ins Wanken gekommen ist. Wenn sich jetzt 0 jese Ursachen steigern, so sino in der Tat die Folgen auch von sinem sehr kritischen Standpunkt aus schwer zu übersehen. Es pbäre sicher etwas Wunderbares, wenn dieser Weltkrieg wenigstens as eine Gute haben würde, den russischen Zarismus auszurotten ind vom Westen nach dem Osten das Licht der Kultur zu tragen. f Aus den Einzelheiten, die jetzt Tag für Tag berichtet werden, aben wir die wesentlichen laufend wiedergegeben. Wir erinnern fur daran, daß nicht nur in der Heeresverwaltung unglaubliche Skandale aufgedeckt wurden, sondern auch in der Zivilverwaltung ie Zustände sich so schtlimm entwickelt haben, daß sogar die russische In den Fabriken wird Munition soll ständig schlechter hergestellt erden und die Repfsion der Fabriken echt russische Zustände ent⸗ ällt haben. Dies und vieles andere hat hinter den Kulissen der uma geradezu Revolten hervorgerufen, sodaß das Ministerium edenklich wackelt und im besondere⸗ der Ministerpräsident Go⸗ temngkin schon seit Tagen als abgesägt gilt. An seine Stelle soll er Lriegsminister treten, um durch eine Art Diktatur das Land ihe zu zwingen. Die Zensur verbindert, daß wir etwas über ze russische Arbeiterbz⸗wegung hören: aber nach privaten Mit- lilungen kann barüber gar kein Zweifel bestehen, daß die von jeher ische Kritik an den besteßenden Mißständen nun auch des Volkes erfaßt. sische irgcoisie wird, wenn sich die Dinge erneut zu⸗ chen zwei Feuer geraten. Sie hat ein Lebensinteresse 2 innere Korruption Rußlands selbst durch Sturz des sarenregiments zu beseitigen, und sie hat zweifellos, wenn sie will, rade in der Gegenwort die Gelegenheit und die Kraft dazu. Sie ßland, ien ihre kapitalistischen Inter⸗ Damit zugleich aber iritt sie in immer et modernen russischen Arbeiterbewegung, ich ein Dorn im Auge bleibt. rfen auf natürliche Art die augenblick⸗ lassen tein klares Bild über die weitere Entwick⸗ zustande kommen. Nux soviel sollte gan in Deutschland begreisen, daß biese inneren russischen Wirren acht dahin zu ren brauchen, Nugtano einem Frieden geneigter machen. Die Bourgeoisie, die diese Wirren provoziert und unter⸗ lügt, will sie gerade um deswiller austragen, damit der Kampf fit neuer Stärke gegen die Zentralmächte durchgefochten werden inute. Diejenigen Kräfte aber, die mit der Ausrottung des russi⸗ hen Zarismus zugleich einen Frieden in diesem Kriege wollen, einen uns noch nicht stark genug zu sein, um ihren Willen durch— letzen. 1977 8 — 2 E . 2 2 2 2 2 72 — eitere Kre Die 1 D chen Wirre ling des innern Rußlands 4 Die Polen⸗Frage in der Duma. 44 Nach einer Meldung der Politiken aus Petersburg hat der Ab- sfiordnete Kevensky eine Interpellation an die Regierung wegen e Massenverhaftungen von Polen gerichtet. Es seien meist Kin⸗ ischen 14 und 17 Jahren, die zu Hunderten in die Gefäng⸗ geworfen wurden, die Behörden hätten weder einen Grund . die Verhaftungen angegeben noch ein Verhör abgehalten; viele % fsangene säßen seit April. Der Liberale Roditschew erklärte die V igkeit und das Zusammenhalten aller Russenstämme als das 1 itze Mittel zur Besiegung des Feindes, hingegen bewirke die 4 gierung gerade das Gegenteil durch die Fortführung ihrer Ge⸗ — Multpolitik. Sie proklamiere zwar Polens Unabhängigkeit, lasse ler zugleich durch die polnische Geheimpolizei massenhaft Polen⸗ ider verhaften und untergrabe so das Zutrauen zur Regierung. lan branche eine Regierung, deren Handlungen nicht in Wider⸗ geit mit ihren Worten stehen. Die Duma beschloß einstimmig die prechung der Interpellation. Monate.„Von den sechs Russen marschieren jetzt. Die Franzosen die Engländer! Wo rieges hat . Vom Hiebe versetzen, so bleibt uns wahrhaftig nichts weiter übrig, als den Hut zu ziehen und zu sagen: Ihr seid die Meister, wir ergeben uns!“ Ueber Frankreich und England wird viel gewitzelt. „Frankreich schläft“ sagt man allgemein. Worauf wartet man denn, soll ihnen vielleicht das kleine Serbien zu Hilfe kommen? Hinzu kommt noch die allgemeine Teuerung, die jetzt unge- ahnten Umfang angenommen hat. Rindfleisch ist nur einmal in der Woche(Sonntags) erhältlich. Zucker kann man nur erhalten, wenn man sich auf der Behörde einen Schein verschafft, den dann der Kaufmann einlöst. Ein Kilo Brot kostet 80 Cent. Gemüse ist auch teuer, besonders aber weiße Bohnen, ein Hauptnahrungs⸗ mittel der armen Bevölkerung. Ueber die Teuerung hat die Radnitschkt Nowine(Arbeiter-Zeitung) einen bezeichnenden Ar— tikel gebracht, der das vollständige Versagen der Behörden mit beißendem Spott geißelt:„In diesem Kriege hat ein Lanb die musterhafteste Organisation aufzuweisen, das ist Deutschland! und das Land, das sich der musterhaftesten Desorganisation erfreut, das ist Serbien!“ Der Artikel, welcher an erster Stelle steht, geht in diesem Tone weiter und wirft den Behörden völlige Unkenntnis der wirtschaftlichen Lage des. Landes vor. Warum hat man bis zuletzt die Ausfuhr von Mais, Bohnen, Schweinen und sonstigem Vieh nach Frankreich erlaubt, während das Land alle diese Dinge selbst gut braucht? Jetzt herrscht der bitterste Mangel, und darau ist eben die Unfähigkeit der Behörden schuld. Die erwähnte Zei— tung ist die einzige, welche den Mut hat, die Dinge beim richtigen Namen zu nennen, und gilt auch als einziges ernstes Blatt. Ueber Italien ist das ganze Volk nicht sonderlich erbaut. Die Ansprüche Serbiens in der Adria finden noch einen neuen Gegner, der noch dazu jetzt ein Verbündeter ist. Italien will Triest!— Serbien will Triest! Mancher Hitzkopf sieht schon nach diesem Krieg einen neuen Krieg gegen Italien voraus, um das slawische Trst(Triest) den Italienern zu entreißen. Wie man „Italiens Hilfe“ in Serbien auffaßt, geht aus den verschiedenen Aussagen von Militärs hervor, die sämtlich die Berichte Cadornas ironisieren und sich darüber lustig machen. Ein geflügeltes Wort ist der Ausspruch geworden:„J Italia se bori!“(auch Italien führt Krieg). Die Stimmung gegen Bulgarien hat in ihrer Erx⸗ bitterung den Höhepunkt erreicht, und mancher verständige Kopf wird ganz wild, wenn von Abtretungen an Bulgarien die Rede ist. Lieber wollen wir ganz zugrunde gehen, als auch nur ein Handbreit Erde abtreten! Die letzten Schritte der Entente-Mächte haben im Volke große Niedergeschlagenheit hervorgerufen, denn das serbische Volk ist gescheit und versteht diesen Schritt richtig zu deuten; es weiß ganz genau, daß er nie unternommen worden wäre, stände es nicht um die gemeinsame Sache schlecht. Aber daß gerade Serbien zu allem herhalten soll, will es nicht einsehen. Ein Sperling in der Hand ist besser als zehn Tauben auf dem Dach, so denkt ungefähr jeder. Die Regierung würde wohl Entgegenkommen zeigen, da sie dem Drucke nicht widerstehen kann, aber eine Eini— gung mit Bulgarien wird kaum zu erzielen sein, da Serbien nicht daran denkt, Mazedonien abzutreten, und einen Teil will Bul⸗ garien nicht.— Serbien hat schon manche Hoffnungen zu Grabe getragen, so Triest und Dalmatien. Nun soll es Mazedonien hergeben? Es will nicht! Die letzten Schritte der Entente-Mächte haben manchen Kopf ernüchtert. Soll er seine Freunde oder seine Feinde mehr fürchten. Der Serbe ist gescheit. Wird er nicht von zwei Uebeln das kleinere wählen? Eine französische Fälschung. Berlin, 7. Sept.(W. B. Nichtamtlich.) Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt unter der Ueberschrist:„Eine fran⸗ zösische Fälschung“!: Um die Stimmung des Auslandes gegen Deutschland zu vergiften, veröffentlicht die Pariser Zeitung Le Monde Illustré vom 21. August 1915 das Bild einer Volksdemon⸗ stration vor dem Königlichen Schloß in Berlin mit der Unterschrift „Enthusiasmus und Freude der Barbaren über die Versenkung der„Lusitania“.“ In Wahrheit aber stellt die Photographie eine am 31. Juli 1914 nach der Erklärung des Kriegszustandes stattge⸗ habte patriotische Kundgebung dar, wie sich dies aus den Veröffenti— lichungen dieses Bildes in den deutschen illustrierten Zeitungen aus dem August vorigen Jahres unzweifelhaft ergibt. Anläßlich der auch in Deutschland mit allgemeinem menschlichen Mitgefühl für die unglücklichen Opfer englischer Ueberhebung aufgenommenen Vernichtung der„Lusitanja“ fand weder in Berlin, noch sonst irgendwo in Deutschland eine Demonstration der geschilderten Art statt. Zur Aufhetzung der öffentlichen Meinung der Vereinigten Staaten von Amerika hat sich die Erfindungskraft unserer Gegner hier also ein gänzlich untaugliches Objekt ausgesucht. Die Kritik über solche Propagandamethoden dürfen wir getrost dem Urteil der Neutralen überlassen. Koloniale Sorgen der Engländer und der Franzosen. Der heilige Krieg in Französisch⸗Nordafrika. Das Hamburger Fremdenblatt berichtet aus Genf: Die eingeborene Bevölkerung von Fransösisch⸗Nordafrika befindet sich nach Meldungen aus Marseille im offenen Auf⸗ stand gegen die französische Herrschaft und predigt den Heiligen Krieg. Viele Ortschaften sind in Flammen aufgeangen. Der Schiffahrtsverkehr zwischen Marseille und Tunis ist vollständig eingestellt. Ein Khalif gesucht! Nach der Gazette de Lausanne soll seit der italienischen Kriegserklärung au die Türkei eine stetig wachsende panislamitische Bewesguswg, die auch auf dem Kriegsschauplatz ferner liegende Gebiete übergriff, zwischen Ueltkrie N. geführt haben, die darauf abzielen sollen, den dem Sultan der Türkei zugehörigen Titel und die Rechte eines Khalifen einem anderen muselmanischen Oberhaupt zu⸗ zusprechen. Namentlich England möchte den von ihm mühsam gehaltenen sogenannten ägyptischen Sultan zum Khalifen ausrufen lassen. Frankreich dagegen, so erfährt das genannte Blatt, wünsche diese religiöse Würde für den von ihm abhängigen Sultan von Marokko, während Italien unter den Araberfürsten Libyens nach einem Kandidaten Umschau halte. Die Unruhen in Vorderindien. London, 7. Sept. Der Staatssekretär für Indien be⸗ richtet über schwere Kämpfe, die an der Nord westgrenze Vorderindiens stattgefunden haben. Es handelte sich um einen Einfall des Bunerwals-Stammes in den Distrikt von Peshawar am 17. August. Das britische Lager zu Rustam wurde in der Nacht schwer durch die Bunerwals beschossen, die mit einer Streitkraft von ungefähr 12000 Mann die Pässe beherrschten. Am 26. August erfolgte ein Angriff auf die Bunerwals durch die Be⸗ saͤtzung von Rustam, wobei die Bunerwals 20 Tote verloren. Aber erst am 28. und 31. August konnte die Garnison von Rustam zu einer Offensive in der Richtung auf den Malandripaß übergehen, wobei den Bunerwals starke Verluste beigebracht und sie vollständig geschwächt worden seien. Am 28. und 29. August erfolgte das Vor⸗ gehen einer feindlichen Macht vom oberen Swat aus, die einen ent⸗ schiedenen Angriff auf die englische Stellung bei Sandaki machte, wobei der Feind zurückgetrieben wurde und am linken Ufer etwa 100 Tote und Verwundete zurückließ. Am nächsten Morgen erfolgte der englische Angriff auf das Fort Kak, das im Besitz der einfallenden Stämme war. Das Fort wurde unter heftiges Artillerfefeuer ge⸗ nommen und vollständig zerstört. 4 ee Ferner meldet der Staatssekretär eine feindliche Bewegung in dem Mohmand-⸗Distrikt(hier war es vor einigen Wochen be⸗ reits einmal zu scharfen Zusammenstößen zwischen den Engländern und den einfallenden Stämmen gekommen), sie konnte sich nicht ent⸗ wickeln. An den übrigen Teilen sei alles ruhig. 0 gramm ergibt sich, daß die Angriffsbewegung der wilden Stämme an der Nordwestgrenze Ostindiens weit stärker und wirkungsvoller ist, als bis jetzt offiziell zugegeben wurde.) 1 Zur Lage in Deutsch⸗Ostafrika erhält die Köln. Volksztg. von einem Pater briefliche Mit⸗ teilungen, wonach fortgesetzt Anhänger des Christentums aus vielen Eingeborenendörfern zu den Missionaren eilen und bitten, die Behörden zu ersuchen, daß sie unter deutscher Flagge kämpfen dürfen. Ihre Zahl ist derart groß, daß der größte Teil nicht angenommen werden kann. Der Bedarf unserer Schutztruppe an farbigen Rekruten ist reichlich ge⸗ deckt. zu sein. Die Ruhe unter den 7½ Millionen Eingeborenen wurde bisher nirgends gestört. Die Haltung der Ein⸗ geborenen mohammedanischen Glaubens ist geradezu vor⸗ bildlich. Die Kunde von der Verkündigung des Heiligen Krieges gegen unsere Feinde hat bei allen unbeschreibliche Begeisterung erweckt. Mit todesmutiger Treue und Anhäng⸗ lichkeit stehen sie zu uns und eilen aus allen Bezirken in Scharen herbei, um sich unseren Militärbehörden zur Ver⸗ fügung zu stellen. Den Feinden dürfte es nicht gelingen, ins Innere unserer Kolonien einzudringen. In mehreren Fällen wurden bereits Engländer durch Eingeborene unter deut⸗ scher Führung unter erheblichen Verlusten über die Grenze zurückgeschlagen. 1 Fliegerangriff auf Saarbrücken. Saarbrücken, 7. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Gestern vormittag zwischen 10 und 111 Uhr erfolgte ein Angriff feindlicher Flieger auf Saarbrücken. Drei Personen wurden getötet, sechs schwer, zwei leicht verwundet. Saarbrücken, 7. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Von den bei dem gestrigen Fliegerangriff schwerverletzten Per⸗ sonen sind inzwischen zwei weitere gestorben. Die Zahl der Toten erhöht sich damit auf fünf. Ein Vertrauens⸗Votum für die Presse⸗Zensur Ein etwas merkwürdiger Vorgang spielte sich am Sams- tag in Essen ab. Die Redakteure und Verleger der im Bezirk des 7. Armeekorps erscheinenden Zeitungen wurden zu einer Konferenz zusammenberufen, um die Kritik zu be— sprechen, die Abg. Fischer(Berlin) im Reichstage an der Zensur geübt hat. Gegen die Stimmen der Vertreter der sozialdemokratischen Zeitungen wurde folgende Entschließung angenommen: „Gegenüber dem Eindruck, der durch die jüngsten Verhand⸗ lungen des Reichstages erweckt worden ist, als ob die Presseaufsicht im Bexeich des 7. Armeekorps in einer über die Erfordernisse der Lage hinausgehenden rigorosen Weise ausgeübt werde, und seg⸗ liches Entgegenkommen gegen fachlich berechtigte Wünsche zu ver⸗ missen sei, und als ob bei der Aufsichtsstelle in Müunster ein aus⸗ reichendes Verständnis für Wesen und Aufgabe der Presse zu er— den Kabinetten in London, Paris und Rom zu Erörterungen mangeln scheine, erachtet es die beutige Versaenmlung— zahlreich (Aus dem Tele⸗ Man braucht darum auch in Zukunft nicht in Sorge und Verlegern aus Rheinland und West⸗ freiem Entschluß auszusprechen, daß bei Ueberwindung der in den ersten Kriegsmonaten hier und da hervorgetretenen erklärlichen Schwierigkeiten, insbesondere aber seit Einführung der regelmäßigen Pressebesprechungen, durch die die perfönliche Fühlung mit den die Aufsicht führenden Offizieren her⸗ gestellt wurde, die Presse in ihrer Gesamtheit eine entgegenkom⸗ mende Würdigung ihrer Aufgaben und ihrer berechtigten Wünsche stets gefunden hat, und daß sie gern anerkennt, daß in dem Ver⸗ kehr zwischen Aufsicht und Presse auf ein gutes Einvernehmen sichtlich Wert gelegt worden ist.“ 2 5 Die bürgerliche Presse bleibt sich halt immer gleich. Trotz alledem ist es keine alltägliche Erscheinung, daß diese Presse selbst ihrer Zensur ein Vertrauensvotum ausstellt. Der sächsische Landtag. wird anfangs November zu seiner ordentlichen Tagung zusammen⸗ treten, nachdem die Legislaturperiode durch einen Beschluß des außerordentlichen Landtages verlängert worden ist. Die Hauptauf⸗ gabe des Landtages wird die Beratung des Etats sein, wobei dann auch alle jene Fragen angeschnitten werden können, die mit dem Kriege in Verbindung stehen. Unsere Genossen werden bei dieser Gelegenheit sicher ein ernstes Wort mit der Regierung darüber reden, daß das Vereins⸗ und Versammlungsrecht in Sachsen weit mehr eingeschräukt worden ist, als wie in den anderen Bundes⸗ staaten. Der türkisch⸗bulgarische Vertrag unterzeichnet? Der Vertrag zur Regulierung der thrazischen Grenze zwischen Bulgarien und der Türkei ist nach einer Meldung der halbamtlichen Dnepnik gestern von beiden Seiten unterzeich⸗ net worden. Bulgarien erhielt danach 2000 Quadratkilometer von Türkisch⸗Thrazien und wird das neue Gebiet am 15. Tage nach der Unterzeichnung des Abkommens besetzen. Die türki⸗ schen Behörden werden das Land innerhalb dieser Frist ver⸗ . 8 Man bezeichnet den Abschluß dieses neuen Vertrages als einen diplomatischen Erfolg des Ministerpräsidenten Ra⸗ doslawow, dessen Stellung dadurch eine weitere Stärkung er⸗ fährt. Die Unbesiegbarkeit der Mittelmächte. Die Neue Freie Presse meldet aus Scheveningen: Der Haager Nieuwe Courant veröffentlicht eine Unterredung mit einem belgischen Staatsmann, den das Blatt nicht nennt, der desucht von Schriftle⸗ falen— für ihre Pilicht, aus aber als der frühere belgische Gesandte in Berlin, Baron Greindl, erkennbar ist. Der Diplomat verfichert, daß der Vierverband längst von der Unbesiegbarkeit der Mittelmächte überzeugt ist. Seine Hoffnungen beruhen ausschließlich auf Joffres Widerstand und schließlicher Kriegsmüdigkeit Deutsch⸗ lands.(5) Zum Untergang der„Hesperian“. T. U. Notterdam, 8. Sept. Aus London werben noch folgende Einzelheiten über die Räumung des„Hesperian“ nach der Er⸗ plosion bekannt. Das Schiff befand sich auf der Ausreise von Liverpool nach Montreal und hatte neben einer 250 bis 300 Mann betragenden Besatzung ungefähr 300 Passagiere an Bord, darunter waren etwa 50 verwundete Kanadier in den verschiedenen Ge⸗ nesungsphasen. Die Erzählung der Geretteten bestätigen nicht, daß keine Verwirrung herrschte. Als am Bordersteven die Explosion erfolgte und die zwei vordersten Näume sich mit Wasser füllten, lief alles an Bord, von einer Panik ergriffen, durcheinander. Einige Neisende ließen sich, ohne sich um die Boote zu kümmern und selbst ohne Schwimmgürtel ins Wasser fallen. Unglücklichermeise murden die Kabel, mit denen die überfüllten Boote 4 und 5 heruntergelassen wurden, ungleich gehalten; dadurch hingen diese Boote sast senkrecht über dem Wasser, sodaß einige Dutzend Ju⸗ sassen ins Wasser fielen. Zum Glück war aber das Wasser klar und sniegelglatt, sonst wären mindestens zwei Boote gefunken. Die neuen russischen Heerführer. T. U. Genf, 8. Sept. Der nach längerer Krankheit auf feinen Posten als Oberbefehlshaber der russischen Nordwest— front zurückgekehrte General Rußki traf, wie der Temps aus Petersburg meldet, die Neuerung, die ihm unterstellten Trup⸗ pen, die bisher aus zwei Armeen bestanden, auf drei Armeen zu verteilen. Rußki wurde hierbei von der Absicht geleitet, den Armeen Below, Eichhorn und Gallwitz je eine russische Armee eutgegenstellen zu können. General Iwanow, der Oberbefehlshaber der Südwestfront, soll nach wie vor die gegen Mackensen aufgebotenen Streikräfte führen, während als Gegner der Armee des Prinzen Leopold von Bayern General Ewert das Kommando übernommen hat. Der Finanzminister und die Duma. Nach schweizerischen Blättermeldungen aus Petersburg die Angriffe gegen den russischen Finanzminister Bark in der Meichsduma so heftig geworden, daß sein Ricktritt stündlich er⸗ wartet wird. Besonderen Eindruck machte ein Angriff des für ein ind Chwostow, ber sagte, in englischen Klubs werde Bark als Bank⸗ kommis bezeichnet, der von Staatsfinanzen keine Ahnung habe. Keine japanischen Truppensendungen nach Europa. T. U. Die Stampa erfährt aus Paris, das Gerücht von einer Truppensendung Japans nach Europa sei vollstän⸗ dig falsch. Kriegs notizen. Der Berliner Polizeipräsident hat bestimmt: Der Ausschank von Branntwein oder Spiritus ist verboten: a) in der Zeit von 9 Uhr abends bis 9 Uhr morgens; b) durch Automaten; c) in Wirtschaften mit weiblicher Bedienung(Lelluerinnen, Bardamen Afw.); d) in Wirtschaften, die eine Erlaubnis aus 8 33a der Reichs⸗ gewerbeordnung ausüben; e) an angetrunkene Personen. Zuwider⸗ handlungen werden mit Gefängnis bis zu einem Jahre oder mit Geldstrafen bis zu 10 000 Mark bedroht. Das badische Finanzministerium hat die staatlichen Kassen angewiesen, den in Staatsdienst stehenden Beamten, Lehrern ur Arbeitern Zeichnungen für die dritte Kriegsanleihe zu erleichtern und zu vermitteln. An dem Diensteinkommen werden im Falle der Zeichnung bis zum 1. Oktober 1917 monatliche Abzüge vorgenom⸗ men; es darf aber nur ein Viertel des jährlichen Einkommens und nicht über 1000 Mark gezeichnet werden. Beamte, welche hähere Beiträge zeichnen wollen, haben sich an ein privates Bankgeschäft zu wenden. Der allzu freundliche Verkehr, den Einwohner mit den Gefangenen des Vilbeler Kriegsgefangenenkommandos pflogen, hat die Auflösung des Kommandos zur Folge gehabt. Die Kriegsgefangenen wurden wieder in ihr Lager gebracht. 2 Von dem Kalkwerk Schäser in Hahnftätten sind folgende ruf⸗ fsische Kriegsgefangene entwichen: Iwan Scholuch, 29 Jahre alt, 1.80 Meter groß, schlauke Statur, blaue Augen, blonde Haare und Schnurrbart; Gregorl Bud ink, 26 Jahre alt, schlonke Statur, 1,82 Meter groß, Augen blau, Haare dunkelblond, Schnurr⸗ bart blond. Beide sind nur der russischen Sprache mächtig, tragen die graue russische Felduniform mit Schirmmütze, die Hosen sind auf dem Gesäß mit„Kriegsgefangener“ gekennzeichnet. Am Montag Nachmittag erplodierte in einem Postburcau in London eine Grau ate. Drei Personen wurden schwerver⸗ hetzt, darunter General O'Callaghau. Das Auswärtige Amt in London hat dem Delegierten der sozialistischen Partei, Fairchild, einen Auslaudspaß zum Besuch der internationalen sozialistischen Konferenz in Bern verweigert. Reisende aus Finnland erzählen im Afteubladet. daß die Eisenbahnbrücke über die Pojobucht bei Ekenäs, die zu Beginn dieses Krieges unterminiert worden war, am 28. August durch einen Un⸗ glücksfall, in die Luft geflogen ist. Die Wirkung war furcht⸗ bar. Die Brückenwache wurde augenblicklich getötet und die Brücke wie Glas zerbrochen. Es heißt, daß ein Blitz die Minen entzündet habe. Die Pojobucht und Ekenäs liegen in der Nähe des großen Hafens Langö, am Eingang zum Finnischen Meerbusen. In Orenburg wurden nach dem Rjetsch eine große Anzahl von Arbeitern verhaftet, die bei der Munitionsherstellung beschäftigt werden; sie galten als politisch unzuverlässig. Arbeiterbewegung. Der Buchdrucker verband im ersten Kriegs jahr. Der Vorstand gibt im Korrespondent das Gesamtergebnis der Kriegsstatistiken für die Zeit vom 2. August bis 31. Juli. Darnach hatte der Verband 73 996 Mitglieder, wovon 36 900 zum Heeres⸗ dienst eingezogen worden waren, darunter 19 004 Verheiraetete. In der genannten Zeit wurden ausgezahlt: Arbeitslosenunter⸗ stützung: aus der Verbandskasse 2 543 926,75 Mk., aus den Gau⸗ kaffen 694 451,42 Mk., zusammen 3237 478,17 Mk.; Unterstützung in allen Unterstützungszweigen: aus der Verbandskasse 3641 856,26 Mark, aus anderen Kasfen 1 171 428,94 Mk., zusammen 4 813 285.20 Mark; Familienunterstützung: aus den Gaukassen 234 318,10 Mk., aus den örtlichen Kassen 327 224,63 Mk., zusammen 361 542,73 Mk. Der Zentralverband der Handlungsgehilfen während des Kriegsjahres. Der Verband zählte am 1. Juli 1914 insgesamt 26 054 Mit⸗ glieder, und zwar 11822 männliche und 14 232 weibliche. Bis zum 30. Juni 1915 fank die Zahl der männlichen Mitglieder auf 10 999, wogegen die der weiblichen auf 14750 anstieg, sodaß sich ein Mitgliederbestand von 25 749 ergab. Am 31. Juli 1915 waren 2779 verheiratete und 2347 ledige, zufsammen 5126 Mitglieder zum Heeresdienst eingezogen: fast 200 sind bisher als gefallen gemeldet worden. Arbeitslos waren am 31. Juli 154 männliche und 533 weibliche, zusammen 687 Mitglieder. Seit Kriegsausbruch bis zum 31. Juli hat der Verband 44 698 Mk. Arbeitslosenunter⸗ stützung ausgezahlt. Dazu kommen die sonstigen Unterstützungen, die aber hinter diesem Betrage zurückbleiben. Die Mitgliederzahl ist mit der Fortdauer des Krieges durch die Einberufung auch des ungedienten Landsturms bedeutend geringer geworden. Die Zahl der weiblichen Arbeitslosen im Handelsgewerbe ist dabei immer noch beträchtlich stärker als früher. Das Gesamtbild wird durch die infolge der Einberufungen viel geringere Zahl der männlichen Arbeitslosen bestimmt. Besonders in den ersten Kriegsmonaten hat der Verband da⸗ gegen anzukämpfen gehabt, daß Geschäftsinhaber vielfach eine all⸗ gemeine Herabsetzung der Gehälter ihrer Angestellten vornahmen. Die Bemühungen der Organisation sind nicht ohne Erfolg ge— blieben, wobei ihr zustatten kam, daß die Geschäftslage sich nach den ersten Kriegswochen wieder hob. Allerdings kann mau nicht teilgenommen hätten, es si herabsetzungen alle wieder k Arbeitsvermittlung blieb die gespalten. Während der Zentralverband und einige bürgerliche Gehilfenorganisgtio gebung und von den Gemeinden die Arbeitsnachweise forderten, haben verbände, die um den Bestand ihrer un stellenvermittlungen besorgt sind, an die Beh gerichtet, die Schaffung solcher Arbeitenagherge kralverbandes 5 ist klar, daß hierdurch die Bemühungen des. verl es der Handlungsgehilfen sehr erschwert wurden. Man kann annehmen daß in Berlin und einigen anderen Orten die Schaffung, öfen liczrechtlicher paritätischer Arbeits nachweise schon Ins Kart nen setzt sein würde, wenn nicht jene widerstrebenden Organisationen alle Hebel in Bewegung gesetzt hätten, sie zu verhindern. ATazecberict des Großen Sauptnnartiez. E Küsten⸗ und Luftkämpfe im Westen. Die Russen bei Wolkowysk geschlagen. W. B. Großes Hauptquartier, 8. Sept., vorm.(Amtlich.] Westlicher Kriegsschauplas. g Eine Anzahl seindlicher Schiffe erschien gestern früh vor Möttelkeerke, beschoß vormittags W̃ estende 4 J nachmittags Ostende. Vor dem Feuer unserer Küsten⸗ batterien zogen sich die Schiffe wieder zurück. Militärischer Schaden ist nicht angerichtet. In Ostende wurden zweß belgische Einwohner getötet, einer verletzt. 1 An der Front verlief der Tag im übrigen ohne besonder Ereignisse. a i Ein bewaffnetes französisches Flugzeug wurde nördli von Le Mesuil(in der Champagne) von einem deutschen Kampfflieger abgeschossen. Es stürzte brennend ab; die Insassen sind tot. 0 3 Ein feindlicher Fliegerangriff auf Freiburg i. Br. verlief ergebnislos.* Oestlicher Kriegsschauplatz.* Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. 9 In der Gegend von Dandsewas sind uusere Ab. teilungen im weiteren Vorgehen. 8 Truppen des Generals v. Eichhorn setzten sich nach Kampf in Besitz einiger Seenengen bei Troki⸗Nowe(füdwestlich von Wilna). 5 Zwischen Jeziory und Wolkuwysk schreitet der Angriff vorwärts. Wolkawysk selbst und die Höhen öst⸗ lich und nordöstlich sind von uns genommen. Es wurden 2800 Gefaugene gemacht und 4 Maschinengewehre erbeutet. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. 1 In der Gegend von Jzabelin(füdöstlich von Wol⸗ kowys k) ist der Feind geworfen. Weiter füdlich ist die Heeresgruppe im Vorgehen gegen die Abschnitte Zelwajanka und Rozanka. Nordöstlich von Pruzana dringen österreichisch⸗ungarische Truppen durch das Sumpfgebiet nach Norden vor. Es wurden rund 1000 Gefangene gemacht. 9 Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen. 1 Die Kämpfe an der Jafiolda und östlich von Drohozin dauern an. 1 Südöstlicher Kriegsschauplatz. ö Russische Angriffe auf Tarnopol sind abgeschlagen. Weiter südlich in der Gegend westlich von Ostrow ist ein Vorgehen des Feindes durch den Gegenstoß deutscher Truppen zum Stehen gebracht. i ——— 1 Die heutige rufsische Veröffentlichung über die Niederlage von zwei deutschen Divisionen, die Gefangennahme von 150 Soldaten und die Eroberung von 30 deutschen Geschützen und vielen Maschinengewehren ist frei erfunden. Kein deutscher Soldat ist auch nur einen Schritt gewichen, kein Geschütz oder Maschinengewehr in Feindeshand gefallen. Hingegen warf der erwähnte Gegenstoß deutscher Regimenter den vor- dringenden Feind weithin zurück. Eines davon machte 20 Taustitutionelles inet in Aussicht genommenen Abgeordneten! sagen, daß etwa die Angestellten an den hohen Kriegsgewinnen! Gefangene. Oberste Heeresleitung. Diethelm von Buchenberg jämmerlich über die unvertilgbare Kellerkälte, die ihn so sehr] sicherungsgesellschaft in Frage zu stellen, und ein lang „plage, und verlangte den rot ausgeschlagenen Rock Medards, Erzählung von Bertold Auerbach. 71] der ihm allein warm machen könne und in dem er zum Richt⸗ (Schluß) platz gehen wolle. f f XXXI. Die scheinbare Geistesverwirrung Diethelms löste sich Das Herbstmanöver war zu Ende, und Munde hatle seinen Schäferrock angezogen, ohne daran zu denken, daß ihm sein Vater einst befohlen, in diesen Kleidern des ermordeten Bruders vor Diethelm hinzutreten und ihm das Geständnis abzupressen. Er hatte gehört, daß eben die letzte Gerichts- verhandlung stattfinde, und sich zu derselben gedrängt. Fast unwillkürlich hatte sich sein lang verhaltenes feindliches Grollen in jenen Wort Luft gemacht, die Diethelm so plötzlich Er mußte nun in zum Geständnis seiner Schuld brachten. der Stadt bleiben, um bei der wieder aufgenommenen Unter⸗ suchung gegen Diethelm als Zeuge zu dienen. Er machte nun die Angabe von dem, was ihm sein verstorbener Bruder gesagt, von den Mitteilungen der Fränz schwieg er; denn er hatte trotz des sympathetischen Gegenmittels noch Liebe genug zu ihr, um nicht auch sie ins Elend zu stürzen und sie zu zwingen, gegen den Vater Zeugnis abzulegen. Fränz erhielt noch am Abend Weise, die aber doch nicht minder schmerzte, Lebewohl sagen. Der in Diethelm ertötete Haß gegen die Welt setzte sich nun in Fränz fest. f 5 einen Besuch von ihrer Schwiegermutter, ihr Bräutigam ließ ihr auf die schonendste Diethelm gestand im ersten Verhör seine ganze Tat mit allen ihren wechselnden Stimmungen bis in die Einzel⸗ umstände hinein, aber manchmal sprach er doch verworrene Worte, über die er jedoch bald wieder hinwegkam. Er klagte wieder. Er verzichtete ausdrücklich auf die Verhandlung vor dem Schwurgericht, wurde aber, da diese Bestimmung der Grundrechte noch galt, nicht zum Tode, sondern zu lebens⸗ länglichem Zuchthaus verurteilt. Im Zuchthaus zu M. saß drei Jahre ein zusammenge⸗ schnurrtes Männchen, dürr und gebeugt, das immer fror und sich die Hände rieb und mit den Zähnen klapperte. Es war schwer, in diesem Männchen den einst so stattlichen Diethelm wieder zu erkennen. Dumpf und lautlos verhielt sich der Sträfling, und nur manchmal bat er mit aufgehobenen Hän— den um die Gnade. Holz hacken zu dürfen, da diese Arbeit allein ihn vom Froste erlöse. Erst nach drei Jahren des Wohlverhaltens wurde ihm diese Gnade gewährt, und nach⸗ dem er die ersten Splitter von den zähen Baumstümpfen gelöst und die Keile eingetrieben hatte, fuhr er sich mit der Hand über die Stirn und betrachtete frohlockend die Schweiß⸗ tropfen, die er abgewischt hatte. Aufs neue erhob er mit Macht die Art, und die zusammengeschrumpfte Gestalt wurde mit jedem Schlage größer und gewaltiger. Das war wieder der Diethelm von Buchenberg. Plötzlich schrie er laut auf: „Heraus, heraus will ich!“ und zerschmetterte fich mit dem Beile das Hirn. Eine Leiche sank unter die Splitter der Baumstümpfe. Der anfängliche Wahnsinn Diethelms gab dem Advo⸗ katen der Fränz Gelegenheit, die Ansprüche der Feuerver⸗ wieriger Rechtshandel schien sich daran zu knüpfen, den Fränz mit eiserner Unbeugsamkeit und mit Dransetzung eines großen Teiles ihres Muttergutes fortführte. 9 Sie wohnte allein mit einer Magd in dem großen neuen Hause in Buchenberg. kleidete sich wieder in Landestrucht und tat lustig; sie behielt die Rappen ihres Vaters 1 fuhr oft damit nach der Stadt zur Betreibung ihres Rechts ⸗ handels. 5 Rothmann brachte noch vor der Wied ellung Diet⸗ helms einen Vergleich zustande, der 8— zu einer der reichsten Erbinnen im Oberland machte. Man sagte, daß sie doch noch den Munde heirate. Dies trat aber nicht ein. 5 Die Missionen kamen in das Oberland und wühlen alle Herzen auf. Ergreifend vor allen wirkte jener Missi- 1. Fränz in Wildbad kennen gelernt hatte. Fränz war die Stifterin eines Jungfrauenbunds i 0 d die 1 erste Schwester desselben. e in Buchenberg un 0 Auf den Bahnhof in Friedri 1 eines Tages ein großer Zug von i and Ad. 1 chen, sie weinten alle beim Abschied einer abgehärmten ü 5 die eine Nonne geleitete, und schauten iht 1 ange traurig nach, als si i 5 schiff ö e sie mit dem Dampfschiff nach ö Das schöne Haus in Buchenberg gehört j Kloster Einsiedeln in der Schtdeiz. Wer 1. 12 5 es haben soll. Ende. — fen 3 die 9 1 Mietet Ei it. 8 8. X NK S 8 — — 5 4 Gießen und Umgebung. —Gasabgabe ohne Gasmesser. Die Stadt Magdeburg Hat einen neuen Weg zur Abhilfe der Leuchtmittelnot einge⸗ schlagen. Zahlreiche Anträge auf Gasanschluß von Klein⸗ wohnungen konnten keine Berücksichtigung finden, weil es an der erforderlichen Zahl von Gasmessern fehlte und solche auch nicht beschafft werden können. Der Magistrat ist daher auf den Ausweg verfallen, an Klein wohnungen Gas ohne Gasmesser abzugeben. Um der Gefahr einer Verschwendung von Gas zu begegnen, soll es nur zu Leucht- zwecken, nicht aber auch zu Koch- und Heizzwecken zu beziehen sein. Die Einrichtung soll ferner nur für jedesmal höchstens zwei Räume mit je einer Flamme zugestanden werden. Zur Berechnung des Verbrauchs ist der Verbrauch einer Straßen⸗ laterne zugrund gelegt, die stündlich 120 Liter Gas verbraucht. Für das Wohnungslicht ist eine jährliche Brenndauer von durchschnittlich 1150 Stunden in Ansatz gebracht worden, so daß der Gesamtverbrauch einer Flamme sich im Jahre 5 138 Kubikmeter beläuft. Bei einem Gaspreis von 17 Pfg. für ein Kubikmeter macht das jährlich 23,46 Mk. Der Magistrat hat diesen Betrag auf 24 Mk. nach oben abgerundet und will hierfür je eine Flamme ohne Gasmesser für die Dauer eines Jahres zur Verfügung stellen. Die Gebühren sollen monat⸗ lich im voraus erhoben werden, und zwar während des Sommerhalbjahres mit 1,50 Mk., während des Winterhalb— jahres mit 2,50 Mk. monatlich. Die Gebühren sind nach dem durchschnittlichen Verbrauch eines Jahres bemessen,„und des⸗ halb ift es nicht angängig“, so heißt es in der Magistratsvor⸗ lage,„für einzelne Monate die Beleuchtung abzu⸗ melden und je nach Lichtbedarf wieder anzumelden. Die Ge⸗ bühren sind für das ganze Jahr zu entrichten und die Ver⸗ pflichtung zur Zahlung der Gebühr erlischt erst mit dem Auf⸗ geben der Wohnung oder endgültiger Abmeldung; für die⸗ selbe Wohnung wird eine Wiederanmeldung von demselben Mieter in der Regel nicht angenommen.“ Vorbedingung für die Einrichtung ist, daß eine Steigleitung bereits vorhanden ist. Für die Einrichtung selbst ist eine Gebühr von 3 Mk. zu entrichten.— Die Stadtverordneten stimmten der Vor⸗ lage zu. Die Petroleum⸗Versorgung. Die Versorgung der deut⸗ schen Bevölkerung mit Petroleum liegt in den Händen dreier großer Petroleum⸗Importgesellschaften. Nach einer zwischen der Regierung und diesen Gesellschaften getroffenen Ver⸗ einbarung sind die Verkäufe von Petroleum an Zwischen⸗ händler in der Zeit vom 1. Mai bis 1. September eingestellt worden. Wie das Berliner Tageblatt in seinem Handelsteil berichtet, ist die Versorgung mit Petroleum für die kommen⸗ den Wintermonate in folgender Weise geregelt:„Die ein⸗ zelnen Firmen werden in einem prozentualen Verhältnis an den jeweils verfügbaren Vorräten beteiligt, und zwar in An⸗ lehnung an ihren früheren Verbrauch. Naturgemäß find die Vorräte zurzeit nicht derart, daß ein hoher Prozentsatz für den Teil der Kundschaft zur Verfügung gestellt werden kann, der kein Anrecht auf vorzugsweise Befriedigung hat. Im allgemeinen wird das Prinzip verfolgt, daß die einzelnen Händler Ware von den Importgesellschaften erhalten, die sie früher bedienten. Doch haben die drei Gesellschaften zur Vereinheitlichung der Versorgung der Lagerungen, Trans⸗ porte usw. eine Art Verteilungsabkommen getroffen, nach dem manche Plätze ausschließlich von der einen, manche Plätze wieder von einer anderen Gesellschaft versorgt werden. Am ungünstigsten scheinen solche Händler abzuschneiden, die vor dem Kriege nicht von einer der großen Importgesellschaften Petroleum bezogen haben, sondern hauptfächlich von kleineren Importfirmen versorgt worden sind. Da ihre früheren Lieferanten gegenwärtig nur geringe Mengen importieren können, werden diese Händler in der Versorgung gegenüber jenen benachteiligt sein, die mit einer der großen Gesell⸗ schaften gearbeitet haben. Allerdings soll es sich dabei nur um wenige Firmen handeln, da vor dem Kriege der weitaus größte Teil des Importhandels durch die großen Gesell⸗ schaften besorgt worden ist. Händler, die früher von Grossisten bezogen haben, dürften indirekt beteiligt werden, da die Grossifsten ihr Petroleum im allgemeinen von den großen Importgesellschaften bezogen und infolgedessen in dem Ver⸗ teilungsplam eine entsprechende Berücksichtigung gefunden haben. Händler, die erst nach dem Kriegsausbruch das Petroleumgeschäft aufgenommen haben, sind nicht an den Bezügen beteiligt.“ Kriegsanleihe⸗Zwischenscheine. Bei der zweiten Kriegsanleihe war die Ausgabe von Zwischenscheinen nicht vorgesehen. Dabei hat sich die Verabfolgung der Schuldverschreibungen angesichts der über⸗ aus großen Zahl(6 667 476 Stücke) trotz Anwendung aller zu Ge⸗ bote stehenden technischen Mittel nicht mit der erwünschten Beschleu⸗ nigung durchführen lassen und wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Es ist daher eine gewisse Beunruhigung entstanden. Um solchen Schwierigkeiten bei der dritten Kriegsanleihe vorzubeugen. sollen bei dieser für Beträge von 1000 Mark ab Zwischenscheine auf Antrag abgegeben werden. Im übrigen wird für schnelle Herstellung der Schuldverschreibungen, sowie nur irgend möglich, Sorge ge⸗ tragen werden. Hierbei sollen die kleinen Wertabschnitte in erster Linie Berücksichtigung finden. Es bedarf kaum der Hervorhebung, daß eine Verzögerung der Aushändigung der Schuldverschreihun⸗ gen auf die Sicherheit und Rechtzeitigkeit des Zinsenbezuges keinen Einfluß hat. Dies gilt auch von den Eintragungen in das Reichs⸗ schuldbuch, falls dem Zeichner wegen der großen Zahl der Anträge (annähernd 300 000) die Bescheinigung über die Eintragung noch nicht zugegangen sein sollte. Was sind Stückzinsen? Nach der Bekanntmachung über die dritte Kriegsanleihe beginnt der Zinsenlauf dieser Auleihe erst am 1. April 1916. Der Erwerber erhält also erstmals am 1. Ok⸗ tober 1916 Zinsen, und zwar für die Zeit vom 1. April bis 1. Ok⸗ tober des genannten Jahres. Der Grund liegt darin, daß die Stücke der Anleihe unbedingt vor dem ersten Zinstermin fertig⸗ gestellt und ausgehändigt sein müssen, weil nur gegen Abgabe eines Zinsscheines den Stlickebesitzern die Zinsen gezahlt werden können. Ebenso miüssen die Eintragungen in das Schuldbuch sertiggestellt sein, ehe eine Zinszahlung an die Schuldbuchgläubiger geschehen kann. Nun würden aber Reichsdruckerei und Reichsschuldenver⸗ waltung nicht imstande sein, die Stücke der Kriegsanleihe bis zum März n. J. sämtlich zu liefern und die Eintragungen in Reichsschuldbuch bis dahin sertigzustellen, zumal es bis jetzt nicht möglich ist, diese Arbeiten für die zweite Kriegsanleihe ganz iu be⸗ enden. Es war deshalb nichts anderes möalich. als der J. Ottuber fleisch kaum noch zu bezahlen ist. das lichen nächsten Jahres zum ersten Zinstermin zu wählen. Selbstver⸗ ständlich erwartet das Reich von den Zeichnern aber nicht, daß sie ihm ihr Geld bis zum 1. April u. J. zinslos lassen, vielmehr darf der Zeichner von feder Zahlung 5 Proz. bis zum 31. März n. J. gleich bei der Zahlung abziehen. Diese gleich bei der Zahlung zu verrechnenden Zinsen für die Zeit zwischen dem Zahlungstage und dem Beginn des Zinsenlaufs des ersten Zinsscheines sind die in der Bekanntmachung(siehe Ziffer 8) erwähnten Stückzinken. Die ersten Zahlungen auf die Anleihe können am 30. September ge⸗ leistet werden. Von da bis zum Beginn des Zinsenlaufs ist es ge— rade ein halbes Jahr, und so betragen die Stückzinsen, die an die⸗ sem Tage von den Zahlungen abzurechnen sind, genau die Hälfte eines Jahreszinses oder Mk. 2,50 für je Mk. 100,.—. Wer also am 30. September die Zahlung auf Mk. 100,— Kriegsanleihe leistet, braucht tatsächlich nicht den Emisstonspreis von Mk. 99, sondern nur Mk. 90,50 zu bezahlen. Damit hat er dann aber seine Zinsen für die Zeit bis zum 31. März 1916 vorausempfangen und erhält nun erstmals wieder Zinsen am 1. Oktober 1916, und zwar für die Zeit vom 1. April bis 30. September des genannten Jahres. Vom 18. Oktober, an welchem die erste Rate bezahlt werden muß, bis zum 31. März sind es 162 Tage. Die Stückzinsen für diese Zeit betragen 2,25 Proz.: von den am 18. Oktober geleisteten Zahl⸗ ungen gehen also ab Mk. 2,25, und die tatsächliche Zahlung beträgt nur Mk. 90,75 für je Mk. 100 Nennwert. Dieser Betrag ist denn auch für sämtliche Zahlungen an die Post maßgebend, weil diese laut Ausschreibung zum 18. Oktober geleistet werden müssen. Für jede 18 Tage, um die sich die Einzahlung weiter verschiebt, er⸗ mäßigt sich der Stückzinsenbetrag um 0,25 Proz.; für den zweiten Einzahlungstermin, den 24. November, beträgt er Mk. 1.75, die tatsächlich zu leistende Zahlung also Mk. 97,25 für je Mk. 100,— Nennwert. Bei den Schuldbuchzeichnungen gehen an den nach Vorstehendem zu zahlenden Beträgen jeweils noch 20 Pfennig ab. — Parteigeuossen im Kriege. Wie schon öfters erwähnt wurde, sind unsere Partei⸗Organssationen durch den Krieg stark in Mit⸗ leidenschaft gezogen worden und ebenso, vielleicht noch stärker, die Gewerkschaften. In manchen Wahlvereinen des Gießener Kreises sind nur noch ganz wenige Mitglieder vorhanden, faft alle find ein⸗ gezogen worden.— Wie sehr die Organisationen durch die Ein⸗ berufungen geschwächt werden, zeigt ein Bericht über eine Aufnahme in der Hamburger Partei vom 30. Juni dieses Jahres. Bis zu diesem Tage waren in den drei Hamburger Wahlvereinen nicht weniger als 21127 Mitglieder zum Militär eingezogen; 45184 männliche Mitglieder waren in den genannten Vereinen am 31. März 1914 vorhanden. Gefallen find von den organisiertem Ge⸗ nossen der drei Hamburger Wahlkreise 746 Mann, davon 433 ver⸗ heiratet und 313 ledig. — Wie die Lebensmittel verteuert werden. Der Frkft. Ztg. wird geschrieben: Ein lehrreiches Beispiel für das Zustandekommen hoher Gemüsepreife gibt C. Weigelt(Erfurt) in den Marktberichten des Deutschen Pomologenvereins in Eisenach: Die Erfurter Blumenkohlzüchter haben in der Woche vom 29. bis zum 28. August für ausgesucht schönen Erfurter Blumenkohl 6 Mark fiir 60 Stück, also für einen Kopf 10 Pfennig, nach Abzug ihrer Un⸗ kosten für Fracht und Anfuhr nach Berliner Markthallen erhalten. Wenn man hierauf 33% Prozent aufschlägt— und das ist sehr viel, denn es wird von Erfurt nach Berlin nur waggonweise geliefert— dann kostet dem Händler in Berlin der Kopf Blumenkohl rund 15 Pfennige. Nach dem Berliner Marktbericht vom 26. August kosteten in Berlin 100 Stück Erfurter Blumenkohl 20 bis 35 Mark. Das ift durchschnittlich 27% Pfennige für den Kopf. Der Züchter bekommt 10 Pfennfge, der Händler verdient 12½ Pfennige am Kopf. Im Kleinhandel kostet der Kopf Blumenkohl in Berlin 50 und 60 Pfennige.— Bei uns in Gießen kosten schäne, große Blumenkohl⸗ köpfe ebensopfel. Sie passieren, ehe sie an den Konsumenten ge⸗ langen, auch mehrere Hände und in jeder werden sie teuerer. FF ichnet die dritte Kriegsauleihe! Zeichnet die dritte Kriegsauleihe! — Obstversteigerungen finden statt: Gemeinde Alten buseck, Montag, 13. September, von 8½ Uhr an beginnend, Anfang ist an der Kreisstraße Wieseck.— Gemeinde Beuren, Dienstag, 14. September, von vormittags 9 Uhr an, Anfang an der Kreis— straße nach Großen-Buseck. — Obst⸗ und Gemüsemarkt. Jufolge der starken Aufuhr mit Obst usw. auf dem Wochenmarkt, Brandplatz, werden vom Sams⸗ tag, dem 11. September an, die mit Obst und Gemüse beladenen Wagen wieder auf Os waldsgarten aufgestellt. — Der Verkauf von Frühäpfeln, der gestern von der Stadt im Hose der Bürgermeisteref vorgenommen wurde, hatte zahlreiche Käufer angezogen, obwohl der Preis von 10 Pfg. für das Pfund keineswegs als billig bezeichnet werden kann. Die Zündhölzer. Der Bundesrat hat das Kontingent der Zündwarenfabriken für das Betriebsjahr 1915/16 herabgesetzt, und zwar, wie wir hören, auf 50 Prozent. Vor einer Reihe von Mo⸗ naten hatte der Bundesrat die Herftellung einer größeren Menge von Zündhölzern angeordnet, da sich ein Mangel an diesen infolge vermehrten Verbrauchs während des Krieges bemerkbar gemacht hatte. Dieser Mangel ist nun behoben, und demzufolge mußte das Kontingent flir die einzelnen Fabriken herabgesetzt werden, da nach gesetzlicher Bestimmungen Zündhölzer über den Bedarf hinaus nicht hergestellt werden dürfen. Eine Verteuerung der Zünd⸗ hölzer wird infolge der neuen Kontingentfestfetzung nicht eintreten, freilich auch keine Verbilligung. Kreis Friedberg⸗Büdingen. Vilbel, 7. Sept. Hessens ältester Lehrer, N Walther in Rendel, feiert am nächsten Donnerstag seinen 90. Ge⸗ burtstag. Der Greis ist zugleich auch der älteste Einwohner der Gemeinde. Kreis Alsfeld⸗Lauterbach. — Gute Verdienste der Landwirte. Aus Meiches im Kreise Schotten wird der Alsfelder Oberh. Ztg. berichtet: Recht nette Sümmchen lösen jetzt die Landwirte von ihren fetten Schweinen. Ein hiesiger Landwirt verkaufte dieser Tage eines seiner Borsten⸗ tiere im Gewichte von noch nicht ganz 2 Zentnern, welches ihm den schönen Betrag von 250 Mark brachte. Dabei sind die Schweine⸗ preise noch fortwährend im Steigen; die Schweinehändler zahlen jetzt schon 1.40 Mk. für das Pfund Lebendgewicht.— Kein Wunder, daß in der Stadt(und auch auf dem Lande) das Schweine⸗ In dieser Kriegszeit haben die Landwirte in der Tat gute Zeiten. Kommunales. — Eine Stadtvertretung. Das Kölner Stadtverordneten⸗ kollegium hat die diesjährigen Ergänzungswahlen auf Anfang No⸗ vember festgesetzt. Ob es zu einem Wahlkampf kommen wird, steht noch dahin. Wahrscheinlich werden das Zentrum und die Libe⸗ ralen— Sozialdemokraten gibt es im Kölner Rathause nicht— die Mandate burgfriedlich unter sich verteilen. Es sitzen im Kölner Rathause: Dreißig Großkaufleute, Finanzkapitalisten und Indu⸗ strielle, sieben Rentnex, zwei Handwerker, sechs Rechtsanwälte und Notare, drei Gumnastalprofessoren, zwei Aerzte, ein Gutsbesitzer, ein Wirt, ein Chemiker, zwei Privatangestellte, zwei Arbeiter, Mindestens 14 der Stadtverordneten sind Millionäre, meist vielfache Millionäre, fünf sind Kommerzienräte oder Geheime Kommerzienräte. Von den ganzen sechzig Stadtverordneten sind mur zwei selbst Wähler der dritten Klasse, in die sieben Achtel der Kölner Bürger zusammengedrängt sind. Da der eine der christ⸗ Arbeitervertreter schon seit vielen Monaten in französischer Gefangenschaft ist, sind hunderttausend Kölner Arbeiter im Rat⸗ harte zurzeit durch einen Stadtverordneten vertreten. U 8 5 e Telegramme. Der österreichisch⸗ungarische Tages bericht Rufsischer Rückzug hinter den Ikwa. 20 Offiziere 4000 Mann gefangen. Schwere italienische Verluste. Wien, 8. Sept.(W. B.) Amtlich wird verlautbart: 8. Sep; tember 1915. Nuffischer Kriegsschauplagßz. Im Wolhynischen Jestungsgebiet blieb gestern dig Lage unverändert. Einige rufsische Gegenangrisse brachen 2 unserem Feuer zusammen. Weiter südlich haben unsere Siege be Podkamien und Nadziwilow den Feind in einer Frontausdehnung von 90 Kilometern zum Nückzug hinter den Ikwa ge⸗ zwungen. Unsere Truppen verfolgen. Am Sereth kam es zu er⸗ bitterten Kämpfen. Der Gegner brach mit überlegenen Kräften aus seinen bei Tarnopol und Strusow eingerichteten brückenkopf⸗ artigen Verschanzungen hervor. Die bei Tarnoyol vordringen⸗ den Ruffen wurden durch einen Gegenangriff deutscher Truppen zurückgeworfen. Im Raume westlich und sü westlich von Trembowla ist der Kampf noch im Gange. Nächst Serethmündung erstürmten die unter Befehl der Generale Benigni und Fürst Schönburg stehenden k. u. k. Truppen die feindliche Stel⸗ lung nordwestlich von Szu parka, wobei 20 russische Offiziere und 4000 Mann gefangen genommen und sieben Maschinen⸗ gewehre erbeutet wurden. Bei den österreichisch⸗ungarischen Streitkräften an der Jassolda nichts Neues. Ftalienischer Kriegsschauplaß. Zm Naume des Kreuzbergsattels trat nach der vorgestrigen Niederlage der Italiener Ruhe ein. Ihre Verluste waren größer als anfänglich angenommen wurde. Denn beim Aufräaumen des Gefechts feldes zählten unsere Truppen allein vor der Pannspitze, der Eima Frufnoni und dem Eisenreichkamm über 400 Fein⸗ des leichen. Die Lage auf dem italienischen Kriegs schauplatz ist durchaus unverändert. Im Abschnitt von Doberdo wiesen unsere Truppen heute früh einen feindlichen Vorstoß gegen den vor⸗ springenden Teil der Karsthochfläche zurück. Italienische In⸗ fanterie, die sich östlich Vermegliano vorarbeiten wollte, wurde mit Handgranaten verjagt. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnant. 8 4 Italienische Mißerfolge. Wo immer die Italiener bisher einen Frontstoß, au welcher Grenzfront auch immer, machten, sie können noch so stark vorbereitete Einbrüche versucht haben, erlitten sie schwere Niederlagen und große Verluste. Zu ihren wiederholten Mißerfolgen im Küstenlande tritt nun das vollständige Scheitern ihrer Aktion an der Tiroler Grenze im Raume des Krenzbergsattels. Vor unferen dortigen Bergstellungen häufen sich die Leichen der gefallenen italienischen Soldaten. Angesichts dieses traurigen Ergebuffes haben die Italiener den weiteren Angriff eingestellt, und nach den heftigen Stürmen im Gebiete des Kreuzberges herrscht dort Ruhe. Belanglose Angriffe auf den nach Westen vorfpringenden Teil des Karstplateaus von Doberdo wurden leicht abgewiesen. Nikolai Nikolajewitsch abgesägt! Die Petersburger Telegraphenagentur gibt bekannt: Der Zar hat dem Großfürsten Nikolai Nikolaje witsch folgenden Er la ß zukommen lassen: „Zu Anfang des Krieges verhinderten mich Gründe höherer Art, dem Wunsche meines Herzens zu folgen und mich jelbft an die Spitze des Heeres zu stellen. Darum geschah es. daß ich Ihnen das Ober kom mam do über alle Streit⸗ krüfte zu Lande und zur See übertrug. Die Augen von ganz Rußland waren auf Sie gerichtet. Eure Hoheit hat im Laufe des Krieges den Beweis einer unerschütterlichen Tapferkeit gegeben, die ein tiefes Vertrauen hervorrief und die alle Russen mit ihren frommen Wünschen Ihnen durch alle die unvermeidlichen Wechselfällle des Krieges folgen ließ. Die Aufgabe, die Gott mir anwertraut hat, legt mir heute, wo der Feind in das Reich eingedrungen ist, die Pflicht auf, selbst den Oberbefehl zu über⸗ nehmen, um mit meinen Truppen die Entbehrungen des Krieges zu teilen und mit ihnen den ruffischen Boden gegen die Anschläge des Feindes zu beschützen. Die Wege der Vor⸗ sehung sind unergründlich, aber meine Pflicht und mein Wunsch bestärken mich in dieser Aenderung, die aus Staats⸗ gründen notwendig ist. Der Einfall des Feindes aus den Westen macht stets weitere Fortschritte und fordert vor allem eine möglichst kräftige Konzentration a[ler mili⸗ tärischen und zivilen Autorität, sowie ein enges Zufammenschmelzen des Oberbefehles mit der Autorität aller Verwaltungselemente. Dies kann unsere Aufmerksamkeit von der Südfront ablenken. Deshalb sehe ich die Notwendigkeit ein, von Ihrer Hilfe auf der Südfront Gebrauch zu machen, und ich ernenne Sie zum Unterkönig des Kaukafus und Oberbefehlshaber des Kaukasusheeres. Ich bezeige Euer Hoheit meinen tiefsten Dank und den Dank des Vaterlandes für die Anstrengungen, die Sie in diesen Kriege auf sich genommen haben.“ ö * Ein vom Zaren unterzeichneter Armeebefehl vom 15. d. M., ist an der Front bekannt gemacht worden. Er bezieht sich darauf, daß der Zar den Oberbefehl über alle Streikräfte zu Wasser und zu Lande, die an dem Kriege teilnehmen, selbst übernimmt und lautet: „Mit dem festen Vertrauen auf Gottes Hilfe und mit dem umerschiitterlichen Glauben in den endgült igen Sieg werden wir unsere heilige Pflicht zur Verteidigung des Vaterlandes bis zum Aeußersten erfüllen. Wir werden keine Schande über Rußland bringen. Gegeben im Hauptquartier. gez. Nikolaus.“ 8 Der Großfürst Oberbefehlshaber hat folgenden Tages⸗ befehl an die Truppen gerichtet: „Tapferes Heer und Flotte! Heute hat unser erhabener oberster Chef, Seine Mafestät der Kaiser sich selbst an die Spitze der Armee gestellt. Ich ehre Euch wegen des Heldeumutes, dem, Ihr länger als ein Jahr gezeigt habt, und bezeuge Euch meinen herzlichsten und wärmsten Dank. Ich glaube fest, daß nun, wo der Zar selbst, dem Ihr Euren Eid geschworen habt, Euch führt, Ihr neue, niemals zuvor gesehene Waffentaten verrichten werdet. Ich glaube, daß Gott von heute an Euch feine allmächtige aus⸗ schließliche Hilfe verleihen und Euch zum Siege führen wird., gez. Nikolaus, Generaladjutant.“ Zur Kriegslage im Osten und Westen. Der militärische Mitarbeiter der Frankft. Ztg. würdigt die neue Situation wie folgt: Der Zar hat das Oenommando über die rufff ⸗ schen Armeen übernommen. Ein Depeschenwechsel mit Poin— dar é sorgt für die Verbreitung dieser Tatsache in Europa. So bedeutsam dieser Schritt ist und so schwer er dem Zaren geworden sein mag, bedeutet er, rein militärisch gesprochen, insofern nichts, als der Zar lediglich seinen Namen für das hergibt, was andere tun werden. Es ist kaum anzunehmen, daß der Zar in seinem Leben viel Gelegenheit hatte, die Führung von modernen Millionenheeren zu erlernen. Da ihm ber die Geschichte auf jeden Fall irgend welche napoleonischen egabungen absprechen muß, so wäre es geradezu erfreulich, wenn er sich tatsächlich zu einem Waffengange mit unserem Altmeister Hindenburg herbeilassen wollte. Da davon, wie gesagt, leider keine Rede sein kann, so können wir nur zweierlei als Grund dieser Erscheinung uns vorstellen: Viel⸗ leicht ist das Ganze ein Ergebnis einer innerpoliti⸗ schen Krise. Nilolai Nikolajewitsch mag selbst an der Spitze des geschlagenen Heeres für Rußland zu stark geworden sein, und„Väterchen“ will die Bafonette lieber selbst kommandieren, damit sie nicht am Ende gegen ihn komman— diert werden. Oder verlangt der seelische Zustand des rus— sischen Heeres die Verwendung der letzten moralischen Mittel, die zweifellos im persönlichen Kommando des obersten Kriegs herrn zu suchen sind? Es sind das aber auch gleichzeitig die letzten Mittel des Zarentums überhaupt, die letzten persönlichen Reserven, die letzten Karten im großen strategischen Spiele. Für Rußland ist der Schritt des Zaren von ent⸗ scheidender Bedeutung, für uns, die wir nur seine materiellen Wirkungen zu verspüren haben werden, ziemlich bedeu- tungslos, es sei denn, daß dieses Ereignis auch für Ir ankreich⸗England das Signal zu der oft gedroh— ten, oft besprochenen und immer wieder zurückgestellten Offensive sein würde. Aber auch darauf sind wir vor— 9 85 Je mehr die Franzosen und Engländer sich an un⸗ eren befestigten Linien ermatten und erschöpfen, desto leichter nden wir es später haben. Nichts wäre törichter als irgend— welche Beunruhigung in dieser Richtung. Uusere Stellungen in Frankreich sind in Erwartung der französischen Offensive geschaffen und für eine solche berechnet. a Um noch einmal auf Rußland zurückzukommen, so er⸗ kennen wir dort eine deutliche Dreiteilung unseres Kriegsschauplatzes. Der Nordteil, der sich fast ganz mit dem Operationsgebiete der Heeresgruppe Hindenburg deckt, scheint von den Russen ernstlich gehalten werden zu wollen. Es sind wohl auch, wie wir schon früher vermuteten, siarke Kräfte der miktleren russischen Gruppe in die Gegend Wilna— Dünaburg abtransportiert worden. Die russische Gruppe vom Njemen östlich Grodno bis in die Ge— gend westlich Pinsk weicht mit ihrem Zentrum vor dem An— griff der Armee Prinz Leopold und nach der Weg⸗ nahme von Wolkowysk im allgemeinen in Richtung auf die Schara zurück, während ihr linker Flügel dem Drucke Mackensens einen vergeblichen, wenn auch heftigen Wider— stand entgegensetzt. Die südliche russische Gruppe ist durch mittlere das energische Vorgehen Puhallos in ihrer rechten Flanke stark bedroht. Ihr verzweifeltes Aushalten in den östlichsten Gebieten von Galizien und ihre heftigen Gegenangriffe finden wohl immer noch ihre natürlichste Erklärung in dem Wunsche, nahe an Rumänien unbesiegt zu sein. 2 Feindliche Offensive im Westen? Die französische Regierung läßt seit einer Woche eine be⸗ merkenswerte Diskretion erkennen. Sie hat zunächst ver⸗ hindert, daß die von dem nationalistischen Abgeordneten Barreès geleitete Patriotenliga den Jahrestag der Marne⸗ schlacht zu lauten chauvinistischen Festlichkeiten benutzte. Den Behörden wurde es streng verboten, Feierlichkeiten er⸗ lauben, die über den Rahmen einer Erinnerungszeremonie zu für die an der Marne gefallenen französischen Soldaten hin⸗ ausgehen würden, und die Zensur hat darüber wachen müssen, daß die Zeitungen sich auf Erinnerungsartikel beschränkten und keine Fanfaxenaden veröffentlichten, die den Anschein hätten erwecken können, als ob die öffentliche Meinung eine beschleunigte Wiederaufnahme der großen Offensive verlange. Die französischen Zeitungen haben auch von dem Besu ch, den General Joffre dem italienischen Haupkt⸗ quartier abgestattet hat, erst am Dienstag reden dürfen, nachdem die italienischen Zeitungen bereits das Ereignis bekanntgegeben hatten, sodaß eine Verheimlichung überhaupt nicht mehr möglich war. Die Pariser Zeitungen beschränken sich auch jetzt noch auf die Wiedergabe der italieni⸗ schen Aeußerungen über die Bedeutung dieser Zu⸗ sammenkunft der Heerführer der beiden Armeen. Diese Dis⸗ kretion steht so sehr im Widerspruch zu der bisherigen auf⸗ dringlichen Stimmungsmache der französischen Regierung und ihrer Presse, daß sie die Vermutung nahelegt, als ob wirk⸗ lich in der Stille die Vorbereitung zu einer besonderen militärischen Aktion im Gange sie i. Italien bleibt bei seiuer jetzigen za Gegenüber den Gerüchten, Italien wolle Streitkräfte nach Hard oder nach Frankreich senden, wo jetzt eine neue deuts Offensive erwartet wird. da angeblich, dorthin verschoben worden seien, ver dent der Stampa, Italien beschränke 0 8 österreichischen Kriegsschauplatz. Der Besuch Joffre⸗ Herstellung der Harmonie in d zweckt, weiter nichts. Deutsche Luftschisfe über England. London, 8. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Das Pressebureau meldet, daß in der vergangenen Nacht feindliche Luftfahrzeuge den ö st⸗ lichen Grafschaften einen Besuch abstatteten und Brände und persönliche Unfälle verursachten. Der Ozean als Pfand der Alliierten. London, 8. Sept. habe nur die Friedens bedingungen, die Deutschland stellen könne und entwickelt dabei die interessante Theorie, daß wenn Deutschland territoriale P fänder in Hän⸗ den habe, die Allijerten ein ungleich wertvolleres terri⸗ toriales Pfand besitzen, nämlich den Ozean, den Deutsch⸗ land nur unter ausdrücklicher Zustimmung der gegenwärtigen Inhaber zur Handelsschiffahrt benützen dürfe. 1 Vereinskalender. Sonntag, 12. September. Watzenborn⸗Steinberg. Wahlverein. Nachmittags 55 Uhr Versammlung bei Wirt Schmandt„Zum grünen Baum. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen. 8 Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M Verstorbene. Frau Margar. Boller Witwe, geb. Köhler, in Gießen.— Frau Johanna Hoppe geb. Schwarz, in Gießen, 65 Jahre alt.— Hans Becker in Gießen, 18 Jahre alt.— Ludwig Wagner in Lollar, 64 Jahre alt. N Kauf., Alteisen, Lumpen, Kuochen, Papier, Kupfer, Messing, Zink, Zinn, Blei, bei Louis Rothenberger Neuenweg 22. An 5 2 Hautfkranke Flechten, Ausschlag, Jucken, Krätze, offene und geschwollene Beine, Hämorrhoiden, Magenbeschwerden teile ich schriftl. oder mündl. mit, wie sich jeder davon befreit. Fran John, Herford 115, Steinstr.1 Beste Kriegskarte! * 4 Hauptkarten, 16 Spezialkarten, 1 Kriegschronik. Preis nur 50 Pfg. Aus Anlaß der Auflegung der dritten Kriegs⸗Anleihe findet Dienstag, den 14. September d. Is., abends 3˙½ Uhr in der neuen Aula(Eingang von der Ludwig⸗ oder Goethestr.) eine 1. Vortrag des Herrn Professor Dr. Skalweit: „Warum zeichnen wir die Kriegs⸗Anleihe?“ 2. Schlußwort: Herr Oberbürgermeister Keller. Müttern deutsche Truppen vom Osten chert der römische Korrespon⸗ sich auch künftig auf den en Plänen der Oberkommandos be⸗ (W. T. B. Nichtamtlich.) Der franzö⸗ sische militärische Mitarbeiter der Morning Post erörtert die eneleitn audt, d. un. N. Aerossiz 15 a6 Ne chen . fager 2