N Vor der Entlck er der Koalitionsregierung. 0 Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Die Oberbessische Volkszeitung erscheint jeden Werktag Abend in Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich 60 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl.1. 80 Mk. Redaktion und Expedition Gießen, Bahnhofstraße 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Inserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 209 Gießen, Dienstag, den 7. September 1915 10. Jahrgang Der britische Gewerkschaftskongreß. Am 6. September wird in Bristol der 47. Jahreskongreß der Sritischen Gewerkschaften eröffnet. Von den drei Millionen rganisierten Arbeitern werden etwa 2,75 Millionen vertreten sein. Die Zahl der Delegierten dürfte sich auf 550 belaufen. Der Gewerkschaftskongreß Großbritanniens darf mit dem Deutschlands nicht verglichen werden. Jener hat mit eigentlichen Gewerkschaftsfragen weniger zu tun als mit sozialpolitischen und garlamentarischen Fragen. Er ist tatsächlich eine Einrichtung zum Zwecke des Zusammenbringens der verschiedenen und miteinander gar nicht verbundenen Gewerkschaften, um eine Aussprache über allgemeine Arbeiterfragen, die im Laufe des Jahres aufgetaucht find, zu ermöglichen. 8 Das methodische Denken und Wirken ist in Großbritannien nicht besonders beliebt. Das zeigt sich auch auf dem britischen Ge— dbverkschaftskongreß, wo die verschiedenartigsten Fragen zur Sprache gelangen: weltpolitische, parlamentarische, gewerkschaftliche, wirt— schaftliche und allgemein kulturelle. Das Organ des Gewerk— schaftskongresses ist das„Parlamentarische Komitee“, das jährlich dom Kongreß gewählt wird, aus 12 Mitgliedern besteht, und das die Aufgabe hat, die auf dem Kongreß gefaßten Beschlüsse vor das Parlament zu bringen.— eine Aufgabe, die doch der Arbeiter- fraktion zufallen müßte. Richtig aufgefaßt, müßte der britische Zewerkschaftsbund die gewerkschaftlichen Fragen übernehmen und die Arbeiterpartei die politischen, wodurch der ganze Gewerkschafts⸗ ongreß mit seinem Parlamentarischen Komitee wegfallen würde. Wie die Lage jetzt ist, zahlen dieselben Organisationen die Kosten ber Gewerkschaftskongresse, der Gewerkschaftskonferenzen und der Arbeiterparteikonferenzen, und sie senden einige Male jährlich die leichlautenden Resolutionen an die verschiedenen Kongresse und konferenzen ein. Die Verschwendung an Zeit und Geld ist offen— ar sehr erheblich, um so mehr, als die verschiedenen Zentral- örperschaften besondere Lokalitäten und Verwaltungsapparate saben. Aber, wie gesagt, System und Methode lernt der Eng⸗ änder erst, wenn ihm das Feuer der Ereignisse an den Nägeln trennt. Die britischen Gewerkschafsten werden nicht ohne ein gewisses Nachtbewußtsein ihren diesjährigen Kongreß eröffnen. Drei ihrer Führer: Henderson. Roberts und Brace, sind Mitglie⸗ Viele ihrer Mitglieder wirken in en verschiedenen Munitionsausschüssen, andere wieder sind als jatriotische Redner an der Front und auf den Werbeversamm⸗ Ungen tätig. Zwei von ihnen: John Ward und A. Smith, laben es zu hohem Offiziersrang gebracht: jener zum Oberstleut⸗ innt, dieser zum Kapitän. Es ist kein Zweifel, daß die Kriegs- SEsolution, die das Parlamentarische Komitee einbrachte und deren Hortlaut wir neulich mitteilten, mit großer Mehrheit angenommen verden wird, obwohl sie sich herausnimmt, über internationale Forgänge zu urteilen, von denen das Parlamentarische Komitee kine Ahnung hat. Es gibt jedoch allem Anscheine nach eine Min⸗ erheit, die die Beziehungen der britischen Gewerkschaftswelt zur gutschen noch nicht vergessen hat und wahrscheinlich versuchen wird, (ne internationale Note anzuschlagen. Diese Minderheit wird Ger schon seit Wochen gewarnt,„sich nicht in ben Dienst Deutsch⸗ lands zu stellen“. Der Londoner Independent vom 28. August er⸗ lärt:„Es wurde neulich von den Gefahren gesprochen, die ent⸗ ehen können, wenn im gegenwärtigen Moment Friedensvor⸗ Hläge gemacht werden: besonders aber wurde an dieser Stelle von er Gefahr gesprochen, wenn derartige Friedens vorschläge auf dem LCewerkschaftskongresse in Bristol gemacht werden, denn die Welt zürde dann glauben, daß die hieraus entspringenden Debatten von er britischen Gewerkschaftsbewegung geteilt würden. Die wenigen bewerkschafter, die über Frieden diskutieren möchten, werden nichtig, da sie im Auslande einen falschen Eindruck über die zwiegsentschlossenheit der britischen Gewerkschaftswelt hervorrufen Ennen.“ Um diese Minderheit von vornherein mundtot zu machen, klärt der Independent, sie sei wohl von aufrichtigen Ueberzeu⸗ gungen geleitet, aber„ist denn jemand so albern, um anzunehmen, bduß unter der deutschen Bevölkerung dieser Inseln es leine reichen ute gibt, deren Sympathien ihrem Vaterlande gehören? Und nas sollen diese Leute tun, um ihrem Lande zu helfen? Ich gaube, der beste und nützlichste Weg für sie ist, diesenigen Organi⸗ tionen finanziell zu unterstützen, die deutschfreundlich sind.“ Also: de englischen Gewerkschaften und Arbeiterorganisationen, die dem sieg ein Ende bereiten möchten, bestreiten ihre Agitation mit dutschem Gelde! So lehrt der Independent(der Nachfolger des Zaily Eitizen), an dem die meisten Gewerkschaftsführer regel- näßig mitarbeiten. 1 8* 37 ö Andererseits ist ez sicher, daß der Gewerkschaftskongreß sich eutschieden gegen die Einführung der allgemeinen Wehr⸗ f licht aussprechen wird. Sämtliche bekannten Arbeiterführer, me Brownlie(Mechaniker), Hodge(Stahlschmelzer und Führer d Arbeiterfraktion), Twist(Bergleute), Cameron(Schreiner). furchase(Landarbeiter), Turner(Textil), Morrison(Sattler), Lhyeesman(pPostangestellte), Mosses(Modellmacher) haben sich igen die Militärpflicht ausgesprochen. Ebenso hat das Verwal⸗ uüngskomitee des Gewerkschaftsbundes am 25. August eine Reso⸗ lition angenommen, die die ganze Agitation für die allgemeine HLehrpflicht scharf verurteilt. 8 8 Igm übrigen werden die altbekannten Resolutionen folgen, wie ier Verstaatlichung der Eisenbahnen, Achtstundentag, Wahl⸗ orm, Ausbau der Fabrikgesetzgebung, Reform des Schulwesens, Frauenwahlrecht usw. i Wenn der Kongreß dann noch Zeit für eigentliche Gewerk⸗ baftsfragen hat, so werden die Syndikalisten eine Debatte hrvorrusen über die Aenderung der gewerkschaftlichen Organi⸗ ctlonsformen und über die Stärkung des Einflusses der Staats- und Gemeindearbeiter auf die Verwaltung. Diese beiden Fragen Ischäftigen gegenwärtig die Denker des englischen Syndikalismus. In bezug auf Organisationsform verlangen sie den Uebergang von r Berufsorganssation zur Industrie⸗ und Betriebsorganisation. besonders zur letzteren. Ein großer Teil der Streikwirren im südwalischen Kohlenrevier ist auf diese Forderung zurückzuführen. Die Syndikalisten kämpfen dort für den Einschluß sämtlicher Be— triebsarbeiter, auch der Maschinisten, Heizer usw. in den Ausgleich, um das Fundament zu legen für die Organisation der Arbeiter nach Betrieben, woraus eine Kräftigung des Solidaritätsgefühls er⸗ hofft wird. Die Postangestellten verlangen Einfluß auf die Post⸗ verwaltung, um nach und nach die industrielle Demokratie aufzu⸗ bauen. Die Probleme werden jedoch erst nach dem Kriege stärker hervortreten und zu Kämpfen führen. 8 90 0 2 Der Balkan und der Weltkrieg. Einstellung des bulgarischen Eisenbahnverkehrs nach Griechenland. Konstantinopel, 5. Sept. daß Bulgarien den Eisenbahnverkehr nach den griechi⸗ schen Stationen der Salonik-Eisenbahn einstellte. Gleichzeitig gestattet Bulgarien nicht mehr den Ueber— tritt hellenischer Untertanen auf bulgarisches Gebiet. (Frankf. Ztg.) Mobilisation in Rumänien? Zürich, 5. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die Neue Zürcher Zeitung meldet aus Genf: Die in der Schweiz sich aufhaltenden Rumänen, die der Reserve oder der aktiven Armee angehören, haben den Befehl erhalten, zu ihren Truppenteilen einzurücken. Paris, 5. Sept. Den Blättern wird aus Rom gemeldet: Serbien und Rumänien konzentrieren beträchtliche Streit⸗ kräft elängs der Straße, der die Deutschen folgen müßten, um den Türken Hilfe zu bringen. 150 000 rumänische Soldaten sollen in Turn-Severin konzentriert sein. Sperrung der rumänischen Getreide⸗Ausfuhr. Rumänien hat vor einigen Wochen das Getreide-Ausfuhrverbot aufgehoben, die Ausfuhr aber gleichzeitig dadurch illusorisch ge⸗ macht, daß auf den einzelnen Waggon enorme Aufschläge gelegt wurden. Wie die Times jetzt aus Bukarest erfahren, sind die weni⸗ gen Grenzplätze, über die noch Ausfuhr von Getreide stattfand, seit Donnerstag geschlossen. Die Regierung teilte den Getreideprodu— zenten mit, daß weitere Posten nicht mehr zur Grenze geschickt wer⸗ den dürfen, und beschloß, sechzig Prozent des Erntewertes den Landwirten vorzuschießen, um eine Krisis zu vermeiden. 9 Interessant wäre nun, zu wissen, welcher Staat Rumänien die enormen Geldmittel zur Verfügung gestellt hat, die erforderlich sind, um die gewaltigen Vorräte an Getreide zu beleihen. London, 5. Sept. die rumänische Regierung ihre Grenze für die Ausfuhr von Cerealien vollständig gesperrt hat. Sie hat ebenfalls die Durchfuhr von Gold verboten, wodurch Deutschland ver⸗ hindert wird, Gold nach der Türkei zu schicken. Das türkisch bulgarische Abkommen. In ernsthaften politischen Kreisen Berlins zweifelt man, wie der Frankf. Ztg. telegraphiert wird, jetzt nicht mehr, daß die türkisch⸗bulgarischen Verhandlungen zu einer sachlichen Uebereinstimmung geführt haben und abgeschlossen sind. Auch die formelle Betätigung dieses Abschlusses, die durch mancherlei Zusammenhänge be⸗ dingt ist, wird nicht mehr lange ausbleiben. Russische Großmäuligkeit. Der Redakteur der russenfreundlichen schwedischen Zeitung Dagens Nyheter erzählt in seiner Zeitung seine Eindrücke von Moskau und Petersburg, von wo er eben zurückgekehrt ist. Er hatte Gelegenheit, den Dumapräsidenten Rodsianko zu sprechen. Er zweifle nicht am endgültigen Sieg Rußlands und habe sehr kräftig jede Friedensneigung dementiert.„Aber der Weg zum Sieg wird“, so sagte er,„vielleicht lang und mühsam sein. 9 Der Times wird aus Bukarest gemeldet, daß Wir leiden ja alle an Mangel, alle mit Ausnahme von Deutschland,; dessen Vorbereitungen ohne Makel waren. Vielleicht müssen wir fünfzehn Jahre kämpfen. Vielleicht werden wir Peters⸗ burg und Moskau aufgeben. Aber wenn nötig, werden wir hinter dem Ural kämpfen. Aber kämpfen werden wir, auch wenn Schwe⸗ den uns überfallen würde. Frieden wird es nicht! Das sage ich, der Präsident der Reichsduma. Es gibt kein einziges Mitglied der Duma, das den Frieden wünscht, keinen einzigen Bauern in Ruß⸗ land, der nicht will, daß wir den Krieg auskämpfen. Wix haben ja noch 12 Millionen Soldaten, und wir werden bis zum letzten Blutstropfen kämpfen, und wir werden nicht aufhören, so lange es einen einzigen deutschen Soldaten auf russischem Boden gibt. Wir werben den Krieg fortsetzen, bis wir Konstanti⸗ novel bekommen, keine Handbreit russischen Landes treten wir ab, und Konstantinopel werden wir haben. Das sagt Ihnen der Präsident der Reichsduma. Die russische Mittelklasse tröstet sich sehr leicht wegen des Verlustes von Polen. Jetzt werden wir, heißt es, den Krieg auf alte, gut geprüfte russische Weise beginnen, der Karl XII. und Napoleon be⸗ siegt hat und jetzt Deutschland auf die Knie bringen wird.“ Nach dem Corriere della Sera bespricht der Petersburger Ruß⸗ koje Slowo die Erklärung Sasonows in der Times und fügt hinzu, jede Erwähnung eines Separatfriedens sei eine Beleidigung sür Rußland, das nicht kämpft, um Eroberungen zu machen, sondern, um den Völkern die Freiheit zu bringen. 3 jeidung at alkan. Die erbeuteten Vorräte in Nowo⸗Georgiewsk. Die Grazer Tagespresse meldet aus Warschau: Nach den Mel⸗ dungen hiesiger polnischer Blätter wurden in Nowo⸗Georgiewsk riesige Lebensmittelvorräte gefunden, die eine 100 000 Mann starke Festungsbesatzung 1½ Jahre hätte verpflegen können. Noch vor wenigen Wochen wurden 2000 Ochsen in die Festung gebracht. In der Festung wurde auf Befehl des Kommandanten eine große Menge Papiergeld verbrannt. Einigen Personen gelang es, aus dem Aschen⸗ haufen noch ziemlich viel 100-Rubel⸗Scheine herauszuholen. Von der bessarabischen Front. Czernowitz, 4. Sept. Im Zentrum der bessarabischen Front wurde den ganzen Tag gekämpft. Nach guter artilleri⸗ stischer Vorbereitung drangen unsere Truppen vor, zerstörten die gut befestigten, mit zahlreichen Drahtverhauen versehenen russischen Anlagen und besetzten einige erhöhte Stütz⸗ punkte, von wo aus sie die Russen weiter beunruhigen. Die Russen versuchten das Terrain wiederzugewinnen. Be⸗ sonders nachts steigerten sie die Intensität ihrer Angriffe. Die Kämpfe waren heftig, nichtsdestoweniger ist es den Russen nicht gelungen, unseren Truppen die gewonnenen Positionen zu entreißen. Czernowitz, 4. Sept. Die Russen fahren fort, im nördlichen Bessarabien die Gutshöfe und Baueruhäuser zu ver⸗ brennen. Auf rumänischem Gebiet sind genau die Brände zu verfolgen. In sämtlichen rumänischen Ortschaften Bessarabiens haben die Russen alle siebzehn jährigen Burschen aufgefordert, sich dem Militärdienst zu unterziehen. Ein großer Teil diefer Jungen ist schon zu den Wafsen eingerückt. Die Russen verfolgen damit einerseits die Sicherheitsmaßregel, der Wegnahme diefer Burschen durch den Feind bei einer etwaigen Invasion vorzubeugen, andererseits befürchten sie Unruhen von diesen fremd en Elementen, deren sie sich auf diefe Art vergewissern. J Die ergebnislosen Bemühungen der Verbündeten bei Anaporta. ö T. U. Konstantinopel, 5. Sept. Zu den Kämpfen bei Anaporta wird von beteiligter Seite gemeldet: Der Verlauf der bisherigen Kämpfe bei Anapofrta beweist, daß die vor etwa vier Wochen ausgeführte Landung an der Küste bei Anaporta uns nicht im geringsten geschädigt hat und den Verbündeten keine Nutzen brachte. Offenbar ist die Besetzung des Nordabschnittes der Küste nur erfolgt, um eine italienische Landung möglich zu machen, die sonst unausführbar gewesen wäre, weil die Verbündeten an der übrigen Stelle der West⸗ küste nur einen schmalen Streifen besetzt haben. Nun scheinen die Italiener an dem aussichtslosen Unternehmen nicht teil⸗ nehmen zu wollen und die Engländer haben die riesigen Opfer umsonst gebracht. Die Engländer geben selbst zu, daß von den 65 000 Gelandeten bereits 50 000 tot, verwundet, krank und desertiert sind. Ein englisches Eingeständnis. London, 5. Sept.(W. B. Nichtamtlich.] Ashmead Bartlett schreibt in einem langen Bericht, datiert vom 23. August, über die Kämpfe an den Dardanellen: Der ursprüngliche Plan schlug fehl, weil das Korps die ihm gestellte Aufgabe nicht ausführen konnte. Diese Aufgabe bestand darin, den Feind völlig zu überraschen und, da er alsdann unseren Divisionen an dem bedrohten Punkt nur wenige Divisionen entgegenstellen konnnte, plötzlich durchzubrechen. Der Generalstab hatte alles getan, um den Erfolg des Sturmes zu sichern. Der erste Versuch, die Höhen bei Anaforta zu nehmen, brach endgültig am 10. August zusammen, und erst am 21. August war die Armee in der Lage, einen Frontangriff gegen die Türken zu unternehmen. Die Türken hatten diese Pause benutzt, sich ein⸗ zugraben, und jede Hoffnung auf Ueberraschung war damit ge⸗ schwunden. Ein türkischer Sieg im Kaukasus. Konstautinopel, 5. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Wie aus Erzerum gemeldet wird, versuchte der Feind nördlich Araxes einen nächtlichen Ueberfall auf die türkischen Truppen. In einem kräftigen Gegenangriff wurden die Russen zurück⸗ geschlagen, auf ihrer regellosen Flucht mit Bombenwürfen bis zu ihren Verschanzungen verfolgt, wobei sie große Verluste erlitten. 400 Russen, die kürzlich gefangen genommen Wurden, sind in Siwas eingetroffen. * Der Seekrieg. Paris, 5. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Das Journal meldet aus Madrid: Die Besatzung des von einem deutschen U-Boot versenkten spanischen Dampfers„Isidore“ ift in Bilbao eingetroffen. Ministerpräsident Dato erklärte, daß die deutsche Regierung angebe, es fehle ihr an Nachrichten über die Versenkung des Schiffes, sodaß sie den Einspruch der spanischen Regierung noch nicht boantworten könne. Kopenhagen, 4. Sept.(W. T Nichtamtlich.) Der an der finnländischen Küste untergegangene Dampfer„Sven Rinström“ ist, wie gemeldet wird, wahrscheinlich zwischen Wasa und Mentyluofa auf eine Mine gestoßen. Der Dampfer hatte eine Ladung Eisen an Bord, das von Gefle nach Finn⸗ land bestimmt war. Ueber das Schicksal der Besatzung liegen Nachrichten nicht vor. Arbeiterfragen in England. 22 verschiebene Arbeitergewerkschaften in der Graf⸗ schaft London versammelten sich in Woolwich und richteten eine Eingabe an den Munitionsminister, in, der ein Minim al⸗ lohn von 4 Schilling und ein Zuschlag von 10 Prozent für Stück⸗ lohn gefordert wurde. 5 1 Zum erstenmal seit Inkrafttreten des Mun ition 3e setzes wurde eine ernstere Strafe gegen Arbeiter verhängt. Es handelte sich um 26 Schiffsbauarbeiter, die ge streikt hatten, und von denen 17 zu 10 Pfund oder 30 Tagen Gefängnis verurteilt wur— den. Der Fall zeigt übrigens, daß immer noch bei den Axbeitern eine starke Lässigkeit in der Ausübung ihrer Pflichten herrscht. Die 26 Arbeiter waren an dem Bau eines Schiffes beteiligt, und es wurde beobachtet, daß die Arbeiter Zeitung lasen, rauchten und die Zeit vergeudeten. Zwei von ihnen wurden deshalb entlassen, wes⸗ halb die andern die Arbeit niederlegten. Der morgen beginnende Kongreß der Trade Unions in Bristol wird der größte seit seiner Gründung im Jahre 1868 sein. Es werden etwa 600 Vertreter anwesend sein, die über 2 700 000 Ar⸗ beiter vertreten.(S. Leitartikel.) Die Friede sresolution der französischen Gewerkschaften. die von der Mitte August in Paris abgehaltenen Gewerk schaftskonferenz abgelehnt und aus Zensurgründen auch nicht in der französischen Presse abgedruckt werden durfte, fordert die Beschleunigung irgendwelcher Friedensverhandlungen, weil ein großer Teil des arbeitenden französischen Volkes des Krieges überdrüssig geworden sei. Der Belagerungszustand in Frankreich. Nach einer Pariser Meldung wird von morgen ab der Be⸗ lagerungszustand außerhalb der Armeezonen teil⸗ weise aufgehoben, und den Zivilbehörden, Präfekten und Bür⸗ germeistern werden wieder alle Polizeimachtbefugnisse erteilt, die sie zur Friedenszeit gewöhnlich ausübten. Keine Mobilisierung in Spanien Paris, 5. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Das Journal meldet aus Madrid: Die Regierung hat die Nachricht über die Mobil machung von 300000 Mann im Oktober für falsch erklärt. Das Flottenprogramm der Vereinigten Staaten. T. U. Newyork, 5. Sept. Nach einer Mitteilung des Marinesekretärs Daniels wird das Flottenprogramm der Vereinigten Staaten bis Ende 1919 40 Schlachtschiffe um⸗ fassen. Der Minister gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die Regierung für eine genügende Anzahl von Schiffen sorgen werde, um nicht nur die deutsche Flotte zu übertreffen, sondern auch der englischen gleichzukommen. f Die Polenführer in Warschau. Wie über Wien berichtet wird, sind die Führer der galizischen and der russischen Polen gegenwärtig in Warschau zu Beratungen versammelt. Es handelt sich um die Feststellung einer Erklärung, die sich auf die neugeschaffenen politischen Verhältnisse bezieht. Der Reichskanzler und die Polen. „In einem Telgramm an den Reichskanzler hat sich der frühere polnische Reichstagsabgeordnete v. Ku lers ki, der Herausgeber der Gazetta Grudziaska, beschwert, daß gewisse deutsche Kreise den Polen Unannehmlichkeiten bereiten, wenn diese sich öffentlich ihrer Muttersprache bedienen. In den vor dem Kriege den Polen feindlich ge⸗ sinnten Teilen der Bevölkerung sei diese Gesinnung nicht schwächer geworden, sondern noch stärker ausgeprägt. Kulerski unterbreitete in seinem Telegramm dem Reichskanzler den Gedanken, eine Regierungserklärung zu erlassen, die allen Deutschen bekannt gibt, daß jetzt auch die polnische Bevölke- rung gleichberechtigt und die polnische Sprache nicht als eine fremde, sondern als eine Landessprache anzusehen und danach zu behandeln sei. Auf seine Beschwerde hat Kulerski durch den Unterstaats⸗ sekretär Wahnschaffe folgendes Schreiben, datiert Berlin, den 14. August, erhalten:„Im Auftrage des Herrn Reichskanzlers habe ich die Ehre, mit verbindlichstem Danke den Empfang Ihres Telegramms vom 5. August zu be⸗ stätigen. Der Herr Reichskanzler verurte ilt es ganz Diethelm von Buchenberg. Erzählung von Bertold Auerbach. 69 Der Staatsanwalt erwiderte, es sei gut, daß das nie— mand anders gehört als er. Er ließ die Hand der Fränz los und fuhr fort zu berichten, daß der Advokat Rothmann, der Verteidiger Reppenbergers, darauf bestehen werde, Diet— helm auf der Schwurbank zu sehen; lasse er es darauf an— kommen, daß der Gerichtshof darüber entscheide, so mache das großes Aufsehen und rühre Altes, Eingeschlummertes wieder auf, das ohnehin sich schon wieder geregt habe, drum sei es am besten: Diethelm melde sich freiwillig. „Da tu' ich aber nicht,“ sagte Diethelm aufstehend,„ich nehm' meine Fränz mit und reise noch in dieser Stunde nach Buchenberg. Was redet man von mir? Sagt's frei heraus.“ Mit der größten Behutsamkeit erzählte der Staats- anwalt, daß, schon als Diethelm so rasch abgereist war, sich von Böswilligen ein verdächtiges Gerede über ihn kund— gegeben habe, für dessen ersten Urheber er den Steinbauern halte. Als sich nun herausgestellt, daß die Schwiegermutter wirklich gestorben sei, habe alles geschwiegen. Wenn er aber jetzt abreise, gerade bevor man die Tür zu dieser Verhand— lung öffne, werde sich der Verdacht wieder regen, und er sei es sich und seinen Kindern schuldig, gerade zu zeigen, daß er jeder Oeffentlichkeit sich mit freier Stirn bloßstellen könne. Diethelm weigerte sich noch immer und Fränz stellte sich auf seine Seite, indem sie zu ihrem Bräutigam sagte:„Gustao, du bist sonst so lieb und gut und bist ein Herzenkenner, aber du kannst nicht ermessen, wie schwer das Gerichthalten dem Vater ankommt. Du bist es das ganze Jahr gewöhnt.“ „Ja, ihr seid Menschenmetzger und habt kein Mitleid mehr,“ fuhr Diethelm auf. Der Staatsanwalt schluckte den Aerger über diesen Vor⸗ entschtleden, wenn Sie oder andere Burger des Aeiches wegen Gebrauchs ihrer Muttersprache Unannehmlichkeiten ausgesetzt gewesen sind. Nach Ansicht des Herrn Reichs⸗ kanzlers kann man jedoch aus solchen vereinzelten Vorkomm⸗ nissen, welche sicher alle rechtlich denkenden Deutschen be⸗ dauern werden, keine allgemeinen Folgerungen hinsichtlich der Stimmung im Lande oder hinsichtlich der Grundsätze der Behörden ziehen, welch letztere den Polen volle Gerechtig⸗ keit angedeihen lassen.“ Aus der Haft entlassen und wieder in Schutzhaft. Die Genossen Westkamp und Ochel in Düsseldorf, die am Donnerstag wegen Aufreizung usw. zu je 3 Monaten Gefängnis verurteilt und sofort auf freien Fuß gesetzt wurden, befinden sich seit Freitag früh wieder im Gefängnis. Als sie Freitag morgen zum Gefängnisbureau gingen, um ihre zurückgelassenen Sachen zu holen und abzurechnen, wurde ihnen erklärt, daß die vom Generalkommando verhängte militäxische Schutzhaft weiter be⸗ stehe und sie im Gefängnis bleiben müßten, was denn auch geschah. Dabei wurde aber am Donnerstag bei Verkündung des Urteils von dem Strafkammervorsitzenden u. a. ausdrlicklich erklärt, den An⸗ geklagten werden 6 Wochen der Untersuchungshaft auf die Strafe angerechnet, da die Angeklagten nicht in Haft behalten worden wären, wenn damals schon der heute ermittelte Tatbestand fest⸗ stand. Das Gericht beschließt, die Angeklagten sind aus der Haft zu entlassen. Das war am Donnerstag abend ½8 Uhr. Die Russen wollen Halt machen., T. U. Kopenhagen, 6. Sept. Der Londoner Korre- spondent der Berlingske Tidende berichtet von einer Peters⸗ burger Nachricht, die das Ende des russischen Rückzugs an⸗ kündigt. In Petersburger Generalstabskreisen habe man erklärt, daß nach den russischen Plänen jetzt jene Front er⸗ reicht sei, die festgehalten werden solle. Es sei auch festzu⸗ stellen, daß die deutsche Offensive in den letzten Tagen, dank dem ungünstigen Gelände, merklich an Stoßkraft verloren habe. Der russische Landsturm zweiten Aufgebots. Wie die Vossische Zeitung indirekt aus Petersburg vom 5. September erfährt, hat die Reichsduma in geheimer Sitzung dem von der Regierung vorgelegten Gesetzentwurf, betr. die Einbe⸗ rufung des Landsturms zweiten Aufgebots, gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und bei Stimmenthaltung der Arbeiter⸗ partei zugestimmt. Die Vossische Zeitung bemerkt dazu: Für die Batterien fehlen die Geschütze, für die Kavallerie die Pferde. Ka⸗ vallerie und Artillerie kommen auch wegen der Länge der Aus⸗ bildungszeit kaum in Betracht. Es bleibt die Möglichkeit, gegen eine halbe Million Infanterie einzuberufen, was gegenüber den riesigen russischen Verlusten kaum ins Gewicht fällt. Offensive der Verbündeten im Westen? Dem italienischen Fachkritiker Obersten Barone, auch den französischen Schriftstellern gegenüber erklärte Generalissimus Joffre, er sei von dem Plane einer Offensive abge⸗ kommen, denn diese sei kaum durchführbar, ehe nicht die deutschen Pläne im Osten völlig ausgereift und die Absicht der dortigen militärischen Aufgaben zu sehen sei. Wie dagegen aus Paxis gemeldet wird, erwarte man in Frankreich das Wiedereintreffen des eng⸗ lischen Thronfolgers an der britischen Front. Man bringt dessen Ankunft mit Gerüchten in Zusammenhang, wonach das englisch-französische Oberkommando wieder ein⸗ mal einen größeren Vorstoß gegen die deutschen Linien im Schilde führen soll.— Wer hat nun recht? Bulgarien einig und bereit? Wie der Korrespondent des Corriere della Sera in Bukarest unterm 30. August meldet, hat sich in Bulgarien eine völlige Einigkeit aller Parteien vollzogen. Selbst Velja, das Organ Genadiews, schreibt: Der Moment ist gekommen, wo die Zerfahrenheit der bulgarischen auswärtigen Politik aufhören muß, wenn wir nicht wollen, daß andere bei uns befehlen. Gegenüber der Verzögerungspolitik von Athen und Nisch, angesichts des langsamen Vorgehens des Vier⸗ verbandes, muß Bulgarien klar und energisch antworten, daß es die Lehre von 1913 noch nicht vergessen hat, und daß es sich sein nationales Recht zu sichern wissen wird. Die Neue Freie Presse erfährt aus Sofia: Die Militär⸗ behörden von Dedeagatsch haben angeordnet, daß die Straßen nicht beleuchtet werden dürfen, und daß bei anbrechender Dunkelheit in den Häusern das Licht au gelöscht werden muß. Die Stadt ist infolgedessen zur Nachtzeit in vollkommene grernis gehuur. Ver Oris zu vieser rh e berschtedeneß Punkten der Stadt schwere 1 aufgestellt wurden, deren Stellung geheim gehalten w den soll. f Die amerikanischen Friedensgerüchte. T. U. Kopenhagen, 6. Sept. Daily News schreibt einem Leitartikel: Noch sei es zu früh, an einen nahen Friedensschluß zu glauben, doch sei es wohl möglich, daß den starken amerikanischen Friedensgerüchten diesmal etwas Be. stimmtes zugrunde liege. Vorläufig müsse man S Einige der Hindernisse für Aufnahme der Frieden besprechungen seien jetzt schon gefallen. f Die japanische Intervention. ichts der neuerdings mit großer B. . der Entsendung ei stimmtheit t größeren japanischen schauplatz kommt in der Ausdruck, daß alle Bevö Japans am Weltkrieg in dem ablehnend gegenüberstehen. Die sichtlichen Maßnahmen im Par Kriegsnotizen. 95 Das Kriegsgericht in Mülhausen k. Els. hat v einigen Wochen den dortigen Spediteur Alfred Meyer weg Kriegsverrats zu lebenslänglichem Zuchthaus verurtei Dieses Urteil wurde angefochten und bei der neuerlichen Verhand lung hat das Kriegsgericht nunmehr auf die Todesstrafe er⸗ kannt.— Dem Verurteilten wurde nachgewiesen, daß er den Franzo⸗ sen Nachrichtendienste geleistet hat. 45 5 Da die Mandate der jetzigen Abgeordneten zum raun⸗ schweigischen Landtag 1919 erlöschen, ist der Braunschw. Landesztg. zufolge eine Vorlage in Vorbereitung. wonach die Giltig⸗ keit der Mandate um eine Etatsperiode, das sind z wei Jahre, verlängert wird. 1 4 Die bremischen Bürgerschaftswahlen, die des Krieges wegen schon im Herbste des vorigen Jahres hinausges choben wurden, und zwar um ein Jahr, sollen nochmals auf ein Jahr ausgesetzt werden. Einen dahingehenden Gesetzentwurf hat die Wahldeputation an die Bürgerschaft gelangen lassen, der von dieser wie vom Senate angenommen werden wird. 8 In Sachsen sind im Laufe des Krieges mehrere Amnesti e erlasse und Verordungen erschienen, wonach Kriegstei nehmern bereits rechtskräftig erkannte Strafen erlassen oder die Strafverfügung gegen sie aufg ehoben wird. Nach Ermittlung 5 die bis Ende August reichen, wurden 12737 Begnadigungen auf Grund dieser Amnestieerlasse gezählt. 2 Der Hamburger Senat be i den Senaten von Lübeck und Bremen die Stiftung eines besondere⸗ Ehrenzeichens für Anerkennung besonderer Verdienste einzel⸗ ner im Kriege. Die Auszeichnung erhält die Form des früheren Hanseatenkreuzes. Die Auszeichnung ist deshalb bemerkenswert, weil die Senate der Hansestädte bisher weder einen Orden ver⸗ liehen noch annahmen. Im Gesamtbereich der preußisch⸗hessischen Staatsbahnen sand die Aufnahme der erbeuteten französischen, russi⸗ schen und belgischen Eisenbahn⸗Personen⸗ und Güterwagen statt. Die Zahlen gehen in die Tausende. 9 Wie Glasgow Herald meldet, sind augenblicklich Arzn ei mittel in England außerordentlich teurer als in Deutschland. Da der größte Teil der Arzneimittel vor dem Kriege aus Deutschland bezogen worden ist und nun England um Arznei mittel verlegen ist, kosten Salizylpräparate ungefähr siebenmal viel als in Deutschland, Acetanilide kosten sechsmal so viel, und Antipyrine werden zu einem Preis in Deutschland verkauft, der in England gerade lächerlich niedrig erscheinen muß, während Salienl azetyl nur den zwölften Teil in Deutschland kostet wie in London. Die Berner Tagwacht weiß zu erzählen: Ein in Lon dor lebender rufsischer Sozialist sandte einen Aufsatz an die Re daktion des Kommunist, des demnächst erscheinenden theoretischen Organs der russischen radikalen Sozialdemokraten. Die englische Zensurbehörde beschlagnahmte das Manuskript und über kieferte es, wie sie dem Absender mitteilte, wegen seines„ausge⸗ sprochen revolutionären Inhalts“ der russischen Gesandt Ban in London. Das freie England der würdige Verbündete des Zaren 1 Nach der Libre Parole verkaufte der französische Staat alle Briefmarken automaten, weil sie deutscher Fabrikats sind. Die Automaten, welche den Staat 500 Franken pro Stück kosteten, wurden zu 9 bis 10 Franken pro Stück verkauft. Um der traurigen Lage der Juden in Rußland ein Ende zu bereiten, wurde laut Humanits in Paris eine Liga zur V teidigung der unterdrückten Juden gegründet. Sie wird zunächst der Oeffentlichkeit genaue Berichte über die Lage der Juden liefern, sodann den Kampf für die Gleichheit der Juden vor den Gesetz in allen Ländern aufnehmen und diese Ideen in periodischen Bulletins verbreiten.„ schloß im Einvernehmen mit wurf hinab und sagte, die Hand Diethelms fassend: Jetzt sag' ich wirklich, tun Sie es mir zulieb, ich kann es um Ihrer und meiner Ehre willen nicht dulden, daß nur ein Augenblinzeln meiner Kollegen den beleidige, den ich Vater nenne. Tun Sie es, so hart es Sie auch ankommt, um unserer Ehre willen. Ich bitte dringend.“ „Braucht nicht so bitetn,“ sagte Diethelm mit gepreßter Stimme, denn es wollte ihn bedünken, daß sein Schwieger⸗ sohn auch nicht frei von Verdacht war,„braucht nicht so bitten. Ich tu's, ich tu's.“ Der Staatsanwalt wollte ihn umarmen, aber Diethelm wehrte ab.. Alles war nun so heiter, als es die Trauerpflicht zuließ, und ohne noch irgendein Bedenken in sich aufkommen zu lassen, ging Diethelm zu dem Vorsitzenden und meldete sich freiwillig. Es wird ja noch immer gelost, und er kann frei werden, und ist es nicht, so wollte er sich als Mann zeigen, beschwichtigte er sich. Seine ganze trotzige Kraft war wieder in ihn zurückgekehrt. Am Morgen, als die Gerichtsverhandlungen begannen, wurde Diethelm von seinen Schwurgenossen herzlich bewill— kommnet; nur der Steinbauer blickte vor sich nieder und Diethelm heftete seinen Blick so lang auf ihn, bis er aufschaute und dann wie getroffen das Haupt wieder senkte. Das war ein Triumph, der schon viele Beschwerden aufwog. Auch der Rechtsanwalt Rothmann bewillkommnete Diethelm herzlich und lobte ihn wegen seines Wiederkommens. Bei jedem Namen, der aus der Urne gezogen wurde, war Diethelm voll Spannung, und er hatte wirklich die Freude, daß schon die Zahl elf voll und er noch nicht unter den Gezogenen war; aber nun machte Rothmann von feinem Ablehnungsrecht Ge— brauch und verwarf sechs der Ausgelosten, bis Diethelm end— lich als letzter doch noch unter die Zahl der Geschworenen kam. Er nickte ruhig und setzte sich auf seinen Platz. Im Gerichtssaal wurde der Zuhörerraum, der nur durch ein Gitter abgeschieden war, gedrängt voll, und in der Loge der Schwurbank gegenüber saß ein Mädchen in Trauer kleidern: es war Fränz, die mit doppelt bangen Gefühlen Vater und Bräutigam in öffentlicher Wirksamkeit sag. Siͤe hatte sich kindisch gefreut, als dieser am Morgen be ihr eingetreten war in der schönen Uniform, sie hatte d blauen Militärfrack mit amarantrotem Kragen, das Bandalie- mit dem goldgefäßigen Degen und den Tressenhut mit wahren Jubel bewundert. 1 Die Anklageschrift wurde verlesen, und der Staak““ anwalt schilderte mit hinreißender Beredsamkeit die Verrucht heit eines Verbrechens, das immer mehr überhand zu nehmen drohe, Eigentum, öffentliches Vertrauen und öffentliche Moral zerstöre; und beschwor die zwölf Männer aus dei Volke, durch ihr Schuldig dieser alles verheerenden Ruchlosig⸗ keit einen Damm zu setzen. Fränz beugte sich weit hero 18, die glänzende Rede ihres Bräutigams sowie seine Erscheinung mußten ihr sehr gefallen. Reppenberger benahm sich klug und gewandt mitten in allem Kreuzverhör und wußte alles auf die unschuldigste Weise zu erklären, ja, er verstand es so- 0 gar, mehrere Zeugen durch Fragen, die er an sie stellte, zu verblüffen. Den Betrug schob er auf seinen Geschäftsgenossen, der, vor kurzem entflohen, ihn betrogen habe, und nun hätten!“ schlechte Menschen ihm Feuer angelegt. Gegen Diethelm“ und die Geschworenen überhaupt schaute der Reppenberger kaum auf, er hielt den Blick fast ausschließlich auf die Richter gewendet, und nur manchmal beugte er sich hinter die Brüstung nieder und nahm eine Prise aus seiner bekannten birkenrindenen Dose. Eine große Zahl von Belastungs⸗ und Entlastungszeugen wurde verhört, und Diethelm stellte an] diese selbst einige sachgemäße und entscheidende Fragen. CFortsetung solat! 1 Ar e 2 gore SS und Nachbargebiete. Gießen und Umgebung. Merkblatt für die Hinterbliebenen der gefalleuen oder infolge vo unden und songigen Kriegödlensibeschadigungen gestarbenen Teilnehmer am Kriege 1914. (Ausschneiden und aufbewahren!) A. Gnadengebührnisse. 1. Hinterläßt ein gefallener usw. Kriegsteilnehmer eine Witwe oder eheliche oder legitimierte Abkömmlinge, so werden für einen gewissen Zeitraum nach dem Tode des Kriegsteilnehmers Gnaden⸗ gebührnisse gewährt. 2. Gnadengebührnisse können auch gewährt werden, wenn der Verstorbene Verwandte der aufsteigenden Linie, Geschwister, Ge⸗ schwisterkinder oder Pflegekinder, deren Ernährer er ganz oder über⸗ wiegend gewesen ist, in Bedürftigkeit hinterläßt, oder wenn und so⸗ weit der Nachlaß nicht ausreicht, um die Kosten der letzten Krankheit und der Beerdigung zu decken. 3. Der Antrag auf Zahlung der Gnadengebührnisse ist entweder an diejenige sstellvertretende Korpsintendantur, zu deren Geschäftsbereich der Truppenteil usw. des Verstorbenen ge⸗ hört, oder an das für den Wohn⸗ oder Aufenthaltsort zuständige Be⸗ zirkskommando zu richten. Letzteres sorgt dann für die Weitergabe. An Belegstücken sind dem Antrage beizufügen: a) eine Bescheinigung des Truppenteils usw. über die Höhe des Gnadengehalts oder der Gnadenlöhnung des Verstorbenen und über die Dauer der Empfangsberechtigung, p) eine militärdienstlich beglaubigte Bescheinigung über den Tod des Kriegsteilnehmers, c) in den Fällen zu 2 außerdem eine amtliche Bescheinjigung über 925 Verwandtschaftsgrad und das Verhältnis zum Verstor⸗ enen. Können Bescheinigungen der zu a und b erwähnten Art nicht gleich beigebracht werden, so sind bestimmte Angaben über den Dienstgrad, die Dienststellung und den Truppenteil oder die Behörde des Verstorbenen erforderlich und als Ausweise über den Tod die in Händen der Antragsteller befindlichen Mitteilungen der Truppen⸗ teile usw., Auszüge aus Kriegsranglisten oder Kriegsstammrollen, Todesanzeigen und Nachrufe der Truppenteile und Behörden im Militär⸗Wochenblatt oder in sonstigen Zeitungen und Zeitschriften beizufügen. Auch ein Hinweis auf die Nummer der amtlichen Ver⸗ lustlisten würde genügen. Auf Antrag stellt das Zentral⸗Nachweise⸗Bureau des Kriegs⸗ ministeriums in Berlin NW. 7. Dorothenstraße 48, besondere Todes⸗ bescheinigungen aus. B. Versorgungsgebührnisse. 4. Nach Ablauf der Gnadenzeit erhalten die Witwe und die Kinder— letztere bis zu 18 Jahren— Witwen⸗ und Waisengeld, sowie Kriegswitwen⸗ und Kriegswaisengeld. 5. Der Antrag auf Bewilligung der Versorgungsgebührnisse zu 4 ist an die Ortspolizeibehörde) des Wohnorts oder des anläßlich des Krieges gewählten Aufenthaltsortes zu richten. An Belegstücken sind beizufügen: I.**) die Geburtsurkunden der Eheleute können wegfallen, wenn die Geburtstage aus der Heiratsurkunde ersichtlich sind oder wenn nur Waisen⸗ und Kriegswaisengeld beansprucht wird oder wenn die Ehe über 9 Jahre bestanden hat): die Heiratsurkunde oder, wenn Waisen aus mehreren Ehen versorgungsberechtigt sind, die betreffenden Heiratsurkun⸗ den(Geburts- und Heiratsurkunden der vor dem 1. 4. 1887 verheirateten, bei der preußischen Militärwitwenkasse ver⸗ sicherten Offiziere und Beamten befinden sich in der Regel bei der Generaldirektion der preußischen Militär⸗Witwen⸗ pensionsanstalt in Berlin W. 66, Leipziger Straße 5); die standesamtliche Urkunde oder an ihrer Stelle andere Nachweife(Bescheinigung oder Mitteilung des Truppen⸗ teils, Beileidsschreiben des Kommandeurs, Kompagniechefs usw.) über das Ableben des Ehemannes und, falls die ver⸗ 25 sorgungsberechtigten Kinder auch ihre leibliche Mutter ver⸗ loren haben, noch die standesamtliche Urkunde über das Ableben der Ehefrau: 8 5 IV.«) die standesamtliche Geburtsurkunde für jedes versorgungs⸗ berechtigte Kind unter 18 Jahren: V. amtliche Bescheinigung darüber, daß 5 J a) die Ehe nicht rechtskräftig geschieden oder die eheliche Ge⸗ meinschaft nicht rechtskräftig aufgehoben war(kann weg⸗ fallen, wenn in der Sterbeurkunde die Ehefrau des Ver⸗ storbenen mit ihrem Ruf⸗, Mannes⸗ und Geburtsnamen als dessen Witwe bezeichnet oder die Heiratsurkunde nach dem Tode des Ehemannes ausgestellt ist), 1 5 die Mädchen im Alter von 16 Jahren und darüber nicht verheiratet(oder verheiratet gewesen) sind, 5 5 keins der Kinder im Alter vom Beginne des 6, bis zum N vollendeten 12. Lebensfahre oder wer von ihnen in die An⸗ stalten des Potsdamschen Großen Militärwaisenhauses auf⸗ enommen ist(für Kinder von Offizieren und höheren Be⸗ mten nicht erforderlich): gerichtliche Bestellung des Vormundes oder Pflegers. Außerdem ist in dem Antrag anzugeben,. ob und wo der Verstorbene als Beamter im Reichs⸗ Staats⸗ oder Kommunaldienste, bei den Versicherungsan⸗ stalten für die Invalidenversicherung oder bei ständischen oder solchen Instituten angestellt war, die ganz oder zum Teil aus Mitteln des Reichs, Staates oder der Gemeinden unterhalten werden, p) der zukünftige Wohnsitz der Witwe. C. Kriegselterngeld. 6. Den Verwandten der aufsteigenden Großvater, Mutter und jede Großmutter) Bedürftigkeit ein Kriegselterngeld gewährt werden, storbene Kriegsteilnehmer a) vor Eintritt in das Feldheer oder 1 p) nach seiner Entlassung aus diesem zur Zeit seines Todes oder bis zu seiner letzten Krankheit ihren Lebensunterhalt ganz oder überwiegend bestritten hat. Der Antrag ist ebenfalls an die Wohnortes oder des anläßlich des Krieges l 0 den Aufenthaltsortes zu richten. Ihm ist eine standesamtliche Sterbeurkunde über den Gefallenen usw. oder, falls eine solche noch nicht zu erlangen ist, ein Ausweis der zu 3 bezeichneten Art beizu⸗ fügen. ) Hinterbliebenen von Zivilbeamten haben sich an die letzte vorgesetzte Behörde des Verstorbenen zu wenden. % Anstelle der gebührenpflichtigen Auszüge aus den Standes⸗ amtsregistern sind Bescheinigungen in abgekürzter Form(nicht Ab⸗ schriften) zulässig, die in Preußen unter Siegel und Unterschrift des Standesbeamten kostenfrel ausgestellt werden, die entscheidenden Tatsachen ergeben und die maßgebenden Daten in Buchstaben aus⸗ geschrieben enthalten. Von den Himmelserscheinungen im September. Von Georg Kästner in Bremen.. 5 Der längste Tag dieses Jahres liegt bereits wieder über zwei Monate zurück; die Erde 2 fat einem Monat denjenigen Punkt ihrer Bahn überschritten, an dem sie dieses Jahr am weitesten von der Sonne entfernt war. So sind die astronomischen Zeichen des Hochfommers vorsiber und das Jahr neigt sich dem Niedergange zu. Am 24. September wird bereits wieder die Nacht dem Tage an Länge gleich, und der Herbst beginnt. Der Sternenhimmel nimmt ieder ei i sche Gepräge an, und nicht wieder ein anderes, das typisch herbstliche 2 1 mich es bauen. dann ind wir schan Hessen 11. 5 1II. 0 5—* Linie(Vater und jeder kann für die Dauer der wenn der ver⸗ Ortspolizeiverwaltung des gewählten vorübergehen⸗ Die Milchstraße wird am Himmel wieder deutlicher sichtbar und dle Sterne strahlen heller auf dem schwarzen Himmelsteppich. Nur wenn der Mond über den Horizont steigt, vermindert sich der Glanz der Sterne. Wesentlich, allerdings nur, wenn seine Sichel nicht zu schmal ist. Das ist zu Anfang und zu Ende des Septembers der Fall; am 1. ist letztes Biertel, am 16. erstes und am 23. Voll⸗ mond. Neumond ist am 9., und dann können wir die Sterne am besten beobachten. Auch die Planeten, soweit sie sich zur Nachtzeit über dem Horizont und in günstiger Stellung befinden. Das ist bei einigen befonders interessanten der Fall. So geht Mars inner⸗ halb der ersten Stunde vor Mitternacht auf und ist Mitte des Mo⸗ nats fünf, am Ende 5% Stunden lang sichtbar. Auch Saturn geht in, den ersten Tagen des Monats um Mitternacht herum und späterhin immer früher am Abend auf. Die Dauer seiner Sicht⸗ barkeit nimmt bis etwa 6½ Stunden am Monatsende zu. Als glänzendstes Gestirn steht ja Jupiter schon seit Monaten am Abendhimmel. Am 17. September steht er für uns der Sonne ge⸗ rade gegenüber, ist also während der ganzen Nacht am Himmel sicht⸗ bar und wird es auch noch später geraume Zeit bleiben. Merkur und Venus dagegen sind im September nicht zu beobachten. Im ganzen ist es natürlich stiller geworden in den Tempeln Uranias, da auch von dort mancher hinausgezogen ist in den gräß⸗ lichen Krieg. Begann er doch damit, die Beobachtung der Sonnen⸗ finsternis zu verhindern, da die russische Regierung in ihrem Kampfe gegen das Barbarentum auch die Männer an der Arbeit verhinderte, die hinausgezogen waren, um in den gastlichen Gefilden Sübrußlands die himmlische Verfinsterung zu beobachten. Wahr⸗ scheinlich hätte sie nicht vermocht, die Dunkelheit der russischen Re⸗ gierungsmethode in den Schatten zu stellen. Ueber den Kriegskometen, den Kometen Delavan, der sechsten vom Jahre 1915, waren die Meinungen recht geteilt. Manche Soldaten, die in Feindesland Nachtwachen bildeten, haben den Anblick des Gestirns nicht unerheblich gefunden. Das mag viel⸗ leicht darauf zurlckzuführen gewesen sein, weil er in der Zeit seiner größten Helligkeit so am Himmel stand, daß er das allbekannte Sternbild des großen Bären nach Süden zu auffällig veränderte. Er wird daher mehr Leuten zu Gesicht gekommen sein, als es in anderer Stellung der Fall gewesen wäre. Der Komet wurde be⸗ kanntlich auf der La Plata⸗Sternwarte von Delavan aufgefunden. Er war damals 11. Größe, erforderte also ein lichtstarles Fernrohr; als solches diente ein deutscher Kometensucher. Das Gestirn be⸗ schrieb einen kleinen Bogen durch den Walfisch und konnte im Früh⸗ jahr bis zum Verschwinden in der Abenddämmerung verfolgt wer⸗ den. Der Komet durchzog den Stier und wurde Anfang August gegen Morgen im Fuhrmann für das unbewaffnete, Auge eben noch erkennbar. Mit einem Krimstecher konnte man auch zarte Schweif⸗ ausätze sehen. Im September 1914 wurde er von vielen gesehen, da er vierter Größe wurde, also so hell wie die Sterne des kleinen Bären. Am 22. September war er im Zwölfzöller der Berliner Urania mit einem acht Vollmonde langen Schweif zu sehen, der nach Norden gerichtet war. Er stand da im Bären und hatte seine größte Helligkeit(3. Größe) erreicht. Dann nahm seine Entfernung von der Sonne wieder ab und der Komet wurde von Mitte November ab wieder unsichtbar. Er zog nach Süden und wird jetzt von den südlichen Sternwarten beobachtet. Im Fernrohr wird man ihn noch mehrere Jahre sehen können. Eine Kreiskonferenz des Wahlkreises Friedberg-Büdingen fand am 5. September in Friedberg statt. Die von ungefähr 50 Delegierten besuchte Konferenz war notwendig, um Stellung zu den Aenderungen in der Geschäftsführung zu nehmen, die durch den Tod des Genossen Busold hervor⸗ gerufen wurden. Zum Geschäfts⸗ und Kassenbericht erklärte Genosse Schaub⸗Büdesheim, daß im Kreise am 1. April 191⁵ nur noch 646 zahlende Parteimitglieder angegeben sind. Da von einer Reihe Parteiorten keine Mitteilungen über den Stand der Mitglieder gemacht worden sind, wird sich diese Zahl noch etwas erhöhen. Am 1. April 1914 betrug der Mit⸗ gliederbestand 3041. Der Kassenbericht schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 4912,78 Mark ab.— Eine lebhafte Debatte entspann sich beim Punkt Arbeits- und Agitations⸗ plan. Alle Redner erklärten sich mit scharfen Worten gegen die bisherige Politik der Fraktionsmehrheit und forderten eine Abkehr von dieser Politik. Insbesondere erblickt man in dem Verhalten von Partei und Gewerkschaften in der Lebensmittelteuerung ein vollständiges Versagen. Der Ver⸗ treter des Landesvorstandes sowie ein Vertreter der Volks- stimme wandten sich gegen diese Ausführungen und erklärten, daß gerade in der Frage der Lebensmittelteuerung die Partei alles nur Mögliche getan habe. Gegen eine Stimme bei einigen Stimmenthaltungen wurde eine Resolution ange⸗ nommen, die die Maßnahmen der Regierung in der Lebens⸗ mittelteuerung als vollständig unzureichend bezeichnet. Die Resolution bringt weiter zum Ausdruck, daß die Parteimehr⸗ heit und die Mehrheit der Gewerkschaften in dieser Frage vollständig versagt haben; das liege daran, daß den Führern das Verständnis für die Lage der Arbeiter und der unteren Volksklassen fehle.— Beim Punkt Presse wurde Kritik an der jetzigen Haltung der Volksstimme geübt. Mit der jetzigen Schreibweise würden die Interessen des arbeitenden Volkes nicht vertreten. Zum Streit in der Preßkommission verurteilte die Konferenz das Verhalten der Frankfurter Delegierten. Ferner wurde gefordert, daß die Presse wie seit⸗ her auch in diesem Jahre dem Kreis einen Zuschuß von 500 Mark gewährt. Eine Resolution im Sinne dieser Aus⸗ führungen wurde einstimmig angenommen. Der alte Kreis⸗ vorstand wurde wiedergewählt. Für zwei im Felde stehende Mitglieder wurden Ersatzmänner bestimmt. — Weitere Verschiebung der Landtagswahlen. Dem Landtage hat die Regierung einen Gesetzentwurf vorgelegt, der sich mit den Wah lem zum nächsten Landtage beschäftigt. Diese hätten im Herbste vorigen Jahres stattfinden müssen, wurden aber durch das am 18. Dezember 1914 beschlossene Gesetz in die zweite Hälfte des Jahres 1915 verlegt. Man nahm an, daß der Krieg in der ersten Hälfte dieses Jahres zu Ende gehen werde. Da das leider nicht der Fall ist, schlägt die Regierung vor, die Neuwahlen in die zweite Hälfte des Jahres 1916 zu verlegen. Die Mandate der Abgeordneten, welche gesetzmäßig auszuscheiden gehabt hätten, laufen, wenn das Gesetz zur Annahme gelangt, was zweifellos geschehen wird, bis zum Tage der Neuwahlen. — Das Wetter mutet jetzt schon recht herbstlich an. Die Temperatur ist bereits soweit heruntergegangen, daß man langsam die wärmeren Kleider herbeisuchen muß. Vorige Woche, in der Nacht zum Samstag wurde sogar beinahe der Gefrierpunkt erreicht, das Thermometer in der Südanlage zeigte eine Mindesttemperatur von nur 2 Grad R. Wärme. Es wäre zu wünschen, daß es noch einige Zeit warm bliebe, zumal die Kohlenpreise stets weiter in die Höhe getrieben worden sind.. 1 — Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Landsturmmann Willi Bruß aus Gießen, Inf Regt. 168. — Landwehrmann Wilhelm Sippel aus Hutzdorf, Kreih Lauterbach. Beschränkung der Liebesgabenpaletchen nach der Ostfront⸗ Amtlich wird bekannt gegeben: Die Versendung von Feldpostpaket⸗ chen(Feldpostbriese über 50 Gramm Gewicht) nach dem Osten hat einen solchen Umfang angenommen, daß die Feldpost bei den schwierigen Wegeverhältnissen in Rußland die ordnungsmäßige Zu⸗ stellung nicht mehr leisten kann. Von einigen Dienststellen ist des⸗ halb bereits beantragt worden, den Päckchenverkehr vollständig zu sperren. Im Interesse der Truppen liegt es, wenn die Ange⸗ hörigen in der Heimat die Gebefreudigkeit einschränken und weniger Päckchen zur Ostfront senden. Sollte dieser wohlgemeinte Rat nicht allseitige einsichtsvolle Beachtung finden, so würde die Heeres⸗ verwaltung gezwungen sein, den Päckchenverkehr nach dem Osten, vollkommen zu sperren. — Verpflegungsgebührnisse Beurlaubter. Vom Verband der Handlungsgehilfen in Leipzig wurde an mehrere Kriegsministerien, eine Eingabe gerichtet, um darauf hinzuwirken, daß auch während der Dauer des Urlaubes allen Heeresangehörigen Verpflegungs⸗ gebührnisse gewährt würden und die Löhnung beim Urlaub in jedem Falle, wenn nötig im Voraus, gezahlt werde. Auf diese Eingabe antwortete das preußische Kriegsministerium im entgegen⸗ kommenden Sinne. Das Kriegsministerium schreibt: Nach den Bestimmungen der Kriegs⸗Verpflegungs⸗Vorschrift werden den Beurlaubten des mobilen und des immobilen Heeres Verpflegungs⸗ gelder nicht gewährt, nur die zur Wiederherstellung der Gesundheit beurlaubten mobilen Heeresangehörigen erhalten Verpflegungs⸗ gelder. Das Kriegsministerium ist bereit, diese unverkennbaren, Härten zu beseitigen und hat die erforderlichen Vorbe⸗ reitungen in die Wege geleitet. Auch wegen Belassung der Löh⸗ nung für die Dauer der Beurlaubung ist das Kriegsministerium mit der Reichsfinanzverwaltung bereits in Verbindung getreten. — Das sächsische und das bayerische Kriegsministerium hatten ebenfalls ihr Wohlwollen zum Ausdruck gebracht. — Ein neuer Nahrungsmittel⸗Schwindel. Von behördlicher Seite wird vor Ankauf eines„Butterpulvers“ gewarnt, das zum Strecken von Natur- oder Kunstbutter dienen soll. Angeblich soll der Inhalt eines Beutels von diesem Pulver unter Zusatz von einem halben Liter Wasser oder Milch sowie einem Pfund Butter geeignet sein, mehr als zwei Pfund„Butter⸗Aufstrich“ zu liefern. Die amtliche Untersuchung eines derartigen Erzeugnisses hat er⸗ geben, daß ein Beutel des sogenannten Butterpulvers zum Preise von 40 Pfg. lediglich aus einem gelbgefärbten Gemisch von 40 Gramm Kartoffelstärkemehl und 10 Gramm Kochsalz besteht. Hiernach ist die Bevölkerung selbst in der Lage, sich über den„Wert“ des sogenannten Butterpulvers, vor dessen Nach⸗ ahmung zu warnen sich ein Postern nicht zu scheuen wagt, ein Urteil bilden. Der Berliner Polizeipräsident warnt dringend vor der Ausbeutung der Bevölkerung durch solche Erzeugnisse sowie vor der gewerbsmäßigen Verfälschung von Butter und Margarine.— Wir möchten dazu wiederholt bemerken, daß man am besten den Ankauf aller dieser„Ersatzmittel“ ein⸗ für allemal unterläßt. Das meiste ist Betrug, was in dieser Beziehung geleistet wird. Die Landesversicherungsanstalt Großh. Hessen hat sich an der Zeichnung für die erste Kriegsanleihe mit 1 500 000 Mark, für die zweite mit 1000 000 Mark und für die dritte wiederum mit 100 000 Mark beteiligt. Nationalstiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege Ge⸗ sallenen. Das Hessische Landeskomitee der Nationalstiftung hat sich wiederum an der Zeichnung für die Reichskriegsanleihe. und zwar mit dem Betrage von 350 000 Mark, beteiligt. Die Mittel der Stiftung werden vorwiegend in Reichskriegsanleihen angelegt. Neben Geldspenden werden auch Stiftungen in Wertpapieren aller Art von den hessischen Zeichnungsstellen der Nationalstiftung(den Banken, Bankiers, Sparkassen, Bezirkskassen, Stadt⸗ und Gemeinde⸗ kassen) gern angenommen, und öffentlich über die Gaben quittiert. Einschränkung des Verkehrs zur Armee Gallwitz. Bis auf weiteres werden Privatgüter und Paketsendungen an Heeresange⸗ hörige der 12. Armee(General von Gallwitz) nicht angenommen. Bei Zweifeln über die Truppenzugehörigkeit wird vorherige Anfrage bei dem nächsten Militärpaketdepot mittels der bei jeder Postanstalt erhältlichen grünen Doppelkarten empfohlen. — Ruttershausen. Aus unserem kleinen Orte sind bisher be⸗ reits elf Mann im Kriege gefallen, zwei befinden sich in Ge⸗ fangenschaft. 1 8 g Kreis Wetzlar. — Krankenkassen im Lahnbergbau. Der Bericht vom Lahn⸗ Knappschaftsverein 1914 ist erst jetzt in die Oeffentlichkeit gelangt. Ende 1914 betrug die Gesamtzahl der Krankenkassenmitglieder 7032, das sind 2290 Mitglieder weniger wie im Vorjahr. Dieser Verlust ist auf Kriegsteilnehmer zu buchen. Mithin ging das soziale Empfinden der Grubenbesitzer, die zum größten Teil durch den Krieg einen schönen Groschen Geld verdienen, nicht so weit, ihre bisherigen Arbeiter, die doch das Vaterland der Besitzenden verteidigen müssen, freiwillig weiter zu versichern. Diese winzige Mitgliederzahl von rund 7000 verteilt sich auf 29 Krankenkassen mit selbständigen Verwaltungen. Die Einnahmen betrugen im Jahre 1914 267 517,68 Mk., die Ausgaben 285 608,86 Mk., wovon allein die Aerzte 67 000 Mk. und die Arzneikosten rund 51 000 Mk. erforderten. Die Verwaltungskosten beliefen sich auf 18 929,32 Mk. und an Krankengeld wurden 140 235,83 Mk. gezahlt. 12 Kranken⸗ kassen hatten eine Mehreinnahme von rund 7500 Mk., während 17 Kassen ein Minus von 25 500, Mk. aufwiesen. Die Knappschafts⸗ Pensionskasse zählte Ende 1914 8571 Mitglieder, darunter 2894 Kriegsteilnehmer, 30 Kriegswitwen und 57 Kriegswaisen. Diese Kasse steht günstiger und hat ein Vermögen von über 2 Millionen Mark, so daß die niedrigen Renten wohl bald erhöht werden könnten. Von Nah und Fern. 8 Sauberer Armenvorsteher. Aus Köln wird berichtet: Der in dem Vororte Bayenthal wohnende Ingenieur und Architekt Fr. Wohn, der die ihm zur Ausgabe anvertrauten Kriegsgutscheine, teilweise in seinem Interesse verwandte, wurde im Laufe der vorigen Woche dingfest gemacht. Manche Frauen, die nur durch den Um⸗ stand, daß ihre Männer und Söhne unter der Fahne stehen, nebst den sonst vom Schicksal Geschlagenen mit dem Armenvater in Berührung gekommen sind, empfanden es als Genugtuung, daß der Mann, unter dessen Gebaren sie manchmal so empfindlich zu leiden hatten, in der„Kunigunde“, der grünen Zellenequipage, von seiner Woh⸗ nung nach dem großen Zwinger am Klingelpütz in der Altstadt über⸗ führt wurde. Herr Wohn war Armenbezirksvorsteher und seit langen Jahren auch Inhaber hoher kirchlicher Ehrenämter. Die städtische Armenverwaltung hat schon vor längerer Zeit Straf⸗ antrag gegen ihn gestellt. Auch aus seinen Aemtern war er schon vor der Verhaftung entfernt. Zu Tode geprügeltes Dienstmädchen. 0 Vor Kurzem starb in Berlin ein Dienstmädchen namens Neumann, von dem vermutet wurde, daß es keines natürlichen Todes gestorben sei. Jetzt hat die Obduktion der Leiche ergeben, daß der Tod des Mädchens als eine Erlösung von einem schvecklichen Martyrium eingetreten ist. Es fanden sich zahlreiche Spuren von Striemen, Streifen und blutunterlaufene Flecke, die vollständig regellos über den ganzen Körper verteilt waren, außerdem eine An⸗ zahl kleinerer Narben am Kopfe, eine frische Wunde, mehrere große ineinanderlaufende Blutungen in der Kopfschwarte, sowie andere Verletzungen. Die Wunden waren teilweise Wochen und Monate alt, ein Zeichen für eine systematische Quälerei. Die verhaftete „Dienstherrin“ Frau Koh gestand ein, das Mädchen geschlagen zu haben, doch will sie von Mißhandlungen mit gefährlichen Werkzeugen nichts wissen. Das Mädchen wird als bescheiden, arbeitsam und sauber geschildert. Es war frither in einer Meierei, später auf einem ostpreußischen Rittergute tätig, ehe es vor den anziehenden Russen nach Berlin flüchtete und in die Dienste der Frau Koh trat. ——*——— 2—— — * „ . Telegramme. 25 „ 7 2 Auesberictt hes Großen Hauptgnartiers. Fortschritte im Osten. Vereinigung der Heeresgruppen Hindenburg und Prinz Leopold. 41 Westlicher Kriegsschauplatz. W. B. Großes Hauptquartier, 6. Sept., vorm.(Amtlich.) Es hat sich nichts Wesentliches ereignet. i Ein feindlicher Doppeldecker wurde an der Menil⸗Ypern heruntergeschossen. i Oestlicher Kriegsschauplatz. e des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. Von der Ostsee bis östlich Grod up ist die Lage unver⸗ ündert. Der rechte Flügel nähert sich dem Niemen bei Lenne und dem Ros⸗Abschnitt nördlich von Wolko— ys f. Heere Straße Heeresgrupp s gruppe des Generalfeldmarschalls . Prinzen Leopold von Bayern. Die Heeresgruppe ist unter Kämpfen mit feindlichen Nachhuten im Vorgehen und hat den Ros-Abschnitt bei Wolkowysk bereits überschritten. Auch die Sumpfengen bei Smolinica(nordöstlich Pon Rozan a) sind überwunden. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen. Der Angriff geht vorwärts. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Keine wesentlichen Ereignisse. Oberste Heeresleitung. 2 Der österreichisch⸗ungarische Tages bericht Wien, 6. Sept.(W. B.) Amtlich wird verlautbart: 6. Sep⸗ tember 1915: Russischer Kriegsschauplatz. An der bessarabischen Greuze und östlich der (Sereth⸗ Mündung wiederholten die Russen gestern ihre heftigen Gegenangriffe. Der Feind wurde überall zu rück⸗ geworfen und erlitt große Ver luste. An der Sereth⸗Front und an unseren Linien östlich von Brody und westlich von Dubno ließ die heftige Tätigkeit im Vergleich zu den starken Kämpfen der Vortage etwas nach. In der Gegend von n würde den Russen eine verschanzte Ortschaft ent⸗ rissen. Unsere östlich von Lyck vordringenden Truppen haben nördlich bon Olyla unter den schwierigsten Verhältnissen die versumpfte ten. Putylowka⸗Niederung im Angriff über⸗ ritten. 5 Die an der oberen Zasiolka kämpfenden k. u. k. Streitkräfte arfen den Gegner aus seinen letzten Verschanzungen süd⸗ ärts des Flusses heraus und gewannen an mehreren Stellen das nördliche Ufer. 0 Italienischer Kriegsschauplatz. Maährend die Italiener gestern an der lüstenländischen Front und in Kärnten im allgemeinen untätig verblieben, entwickeln sie im Gebtete des Kreuz bergsattels(südöstlich Innichen) nach längerer Pause eine heftige Artillerietätigkeit 127 versuchen dort an mehreren Punkten sich unseren Stellungen 9* 5 nähern. Zu Infanteriekämpfen ist es bisher nicht gekommen. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnant. 8 Die Kämpfe in Ostgalizien und der Bukowina. Aus Wien, 6. Sept. wird der Frankf. Ztg. telegraphiert: Infolge der sich in Ostgalizien abspielenden Ereignisse wurde es auch an der bessarabischen Grenze und östlich der Mündung des Sereth lebendig. In der Schlinge zwischen Sinkow and Okna, südöstlich von Zaleszyiky, wo die Russen noch eine Stellung nahe am linken Ufer des Dujestr halten, fanden heftige Artilleriekämpfe statt. Starke russische Gegenangriffe gegen die im Dujestr⸗Raum von uns eroberten Stellungen scheiterten überall unter großen Verlusten. Auch an der Grenze der Bukowina, wo nach Aussagen von Gefangenen fast ausschließlich starke Kavallerie stehen soll, haben unsere Trup⸗ wen erheblichen Raum gewonnen. Die Kämpfe an der Dnujestrfront. 5(W. T. B.) Die Neue Freie Presse meldet aus Czerno⸗ witz: Seit dem 2. September entwickeln sich an der Dnjestr⸗ front heftige Kämpfe. Die russische Front ist vielfach durch— rissen; namentlich im Raume von Okna sind mehrere feind— liche Positionen erstürmt worden. Verzweifelte Stimmung in Petersburg. T. U. Stockholm, 6. Sept. Die Erschütterung der russischen Dünastellung hat in Petersburg verzweifelte Stimmung hervor— gerufen. Die wildesten Gerüchte liefen bald um. Gestern nach— mittag verlautete hartnäckig, daß General Rußkis bei Riga stehende Armee vernichtend geschlagen und Riga besetzt sei. Die Deutschen stadr. Zahlrefche Verhaftungen wurden vorgenommen. In später Abendstunde erschienen Extrabläter mit einem Dementi. Von in⸗ sormierter Seite wird behauptet, daß die Frontreise des Zaren 1 fingiert sei, um die Verlegung der Residenz zu verheim⸗ ichen. Ermordung des Stadthauptmanns von Petersburg. Konustantinopel, 5. Sept. Nach amtlichen Nach⸗ richten aus Petersburg, die über Athen kommen, ist der Stadthauptmann von Petersburg am Donnerstag ermordet worden.(Frankf. Ztg.) Einberufung des russischen Landsturms zweiten Aufgebots. Wie die Vossische Ztg. indirekt aus Petersburg vom 6. Septem⸗ ber erfährt, hat die Reichsduma in geheimer Sitzung dem von der Regierung vorgelegten Gesetzentwurf betr. die Einberufung des Landsturms 2. Aufgebots gegen die Stimmen der Sozial⸗ demokratie und bei Stimmenthaltung der Arbeiterpartei zugestimmt. Eine Jnterpellation der russischen Sozialdemokraten an den Handels- und den Kriegsminister verlangt, wie Ruß⸗ koje Slowo vom 25. August meldet, Aufklärung über „schreiende Unordnungen in der Evakuation der Industrie⸗ arbeiter, wodurch diese in eine hoffnungslose Lage geraten sind. Sind Maßnahmen getroffen, um ihnen Ersatz ihrer Verluste und Arbeit zu verschaffen?“ Bei der Räumung Polens sind Tausende Minderjähriger und Kinder aus unbekannten Gründen verhaftet und von ihren Eltern weggerissen worden: so Pfadfinder, Mit⸗ glieder von Turnvereinen, Schüler und Schülerinnen polni⸗ scher Schulen. Kinder von zwölf Jahren wurden, oft in größter Eile, von der Polizei unter Bedeckung abgeführt. Es ist nicht anzunehmen, daß dies unter normalen Verhältnissen geschehen wäre, und wohl nur auf die Verwirrung der Behörden kurz vor der Räumung Polens zurückzuführen. Mehrere Hundert solche Jugendliche sind in den Petersburger Gefängnissen, andere in Moskau, Twer usw. Die Partei richtet daher an die Minister des Innern und der Justiz die Anfrage: „Sollen die Kinder in den Gefängnissen bleiben, und sind Maßnahmen getroffen worden zu ihrer soforti⸗ gen Freilassung, sowie der anderen unter obigen Ver⸗ hältnissen in den Städten Polens Verhafteten, die jetzt noch ohne jeden Grund in Haft sitzen?“ Die Begnadigung Burzews. Petersburg, 6. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Der nach Sibirien verbannte Revolutionär Burzew hat dem radikalen Dumamitgliede Kerenski telegraphiert, er habe nun die Nach⸗ richt von seiner Begnadigung erhalten und reise sofort nach Rußland ab. Russische Geldnot. Petersburg, 6. Sept.(W. B. Nichtamtlich.) Ueber Kopenhagen. In Petersburg wird der Mangel an Silber⸗ und Kupfer⸗ miümzen immer drückender und gab wiederholt Awlaß zu Unruhen. Die Staatsbank und andere Banken wurden vom Publikum förmlich gestürmt, das Papiergeld in Silber und Kupfer umwechseln wollte. Die Kaufleute und Händler wollen nur dann Papierrubel wechseln, wenn mindestens für einen halben Rubel gekauft wird. Der Stadt⸗ hauptmann machte bekannt, daß jedermann berechtigt sei, bis zu fünf Rubel Papier in Münze einzuwechseln. „Dentschlands Friedens bedingungen.“ London, 6. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die Times meldet aus Newyork: Die Chicago Tribune veröffentlicht eine Mitteilung einer der deutschen Botschaft in Washington nahestehenden Persönlichkeit, daß der Streit in der Untersee⸗ bootfrage auf Wunsch des Kaisers beigelegt worden sei, da der Kaiser wünsche, daß Wilson als Friedensvermittler auf⸗ treten solle, während die deutschen Waffen noch siegreich seien. Graf Bernstorff telegraphierte kürzlich an den Kaiser:„Nach meiner Meinung ist die Erreichung des Friedens nur durch den Einfluß Wilsons möglich.“ Der Kaiser hielt es darauf für notwendig, die Meinungsverschiedenheiten mit Amerika zu beseitigen, ehe er Wilson um Vermittlung bat. Wenn Wilson sich als Vermittler anbietet, wird Deutschland das Anerbieten annehmen und folgende Bedingungen stellen: Er⸗ richtung eines unabhängigen Königsreichs Polen, das ein Bollwerk zwischen Rußland und Deutschland bilden soll; Ab⸗ tretung des größten Teiles von Kurland; Autonomie für Finnland; Teilung Serbiens zwischen Bulgarien und Oester⸗ reich⸗Ungarn bei möglicher Abtretung eines kleinen Teils an Griechenland; Abtretung von Belgisch-Kongo an Deutschland als Ersatz für die Räumung Belgiens; Abtretung der afri⸗ kanischen Kolonien Frankreichs an Deutschland als Ersatz für die Räumung Nordfrankreichs; Zurückgabe aller afrikanischen Kolonien Deutschlands; Sicherung der Freiheit des Meeres und der Unantastbarkeit des Privateigentums auf See durch ein internationales Abkommen; Anerkennung der Rechte der Juden in allen Ländern. Deutschland ist jetzt bereit, einen ehrenvollen Frieden abzuschließen und die Entente ist verant— wortlich gegenüber der zivilisierten Welt für den Krieg seit August 1914 und für seine Fortdauer. Die Hearstpresse bie alles auf, um die deutschen Interessen zu fördern (Anmerkung des W. T. B.: Es wird sich erübrigen, auf die Phantasien dieses r welches, wie wir an zuständiger Stelle erfahren, vom An⸗ fang bis zum Ende auf Erfindung beruht) Ein englischer Kreuzer versenkt. „U 27“ untergegangen. 5 Ein deutsches U⸗Boot von einem englischen Passagierdampfer beschossen. 2 Berlin, 6. Sept.(W. T. B. Amtlich.) Laut Meldung eines unserer U-Boote, das mit„U 27“ auf See zusammen⸗ getrofen ist, hat letzteres Boot etwa az 10. August einen älteren englischen kleinen Kreuzer westlich der He⸗ briden versenkt. „U 27“ selbst ist nicht zurüe längerer Zeit in See ist, muß mit seinem net werden. 1 1 Am 18. August 7 Uhr nachmittags ist wiederum ein deutsches Unterseeboot von einem englischen Passagierdampfer mit Geschützen beschossen worden. Das U-Boot hatte versucht, den im Bristol⸗Kanal angetroffenen Dampfer durch einen Warnungsschuß zum Anhalten zu bringen. 8 Der Chef des Admiralstabes der Mafrine. Wurde die„Hesperan“ torpediert? Die Frankf. Ztg. schreibt zu dem Untergang der„Hesperian“: Der Unfall des englischen Passagierdampfers„Hesperian“, der auf der Höhe von Fastnet Rock, also unmittelbar an der Südspitze rückgekehrt; da es seit Verlustgerech, von Irland, erfolgt ist, wird von den englischen Agenturen als die Folge eines Torpedoangriffs ausgegeben. Es wird aber ausdrück⸗ lich gesagt, daß man kein Unterseebootgesehen habe Das hindert unsere Gegner nicht, die deutsche Marine für dem Verlust des Schiffes verantwortlich zu machen. Wenn schon die äußeren Um⸗ stände, Art und Folgen des angeblichen Angriffs und vor allem auch der Unfallsort durchaus nicht dafür sprechen, daß die englische Be⸗ schuldigung gerechtfertigt ist, so haben wir um so mehr Anlaß, die Wahrheit der englischen Behauptung aufs allerentschiedenste zu be⸗ streiten, als die vom deutschen Botschafter in Washingtom kürz⸗ lich abgegebene Erklärung außer Zweifel gelassen hat, welches Ver⸗ fahren Deutschland künftighin gegenüber Passagierdampfern ein⸗ halten wird. Wir begrüßen, daß der Unfall des englischen Schiffes schon allein deshalb keinen Zwischensall herbeiführen kann, wefl keine Verluste an Menschen zu beklagen sind. Wenn die Frage überhaupt aufgeworsen werden soll, ob es sich nicht um ein Minenglück handelt, dann möchten wir bis zum Beweis des Gegenteils behaupten, daß der Unfall des englischen Schiffes, auf dem sich in der Tat auch Amerikaner befanden, nicht auf deutsche Schuld zurückzuführen ist. Allerdings wissen wir nicht, ob man in England an maßgebender Stelle augenblicklich noch ein wesentliches Interesse daran hat, die Verhandlungen und Beziehungen zwische Deutschland und den Vereinigten Staaten zu stören. f Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. . Verlag von Krumm& Cie., Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H. Offenbach a. M Anmeldung zur Landsturmrolle. Die vom e e bis 12 Angust 5 eide Tage einschließli geborenen Landsturmpflichtig⸗ de Stadt Gießen fordere ich hiermit auf, sich am wan ca 15 2 15. September 1915 4 vormittags von 8—1 Uhr und nachmittags von 3—6 Uhr im Rathaus am Marktplatz N zur Landsturmrolle zu melden. Bei der Anmeldung ist der Geburts⸗ schein oder ein anderer amtlicher Ausweis, aus welchem das Ge⸗ burtsdatum ersichtlich ist, vorzulegen. f Unterlassung der Meldung wird nach den Militärgesetzen raft. 5 Die nach dem 31. August 1898 geborenen jungen Leute haben. sich nach Zurücklegung des 17. Lebensjahres, jeweils am 15. des auf 35 Geburtsmonat folgenden Monats zur Landsturmrolle zu melden. Gießen, den 3. September 1915. Der Oberbürgermeister. Keller. Bekanntmachung. In den Wagen der städtischen Straßenbahn wurden in der Zeit vom 1. Juli bis 31. August 1915 nachstehende Gegenstände 5 funden: 1 Stock, 1 Fernrohr, 2 85 13 Damenschirme, 1 Herrenschirm, Handtäschchen, 1 Militärkoppel, 2 Paar Handschuhe, 1 Haarbürst⸗ chen, 1 Kindermütze, 1 Buch, 1 Seitengewehr, 2 Metzge feel u eine Hose. 6 5 Die obigen Sachen können im Verwaltungsgebäude tädt. Elektrijitätswerke und Straßenbahn, Lahnstraße 25 Semen Ar in Empfang genommen werden. 5 Gießen, den 4. September 1915. Elektrizitätswerk und eee der Stadt Gießen. Stolte. Verkauf von Frühäpfel. Mittwoch, den 8. September, nachmittags werden im Hofe des Stadthauses, Gartenstraß Wee Zentner Frühäpfel(Kaiser Alexander, roter Calville Prinzen⸗ 1 Mienen ae 1 zu 10 Pfg. gegen Barzahlung Mengen unter fund werden ni 2 händler sind ausgeschlossen. n nickt abseen e Gießen, den 2. September 1915. a Der Ober bürgermeister. eller. befänden sich schon auf ungehindertem Vormarsch gegen die Haupt— N* Te 0* Krofdorf. Nachruf. Als weiteres(tünttes) Opfer des grossen und schreck- lichen Völkerringens fiel am 22. August in Feindesland unser liebes und wertes Mitglied, der Turngenosse Kanonier Karl Ferdinand Schupp Feldartillerie-Batterie Nr. 291 im jugendlichen Alter von erst 20 Jabren. Sein eitriges Bestreben zur Förderung der freien Turnsache werden ihm bei uns ein ehrendes Andenken sichern. Der Vorstand. Freie Turnerschaft 322 10 Uelbecher raueneren Ortsgruppe Gießen. Ausklunftstelle für Frauenberufe. Frauen und Mädchen erhalten unentgeltlich Rat und Aus- kunft für alle Berufe im alten Rathaus, Marktplatz 14, Diens⸗ tags nachm. von 6½—7/ Uhr. Rechtsschutzstelle. Frauen und Mädchen erhalten nuentaeltlich Rat und Auskunft in Rechtsangelegenheiten 50 ee ee n mittass e ANRIN NN NN NN NN NN NN NN de NN Nec 80 885 goeben erschienen! Bo steht der Krie am 6. September 1915. 4 Hauptkarten, 16 Spezialkarten, 1 Krirgachronik. Preis nur 50 Pfg. Aleinperkauf: Oberhessiche Volkszeitung, Bahnhoffr. FF Veste Kriegskarte! 1 8 Londoner Telegramms einzugehen, 70 * a 1 9 ————— isormen Ahelticchl laschen el, lat n Deko ö 0 0 öhnlich dug ho ien sit denn lle 0 be eint die Die h r den ut ind Mu kiten nie r Völke liz jede a