3 tung Organ für die Interessen des werktätigen Volkes 0 der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Die Oberbessische Volksseitung erscheint jeden Werktag Abend in SGWießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich 60 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl. 1.80 Mk. Redaktion und Expedition Gießen, Bahnhofstraßse 23, Gcke Löwengasse. Telephon 2008. Inserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 208 Gießen, Montag, den 6. September 1915 10. Jahrgang Das Wunder. Von Dr. Paul Lensch. Deer Einblick, den uns die Veröffentlichungen aus den belgi⸗ chen Gesandtenberichten in das Wesen der englischen Weltpolitik gegeben haben, beweist von neuem, wie kindlich es ist, die Ent⸗ scheidung über den„Schuldigen“ abhängig zu machen von dem Ver⸗ halten der Großmächte während der letzten 8 Tage vor Ausbruch des Krieges. Acht Jahre hindurch hatte Eduard VII. mit einer unbeirrbaren Zielsicherheit die Einkreisung des Deutschen Reiches vorbereitet. Er hatte zu diesem Zwecke die fast erloschenen Re- vanchefunken in Frankreich zu neuen Flammen angeblasen, hatte das schler Unmögliche fertig gebracht und die beiden Todfeinde, England und Rußland, vereinigt, er hatte den Dreibund gelockert 9 und Italien schon vor langen Jahren auf die englische Seite ge— zogen. In der ganzen Welt hatte die englische Presse das Deutsche Reich als eine gemeine Gefahr für die Sicherheit aller Völker in allen Himmelsstrichen hingestellt. In Zentralasien wie in Süd⸗ amerika, allenthalben waren englische Agenten am Werke, die die Regierungen in Schrecken setzen sollten vor angeblichen deutschen 1 Eroberungsplänen. Mit alledem wurde eine Atmosphäre ge— schaffen, deren Stickluft wir im August vorigen Jahres zu spüren bekamen, als sich nahezu der ganze bewohnte Erdkreis gegen das Deutsche Reich, sei es mit den Waffen, sei es mit moralischer Ent— rüstung, erhob. ö Immerhin wäre es falsch, wollte man annehmen, daß dieser Beltkrieg nun just das Ziel des verstorbenen Königs von Eng⸗ land gewesen sei. Im Gegenteil, die Annahme ist berechtigt, daß er ihn gerade durch seine Einkreisungspolitik vermeiden wollte. Das wirtschaftliche Erstarken Deutschlands schien ihm und der herrsch⸗ gewohnten englischen Bourgeoisie wie eine freche Anmaßung eines Verachteten rohen Emporkömmlings, und der Eintritt des Deutschen Reiches in die Weltpolitik nur gar war ihm unerträglich. Anfangs Hersuchte er, sich Deutschlands im englischen Interesse zu versichern und dem Deutschen Reiche eine ähnliche Rolle zuzuschieben, wie sie jetzt zu seinem eigenen Eutsetzen Frankreich übernommen hat: nämlich die Rolle des starken aber dummen Kerls, der Englands Schlachten zu schlagen und seine Gegner niederzuzwingen hat. Als diese Versuche auf unfruchtbaren Boden fielen, galt Deutschland in London schlechthin als der Feind, dessen Einfluß auf allen Gebieten zu brechen sei. Dieses Ziel suchte das englische Kabinett durch die Einkreifungspolitik zu erreichen. Ihr Inhalt war, gegen Deutsch—⸗ land eine derartig starke Koalition zu Stande zu bringen, daß jede Aussicht, einen bewaffneten Konflikt gegen sie bestehen zu können, von vornherein als ausgeschlossen erscheinen mußte. Also nicht durch strieg, sondern nur durch die Drohung mit dem Kriege, und zwar nit einem für Deutschland total aussichtslosen Kriege, sollte das Deutsche Reich gedehmütigt und Englands Weltherrschaft vor jeber Gefahr gesichert und neuer Erweiterung entgegengeführt werden. Diese Spekulation ist insoweit geglückt, als es in der Tat ge⸗ lang, eine derartige Koalition gegen das Deutsche Reich zu Stande ju bringen, daß in der ganzen Welt die Niederlage Deutschlands für ausgemacht galt. Von den rund 1600 Millionen Menschen, die die Erde bewohnen, stehen über 700 Millionen im Kriege gegen die 65 Millionen des deutschen Volles, also nahezu die Hälfte, und die andere Hälfte sympathisiert mehr oder weniger mit unseren Feinden. den 3 Millionen Quadratkilomefern, die das Deutsche Reich samt einen Kolonien umfaßt, slehen 65 Millionen Quadratkilometer der eindlichen Gebiete gegenüber. Diese entsetzliche Situation ist zu Beginn des Krieges häufig genug in England als die sicherste Garantie für einen überwältigenden Sieg bezeichnet worden und gilt eilweise bis zur Stunde noch dafür. Auf die Verbündeten des Deutschen Reiches, auf Oesterreich-Ungarn und die Türkei hatte nan von vornherein mit grenzenloser Verachtung geblickt und sie aum einer ernsthaften Beachtung für wert gehalten. Man kann also sagen, daß die Pläne Eduards VII., was den Umfang seiner 0 ee geplanten Koalition angeht, in einem ausschwei⸗ en 15 e gelungen sind. Und trotzdem sind sie zu anden geworden. Jetzt nach 13 Monaten Krieg sind es Fur die Zentralmächte, die auf Erfolge blicken können. Die sicherste ler Niederlagen ist ausgeblieben. Das Einmaleins des„gesunden Renschenverstandes“ scheint nicht mehr zu gelten. Jn der Tat scheint es ein Wunder zu sein, w ine Umwertung oller Werte und eine Umprägung a Anschauungen über Weltmacht und Weltpolitik. Wie ab Wunder“ zu erklären?—„„ Man kann diesen Krieg als die Rebellion der Produktivkräfte segen die vorhandenen Produktionsverhältnisse bezeichnen, wenn Han mit Marx unter Produktionsverhältnissen nur den juristischen Ausdruck für die Eigentumsverhältnisse versteht. Die Produktiv⸗ kräfte des deutschen Kapitalismus waren in der Tat so gewaltig an⸗ leschwollen, daß sie in einem stets größeren Umfang dem freien Geltmarkt zustrebten. Im Jahre 1913 hatte der deutsche Außen⸗ sandel den ungeheuren Betrag von 22½ Milliarden Mark erreicht. Er umfaßte nahezu 13 Proz. des Gesamtaußenhandels, gegen 16,0 Brozent, die auf Großbritannien, und 28 Proz., die auf England und seine Kolonien entfielen. Ze mehr aber der deutsche Kapitalis⸗ nus des freien Weltmarktes bedurfte, desto mehr hörte diesor Welt⸗ markt auf, frei zu sein. Die Eigentumsverhältnisse verschoben sich, ler Imperialismus führte zur Gründung großer Weltreiche, deren 1 Narkt man möglichst der eigenen Industrie und dem eigenen beinanzkapital vorzubehalten suchte. So lange leine Konkurrenz ir England zu befürchten war— bis ins letzte Drittel des 19. sahrhunderts— betrachtete man in London die Kolonien als eine kast und man dachte daran, sie teilweise aufzugeben. Sobald se⸗ loch die Kontinentalstaaten sich konsolidierten und die entfernteste Naöglichteit bestand, daß sie als Kolonialmächte in Frage kommen Bunten, erfaßte die englische Bourgeoisie ein wahres Annerions⸗ eber. Von den 30 Millionen gem, die jetzt das englische Weltreich mfaßt, wurden ungefähr 15 Millionen in den letzten wier Jahr- 10 as wir erleben, ller bisherigen er ist dieses — shnten anneltlert; sobaß heute das euglische Weltreich wund oalenal größer ist und 8 mal mehr ber hat als das enalische Mutter⸗ land. 11 Millionen gem umfassenden Kolonialgebiet ein Reich, das 20 mal Frankreich folgte diesem Beispiel und schuf sich in seinem größer ist als Frankreich. Ueber Rußlands rastlose Eroberungen braucht man kein Wort verlieren. Auch der deutsche Kapitalismus trat in die Annexionspolitik ein; brachte es jedoch nicht über ein Gebiet von rund 2½ Millionen qbem, fünfmal größer als Deutsch⸗ land, kam also den großen Kolonialmächten gegenüber überhaupt nicht in Betracht. Diese Zerschlagung der Welt in einzelne Reiche und die damit, Hand in Hand gehende Ausschließung oder Benachteiligung des fremden Handels in diesen Reichen war für keine Volkswirtschaft empfindlicher, als für die deutsche, weil eben sie sich im gewaltigen Aufschwung befand und am meisten auf Erleichterung der Absag⸗ erhältnisse im Weltverkehr angewiesen war. Denn es ist nicht wahr, was so gern behauptet wird, daß in den englischen Kolonien dem nichtenglischen Handel die gleichen Möglichkeiten geboten sind, wie dem englischen. Im Gegenteil! Schon vor 10 Jahren konnte Professor Schulze-Gävernitz in seinem Buche über den britischen J or 4 6 0 0 Imperialismus sagen:„Nirgends in der Welt spielt der Handel der übrigen Industriestaaten eine so geringsügige, nirgends der britische Handel eine so herrschende Rolle, als auf dem Boden der britischen Kolonien. Die britische Flagge ist ein Hindernis für die Ausbreitung fremden Handels, weshalb die europäischen Industrie⸗ staaten die ungeheure Ausdehnung des britischen Reiches gerade in den letzten Jahrzehnten als Benachteiligung empfinden mußten.“ Hier setzte leise die Rebellion der Produktivkräfte besonders des deutschen Kapitalismus gegen die Eigentumsverhältnisse in der imperialistisch verteilten Welt ein. Die englische Kolonialpolitik, die einst als eine ganz hervorragende Entwicklungsform der Pro⸗ duktivkräfte gewirkt hatte, schlug jetzt in eine Fessel derselben um. Freilich gelangen dem deutschen Kapitalismus noch Fortschritte auch in England und der englischen Kolonialwelt, aber unter welchen Schwierigkeiten! Das Verhängnisvollste aber war, daß England mit seiner Einkreisungspolitik dem deutschen Kapitalismus alle Ventile zu verstopfen sich anschickte, und so die Katastrophe selber heraufbeschwor. Es unterschätzte die lebendige und nicht zu bändigende Naturgewalt, die in den Produktivkräften des deutschen Kapitalismus vorhanden war, und die sich ihren Weg ebensowenig verrammeln ließ, wie das fließende Wasser oder der brausende Sturm. Und so brach dann in der Gestalt des Weltkrieges die Epoche der Revolution über uns herein, in der wir zur Zeit noch stehen, die aber jetzt schon kräftig dabei ist, den ungeheucren geistigen Ueberbau umzuwälzen, der sich auf der Grundlage der alten Macht⸗ verhältnisse aufgebaut hatte, und die so wenig die Feuerprobe des Krieges bestanden haben. In der Mitte der verflossenen Jahr⸗ zehnte hatten sich die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Machtver⸗ hältnisse der Großmächte untereinander total verschoben. Wie wenig sie aber bereits den politischen Gewaltverhältnissen in der Welt entsprechen, das hat freilich erst der Krieg zutage gefördert. 2 6 „ Der Seekrieg. Das Motnatsresultat. Nach der Daily Mail wurden im August 68 mpfer mit einem Gesamtinhalt von 84 117 Tonnen von deutschen Unterseebooten versenkt oder durch Minen zerstört. Dabei verloren 1178 Menschen das Leben, darunter allein 1011 bei der Versenkung des Transportschiffes„Royal Edward“ im Aegäischen Meer. Insgesamt wurden 58 Segelschiffe mit 4206 Tonnen versenkt und hierbei 21 Mann getötet. Das riesige deutsche Tauchboot. T. U. Christiania, 3. Sept. Samstag abend gegen 7½ Uhr wurde von Stavanger aus ein großes deutsches Tauchboot vor der Jaederenküste beobachtet. Es war ein Boot von riesiger Dimension. Plötzlich entdeckte es einen Dampfer, der nordwärts fuhr. Das Unterseebvot, welches mit voller Fahrt ging, jagte dem schwedischen Dampfer nach, ließ es aber unbehelligt weiterfahren, als es seine Nationalität erkannt hatte. Täglich passieren U-Boote die Igederen⸗ küste, das zuletzt gesehene übertreffe aber alle anderen an Größe. Gesunken! Von der Insel Grip, zwei Seemeilen von Christian⸗ sund entfernt, sah man am 27. August einen Dampfer mit einer Holzladung südwärts fahren. Als der Dampfer soweit gekommen war, daß man nur noch den Rauch sehen konnte, hörte man kurzhintereinander vier Schüsse. Am Freitag nachmittag trieb eine Menge Grubenholz vor Christiansund an Land. Auf denselben fand man eine Unzahl Eisensplitter und Kupferstücke, die von Granaten herrühren können. Man nimmt an, daß ein mit Holz beladener Dampfer auf der Reise von Archangelsk versenkt worden ist. Der norwegische Generalkonsul in Archangelsk teilt mit, der norwegische Dampfer„Helga“ ist am 30. August im Weißen Meer auf eine Mine gestoßen. Der Dampfer wurde vollkommen zerstört und ist gesunken. Drei Mann der Bo⸗ satzung sind umgekommen— Arzneimittelnot in Italien. Nach dem Handelsblatt Sole leidet Italien infolge Aufhörens der deutschen Zufuhr, worauf es angewiesen, solchen Mangel an wichtigen Arzneimitteln, daß die Apotheker manche Präparate kaum beschaffen können. Die Preise haben phantastisch aufgeschlagen, bei⸗ spielsweise Karbolsäure und Salicylpräparate gegen Rheumatis⸗ mus um 1200 Prozent, Bromkali um 800 Prozent, Phenazetin. um 600 Prozent, andere Fiebervräparate wie Antipirin sind gleichfalls Da 1 kuapp: auch chirurgische Hilfsmittel wie Verbau batis, Binden, Thermometer, Spritzen sind um 50 bis 200 Prozent gestiegen. Augst vor dem Frieden? Die Kreuzzeitung bespricht in ihrer Ausgabe vom Frei⸗ tag abend an leitender Stelle die Mitteilung an die ameri⸗ kanische Regierung, nach der Passagierdampfer nicht ohne vorherige Warnung und ohne daß das Leben der Nicht⸗ E kombattanten in Sicherheit gebracht ist, versenkt werden sollen. Diese Mitteilung erfüllt das konservative Blatt mit leb⸗ hafter Besorgnis und schweren Bedenken. In dem Artikel heißt es dann weiter: „Das Lob, welches man Deutschland spendet, läßt darauf schließen, daß man die Bedeutung des U-Bootkampfes gegen Eng⸗ land als wesentlich geschwächt ansteht. Darüber hinaus ist ein gut unterrichtetes englisches Blatt, der Londoner Economist, der Meinung, daß die„Besserung in der Behandlung der Kriegs⸗ gefangenen, Greys Bemerkung über die Freiheit der Heere und die Modifizierung des deutschen E-Bootkrieges guf eine Verx⸗ ringerung der Spannung zwischen Eugland und Deutschland zwecks hochdiplomatischer Absichten“ hindeute. Damit soll augenscheinlich eine Neigung zu Friedensverhand⸗ lungen angedeutet werden. Die Aeußerungen Greys sind nun freilich in keiner Weise geeignet, eine Grundlage für Friedens⸗ verhandlungen zu bieten, die für Deutschland auch nur der Er⸗ örterung fähig wäre. Es kann im Gegenteil nur als Hohn aufgefaßt werden, wenn Grey anbietet, daß die Freiheit der Meere durch Abkommen, Konferenzen und Begriffsbestimmungen ge⸗ sichert werden solle. Gewiß werden nach Friedensschluß Abkom⸗ men und Begriffsbestimmungen wieder ihre Rolle spielen. Wenn dieser Krieg uns aber eins gelehrt hat, so ist es das, daß solche Veranstaltungen flir Deutschland Bindungen bringen, an denen es bis an die äußersten Grenzen des für seine Existenz Möglichen, wenn nicht darüber hinaus, festhält. Für England dagegen be⸗ deuten sie zwar einen Schleier, hinter dem es seine Absichten, Deutschland zu vernichten, verbirgt, wenn es das für praktisch hält, dagegen keinerlei Bindung gegenüber irgend einem Staate, der nicht die Macht hat, die Besolgung dessen, was vereinbart ist, auch zu erzwingen. Aus diesem Grunde sind Friedensver⸗ handlungen mit England undenkhar die uns nicht eine wesentliche reale Verstärkung unserer Machtstellung gegen⸗ über diesem Feinde bringen, und deshalb ist es eine der dringend⸗ sten Forderungen, daß wir jede der Waffen, die wir gegen Eng⸗ land in der Hand haben, auch voll ausnutzen.“ Päpstliche Friedensbotschaft an Präsident Wilson. Newyork, 3. Sept. Kardinal Gibbons überreichte dem Präsidenten Wilson eine auf die Möglichkeit einer Friedens⸗ aktion in Europa bezügliche Botschaft des Papstes. Die Blätter meinen sehr optimistisch, der Augenblick sei günstig für einen solchen Versuch und Amerika der natürliche Ver⸗ mittler, da es mit Deutschland wieder freundliche Beziehungen hergestellt habe und auch mit allen anderen Kriegführenden in einem freundschaftlichen Verhältnis stehe. Die Evening Post nennt Wilsons Erfolg in der„Arabic“-Frage„eine Kulturtat ersten Ranges“.(Frankf. Ztg.) Das Schicksal der Geiseln in Deutschland und Frankreich. Basel, 3. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die Basler Hilfsstelle, die seit Monaten erfolgreich bemüht ist, die Lage der Geiseln in Frankreich und Deutschland zu verbessern, hat dieser Tage einen Abgeordneten nach Bern entsandt, um mit Vertretern der benachbarten kriegführenden Staaten die Frage der Freilassung der elsässischen Kriegsgeiseln zu be⸗ sprechen. Leider hat sich ergeben, daß zurzeit die französische Regierung darauf nicht eingehen kann. Es scheint, daß die Erwägung den Ausschlag gegeben hat, daß Deutschland die gesanite Bevölkerung der besetzten Departements in Gewalt hat, während Frankreich nur wenige Geiseln besitzt, die es durch den Vorstoß ins Elsaß gewonnen hat. Es befürchtet nach deren Freilassung keinerlei Einfluß mehr auf die Be- handlung seiner Staatsangehörigen unter deutscher Ver— waltung zu besitzen. Die Delegation hat den Eindruck ge— wonnen, daß neue Vergeltungsmaßregeln von der einen oder anderen Seite nicht zum Ziele führen würden. Die finanziellen Folgen der Mißernte in Frankreich Edmond Thery, der Direktor des Economiste Européen be— aiffert im Matin den durch die Mißernte in der Getreideversorgung Frankreichs bis Herbst 1916 entstandenen Ausfall auf 20 Millionen Zentner und die dadurch bedingte Notwendigkeit der Goldausfuhr auf nahezu 700 Millionen Frances. Daher seien einschneidende Er sparüngen im Staatshaushalte, selbst auf militärischem Gebiete, so⸗ weit die nationale Verteidigung nicht gefährdet werde, erforderlich. Der Bergarbeiterstreik in Südwales. London, 8. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die Morning Post schreibt in einem Leitartikel: dem Kohlen- 011 In arbeiterstreik in Südwales scheinen wir einen jener vorüber⸗ schenden Waffenstillstände erden zu haben, die mit einem hön klingenden Ausdruck als Ausgleich bezeichnet werden; selbstverständlich ist er dadurch erzielt worden, daß die Re⸗ gierung vor den Forderungen der Arbeiter die Waffen gestreckt hat, und zwar so unbedingt, als ob es nie ein Munitionsgesetz gegeben hätte. Die Bergleute wissen, daß ein Stillstand in den Kohlenlieferungen bei der jetzigen gefährlichen Lage Englands einen Stoß ins Herz der Flotte bedeuten würde: sie wissen, eine wie große Freude und Hoff⸗ nung ein Streik in Südwales in Berlin erwecken würde. Morgen werden sie vielleicht die Arbeit wieder aufnehmen, aber wie lange werden sie ihr letztes Versprechen halten? Es ist niederschlagend, daß alle Versöhnungspolitik den Zweck der Versöhnung nicht erreichen kann. Südwales gibt ein sehr schlechtes Beispiel; man erschrickt vor den Folgen, wenn es Nachfolge finden sollte. Erfolg deutscher Vergeltungsmaßnahmen. Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt:„Die dem Völkerrecht widersprechende Behandlung der deutschen Kriegs— und Zivilgefangenen in Dahomey und Nordafrika durch die französischen Behörden, insbesondere ihre Heranziehung zu übermäßigen Arbeiten unter klimatisch äußerst ungünstigen Verhältnissen, hat bekanntlich der deutschen Heerespverwaltung Veranlassung gegeben, nachdem alle Verhandlungen ergebnis— los geblieben waren, eine größere Anzahl französischer Kriegs⸗ gefangener in den Moorgegenden Nordwestdeutschlands mit der Torfgewinnung und Kultivierungsarbeiten zu beschäf— tigen. Der Aufenthalt daselbst ist ebensowenig wie die Be— schäftigung irgendwie gesundheitsschädlich; aber die Arbeit ist naturgemäß weniger angenehm als in den gewöhnlichen Gefangenenlagern, wenn auch bei weitem nicht so angreifend wie die Beschäftigung der deutschen Kriegsgefangenen im Innern Afrikas. Nachdem die deutsche Regierung erfahren hatte, daß die deutschen Gefangenen sämtlich aus Dahomey nach gesunden Plätzen Nordafrikas verbracht worden sind, wurde ein eni— sprechender Teil der französischen Gefangenen aus den Moor— gegenden in die alten Gefangenenlager zurückgebracht. Neuer— dings hat die französische Regierung mitgeteilt, daß alle im Innern Nordafrikas befindlichen deutschen Kriegsgefangenen an gesundheitlich einwandfreie, kühlere nordafrikanische Plätze gebracht worden sind; auch hat sie sich unter der Voraussetzung der Gegenseitigkeit damit einverstanden erklärt, daß diese Plätze von geeigneten, deutscherseits vorzuschlagenden, neu— tralen Persönlichkeiten besichtigt werden. In der Voraus— setzung, daß durch diese Besichtigung die französische Mit— teilung bestätigt wird, sind auch die übrigen französischen Kriegsgefangenen aus den Moorlagern wieder in die gewöhn— lichen Gefangenenlager übergeführt worden.“ Englische Friedensregungen. Die Vossische Zeitung schreibt: Es ist sehr merk⸗ würdig, wie angelegentlich jetzt von englischer Seite Gerüchte über Friedenspläne und Erörterungen über Frie— dens möglichkeiten verbreitet werden. Man hört ein eng— lisches Angebot heraus. Die Engländer werden sich den Satz, zu Lande hätten die Deutschen gesiegt, zur See die Engländer, erst gründlich aus dem Kopfe schlagen müssen, bevor von Frieden gesprochen werden kann. Türkische Offensive an den Dardanellen. Wie Schweizer Blätter von wohlunterrichteter Seite aus Sofia erfahren, bereiten die Türken eine umfassende und machtvolle Offensive an den Dardanellen vor. Obwohl die militärische Aktion geheimgehalten worden ist, konnten die Trupepntransporte doch nicht verborgen bleiben. Tag und Nacht kommen Truppentrausporte vor allem aus Kleinasien in Konstantinopel an. Gleichzeitig damit geht die Bestückung der Dardanellen mit großkalibrigen Geschützen vor sich. Ein Einspruch Italiens gegen Serbien. Rotterdam, 4. Sept. Der italienische Geschäfts⸗ träger in Nisch wurde beauftragt, gegen das Einrücken serbischer Truppenkörper in Albanien den schärfsten Einspruch zu notifizieren. Die ueberwachung des Durchgangsverkehrs in Griechenland. T. U. Saloniki, 4. Sept. Mit der Ueberwachung des Durch⸗ gangsverkehrs, die die Ausfuhr von Kriegsbannware aus Saloniki nach den dem Dreiverbande feindlichen Staaten verhindern soll, ist von einem dorthin abgesandten Vertreter der englischen Regierung mit Zustimmung Griechenlands begonnen worden. Die russischen Verluste. Laut Basler Nationalzeitung betragen, wie verschiedenen Morgenblättern gemeldet wird, die russischen Verluste von Kriegsbeginn bis zum 15. August 223 172 Offiziere, wovon 43 124 getötet und 161 443 verwundet worden sind; 18 605 werden vermißt. Die Gesamtverluste an Mannschaften be⸗ tragen schätzungsweise 5½ Millionen. Russische Vandalen. Aus Lugano wird nach der Deutschen Tageszeitung gemeldet, daß bei Zloczow das alte Schloß Sobieski von den Russen völlig vernichet worden ist. Auch das Schloß bei Voleska, eines der ältesten Königsschlösser und Geburtshaus des Königs Johann Sobieski, ist der russischen Zerstörungswut zum Opfer gefallen, ohne daß eine militärische Notwendigkeit vorgelegen hat. Russischer Dalles. Die Reise des russischen Finanzministers Bark nach London bezweckt, wie verschiedene Morgenblätter berichten, ausschließlich der Geldbeschaffung für die bis zum 1. Januar 1916 fälligen Zinsen der russischen Staatsschuld. Die vernichteten Holzvorräte in Riga. Nach Schweizer Blättermeldungen aus Petersburg beklagten sich dortige Handels- und Industriezweige, daß bei der Räumung von Riga Holzvorräte im Werte von 31 Millionen Rubel vernichtet wurden, infolge mangelnder Verfrachtung mit der Eisenbahn. Englische Barbarei. In Drontheim ist, wie der Berliner Lokalanzeiger mitteilt, kürzlich die Nachricht eingetroffen, daß die deutsche meteorologische Station in der Croßbay auf Spitzbergen von den Engländern ge— plündert und teilweise zerstört worden ist. Die deutsche Besatzung wurde gefangen genommen. Gegenwärtig liegen acht englische Kriegsschiffe an der Küste von Spitzbergen. Nriegs notizen. In der Kreuzzeitung findet sich die Anzeige, daß der Leutnant Günther Baron von Forstner am 29. August durch Brust⸗ schuß den Heldentod an der Spitze seiner Kompagnie gefunden hat. Die Kreuzzeitung fügt hinzu, daß der Verstorbene, der jetzt im 14. Infanterieregiment stand, früher im Infanterieregiment 99 in Zabern gestanden habe. Danach hätte also der Tod auf dem Schlachtselde dem Leben des jungen Offiziers ein Ende gemacht, der in der längst vergessenen Zabern-Affäre oft genannt wor⸗ den ist. Laut Baseler Nachrichten wird der Austausch der schwer⸗ verwundeten deutschen und französischen Kriegsgefangenen durch die Schweiz mit der zweiten Hälfte dieses Monats neuerdings einsetzen. Ueber die Zahl der zum Austausch gelangenden ist noch nichts bekannt. Der linksliberale Abgeordnete Ponsonby, der den schotti⸗ schen Wahlkreis Stirling Burghs vertritt, hat seit dem Ausbruch des Krieges mit großem Eiser gegen die Chauvinisten und für eine ge⸗ rechtere Beurteilung des deutschen Standpunktes ge⸗ wirkt. Wie die Times mitteilen, hat der Vorstand der Liberalen Vereinigung des Wahlkreises solgendes Tadelsvotum gegen ihn an⸗ genommen:„Angesichts der Tätigkeit unseres parlamentarischen Vertreters Ponsonby seit dem Ausbruch des Krieges verurteilen der Vorstand und die Delegierten seine Haltung, und sie weisen seine Ansichten über den Ursprung des Krieges und über die Verantwort- lichkeit für den Krieg einstimmig zurück. Wir nehmen es ihm übel, daß er es verfehlt hat, der Regierung in der höchsten nationalen Krise seine loyale Unterstützung zu gewähren.“ Bei der Eroberung von Kowno wurde in der Wohuung eines russischen Offiziers eine bronzene Kirchenglocke gefunden, die höchstwahrscheinlich als Beutestück aus Ostpreußen entwendet worden ist. Sie trägt die Inschrift„Gottlieb Feyerabend anno 1802“ das Beutestück befindet sich jetzt auf der Kommandantur in Kowno. Parteinachrichten. Erklärung. 5 1 In letzter Zeit sind im Vorwärts dem Hen aer 99 e e Aroffen ct de ge den ausgesproche⸗ 5 5 word e den lien Zwen batten die warteigenosenschaft im Reiche über die hiesige Vewedung salsch zu inermteres. 5 223 bes Vorwärts dom 4 Bericht wurden sogar für 9 In 75 in 1 Kenan erben ugust d. Js. erschienenen un. 9 7 1 nicht bestimmte 3 des erweiterten Vor⸗ standes in entstellter Form wiedergegeben. Eine dem Vorwärts vom Bi 8 d. M. zugesandte Richtigstellung und e daktion desselben abgelehnt zu verbff en. redaktion hat damit gezeigt, daß ihr an erstattung nichts gelegen ist. Wir stellen diese Tatsache hi Die Vorwärts⸗ Lage sind, die Parteigenossenschaft im R wandfreier Weise über die Frankfurter Vorwärts zu informieren. 5 Der Vorttand des Sozialdemokrati Frankfurt a. M. f Ein seltenes Begräbnis. 5 8 Am Dienstag wurde in Liegnitz i. S genosse, der Trausportarbeiter Gustav Zobel bestattet, der an den Folgen einer in Rußland erlittenen schweren Verwundung erlegen war. An der Spitze des Leichenzuges manche Militärmusik, der mehrere feldgraue Kameraden mit den rotbef der politischen und gewerkschaftlichen Organisation folgten. Sarg wurde von Soldaten getragen: schaft von Liegnitz, verlor. in Görlitz, Genosse Tösler. l Ein Opfer des i Sai Redaktion und Verlag der Oberschlesischen Freien Lresse teil ihren Lesern mit, daß sie mit dem 31. August ihr Erscheinen stellt. Die Redaktion begründet diese unerfreuliche Mitteilu schaft gezogen. Jede neue Einberufung zum Kriegsdienst riß gro 55 7 5 0 serer Abonnenten; auch unser technisches Per⸗ 1 Lücken in die Zahl unserer Abor ch unter den größten Schwierigkeiten der Betrieb sich aufrecht erhalten ließ.— sonal verringerte sich allmählich derart, daß nur no nun am 1. September cr. erfolgende Einstellung des Betriebes nur die natürliche Folge der sich ergebenden Schwierigkeiten.“ Unser Breslauer Parteiorgan, die Volkswacht, die an die Stelle 1 der Freien Presse tritt, widmet ihr folgenden Nachruf: „Die Freie Presse war eines unserer jüngsten Parteiblätter, das etwa ein halbes Jahr vor Ausbruch des Krieges zum ersten Mal bern inden Widerstand gegen Vorurteile und Haß, den sie zu überwinden* Aber es ist ihr gelungen. Die Zahl ihrer Anhänger, die von Tag 1 zu Tag wuchs, bis der Krieg kam, war ein Beweis da filr, ebe 4 für den oberschlesischen Industriebezirk erschien. sozialdemokratisches Organ für den oberschlesischen Industriebe notwendig und die Leitung des Blattes auf der richtigen Bahn war. 5 Wenn sie jetzt vorübergehend ihr Erscheinen einstellt unter dem Zwange der Verhältnisse, dann nur, um später wiederzukommen. Bis dahin wollen wir die Interessen unserer oberschlesischen Ge⸗ nossen in der Volkswacht vertreten, soweit dies unter den gegen⸗ wärtigen Verhältnissen nur irgend möglich ist.“ 1 Eine Antwort englischer Frauen an die deutsche Sozialdemokratie. Das Britische Komitee des internationalen Frauenkongresses neröffentlichte am 10. August ein Manifest als Antwort auf die Er⸗ 1 klärung des Parteivorstandes vom 23. Juni. Die britischen Frauen 5 erklären, daß das Manisest des Parteivorstandes vieles vom deut⸗ schen Standpunkte aufsaßt und deshalb nicht vom britischen Volke 55 Aber es enthalte auch Ansichten, mit denen die britischen Frauen vollständig übereinstimmen. Auch sie erheben Einspruch gegen Annexionen; auch sie glauben, daß der Friede nur geteilt werden könne. möglich sei, wenn er kein Volk demütige und im folgenden Sinne ge⸗ halten sei: 1. Verwandlung der gegenwärtig bestehenden inter⸗ 1 nationalen Schiedsgerichtshöfe in obligatorische Einrichtungen zum Zwecke der Entscheidung über alle Streitpunkte zwischen den verschie⸗ denen Staaten; 2. Unterwerfung aller internationalen Verträge und Einverständnisse unter die Aufsicht der Volksvertretungen; 3. Ein⸗ schränkung der Rüstungen durch internationale Uebereinkommen zum Zwecke allgemeiner Abrüstung; 4. Anerkennung der Unverletzlichkeit aller Nationalitäten. Der internationale Frauenkongreß habe diesem Programm noch die Forderung nach der vollständigen Gleichberechti⸗ 1 gung der Frauen als Grundbedingung der Demokratie hinzugefügt. Mit den Frauen der ganzen Welt verlangen wir, daß die neutralen Regierungen Europas und Amerikas eine Konferenz der neutralen Mächte einberufen, um den kriegführenden Mächten Friedensver⸗ mittlung auf Grund dieses Programms anzubieten.“ 3 Diethelm von Buchenberg. Erzählung von Bertold Auerbach. 68 Schnell eilte Munde davon und hörte nicht darauf, daß ihm Diethelm noch nachrief, er möge ihn begleiten. Wie traumwandelnd ging Diethelm in die Stadt zurück. Im Umschauen gewahrte er wieder die zerstreuten weißen Punkte auf dem Berge, und jetzt erinnerte er sich, daß das ja nur Kreidefelsen waren, die hierzuland auf den Bergen liegen gelassen werden, um die Dammerde vor Abschwemmungen zu wahren. Im Wirthaus schrieb er einen Brief an den Vorsitzenden und schickte ihn doch nicht ab; er wartete mit Ungeduld auf den Morgen und eilte in aller Frühe zu dem Vorsitzenden, ihm ankündigend, welche Botschaft ihm ein Soldat gebracht, den er genau bezeichnete. Der Vorsitzende entließ ihn, und Diethelm hörte kaum, daß heut ohnedies keine Sitzung sei. Noch einen Augenblick sah er seinen Schwiegersohn und bat ihn, Fränz von dem Geschehenen zu benachrichtigen, dann fuhr er mit Extrapost heimwärts, er fand aber seine Frau nicht mehr am Leben und hörte nur von der Frau Kübler, wie innig sie seiner gedacht und immer gerufen habe:„Du bist unschuldig. Du bist mein braver Diethelm.“ In seinem aufrichtigen Schmerze tröstete ihn der Ge— danke, daß sie in diesem Glauben gestorben war. Er machte eine namhafte Stiftung zu ihrem Andenken und war über— aus mild und freigebig. XX. Von Fränz war ein Brief aus der Kreisstadt gekommen. Sie hielt sich dort bei den Eltern ihres Bräutigams auf, hatte die Todesnachricht erfahren und fragte, ob sie nun dennoch heimkommen solle, und wenn dies der Vater wünsche, möge er ihr jemand zum Geleit schicken, da es nicht mehr für sie passe, allein zu reisen. Dieser Brief war für Diethelm voll Betrübnis, er sah darin aufs neue die Herzlosigkeit seines Kindes, das nicht über alles hinweg zu ihm eilte, um ihn nicht allein seinem Schmerze zu überlassen und am Grabe der Mutter mit ihm zu weinen. Ja, Diethelm fühlte, daß er in seiner Frau nicht nur eine treue Ehegenossin, sondern auch eine mütterliche Sorgfalt verloren, die allezeit fest und un⸗ beirrt ihm sich zuwendete. Er ging im Dorfe mitten unter den Menschen umher wie ein im Waldesdunkel verirrtes Kind, so verlassen, so hilflos erschien er sich. Was nützte ihm all die Ehrerbietung und zutunliche Teilnahme der Men— schen? Das waren doch nur Bettelpfennige, die man dem Hilflosen am Wege zuwirft, und ein jedes ging schließlich doch seiner eigenen Lebensweise und seiner Lustbarkeit nach und ließ ihn mit sich allein. Mit der jungen Frau Kübler zankte Diethelm stets, sie machte ihm nichts recht, das war alles anders gewesen zu Lebzeiten der Meisterin. Der Vetter Waldhornwirt hatte ihn gar noch gekränkt, denn als ihm Diethelm über das herzlose Wesen der Fränz Klage führte, hatte er gesagt:„Ich wüßt', was ich tät': das hoffärtige Mädchen bekäme mir eine junge Mutter. Ihr seid ein Mann in den besten Jahren, und ich will für Euch freiwerben, ich weiß, wo ich anklopfe, wird mir aufgemacht, ein neues Haus und eine neue Frau.“ Diethelm schrieb der Fränz, sie solle an einem bestimm— ten Tage in der Kreisstadt seiner warten, und er bereitete nun alles vor, um Buchenberg auf ewig zu verlassen; einst— weilen, bis er einen schicklichen Käufer gefunden, übergab er dem Vetter Waldhornwirt alles zur Ueberwachung. Es gingen aber doch noch Tage darauf, bevor er fortkam, da waren noch hunderterlei Sachen abzuwickeln, und diese Tage wurden ihm zur höchsten Pein. Der Geist, der aller gewohn⸗ ten Umgebung bereits Ade gesagt und doch mitten in ihr steht, erschien wie ein ruheloses Gespenst, das noch umwan— deln muß. Endlich am zehnten Tage nach seiner Rückkehr fuhr Diet— helm allein mit seinen Rappen davon. Er drückte den Hut tief in die Stirn und schaute nicht rechts und nichts links, und erst als er die kalte Herberge hinter sich hatte, atmete er frei auf. Das Reisen im frischen Herbsttag, das Fahren im eige⸗ nen Gefährt belebte ihn wieder neu, und am zweiten Mittag kam er wohl gekräftigt in der Kreisstadt an. Fränz, die er bei den Schwiegereltern traf, klagte und weinte viel, und doch schien es Diethelm, als ob sie manches nur erkünstle, um vor 5 den Schwiegereltern als gute Tochter zu erscheinen. Sis ging so straff und aufrecht umher, ihre Trauerkleidung war so wohlgeordnet, sie erschien daher schöner als je und trug gekräuselte Scheitelhaare. Diethelm betrachtete sie oft still forschend, als wäre sie gar nicht seine Tochter, und in den Tät war Fränz eine zierlich schlanke Dame geworden; nur 17 die breiten Hände, die sich noch durch Flormanschetten besen ders hervorhoben, zeigten die ehemalige Bäuerin. . Als sie einen Augenblick mit dem Vater allein War, sagte g sie schnell:„Der Munde ist auch in der Stadt, er ist beim Manöver, ich hab' ihn gesehen.“ „Was geht dich der Munde an?“ entgegnete Diethelm 1 zornig, und noch ehe etwas erwidert werden konnte, trat der Schwiegersohn ein; Schwiegermutter. Diethelm schwieg, und lange redete keines der Anwesen⸗ den ein Wort. Der Staatsanwalt hielt still die Hand der Fränz, die auf dem Tritte am Fenster saß. Diethelm fragte endlich nach den Gerichtsverhandlungen, von denen er gar nichts mehr gehört, und wie die Sache Reppenbergers aus ⸗ gegangen sei. „Die ist noch nicht aus,“ die letzte Tagesordnung für morgen. Der Schelm hat sich krank gemacht, er hat den Kalk von seinen Gesängniswänden abgefressen, so daß er ganz schwarz wurde: es ist möali N ekressen, 0 es ist möglich, daß er sich töten wollte, es kann aber auch sein, daß er 1 Untersuchungshaft noch um ein Vierteljahr hinauszuziehen hoffte 125 wir haben ihn so hergestellt, daß er morgen vor die Bank der zwölf Männer kommt, und Si ii an Schwäher, Sie müssen.“ Sie müssen dabes Diethelm preßte die Lippen fest zuf zun 8 5 8 zusammen und träppelte 2 den 1 150 auf dem Boden. Hatte denn der Neis ein Spiel mit ihm, daß er ihm die Geschi und sie ihm wie einen Fallstrick aberm or de we „Ich muß? Warum muß iche Wer ka; 1 F iche n en? Ich bin dispensiert. Wer will mich dwingenb fag lich und bebte in allen Gliedern.(Fortsetzung folgt. Vorstand des Wahlkreises Frankfurt rgänzung wurde von der Re⸗ einer objektiven Bericht⸗ ermit fest und bemerken, daß wir, jol Fles Pei diefen Maßnahmen verharrt, nicht in der jolauge der Vorwärts bei diesen Maß eiche in objektiver und ein Parteibewegung durch den schen Vereins für den Wahlteeis 1 chl. ein rühriger Partei⸗ ö chleiften Kränzen 91 4 ihm folgte die Parteigenossens⸗ die in Zobel einen ihrer treuesten Mitglieder Am Grabe sprach der Redner der freireligiösen Gemeinde 1 wie folgt:„Der schon mehr als ein Jahr andauernde Krieg mit seinen f wirtschaftlichen Folgen hat auch unseren Betrieb stark in Mitleiden⸗ 2 251 0 ohn er trug einen Flor um den Hut und sprach aufrichtige Worte des Mitgefühls um den Tod der erhielt er zur Antwort,„sie ist 6 1 als vor die Füße warf? 2 — 232 * r r und Nachbargebiete. Gießen und Umgebung. Hessen Die Fortführung der Mutterschaftsfürsorge. Der Krieg, der so manches seither Unmögliche möglich gemacht hat, brachte auch dem deutschen Volke eine gesetzlich geregelte Mutterschaftsfürsorge. Die Sozialpolitiker mußten auf Mittel und Wege sinnen, Leben und Gesundheit, die der Krieg in so ungeheurem Maße zerstört, von neuem wieder zu pflegen und zu erhalten. Gegenwärtig wird den Müttern, auch den unehelichen, wenn der Vater des Kindes Kriegs— teilnehmer ist und zu den minderbemittelten Ständen gehört, sowie allen weiblichen Krankenkassenmitgliedern folgende Fürsorge gewährt: Freie Geburtshilfe durch Hebamme und Arzt oder eine einmalige Entschädigung dafür von 25 Mark, eine Beihilfe bis zur Höhe von 10 Mark für die etwa not⸗ wendige Behandlung der Schwangerschaftsbeschwerden, ein Wochengeld von einer Mark täglich für acht Wochen und ein Stillgeld von 50 Pfg. täglich bis zum Ablauf der 12. Woche nach der Niederkunft. Für die selbst gegen Krankheit ver— sicherten Wöchnerinnen haben die Krankenkassen die Wochen— hilfe aus eigenen Mitteln zu bestreiten, für die nicht ver⸗ sicherten Kriegerfrauen werden ihnen die Aufwendungen vom Reich erstattet. An der neuen Wochenhilfe ließe sich noch manches aus⸗ setzen, z. B. daß sie noch nicht allgemein für alle minder⸗ bemittelten Frauen eingeführt ist, immerhin muß anerkannt werden, daß damit der wesentliche Teil der einschlägigen seit— herigen Forderungen der Sozialdemokratie zur Durchführung kommt. Vor dem Kriege war die einzige Pflichtleistung der Krankenkassen an die Wöchnerinnen das Wochengeld in Höhe des Krankengeldes auf die Dauer von acht Wochen, für die Mitglieder der Landkrankenkassen sogar nur auf vier Wochen. Bei der Beratung der Reichsversicherungsordnung gaben sich die Sozialdemokratie und in gewissen Grenzen auch die Frei⸗ sinnige Volkspartei Mühe, diese Fürsorge auszugestalten. Alle darauf abzielenden Anträge wurden aber abgelehnt, weil die Kosten unerschwingliche seien. Es wurde nur ein kleiner Fortschritt insofern erzielt, als die freiwilligen Mehr— leistungen, die von den Krankenkassen für die Wöchnerinnen eingeführt werden können, erweitert wurden. So können die Krankenkassen, wenn sie wollen, freie Geburtshilfe, Unter— bringung der Wöchnerin in einem Wöchnerinnenheim, Schwangerengeld, freie und zwar auch ärztliche Behandlung der Schwangerschaftsbeschwerden, Stillgeld bis zur Dauer von 12 Wochen, freie Geburtshilfe auch an nicht versicherte Ehefrauen der Mitglieder usw. einführen. Von dem Rechte der Einführung dieser Dinge haben jedoch die Krankenkassen bis jetzt recht spärlich Gebrauch gemacht. Es sind manche Schwierigkeiten zu überwinden, die Kassenleistungen frei⸗ willig zu erhöhen. Bei der Einführung der Reichsversiche⸗ rungsordnung traten die Aerzte, Krankenhäuser usw. mit neuen Forderungen an die Kassen heran, sodaß diese finan⸗ ziell stark in Anspruch genommen wurden. Das Notgesetz vom 4 August 1914 über die Sicherung der Leistungsfähig⸗ keit der Krankenkassen beschränkte die Leistungen dieser auf die gesetzlichen Pflichtleistungen, sodaß die geringen Ansätze einer weitergehenden Mutterschaftsfürsorge wieder beseitigt wur⸗ den. Die Kassen haben zwar eine Handhabe, unter Umstän⸗ den Mehrleistungen wieder einzuführen, doch ist davon nur schwacher Gebrauch gemacht worden. Für den Augenblick ist die wichtigste Aufgabe, die Reichs- Wochenhilfe zu einer dauernden Einrichtung werden zu lassen. Der Krieg hat gezeigt, daß ungeheure Summen für die Vernichtung von Leben und Gesundheit aufgebracht wer⸗ den können; es müssen deshalb ebenso die Mittel für deren Erhaltung da sein. Erfreulicher Weise herrscht auch bis weit in bürgerliche Kreise hinein das Bestreben, die Mutterschafts⸗ fürsorge erhalten zu lassen. Nur über den einzuschlagenden Weg gehen die Meinungen noch weit auseinander. Die deutsche Gesellschaft für Säuglingsschutz verlangte in einer im März 1915 im preußischen Abgeordnetenhaus abgehaltenen Versammlung die Ausgestaltung der oben er⸗ wähnten, gegenwärtig den Krankenkassen gestatteten frei⸗ willigen Mehrleistungen. Ferner sollen den Kassen eine An⸗ zahl neuer Leistungen gestattet werden; unentgeltliche ärzt⸗ liche Beratung in der Säuglingspflege, Gewährung von Säuglingsmilch, Verlängerung der Gewährung des Still⸗ geldes über 12 bis 26 Wochen, Gewährung der ganzen Mutterschaftsfürsorge auch an die nicht selbst versicherten Ehefrauen der Kassenmitglieder usw. Die erweiterten Pflichtleistungen sollen die Krankenkassen allein aus eigenen Mitteln tragen, zu den noch weitergehenden freiwilligen Leistungen sollen sie Reichszuschüsse im Verhältnis zur tat⸗ sächlichen Höhe der Aufwendungen erhalten. Diese Forderungen finden in den Kreisen der Kranken ⸗ kassen-Vertreter nicht allenthalben Beifall. Der Vorsitzende des Hauptverbandes Deutscher Ortskrankenkassen, Fräßdorf⸗ Dresden, nennt sie„weitere Sozialreform auf Kosten der Minderbemittelten“. In ähnlichem Sinne haben sich auch schon Kassenvereinigungen ausgesprochen. Sie wollen der Erweiterung nur zustimmen, wenn auch zu den ausgestalteten Pflichtleistungen Reichszuschüsse geleistet werden. Von anderen namhaften Sozialpolitikern sind noch an⸗ dere beachtenswerte Vorschläge gemacht worden. Der Kabi⸗ netsrat von Behr⸗Pinnow will zwar auch den Krankenkassen erweiterte Pflichtleistungen an die Wöchnerinnen auferlegen, doch soll für die übrigen, nicht einer Krankenkasse angehören⸗ den Wöchnerinnen, eine neue zwangsweise Mutterschafts: versicherung durch Reichsgesetzgebung eingeführt werden, der die betreffenden Frauen vom Tage ihrer Eheschließung an angehören sollen. Die Verwaltung sollen die Landes. In. validen-Versicherungsanstalten übernehmen. Prof. Dr. Mahet bringt einen alten Plan einer„Reichs⸗Mutterschaft. Versiche rung“ wieder. Er will die Wochenhilfe den Krankenkassen überhaupt abgenommen wissen und für alle Frauen eine neue Versicherungskasse auf Gegenseitigkeit gründen. Jede Frau soll eine Wochenbilfe⸗Personaltarte bekommen, in die sie jede Woche oder jedes Vierteljahr eine Beitragsmarke ein⸗ klebt. Von bürgerlichen Frauenrechtlerinnen sind einige ähnliche mehr oder weniger utopistische Vorschläge gemacht worden. In der Hauptsache kommt es darauf an, daß überhaupt die Mutterschaftsfürsorge fortgeführt wird. Auf die Form braucht letzten Endes weniger Wert gelegt werden. Im In— teresse der Arbeiterschaft läge es freilich, wenn nicht neue Versicherungseinrichtungen geschaffen werden. Wir leiden ohnehin an einer viel zu großen Zersplitterung der Fürsorge— kassen, und so mancher Arbeiter und namentlich manche Ar— beiterin findet sich in der verwickelten Gesetzgebung nicht zu— recht. Die sozialpolitischen Maßnahmen müssen so einfach und leicht verständlich wie nur irgend möglich gemacht wer— den. Am richtigsten wäre es daher, die Mutterschaftsfürsorge würde wie seither so auch weiter den Krankenkassen über⸗ tragen. Durch Ausdehnung der Leistungen auf die nicht selbst versicherten Ehefrauen der Kassenmitglieder und durch Einziehung der kleinen selbständigen Gewerbetreibenden in den Kreis der krankenversicherungspflichtigen Personen läßt sich sehr wohl ein weiterer Kreis von weiblichen Personen erfassen. Man kann der Ansicht sein, daß sich die Mutterschafts⸗ fürsorge in der Form der gegenwärtigen Reichswochenhilfe auch als dauernde Mehrleistung der Krankenkassen aufrecht erhalten läßt. Die finanzielle Lage der Krankenkassen ist nach ihrer dreißigjährigen Entwicklung nicht so ungünstig, daß sie diese Belastung nicht auf sich nehmen könnte. Auch durch den Krieg sind die Kassen seither nicht belastet worden. Wären bei der Beratung der Reichsversicherungsordnung die sozialdemokratischen Anträge angenommen worden, so hätten jetzt die Kassen die Einrichtung auch. Wenn Reichszuschüsse, die allerdings anzustreben sind, erreicht werden können, um so besser. Die Kassenverwaltungen sollten sich daher alle Mühe geben, die Mutterschaftsfürsorge als Krankenkassen⸗ einrichtung mit einführen zu helfen, und zwar äußerstenfalls beim Versagen der Reichsgesetzgebung auch auf dem Wege der freiwilligen Mehrleistung. Zeichnet die dritte Kriegsanleihe! — Eine städtische Schweinemästerei hat die Stadt Flensburg i. Holstein errichtet. Zu diesem Zwecke schloß die Stadt mit einem Viehzüchter einen Vertrag ab, daß sie auf seinem Grundstück die Mästerei einrichten konnte, weil dieses den Umständen gemäß das geeignetste war. Die Stadt verwertet die Abfälle vom Schlachthof in bester Weise, erzielt dadurch den höchsten und einen nicht zu ver⸗ achtenden Gewinn und— was die Hauptsache ist— sie sorgt dafür, daß das Schlachtvieh in der Stadt vermehrt wird, da als Abnehmer Schlachter bevorzugt werden. Zurzeit sind in der Mästerei 170 Tiere vorhanden, die bald ans Messer kom⸗ men, ferner befinden sich etwa 70 Ferkel bei 10 Sauen. Außerdem befindet sich ein Eber in der Zucht. Gefüttert wird das Vieh hauptsächlich mit dem Mageninhalt von Rin- dern, die auf dem städtischen Schlachthof aus dem Leben be⸗ fördert sind, und mit Fleischmehl, das auch auf dem Schlacht⸗ hof hergestellt wird. Während die Schweine auf der Weide in einem mit hohen Bäumen bestandenen, am Waldrande be— findlichen Kampe sind, wird ihnen auch von einem daneben liegenden Felde Comfrey verabreicht, d. h. die Blätter einer Pflanze, die der Schwarzwurzel oder dem Meerettich gleicht. Ohne jede weitere Zubereitung werden diese Blätter, die einen hohen Nährwert besitzen sollen, von den Tieren gern genommen. Versuche haben ergeben, daß Tiere, die nach dieser Methode gemästet waren, gutes, festes Fleisch hatten und in verhältnismäßig kurzer Zeit schlachtreif waren. In der Mästerei werden die Schweine durchschnittlich bis zu einem Gewicht von 200 Pfund gezüchtet und dann abge⸗ schlachtet.— Es ist sehr notwendig, daß die Städte derartige Einrichtungen trefen. — Auf dem Wochenmarkte am Samstag spielte sich ein lebhafterer Kampf zwischen Käufer und Verkäufer ab, als es sonst der Fall ist. Wenn wir von„Kampf“ reden, ist natür⸗ lich kein solcher mit Knütteln oder anderen Waffen gemeint — den es zwar auf anderen Märkten auch schon gegeben hat — sondern jener Kampf, der stets zwischen den Heerlagern der Käufer und Verkäufer stattfindet. Hierbei fällt der Sieg dem Heere zu, das am geschlossensten dasteht, dessen Reihen nicht durch Prügeleien im eigenen Lager erschüttert werden. In unserem Falle waren zweifellos die Verkäufer im Vorteil, hauptsächlich, weil es auf der Gegenseite an der nötigen Ein— heit fehlte. Trotz reichlichen Zufuhren und trotz den vom städtischen Lebensmittelausschusse in aller Frühe bekannt ge⸗ gebenen Richtpreisen, hielten sich die geforderten und gezahlten Preise fast auf derselben Höhe, wie vor 8 Tagen, weil jeder kaufen will und die Käufer sich um die Ware reißen. Würden sie mehr Zurückhaltung üben, so würden die Preise zweifellos zurückgehen. Damit soll nicht gesagt sein, daß Angebot und Nachfrage allein die Preise bestimmen, diese sind noch von anderen Faktoren abhängig; doch werden sie bekanntermaßen von Angebot und Nachfrage entscheidend beeinflußt.— Die Gießener Hausfrauen wurden zwar vom Konsumenten-Aus— schuß durch Handzettel aufgefordert, zusammenzuhalten und keine höheren Preise zu zahlen, als sie vom Lebensmittelaus⸗ schuß als angemessen bekannt gegeben wurden; allein viele beachteten diese Mahnung nicht und kauften drauflos, als fürchteten sie, sonst verhungern zu müssen. Doch gab es auch viele, welche ohne Butter heimkamen, weil sie ihnen zu teuer war. Der geforderte Preis von 1,70 Mk.— es wurde sogar noch mehr verlangt und bezahlt— ist entschieden zu hoch und in keiner Weise gerechtfertigt. 15 und 16 Pfg. für ein Ei bedeuten einfach Wucherpreise.— Immerhin wichen die Preise für die hauptsächlichsten Wochenmarktartikel um eine Kleinigkeit. Wären viele Frauen nicht so schnell mit dem Kaufen bei der Hand, so wäre es sehr wohl möglich, die unerhörten Preise ein wenig herunterzudrüchen. Wohin soll es noch führen, wenn man sich nicht gegen die Preistreibecen wehrt? i — Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten, Gefreiter Hermann Amend aus Gießen, Res.⸗Inf.⸗Regt. Nr. 116.— Ersatz⸗Res. Konrad Döll aus Gießen.— Ersatz⸗ Reservist Karl Schadeck aus Ruttershausen, Res.⸗Inf.⸗ Regt. Nr. 116.— Friedrich Röder aus Gießen. Beteiligung der Stadt au der Kriegsanleihe. Die Stadt Gießen hat für die 3. Kriegsanleihe 300 000 Mark gezeichnet.— Für die Beamten und Lehrer, die sich an der Kriegsanleihe beteiligen wollen, zahlt die Stadtkasse die Beträge vorschußweise. — Nun soll mal einer sagen, daß wir kein Geld hätten! 5 — Was heute alles als„Nahrungsmittel“ verkaust wird. Mit welcher Skrupellosigkeit manche Nahrungsmittelfabrikanten ihr Gewerbe betreiben und das kaufende Publikum täuschen und be⸗ trügen, zeigt ein Prozeß, der dieser Tage auf Grund des Nah⸗ rungsmittelgesetzes vor dem Schöffengericht Berlin⸗Mitte geführt wurde und mit der Verurteilung einer Fabrikantin Elisabeth Petrzelka, Mitinhaberin der Bouillonwürfelfabrik Karthaus u. Petrzelka, zu 600 Mk. Gelöstrafe endete. Die Angeklagte hatte unter der Bezeichnung„allerfelnste Hühnerbrühe“ Bouillon⸗ würfel in den Handel gebracht, aus denen nach Angaben der Sach⸗ verständigen höchstens ein aromatistertes Salzwasser mit Fettaugen zu machen sei. Nach den eigenen Angaben der An⸗ geklagten wurden zur Herstellung von 3500 Würfeln folgende Mate⸗ rialien verwendet: 20 Kilogramm Salz, 2½ Kilogramm Zucker, 7 Kilogramm Farbe, 3 Kilogramm Maggiwürze, 1 Kilogramm flüssige Würze, 2 Kilogramm Fett und 2 Kilogramm gesalzenes Hühnerfleisch. Aus diesen Materialien lassen sich aber, wie der Sachverständige Professor Dr. Juckenack bekundete, nicht nur 3500 Würfel, sondern, wie eine Gewichtsprobe ergeben habe, über 7000 herstellen.— Wir haben schon wiederholt vor Ankauf solcher Surro⸗ gate gewarnt, die von ihren Fabrikanten mit allen Mitteln der Reklame angepriesen werden. Das Zeug ist meistens nur einen kleinen Bruchteil des Preises wert, der dafür bezahlt werden muß. Die Käufer sind stets die Geprellten, die Fabrikanten aber„er⸗ werben“ Reichtümer. Das beweisen folgende Ankündigungen, die. vor kurzem im Berl. Tageblatt erschienen:. „Hunderttausende jährlich zu verdienen an dem Vertrieb eines hervoragenden, von ersten Aerzten glänzend begutachteten Nähr⸗ präparats“—— 2 „700 Mark monatlich verdienen nachweislich tüchtige Ver⸗ treter bei mir. Für alle Großstädte Deutschlands suche Vertreter, die gut eingeführt sind bei Kolonial- usw. Händlern, für mein echtes B. Reichelsches Honigpulver, Himbeer⸗ und Zitronenpulver. „250— 300 Mark per Woche verdienen Grossisten und Vertreter durch Vertrieb eines bestens eingeführten Nähr mittels“ „Ein köstliches, nahrhaftes Getränk!„Chesi— Hoher Ver⸗ Niens ti!!! „1000 Vertreter und Vertreter auf Buttervermehrer„Marga“ in ganz Deutschland gegen gute Provision gesucht General⸗ vertreter überall gesucht. Bezirksvertreter bei großen Bezügen, hoher Verdienst“... 5. So wird das Publikum geschröpft! Wo man noch billig leben kann.. dürfte die Mitteilung interessieren, daß am ganzen bayerischen Untermain, wie z. B. im Bezirk Obernburg bei Aschaffenburg, das Liter Milch allenthalben zu 15 Pfg. per Liter verkauft wird. Noch günstiger liegen die Verhältnisse in dem weiter mainaufwärts gelegenen Taubertal. So hat der Stadtmagistrat von Rothenburg bestimmt, daß im Stadtbezirk der Höchstpreis für Landbutter 1420 Mark und für Süßrahmbutter 1,40 Mk. per Pfund beträgt. Eier dürfen dortselbst nicht mehr als 8 bis 9 Pfg. das Stück und Rind⸗ schmalz nicht über 1,30 Mk. im Pfund kosten. In Oberfranken kostete kürzlich Landbutter beim Bezug in größeren Posten 1,15 Mk. das Pfund. Milch kostet dort 14 Pfg. im Liter. 4 Krels Wetzlar. n. Merkwürdiges Viehfutter. Die Verwaltung des Schlacht⸗ hauses der Wetzlarer Metzgerinnung bietet den Landwirten den Panseninhalt geschlachteter Tiere als Vieh⸗Dauerfutter an, das mit Strohmehl vermischt werden soll. Also, was die Eingeweide bereits bargen, soll nochmals Futter geben. — Die Maul- und Klauenseuche ist nach amtlichen Bekannt⸗ machungen sowohl in der Stadt Wetzlar, wie in einer Anzahl Land⸗ orte ausgebrochen. Westerwald und Unterlahn. Schmerz der Mutter. Ju Limburg erhielt eine Obst⸗ händlerin die Nachricht, daß ihr Sohn im Kriege gefallen sei. Das erschreckte die Frau so, daß sie auf der Straße von einem Sch lan⸗ anfalle betroffen wurde.— In Katzenbach bei Kirchen g. d. Sieg wurde eine Frau, deren Mann im Krieg ist, aus Kummer und Sorge geisteskrank und mußte ins Krankenhaus gebracht werden. Sie ist Mutter von sechs unmündigen Kindern. 0 Von Nah und Fern. Mord⸗ und Selbstmordversuch in Rödelheim. In dem Hause Alexanderstraße 39 in Rödelheim spielte sich am Freitag mittag ein blutiges Eifersuchtsdrama ab. Die 24 Jahre alte Ehefrau Berta Schäfer geb. Müller versuchte ihren schlafenden Ehemann durch Schüsse in den Kopf zu töten und sich dann selbst zu erschießen. Sch. ist von Beruf Schlosser. Als er zu Beginn des Krieges nach Frank⸗ reich ausrücken mußte, ließ er sich mit seiner Frau nottrauen. Die Frau blieb bei ihren Eltern wohnen, denen das Haus in der Alexanderstraße gehört. In der letzten Zeit ist es zwischen den Ehe⸗ leuten mehrfach zu Streitigkeiten gekommen, da Schäfer auf seine Frau eifersüchtig war. Sch. war in Frankreich verwundet worden und nach seiner Wiederherstellung auf Urlaub nach Hause gekom⸗ men. Gegenwärtig tat er wieder Dienst. In der Donnerstag Nacht hatte er Nachtdienst. Als er morgens nach Hause kam, kam es wieder zu einem Wortwechsel zwischen den Eheleuten. Später ging Sch. zu Bett, um sich von seinem Nachtdienst auszuruhen. Kurz nach 1 Uhr hörte man dann plötzlich in dem Hause mehrere Schüsse fallen. Als man in die Wohnung eilte, sand man den Mann im Bett; er blutete aus der rechten Schläfe und an der rechten Hand. Auf dem Boden des Zimmers lag die Ehefrau Schäfer, ebenfalls aus einer Wunde an der rechten Schläfe blutend. Neben ihr lag noch ein Re⸗ volver, lit dem sie die Tat vollbracht hatte. Der Zustand der beiden Eheleute soll nicht lebensgefährlich sein. Eine treffende Antwort erteilte, wie die Freisinnige Ztg. berich⸗ tet, auf dem Staatsbahnhofe in Liegnitz ein russischer Kriegs⸗ gefangener zwei jungen Mädchen, die einem Gefangenentrans⸗ port lachend anstarrten. Er rief laut:„Deutsche Frauen! Nicht lachen! Draußen liegen Leichen so hoch!“— und er zeigte auf ungefähr einen halben Meter Höhe. Fritz Friedmann, der einst sehr bekannte Berliner Rechtsanwalt, der als Anwalt ein geradezu fürstliches Einkommen hatte, ist nach längerem Siechtum in Berlin im Alter von 62 Jahren verstorben. Verfehlte Spekulationen an der Börse führten seinen finanziellen Zusammenbruch herbel. Er wurde aus der Rechtsanwaltschaft aus⸗ geschlossen. Später versuchte er das Wiederaufnahmeverfahren ein⸗ zuleiten, aber vergeblich. Nach zwei Jahren Aufenthalt in Ame xika, wo er alles mögliche unternommen hatte, ließ er sich in Paris nieder, Vor einem Jahre wandte er sich nach Berlin zurück. * Milchpantscher im Großen betrieb der Milchhändler Friedrich Weider in Offenbach, der sich am Freitag vor dem dortigen Schöffengericht wegen fortgesetzter Vergehen gegen das Nahrungs- mittelgesetz zu verantworten hatte. Er wurde zu drei Wochen Ge⸗ fängnis und 1000 Mark Geldstrafe sowie in die Kosten der Publi⸗ kation des Urteils in den Lokalblättern verurteilt. Es wurde ihm nachgewiesen, daß er fast jeden Tag seiner Milch große Mengen Wasser zusetzte und dieses Gepantsche als Vollmilch verkaufte. Der Amtsanwalt hatte drei Monate Gefängnis beautragt. —d äh. In der gegenwärtigen Zeit 9 Augesbericteder Großen Hanptgunrtier Im Westen unveränderte Lage. Unaufhaltsam vorwärts im Osten. Grodno mit sämtlichen Forts in unserem Besitz W. B. Großes Hauptquartier, 4. Sept., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Die Lage ist unverändert. Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls 1 v. Hindenburg. Der Briickenkopf von Friedrichstadt ist gestern erstürmt, 37 Offiziere, 3325 Mann sind gefangen genommen, 5 Ma⸗ schinengewehre erbeutet. Beiderseits der Wilin wiederholte der Feind seine ergebnislosen Angriffe. Er ließ außer einer sehr beträchtlichen Zahl von Toten und Verwundeten 800 Mann als Gefangene zurück. In und um Groduo fanden noch Kämpfe statt. Während der Nacht gingen aber die Russen, nachdem sie überall geschlagen waren, in östlicher Richtung zurück. Die Festung mit sämtlichen Forts ist in unserem Besitz. Der weichende Feind wird verfolgt. 6 schwere Geschütze und 2700 Gefangene sind in unseren Händen geblieben. Auch süd⸗ lich von Grodno hat der Gegner die Stellungen am Niemen geräumt. Zwischen der Swislocz⸗Mündung und der Gegend nordöstlich des Bialo⸗Wieska⸗Forstes ist die Armee des Gene— rals von Gallwitz im Angriff. Bislang sind 800 Gefangene gemacht. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Der Kampf in den Sumpfengen nördlich und nordöstlich von Fruzang dauert an. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen. Der Feind hält noch den Brückenkopf bei Bereza-Kar⸗ kuska. Weiter südlich wurde der Gegner in der Gegend von Drohiczye(60 Kilometer westlich von Pinsk) zurückgeworfen. . Oberste Heeresleitung. 8 W. B. Großes Hauptquartier, 5. Sept., vorm.(Amtlich.) f Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls . v. Hindenburg. Zwischen Friedrichstadt und Merecz(am Njemen) ist die Lage unverändert. Oestlich von Grodno ist der Feind hinter den Kotra— Abschnitt(südlich von Jeziory) zurückgewichen; die Zahl der in den Kämpfen um Grodno gemachten Gefangenen erhöhte sich auf über 3600. Von Truppen der Armee des Generals v. Gallwitz bei und südlich von Mseibowo(südwestlich von Wolkowysk) ist der Gegner erneut geworfen. 520 Gefangene wurden ein— gebracht. Heeresgruppe des Geueralfeldmarschalls . Prinzen Leopold von Bayern. Der Austritt aus der Sumpfenge bei und südöstlich von Nowyowor(nördlich von Pruzana) ist erkämpft; auch Weiter nördlich sind Fortschritte erzielt. Es wurden über 400 Gefangene gemacht und drei Maschinengewehre er— beutet. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen. Der Brückenkopf von Bereza-Kartuska ist vom Feinde unter dem Drucke unseres Angriffs geräumt. In der Gegend von Drohiezyn und südlich leistete der Gegner gestern nochmals Widerstan d. Er wird weiter angegriffen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die Armee des Generals Grafen Bothmer hat eine Reihe feindlicher Vorstellungen auf dem westlichen Sereth— Ufer gestürmt. Westlicher Kriegsschauplatz. Keine wesentlichen Ereignisse. Oberste Heeresleitung. N* 92* 2** Der österreichisch⸗ungarische Tages bericht Siegreiches Vordringen in Wolhynien. 30 Offiziere und 3000 Mann gefangen. Verlustreiche italienische Angriffe. Wien, 5. Sept.(W. B.) Amtlich wird verlautbart: 5. Sep⸗ tember 1915. Russischer Kriegsschauplaßz. Die Russen setzten unserem Vordringen in Ostgalizien und Wolhynien hestigen Widerstand entgegen. Ein russischer Angriff an der bessarabischen Grenze brach vor unseren Hindernissen zu⸗ sammen, wobei mehrere feindliche Bataillone zersprengt wurden. Oestlich der Sereth⸗Mündung drang der Feind unter ge⸗ wohnter Aufopferung seiner Menschenmassen in einen unserer Schützengräben ein, wurde aber im Kampfe von Mann gegen Mann zurückgeworfen. wobei er zahlreiche Tote und Ge⸗ fangene in unserer Hand ließ. Westlich von Tarnopol erstsirmten österreichisch⸗ungarische und deutsche Truppen ausgedehnte feind⸗ liche Verschanzungen. Auch bei Zalozee nahmen wir einen russischen Stlizpunkt. Oestlich von Brody und in Wolhynien ge⸗ winnt unser Angriff langsam Raum. Die im Festungs⸗ Dreieck kämpfenden k. und k. Streitträfte haben in den letzten Ge⸗ sechtstagen etwa 30 russische Offiziere und über 3000 Mann gefangen genommen. 8 5 Auf dem Klosier Budzanow, das sich inmitten der russischen Front am unteren Sereth befindet, weht seit einigen Tagen die Fahne mit dem Genfer Kreuz. Wenn schon von Haus aus nicht angenommen werden kann, daß ein Feldspital mitten in der Hauptstellung errichtet wird, so ist im vorliegenden Falle über⸗ dies festgestellt worden, daß die Russen das Kloster zu einem starken feldmäßigen Stüßpunkt ausgestaltet haben. Es wird sonach niemand erstaunen, wenn demnächst russische Be⸗ richte erzählen mögen, wir häten das in Rede stehende Kloster trotz des Genfer Kreuzes unter Feuer genommen. Der Feind macht sich hier eines Mißbrauchs völker rechtlicher Abmach⸗ ungen schuldig, der unsere Gefechtsführung keineswegs beein⸗ trächtigen darf. Ztalienischer Kriegsschauplatz. Gestern entwickelten die Italiener auf der Hochfläche von Do⸗ berdo eine erhöhte, aber ganzlich erfolglose Tätigkeit. Nach hes⸗ tiger Beschießung einzelner Räume durch ihre Artillerie jeden Kalibers versuchten sie schon vormittags mehrere Vorstöße entlang der Straße San Martino. Alle wurden abgewiesen. Unsere Artillerie wirkte verheerend gegen den zurückflutenden Feind. Gegen Abend nahm das Geschützfeuer an Heftigkeit zu. Sodann folgten wieder vereinzelte Infanterieangriffe, die sämtlich unter großen Verlusten der Italiener scheiterten. In Südtirol wurden zwei feindliche Kompagnien, die unsere Posten in Marco angriffen, in die Flucht geschlagen. Der Stellvertreter des Chess des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnant. Die nationale Verteidigung Rußlands. Petersburg, 4. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Meldung der Petersurger Telegraphen⸗Agentur. Heute früh fand unter dem Vorsitz des Zaren die Eröffnung einer Reihe besonderer Besprechungen statt, die eine Vereinheitlichung der Maßnahmen zur nat io nalen Verteidigung zum Gegenstand haben. Die Beratungen sollen sich beziehen 1. auf eine Organisation der Transport- mittel derjenigen öffentlichen Einrichtungen, die in den Be⸗ dürfnissen der Landesverteidigung liegen; 2. auf Fragen der Lebensmittelversorgung; 3. auf Herbeischaffung von Kriegs⸗ material und Munition.— Zuerst sprach der Zar, dem der Kriegsminister Poliwanow, der Präsident des Reichs⸗ rats Kulomzino und der Dumapräsident Ro dzianko antworteten.— Nach Schluß der Versammlung wurden die Mitglieder von dem Zaren, der Zarin und dem Thronfolger empfangen. Die große Offensive der Verbündeten im Westen. Die Baseler Nachrichten melden: An der Spitze ihres Depeschenteils veröffentlicht die Nowoje Wremja ein Tele⸗ gramm ihres Pariser Korrespondenten, der nach Anfrage an zuständiger Stelle versichert, daß die große Offensive im Westen nicht mehr lange auf sich warten lassen werde. Der Pessimismus bei den Verbündeten. T. U. Haag, 5. Sept. Wie auf ein gegebenes Zeichen be⸗ ginnt die Vierverbandspresse in London, Paris und Havre einen Feldzug gegen den zunehmenden Pessimismus. Ech de Belge sagt, der Pessimismus sei beim Bürger was die Desertion beim Soldaten sei. Jene, welche überall herum⸗ gehen und darüber klagen, daß die Russen flüchten, daß di? Franzosen nicht vorwärtskommen, daß die Dardanellen Stand halten, besorgen die Geschäfte Deutschland. Die Vier⸗ verbandspresse stellt fest, daß die Zahl dieser Kopfhänger täg⸗ lich wächst. Der türkische Tagesbericht. Konstautinopel, 5. Sept.(W. T. B.) Das Haupt⸗ quartier teilt mit: Am 4. September brachten wir aur den Dardanellen ein feindliches Unterseeboot zum Sinken; wir nahmen drei Offiziere und 25 Mann seiner Besatzung gefangen. 5 Im Abschnitt von Anaforta führten Erkundungsab⸗ teilungen erfolgreich nächtliche Ueberfälle aus und nahmen dem Feind von neuem zahlreiche Beute ab. Am 4. September verursachte unsere Artillerse auf einem fe in d⸗ lichen Transportschiff an der Küste bei Bujuk Kemikli einen Brand. Bei Ari Burnn dauern Artillerie⸗ kampf und Bombenwerfen an. Bei Sedd⸗ül-Bahr feuerte die feindliche Artillerie ohne Unterbrechung und ohne Erfolg gegen die Uferfront Atschitepe. Am 4. September bom⸗ bardierten unsere anatolischen Batterien in der Meerenge wirksam Barken des Feindes am Kap Elias Burnu aus ge deckten Stellungen bei Mortoliman, sowie seine Batterien und Lager bei Sedd⸗ül⸗Bahr. Infolge unseres Bombarde ments versuchte die feindliche Artillerie zu erwidern, wurde jedoch zum Schweigen gebracht. Auch wurde der Feind ge⸗ ind neue aufzuschlage a 2212 2 ö daumen 1 8 5 nötigt, seine Lager zu rau, feindliche Torpedos Abend zwangen unsere e 9 25 0 die sich dem Eingang der Meeren 1 zur Rückkehr. Ein feindlicher Dampfer, der lauge Jane dem Feuer unserer Artillerie blieb, wurde in der ae heit auf die hohe See hinausgeschlepdt.! Auf den übrigen Fronten ist keine treten. a 31 Ein Allandampfer torpediert T. U. Köln, 6. Sept.(Privattelegr.) Der Köln. Volks⸗ zeitung wird aus Amsterdam gemeldet: Der Dampfer „Hesperian“ der Allanlinie, der eine Verdrängung von 9599 Tonnen hatte, auf der Jahrt von Liverpool nach Seine unterwegs war und 700 Fahrgäste sowie 250 Mann? esatzung an Bord hatte, ist in der Nähe des Fastnettfelsens an der Südwestküste von Irland torpediert worden. Fahrgäste, darunter 20 Verwundete, wurden in Qucenstown gelandet. Wie verlantet, sollen drei Rettungsboote umge⸗ Mlagen feine 8 2 — Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen. N Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. mb. H. Offenbach a. N. Wochen marktpreise 111 ee 4. September 1915. 5 1.65—1.75 Mk. Zwiebeln per Pfund 15—18 Pfg. Liter 24 Pfg. Blumenkohl per Stck. 20—50 Pfg. Veränderung einge⸗ Butter per Pfd. Milch Gühnereleh Stick 15—00 Pfg.] Weißkraut v. Haupt 10—30 Pfg. Gänseeier Stück— Pig. Rotkraut p. Haupt 10—30 Pfg. Käse Stück 8—9 Pfg.] Wirsing v. Haupt 10—25 Pfg. käsematte 2 Stück 5—6 Pfg.] Kohlrabt ver Stück 6—8 Pfg. Tauben per Paar 1.30 1.50 Mk.] Gurken per Stück 10—25 fg Hühner per Stück 2.00— 2.50 Mk. Kleine Gurken Stück 3—5 Pfg. Hähne ver Stück 1.50—1.80 Pk.] Bohnen Pfund 15—18 Pfg. Ochsenfleisch per Pfd. 1.16—1.20 Mk.] Kopfsalat. per Kopf 8—12 Pfg. Gelbe Rübchen Päckchen 8—12 Pfg. Kalbfleisch ver Pfd. 100—104 Pfg.— Kuh⸗ u. Rindfl. per Pfd. 112-116 Ufg.] Birnen Pfund 10—15 Pfg. Schweinefleisch Pfd. 160170 Pfg.] Aepfel Pfund 6—20 Pfg. Hammelfleisch p. Pfd. 96110 Pfg.] Falläpfel Pfund 4—5 Pfg. Kartoffeln p. Malter 88.50 Mk.] Zwetschen Pfund 16—18 Pfg. Kartoffeln Pfd. 4—5 Pfg.] Brombeeren Schoppen 18—20 Vlg. Bekanntmachung 1 Betrifft: Bereitung und den Verkauf von Backwaren und Mehl. Zu 8 3 der Verordnung über die Bereitung von Backwaren und Mehl vom 19. Mär; 1915 wird hinzugefügt: 5 „Erlaubt ist das Bereiten von Kuchen an Samstagen für den privaten Haushalt: hierbei darf jedoch nicht mehr als die Hälfte des Gewichts der verwendeten Mehle oder mehlartigen Stoffe aus Weizen bestehen.“ Gießen, den J. September 1915. Der Oberbürgermeister: Keller. Geschäftliches. Frauenarbeit. Wer in Berlin aufmerksam durch die Potsdamer Straße geht, kommt an einem seltsamen Laden vorbei. Er trägt die weithin leuch⸗ tende Aufschrift:„Nationaler Frauendienst.“ Hinter den Scheiben befinden sich viele praktische Dinge. Man sieht Musterstücke, von Frauen gearbeitet, die ihren Mitschwestern raten wollen, man sich am besten durch die teuern Zeiten hilft. Es gibt Kochkörbe und Proben von Suppenmehl, Trockenmilch, Rezepte für neue Spei⸗ sen usw. Selbst die aufmerksamste Beschauerin ahnt aber nicht, welch große, wichtige Arbeit von diesem Laden über das deutsche Vater⸗ land ergeht und wieviel Fäden in dieser Geschäftsstelle zusammen⸗ laufen, von denen ein jeder bedeutet:„Spare auch Du, hilf auch Du mit an dem großen Werk unserer Hausfrauen⸗Kriegs⸗Arbeit“. Sparen kann man auf mancherlei Art. Vor allem gilt es, Um⸗ schau zu halten nach einem vollwertigen Ersatz für die Genußmittel Kaffee und Tee, die übrigens nur in beschränkten Mengen zu haben sind. Das Einfachste wäre, für die Ernährung der Kinder zu Groß⸗ mutters Hirse- und Haferbrei zurückzukehren, wenn uns noch ge⸗ nügend Rohware zur Verfügung stände. Da dies jedoch nicht der Fall ist, es uns andrerseits aber schwer fallen wird, auf den gewohn⸗ ten Morgenkaffee zu verzichten, so kann man der Hausfrau nur empfehlen,„Kriegs-Kornfranck“ zu verwenden. Er ersetzt ihr den Bohnenkaffee vollständig und erspart ihr monatlich eine erkleckliche Summe Wirtschaftsgeld. Verstorbene. Frau Katharina Schadeck Witwe, geb. Stei in Salzböden, 67 Zahre alt.— Peter Kratz in Lich, 80 Hahne a Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, sagen wir unseren auf- richtigsten Dank. Frau Maria Muller und Kinder. Krofdorf, den 4. September 1915. Ankauf., Alteisen, Lumpen, Knochen, Papier, Kupfer, Messing, Zink, Zinn, Blei, bei Louis Rothenberger Neuenweg 22. Metallbetten PE ne. Iolzrahmenmatratz. Kinderbetten. Sisenmöbelfabrik, Suhl i. Th. Unstreitig die beste die neueste Krieg i .»gsoperationskarte 8 er 17 j 15 mit dem Stand unserer Heere am 24 August 1915 und einer Kriegschronik in Broschürenform vom 1. August 1914 bis 31. Juli 1915 Hauptkarten, 16 Spezialkarten Karte die existiert. Alleinverkaut: Preis nur 60 Pig Oberhessische Volkszeitung, Giessen, Bahnhofstr. zu verkehren, ist Pflicht einss jeden organisierten Arbeiters. Durch den Besuch desdtewerkkschaftsbauses un- terstültet der Arbeiter sein eig. Beim, Ia Speisen u. dietränke. Billig. Logis 8 ern versuchten, 0 Eine Anzahl 23. N. 5 Am 6 ichen aganistert Je Zahl, Jer baten bmerksch samente 1 Me Leon hafte Aallon zu perkscha e Atbeite (heiterpan Kählauten Aunsenze Im shr e ace n J n berschf Aaictische schen es z im, des wclution, Aarlalt z derben wi Haninge 1 ale, die kuchen fl a inter e e ani i n