— 4 rhei Organ für die Juteressen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Die Oberhessische Volkszeitung erscheint jeden Werktag Abend in Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich 60 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl. 1.80 Mk. Redaktion und Expedition Gießen, Vahnhofstraßse 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. 9 Inserate kosten die mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 206 f Gießen, Freitag, den 3. September 1915 10. Jahrgang Der Krieg Ende Angust. Von Richard Gädke. Der dreizehnte Monat des Krieges ist zu Ende gegangen, und auch unsere Feinde gestehen jetzt zu, daß sie einen gewaltigen Fehler 5 zurückflutenden russischen Marschsäulen, die mit völkerung des Landes, mit Haus- und Wirtschafts 9 auchbaren Soldaten erforderlich ist, besonders nicht sehr hoch veranschlagt. 5 in ihren Berechnungen gemacht haben: sie haben nicht an die lange Dauer der Kraftanspannung geglaubt, die es uns ermöglicht, einer Welt von Feinden siegreich zu widerstehen. Weder finanziell und wirtschaftlich, noch militärisch! Vor einem Jahre vermeinten sie, daß wir mit unseren großen Augustsiegen des Jahres 1914 im Westen unseren Höhepunkt erreicht hätten, während die Verbünde⸗ len erst im Laufe eines Jahres ihr erdrückendes Uebergewicht wür⸗ den geltend machen. Und jetzt, im August 1915, haben wir noch weit nachhaltigere und größere Erfolge im Osten errungen, wäh⸗ rend unsere Gegner entweder nicht vorwärts kommen oder in voller Auflösung weichen. Man kann kaum zu einem anderen Schluß kommea, als duß Frankreich am Ende seiner Anstrengung ange⸗ langt ist und daß die Rekrutierung in England, bei der wachsenden Abneigung der Arbeiterschaft, ihre Haut zu Markte zu tragen, bei weitem nicht die Ergebnisse liefert, auf die man zuversichtlich ge— hofft hatte. Gewiß darf man nicht vergessen, daß inzwischen das Dardanellenabenteuer gekommen ist, daß England viele Soldaten und viel Blut getostet hat. Aber als Endergebnis bleibt bestehen, daß der französische Oberfeldherr nicht geglaubt hat, dem russischen Verbündeten in seiner schwersten Stunde beistehen zu können. Während wir nach der Theorie längst erschöpft am Boden liegen sollten, sind es unsere Feinde, die entweder fliehen oder einen An⸗ griff auf uns nicht mehr wagen. Es sind feindliche Berechnungen, die unsere Stärke im Osten auf 1, Millionen(dazu 1 120 000 DOesterreicher) und die im Westen auf 1,8 Millionen Streitbare be⸗ rechnen. Wohlverstanden, die Stärke in der Kampffront, wonach natürlich die Gesamtstärke im Feindesland erheblich höher sein müßte. Und so verschieben sie denn bereits unsere endgiltige Niederlage auf das Jahr 1916. Noch immer bauen sie darauf, daß doch zu guterletzt die gewaltige Volkszahl des riesigen Rußland ihr erdrückendes Uebergewicht zur Geltung bringen müsse. Und gessen immer wieder, daß Menschen keine Soldaten sind. Ich selbst habe immer die Zeit, die zur Ausbildung eines in Kriegszeiten, Umständen höher, als den Russen bei dem raschen Verlauf der Operationen bisher Verfügung gestanden hat! Entscheidender und auch für die kunft beruhigend sind andere Erwägungen. Die Menschen, die rasch in Krieger verwandeln will, müssen heute mehr als je⸗ isse Eigenschaften mitbringen: Begeisterung, Willigkeit, ver⸗ Aber unter allen durch Rekruten ausgefüllt werden sollen, dürfen ral nicht gebrochen sein. Wie steht es mit all Und— last not least die bedarf versehen zu können. Das den eigenen Ge— n irgendwie ab⸗ r in Galizien und Schlagfertigkeit zu te dauernden Feld⸗ rasche Fall von Brest⸗Litowsk. schon seit Mitte August beschlossene Sa Warschau und Iwangorod nur als Nachhutste lastet waren, Zeit und Raum flir den Abmarsch zu gewinnen.. Aufgabe hat die Festung in vollem Maße nicht erfüllen können. Der deutsche Sturmangriff brach den Widerstand des Feindes früher, als dieser erwartet hatte. Und so wurde die Hauptmasse erreicht und mußte mit Teilen erneut Front machen. Das wird die Verluste des Feindes wiederum steigern, seine Zerrüttung vermehren. Und das umso⸗ mehr, als sein Fußvolk schutzlos dem Feuer unserer Geschütze preis⸗ gegeben ist. Nun steht auch Grodno vor seinem Fall! Wie Weichsel⸗ und Narew⸗Linie, ist auch der breite Abschnitt des Niemen in un; serer Hand. Darf man hier einmal einen Blick rückwärts werfen? Wie anders wäre der Verlauf des Krieges gewesen, wenn unsere Grenze am Niemen gelegen hätte, wenn Kowno, Clita, Meretsch, Grodno von deutschen Truppen besetzt gewesen wären. Wahrschein⸗ lich, daß es dann nie zu einem Einfall in Ostpreußen gekommen wäre. Oder wenn Hindenburg nach seinen Siegen bei Tannen⸗ berg und Angerburg⸗Lötzen stark genug gewesen wäre, schon damals diese starle Schutzwehr den Russen zu entreißen! Die befestigten Stromabschnitte haben der N* führung unsagbare Vorteile gewährt: sie boten ihnen sichere Zu⸗ flucht, wenn sie geschlagen zuxückgingen; aus ihnen brachen sie immer von neuem wieder hervor, nachdem sie ihre Heere ergäuzt hatten; hinter ihnen leisteten sie den deutschen Angriffen hart⸗ näckigen Widerstand. Man denke nur an den langen, langen Stel⸗ lungskrieg vor Warschau, russischen Heeres— Durchbrochen wurde dieser Panzer erst, als die Heexes⸗ gruppe Mackensens vom Süden her in den offenen Rücken dieser Landesbefestigung einbrach. Man soll also den Wert solcher vor⸗ bereiteten Schlachtfelder mit dauernden Verteidigungswerken nicht gering anschlagen. Solange sie in Verbindung mit dem Feldheer stehen, und solange diesem der Rücken frei bleibt, werden sie nach wie vor ihren zwingenden Einfluß auf die Kriegführung behalten. Erst wenn die Verbindung zwischen Festung und Feldarmee gelöst ist, dann werden sie schwach, dann verlieren sie ihre Bedeutung. Darum hat freilich die einzelne Festung nur geringen Wert, desto höheren die befestigten Linien, deren Flanken gegen Umgehung geschützt sind. Die Russen bereiten sich schon auf den Fall von Wilna und Riga vor, selbst die Berichte des Generalissimus gestehen ein, daß die Deutschen in den letzten Tagen Raum in dieser Richtung ge- wonnen haben. Selbst Dünaburg scheint nicht mehr sicher. Und schon erklären die Zeitungen, daß das russische Heer hinter die Beresina gehen werde, wo angeblich eine starke Verteidigungs- stellung angelegt wird. Ob der Großfürst Nikolaus in seinem Innern noch hofst, dort seine Massen zum Stehen zu bringen, stark genung zu sein, um erneut um den Sleg zu ringen? Ist Dünaburg gefallen, dann ist seine rechte Flanke auch hinter der Beresina nicht mehr sicher. Hundert Kilometer, dahinter liegt der stärkere schnitt des Dujepr mit Smolensk. Dort hätte nach der Meinung vieler Napoleon im Jahre 1812 Halt machen sollen, um erst einmal sein Heer wieder zu ergänzen und auszuruhen, die Manneszucht herzustellen und die Verpflegung zu ordnen. Weite Räume feind⸗ lichen Landes hätte dort auch unser Heer hinter sich, eines frucht⸗ baren Landes, das trotz heißer Bemühungen der Russen doch nur unmittelbar neben den Marschstraßen gründlich verwüstet ist und zweifellos noch reiche Hilfsmittel birgt. Das Forttreiben der Be⸗ völkerung, die man wie Herden Viehes mit sich schleppt, schadet den Russen mehr als uns. Ab⸗ Enögiltige Entschlüsse wird unsere Heeresleitung wohl erst fassen, wenn sie besser übersehen kann, in welcher Stärke und in welcher Verfassung das feindliche Heer sich der Verfolgung unserer Truppen entwunden haben wird. Noch ist es nicht saweit! 1 0 Die Stimmung in Bulgarien. Ein kleines Stimmungsbild aus Bulgarien, datiert aus Sofia vom 28. August, entwirft der Berichterstatter der Vossischen Zeitung: Am 30. August beginnen in ganz Bul— garien die üblichen jährlichen Divisionsmanöver. Die Ernte ist eingebracht, das Viehfutter für die Winterszeit, ausge— nommen Mais, unter Dach, die Wintersaat bestellt. Die Frage der Getreideaus fu her wird in kürzester Frist dringlich. Gemildert werden die Ausfuhrschwierigkeiten in dem Augenblick, wo Bulgarien in den vollen Besitz der Bahn nach Dedeagatsch gelangt. Doch bleiben die Blicke auch auf den Donauweg gerichtet, dessen Oeffnung mon herbei⸗ wünscht. Der Abschluß der Feldarbeiten macht die Armee der Ackerbauer für andere Aufgaben frei. Man sieht diesen Aufgaben mit Ruhe entgegen, entschlossen zu einer end- gültigen Lösung, sobald der richtige Zeitpunkt da ist. Die Bulgaren sind sicher, daß ihnen Mazedonien nicht ent⸗ geht, sei es, daß die Serben die Provinz kampflos räumen, wie 1913 die Bulgaren die Rumänen kampflos ins Land ließen, sei es, daß Mazedonien im Waffengang wird ge⸗ wonnen werden müssen. In der bulgarischen Armee brennt der Wunsch nach Vergeltung für die Vorgänge von 1913. Ein kleiner, aber für die Stimmung des Landes immerhin bezeichnender Zug ist die neuestens vollzogene Gründung eines deutsch-bulgarischen Kulturvereins, der gestern zum ersten Male mit einem Konzertabend in die Seine Träger auf bulgarischer Seite Oeffentlichkeit trat. deutschen sind ehemalige und gegenwärtige Studierende an Hochschulen. a Die Politik Serbiens. Der Nieuwe Rotterdamsche Courant. enthält einen interessanten Brief seines Korrespondenten aus Nisch vom 23. August. Darin wird gesagt, daß die beiden o eheimen Sitzungen über 18 Stun⸗ den gedauert haben. Der Ministerpräsident Paschitsch setzte die bekannten Forderungen des Vier verbandes ausein⸗ ander, wonach Serbien den Zustand, wie er vor dem Vertrage von 1912 vorhanden war, wiederherstellen und alle Gebietsteile, um die Bulgarien damals gekommen war, wieder herausgeben sollte. Serbien sollte durch Teile Bosniens, der Herzegowina und Dal⸗ matiens entschädigt werden. Vielleicht sollte Serbien auch ein lleines Stück Nordalbaniens erhalten, wogegen jedoch Italien Be⸗ schwerde erhob. Der Vierverband bestehe auf seinen Forderungen, die er im Notsalle durch Zwang durchzusetzen drohe. Paschitsch sprach mit Absicht stets von den„verbündeten Mächten“, was jedesmal laute Pfuirufe zur Folge hatte, die keinem einzigen Protest begegneten. Man hielt es schließlich für das beste, Zeit zu gewinnen, da man infolge des Laufes der Kriegs⸗ eveignisse von Rußland vor läufig keine Hilfe mehr erwartet und andererseits zusehen will, wie die Ereignisse auf dem westlichen Kriegsschauplatze sich gestalten werden. Wie inzwischen auch von anderer Seite bekannt geworden ist stellte Serbien sich auf den Standpunkt, daß es sich im Prinzip zu einem Vergleich mit Bulgar ien bereit erklären wolle, jedoch nicht auf der Grundlage des Zustandes vor dem Vertrage pon 1912 und natürlich ohne Aufgabe der bereits besetzten Gebiets⸗ telle von Albanien. Nur in den Kreisen jüngerer Offiziere besteht die Absück— die auch in der Zeitung Piemont zum Ausdruck ham leltkrieg. — sofort gegen die„verfluchten Bulgaren“ und wenn nötig auch gegen ihre Wortführer, die„verräterischen Ententemächte“ das Schwert zu ziehen. Angeblich soll Kronprinz Alexander selbst zu diesen heißblütigen Politikern zählen. Jedoch handelt es sich hierbei nur um eine kleine Gruppe, und man glaubt, daß der von Paschitsch angegebene Weg des Hinaus zögerns eingeschlagen werde. Man stellt sich die Frage, was die Ententem ächte in einem solchen Falle tun werden, zumal es bekannt ist, daß absolut nicht eine Uebereinstimmung in dieser Frage zwischen Rußland und Italien, wahrscheinlich ebensowenig zwischen Rußland und England besteht? und es vor allen Dingen England ist, das so stark auf eine Regelung dringt, so ist man hier über die nächsten Schritte der Ententemüchte nicht sehr beunruhigt, zumal man begreift, daß der Zustand jeden Augenblick eine andere Wendung nehmen könne. Der Korrespondent des Nieuwe Rotterdamsche Courant er⸗ wähnt auch eine andere, von Tag zu Tag anwachsende Gruppe, die dem Abschluß eines Son derfriedeus mit delt Zentralmächten absolut nicht abgeneigt ist, wenn nur die Zentralmächte den ungestörten Fortbestand des Königreichs Serbien garontieren mit Beibehaltung Nord⸗Albanjens, wodurch Serbien die Häfen au der Adria erhalten würde. Mazedonien könnte dagegen Bulgarien überlassen werden. Der U⸗Bootkrieg. Berlin, 1. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Wie wir erfahren, sind in letzter Zeit von deutschen U-Booten noch folgende englische Dampfer vernichtet worden, deren Namen. bisher in der Presse nicht gebracht wurden: Der englische Dampfer„Paroou“ aus London(2665 Tonnen), der englische Dampfer„Shrikby“ aus Cardiff, der englische Dampfer „Glenby“ aus Westhartlepool(2196 Tonnen), der englische Dampfer„The Queen Glasgow“(557 Tonnen), der eng⸗ lische Dampfer„Trafalgar“ aus Liverpool(149 Tonnen) und der englische Fischdampfer„Repeat Lt. 131“ aus Lowe⸗ stoft(107 Tonnen). Kopenhagen, 31. Aug.(W. T. B. Nichtamtlich.) Der dänische Dampfer„Eloe“, der mit Kohle aus England in Aalborg einge⸗ troffen ist, berichtet, daß in der Nähe der englischen Küste eine mit Grubenholz belodene norwegische Bark von einem Unterseeboot in Brand geschossen worden fei. Die Mannschaft der Bark sei von einem norwegischen Fischerdampfer aufgenommen worden. Bessere Stimmung in Amerika. Ein Privattelegramm der Frankfurter Zeitung aus Newyork, 1. September, sagt folgendes: Die Washingtoner Regierung ist sehr befriedigt über die von England zugestandene Freigabe der Einfuhr gewisser deutscher Waren. sowie über die Berliner Mitteilungen bezüglich des „Arabic“-⸗Zwischenfalls. Der Herausgeber der Evening Post, Villard, der in Washington ist und häufig mit Wilson ver⸗ kehrt, riskiert die Meinung, daß diese Umstände den Weg für eine Vermittlung zwischen den Krieg⸗ führenden vorbereiten könnten. Fliegerangriff auf Breszia. T. U. Lugano, 1. Sept. Private Informationen über den letzten Fliegerangriff auf Breszia bestätigen, daß Dreiviertel der dortigen Waffenfabrik vollständig zerstört wurde, was für Italien einen empfindlichen Schaden bedeutet. Die Bomben trafen mit solcher Genauigkeit, daß die Leute behaupten, es müßte sich an Bord des Flugzeuges ein genauer Kenner der Stadt befunden haben. Die Zahl der Toten wird mit 20, die der Verletzten mit 18 angegeben. e* Die französischen Sozialisten und Elsaß⸗ Lothringen. Die Kammersitzung vom 26. August 1915 wird von der französischen Presse als sehr wichtig bezeichnet, da sich der Ministerpräsident Viviani sehr klar über das französische Kriegsziel ausgesprochen habe. Bislang sprach man in bezug auf Elsaß⸗Lothringen von einer„réparation du droit“, von einer Herstellung des verletzten Rechts. Das war eine zwei⸗ deutige Phrase; die Sozialisten verstanden darunter eine Abstimmung der Einwohner jener Provinzen über die Frage, ob sie die Autonomie oder den Wiederanschluß an Frankreich wünschten. Herr Viviani habe dieser Zweideutigkeit ein Ende gemacht. Er sagte klipp und klar:„Wir werden die Waffen nicht niederlegen, bis Belgien befreit ist und bis unser Elsaß und unser Lothringen wiedererobert sind.“ Genosse Varenne, der nach Viviani sprach, erklärte die vollständige Uebereinstimmung der sozialistischen Fraktion mit dem Kriegsziele der Regierung. Die einzige Pariser Zeitung, die die Ausführbarkeit dieses Ziels bezweifelt, ist die Bataille Syndicaliste, in der man auch zuweilen die deutsche Sozialdemokratie viel sach⸗ licher beurteilt als in der Humanité. Frankreich will sparen! T. U. Paris, 1. Sept. Augesichts der ungeheuren Kriegsaus⸗ gaben beschloß die Kammerkommission darüber zu wachen, daß alle unnützen Ausgaben vermieden werden. Es wurde eine besondere Kommission eingesetzt, die Maßnahmen mit dem Kriegsministerium und dem Marineministeriums betr. Unterdrückung aller unnützen Ausgaben, erwägen soll. Politische Meuchelmörder. Das Berner Tageblatt gräbt aus alten Nummern dieses Blattes heraus, daß in der Pariser Zeitung Paris⸗Midi dessen Chefredakteur Walleffee zu Neujahr 1913 folgendes schrieb: „Der einzige Wunsch, den das neue Jahr nötig macht, ist dieser: Seitdem es Anarchisten gibt und seitdem sie die Gewohnheit haben, den Herrschern ans Leben zu gehen, haben sie nach meiner Ansicht selten eine so gute Gelegenheit gehabt, uns mit ihnen zu versöhnen. Glauben Sie nicht auch, daß der Anarchist, der morgen den Erzherzog Franz Ferdinand ermorden würde, der Welt Ströme von Blut und Tränen ersparen würde?“ In dem Artikel des Berner Tageblattes wird dann noch darauf hingewiesen, daß dieselbe Pariser Zeitung während der Debatten über den dreijährigen Dienst erklärte, daß im Falle der Mobilmachung Jaures als einer der ersten ermordet werden würde. Ein Norweger über deutsche Gefangenenlager. Direktor Bauermeister aus Bergen in Norwegen hat dieser Tage mit besonderer Erlaubnis die Gefangenenlager in Parchim und Güstrow in Mecklenburg besucht, und gibt darüber bemerkenswerte Schilderungen, die auch in die schwedische und norwegische Presse übergegangen sind. Er sagt u. a.:„Beide Lager machen einen höchst sympathischen Eindruck. Ich sprach mit Franzosen, Belgiern und Eng⸗ ländern in ihrer eigenen Sprache und alle sagten, daß für sie großartig gesorgt würde, daß sie vom Höchstkomman⸗ dierenden bis zum Soldaten herab mit größter Zuvor— kommenheit und Achtung behandelt würden und daß ihre Verpflegung vorzüglich sei. Die Russen meinten, sie blieben lieber in Deutschland. Ich hatte Gelegenheit, einer von einem Franzosen geleiteten Unterrichtsstunde— er gab Deutsch— in der Schule beizuwohnen, auch Russisch, Eng⸗ lisch, Französisch, Mathematik und Stenographie wird unter— richtet. In Parchim machte der mit größter Liebe und Sorg⸗ falt gepflegte Kirchhof einen tiefen Eindruck auf mich; wie dankbar müssen die Angehörigen der toten Braven, die dort liegen, dafür sein. In Güstrow ist die Kirche von den Ge— fangenen herrlich geschmückt. Ein wunderschöner Altar, eine Kanzel, ein ausgezeichnetes Harmonium, sogar für die Katholiken eine ewige Lampe. Auch die Kunst wird gepflegt: in Güstroßd ein Theater mit hübscher Bühne. Ich erfuhr, daß die Gefangenen einen Teil der Einnahme für Deutsche Rote Kreuz⸗Zwecke als Dank für alles Gute, das man ihnen antut, überpiesen hätten. Beide Lager haben ein Kunst— atelier und ich sah ausgezeichnete, von den Gefangenen aus— geführte Arbeiten, Malereien, Zeichnungen, Schnitzarbeiten usw. Ich habe in beiden Lagern das Essen probiert und kann nur hoffen, daß die Tapferen, welche in Feindesland gefangen sind, es nur annähernd so gut haben und mit solcher Fürsorge und Achtung behandelt werden, wie die Feinde Deutschlands in diesen Gefangenenlagern. Die Komman— danten der Lager haben in Einrichtung und Leitung etwas Mustergültiges— wert Deutschlands Kultur— geleistet, und ich hoffe, wenn ich bei meiner Rückkehr nach Norwegen Vorträge über die deutsche Kriegsfürsorge halte, daß dann selbst Zweifler einsehen werden, daß die Deutschen keine „Hunnen“ und„Barbaren“ sind, wie es die Feinde immer wieder in die Ohren der Neutralen hineinposaunen möchten.“ Unruhen in Algier. Lyoner Blätter melden aus Algier, daß organisierte Ban- den das Land durchziehen und Brände stiften; die meisten der be— deutenden Ernten der Kolonie wurden auf diese Weise in Brand gesteckt. Unter der einheimischen Bevölkerung suchen die Banden Frankreich und die Verbündeten in Mißkredit zu bringen. Der heilige Krieg in Persien. T. U. Petersburg, 1. Sept. Man meldet aus Ispahan, daß der Große Muschtekif Aga Nurula der Menge in den Moscheen den Krieg gegen England und Rußland predigte Diethelm von Buchenberg. Erzählung von Bertold Auerbach. 66 Was geht in diesem Menschen vor? Mitten durchs Herz fühlte Diethelm einen Stich, als er hörte, wie die beiden Angeklagten, die doch Genossen bei der Tat gewesen, jetzt vor Gericht als die bittersten Feinde ein— ander gegenüberstanden und sich wechselseitig anklagten. So wären Diethelm und Medard einander gegenüberge— standen. Diethelm zuckte zusammen und fuhr sich mit der Hand über das Gesicht. Er schaute frei umher und auf seine Mitgeschworenen; er erinnerte sich, wo er saß. Drei volle Tage mit doppelten Sitzungen dauerte die erste Verhandlung, und bei aller ehrenhaften Anhänglichkeit an das Gerichtsverfahren klagten die Mitgeschworenen doch auch manchmal über das fremde Leben in fremder Stadt. Sie fühlten sich unbehaglich, beständig in Sonntagskleidern und der Handarbeit ledig umherzugehen; dennoch beteuerte jeder, daß er nicht davon sein möchte, und Diethelm hatte nur gegen die Behauptung Einsprache zu erheben, daß man die Sache zu weitläufig behandle. Der Schultheiß von Retting— hausen, der gleich anfangs sich für ein Schuldig entschieden hatte, erklärte jetzt, daß dieses genaue Erörtern doch einem erst die Augen öffne, und jene seltsame Seelenstimmung trat in vielen zutage, wo man bald mit Bestimmtheit ein Schuldig aussprechen möchte, bald zweifelvoll ist und wiederum ein Nichtschuldig sich herausstellen will. Der Schultheiß erwarb sich das Lob eines gutherzigen Menschen, da er darlegte, daß man sich nicht, um zeitig zu seinem Mittagessen oder zu seinem Schoppen zu kommen, verleiten lassen dürfe, über das ganze Lebensschicksal eines Menschen rasch den Stab zu brechen. Diethelm wurde staunend angesehen, als er sagte, ihm gehe es jetzt, wie ihm der Doktor von G. einmal erzählt habe. Als dieser zum ersten Male von der Anatomie kam, sah er immer nichts als aufgeschnittene Menschen vor sich, und so gehe es ihm jetzt auch. und diejenigen mit der Strafe des Himmels bedroht, die die freundschaftlichen Beziehungen mit dem ehemaligen englischen Konsul unterhalten. Bevorstehende gänzliche Befreiung Galiziens. T. U. Bukarest, 2. Sept. Die rumänische öffentliche Meinung verfolgt mit gespanntester Aufmerksamkeit die Er⸗ eignisse auf dem südöstlichen Kriegsschauplatz. Nach ein⸗ stimmiger Auffassung der hiesigen Militärkritiker ist die gänzliche Befreiung Galiziens von den Russen nur noch eine Frage von Tagen. Nach Meldungen aus Czernowitz räumen die Russen bereits ihre Stellungen an der rumänischen Grenze. Trotz der verschärften Ueber⸗ wachung seitens der russischen Behörden gelingt es dennoch einer Unzahl von Deserteuren täglich, sich auf rumänisches Gebiet zu flüchten. Man glaubt, daß das Gros der russischen Armeen sich auf die Linie zwischen den Festungen Chotin⸗ Kamencz⸗Podolsk zurückziehen werde. Aus der russischen Duma. Rietsch meldet: 32 Mitglieder der Nationalistenpartei der Duma unter Führung des Grafen Bobrinski sind aus der Fraktion ausgetreten. Sie bilden eine liberale Gruppe, um mit der Opposition zusammen zum Wohle des Vater⸗ landes zu arbeiten und gegen den neugegründeten Schwarzen Block Front zu machen. Im Interpellationsausschuß hielt der Führer der Juden, Friedmann, über die Judenfrage eine große Rede, deren Abdruck die Zensur verboten hat. Die russische Finauzklemme. Petersburg, 1. Sept.(W. B. Nichtamtlich.) Rjetsch meldet: In Petersburg fand eine Konferenz sämtlicher Banken statt, deren Vertreter äußerten, daß es nicht wünschenswert sei, jetzt eine innere Anleihe aufzulegen, sondern höchstens kurzfristige Schatzscheine im Betrage von 200 bis 300 Millionen Rubel. Dagegen fand das Pro⸗ jekt für die ausländische Anleihe Beifall. Der Stillstand im Westen. Bern, 2. Sept.(W. B. Nichtamtlich.) Der italienische Militärschriftsteller Oberst Barone beschäftigt sich in der Idea Prepanzion mit den Grundlagen, die die Engländer und Franzosen davon abhalten, eine energische Offensive gegen die Deutschen aufzunehmen, während diese mit Erfolg auf dem russischen Boden operieren. Nach Erwähnung der ausgezeichneten Hilfsmittel und vorzüglichen Ausrüstung der Engländer und Franzosen, läßt er keinen Zweifel, daß sie zur Offensive im Westen fähig sein müßten. Barone bemerkt, daß eine Meinungsverschiedenheit nicht über die Notwendig— keit einer Offensive, sondern über die Wahl des Zeitpunkts, an dem sie unternommen werde, bestehe. Eine Partei, und auf ihrer Seite steht auch die französische Heeresleitung. glaubt, daß es besser sei, die Offensive noch aufzuschieben, die andere Partei dagegen ist der Ansicht, man müsse sofort eingreifen. Barone vertritt die Anschauung der erstgenann⸗ ten Partei, man müsse sich aber auf einen entscheidenden Stoß vorbereiten. Deutsche Offiziere vor einem englischen Kriegsgericht. T. U. Amsterdam, 2. Sept. Die drei deutschen Offiziere Ma⸗ rineleutnant Th., von H. und Hans Werner von H., die aus dem englischen Gefangenenlager Llansannan entflohen waren, aber wieder eingefangen wurden, hatten sich am Samstag vor dem Kriegsgericht in Chester Castle zu verantworten. Sie erklärten vor dem Gericht, daß man sie nach ihrer Ergreifung mit Handschellen ge— sesselt habe, obwohl sie durch einen Offizier und zwei Mann mit geladenem Gewehr und aufgepflanztem Bajonett begleitet wurden und sie sich freiwillig ergeben hätten; dies sei eine eines deutschen Offiziers unwürdige Behandlung, gegen die sie auch bei dem be⸗ treffenden englischen Offizier Widerspruch erhoben hätten. Selbst der Offizier, der sie gefesselt habe, erklärte, daß er nur mit Bedauern dem ausdrücklichen Befehl folge. Griechenland und die Entente. Wien, 2. Sept.(W. B. Nichtamtlich.) Die Neue Freie Presse meldet aus Athen: Die Verhandlungen der griechischen Regierung Als endlich am dritten Abend die Verhandlung geschlossen wurde und die Geschworenen sich mit den Fragen zurückzogen, war Diethelm froh, daß er nur Vorspann gewesen war und zurückbleiben durfte. Die Geschworenen kamen bald zurück. Der Schultheiß von Rettinghausen war Obmann, er erklärte die beiden Angeklagten für schuldig. Als die Verbrecher abgeführt wurden, machte sich Diet— helm rasch davon; aber unversehens war er an den unrechten Ausgang gekommen und sah plötzlich den Landjäger mit bloßem Schwert hinter sich. Glücklicherweise klopfte ihm sein Schwiegersohn auf die Schulter und nahm ihn mit durch die Gerichtsstube. Am anderen Tage bei einer neuen Verhandlung blieb der Name Diethelm in der Urne, und der Steinbauer wurde richtig wiederum abgelehnt. Diethelm wußte zwar nicht, was er zu Hause beginnen sollte, aber weil er auf mehrere Tage frei war, kehrte er doch heim. Verwundert sah er auf dem Wege, wie das Leben der Menschen draußen, die das nicht miterlebt haben, seinen geregelten Gang fortgeht; sie alle dachten nicht an die drohenden Gerichtsverhandlungen und wie jetzt zwei Männer auf Jahrzehnte aus der Mitte der Menschen gerissen waren. Still und in sich gekehrt weilte Diethelm daheim, und nur abends beim Spiele war er lebendig. Die Leute wunderten sich, warum er so wenig vom Schwurgericht er— zählte, er aber wollte es sich aus dem Sinne schlagen und kehrte mißmutig wiederum am zweiten Dienstag nach der Kreisstadt zurück. N Der erste Mann, der Diethelm begegnete, war der Stein— bauer. Er schien ihn nicht mehr zu kennen, und in der Tat hatte sich die Erscheinung Diethelms auffallend verändert. Er trug jetzt einen dunkelblauen Rock mit Kumtkragen, Batten und dunkeln seidenbesponnenen Knöpfen, dazu eine schwarze, bis an den Hals geschlossene Atlasweste und lange, dunkelblaue Hosen, nur der Hut war der alte geblieben. Teils um selber die kennzeichnende Bauerntracht los zu sein, teils auch um, wie er hoffte, sich seinem Schwiegersohn genehmer mit den Mächten der Entente mit griechischen Schiffahrt und drückenden Aufsicht der Fl Abkommen geführt, das nu dem Ziele der Befreiung der 3 Handels von der er Alliierten habe zu einem 8 noch der formellen Genehmigung der Entente bedarf. Nach diesem Abkommen ist die Einfuhr von Waren aus den 5 ne 85 Mengen gestattet, die nach den Be⸗ dürfnissen des Landes festgesetzt werden. Die Wiederaus⸗ fuhr von verschiedenen Waren nach Serbien und, Bulgarien ist unter der Bedingung gestattet, daß die griechische Regie. rung ein besonderes Ausfuhrverbot gegenüber der Englische Verlegenheit.* 1 in Britisch⸗Somalia sind, wie die Vossische Zeitung nach dem ee 2 Aufftände ausgebrochen, die durch 1 Agi tatoren hervorgerufen wurden. Die brktische negicrung habe, un dic Empörung zu unterdrücken, in Aegypten bereits indisf he Truppen landen lassen. Der englische Gewerkschaftskongreß und die allgemeine Milter, 929 1 Unmittelbar vor dem Zusammentritt des 47, Gewerkschafts⸗ kongresses in Bristol(6. September) wird das Parlamentarische Komitee eine Sitzung abhalten, um eine Resolution über die Frage der allgemeinen Militärpflicht zu entwerfen. Obwohl der Wortlaut der Resolution noch nicht vorliegt, so ist es kein Ge⸗ 0 heimnis mehr, daß das Parlamentarische Komitee sich in unzwei⸗ deutiger Weise gegen die Einführung der allgemeinen Militärpflicht aussprechen wird. Am 13. September, am Vorabend des Wieder⸗ zusammentritts des Parlaments, wird die Arbeiterfraktion eine Versammlung einberufen, um gegen die allgemeine Militärpflicht Stellung zu nehmen. Zahlreiche Gewerkschaften haben sich bereits mit der Frage beschäftigt und sie haben sich samt und sonders gegen militärischen Zwang ausgesprochen. 94 Kriegsnolizen. Fünf Lebensmittelwucherer wurden am Dienstag in! Dresden verhaftet. Sie hatten eine Eisenbahnladung Kar⸗ toffeln, die ein Großhändler als minderwertig zurückgewiesen hatte, zu 2 Mark den Zentner in einer Auktion erstanden. Obwohl die Kartoffeln zum Teil faulig waren, verkauften die Händler den Zentner dieser Kartoffeln mit einem Aufschlag von 33,50 Mark. Auf Anzeige von Käufern griff die Polizei ein und nahm die Wucherer fest. 5 Die 1 s⸗poln. Wanderarbeiter betrifft eine Verfü⸗ gung des Generalkommandos des 7. Korps in Münster, wodurch der Befehl vom 5. Oktober v. J. über die Beschränkungen, denen die russisch⸗polnischen Arbeiter unterworfen sind, erneuert wird. Die 1 Karenzzeit fällt für die im Alter von 17 bis 45 Jahren stehenden männlichen Arbeiter auch für 1915 weg, und sämtliche russischen Ar⸗ beiter und Arbeiterinnen müssen den Winter über am Ort ihrer Ar- beitsstelle bleiben. Die Unternehmer sind verpflichtet, ihnen während des Winters Unterkunft und Verpflegung zu gewähren. 1 Der Herzog von Altenburg hat aus Anlaß seines Geburts⸗ tages verfügt, daß die große Mehrzahl der gegen Kriegsteil⸗ nehmer vor den Gerichten, den Staatsanwaltschaften oder Ver⸗ waltungsbehörden schwebenden Verfahren, niedergeschla⸗ gen werden. 5 f Der Deutsche Bankbeamtenverein hat sämtlichen Deut⸗ schen Banken eine Eingabe zugehen lassen, in der gebeten wird, den Beamten Teuerungszulagen zu gewähren. Man rechnet mit Bestimmtheit darauf, daß diese Eingaben den gewünschten Erfolg haben werden. 1 Nach der Lodzer Zeitung bedient sich der Gemeinderat bei seinen Beratungen zur allgemeinen Zufriedenheit der deutschen Sprache. Die wenigen Gemeinderäte, die die deutsche Sprache nicht vollkommen beherrschen, können polnisch reden; ihre Ausführun⸗ gen werden vom Vorsitzenden oder einem Gemeinderate ins Deutsche lübersetzt. Die deutschen Reden werden den polnischen Gemeinderäten in polnischer Sprache kurz zur Kenntnis gebracht. 1 Havas meldet: Der bekannte Flieger Pégoud hat an der Front den Tod gefunden.. Reuter meldet aus Newyork, daß an Bord des Dampfers der Hamburg-⸗Amerikalinie„Präsident Lincoln“, der in Hoboken interniert ist, 30 Krankheitsfälle vorgekommen seien, die für Malaria gehalten wurden, in denen die Behörde jedoch Cholera vermutet. Die meisten der Erkrankten seien aus Kiautschou gekommen. 9 Reuter meldet aus San Francisco: Ein Zug mit 7000 Pfund Dynamit ist bei Pinole in Kalifornien entgleist und explo⸗ diert. Drei Beamte des Zugpersonals wurden getötet und der Zug vollkommen zu Staub zermalmt. Die in der Nachbarschast liegenden Pulverfabriken blieben unbeschädigt.* Die Times meldet aus Toronto: Infolge einer deutschen Drohung, die kanadische Weizenernte auf der Prärie durch Feuer zu vernichten, wird die Grenze entlang Minnesota und Norddakota bewacht. 5 0 darzustellen, hatte Diethelm seine Erscheinung verändert; 4 überhaupt aber wollte er in jeder Weise ein anderer Mensch sein, er hatte sich genugsam über die Weichmütigkeit geärgert, die ihn an dem Schicksal der abgeurteilten Diebe so be⸗ sonderen Anteil nehmen ließ, daß er noch tagelang dachte, wie sie auf den Schub gebracht, im Zuchthaus eingekleidet und in ein fremdes Dasein gebracht werden. Er suchte ge⸗ waltsam seinen alten Stolz wieder hervor und stellte sich hoch über„das Lumpenpack, das nichts hat und nichts vermag“. Als er zu seinem Schwiegersohn kam, bedauerte dieser, daß Diethelm seine ihm wohl anstehende Tracht abgelegt habe. Er ging aber bald davon ab und berichtete mit dem freudigen Bangen, das ein Offizier vor der ersten Schlacht empfinden mag, daß er anderntags stellvertretender Staats⸗ anwalt sein werde, und zwar in der Angelegenheit Reppen⸗ bergers, der erst vor kurzem eingebracht, aber noch in dieser Gerichtsperiode abgeurteilt werde, sowohl um ihn nicht noch auf ein Vierteljahr im Salze liegen zu lassen, als auch um rasch ein abschreckendes Beispiel gegen das überhandnehmende Verbrechen zu geben. „Ich kenn' den Reppenberger, was! 2 J. 5 noch gar nichts davon gehört,“ sagte Dieihe, ae „Die Sache war schlau angelegt,“ erwiderte der stellver⸗ tretende Staatsanwalt,„er hat eine Branntweinbrennerei hat sie hoch versichert, angezündet und sich davon gemacht; er hat aber nicht an den Zugwind gedacht, und das Feuer ist zu früh ausgebrochen, am hellen Tage, man hat gelöscht und gefunden, daß die FJässer, in denen Branntwein sein sollte, nichts als Wasser enthielten. Zwölf Jahre Zuchthaus sind ihm gewiß. Es ist Brandstiftung und Betrug.“ 5 „Das ist ein schöner Spaß.“ g „Wieso Spaß?“ 985 hätt' nicht'glaubt, daß machen. Das lassen Sie sich gesagt sein das zue; wo man mich nicht anfassen darf, 8e bin 1 1 9 um mich, sei es, wer es wolle, da versteh' ich keinen 15 Sie mit mir so einen Spaß (Fortsetzung folgt.) — Türkei„ erläßt.. 2 2 2 — W— * 2 — 2 75 2 S 2 e Verfl. wodurh enen die rd. Die tehenden chen Ar⸗ hrer Ar, „ ihnen hren. Geburtz⸗ steil⸗ der Ver⸗ eschla— en Deul⸗ bird, den chnet mit f Erfolg ei seiuen itschen Sprach hrun⸗ Deutsche nderäten an det ers det rf deutscen rie dur N ola unb — —p ründeri⸗ Nensh ärgert, so b. dacht, gelebt ichte g“ sih hh ermag dieset, abgrle mit deln Schalt! Hessen Unsere Kartoffelvorräte für das neue Erntejahr. Nach den günstigen Aussichten, die die Kartoffelernte bisher bietet, darf man mit einem Ernteertrag von 450 bis 500 Millionen Doppelzentner rechnen. Davon sind für die menschliche Ernährung etwa 150 Millionen Doppelzentner erforderlich, zur Trocknung und gewerblichen Verwendung 50 Millionen und für Saatkartoffeln 70 Millionen Doppel- zentner. Es können mithin voraussichtlich etwa 200 bis 230 Millionen Doppelzentner der Kartoffeln für Futterzwecke zur Verfügung stehen. Dazu kommen noch nicht unerhebliche Reserven aus der vorigen Ernte. Die Reichsstelle für Kar— toffelversorgung hatte nach Deckung des Bedarfs der Kom— munalverbände und des Heeresbedarfs noch 4 Millionen Doppelzentner zur Verfügung, die der Verarbeitung zuge— führt werden konnten. Es wurden davon zu Kartoffelschnitzel 0, Millionen Doppelzentner verarbeitet. Der Rest des Ueber— schusses wurde mit 1,8 Millionen Doppelzentner zu Stärke, und 0,8 Millionen Doppelzentner zum Branntwein verwertet. Die neue deutsche Mode. Es ist zum Totlachen, wenn man sich in den Mode— blättern die Bilder ansieht, die„neue deutsche Mode“ repräsentieren sollen. Es ist ja sehr schwer, eine hübsche Frau durch Kleider zu verunstalten, aber dieser Mode gelingts wirk— lich! Zum Kleiderrock braucht sie 6—7 Meter Stoff, soviel, wie sonst zum ganzen Kleid. Und die Dinge sehen aus! Ein⸗ fach scheußlich! Bei den Arbeiterfrauen ist ja schon der Mehr— preis für den Stoff in den meisten Fällen Grund genug, von dieser neuen Mode abzusehen. Aber es sprechen auch noch andere Gründe dafür, daß man sich energisch gegen diesen Unfug wendet. Dem WTB. werden von berufener Seite Ausführungen zu dieser Frage übermittelt, denen wir ent⸗ nehmen: Es hat einige Zeit gedauert, ehe wir uns an die lächer⸗ lich beengenden Gewänder unserer Frauen und Mädchen gewöhnt hatten. Die Industrie hatte den Schaden davon. Jetzt aber, in demselben Augenblick, wo die Textilindustriellen des ganzen Reiches mit den Behörden Rat nehmen, geeignete Methoden ausfindig zu machen, auch die Vorräte der Gewebe zu strecken, um den Bedürfnissen des Heeres und der Be— völkerung auf möglichst lange Jahre durch eine weise Ein⸗ schränkung gerecht werden zu können,— ich sage in diesem Augenblick schickt sich die deutsche, ausgerechnet die neue deutsche Mode an, durch die üblichen Schaustellungen und Reklamen weite und faltige Röcke und Unterkleider einzu⸗ jühren, die den Stoff geradezu verschtdenden und einen Mehr⸗ bedarf von 60 bis 80 Prozent erfordern. Darf sie uns soweit tyrannisieren, daß, wenn sie in übermütiger Laune zum Extremen greift, auch wir gedankenlos genug sind, uns ihr in solcher Zeit zu unterwerfen? Noch ist es Zeit, dem Unheil zu steuern. Die Groß⸗ konfektion würde gut daran tun, namentlich soweit Baum⸗ wollgewebe in Betracht kommen, sich mit den maßgebenden Beratungsstellen der Regierung ins Einvernehmen zu setzen, bevor diese sich gezwungen sieht, durch eine geeignet Warnung, nötigenfalls durch empfindlichere Eingriffe, da— für zu sorgen, daß die von ihr getroffenen Maßregeln nicht leichtfertig durchkreuzt werden.— Das ist bereits geschehen und tatsächlich wird schon wegen des großen Kostenaufwandes vor den weiten Gesßändern gewarnt. und Nachbargebiete. Gießen und Umgebung. — Die Wochenmarktpreise. Die städtische Lebensmittel⸗ kommission: wird dafür sorgen, daß die als„angemessen“ fest⸗ gesetzten Preise rechtzeitig an der Markthalle(Turmhaus) angeschlagen werden. Diese„Richtpreise“ können natürlich nicht auf den Pfennig genau bezeichnet werden, da selbst⸗ verständlich die Waren nach Qualität verschieden sind, oder auch die Größe beim Verkauf nach Stück verschiedene Preise bedingt; sie sollen Käufern und Verkäufern nur einen An⸗ halt geben. Im eigenen Interesse der Käufer liegt es, sich nach den Preisen nach Möglichkeit zu richten, da ja sonst die Maßnahme der Stadt nichts nützt. Es ist vielfach vorge⸗ kommen, daß einkaufende Frauen jeden geforderten Preis zahlten, wodurch natürlich die Preise stets höher getrieben wurden. Bei zu hohen Forderungen der Käufer soll man diesen einfach die Ware lassen; man soll anderseits aber auch nicht noch mehr herunterhandeln wollen, wenn ein mäßiger Preis gefordert wird, was allerdings selten vorkommen dürfte.— Für die Verkäufer selber würde es oft vorteilhafter sein, die Ware ein paar Pfennige billiger herzugeben, sie hätten dann bald damit geräumt und sie würden Zeit sparen und damit Geld, anstatt sich bis Schluß des Marktes hinzu⸗ setzen und schließlich noch die Ware wieder mitnehmen zu müssen. Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Freiwilliger Sammy Eck aus Gießen. — Die erste Kriegsanleihe von 1870. Es besteht gegenwärtig vielfach Unklarheit darüber, wie sich Liebknecht und Bebel 1870 im Norddeutschen Reichstag zur ersten Kriegsanleihe verhalten haben. Sie gaben am 21. Juli die folgende Erklärung ab:„Der gegenwär⸗ lige Krieg ist ein dynastischer Krieg, unternommen im Interesse der Dynastie Bonaparte, wie der Krieg von 1866 im Interesse der Dynastie Hohenzollern. Die zur Führung des Krieges dem Reichs⸗ tag abverlangten Geldmittel können wir ncht bewilligen, weil es ein Vertrauens votum für die preußische Regierung wäre, die durch ihr Vorgehen im Jahre 1860 den gegenwärtigen Krieg vorbereitet hat. Ebensowenig können wir die geforderten Geldmittel ver⸗ weigern, denn es köunte dies als Billigung der frevelhaften und verbrecherischen Politik Bonapartes aufgefaßt werden. Als prin⸗ zipielle Gegner jedes dynastischen Krieges, als Sozial⸗Rapublikaner und Mitglieder der Internationalen Arbeiter⸗Assoziation, die ohne Unterschied der Nationalität alle Unterdrücker bekämpft, alle Unter⸗ drückten zu einem großen Bruderbunde zu vereinigen sucht, können wir uns weder direlt noch indirekt für den gegenwärtigen Krieg erklären und enthalten uns daher der Abstimmung, indem wir die zuversichtliche Hoffnung aussprechen, daß die Völker Europas, durch die jetzigen unheilvollen Ereignisse belehrt, alles aufbieten werden, um sich ihr Selbstbestimmungsrecht zu erobern und die heutige Säbel⸗ und Klassenherrschaft als die Ursache aller staatlichen und gesellschaftlichen Uebel zu beseitigen.“ * Der vierte Ausschuß ber Zweiten Kammer beschäftigte sich am Dienstag mit dem Antrage Dorsch,„die Regierung zu ersuchen, dahin wirken zu wollen, daß während der Dauer des Kriegs auf der Bühne des Großherzoglichen Hoftheaters keine französischen, eng⸗ lischen oder russischen Stücke, resp. keine Stücke mit französischer, englischer oder russischer Tendenz aufgeführt werden“. Der Antrag wurde abgelehnt. Der genannte Abgeordnete aus Wölfersheim hatte auch beantragt,„die Regierung zu ersuchen, alsbald ein Gesetz in Vorlage zu bringen, das die Anwendung fremdsprachiger Ge⸗ schäftsbezeichnungen und Hausinschristen nur in ausreichend be⸗ gründeten Fällen zuläßt.“ Der Ausschuß lehnte auch diesen Antrag ab, stellte dafür aber seinersefts den Antrag an das Plenum: die Regierung zu ersuchen, auf den Erlaß von Polizeivorschriften hinzu⸗ wirken, durch welche die Anwendung fremoͤsprachiger Geschäfts⸗ bezeichnungen und Hausinschriften nur in ausreichend begründeten Fällen erlaubt sein soll. Hoffentlich lehnt der Landtag auch diesen Antrag ab, der wirk⸗ lich zu nichts nütze ist. Wir meinen, es gäbe wichtigere und not⸗ wendigere Aufgaben genug für den Landtag, als das Volk mit solchen zwecklosen Vorschriften zu belasten. — Einschreibebriefe nach dem Auslande. Es ist vorgekommen, daß Einschreibebriefe nach dem Auslande, die nach den zur Zeit, geltenden Bestimmungen unverschlossen eingeliefert und auch offen verschickt werden müssen und deren Inhalt daher der Gefahr des Verlustes ausgesetzt ist, häufig Papiergeld und Wertgegenstände ent⸗ halten. Da nach dem Postgesetz die Postverwaltung nur Ersatz leistet für den Verlust der eingeschriebenen Sendung, nicht aber für den fehlenden Inhalt oder Teile desselben, so ist es angezeigt, zur Ver⸗ meidung von Weiterungen vorläufig von der Verschickung von Papiergeld und Wertsachen in Einschreibebriefen abzusehen. Die Schalterbeamten sind angewiesen worden, nach dieser Richtung hin auf die Einlieferer von Einschreibebriefen einzuwirken. 3 Krieg und Gewerkschaftspresse. Die große Zahl der Ein⸗ ziehungen zum Heere hat naturgemäß auch auf die Auflagehöhe, Er⸗ scheinungsweise und Umfang der Gewerkschaftspresse ihren Einfluß ausgeübt. Wie groß dieser Einfluß ist, läßt sich meist nur ver⸗ muten, wenn man die Zahl der Eingezogenen in den einzelnen Or⸗ ganisationen neben die Gesamtziffer derer stellt, welche in dem be⸗ treffenden Beruf vor Kriegsausbruch organisiert waren. Der Kor⸗ respondent der Buchdrucker macht in seiner Nummer vom 28. August genaue Angaben über seine Auflageziffer bei Kriegsbeginn und jetzt. Sie betrug damals 51 600 und ist jetzt auf 28 200 gesunken, war aber schon niedriger. Die Verringerung der Auflagehöhe beträgt 45,4 Prozent. Der Buchdrucker-Verband ist eine der festgefügtesten Organisationen in der deutschen Gewerkschaftsbewegung. Der Rück⸗ gang der Auflageziffer dürfte deshalb im allgemeinen in der Ge⸗ werkschaftspresse wenig von dem für den Korrespondent sestgestellten Verhältnis abweichen, wenn natürlich auch in den direkten Kriegs⸗ industrien andere Verhältnisse herrschen. Neben der wirtschaftlichen hat zweifellos auch die wissenschaftliche und die technische Fachpresse stark zu leiden. Zur Viehzwischenzählung, die, wie wir bereits berichteten, am 215 Oktober d. J. vorgenommen werden wird, wird dem kaiserlichen Statistischen Amte eine vorläufige Zusammenstellung bis zum 15. November übersandt. Wer vorsätzlich eine Anzeige, zu der er auf⸗ gefordert wird, nicht erstattet oder wissentlich unrichtige oder un⸗ vollständige Angaben macht, wird mit Gefängnis bis zu sechs Mo⸗ naten oder mit Geldstrafe bis zu 10000 Mark bestraft. Auch kann Vieh, dessen Vorhandensein verschwiegen worden ist, im Urteil für dem Staate verfallen erklärt werden. Das Erhebungsmuster unter⸗ scheidet bei Pferden drei Jahre alte und ältere gedeckte Mutterstuten besonders, beim Rindvieh Kälber unter drei Monaten, Jungvieh bis zu zwei Jahren und älteres Rindvieh. Hierbei werden einerseits Bullen, Stiere und Ochsen, andererseits Kühe, Färsen und Kalbinnen unterschieden. Bei den Schafen wird nach dem Geschlecht und dem Alter bis zu einem Jahr unterschieden, bei Schweinen, Ferkel bis 8 Wochen, Schweine bis, 1 Jahr und darüber. Bei den Hühnern unterscheidet man einerseits Legehühner, Kücken und Zuchthähne, andererseits Masthühner, Kapaune, und Truthühner, also Puten, Kalekuten und Kurren. — Zum Barfußgehen wird es jetzt bald zu kühl, die letzten Tage haben ein ganz erhebliches Fallen der Temperatur mit sich gebracht. Wenn wegen der teueren Schuh- und Lederpreise den Kindern bisher zu empfehlen war, barfuß zu gehen, so dürfte das jtzt kaum noch angebracht sein. Daher ist verwunderlich, daß in den Gießener Volksschulen dieser Tage erst den Kindern gesagt wurde, sie könnten(oder sollten) barfuß zur Schule kommen. Die Aufforderung ist etwas sehr verspätet.— Uebrigens welche Wand⸗ lung in den Ansichten! Früher war es den Kindern streng ver⸗ boten, barfuß zur Schule zu kommen, wenn wir nicht irren, sind darüber sogar eine Anzahl behördlicher Erlasse ergangen. Jetzt kann man auf einmal anders! Wir wollen aber damit keineswegs sagen, daß damit ein Kulturfortschritt gemacht wäre. — Aepfel⸗Verkauf. Nächsten Mittwoch nachmittag werden im Hofe der Bürgermeisterei Frühäpfel verkauft, das Pfund zu 10 Pfg. Wir verweisen auf die Bekanntmachung im heutigen Blatte. Das Obst waschen! Eindrinalich sei in der jetzigen Obstzeit darauf hingewiesen, daß jederlei Obst vor dem Gebrauch zu waschen ist! Der Anblick des Waschwassers macht einen oft erschrecken über die Menge von Staub und sonstigem Schmutz, der dem Obst anhaftet, und man kann sich denken, daß auch viele Krankheitskeime und Bazillen dabei sind, die sich auf dem Obste niederließen oder durch Insekten dorthin getragen wurden, oder beim Pflücken, Verpacken, Verfenden, Verkaufen darauf gekommen sind. Will man auf Wanderungen Obst gleich gepflückt genießen, so reibe man die Früchte einzeln mit einem sauberen Tuche ab oder schäle sie, wenig⸗ stens Aepfel und Birnen. Im übrigen soll man freilich die Schalen mitessen, denn sie enthalten in der Regel mehr Nährsalz als die innere Frucht. Postanweisungen an Kriegsgefangene in England und seinen Besitzungen werden jetzt im Haag nach dem Satze von 1 Pfund Sterling= 12,12 Gulden umgeschrieben. Es müssen also, wenn man 1 Sterling überweisen will, in Deutschland nach dem gegen⸗ wärtigen Kurse 24 Mk. 24 Pfg. eingezahlt werden.— An Kriegs⸗ und Zivilgefangene in Serbien können von jetzt ab auch Postpakete versandt werden. Vorsicht beim Pilzgenuß. Amtlich wird mitgeteilt: Die häufiger auftretenden Fälle von Erkrankungen nach Genuß von Schwämmen (Pilzen) legen die dringliche Mahnung zur äußersten Vorsicht nahe sowohl beim Selbstsammeln als auch bei dem Ankauf von Schwäm⸗ men.— Schwämme, die man nicht genau kennt, ebenso schlechte und alte Schwämme, sind überhaupt nicht zu sammeln und zu genießen; im Zweifelsfalle, wenn der Rat eines Kundigen nicht erholt werden kann, soll man die Hand davon lassen! Treten nach dem Genusse von Schwämmen Krankheitserscheinungen auf(Schmerzen im Magen, Erbrechen. Blähung des Leibes. Durchfall, Schwindel), so nehme man unverzüglich ärztliche Hilfe in Anspruch. Die Ver⸗ aiftungserscheinungen ersolgen meistens sehr rasch: nach dem Genusse des Knollenblätterpilzes, der mit dem Champignon leicht verwechselt wird, können jedoch 20 bis 30 Stunden bis zu dem ersten Zeichen vergehen. Personen, die durch den Verkauf oder durch die Abgabe giftiger Schwämme den Tod von Menschen verursachen, machen sich unter Umständen eines Vergehens der fahrlässigen Tötung schuldig. In leichteren Fällen, d. h. wenn nur eine Er⸗ krankung infolge Genusses giftiger Schwämme eintritt, können die Verkäufer, abgesehen von zivilrechtlicher Haftung für den ent—⸗ standenen materiellen Schaden, Strafeinschreitung wegen fahr— lässiger Körververletzung gewärtigen. Und nun noch ein Wort an gewisse Pilzsammler: Es hat keinen Zweck, wahllos Pilze heraus- zureißen. um sich dann erst von Leuten, die es selbst nicht genau wissen, sagen zu lassen, ob der Pilz genießbar ist oder nicht. Nur der möge sammeln, der Pilze genau kennt. Auch das zwecklose Vernichten und Zertresen von Pilzen, über deren Wert man im Un⸗ klaren ist, unterlasse Han. Man beraubt damit nur andere, die den Pilz verwerten könne e Und dann: Niemals Pilze herausreißen! Immer abschneiden! Telegramme. — Augehbeic des ötoßen Hunt Die äußeren Forts der Grodnoer Westfront gefallen. Die Forts 4 und 4a gestürmt. W. B. Großes Hauptquartier, 2. Sept., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Ju den Vogesen nördlich von Münster führte am 31. August unser Angriff zur Wiedereroberung der in den Kämpfen vom 18.—23. August an den Feind verlorenen Grabenstücke. Die Kammlinie Lingekopf⸗Barrenkopf ist damit wieder in unserem Besitz. Gegenangriffe wurden ab⸗ gewiesen, 72 Alpenjäger sind gefangen genommen, 3 Ma⸗ schinengewehre erbeutet. Ueber Avocourt(nordwestlich von Verdun) wurde ein französisches Flugzeug von einem unserer Kampfflugzeuge heruntergeschossen. Es stürzte brennend ab. Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. An der Bahn Wilna⸗Grodno wurde der Ort Czarno⸗ kowale gestürmt. Bei Merecz macht unser Angriff Fort⸗ schritte. Auf der Westfront von Grodnv ist die äußere Fort⸗ linie gefallen. Norddeutsche Landwehr stürmte gestern das nördlich der Straße von Domrowo⸗Grodno gelegene Fort 4. Die Besatzung, 500 Mann, wurde gefangen genommen. Am selben Abend folgte die Eroberung des weiter nordwestlich gelegenen Forts 4% mit 150 Mann Besatzung durch badische Truppen. Die übrigen Werke der vorgeschobenen Westfront, wurden darauf von den Russen geräumt. Oestlich des Forstes von Bialystok sind die Uebergänge über den Swislocz von Makarowie(südöstlich von Odelsf) ab aufwärts nach Kämpfen von uns besetzt. Die gestrige Gesamtbeute der Heeresgruppe beträgt 3070 Gefangene, 1 schweres Geschütz, 3 Maschinengewehre Bei Ossowiee wurden außerdem 3 vom Feinde in den Sümpfen versenkte schwere Geschütze ausgegraben. 0 Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.. Der Austritt aus dem Nordostrand des Bialo⸗Wieska⸗ Forstes ist erkämpft. Durch Ueberfall bemächtigten wir uns nachts der Jasiolda-Uebergänge im Sumpfgebiet nördlich Pruczeno. 1000 Gefangene wurden eingebracht. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen. Der Muchowiecz⸗Abschnitt wurde auf der ganzen Front in der Nacht überschritten. 5 Südöstlicher Kriegsschauplatz. 55 Auf der Verfolgung fielen gestern über 1000 Gefangene und 1 Maschinengewehr in die Hände der deutschen Truppen. Oberste Heeresleitung. 1 Der österreichisch⸗ungarische Tages bericht Brody besetzt.— Rückzug der Russen zum Sereth. Die Dujestrfront geworfen. Wien, 2. Sept.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart; 2. September 1915. 1 0 Ru ssischer Kriegsschauplatz. Die im Gebiete des wolhynischen Festungsdreiecks eingeleitete Verfolgung der Russen machte gute Fortschritte. Unsere Streitkräfte haben von Luck aufwärts den Styr in breiter Front überschritten. Auch in Ostgalizien befindet sich der Feind neuerlich im Rückzuge. Die Truppen des Generals v. Böhm⸗Ermolli rückten in Brody ein und dringen heute östlich dieser Stadt über die Reichsgrenze vor. Der nördliche Flügel des Generals Grafen Bothmer ver⸗ folgfauf den von Bzorow gegen Zalocze und Tarnopol führen⸗ den Straßen. Der geschlagene Feind weicht gegen den Sereth. Die Armee des Generals Pflanzer⸗Baltin warf die Russen gestern unter heftigen Kämpfen über die Höhen östlich der unteren Strypa zurück. Dadurch wurde auch die Dujestr⸗ front bis zur Serethmündung hinab erschüttert und zum Rückzug gezwungen. Hinter den russischen Stellungen an, der bessarabischen Grenze stehen zahlreiche Dörfer in Flammen. Die nordöstlich Kobryn kämpfenden K. und K. Truppen treiben im Verein mit unseren Verbündeten den Feind allmäh⸗ lich in das Sumpfgebiet der oberen Jasiolda zurück. 725 Italie njscher Kriegsschauplatz. 5 Die Lag 7 zischen Kriegsschauplatze hat sich auch gestern nicht geänderk. An der tiroler Front sind die Tonale⸗ Sperren und auf der Hochfläche von Lavarone⸗Folgaria außer den Werken auch unsere Stützpunkte Monte Maronia und Monie Coston unter feindlichem Geschützfeuer. Im Kärntner Grenzgebiet wurden schwächere italienische Angriffe auf den Monte Paralba und das Bladner⸗Joch abgewiesen. An der küstenländischen Front dauerten die Artilleriekämpfe mit mäßiger Stärke sort. Die technischen Arbeiten des Feindes wurden an mehreren Stellen wirksam gestört. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Hö le r, Feldmarschallentnant. Die Festung Grodno. Die am„Njemenknie“ gelegene Festung Grod us, deren äußerer Fortsgürtel von deutschen Truppen dus brochen worden ist, deckte(wie der militärische Mitarbeit der Frankf. Ztg. ausführt) die rechte Flanke der aus dem Raum Bialystok—Brest⸗Litowsk zurückweichenden russischen Truppenmassen. Darin sowie in dem Rückhalt, den Grodno bisher der nordöstlich von der Stadt die Bahnlinie Warschau Petersburg verteidigenden feindlichen Armee bot, liegt die große Bedeutung der heutigen Siegesmeldung. Bei Grodno war die russische Front, nach Westen ausgebuchtet, sert dem Fall des benachbarten Kowno und Olita stark exponierl. Die Russen hielten zum Schutz des zurückweichenden Felds zäh an der Festung fest. Sie waren durch starke Forts un gut angelegte Feldbefestigungen sowie durch die Gunst 8 den Verteidigern sehr vorteilhaften Geländes auch die sse! sehr begünstigt. Besonders die großen Wälder von Augustons, 3 die der Festung nach Westen vorgelagert sind, bildsten für Handel und Gewerbe, den gleichen Satz von rund 30 Prozent, die Angreifer schwere und zeitraubende Hindernisse. Unsere trefflichen Truppen sind aller Mühen Herr geworden; nach dem Fall der äußeren Fortslinie dürfte die Einnahme der ganzen Festung und Stadt nur noch kurze Zeit auf sich warten lassen. Dann wird unseren Truppen im weiten Raum von Kowno und Grodno die Bahn zum Vormarsch freiliegen. Wilna und die großen Verbindungswege nach Nordosten liegen vor der Front der Rauhen Armeen. Grodno zählt 45 000 1 1 5 Die Stadt im landschaftlich reizvollen Njemental vereint in ihren Mauern lebhafte Industrie, wobei ihr der Flußhafen des schiffbaren Njemen und die Kanalverbindung über Augustow mit der Weichsel zugute kommt. Es bestehen Fabriken für Tuche, Seide, Gewehre, Tabak, der Handel befaßt sich vor allem mit Getreide, Nub hol! und Hanf. An Baulichkeiten bietet die Stadt nicht viel. Das alte und das neue Schloß, dieses von August II. erbaut, dienen Militär— gwecken. Das Gebiet, das Grodno und Olita beherrschen, zeigt bei hügeliger Oberflächengestaltung mit vielen tief einschnei idenden a Flußläufen Kreideformation, die mit Versteinerungen durchsetzt ist. Der oberste Boden ist vorwiegend lehmig und sandig. Der Wasser⸗ reichtum wird auch durch die; zactreichen Seen charakterisiert. Neben dem Ackerbau nimmt die Nubung des Waldes, der vom Gouverne— ment ein Viertel der Gesamtfläche bedeckt, eine hervorragende Stel— lung ein. Von der Bevölkerung stellen die Russen und Litauer fast auf die Polen entfallen 21 Prozent, auf die Juden 17 und ein Bruchteil auf deutsche Kolo⸗ nisten. Das westwärts der beiden Festungen liegende Gebiet, das zum Gouvernement Suwalli gehört, ist in der Nachbarschaft des linken Njemenufers meist flach, sehr Jeeureich und stark mit Wald und Flußläusen, teilweise auch mit Sümpfen durchsetzt. Wo machen die Russen Halt? Aus Wien wird der Frankf. Ztg. telegraphiert: Nach— dem die zweite russische Verteidigungslinie in sehr kurzer Zeit gefallen ist, suchen die Russen eine dritte zu errichten. Nur über das„Wo“ scheinen sie nicht ganz im Klaren zu sein. Ganz Rußland fragt, wo und wann seine Heere Halt machen werden, an der Beresina, an die sich so glorreiche Er— innerungen knüpfen, am Dujepr oder noch weiter rückwärts? Orakelhaft genug sind ja die Worte der Heeresleitung, die dort erneut Front zu machen verspricht, wo das Gleichgewicht zzwischen den kämpfenden Heeren wieder hergestellt sein wird. Die feindlichen Heere sind nördlich der Rokitno— sümpfe im Rückzuge. Der Raum wird für sie aber von Tag zu Tag schmäler. Dabei steigt die Rüäcksichtslosigkeit der Offensive der siegreichen verbündeten Truppen, die unter energischen Kämpfen jeden Widerstand in wenigen Tagen brachen. Daran ändern auch die Verwüstungen nichts, welche die Russen überall anrichten und die weithin den Weg an— zeigen, den sie einschlagen. Niedergebrannte Ortschaften, Ge— höfte und Waldungen säumen die Straßen, soweit das Auge reicht, Flammen und dichte Rauchwolken, gesprengte Brücken, bis zum Grunde zerstörte Bahnanlagen. Alles das hält die Verfolger nicht auf. Die vorzügliche Organisierung alles dessen, was hinter der Front folgt, bürgt für ungehinderten Nachschub und rascheste Aus— besserung, selbst auch der größten Schäden. Ganze Ar- beiterheere folgen unseren Truppen: sie ar⸗ beiten mit emsigem Fleiß. An den Feldern und Straßen- gräben liegen Gewehre und Ausrüstungsgegenstände in Menge. Die Zahl der Ueberläufer nimmt zu. Auch am südöstlichen Teile des Kriegsschauplatzes, wo unsere überraschende Offensive auf eine ausgeruhte schlag— bereite Armee traf, reihen sich Erfolge an Erfolge. Durch die umfassende Bewegung des linken Flügels der Armee von Puhallo fiel der starke Brückenkopf Luck in wenigen Stunden. Die Armee bedroht die einzige Rückzugslinie. Südlich des Sumpfgebietes haben unsere Truppen gestern in breiter Front bei Luck und südlich davon flußaufwärts bis zu den Quellen des Styr diesen Fluß überschritten. Dabei ist ein infolge Teichbildung vielfach versumpftes Hindernis mit zahl— reichen Untiefen glücklich überwunden worden. Die Straße von Luck, die über Rowno nach Zytomir und weiter nach Kiew führt, sowie die von Luck nach Dubno führende Straße sind dadurch in unseren Besitz gelangt. Dubno wird von 1 und Nordwesten bedroht.„ Die Wertlosigkeit internationaler Staatsverträge schildert der Labour Laeder in leider 1 Weise wie folgt: „Die meisten Menschen(in England! Red.) sind sich ganz darüber klar, daß in diesem Welttrauerspiel Deutschland der einzige Bösewicht ist. Gewiß ist seine auswärtige Politik aggressiv. Aber gilt das nicht von jeder auswärtigen Politik? Worin unterscheidet sich seine Politik wesentlich von derjenigen Rußlands, Frankreichs, Italiens, Japans oder auch von unserer eigenen? Das Credo der Diplomaten ist überall und immer das gleiche. Vor dem Kriege hatten, wie wir wissen, unsere„Junker“ für den Friedensfreund nur Spott ii brig. 7 falt ihnen als die Fata Morgana eines langhaarigen Trän mige sentimen⸗ tale Schwächlinge erwarteten Wunder, zu denen sich die menschliche Natur nicht aufschwingen konnte. Friede konnte nur mit dem „tausendjährigen Reich“ kommen. Im harten Werktagsgeschäft der Politik war dafür kein Raum.„Der euxropäische Papierkorb wird der Ort sein, wo alle Verträge schließlich hingelangen,“ schrieb Major Stewart Murray beifällig. Heute sind unsere Junker indessen sehr erregt über„ein Stück Papier“, über ein bestimmtes Stück. Kein Wort hört man von ihnen tber Japans Verletzung chinesischer Neutralität. Wir haben seit Kriegsbeginn einen Vertrag iiber Aegypten zerrissen. Rußland und England zeichneten 1907 einen Ver trag zum Schutze der Unversehrtheit und Unabhängigkeit Per siens. Der ist jetzt wertloses Papier. Morel hat uns einiges über Marokko und den Vertrag von Algeciras ge lehrt. Vor einigen Jahren riß Oesterreich den Berliner Ver trag in Fetzen. Es annektierte Bosnien und Herzegowina ent gegen seinem feierlichen Versprechen. Es nützte dabei die schwierige Lage der Türkei aus. Heute ist es ihr Verbündeter. Ich möchte wohl wissen, welche größere kriegführende Macht in den letzten zehn Jahren keinen Vertrag gebrochen hat...“ Soweit der Labour Laeder. Wir bemerken zu den sonst vor— trefflichen Ausführungen nur, daß der Deutschland vorgeworfene Bruch der Neutralität Belgiens ein Akt der Notwehr war gegen— über der zweifellosen Absicht Frankreichs und Englands, durch Belgien in Deutschland einzufallen. Der türkische Tagesbericht. Konstantinopel, 2. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Das Große Hauptquartier teilt mit: An der Dardanellenfront ereignete sich nichts Wichtiges. Bei Sedd-ül⸗Bahr bemühte sich der linke Flügel und die Artillerie des Feindes unter Vergeudung einer ungeheuren Menge Munition vergebens, unsere Schützengräben zu zerstören. Von vier mit Minen— werfern geschleuderten Bomben fielen zwei auf die Schützen⸗ gräben des Feindes, worauf dieser das Bombenwerfen ein⸗ stellte. Am 30. August zwangen unsere an den Meerengen aufgestellten Batterien feindliche Minensucher, die sich dem Dardanelleneingang näherten, zum Rückzuge.— Diesel lben Batterien zerstreuten noch andere Minensucher, die in der Gegend der Spitze von Sedd⸗ül⸗Bahr erschienen und be⸗ schossen wirksam die Stellung der feindlichen Fußtruppen bei Sedd⸗ül⸗Bahr.— Sonst nichts von Bedeutung. Untergang eines englischen Truppen⸗ trausportdampfers. T. U. Wien, 2. Sept. Wie die Reichspost aus Bukarest erfährt, liegen dort Telegramme vor, denen zufolge die Kambana berichtet: Ein englischer Trausportdampfer 1 odierte infolge Auffahrens auf eine Mine und sank. 320 icre, 1730 Mann Soldaten und die aus 300 Köpfen be⸗ stehende Besatzung ertranken. Bisher wurden 600 Leichen geborgen. Italiens schlechte Finanzlage. Rom, 2. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die Idea Nazionale bringt einen bemerkens Swerten Artikel über den gedrückten Finanz⸗ markt Italiens, dessen augenblicklicher Zustand durch die folgenden Umstände beeinflußt sei: Erstens durch das Ausbleiben der Gelder, die früher die Ausgewanderten in großen Summen in die Heimat geschickt hätten; dafür seien jetzt diese Auswanderer selbst in ärm⸗ lichen Verhältnissen zurückgekehrt. Zweitens durch das Aufhören des Fremdenverkehrs, drittens durch die Notwendigkeit einer großen Einfuhr aus dem Auslande, der keine Ausfuhr gegenüber⸗ stände. Viertens durch die Zunahme des Verbrauches gewisser Waren und die Abnahme der Erzeugung verschiedener Ausfuhr⸗ artikel, beides infolge des Krieges. Fünftens dadurch, daß italie⸗ nische Waren durch Deutschland und Oesterreich-Ungarn auf dem Umwege über die Schweiz verkauft und italienische Kredite sofort einkassiert würden, während es für Italien unmöglich sei, seine Kredite aus Oesterreich-Ungarn zurückzuziehen. Sechstens durch das schnelle Aufkaufen gewisser Waren auf lange Zeit hinaus. Siebentens durch die Erhöhung des Umlaufs von Papiergeld, die sich im Anfange des Krieges wegen der aufgespeicherten Metall⸗ reserve nicht so schwer fühlbar machte, wie jetzt. Aushebung des Jahrgangs 1916 in Italien. Chiasso, 2. Sept. Gestern begann in ganz Italien das Aushebungsgeschäft des Jahrgangs 1916. Die Militär⸗ akademie von Turin entließ gestern 1200 Zöglinge als Offiziere zur Front. Durch Veröffentlichung im Amtsblatt wurden folgende neue Stellen geschaffen: 60 Obersten, 300 sonstige Stabsoffiziere und 1000 Hauptleute. Das Scheitern der englischen Anseihe in Amerika. Basel, 2. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Zürcher Zeitung meldet aus Amsterdam: Alle Die Neue Nachrichten aus Newyork und London bestätigen, daß die 115 en g⸗ lische Milliardenanleihe in bestimmte Zeit verschoben wurde. ist sie gescheitert. schen Schatzwechseln geradezu übersättigt. Friedensaussichten? London, 2. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die Dafly⸗ News meldet aus Newyork: Der Herausgeber des Londoner Economist, Hirst, telegraphierte an die Newyork Tribune, daß die Besserung in der Behandlung der e eee Greys Bemerkung über die Freiheit der Meere in seiner un wort an den Reichskanzler und die Modifiz ierung des deut⸗ schen U-Bootkrieges auf eine Verringerung der Spannung zwecks hochdiplomatischer Absichten hindeuten.“ 1 In Wirklichkeit Briefkasten. U. Lang⸗Göns. Ein Einberufener, der rente bezen, behält den Anspruch darauf auch nach ene 175 stellung in das Heer. Diese Renten müssen auch wöhren er Dienstzeit gezahlt werden. Die Renten können den n der Bezugsberechtigten ausgehändigt werden, doch müssen die Frauen dazu eine von dem betr. Truppenteil beglaubigte Vollmacht ihres Ehemannes haben. Ferner ist der Antrag an die Berufsgenossen⸗ schaft zu stellen, die Rente an die Ehefrau zu zahlen. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. s erlag von Krumm& Cie., Gießen a Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H„Offenbach a. M. Bekanntmachung Es ist festgestellt worden, daß sich Mannschaften des ge⸗ dienten 1 1 5 urms, die erst nach dessen Aufruf (1. August 1914) das 45. Lebensjahr vollendet haben, Landsturmrolle gemeldet haben. Solche Landsturmpflichtige werden hiermit aufgefordert, am Montag, den 6. oder Dienstag, den 7. September 1915, vormittags von 8 bis 12 Uhr und nachmittags von 2 bis 6 Uhr, auf dem Standesamt im Rathaus am ee die Anmeldung unter Vorlage ihrer Militärpapiere nachzuholen 1 Unterlassung der Welpung wird nach den Militärgesetzen be⸗ vorher unfal1 straft. 0 Gießen, den 1. September 1915. J Der Oberbürgermeister. e Verkauf von Frühäpfel erkauf von Frühäpfel. Mittwoch, den 8. September, nachmittags 2 Uhr beginnend werden im Hofe des Stadthauses, Gartenstraße 2, etwa 20—25 Zentner Frishäpfel(Kaiser Alexander, roter Calville, Prinzen⸗ apfel und Himbeerapfel) das Pfund zu 10 Pfg. gegen Barzahlung verkauft. Mengen unter 10 Pfund werden nicht abgegeben. Gießen, den 2. September 1915. Der Oberbürgermeister. 8 elle Verstorbene. Frau Marie Carl Jahre alt.— Frau Paula Mattu ke, „geb, Rühl, in Wegtlar, 62 geb. Braun, 68 Jahre alt. H praktischer Wegweiser“ benden dien bllpfcblensworter beschätte hm e Blerhangdlungen J. H. Inring, Lick Telephon 1 Bierbrauerei mit eigener Malzerei Brauerelen und 1 Brenn materialien 9 Joh. Fischer Alicestraße 28/0 Telephon 72 Kohlen, Koks und Briketts. Nolonlalwaren ö Anerkannt vorzügliche helle und dunkle. Möser, Gießen 3 Export— Biere Weizen- u. Roggenmehle Georg Guht G. m. b. H. MWetzlaz: Gerlach& Euler e vormals J. Luy Wee Warenhaus 8, Baer Zases. Lobt. Waldschmidt ö eee L. aasen Metz 9 faber warens 2 Siaühersfen 1 Otzlar 1¹ ae e eee bene f Rott. L. Ableiel, Labnsil. 1 DK. Err Sämtliche Futkexartikel ongros Rüböl, Leinöl en detail — Weine; LR bhristian Anderthal Likörfabr. 80. Glegen euen-Bäue 27, Diezstr. 14 5 e Socken, Strümpfe, Unter jacken, Hlemaen, Unterhosen in allen Preislagen odbmaseffhenorarheier Kleinere Bohrmaschinenfabrik sucht älteren erfahtenen Schlosser, welcher schon auf Bohrmaschinen gearbeitet hat, als Boratbeitet. Stellung ist dauernd und angenehm. Angebote unter K. F. 143 werden an die Geschäftsstelle AE Zaum mit i 1 eee erbeten. Sonntagsstiefel Halbschuhe Arbeitsschuhe für Damen und Herren Knabenstiefel in Rindleder Kinderstiefel schwarz und farbig Sandalen N f Turnschuhe b epa aluren Resorn. Waschpulber kLostet 1 Pit nur 25 Pfg. na 1 5. Schuhhaus 5 Neubeziehen W. Herbert mern en, begebe 2 neben der Engel⸗ 1 ö A Ankauf. Alteisen, Lumpen, Knochen, Papier. Kupfer, Messing, Zink, Zinn, Blei, bei von Sonnen- und Regenschirmen Giessen Seltersweg 52 Marburg a. L. INI. Ag. Lentseher bel Ortsgruppe Gießen. Auskunftstelle die neueste Kriegsoperationskarte mit dem Stand unserer Heere am 24. August 1915 und einer Kriegschronik in Broschürenform vom 1. August 1914 bis 31. Juli 1915 2 Hauptkarten, 16 Spezialkarten Unstreitig die beste Karte die existiert. Alleinverkaut: Louis Rothenberger für Frauenberufe. Neuenweg 22. unentgeldlieh fat end gg. ft für alle Berufe im alten daa aue, Marktplatz 14. Diens⸗ ags nachm. von m ben Gf. Uhr. Rechtsschutstelle. Frauen und Mädchen erhalten unentgeltlich Rat und Naskunft in Rechts angelegenheiten eltkrieg Preis nur 50 Pfg. Oberhessische Volkszeitung, Giessen, Bahnhofstr. 23. e Amerika auf un. 0 Die Morgangruppe seĩ mit 1 5 nicht zur Wee dsds diene 5