2 g. den — „ 2 Ob erhessische Volkszeitung Organ für die Interessen des werktätigen Volles der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Die Oberbessische Volkszeitung erscheint jeden Werktag Abend in Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg. monatlich 60 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl. 1. 80 Mk. Redaktion und Expedition Giessen, Bahnhofstraße 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Inserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 205 Gießen, Donnerstag, den 2. September 1915 10. Jahrgang Die drohende Wohnungsnot. In der Arbeiterpresse ist wiederholt darauf hingewiesen worden, daß der Wohnungsfrage besonders in den Groß— städten erhöhte Aufmerksamkeit zugewendet werden muß. Auch bürgerliche Blätter sehen besonders nach dem Kriege eine schwere Gefahr für das arbeitende Volk heraufziehen. So weist Architekt Dipl.⸗Ing. E. Leyser, der Geschäftsführer des Groß⸗Berliner Vereins für Kleinwohnungswesen, in der Täglichen Rundschau darauf hin, daß der Vorstand seines Vereins, Staatssekretär a. D. Dernburg, in einer Eingabe an den Reichstag dargelegt hat, daß wir einer Wohnungsnot entgegensteuern. Weiter setzt Leyser auseinander, wie als stärkstes Hindernis der Erstellung der erforderlichen Woh— nungen die Schwierigkeit der Beschaffung von Realkredit und Geld jetzt nach dem Kriege entgegentritt, und er sagt dann: „Alle diese Umstände sind geeignet, eine Krise herbeizuführen, welche die von 1870/71 noch bei weitem übertreffen kann; da⸗ mals waren laut Polizeibericht am 1. Oktober 1870 allein in Berlin 10 600 Familien obdachlos. Wenn den aus dem Felde zurückkehrenden Kriegern, die noch mit Mietschulden über⸗ lastet sind, die Miete gesteigert oder— weil sie mit einer großen Familie gesegnet sind— die Wohnung gekündigt wird, so kann diese Tatsache(wie Adolf Wagner von 1870 sagt) sozial zersetzend und verbitternd in bedenklichem Grade wirken. Die Männer, die für das Vaterland im Felde gestanden haben, erhoffen mit Recht eine Hebung ihrer Lage nach dem Kriege. Sie wollen nicht aus dem Ringen um Tod und Leben heimkehren, um dann keine Wohnung für sich und die Ihren zu finden oder in Häuser einziehen, wo die Bedingung „keine Kinder“ die Grundlage jedes Mietvertrages ist. Der Wiederaufbau der deutschen Wehrkraft muß das große Ziel sein. Die Tauglichkeitsziffern sinken in den Groß⸗ städten sehr schnell. Ist die Ziffer der Tauglichen für den Bereich des 1. Armeekorps(Ostpreußen) 74,8 v. H., so sinkt sie für Berlin auf nur 34,4 v. H. Groß⸗Berlin stellt im Ver⸗ gleich zu den ländlichen Bezirken allein zwei Armeekorps zu wenig. Die Säuglingssterblichkeit ist in den Mietskasernen, be— sonders in den Seitenflügeln ohne Querlüftung, ganz er⸗ schreckend hoch. Die durchschnittliche Innentemperatur der Proletarierwohnung ist in der heißesten Zeit um 8½ Grad höher als die Temperatur im Freien. Dazu kommt. daß das Temperaturmaximum abends um 9 Uhr erreicht wird. Als Mittel zur Bekämpfung der Mißstände, die nur eine möglichste Dezentralisation beseitigt, schlägt der Groß-Berliner Verein vor: ö 1. Die erneute Inangriffnahme der Realkreditfrage und die Einberufung des vom Reichskanzler eingesetzten Real⸗ kreditausschusses zur Steuerung der in bedrohliche Nähe ge— rückten Notstände; 7 0 2. die Erhöhung des bestehenden Wohnungsfürsorge⸗ jonds des Reiches und die Einbeziehung auch der Invaliden in den Kreis der Berechtigten; 5 3. die Ausdehnung der öffentlichen Hilfe auf alle privat⸗ kapitalistischen Unternehmungen, welche die Erstellung solcher Wohnungen für Minderbemittelte bezwecken, die den berech— tigten hygienischen und sozialen Anforderungen genügen und auch in ihren Mietpreisen den Einkommensverhältnissen der Mieter entsprechen; 5 4. den Kapitalmangel dadurch zum Teil zu beheben, daß die Reichsversicherungsanstalt für Angestellte und die Landes— versicherungsanstalten im Interesse des Versicherungszieles und der Hebung der Wehrkraft die Sicherheiten für zweite Hypotheken auf Kleinwohnungsbauten übernehmen, voraus⸗ gesetzt, daß diese einwandfrei festgestellt und den oben an⸗ gegebenen Bedingungen entsprechen. Eine innerhalb des— jenigen Viertels des Vermögens der Versicherungsanstalten, das nicht mündelsicher angelegt zu werden braucht, bar zurück⸗ stellende Sicherheitsrücklage von 3 v. H. wird als ausreichend erklärt im Hinblick auf die Erfahrungen, die mit solchen Sicherheitsrücklagen in anderen Ländern, z. B. Oesterreich und Belgien, gemacht wurden. e Die Lösung der hier angeschnittenen Aufgabe ist für die Erhaltung und Förderung der Volks- und Wehrkraft so wesentlich, daß die Arbeiten nicht schnell genug aufgenommen werden können, denn eine erhebliche Gefahr liegt im Verzuge. Ein Fliegerangriff auf Paris. 5 T. u. Paris, 31. Aug. Ueber einen deutschen Fliegerangriff auf Paxis berichten Lyoner Blatter folgende Einzelheiten Es war degen 11 Uhr vormittags, als drei Kanonenschiisse des Forts Ecouen der sehr beunruhigten Bevölkerung von Monmorency und Umgebung anzeigten, daß feindliche Flieger in der Nähe seien. Ein Apiatik⸗Flugzeug, das in der Richtung nach Paris flog, wurde ge⸗ sichtet und bald bezeichneten kleine weiße Wölkchen in der Luft den Flug des feindlichen Apparates, der sich in diesem Augenblick in etwa 2000 Meter Höhe befand. Die ganze Bevölkerung eilte ins Freie und bald entdeckte man zwei weitere Flugzeuge. In dem⸗ selben Moment kam das erste Flugzeug wieder zurück und warf so⸗ wie die beiden anderen eine große Anzahl 80 bis 100 Millimeter⸗ Bomben ab, die nur unbedeutenden Matexialschaden an richteten und zwei Personen leicht verletzten. Zu gleicher Zeit nahmen die französischen Flugzeuge die Verfolgung der deutschen Flieger auf, während das Fort Ecouen donnerte und seine eisernen Grüße den schnell enteilenden Feinden nachsandte. Die industrielle Ueberlegenheit Deutschlands. London, 31. Aug.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die Daily News erinnert in einem Leitartikel an den 30. August 1914, an dem nahezu alles verloren schien, und sagt: Die Schlacht an der Marne und der erfolglose Winterfeldzug der Deutschen steigerte unsere Erwartungen zu sehr. Jetzt ist der Him⸗ mel wieder voll schwarzer Drohung. Der Sommer sah eine unerwartete, überwältigende Wiederherstellung der Macht des Feindes. Das Blatt erblickt die Ursache des Umschwungs nicht in der numerischen, sondern in der industriellen Ueber⸗ legenheit Deutschlands. Der relative Fehlschlag der Verbündeten lag nicht in dem Mangel an Fähigkeit, genügende Truppen aufzubringen, sondern diese zu versorgen. Eng- land allein sei auf der Seite der Verbündeten imstande, diese Aufgabe zu erfüllen. Der wirkliche Kriege werde nicht in den Schützengräben, sondern von der Industrie ausge⸗ fochten. Die Anhänger der Wehrpflicht richteten ihre ver⸗ hängnisvollen Angriffe gegen die industrielle Kraft Englands. Die Kontrollierung des griechischen Außenhandels Die Verhandlungen der griechischen Regierung mit den Ententemächten wegen Befreiung der griechischen Schiff⸗ fahrt und des Handels von der drückenden Aufsicht der verbündeten Flotte haben zu einem Abkommen geführt, das nur noch der formellen Genehmigung der Entente bedarf. Hiernach ist aus den Staaten der Entente die Einfuhr von Waren nach Griechenland in solchen Mengen gestattet, die auf Grund der statistischen Aus⸗ weise über die Einfuhr in früheren Jahren und entsprechend den Bedürfnissen des Landes festgesetzt werden. Gestattet ist die Weiterausfuhr verschiedener Waren nach Serbien und Bulgarien unter der Gewähr der griechischen Regierung. Ein spezielles Verbot ist für die Türkei vorgesehen. Gestattet ist ferner die Ausfuhr von getrockneten Korinthen, Tabak und anderen griechischen Erzeugnissen, insbesondere die Aus⸗ fuhr von Korinthen und Tabak nach Deutschland und Oesterreich mit der Beschränkung, daß die Ausschiffung dieser Erzeugnisse in neutralen Häfen stattfindet. Alle diese Erleichter⸗ ungen unterliegen der Beschränkung, daß die griechische Regierung geeignete Beamte anstellen wird, welche die beiden vertragschließen⸗ den Teile für etwaige Unregelmäßigkeit bei der Einfuhr und Aus⸗ fuhr auf dem Laufenden erhalten. Die Anstellung der Beamten er⸗ folgt auf Vorschlag der englischen Regierung. Diese Beamten, mit Exekutivgewalt ausgerüstet. Inzwischen hat man begonnen, bei den in Frage kommenden Schiffsdurchsuchungen alle möglichen Erleichterungen zu gewähren. Die Kaperung des„Lisdale“. Paris, 31. Aug.(W. T. B. Nichtamtlich.) Der New⸗ hork Herald berichtet in einem Brief aus Belgisch⸗Kongo, wie der norwegische Lastdampfer„Lisdale“ an der Küste von Westafrika von den Engländern gekapert worden sei.„Lisdale“ wurde seinerzeit von der deutschen Regierung gechartert, um das Geschwader des Admirals Grafen Spee mit Munition und Kohlen zu versorgen. Auf hoher See erfuhr„Lisdale“ von der Vernichtung des Geschwaders. Das Schiff manöve— rierte dann wochenlang im Atlantischen Ozean und versuchte wiederholt, die Ladung in Kamerun zu landen, bis sie schließ⸗ lich von dem englischen Kreuzer„Highflyer“ gekapert wurde. Die Ladung wurde in Sierra Leone gelandet. Die deutsche Besatzung befinde sich in Gefangenschaft. Rußland, das Hindernis des Kulturfortschritts Ein augenblicklich in Stockholm weilender„bekannter polni⸗ scher Politiker“ äußert sich in dem dortigen Blatt Nya Daglight Allehauda tber den Krieg wie folgt: 35 f „Daß die ungeheuren Opfer, die unsäglichen Leiden, die der jetzige Krieg mit sich bringt, nur dazu gebracht sein sollten, damit einige Grenzberichtigungen stattsinden, würde gegen jede Vernunft, gegen das allgemeine Interesse verstoßen. Man muß vielmehr hoffen, daß dieser Krieg nicht nur ein sinnloses Gemetzel ist, son⸗ dern einen bedeutungsvollen Meilenstein auf dem Wege des mensch⸗ lichen Fortschritts darstellt. 995 Die Völker der zivilisierten Welt stveben nach der Verwirk⸗ lichung zweier großer Ideen, der Freiheit der Menschen und der Nationen. Das Ziel des Fortschritts ist unzweifelhaft eine inter⸗ nationale Rechtsordnung, die das Recht der Nationen und eine soziale Rechtsordnung, die das Recht der Einzelnen achtet. 5 Das große Hindernis auf diesem Wege ist das russische 1 7 und fein verhängnisvoller Einfluß auf Europa. Das russische Rei welche die Stellung von Kontrolleuren einnehmen, sind nicht er Südflügel im Vormarsch! kennt weder die Freiheit der Nationen noch der Einzelnen. Von seinen 170 Millionen gehören 90 unterjochten Völkern an, die jeder nationalen Selbständigkeit beraubt sind. Auch findet man in Ruß⸗ land nicht Mitbürger, sondern nur Untertanen. Es liegt in der Natur der Sache, daß ein solcher Staat an⸗ griffslustig ist und ständig danach streben muß, sich zu vergrößern. Hierin ist die„russische Gefahr“ begründet, von der Europa dauernd bedroht wird. Diese Gefahr ist alt— schon von Leibnitz 1669 voll gewürdigt— und allgemein bekannt. Ganz außerordentlich ver⸗ größert ist sie durch die kurzsichtige Politik, die Polens Zerstücke⸗ lung herbeigeführt und damit Europas Haupteingang Rußland ge⸗ öffnet hat Erst spät wurden sich die Mittelmächte der russischen Gefahr bewußt. Noch bis in die jüngste Zeit konnte man daran zweifeln, ob Deutschland wirklich die aufrichtige Absicht habe, Europas Zivilisation und Freiheit gegen Rußlands Despotismus und Bar⸗ barei zu verteidigen, da vor der Rede des Reichskanzlers nie davon die Rede war. Das Bündnis der Westmächte mit dem russischen Reich, daß im Gegensatz zu ihrem Charakter und ihren historischen Ueberlieserungen steht, trägt leicht dazu bei, die wirkliche Bedeu⸗ tung und das wünschenswerte Ergebnis des gegenwärtigen Welt⸗ krieges zu verdunkeln. Wenn auch die russische Gefahr für ganz Europa besteht, so werden doch von der agressiven Politik Rußlands in besonders hohem Grade das schwedische und das polnische Volk betroffen Schwedens Interesse fordert, daß die russische Gefahr beseitigt wird, eine passive Neutralität, eine Untätigkeit ist gefährlich. Das Programm dabei muß sein: Wiederherstellung der natio⸗ nalen Freiheit für die Völker, die Osteuropa bewohnen von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer. Aus den Siegen auf den Schlacht⸗ feldern müssen die nötigen Folgerungen gezogen werden. Das würde zugleich die Bedingung für die Sicherheit und den Frieden der Kulturwelt sein, die Bedingung für eine weitere Existenz der Kleinstaaten Europas, in erster Linie Schwedens, Norwegens und Rumäniens. Rußland muß in seine natürlichen Grenzen zurückge⸗ drängt und von seiner Ausdehnungssucht geheilt werden, damit es sich feiner großen inneren Arbeit und seinen Aufgaben in Asten unterzieht. Wenn Schweden dieses Programm fördert, wird es nicht allein stehen: Die Kleinstaaten, deren Existenz auf dem Spiele steht, wer⸗ den nicht unterlassen, es dabei zu unterstützen. Eine Arbeit im Dienst des Rechts und der Freiheit zieht stets der Menschen Herz und Seele an. Gute Ernte in Kurland. In den von den Deutschen besetzten Teilen Kurlands ist die Ernte nach von dort eingegangenen Berichten gut, stellenweise sehr gut, abgesehen von einzelnen Stellen, in denen die russische Re⸗ gierung noch vor dem Einrücken der deutschen Truppen die Ver⸗ nichtung der Ernte ausführen lassen konnte. Da aber auf ihre Ver⸗ anlassung in einzelnen Gegenden zahlreiche Einwohner vor unseren vorrückenden Truppen kopflos geflohen sind, meist nach Riga, von wo sie mit der Bahn ins Innere gebracht und wie man erfährt, ins Elend fortgeschafft sind, so fehlt es vielfach an Arbeitskräften. Doch mird aber auch hier wieder von deutschen Truppen ausgeholfen, was aber bei der Ausdehnung des Landes aus naheliegenden Gründen nur in beschränktem Umfange geschehen kann.. Räumung albanischer Orte durch Serbien. T. U. Wien, 31. Aug. In dem Bestreben, eine Spannung mit Griechenland zu vermeiden, gab die serbische Regierung den Befehl, alle Ortschaften Albaniens, die in der griechischen Interessensphäre liegen, von serbischen Truppen zu räumen. Das Volk muß zahlen. Aus Bukarest wird uns geschrieben: Die bewaffnete Neu⸗ tralität hat in Rumänien schon ungeheure Kosten verschlungey. Seit Kriegsbeginn haben die teilweisen Mobilisierungen im ganzen Lande nicht aufgehört. Die Kriegslust des„Volkes“ brachte es schon selbst mit sich, daß die Rüstungen und Vorbereitungen einen wiel größeren Umfang annahmen als es bei einer ernsten und ehrlich Neutralität notwendig gewesen wäre. Je mehr die Bojarenföhr⸗ chen nach Krieg schrieen, um so mehr Bauern und Arbeiter wurden eingezogen, um viele Monate lang unter Waffen gehalten zu wer⸗ den. Um die Not und das Elend der brotlosen Familien zu Hause hat sich niemand gekümmert, am allerwenigsten die Regierung. Die letztere hat jetzt ganz andere, schwerere Sorgen. Wenn man auch die Familien zu Hause hungern läßt— den Soldaten muß man doch zu essen geben. Und da die Erfordernisse größer sind als je zuvor, so ist es auch das— Loch in den Finanzen. Hier muß die Regierung unbedingt helfend eingreifen. Sie kündigt ihre Hilfe⸗ leistung auch für die nächste Zeit an. Das Rezept lautet wic immer in solchen Fällen:„Das Volk muß blechen!“ Die offiziöse L'ndspendance Roumaine benützt eine Polemik mit Take Jonescu, um einen Sturm für die nächste Zeit anzu⸗ kündigen. Hunger, Arbeitslosigkeit, Mobflisierung und— neue Steuern, das kann ja schön werden. Kriegshetze ist eben kostspieliger Luxus und die unteren Massen müssen immer für den Luxus der oberen Zehntausend aufkommen. Boykottierung der deutschen und österreichisch⸗ ungarischen Arbeiter. Das Syndikat der englischen Papierindustriearbeiter er⸗ greift unter den Trade Unions die Initiative für eine voll kommene Boykottierung der österreichischen und deutschen Arbeiterschaft. Es macht den Vorschlag, in London oder Paris eine Konferenz abzuhalten, auf der ein neues inter— nationales Sekretariat eingerichtet werden soll, vun dem Deutschland und Oesterreich ausgeschlossen wären. Der Vor— schlag wurde allen Verbaudsvereinen mitgeteilt. „Das unmündige Volk.“ Unter dieser Ueberschrift wagt es der von der Zensur immer übel zurechtgestutzte Avanti in einem lückenvollen Leit⸗ artikel vom 28. August, sich darüber zu beklagen, daß es der italienischen Regierung immer noch nicht einfalle, die Kammer ein Wörtlein zu den wichtigen, sich seit einem Vierteljahr vollziehenden Dingen, sagen zu lassen. Angesichts der Tat⸗ sache, daß der Deutsche Reichstag eben eine arbeitsreiche Sitzung hatte, und in allen anderen Parlamenten der krieg⸗ führenden Staaten eifrig gearbeitet wurde, beklagt es der Avanti tief, daß in Italien jetzt keine Volksvertretung sich mit den ungeheuer wichtigen Maßnahmen befaßt, die die Lage erfordert. Die finanziellen Probleme, die Getreideversorgung, die Nahrungsmittelbeschaffung überhaupt und die Organi:⸗ sation der Industrie, alle diese Aufgaben harren der sachver⸗ ständigen Männer,„aber— nein! Diese müssen fernge⸗ halten werden, die Kompetenzen der Kammer müssen über- gangen werden... Und das ist nur sozusagen die praktische Seite der Frage der Parlamentseröffnung, die weniger wichtig als die moralische Seite ist.“ Erneute Unruhen in Portugal. London, 31. Aug.(W. B. Nichtamtlich.) Der Daily Telegraph meldet aus Badajoz unter dem 29. August: In Salto haben Un⸗ ruhen stattgefunden. Das Stadtarchiv, das Rathaus und die Kämmerei sind verbrannt. Die Behörden fürchteten eine bedeutende monarchistische Erhebung. Das Stickstoffmonopol. In vielen Kreisen der Oeffentlichkeit erregt die Unge— wißheit über das Stickstoff-Handelsmonopol einige Unruhe. Daraus, daß die Reichstagskommission zu keinem endgültigen Ergebnis gekommen ist, sondern sich wieder vertagt hat, wird geschlossen, daß die Einführung des Monopols hinausge— schoben, wenn nicht gar aufgegeben sei. Dem gegenüber ist festzustellen, daß in der Kommission ein grundsätzlicher Wider- spruch gegen das Monopol nicht erhoben wurde. Es handelt sich nur um gewisse Widersprüche der am Salpeterimport profitierenden Reedereien und der Landwirte, die vom Monopol eine Verteuerung ihres Kunstdüngers fürchten, weil die Weltmarktkonkurrenz dann nicht mehr preisregulierend wirken würde. Die Regierung hat diese Bedenken damit zurückgewiesen, daß das Monopol sich zunächst nur auf Kriegs— dauer und auf die erste Uebergangszeit beziehen soll und für diese Zeiten eine Notwendigkeit geworden ist, weil wir natür— lich Salpeter so gut wie gar nicht mehr hereinbekommen und unter großen finanziellen Opfern des Reiches und der Bundesstaaten künstlicher Stickstoff auf Grund der Patente deutscher Wissenschaft hergestellt werden muß. Gegenwärtig ist die Einführung eines solchen Monopols überhaupt ohne Zustimmung des Reichstags, durch Bundesratsverordnung möglich. Darauf weist auch eine parlamentarische Korre— spondenz hin, sie warnt deutlich davor, daß die Interessenten etwa aus der Vertagung der Kommission auf ein Fallenlassen des Gesetzentwurfs schließen sollen. Die Sozialdemokratie hat von Anfang an gefordert, daß die privaten Profitinteressen der Reedereien keine Rolle spielen dürfen und daß andererseits eine Verteuerung der landwirtschaftlichen Produktion durch Einführung des Monovols vermieden werden soll. Im Augenblick kommt es übrigens gar nicht so sehr auf die Versorgung der Landwirt- schaft mit Stickstoff an, als auf die Bedürfnisse der deutschen Munitionserzeugung. Es ist nur mit Freuden zu begrüßen, wenn ein Teil der Rüstungsprofite und der Kriegsgewinne durch das Monopol dem Reiche zufließt. Zum Angriff auf Bulgarien. Wien, 1. Sept. Der Abend meldet aus Sofia: ganze serbische Presse hat nunmehr eine außerordentlich hef— tige Hetze gegen Bulgarien begonnen und fordert nichts ge— ringeres als die Okkupation Bulgariens durch Truppen des Vierverbandes. Die serbische Presse drängt zum Kriege mit Bulgarien. Die M Wie der Abend aus Sofia meldet, ist nach dorthin ge⸗ langten Meldungen der Güter- und Personenverkehr in Serbien eingestellt worden. Die Zustände in Rußland. Rodzianko— russischer Ministerpräsident? T. U. Petersburg, 1. Sept. Die Gerüchte, daß dem Dumapräsidenten Rodzianko vom Zaren der Posten des Mi⸗ nisterpräsidenten angeboten wurde, treten in immer be— stimmterer Form auf. Auch wird aus autoritativer Quelle mitgeteilt, daß der frühere Reichsdumapräsident und Okto- bristenführer Chomjakow für diesen Posten ausersehen sei, falls Rodzianko ablehnen sollte. In den Wandelgängen der Reichsduma verbreitete sich neuerdings das Gerücht, daß der Innenminister Schterbatow zurücktreten und an seiner Stelle der Oktobristenführer Gutschkow das Ministerium des Innern übernehmen wird. Die Teuerung in Rußland. T. U. Kopenhagen, 1. Sept. Die Teuerung in Rußland wird für die ärmere Bevölkerung immer unerträglicher. Die Not ist schon jetzt außerordentlich groß. Die Blätter berichten täglich aus den verschiedensten Teilen des Reiches über örtliche Ruhestörungen wegen der Teuerung. Sie erklären, Rußland sei mit allem reichlich rersehen: wenn in verschiedenen Teilen des Landes bald dieses, bald jenes sehlt, so käme dies davon, daß die Regierung ihre Pflicht ver⸗ säumt habe, sie sei für den Notstand verantwortlich. In dem Orte Kolkino bei Petersburg stürmten die Hausfrauen wegen der hohen Libensmittelpreise die Läden auf dem Marktplatz. 32 Läden wurden vollständig zertrümmert: Schaden in Höhe von vielen tausend Ru⸗ beln wurde angerichtet. In Petersburg ist die Teuerungs⸗, ins⸗ besondere die Holzunot so groß, daß auch für hohe Preise kein Holz zu haben ist; selbst die von der Polizei befohlenen Anweisungen auf Holzlieferungen sind wertlos, da kein Holz vorhanden ist. Viele große Betriebe, die ausschließlich mit Holz arbeiten, mußten schließen. Die Regierung steht dieser Notlage völlig machtlos gegen— über. Burzew nicht begnadigt? Kopenhagen, 1. Sept.(W. B. Nichtamtlich.) Rjetsch äußert Besorgnis, ob die in der Duma angekündigte Be— gnadigung Burzews und des finnischen Präsidenten sich über— haupt bewahrheiten. Bis jetzt liege keine amtliche Bestäti⸗ gung vor; die beiden Personen seien noch immer in Sibirien und es sei fraglich, ob sie überhaupt zurückkämen. Russische Staatsstützen. Das Wiener Tagblatt meldet über Haag indirekt aus Peters— burg: In der Kiewer Militärintendantur wurde eine Reihe hoher Beamten verhaftet. Es handelt sich um bedeutende Bestechungen, die bei Militärlieferungen für die Armee an der Ssidwestfront statt— fanden. Zu gleicher Zeit wurde derPräsident der Kiewer monarchisti⸗ schen Organisation, Lomaki, verhaftet, dem die Verteilung der Militäraufträge oblag. Insgesamt wurden 24 blosgestellte Per— sonen ins Gefängnis gebracht. Italien annektiert. Wiener Blätter melden über Lugano aus Italien, daß ein königliches Dekret die Einverleibung des Dodeskanesos aussprechen werde. Von der Duma. Rjetsch berichtet: In der Interpellations⸗Kommission der Duma erklärte der Kadett Alexandrow im Hinblick auf die Vertreibung der Juden: Da sich als Grund für den militärischen Mißerfolg die Nach⸗ lässigkeit der Bureaukratie ergeben habe, sei es Wahnsinn, sechs Mil⸗ lionen guter jüdischer Bürger als allein Schuldige hinzustellen. Mit Stimmenmehrheit wurde die Einkerkerung von russischen Juden als Geiseln als ungesetzliche und unmenschliche Handlungsweise der Regierung verurteilt. Aufsehen erregte die Mitteilung, daß an einigen Stellen Dankgottesdienste für die Entlarvung und Unschäd⸗ lichmachung der jüdischen Verräter abgehalten worden seien. Die Bauerngruppe Trudowii brachte eine Anfrage an die Regierung ein, weshalb Tausende junger Leute, Pfadpfinder und sogar Kinder von 12 Jahren ihren polnischen Eltern weggenommen und nach ver⸗ schiedenen Gefängnissen im Innern Rußlands gebracht worden seien, auf welcher gesetzlichen Grundlage dieses barbarische und un⸗ menschliche Verfahren beruhe und wie lange diese unglücklichen Kinder im Gefängnis schmachten sollen. Aufstand in Marokko. T. U. Paris, 1. Sept. Wie aus absolut zuverlässiger Quelle verlautet, ist die Aufstands bewegung in Französisch⸗ arokko von neuem ausgebrochen und gewinnt täglich t dringend das K 5 In den letzten Marseille na es, daß der Auf⸗ sse an Ausdehnung. General Liautey ministerium um Verstärkungen ersucht. 1 denn auch bedeutende Truppentransporte, 110 5 gange e ee N i in g stand auch auf die spanische offiziellen Anfrage an die -spanische Regierung herangetre gewalt durch Spanien über einen Aufstandsgebietes. Kriegsnolizen. D a 3 preußischen Abgeordnetenhauses, Grafen von sd 51 b ist das aa eng zwe Klassz an weiße schwarzen Jagbe ciel daß sich vor der dortigen großen Teil des französischen Strafkammer der Pächter der Schloßdomäne nomierat Otto Hörning, und einer e der Ank ten hatte, seit dem 15.1 befelebunmte af rvorräte verfüttert zu haben. Hörning wurde zu 1000 Mr. Geldstrafe oder 100 Tagen Gefängnis W öweizerische Bundesrat hat den unlängst ver⸗ hafteten amerikanischen Sberstleutnant 1 15 275 575 937 3 l unter dem e 4 Stadkpräsidenten Fürsten Lubomirski, n e Behörden i tatteten, das polnische eb än dg n nisteren, baldmöglichst den al ge. meinen ulzwang einzuflühren und dafür im Warschauer Voranssfias 1 Vetrag 0 1827 000 Rubel ine Binnen Monatsfrist sollen in Warschau 400 Schulen eröffnet wer en. 20 Das Polnische Preßbureau meldet aus i 0 i Rufsen haben vor ihrem Rllckzug viele hunderte von unmün des polnischen Kindern, Knaben und Mädchen, ins N10 Reiches verschleppt, um sie dort als Russen zu erziehen.? ese Schulkinder gehörten der in Polen und Galizien weitverbreiteten Jugendorganifation der Pfandfinder an und wurden 2 0 85 ge⸗ meinsamen Uebung von der Ochrana umzingelt und 11177 271 Rjetsch meldet aus Wladiwostok: Das Friegsge⸗ richt hat den Kommandanten des von der„Emden“, dere senkten Kreuzers„Schemtschug“ wegen Nachlässigkeit im Dienst zu drei Jahre'n und den ersten Offizier zu 1½ Jahren Ge⸗ fängnis und Verlust der bürgerlkchen. Ehrenrechte verurteilt. Das australische Verteidigungsministerium hat mit einer Gefellschaft einen Kontrakt abgeschlossen, wonach der deutsche Kreuzer„Emden“, der an der Klippe der Kieling⸗Insel liegt, gehoben werden soll. Die australische Regierung hat sich das Recht vorbehalten, das Wrack anzukaufen. 1 Arbeiterbewegung. Kriegswochenhilfe für Landarbeiterinnen. Eine Anzahl Landkrankenkassen weigerte sich bis jetzt, den Ehe⸗ frauen zum Heeresdienst eingezogener Landarheiter, die zwar gegen Krankheit versichert waren, indeß mit ermäßigtem Beitrag und ohne einen Anspruch auf Barleistungen(88 4²0, 4²⁵ R. V. O.), die Kriegswochenhilse zu gewähren. Nunmehr liegt eine Entscheidung des Reichsversicherungsamts vor, die grundsätzlich die Kassen zur Zahlung der Wochenhilfe in solchen Fällen verpflichtet. 1 8 un der Klägerin ist im August 1914 zum Heeresdienst eingezogen. Er war vorher ohne Anspruch auf Barleistung gegen Krankheit bei der Landkrankenkasse des Fürstentums Ratzeburg in Schönberg versichert. Am 1. Januar 1915 wurde seine Frau ent⸗ bunden. Die Kasse wies ihren Antrag um Wochenhilfe ab mit der Begründung, die Frau habe keinen Anspruch auf die Baxleistungen der Wochenhilfe, weil der Ehemann ohne Anspruch auf Barleistun⸗ gen versichert gewesen sei. Das Versicherungsamt, wies die Kasse zur Zahlung der Wochenhilfe an. Ge b Oberversicherungsamt angerufen. Dieses gab auf Antrag der Frau die Sache an das Reichsversicherungsamt zur grundsätzlichen Entschei⸗ dung weiter. 2 5 0 8 Das Reichsversicherungsamt entschied in der Sitzung vom 28. Juni 1915 zunächst dahin, daß die Abgabe der Sa an das Reichsversicherungsamt nach§ 1693 der R. V. O. zulässig sei. In der Sache selbst wurde durch Urteil ausgesprochen, daß die Land⸗ arbesterfrau einen Anspruch auf Wochenhilfe habe, obwohl ihr Ehe⸗ mann nach der Satzung der Landkrankenkasse einen Anspruch auf Barleistungen nicht hätte. Die Bundesratsverordnung vom 3. Dez. 1914 habe ungeachtet des Bestehens solcher Kassensatzungen offenbar allen Wöchnerinnen, welche die Voraussetzungen des§ 1 der Verord⸗ nung erfüllen, die in§ 3 vorgesehenen Leistungen der Wochenhilfe gewähren wollen. Dies folge aus§ 6, wonach es einer Satzungs⸗ änderung für die Kassen nicht zu dem Zwecke bedürfe, um die Satzung mit den Bestimmungen der Bekanntmachung in Einklang zu Diese Entscheidung der höchsten Spruchbehörde in Arbeiterver⸗ sicherungssachen schafft eine erfreuliche Klarheit in dieser umstritte⸗ nen Frage und dürfte recht zahlreichen Landarbeiterfrauen in ähn⸗ licher Lage zugute kommen. Angestellten unter Diethelm von Buchenberg. Erzählung von Bertold Auerbach. 65 Diethelm sprach den Eid, und wie er die Hand emporhob, fühlte er's, wie wenn eine unsichtbare Macht seine Hand faßte, und senkte sie nicht, bis er sich niedersetzte und jetzt erst eine Müdigkeit fühlte, als wären ihm die Knie zerbrochen. Auf der Anklagebank saßen zwei junge Männer, des Komplottdiebstahls beschuldigt. Der verlesenen Anklage ge— mäß erschien dennoch der eine mehr als Verführer. Der Staatsanwalt begründete in scharfsinniger Weise die Anklage, seine Stimme hatte etwas zitternd Melancholisches, und dieses sowohl wie seine Beweisführungen hatten so viel Be— stimmendes, daß der Nachbar Diethelms, der Schultheiß von Rettinghausen, ihm zuraunte:„Die sind schuldig.“ Diethelm antwortete nicht. Mit eingekniffenen Lippen und weit auf— gesperrten Augen betrachtete er die Angeklagten: diese finster blickenden Augen, die nur bisweilen zuckten, diese starren Züge, diese ineinandergelegten Hände, diese Gestalten mit ihrem ganzen Leben sind in fremde Gewalt gegeben. hinter den Angeklagten sitzt der Landjäger, das gezückte Schwert in Händen. Wie es so gierig blinkt! Das ist das Schwert der Gerechtigkeit, über den Angeklagten schwebend. Immer und immer mußte Diethelm denken, wie es diesen Menschen zumute sei, wie die Blicke der Anwesenden sie treffen müssen wie scharfe Schwerter, er konnte diese Ge— danken nicht loswerden, bis er endlich die Hände zusammen— preßte, ein Schauer durchrieselte ihn, und zum ersten Male betete er in innerster Seele voll Reue über das Geschehene. Vor seinen dreinstarrenden Augen verschwammen die Menschengestalten, nur das blanke Schwert dort an der Wand blinkte, und die Stimme des Staatsanwalts tönte. Da er— klärte der Vorsitzende die Verhandlung für diesen Morgen geschlossen und beraumte eine zweite Sitzung auf Nachmittag Als jetzt alles sich erhob, rieb Diethelm sich lange die Stirn, und wie taumelnd verließ er den Saal und drängte sich dann hinaus, als würde er festgehalten. Erst in frischer Luft befand ex sich selber Wieder, er trat fest auf und schaute Dort zurück nach dem Gerichtssaal, wie ein Angelandeter dem schwankenden Schiffe nachschaut, das er eben verlassen. Die Mehrzahl der Geschworenen hatte sich einen gemein— samen Mittagstisch in einem ihnen genehmen Wirtshaus angeordnet, und wie von selbst war Diethelm hier der Vor- sitzende, zumal da die wenigen„Herren“ unter den Ge— schworenen sich in einen vornehmeren Gasthof begeben hatten. Diethelm fühlte sich ganz wohlgemut: er war fest überzeugt. daß er heute alles Peinliche seiner Lage überwunden habe und daß nichts mehr über ihn kommen könne. Es waren hier die gewichtigsten Bauern eines ganzen Kreises versammelt, die sich zum Teile noch nicht persönlich kannten, sie fanden aber schnell eine Einigung und sogar ein allgemeines Gespräch; denn nichts vereinigt die Menschen so leicht als eine Anhänglichkeit oder ein Widerspruch gegen eine Persönlichkeit. Gegen den Steinbauern, der sich bald nach seiner Erledigung heim gemacht hatte, brannte wie beim Scheibenschießen ein jeder seine Kugel los. Man erzählte sich, daß der Steinbauer das Gerücht verbreitet habe, er werde jeden unbedingt für schuldig erklären, und darum werde er stets abgelehnt werden und könne daheim ausdreschen. Diet— helm fand in dem Schultheiß von Rettinghausen und in einem jungen Manne zierlichen Angesichts, es war der Ge— meindeschreiber von Reindorf, fertige Beihilfe, die mit ihm die Gewissenlosigkeit und Niedrigkeit eines solchen Gebarens brandmarkten, und schon jetzt zeigte sich die unverwüstliche Ehrenhaftigkeit des Volkscharakters, die nur der rechten Er⸗ weckung bedarf: ein jeder beteuerte mit aufrichtigen Worten, daß er sich nicht um vieles von einer so schönen Ehrensache losmachen möchte, und wenn nur die Schwurgerichte be— sonders zur Winterzeit wären, möchten sie immer dabei sein. Das Gespräch verlief sich nach allen Seiten, und Diet⸗ helm ärgerte sich, daß seiner Rede bei Eröffnung des Schwur⸗ gerichts gar keiner Erwähnung geschah; er war nicht der Mann, der eine glorreich vollbrachte Tat gern unbeachtet sah. Nach Tische hatte er jedoch die Genugtuung, daß sein Schwiegersohn, der als Assessor bei dem Gerichtshof war, zu ihm kam und sich zu ihm setzte; bald drängte sich eine große Menschenmenge aus allen Gegenden zu ihm, die ihn wegen seiner ergreifenden Rede kennen lernen wollte. Diethelm klagte indeß seinem Schwiegersohn, daß ihn die Sache doch mehr angreife, als er erwartet habe, besonders das lange ruhige Sitzen werde ihm peinlich. Der Assessor tröstete ihn aus eigener Erfahrung, daß er sich schon daran gewöhnen werde, und Diethelm lächelte, als er hörte, daß er als Ersatz⸗ geschworener nicht mit zu urteilen habe.„So bin ich nur Vorspann für die Gefahr,“ sagte Diethelm, und dieses Wort setzte sich fest, und seit jener Zeit nennen die Geschworenen die Ersatzgeschworenen„den Vorspann“. Als man am Nachmittag wieder in den Gerichtssaal kam, war die Weihe des ersten Eindrucks zwar verschwunden, aber der Ernst des Unternehmens blieb. Diethelm fühlte sich noch besonders beruhigt, da er nicht zu urteilen hatte; er lehnte sich bequem in seinem Stuhle zurück, er betrachtete sich den Saal, der sich in einem alten Deutschmeisterhaus befand, aber aus den übereinanderpurzelnden Genien und halb⸗ nackten Kriegern an dem Deckengemälde sowie aus den Stuck⸗ oft ein neuer Zeuge beeidigt wurde, schreckte Diethelm zu⸗ sammen: dieses plötzliche geräuschvolle Sicherheben der ganzen Versammlung machte immer von neuem einen gewaltigen Eindruck. Ueber die Zeugen aber war Diethelm meist sehr ungehalten; das war ein unbehilfliches Hinstellen und ein Stottern, als ob sie nicht drei Worte zusammenhängend sprechen könnten. Diethelm fühlte, daß er mit Recht eine bevorzugte Stellung in Anspruch nahm. Hätte der Vor⸗ sitzende nicht mit Milde und Klugheit und mit unverwüstlicher Geduld sowie durch Erfragen unverfänglicher Gegenstände die Zeugen zum Sprechen und zur Sicherheit des Sprechens gebracht, man hätte kaum etwas erfahren. N Dem Benehmen der Angeklagten widmete Diethelm dabei eine besondere Aufmerksamkeit; bald der eine, bald der andere vergaß sich und schaute sorglos und keck darein, bis Zeugenverhörs schärfte sich oft de i Sebben r Hauptangeklagte die indem er mit der Zunge dazwischen hin und her fuhr; dann stemmte er die Hand in die Seite, raffte sich zu⸗ sammen und richtete sich auf. Gortsetzung folgt.) französische Regierung mit 17 zwells klebernahme der Polizel. n hat, ist die Emerson aus dem Ge⸗ 0 9 94 1 erlich aus Bern burn wird beha mneln Valenstedt, Selo'⸗ Februar fortgesetzt Gegen diesen Bescheid wurde das 1 arbeiten an den Wänden konnte man nicht klug werden. So er sich oft plötzlich besann und sich faßte, und während des 2 2 2 2 „Diese teitetn ner ge. 9 3 stungen leisunn e Kft. rde da) r Frau itsches 9. Dey offenbar Verord cenhils atzung⸗ um die klang u terer mitrite⸗ in dh — — jetheln he doh z lange ete ih wöhnen Ersa ich nul 3 Pol nen die zal Lal, n, che ich noch 5 lehnte N Hessen und Nachbargebiete. Gießen und Umgebung. Hausbesitzer und Kriegerfamilien. Es gibt Hausbesitzer, die ohne Rücksicht auf den Krieg gegen die Mieter rücksichtslos vorgehen, selbst wenn der Er— nährer sich im Felde befindet. Es wird dann der Antrag ge⸗ stellt, dem abwesenden Ehemann einen Vertreter in der Person der Ehefrau zu bestellen, dem nach neuern Grundsätzen die von dem Kriegsteilnehmergesetz vom 4. August 1914 ab⸗ weichen, auch nachgekommen wird. Der Hauswirt erwirkt schließlich beim Amtsgericht ein Urteil auf Zahlung des ein— geklagten Mietbetrages und— Räumung der Wohnung. Gibt es doch Hausbesitzer, die sich Kriegerfamilien gern ent— ledigen. Wie bürgerliche Blätter melden, weigerte sich jedoch in einem solchen Falle der Gerichtsvollzieher, das Urteil zu vollstrecken, und zwar mit dem Hinweis,„weil der Ehemann im Felde stehe“. Der Hauswirt erhob auf Grund einer Be— kanntmachung des Bundesrats vom 14. Januar 1915 gegen diesen Bescheid Beschwerde beim Amtsgericht und beantragte, „dem Gerichtsvollzieher entsprechende Belehrung zuteil wer— den zu lassen, daß das Urteil wohl vollstreckt werden könne“. Auf diese Beschwerde hin hat das Amtsgericht dem Gerichts- vollzieher unterm 21. Juli Anweisung erteilt:„Die Voll⸗ streckung aus betreffendem Urteil wegen Räumung der Miet- wohnung nicht aus dem Grunde zu verweigern, weil der Schuldner zum Heeresdienst eingezogen sei, da dieser Umstand die Vollstreckung nicht hindert.“ Damit ist der Grundsatz des Kriegsteilnehmergesetzes vom 4. August durchbrochen, und manche Hausbesitzer haben da— durch gegen die Mieter ein leichtes Spiel, abgesehen davon, daß infolgedessen nicht wenig Ungerechtigkeiten geschaffen werden. Der zum Heeresdienst eingezogene Ehemann hat doch als Soldat nicht die Freiheit, seine privaten Rechte so wahrzunehmen, wie das notwendig ist. Um Irrtümer zu vermeiden. sei übrigens ausdrücklich hervorgehoben, daß gegen Angehörige von mobilen Truppenteilen Urteile nicht vollstreckt werden können, ganz gleich, wie die Dinge liegen mögen! Daß aber die allgemein zum Heeresdienst eingezoge— nen Personen anders behandelt werden sollen als die, die einem mobilen Truppenteil angehören, ist keineswegs zu ver— stehen. Wir halten die erwähnte Amtsgerichtsentscheidung wie die bezügliche Bundesratsverfügung für einen Fehler. Der Schutz der Mieter, der doch für die Kriegerfamilien bis nach dem Kriege dauern müßte, ist damit durchlöchert, und die im Heeresdienst stehenden Personen sind den Hausbe⸗ sitzern ausgeliefert. Das war nicht die Absicht des Gesetz⸗ gebers. In der Kriegszeit ist doch die Zahl der sogenannten „böswilligen“ Mieter nicht größer geworden, so daß deswegen der gewährte Mietschutz nicht durchlöchert zu werden braucht. Und dafür, daß die Hausbesitzer in manchen Fällen sich schlecht stehen, nur die Mieteintreiber für die Kapitalisten sind, durch den Krieg noch besonders geschädigt sind, dafür können doch die Mieter nicht leiden, am allerwenigsten die zum Heere Eingezogenen. Sollten sich solche Urteile, wie oben erwähnt, wiederholen, so dürften der Gemeinde, die doch die Pflicht der Obdachgewährung für alle Familien hat, nicht geringe Aufgaben erwachsen! Die Zeichen auf dem Losungsschein. Auf die vielfachen Anfragen wegen der militärischen Zeichen auf den Losungsscheinen und Landsturmpässen über das Resultat der ärztlichen Untersuchungen geben wir hiermit den folgenden Wegweiser bekannt, aus dem jeder Untersuchter die Bedeutung seiner Zeichen sosort selbst zusammenstellen kann. Wer sich diese Notizen aufhebt, erspart sich und uns viel Zeit und Porto zur Nach⸗ frage für sich, seine Bekannten, Angehörigen und Freunde. Abgesehen von den Ziffern über Körpergröße und Gewicht, die ja ohne weiteres verständlich sind, sind es die Buchstaben A, B, Z, L und U, hinter denen sich dann noch eine Ziffer befindet. Es be⸗ deutet 1& das Vorhandensein geringer körperlicher Fehler und Gebrechen, die jedoch die Fähigkeit zum Waffendienste nicht aus⸗ schließen. Ist jemand mit körperlichen Gebrechen oder Fehlern be⸗ haftet, die wohl von dem aktiven Waffendienst ausschließen, aber den aktiven Dienst ohne Waffen(zum Beispiel als Krankenträger oder Oekonomiehandwerker) oder den Dienst als Ersatzreservist möglich machen, so erhält er das Zeichen 1 B. Militärpflichtige, die Krankheiten und Gebrechen haben, die beseitigt oder derart ver⸗ mindert werden können, daß die gänzliche oder zeitweise Tauglich⸗ keit eintritt, werden als„zeitig unbrauchbar“ mit 1 2 bezeichnet. Wer mit Krankheiten und Gebrechen behaftet ist, die den Dienst im stehenden Heer ebenso wie in der Ersatzreserve ausschließen, aber die Tauglichkeit zum Landsturme vorhanden sein lassen, erhält das Zeichen 1 L und gilt als„dauernd untauglich“. Als„ausgemustert“ ist der mit dem Buchstaben 1 U Bedachte zu betrachten. Seine Krankheiten und Gebrechen machen sowohl zum Dienst im stehenden Heer und in der Ersatzreserve als auch für den Landsturm untaug⸗ lich. Die hier angeführten Buchstaben stellen die Anlagen zur Heeresordnung dar, in deren Rubriken dann die Krankheiten der einzelnen Organe des menschlichen Körpers angegeben sind. Im ganzen sind 78 Nummern vorhanden, von denen wir die hauptsäch⸗ lichsten hier wiedergeben: 1. Allgemeine Körperschwäche, Blutarmut, Abgestumpftheit oder Mißgestaltung, 2. Fettleibigkeit, 3. Haut⸗ erkrankungen(chronische), auch Kahlköpfigleit, 4. Drüsen, 5. Ge⸗ schwülste, 6. Auswlchse, 7 Narben, 8. Muskeln, 9. Blut und blut⸗ bereitende Organe, 10. Bluterkrankungen, 13. Gicht, 14. Gelenk⸗ rheumatismus, 18. Nervenleiden(chronische), 19. Schädelbildung, 20. bis 29. Augen, 30. bis 32. Ohren(31. Schwerhörigkeit), 33, und 34. Nase, 35. bis 38. Mund, Zunge, Rachen, 39. Zähne, 40. Stottern, 41. Kropf, 42. chronische Heiserkeit, 45. krankhafte Veränderung der Wirbelsäule, 46. Brust, Brustkorb, 47, und 48. Brustkrank⸗ heiten, 49. Herz, 51. Bruch, 52. Unterleibsleiden, 53. Blutader⸗ knoten(Hämorrhosden), 54. und 58. Darm⸗ und Geschlechtsleiden, 60. Beeinträchtigung der Gebrauchsfähigkeit eines größeren Gliedes, 62. Gelenke, 63. und 64. Arme, 65. verwachsene Finger und Hand⸗ fehler, 72. verkürztes Bein, 73. Krampfadergeflechte, 74 Narben von Unterschenkelgeschwüren, 75. Plattfuß, 76. und 77, Zehenver⸗ stümmelung, 78. Zehenüberzahl. Hat zum Beispiel ein Militär⸗ pflichtiger auf seinem Lofungsscheine stehen 1 2 40, so kann er auf Grund obiger Zusammenstellung leicht ermitteln, daß er ein Herz⸗ leiden hat, das sedoch befeitigt oder derart vermindert werden kann, daß gänzliche oder teilwesse Tauglichkeit eintritt. — Brotpreisabschlag. Nach einer Bekanntmachung des Oberbürgermeisters werden für die Stadt Gießen die Höchst preise für Brot auf 68 Pfg. für den 4 Pfund-Laib und 34 Pfg. für den 2 Pfund-Laib festgesetzt. Brötchen, die 50 Gramm wiegen müssen, kosten, wie bisher, 4 Pfg. Ein Pfund Mehl darf beim Verkauf durch Bäcker und Händler kosten: ü e dere ATN N.. Roggenmehl 20 Pfg., Weizenmehl 23 Pfg., Weizenauszug⸗ mehl 28 Pfg. — Einheitlich gültige Brotmarken. Die süddeutschen Staaten, Bayern, Württemberg und Baden haben vereinbart, daß die Brotmarken des einen Staates auch in den anderen angenommen werden sollen, von welchen sie zur Verrechnung gebracht werden. Das ist eine durchaus notwendige und praktische Einrichtung, die auch anderwärts getroffen werden müßte. Es ist zweifellos ein Mißstand, daß zum Beispiel die Gießener Brotmarken in den Ortschaften der Umgebung nicht angenommen werden und umgekehrt. Dadurch ist es unter anderem dem Konsumverein Gießen nicht möglich— richtiger ihm untersagt— seinen Mitgliedern in Wieseck, Heuchelheim usw. Brot und Mehl zu liefern. Die Mitglieder können aus ihrer eigenen Bäckerei kein Brot erhalten! Man wird wohl nicht behaupten können, daß der Brotmarken⸗ austausch und die Verrechnung zwischen ein paar Orten mehr Schwierigkeiten bieten soll, als es zwischen den süddeutschen Staaten der Fall ist. — Brotmarkenausgabe. Für die Zeit vom 6. bis 19. September werden die Brotmarkenhefte nächsten Samstag, 4. September, in den bekannten Stellen von 8—12 Uhr vor⸗ mittags und 2—6 Uhr nachmittags ausgegeben. Für die weiteren Markenausgaben erfolgt eine besondere Bekannt⸗ machung nicht mehr; die Marken werden regelmäßig alle 14 Tage Samstags zu den angegebenen Stunden ausgegeben. N Städtischer Kartoffelverkauf. Von der Stadt werden jetzt Frühkartoffeln zum Preise von 4 Pfg. das Pfund verkauft, wobei bis zu zwei Zentnern auf einmal abgegeben werden. Der Verkauf erfolgt Dienstags, Donnerstags und Samstags vormittags von 8—12 Uhr im Verkaufslokal Seltersweg 11. Vergütung der von Fliegern verursachten Brandschäden, Nach Art. 22 Abs. 3 des Gesetzes vom 28. Dezember 1890, die Brandversicherungsanstalt für Gebäude betreffend, wird derjenige Brandschaden, welcher in Kriegszeiten infolge strategischer Anordnungen oder militärischer Operationen entsteht, von der Großherzoglichen Brandversicherungsanstalt nicht vergütet. Die Landtagsabgeordneten Heerdt und Henrich richten mit Bezug hierauf folgende Anfrage an die Großherzogliche Regierung:„In welcher Weise ist Vorsorge getroffen, daß Brandschäden, die durch Bombenwürfe und Geschosse von Fliegern oder Luftfahrzeugen verursacht wer⸗ den, vergütet werden und— falls eine Vorsorge in dieser Hinsicht nicht besteht— welche Schritte gedenkt die Groß⸗ herzogliche Regierung zu unternehmen, um gegebenen Falles eine Schadloshaltung der betroffenen Gebäudeeigentümer aus öffentlichen Mitteln zu bewirken?“ — Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Wehrmann August Haustein, Briefträger aus Gießen, Inf.⸗Reg. 116.— Freiwilliger Ludwig Schadeck aus Gießen, Feld⸗Art.⸗Reg. 50.— Grenadier Georg Wallbott aus Leihgestern, Grenadier⸗Reg. 5. Zeichnet die dritte Kriegsanleihe! — Kriegsprofite. Die Zuckerfabrik Brühl A.⸗G. in Brlühl a. Rh. veröffentlicht ihren Jahresbericht für das Geschäftsjahr 1914/15. Der Reingewinn beträgt nach einer Abschreibung von 144 696 Mk. (im Vorjahr 61642 Mk.) 351629 Mk. gegen 85 903 Mk. im Vor⸗ jahre. Die Dividende beträgt 14 Prozent gegen 4 Prozent im Vorjahre. Der Dividendenergänzungsbestand beläuft sich auf 50 000 Mk.(im vorigen Geschäftsjahr war überhaupt kein Divi⸗ dendenergänzungsbestand vorhanden). Von dem reichen Gewinn⸗ segen hat die Gesellschaft ganze 5000 Mk. der„Nationalen Kriegs- hilfe“ überwiesen. An sogenanntem Rübengeld sollen außerdem noch 101 162 Mk. verteilt werden, im vorigen Jahre wurde kein Rübengeld verteilt. In der Hauptversammlung klagte der Vor⸗ sitzende über den„nicht günstigen“ Preis für Zucker, der der mensch⸗ lichen Ernährung dient. Den Zucker, der als Futtermittel dient, habe die Gesellschaft teurer verkaufen können, als den Zucker für menschliche Ernährung. Die Dividende auf das Rübengeld beträgt 10 Prozent, so daß in Wirklichkeit eine Dividende von 24 Pro- zent gezahlt wird. — Die Tollkirsche— Atropa Belladonna— gelangt in dieser Zeit zur Reife. Ihr Strauch wächst vielfach in der Nähe von Brom⸗ beer⸗ und Schwarzdornsträuchern; Beerensuchern ist deshalb Vor⸗ sicht zu empfehlen, da die Tollkirsche stark giftig ist. Erst dieser Tage wurde aus der Gegend von Bremen berichtet, daß zwei Jungen die Tollkirschen gegessen hatten, sehr schwer erkrankten, der eine davon starb nach kurzer Zeit.— Die Tollkirsche ist eine hochvote, kirschenartige Beere, doch kleiner als Kirschen, die auf einem Kranze von 5 kleinen Blättern sitzt. Sie wird als Arznei⸗ pflanze benützt, aus ihr wird das Atropin gewonnen. — Eine neue Waschmaschine wird gegenwärtig unter dem Namen„Die eiserne Waschfrau“ in den Handel gebracht. Diese wird heute und morgen Freitag im Saale des„Hotel Groß⸗ herzog“ vom Unternehmer vorgeführt. Wir verweisen auf das In⸗ serat in heutiger Nummer. Knochen statt Fleisch. Die Wiener Reichspost(Nr. 386) ver⸗ öffentlicht eine Zuschrift des Dozenten Dr. F. v. Liszt über Lebensmittelvorschriften. Wir finden darin sachkundige Bemerk⸗ ungen über einen groben Mißbrauch beim Fleischverkauf, der auch hierzulande allgemein üblich ist. Es sei der Zuschrift deshalb diese Stelle entnommen:„Es ist überhaupt ganz unverständlich, wie sich die Sitte der„Zuwage“ entwickeln konnte, und daß sie nicht vom Publikum ohne weiteres zurückgewiesen wurde. Freilich, der Fleischhauer pflegt zu seiner Rechtfertigung zu sagen, auch er müsse den Ochsen einschließlich Haut, Haare und Knochen kaufen, könne also unmöglich das Fleisch allein verkaufen, ohne auf diesen Um⸗ stand Rücksicht zu nehmen. Man vergißt nur eines dabei, nämlich die Hauptsache: Was bezahlt der Fleischhauer, was bezahlt der Konsument? Der Fleischhauer kauft nicht Fleisch, sondern ein Stlick Vieh. Dieses kauft er als Ganzes, wie es ist: Mit Fleisch, Haut, Knochen, Hörnern. Er bezahlt auch nicht so und so viel Ge⸗ wicht an Fleisch dafür, sondern der Preis wird mit allem Zubehör berechnet. Das Zubehör wird auch wieder abgesondert verwertet, (die Schuhmacher z. B. klagen über die hohen Lederpreise), und der Fleischhauer erleidet durch dessen Mitankauf gewiß keinen Schaden. Das Publikum hingegen hat für das„Zugehör“ keinerlei Ver⸗ wendung. Es will Fleisch kaufen und bezahlt Fleisch. Der Preis dafür wird auch für Fleisch berechnet: für Fleisch als solches, nicht für Gewichtsteile des ganzen Stückes Vieh. Folglich hat das Publikum, das z. B. ein Kilogramm Fleisch bezahlt, auch das un⸗ leugbare Recht, ein Kilogramm Fleisch zu bekommen, ohne daß das bezahlte Stück Fleisch durch Beifligung einer Anzahl von Knochen bei der Auswägung verkürzt wird. Findet eine Zuwägung von Knochen statt, dann dürfte auch nicht der Preis für Fleisch begehrt werden, sondern nur der Preis filr die entsprechende Quote eines ganzen Stlickes Vieh. Es gehört kaum viel Nachdenken dazu, um dies einzusehen.“ e i cccPfTTPTPTTbTGTPGTGbbbTbTTTTTTTTT R. M. V. Auslauf des Geflügels in die Stoppelselder. Der vielfach in der Presse erteilte Ratschlag, das Geflügel während der Erntezeit eingesperrt zu halten, kann in dieser allgemeinen Form nicht aufrecht erhalten werden. Sobald der Hafer eingefahren ist, gehört dem Geflügel überall freier Lauf gelassen. Die auf dem Felde ausgefallenen und liegen gebliebenen Körner(die Aehren werden durch Aehrenleser vorher aufgelesen) können durch niemand anders so gut verwertet werden wie durch das Geflügel. Es wäre deshalb verkehrt, die Hühner jetzt nicht auf das Feld zu lassen. Nur muß dafür gesorgt werden, daß sie nicht in die Geniffsegärten kommen. Kreis Wetlar. „Es erben sich Gesetz und Rechte wie eine ew'ge Krankheit fort!“ An dieses Goethe-Wort erinnert diese Geschichte: Ein gesetz⸗ lich bestellter Vormund in Liegnitz hatte sich mit einer stattlichen Fülle von Eingaben an das dortige Vormundschaftsgericht gewendet und mehrere Anträge gestellt, die zurückgewiesen wurden. Dabei beruhigte sich der Mann, der zu seinem Unglück sehr schreibgewandt war, nicht, sondern wiederholte nun die Eingaben an alle höheren Behörden bis hinauf zum preuß. Justizminister, wenn es ihm ge⸗ rade einfiel, ein halbes Dutzendmal. Gegen den Querulanten fand man nun, daß in der Allgemeinen Gerichtsordnung für die preußi⸗ schen Staaten vom 6. Juli 1793 folgende Verordnung enthalten ist, die bis heute noch nicht außer Kraft gesetzt ist:„Wer mit Ueber⸗ gehung einer Behörde oder mit Unterlassung der bestimmten Form Beschwerden und Gesuche anbringt, hat zu gewärtigen, daß ihm seine Vorstellung ohne Verfügung zurückgegeben wird.— Wer sich dadurch nicht bedeuten läßt und sein unförmliches Gesuch wleder⸗ holt, desgleichen, wer einmal beschieden worden und sein Gesuch ohne besonderen Grund wiederholt, soll zur Strafe auf 14 Tage bis 4 Wochen in ein Gefängnis, Arbeits⸗ oder Besserungshaus ge⸗ bracht werden.— Im Wiederholungsfalle wird die ausgestandene Strafe verdoppelt, und bei jeder ferneren Wiederholung wird die vorher ausgestandene Strafe wieder mit 14 Tagen bis 4 Wochen er⸗ höht.— Bei Vermögenden wird eine verhältnismäßige Geldstrafe festgesetzt.“— Dieser Paragraph der mehr als hundert⸗ jährigen Gerichtsordnung— es ist der§ 442— wurde in An⸗ wendung gebracht und der Sünder am 27. August 1915 zu einem Monat Gefängnis verurteilt. n. Gegen Preistreiberei auf dem Wetzlarer Wochenmarkte. Gegen ungerechte Preisforderungen für Lebensmittel soll endlich auch in Wetzlar vorgegangen werden. Ab 1. September haben sämtliche Landleute und Händler auf dem Wochenmarkte deutlich erkennbare Verkaufspreise an ihren Waren zu führen. Außerdem ist auf dem Marktplatz eine Preistafel angebracht; höhere Forder⸗ ungen, wie dort verzeichnet, dürfen nicht gestellt werden, auch kann der Käufer die Ware nach Gewicht, anstatt nach Stückzahl ver⸗ langen. Händler sind auf dem Wochenmarkte bis 10 Uhr vormit⸗ tags ausgeschlossen und Produkte für den Wochenmarkt dürfen nu auf dem Marktplatz(Buttermarkt) feilgeboten und zum 9 kommen. 0 Von Nah und Fern. Abgesetzter Bürgermeister. Gegen den Bürgermeister der Sfadi Altenburg, Tell, der vom Altenburger Staatsministerium plötzlich seines Amtes enthoben wurde, ist jetzt ein Strafver⸗ fahren eingeleitet worden, nachdem die gegen Tell vorgenomm mene Disziplinaruntersuchung belastende Momente ergeben 0 Wie verlautet, lautet die Beschuldigung auf Fälschung Unterschrift des inzwischen verstorbenen Oberbürgermeisters Ge⸗ heimrat Oßwald, durch die Tell die Auszahlung einer Gehaltszulage an sich verfügte. Stadtverordneter Landrichter Hoesselbarth wurde als Kommissar der Regierung mit der Verwaltung der städtischen Geschäfte betraut. 1 N 5 e Telegramme. Augeshaigt des Grußen Hutu, Große Siegesbeute im Osten. Vor den äußeren Forts von Grodno. W. B. Großes Hauptquartier, 1. Sept., vorm.(Amtlich) Westlicher Kriegsschauplatz. d Die Lage ist unverändert. Nordwestlich von Baßaume wurde ein englisches Flugzeug von einem unserer Flieger heruntergeschossen. ö 7 Oestlicher Kriegsschauplatz. 7 Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls, v. Hindenburg. 5 Oestlich des Niemen nehmen die Kämpfe ihren Fork⸗ gang. Auf der Westfront von Grodno stehen unsere Truppen vor der äußern Fortslinie. Zwischen Odelk(östlich Sopolka) und dem Bialo-Wieska⸗Forst wurde weiter verfolgt. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Der Oberlauf des Narew ist überschritten. Nördlich von Fruzana ist der Feind über das Sumpfgebiet zurück gedrängt. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen. Die Verfolgung blieb im Gange. Wo der Feind sich stellte, wurde er geworfen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die Truppen des Generals von Bothmer gewannen gegen nochmaligen feindlichen Widerstand die Höhe des östlichen Strypa⸗Ufers bei und nördlich von Zborv. Der vorübergehende Aufenthalt durch russische Gegen⸗ stöße ist nach Abwehr desselben überwunden. Die Höhe der im Monat August von deutschen Trup⸗ pen auf dem östlichen und südöstlichen Kriegsschauplatze ge. machten Gefangenen und des erbeuteten Kriegsmaterials beträgt über 2000 Offiziere, 269 839 Mann an Gefangenen, über 2200 Geschütze, weit über 560 Maschinengewehre. Hier⸗ von entfallen auf Kowno rund 20 000 Gefangene, 827 Ge⸗ schütze, auf Nowo⸗Georgiewsk rund 90 000 Gefangene (darunter 15 Generäle und über 1000 andere Offiziere), 1200 Geschütze, 150 Maschinengewehre. Die Zählung der Geschütze und Maschinengewehre in Nowo-Georgiewsk ist jedoch noch ncht abgeschlossen. Die Zählung der Maschinengewehre in Kowno hat noch nicht begonnen. Die als Gesamtsumme angenommene Zahl wird sich deshalb noch wesentlich erhöhen. Die Vorräte an Munition, Lebensmitteln und Hafer in beiden Festungen sind vorläufig nicht zu übersehen. i Die Zahl der Gefangenen, die von deutschen und öster⸗ reichisch-ungarischen Truppen seit dem 2. Mai, dem Beginn des Feldzuges in Galizien, gemacht wurden, ist nunmehr weit über 1 Million gestiegen. Oberste Heeresleituna. 5 N 8 Der österreichisch⸗ungarische Tages bericht Die Festung Luck gefallen. Neue Durchbrechung der russischen Front. Wien, 1. Sept.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: 1. September Russischer Kriegsschauplaßz. Die Festung Luck ist seit gestern in unserer Hand. Das altbewährte salzburgisch⸗österreichische Zufanterie⸗Regiment Erz⸗ herzog Rainer Nr. 50 warf die Russen mit dem Bajonett aus dem Bahnhof und den verschanzten Barackenlagern nördlich des Platzes und drang zugleich mit dem flüchtenden Feinde in die Stadt ein, die bis in die Abendstunden gesäuber! war. Der geschlagene Gegner wich gegen Süden und Südosten zurück. Bei Bialy⸗ Kamien in Nordost⸗Galizien durchbrach die Armee des Generals v. Bühm⸗Ermolli in einer Ausdehnung von zwanzig Kilomeiern die feindliche Linie. Die solcher Art erlittene doppelte Niederlage zwang alle noch westlich des Styr kämpfenden rufsischen Kräfte zum Rückzug hinter diesen Fluß. Die rück⸗ gängige Bewegung des Feindes dehnte sich im Laufe des heutigen Morgens auch auf die Front bei Zborow aus, das gestern von der Armee des Generals Grafen Bothmer genommen wurde. An der Strypa mird noch gekämpft. Einer der russischen Gegen⸗ angrisse hatte gestern in der Gegend von Kozowa eine deutsche und eine österreichisch⸗ungarische Brigade auf einige Kilometer zu⸗ rückgedrängt. Der von unseren Truppen zur Vertreibung des Feindes angesetzte Flankenstoß veranlaßte die Russen, noch ehe er zur Wirkung kam, zu schleunig stem Rückzug auf das Ostufer der Strypa. Auch nördlich Buezacz wurden mehrere feind⸗ liche Angriffe abgewiesen, wobei der Gegner schwere Ver⸗ u st ee erlitt. f 8 Die Zahl der in den letzten Tagen in Ostgalizian und östlich von Wladimir⸗Wolynskif eingebrachten Gefangenen stieg auf 36 Offiziere und 15250 Mann. Jusgesamt wurden im Monat Aug usst von den unter österreichisch⸗ungarischem Ober⸗ befehl kämpfenden verbündeten Truppen 190 Offiziere und Feat Mann gefangen, 34 Geschütze und 123 Maschinengewehre er⸗ tet. 5 Die Gesamtzahl der von diesen Streitkräften seit Ansang Mai eingebrachten Gefangenen beläuft sich auf 2100 Offiziere und 642 500 Mann. Die Zahl der bei diesen Operationen erbeuteten Heschütze stellt sich auf 394, die der Maschinengewehre auf 1275. 5 Italienischer Kriegsschauplatz. Auf dem italienischen Kriegs schauylatz blieb die Lage unver⸗ ändert. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnant. Die Festung Luck. Luck(sprich Luzk) ist die alte Hauptstadt Wolhyniens und hat weniger als 25 000 Einwohner. Sie liegt am Styr. Ihre Front deckt eine Zweigbahn der russischen Süd⸗West⸗ Linien. Mit ihrem Fall ist die russische Stellung westlich von Brody bedroht. Sie kann von dort aus leicht flankiert werden. Auch nach Ostgalizien muß sich die Wirkung dieses Sieges fühlbar machen und die Russen zum Aufgeben ihrer Stellungen zwingen. Das neue russische Heer T. U. Petersburg, 1. Sept. Gestern wurden durch öffentliche Maueranschläge die nichtgedienten Reservisten zwischen 19 und 37 Jahren unter die Fahnen berufen. Diese Kontingente werden der Klasse 1916 beigefügt, die bereits ihre Instruktion begonnen hat und zusammen mit den Reservisten eine neue Armee von 2600 000 Mann bilden soll. Das russische Heer gespalten. Kopenhagen, 1. Sept Politiken schreibt in der Kriegs— fibersicht: Das Hauptergebnis der Kämpfe in den letzten Tagen hinter Brest⸗Litowsk ist, daß die Russenheere durch die großen Sumpfstrecken so gut wie in zwei Gruppen, eine nördliche und eine südliche, getrennt wurden. Die einzige noch in Betracht kommende Bahn reiche aber nicht aus, die Verbindung zwischen so großen Heeresmassen aufrechtzu— erhalten, geschweige die notwendigen Truppenverschiebungen zu besorgen. Deshalb sei das, was die Russen bisher zu vermeiden gesucht haben, eingetroffen: ihre Heere bilden keine zusammenhängende Einheit mehr. Deutsche„Tauben“ im Osten. T. U. Stockholm, 1. Sept. Die Tauben entwickeln auf der fanzen Ostfront eine lebhafte Tätigkeit von Riga bis Luck. Ueber Wilna wurde einc ganze Flottille gesehen. In der bereits geräum⸗ ken Stadt wird Tag und Nacht Kanonendonner gehört. Die sämt⸗ lichen Einwohner flüchten auf gemieteten Wagen. Die Fuhrleute sordern riesige Preise. Sämtliche 40 Lazarette sind fortgeschafft. Die Lebensmittel sind fast vollständig verschwunden. In Roga sind 30000 Menschen zurückgeblieben. Arbeitslosigkeit, Plünderungen und Diebstähle sind an der Tagesordnung. In ganz Rußland ist ein neuer Eisenbahnsahrplan mit starken Zug-Verringerungen eingeführt worden. Die Verbindung zwischen Zentral- und Süd- Rußland ist jast unterbrochen. Umbildung des russischen Ministeriums? Kopenhagen, 1. Sept. Berlingske meldet aus Peters— burg: Birschewyja Wjedomosti nennt als Goremykins Nach— folger Kriwoschein oder Rodzianko. Gleichzeitig der Ministerverantwortlichkeit nach westeuropäi— schem Vorbild erfolgen. Insgesamt sollen zehn Minister er— nannt werden, wovon fünf ohne Portefeuille und Stimme, so daß der eigentliche entscheidende verantwortliche Staatsrat nur aus fünf Mitgliedern bestehen würde. London, 1. Sept. Die Times meldet aus St. Peters— burg, daß dort ein hartnackiges Geruce in umtauf ser,- nach der Vorsitzende der Duma Rodzianko binnen kurzem zum Ministerpräsidenten mit ausgedehnter Befug⸗ nis zur Zusammenstellung eines neuen Kabine tts er⸗ nannt werden soll. Der Kämpf an den Dardanellen. Die Verluste der Verbündeten. Konstantinopel, 1. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Nag weiteren Nachrichten von den Dardanellen treten die von den Engländern und Franzosen in den jüngsten Kämpfen bei Anaforta erlittenen ungeheuren Verluste immer mehr zutage. Nördlich Azmakdere allein, wo der An⸗ griff des Feindes verhältnismäßig schwächer war, wurden 3800 Tote gezählt. Die Verluste des Feindes müssen in den Abschnitten, in denen die Kampfaktion heftiger war, weit größer gewesen sein. Schlechte Stimmung in Rom und Paris. Die Idea Nazionale erklärt zur Haltung von Bulgarien, daß die militärische Bedeutung der kleinen Balkanstaaten nicht überschätzt werden dürfe. Der Vierverband müsse sich auf sich selbst verlassen. Der Krieg der großen Nationen müsse auch von großen Nationen entschieden werden. Die Berlingske Tidende meldet aus Paris: In Paris ist die Stimmung sehr gedrückt infolge der wider⸗ sprechenden Nachrichten aus Bulgarien. Man glaubt immer noch nicht, daß das Abkommen abgeschlossen ist und klammert sich an die Hoffnung, daß Spaltungen innerhalb des bul⸗ garischen Kabinetts auftreten. * Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlaa von Krumm& Cie., Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M. Bekanntmachung. Mit Wirkung vom 1. September 1915 an werden für die Stadt Gießen folgende Höchstpreise festgesetzt: 1. Roggenbrot 4 Pfund⸗Laib 68 Pfg. 2 Pfund⸗Laib 34 Pfg. 2. Brötchen(50 Gramm) 4 Pfg. Das Verkaufsgewicht des Brotes muß noch 24 Stunden mach dem Backen vorhanden sein. 3. Für das Pfund Mehl beim Weiterverkauf durch Bäcker und Händler: a) Roggenmehl 20 Pfg. b) Weizenmehl 23 Pfg. c) Weizenauszugsmehl 28 Pfg. Gießen, den 31. August 1915. . Der Oberbürgermeister. Keller. Bekanntmachung. Die Ausgabe der für die Zeit vom 6. bis 19. September 1915 gültigen Brotmarkenhefte findet Samstag, den 4. September 1915, vormittags 8—12 und nachmittags von 2—6 Uhr statt. Die regelmäßige Ausgabe der Brotmarkenhefte erfolgt alle 14 Tage(Samstags) zu den angegebenen Stunden, eine befondere Bekanntmachung der Ausgabetage erfolgt nicht mehr. Gießen, den 31. August 1915. Der Oberbürgermeister: G e Bekanntmachung. Der Verkaufspreis für Kartoffeln aus den städtischen Bestän⸗ den wird von heute ab auf 4 Pfennig für das Pfund herabgesetzt. Es werden an den Verkaufstagen(Dienstag, Donnerstag und Samstag, vormittags von 8—12 Uhr) in dem Verkaufsraum Seltersweg 11 Mengen bis zu 2 Zentner abgegeben. Gießen, den 1. September 1915. Der Oberbürgermeister: Keller. Wochenmarktverkehr. Nachstehende Verordnung des stellvertretenden Generalkomman⸗ 0 dos des XVIII. Armeekorps vom 11. August 1915 wird hiermit be⸗ kannt gemacht. Gießen, den 19. August 1915. Der Oberbürgermeister. Keller. Verordnung. Die Vertäufer auf dem Wochenmarkte, welche ihre Waren im Kleinen verkaufen, sind verpflichtet, an ihren zum Verkauf aufge⸗ stellten Waren den Verkaufspreis in deutlich lesbarer Schrift zur f Kenntnis des Publikums zu bringen. Zuwiderhandlungen unterliegen der Bestrafung nach§ 9b des Gesetzes über den Belagerungszustand vom 4. Juni 1851. Bekanntmachung Am Dienstag, den 7. September 1915, nachmittags 3 Uhr, werden im Städtischen Hospital, Seltersweg 11, eine Anzahl Kleid⸗ ungsstücke, Möbel u. Haushaltungsgegenstände aller Art versteigert. Gießen, den 31. August 1915. Der Oberbürgermeister. (Armenverwaltung). J. A.: Schenck zu Schweinsberg. zerau Aurgar. Jun„Orten, e woiggerm, Wernorvene. Frau arge Jm es geb. Landmann, in Burg⸗ 48 Jahre alt.— Frau Helene Werner, geb. Gemünden, 63 Jahre alt. das bedeutet, daß eine Tasse, Kriegs- Kornfranck“ nicht einmel einen helben Pfennig kostet; ein Paket für 50 Pfennig gibt nämlich ungeföhr 120 Tassen. Kriegs-Kornfranck“ ist eine Mischung von sorgfältig ausge- wählten, gemahlenen Rohstoffen. Kriegs-Kornfranck“ schmeckt vor- züglich; er ist enregend und be⸗ kömmlich und haf eine sehr schöne kaffeebraune Ferbe. Ein Kaffee- getränk mit solchen Vorzügen macht den Hausfrauen das Sparen leicht. 7 — Heime Hausfrau von Giessen und Umgebung versäume es im eigensten Interesse, den interessanten Vorführungen, welche am 5 Freitag, den 3. September nehm. um ½5 Uhr und abends un S Unr pünktlich im Hotel„Grossherzog von Hessen“ Bahnhofstrasse, Saal(1 Treppe) stattfluden, beizuwohnen. Vorgetührt wird die Kleinste, beste mm billigste Waschmaschine der Welt ie eiserne Nase ad Preis 8 Mark. ü a Die eiserne Waschfrau“ wäscht mit Pressluft und Saug: kraft.— Selbst ein Kind kann damit im 5 Minuten einer Hiübel Wäsche sauber waschen. 1 Schmutzige Wäsche bitte mitzubringen. Der Eintritt ist frei. Der Besuch ohne Kaufzwang. Besucher des Schauwaschens erhalten den Apparat bei Bestellung Zutz Ausmahmepreis von IIk. 6.50. Platzvertreter gesucht f W. Hbeling, Magdeburg Agnatenstrasse 1. Lass ieh Giessen Bahnhofstrasse 34 Telephon 2077 80 50 Mittwoch früh und Donnerstag eintreffend: Ist. holl. 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