t . ˙ A — 11 . 0 1 Organ für die Interessen f der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. des werktätigen Volkes Die Oberbessische Volkszeitung erscheint jeden Werktag Abend in Aeußersten. 0 Russischer Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich 60 Pfg. einschl. Bringerlohn.— 4 die Post bezogen vierteljährl. 1. 80 Mk. Redaktion und Expedition Gießen, Bahnhofstraße 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Inserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 203 — Gießzen, Dienstag, den 31. August 1915 10. Jahrgang Zur Lage in Nußland. Svenska Dagbladet in Stockholm hat erstatter nach Rußland entsandt. Tagebl. seinem Blatte folgendes: „Seitdem die russischen Heere andauernd bedrängt werden, hat auch die Neigung der Regierung, mit der Duma, mit dem„Volke“, zu verkehren, zugenommeßt. Sie beeilte sich, wie bekannt, noch vor dem Zusammentritt der Duma den Kriegsminister Suchomlinow als Sündenbock zu verabschieden; er und des Großfürsten Nikolaus' Stabschef Januschkiewicz trug angeblich die Schuld an den strategi— schen Fehlern. Alle neuen Minister gehören der Rechten an, sind aber doch Persönlichkeiten, die von der kompromittierten Bureau— kratie abrücken und die Notwendigkeit eines Zusammenarbeitens der Regierung mit der Volksvertretung erkennen. Die Regierung ging sogar einen Schritt vorwärts. Eine halbparlamen⸗ tarische Untersuchungskommission für Verwaltungs- mißgriffe in der Armee wurde eingesetzt, etwa zehn Provinz— gouverneure erhielten den Abschied und ein Dumamitglied, Fürst Wolkoinski, wurde zum Gehilfen des Ministers des Innern er— nannt. Man spricht auch darüber, daß die Regierung noch weiter gehen wird, daß sie sich auch Mitarbeiter aus dem Dumazentrum, den Oktobristen, wählen wird. Der Ministerpräsident Goremykin wird in Kürze zurücktreten und an seine Stelle soll Präsident Rodzianko kommen. Es unterliegt jedoch noch Zweifeln, ob die Re⸗ gierung so weit entgegenkommen wird. Einstimmig ist man für die Fortsetzung des Krieges bis zum 5 Drei Umstände stützen dabei die Hoffnung auf einen schließlichen Sieg: Erstens betrachtet man Rußlands Reserven flür merschöpflich, die des Gegners jedoch für begrenzt; ferner hofft nan, die Zufuhr vom Auslande werde durch die baldige Oeffnung Jer Dardanellen vermehrt werden; schließlich glaubt man, die zussische Industrie werde doch einmal imstande sein, den Armee— vedürfnissen zu genügen. . Der Krieg hat in Wahrheit aber die ganze Industrie in polen und Kurland zerstört. Man hat zwar einen großen Teil der Maschinen ins Innere Rußlands geführt, um sie neu zu montieren und dann für Kriegszwecke zu verwenden, aber der Ab— ransport geschah auf so primitive Weise, daß im wilden Durchein— inder ohne zweckmäßige Packung und Adressenangabe einzelne Ma— schinenstücke versandt wurden, die sich nun auf den Bahnhöfen von kasan, Moskau und Jaroslaw derart angehäuft haben, daß es un⸗ möglich ist, die einzelnen Maschinenteile zu finden, geschweige denn ie Maschinen zusammenzusetzen. Daher wurden aus Amerika ontraktlich für 150 Millionen Dollar Maschinen be— Zellt, was über die Zahl der neuen Fabriken zur Herstellung von Eriegsmaterial genügend Aufschluß gibt. Man hat zwar genau be— nechnet, daß alle Lieferungen später in den alten und neugegrün— eten Fabriken hergestellt werden können, aber der Mangel an Eisen— ahnen, an Rohmaterial und besonders an geschulten Arbei⸗ ern und guten Arbeitsleitern wurde nicht erwogen. Dieser ist so groß, daß Rußlands Hoffnung auf einen endgiltigen Sieg, die hauptsächlich auf die Neuorganisation der Industrie ge— tründet wäre, wohl unerfüllbar ist. Durch die„Verteidigungstaktik von 1812“ hat Ruß⸗ und seine Schwierigkeiten nur vergrößert, ohne aber den Feind Sgendwie aufgehalten zu haben. Die Bevölkerung, die ihre Heimat nicht verlassen will, wird von den Soldaten weggetrieben, was oft en Rückzug der Truppen erschwert. Es sind Fälle vorgekommen, aß Wälder angezündet wurden, bloß um die dorthin ge— ohenen Flüchtlinge zu vertreiben. In den preisgegebenen Ge— ieten ist alles verödet, und es werden Jahrzehnte vergehen, ehe ieder erträgliche Verhältnisse dort sich entwickeln werden. Die Ob- achlosen werden zu Tausenden ins Innere des Landes geschickt, ohne aß irgendwelche Fürsorge für sie getroffen wurde. Es sind bei— sielsweise 10000 Letten in einer Stadt weit im Osten einge— hoffen, die aber vom Gouverneur mit der Bemerkung zurück⸗ he chickt wurden, daß sie Deutsche wären. Die Leiden der llüchtigen werden natürlich durch den Umstand vergrößert, daß sie bine Russen, sondern Polen, Letten und Litauer sind, denn groß— m einen Sonderbericht⸗ Dieser meldet nach dem Berl. eystems sein wird. Alle Sünden der Regierung rächen sich jetzt: lie Bestechlichkeit der Beamten, die provokatort⸗ che Arbeit der Geheimpolizei, deren letzte Tat der Noskauer Pogrom war. Die Unterdrückung der nichtrussischen Jationen löst das Band zwischen den einzelnen Teilen des Reiches, Ind es findet sich kein genügend willensstarker und selbstloser Mann, der es auszusprechen wagt, daß doch nur der Frieden das einzige Rettungsmittel ist.“ Rußkose Slowo gibt ein Bild von dem furchtbaren Elend ber Flüchtlinge, die in unendlichen Reihen die Chaussee Lrest⸗Litowsk nach Moskau dahinzlehen und bereits sieben bis acht Vochen unterwegs sind. Alle Kinder seien krank, Männer und rauen sehen wie vagabondierende Zigeuner aus, da sie acht Tage ud Nächte den Unbilden der Witterung ausgesetzt seien. Sie ii ßerten sich unwillig über die zwangsweise Verlassung der Heim⸗ litten. Viele, besonders Kinder, strben unterwegs. Die Flücht⸗ ange sehnten sich nach Transporten mit der Eisenbahn. 2 Rußkoje Slowo berichtet: Die polnischen Organi⸗ tionen hielten in Moskau einen Kongreß ab. Sie beklagten ich über das grobe, ungesetzliche Benehmen der Provinzbehörden gen die polnischen Flüchtlinge und verlangten völligen Scadenersatz, Registrierung der Flüchtlinge, nationale Kirchen und Schulen, sowie Risckhesörderung der Flüchtlinge nach dem Kriege. * Nljletsch meldet: Verschiedene Abgeordnete der Rechten haben nen schwarzen Bloc zum Kampfe gegen die Linke nder Duma gegründet. Wie auf ein Signal eröffnet die gesamte zussische Gebiete sind bisher vom Rückzug noch nicht betroffen orden. Im Volke glaubt man, daß dieser Krieg das Ende des nus Presse der Rechten einen Feldzug gegen die Duma, die sie beschul⸗ digt, eine Revolution anstiften und alles gegen eine gründliche Durchführung des Krieges tun zu wollen. * Dem Rjetsch zufolge bestreiten die rechtsstehende Presse und maßgebende Stellen die Richtigkeit der Gerüchte der Befrei— ung der Juden von den einschränkenden Bestimmungen. Auch die Gouverneure, deren Absetzung versprochen wor⸗ den war, wirtschafteten weiter, wie bisher. Es müsse, schreibt das Blatt, energisch darauf bestanden werden, daß die Regierung ein festes Programm erlasse, von dem sie nicht abweiche. * Rietsch meldet: Am 23. August waren in den Rußlands Gerüchte verbreitet, daß Ko wu o und die Dardanellen gefallen seien. In Petersburg und Moskau fanden deshalb Kundgebungen statt, obwohl die Polizei diese sogar unter Androhung von Strafe verbot. In Moskau artete die Kundgebung in eine regierungs feindliche De⸗ monstration aus. An dem Denkmal des Generals Skobe— leff wurden Reden gehalten, darunter eine von einem jungen Manne, die die Polizei veranlaßte, ihn sofort zu verhaften. Das Publikum wollte ihn befreien. Dadurch entstand ein Kampf mit der Polizei, wobei mit Fahnenstangen und Steinen ge— kämpft wurde. Viele Personen, auch Polizisten, wurden verwundet. Die Menge zog den Polizisten nach und zertrümmerte die Fenster— scheiben des Polizeireviers. Erst in der späten Nacht gelang es der Polizei, die Menge auseinanderzusprengen. 5 Hauptstädten wie dererobert Ereignisse führt unfehlbar zum Erwachen der Volks⸗ energie, zum Aufschwung des Volksgeistes, zur Die traurige Lage allgemeiner Unterdrückung, zu der Rußland vor dem Kriege verurteilt war, kann sich nicht wiede r⸗ holen. Das Schicksal schreibt gebieterisch eine bestimmte Richt⸗ salsbefehle sind die alten Regierungsschablonen ohnmächtig, so gern auch bestimmte Kreise zu ihnen zurückkehren möchten. Das Erwachen der Volkskräfte vollzieht sich vor unseren Augen, und wir sehen, daß die alten Gegner der Volksinitiative ge— zwungen sind, ihre Stellungen zu räumen. Was wird weiter werden? Mit Beendigung des Krieges erwachsen dem Staate Aufgaben größter Wichtigkeit(der Aufbau des Zerstörten, Heilen der geschlagenen Wunden), mit denen fertig zu werden, nur dem gemeinsamen Streben der Volks- kräfte, der allgemeinen geschlossenen Arbeit gelingen kann. Für unsere Industrie wird der Krieg zweifellos sehr große Folgen haben. Wir haben unsere Schwäche deutlich gesehen, die Verhältnisse haben uns gezwungen, uns an die Erzeugung alles dessen zu machen, was wir früher nicht hergestellt haben. Neue Gewerbs— zweige werden entstehen, die Industrieherde verschieben sich, es fällt das alte hergebrachte Mißtrauen gegen die Regierung, ihre maß— gebende Bedeutung für den Staat wird anerkannt. Die Entwicklung der Industrie, die Befreiung der gebildeten Gesellschaft und der Volksmassen von ihren Fesseln, die Teilnahme des Volkes an den Regierungsgeschäften— das hilft die tiefen Wunden heilen, die der Krieg geschlagen hat und zieht unser Vater— land aus dem Abgrunde, in den ihn das alte Regime gebracht hat. Die französische Blockade über die Küsten Klein⸗ Asiens. Paris, 28. Aug. Amtlich wird bekanntgegeben: Der befehlshaber der französischen Flotte verhängte am 22. August die Blockade über die Küsten Kleinasiens und Syriens von der Insel Samos bis zur ägyptischen Grenze zwischen 37 Grad 38 Minuten nördlicher Breite und 27 Grad 2 Minuten östlicher Länge bis 31 Grad 20 Minuten nördlicher Breite und 34 Grad 13 Minuten öst⸗ licher Länge. Die Blockade trat am 25. August in Kraft. Sie wurde den Ortsbehörden in der blockierten Zone sofort bekannt gegeben. 2 22 5 2 9 Die türkisch⸗bulgarischen Verhandlungen. Die formelle Unterfertigung des nach erfolgreichen Ver— handlungen zustande gekommenen türkisch-bulgarischen Ver⸗ trages wird, wie Az Est aus Sofia erfährt, erst später erfolgen, da die Entente bisher noch keine Antwort er— hielt und auch die Verhandlungen mit Serbien noch nicht ab— geschlossen sind. Es ist einfache Höflichkeitspflicht, vor Abschluß dieser Verhandlungen diesen Vertrag nicht zu unterfertigen, beziehungsweise die getroffenen Vereinbarun— gen nicht zu veröffentlichen. Paris, 28. Aug.(W. B. Nichtamtlich.) Die Demission des bulgarischen Kriegsministers Fitschew, welcher ein Anhänger des Vierverbandes war, wird von der Presse mit dem türkisch-bulgari⸗ schen Abkommen in Zusammenhang gebracht. Sie sei ein neuer Be⸗ weis für die Neuorientierung der Politik der Sofioter Regierung, welche augenscheinlich in das Fahrwasser der Diplomatie der Zen⸗ tralmächte geraten sei. Die Presse bringt alle Meldungen hierüber über Athen und Dedeagatsch zum Abdruck, hofft jedoch, daß es sich noch nicht um eine endgültige Festlegung der Politik Bulgariens zu⸗ gunsten der Zentralmächte handelt. Die englische Bergarbeiterbewegung. Der Konflikt in den Kohlenbergwerken von Wales hat seinen Höhepunkt erreicht. Lloyd George und Runeiman hatten am Samstag in London Besprechungen mit den Ver— tretern der Arbeiter, offenbar ohne Erfolg, denn die Minister werden am Montag eine Zusammenkunft mit Ober⸗ den Grubenbesitzern haben. Ein Aufschub bringt Gefahr, Die Moskauer Zeitung Utro Rossij führt aus: Der Gang der Freiheit. ung in der Befreiung der Volkskräfte vor, und gegen diese Schick⸗ denn die Bergleute an mehreren Orten von Wales bekunden Ungeduld und feiern entgegen den Weisungen ihrer Führer. Die Times melden aus Cardiff: Sollten die nach London gesandten Delegierten das Ziel nicht erreichen und die Grubenbesitzer an dem Schiedsspruche Runcimans strikte fest⸗ halten, so wird die Lage sehr ernst werden. Die Bergleute im Rhonddatale sind zweifellos starrköpfig und werden durch jüngere Agitatoren aufgehetzt. Eine Massenversammlung wird am Sonntag in Toypandy abgehalten. Es wird viel⸗ leicht schwer sein, die Arbeiter zu verhindern, ohne Rücksicht auf ihre Führer die Entscheidung in die eigene Hand zu nehmen. Bergarbeiterstreik und U-Bootkrieg. Die drohende Ausdehnung des Streiks der Kohlen⸗ bergarbeiter in Südwales gibt der Morning Post Veran⸗ lassung, die Lage zu betrachten, in die der Kohlenmarkt gerät, wobei merkwürdigerweise Geständnisse über die Folgen des Unter⸗ seebootkrieges gemacht werden. Es wird gesagt, daß die Schiffscigentümer nur wenig geneigt seien, ihre Schiffe in die ge⸗ fährli Unterseebootszone zu bringen, wenn sie es irgendwie ver⸗ meiden können, und daß sie deshalb lieber Mittelmeer⸗- oder süd⸗ amerikanische Häfen anlaufen. Die Folge sei ein ernster Mangel an Dampfer für den Kohlentransport von England, und ein weiteres Resultat sei, daß in den letzten Tagen die Frachtraten wieder die Rekordhöhe von vor einiger Zeit erreicht hätten. Hauptsächlich gelte dies für die Ostküste, wo die Frachtraten vom Tyne nach Rouen 3. B. von 15 Schilling auf 18 in die Höhe gegangen seien, während die Frachtraten nach Genua von 26 Schilling auf 30 Schilling ge⸗ stiegen seien. Es sei zu erwarten, daß in den nächsten Tagen die Frachtraten weiter in die Höhe gehen. 5 Der englische Dampfer„Behle“ versenkt. T. U. Haag, 29. Aug. Die Times melden: Der englisch Dampfer„Beyle“ ist von einem deutschen Unterseeboot ver⸗ senkt worden. Das Verfahren gegen den„Labour Leader“. Manchester, 28. Aug.(W. T. B. Nichtamtlich.) In dem Ver⸗ fahren gegen den Labour Leader hat der Polizeirichter entschieden, daß die zur Anklage stehenden Artikel des Labour Leader vom 5. und 12. August nicht die Wirkung haben würden, die Rekru⸗ tierung zu hindeen. Ueber den zweiten Punkt der Anklage, daß der Artikel„Ueber den letzten Tag des Jahres“ die Beziehungen zu Frankreich zu schädigen geeignet sei, sagte der Richter, der Fall erledige sich dadurch, daß der Artikel in Frankreich die französische Zensur passiert habe. Die beschlagnahmten Exemplare des Labour Leader seien somit dem Verlage wieder zurückzugeben. Der Richter bestimmte sodann die Vernichtung folgender beschlag⸗ nahmter Broschüren:„Der britische Militarismus“,„An n die Frauen der Welt“,„Nationalität und Patriotismus“,„Die Ursachen des Krieges“,„Ein dankbares Land“ und„Sofortiger Nur eine dieser Broschüren war im Verlage des Labour Die angeklagte Zeitung wurde nicht zu den Friede“. Leader erschienen. Kosten verurteilt. Anklage eines Buren gegen Botha. Der bekannte Professor für südafrikanisches Recht an der Amsterdamer Universität, Bodenstein, der selbst ein Bur ist, veröffentlicht im Handelsblad einen überaus scharfen Artikel gegen General Botha, dem vorgeworfen wird, daß er anfäng— lich erklärte, es handele sich nur um die Verteidigung der Union, und in keiner Weise gelten lassen wollte, daß es sich um einen Eroberungskrieg handele. Was sein eigenes Volk davon dachte, schreibt Bodenstein, zwölf Jahre nach dem Elend und den Grausamkeiten des Krieges, der ihm seine Unab⸗ hängigkeit nahm, war ihm offenbar gleichgültig. Das Volk mußte sich biegen oder brechen, sich nach den Auffassungen dieses Jingo-Imperialisten schicken oder krepieren. Boden- stein erinnert daran, daß Botha eine Fälschung vorgenommen hatte, indem er behauptete, die Deutschen seien bei Nakopsüd in das Gebiet der Union eingefallen. Botha hatte damals, wie Bodenstein erklärt, die Karte einfach durch Geographen umfälschen und das im Gebiet von Deutsch-Südwestafrika liegende Nakopsüd in das Gebiet der Union einzeichnen lassen. Als sein Volk sich für derartige Zwecke nicht gebrauchen lassen wollte und zum Aufstand schritt, hatte Botha noch die Unverschämtheit, diesen Ausstand den Intrigen deutscher Agenten zuzuschreiben, obgleich er sehr gut wußte, daß dies vollständig unwahr sei. Nun würde wohl Botha den Adels— titel bekommen und eine Belohnung von 100 000 Pfund. Bodenstein erinnert an den Tod so großer Afrikaner wie Beyers und Fourie und daran, daß mit so vielen anderen der berühmteste Burenheld Dewet im Gefängnis sitze. Er warnt das südafrikanische Volk vor den versöhnungstriefenden, scheinheiligen Reden Bothas, da Botha jetzt, wo der Wahl— kampf beginne, seine Macht behalten wolle, und ruft am Schluß dieser wuchtigen Anklage: Hebe Dich hinweg, Ab- trün konnen Dich nicht mehr. Zu uns gehörst Di ohe zu denen, denen Du immer nach den Auge zast und nach deren Zustimmung Du immer schmachtetest. Für uns bestehst Du nicht mehr, für uns bist Du tot!“ Japan und Deutschland. Der holländische Senator und Genosse Van Kol, der bekannt⸗ lich im holländischen Kolonialdienste tätig war, befindet sich seit einiger Zeit in Japan. Seine Sympathien gehören dem Vierver⸗ bande, besonders dem britischen Reiche. Um so merkwürdiger sind seine Ansichten über die Stimmung in Japan. Die in London er⸗ scheinende Independance Belge enthält in ihrer Nummer vom 18. d. Mts. eine längere Korrespondenz aus Arima, der wir folgendes entnehmen: „Es gibt eine starke deutschfreundliche Strömung unter den Japanern, die in Deutschland studiert oder dort gewohnt haben. Es gibt unter ihnen sogar eigensinnige Germanophilen. Zu dieser Kate⸗ gorie gehören eine große Anzahl von Armeeoffizieren; die Mehrheit der gelehrten Welt: Universitätsprofessoren, Mediziner, Ingenieure, Chemiker usw., dann auch manche Industrielle, Kaufleute und Bankiers. Diese Leute haben jedoch die Eroberung Tsingtaus ge⸗ billigt, da ihre Liebe zum Vaterlande stärker ist als die zu Deutsch⸗ land. Sie sind der Ansicht, daß es das Interesse ihres Vaterlandes ist, die fremden Mächte zu verhindern, eine Operationsbasis in der Nähe der japanischen Inseln zu besitzen. Sie sind überzeugt, daß Deutschland siegen wird; auf jeden Fall— glauben sie— sei an eine vollständige Niederlage der Deutschen nicht zu denken. Sie wünschen nicht, daß Japan in diesen Kampf ernst verwickelt würde; sie wünschen, daß Japan sich so wenig als möglich kompromittiert Die wundervolle Organisation, die Deutschland offenbart, sein methodischer Geist, seine Armee, die gleichzeitig von drei Seiten dem riesenhaftesten Druck, den man sich vorstellen kann, während langer Monate erfolgreichen Widerstand entgegensetzt— all das erfüllt den Geist der japanischen Militaristen mit Bewunderung und übt auf sie eine wahrhaft bezaubernde Macht aus. Man gewinnt den Eindruck, daß sie sehr stolz sein würden, wenn ihr Land eines Tages eine ähn— liche Rolle spielen und das Ansehen ernten könnte, das derartige Kämpfe zur Folge haben müssen. Der wilde Patriotismus der Teutonen ist nicht danach angetan, ihnen zu mißfallen.“ Van Kol führt dann weiter aus, daß man in Japan an verschie⸗ dene Bündnispläne denke und daß man es nicht für unmöglich halte, enge freundschaftliche Beziehungen zu Deutschland herzustellen. Die Behandlung, die den Deutschen in Japan zuteil werde, sei außer⸗ ordentlich rücksichtsvoll. Graf Okuma habe bereits Anspielungen ge— macht, daß ein Einverständnis mit einem siegreichen Deutschland möglich sei,„um den Frieden im Orient auf eine dauernde Grund— lage zu stellen.“ Der englische Einfluß sei zwar noch stark, aber er zeige die Tendenz, schwächer zu werden, und wenn die Engländer keinen großen Sieg erringen, so sei man berechtigt, zu glauben, daß ihr Einfluß rasch abnehmen werde. Im großen ganzen bestehe in Japan keine Neigung, Truppen nach Europa zu schicken, um gegen Deutschland zu kämpfen. Die neue deutsche Kriegsanleihe. Es bestätigt sich, daß die neue 5prozentige Kriegsanleihe zum Kurse von 99 Prozent herauskommen und ebenso wie die beiden Emissionen bis zum 1. Oktober 1924 unkündbar sein wird. Die Stücke sollen diesmal mit Zinslauf erst vom 1. April 1916 ab ausgegeben werden, sodaß der erste Zins— schein am 1. Oktober 1916 verfällt. Es werden mithin die Zinsen für ein halbes Jahr vorweg gezahlt. Das geschieht, um für den Druck der Anleihescheine Zeit zu gesßinnen. Aller— dings ist die Ausgabe von Zwischenscheinen in Aussicht ge— Kommen, aber nur für Stücke von 1000 Mark ab. Die Veröffentlichung des Prospekts der neuen Kriegs— anleihe ist für den 1. September in Aussicht genommen. Zeichnung findet vom 4. bis 22. September statt. 5 Zur Lage in Rußland. Das Hamburger Fremdenblatt berichtet: Nach Peters— hurger Meldungen hat der Dumapräsident die in den letzten Tagen eingegangenen zahlreichen Interpellationen der linken Gruppen der Duma, in denen von der Regierung unter schärfsten Angriffen auf die Politik und militärischen Gesamtleistungen des Reiches Auskunft über schwebende militärische Fragen gefordert wird, nicht mehr zur Beratung gestellt. Die Polizei nahm bei mehreren Duma-Abgeord— neten, darunter auch bei dem Abgeordneten Tscheidse, ohne Rücksicht auf die zur Zeit abwesenden Eigentümer, Haus— suchungen vor. Eine italienische Niederlage. Wie nach verschiedenen Morgenblättern die Die Tiroler Stimmen aus Innsbruck mitteilen, haben die österreichischen Truppen am Stilfser Joch die Italiener von dort verjagt und ihnen überdies den den Paß beherrschenden Scorluzzo⸗ Berg abgenommen. Der Paß selbst ist also völlig in öster⸗ reichisch-ungarische Hände übergegangen. Sie können nicht—! Zu der italienischen Kriegserklärung an die Türkei wird aus diplomatischen Kreisen bekannt, kriegerische Taten Italiens gegen die Türkei seien ni cht zu erwarten, da Italien ein festes Programm in Europa habe. Italien sei augenblicklich durch den Kampf mit Oesterreich-Ungarn derart gebunden, daß seine Be⸗ teiligung an den Dardanellen unmöglich sei. Die Befestigung des bulgarischen Hafens Varna. T. U. Chiasso, 30. Aug. Wie die Tribuna aus Athen exfährt, hat Bulgarien den Hafen Varna im Schwarzen Meer mit schweren Geschützen ausgerüstet. Entgegen der Ansicht der politischen Kreise von Athen, die die Maßregel als gegen Rußland gerichtet erachten, glaubt das römische Blatt, daß Bulgarien damit sein Vorgehen gegenüber der Türkei bezeigen wolle. Die„Arabic“ Affäre. T. U. Newyork, 30. Aug. Die amerikanische Regierung ging auf das Ansuchen der deutschen Regierung ein, abzu⸗ warten, bis die deutsche Regierung eine Untersuchung über die Versenkung der„Arabie“ vorgenommen hat. Anarchie in Persien. Nachrichten aus Persien zufolge nimmt die Anarchie täglich größere Ausdehnung an. Bewaffnete Banden griffen die Gendar⸗ merie in der Nähe von Teheran an. Abteilungen russischer Soldaten vereinigten sich an der Grenze von Afghanistan mit von Süden kom⸗ menden Hindus, um die persischen Banden zu verhindern, die Be⸗ völkerung der Grenzgebiete zur Revolutkon aufzureizen. Kriegsnolizen. Gegen das Belagerungsgesetz soll sich der Geschäfts⸗ führer der Verwaltungsstelle Solingen des deutschen Metallarbeiter⸗ verbandes. Genosse K. Rapp, vergangen haben. Genosse Rapp hat eine Betriebsversammlung abgehalten, in der über die Lebensmittelversorgung gesprochen wurde. Er hielt diese Versammlung nicht für genehmigungspflichtig, während die Staats⸗ anwaltschaft Elberfeld in der Zusammenkunft der Betriebsangehöri⸗ gen eine öffentliche Versammlung erblickt, da mittels Handzettel die Arbeiter des betreffenden Betriebes eingeladen und diese Zettel auf der Straße verteilt wurden. Die Sache wird in einigen Tagen die Strafkammer in Elberfeld beschäftigen. Um ein genaues Ergebnis der Getreide-Ernte festzustellen und um die Verfütterung von Getreide möglichst zu verhindern, hat der selbstwirtschaftende Bezirk der Lippischen Wirtschaftsgemeinschaft an— geordnet, daß jeder Dreschmaschinenbesitzer verpflichtet ist, jeden ein— zelnen Erdrusch mit Namen des Besitzers und der Menge in ein Buch einzutragen. Nachträglich hat sich nun herausgestellt, daß viele Landwirte diese Bestimmung dadurch umgingen, daß sie ihr Getreide über die Grenze ins Preußische beför⸗ derten und dreschen ließen, wo es eine solche Kontroll— bestimmung nicht gibt. Es ist amtlich mitgeteilt worden, daß es sich um„zahlreiche“ Grundbesitzer handelt, die sich so vergangen haben. Auf Befehl der französischen Regierung ist der Flieger Gilbert, der unter Bruch seines Ehrenwortes nach Frankreich entflohen war, am Samstag Abend wieder nach der Schweiz abgereist. In Belgien herrscht seit Monaten ein starker Mangel an Nickelgeld. Der Generalgouverneur erließ darum eine Verord⸗ nung, die die Prägung von Scheidemünzen in Zink zuläßt. Es sollen Stücke im Werte non 5, 10 und 25 Centimes herausgegeben werden. Niemand wird aber verpflichtet sein, solche Zink- münzen im Betrage von mehr als 5 Franes in Zahlung zu nehmen. Das neue Geldstück wird das umkränzte Bild eines Löwen und die Aufschrift„Belgien“ in französischer und flämischer Sprache zeigen Arbeiterbewegung. Der Tapeziererverband nach einem Kriegsjahr. Der Tapeziererverband hatte vor Ausbruch des Krieges 10 262 Mitglieder. Von diesen waren bis zum 1. August d. J. 4800 Mitglieder zum Militärdienst eingezogen, unberechnet die seit Kriegsbeginn als dienstuntauglich wieder Entlassenen. Eingezogen sind zurzeit rund 47 Prozent der Mitglieder. Bis zum 1. August waren bereits 277 Mitglieder als gefallen gemeldet, gleich 5,7 Proz. der Eingezogenen Es ist anzunehmen, daß die Zahl der Ge— sauenen noch peträchtlich höher d Meldung an den Verband 0 e. glieder war Ende Juli auf 3870 ge ere dienst Eingezogenen ergibt sich na 15 Mitgliedern, also zirka 15 Proze 1 Ausbruch des Krieges. Zu e ch das Gros n dei ncht zum Srganisattonsgeßbiet des Ve in 1 gan 1590 9 5 e 1 1 benen Da die Arbe im Tapezierergg rente 1 5 dar nieberliegt, war der weitaus größte Teil der Berufsangehörigen hungen, Arbeit zu suchen. Nach 5 i güstungsindustrien 1 0 4 gezwungen, in den 1 d d. J. waren nur etwa 95 Prozent de einer Feststellung im Januar d. 9 Verbandsmitglieder im Tapezierergewerbe eigen e t arbeiten außerberuflich, vorwiegend in Betrie l am 1. J rüstungsindustrie. Auch bei der erneuten, Feststelung e 1062 1 ergab sich, daß von den 70 Verband mitanted rn eitglieder h lernten Beruf tätig waren. Fast 60 Prozent 35 11 beschästicl e— bade scch die Arbeitsgelegenhelt ig Es ist auch nicht anzunehmen, daß sie ird* T i 0 Ende des Krieges heben wird. 1 ae e neßestelesen Verbandsmitglieder it verhalt mäßig gering. Nach den ersten beiden Kren eee e resp. 30 Proz. der Mitglieder außer Arbeit 1 ge. ie Arbeitslosen in der Rilstungsindustrie unterzu 1 10 Folgezeit sank sogar die ere geerhe gehr hohe Arbelssosengalf 1 Zeiten im Tapeziererg 27 5 22. 0 rte Wintermonaten Are 8 e Zahl der Arbeitslosen auf durchschnittlich 4 Proz. der 0 itg 2 Erst in den letzten Monaten steigt die Arbeitslosigkeit nente 0 Juli waren schon wieder 3,8 Proz der Mitglieder arbeit„5 Die Abwanderung der Arbeitslosen in die e ustrie bewirkte, daß die Verbandskasse sehr stark entlastet wurde. Das Verbandsvermögen hatte nach einjähriger Kriegsdauer nur um knapp 12 500 Mk. abgenommen und bezifferte sich am 1. August auf 325 558 Mk., obwohl während des Krieges 188 788 Mk. für Unte stützungszwecke aufgewandt wurden. Die Unterstützung der Ar⸗ beitslosen verlangte in den ersten beiden Kriegsmonaten über 60 000 Mk., in den nächsten 10 Monaten hingegen trotz einer neu eingeführten Aussteuerunterstützung nur 16 500 Mk. Für Unte 1 stützung der Familien der Eingezogenen verausgabte die Hauptkasse während des Jahres 35.855 Mk. Für den gleichen Zweck, für Sendung von Liebesgaben und dergleichen brachten die Lokalkassen weitere 61421 Mk. auf, sodaß für die eingezogenen Mitglieder insgefamt 97 276 Mk. vom Verband aufgebracht wurden. Die von den Lokalkassen aufgewendeten Summen wurden zum größten Teil durch freiwillige Sammlungen und Extrabeiträge aufgebracht. Ein Gemütsmensch. 5 In Miesbach in Bayern lebt die Frau eines Kriegstei nehmers mit ihren beiden Kindern in den dürftigsten Verhältnissen da sie keine weitere Unterstützung hat als 24 Mark monatlich vom Reiche. Vom Orte selbst erhält sie nichts, da ihr Mann nicht von dort aus einberufen wurde. Das Oxtsoberhaupt sagte ihr, sie solle dahin gehen, wo ihr Mann einberufen wurde. Die Frau befolgt den Rat und wandte sich, wie das Bayerische Wochenblatt berichtet, nach Feldkirchen an den Brauereibesitzer Mareis, bei N ihr Mann gearbeitet hatte. Hier die wortgetreue Antwort, die sitz bekam: Meine liebe Frau W.... Als ganz unbekannt muß sch Ihnen leider mitteilen, daß wir selbst Leute genug haben, die wit unterstützen müssen, ich kann Ihnen keinen besseren Rat geben, entweder wenden Sie sich an die hiesige Gemeinde Verwaltung oder an jene wo Sie beheimatet sind oder Ihr Mann. Warum schauen Sie sich um Kinder wens zum Voraus wissen das sie es nicht ernähren könen, aber es scheint das Sie nur geheiratet haben das Sie einen Mann haben. Sie müssen halt auch schauen wie jeder andere das Sie etwas verdienen wie es jeder andere muß und nicht auf die faule Haut liegen, wie es gewöhnlich f junge Weibsleut machen. Wie gesagt wir haben selbst Leute genug daheim wie im Felde die wir unterstützen müssen. Damit Sie sehen daß ich doch erbarmen mit Ihnen habe lege ich Ihnen 1 M. bei welche Ihnen aber nicht viel nützen wird. Es grüßt Sie als unbekant S. Mareis. Vermischtes. Ein Familiendrama. Die Witwe Marie Dreiling in Mannheim, die Samstag achmittag mit ihren Kindern tot aus dem Neckar gezogen wurde, war seit Mittwoch vermißt worden. Sie war 34 Jahre alt und stammte aus Ziegelhausen bei Heidelberg. Ihr Mann starb vor zwe Jahren. Die drei ältesten Kinder waren Mädchen von 4 bis 8 Jahren, das jüngste ein Knabe von 2 Jahren. Die Leichen mit einer Zuckerschnur zusammengebunden. Als Motiv nimmt Verzweiflung wegen eines gegen sie eingeleiteten Strafverfahrens an 1 dem pachen varen Diethelm von Buchenberg * Erzählung von Bertold Auerbach. 63 Diethelm hörte sie geduldig an, aber dieses ewige Klagen machte ihn stumpf gegen die Vorhersagung der Frau, daß sie den Einzug ins Haus nicht erleben werde. „Nur nicht prophezeien,“ war seine beständige Rede,„das ist das Schlechteste, was man tun kann. Ich hab dir ver— sprochen, daß ich dich nie mehr allein lasse, aber du treibst mich aus dem Haus, wenn du so fortmachst.“ Martha hatte in der Tat falsch prophezeit: der Sommer ging zur Rüste, und im Herbst zog sie, abgesehen von ihrem beständigen Leide, wohlbehalten in das wochenlang durch heizte neue Haus ein, und nachdem das erste Mißbehagen überwunden, schien sie sich dessen zu freuen; zumal da Diet— helm die junge Frau Kübler mit ihrem Kinde während der Abwesenheit der Fränz zu sich ins Haus genommen hatte. Nun erlaubte er sich auch allmählich, seinem Versprechen untreu zu werden, und buchstäblich hielt er es doch, wenn er wieder Tage und Nächte über Land blieb: Martha war ja nicht allein, die junge Frau mit dem Kinde war bei ihr. Wenn Martha ihn dennoch an sein Versprechen gemahnte, war er ungehalten und voll Jähzorn über diese unerträgliche Sklaverei und über dieses ewige Erinnern an ein Versprechen das er schon von selbst halte und viel lieber, wenn er nicht daran gemahnt werde. Er blieb nun mehr als gewöhnlich zu Hause, und jetzt erkannte er deutlich, was er schon oft flüchtig wahrgenommen: wenn er im lebhaften Verkehr mit Menschen, und zwar mit recht vielen, war, wich das Frösteln von ihm, in der Einsamkeit aber war es immer wieder da unabwendbar. Diethelm knirschte über die neue Gefangen schaft, in der er sich befand, und jetzt fiel ihm das Mittel des alten Schäferle ein. Er kaufte Erlenholz und sägte tagelang, als müßte er sein Brot damit verdienen. Der stolze, in grünen Saffianpantoffeln stolzierende und alle schwere Arbeit verhöhnende Diethelm war in das Los eines armen Taglöh— ners verfallen, aber er war dabei doch froh, denn er fühlte in der Tat eine lange nicht empfundene Wärme: das Hols, das, haufenweise in den Ofen gesteckt, ihn nicht von seinem Frösteln befreit hätte, erwärmte ihn jetzt bei dessen Ver— arbeitung. Vom Morgen bis zum Abend arbeitete er im Schuppen und lauschte dann oft selbstvergessen den wunder— lichen Tönen der Säge; wie das klingt und schrillt beim ersten Einschnitt und dann zum Kern des Scheites gelangend, so dumpf tönt und wieder ins Schrille, Kurzatmige übergeht beim Ende des Durchschnitts. Mochte es aber klingen, wie es wollte, wohlige Wärme durchströmte den Körper. Leute sagten, der Diethelm sei geizig geworden, seitdem sein Reichtum gestiegen sei; er ließ sich diese Nachrede, die ihm wieder zukam, gern gefallen, denn auch im Geize liegt ein gewisser Ruhm, da seine unbezweifelte Voraussetzung der Reichtum ist. ö Wenn er manchmal einen Tag in seiner mühseligen Ar— beit aussetzen wollte, kam wiederum das Frösteln über ihn, als wollte sich alles Zurückgedrängte auf einmal geltend machen: er mußte aufs neue wider Willen an die unschein— bare und doch so mühselige Arbeit, als hätte ein Zauber ihn daran festgebannt. Es half nichts anderes. kam ein neues Ereignis, das ihn von dieser Arbeit und seiner häuslichen Gefangenschaft befreite, ohne daß Martha zu einer Einsprache berechtigt war. Das Schwurgericht, das man in stürmischen Zeiten ver— heißen hatte, wurde jetzt nach Herstellung der nötigen Bauten in der Tat eingesetz Der veränderten Zeitrechnung zufolge wurden aber die Geschworenen nicht nach allgemeinem Wahl— recht frei gewählt, sondern die Amtsversammlung, bestehend aus den meist gefügigen Schultheißen und einem Teil der Obmänner des Gemeindeausschusses, wählte einen sogenann— ten Siebenerausschuß, und dieser ernannte die Geschworenen aus Zahl der Höchstbesteuerten und Nichtdemokraten. 8 r Vetter Waldhornwirt hastig mit der Hand und sagte zu Diethelm: kommt Ihr in Zeitung, Vetter.“ „Ich erwiderte Diethelm, sich verfärbend, und nahm mit Zittern das Blatt in die Hand. Er las die Liste der Geschworenen, und als dritter stand sein Name. Lange Die 5 * Da Eine 8 1 Lande„Da Wie?“ starrte er darauf bin und rieb sich mehrmals die Stirn, er wollte den Schreck vergessen, den er gehabt hatte, und jetzt war es ihm doch eine Freude, sich gedruckt zu lesen; er äuße dies aber nicht, sondern sagte nur, daß er um Dispensati bitten werde, da er in seinem Anwesen noch viel zu tun habt und daß er auch seine Frau nicht verlassen dürfe. 5 Martha entgegnete rasch:„Meinetwegen kannst du's schon annehmen, im Gegenteil, mir ist's lieb, wenn du ein paar Wochen fortgehst, lieber als wenn du so all Ritt ves schwindest, wie in den Boden gesunken.“ 1 Der Vetter sagte, daß Diethelm gar nicht ablehnen dürfe; man wisse nicht, was die Menschen den könnten, wenn er sich davon losangle; es ginge ihn zwar nichts an, aber er dürfe es auch ohnedies nicht, er habe das Schwurgericht zu allen Zeiten gepriesen, und jetzt müsse er auch dabei sein. ö Diethelm schäumte innerlich vor Wut. So hatte seine Freisprechung, hatten alle die hohen Ehren, die er genossen, nichts genützt; die Menschen, die so unterwürfig waren, hegt noch immer Verdacht gegen ihn, der allzeit bereit War, lo zubrechen. Der erstickte Argwohn in den Gemütern glich d Flamme in einem niedergebrannten Hause, die immer wied aufschlägt, sobald man einen Balken weghebt. Diethelm ver⸗ fluchte die ganze Welt und zankte mit dem Vetter, als dieser entschuldigend sagte: er habe noch nichts gehört von niemand er habe nur so gemeint. 5. „Was hast du vorzudenken, was andere Leute denk können? Oder bist du schlecht genug und blasest den Leu selber ein, daß sie mich verunehren?“ 0 5 „Ihr wisset ja, wie ich zu Euch bin.“ f it schelmisch bezen sung dbollen Alice bir. d we Diethelm sah das, und wieder kam ihm die Vermutung daß der, den er sich am nächsten glaubte schlimmen Verdacht gegen ihn hegte; aber das Klügste war doch immer zu tun als ob er das nicht glaube; er sagte daher!„Wenns nicht anders ist, nehm' ich's an. Hast recht Vetter/ es kann mit eins sei, was die Leut' denken, und ich freu' mich aud meinem Schwiegersohn zu sein. Weißt was Frau? Geh' (Fortsetzung folgt.) —— Hessen und Nachbargebiete. Gießen und Umgebung. Pflegschaftsgelder für Kriegerwaisen fordert eine vom Ständigen Ausschuß zur Förderung der Ar— beiterinteressen an die gesetzgebenden Körperschaften gerichtete Eingabe. In der Begründung dieser Eingabe wird u. a. auf folgendes verwiesen: Die Dankbarkeit gegen unsere gefallenen Krieger legt uns die Pflicht auf, ihre Häuslichkeit in ihrem Sinne zu erhalten. Nichts bedeutet aber so sehr ein Herab— drücken des gesamten häuslichen und Familienlebens, als wenn die Frau zur Erwerbsarbeit gezwungen wird. Auch legt die Abnahme der Geburtenrate, die durch den Krieg ver— ursachte hohe Sterblichkeitsziffer und die Notwendigkeit, unser Volk nach Zahl und Tüchtigkeit auf der Höhe zu halten, uns die Pflicht auf, die Mütter, soweit möglich, für die Pflege und Erziehung ihrer kleinen Kinder frei zu stellen. Im Interesse möglichst langen Stillens und guter Säug— lingspflege sollten alle Mütter der Kriegshalbwaisen wenig— stens in deren erstem Lebensjahr nicht zum Erwerb ge⸗ zwungen werden. Nicht minder liegt es im Interesse einer sorgfältige Pflege und Erziehung der noch nicht schulpflich— tigen Kinder, daß ihnen die Mutter voll erhalten bleibt, wäh⸗ rend nach dem Eintritt in die Schule ein Teil der Erziehungs— pflichten an diese übergeht. Es werden dementsprechend Pfleg— schaftsgelder für unbemittelte Kriegerwitwen mit einem Säug⸗ ling bis zu einem Jahr und Kriegerwitwen mit zwei oder mehr Kindern, von denen mindestens eines noch nicht schul— pflichtig ist, gefordert. Die Pflegschaftsgelder sind nach dem Ortslohn für erwachsene männliche Tagearbeiter in einer Höhe zu bemessen, die es der Mutter gestattet, ihre vollen Kräfte unter Ausschluß der Erwerbsarbeit auf die Pflege öhrer Kinder zu verwenden. Dem Ständigen Ausschuß zur Förderung der Arbeiter— interessen gehören eine Reihe Arbeiter- und Angestelltenver⸗ bände an, sowie Frauen⸗ und Fürsorgevereine; auch die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands ist im Ausschuß vertreten. Achte Situng des Kriegsausschuses der Zweiten Kammer. In der Samstags⸗Sitzung des Kriegsausschusses der Zweiten Ständekammer stand als erster Gegenstand der Antrag Brauer, dang und Genossen, betreffend den Ausfall der Fortbild⸗ ungsschule auf dem Lande während der Dauer des Krieges, zur Verhandlung. Nach eingehender Begründung des Antrags durch die beiden Antragsteller, wies der Vertreter der Regierung, Ge— heimrat Block, auf die bereits im verflossenen Winter erlassenen Verordnungen der obersten Schulbehörde hin, nach welchen im Be⸗ dharfsfalle von den Kreisschulbehörden weitgehendster Dispens vom Besuch der Fortbildungsschule erteilt werden könne. Die Erfahr— ungen des letzten Winters sprächen nicht für den Ausfall, sondern für den Weiterbestand der Fortbildungsschule. Dem Antrag Brauer, welcher generell die Beseitigung der Fortbildungsschule auf dem Lande verlange, könne daher die Regierung aus pädagogischen Hründen nicht entsprechen. Mehrere Abgeordnete, besonders auch ozialdemokratische, äußerten ebenfalls ernste Bedenken gegen den Antrag. Schließlich einigte man sich auf einen vom Abg. Henrich eingebrachten Kompromißantrag, welcher den Ausfall der Fort⸗ hildungsschule in Gemeinden mit überwiegender landwirtschaft⸗ icher Bevölkerung bei vorliegendem Bedürfnis von einem Antrag der Gemeindevertretung abhängig macht. Abg. Raab begründete sodann seinen Antrag betreffend die Vermehrung der Leseholztage in den Staats- und Gemeinde⸗ valdungen. Staatsrat Wilbrand hat vom Standpunkt der Forstverwaltung kein Bedenken, dem Antrag zu entsprechen, und tellt eine dem Antrag Rechnung tragende Verfügung an die zokalforstbehörden in Aussicht, worauf der Antrag als erledigt zu⸗ ückgezogen wird. 0 Zur Frage der Milchversorgung, zu deren nochmaliger Besprechung der bekannte Antrag der Abg. von Helmolt und Ge⸗ zossen Veranlassung gab, äußerte sich namens der Regierung Ninisterialrat Schliephake dahin, daß die Frage der Ver⸗ torgung der Bevölkerung mit Milch zu angemessenen Preisen, jamentlich auch wegen der Ernährung der Jugend, eine sehr vichtige sei, daß aber die Verhältnisse auf dem Milchmarkte einer⸗ eits infolge der durch den Krieg getroffenen Verhältnisse auf dem Futtermittel⸗ und Milchviehmarkt, andererseits infolge der im Frühjahre und Frühsommer herrschenden Trockenheit und des hier⸗ durch verursachten Rauhfuttermangels in ein Stadium getreten eien, der zu Sorgen Veranlassung gebe. Er führte dies des Näheren aus und verkannte nicht, daß die sog. Abmelkwirtschaften, die im wesentlichen die Städte mit Milch versorgten, jetzt unter zecht schwierigen Verhältnissen wirtschafteten, ebenso aber auch, daß ne weitere Steigerung der Milchpreise mit ihren Folgeerschein⸗ ingen namentlich für die weniger bemittelte Bevölkerung sehr merwünscht sei. Eine allgemein befriedigende Lösung der Frage, die mit der Frage der Versorgung der Bevölkerung mit Butter, stäse und anderen Milchprodukten eng zusammenhänge und nur on dem Reichskanzler erfolgen könne, werde mit außergewöhn⸗ ichen Schwierigkeiten verbunden sein. Man müsse zunächst ab⸗ varten, welche Maßnahmen der Reichskanzler ergreifen werde. Von der Landeszentralbehörde könnten Höchstpreise wegen der ganz verschiedenen Preise der Milch in den einzelnen Orten nicht fest⸗ gesetzt werden. die Ablehnung des Antrags. a 78 Abg. Heerdt referierte sodann über die mißlichen Zustände im Handel mit Zucker und Kolonialwaren. Ministerfalrat Schliephake erklärte die Ausführungen des Referenten für zutreffend und machte Mitteilungen über verschiedene Maßnahmen der Regierung, den Mißständen nach Möglichkeit entgegenzuwirken. Der Antrag des Abg. Soherr und Genossen, welcher Erleich⸗ terungen bei der Tilgung von Hypothekschulden während des Krieges verlangt, wurde vom Antragsteller unter Hinweis auf die bebrängte Lage der Hausbesitzer begründet. Namens der Regierung erkannte Minister von Hombergl die Berechtigung des An⸗ trags an und teilte mit, daß von den in Betracht kommenden Geld— instituten bereits im Sinne des Antrags verfahren werde. So⸗ vohl Landeshypothekenbank und Landeskreditkasse, wie auch die Sparkassen des Landes, hätten, wie die Regierung feststellen könne, bei vorkommenden Fällen weitgehendes Entgegenkommen bewiesen. Der Antrag wurde hiermit für erledigt erklärt. Die Abstimmung ergab — Nochmals das städtische Gaswerk. Zu dem in unserer Nr. 198 vom vorigen Mittwoch gebrachten Artikel„Un, erfreuliches aus städtischen Betrieben“ wird uns noch ge— schrieben: Sie vermuten, daß wir noch einmal das Wort nehmen pürden zu den Differenzen zwischen Direktion und Arbeitern im Gaswerk. Eigentlich wäre es nicht nötig; denn Herrn Wohlmuths Ansicht beweist nichts gegen unsere Darstellung Wir bleiben dabei, daß eine Umstempelung von Nacht- und Sonntagsarbeit(von Arbeitern mit anderer Beschäftigung) in Schichtarbeit ein Unrecht gegen die davon Betroffenen ist. Dann braucht niemals der beschlossene Zuschlag bezahlt zu werden, weil man einfach viertel, halbe oder ganze Schichten bezahlen würde. Wir müssen auch dabei beharren, daß, wenn den Laternenputzern Abzüge gemacht werden, ihnen klipp und klar auseinandergesetzt wird, warum. Es geht doch nicht an, daß jemandem nur erklärt wird:„Mehr gibt es nicht und damit punktum.“ Der normale Weg ist doch in Streitfällen, daß die Arbeiter mit der Leitung verhandeln. Dabei ist aber Voraussetzung, daß derartige Verhandlungen (von beiden Seiten) so verlaufen, wie es unter gesitteten Menschen Gebrauch ist. Das ist aber durchweg die Klage aller Arbeiter im Gaswerk, daß dies unmöglich sei, weil jede Auseinandersetzung mit der Drohung des Hinauswerfens endet. Dagegen protestieren wir nochmals im Interesse des städtischen Betriebes. Uns sind derartige Auseinandersetzungen durchaus unerquicklich und es liegt uns durchaus fern, der Person des Direktors eins anzu⸗ hängen. Aber unsere Zeitung hätte ihren Beruf verfehlt, wenn sie schweigen würde, wo ein Mißstand vorhanden ist. Uns wurde schon vor längerer Zeit berichtet, daß einem von längerer Krankheit hergestellten Arbeiter, dem der Arzt leichtere Arbeit empfohlen hatte, bei Aeußerung eines dies bezüglichen Wunsches ein höchst ungnädiger Empfang zu Teil wurde. Hoffentlich tragen unsere Zeilen dazu bei, die Streit⸗ fälle aus der Welt zu schaffen. Die Arbeiter sollten Beleidigungen nicht ruhig hin⸗ nehmen und Abzüge nur dann anerkennen, wenn sie ihnen als richtig nachgewiesen werden. Die Direktion sollte die Arbeiter als gleichberechtigte Mitbürger behandeln und nicht Umgangsformen gebrauchen, die in keinem„Knigge“ empfohlen sind. Anweisung von Gnadengebührnissen. Verfügung des Königlichen Kriegsministeriums sind die Kassenverwaltungen der Feldtruppenteile angewiesen, beim Eintritt des Todes eines Heeresangehörigen sofort den Hinterbliebenen eine Bescheinigung über die Höhe der zu— stehenden Gnadengebührnisse zuzustellen. Es ist die Erfah— rung gemacht worden, daß die Angehörigen diese Bescheini— gung im Besitz behalten in der Annahme, daß die Ver⸗ sorgungsgebührnisse ohne weiteres zur Zahlung angewiesen werden. Dieses ist aber nicht der Fall. Die Versorgungs— gebührnisse werden nur auf Antrag der Hinterbliebenen ge— währt. Zur Vermeidung von Verzögerungen in der An- weisung der Hinterbliebenengebührnisse empfiehlt es sich, daß die Hinterbliebenen von Heeresangehörigen die ihnen zugehenden Bescheinigungen umgehend mit dem Antrage auf Gewährung der Gnadengebührnisse dem zuständigen Bezirks- kommando übersenden. Durch eine — Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Kanonier Carl Ferdinand Schupp aus Krofdorf, Fuß⸗ Artillerie-Batterie 291. — Städtische Maßnahmen gegen die Lebensmittelteuerung. In der Konsumenten-Versammlung am Sonntag führte Stadtv. Löber als Vertreter des städtischen Lebensmittel-Ausschusses an, was die Stadt bisher getan habe, um der Teuerung entgegenzuwirken. Da es im gestrigen Bericht raumeshalber nicht möglich war, die Maß⸗ nahmen einzeln aufzuzählen, sei heute das Wesentliche nachgeholt. In letzter Zeit hat die Stadt freihändig Frühkartoffeln in kleinen Mengen, zuletzt in Mengen bis zu 1 Zentner, zu mäßigen Preisen verkauft. Die Preise waren niedriger wie in anderen Städten, die einen städtischen Kartoffelverkauf eingerichtet haben, und hatten die Wirkung, daß die auf dem Wochenmarkt verlangten Preise ganz wesentlich sanken. Seit wenigen Wochen verkauft die Stadt ein im vorigen Jahre erworbenes Lager von Kolonial- und Spezereiwaren zu niedrigsten Preisen an Leute mit einem Einkommen unter 2600 Mk.— Mit der Landesregierung und anderen Stadtverwaltungen steht die Stadtverwaltung in fortwäh⸗ render Verbindung, um Maßnahmen des Bundesrats herbeizu⸗ führen, die die Ermäßigung der Preise für Kartoffeln und Gemüse bezwecken.— Die Stadt hat einen Klippfischverkauf und mehrere Kochkurse veranstaltet, Maßnahmen, die seither zwar Erfolg hatten, von der Bevölkerung aber noch lange nicht genug gewürdigt worden sind.— Auf Beschluß des Lebensmittelausschusses sind die Brot⸗ preise vom Oberbürgermeister so festgesetzt, daß wir seit Kriegs⸗ ausbruch die billigsten Brotpreise von allen größe⸗ ren hessischen Städten behalten haben.— Der Lebens⸗ mittelausschuß hat weiter die Durchführung der Verordnung über die Sichtbarmachung der Preise an den Wochenmarkts⸗ waren in die Hand genommen und einen Unterausschuß gebildet, der die von ihm angemessen erkannten Wochenmarktpreise auf den Samstags⸗Wochenmärkten öffentlich anschlagen wird. — Durch eine Aenderung der Wochenmarktordnung haben wir es erreicht, daß der frühere schlecht befahrene Markt jetzt reichlich mit Lebensmitteln versehen ist. Allerdings ist es noch nicht gelungen, die Preise wesentlich zu verbilligen, mit Ausnahme der Kartoffeln.— Ganz kürzlich hat die Stadt unter Ausnutzung der Heizungsanlagen des Volksbades eine Anlage zum Dörren von Gemüse und Obst geschaffen, die zu niedrigsten Preisen und von weniger Bemittelten völlig kostenlos benutzt werden kann. Bis jetzt haben nur ganz wenige Großstädte derartige Einrichtungen getroffen.— Am Schluß wird erklärt: Der städtische Lebensmittel- ausschuß hat als amtliche und verantwortliche Stelle eben elne doppelte Aufgabe: er muß erstens dafür Sorge tragen, daß über⸗ haupt Lebensmittel zu Markte gebracht werden, und er muß zweitens darauf hinwirken, daß die zu Markte gebrachten Lebens⸗ mittel zu angemessenen Preisen verkauft werden. Der Kriegsausschuß flir Verbraucherinteressen wird naturgemäß und mit vollem Recht die zweite Aufgabe in den Vordergrund stellen; der Lebensmittelausschuß darf aber auch die erste Aufgabe micht vergessen. Jedenfalls ist uns das gemeinsam, nämlich das Wohl unserer Bürgerschaft, und in diesem Bestreben hoffen wir von dem neuen Verband kräftige Unterstützung zu finden, und wünschen ihm seinen vollen Erfolg. — Laßt nichts umkommen! Diese sehr berechtigte Mahnung wird jetzt täglich der Bevölkerung zugerufen und jedermann wird belehrt, haushälterisch und sparsam mit allen Lebensmitteln um— zugehen. In der Tat geht vieles nutzlos zu grunde. Geht man über Land, so kann man beobachten, daß Fal lob st massenhaft auf der Straße und in den Gräben liegt und zerfahren wird oder ver- fault. Und wie gut wäre es zu verwerten! Es mag zugegeben werden, daß die Landleute jetzt wenig Zeit haben, das Obst aufzu⸗ lesen, trotzdem sollte dafür gesorgt werden, daß es nicht umkommt. — Um das Fallobst an den Kreisstraßen scheint sich niemand zu kümmern; wenn aber ein„Unbefugter“ einen Apfel aufhebt, so muß er befürchten, in Strafe zu verfallen! Das ist auch so ein kleiner Widerspruch in der heutigen Ordnung. — Schlachten trächtigen Viehes verboten. Der Bundesrat be— schloß in seiner Sitzung vom 26. August den Erlaß eines Schlacht⸗ verbots fürträchtige Kühe und Sauen. Die Schlacht- ung trächtigen Viehes stellt einen Mißbrauch dar, der im Interesse der Aufzucht und damit der Fleischversorgung schon seit langem von sachverständiger Seite bekämpft worden ist.— Gleichzeitig hat der Bundesrat die Landesregierung ermächtigt, noch wektere Schlacht⸗ verbote für Vieh zu erlassen. Auf Schlachtvieh, das aus dem Aus— lande eingeführt wird findet die Verordnung keine Anwendung. —Diebstahl. Am Sonntag, den 29. August 1915, vormittags, wurde in hiesiger Stadt eine goldene Herren-⸗Remontoir⸗Uhr mit Sprungdeckel und goldener Panzerkette im Werte von 300 Mk. ent⸗ wendet. An der Uhr fehlt das Glas und in der Mitte des Sprung⸗ deckels befindet sich eine kleine Beule. An der Kette befand sich ein Medaillon mit zwei Photographien(Mutter und Sohn). Sach⸗ dienliche Mitteilungen nimmt die Kriminalpolizei entgegen. — Nahrungs⸗Ersaßzmittel. In der Konsumenten-Versammlung am Sonntag empfahl die Rednerin, Frau Bucksath, unter anderem, daß man möglichst Surrogate(Ersatzmittel) für Nahrungsmittel verwenden solle. Wir sind der Ansicht, daß man in dieser Be⸗ ziehung sehr vorsichtig sein muß, da oft Sachen in den Handel ge⸗ bracht werden, die nicht einen Bruchteil des Preises wert sind, zu dem sie verkauft werden. Oft sogax sind die mit tönenden Namen belegten Ersatzmittel gesundheitsschädlich, so daß sich öfters die Be⸗ hörden veranlaßt sahen, Warnungen zu erlassen. Die Fabrikanten solcher künstlichen Nahrungsmittel werden allerdings in der Regel reich, die Konsumenten haben aber den Schaden. Man kaufe nur, was erprobt ist und sich bewährt hat! Nach 11 Monaten Nachricht. Eine Kriegerfrau aus der Acker straße in Berlin teilt dem Vorwärts mit, daß sie von ihrem i russischer Gefangenschaft befindlichen Mann nach 11 Monaten 2 Nachricht bekommen habe. Seit dem 25. September vorigen Jahre war der Mann wie verschwunden. Wie sich jetzt herausstellt, war er nach Tschita in Sibirien gebracht worden. Ein am 30. Januar ge⸗ schriebener Brief ist am 30. Juli an die Angehörigen angekommen, war also ½ Jahr unterwegs. Und doch freuten sich die Ange⸗ hörigen, überhaupt Nachricht zu erhalten. Skandalös ist es ja, daß die Verbindung der in russischer Gefangenschaft befindlichen Deut⸗ schen mit ihren Angehörigen so schwer gemacht ist. Welch seelische Leiden löst die furchtbare Ungewißheit bei den Angehörigen aus? Diese Ungemißheit ist schlimmer als die noch so schwere aber be⸗ fallen f Nachricht, daß der Vater oder der Sohn da oder dort ge⸗ fallen ist. Einziehung der Fünfundzwanzigpfennigstücke. Das Offen⸗ bacher Kreisamt weist die Gemeinde-, Kirchen-, Stiftungs⸗ und Sparkassenrechner, sowie die Rechner der israelitschen Religions⸗ gemeinschaften des Kreises an, die bei ihnen eingehenden 25 Pfg. Stücke nicht wieder zu verausgaben, sondern— gesammelt— der nächsten Reichsbankstelle zuzuführen. Eine Viehzwischenzählung wird laut Verordnung des Bundes⸗ rats am 1. Oktober d. J. vorgenommen werden. Die Zählung er⸗ streckt sich auf Pferde, Rindvieh, Schafe, Schweine, Ziegen und Federvieh. Anzugeben ist die Zahl des in der Nacht vom 30. Sept. zum 1. Oktober d. J. im räumlichen Verfügungsbereich einer Haus⸗ haltung vorhandenen Viehes. Die Landeszentralbehörden erlassen die Bestimmungen zur Ausführung dieser Verordnung. 5 — Wünsche an Pilzsammler. Die Forstbehörde erläßt folgende Mahnung, die wir der speziellen Beachtung der Pilzsammler empfehlen: Beim Sammeln von Pilzen ist es in forstwirtschaftlicher Hinsicht von größtem Vorteil, jeden einzelnen Pilz, namentlich wenn sich die betreffende Art nicht in großen Massen zeigt, mit dem Messer kurz über dem Erdboden abzuschneiden und die abgeschnittenen Stielenden mit Laub, Erde oder Moos zuzudecken. Dies hat den Zweck, die Luft fernzuhalten und zu vermeiden, daß die Pilzfliege den Stock zerstört, denn aus den an die Pilzstümpfe gelegten Fliegeneiern entwickeln sich Maden, welche den Pilz zerstören. Ferner kann man zur Erhaltung der eßbaren Schwämme wesentlich dadurch beisteuern, daß man alte, im Faulen begriffene Pilze mit Laub, Moos usw. zudeckt, daß man gesunde Pilze mit der Erde heraus⸗ nimmt und sie an einen anderen Ort pflanzt, an denen es an Pilzen fehlt. Auch das Säubern der gesammelten Pilze von den sich unter dem Hutfleische befindlichen Lamellen, Röhrchen usw. am Sammel⸗ orte selbst und das Umherstreuen dieses Abfalles auf dem Wald⸗ boden trägt viel zur Erhaltung und Verbreitung der Schwämme bei. — Staufenberg. Aus unserem kleinen Orte sind jetzt bereits vierzehn Mann im Kriege gefallen. Einer, der Ersatzreservist E. Stephan, der im März als vermißt gemeldet wurde, befindet sich in russischer Gefangenschaft. Erst vor kurzem erhielten seine Eltern eine Mitteilung von ihm.. Von Nah und Fern. * Vom Blitz erschlagen. In Fischbach i. Taunus wurden am Samstag zwei Männer vom Blitz erschlagen. Die beiden wurden beim Grummetmähen vom Gewitter überrascht, sie suchten Unterschlupf unter einem Baum, begingen aber die Unvor⸗ sichtigkeit, ihre Sensen bei sich zu behalten. Die Sensen wurder von dem Blitzstrahl in mehrere Stücke zerschlagen. 1 Tugesheligt des Guufen Hauptnurfiets Weiter vorwärts im Osten. Unerhörte Kampfesweise der Russen. W. B. Großes Hauptquartier, 30. Aug., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz.. Keine besonderen Ereignisse. Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. Gruppen des Generals von Below stehen im Kampfe um den Brückenkopf südlich von Friedrichsstadt. In den Kämpfen östlich des Niemen hat die Armee des Generalobersten von Eichhorn die Gegend nordöstlich von Zlota-Lipa erreicht, weitere 1600 Gefangene gemacht und 7 Geschütze erobert. Jun der Richtung Grodno wurde Lypka am Böober er⸗ stürmt, der Feind zum Aufgeben des Sidra-Abschnittes ge⸗ zwungen und Sekolka von uns durchschritten. Der Ostrand der Forsten nordöstlich und östlich um Biela ist an mehreren Stellen erreicht. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Am Biala⸗Wieska⸗Forst wird an dem Uebergang über den oberen Narew gekämpft. Die deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen des Generalobersten von Woyrsch warfen den Feind aus seinen Stellungen bei Suchopol(am Ostrand des Forstes) und Szereszowo. Sie sind in scharfer Verfolgung begriffen. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen. Um den Rückzug ihrer rückwärtigen Staffeln durch das Sumpfgebiet östlich von Bruzana zu ermöglichen, stellten sich die Russen gestern in der Linie Poddubno in der Gegend südlich von Kopryn noch einmal zum Kampfe. Sie wurden geschlagen, trotzdem sie bereits abmarschierende Teile wieder in den Kampf warfen. Auch die Fortführung des in der Kriegsgeschichte un— erhörten Verfahrens, zum Schutze der flüchtenden Armee, die auf dem Rückzuge mitgeschleppte Bevölkerung des eigenen Landes zu vielen Tausenden, darunter hauptsüchlich Frauen und Kinder, in unseren Angriff hineinzutreiben, nützte ihnen nichts. Oberste Heeresleitung. 1 92*** 2 Der österreichisch⸗ungarische Tages bericht Versolgungskämpfe in Ostgalizien und Wolhynien a Wien, 30. Aug.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart, den 30. August 1915. 1 Russischer Kriegsschauplatz. Die Armeen des Generals Pflanzer⸗Baltin und Bothmer drangen gestern bis an die Strypa vor. Der Gegner versuchte an verschiedenen Geländeabschnitten unsere Verfolgung einzudäm⸗ men, wurde aber überall zurückgetrieben. Besonders hartnäckiger Widerstand mußte am unteren Koropiec-Bach gebrochen werden. Die Truppen des Generals Böhm⸗Ermolli stießen östlich Zloczow und in einer von Biglykamien über Toporow gegen Radeziechow verlaufenden Linie auf stark besetzte Stellungen. Der Feind wurde angegriffen und an zahlreichen Punkten der Front geworfen. In Wolhynien haben unsere gegen Luck drängenden Streitkräfte abermals Raum gewonnen. Swiniucki und andere zäh verteidigte Oertlichkeiten wurden dem Feinde entrissen. Die in der Bialowieskaja Puszeza kämpfenden K. u. K. Truppen schlugen die Russen bei Szereszowo und verfolgten sie gegen Pruszany. 5 2 Italienischer Kriegsschauplatz. Geestern unterhielten die Italiener an der ganzen khüsten⸗ ländischen Front ein Artilleriefeuer von wechselnder Stärke. An mehreren Stellen unternahm ihre Infanterie Annäherungs⸗ versuche und kleinere Angriffe, wurde aber immer abgewiesen. Im Kärntner und Tiroler Grenzgebiet ist die Lage unver— ändert. Der Stellvertreter des Chess des Generalstabes. 7 von Höfer, Feldmarschalleutnant. Das bisherige Ergebnis der Offensive im Osten. Aus dem Großen Hauptquartier wird uns geschrieben: In dem gegenwärtigen Zeitpunkte, in dem durch den Fall der inneren russischen Verteidigungslinie ein gewisser Ab⸗ schnitt in den fortlaufenden Operationen erreicht worden ist, ist es lehrreich, sich kurz das bisherige Ergebnis der Offen- sive zu vergegenwärtigen, die am 2. Mai mit dem Durch— bruch bei Gorlice begonnen hat. Die Stärke der russischen Verbände, auf die der eigentliche Stoß nach und nach traf, wird gering mit 1 400 000 Mann beziffert werden können. In den Kämpfen sind rund 1100000 Mann gefangen und mindestens 300000 Mann gefallen oder ver— wundet worden, wenn man die Zahl der so Ausgeschiedenen (ohne Kranke) sehr niedrig auf nur 30 Prozent der Ge— fangenen veranschlagt. Sie ist aber sicher höher, denn seitdem der Feind, um den Rest seiner Artillerie zu retten, den eiligen Rückzug ohne jede Rücksicht auf Menschenleben in der Haupt— sache durch Infanterie zu sichern versucht, hat er natürlich ungeheuerliche blutige Verluste erlitten. Man kann also sagen, daß die Heere, auf die unsere Offensive gestoßen ist, ein für allemal ganz vernichtet sind. Wenn der Gegner trotzdem noch Truppen im Felde stehen hat, so ist dies dadurch zu erklären, daß er die für die Offensive gegen die Türkei in Südrußland bereitgestellten Divisionen herangezogen hat, daß sehr viele halbausgebildete Ersatzmann— schaften aus dem Innern Rußlands schleunigst herangeführt wurden und daß endlich aus jenen Fronten, an denen unser Druck weniger fühlbar war, zahlreiche Mannschaften einzeln und in kleinen Verbänden nach Norden verschoben wurden. Alle diese Maßnahmen haben das Verhängnis nicht aufhalten können. Aus Galizien, Polen, Kurland und Litauen ist der Feind vertrieben. Seine geschlossene Front ist zer— rissen, seine Heere fluten in zwei vollständig ge— trennten Gruppen zurück. Nicht weniger als zwölf Festungen, darunter vier große und ganz modern aus— gebaute, fielen in die Hände unserer tapferen und treuen Streiter und damit die äußere, sowie die innere Sicherungs— linie des russischen Reiches. Das furchtbare Elend der russischen Flüchtlinge, die von den auf dem Rüickzuge befindlichen russischen Truppen mit Gewalt aus ihren Häusern und Dörfern vertrieben und gezwungen wurden, vor den heranrückenden Deutschen unter Zurlicklassung des größten Teiles ihrer Habe auf die Wanderschaft ins Innere Ruß— londs zu gehen, schildert nach einer Meldung aus Kopenhagen die Zeitung Rußkoje Slovo: Viele von den Tausenden, die sich auf den unwegsamen Land— straßen Rußlands dahinschleppen, sind bereits seit zwei Monaten ohne Obdach. Epidemien und Tod haben schrecklich unter ihnen ge— wütet, da ärztliche Hilfe natürlich fehlte. Dic Sterbenden, die nicht mehr folgen können, blieben an der Landstraße liegen. Hunderte von Leichen von Erwachsenen und Kindern sowie Kadaver von Tieren bezeichnen den Weg, den die Unglücklichen gezogen sind, viele von den Lebenden sind nur noch in Lumpen gehüllt. Die Kleider faulen ihnen buchstäblich vom Körper, da sie schon monatelang ob— dachlos allen Unbilden der Witterung ausgesetzt waren. Wenn der traurige Zug der sich langsam dahinschleppenden Massen von den fliehenden Truppen eingeholt wird, werden sie durch Mißhand— lungen zu einem schnelleren Tempo angetrieben. Elend und Ver— zweiflung steht auf den abgehärmten Gesichtern aller geschrieben. Man kann ihnen allen ansehen, daß nicht die Furcht vor den Feinden, sondern die Knute und die rohe Gewalt der eigenen Soldaten sie aus der Heimat vertrieben und auf die Landstraße ins Elend ge⸗ jagt hat. Zur Sorge um die Gegenwart kommt die Sorge um die Zukunft: Wo werden wir Arbeit bekommen? Die Stimmung am russischen Zarenhofe. . U. Wien, 30. Aug. Das Fremdenblatt meldet aus Sofia: Ein sozialistischer Politiker erhielt einen Brief eines angesehenen Parteifreundes, in dem es heißt: Während in berichten läßt, daß die gegenwärtigen militärischen Ereignisse nur vorübergehende Mißerfolge seien, herrscht am Zarenhofe ernste Beklemmung und Besorgnis. Es ist bezeichnend, daß die Hofpartei die Person des Zaren schon jetzt vor allen Eventualitäten sichern will, indem der Großfürst Nikolai Nikolajewitsch mehr als je absichtlich in den Vordergrund ge⸗ stellt und als alleinig verantwortlich bezeichnet wird. Dies werde systematisch mit sicherem Erfolg durchgeführt. Dieses Vorgehen sei aus Angst der russischen Machthaber vor einer Revolution zu erklären. Die Genickstarre im englischen Heer. In einem in der Münchener Aerztlichen Rundschau abgedruck⸗ ten ärztlichen Brief aus London wird berichtet, daß unter dem englischen Besatzungsheer westlich von Npern Zahl⸗ reiche Fälle epidemischer Genickstarre vorgekommen seien. Vermutlich sei dies mit ein Grund, da ßdie kriegerische Tätigkeit der englischen Truppen in Belgien und Nordfrankreich nachgelassen habe. Eine schwere italienische Niederlage. T. U. Wien, 30. Aug. Ueber die italienische Niederlage bei Lafraun berichtet Risveglio Trientino: Vergangene Nacht und gestern kamen durch Trient zahlreiche verwundete italienische Soldaten, welche in den schweren Kämpfen bei Lafraun, wo die Italiener heftige Angriffsversuche machten, gefangen genommen wurden. Nach uns zukommenden Einzelheiten über die glänzenden Waffentaten unserer Truppen ist das 115. italienische Infanterie⸗Regiment zer⸗ sprengt und unter schwersten Verlusten zurückgeschlagen. Sehr viele tote Italiener liegen vor unseren Schützengräben. Sehr groß ist auch die Zahl der Verwundeten und Ge— fangenen. Unter diesen befinden sich der Oberst des 115. Regi⸗ ments und sehr viel Offiziere. Die Gefangenen zeigen sich ruhig und befriedigt. Alle bestätigen, daß die italienische Niederlage sehr schwer war. Schwere englische Niederlage an den Dardanellen. Gewaltige englische Verluste. Aus Konstantinopel wird telegraphiert: Die gestrigen Kämpfe am Nordabschnitt der Suplabucht, die mit einem großen Siege der türkischen Waffen endeten, bedeuten den Höhepunkt der seit dem 6. August dort eingesetzten Operationen. Der gestrige und vorgestrige Tage kostete den Engländern bei mäßiger Schätzung 10000 Tote und mindestens die gleiche Anzahl Verwundeter. An beiden Tagen leitete Lord Hamilton persönlich den Kampf. Die englische Absicht war, sich der Höhen von Kiritsch Tepe zu bemächtigen, um dann nach Anaforta durchzustoßen. Auf diese Weise wollten die Engländer eine gesicherte Basis für ihre späteren, im Rücken der türkischen Stellungen gedachten Bewegungen gegen Maidos erobern. Mit einem Ungestüm und Heldenmut ohnegleichen vernichteten die türkischen Divisionen diesen kühnen Plan. Die gestrigen und vorgestrigen Taten der türkischen Armee stehen in ihrer Bravour ohnegleichen da. Groß und berechtigt ist die Freude über diesen Erfolg. Nach ungefährer Schätzung fielen an den beiden Tagen ungefähr 600 englische Offiziere. Von den seit dem 6. August in der Supla⸗ bucht gelandeten fünf Infanterie-Divisionen ge⸗ hören drei der neuformierten Armee Kitcheners und zwei den Territorial⸗Divisionen an; ferner wurde eine Kavallerie— Division ohne Pferde, die wie Infanterie verwendet wird, gelandet. Insgesamt waren es 100 000 Mann. Die Ka⸗ vallerie⸗Division, die während der Kämpfe fast vollständig aufgerieben wurde, steht unter dem Kommando von Lord Longfield. Die türkischen Truppen brachten in diesen äußerst harten Kämpfen überall das Vorgehen der Engländer zum Stillstand. Die ganze Stellung der Eng⸗ länder ist jetzt umschlossen von einer, starken überhöhenden türkischen Position. Die türkische Armee ist an allen Punkten im festen Besitz der Höhen, während die Engländer jetzt tief unter den Türken auf den zum Meere abfallenden Hängen sitzen. Die Verluste der Eng⸗ länder betragen seit dem 6. August an Toten und Ver— wundeten mehr als 50 000 Mann. Aus den Aussagen der englischen Gefangenen geht her⸗ vor, daß dort bis vorgestern nichts von dem Falle Warschaus, geschweige der anderen Festungen bekannt war. Dagegen wurde den englischen Truppen eingeredet, daß die russische Armee die Eingänge zum Bosporus habe, und beide Armeen sich vereinigen sollten. Die englischen Gefangenen wollten gar nicht glauben, daß sie belogen wor— den seien. Bemerkenswert ist, daß im Gegensatz zu den ersten Monaten sich jetzt zahlreiche Engländer gefangen nehmen lassen. Ein feindliches Torpedoboot in Brand geschossen. Konstantinopel, 30. Aug.(W. T. B. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: An der Dardanellenfront unter— nahm der Feind gestern in der Gegend von Anaforta nichts. Unsere Artillerie schoß das Heck eines feindlichen Tor pedo— bootes in Brand, welches abgeschleppt wurde. Bei Petersburg alles in Freude und Jubel schwelgt und sich gern besetzt 55 5 di Alerie unseres linken Flügels eine fein! ste die Artillerie unseres lin ö 17055 8 b. benwerferstel lun g. Auf den ande 8 Ros Fronten nichts Erhebliches. a Rumänisch⸗bulgarische eee. T. U. Budapest, 30. Aug. Aus Bukarest wird a 10 9715 gebung des hiesigen bulgarischen ee ee un worden, daß sich die Verhandlungen 3 finden und 1 sehr fortschreitendem Stadium befinden ˖65 i abgeschlossen werden dürften, Der S 15 4 ed verheißt ein befriedigendes Ergebnis. 10 0 2 scher, daß es gelingen wird, alle feriettaen Jragen u tenen dee Vereinbarung wird den Durchgangsverkehr über N. deutend erleichtern, durch dessen bisherige schwere s 197 8 9 der dul iche Handel sehr viel Schaden erlitt und häufige eschwer⸗ be 15 155 Die Dobrudscha⸗Silistria⸗Frage wird durch die 901% 5 nicht gelöst, wird aber eine bezügliche ee en be indem die rumänische Regierung die eee er von Bul⸗ garien gewünschten Grenzberichtigung anerkennt. 7 Die erfundene webe ene 36 i d. Allg. Ztg. schreibt:„Der als deutschfeindlich b zaun Ae brachte kürzlich einen F aus Berlin zugegangenen Bericht über. 1 9 0 5 1 stattgehabte Geheimkonferenz mit eee eee 15 85 25 Bericht den Stempel der Erfindung an der S irn 1 e elles weitere. e l 57155 ächti ericht über 7 elt tet hätte. e dat in jener Geheimkonfereng der Reichs⸗ schatzsekretär erklärt, daß Deutschland seiner b Erschöp⸗ fung entgegengehe 120 daß 5 2000. ee wee weisungen seinen völligen Banker zur Folge werde. del deshalb nötig, Frieden zu schließen. Der Keen zunehmenden Schwierigkeiten festgestellt und gebeten, im 115 tag und im Lande auf die kriegerischen Neigungen beschwichtigen ein⸗ zuwirken und Friedensvorschläge vorzubereiten, die für die Ver⸗ bündeten annehmbar seien. Dr. Dernburgs Bericht über 0 mung in den Vereinigten Staaten und anderen neutralen Län 91 hätte einen starken Eindruck auf die Konferenz gemacht. Genera v. Moltke habe erklärt, daß nur ungenügend informierte Personen auf die Möglichkeit einer völligen Niederlage Rußlands hoffen lönnten. Trotzdem habe die Versammlung es abgelehnt, auf, den Reichstag mäßigend einzuwirken, worauf der Kanzler erklärt 351 daß, wenn der Reichstag eine unversöhnliche und chauvinistische Hal⸗ tung einnehme, er gezwungen sei, zurückzutreten, da er die Verant⸗ wortung für Deutschlands Zusammenbruch nicht übernehmen könne. iger zu hängen. Für die neutrale und die feindliche Welt sei fest⸗ ell daß 2 5 solche Geheimkonferenz nur in der Phantasie des Gewährsmannes des Telegraaf stattgefunden hat, und daß sogar die Times die von Reuter verbreitete Nachricht des Telegraaf als kindische Erfindung charakterisiert. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen. 5 Druck: Verlag Offenbacher Abendͤblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M. Bekanntmachung. Die Auszahlung der Familienunterstützungen für 1. bis 15. Sep⸗ tember 1915 an die Angehörigen der zum Heeresdienst Einberufenen findet statt: 5 a) Reichs⸗ und Kreisunterstützung: An diejenigen, deren Namen beginnen mit AK Mittwoch, den 1. September 1915, I—2 Donnerstag, den 2. September 1915; b) Städtische Unterstützung(Mietszuschuß): An diejenigen, deren Namen beginnen mit AK Freitag, den 3. September 1913, I.—2 Samstag, den 4. September 1915; Die Auszahlungen finden von 8—1 Uhr vormittags im Stadt⸗ haus. Zimmer Nr. 16 statt. Die Auszahlungen können nur an den vorgeschriebenen Tagen stattfinden. Gießen, den 26. August 1915. Der Oberbürgermeister: Keller. Verstorbene. Frau Marie Schunck in Gießen.— Louise Fey Wwe., geb. Klaas, in Wetzlar, 50 Jahre alt. Todes-Anzeige. Verwandten, Freunden und Bekannten hier- durch die schmerzliche Mitteilung, dass am Sonn- tag abend 9 Uhr mein Vorgender Vater guter Mann, unser treu- Herr Wilhelm Müller nach kurzem aber qualvollem Leiden im Alter von 49 Jahren sanft entschlafen ist. Rossdorf, den 30. August 1915. Die trauernden Hinterbliebenen J. d. N.: Frau Marie Müller u. Kinder. 30 Die Beerdigung findet Mittwoch, nachmittags 3 Uhr 2 zu beziehen durch die Buchhandlung Oberhes. Volksztg. den 1. September, statt. Zum Hraufschneiden empfiehlt sich Ari⸗Burnu nichts von Bedeutung. Bei Sedd⸗ül⸗Bahr zer⸗ Jak. Schmidt, . Soeben erschien: 1. August 1914 bis 31. Jali 1915 2 Hauptkarten, 16 Spezialkarten Unstreitig die beste Karte die existiert. Illeinverkaut: Oberhessische Volkszeitung, Giesse 7 9 ate Weltkrieg die neueste Kriegsoperationskarte mit dem Stand unserer Heere am 24. August 1915 und einer Kriegschronik in Broschürenform vom n. Bahnhofstr. Die Stadt hat im Die Benutzungsbe zu erfahren. Preis nur 50 Pfg. nicht 23 * 7 Gießen, den 30. Trocknungsanlage für Gem Trocknen von Gemüse und Obst errichtet. Für Einwohner, de übersteigt, ist die Benutzung Rostenkfrei. Der Oberbürgermeister. a 5 DBahnhofstraße 23. Kreuzplatz 11. Volksbad, Selter dingungen sind an der Kasse des Volks bade ren steuexpflichtiges Einkommen 2600 Mart Autgust 1915. Keller. 1 verstündigt f 1 Für Deutschland genügt es, diesen plumpen Schwindel nied⸗ iise u. Obst weg 58 4, eine Anlage zum 1 5 1 1 1 1 10 1 E. 5 1 1