4 4 r m 3 4* Oherhessische Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Fzeitung N Die Oberbessische Volkszeitung erscheint jeden Werktag Abend in Sießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich V Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl. 1.80 Mk. Redaktion und Expedition Gießen, Bahnhofstraße 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Inserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 202 Gießen, Montag, den 30. August 1915 10. Jahrgang * 2 9 Lohnfragen in der Kriegszeit 1 8 N Von August Winnig. 1 5 So richtig und selbstverständlich die Parole des Durchhaltens für das deutsche Volk ist, so darf man doch niemals vergessen, daß f sie an die breite Masse des Volkes außerordentlich große Anfor⸗ derungen stellt. So leicht das stolze Wort vom Durchhalten auf der Tribüne ausgesprochen wird, so schwer fällt es den arbeitenden ö Klassen des Landes, ihm nachzuleben. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß man in manchen Kreisen des besitzenden Bür— 0 gertums den, Ernst und die Größe der Schwierigkeiten, mit denen der„kleine Mann“ heute bei der Beschaffung seines täglichen Lebensbedarfs zu kämpfen hat, nicht kennt und vor allem nicht nach Gebühr würdigt. den gegenwärtigen Verhältnissen leiden, Es sind ganz gewiß nicht nur Arbeiter, die unter auch den unteren Be— amten und vielen Kleingewerbetreibenden geht es nicht besser. Allen bisher getroffenen Maßnahmen zum Trotz sind die Lebensmittelpreise weiter gestiegen. Der nach 1 1 Calwers Methode errechnete Wochenaufwand für die Ernährung einer vierköpfigen Familie belief sich im Juni dieses Jahres im Mittel der erfaßten 195 Orte auf 37,36 Mk. Das ist gegen den gleichen Monat des voraufgegangenen Jahres eine Steigerung um 12.63 Mk. oder um mehr als 50 Proz.! Die Art dieser Feststellung, die sich auf eine Reihe festumschriebener Waren beschränkt, bringt es mit sich, daß sie die Preissteigerung in manthen vielgebrauchten Garen nicht in der vollen Höhe ausdrückt. Wir wissen, daß zahl⸗ reiche Lebensmittel heute nicht nur um 50, sondern um 100 und mehr Prozent verteuert worden sind. Die Verteuerung der Lebensmittel zieht aber notwendig die Verteuerung vieler Gegen⸗ stände des Massenverbrauchs nach sich. Die bei den Nahrungs⸗ mitteln errechnete Erhöhung des Aufwandes überträgt sich auf Nahezu alle Kosten des Lebensunterhalts. Da drängt sich natürlich die Frage auf, wie diese enorme Ver⸗ teuerung auf die Masse der besitzlosen Bevölkerung wirkt, ob und in welchem Umfange sie durch eine Steigerung des Einkommens ausgeglichen wird. Die den Arbeiterfragen fernstehende Oeffent⸗ lichkeit wird leicht geneigt sein, einen weitgehenden Ausgleich der festgestellten Preisverschiebung anzunehmen. Man denkt vor allem an die in der Rüstungsindustrie beschäftigten Arbeitskräfte, über deren Entlohnung wahrhaft märchenhafte Vorstellungen herrschen. Zunächst wird jedoch die Zahl der unmittelbar für Rüstungszwecke tätigen Arbeiter stark überschätzt. Sodann kommen die von der Heeresverwaltung gewährten auskömmlichen und zum Teil guten Preise den Arbeitern bei weitem nicht in dem Umfange zugute, wie man das in der Oeffentlichkeit annimmt. Man läßt sich da allzu⸗ leicht und allzugern von sehr unmaßgeblichen Ausnahmefällen zu Schlüssen verleiten, die weit über die Wirklichkeit hinausgehen. Es war z. B. ganz erklärlich, daß bei der Herstellung von Waffen und Ausrüstungsstücken. die zumeist im Stücklohn erfolgte, bei der Neu- heit des Produktionsvorganges zuerst ziemlich hohe Wochenlöhne herauskamen. Unsere Gewerkschaftsleitungen können ein Lied da⸗ von singen, wie schnell die Unternehmer in solchen Fällen bei der Hand waren, die Lohnsätze zu kürzen und den auf diese Weise er— sparten Lohn für sich zu beschlagnahmen. Die fetten Kriegsge— winne fallen nicht nur dem Handel zu, auch die Industriellen ver— stehen sich zu segnen, wenn sie das Kreuz in der Hand haben. 14 Für weite Gebiete der gewerblichen Produktion kommen aber ganz andere Umstände in Betracht, die ernst genug sind. um die Be⸗ Achtung der Oeffentlichkeit beanspruchen zu können. Nämlich für 3 alle die Gebiete, wo die Löhne entweder durch Tarifverträge ge— regelt sind oder wo die Anpassung der Produktion an den Kriegs⸗ zustand keine Aenderung im Arbeitsverhältnis erforderte. Hier sind die Löhne entweder ganz unverändert geblieben oder um so— genannte Teuerungszulagen aufgebessert worden, deren Höhe keinen Vergleich mit der eingetretenen Verteuerung des Lebensaufwandes aushält. Bekanntlich trafen fast alle großen Tarifgemeinschaften bei Kriegsausbruch das Uebereinkommen, die abgeschlossenen Verträge nuch in der Kriegszeit aufrechtzuerhalten. Das war unter den ge⸗ gebenen Verhältnissen sehr verständig, da nach allgemeiner Voraus— icht alsbald ein starkes Ueberangebot an Arbeitskräften eintreten nußte, das leicht ein ebenso starker Anreiz zum Lohndruck werden onnte. Kein Mensch dachte zu jener Zeit an eine so lange Kriegs⸗ dauer, keiner daran daß uns eine so scharfe und andauernde Teuerung bevorstände. Wohl läßt sich eine Teuerung wie die segenwärtige für die Zeit einiger Wochen oder selbst Monate er⸗ Tragen, aber sie muß unerträglich werden, wenn sie so lange auf die NMassen drückt, wie das jetzt der Fall ist; und sie wird auch durch das Bewußtsein nicht erträglicher, daß andere Kreise, Händler, Lieferanten und Unternehmer, zur selben Zeit die lohnendsten Ge— chäfte machen. Hier wird die Lohnfrage fetzt brennend. Längst haben sich die Arbeiter gerührt und Lohnerhöhungen ge⸗ dert. Man verweist sie auf den Tarifvertrag, der sie verpflichtet, uu den ausbedungenen Löhnen zu arbeiten. Das ist gewiß falsch ind der allgemeinen Auffassung des Tarifvertrages wider⸗ N Poe die in den vereinbarten Löhnen einhellig nur Min dest⸗ öhne sieht, deren Abdingbarkeit nach oben unbestritten ist; aber ie Unternehmer versteifen sich auf diesen Standpunkt und den Ar⸗ leitern bleibt, wenn sie den füür unsere Machtstellung nach außen sitter notwendigen inneren Frieden nicht brechen wollen, nichts meiter übrig, als ihre Sache vor die Oeffentlichkeit zu bringen. Denn im Grunde genommen ist die Haltung der Unter⸗ ehmer ein schweres Unrecht, das sie öffentlich kaum zu zerteidigen wagen werden. Vereinzelt hat man den Arbeitern Teuerungszulagen von fünf und zehn Prozent gewährt. Das ist segenüber der tatsächlichen Teuerung nicht im mindesten ein Aus⸗ eich. Immerhin ist es mehr als nichts und wenigstens ein Be⸗ weis des guten Willens, den die anderen Unternehmer und Unter⸗ zehmerverbände bisher noch schuldig geblieben sind. Komplizi t werden bdiese Dinge durch den für das nächste hr b u Ablauf verschiedener großer Tarisver⸗ Vo m träge. Unter welchen Verhältnissen deren Neuabschluß vor sich gehen wird, liegt heute noch ganz im Ungewissen. Eben diese Unge— wißheit wird die Frage nahe legen, ob man nicht besser tun wird, die Verträge einfach um eine festzusetzende Zeit zu verlängern. Selbstverständlich könnte das nur unter Gewährung angemessener Lohnzulagen geschehen, die den abnormen Preisverhältnissen wenigstens annähernd gerecht werden müßten. Wenn aber schon diese Möglichkeit besteht, so ist es ebenso unverständig wie ungerecht, die unabweisbar notwendigen Lohnerhöhungen bis zum Ablauf der Verträge hinauszuschieben; unverständig, weil man durch die Weigerung, den Arbeitern in dieser schweren Gegenwart zu helfen, Erbitterung hervorrufen muß, die den späteren Verhandlungen nicht günstig sein kann,— ungerecht, weil man das vaterländische Pflichtgefühl der Arbeiter benützt, um ihre hochberechtigten An— sprüche abzuweisen und unerfüllt zu lassen. Diese Haltung der deutschen Unternehmer wird auf die Ar⸗ beiterschaft einen tiefen Eindruck machen. Man wird sich der Stimmung in den ersten Kriegswochen erinnern und an die Worte der Anerkennung denken, die man damals auch in Unternehmer- kreisen für die Gewerkschaften fand. Heute, wo die Not in Hundert⸗ tausenden von Arbeiterfamilien umgeht, ist von der damals ge— feierten Opferfreudigkeit wenig zu spüren. Vielen Arbeitern, die nun schon seit langen Monaten auf schmale Bissen angewiesen sind. wird es bitter aufsteigen, wenn sie gutgenährte Mitbürger von der Notwendigkeit des Durchhaltens reden hören; sie werden zwar diese Notwendigkeit nicht verkennen, aber dabei sehr lebhaft empfinden, daß diese Parole recht unterschiedliche Anforderungen an den einzelnen stellt. Im Interesse des ganzen Volkes und seiner großen Sache ist darum auf das dringendste zu wünschen, daß die Unternehmer den Ernst dieser Sache noch erkennen und sich zu dem bequemen, was ihre soziale und vaterländische Pflicht ist. .„Dem deutschen Volke“. Aus dem Reichstage wird uns geschrieben: Der Reichstag hat am Freitag die Beratungen seiner fünften Kriegstagung beendet und die Abgeordneten haben nach Jahrzehnte langem Warten zum ersten Male ihr Haus verlassen können, ohne darüber im Unklaren zu sein, wem es gehört. Insoweit hat das alte Sprichwort Geltung be⸗ kommen„Ende gut, alles gut“, als die Inschrift an der Hauptfront des Reichstagsgebäudes:„Dem deutschen Volke“ nun gesichert ist. Noch aber ist leider der Inhalt, den dieses Haus beherbergt und die Taten, die es erzeugt, nicht vom Geist und von dem Zwecke erfüllt, die diese Inschrift bezeichnet. Es handelt sich also weniger um eine Erfüllung als um ein Versprechen, und gerade diese zu Ende gegangene Tagung hat es auf das Deutlichste gezeigt. Wir haben zunächst trotz der unendlichen Schwere der Zeit die alte Wahrheit erneut erlebt, daß sich die tiefen Wurzeln der Gegensätze in den wirtschaftlichen und in den verfassungsmäßigen Fragen nicht durch den guten Willen aus der Welt schaffen lassen. In der Erörterung der Er— nährungsfragen, der Kriegsfürsorge und der Militärbesol— dungsordnung sind die Gegensätze zwischen den sozialdemo— kratischen Auffassungen und denen der Mehrheit der bürger— lichen Parteien nicht minder deutlich geworden, als in den Fragen der Zensur, des Belagerungsgesetzes und des Ver— einsgesetzes. Nur in einem waren sich alle Fraktionen einig, in der Notwendigkeit, den Krieg bis zu einem siegreichen Ende zu führen und dafür die materiellen Mittel zu bewilligen und sicherzustellen. Diese nationale Frage wurde gelöst: als Kraft und Bollwerk zur einmütigen Abwehr der äußeren Feinde. Aber innerhalb der Nation bewährten die Klassen— gegensätze auch in dieser Zeit ihre Stärke. Die Ernährungsfragen haben den scharfen Gegensatz zwischen der agrarischen Seite des Hauses und der Linken außerordentlich stark gezeigt. Weder die Höchstpreise noch die Beschlagnahme und Verteilung der Nahrungsmittel sind durchgeführt, wie wir es wünschten und die Leitung und Be— ratschlagung in diesen Maßnahmen ist ausschließlich Recht und Aufgabe des Bundesrats geblieben. Denn obwohl der Reichstag hierbei die Mitwirkung seiner Mitglieder be— schlossen hat, hat die Regierung keinen Zweifel darüber ge— lassen, daß sie diese Mitwirkung nicht wünscht und deshalb auch nicht verwirklichen wird. Ein ähnliches Bild hat sich in der Kritik der Kriegsfürsorge gezeigt. Eine Fülle von Beispielen haben bewiesen, wieviel hier noch zu bessern ist, und ohne die Uebelstände zu verallgemeinern, sind sie doch eine ernste Warnung für die Regierung geworden, damit draußen und drinnen diejenige Stimmung erhalten bleibt, die wir nun einmal nötig haben, um diese furchtbare Zeit zu überstehen. In der Ordnung der militärischen Besoldung zeigten, sich gleichfalls so erhebliche Mängel, Widersprüche und Unstimmigkeiten, daß selbst die Militärbehörde die Kritik des Reichstages zugeben mußte, wenngleich leider wenig Hoffnung bleibt, daß diese Uebelstände noch während dieses Krieges gänzlich behoben werden. Ganz unüberbrückbar erscheinen aber die Gegensätze auf Weltkrieg. dem Gebiete des Belagerungsgesetzes und der Aus⸗ nahmebestimmungen, die dieses Gesetz im Besonderen für die Presse geboren hat. Die Zensur, soweit sie über rein militärische Angelegenheiten hinausgeht, hat eine außer⸗ ordentlich scharfe, und wie selbst von bürgerlicher Seite zu⸗ gegeben werden mußte, durchaus berechtigte Kritik erfahren. Die Zustände gerade auf diesem Gebiet sind in der Tat so unhaltbar geworden, daß der Blindeste es sehen muß und daß sie selbst im Interesse der Regierung eine steigende Ge⸗ fahr werden. Es bleibt leider wenig Hoffnung, daß während des Krieges wesentliche Besserungen eintreten und die Ent⸗ schuldigung, daß wir im Frieden auf eine Kriegszensur nie⸗ mals vorbereitet worden sind, bleibt leider ein sehr schwacher Trost für diejenigen, die unter ihr zu leiden haben. Das Vereinsgesetz, das den letzten umfassenderen Gegenstand dieser Tagung bildete, hat an seinem Teil leider ebenfalls eine Behandlung erfahren, die der längst gewünsch⸗ ten und jetzt endlich gesicherten Inschrift des Reichstagshauses nicht enlspricht Der Reichskanzler hat wiederum erklären lassen, daß die Neuorientierung in der inneren Politik nicht an einem einzelnen Gegenstande beginnen könne, und erst nach dem Kriege einheitlich durchgeführt werden solle. Auch das ist ein schwacher Trost für alle, die unter den Unver⸗ ständlichkeiten und Unsinnigkeiten des Vereinsgesetzes gerade jetzt so stark zu leiden haben. Nur in einem Punkte will die Regierung jetzt schon eine gründliche Reform durchführen und die Gewerkschaften endlich und selbstverständlich aus den Fußangeln erlösen, die Verwaltung und Polizei ihnen als angeblich politische Vereine so vielfältig gelegt haben. Das Versagen der Regierung in der Reform des Vereinsgesetzes, die die Fraktionen des Hauses in der Kommission gegen die wenigen Stimmen der Konservativen einmütig gefordert hatten, berührte besonders unangenehm und hinterließ einen außerordentlich schlechten Nachklang für eine Tagung, die mi tder einmütigen Bewilligung der Kriegskredite begonen hatte. Diese kurzen Gegenüberstellungen aus dem Inhalt der Freitag zu Ende gegangenen Kriegstagung beweisen aufs bündigste unsere eingangs gemachte Behauptung, daß die Inschrift des Reichstagshauses mehr Versprechen als Erfül⸗ lung bedeutet. Damit aber ist die Inschrift für alle Volks- freunde zugleich eine Mahnung geworden, daß sie dafür sorgen, daß das, was die Inschrift verspricht, zur Tat und Wahrheit werde. 5 5 Griechenland bleibt neutral! Gunaris erklärte nach der Frankf. Ztg. in einer Unter⸗ redung mit dem Athener Korrespondenten der Idea Nazio⸗ nala: Griechenland bleibe trotz der Rückkehr von Venizelos und des Angebots größerer Kompensationen durch die Entente neutral, da das griechische Volk, sogar die Venizelospartei, gegen jede Gebietsabtretung sei. Ein Ueber⸗ einkommen mit Bulgarien hält Gunaris für ausgeschlossen. Bemerkenswert ist, daß Gunaris einen tiefgehenden Kon- flikt mit Italien voraussieht, falls Italien nach der Kriegserklärung an die Türkei die Annexion des von ihm besetzten Dodekanes verkünden wollte. Griechenland wolle auf kein Gebiet seines Volkstums verzichten. Die Erklä⸗ rungen von Gunaris bestätigen die Verschärfung der griechisch-italienischen Gegensätze infolge der Kriegserklärung an die Türkei. * Der Seekrieg. „Arabic.“ Newyork, 26. Aug. Die Zeitungen drücken ihre große Genugtuung darüber aus, daß der deutsche Botschafter Graf Bernstorf die amerikanische Regierung bat, ihr Urteil zurückzustellen, bis die Tatsachen im„Arabic“ Fall voll bekannt sind. Die Zeitungen sehen in dieser Bitte einen Beweis für Deutschlands Wunsch, freundschaftliche Be— ziehungen mit den Vereinigten Staaten aufrecht zu erhalten, (Frankf. Ztg.) London, 27. Aug.(W. B. Nichtamtlich.) Kardinal Gibbons sagte, nach Blättermeldungen aus Amerika, in einer Unterredung, es seibeklagenswert, daß Ameri— kaner auf britischen Schiffen reisen. Die Amerikaner, die das täten, begäben sich mutwillig in Gefahr. Der Kardi— nal erklärte sich energisch dagegen, daß das Land wegen einer persönlichen Laune weniger Amerikaner in einen Krieg hin⸗ eingezwungen würde. Snglands ungenügende Versorgung Italiens N mit Kohlen. Italien ist mit Englands Kohlenversorgung sehr unzufrieden. Zu der englischen Verfügung, daß englische Steinkohle nur mit be⸗ fonderer Erlaubnis ausgeführt werden darf, schreibt Sole vom 20. August: Die Maßnahme hindert und beunruhigt unseren Handel ernstlich, besonders infolge der veratorischen und prohibitiven Grundsätze, nach denen die Ausfuhrbewilligungen von dem dazu ein⸗ gesetzten Amt erteilt werden. Ihre Wirkung hat sich bereits fühlbar geinacht, da schon in mehreren Fällen die Genehmigung der Ausfuhr verweigert worden ist, sodaß unsere Einfuhrfirmen ihren Verpflich⸗ tungen gegenüber der einheimischen Industrie nicht nachkommen konnten. Dieser Zustand kann zu einer übermäßigen Steigerung der Kohlenpreise oder gar zu einer Lahmlegung des Kohlenhandels ühren. Der allgemeine Kohlenhändlerverein von Genua hat sich er an die Regierung mit der Bitte um Abhilfe gewandt. Die neue Bergarbeiterbewegung in Süd wales. Drei weitere Knohlenzechen von Südwales sind in den Ausstand getreten, weil sie mit den Schieds- sprüchen von Runciman nicht zufrieden sind. Dieser wei gerte sich, eine neue Besprechung mit den Berg⸗ arbeitern abzuhalten, und erklärte, überall könne man vor⸗ aussetzen, daß eingegangene Verpflichtungen gehalten wür— den, nur vielleicht nicht bei den Bergarbeitern von Süd— wales. Die Blätter teilen mit, daß beinahe 10000 Berg⸗ arbeiter in den Kohlenminen von Südwales die Arbeit niedergelegt haben. Friedenspropaganda in Frankreich. Laut einer Meldung des Temps sind französische und Pariser Behörden wieder einer großen durch geheime Flugschriften betrie⸗ benen Friedenspropaganda auf die Spur gekommen. Zu⸗ nächst wurden in den Büreauräumen der Courrier du soldat Nach⸗ forschungen angestellt und dort pazifistische Flugschriften beschlag⸗ nahmt. Die französische Regierungskrise beendet. Der Frankf. Ztg. wird aus Paris berichtet: Die Donnerstag ⸗Sitzung der französischen Deputierten⸗ kammer gestaltete sich etwas anders als das Telegramm der Agence Havas vermuten ließ. Der Sitzung ging ins⸗ besondere eine Beratung der radikalsozialistischen Fraktion voraus. In dieser Fraktion war man der Meinung, daß das Land Anspruch auf eine öffentliche Diskussion hat, und daß es viel weniger darauf ankomme, von der Regierung vertrauliche Mitteilungen zu erhalten, als vielmehr darauf, die von der Kommission festgestellten Uebelstände öffentlich zu diskutieren, um eine Besserung in der Verwaltung der Armee herbeizuführen. Die Fraktion hat es deshalb mit 40 gegen 24 Stimmen abgelehnt, den Antrag auf eine geheime Plenarsitzung der Kammer zu unterstützen. Andererseits hat die Fraktion den schon vor mehreren Tagen eingebrachten Antrag betreffend die Initiative zu einer Interpellation nicht wieder aufgenommen, offenbar, weil sie unter dem Eindruck der russischen Niederlagen der Re⸗ gierung in diesem Augenblick keine besonderen Schwierigkeiten bereiten wollte. Die Sozia⸗ lästen haben ihrerseits in ihrer Fraktionssitzung beschlossen, der Kammer vorzuschlagen, in eine Diskussion über die ver⸗ traulichen Berichte der Armeekommission und der Budget— kommission einzutreten und für diese Diskussion eine geheime Sitzung zu veranstalten. In der Plenarsitzung der Kammer ergriff Viviani das Wort lediglich zu dem eigentlichen Gegenstand der Debatte, nämlich den Geldforderungen für die zwei neuen Unterstaatssekretariate. Diese Kredite wur— den am Schluß der Debatte mit allen gegen eine Stimme an⸗ genommen. Erst dann kam der sozialdemokratische Antrag zur Debatte, und dieser Antrag wurde mit einer Minderheit von 40 Stimmen abgelehnt. Sierauf erfolgte die Vertagung. Petroleumkrisis in Rumänien. Die Guerre Sociale vom 19. August läßt sich aus Bukarest be⸗ richten: In den Behältern der Petroleumgesellschaften befindet sich zurzeit Rohpetroleum, Benzin usw. für 100 000 Wagen, davon allein schon 26 000 Wagen Benzin. Die großen Gesellschaften bauen gegen⸗ wärtig neue Behälter, und man schätzt, daß Rumänien bald einen Vorrat von 176000 Wagen haben wird. Bis jetzt hat jedoch noch leine Gesellschaft ihren Betrieb eingestellt, wenn sie auch unter der augenblicklichen Lage sehr stark leiden. Deutsch⸗russische Wirtschaftsfragen. Der vom„Handelsvertragsverein“ und dem„Verein deutscher Fabrikanten und Exporteure für den Handel mit Rußland“ einge⸗ setzte gemeinsame Sonderausschuß hielt in Berlin eine neue Sitzung ab. Es würde in erster Linie der Ausbau des Vertrauens⸗ männersystems für die besetzten Gebiete von Ruß⸗ land beraten und beschlossen, hierfür vor allem die Plätze War⸗ schau, Lodz Gugleich für Petrikau), Czenstochau(zugleich für Sos⸗ nowice), Libau und— sobald es in deutschen Händen ist— Riga vorzusehen, mit einer Zentrale in Warschau. Auf Anregung der deutschen Zivilverwaltung für Polen wurde beschlossen, sich dabei mit gewissen deutschen Handelskammern in Verbindung zu halten, die einen ähnlichen Plan verfolgen. Ferner wurde die Herausgabe der Druckschriftenfolge „Deutsch⸗russischer Wirtschaftskrieg“ beraten. Heft 1 ist unlängst erschienen, Heft 2 steht in Druck. Zum Schluß wurde noch eine inzwischen ausgearbeitete Ein⸗ gabe über die Stellungausländischer Juden in Ruß⸗ land zur Kenntnisnahme vorgelegt, deren Einreichung demnächst erfolgen wird. Der Kurs der dritten Kriegsanleihe. Wie die Tägl. Rundschau hört, ist nunmehr bestimmt worden, daß die dritte Kriegsanleihe zu 99 v. H. ausgegeben wird. Die Zeichnungsaufforderungen werden spätestens Montag erscheinen. Beschlüsse des Bundesrats. In der am 26. August unter dem Vorsitz des Staatsministers, Vizepräsidenten des Staatsministeriums, Staatssekretärs des In⸗ nern Dr. Delbrück abgehaltenen Plenarsitzung des Bundesrats wurde dem Entwurf einer Bekanntmachung, betreffend Außerkraft⸗ treten der Bekanntmachung über die Höchstpreise für Speisekar⸗ toffeln vom 15. Februar 1915, die Zustimmung erteilt. Zur An⸗ nahme gelangten ferner der Entwurf einer Verordnung über die Vornahme einer Viehzwischenzählung am 1. Oktober 1915, der Ent⸗ wurf einer Verordnung über ein Schlachtverbot für trächtige Kühe und Sauen, der Entwurf einer Verordnung über den Verkehr mit Zucker im Betriebsjahr 1915/16, der Entwurf einer Verordnung über den Verkehr mit Hülsenfrüchten, der Entwurf einer Bekannt⸗ machung, betreffend die Angestelltenversicherung während des Krieges, und der Entwurf einer Bekanntmachung, betreffend die Aus⸗ prägung von Fünfpfennigstücken aus Eisen. Demnächst wurde über die Vorlage, betreffend die Herabsetzung der Kontingente der Zünd⸗ warenfabriken für das Betriebsjahr 1915/16 sowie über eine Reihe von Eingaben Beschluß gefaßt. Die Reichsbesitzsteuer in Vorbereitung. Die Deutsche Parlaments⸗Korrespondenz meldet: Zur Durchführung des Reichsbesitzsteuergesetzes vom 3. Juli 1913 treffen die Bundesregierungen bereits vorbereitende Maß⸗ nahmen. Es handelt sich dabei um die Bestellung der für die Veranlagung der Besitzsteuer zuständigen Behörden und der obersten Landesfinanzbehörden, die Ordnung des Einspruch⸗ rechtes gegen die Steuer- und Feststellungsbescheide und des Rechtsmittelverfahrens. Ferner Werden die Behörden bestimmt, denen die im Reichsgesetz vorgesehene Androhung und Festsetzung von Zwangsstrafen, die Verhängung von Ordnungsstrafen, die Festsetzung von Besitzsteuerzuschlägen, die Festsetzung der von den Steuerpflichtigen zu erstattenden Kosten, die Stun⸗ dungen und die Genehmigung der Entrichtung der Steuer in Teilbeträgen zusteht. Die innere Krise Rußlands. Der Stampa zufolge berichten Rjetsch, was die Neu⸗ ordnung der Regierung und Bildung eines Nationalkabi⸗ netts anbetrifft, werden Rodzianko und Soniakow als Kandi⸗ daten für den Ministerpräsidenten genannt. Ueber die letzten Unterhandlungen zwischen Rodzianko und dem Zaren ist nichts bekannt geworden. Täglich finden Besprechungen zwischen Vertretern der Liberalen und des Zentrums einer— seits und dem Ministerrat andererseits statt, um eine Eini⸗ gung der verschiedenen Gruppen zugunsten des gemein— samen Zieles zu erreichen. Ja panisch⸗rufsische unterhandlungen. e cen, ese Fesend f sandten nach Japan gesandt. e aden die fem zanzösi d eingetroffen f er öffen 1 0 ee eee für ein russisch⸗japanisches Bündnis be⸗ 5 arbeiten... Unterbrechung der schwedisch⸗englischen Verhandlungen. 9 T. U. Stockholm, 28. Aug. Die schwedischrenglischen Verhandlungen sind nach einmaliger Sitzung gestern von neuem unterbrochen worden. Die englischen Unterhändler sahen sich wiederum genötigt, Weisungen ihrer Regierun einzuholen. 4 Die amerikanischen Munitionslieferungen. f T. U. Kopenhagen, 28. Aug. Die grüßte ben nah e 1 material, die bisher aus den Vereinigten Arabi, White Star gegangen ist, hatte das Schwesterschiff der Are 1 Newyork nach: Dampfer„Adriatie“ auf seiner lebten Fahrt 50 Flaggen und 200 Motorlastzügen für die englisegeen a Munition 891 85 Die Zahl der Passagiere betrug 288, darunter f 15 Amerikaner. Meuterei unter den englischen Truppen vor den Dardanellen. 1 T. U. Wien, 28. Aug. Die Reichspost meldet, daß unter den englischen Truppen vor den Dardanellen eine Revolte ausgebrochen sei. Zwei Regimenter, die an dieser Revolte teilgenommen hatten, wurden nach Aegypten gebracht. Aufhebung des Belagerungszustandes in 4 Frankreich. N 1 4 Kopenhagen, 28. Aug. Ein Pariser Telegramm melde ö daß am 1. September der Belagerungszustand im Innern Frankreichs aufgehoben werden wird. 4 Askaris gegen die Hesterreicher. 9 i Meldung der Zeit bestätigt der C e ber 2 23 9 2000 Askaris 8 der Se Oesterreich Verwendung finden sollen. Parteinachrichten. Aus den Organisationen. g Der Zentralvorstand der Provinz Branden burg nahm am Sonntag, den 22. August, Stellung zu der gemeinsamen Tagung des Parteiausschusses und der Reichstagsfraktiun. Der wiederum beschlossenen Bewilligung der Kriegskreödite wurde einmütig zugestimmt, ebenso den Leitsätzen, die als. Ausdruck des Willens der Mehrheit in der Frage der Kriegssiele angenommen wurden. 9 Außerdem wurde beschlossen: 0 7 Der Zentralvorstand hat von den fortgesetzten Treibereien Kenntnis genommen, durch die der Genosse Haenisch zur Nieder⸗ legung seines Abgeordnetenmandats für die Kreise Ober⸗ und Niederbarnim gezwungen werden soll. 855 3 Durch einen Erfolg dieser Bemühungen würde auch der Be⸗ zirksverband der Provinz Brandenburg in Mitleidenschaft gezogen werden. Der Zentralvorstand verurteilt deshalb die Bestrebungen, die einem Urteil des Parteitages über die von Haenisch mit der Mehrheit der Reichstagsfraktion und des Parteivorstandes ver⸗ tretene Politik vorgreifen und ein Mandat, das auf Grund zentvaler Verhandlungen, durch Mitwirkung der Parteigenossen in gand Preußen erobert wurde, preisgeben. Ueber dieses Mandat haben nicht die Genossen von Niederbarnim allein zu entscheiden. 5 Der Zentralvorstand fordert deshalb den Genossen Haenisch auf, an seinem Mandat unbeirrt festzuhalten. 1 Die Genossen des Kreises Oberbarnim werden in besonderer Konferenz zu diesen Vorgängen Stellung nehmen. 1 E 1 2 5 Parteipresse. 13 Zu einer Erhöhung des Abonnementspreises muß mit dem ersten Oktober d. J. auch die Elberfelder Freie Presse greifen. Die Abon⸗ nenten in Elberfeld⸗Barmen haben von diesem Zeitpunkt an monat⸗ lich statt 60 Pfg. 70 Pfg. zu zahlen, die auswärtigen Abonnenten statt 70 75 Pfg. Die Frauen der Einberufenen sollen an Abonne⸗ ment wie bisher 35 Pfg. monatlich zahlen. 1 Diethelm von Buchenberg. Erzählung von Bertold Auerbach. 62 Glücklicherweise— man konnte nicht sagen, daß die An— sprache der Fürstin von N. daran schuld sei— hatte der Amts— verweser sie und den Vater just den Tag vorher begleitet und viel mit Fränz gelacht; er setzte nun diese Annäherung mit großer Beständigkeit fort, überbrachte selbst die Einladung zum Kurhausball und schickte am Abend desselben den er— lesensten Blumenstrauß, eine Aufmerksamkeit, mit der ihm jedoch der Rautenkranzsohn zuvorgekommen war. Es waren beide wohl zu beachtende Bewerber. Der Rautenkranzsohn war jünger und farbiger, in seinem vollen, wohlgekämmten braunen Haare sah man stets die frischen Furchen der Bürste und den weißen Scheitel; der Amtsverweser war blasser und mit einer avancierten Glatze versehen. Fränz hielt die beiden Sträuße der Bewerber in der Hand und betrachtete sie lange, sie überlegte, welchem Strauße und welchem Geber sie den Vorzug gönnen solle, ihre Wangen glühten, sie war nicht dem Zufall ergeben genug, um eine Blume mit„Er liebt mich— er liebt mich nicht“ zu zerzupfen, sie bedachte, daß der Rauten- kranzsohn allerdings seine Vorzüge hatte, er stand ihr näher, sie kannte seinen Lebenskreis genau und konnte sich frei darin bewegen, auch war er gut geartet und leicht zu beherrschen, nicht so sehr wie Munde, aber doch lenksam genug, und sie hatte sich's ja einst als schönstes Ziel gedacht, Frau Rauten- wirtin zu werden; aber Frau Amtmännin und in Zukunft Frau Regierungsrätin— das ist doch schöner, und ein Narr ist, wer das Höhere erreichen kann und sich mit Geringerem begnügt. Fränz war entschlossen, den Blumenstrauß des Amts- berwesers zu nehmen; aber während des langen Besinnens hatte sie vergessen, ob der in der Rechten oder in der Linken von ihm kam, sie waren so ähnlich. Jetzt erinnerte sie sich, daß der in der Rechten der gültige war, aber in der Ver⸗ wirrung hatte sie die Sträuße niedergelegt und dieses Merk⸗ mal zerstört. Wenn aber kein rechtes Kennzeichen war, so — Waun 2 N . konnte ja der Amtsverweser nichts merken? Wer weiß indes, ob er nicht doch ein geheimes Kennzeichen hat. Fränz war ganz berauscht von der blumenduftigen Werbung, sie eilte die Treppe hinab und wollte den Kellner fragen, welcher Strauß von ihm sei, aber nicht der Gedanke, welch eine tückische Härte darin lag, hielt sie plötzlich fest, sondern die Erinnerung, daß sie ja dann eine offenbare Entscheidung machen müsse und einen Freier aus der Hand gebe, bevor sie des anderen gewiß sei, und jetzt tat sich ein neuer glücklicher Ausweg auf, sie wollte gar keine Blumen mitnehmen und dem Amtsverweser sagen, sie habe deren so viele von unbekannten Verehrern be— kommen, daß sie alle daheim gelassen. Das wird ihn kirren und rasch zugreifen machen, und dann ist die Entscheidung da. Und so geschah es auch. Wieder unter rauschender Musik wurde Fränz zum zweitenmal verlobt. Der Amtsverweser hatte in unerklärlicher Zaghaftigkeit gewünscht, daß die Verlobung noch einige Zeit geheim gehalten werde, mindestens bis er seine täglich er— wartete Bestallung als stellvertretender Staatsanwalt er— halten habe, aber Diethelm war nicht gewillt, nur einen Tag der Ehre verlustig zu gehen, die ihm aus dieser Verlobung seiner Tochter entsprang; er faßte den Einwand seines Schwiegersohnes, daß er wegen des neu zu übernehmenden Amtes vor kommendem Frühjahr nicht heiraten könne, dahin, daß Fränz während dieser Zeit in ein Erziehungsinstitut, eine„Schnellbleiche“, wie er es spöttisch bezeichnete, getan werde, um ihrer neuen Stellung gerecht zu werden. Bis dahin wollte er auch sein neues Anwesen in Buchenberg ver— kaufen und, wie er doch schon lange vorhatte, nach der Kreis- stadt ziehen Die warme Quelle hatte weder Diethelm von seinem Froste, noch seine Frau von der Abgestorbenheit ihrer Finger befreit, man getröstete sich der Nachwirkung. Nur Fränz hatte erreicht, was sie wollte und die Eltern erfreuten sich bei der Heimfahrt im Sprechen über das Glück XXVIII. 15 Wie ein Mensch aus höheren Regionen, der sich be- schiedentlich herabläßt, mit niederen Erdgeborenen zu ver ⸗ kehren, so ging Diethelm durch Buchenberg; er hatte mit fürst ⸗ 9 lichen Personen, mit hohen Staatsmännern verkehrt, und ein Staatsanwalt— denn das war er geworden— war sein Schwiegersohn! Es dünkte ihm wie ein Traum, daß er sein 1 einziges Kind einst einem armen Schäfer hatte geben wollen. Wenn er seiner Tat gedachte, war sie ihm wie längst abgetan, und die Gunst der Großen, denen er so nahe gestanden, er- schien ihm als Schild und Schirm, daß nie mehr auch der leiseste Verdacht sich gegen ihn erheben dürfte. Wenn der Eilwagen durch das Dorf fuhr und bald darauf Briefe kamen, sah Diethelm immer, ob keiner mit einem großen Siegel da- runter sei, der ihm einen Orden zubrächte oder irgendeine andere unverhoffte Auszeichnung. Es kamen aber meist Bettelbriefe von allen Orten, von den entferntesten Ver⸗ 0 wandten, von Schulmeistern geschrieben, die in hochtrobenden 5 Tone den hochverehrten Herrn Vetter um Gaben und Dar⸗ lehen baten. Diethelm glaubte genug getan zu haben und ließ sie unbeantwortet. Am erfreulichsten waren noch dis Briefe von Fränz; zwar waren sie in steifer, ungelenker Rede ⸗ weise, aber diese erschien Diethelm gerade recht schön und er 5 5 5 baulich, und von Brief zu Brief i 11 Jie 1 8— ward d 5 und geläufiger. Diethelm konnte nicht auh, mag besonders aber auch die Briefe des Vetter im Waldhorn vorlesen zu J Die Verehrung im Dorfe. bedeutend, als die in der Stadt er nun nicht mehr allein ließ, Staatsanwalts, durch den lassen. 5 chien ihm indeß doch minder sich darbot. Mit Martha, die fuhr er oft dahin, um allerlei Hausrat zu kaufen. Er richtete si ürftig ei 5 b zu kauf sich l 5 er 1 bald wieder verkaufen wollte. e ee 9 Alles ließ sich zu größter Beruß a 5 1 5 groß eruhigun — 8 au ihrer beständigen Trag und n reißen, und wenn Diethelm sie damit i i 5 „Ich hab ja sonst niemand, dem 1 5 155 kann, und mir bangt vor dem ihres Kindes und vergaßen darüber alle Körperleiden und alles Leid in der Seele. f verbrannt ist.“ 8 Fortsetzung 3. 1 9 een 1 Hessen und Nachbargebiete. 8 Gießen und umgebung. Erhöhung der Zuckerpreise. Der Bundesrat hat sich am Donnerstag u. a. auch mit der Neuregelung des Verkehrs in Zucker für die kommende Kampagne beschäftigt. Der vom Bundesrat festgesetzte Normalpreis(zu dem die Rohzuckerfabriken ihr Produkt verkaufen müssen) von 12 Mk. pro 50 Kilogr. ist etwas niedriger, als man in Fachkreisen er⸗ wartet hatte, er bedeutet aber gegenüber den bisherigen Preisen eine Erhöhung. Im vorigen Jahre wurde der Rohzuckerpreis zu⸗ erst auf 9,50 Mk. statuiert und dann am 28. Mai d. J. auf 11,25 Mk. hinaufgesetzt. Der Preis für Verbrauchszucker, d. h. der Preis, den die Raffinerien berechnen dürfen, hat gleichfalls nach dem neuen Beschluß des Bundesrates eine Erhöhung erfahren und zwar auf 22,00 Mk.(Normalpreis) pro 50 Kilogr. Im Juni betrug dieser Preis 20,65 Mk., im Juli 21,05 Mk., im August 21,45 Mk. Die Regelung des Großhandelspreises ist so geblieben wie bisher, d. h. die Händler dürfen neben der Fracht noch einen Gewinn bis zu 5 Proz. auf den Raffinadehöchstpreis der frachtgünstigst ge⸗ legenen Raffinerie hinzurechnen. 0 Keine Verlängerung der Ausnahmebewilligung für Petroleum⸗ĩHöchstpreise über den 31. August. Gegen die Bekanntmachung über die Höchstpreise für Petroleum und die Verteilung der Petroleumbestände vom 8. Juli 1915 wehrten sich eine große Anzahl von Petroleum— händlern, die Petroleum zu höheren Preisen hatten und nun in Gefahr gerieten, ihre Voräte zu den niedrigeren Höchstpreisen verkaufen zu müssen. Den Wün⸗ schen dieser Händler ist insofern entsprochen worden, als der Reichskanzler von der ihm nach§ 7 der Höchstpreisverord— nung zustehenden Befugnis, Ausnahmen von Höchstpreisen zu bewilligen, weitestgehenden Gebrauch gemacht hat. In allen Fällen ist auf Antrag den Eigentümern teuer einge— kaufter Petroleumvorräte gestattet worden, ihre Petroleum teurer als zu Höchstpreisen zu verkaufen, und zwar bis zum 3 1. August d. J., sofern sie den Nachweis erbringen konn⸗ ten, daß sie vor dem 1. August d. J. schon Handel mit Petro— leum getrieben haben.— Wie gemeldet wird, soll eine Ver⸗ längerung der Ausnahmebewilligung grundsätzlich in keinem Falle erteilt werden. Es dürfte auch garnicht möglich sein, nach dem 1. September d. J. Petroleum höher als zu Höchst⸗ preisen abzusetzen, da dann einerseits die Verteilungstätig⸗ keit der großen Petroleumgesellschaften wieder beginnt, an⸗ dererseits sich auch sonst im freien Handel große Mengen Petroleum, das zu Höchstpreisen gehandelt wird, schon jetzt befinden. Sitbente Sitzung des Kriegsansschusses der Zweiten Kammer. Zu Beginn der Freitags⸗Sitzung fand in Anwesenheit der Herren Staatsminister von Ewald, Minister des Innern von Hom⸗ bergk, Ministerialrat Schliephake und Geh. Landesökonomierat Mül⸗ ler, die sich an der Debatte beteiligten, eine Besprechung darüber statt, in welcher Weise die im Kriegsausschuß behandelten Fragen und Anträge im Plenum der Kammer zu behandeln sind. Es wurde vereinbart, die Verhandlungen des Ausschusses und die Art der Er⸗ ledigung der gestellten Anträge durch einen umfassenden Bericht zur Kenntnis der Mitglieder der Zweiten Kammer zu bringen, um zu⸗ gleich dadurch auf eine Abkürzung der Verhandlungen im Plenum hinzuwirken. Im Anschluß an die Anfrage der Abg. Henrich und Genossen, die Unterstützung notleidender Staatsbeamten, Gewerbe- treibenden und Staatsarbeiter betreffend, fand eine Erörterung „darüber statt, in welcher Form diese— zunächst nur für die Ver⸗ handlung im Kriegsausschuß bestimmte— Anfrage zu behandeln ist. Es wurde sodann in der Verhandlung der Futtermittel⸗ frage fortgefahren. In der Debatte wurde darauf hingewiesen, daß in der Frage der Erhaltung der Rindviehbestände, vor allem mit Rücksicht auf die Milchproduktion, die Landwirtschaft das gleiche Interesse hat wie die Konsumenten; dem kann aber nur genügend Rechnung getragen werden, wenn genügend Futtermittel beschafft werden. Weiter wurde über die Frage der Zusatzmarken für Selbst⸗ versorgung, die Verteilung von Kleie verhandelt, auch darüber, ob die deutsche Landwirtschaft in der Lage ist, die Getreide-, Fleisch⸗ und Futtermittelversorgung des Reiches unter Ausschluß des Aus⸗ lan es selbst zu beschaffen. Von den vorliegenden Anträgen wurden angenommen: 5 J. der Antrag Dr. Weber und Genossen, wonach nicht nur die Hälfte der selbsterzeugten Gerste, sondern bei geringerer Produktion mindestens 10 Zentner von der Beschlagnahme frei bleiben; 5 55. „der Antrag Lana und Genossen, der eine Aufklärung über die Ursachen der Preissteigerungen für Lebensmittel fordert: 3. der Antrag Brauer und Genossen, den Selbstversorgern eben⸗ falls die Zusatzmarken für die schwer arbeitende Bevölkerung zu gewähren: 4. der Antrag Dr. von Helmolt und Genossen, der Maßnahmen zugunsten einer billigeren Beschaffung und besseren Verteilung der Futtermittel fordert. Der Satz des Antrags, der die Ein⸗ fuhr von Erzeugnissen aus dem Ausland lediglich der Reichsregierung überlassen und den freien Handel mit einge⸗ führten Futtermitteln verboten wissen will, wurde gegen 1 Stimme angenommen. Der Antrag der Abgg. Leun und Fenchel, den Selbstversorgern, die nicht mit ihrem Brotgetreide ausreichen, Getreide statt Mehl zu überweisen, wurde abgelehnt. Zur Frage der Festsetzung von Höchstpreisen für Milch haben die Abgg. Brauer und Ge⸗ nossen beantragt: 1. Die Festsetzung von Höchstpreisen für Milch in Höhe der seitherigen Preise durch die Stadtverwaltungen ist nicht zweckmäßig und undurchführbar, zumal hierdurch eine empfindliche Rückwirkung auf die Milcherzeugung und damit die Milchversorgung der Städte zu befürchten ist. 2. Die Frischmilchpreise entsprechen nicht mehr den Erzeugungskosten, da diefe infolge des Krieges erheblich gestiegen, es ist eine entsprechende Steigerung gegebenenfalls gerecht⸗ fertigt. — Auf dem Wochenmarkt klettern die Preise von Tag zu Tag in die Höhe. Butter, die am Samstag in ganz unzu⸗ reichenden Quantitäten vorhanden war, kostete 1,75 Mk., Eier 16 Pfg. Auch Gemüse und Obst war sehr teuer, obgleich die Ernte vorzüglich ausgefallen ist. Von irgend- welchen Richtpreisen, die die Stadt auf Grund der Ver⸗ fügung des Generalkommandos auf dem Markt anzubringen hat, war immer noch nichts zu sehen. Wir gewinnen bald den Eindruck, daß die Gießener Stadtverwaltung der un⸗ erhörten Lebensmittelteuerung verständnislos gegenüber— steht. Bis jetzt hat sie wenigstens noch verflucht wenig getan, um der Einwohnerschaft, speziell der minderbemittelten, Nahrungsmittel zu erschwinglichen Preisen zugänglich zu machen. Es dürfte deshalb die Frage an unseren Herrn 5 27 nicht unangebracht sein, ob er über⸗ 0 haupt in der Frage der Lebensmittelversorgung etwas zu 1 eingekauft. — Wenn die Stadt Gemuse verkauft. Die wucherischen Preise, die sich die Kasseler Gemüsehändler seither zahlen ließen, haben die Stadt veranlaßt, einen städtischen Gemüse⸗ markt einzurichten, der sich, weil alles billiger verkauft wurde, ohne daß die Stadt Geld zulegte, bald eines regen Zuspruchs erfreute. Jetzt, wo den Händlern der Stadtverkauf auf den Nägeln brennt, haben sie erklärt, daß sie das Obst und Ge— müse noch billiger verkaufen können wie die Stadt. Eine für Montag angesetzte Versammlung der Händler soll die neuen Detailverkaufspreise festsetzen.— Das ist ja sehr interessant: Erst verlangen die Händler Wucher— preise und behaupten, dabei nichts zu verdienen, nachdem ihnen aber die Stadt durch billigeren Verkauf Konkurrenz macht, können sie noch unter die von der Stadt geforderten Preise heruntergehen, ohne daß sie jedenfalls etwas zulegen. — Auch aus Halle wird ähnliches berichtet. Dort hatte der Magistrat mit einer großen Zahl von Produzenten Fühlung genommen, um für den ersten Produzentenmarkt genügend Ware zu haben. Trotzdem aber hielt der Magistrat Hunderte von Zentnern Ware in Reserve, und als er sah, daß die Produzenten nur in geringer Zahl mit Waren vor⸗ handen waren, machte er einen städtischen Markt. Es wurden in 1½ Stunden 100 Zentner neue gute Kartoffeln zum Preise von 55 Pfg. für 10 Pfund abgesetzt, die auf dem letzten Wochenmarkt 60 bis 70 Pfg., ja an gewissen Stellen 80 Pfg. kosteten. Ferner wurden verkauft 1180 Köpfe Rot⸗ kohl, das Stück zu 8 Pfg., die auf dem letzten Wochenmarkt 15 bis 25 Pfg. kosteten, 25 Zentner Weißkohl, 6 Pfg. pro Pfund, auf dem vorigen Wochenmarkt 15 bis 30 Pfg. Möhren 15 Zentner, 8 Pfg. das Pfund, auf dem letzten Wochenmarkt 10 bis 15 Pfg. Bohnen 30 Zentner, zu 20 Pfg. das Pfund, derselbe Preis wie auf dem Wochenmarkt. Kohl⸗ rabi 20 Zentner, 6 Pfg. das Pfund, im Handel 30 bis 40 Pfg. Der Oberbürgermeister glaubt, daß auch die Verkäufer, die sich zum ersten Produzentenmarkt ohne ihre Ware einge— funden hatten, Vertrauen gewinnen und die nächsten Male mit Ware erscheinen werden.„Sonst“— sagt er wörtlich: „wenn sie es nicht tun, machen wir unsern eignen Markt; wir werden uns genügend Reserve halten und die Sache so lange fortsetzen, bis der gewünschte Einfluß eintritt.“ — Der neugegründete Kriegsausschuß für Konsumenten⸗ interessen in Gießen verlangt von der Stadt ebenfalls die Einrichtung eines städtischen Gemüsemarktes, weil auch bei uns dieselben Erscheinungen wie in Kassel und Halle zutage treten. Hoffentlich läßt die Stadt damit nicht so lange auf sich warten. gefl. Beachtung! Unsere Träger werden wiederholt ersucht, all monatlich bis zum 29. ihre Bestellungen auf den ihnen zugestellten Karten zu machen. Wir können nicht eiufach die Zahl des Vormonats senden, da gerade jetzt durch die Einbernfungen die Abonnentenzahl sehr häufig wechselt. Deshalb müssen wir unbedingt auf regel⸗ mäßiger Bestellung bestehen. Die Expedition der Oberhesfischen Vollszeitung. — Gefährliche Schießerei. Ein Vorfall, der leicht schlimme Folgen hätte haben können, ereignete sich am Samstag nach⸗ mittag am Seltersweg. Im zweiten Stock des Hauses Nr. 62 hielten sich mehrere Personen in der Küche auf; plötzlich krachte ein Schuß, die Kugel flog durch das Fenster über die Köpfe der in der Küche befindlichen Personen und schlug in die gegenüberliegende Wand ein. Die sofort von der Polizei an⸗ gestellten Ermittelungen ergaben, daß ein in der Nachbar⸗ schaft wohnender Architekt in seinem Garten nach Vögeln geschossen hatte. Der Mann entschuldigte sich natürlich sofort und versprach, für jeden entstandenen Schaden aufzukommen. — Wir sind der Ansicht, daß damit die Sache nicht abgetan sein kann. Wie leicht hätte ein großes Unglück passieren können, das mit nichtssagenden Entschuldigungen nicht aus der Welt zu schaffen war. Zum mindesten sollte die Polizei dem Herrn verbieten, seinen gefährlichen Sport in der Nähe be⸗ wohnter Grundstücke zu treiben. Die Sache dürfte übrigens noch ein gerichtliches Nachspiel haben. Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Unteroffizier Robert Karl aus Hirzenhain, Res.-Inf.-Reg. Königsberg I.— Kriegsfreiwilliger Karl Schmidt, Inf. Reg. 222.— Ersatz⸗Reservist August Gümbel aus Duten⸗ hofen, Inf.⸗Reg. 99.— Lehrer Friedrich Weber aus Bon⸗ baden, Inf.⸗Reg. 88. — Die öffentliche Versammlung gegen die Lebens mittel⸗ teuerung, die am Sonntag nachmittag in der neuen Aula der Universität stattfand, hatte leider nicht den Besuch aufzuweisen, der ihr in Anbetracht ihres Zweckes zu wünschen gewesen wäre. Herr Lehrer Valentin Müller eröffnete die Versammlung im Namen des Kriegsausschusses für Konsumenteninteressen mit begrüßenden Worten, worauf zunächst Herr Meinig⸗ Frankfurt über die Stellungnahme der Konsumenten gegen eine unberechtigte Lebens— mittelverteuerung referierte. Herr Stadtverordneter Löber, der im Auftrag der städtischen Lebensmittelausschusses sprach, er— örterte die von der Stadt getroffenen Maßnahmen zur Versorgung der Einwohnerschaft mit Lebensmitteln, während Frau Bucksath⸗ Mainz sich eingehend mit der Frage:„Wie hat sich die Frau der Teuerung gegenüber zu verhalten“, beschäftigte. Herr Lehrer Müller gab darauf nachstehende Richtlinien des Konsumenten— ausschusses bekannt, die von der Versammlung widerspruchslos an⸗ genommen wurden: Der Kriegsausschuß für Konsumenteninteressen verfolgt keineswegs eine einseitige Verbraucherpolitik, sondern will mit seinen Bestrebungen der Volkskraft in dem uns aufgezwungenen Kampfe dienen zum Wohle der Stadt und im weiteren Sinne des gesamten Vaterlandes. Seine Ziele sucht er zu erreichen; a a) Durch Eingaben und Uebermittelung von zweckdienlichem Material an die zuständigen Behörden. b) Durch Veröffentlichungen in der Presse, durch die den Pro⸗ duzenten, den Zwischenhändlern und Verbrauchern das Ge⸗ wissen geschärft wird, und durch die immer und immer wieder die vaterländische Pflicht vor Augen geführt wird, gerade in dieser schweren Zeit die Förderung der eigenen Sonder⸗ Laboe geboren. waltiger aber ist das große Ringen der Weltmächte, das sie in hohem Alter noch miterlebt. 1. 8 interessen nicht bis zur Rücksichtslosigkeit gegen die Mit⸗ menschen, insbesondere gegen den minderkräftigen Teil der Bevölkerung zu betonen und zu verfolgen. c) Durch Ueberwachung und Vergleichung der Preise am Ort und auswärts, insbesondere in Städten mit gleichen Ver⸗ hlältnissen wie Gießen. d) Durch Entgegennahme und geeignete Benutzung und Ver⸗ arbeitung von Beschwerden aus Verbraucherkreisen. e) Durch Ausfindigmachen und öffentliche Empfehlung von be⸗ sonders guten und billigen Bezugsquellen. An die Stadt Gießen will der Ausschuß zunächst folgende An⸗ träge stellen: 1. Ankauf von Gemüse und Obst durch die Stadt Mengen zwecks Erreichung billigerer Marktpreise. 2. Ankauf von Winterkartoffeln durch die Stadt und Abgabe zu billigsten Preisen, in erster Linie an die minderbemittelte Be⸗ völkerung. Festsetzung von Höchstpreisen von Butter und Eier. 5 Andere Organisation des Verkaufs der noch im Besitz der Stadt befindlichen Kolonialwaren durch Einrichtung von ge⸗ räumigen Verkaufsstellen an verschiedenen Plätzen der Stadt, und Abgabe in möglichst kleinen Mengen. 5. Maßnahmen der Stadt zur Versorgung der Einwohner mit guten und billigen Wurst⸗ und Fleischwaren, insbesondere Fett. 6. Verständigung mit den Stadtverwaltungen der umliegenden Städte zwecks einheitlicher Organisation des Marktwesens zur Bekämpfung der Preissteigerung. 0 7. Zuziehung von Mitgliedern des Kriegsausschusses für Kon⸗ menteninteressen zum städtischen Lebensmittelausschuß zwecks gemeinsamer Festsetzung der als angemessen zu betrachtenden Marktpreise. f Da eine Diskusston über die Referate nicht gewünscht, ließ der Vorsitzende über folgende Entschließung abstimmen, deren An⸗ nahme einstimmig erfolgte: g Die heute, Sonntag, den 29. August 1915, in der neuen Universitäts⸗Aula von 20 Vereinen hiesiger Stadt einberufene und von Angehörigen aller Bevölkerungsschichten und Berufs⸗ arten zahlreich besuchte Versammlung verurteilt auf's schärfste die unverhältnismäßig starke Preissteigerung für die notwen⸗ digsten Lebensmittel, die nicht durch Zwang der Verhältnisse ge⸗ boten erscheinen oder die gar wucherischen Absichten einzelner entsprungen sind, da durch solche Preissteigerungen und Preis⸗ treibereien der größten Masse des deutschen Volkes die eiserne Notwendigkeit des Durchhaltens in dieser schweren Zeit auf die Dauer erheblich erschwert wird. Sie erklärt sich mit den Aus⸗ führungen der beiden Berichterstatter voll und ganz einver⸗ standen, ebenso mit der seitherigen Tätigkeit des gebildeten Aus⸗ schusses für Verbraucherinteressen. Sie beauftragt diesen Aus⸗ schuß nach den vorgelegten Richtlinien seine Tätigkeit weiter zu führen zum Wohl der Gesamtheit unserer Bewohnerschaft, ganz besonders des weniger leistungsfähigen Teils derselben. — Die Gewerkschaften während des Krieges. Welche unge⸗ heuren Summen die Gewerkschaften während dem ersten Kriegs⸗ jahr für Unterstützungen aufgebracht haben, zeigt uns ein im Korrespondent sür Deutschlands Buchdrucker veröffentlichtes Ge⸗ samtergebnis der Kriegsstatistiken dieses Verbandes für die Zeit vom 2. August 1914 bis 31. Juli 1915. Darnach hatte der Verband 73 996 Mitglieder, wovon 36 900 zum Heeresdienst eingezogen wor⸗ den waren, darunter 19 094 Verheiratete. In der genannten Zeik wurden ausgezahlt: Arbeitslosenunterstützung: aus der Verbands⸗ kasse 2 543 026,75 Mk., aus den Gaukassen 694 451,42 Mk., zusammen 3 237 478,17 Mk.; Unterstützung in allen Unterstützungszweigen: aus der Verbandskasse 3 641 856,26 Mk., aus andern Kasfen 1171 428,94 Mk., zusammen 4813 285,20 Mk.; Familienunter⸗ stützung: aus den Gaukassen 234 318,10 Mk., aus den örtlichen Kassen 327 224,63 Mk., zusammen 561 542,73 Mk. — Fünf⸗Pfennigstücke aus Eisen. Zu der vom Bundesrat be⸗ schlossenen Prägung von Fünf⸗Pfennigstücken aus Eisen erfährt die B. 3., daß die neuen Geldstücke genau die Größe der alten haben werden. Der Unterschied gegenüber den alten Fünf⸗Pfennigstücken besteht darin, daß der Rand gerippt und nicht, wie bisher, glatt sein wird. Außerdem wird die Jahreszahl, die bisher hinter dem Worte „Reich“ am Rande stand, unter die Zahl 5 gesetzt werden. Das neue Geldstück wird im Laufe des Oktober zur Ausgabe gelangen. — Vermißt wird seit dem 29. Juli d. J. die Ehefrau Martha Drechsel, geb. Baß, aus Frankfurt a. M., geboren am 14. Jun 1889 in Neuenstein, Oberamt Oehringen. Sie ist in schwangerem Zustande. Es ist anzunehmen, daß sie sich ein Leid angetan hat oder ihr ein Unfall zugestoßen ist. Beschreibung: Gestalt klein, schlank, hellblondes starkes Haar, frisches schmales Gesicht, blaue Augen: spricht schwäbischen Dialekt, trug blaue Bluse, hellen Mantel, schwarzen Hut mit Feder. Wer Angaben zur Ermittelung der Ver⸗ mißten machen kann, wird ersucht, sich bald bei der hiesigen Krimi⸗ nalpolizei zu melden. — Strafkammer. In der Zeit vom 28. August bis 17. Sep⸗ tember finden keine Sitzungen statt, da spruchreife Fälle zur Ab⸗ urteilung nicht vorliegen. — Eingehendes Parteiblatt. Die Oberschlesische Freie Presse ist ein Opfer des Weltkriegs geworden. Wie Redaktion und Verfag mitteilen, hat der Krieg mit seinen wirtschaftlichen Folgen das Blatt derartig in Mitleidenschaft gezogen, daß es mit dem 31. August sein Erscheinen einstellen muß. Unser Breslauer Parteiorgan, die Volkswacht, wird an die Stelle der Freien Presse treten. — Es dürfen wieder Kuchen gebacken werden. Nach einer Be⸗ kanntmachung des Großh. Kreisamts ist das Backen von Kuchen für den Haushalt von jetzt ab an allen Samstagen erlaubt. Mehl darf jedoch nur zur Hälfte aus Weizen bestehen. 0 — Ein heftiges Gewitter, das uns erhebliche Niederschläge brachte, ging am Sonntag morgen gegen 124 Uhr über Gießen nieder. Im Neustädter Feld soll der Blitz in mehrere Bäume ge⸗ schlagen haben, ohne größeren Schaden anzurichten. Kreis Wetzlar. i — Armenunterstützung. Nach einer Bekanntmachung des Bülr⸗ germeisters werden Armenunterstützungen künftig am 29. eines jeden Monats ausbezahlt und zwar von 8 bis 1 Uhr vormittags. Fällt der 29. auf einen Sonn⸗ oder Feiertag, dann gibt es die Unterstützung einen Tag früher. 0 — Tödliche Unfälle. Der 18jährige Kesselwärter O. Krämer aus Eiserfeld wurde auf der Grube„Brüderbund“ in der Zentrale hinter der Schalttafel als verkohlte Leiche aufgefunden.— Der fran⸗ zösische Gefangene Dewaux wurde auf der„Eisernen Hütte“ von fallenden Schlackenmassen verschüttet und tot hervorgeholt. 0 Vermischtes. Mord und Selbstmord. Ein Mord und Selbstmord ereignete sich am Freitag vormittag in dem Dorfe Hattenhof bei Fulda. Dort tötete durch Messer⸗ stiche in einem Anfall von Geistesumnachtung der 70jährige Bauer Golbach seine etwa 30 Jahre alte Schwiegertochter in der Scheune, während deren Mann Grummet mähte. Hierauf zündete der Täter die Scheune an und erhängte sich in seiner Auszüglerwohnung. 5 Drei Jahre Zuchthaus für einen Bahnhofsdieb. 5 Der vielfach vorbestrafte„Arbeiter“ Joseph Krawezyk hatte sich vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts 1 in Berlin in großen 8 90 wegen Diebstahls im strafverschärfenden Rilckfall zu verantworten. Der Angeklagte hatte auf dem Schlesischen Bahnhof einem Krieger einen Rucksack mit Liebesgaben gestohlen. Das Gericht erkannte über den Antrag des Staatsanwalts hinaus auf eine Zuchthaus⸗ strafe von drei Jahren. 102 Jahre alt. Ein hohes Alter hat die Witwe Christine Kriegstein in Krokau in der Probstei Laboe erreicht. Sie wurde am N. August 1813 in Damals wütete ein gewaltiger Krieg. Noch ge⸗ 1 1 Telegramme. . 8 Na 5 Rege Fliegertätigkeit im Westen. Die Stadt Narew besetzt. W. B. Großes Hauptquartier, 28. Aug., vorm.(Amtlich.) 1 Westlicher Kriegsschauplatz. Ein französischer Handgranatenangriff auf (.gnördlich von Münster) wurde abgewiesen. Auf einem großen Teile der Front war die Tätigkeit der Artillerie und der Flieger sehr rege. Ein feindlicher Flieger bewarf ohne Erfolg Ostende, Middelkerke und Brügge. In Müllheim(Baden) wurden 3 Zivilpersonen durch Flieger getötet. 0 Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls 1 v. Hindenburg. In den Gefechten nordwestlich von Bausk und Schönberg ist der Gegner geworfen. Ueber 2000 Russen wurden ge— fangen genommen, 2 Geschütze und 9 Maschinengewehre er— beutet. Feindliche Vorstöße gegen Teile unserer Front zwischen Radewilischky und Swjadosze wurden abgeschlagen. Südwestlich von Kowno schreiten die Truppen des Generalobersten von Eichhorn siegreich weiter vor. Zwischen dem Bobr und dem Bialo⸗Wieska⸗Forst wird verfolgt. Die Stadt Narew ist besetzt. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Die Heeresgruppe ist im Vordringen in dem Bialo-Forst und über die Lesna⸗Brawa, deren östliches Ufer sie im Unter⸗ lauf bereits genommen hat. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen. In der Verfolgung ist die Straße Kamienies⸗Litowsk⸗ Myszezyca überschritten. Zwischen dem Ruchawica und dem Prywet⸗Fluß trieben unsere Truppen den geschlagenen Feind vor sich her. Deutsche Reiterei warf gestern bei Samary(an der Straße Kowel-Kobrye) eine feindliche Kavalleriedivision. N Südöstlicher Kriegsschauplatz. Unter Führung des Generals Grafen Bothmer haben deutsche und österreichisch-ungarische Truppen gestern an der Wlodalika nördlich und südlich Brzezany die russischen Stellungen durchbrochen. Nächtliche feindliche Gegenangriffe wurden blutig abgewiesen. Heute früh gab der Gegner nach weiteren Mißerfolgen den Widerstand auf. Er wird verfolgt. Oberste Heeresleitung. Notiz: Radewilischky liegt 10 Kilometer östlich von Schönberg. Swjadosze liegt 60 Kilometer östlich von Nonyewiec. 8 Scharfe Verfolgung der Russen. Russische Rohheit gegen die eigenen Landsleute. W. B. Großes Hauptquartier, 29. Aug., vorm.(Amtlich.) Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. Südöstlich von Kowno wurde harnäckiger feindlicher Widerstand gebrochen; unsere Truppen folgen den weichenden Russen. Das Waldgelände östlich von Augustow üist durch— schritten, weiter südlich wurde in der Verfolgung die Linie Dombrowo—Gorodok—Narewka-Abschnitt(östlich von der Stadt Narew) erreicht. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Die durch den Bialowieska-Forst verfolgende Heeres— gruppen nähert sich mit ihrem rechten Flügel Scereszowo. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen. 5 Unter Nachhutkämpfen wurden die Russen bis in die Linie Poddobno(an der Straße nach Fruzana)— Tewli— obryn gedrängt. Unsere von Süden her durch das Sumpfgelände vor— dringenden Verbände haben den Feind bis nahe vor Ko⸗ bryn verfolgt. Mit einer Roheit, die unsere Truppen und unser Volk mit tiefem Abscheu erfüllen muß, haben die Russen zur Maskierung ihrer Stellungen Tausende von Ein— wohnern, ihre eigenen Landsleute, darunter viele Frauen und Kinder, unseren Angriffen entgegengetrieben. Ungewollt hat unser Feuer unter ihnen einige Opfer gefordert. 5 Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die verbündeten Truppen haben den gestern geschlagenen Feind über die Linie Pomorzany—Koniuchy—Kozowa und hinter den Koropiez-Abschnitt zurückgeworfen. Westlicher Kriegsschauplaßz. Keine wesentlichen Ereignisse. — 2 Lingekopf 5 Oberste Heeresleitung. Der österreichisch · ungarische Tages bericht Der Durchbruch in Ostgalizien. 10 000 Gefangene. Erfolglose und verlustreiche italienische Angriffe. Wien, 29. August.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: 29. August 1915. Russischer Kriegsschauplatz. Unsere Erfolge östlich Wladimir⸗-Wolynnsti und an der Zlota⸗ Lipa haben in einer Front von 250 Kilometer den Widerstand des Gegners gebrochen. Der Rücgzug der Russen ist überall durch brennende Ortschaften und zer störte Ansiedlungen gekennzeichnet. Die Zahl der in unseren Hän⸗ den gebliebenen Gefangenen erhöhte sich auf 10 000. Die Truppen des Generals der Kavallerie Freiherr von Pflanzer ⸗Baltin, durch deren vorgestrigen Durchbruch die kroatischen Regimenter und sesberigtedes groen Huuptzunrtttz. das Infanterie⸗Regiment Nr. 52 wieder Proben ihrer Tapferkeit abgelegt haben, folgen dem Feind auf Buczacz. Die aus deutschen und österreichisch⸗ungarischen Kräften zusammengesetzte Armee des Generals Grafen Bothmer dringt über Podhajee und gegen Iborow vor. Die von den Russen in Brand gesteckte Stadt 3borow ist im Besitze der Armee des Generals der Kavallerie v. Böhm⸗Ermolli. Die Kavallerie des Feldzeugmeister⸗ v. Puhallo warf mehrere feindliche Nachhuten und blieb dem gegen die Festung Luck weichenden Feind auf den Fersen. Bei Kobryn, wo unsere Verbündeten weiter Raum gewinnen, stehen den Russen nur mehr die Wege nach Nordosten offen. Oesterreichisch⸗ ungarische Kräfte erreichten in der Gegend von Szereszowo den Südostrand von Bielowiezskaja—Puszeza. Italienischer Kriegsschauplatz. 5 5 Die vereinzelten Angriffe der aliener an der Isonzofront nahmen gestern an Umfang und Heftegkeit zu, erzielten aber wie ge⸗ wöhnlich nirgends einen Erfolg. Im Abschnitt von Doberdo wurde spät abends ein von starkem Artilleriefeuer vorbereiteter Angriff auf den Monte Dei sei Busi abgeschlagen. Vormittags stürmten zwei Mobilmiliz⸗Regimenter viermal den Monte San Michele, drangen an einigen Stellen in unsere Gräben ein, wurden aber überall unter schweren Verlusten wieder hin ausge⸗ worfen. 5 Gegen den Brückenkopf von Görz eröffnete der Feind vor einiger Zeit einen Sappenangriff; unsere Geschütze und Minenwerfer zerstörten jedoch alle näher an unsere Front herange⸗ zogenen Sappen. Der Brückenkopf von Tolmein stand den ganzen Tag unter heftigem Geschützfeuer; diesem folgte ein von zwei Regi⸗ mentern und zwei Alpini⸗Bataillonen geführter Angriff, den unsere Truppen im Handgemenge abschlugen. Ebenso erfolglos waren einzelne gegen die Brücke westlich Tolmein und den Raum nördlich dieses Ueberganges angesetzten Vorstöße, sowie vier An⸗ griffe auf die Front Mrzli⸗Vrch—Sljemme. Auch der gegen den Naum von Flitsch mit beträchtlichen Kräften versuchte Angriff kam zum Stehen. Hier wie überall blieben unsere Stellungen fest in der Hand ihrer Verteidiger. 5 An der Kärntner Front ist es ziemlich ruhig. Im Tiroler Grenzgebiet dauern die Geschützkämpfe mit wechselnder Stärke fort. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnant. * Die großen deutschen Pläne. Berlingske Tidende meldet aus Petersburg: Wilna wird geräumt. Täglich kommen Ströme von Flücht-⸗ lingen aus Kowno und den umliegenden Gegenden nach Petersburg. Die Flüchtlinge erzählen, daß die russischen Soldaten ihre Wohnsitze in rauchende Trümmer⸗ haufen verwandelt haben. Die Straßen sind angefüllt mit Trümmern von Möbeln und anderem Hausrat. Nur wenige Menschen sind zurückgeblieben.— Man arbeitet nun in Petersburg mit größtem Eifer daran, die Erzeugung der Munition zu verdoppeln. Viele Fabriken sind für die Herstellung von Munition eingerichtet. Die Schüler der technischen Hochschulen bilden Arbeiter aus.— Die Frage des Vordringens nach Petersburg hängt damit zusammen, ob es den Deutschen gelingt, die Bucht von Riga zu erobern und sich dort einen Stützpunkt zu schaffen. Man hält diesen Versuch für ein gewagtes Spiel, weil im Spätherbst das Gelände zwischen Narew und Düna in einen Zustand gerät, der für die Truppenbewegungen der Deutschen beinahe unüberwindliche Schwierigkeiten bietet. Immerhin ist es Tatsache, daß die deutschen Heere in Kur— land so stark ausgerüstet sind, daß man auf große Pläne schließen muß. Man nimmt an, daß die Artillerie in diesem Abschnitt über 2000 Kanonen zur Verfügung hat. Fortschaffung der Petersburger Kunstschätze. Aus Petersburg wird der B. Z. am Mittag gemeldet: Vor⸗ gestern abend fand im Petersburger Hofministerium eine Beratung in Anwesenheit des Generaldirektors der Petersburger Eremitage, Grafen Tolstoi, statt. Es wurde beschlossen, die weltberühmte Bildergalerie, wie auch die Kunstsammlungen des Petersburger Alexander-Museums nach Moskau zu überführen. Mit der Ver- packung, die, wie ausdrücklich beschlossen wurde, geheim vor sich gehen soll, wird sofort begonnen. Um die Ueberführung zu ver⸗ heimlichen, werden beide Museen als für einige Zeit geschlossen bezeichnet. Laut einer Privatmeldung an das Svenska Dagbladet sind die Wertsachen von Petersburg nicht nach Moskau geschickt worden, son⸗ dern nach Nischni-Nowgorod, wohin also das Reichsarchiv, die Bank⸗ kassen, wertvolle Dokumente u. a. m. überführt sein sollen. Es scheint also, heißt es, als ob man fürchtete, daß auch Moskau vom Kriege berührt werden würde. Der Winterfeldzug in der Rheingegend! Aus dem Haag wird verschiedenen Berliner Blättern gemeldet: General Joffre hat einen Armeebefehl er⸗ lassen, in dem er seinen Truppen die Notwendigkeit eines neuen Winterfeldzuges ankündigt. Ge— wissermaßen als Trost ist dieser Ankündigung die Mitteilung beigefügt, daß dieser Winterfeldzug sich zum größten Teile in der Rheingegend()) abspielen werde. Ein englischer Truppentransport versenkt. Das Vaderland berichtet: Reisende des Dampfschiffes „Ryndam“, das dieser Tage aus Newyork zurückkam, teilen mit, daß am 15. auf der Höhe der Scilly-Inseln ein englisches Transportschiff mit kanadischen Truppen torpediert worden ist. Von den 2000 Mann an Bord sollen ungefähr 1000 ge— rettet worden sein. Eine englische Spionageaffäre in Holland. Wie der Nieuwe Rotterdamsche Courant berichtet, ist in Rotter⸗ dam der Korrespondent einer englischen Zeitung in Untersuchungshaft genommen worden, da er sich der Ge⸗ fährdung der holländischen Neutralität schuldig gemacht haben soll. Auch der Vertreter der Daily Mail in Rotterdam soll in die Affäre verwickelt sein. Wie die Frankf. Ztg. weiter erfährt, soll es sich um eine weit verzweigte Spionageaffäre handeln. Neue siegreiche Kämpfe an den Dardanellen. Drei Angriffe unter schweren Verlusien zurück⸗ geschlagen.— Beschädigungen feindlicher Schiffe. Konstantinopel, 28. Aug. B.) Das Haupt⸗ quartier teilt mit: An der Dardanellenfront griff der Feind in der Gegend von Anaforta am 27. August nach artilleristi— scher Vorbereitung zu Wasser und zu Lande unseren rechten Flügel bei Kiretsch Tepe und unser Zentrum südlich Asmakdere an. Er wurde an beiden Orten unter schweren (W. T. Verlnfen inis lagen, p Erfolg erzielt zu haben. Bei Kiretsch Tepe 11 wir ein feindliches Bataillon. Unser Ze 11 1 10 re dreimal an. Wir wiesen ihn jedesmal mit sech derholt eie lusten zurück. Unsere Artillerie traf wiederholt einen 1 Transportschiff. feindlichen Kreuzer und ein 0 115 Bei Ari 3 2 auf dem rechten Flügel fand in der Nacht vom 26. zum 27. Nugust wiederholt e eee Unsere Artillerie beschädigte ein feindliches Tran 19 und einen Schlepper. Bei Sedd⸗ül⸗Bahr 155 ge ale 5. Artillerie- und Infanteriefeuer. Von den übrigen 9 schauplätzen nichts Besonderes. Türkische Kriegsziele.„ In Besprechung eines Artikels der Franc ae een f die Vorteile, welche die Türkei aus dem gegen der türkischen ziehen werde, fragt Sabah, welches dee Eren Integrität seien. Sabah führt aus, daß jede Golf pere f der füdlichen Küste Arabiens bis zum persischen 1 198 Wee und die natürlichen Grenzen der Türkei im Kau 5 10 die gestellt werden müssen. Die Besetzung Zyperns 5 hören. Küste Kleinasiens beherrschenden Dodekanesos müsse aufhöre 5 Ein englischer Kreuzer bei Smyrna f gescheitert.. f Konstantinopel, 28. Aug.(W. T. B. Nichtamtlich.) Aus Smyrna wird gemeldet, daß von den zwei U die am 25. August Geubabatli an der Südspitze des Go fe von Kos, südlich von Smyrna, bombardierten, einer scheiterte. Der andere Kreuzer versuchte ihn flott zu f machen, wurde aber durch die türkische Artillerie daran ge⸗ hindert. Der gescheiterte Kreuzer ließ eine bemannte Schaluppe nieder, von welcher vier Mann getötet wurden, die übrigen sprangen ins Meer, um auf den Kreuzer zurückzu⸗ kehren. Die Schaluppe wurde sodann von den Türken samt den Waffen erbeutet. 8 Mann der Besatzung des Kreuzers, die sich auf dem Verdeck befanden, wurden getötet, ebenso vier Mann des anderen Kreuzers. Von türkischen Soldaten geworfene Bomben trafen den gescheiterten Kreuzer, doch war es unmöglich, die Wirkung festzustellen. Türkischerseits wurden ein Mann getötet und einer verwundet. Verantwortlicher Redakteur: Heinrich Noll, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen. 5 Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M. Wochen marktpreise in Gießen am 28. August 1915 5 1.70—1.75 Mk.] Zwiebeln ver Pfund 20— 25 Pfg. Butter per Pfd. Milch Liter 24 Pfg.] Blumenkohl ver Stck. 20-50 Pfg. Hühnereier Stück 15—16 Pfg Weißkraut p. Haupt 10- 30 Pfg. Gänseeier Stück— Pfg.] Rotkraut p. Haupt 10—30 Pfg. Käse Stück 8—9 Pfg.] Wirsing b. Haupt 15—30 Pfg. Käsematte 2 Stück 5—6 Pfg.] Kohlrabi per Stück 6—8 Pfg. Tauben ver Paar 1.30— 1.50 Mk. Gurken per Stück 10—25 Pfg. Hühner per Stück 2.00—2.50 Mk.] Kleine Gurken Stück 3—5 fg. Hähne ver Stück 1.50—1.80 Mk.] Bohnen Pfund 15—18 Pfg. Ochsensleisch per Pfd. 1.16—1.20 Pk.] Kopffalat per Kopf 8—12 Pfg. Kalbfleisch der Pfd. 100—104 Pfg.] Gelbe Rübchen Päckchen 8—12 Pfg. Kuh⸗ u. Rindfl. per Pfd. 112-116 Ufg.] Birnen Pfund 10—15 Pfg. Schweinefleisch Pfd. 160—170 Pfg.] Aepfel Pfund 6—20 Pfg. Hammelfleisch p. Pfd. 96—110 Pfg.] Falläpfel Pfund 4—5 Pfg. Kartoffeln p. Malter 910 Mk.] Pflaumen Pfund 15-25 Pfg. Kartoffeln Pfd. 5—6 Pfg Heidelbeeren Schoppen 20 Pfg. Wochenmanktverkehr. Nachstehende Verordnung des stellvertretenden Generalkomman⸗ dos des XVIII. Armeekorps vom 11. August 1915 wird hiermit be⸗ kannt gemacht. Gießen, den 10. Angust 1915. 5 Der Oberbürgermeister. Keller. Verordnung. Die Verkäufer auf dem Wochenmarkte, welche ihre Waren im Kleinen verkaufen, sind verpflichtet, an ihren zum Verkauf aufge⸗ stellten Waren den Verkaufspreis in deutlich lesbarer Schrift zur Kenntnis des Publikums zu bringen. Zuwiderhandlungen unterliegen der Bestrafung nach§ 9b des Gesetzes über den Belagerungszustand vom 4. Juni 1851. Kokspreise, gültig vom 1. Sept. 1915. Es koͤstet 1 Zentner ab Gaswerk: . Stückkoks Nußkoks bei Abnahme von mindestens 6 Zentner 1,40 Mk 1,55 Mk. bei Abnahme von mindestens 36 Zentner 1,35 Mk. 1,50 Mk. bei Abnahme von mindestens 200 Zentner 1,30 Mk. 1,45 Mk. bei Abnahme von mindestens 400 Jentner 1,25 Mk. 140 Mk. bei Abnahme von über 800 Zentner 1,20 Mk. 1,35 Mk. Im Gaswerk findet nur Verkauf von über 5 Zentner statt, die meisten hiesigen Kohlenhändler verabfolgen Gaskoks auch in Mengen unter 5 Zentner zum Preise von 1,40 Mk. für Stürk⸗ und 1,55 Mk, für Nußkoks pro Zentner. 1 Für die Anfuhr an das Haus werden 10 Pfennig für den Zentner berechnet. Für Abnehmer außerhalb der Gemarkung Gießens ermäßigen sich die Preise außerdem um den Betrag der Oltroi-Rückvergütung von 4 Pfennig für den Zentner. Gießen, 28. August 1915. 5 1 Städtisches Gas⸗ und Wasserwerk. 174 Steding. Verstorbene: Frau Sophie Hab icht, Gießen, 57 Jahre alt. 2 Dem Weltkrieg zum Opfer fiel am 22. August in Feindesland unser lieber un-! vergesslicher Sohn und Bruder walkera Crofdort, den 29. August 19158. 5 In tiefem Schmerz J Ludwig Schupp u. Familie. 45 1 r A- 125 — — —