3 4 1 1 1 1 1. ist, wenn ein Land im Innern Jahrhunderte hin— 4 aus den Niederlagen ö 9 neuer Kraft emportreiben. Organ für die Interessen des wer der Provinz Oberhessen und der Ung ktätigen Volles Nachbargebiete. Die Oberbessische Volkszeitung erscheint jeden Werktag Abend in Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich 60 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl. 1.80 Mk. Redaktion und Expedition Gießen, Bahnhofstrastse 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Inserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Gießen, Samstag, den 26. August 1915 Nr. 201 F N 1 5 10 3 2 f 8 rufsis Mit dem Fall von Brest-Litowsk ist der letzte Stein des moßen Weichese eser 1 wenn man von Grodno absieht. Die große französische und englische Presse hat dieses Viereck für das größte Bollwerk gegen den deut⸗ schen Ansturm ausdegeben und im besonderen Brest-Litowsk als eine der modernsten und größten Festungen der Welt bezeichnet. Nach diesem Maß der Ententepresse kann man also ungefähr ermessen, die deutschen Truppen in den letzten Tagen geleistet haben. Man kann daraus aber 7 die Folgen beurteilen, die 15 1 die Eroberung dieser ngen und besonders wiede den Fall von Brest⸗ k anschließen können. In dieser Hinsicht hat uns die Ententepresse 55 gelehrt, daß die Gefahr der ngelung und Erdrückung der russischen Armeen in Raume davon abhängt, daß wenigstens Brest⸗Litowsk ge Tage gehalten werde. es so schnell und wider rwarten der russischen Heeresleitung und ihrer Ab— überrannt worden ist, werden hoffentlich auch die von anzöstschen und englischen Presse schon vorausgesagten n eintreten. Einige der vorausgesagten Folgen nach Eroberung der Weichselfestungen zeigen sich ja auch jetzt con. Die Russen lassen die großen Industriestädte, die sich Wir wissen nach eigenen tussischen Pressemeldungen, daß Wilna und Riga seit Tagen geräumt werden. Wir hören aber jetzt auch von der Räu⸗ sustriestädte in dem Raume kinis Petersburg— Süd. Das russische Kartenhaus bricht damit geradezu kata⸗ rophal zusammen. Die Festungen, der Wichtigste Grenz⸗ hutz eines Landes, die Industriestädte, der wichtigste innere Lern der Kriegführung, werden erobert oder aufgegeben. ie Heere entgehen kaum oder nur zum Teil der Umzinge⸗ ung und die gefangenen Heeresmassen steigen in die Mil— onen. Das ist ein Zusammenbruch, wie er nur zwischen Weichsel und der 1 kurch eine so fluchwürdige Politik getrieben hat, wie der kissische Zarismus. Auch andere Länder haben solche Kata⸗ srophen erlebt, Preußen in den Jahren 1806/07, aber sie haben aus dem Unglück gelernt und die innere Reorgani⸗ tion für die erste Aufgabe einer neuen kriegerischen Vor— bereitung angesehen. Der gegenwärtige russische Zusammen— buch auf allen Schlachtfeldern offenbart weit mehr, als es igend einer geglaubt hat, wie wenig die russische Regierung im japanischen Kriege gelernt hat. reilich gehören zu Sieg wie Niederlagen zwei Parteien und ghbeeleicht können die russischen Befehlshaber zu ihrer Recht⸗ srtigung und zur Milderung ihrer Niederlagen mit gutem t anführen, daß die Angreifer und Sieger eben die 1 /Jeutschen gewesen wären. ö Wir Sozialisten ziehen aus dem zusammengebrochenen assischen Kartenhaus nicht nur für den endlichen Sieg zeutschlands und damit für den Weltfrieden gr oße und, wie wir glauben möchten, berechtigte Hoff⸗ zungen, sondern auch Hoffnungen und Wünsche für die unere Entwicklung Rußlands selbst. Dieser katastrophale * sammenbruch des Militärs in Rußland und damit der issischen gegenwärtigen Regierung muß das Land im Fenern frei fegen von diesem Unrat und die aufstrebenden äfte der Freiheit und der Kultur zu neuem Ansehen und In diesem Sinne kann der atsche Sieg auch ein russischer Sieg werden, freilich einem ganz anderen und höheren Sinne, als die russischen Hachthaber es im Augenblick empfinden werden. 0 Wie stehts mit dem neuen russischen Von russischer Seite wurde den bisher sehr enttäuschten west⸗ en Bundesgenossen der Trost gegeben, Rußland werde ein neues feer von 8 000 000 Mann aufstellen. f 1 . Die Korrespondenz„Heer und Politik“ untersucht nun, wie weit lee russische Ankündigung in die Wirklichkeit versetzt werden kann. 7 Korrespondenz sagt: Im allgemeinen rechnet man mit einer Aal von 15 Millionen Männern in Rußland im wehrfähigen Alter beau 45 Jahren. Diese Zahlen, die im Verhältnis zur Bevölkerung anderen Ländern zutreffend wären, haben sich aber für Rußland l unrichtig und zu hoch erwiesen... Nach den statistischen Er⸗ ungen kommen für Rußland nicht viel mehr als 10 Millionen fenfähiger Männer bis zu 45 Jahren in Betracht.... Aus den a Achtmillionenheer. len über die letzte Aushebung erkennen wir, daß die Militär⸗ . egusammenbruch. 0 as Weichselschlachtfeld anschließen, nach und nach von er ilbevölkerung und W von der„ und ihren Arbeitern räumen. nung Petersburgs und aller halbwegs nennenswerten In⸗ Der Sieg im Osten! tauglichkeit Rußlands— abgesehen von den oben angeführten Grün⸗ en— auch im ganzen Volke organisch gelitten hat. So n von den Gestellungspflichtigen der letzten Friedensaushebung 40 Prozent dienstuntauglich. Einberufen wurden nunmehr 1176990 Mann. Davon waren jedoch fast 100 000 Mann dem Einberufungs⸗ befehle überhaupt nicht gefolgt. Ohne uns weiter auf die Angaben über die Militärtauglichkeit der einzelnen Völkerschaften einlassen zu wollen, können wir feststellen, daß sast 200 000 Mann zur Erreichung! des festgesetzten Rekrutenkontingents fehlten, trotzdem, wie schon be⸗ merkt, zur Aushebung der erforderlichen Rekrutenzahl mehr als 1175 000 einberufen worden waren. Man kann schon aus diesen Zahlen entnehmen, wie unmöglich jetzt nach den ungeheuren Verlusten des russischen Heeres, und nachdem alle Reserven, Reichs⸗ wehr und Ersatzmannschaften zu den Fahnen gerufen worden sind, die Aufstellung eines Heeres von 8 Millionen Mann itt. Eine andere vecht unterhaltsan Frage würde aber noch zu stellen sein— selbst wenn so viel Menschen da wären— wie Rußland für ein Hler von 8 Millionen Mann Offiziere und Unteroffiziere schaffen will, da es jetzt schon daran Mangel hat. Wie Rußland Gewehre und Geschütze, Munition und Kleidung be⸗ sorgen will? Auf die Antwort des russischen Kriegsministers könnte man wirklich gespannt sein.“ * 28 Kriegsfürsorge. Aus dem Reichstage wird uns geschrieben: Am Donnerstag hatte das Reichsparlament wiederum eine außergewöhnlich lange Sitzung mit einem außergewöhnlich um⸗ fangreichen Inhalt. Es handelte sich um alle Einzelheiten der mili⸗ tärischen und zivilen Kriegsfürsorge. Der Genosse Stücklen führte für die 5 7 militärischen Fragen und der 1 Bauer für die inne ivilen Verhältnisse ein ille von 2 Puten vor, um durch die senkfice Ar ei b ürthereisende Wera er⸗ zielen. Alle Beispiele zeigten eine große persönliche Willkür, die nur zum Teil durch die Mängel der Gesetze gedeckt erscheint. Es bleibt nach dieser Fülle von Tatsachen kein Zweifel, daß die zivile Verwaltung im befonderen vielfältig versagt und den großen Auf⸗ gaben der Zeit nicht gewachsen ist. Die Sozialdemokratie hat von Anfang an eine gründliche Verbesserung auf allen Gebieten der Kriegsfürsorge verlangt, weil sie in einer solchen umfassenden und möglichst vollkommenen Kriegsfürsorge eine gewaltige Sicherung im Innern und eine starke Unterstützung im Kampfe unserer Heere sieht. Unsere Redner haben durchaus nicht im allgemeinen den guten Willen der Militärverwaltung und auch großer Teile der Zivilverwaltung bezweifelt, nach Möglichkeit zu bessern und zu helfen. Aber sie haben mit Recht auf die großen, Gefahren hinge⸗ wiesen und auf die dauernden Uebelstände, die daraus entstanden sind, daß die unteren Verwaltungsbehörden den Geist der Zeit nicht begreifen und noch nach den alten Methoden weiter arbeiten. Was wir an einzelnen Beispielen vorgeführt bekamen, erinnerte in nichts daran, daß es keine Parteien mehr gäbe, sondern Deutsche, und daß die Gleichheit in der Verwaltung eine Selbstverständlichkeit sei. Unsere Redner zeigten die Hoffnung, daß gerade durch ihre öffent⸗ liche Kritik eine baldige und gründliche Aenderung erzielt werden solle. Wenn die bürgerlichen Parteien und auch die Regierungs— stellen ihrerseits betonen, daß es sich in den Reden unserer Partei⸗ genossen nur immer um einzelne Beispiele handle, die ein voll— kommen verzerrtes Bild gäben, so war das von ihrem Standpunkte aus gewiß zu verstehen, wie es auch unseren Rednern nicht einge⸗ fallen war, die Beispiele zu verallgemeinern. Aber es genügt für die öffentliche Kritik vollkommen, daß solche Beispiele überhaupt noch möglich sind und daß man sie nicht abändern kann, ohne an die Oeffentlichkeit zu appellieren. Freilich gaben auch unsere Redner zu, daß im besonderen das Kriegsministerium, einzelne Fälle zu verbessern, sich dauernd bemüht habe. Man kann nur hoffen und wünschen, daß auf diese Art auch alle übrigen Ressorts handeln und daß damit immer mehr und mehr die Ursachen verschwinden, die solche Wirkungen, wie die heutige Sitzung, auslöfen müssen. Die Regierung und ihre Verwaltung hat dadurch das beste Mittel, jede unliebsame Kritik auch in diesen Zeiten zu verhindern, daß sie Ge⸗ setz und Verwaltung so einrichtet, daß die öffentliche Kritik nur loben, aber nicht mehr tadeln kaun. Dann werden auch die Wünsche der sozialdemokratischen Partei für die Kriegsfürsorge erfüllt sein. Die Bedeutung des Falles von Brest⸗Litowsk wird vom militärischen Mitarbeiter der Frankf. Ztg. folgendermaßen gewürdigt: Einen neuen großen Sieg können die Glocken des Vaterlandes einläuten. Das letzte Bollwerk des Feindes ist in un⸗ serer Hand. Auch das besorgteste und ängstlichste Gemüt in Deutschland kann jetzt beruhigt in die Zukunft schauen. Mit der Wegnahme von Brest⸗Litowsk ist auch der Widerstand der Russen an der Lesna unmöglich geworden. Der Feldzug in Rußland ist endgültig gewonnen. Was nun noch folgt an Kämpfen der verfolgenden Armeen süd⸗ lich Kowno, sind„strategische Aufräumungsarbeiten“. Es ist nicht anzunehmen, daß Grodno noch entscheidenden Widerstand leisten wird. Südlich von Grodno sind ganz besonders starke deutsche und österreichische Kräfte frei geworden, die jederzeit nach Norden einschwenken können, oder Kräfte dorthin abgeben könnten, wenn man sie dort brauchen würde. Und dann wird es den Russen nicht mehr gelingen, irgend eine Front zu finden, die sie in die Linie mit Grodno bringen könnten. Der Nfemen biegt gerade bei Grodno scharf ab und hat von da ab aufwärts eine westöstliche Richtung, die den Russen für eventuelle Verteidigungsabsichten nicht günstig ist. Zudem ist die russische mittlere Gruppe füdlich Bfialystok schon in den Bialowitzer Wald zurückgeschlagen, wo sie sich taktisch„verkrüümeln“ wird. Der Vormarsch starker deutscher Kräfte in Richtung Wolkowysk würde die Kräfte bei Grodno und nördlich davon im Verein mit von Kowno in sldlicher und südöstlicher Rich⸗ tung vorhandenen deutschen Kräften völlig einkreisen. 10. Jahrgang 1 . 22 8 der nächsten Zeit lebhafte Rü ckwärtsbewegungen der Russen wahrnehmen, was ihrem Programm, das Heer, o hne Ver⸗ nichtung zu erleiden, zurückzubringen, ganz entsprechen würde. Das Programm ist ja nicht nach Wunsch geglsickt, denn die Teil⸗ niederlagen und die täglichen Verluste von Tausenden von Gefange⸗ nen, Maschinengewehren und Geschützen sind in Summa einer ver⸗ nichtenden Riesenschlacht gleich zu achten. Es handelt sich nun um die Frage, was von deutscher Seite weitergeschehen wird. Darüber ist sich unsere Oberste Heeres⸗ leitung schon seit einiger Zeit im klaren, denn alle denkbaren Fälle, die jetzt eintreten können,— sei es nun eine Fortsetzung der Offen⸗ sive nach Osten oder eine Operation auf Petersburg oder ein baldiger Abtransport in anderer Richtung,— all' das ist schon überlegt und vorbereitet. Man kann in der Strategie nicht von der Hand in den Mund leben. So darf das Moltksche Wort:„Die Strategie ist ein Sustem von Aushülfen“ nicht aufgefaßt werden. Gerade die Rasch⸗ heit unserer strategischen Entschlüsse und Bewegungen, die unsere Feinde so bewundern und fürchten, ist nur möglich, wenn der Ge⸗ danke im Augenblick, wo er zur Tat wird, schon vorbereitet ist und damit alle Zufälligkeiten großer Improvisationen so völlig wie moͤg⸗ lich ausgeschaltet werden. Es gibt dann immer noch Improvisatio⸗ nen im einzelnen genug, die der Gewandtheit des Generalstabes die schwierigsten Aufgaben stellen. Wir können also annehmen, daß unsere Oberste Heeresleitung, die den Fall von Brest⸗Litowsk vor⸗ marschieren will, wo sie den Schwerpunkt ihres Druckes ausüben wird, wer der nächste sein wird, der nun zermürbt wird und wo das geschehen wird. Wir Deutschen können dieser Entwicklung der Dinge mit einer beneidenswerten Ruhe entgegensehen. Uns wird der Herzschlag nicht banger, wenn wir an die 3 Aber es könnte Ar⸗ Europa geben über die nun i e er einherbrausen wird. In e ist die elektrische Spannung für dieses strategische Gewitter in recht beträchtlicher Weise ge⸗ wachsen, und wie die Blitze solcher Gewitter über den Feind her⸗ fahren, das haben wir ja Europa in den letzten Wochen gezeigt, dem E Freunde zur Freude und dem Feinde zum Leide. Ein Neutraler über die Kämpfe in der rigaischen Bucht. 0 Der Marinemitarbeiter des Aftenposten schreibt zu dem Angriff der Deutschen auf die Bucht von Riga: Die von deutscher unter⸗ richteter Seite als erfunden festgestellte russische Meldung, es seien einige deutsche Schlachtschiffe beim Forträumen der Minen gesunken, sei kaum wahrscheinlich. Daß die deutsche Flotte sich jetzt zurück⸗ gezogen habe, bedeutet nicht, daß der Angriff aufgegeben sei, im Gegenteil, es sei Grund zur Annahme vorhanden, daß der Angriff wiederholt werde, sobald die Gelegenheit dazu günstig sei. Die Deutschen hätten kaum soviel Kräfte eingesetzt, wie sie es wirklich getan haben, wenn sie nicht willens gewesen wären, die rigaische Bucht zu nehmen. Man muß auf die wichtige Rolle des alten russischen Panzers„Slara“ besonderes Gewicht legen, da dieser als schwimmende Batterie am Eingange der Bucht allein imstande war, eine Räumung der Minenfelder und das Eindringen leichter Fahr⸗ zeuge zu verhindern. Die Besitznahme der Bucht von Riga würde für die Deutschen einen kolossalen Vorteil haben, nicht allein hinsichtlich der Operationen gegen die russische Küste und Flotte, sondern würde auch die Unternehmungen des Landheeres wesentlich unterstützen. Man diskutiert in England und Rußland bereits die Frage der Räumung Petersburgs, falls die Bucht von Riga nicht zu halten sei. Der Vierverband am Balkan. Die telegraphischen Meldungen, die aus Sofia, Athen und Nisch vorliegen, lassen alle erkennen, daß der Vierverband die äußersten Druckmittel anwendet, um die Balkanstaaten seinen Wünschen gefügig zu machen. Danach hat Serbien der letzten Note des Vierverbandes betreffend die Abtretung des an Bulgarien zu gebenden Ge⸗ biets sofort und ohne weiteres zu gehorchen. Bulgarien wird Englands Macht durch eine Blockade des Hafens von Dedeagatsch fühlbar gemacht, zugleich mit der Drohung, daß England noch weit unangenehmer werden könne, falls Bul. garien sich weigern sollte, seinen Wünschen nachzukommen. Und Griechenland wird zugemutet, daß es englische Kontrollbeamte in griechischen Zollämtern zuläßt, wenn es künftig die Durchsuchung griechischer Schiffe vermeiden will. Auch diese Forderung wird im Namen der vier Mächte gestellt. Da die Dinge sich auf dem Balkan langsam entwickeln. wofür ja reichliche Erfahrungen seit einem Jahre vorliegen, so muß man ruhig den Ausgang dieser verzweifelten Unter— nehmung des Vierverbandes abwarten. Vielleicht aber bat man in der dadurch geschaffenen Situation einen Grund zu erblicken, daß das dem Abschluß bereits nahe Abkommen zwischen Bulgarien und der Türkei bis jetzt noch nicht unterzeichnet worden ist. Der Seekrieg. Brennende Schiffe. T. U. Kopenhagen, 26. Aug. Der Kopenhagener Dampfer „Nimrod“ ist gestern mit einer Kohlenladung von Leith in Aarhus eingelaufen. Der Kapitän berichtete, während seiner Reise über die Nordsee habe er sechs große Schiffe gesehen. die in Flammen ständen. Wahrscheinlich waren sämtlich mit Wir werden also in der Gegend zwischen Kowno und Gradno in Grubenhols beladen und sind von deutschen Unterseebooten aussah, heute schon genau weiß, wie weit sie den Russen nach⸗ Gewitter 0. . N SSS reicht worden sei. Die serbische Regierung nimmt die Vor— in Brand geschossen, nachdem die Besatzung die Schiffe ver⸗ lassen hatte. Englands Absichten im hohen Norden. Anläßlich der Wiedereröffnung der schwedisch⸗englischen Ver⸗ ßandlungen schreibt der militärische Mitarbeiter des Stockholms⸗ Dagblad: Der Schleier, der über den operativen Absichten des Vier⸗ verbandes lag, beginnt sich zu lüften. Das Streben Englands geht darauf hinaus, den Durchgangsverkehr nach Rußland über die skandi⸗ navische Halbinsel wieder zu eröffnen, denn Rußland muß mit allen Mitteln Luft geschaffen werden. Der Ring, der die Mittelmächte er⸗ würgen soll, muß geschlossen werden, deshalb ist Deutschlands Um⸗ fassung von Norden unerläßlich, wenn der Vierverband noch eine Entscheidung erzwingen will. Die„Arabic“ ⸗Affäre. Wie die Voss. Ztg. von zuverlässiger Seite erfährt, sind Verhandlungen mit Amerika über den Untergang der „Arabic“ im Gange. Es liegen bis zur Stunde keine festen Anhaltspunkte vor, die eine entschiedene Stellungnahme auf der einen oder anderen Seite rechtfertigen würden. An gutem Willen auf beiden Seiten zu einer friedlichen Beilegung des Zwischenfalles mangelt es nicht, und man darf hoffen, daß der geringfügige Anlaß nicht ausreichen wird, eine mehr als hundertjährige Freundschaft zu trüben. Frankreichs politische Lage. Die Neuen Zürcher Nachrichten melden aus Lausanne: Eine aus Paris eingetroffene, hochangesehene Persönlichkeit schildert die Lage in Frankreich in sehr düsteren Farben. Man stehe in Paris vor einem Wendepunkt. Entweder Wohl⸗ fahrtsausschuß im Stile 1789, oder Militärdiktatur ist die Situation, auf die man raschen Schrittes zutreibt und aus der es anscheinend kein Entrinnen mehr gibt. Alle ernsthaften Franzosen sehen mit Bangen der weiteren Ent⸗ wicklung eines Zustandes entgegen, von welchem die Geheim⸗ sitzungen der Kammer die erste Phase sei. Die Franzosen, die Frankreich lieben(J), wollen lieber Militärdikta⸗ tur als Ausschuß. Vom Balkan. Die serbische Antwortnote. T. U. Sofia, 27. Aug. Nachrichten aus Nisch besagen, daß die serbische Antwortnote an die Entente vorgestern über— schläge der Entente an und ist zu Gebietsabtretungen an Bulgarien bereit, jedoch nur zu folgenden Bedingungen: die Abtretung eines Teiles der Kompensationen, darunter des Wardargebietes soll erfolgen, sobald Bulgarien seine Aktion gegen die Türkei beginnt, die Abtretung des anderen Teiles erst bei Friedensschluß. Maßgebende bulgarische Politiker erklären, daß bei diesem Charakter der serbischen Note eine Verständigung mit Bulgarien vollständig ausgeschlossen sei, jedoch wird die Fortsetzung der Unterhandlungen zwischen Serbien und der Entente erwartet. Griechische Erregung. Wien, 27. Aug. Az Est meldet aus Sofia: Einem Be: richt des Athener Korrespondenten des Blattes Duma zufolge hat der angemeldete Anspruch Italiens auf kleinasiatisches Gebiet, hauptsächlich auf den Dodekanes, in Griechenland beispiellose Erregung hervorgerufen. Die Lage wird auch dadurch verwickelt, daß Italien Gebietsteile bean⸗ sprucht, die von der Entente auch Griechenland angeboten wurden. Der Heilige Krieg gegen Italien. T. U. Chiasso, 27. Aug. Der Secolo meldet aus Kon⸗ stantinopel, daß der Scheich ul Islam in Konstantinopel den Heiligen Krieg gegen Italien ausgerufen habe. Verschiffung umfangreicher italienischer Kräfte. T. U. London, 27. Aug. Die Daily News berichten aus Genf, daß nach dort verbreiteten Meldungen zurzeit in i die Verschiffung umfangreicher italienischer Streit⸗ Truppen gebracht werden, gehen auseinander. kräfte vor sich gehe. Die Meinungen darüber, wohin die Es heißt, daß sie entweder nach Gallipoli oder aber nach Libyen ge · bracht werden sollen. Nach den letzten Meldungen ist es auch zu erwarten, daß die Italiener einen Angriff auf Kleinasien (Smyrna) planen. Dieutscher Reichstag. Berlin, 26. August. (Schluß.) Generalmajor v. Langermann: Die Ausführungen des Abg. Bauer sind geeignet, die größte Beunruhigung hervorzurufen (Sehr richtig!— Zuruf bei den Soz.: Ist schon da!) und im Aus⸗ lande den Anschein zu erwecken, daß die Militärverwaltung für die Hinterbliebenen nicht genügend sorgt. Ein derartiger Vorwurf, der speziell mich als den Leiter der Hinterbliebenenfürsorge trifft, ist mir während meiner 36jährigen Dienstzeit noch nicht gemacht wor⸗ den und ich muß ihn mit aller Schärfe zurückweisen.(Sehr richtig!) Eine Beunruhigung wird durch solche Reden aber nicht nur im Lande hervorgerufen, sondern auch bei unseren Kriegern draußen geweckt und das darf nicht sein. Ich habe mit meiner Brigade draußen gekämpft und weiß, wie die Stimmung meiner Leute durch den Gedanken erhöht wurde, daß ihre Familien geborgen sind. Darum rufe ich von hier aus meinen Freunden, meinen treuen heldenhaften Kameraden im Schützengraben draußen zu: Für Eure Familien wurde und ist gesorgt und wird weiter gesorgt werden. (Lebhafter Beifall.) a 2 Abg. Paasche(Natl.): Wir möchten unter dem feierlichen Ein⸗ druck des Beginns dieser Sitzung jeden Mißton vermeiden, müssen aber doch sagen, daß der Abg. Bauer den Frauen und Kindern der Krieger keinen Dienst erweist, wenn er in dieser Weise alles in den Schmutz zieht. Gewiß ist Not vorhanden, aber das ist doch nur die Ausnahme.(Lebh. Beifall— Starker Widerspruch bei den, Soz.) So wie Abg. Bauer es geschildert hat, sieht es in Deutschland nicht aus(Zustimmung). Die Frauen und Kinder unserer Krieger sind nicht auf Brot und Wasser angewiesen.(Lebh. Zustimmung.— Unruhe bei d. Soz.) Wir sollten der Militär⸗ und Zivilverwaltung und auch den Gemeinden und Arbeitgebern danken, für die großen Mittel und Kräfte, die sie zur Unterstützung der Kriegerfamilien aufgewandt haben. Den Fällen, die der Abg. Bauer anführte, könnte man eine Fülle von Gegenbeweisen entgegenhalten. Für wirklich bestehende Not gibt es allenthalben helfende Hände.(Sehr wahr!) Redner tritt für die Ansiedlung von Kriegsinvaliden auf Renten⸗ giitern ein. Jedem, der für das Vaterland geblutet hat, sollte man eine eigene Scholle geben, dann hätte man ein großes soziales Werk getan.(Bravo b. d. Natl.) Abg. Malkewitz(kons.) ist mit der scharfen Abwehr gegen Bauer einverstanden. Kritik ist notwendig, darf sich aber nicht von den Tatsachen entfernen. Auch auf unsere Kriegsfürsorge können wir stolz sein.(Lebh. Zustimmung rechts und i. Ztr.) Herr Bauer mag seine das Vaterland schädigende Ausführungen mit seinem Ge⸗ wissen abmachen.(Na, na! bei den Soz.) Die Beseitigung der Nachtarbeit det Bäcker auch im Frieden ist wünschenswert, bevor sie aber beschlossen wird, muß die Denkschrift der Regierung und das Gutachten der Handwerkskammern abgewartet werden. Abg. Behrend(Wirtschaftl. Vereinig.): Wenn auch die lange Dauer des Krieges Schwierigkeiten bei der Fürsorge mit sich gebracht hat, so muß doch anerkannt werden, daß sowohl Reichs⸗ leitung als Gemeinden und Private außerordentlich Hervorragen⸗ des auf dem Gebiete der Unterstützung geleistet haben. Es mögen unzweckmäßige bureaukratische Maßnahmen getroffen sein, aber alle berufenen Stellen sind daran, die Mißstände abzustellen. Der gute Wille, Gutes zu leisten, ist überall vorhanden. Abg. Spahn(Zentr.): Jeder in der Kommission hat die Ueber⸗ zeugung gehabt, das Beste für die Invaliden und die Witwen zu tun. Wenn man das berücksichtigt, so erfüllt es einen mit tiefem Bedauern, daß heute hier eine solche Rede gehalten wurde, wie es Herr Bauer getan hat. Die Rede schafft viel Beunruhigung und berührt das Ansehen des ganzen deutschen Volkes.(Lebh. Zust.) Abg. Stadthagen(Soz.): Der Abg. Bauer hat noch nicht genug Fälle vorgebracht. Wenn wir Zensurfreiheit hätten, wür⸗ den Sie alle diese Fälle schon erfahren haben. Ich möchte Sie dringend warnen, ein Gesetz zu beschließen, welches eine Ver⸗ schlechterung bringen würde. Dies wäre der Fall, wenn Sie durch die beantragten Gesetzesänderungen ein Abzugsrecht gesetzlich fest⸗ legen. Sie wollen, daß die Unterstützung wegfällt, wenn die gesetz⸗ liche Rente bewilligt ist, während doch festgelegt werden muß, daß die Kürzung erst eintrittt, wenn die Rente tatsächlich ausgezahlt ist. Ich weiß, Sie wollen es nicht. Sie sind derselben Ansicht wie ich, aber wenn Sie den Kommissionsantrag annehmen, so geben Sie der Verwaltung Vollmacht, die Unterstützung zu kürzen. Ich bitte Sie dringend, in Ihrem eigenen Interesse, das bestehende Gesetz be— stehen zu lassen. Schatzsekretär Helfferich: Der Abg. Stadthagen hat ebenfalls nur auf ganz seltene Ausnahmefälle Bezug genommen. Es ist eine falsche Auffassung, daß eine Doppelzahlung rechtlich r — PPPPPPPPPPPPPPPPPPPPTPTPTPTPTGTGTGTGGGòTGT(WTWTTWTWTT—T0TTWTWT—TT—T—T—T—T———————————— ber und diele Doppeszaßlang ie e als aue Klasen Jene wo zue. dien. Ver Senn de beiben Verbleib des Betreffenden, sin lichen Pinterblicbenen eine N vorliegenden Anträge ist der, 109 ewährt wird. Wir drefmonatige Doppelzablumanzjelle Einwirkung kenne 2 gehen also dadurch noch weiter. Pie e ich noch nicht. So weit es an mir lian zlage ger daß die Angelegenheit auf dieser Grundlage erweisen wir all den zahlreichen Witwen einer dreimonatigen Doppelzahlung. icht glaube hagen, von dessen Interbretation würde, so nehmen Sie beim Reichsgericht durchdringen weilen. Ich verstehe nicht wie großen Vorteile, die wir gewähren wollen ug dem Brot, das wir Herr Stadthagen den 7 Beh. Zu 15 5 N 5 9 gewähren, Stein machen.(Top. Faks 1): 0 l 750.(Jortschr. n arte): 5e Bedauern meiner Freunde auszusprechen, aß in 5 Herr Bauer ae, e e e f, Es mag And ep Zustimmung und Widerspruch.) egen einzuwenden haben, wenn d lt werden. In den Die Kameraden an und t, daß in der Heimat alles Dinge bei den zuständigen meisten Fällen war 2 5 inter der Front sind fest dav 15 1 5 fa d a en e h e e ze ee e sorge bei uns ieht, geht erheblich han 1 Ausland gescheh Trobben hoben wir niemals erlebt, daß Ver⸗ in feindlichen Ländern so gesprochen treter der Sozialdemokrati 1 2 55 hätten. Der dentsche Reichstag hat die Pflicht dem elke aß e bild zu sein im Zusammenhalten und Durchkämpfen, 5 hoffen, daß auch* hier im Hause sich danach richtet.(Lebh. Zust.) Abg. Bauer(Sozialdemokrat): Wenn das Ausland aufmerk⸗ sam gemacht wird, so geschieht es durch Ihre Entrüstung. Ich habe nicht verallgemeinert, ich habe dankbar anerkannt, daß eine große Zahl von Arbeitgebern Unterstützungen zahlt. Ich habe aber da⸗ zei auch Wunden zeigen wollen, und dabei konnte ich nicht nur loben. Die Entrüstung entstand darüber, daß ich überhaupt die Schäden nannte. Sie haben leider verallgemeinert. Ich habe nicht gesagt, daß alle Kriegerfamilien hungern müßten. Ich bin selbst mit tätig in der Kriegsfürsorge. Mir wäre so etwas nicht einge⸗ fallen. Ich habe nur bestimmte Beispiele angeführt und habe nur gezeigt, wie in ländlichen Gemeinden und in kleinen Städten unso⸗ ziale Dinge vorkommen. Ich erkenne öffentlich noch einmal an, daß Hervorragendes geleistet wird, daß in vielen Gemeinden die soziale ere Fürsorge vorzüglich ist. Es bleibt aber die Tatsache bestehen, daß für es noch eine große Zahl von Gemeinden gibt, in denen das alles bonn fehlt, und es ist keine Besserung erzielt worden. Ich habe Be⸗ gerbe und es ist nichts Leut ist nicht schäb⸗: einig eite direktor hatte gemeint, Zerrbild gegeben hätten. Also damit ist die Sache erledigt. mann hat die Richtigkeit meiner können. Es hat mir fern gelegen, 5 r 1 zu machen. Ich weiß, daß er ein sehr hohes soziales Verständn 8 hat. Ich schätze ihn sehr hoch, und er tut alles, um ihm mitgeteilte Mißstände abzuwenden. Mit der Entrüstung ist nichts getan. Es ist auch nicht richtig, daß ich alles in den Schmutz gezogen hätte, wie Herr Paasche gesagt hat. Ich will nicht im gleichen Tone ant⸗ worten; meine Arbeiterbildung verbietet mir das. Ich habe an⸗ erkannt, daß viel geschieht. Ich habe aber feststellen müssen, daß es leider eine Reihe von Lieferungsverbänden noch gibt, in denen viel gesündigt wird, und das wollte ich abstellen. 3 Präsident Kaempf: Aus den Ausführungen des Herrn Abge⸗ ordneten Bauer geht hervor, daß Herr Paasche gesagt hat, Herr Bauer hätte alles in den Schmutz gezogen. Ich habe das nicht ge⸗ hört; wenn ich es gehört hätte, hätte ich den Ausdruck gerügt. (Große Heiterkeit.) 2 Damit ist die Debatte geschlossen. Die Anträge der Kommissto werden angenommen. Angenommen wird die Resolution auf Vor⸗ legung einer Denkschrift über das Nachtbackverbot in den Bäckereien, und gegen die Stimmen der Konservativen auch der Antrag, der die Beibehaltung des Nachtbackverbots verlangt. An⸗ genommen werden auch Resolutionen, wonach den Kriegsteil nehmern auch nach dem Kriege Bäder kuren und Heil verfahren gewährt werden sollen, in denen die Ansiede lung der Kriegsinvaliden gewünscht wird und eine Fürsorge für das Hausarbeitsgewerbe verlangt wird. Ferner wird ein Antrag angenommen, eine 21gliedrige Kommission flür Beratung aller das Wohnungswesen betreffenden Anträge einzusetzen. Dann wird noch eine Reihe von Petitionen erledigt. 17 Darauf tritt Vertagung ein. Freitag 11 Uhr: Novelle zum Gesetz über den Belagerungszustand und Novelle zum Reichsvereinsgesetz.— Schluß 8 Uhr. N Diethelm von Buchenberg * Erzählung von Bertold Auerbach. 61 Der Vetter versprach, zu erzählen; anderntags aber wurde er auch von der Wahrheit überführt, denn vor dem Kurhaus, vor allen Leuten, winkte die Fürstin den Diethelm zu sich und unterhielt sich lange mit ihm. Sie fragte nach seiner Untersuchungshaft, und Diethelm, der anfangs erschrak, richtete sich an einer alten Erinnerung auf und beteuerte, wie er ein treuer Untertan sei und nichts von den Grund— rechten wolle, aber das Schwurgericht, das sei doch gut, da werde man auch öffentlich freigesprochen. Mit einem freund— lichen Lächeln entließ ihn die Fürstin, und der Vetter Trom— peter, der von fern zugesehen, faßte seine Hand, als er zu ihm trat, und rief:„Was meint Ihr, Vetter, wenn das Euer Vater gesehen hätt', der Krattenmacher von Letzweiler?“ Diethelm schien diese Erinnerung nicht genehm, denn er er⸗ widerte:„Was redest du wie ein Mann ohne Kopf?“ Der Vetter verstand und fuhr fort:„Ich hab's nicht allein gesehen, dort steht der Kastenverwalter von G. Guckt, er kommt schon her und will Euch Glück wünschen.“ In der Tat geschah dies auch, und nicht nur der abge— stellte Kastenverwalter, viele andere hohe und niedere Be— amte, ja sogar Adlige, behandelten Diethelm mit Auszeich- nung, und zum darauffolgenden Ball im Kurhaus erhielt Diethelm mit seiner Familie eine Einladung. Martha sagte sogleich, daß sie daheim bleibe, sie sei krank und nicht zum Tanzen da, Fränz aber hüpfte vor Freude, als hörte sie schon die lustigen Tanzfpeisen. Fränz war, wie gesagt, während des Badeaufenthaltes noch nie zu rechter Freude gekommen, sie fühlte sich nicht recht heimisch in diesen Umgebungen, sie hatte zwar die Bauern- haube abgelegt, die kaum zu bewältigenden Haarflechten auf genestelt und sich einen farbenschillernden Sonnenschirm an- geschafft, aber erst durch einen Geistlichen erhielt sie eine ge ⸗ Schweiz, der in einem zierlichen Rollwagen umhergeführt wurde, war bald der Schützling aller Frauen und Mädchen, auch Fränz wurde durch eine priesterlich zuvorkommende An- sprache in seinen Kreis gezogen und verlor bald jede äußere Schüchternheit, indem sie gleich den übrigen dem Kranken, der noch dazu ein geweihter Priester war, sich dienstgefällig erwies. Die Hilflosigkeit des Kranken ließ jede Scheu ver⸗ schwinden, man durfte ihm die Hand reichen und gefällig sein wie einem Kinde. Der junge Mann, ein wirklich eifer⸗ voller Priester, mit seinem blassen Antlitz, das durch die be— ständige weiße Halsbinde noch gehoben wurde, war eine an— ziehende Erscheinung, und sein brennendes Auge, das er wunderbar zu heben und zu senken verstand, zeugte von innerem Feuer, das auch hervorbrach, wenn er an stillen, schattigen Plätzen dem Frauenkreis vorlas. Er hatte eine wohltönende, ins Herz dringende Stimme. Fränz hatte in der Stadt die Kunst gelernt, Pantöffelchen zu bordieren, und sie saß nun mit den anderen Frauen mit ihrer Arbeit um den heiligen Mann, und hörte die ergreifenden Vorlesungen und eifervollen Vorträge; sie verstand es wie die anderen, mitunter aufzuschauen, einen verständnisreichen Blick zu tun, bedeutsam mit dem Kopfe zu nicken oder gar die Hände in— einander zu legen und unverwandt auf den Redner zu schauen. Mitunter war sie auch wirklich ergriffen, und der Spruch: Rette deine Seele! schauerte ihr durch Mark und Bein. erkannte mit Schrecken, wie sie ihr Seelenheil bisher verwahr— lost, und war geneigt, dem Jungfrauenbund, für den schließ⸗ lich geworben wurde, beizutreten, aber ein äußerlicher Grund half ihr, sich von den schweren Opfern zu befreien. Sie glaubte zu bemerken, daß einige, und zwar die Vornehmsten und Manierlichsten, von dem weihevollen Manne vorgezogen wurden, die Eitelkeit regte sich, und gewohnt, daß alles in der Welt nur zum Scheine geschehe, sorschte sie auch hier den Täuschungen nach und glaubte solche immer mehr zu finden. Dennoch war sie bereits so sehr im Bannkreis des jungen Priesters, daß sie ihm reuig und zerknirscht diese ihre Sünde offen beichtete, aber die Mahnung, ihre Eitelkeit zu besiegen, Sie diese Aufforderung gerade mit der Ehre zusammentraf, die ihrem Vater durch die Fürstin von N. geworden war. 9 Die Leichtigkeit, mit der sich ein Verhältnis im Badeleben knüpft, zeigt sich auch im Lösen desselben. Fränz hatte immer mehr Abhaltungen, im Schatten der Kastanien unter dem andächtigen Zuhörerkreis des Missionars zu erscheinen. Wenn sie dorthin ging, hatte sie den stillen, bescheidenen Gang und den niedergeschlagenen Blick, wenn sie aber bei den Mustke a im Freien erschien, hatte, sie, man kann fast sagen, etwas schäckernd Hüpfendes, wobei sie den Kopf in den Nacken warf. Und diese letzte Haltung gewann die Oberhand, als d ö Priester, bald geheilt, im blumenbekränzten Wagen abreiste. Fränz wollte, rund herausgesagt, sich hier einen Mann erobern. 5 8 Den Munde bei seinen Schafen hatte sie längst vergessen ja, sie sah jetzt, daß er nie zu ihr gepaßt habe; aber hier to ihr die Wahl weh zwischen dem Rautenkranzsohn der hier Kellner war, und dem Amtsverweser. Der Kellner war ei gutartige und heitere Erscheinung; aber es hatte doch ern Abstoßendes, daß er hier jedermann bediente und gegen alle Welt freundlich und unterwürfig sein mußte. Das behagte dem hoffärtigen Wesen der Fränz durchaus nicht Wenn er ihr bei Tafel eine Schüssel reichte und dabei einige freundliche Worte sprach, schämte sie sich fast, ihm zu antworten; zwaß erinnerte sie sich wieder, was er daheim zu bedeuten habe, und wie er mehr sei als viele, die er hier bediente; aber eben dieses Bedienen gefiel ihr nicht, und dann konnte der Kellne nie einen Spaziergang, viel weniger eine Ausfahrt mitmach er mußte froh sein, wenn er eine Stunde von fünf bis sechs Uhr nachmittags erübrigte, um, an den Hauspfosten gelehn„ eine Zigarre zu rauchen, die er schnell verbar wenn ein Gast kam. Dennoch hatte Fränz nicht recht den Mut sich vo ihm abzuwenden, ja, sie dachte sich aus, wie alles schon and würde, wenn sie einmal ein eigenes Wirtshaus hätten Amtsverweser dar äußerst zurückhaltend obgleich er mit derselben Tafel speiste; er schien mehreren Damen den fellschaftliche Firmelung. Ein junger Missionar aus der machte sie stumm und im Innersten widerspenstig, zumal zu machen, die er oft auf Spaziergängen begleitete. [FJortsetzung jolgt.) 3 f A 5 * Kr 8 — 8 Beilage zur Oberhessischen Bolcszeitung Nr. 201 .— den 28. August 1915. —— Gießen und ans. Eine Fr Frage. Leider selbst in dieser Stunde Blüht gewisser Schweinehunde Kalte Niederträchtigkeit, Die sich ihre Riemen schneiden Aus dem Hunger und den Leiden, Aus der Not der harten Zeit! Draußen hält millionenfache Schwere Schwielenfaust die Wache Für die Lieben und das Land— Drinnen krallt um Brot und Mehl Um des Volkes magre Kehle Sich des Wuchers freche Hand! Draußen schützen die Soldaten Ihrer Heimat Vieh und Saaten Vor dem räuberischen Schwert— Drinnen werden ihre Weiber Durch die Lebensmitteltreiber Ausgeraubt am eignen Herd! Eine Frage in die Runde: Wie lang darf noch dieser Hunde Kalte Niederträchtigkeit Ihrer Habgier Riemen schneiden Aus dem Hunger und den Leiden Und der Not der harten Zeit? A. de Nora in der Jugend. Zur Regelung der Heimarbeit. Das Bureau für Sozialpolitik und die Auskunftsstelle für Heimarbeitsreform haben in Verbindung mit der General— kommission der Gewerkschaften Deutschlands, dem Gesamt— verband der christlichen Gewerkschaften, dem Verband der Deutschen Gewerkvereine(H. D.), der Polnischen Berufsver— einigung, dem Ständigen Ausschuß zur Förderung der Ar— beiterinneninteressen und der Gesellschaft für soziale Reform — ß dem Bundesrat sowie den Militärbehörden zwei Eingaben zur egelung der Heimarbeit eingereicht. Uns wird hierüber geschrieben: Angesichts der großen Vermehrung der Heimarbeit und es starken Einströmens von Kriegerwitwen und Kriegs— invaliden in die Heimarbeit sind schnelle Maßnahmen zur urchführung des Hausarbeitsgesetzes, das 1911 geschaffen, ber in seinen wichtigsten Punkten noch nicht in Kraft ist ehr denn je notwendig. Erforderlich ist namentlich die inführung von Lohnbüchern und Lohnlisten und die Er— ichtung von Fachausschüssen, von denen wenigstens in be— scheidenem Umfange eine Besserung und vor allem Klärung 1 gzesetzten Löhne unterrichtet sind. Fachausschüssen als Vertreter 155 Lage erhofft wird. Die Eingabe J nimmt auch Stellung egen die Ausführungsverordnungen zu den Fachausschüssen, die in einer den ausdrücklichen Erklärungen der Reichsregie— tung gegenüber der Reichstagskommission entgegen laufenden Weise den Kreis der als Vertreter der Hausarbeit zulässigen Verfonen einengt, sodaß heimarbeitssachkundige Persönlich— leiten, also namentlich Arbeitersekretäre, die dem Gewerbe zicht angehörten oder angehören, von der Mitarbeit in den der Hausarbeiter ausge⸗ chlossen sind. Die Eingabe II befaßt sich mit der Regelung der Heim— rbeitslöhne bei öffentlichen Lieferungen. So vorbildlich nanche namentlich von den Militärbehörden geschaffene Ein—⸗ lichtungen sind, so läßt doch leider vielfach die Durchführung ücken, was namentlich darauf zurückzuführen ist, daß die hausarbeiter nicht genügend über die von den Behörden fest— Zum Zwecke eines mög— chst lückenlosen Lohnschutzes für die Heimarbeiter wird die kunlichste Ausschaltung unproduktiver Zwischenpersonen, die evorzugung tariftreuer Firmen, in tariflosen Gewerben die sestsetzung der Stücklöhne durch die maßgebenden Behörden Ind Veröffentlichung der Löhne durch Aushängung gefordert. ö Bildung und ind Empfinden. Im Zeitraum einer Stunde habe ich dieser Tage zwei Geschicht⸗ * erlebt, erzählt Jemand in der Magdeb. Volks stimme. Kinder spielten auf der Landstraße vor der Stadt, dort wo nur inzelne Häuser noch stehen, mit einem 2110 Es war ein possier⸗ scher Dackel. Ein kleines Mädchen mit offenbaren Mutterinstinkten htte ihm ein Tuch um die Schnauze gebunden und redete ihm ein, 15 er Zahnweh hätte. Der Dackel machte dazu sein Philosophen⸗ sicht, und das kleine Mädchen kuschelte ihn in ihren linken Arm und seichelle ihn unter tröstlichen Koseworten mit der Rechten. Er ließ c sich gefallen. Plötzlich horchte er auf, begann mit allen vier krummen Haxen die Luft zu strampeln und nach dem Boden zu streben. Um die ie war das stilisierte Kuhbrüllen einer Automobilhupe ertönt, und 13 Erfahrung hatte der Dackel offenbar schon, daß er es nicht iter wollte darauf ankommen lassen. Seine Pflegerin aber bekam es noch schlimmer als ex mit der Aigst. Sobald das Hupensignal den Weg durch ihr Gehör bis zu en motorischen Nervenzentren zurückgelegt hatte, war nur noch ber Selbsterhaltungstrieb in ihr lebendig. Sie schmiß den Dackel 5 einem Angstschrei im Bogen auf die Straße und rettete sich ottoirwärts mit fliegenden Haaren. Ehe der Dackel aber wieder f seinen schiesen Philosophenbeinen stand war das Auto bis auf Armlänge an ihn heran. Und da liegt der Kern der Geschichte. Der Autolenker, offenbar ein„bessexer Herr“— denn sein Chauffeur gas mit verschränkten Armen neben ihm— machte nicht die mindeste Aistrengung, eine Katastrophe zu vermeiden, im Gegenteil, er fuhr nurstracks darauf los, und als sie durch waren, drehte sich der (tauffeur grinsend um und schrie seinem Herrn den Bericht ins Oer. Es war nicht die Schuld dieses Herrenfahrers, daß er den Drckel nicht zur Strecke gebracht hatte, sondern es gibt auch Schutz⸗ 210 für die Dackel, und diesmal hatte Waldmann den Weg noch 1 rf am Verderben vorbei seitwärts gefunden. Seiner edeln Nase d der Geruch warmer Gummiräder zeitlebens satal bleiben. Zweite Geschichte: Ich sah einen Mann auf einer Leiter stehen d Kirschen in ein Körbchen pflücken. Außen an der Mauer standen it Kinder der Nachbarschaft, die reihum ihre Schürze aufhielten, amit ihnen der Mann eine Handvoll der leckeren saftigen Korallen 1 05 der Kleinste, ein Hosenmatz von flinf Ae sechs an der Mt, Gerade hatte der Mann ein Sträußchen Hessen und Nachbargebiete. gebrochen, an e ein e nden wie eine große Traube hing. „Die sind für Dich!“ rief er dem Kleinen zu und zielte nach der aufgehaltenen Schürze. Der Wurf ging fehl und das Kirschensträußchen fiel auf die Straße, als gerade ein schwerer Lastwagen herankam. ö„Du Lausbub! Willst Du wohl aus dem Wege gehen!“ schalt der Fuhrknecht vom Bock. Er hatte ein backsteinrotes Gesicht und einen martialisch aufgedrehten Schnurrbart. Bleich, die kleinen Kinderaugen weit aufgerissen, alle fünf ingerspitzen der Linken an die Unterlippe gedrückt, stand das Nübchen zitternd am Straßenrand und starrte auf seine Kirschen, je eben unter die Hufe der Pferde kommen mußten. Der Strauß ah aus wie ein bunter toter Vogel. Die Bruchfläche am Zweige schimmerte hell wie ein Schnabel, dann kam der sonnenglänzende rote Rumpf, und hinten lag flach die grüne Zweigspitze, wie der Schwanz des vom Baume 1 Vogels. „Verfluchte Bande!“ fluchte der Fuhrknecht. Und griff mit der Rechten ein wenig an 1 Zügeln hinunter:„Hüh!“ Und lenkte sorgfältig sein Gespann an dem Kirschensträußchen des Bübleins vorbei, Dann drehte er sich um und schrie:„Haste sie?“, als er merkte, daß der Kleine den rotgrünen Vogel vom Boden hob. Und er war doch ein roher, un gebildeter Fuhrknecht. Herz hat er wohl auf dem rechten Flecke. Aber das Keine Erhöhung der Brotration! Durch die Presse gehen Nachrichten darüber, daß laut einem Beschluß der Reichsverteilungsstelle in Zukunft auf den Kopf der Bevölkerung täglich 225 anstatt wie bisher 200 Gramm Mehl zur Verteilung kommen sollen und infolge— dessen dem längst empfundenen Bedürfnis nach einer Er— höhung der täglichen Brotration entsprochen werden könne. Um nicht Erwartungen aufkommen zu lassen, denen später eine bittere Enttäuschung folgen würde, ist es doch nötig, diese Pressenachrichten auf ihren wahren Wert zurückzuführen.— Ursprünglich wurden nur 200 Gramm pro Kopf und Tag der Bevölkerung verteilt. Schon seit längerer Zeit hatte die Reichsverteilungsstelle die„Konzession“ gemacht, daß zum Zwecke der Abgabe von„Zusatzbrotkarten an die schwer arbei— tende Bevölkerung“ ein weiteres Quantum Mehl im Betrage von 20 Gramm pro Kopf und Tag zur Abgabe kommen sollte. Diese 20 Gramm sollten aber nicht gleichmäßig auf die ganze Bevölkerung verteilt werden, sodaß etwa jedermann im Monat 30 X 20= 600 Gramm Mehl oder etwas mehr als einen kleinen Laib Brot über das bisherige Quantum hinaus er— halten hätte, sondern diese 20 Gramm pro Kopf und Tag sollten benutzt werden, um lediglich der schwer arbeitenden Bevöl kerung Zusatzbrotkarten zu geben, aber auch nur in dem Umfange, daß dabei pro Kopf und Tag höchstens 50 Gramm, also im Monat 1500 Gramm Mehl oder 3 kleine Laibe Brot auf jede Person gewährt würden. Das ist auch bisher schon geschehen und das ist also das Maß von Brot, woran die Be— völkerung jetzt gewöhnt ist. Nun sollen in Zukunft 225 Gramm auf den Kopf der Bevölkerung gegeben werden, aber, wie es ausdrücklich heißt, einschließlich der zur Verteilung von Zusatzbrotmarken bestimm⸗ ten Brotmengen, d. h. also, aus diesen 225 Gramm müssen jetzt auch die 20 Gramm gedeckt werden, auf Grund deren bisher die Zusatzmarken für die schwer arbeitende Be⸗ völkerung ausgegeben werden konnten, und die ganze viel be⸗ sprochene„Erhöhung der Brotration“ kommt darauf heraus, daß anstatt wie bisher seit zwei Monaten 220 Gramm, jetzt 225 Gramm auf den Kopf der Bevölkerung verteilt werden, also sage und schreibe 5 Gramm mehr pro Kopf und Tag S 150 Gramm, oder ein gutes viertel Pfund mehr im ganzen Monat. Das ist eine Erhöhung, die der Einzelne überhaupt gar nicht merken wird, und es empfiehlt sich, darauf aufmerk— sam zu machen, 115 nicht Hoffnungen erwecken zu lassen, die später nicht erfüllt werden können. — Auf die öffentliche Versammlung, die morgen Sonn— tag nachmittag 5 Uhr in der neuen Aula der Universität statt— findet, und in welcher außer Herrn Meinig, dem Vor⸗— sitzenden des Frankfurter Konsumentenausschusses, auch noch Fraun Bucksath aus Mainz über die Lebensmittelteuerung sprechen wird, machen wir auch an dieser Stelle nochmals ganz besonders aufmerksam. Wie wir schon gestern bemerk— ten, ist es Pflicht aller Konsumenten, speziell der Hausfrauen, diese Versammlung zu besuchen und durch den Besuch gegen die Unzuträglichkeiten auf dem Lebens— mittelmarkt zu protestieren. — Kranke Bürgermeister. Der frühere K meister von Gießen, Herr Anton Mecum, ließ sich be— kanntlich vor etwa zwei Jahren, nachdem er eine beträchtliche Gehaltserhöhung erhalten hatte, die selbstverständlich nicht ohne Einfluß, auf sein Ruhegehalt war,„krankheitshalber“ pensionieren und siedelte zuerst nach Godesberg, später nach Steglitz bei Berlin über, wo er die etwa 9000 Mark betragende Pension zu verleben gedenkt. Die„Krankheit“ des Herrn Mecum muß indessen nicht gar so schlimm gewesen sein, denn er soll jetzt einen gut bezahlten Posten in irgend einem Auf— sichtsrat. Ein ähnlicher Fall wird auch aus Ilmenau i. Thür, berichtet, wo sich der frühere städtische Foitdercnilter Elger„krankheitshalber“ genötigt sah, aus dem städtischen Dienst auszuscheiden; vom Gemeinderat ßurde ihm das Ruhegehalt gewährt. Jetzt wird ihm von der Stadt das Gehalt verweigert, weil er sich in der Ge— meinde Oberwiesental hat zum Bürgermeister wählen lassen 11 dort ein Bürgermeistergehalt bezieht. Da aber der Bezirksausschuß trotzdem die Stadt Ilmenau zur weiteren Auszahlung des Ruhegehaltes an E. verurteilt hat, haben die städtischen Behörden die Entscheidung des Großherzoglichen Ministeriums angerufen.— In einem Punkt unterscheiden sich die beiden Fälle aber doch— nämlich. daß die Gemeindevertretung von Ilmenau im Gegensatz zur Gießener Stadtverwaltung nicht so ohne weiteres gewillt zuzah 55 nach ihn seine„Krankheit“ nicht hindert, einen anderen verantwortungsvollen Posten auszufüllen. — Billigeres Brot— in Meißen. Der Ernährungsaus⸗ schuß für Stadt und Amtshauptmannschaft Meißen hat in seiner am 19. August abgehaltenen Sitzung folgende Preise festgesetzt: Ab 28. August kostet der Doppelzentner Roggen⸗ mehl 29,50 Mk., Weizenmehl 35 Mk. Im Kleinhandel sind für das Pfund Roggenmehl 18 Pfg., für Weizenmehl 20 Pfg. zu zahlen. Dementsprechend wird der Brotpreis um 10 Pfg. bezw. 12 Pfg. für das Viet e herabgesetzt. Das Vier⸗ pfundbrot kostet ab 4. September 62 Pfg. und ab 1. Oktober 60 Pfg.— Es wäre nur zu wünschen, daß die Stadt Gießen diesem Beispiel recht bald folgen und den WBrolßkeis ebenfalls herabsetzen würde. „Eingebaute Kessel aller Art“. Zweifel darüber, was unter den Worten„eingebaute Kessel aller Art“ im§ 2 der Verordnung iber die Beschlagnahme von Gegenständen aus Kupfer, Messing und Reinnickel zu verstehen ist, haben zu folgender Auskunft der Metall⸗ mobilmachungsstelle des Kriegsministeriums geführt:„Unter ein⸗ gebauten Kesseln aller Art sind nicht nur solche für Wasserhaltung und Warmwasserbereitung verstanden, sondern auch Waschkessel, Viehkessel, Marmeladenkessel und dergleichen. Dagegen kommen nicht in Betracht größere eingebaute Kessel für industrielle Zwecke wie Färbereien, Brauereien usw., jedoch sind die hierin investierten Kupfermengen laut Verfügung M. 1. 7. 15 betr. Bestandsmeldung und Verwertung von Kupfer in Fertigfabrikaten auf Meldeschein für Kupfer in Fertigfabrikaten meldepflichtig.“ Schlechtfressende Pferde! Der Leipziger Tierschutz⸗Verein, Johannisgasse 14, schreibt uns:„Viele Tierhalter werden schon wiederholt die Beobachtung gemacht haben, daß manche Pferde trotz genügenden Futters und leichter Arbeit einen schlecht ge⸗ nährten Eindruck machen und zusehends abmagern.— Nach unseren langjährigen Erfahrungen leiden in diesen Fällen die Pferde meistens an„Schieferzähnen“, d. h. sie sind mit Zähnen behaftet, an denen sich scharfe Kanten gebildet haben, die Zahnfleisch und Zunge verletzen und dem Tier beim Kauen Schmerzen bereiten. Das Pferd frißt infolgedessen nur langsam und läßt das Futter, das es mit Unlust nimmt, größtenteils im halbzerkauten Zustand wieder aus dem Maule fallen. Die Nachteile für das Tier und seinen Besitzer sind offensichtlich. Es werden deshalb alle Pferde⸗ halter gebeten, bei schlechtfressenden Tieren die Zähne durch einen Tierarzt nachsehen und abfeilen zu lassen. Die Freßlust wird sich dann sofort wieder einstellen und das Tier wieder kräftiger und leistungsfähiger werden.“ Die Abgabe von Petroleum. Wie die Tägl. Rundschau erfährt, wird vom 1. September ab wieder Petroleum an Händler zum Weiterverkauf abgegeben werden. In der letzten Zeit ist das Pe⸗ troleum zurückgehalten worden. Das Leuchtöl, das man bei den Händlern erhielt, stammte aus Vorräten, über die die Händler noch von früher her verfsügten. Jetzt aber soll wieder Petroleum den Händlern zur Verfügung gestellt werden. Dabei wird man die⸗ jenigen Gegenden, in denen die Gas- und elektrische Beleuchtung noch nicht in weiterem Maße zur Einführung gelangt sind, reicher bedenken als die anderen Gegenden, in denen Gaslicht und elek⸗ trisches Licht aller Orten anzutreffen sind. — O zarte Sehnsucht, süßes Hoffen... Die Frau eines Mann⸗ heimer Kriegers, die sich gegenwärtig bei ihren Eltern aufhält, richtete an das Bürgermeisteramt in Mannheim folgendes Gesuch: Freckenfeld, 15. 8. 15. Geehrtester Herr Bürgermeister! 0 In einer Angelegenheit muß ich an Sie ein paar Zeilen richten. Da hier der Genannte, mein Mann Fr..„ schon seit Februar im Heer steht, so möchte er den Herrn 2 ermeister bitten, ein Gesuch einzureichen, daß er auch mal acht Tage Urlaub bekäme; er schreibt mir nämlich, in 20 Jahren braucht unser Kaiser auch wieder Soldaten, er möchte mal wieder ein paar Tage bei seiner Frau sein. (Folgt Adresse des .: Frau G 8 der Mannheimer Bürgermeister — Nannes Tr. 8) „Freckenfeld. dem 9 Hoffentlich entspricht Wunsch der Kriegerfrau. — Gesegnet sei der Krieg! Ein tolles Stück leistet sich die Neue Stolberger Jeitung, das amtliche Organ der rheinischen Stadt⸗ Stolberg. Das Blatt feiert den Krieg als„Schöpfer neuen Glückes“ und schreibt u. a.:„Auch wirtschaftlich betrachtet, bringt der Krieg für viele Familien eine Gesundung. Viele sind zur Friedenszeit mie auf den„grünen Zweig“ gekommen. Der Mann ist jetzt im Felde, wird reichlich und gut verpflegt, gekleidet und gelöhnt, hat keine Sorgen und Not, kann noch Geld nach Hause schicken. Die Frauen und Kinder daheim erhalten Unterstützungen und haben durch reich⸗ liche Arbeitsgelegenheit guten Verdienst. Tausenden von Familien ist es wirtschaftlich nie besser gegangen wie im Kriege. Beweis ist, daß die Sparkasseneinlagen andauernd zunehmen, daß gerade die „kleinen und kleinsten Leute“ in der Lage waren, die Kriegsanleihen mitzuzeichnen, und daß selbst aus dem Felde 53 Millionen Mark Kriegs Sanleihezeichnungen kamen. So übt der Krieg auf das Fami⸗ lienleben in sittlicher und wirtschaftlicher Hinsicht wohltuende Wirkungen aus, und alle schwarzseherischen Prophezeiungen von der völligen Zerstörung des Familienlebens aus der Friedenszeit sind in sich zusammengebrochen.“ s fehlt nur noch der Wunsch, daß er Krieg 10 Jahre dauern möchte, damit sich seine„wohltuenden 1 1 noch vollkommener äußern. — Unterstützung von Kriegsbeschädigten. Den aus Anlaß des jetzigen Krieges mit Rente und Kriegszulage versorgten Personen wird es bei ihrem Körperzustand trotz eifrigster eigener Bemühung und trotz Eingreifens der Kriegsfürsorgestellen nicht immer möglich sein, in absehbarer Zeit ihr früheres Arbeitseinkommen nur an⸗ nähernd zu erreichen. Härten, die hierbei entstehen, sollen nach Mög⸗ lichkeit ausgeglichen werden. Da eine gesetzliche Regelung aber erst nach dem Kriege erfolgen kann, soll schon während des Krieges auf Antrag der Beschädigten aus hierzu bereitstehenden Mitteln, soweit es angängig, im Unterstützungswege geholfen werden. Die Anträge würden in begründeten Fällen an den zuständigen Bezirksfeldwebel zu richten sein. g — Gerechte Strase für einen Wucherer. Wegen Ueberschreitung der Höchstpreise hatte sich am Mittwoch der Kaufmann Max Ben- singer, Juhaber einer Oelgroßhandlung, der sich im April auf ein Geschäft in Kartoffelwalzmehl eingelassen hatte, vor der Frank⸗ surter ene zu verantworten. Bensinger erwarb von einem mere in Duisburg 200 Doppelzentner Kartoffelwalzmehl zu 40 Mark 80 Pfg. der Doppelzentner und verkaufte die Ware„ab Dan⸗ zig“ nach Hamburg zu 65 Mark, sodaß er nahezu 5000 Mark daran verdiente. In Hamburg ging das Mehl in die nächste Hand zu 68 Mark 50 Pfg. über. Der durch Verordnung vom 17. D über 1914 festgesetzte Höchstpreis aber betrug 42 Mark 30 Pfg. Bensinger er⸗ klärte an der Strafkammer, er habe nicht gewußt, daß Höchstpreise bestanden, und das Kartoffelmehl„im Verbande“ mit Roggenkom⸗ mißmehl gekauft. Der Staatsanwalt war der Meinung, daß hier gvober Lebensmittelwucher vorliege, und beantragte 6 Wochen Ge⸗ fängnis und 1500 Mark Geldstrafe. Das Gericht sah von einer Frei itsstrafe ab, erkannte aber auf die höchste zulässige Geldstrafe von zehntaufen d Mark, die durch die starke Hinauftreibung des Preises und den enormen Gewinn bei einem einzelnen Geschäft ist, dem früheren Forstverwalter sein Ruhegehalt weiter aus— Kerechtfertiat ain. f 9 U 0 0 1 N J . . 3 Keichstag. 20. Sitzung, Freitag, den 27. August, vormittags 11 Uhr. Am Bundesratstische: Dr. Delbrück, Lisco. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung des Geseß⸗ entwurfs zur Aenderung des Vereinsgesetzes. Abg. Juuck(natl.): Der Aenderung der Definition der politi⸗ schen Vereine stimmen wir gern zu, denn wir wollen den Gewerk⸗ schaften gern die Hand reichen. Aber den Jugendparagraphen können wir nicht streichen und so die politischen Vereine den Jugendlichen öffnen. Auch die Streichung des Sprachenparagraphen müssen wir ablehnen, weite Kceise des Volkes würden darin ein Nachlassen der nationalen Energie erblicken.(Widerspruch links.) Wir dürfen auch für die spätere Revision des Gesetzes nicht die besten Trümpfe aus der Hand geben. Abg. Landsberg(Soz.): Auch wir wollen uns keine Knabenkorps angliedern(Sehr rich⸗ tig! bei den Sozialdemokraten), wie Herr Dr. Junck zu befürchten scheint. Der Jugendparagraph hindert aber die Jugendlichen weder an politischer Betätigung, noch selbst am Besuch politischer Ver⸗ sammlungen; dagegen ist er mißbraucht worden, um ihnen die Mit⸗ gliedschaft in Gewerkschaften und Turnvereinen unmöglich zu machen. Derartig mißbrauchte Gesetzesbestimmungen müssen be⸗ seitigt werden.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Den Gewerkschaften will Herr Junck die Hand reichen, warum aber nicht auch den polnisch, dänisch, französisch sprechenden Mitbürgern, die in dieser Krise ebenfalls treu zum Vaterlande gestanden haben. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die systematische Ent⸗ rechtung der Deutschen in den Ostseeprovinzen empfinden wir mit großem Schmerz, denn die Grundlage aller Kultur ift die Mutter⸗ sprache, deshalb durfte der Sprachenparagraph nie geschaffen wer⸗ den, er ist kein Zeichen nationaler Energie, sondern ein Zeichen nationaler Schwäche.(Lebhafte Zustimmung bei den Sogialdemo⸗ kraten.) Was in der russischen Gesetzessammlung eine Schande ist, kann in der deutschen keine Zierde sein. Gerade jetzt muß der Sprachenparagraph beseitigt werden, denn jetzt ist keine Zeit für Ausnahmegesetze. Leute von politisch so entgegengesetzter Auf⸗ fafsung wie der Reichskanzler und Herr Bassermann(Große Heiter⸗ keit) verkünden den freiheitlichen Ausbau unserer Gesetzgebung, nun sollen auch den Worten die Taten folgen. Herr Junck will die besten Trümpfe für die spätere Revision nicht aus der Hand geben; aber an Fragen der Gerechtigkeit gehe ich nicht mit der Schlauheit des Kartenspielers heran, da will ich meine Trümpfe in der Hand behalten.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Treten Sie den Beschlüssen der Kommission bei, Sie werden dadurch Hundert⸗ tausenden von Männern an der Front den Dank des Volkes aus⸗ sprechen.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär Dr. Delbrück: Die vorgebrachten Forderungen können nicht einzeln erledigt werden, sondern erst nach dem Kriege bei der Neuorientierung unserer inneren Politik. Grundsätzlich habe ich den Wunsch, der Forderung einer Aenderung des Gesetzes zu entsprechen; daß aber die von der Kommission geforderte Aende⸗ rung schon im Nobember erfolgen soll, dem kann ich nicht zustim⸗ men, weil ich nicht weiß, ob dann schon der eigentliche Zeitpunkt dafür da sein wird. Dagegen ist der Reichskanzler bereit, den Wünschen hinfichtlich der Herausnahme der Gewerkschaften von den Bestimmungen über die politischen Vereine zu entsprechen. Die Verbündeten Regierungen in ihrer Gesamtheit haben zu dieser Frage noch nicht Stellung genommen. Abg. Becker⸗Arnsberg(Z.) erklärt die Zustimmung seiner Freunde zu den Kommissionsbeschlüssen. Abg. Frhr. v. Gamp(Rp.) wendet sich gegen ein Rütteln an dem Kompromiß, aus dem das Reichsvereinsgesetz entstanden sei. Abg. Dr. Müller⸗Meiningen(Bp.): Der Aufhebung des Jugendlichen⸗Paragraphen werden wir nicht zustimmen mit Rück⸗ sicht auf die Erfahrungen der Lehrerschaft. Staatssekretär Delbrück: Während der Kriegszeit hat die ge⸗ wünschte Aenderung des Vereinsgesetzes nur akademischen Wert, da jetzt doch die Militärbehörde über Versammlungen entscheidet. Abg. Dr. Oertel(k): Es genügt vollkommen, daß eine Vorlage in Aussicht gestellt ist. Die Jugendlichen müssen wir unbedingt vom politischen Treiben fernhalten. Abg. Kurzawski(Pole) begrüßt die Kommissionsanträge als eine Forderung der Gerechtigkeit. Abg. Heine(Soz.) „ Die Anwendung des Vereinsgesetzes auf die Gewerkschaften haben wir bereits bei Erlaß des Gesetzes vorausgesagt. Bei der Aufhebung des Sprachenparagraphen braucht man gewiß nicht ängstlich zu sein. Beim Jugendparagraphen wollen wir nur das, was 50 Jahre lang in Preußen bestanden hat, was zurzeit der tollsten Reaktion im Jahre 1851 von der preußischen Regierung oktrohiert worden ist. Daß die Jugendlichen sich politisch betätigen, daß sie Zeitungen und Bücher lesen, kann man gar nicht verhindern, da soll man nicht in kleinlicher Weise sie an der Teilnahme von Versammlungen und Vereinen hindern. Die kommandierenden Generale handhaben die Polizeigewalt weit erfreulicher, als die schwerfälligen Zivilbehörden, die sich nie zu einem Schritt vor⸗ wärts ent 1 können. Aber alademisch ist unser Antrag nicht, denn im Fall des Friedensschlusses leben alle Schwierigkeiten für die Gewerkschaften und die Arbeitervereine von selbst wieder auf, kein Staatsanwalt darf, solange das Gesetz und die obersten Ge— richtsentscheidungen bestehen, die Strafverfolgung unterlassen, er ist dafür sogar mit Zuchthaus bedroht. Wir dürfen vor allem nicht die alten Kräfte vergessen(Sehr wahr! bei den Sozialdemo⸗ kraten). Gerade in dieser Hinsicht ist die Erklärung des Staats⸗ sekretärs 905 tiefste zu beklagen. Er sagt, die Neuorientierung der inneren Politik werde in so großem Umfange erfolgen, daß man nicht jetzt einzelnes vorweg nehmen kann. Solche Bedenken hatten die Männer von 1867 nicht, sie haben frisch die Gewerbeordnung in Angriff genommen, statt zehn Jahre zu warten. Das deutsche Volk hat ein großartiges Gefühl der Einheit und Geschlossenheit bewiesen, das auch die Grundlage unserer Erfolge im Felde ist für d richtig! bei den Sozialdemokraten). Hinter dem Gefühl, für die Aufgabe, das Vaterland zu retten, mußte die Entrüstung über alle kleinliche Entrechtung zurücktreten. Aber vergessen ist das erlittene Unrecht nicht(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten). Und je mehr das Volk leistet, um so brennender ist die Scham über das erlittene Unrecht(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemo⸗ kraten). Wir treten ein für die Rettung des Vaterlandes, für das deutsche Volk, dessen Sache die unsere ist, nicht aber für die Politik einer Regierung, die sich noch immer nicht von ihren alten Formen, ihren ewigen Erwägungen und endlosem Zögern losmachen kann. Nur junge, Menschen werden imstande sein, das Reich auf die Füße zu stellen, um neue Bahnen zu betreten, nicht Leute, die ängstlich fragen, ob sie das annehmen dürfen, was schon vor 60 Jahren gegolten hat, ob das nicht etwa zu neu ist(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten). Unsere Generale an der Front stellen nicht erst lange Erwägungen an, wenn es gilt, feindliche Stellungen zu nehmen. Das Geheimnis der Siege liegt in dem Willen zum Siege, und in dem Willen zu Reformen liegt das Geheimnis aller Möglichkeiten einer neuen Politik. Wir haben diesen Willen, haben auch Sie ihn!(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten). Abg. Dr. Kerschensteiner(Vp.) wendet sich gegen den Autrag auf Streichung des Jugendlichen⸗Paragraphen, öffentliche politische Versammlungen seien der Jugend nicht angemessen. a während. 8 v. Zedlitz ungeniert darüber sprechen und schreiben dürfen. hört! Damit schließk die Aussprache. Die Anträge der Kommission werden gegen die Stimmen der Rechten angenommen, gegen die Streichung des Jugendlichen⸗ 5 stimmen auch die Nationalliberalen und die Volks⸗ partei. Hierauf werden in dritter Lesung die Kommissionsanträge gegen die Stimmen der Rechten und der Nationalliberalen an⸗ genommen. Pressezensur und Belagerungszustand. Abg. Fischer⸗Berlin(Soz.): Die von der Regierung seinerzeit ausgesprochene Hoffnung, sie werde den Belagerungszustand bald aufheben können, hat sich nicht erfüllt. Soll vielleicht die Gewalt in den Händen der Militär⸗ verwaltung bleiben, bis der letzte Soldat wieder aus dem Felde zurückgekehrt ist? Das Vereins⸗ und Versammlungsrecht ist heute nahezu aufgehoben, und das schlimmste ist, daß dabei mit zweierlei Maß gemessen wird. Konservative und Nakionalliberale dürfen ihre Kriegsziele in öffentlichen Versammlungen erörtern, die Sozialdemokraten nicht einmal in geschlossenen Mitgliederversamm⸗ lungen.(Hört! hört!) Sogar die Manuskripte der Vorträge müssen 7 Tage vorher der Polizeibehörde eingereicht werden. Das ist ein unwürdiger Zustand für ein Volk, das in nie gesehener Einigkeit mit Gut und Blut gegen die Feinde zusammensteht. (Beifall.) Ein ganz besonderer, mit dem Belagerungszustand ver⸗ bundener Uebelstand ist die Praxis der sogenannten„Schutzhaft“; solche Verhaftungen sind auch wegen angeblichen Landesverrats, begangen in einem Flugblatt, über einige unserer Parteigenossen verhängt worden. In Uebereinstimmung mit der gesamten Fraktion kann ich erklären: der Gedanke, im Interesse des feindlichen Aus⸗ landes die Interessen des eigenen Landes schädigen zu wollen, hat jedem dieser Verhafteten vollkommen ferngelegen.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Handhabung der Zensur hat sich geradezu zu einer Drangsalierung speziell der sozialdemo⸗ kratischen Presse ausgewachsen. Der„Vorwärts“ wurde für drei Tage verboten, weil versehentlich ein Stempel der Zensur nicht beachtet war. boten, der ihr vom Auswärtigen Amt zugegangen war. Der„Täglichen Rundschau“ wurde ein Artikel ver⸗ (Heiter⸗ keit.) Einen Artikel des Generalleutnants von Stein durfte sie zwar veröffentlichen, nicht aber den Namen des Autors nennen. Die Zensur nimmt Aenderungen vor, die den Sinn geradezu ent⸗ stellen. Artikel, die von der Oberzensur genehmigt waren, wurden vom Oberkommando verboten. Anfangs hatte die Regierung ver⸗ sichert, es solle nur eine militärische, keine politische Zensur statt⸗ finden. Tatsächlich haben wir fast ausschließlich eine politische Zensur, man kann geradezu sagen,„was man sonst nicht kon⸗ trollieren kann, das sieht man als militärische Angelegenheit an.“ (Sehr gut!) Mit befonderer Schärfe ist man in Rheinland⸗West⸗ falen von Anfang an gegen die sozialdemokratische Presse vor⸗ gegangen. Ueber Kriegsziele darf der„Vorwärts“ nicht schreiben, die Herren Bassermann, Fuhrmann, Stresemann, Der „Vorwärts“ ist wegen der Kundgebung unserer Partei„Sozial⸗ demokratie und Frieden“ verboten worden, aber die Stellung der nationalliberalen Partei zu den Kriegszielen konnte am gleichen Tage in der Berliner Presse ruhig veröffentlicht werden.(Hört! bei den Sozialdemokraten.) Man muß wahrhaftig die Offiziere bedauern, die, während draußen im Felde Weltgeschichte gemacht wird, in den Schreibstuben das Amt des politischen Nach⸗ richters ausüben müssen. Sie begeben sich dabei direkt aufs politische Gebiet. Dem„Vorwärts“ wurde eine Polemik gegen die „Post“ verboten, die gegen unseren verstorbenen Genossen Jaurès einen Artikel niedrigster Art veröffentlichte, der mit den Worten schloß:„Jaures schmierte und ließ sich schmieren.“(Lebhafte Pfuirufe bei den Sozialdemokraten.) Derartige Gedanken sind nur bei der„Post“ verständlich, denn es gibt kein Blatt, das in gleicher Weise von den Scharfmachern ausgehalten würde.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ein besonderer Mißbrauch der Zensurgewalt ist, daß weiße Stellen verboten werden, daß die Redakteure gezwungen werden, Verbindungen zwischen den gestrichenen Stellen herzustellen, durch die der Sinn geradezu ins Gegenteil verkehrt wird. Der Görlitzer Zensor sagt, es geschähe aus ästhetischen Gründen.(Heiterkeit. Dieser Zensor, ein junger Stadtrat, zwang unser Görlitzer Blatt bei einer vollkommen zutreffenden Notiz, die es aus dem„Textil⸗ arbeiter“ übernommen hatte, zu einer der Wahrheit durchaus widersprechenden Berichtigung.(Abg. Stadthagen[Soz.]: Im Interesse der öffentlichen Sicherheit!) Es ist eine geradezu schänd⸗ liche Zumutung.(Vizepräsident Dove rügt den Ausdruck.)— Der kommandierende General v. Vietinghoff in Stettin verbot Artikel mit der Begründung, sie erörterten die sozialdemokratischen Ziele. Aber nur die Art der Erörterung unterliegt der Zensur. Was sagt die Regierung zu dieser Verhöhnung ihrer feierlichen Zusage. Auch die Berliner Zensur leistet sich dasselbe. So verbot sie die Wiedergabe eines Vortrages unseres Kollegen Molkenbuhr über das Thema:„Was haben wir für den Frieden und die Volks⸗ ernährung getan,“ in dem für die Parteifunktionäre bestimmten „Mitleilungsblatt“, lediglich, weil neben der Betonung der Pficht der rückhaltlosen Verteidigung des Vaterlandes auch die sozial⸗ demokratische Weltanschauung zum Ausdruck gebracht war.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Am brutalsten tritt dieser Kampf gegen die Sozialdemokratie in Rheinland⸗Westfalen in die Erscheinung. So wurde ein Brief aus dem Felde, das Ver⸗ mächtnis eines Gefallenen, gestrichen, lediglich, weil die sozial⸗ demokratische Weltanschauung darin zum Ausdruck gebracht war. Ganz willkürlich ändert der Zensor auch den Text, selbst wenn er den gedanklichen Inhalt bestehen läßt; seine Umformung läßt die Vermutung zu, daß er als Nationalliberaler eine Freude an poli⸗ tischer Kastration hat.— Auch der Ton im Verkehr der Zensur mit den Redaktionen ist oft im höchsten Grade unangemessen. Natürlich streicht der Zensor auch alle Stellen, in denen davon die Rede ist, daß wenigstens im Reichstag, unbehindert von der Zensur, ein freies Wort gesprochen werden kann. Aber daß dies hier im Reichstag geschieht, kann der Zensor nicht verbieten und aus der Welt schaffen.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) — Ein verständiger Erlaß des preußischen Ministers des Innern sgat ausdrücklich, den Plattenzeitungen sollen nicht unnötige Schere⸗ reien gemacht werden. Trotzdem ordnet der Lokalzensor an, daß kein Wort durch Sperr- oder Fettdruck hervorgehoben werden darf. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Der Görlitzer Zensor bringt es fertig, einen Artikel zu streichen, der die Freude und Zustimmung zur Friedenskundgebung des Papstes zum Ausdruck bringt; er verbietet, zu sagen, daß gerade bei den Proletariern diese Worte auf fruchtbaren Boden fallen werden.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Der Zensor in Kattowitz strich den Satz, daß die Arbeiter sich gegen Lohndrückerei wehren müssen (Hört! hört!), ebenso, daß die Bäcker sich nach Einführung des Nachtbackverbots gewissermaßen erst als Menschen fühlen. Solche Handhabung muß in Arbeiterkreisen die Empfindung erwecken, daß die Zensur nur den Zweck hat, das Sozialistengesetz, die alte Polizei⸗ willkür, wieder aufzurichten.(Lebhafte Zustimmung bei den Sogial⸗ demokraten.) Das Reichsamt des Innern hat angeblich in einem Erlaß gesagt, falls die Besprechung der Lebensmittelteuerung einen zu politischen Charakter annimmt, solle sie als militärische Frage der Zensur unterstellt werden.(Hört! hört! links.) Die Folge waren natürlich förmliche Orgien der Zensur, die jede Besprechung der Teverung e Es handelt sich hier nicht um einzelne Mißgriffe, sondern um eine Erscheinung, die das gange Zenfurwesen üb r Geibiß, gibt es auch jektibe Zenf⸗ ben, leider hegecne maß f Ein Volk, so einig, so opferbereit; eine Pre se, den h 30 dienen, sollten sich nicht länger d unwürdigen Maulkorb der Polizeizensur gefallen 11 8 hafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Darum 12 80 wir die Aufhebung der Zensur und des Welager ran cee 3 2 Regierung kann sich nicht der Tatsache verschließen. ß; die j Handhabung der Zensur in letzter Linie eine Fronde N Regierung ist.(Sehr richtigl bei den Sozialdemokraten. 5 denn unsere feldgrauen Krieger alle Anstrengungen so im Vaterland die alte Polizeiwillkür weiter z a das die neuen Bahnen fein, von denen der Kaiser gesprochen, das die Freiheiten, die der Kanzler meinte? Wir bedanken uns dafür; wir haben das Recht, allen anderen Parteien gleichgestellt und nicht unter ein Ausnahmegesetz gestellt zu werden.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdmeokraten.) 1 Staatssekretär Dr. Delbrück: Ich bestreite mit aller Ent. N die Arbeiterklasse während des Krieges anders als andere Volkskreise. Es wäre das auch eine Es, wird absolut paritätisch ver⸗ Sozialdemokraten.) Daß man zu den e, e N d Ff ile des Volkes beschränken zu können, ges. i oder auf einzelne Tei. 2 1 Spionage, bei den An⸗ ertragen? Sollen der Machtvollkommenheit der kommandierenden Generale getroffe⸗ nen Maßnahmen. Gewiß wäre die eine oder andere Maßnahme besser unterblieben. Wenn vereinzelt die Auswahl der Zensoren nicht glücklich war, so ist Abhilfe geschaffen worden. Die Schwierig ⸗ keiten beruhen auf der mangelnden Einheitlichkeit. Auch mir passiert es, daß Anordnungen von kommandierenden Generalen getroffen werden, die nach meiner Ansicht in mein Ressort über greifen, und die ich vielleicht anders geordnet hätte. Aber gerade Sie(zu den Sozialdemokraten) haben mir wiederholt das warme sozialpolitische Verständnis der preußischen Generale angeführt (Heiterkeit rechts). Zur Vereinheitlichung der Zensur ist nach höch⸗ ster Kabinettsorder ein Kriegspresseamt eingerichtet worden, das auch die Zensoren auf dem laufenden über die Ziele unserer Politik halten soll; auch soll es mit der Presse in engerer Fühlung stehen. Neben der Vereinheitlichung der Zensur erwarten wir davon eine Verbesserung des Verhältnisses zwischen ihr und der Presse. Wir wünschen dies um so mehr, als wir der großen Mehrheit der ge samten deutschen Presse ohne Unterschied der Parteien das Zeugnis ausstellen können, daß sie nach bestem Wissen und Gewissen bestreht gewesen ist, sich in den Dienst des Vaterlandes zu stellen.(Be Ich stelle das ohne Einschränkung fest und hoffe, daß die guten Be⸗ ziehungen zwischen der Presse, der Regierung und ihren 5 durch diese neue Einrichtung noch verbessert werden.(Beifall.) Abg. Dr. Obkircher(natl.) Schon gegenüber dem Ausland soll⸗ ten wir den Eindruck vermeiden, als ob wir allzuviel zu klagen hätten. Gewiß ist das Gesetz über den Belagerungszustand ver⸗ altet, seine Verbesserung kann aber nur im Frieden vorgenommen werden. Allerdings sollte man nicht für kleine Vergehen, die Her⸗ stellung von Schlagsahne im Haushalt, Gefängnisstrafen verhängen Deshalb beantragt die Haushaltskommission eine entsprechende „ des Gesetzes, der ich auch die Regierung zuzustimmen 5 nen Staatssekretär Dr. Lisco: Ich bin gern bereit, die Annahme 5 l des vorliegenden Antrags zu empfehlen.(Beifall) 3 Ein Schlußantrag wird gegen die Stimmen der Sozialdemo⸗ 4 kraten angenommen. 5 Abg. Dittmann(Soz.)(zur Geschäftsordnung): Durch diesen illohalen Schlußantrag(Präfident Dr. Kaempf ruft den Redner wegen dieses Ausdrucks zur Ordnung) bin ich ven“ hindert, die berechtigten Beschwerden aus Rheinland⸗Westfalen vo zubringen. Ich habe den Eindruck, daß man dem Lande die Waß heit verbergen will.(Unruhe.) in vielen Fällen Geld⸗ und Haftstrasen e 5 Die Anträge der Kommission werde nommen. Schiffer(natl.), der Gerd.— Stelle der Gefängnisstrafe setzen will, wird angenommen. Als der Präsident die dritte Lesu 5 ill, meldet 1 Abg. Dittmann(Soz.) zum Wort. ee ee 1 Abg. Bassermann(natl.) erhebt hierau⸗ derspruch gegen sofortige Vornahme der dritten a 1 Der Antrag Albrecht und Genossen⸗ Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, dahi Ele, daß der Belagerungszustand au 5 ben insb fonder⸗ 75 die Freiheit der Presse wieder Jede 1 5 wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt. Es folgt die Beratung eines Antrags Erzb 1974 2 2 2 g 2* Gesetzentwurf vorschlägt, wonach die Famirienuntersec eng dreier Monate über den Zeitpunkt hinaus weiter gewährt wird, von dem an Hinterbliebenenrente gezahlt wird. 5 Abg. D 8 ˖ 3 Stadthagen ve(ö)) wendet sich gegen die gestrige Rede des l. Abg. Stadthagen(Soz.) betont demgegenüber, daß der Antrag Erzberger Verbesserung des bestehenden Zustandes bedeute, da nach einen Re 5 ö dem zahlung der vollen Kesegsunkerstäzung auch bei Sars stehenden Gesetz jede Witwe Hinterbliebenenrente habe. 1 Rercheschagser eta Dr. 5 daß der Antrag Erzberger eine gan 9 N % 3 A sicher. Der g. Stadth 15 2 N einem fetten Vergleich gigen scheint einen mageren . Der Antrag Erzberger wird i i dritt Lesuuge i stimmig a. 8 1 Staatssekretär Dr. Delbrück verli ö 5 1 90 durch die der Reichstag l ird. P Zeitpi Helfferich: Auch ich alpen er r ²˙rñX r ee e.. 4 1 8. A* A NN SDK N enn — Hessen und Nachbargebiete. ö Gießen und Umgebung. 0 — Was geht's ihn an? In der Mittwochs⸗-Nummer Anseres Blattes brachten wir unter der Ueberschrift:„Uner— freuliches aus städtischen Betrieben“ einen Artikel, der sich mit den in städtischen Werken zutage getretenen Mißständen befaßte. Daß der in Form und Inhalt durchaus sachlich ge⸗ haltene Artikel berechtigt war und die Mißstände im Gas— werk und Klärbecken richtig schilderte, ist uns von einer ganzen Reihe in städtischen Betrieben beschäftigter Arbeiter bestätigt worden. Wir waren daher nicht wenig erstaunt, als uns am Freitag morgen Herr Wohlmuth seine Miß— billigung über den Artikel aussprach und uns nahelegte, vor der Veröffentlichung solcher Notizen genaue Informationen einzuholen. Daß das geschehen ist, und zwar gründlicher, wie das oft Herr Wohlmuth zu tun pflegt, halten wir für überflüssig zu sagen. Uns wundert nur, wie ausgerechnet Herr Wohlmuth dazu kommt, sich mit solchem Eifer für die städtischen Beamten ins Zeug zu legen. Hatten die Herren Ursache, gegen unseren Artikel etwas zu sagen, dann war es ihre Sache, das zu tun, und wir versichern, daß sie in unserem Blatt in ganz ausgiebiger Weise zu Wort gekommen wären. Aber gerade weil sie das nicht taten, werden wir in der Auffassung bestärkt, daß die Angaben in unserem Artikel richtig sind. Damit fehlt aber auch für Herrn Wohlmuth jeder Grund, sich zum Adlatus des städti⸗ schen Gaswerksdirektors zu machen, wie er das schon früher, und manchmal in etwas widerlicher Weise, bei dem verflosse— nen Oberbürgermeister getan. Uebrigens wird sich wohl unser Gewährsmann noch zu der Sache äußern. — Aushang der Fleischpreise. Auf Grund einer Be— kanntmachung des Gießener Polizeiamts vom 26. August müssen von diesem Tage ab in allen öffentlichen Verkaufs- stellen, in denen Fleisch oder Wurst feilgehalten wird, die Preise auf einem vom Polizeiamt gestempelten Aushang kenntlich gemacht werden. Die Preise können jeweilig ge— ändert, müssen aber stets vor dem Aushang der Polizeibe⸗ hörde zum Abstempeln vorgelegt werden. Außerdem ist in jedem Lokal an einem leicht zugänglichen Platz eine Wage aufzustellen, wo dem Publikum Gelegenheit gegeben ist, die gekauften Waren nachwiegen zu können. Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Wehrmann Alfred Lerch aus Bieber bei Rodheim, Inf. Regt. 99.— Leutnant Theodor Trautig aus Reiskirchen bei Wetzlar, Inf.⸗Regt. 116.— Musketier Fritz Heck aus Vießen, Inf.⸗Regt. 168. — Zum Einkauf von Speisekartoffeln schreibt uns ein genauer Kenner der Verhältnisse: Nach den von mir angestellten verläß⸗ lichen Erhebungen erscheint es ratsam, mit der Deckung des Bedarfs in Speisekartoffeln zurückzuhalten und vorerst nur kleinere Mengen anzuschaffen. Die Ernte ist durchschnittlich gut. Wenn auch frühe Sorten nicht überall reich tragen, gleichen späte Sorten diesen Minderertrag aus. Dann stehen die Kartoffeln in der Wetterau und im Vogelsberg prachtvoll, sodaß die Bewohner jener Gebiete von vornherein als Käufer ausscheiden. Wir haben mit wesentlich billigeren Preisen zu rechnen.— Diese Ansicht deckt sich uch mit Nachrichten, die aus anderen Gegenden kommen. ö — Gegen die Preistreibereien. Die Bekanntmachung des Bundesrats vom 23. Juli 1915 gewährt die Möglichkeit, gewinn⸗ süchtige Preistreibereien gerichtlich zu bestrafen. Einen fühlbaren Einfluß auf die Marktlage wird diese Bestimmung aber nur ge⸗ winnen, wenn daraufhin gerichtliche Bestrafungen in größerem Um⸗ fange wirklich erfolgen. Hier bietet sich für die Bevölkerung eine Möglichkeit, ihrerseits zur Bekämpfung zu hoher Preise mitzu⸗ wirken. Ja, sie hat die Pflicht, in dieser Hinsicht das Ihre zu tun; sie darf sich nicht auf Klagen beschränken und alles übrige den Be⸗ hörden überlassen. Die Fälle, in denen zwecks übermäßigen Ge⸗ winnes unangemessen hohe Preise gefordert oder Bedarfsgegen⸗ stände aus Gründen der Preistreiberei zurückgehalten werden, müssen den zur Entgegennahme von Strafanzeigen zuständigen Be⸗ hörden(Polizei, Staatsanwaltschaft, Gericht) auch wirklich zur An⸗ zeige gebracht werden, damit Untersuchung und gegebenenfalls Be⸗ strafung eintreten kann. Dazu ist nötig die genaue Angabe des Tat⸗ bestandes, der Person des Verkäufers, der geforderten Preise und der Zeugen. Durch dergestalt begründete Anzeigen ihrerseits zur Bekämpfung von Preistreibereien mitzuwirken, ist, wie gesagt, Pflicht der Bevölkerung; wer diese Pflicht versäumt, hat kein Recht zu klagen. — Die neue Reichsanleihe. Es wird mitgeteilt, daß die eben be⸗ willigten 10 Milliarden Kriegsanleihe diesmal nur in Form von Reichsanleihen aufgelegt werden, d. h., daß kurzfristige Schatzan⸗ weisungen diesmal ausfallen. Zu welchem Kurs die Reichsanleihe aufgelegt wird, steht noch nicht fest. Das Reichsbankdirektorium gibt bekannt, daß an die Zeichner der zweiten Kriegsanleihe wieder ein Teil der Reichsanleihescheine ausgegeben worden ist. Der Rest soll bis Ende Oktober zur Verteilung kommen. Die Zeichner werden gebeten, Geduld zu haben, da die Herstellung und Ausfertigung von annähernd sieben Millionen Schuldverschreibungen und Schatz⸗ unweisungen außergewöhnlich große Arbeit erfordere. — Zusammenstoß. In den Neuen Bäue rannte am Freitag nachmittag ein Radfahrer mit einem Schreinerlehrling, der einen großen Spiegel trug, derart zusammen, daß beide zu Fall kamen und der Spiegel in Trümmer ging. — Promenadenkonzert. Für das am Sonntag den 29. August, bormittags 11½ Uhr, in der Südanlage stattfindende Promenaden⸗ konzert, ausgeführt von der Kapelle des Landsturm⸗Infanterie⸗ Ersatz⸗Bataillons Gießen, ist folgendes Programm vorgesehen: 1. Choral„Wie schön leuchtet der Morgenstern“. 2. Ouverture zur Oper„Die Entführung“ von W. A. Mozart. 3.„Das Bild der Rose“, Lied für Posaune, von G. Reichhardt. 4. Liebeswalzer von C. M. Ziehrer. 5.„Musikalisches Allerlei“, Potpourri, von B. Wil⸗ helm. 6.„Unter der Friedensflagge“, Marsch, von J. Novowieski. Tagesbericht hes Großen Hauptguartierz. Abgewiesener Vorstoß in den Vogesen. Die Festung Olita besetzt. W. B. Großes Hauptquartier, 27. Aug., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. In der Champagne und auf den Maashöhen wurden französische Schanzanlagen durch Sprengung zerstört. In den Vogesen wurde ein schwacher französischer Vorstoß leicht abgewiesen. ö Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls „ 5 v. Hindenburg. Die Gefechte bei Bausk, Schönberg(füdwestlich von Mitau) und in der Gegend östlich von Kowno dauern an. 2450 Russen sind gefangen, 4 Geschütze und 3 Maschinen⸗ gewehre erbeutet. Südöstlich von Kowno wurde der Feind geworfen. Die Festung Olita ist von den Russen geräumt und von uns besetzt. Weiter südlich sind die deutschen Truppen gegen den Njemen im Vorgehen. Der Uebergang über den Berezowka-Abschnitt(östlich von Ossowiec) ist erkämpft. Die Verfolgung ist auf der ganzen Front zwischen Suchowola(an der Berezotka) und in dem Bealo-Wieska-Forst im Gange. Am 25. und 26. August brachte die Armee des Generals von Gallwitz 3500 Gefangene und 5 Maschinengewehre ein. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Die Heeresgruppe verfolgt; ihr rechter Flügel kämpft um den Uebergang über den Abschnitt der Lesna-Prawa (nordöstlich von Kamieniec⸗Litowsk). 9 Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen. Nordöstlich von Brest⸗Litowsk nähern sich unsere Truppen der Straße Kamienic⸗Litowsk⸗Muyszezyce. Südöstlich von Brest⸗Litowsk wurde der Feind über den Ryta⸗Abschnitt zurückgeworfen. Oberste Heeresleitung. 8 Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Die Russen in vollem Rückzug. Wien, 27. Aug.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: 27. August 1915: Russischer Kriegsschauplatz. Die bei Brest⸗Litowsk geschlagenen russischen Armeen sind in vollem Rückzuge beiderseits der nach Minsk führenden Bahn. Die Truppen des Erzherzogs Josef Ferdinand rückten gestern zu Mittag durch die brennende Stadt Kamieniec⸗Litowsk an der Lesna. Deutsche Streitkräfte verfolgen von West und Süd in der Richtung auf Kobrin.. Bei Kowel, bei Wladimir⸗Wolynskij und in Ostgalizien nichts Neues. Italienischer Kriegsschauplatz. Auf dem italienischen Kriegsschauplatze fanden gestern nur bei Flitsch Kämpfe von einiger Bedeutung statt. Hier wiesen unsere Truppen einen feindlichen Angriff auf ihre Talstellungen zurück. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnant. 8 Was werden die Russen tun? T. U. Rotterdam, 27. Aug. Daily Mail erhielt aus Petersburg eine salbamtliche Meldung, in der sich einige Andeutungen über die nächsten Pläne der Russen befinden. Diese sollen darin bestehen, eine geeignete Stellung auszu⸗ wählen, in der sie sich behaupten können, bis genügender Nachschub von Mannschaften und Munition eingetroffen sein würde. Es dürfe sich als notwendig erweisen, eine befestigte Defensivfront, ähnlich der französisch-englischen im Westen, zu schaffen. Zu diesem Zwecke werde die russische Regierung zahlreiche Arbeitskräfte aufbieten. Man hofft mit Hilfe von Hebel und Schlamm die Wege unbrauchbar zu machen und den Gegner aufzuhalten, bis die Verteidigungsfront fertig⸗ gestellt ist. Es scheint, daß zu diesem Zwecke der russischen Heeresleitung französische Offiziere beigegeben werden sollen. Minsk von den russischen Zivilbehörden bereits geräumt? T. U. Wien, 27. Aug. Die dem polnischen National⸗Komitee nahestehende Petrikaner Zeitung Dziennik Narodowy meldet, daß die russischen Zivilbehörden Minsk bereits geräumt haben. Große Vorbereitungen der Russen in Bessarabien. T. U. Bukarest, 27. Aug. Seit drei Tagen werden auf den russischen Eisenbahnlinien außerordentliche Maßnahmen getroffen. Die aus dem Innern des Reiches nach Bessa⸗ rabien abgehenden Züge werden bis Kischinew von Truppen begleitet. Die Reisenden dürfen die Waggons nicht ver⸗ lassen. Die Eisenbahnwagen sind verschlossen und die Fenster durch Vorhänge verdeckt. Diese Maßnahmen werden damit in Verbindung gebracht, daß die Russen in Bessarabien große Vorbereitungen treffen. Das Urteil von Neutralen. Ein Schweizer Urteil: Zu dem Fall der russischen Festungen bemerkt die Neue Zürcher Zeitung: Dieser Elan und dieses Draufgänger⸗ tum im guten Sinne des Wortes, die Stellung auf Stellung, Festung um Festung im Sturme greifen, sind das Resultat einer großzügigen und deutlich ineinandergreifenden Führung und gegenseitigen Vertrauens. Dadurch entsteht der feste Glaube an die eigene Unbesiegbarkeit und den endlichen Sieg, der einst das Heer des alten Fritz von oben bis unten beseelt hat. Er ist aber auch das Ergebnis einer langjährigen zielbewußten militärischen Ausbildung und Erziehung des ganzen Volkes, die den kategorischen Imperativ der Pflicht weit über alle Exerzier⸗ künste gestellt haben. Darum ist es dann wieder möglich, unter anderen Umständen, wie z. B. an der Westfront, todesmutig auf den anvertrauten Posten auszuharren, durchglüht von dem einzigen Gedanken, den Prinz Friedrich Karl in die Worte gekleidet:„Herr, wo befiehlst Du, daß ich sterben soll?“ Dieser moralische Schwung, diese sittliche Begeisterung, dieses unbegrenzte Vertrauen sind dort nicht zu schaffen, wo planmäßiges Zurückweichen zur obersten Regel der Führerkunst wird. Norwegische Stimmen: Tidens⸗Tegn schreibt u. a.: Täglich meldet der Telegraph neue deutsche Siege und neue russische Niederlagen. Nichts über- rascht bald mehr. Daß diese Festung aber so schnell fallen würde, hatten nur die allerwenigsten erwartet. Vielleicht wird der Name Beresina nochmals auf blutroten Blättern in die Kriegs⸗ eschichte eingeritzt, es ist nur die Frage, ob auf eine für die Russen fo befriedigende Weise wie 1812 ftenposten schreibt: In dieser Zeit der Massenniederschlachtung russischer Festungen ist man leicht geneigt, eine Kapitulation zu unterschätzen. Es bleibt nur noch die Festung Grodno, deren Tage gezählt sind, übrig, dann haben die Deutschen reinen Tisch gemacht. Verdens Gang schreibt: Der Fall dieser Riesenfestung muß die meisten über⸗ raschen, da man erwartete, daß sie für längere Zeit der Mittel⸗ unkt heißer Kämpfe hätte werden müssen. Der Fall hat nicht ent⸗ cheidende Bedeutung, sofern nicht in Betracht gezogen wird, daß die Deutschen bald als sekundäres Ziel ihrer Offensive eine starke Verteidigungslinie mit schwachen Kräften halten und so die Haupt⸗ kräfte zur Anwendung auf andern Kriegstheatern frei⸗ bekommen. Aus der holländischen Presse: Der Nieuwe Rotterdamsche Courant führt aus: Die Russen haben ihre„Große Linie“ und„Hauptentsaltungslinie“ nach ganz kurzem Widerstande, der nur eine Episode des allgemeinen Rlickzuges gewesen ist, fahren lassen, und von einer„französtsch⸗eng⸗ lischen Aktion, die den Druck auf die russische Front vermindern soll“, hat niemand etwas gemerkt. Nur die Italtener haben gewaltige Angriffe gemacht, ohne daß dieses Werk für sie selbst, ge⸗ schweige denn für die Verbündeten, irgend einen Erfolg von Be⸗ deutung gehabt hätte. Dieses Ausbleiben der Hilfe der Verbündeten ist übrigens eine der düstersten Tatsachen in der Entwick⸗ lung der Kriegsoperationen der letzten Monate, wenn man die Vor⸗ gänge vom Standpunkt der Entente aus betrachtet. Nieuws van den Dag schreibt in einem Leitartikel über den Fall von Brest⸗Litowsk: Das Staunenerregende an dem Fall der Festung ist, daß es so unerwartet gekommen ist. Brest⸗Litowsk ist nicht belagert und kaum bestürmt worden. Der Platz fiel wie Warschau den Angreifern als eine reife Frucht in den Schoß. Die vortreffliche Strategie der deutschen An⸗ führer hat diesen Erfolg zustande gebracht. Sieht man von Grodno ab, einer Festung zweiten Ranges und Rowno im Sliden, dann liegt nunmehr das westliche Rußland den Deutschen und Oesterreichern offen. Das dänische Urteil: Politiken schreibt in einem Leitartikel: Durch den Fall von, Brest⸗Litowsk verlor Großfürst Nikolaf das Zentrum seiner zweiten Verteidigungs linie. Brest⸗Litowsk war der wichtigste russische Eisenbahnknotenpunkt. Nach dem Fall der Weichsel⸗ linie ist zwar die Bedeutung Brest⸗Litowsk al Eisenbahnzentrum in letzter Zeit gesunken, indem die Deutschen mit festem Griff sowohl die nach Norden gehende Bahn bei Bjelsk als die nach Süden gehende bei Kowel bekommen haben, aber nach hinten gingen noch Bahnen. Brest⸗Litowsk ist schwer mit großen Truppenmassen zu räumen. Hinter der Stadt sind die gewaltigen Rokitnosümpfe, doppelt so groß wie ganz Dänemark, ohne Wege und mit einer ein gleisigen Bahn, zie nur einen geringen Verkehr ermöglicht. Der Rückzug ist nur nordöstlich längs der Bahn über Minsk nach Moskau möglich. Außer der Bahn sind noch zwei Hauptlandstraßen vorhanden, aber auch auf ihnen ist der Rückzug überaus schwierig. Das russische Heer leidet jetzt nicht nur an Munitionsmangel, sondern auch die moralisch⸗ Kampfkraft ist stark erschüttert. 6 Der Erfolg eines deutschen U-Bootes. Eine mißlungene„glänzende Tat“. Berlin, 27. Aug.(W B. Amtlich.) Am 16. August vernichtete eines unserer Unterseebvote eine bei Harrington an der Irischen See liegende Benzolfabrik einschließlich des Benzollagers und der dazu gehörigen Koksöfen durch Geschützseuer. Die Werke flogen mit hoher Stichflamme in die Luft. Die seinerzeit in der englischen Presse aufge⸗ stellte Behauptung, daß das Unterseeboot die offenen Städte Harrington, Parton und Whitehaven beschossen habe, ist un⸗ zutreffend. Dasselbe Unterseeboot wurde am 15. August in der Irischen See von einem großen Passagier⸗ dampfer, anscheinend der Royal Mail Steam Packet Comp. angehörig, auf weite Entfernung beschossen, obwohl es ihn nicht angegriffen hatte. Es wird ausdrücklich festgestellt, daß der Angreifer von dem Geschütze also zum Angriff, nicht etwa zur Verteidigung Gebrauch machte.— Die englische Admiralität gab am 27. August bekannt, daß ein deutsches Unterseeboot vor Ostende durch ein englisches Marineflugzeug vollständig zerstört und zum Sinken gebracht worden sei. Diese Nachricht ist unzutref⸗ fend. Das Unterseeboot wurde von dem Flugzeuge zwar angegriffen, aber nicht getroffen. Es ist unversehrt in den Hafen zurückgekehrt. 4 Der stellvertretende Chef des Admiralstabs der Marine: (gez.) Behncke.* Die zerstörte Benzolfabrik ist eine der größten Englands und für die englische Sprengstofferzeugung von umso höherem Wert, als es nur wenig derartige Werke in England gibt. Die italienischen Sozialisten gegen den Krieg mit der Türkei. Die Parteileitung der italienischen Sozialdemokratie hat zur Kriegserklärung Italiens an die Türkei in einem Aufruf Stellung genommen, dessen Veröffentlichung durch die Presse aber von der Zensur verboten wurde. Nicht einmal eine Mitteilung über das Publikationsverbot durfte erfolgen. Die Parteileitung erklärt, laut Berner Tagwacht, in einem Aufruf, der neue Krieg sei als Frucht des willkürlichen Gebrauchs der der Regierung aus Anlaß des Krieges gegen Oesterreich übertragenen Blankovollmachten und als Ausfluß einer absolutistischen Tendenz des gegen⸗ wärtigen Ministeriums anzusehen, dessen Verantwortlich⸗ keiten gegenüber der Geschichte und den tatsächlichen Bedürfnissen des italienischen Voltes immer größer und schwerer würden. Der türkische Tagesbericht. Konstantinopel, 27. Aug.(W. B. Nichtamtlich.) Das Große Hauptquartier meldet: An der Dardanellenfront er⸗ eignete sich am 26. August außer zeitweise aussetzendem Ge⸗ schütz⸗ und Gewehrfeuer bei Anaforta nichts. Bei Seddül⸗ Bahr zerstörte die Artillerie des linken Flügels einen Teil der feindlichen Schützengräben. Auf den übrigen Fronten hat sich nichts verändert. Vom Balkan. Aus Bulgarien. Paris, 26. Aug. Der Petit Parisien veröffentlicht ein Telegramm seines Korrespondenten, wonach innerhalb 10 bis 15 Tagen in Bulgarien bedeutende militä⸗ rische Bewegungen vorgehen dürften. Griechenland und Serbien. Nach einer Sofioter Meldung der Seara wird auch in amtlicher; Form bestätigt, daß der griechische Gesandte in Nisch den Minister⸗ präsidenten Paschitsch aufsuchte und ihn verständigte, daß, wenn Serbien die Forderungen der Entente erfülle, Griechenland den zwischen Serbien und Griechenland bestehenden Vertrag, wonach beide Staaten einander im Falle eines bulgarischen An⸗ griffes unterstützen, für ungültig erklären werde. Ferner wird bestätigt, daß der griechische Gesandte sich auch be⸗ mühte, Paschitsch davon zu überzeugen, daß es im Interesse Serbiens gelegen wäre, mit Oesterreich-Ungarn einen Sonderfrieden abzuschließen. Nach bulgarischen Blättern habe Paschitsch unter dem Eindruck der Aktion des griechischen Gesandten die Uebergabe der Antwort auf die Entente-Note verschoben, weil er sich noch 5 0 Reichhaltiges Böger in Nöre, D. Kuminka, Gießen Gießen u. Umg. und des Eien⸗ darüber orientieren wolle, ob auch Veniselos diese Auffassung Gold- und Sitbderwaren. Markiplatz ll. bahn ⸗Konsumvereins. der früheren griechischen Regierung teilt. Lleferant des Konsum- Vereins — Nan 5 41 ft von dessen 1 Bekanntmachung.„under heiler An die Einwonerscha. 5. Die Beiträge zur land⸗ und forstwirtschaftlichen Werne n 29. August 1915, nachmittags prä 0 schaft des Großh. Hessen für das Jahr 1914 können in den 5 gahlt sof sucht 9 Sonntag, den 2 ersität——————ĩ 110 acht Tagen noch ohne Mahnkosten an die Stadtkasse Gießen beze e e Wiederstein in der neuen Aula der Univ 0 wegen den 26. August 1915 Lang& Wiederstein. 4 75 1 5 Der Stadtrechner. 2 7 1 — Tae ellentfiche Versammlung 4 2 5 1 Bekanntmachung 14. 25 8 1 lienunterstützungen für is 15. 2 1 1 über:. ö g doceden der zum Heeresdienst Einberufenen 1 Or 0 nig 2 15 ent 55 egen eine nber. 1 0 3) Reichs⸗ und ae,, garantiert rein, 1 Was können die Konsumen 5 2 ung tunꝰ 15 An diejenigen, deren Namen begin 55 lich wohlschmeckend und be- ler 2 15 1 7 ee den 0 eentich, dureh grossen Absatz eee 715 des Kllegsausschusses für Kon- 1 0 ö 00 b) Städti g mae een ere schuh Aneoop ö ih Berichterstatter: Herr Meinig, 1 0 A Rau Bucksath auß 5 An diesengen, 5 J Saee a 5, r Aussgrs 1. 0 ue een in Frankfurt a W Eintritt freil 0 8 den 4. September 5. 1 7 i 1 1 1 Die eden 100 81 Uhr vormittags im Stadt⸗“5 ee 1 Eintritt frei Verente Aden ae em Einwohnerschaft von Giessen, 9 0 5 5 9 5 nabme Mk. 4.27 rei abe Aaszaßlangen können e, ,, verlange Preisliste. 5 e 1 zu dieser Versammlung höflichst. ein. 1 e 15 Staats-Eisenbahn- Verein jeßen, 26. August 1915..— Allgemeiner Staa 4 N 5 e Llclellahnt l. dl Aue eee e. 1 Bür u ee— Deutscher Techniker- 9 5(lessen). Beamten-Verein— Bäcker Innung 8 hn-Konsum- Verein Giessen— 1 Von den Apotheken in Giessen ist am Sonntag, Verband(Zweigverwaltung Giessen)— Eisenbahn i 6* den 8. August von 3 Uhr nachmittags an und die Nacht 5 en dens— PFriseu 0 70 2 Apotheke 0 nanpgpeig Evangelischer Arbeiterv d Umgegend Orts- Gewerbe ⸗ 10 hindurch geöffnet die 5 l. Dollscher Frauenverein schaftskartell Giessen— Konsum- Verein Giessen 190 I verband Pe 4 ö r Orisoruppe Gleßen. 8 ler Arbeiter und Angestellter— 10 0 En en, N— geichsverein liberaler. und Dang engen ebe Aae e 85 ene der 5 Auskuuftstelle e und Arbeiter— 1 e von 1 1 Verstorbene. Heinrich Ad Walter, Bahnwä g. 2 1 b* Robert Hecker in Gießen, 61 fü 1 Frauenberufe.— 80 1 185 1 1 8 555 113 Telegr aphenbeamten* 0 8 lt. 5 5 g n und Umgegend a 5 — Aeli at und d. W: ii—— 1 10 kunft für alle Veruse 97 15 ten N N... 9 1 10 Rathaus, Marktplatz 14, Diens⸗—— 5 ert tags nachm. von 6¼½—7½ Uhr. N f al. 10 10 ö 8 be Rechtsschutzstelle. 0- Daft Hessen I In 103 rauen und Mädchen 5 f re en eee Sonntag, den 29. August, nachmittags 5 Uhr. r ist im Saale der Neuen Aula der Universitat elne 1616 in 15 2 0 1* 0 Farktplat 5 10 90 0 2 e Jbieffantische Jersammung 1 deumalismus., beßsas- und Gichtleldende 2 15 nehmen 10 glänzend bewährten err Meini Frankfurt a. M. spricht über: 1 ba 2 0 55 f nti 153 55 0 Petrin- Tabletten Was können die Konsumenten gegen eine unberee gte 2 1 nüt 8 4 7 f e ge g, el e bail gekenn. 1. Fei 175 85 55 55 Frauen, diese 15 ahne Ring, een un 1 8 le ö Wir ersuchen unsere Mitglieder dringend, besonde„ 5 Zu haben in allen Apotheken. 0 5 2 5 5 3 25 J. Fries leben„, ee 5 Bahnhofstrasse 34 1 Giessen, Bahnhofstrasse 50 4 Telephon 2077 d lte, Hutzen fel 5*— ö 1 5 1 1 5 ere Cigarren-Spezial-Geschäftss se ee Aren 1 5 1 9 llt. 0 f egdel, Nagel, Napa.. 8 10 5. ö 15 Cigarren, Cig Al etten, uad modernstes Meme b 2 3 bak Lichtspiel-Theater N ä* Rauch-, Kau- untl Sechnuz D-Ta KG. am Platze. 2 0 5 deit 9 fc ur rer dedsssssschatsh füllte 6 Mintir-Artixe! 5 har Fabrik u. Verkaufsstelle 5 Ailit ur-Mützen* Walltorstrasse 24.* —— Telephon 1018. 8 5 ö Einzel- Wir empfehlen unsere vorzügl. Marken im 0 15 8 5, 6, 7, 8, 10 Pfg. und höher(Abgabe— 1 5 f 2¹. ee ee Kistchen) und offerieren gleichzeitig——— e eee 10 Av. 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He Zar Borrmann e eee, 2 ack waren: grsser ,, ge leen. 105 6 8 Eisenwaren-, Haus-. duet. endung. Aatauf g feparaturen 0 5 N R 8 5 1 e ä 5 Von] Neube ziehen Martin Krug, Gießen Bettfedern eee i rg e 5 Schulstraße N 2 grau per Pfd. von 95 Pf. an 1— 0 gut und billig 0 5 Zigarren ⸗Spezial⸗Geschäft L. Rosenbaum& Jacob een 13 seine aus rein überseeischen. e stellten Fabrikate bestens 18— 2 n 7 5 Fahnen 71595* 8 0 Hanngver. Vereins- Bedarfsartikel, rr 8 Marburg a. L. 0 Zigurttten l. Zigarrilos, Raug, Kau⸗ U. Schuupftabake. I