Jzeitung Organ für die Interessen des werktätigen Volles . der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Die Oberbessische Volkszeitung erscheint jeden Werktag Abend in Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich 00 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl. 1.80 Mk. Redaktion und Expedition Gießen, Bahnhofstraße 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. 1 Juserate losten die ö mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pig. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 200 Gießen, Freitag, den 27. August 1915 10. Jahrgang Rückzug im Osten. Stillstand souft Von Richard Gädke. Daß die Kriegslage im Osten für die deutsche Heeresführung günstig steht, braucht kaum hervorgehoben zu werden. Die amt⸗ lichen russischen Berichte, die einen erstaunlichen Grad von Auf— richtigkeit zeigen, bestätigen es. Die Frage ist nur, bis zu welchem Ergebnis unsere Operationen bereits gelangt sind und welche lletzten Erfolge sie ergeben werden. Eine uns sehr wenig wohl- wiollende Beurteilung in einer neutralen Zeitung meint, daß unser Manöver im östlichen Polen zwar geglückt sei, insofern es die Russen unter beträchtlichen Verlusten zum Rückzug gezwungen habe, aber mißglückt, insoweit es sie habe einkreisen wollen. Aber zu einem solchen Urteile fehlen die erforderlichen Unterlagen, ja es ist zweifelhaft, ob die befehlenden Feldherren in diesei Augenblicke die Sachlage schon völlig übersehen können. Wir jedenfalls sind auf das angewiesen, was uns die Berichte beider Seiten verraten wollen, und die erzählen uns erklärlicherweise nichts über ihre Auffassungen, ihre Hoffnungen auf der einen, ihre Befürchtungen ö auf der anderen Seite. U 0 Wenn man sich über die größere oder geringere Schwierigkeit der Lage des russischen Hauptheeres ein Urteil bilden will, muß man vorher wissen, in wieweit der Rückmarsch seiner Hauptmassen, der Abtransport des gewaltigen Materials bereits gediehen ist. Steht Nikolai Nikolajewitsch den Armeen Gallwitz, Prinz Leopold, Mackensen noch mit den Hauptteilen seines Heeres oder nur noch mit starken Nachhuten gegenüber, die immerhin bei den großartigen Verhältnissen dieses Krieges viele Armeekorps umfassen könnten? Das wissen wir nicht. Und darum ist auch der Glückwunsch seiner französischen Beurteiler über die glänzende Geschicklichkeit seines Rückzuges zum mindesten verfrüht, ist wohl überhaupt nur zur Be⸗ 8 des mißtrauisch werdenden Volkes und Heeres be⸗ stimmt. Was wir aber wissen, ist folgendes: Südlich Brest⸗Litowsk stehen oder standen am 22. August offenbar noch starke Teile des russischen Heeres. Auch westlich der Festung, an der unteren Pulwa, wurde hartnäckig gekämpft, und südöstlich hatte der rechte Flügel Mackensens nach heftigen Gefechten, östlich des Bugüberganges bei Blodawa(55 Kilometer südlich Brest⸗Litowsk) Fortschritte gemacht. Die Armee Gallwitz hatte sich nördlich Bielsk verzweifelter Gegen⸗ angriffe der Russen zu erwehren. Das alles scheint darauf hinzu⸗ deuten, daß überall hier noch feindliche Massen stehen. Ein Teil des russischen Heeres mag durch Pripjetsümpfe zu U entkommen versuchen, Mitte und rechter Flügel aber müssen über 0 Minsk in der allgemeinen Richtung auf Smolewsk abziehen. Nun sind es von der Gegend südͤwestlich Brest⸗Litowsk bis Minsk 360 Kilometer, von Bielsk und Tykoein aber, wo die Armee Gallwitz bereits steht, nur noch 320 Kilometer, die Deutschen sind also schon 1 näher an Minsk als die Mitte und der linke Flügel der Russen. Weiter! Der linke Flügel der Armee Eichhorn hat sich den Raum östlich Kowno erstritten, die Armee Below kämpft östlich und südöst⸗ lich von Ponewiesch. Von der Front der ersteren sind es 255, von der der letzteren 280 Kilometer bis Minsk. Hiernach mag sich jeder persönlich die großen Schwierigkeiten ausmalen, die der Rückmarsch sein der ehe des russischen Heeres noch zu überwinden haben 1 6 ür fen, Oberfeldherr und seine Bewunderer sich schmeicheln allergrößten Gefahr entronnen zu sein. Auffällig ist die Räumung der Festung Ossowiec am Bohr durch die Russen. Hat sie ihren Zweck erfüllt? oder mußten sie sie räumen, um nicht wie in Nowo⸗Georgiewsk, in der Falle stecken zu bleiben, weil die deutschen Kräfte bereits drohten, in den Raum östlich Ossowiec vorzudringen? Die nach Norden durch das vor⸗ gelagerte Sumpfgebiet starke Festung ist aber nach Süden hin wenig dem Feldheere. l Die Bahnverbindung zwischen Brest⸗Litowsk und Petersburg ist nur noch⸗ auf Umwegen vorhanden: der Armee stehen augen⸗ blicklich nur noch zwei Eisenbahnen zur Verfügung. Das ist für ein solches Heer unter so drangvollen Umständen sehr wenig— wenn eben nicht schon beträchtliche Teile sich rückwärts in Sicher⸗ heit gebracht haben. g. 9 Wir werden uns also noch gedulden müssen, ehe wir das End⸗ ergebnis des polnischen Feldzuges völlig übersehen können; augen⸗ Plicklich sind die Ereignisse noch im vollen Rollen, die Kämpfe keineswegs beendet. Wenn wir in den letzten Tagen von der Armee Below wenig gehört haben, so ist das natürlich kein Beweis bafür, daß hier Untätigkeit herrscht. Die Berichterstatter der sieindlichen Staaten weisen gerade auf diese Gegend und auf die Stadt Wilna— die von der Bevölkerung geräumt wird— mit wpachsender Sorge hin.. 45 Das russische Hauptquartier behauptet, daß die deutsche Flotte den Meerbusen von Riga wieder geräumt habe, ohne daß es aber won russischen Kampferfolgen spräche. Auch hier müssen wir ab⸗ warten, ob sich die Meldung bestätigt, und wenn ja, welche Be— deutung ihr beizumessen ist. J 5 So gewaltig der Gang ist, auf dem die Ereignisse in Polen ein⸗ gerschreiten, umso weniger wichtig ist augenblicklich die Tätigkeit uf allen anderen Kriegsschauplätzen. Ueber den Heeren im Westen scheint beinahe Ferienstimmung zu herrschen, Das schließt matürlich nicht aus, daß an einzelnen Punkten heftig gekämpft wird. Aber wo die Gefechte auch stattfinden— im Artois, in den Argonnen, in den Vogesen— es handelt sich immer nur um örtliche Erfolge, die der eine oder andere der beiden Gegner erzwingen will. Auf Seiten der Franzosen auch um Rücksichten moralischer Natur, um die gedriickte Stimmung größerer Bevöllerungsschichten zu beruhigen und durch glückliche kleine Vorstöße allfzuheitern; zu⸗ gleich auch um den Beweis, daß die Truppen ihren Angriffsgeist in Dem langen Stellungskriege nicht verloren haben. Warum Joffre iich nicht zu einem erneuten, allgemeinen Vorstoß entschließt, können wir nicht mit Sicherheit beurteflen. Jedenfalls liegt in seiner Un⸗ dätigkeit das Jugeständnuss, daß er nicht imstande gewesen ist, auf widerstandsfähig, sie ist angewiesen auf die enge Verbindung mit, den Feldzug unserer Heere gegen Rußland irgend welchen Einfluß zu gewinnen. Und darum werden wir auch den englischen Droh⸗ ungen mit dem Blitzstrahl, der auf uns niederfahren soll, mit ge⸗ lassener Ruhe begegnen dürfen. Etwas ähnliches läßt sich von dem italienischen Kriegs⸗ schauplatze sagen. Selbst wenn wir einseitig auf die Berichte Cadornas angewiesen wären und nur die Vorsicht hätten, sie auf einer besseren Karte zu verfolgen, würden wir alsbald die Ueber⸗ zeugung gewinnen, daß alle Fortschritte, von denen er uns erzählt, so gut wie Null sind. Selbst örtlich haben sie keine ausschlag⸗ gebende Bedeutung. Es handelt sich um kleine Vorpostenplänkeleien, bei denen den Vortruppen hier und da ein Schleuderkoup gelingt, der gehörig zurecht frisiert, die Masse des Volkes, der bessere Speisen nicht vorgesetzt werden können, unterhalten muß. Ein paar Bonbons, anstatt eines ordentlichen Stückes Fleisches mit Kar⸗ toffeln. Die ganze österreichisch-ungarische Front ist in ihrer ganzen Ausdehnung nach dreimonatlichem Kriege völlig unerschüttert. Alle Punkte, die unsere Bundesgenossen mit ihren Hauptkräften im Be⸗ ginn besetzt hatten, haben sie behauptet. Daß sich die Jagliener in dem langen Stellungskriege an die Gräben der Oesterreicher näher herangearbeitet und insoweit also„Fortschritte“ gemacht haben, ist selbstverständlich, aber auch, wenn sie bis auf 50 Meter heran⸗ kämen, wäre damit ihr Sieg noch keineswegs in sicherer Aussicht. Die Beispiele auf dem französischen Kriegsschauplatze beweisen es. Es scheint, als ob an der italienischen Ostgrenze die beiden starken Armeen Mosta und Frugoni kämpfen, die mehr als die Hälfte des Gesamtheeres umfassen: eine Armee käme dann auf die Kärntner, die letzte, vielleicht gar noch eine fünfte, auf die Tiroler Grenze. Im ganzen werden die Italiener keine allzugroßen Kräfte an Kerntruppen für ein türkisches Abenteuer verfügbar haben. Und ihre Zeitungen scheinen ja auch darauf vorbereiten zu wollen. Immerhin scheint eine Verstärkung der Dardanellen⸗Armee noch immer das wahrscheinlichste zu sein. l Die Ereignisse sind hier in der gleichen Schwebe wie an der italienischen Ostgrenze: Mißerfolge des Angreifers hier wie dort, aber beileibe keine Niederlage. Man muß diese beiden Begriffe immer scharf auseinanderhalten, wenn man sich nicht gefährlichen Selbsttäuschungen hingeben will. Noch stehen die Verbündeten auf der Gallipoli⸗Halbinsel und sind von den Türken nicht in das Meer zurückgeworfen; sie haben sogar einen dritten Ausschiffungs⸗ punkt gewonnen und damit ihren eigenen Operationsraum er⸗ weitert. Immerhin sind sie noch immer dicht genug an das Ufer geklemmt, und es ist unwahrscheinlich, daß das Eingreifen von 50 000 Italienern ihre Lage wesentlich verbessern wird. Eine weit größere militärische Bedeutung kommt der Nachricht von dem Abschlusse des bulgarisch-türkischen Vertrages zu. Ist man im Stambul der wohlwollenden Neutralität Bulgariens für alle Zwischenfälle dieses Krieges völlig sicher, dann werden Kräfte frei, die den Dingen auf der Gallipoli-Halbinsel wohl eine ent⸗ scheidende Wendung geben könnten. Auch ein etwaiges Eingreifen Griechenlands in der Krieg würde dann für die Türkei wenig gefährlich sein. Von der serbisch⸗montenegrinjschen Grenze wird neuerdings eine lebhafte Tätigkeit gemeldet. Daß dieser Kriegs- schauplatz für Oesterreich-Ungarn zur Nebensache geworden ist, bis anderswo endgiltige Entscheidungen erstritten wurden, ist ohne weiteres klar. Erstaunlicher könnte es scheinen, daß die Serben den Versuch einer größeren Angriffsbewegang über die Grenze bisher nicht gemacht haben. Ihnen steht eine sehr tüchtige, gut bewaffnete, gut ausgerüstete und gut angeführte Feldarmee von etwa 230 000 Mann zur Verfügung, die zweifelsohne eine gewisse kriegerische Bedeutung für den Gang der Dinge besitzt. Indessen dürften die bisher der Ansicht gewesen sein, daß sie dieses Heer nicht durch den Angriff auf eine Großmacht aufs Spiel setzen wollen, der letzten Endes doch mit einem Mißerfolge enden würde— nur um ihren zweifelhaften Freunden gefällig zu sein. Auch die Lage Bulgarien gegenüber, ferner die Wirren in ihren eigenen macedonischen Be⸗ sitzungen und in Albanien werden zur Vorsicht mahnen. Es ist da⸗ her sehr zweifelhaft, ob den lebhaften Grenzkämpfen eine weiter⸗ gehende Tragweite zukommt. 8 * Serbien fügt sich der Entente! Die serbische Skupschtina nahm mit 103 gegen 22 Stim⸗ men folgende Tagesordnung an: Nach der von der Regierung in einer geschlossenen Sitzung der Skupschtina gegebenen Aufklärung billigt die Versammlung, indem sie die ge⸗ fallenen Helden ehrt und ihren Entschluß bekundet, auf Seiten der Verbündeten den Kampf für die Befreiung und die serbisch-⸗kroatisch⸗-slowenische Einheit durchzuhalten, unter den unerläßlichen Op⸗ fern zur Wahrung ihrer Lebensinteressen, die Politik der Regierung. Es waren 39 Abgeord— nete abwesend. Mit diesem Beschluß beugt sich Serbiens Regierung und Volksvertretung dem Willen des Vierverbands und erklärt sich bereit, über die Abtretung der im Frieden von Bukarest erworbenen mazedonischen Gebiete in Verhandlungen mit Bulgarien einzutreten. Der Entschluß ist der Kammer nicht leicht geworden, denn die Opposition, zu der man wohl auch die ferngebliebenen Abgeordneten rechnen darf, zählte etwa 60 Mitglieder gegen 103, welche den Vorschlägen der Regie- rung zustimmten. Das Opfer Serbiens kommt aber wahr- scheinlich zu spät, denn der Vertrag Bulgariens mit der Türkei ist so gut wie abgeschlossen, und da die Entente an dem serbisch-bulgarischen Abschluß nur unter der Voraussetzung Die Lestung Brest-Citowsk gefallen! ein Interesse hat, daß Bulgarien zu ihren Gunsten in den Krieg eintritt, so würde eine Einigung Serbiens mit einem zur Neutralität verpflichteten und entschlossenen Bulgarien den Feinden der Türkei wenig Nutzen bringen. 5 Der Seekrieg. Die Arbeit der U-Boote. Nach einem Lloydbericht ist der Fischdampfer„Inte⸗ grity“ gesunken. Die Besatzung wurde gerettet. Nach amerikanischen Blättern ist das englische Kabelschiff „Stratheona“ auf der Reise von Neuseeland nach Honolulu untergegangen. Ein Teil der Besatzung wurde gerettet. Die Zeitungen melden aus Kristiansand, daß der norwegische Kutter„Ibeix“, der gestern von Dorgig ange⸗ kommen sei, am 9. August gesehen habe, wie ein großer Dampfer von 10000 Tonnen unterging. Ein Untersee⸗ boot habe neben dem Schiff gelegen. Drei Torpedoboote, angeblich englische, seien in voller Fahrt gegen den Dampfer gefahren.„Ibeix“ rettete zwei Boote des Dampfers. Der bekannte norwegische Amerikadampfer„Drammens⸗ fjord“ wird aufgelegt, weil man für dessen Schicksal fürchtet, da das Schiff erst nach dem Kriegsausbruch in nor⸗ wegischen Besitz übergegangen war. Meldung des Reuterschen Bureaus: Der Fischdampfer „Joungfrank“ wurde versenkt. 5 Der Dampfer„Sylvia“ Wurde versenkt. Die Beman⸗ nung ist gerettet. g Anläßlich der Meldung, daß schwedische und norwegische Dampfschiffahrts⸗Gesellschaften beabfichtigen, deutsche Dampfer anzukaufen, die in amerikanischen Häfen liegen, wird von englischer Seite darauf aufmerksam gemacht, daß diese Schiffe sofort beschlagnahmt würden, so⸗ bald sie sich auf der offenen See zeigten. Nach einer Newyorker Meldung erhöhten die amerikani⸗ schen Versicherungsanstalten infolge der deutschen Untersee⸗ bootgefahr die Versicherungsraten für Schiffssendungen nach Europa um 35 Prozent ab 15. August. Deutschland und Amerika. Der„Arabic“ ⸗Fall. Aus Newyork wird der Frankf. Ztg. telegraphiert: Die Blätter erklären, die„Arabic“ sei das hauptsäch⸗ liche Schiff zur Beförderung von Waffen und Munition gewesen. Die Leute der Bemannung wurden als Scharfschützen angeworben und übten sich im Schießen auf Floße, an denen Stäbe wie Periskope befestigt waren. e 0 Newyork, 23. Aug.(W. T. B. Nichtamtlich.) Der Vertreter des W. T. B. teilt durch Funkspruch mit: Man hofft hier, daß sich für Deutschland die Möglichkeit ergibt, zu erklären, daß die„Arabic“ begleitet wurde oder versuchte, das Unterseeboot zu rammen oder auch trotz des Anrufes zu entkommen, oder daß sie Manöver aus⸗ führte, welche das Unterseeboot vermuten ließen, sie versuche zu entkommen. Nach Washingtoner Meldungen hat die Regierung erklärt, daß sie entschlossen sei, einen Bruch zu vermeiden, falls dies ehrenvoll geschehen könne. Man nimmt an, daß die Regierung nicht beabsichtigt, irgend welche Erklärungen von deutscher Seite zu ignorieren, wie beispielsweise die Erklärung, daß Deutschland durch die Versenkung der„Arabic“ keine Mißachtung amerikanischer Rechte beabsichtigt habe. Amtlich wird angekündigt, Botschafter Gerard in Berlin werde wahrscheinlich angewiesen werden, das Auswärtige Amt um Bekanntgabe des Tatbestandes zu ersuchen. London, 25. Aug.(W. B. Nichtamtlich.) Das Reu⸗ tersche Bureau meldet aus Washington: Der deutsche Botschafter hat nach Instruktionen aus Berlin folgen- des Telegramm an das Staatsdepartement gerichtet: Ueber die Versenkung der„Arabic“ ist noch keine offizielle Mitteilung eingetroffen. Die kaiserliche Regierung vertraut darauf, daß die Regierung der Vereinigten Staaten auf Grund der Berichte, die nur von einer Seite eingelangt sind, und nach der Meinung der kaiserlichen Regierung nicht mit den Tatsachen übereinstimmen können, noch keinen definitiven Standpunkt einnehmen wird, sondern daß auch Deutschland Gelegenheit gegeben wird, gehört zu werden. Obwohl die kaiserliche Regierung den guten Glauben der Zeugen, deren Erklärungen durch die europäische Presse mitgeteilt worden sind, nicht bezweifelt, muß man im Auge behalten, daß die Erklärungen unter dem Einfluß der Aufregung abgegeben wurden, in der man leicht einen falschen Eindruck bekommen kann. Sollten wirklich Amerikaner das Leben verloren haben, so wäre das natürlich im Widerstreit mit dem, was wir be— zweckten. Die kaiserliche Regierung würde dies außer- ordentlich bedauern und drückt Amerika ihre warme Sympathie aus. geblich Mißstände bei Versteigerung der Frühbirnen hervor⸗ — Hessen und Nachbargebiete. Gießen und umgebung. — Stadtverordneten⸗Versammlung. Immer mehr schmilzt die Stadtvertretung Gießens zusammen, da im Laufe des letzten Jahres einige Mitglieder verstorben sind, mehrere be— finden sich im Bade. In der gestrigen Sitzung waren nur 11 Stadtverordnete anwesend, so daß es knapp zur Beschluß⸗ fähigkeit reichte. Die Tagesordnung war, soweit sie die öffentliche Sitzung beschäftigte, nicht sehr umfangreich und wurde schnell und fast ohne Debatte erledigt. Anwesend waren Oberbürgermeister Keller, Stadtv. Dr. Ebel, Faber, Helfrich, Huhn, Jann, Leib, Löber, Orbig, Plank, Simon, Vetters.— Zu Urkundspersonen werden Löber und Simon bestimmt.— Vor Eintritt in die Tagesordnung widmet der Oberbürger— meister dem am 2. August verstorbenen Stadtverordneten Friedberger Worte ehrenden Gedächtnisses und der An⸗ erkennung seiner Tätigkeit; zu Ehren ihres verstorbenen Mit⸗ gliedes hatte sich die Versammlung von den Sitzen erhoben.— Gebr. Kahl wollen eine Lagerhalle neben der Kläranlage er— richten. Weil der Platz außerhalb des Ortsbauplans liegt, ist Dispens nötig, den die Versammlung befürwortet.— Dem Verkauf städtischen Geländes an der Krofdorfer Ge— markungsgrenze an Witwe Abel in Krofdorf wird zugestimmt. Es handelt sich um ein Stück von 373 Quadratmeter à 20 Pfg. — Der im Voranschlag zur Beschaffung von Elektrizi⸗ tätszählern bewilligte Kredit reicht nicht aus, es werden deshalb noch 5000 Mark nachbewilligt.— Die Rechnung der Armenkasse für 1913 schließt ab in Einnahme mit 135 368,90 Mk. in Ausgabe mit 127 811,97 Mk. Sie wird ge⸗ nehmigt.— Aus den Zinsen der Peter Wilson Kinder⸗ Stiftung sollen wie bisher 500 Mark für den Knabenhort und 300 Mark für den Mädchenhort verwendet werden. Dem wird zugestimmt.— Die hiesigen Druckereien ersuchen um Erhöhung der Preise für Druckarbeiten und beantragen einen Aufschlag von 10 Prozent für die der Stadt zu liefern⸗ den Druckarbeiten. Das mit Steigerung der Rohmaterial— preise begründete Gesuch wird als berechtigt anerkannt und ihm deshalb stattgegeben.— Auch die Droschkenbes itzer haben einen Antrag auf Erhöhung der Sätze des Droschken— tarifs gestellt. Dr. Ebel bemerkt dazu, daß die Aufschläge doch recht erheblich seien; er nehme an, daß sie nur für die Kriegszeit Geltung haben sollen. Letzteres wird vom Ober— bürgermeister bestätigt. Dem Antrag wird auf Widerruf stattgegeben.— Zwei Wirtschaftsgesuche, das eine von Kasp. Heinzerling Witwe für Schiffenbergerweg 63, das andere von Hrch. Ruckstuhl für Steinstraße 76, werden genehmigt.— Am Schluß der Sitzung weist Dr. Ebel! einen im Gießener Anzeiger erhobenen Vorwurf zurück, wonach an— getreten seien. Redner bemerkt, daß auf Grund des Kom— missionsbeschlusses Händler und Wiederverkäufer zu der Ver⸗ steigerung nicht zugelassen werden. Die Vorwürfe des Gieß. Anz. seien somit unbegründet.— Simon bestätigt, daß zwei Händler bei der Versteigerung zurückgewiesen wurden.— Auch der Oberbürgermeister bemerkt, daß alle Vorkehrun— gen getroffen worden seien, um die Interessen der Bevöl— kerung zu wahren und dafür zu sorgen, daß Lebensmittel mög⸗ lichst nicht verteuert werden. — Eine Versammlung gegen die Lebens mittelteuerung, einberufen von einer Anzahl Vereine, die sich zu einem Kriegsausschuß für Konsumenteninteressen zusammenge— schlossen haben, findet Sonntag nachmittag 5 Uhr in der neuen Aula der Universität statt. Der Vorsitzende des Frankfurter Ausschusses, Herr Meinig, wird zunächst über das Thema:„Was können die Konsumenten gegen eine un— berechtigte Lebensmittelteuerung tun?“ sprechen. Dann dürfte voraussichtlich eine Frau Wäscher aus Kassel zu Wort kommen, und schließlich noch ein Vertreter des städtischen Lebensmittelausschusses die von der Stadt getroffenen Maß. nahmen erläutern. Im Anschluß hieran wird der kürzlich gewählte Ausschuß die Richtlinien für seine fernere Tätig⸗ keit bekannt geben, worauf dann die Bestätigung des Aus⸗ schusses erfolgen soll. Der Eintritt zu der Versammlung ist frei. An unsere Leser und Parteifreunde, speziell aber an die Hausfrauen richten wir die dringende Bitte, diese Versamm⸗ lung zu besuchen. Gerade das werktätige Volk leidet am schwersten unter der allgemeinen Teuerung: viele der Ar⸗ beiterfrauen wissen überhaupt nicht mehr, wie sie bei den gegenwärtigen Zeiten ihre Familien durchschlagen sollen und deshalb ist es in erster Linie auch Pflicht dieser Volksschichten. alle Bestrebungen zu unterstützen, die auf eine Beseitigung des Lebensmittelwuchers hinzielen. — Großer Unwille herrscht in den Kreisen der Gießener Einwohnerschaft darüber, daß die Stadt die Beträge von zwei Monaten für Gas und elektrisches Licht zusammen erheben läßt, umsomehr, da auch in den nächsten Tagen durch die verspätete Ausgabe der Steuerzettel z wei Ziele Ge⸗ meindesteuern und zwei Ziele Kanalgebühren fällig sind. Wir sind auch der Meinung, daß die Stadt ihren Bürgern angesichts der trostlosen Geschäftslage mehr Entgegenkommen zeigen dürfte. — Die Auszahlung der Familienunterstützungen für 1.—15. September 1915 an die Angehörigen der zum Heeresdienst Ein⸗ berufenen findet statt: a) Reichs⸗ und Kreisunterstützung: An die⸗ jenigen, deren Namen beginnen mit A—K Mittwoch den 1. Sep⸗ tember, I—2 Donnerstag den 2. September, b) städtische Unter⸗ stützung(Mietszuschuß): An diejenigen, deren Namen beginnen mit AK Freitag den 3. September, I—2 Samstag den 4. Sep⸗ tember, c) an Vermieter, die Mietbeträge abholen: Montag, den 6. September. Die Auszahlungen finden von 8—1 Uhr vormittags im Stadthaus, Zimmer Nr. 16, statt. Die Auszahlungen können nur an den vorgeschriebenen Tagen stattfinden. — Wie hält man Eier frisch? Bei den gegenwärtigen Eier⸗ preisen werden wohl nicht viel Frauen, besonders solche aus dem Arbeiterstande, in der Lage sein, Eier einlegen zu können, um diese für den Winter frisch zu halten. Immerhin dürfte mancher Haus⸗ frau ein erprobtes und einfaches Rezept zum Aufbewahren der Eier willkommen sein. Wenn nötig, sollen die Eier abgewaschen und in eine Lösung von 1 Teil Wasserglas und 8 Teilen Wasser so gelegt werden, daß die Eier von dieser Lösung völlig bedeckt sind. Die an die Oberfläche des Wassers steigenden Eier sind nicht zum Einlegen geeignet und müssen deshalb bald verbraucht werden. Gebräuch⸗ lich ist auch das Einlegen in Kalkwasser. Man übergießt gelöschten Kalk mit sopiel kaltem Wasser, bis die Flüssiakeit ein milchiges Aussehen erhält. In diese Lösung legt man die Eier ein, und zwar mit der Spitze nach unten. Es werden auch noch chemische Präparate beim Einlegen verwendet, deren Handhabung jedenfalls sehr viel umständlicher ist. — Aenderung im Einquartierungswesen. Wie wlr kürzlich bereits einmal andeuteten, sollen die Landsturm-Mannschaften nicht mehr bei den Bürgern, sondern in Massenquartieren untergebracht werden. Durch die bisherige Art der Unterbringung sind der Stadt nämlich ganz erhebliche Lasten entstanden. Bekanntlich wurde den Quartiergebern für den Mann 2 Mark täglich von der Stadt ver⸗ gütet. Diese erhält aber vom Militärfiskus nur 1,30 Mark, 70 Pfg. legte sie aus ihren Mitteln darauf. Das machte im Monat etwa 45 000 Mark aus, für 14 Monate(bis 1. Oktober) also fast zwei⸗ drittel Millionen Mark. Dafür erhält die Stadt von keiner Seite Ersatz, sie ist daher nicht mehr in der Lage, diese Aufwendungen zu machen. Vom 1. Oktober ab wird sie daher nur noch die Unter⸗ kunftsräume für die etwa 2200 Mann stellen, während die Ver⸗ pflegung von der Militärbehörde übernommen wird. Ein Teil der Mannschaften soll in der Schule an der Westanlage, der andere in einer Baracke auf dem Trieb untergebracht werden.— Manchem Landsturmmann wird diese Aenderung nicht angenehm sein, viel⸗ leicht auch manchem Quartierwirt nicht, es läßt sich aber leider nicht ändern.— Hoffentlich ist der Krieg vor dem 1. Oktober noch zu Ende! Die Kinder gehören ins Haus. Der Stadtmagistrat in Würz⸗ burg erließ eine ortspolizeiliche Vorschrift, nach der das Verweilen von Schülern und Schülerinnen der Volks- und Fortbildungsschulen auf öffentlichen Anlagen nach Eintritt der Dunkelheit, jedenfalls aber nach 9 Uhr abends, ohne Begleitung Erwachsener verboten ist. Eltern usw. werden gegebenen Falles mit Geldstrafe bis zu 60 Mark oder 14 Tagen Haft bestraft. louis Bomben. Mehrere Personen wurden getötet oder ver — 110 1 Brest⸗Litowsk gefallen! Großes 7 U 26. August.(Amtl.) Aagesberich des Fuel Huttner Die Festung Brest⸗Litowsk ist gefallen. 10 Deutsche u. österreichisch⸗ungarische Truppen 3 die Werke der West⸗ und Nord westfront und drangen in der Nacht in das Kernwerk ein. Der Feind gab darauf die Festung frei. Oberste Heeresleitung. — f 9 8 Die Russen auf der Flucht. Bialystok besetzt. Vier frauzösische Flugzeuge vernichtet. W. B Großes Hauptquartier, 26. Aug., vorm.(Amtlich.) Oestlicher Kriegsschauplatz. 4 Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg.. 9 Bei Bausk und Schönberg südöstlich von Mitau haben 9 ich Kämpfe entwickelt. 5 1 * Desti und südöstlich von Kowno nehmen die Kämpfe ihren Fortgang. Vor Olita nähern sich unsere Truppen 4 den Vorstellungen der Festung. Zwischen Sejny und Merecz 1 (am Njemen) wurde der Feind geworfen. Auch im Walde östlich von Augustow dringen Teile der Armee des 3 Generalobersten v. Eichhorn nach Osten vor. 5 Weiter südlich wird um den Berezowka⸗Abschnitt ge. Unsere Spitzen haben Bialystok erreicht. Die 1 — des Bialowieska⸗Forstes. 5 ö Gegend nordwestlich von Kamieniec—Litowsk hält er noch N Stand. 5 9 Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen.. Die Festung Brest-Litowsk sist gefallen. Während das österreichische Korps des Feld marschalleut nants v. Arz gestern nachmittag nach Kampf zwei Forts der —————— Westfront nahm, stürmte das brandenburgische 22. Reserve⸗ korps die Werke der Nordwestfront und drang in der Nacht in das Kernwerk ein. Der Feind gab darauf die Festung 14 815 5 Auf der ganzen Front der Heeresgruppe vom Bialowi⸗ ö oska⸗Forst bis zum Sumpfgebiet um Pripjet(füdöstlich von Brest⸗Litowsk) ist die Verfolgung im vollen Gang. Westlicher Kriegsschauplatz. 1 Nördlich von Beauséjvur in der Champagne wurde ein vorgestern besetzter Sprengtrichter gegen französische Angriffe behauptet. 5 1 Zwei feindliche Flugzeuggeschwader warfen! gestern im Saartale oberhalb und unterhalb von Saar- letzt, der Sachschaden ist unwesentlich. Vor ihrem Start waren die Geschwader in ihrem Hafen Nancy mit gutem Er⸗ folg von unseren Fliegern angegriffen worden. Außerdem büßten sie vier Flugzeuge ein: Eins stürzte bei Bolchen brennend ab, Führer und Beobachter sind tot; eins fiel bei Remilly mit seinen Insassen unversehrt in unsere Hände; ein drittes wurde von einem deutschen Kampfflieger bei Arracourt(nördlich von Luneville) dicht vor der fran⸗ Diethelm von Buchenberg * Erzählung von Bertold Auerbach. 60 Auf den Tag hin, wie er es vorausgesagt, starb der alte Schäfcrle. Als ihm Munde noch am Morgen die gestopfte Pfeife übergeben wollte, schüttelte er den Kopf verneinend und sagte:„Es ist vorbei.“ 5 Munde überließ alles seiner Schwester und nahm sich nur die Kleider des Medard. Er saß am Wege und hütete die Schafe, als Diethelm vierspännig mit seiner neuen Kalesche daherfuhr; er schaute auf, und blitzschnell durchzuckte ihn der Gedanke, welch ein großes Leben er hätte führen können; aber er drückte den Hut ins Gesicht und pfiff dem Paßauf, während Diethelm und Fränz rasch vorbeirollten. Nicht ohne Befriedigung hörte Diethelm, daß der alte Schäferle gestorben und begraben sei, und daß der Geistliche an dessen Grabe sagte, Gott möge ihm vergeben, wie ihm der vergeben habe, dem er so schweres Leid angetan. Den Munde fürchtete Diethelm nicht mehr, weil er nicht im ersten Zorn gehandelt hatte, in diesem war er des Schlimmsten von ihm gewärtig, jetzt in Ruhe, dachte er, wird die Schafseele es nie dazu bringen, als Ankläger aufzutreten. So fühlte sich Diet helm von dieser Seite gedeckt, aber der Geist der Wider— spenstigkeit und Aufsätzigkeit, den er in Fränz niedergerungen hatte, schien in Martha jetzt neu zu erwachen, wenngleich gemildert von ihrem an Ergebung gewohnten Wesen. Mit Ruhe ertrug es Diethelm, daß sie ihm heftige Vorwürfe machte, weil er mit Fränz in der Welt umherfuhr und seine Frau daheim vergaß,„wie ein im Stalle angebundenes Stückle Vieh“. Er versprach, sie niemehr allein zu lassen. Eines Tages ging er mit ihr nach dem Bau, der stau— nenswert rasch vorrückte, die Sonne brannte stechend und ge— witterverkündend nieder, und Diethelm sagte:„Ich weiß nicht, wie mir's ist, seitdem ich im Gefängnis gewesen, bring' ich eine Kellerkälte nicht aus mir heraus; es ist mir, wie wenn ich einen Eisklumpen im Herzen hätt'. Ich hab' ge— meint, im Sommer wird's besser, aber es ist nicht. Du sagst Martha gellend und streckte die leichenhaften Finger Diethelm ins Gesicht.. „Was hast? Was machst?“ fragte Diethelm erschrocken und Martha erklärte, indem sie sich auf einen Steinhaufen am Wege setzte:„Diethelm, was hast du gemacht? Weißt du's denn nicht mehr? Du hast ja geschworen, die Sonne soll dich nicht erwärmen, wenn du ans Brandstiften denkst, dort am Fenstersims hast's geschworen, und jetzt ist's ja wahr geworden, die Sonne wärmt dich nicht, und ich hab' einen falschen Eid auf mich nehmen wollen, und meine Finger sterben mir ab. O gerechter Gott, was machst du aus uns? Gerechter Gott, was soll aus uns werden?“ Diethelm suchte sie zu trösten, soviel er vermochte, er wollte jetzt leugnen, daß ihn friere und behauptete, die Wunde an seinem Arm sei noch nicht völlig geheilt; da faßte ihn Martha, gerade an der wunden Selle, daß er laut aufschrie; sie aber sagte:„Gesteh' ehrlich, beichte, nur mir sag's, nur mir, woher du das hast. Der Doktor hat immer gesagt, das säh aus wie ein Biß von einem Menschen. Wer hat dich gebissen?“ Diethelm hatte Geistesgegenwart genug, seine Frau tapfer auszuzanken mit dem Zusatz, daß, wenn sie noch ein einzig Mal von toten Schwurfingern rede, er sie auf immer verlasse, möge daraus werden, was da wolle. Martha schwieg, aber ihre schweigend trauervollen Mie— nen, ihr stilles, stundenlanges Betrachten der abgestorbenen Finger sagte Diethelm, daß sie für sich sinne und was sie von ihm denken möge. Als das Haus gerichtet war und der bänderverzierte Maien vom Giebel prangte, machte sich Diethelm mit den Seinen auf nach dem Wildbad, die warme Quelle sollte Diet— helm von seinem Froste und der Wunde heilen, und sollte die tote Hand Marthas neu beleben. Am hoffnungsreichsten aber war Fränz, sie bedurfte der warmen Quelle nicht: ihrer harrte dort der Rautenkranzsohn und, nicht zu vergessen, auch der Amtsverweser. 5 XXVII. Der stattliche reiche Bauer von Buchenberg mit seiner Familie und seinem eigenen Gefährt war wochenlang eine jetzt, dir sei heiß, und ich werde die Gänsehaut nicht los.“ „Herrgott! das sind meine toten Schwurfingerl“ schrie der bemerktesten Erscheinungen in Wildbad. Schon der frappante Gegensatz, den man sich von ihm erzählte, daß er sich beim Brande eine schwer zu heilende Erkältung zuge⸗ zogen, machte ihn zum Gegenstand des Gesprächs, dazu sein gemessenes Benehmen, weder zudringlich noch schüchtern, machte ihn zu einem Urbild jenes stolzen, selbstbewußten Bauerntums, das man sogar in der sogen. guten Gesellschaft anziehend findet, solange es in ästhetischer Buchferne verharrt und der eigenen Ueberhebung nicht zu nahe tritt. Martha und Fränz waren weniger bemerkt. Martha hielt sich vor- zugsweise zu einigen alten Frauen, die im Armenbad eine J Freistelle genossen, und ließ sich von ihnen ihre Leiden un ihre Schicksale erzählen, Fränz aber war seltsam verscheucht und zurückgezogen. Wir werden bald erfahren, warum. Wir müssen nur noch erzählen, daß Diethelm die Spitze seines Ruhmes erreichte, als eine regierende Fürstin in der Allee durch den ersten Kammerherrn ihn sich vorstellen ließ. Diethelm war beseligt durch diese Auszeichnung, er gab auf alle Fragen bescheidene, und wie es schien genehme Ant⸗ worten: er widersprach nicht, als man ihn für einen großen Hofbesitzer hielt, und nahm sich nur vor, diese Voraussetzung zu einer Wahrheit zu machen; dabei schaute er oft wie ver⸗ legen um, er wollte sehen, ob niemand bemerkte welche Ehre ihm zuteil wurde. Es gingen aber Menschen vorüber die ihn nicht kannten. Dennoch sah er wohl, daß sie in der Ferne 75 stehen blieben. Als er entlassen wurde, ging er aufgerichtet durch die Alleen heimwärts, die Bäume waren noch ei so grün, der Himmel noch einmal so blau, und die Vögel 1 sangen so lustig, wie noch nie. Zum ersten Male spürte er die Wirkungen des Bades, eine wohltätige Wärm überströme 1 sein ganzes Wesen, und als er zu Frau un Tochter kam, wa 1 er glückselig und wiederholte immer und 185 daß dieser dale eon de eee het due en e dere, atte ihm die„fast wie ein S ö i 4 griffen, diese Ehre schien zu schwer für n a 1 erwünschter Besuch, der Vetter Waldhornwirt 1 blieb . Diethelm auf seinem Stuhle f Lächeln:„Wärst du nur um 1 5 0 du sehen können, wie sprochen hat, grad so, wie ich; it di so herztreu. S5 A5 e n wenn ich ganz Buchenberg hät erzählen mußt's. Sie müssen's alle wissen TTTTTTTTTTTTTTTTTTTPPTTVTTVTVTVVVVTVTVTVTTTrTTTTTTWTTTTTWꝓWwwww r 9 9 11 * Keichstag. 19. Sitzung: Donnerstag, den 26. August 1915, nachmittags 3 Uhr. Am Kundesratstisch: Dr. Delbrück, v. Wandel, Helfferich, Präsident Dr. Kgempf teilt mit, daß die Festung Brest⸗Litz gefallen ist.(Bravo!) Wir begrüßen die lapferen Se Afisiere und Heerführer unserer Armee und der unserer Ver⸗ Beten dee 0 0 die geit Wochen und Monaten so nglaubliches geleiftet und diese Leistungen jetzt gekrö 0 (Stürmischer Beifall) es gestbn beben Die Genehmigung zur Einleitung einer Widerkl⸗ eee U e 8* gegen den Abg. Weben irtsch. Vg.) wird auf Antrag des Kommissionsberich 8 Abg. Haase(Soz.) versagt. f e Es folgt eine Resolution der Haushaltskommi ion, die d Reichskanzler ersucht, den Verpflegungssatz für Manschaften 5 Heeres und der Marine für die Kriegsdauer allgemein auf 1,20 M. pro Tag festzusetzen. Weitere Resolutionen betreffen die Gleich⸗ stellung der jüdischen Feldprediger mit den nichtangestellten christ⸗ lichen Feldgeistlichen und eine Regelung der Verhältnisse für die im Heeresdienst vertragsmäßig angestellten Aerzte. Abg. Stücklen(Sog.): Im Gegensatz zu den Parlamenten der mit uns im Kri stehenden Staalen Frankreich, England und Rußland daten bisher im Deutschen Reichstag militärische Fragen seit Ausbruch des Krieges wenig erörtert. Wenn in jenen Ländern mehr oder minder heftige Angriffe gegen die Führung der Aemee gerichtet wurden, so liegt im Deutschen Reichstag erfreulicherweise kein Anlaß zu einer solchen Kritik vor. Das deutsche Volk erkennt ohne weiteres die hervorragende Strategie der deutschen Heerführer an denen es gelungen ist, unterstützt durch das hingebende Verhalten ihrer Truppen, Deutschland vor einer feindlichen Inbasion zu be⸗ wahren. Wenn wir in den durch die Verhältnisse gebotenen Gren⸗ zen an einzelnen Dingen Kritik üben, so liegt dazu eine unabweis⸗ bare Notwendigkeit vor und daran kann uns auch nicht die Be⸗ fürchtung hindern, daß diese Kritik möglicherweise im Ausland berzerrt und entstellt wiedergegeben wird. Wir sind unseren Truppen und ihren Führern die größte Dankbarkeit schuldig(Bei⸗ fall), was beispielsweise die Truppen der Armee Linsingen im Winterfeldzug in den Karpathen geleistet haben, dürfte unerreicht dastehen in der Kriegsgeschichte aller Zeiten.(Lebhafte Zustim⸗ mung.) Bei der Untersuchung der zum Heeresdienst eingezogenen Leute muß mit größter Sorgfalt vorgegangen werden, damit nicht Leute eingestellt werden, die nach kurzer Zeit schon wieder ent⸗ lassen werden müssen. Wir haben in Deutschland in der Tat keinen Mangel an wehrfähigen Leuten und es muß darauf hin⸗ gewirkt werden, daß ältere Jahrgänge nach Möglichkeit geschont und die in so großer Zahl noch vorhandenen jüngeren Leude herangezogen werden. Wir verkennen nicht, daß das Ausbildungspersonal jetzt vor große Aufgaben gestellt wird. Aber es darf nie vergessen, daß es jetzt Leute unter sich hat, die eine Familie zurücklassen und deren Freude am Dienst einen hohen moralischen Wert darstellt, der nicht verkümmert werden darf. Wenn gegen solche Leute der Zoologie entnommene Ausdrücke angewendet werden oder Berührungen vor⸗ kommen, die ich als unsachgemäße Behandlung bezeichnen will, so muß man solchen Erscheinungen mit aller Schärfe entgegentreten. Sehr richtig!)„Der Mann, der zur Verteidigung seines Vater⸗ landes berufen ist, muß das mit Lust und Liebe tun und nicht mit Verbitterung. Es soll 1 bestritten werden, daß das Kriegs⸗ ministerium mit Energie den hier angedeuteten Mißständen ent⸗ gegengewirkt hat. Wenn der Erfolg kein vollständiger war, so soll auf dem beschrittenen Wege weiter gegangen werden. Es wäre vielleicht sehr gut, wenn derartige Erlasse nicht nur den Vor⸗ gesetzten, sondern auch den Mannschaften bekannt gegeben würden. Auch der Behandlung der mit der Bewachung von Gefangenen betrauten Landsturmleute sollte ein besonderes Augenmerk gewid⸗ met werden. Seit der Verkündung des Burgfriedens ist auch im Heeresdienst, manches anders geworden. In der bagherischen Armee existiert aber immer noch ein Unterrichtsbuch, in dem es heißt: die Soldaten sollten Wirtshäuser meiden, in denen staats⸗ oder militärfeindliche Parteien ihre Zusammenkünfte abhalten oder Zeitungen, Bücher und Zeitschriften dieser Parteien aus⸗ liegen. So etwas sollte man doch jetzt nicht mehr alten Land⸗ sturmleuten bieten, die außerhalb der Armee vielleicht organisierte Sozialdemokraten waren.(Sehr richtig! bei den Sozialdemo⸗ kraten.) Bei der Gelegenheit will ich auch auf die Frage der Ge⸗ fangenenbehandlung kommen. In der ausländischen Presse wird behauptet, die Gefangenen werden bei uns mit besonderer Grau⸗ samkeit behandelt. Ich habe mich selbst überzeugt, daß alles ge⸗ schieht, was irgend möglich ist, um ihnen ihr Los erträglich zu machen. Klagen werden natürlich immer vorkommen, dazu ist ja das Menschenmaterial zu verschiedenartig und vielseitig. Etwas anders verhält es sich mit den internierten Ausländern, unter denen Leute sich befinden, die in Deutschland erzogen sind, die nur die deutsche Sprache sprechen, die eine Deutsche zur Frau haben und die nur die rechtzeitige Naturalisation versäumt haben. Solche Leute aus den Internierungslagern zu entlassen, würde für das Deutsche Reich sicherlich keine Gefahr bedeuten.— Die Klagen aus den Lagern betreffen häufig die Verpflegung, und zweifellos sing im Anfang Fehler gemacht worden, namentlich der, daß man die Verpflegung an Unternehmer gegeben hat. Wenn der Unter⸗ mehmer bei 60 Pf. pro Kopf verdienen will, so kann die Ver⸗ baten nicht gut sein. Ganz besonders ist es zu verurteilen, 5 die Stadt Gardelegen, die die Verpflegung der Gefangenen übernommen hat, die Steuern mit der Begründung herabsetzte, sie e an dieser Verpflegung der Gefangenen entsprechend viel ver⸗ t. Hört! hört! links.) Im ganzen aber muß man sagen, die Heeresverwaltung sollte das Protokoll über die Zustände in den Gefangenenlagern herausgeben, sie würde dabei nicht schlecht abschneiden. Ich unlerschreibe völlig, was einer der Verpflegungs⸗ offiziere in dem Protokoll gesagt hat:„Hinaus mit den profit⸗ . Privatunternehmern!“ Auch aus dem Felde kommen lagen, und zwar vor allem von den in dem monatelangen Stellungskriege festgehaltenen Soldaten. Es muß den Offizieren draußen dringend empfohlen werden, keine Anforderungen zu stellen, denen die Leute nicht gewachsen sind. Vor allem muß auf käufige Ablösung aus den Schützengräben geachtet werden, die sich icherlich leicht durchführen ließe.— Dringend haben die verschie⸗ densten Parteien eine gründliche Reform des Beschwerderechts verlangt. Ich halte eine gründliche Reformierung während des Krieges sehr wohl für möglich; aber wenn man diesen Standpunkt nicht teilt, so müßte es doch auf dem Verordnungswege von den Angeln befreit werden, mit denen es umgeben ist. Im Ausland hat man den deutschen Soldaten vielfach den Vorwurf der Barbarei gemacht, was mein Kollege Scheidemann bereits am 18. März r hat. Aber vorgekommen ist sicherlich manches, was esser nicht passiert wäre; denn besser macht der Krieg die Menschen nicht, zur Sonnenhöhe der Kultur führt er auf leinen Fall.(Sehr wahrt bei den Sozialdemokraten.) Ostpreußen ist jedenfaus ein flammendes Wahrzeichen der überaus barbarischen Kriegführung. Die Aufrechterhaltung der Disziplin ist notwendig; um so mehr muß man darauf achten, daß man sich nicht in den Mitteln ver⸗ greift. Die beste iplin ist die auf freiwilliger Unterordnung dete. Schwere Falle von Insubordination sollte man in der mat aburteilen lassen, wo man ruhiger und sorgfältigen urteilen zan an im Felde, und mä follle dabei imer eien Pfychlaler zuziehen. Dem Beschluß des Reichstags vom 29. Mai, den Truppen bei Urlaubserteilung freie Fahrt zu gewähren, ist der Reichsschatz⸗ sekretär nicht sehr schnell beigetreten. Wir wissen seine Sparsam⸗ keit zu schätzen, aber wir wünschen sie nicht auf Kosten der Sol⸗ daten.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ich habe ihm ja gestern gezeigt, wie durch eine Arbeit von wenigen Stunden an der Kriegsbesoldungsordnung viele Millionen erspart werden können.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Erst nach Wochen hat das Reichsschatzamt dem Beschluß des Reichstages zu⸗ gestimmt, und jetzt hören wir, daß mit der Urlaubserteilung spar⸗ samer vorgegangen wird. Das ist der Wunsch des Reichstags nicht gewesen.(Zustimmung.) Ausdrücklich feststellen will ich ferner, daß jedem Soldaten beim Urlaub die freie Fahrt zusteht, gleich⸗ gültig, ob er im Inlande oder im Auslande steht, es geht nicht an, einem Soldaten aus Aachen, der in Ostrowo steht, die Freifahrt zu verweigern, weil er ja in der Heimat sei, wie es leider vorgekom⸗ men ist. Wie man übrigens den mit der Landwirtschaft in Ver⸗ bindung stehenden Soldaten Urlaub gewährt hat, so müßte es auch bei jedem anderen möglich sein. Ferner haben wir beantragt, allen Soldaten, die in Feindes⸗ land stehen, die Kriegslöhnung zu gewähren. Jetzt bekommen nur die mobilen Truppen 53 Pf., die immobilen 33, und das führt zu sonderbaren Ergebnissen; z. B. sind bei einem militärischen In⸗ stitut die im Gebäude befindlichen Soldaten mobil, die draußen zur Bewachung des Gebäudes befindlichen immobil. Man ist doch bei den oberen Stellen nicht so knauserig, man sollte es also auch ier nicht sein.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Mit den begrüßen wir, daß endlich unserer Anregung Rechnung getragen ist, wonach die verwundeten Soldaten nicht mehr 10 Pf., sondern die Löhnung der immobilen von 33 Pf. erhalten. Doch soll man auch dafür sorgen, daß das allen Verwaltungsstellen be⸗ kannt wird. In manchen Kurorten hat man den verwundeten Sol⸗ daten befohlen, gewisse Orte zu meiden. Hier sollte die Militär⸗ de verwaltung scharf eingreifen. Wenn das zahlungsfähige Publikum dort seiner Gesundheit leben kann, so verdanken wir es den ver⸗ wundeten Soldaten.(Lebhaftes Sehr richtig) Auch in den Lazaretten soll man nicht so ängstlich sein; in einem Lazarett soll ein besonderer Raum für die Verstümmelten abgesondert sein, weil ihr Anblick dem Publikum peinlich wäre. Etwas Derartiges wäre ganz entschieden zu verurteilen.(Zustimmung.) Unbillig ist ferner, daß die Mitglieder der freiwilligen Krankenpflege in Preußen nur 23 M. monatlich erhalten, in Süddeutschland dagegen 32 M. Einen ferneren Antrag unterstützen wir lebhaft, den ver⸗ wundeten Soldaten Beihilfen zum Besuche zum Urlaub in die Heimat zu geben.— Bekannt ist, daß die Brotration der Soldaten nicht ausreicht. Als Entschädigung haben sie Verpflegung⸗geld be⸗ kommen, das aber bei den teuren Preisen keineswegs genügt. Wir haben jetzt so viel Getreide, daß man ihnen statt dessen wieder die früheren ausreichenden Brotrationen geben kann.— Die mobilen Truppen bekommen einen Verpflegungsfsatz von 1,20 M., die immobilen nur einen von 60 Pf. Das führt zu großen Härten, da eine Truppe bald mobil, bald immobil ist. Die Budgetkommission hat dem Antrag zugestimmt, ganz allgemein 1,20 M. zu zahlen. Man sagt, das Kriegsministerium zahlt viele Zulagen, so daß nur sehr wenige noch den Verpflegungssatz von 60 Pf. haben. Um so eher kann dann der Antrag durchgeführt werden, da er finanziell dann nicht so sehr ins Gewicht fällt.(Zustimmung.) Die Heeresleitung sollte es sich angelegen sein lassen, die Mannschaften und Offiziere vor der Ausbeutung durch patriotische eiche Pedent und„Liebesgabenfabrikanten“ zu schützen. Gegen solche Prozentpatrioten wäre der sonst von uns bekämpfte Militär⸗ boykott durchaus gerechtfertigt und man könnte diese Leute in der Oeffentlichkeit an den Pranger stellen(Sehr richtig!). Ein Miß⸗ stand besteht darin, daß die im Felde zu Unteroffizieren beförderten Mannschaften häufig die einfache Mannschaftslöhnung weiter er⸗ halten, weil etatmäßige Stellen nicht frei sind. Man sollte etat⸗ mäßige Unteroffiziere nur dann an die Front schicken, wenn im Felde keine außeretatmäßigen mehr vorhanden sind. Die enormen Kosten des Krieges zwingen uns zu der Mahnung an die Militär⸗ verwaltung, einerseits den Mannschaften das zu geben, was wir gefordert haben, andererseits aber auch bei den oberen Stellen nach Möglichkeit zu sparen. Vor allem sollen die Mannschaften so be⸗ handelt werden, wie sie es als Menschen verlangen können. Wir können ja leider jetzt nicht so frisch von der Leber wegreden wie uf(Abg. Kreth(k.): Es ist schon übergenug!— Heiterkeit.). Wir müssen aber den Männern im Waffenrock im Felde und in der Heimat zeigen, daß ihre Interessen auch während des Krieges mit allem Nachdruck vertreten werden(Sehr richtig! bei den Sozial⸗ 1 Möge der Tag bald kommen, an dem der menschen⸗ mordende Krieg sein Ende findet. Ein Jubel ohne gleichen wird sich im Lande erheben, wenn er anbricht(Beifall). Millionen sind von dem Wunsche erfüllt, daß den Völkern bald ein Friede beschert werde, der es ihnen erlaubt, mit alter Kraft sich wieder den Werken der Kultur und der Menschheitsideale zu widmen(Lebh. Beifall). Reichsschatzsekretär Dr. Helfferich: Der Vorredner hat gesagt, daß das Reichsschatzamt bei der Gewährung der Freifahrt für Ur⸗ lauber Schwierigkeiten gemacht habe. Ich bin nicht in der Lage, über die Verhandlungen zwischen den einzelnen Ressorts Auf⸗ klärung zu geben, muß aber sagen, daß der Vorwurf des Abg. Stücklen gegen das Reichsschatzamt nicht auf Kenntnis der Tat⸗ sachen, sondern lediglich auf Vermutungen sich stützt. Ich muß es ferner zurückweisen, wenn Herr Stücklen die Bewilligung der Freifahrt auf Artikel in der Presse, das soll heißen, im„Vorwärts“ zurückführt. Der Vorwärtsartikel erschien ein oder zwei Tage vor der in Frage kommenden Veröffentlichung des Kriegsministeriums. Er hat sicherlich nicht dazu beigetragen und Abg. Stücklen über⸗ schätzt den Einfluß des„Vorwärts“ auf die Reichsleitung doch sehr erheblich. Im allgemeinen möchte ich sagen, ich habe als Staats⸗ sekretär des Reichsschatzamts für unsere Soldaten ein ebenso gutes Herz wie Herr Stücklen oder sonst jemand, aber leider habe ich neben meinem guten Herzen auch noch die Verantwortung für die Finanzen des Reiches. Diese Verantwortung hindert mich mit⸗ unter, von meinem guten Herzen denselben weiten Gebrauch zu machen wie jeder andere Staatsbürger. Fingerzeige, wie weitere Ersparnisse gemacht werden können, nehmen wir jederzeit dankbar an, aber wir haben auch ohne solche Fingerzeige nach Möglichkeit auf Ersparnisse hingewirkt, Sie werden bei den Verhandlungen in der Kommission nicht den Eindruck gewonnen haben, daß ich jede Mehrbelastung zugunsten unserer Soldaten ohne weiteres abweise. Abg. Dr. Müller⸗Meiningen(Vp.): Der Vorredner ist in eine allgemeine Militärdebatte eingetreten. Angesichts der gesamten Lage und angesichts des herrlichen Erfolges dieses Tages beschränkt sich die fortschrittliche Volkspartei auf folgende Erklärung: Wir stimmen allen Anträgen zu, die geeignet sind, die Verhältnisse der Kriegsteilnehmer und ihrer Angehörigen und Hinterbliebenen zu verbessern und eee Reformen einzuführen. Wir haben auch unsererseits zahlreiche Wünsche und Beschwerden unserer Truppen in der Kommission vorgebracht und insbesondere verlangt, daß jeder Mann aus der Front die Möglichkeit bekommt, in einem Urlaub seine Angehörigen zu sehen. Wir sprechen die sichere Er⸗ wartung aus, daß unsere gerechten Forderungen alsbald erfüllt werden. Wir versprechen uns aber von einer Wiederholung der rein militärischen Kommissionsdebatten im Plenum keinen Nutzen (Beifall b. d. Vp). Dankbar und stolz auf unsere von der ganzen Welt bewunderte Armee, ihre Führung und ihre Manneszucht haben wir heute nur den einen Wunsch, daß es ihr gelingen möge, baldigst einen Frieden zu erzwingen, der unsere Kinder und Kindes⸗ kinder vor furchtbaren Blukopfern bewahrt und die fortschrittliche Kulturarbeit des deutschen Volkes sichert und stützt. Mit der Armee wird das deutsche Volk durchhalten bis zu einem giücklhchen Ende(Beifallu)., , Ag. Bässerstasn(nat.)! Angesichts der grurduchen werganv⸗ lungen im Haushaltsausschuß verzichten wir auf eine weitere Dis⸗ kussion im Plenum und werden den Beschlüssen der Kommission zustimmen. Vor den gewaltigen weltgeschichtlichen Erfolgen unserer Armee möge die Kritit heute schweigen. Dankbaren Heraens? huldigen auch wir unseren tapferen Kriegern.(Beifall.) 171 Abg. Dr. Spahn(Z.) schließt sich diesen Erklärungen an, ebenso der Abg. Kreth(kons,).. 20 Stellvertretenden Kriegsminister v. Wandel: Nach den Er⸗ klärungen der bürgerlichen Parteien habe ich nicht mehr nötig, das, was ich in der Kommission ausgeführt habe, hier zu wieder⸗ holen. Ich werde mich bemühen, den vorgebrachten Beschwerden, Anregungen und Fragen nachzugehen, damit beim nächsten Zu⸗ sammentritt des Reichstags die noch vorhandenen Mängel abge⸗ stellt sind. Wir wollen unser Heer nach wie vor schla 11 er⸗ halten und schlagfertig machen für seine großen Aufgaben ö eine sorgfältige Aushebung und verständige Ausbildung, die ge⸗ eignet ist, den guten Geist in der Armee zu erhalten, der allein unterstützt von einer tüchtigen Ausbildung und Führung zum Siege führen kann.(Beisall.) 5 e t ee Damit schließt die-Aussprache. Die Resolutio stimmig angenommen. 10 1 l 1 * W Abg. Bauer(Soz.): 2 g Der Krieg hat schreckliche Verwüstungen angerichtet. Eine un⸗ geheure Zahl der gesundesten und kräftigsten Männer ist ihm um Opfer gefallen und Millionen sind in ihrer Gesundheit geschwächt Eine kräftige und großzügige Sozialpolitik 3 nach dem Friedensschluß nicht nur im Interesse der Arbeiterschaft, sondern r gesamten Nation. Den besten Schutz bieten„Arbeitern die gewerkschaftlichen Organisationen. Sie erziehen die Arbeiter zum Gemeinsinn, erringen ihnen eine bessere Lebenshaltung und schützen sie vor Verelendung. Die Beurteilung des Wertes der Gewerkschaften ist ja während des Krieges eine abe Wert worden. Auch vom Regierungstische ist der hohe Wert** Organisationen anerkannk worden. Leider gibt es aber im Lande e höhere und niedere Verwaltungen, die ihre alte Polstiß der Nadelstiche gegen die Gewerkschaften fortsetzen. In Breslau hat man beispielsweise den Gewerkschaften verboten, neue Mit⸗ glieder zu werben.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Be⸗ schwerden bis zur höchsten Regierungsstelle haben leider bisher keinen Erfolg gehabt. Es zeigt sich, daß die kommandierenden Generäle heute allmächtige Götter sind, die sich auch um Wü iche der höchsten Regierungsstelle nicht kümmern.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) In Breslau werden auch alle in m Exemplaren ausgehenden Mitteilungen der Gewerkschaften unter Zensur gestellt; selbst solche rein geschäftlicher Natur, wie die Au⸗ frage nach der Adresse eines Liebesgabenempfängers. 8 liche Besprechungen werden nach Möglichkeit verhindert und die Folge davon ist, daß mangels der Beratung durch die Gewerk⸗ schaftsführer wilde Streiks ausbrechen, die verhindert werden könnten, wenn man den Mitgliedern die Möglichkeit für eine Ver⸗ ständigung gibt. Ganz eigenmächtig hat der kommandierende General in Ostpreußen sowie einige in Bayern die Freizügigkeit der Landarbeiter und der Dienstboten aufgehoben und sie dadurch geradezu der Willkür ihrer Arbeitgeber ausgeliefert.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Hoffentlich erklärt die Reichs regierung, daß sie diese Verfügungen nicht billigt. Auch die Be⸗ handlung der ausländischen Arbeiter ist vielfach eine empörende, die Brutalisierung der polnischen Arbeiter in den Bergwerksbetrießen muß sie mit Haß gegen alles Deutsche erfüllen.(Lebhafte Zu⸗ stimmung bei den Sozialdemokraten.) Der Heimarbeit werden durch den Krieg neue große Scharen zugeführt werden; um 2 not⸗ wendiger ist es, die Schutzbestimmungen des Heim ter gesetzes endlich in Kraft zu setzen. Das preußische Smtini⸗ sterium hat bei den Verhandlungen mit den Arbeitern, die sich über rückständige Unternehmer zu beklagen hatten, großes Ver⸗ ständnis gezeigt; die Zivilbehörden dagegen scheuen einen Kon⸗ flikt mit den Unternehmern und manche Verwaltungsbehörden stellen sich noch immer auf den Standpunkt, mit den Arbeitern wicht zu verkehren.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die durch den Krieg arbeitslos werdenden Textilarbeiter, etwa eine halbe Million Frauen sind in dieser Industrie beschäftigt, dürfen nicht der Not überlassen bleiben. Ueberhaupt muß jetzt schon Vorsorge getroffen werden, um die bei Beendigung des Krieges in die Heimat zurückkehrenden Krieger, die sicherlich einige Zeit brauchen, bis sie ihre Verhältnisse geordnet und Arbeit gefunden haben, vor Not und Elend zu schützen. In den Fürsorgekommissio⸗ nen, in den östlichen Teilen des Reiches, die an Rußland grenzen, herrschen vielfach noch russische Anschauungen und die Mit⸗ wirkung der Arbeiter ist dort in den Kommissionen aus⸗ geschaltet. Die Gewerkschaften werden erwägen müssen, ob sie in diesen Teilen des Reiches nicht eigene Fürsorgeeinrichtungen für ihre Mitglieder treffen. In unsozialem Geiste wird auch bei der Festsetzung der Renten für die Witwen und Waisen der gefallenen Krieger verfahren; die Kriegsrente, die ihnen zusteht, wird ihnen durch Auslegung des Gesetzes vorenthalten. Sie werden mit der niedrigeren Friedensrente abgespeist, auf die ihnen noch ein Teil der Unterstützungen angerechnet wird.(Lebhaftes Hört! hört!) Einen Antrag Erzberger, den Abzug der Familienunterstützung zur Pflicht zu machen, bitte ich dringend abzulehnen. Driagend nötig ist eine Erhöhung der Familienunterstützung, zumal die Mehrheit der Gemeinden keine Zuschläge zu dieser Unkerstützung gewährt. Zwei Frauen wurde eine Erhöhung der Unterstützung mit der Begründung verweigert, sie könnten von ihren 20 M. Unterstützung„sorglos“ leben.(Lebhaftes Hört! hört!) Man sollte den betreffenden Landrat einmal zwingen, einen Monat lang von 20 M. sorglos zu leben.(Sehr gutl b. d. Soz.) Der Reichsverband der deutschen Städte erkennt in einer Eingabe an die Reichs⸗ Regierung die Notlage der Kriegerfrauen selbst an(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten). Aber eine Folge dieser Notlage ist Unter⸗ ernährung der Frauen und Kinder; auch moralische und sittliche Notstände müssen schließlich daraus erwachsen. Mit den schönen Worten des Staatssekretärs ist den Kriegerfrauen nicht geholfen (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten). Ich bitte die Regierung dringend, den Kriegerfamilien zum 1. Oktober eine einmalige außerordentliche Unterstützung zu gewähren und außerdem in eine allgemeine Erhöhung der Unterstützungssätze zu willjgen(Lebhafte Beifall bei den Sozialdemokraten). S 5 W Ministerialdirektor Lewald: Rund 800 Millionen Mark sind für Unterstützunge nausgegeben worden; da darf man doch nicht sagen, es würde für die Kriegerfamilien unzureichend gesorgt. Es ist natürlich leicht, Einzelfälle herauszusuchen, in denen Fehler vor⸗ gekommen sind, aber in Wirklichkeit sieht es im Lande doch nicht so aus, wie es der Abg. Bauer geschildert hat.(Sehr richtig! Zurufe bei den Sozialdemokraten.) Fragen Sie(zu den Sozial⸗ demokraten) doch mal Ihren Kollegen Fischbeck, der in Berlin diese Sache kennen gelernt hat. Jeder, der die wirklichen Verhältnisse kennt, muß zugeben, daß in der eben gehörten Rede Ausnahme⸗ fälle in geschickter Weise zusammengestellt worden sind, um ein Zerrbild zu liefern.(Sehr richtig! Widerspruch bei den Sozial⸗ demokraten.) Es ist natürlich zu erwägen, ob eine Erhöhung der Wintersätze nicht angezeigt erscheint. Wir denken an eine Er⸗ e amel um etwa 20 oder 25 Pf. Jedenfalls wird alles getan, um die Familien unsexer Krieger vor Not und Elend zu schützen. Beifall.) 9 e. (Schluß folat.) zösischen Linie zur Landung gezwungen und von unserer Ar⸗ tillerie zerstört; das vierte landete im Feuer unserer Abwehr⸗ geschütze bei Moivrons(südlich von Nomeny) hinter der feind⸗ lichen Front. Oberste Heeresleitung. 2 Der österreichisch⸗ ungarische Tages bericht Der Sturm auf Brest⸗Litowsk⸗ Große italienische Verluste. Wien, 26. Aug.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: 26. August 1915: Russischer Kriegsschauplaß. 5 Die Festung Brest⸗Litowsk ist gefallen. Die ungarische Land⸗ wehr des General v. Arz entriß gestern dem Feind da⸗ südwestlich der Festung gelegene Dorf Kobylauy, durchbrach damit die äußere Gürtellinie und fiel den zunächst liegenden Werken in den Rücken; westgalizische, schlesische und nordmährische Heeres⸗ infanterie erstürmte gleichzeitig ein Fort südlich der Ortschaft Koroszezyn. Deutsche Truppen bemächtigten sich dreier Werke an der Nordwestfront und besetzten heute früh die an der Bahnbrücke; gelegene Zitadelle. Unterdessen drängten die Verbündeten den Feind auch über die Lesna und im Wald⸗ und Sumpfgebiet süd⸗ östlich Brest⸗Litowsk zurück und unsere von Kowel nordwärts ver⸗ folgende Reiterei warf russische Nachhuten bei Buein und Wyzwa. Bei den in Ostgalizien stehenden Armeen nichts Neues. Italienischer Kriegsschauplatz. Im Doberdo⸗Abschnitt griffen die Italiener gestern mittag den Monte Dei sei Busi neuerdings an; sie wurden wie immer zur ü ck⸗ geschlagen. Vor dem Görzer Brückenkopf herrschte Ruhe. An der übrigen küstenländischen Front fanden stellenweise Geschütz⸗ kämpfe statt, so namentlich im Raume von Flitsch, wo sich die feind⸗ liche Infanterie vorsichtig heranarbeitet. Der bereits gestern als abgeschlagen gemeldete Angriff gegen den Nordabschnitt der Hoch⸗ fläche von Lavarone wurde von starken feindlichen Kräften geführt; nach zehntägiger, auch die Nächte hindurch andauernder hef⸗ tiger Beschießung unserer Werke steigerte die feindliche Artillerie vorgestern abends ihr Feuer gegen die Front Cima di Mezzena Basson zu größter Schnelligkeit. Bis nach Mitternacht überschüttete sie unsere Stellungen mit Geschossen aller Kaliber. Sodann schritten mehrere Infanterie⸗Regimenter und Alpini⸗Bataillone zum An⸗ griff. Unsere braven Tiroler Truppen und Standschützen, von oberösterreichischen Schützen und der Artillerie hervorragend unter⸗ stützt, schlugen alle Stürme zurück. In den Morgen⸗ stunden war der feindliche Angriff endgültig zusammengebrochen. In ben Hindernissen allein liegen 200 tote Italiener; danach läßt ssich ermessen, welche Opfer dieser Angriff gekostet haben mag. Wir hatten nur geringe Verluste. b Einer unserer Flieger erzielte in der Munitionsfabrik von Brescia mehrere Bombentreffer. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. 6 von Höfer, Feldmarschalleutnant. Die russischen Heere getrennt! Durch verschiedene Rückzugsrichtungen, die die Russen in sihrer Bedrängnis durch die ungestüm nachdrängenden ver⸗— bündeten Armeen einschlagen, treten, wie aus Wien kele⸗ graphiert wird, nun auch Trennungen zwischen den einzelnen russischen Heeresgruppen auf, die noch nicht lange vorher eine einzige zufammenhängende Linie bildeten. Eine in so unerhörten Tempo durchgeführte Verfol⸗ gung, wie sie sich bis jetzt. vor unseren Augen abspielt, war noch nie da in der Kriegsgeschichte. Schon ist die Verbindung, die sich aus Brest auf die Linie Wilna— Minsk beschränkt, dann jene über Kowel Minsk am Nordrande des Poljeßje, die nebenbei nur eingleisig ist, schwer bedroht, die über Bialystok wurde von den Deutschen bereits überschritten. So fluten nun russische Heeresteile gegen Wilna— Minsk zu⸗ rück, während andere sich um Brest⸗Litowsk zusammen⸗ drängen, wo ihrer ein ungewisses Schicksal harrt. In Paris befürchtet man durch den blitzartigen Vormarsch der deutschen Armee eine furchtbare mil itärische Katastrophe. Dabei wird der Munitionsmangel eine steigende Verlegenheit, obgleich in Amerika alle anderen Bestellungen zurückgestellt wurden, um so schnell als möglich den Russen zu liefern. Nun rücken unsere Truppen in dem von Seen und Sümpfen reich besetzten, von zahllosen Wasser⸗ adern durchzogenen waldbedeckten Poljeßje unaufhaltsam vor zur Ueberraschung der Rußen. Am Nigaischen Meerbusen. Erfolgreiche Beschießung russischer Signalstationen Berlin, 26. Aug.(W. B. Amtlich.) Am 25. August abends hat einer unserer kleinen Kreuzer die russische Signal⸗ station Kap⸗Süd⸗Ristra auf der Insel Dagö beschossen und teilweise zerstört. Zur gleichen Zeit hat ein anderer kleiner Kreuzer die Signalstation Andreasberg, gleichfalls auf Dagö, mit Erfolg unter Feuer genom⸗ men. Feindliche Streitkräfte wurden nicht gesichtet. Der stellvertretende Chef des Admiralstabs der Marine: (gez.) Behncke. Beginnende Räumung Petersburgs? T. U. Petersburg, 26. Aug. Alle Fragen der Politik sind hinter denjenigen von den Schlachtfeldern zurückgetreten. Eine künftige neue Offensive, die durch den strategischen Rückzug nach offizieller Lesart vorbereitet werden soll, glaubt man kaum noch auf der äußersten Rechten möglich und die Hoffnungen auf die westlichen Verbündeten sind auf den Nullpunkt gesunken. Von durchaus Vertrauen verdienender Seite wird gemeldet, daß seit dem vorigen Samstag auf un⸗ auffällige Weise eine Ueberführung des Petersburger Reichs archivs nach Moskau begonnen hat. Den dorum höchst ver⸗ wunderten Unterbeamten wurde irk diese Maßnahme erfolge, weil das dee gebäude in der Millionajastraße zit Lazarettzwecken benotig n Allerdings eine höchst sonderbare Motivierung. Die Furcht vor der Revolution. N Newyork, 26. Aug.(W. B. Nichtamtlich) Der Ver⸗ treter des W. T. B. meldet durch Funkspruch: Der 1 ri⸗ kanische Vizekonsul in Ro sto w/ der auf 15 Dampfer„Nellig Glaf“ hier eingetroffen ist, erklärte aß zahlreiche wohlinformierte Persönlichkeiten in Petersburg eine Revolution mehr als das Vordringen der Deutschen fürchten. Vor einer Woche seien Plakate in Petersburg angeschlagen worden, in denen das Volk in flammenden Worten zum Aufstand aufgefordert wurde. 5 1 Der türkische Tagesbericht. Ein feindlicher Angriff abgeschlagen. Koustantinopel, 26. Aug.(W. B.) Das Hauptquartier teilt mit: An den Fronten von Anaforta, Ari Burnu und Sedd⸗ül⸗Bahr unterhielt der Feind abwechselnd heftiges und schwächeres Artilleriefeuer und verschwendete eine große Menge Munition. In der Nacht vom 24. und 25. August unterhielt der Feind das Feuer bis zum Tagesanbruch. Am 25. August unternahm der Feind mit schwachen Kräften einen Angriff auf unseren linken Flügel. Die Angreifer wurden aufgerieben. An den anderen Fronten keine Veränderung. 5 5 f Vereinskalender. Samstag, 28. August. Launsbach. Wa 91 verein. Abends 9 Uhr Versammlung, Sonntag, 29. August. Steinberg. Wahl verein. Nachmittags 4 Uhr Versammlung bei Ludwig Häuser Zur Wilhelmshöhe n Verantwortlicher Redakteur: Heinrich Noll, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M Arbeitsvergebung. Die Dachdeckerarbeiten für die Unterhaltung des Neben⸗ gebäudes Wolkengasse Nr. 11 sollen 5 Montag ben 30. August d. J., vormittags 10 Uhr, öffentlich vergeben werden. 0 Die Unterlagen liegen bei uns zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind bis zum genannten Termin an uns einzureichen.— Zuschlagsfrist 8 Tage. 7 Gießen, den 26. August 1915. 0 Städtisches Hochbauamt. J. V.: Altvater. 213 Verflorbene. Frau Marie Prinz geb. Bittorf in Gießen, 44 Jahre alt. werde. VORTRAG des Herrn Meinig, Vorsitzender des Kriegs-Ausschusses für Konsumenten⸗- Interessen in Frankfurt am Main: Was können die Konsumenten gegen eine unberechtigte Lebensmittelverteuerung tun? Eintritt rei Die unterzeichneten Vereine laden die Gesamt- Einwohnerschaft von Giessen, speziell die Hausfrauen, zu dieser Versammlung höflichst ein. — Allgemeiner Staats-Eisenbahn- Verein Beamten- Verein— Bäcker- Innung— Bürger-Verein— Deutscher Techniker- verband(Zweigverwaltung Giessen)— Eisenbahn-Konsum- Verein Giessen— Fleischer · lnnung— Friseur- Innung— Gewerkschaftskartell Giessen— Konsum- Verein Giessen und Umgegend— Orts-Gewerbeverein— Reichsverein liberaler Arbeiter und Angestellter— Verband Deutscher Eisenbahn-Handwerker und Arbeiter— Verband mittlerer Reichspost- und Telegraphenbeamten— Verein der Detaillisten— Verein der Gastwirte von Giessen und Umgegend— Verein Werkmeister- Bezirksverein. Allgemeiner Deutscher Frauen- Verein der unteren Post- unp Telegraphenbeamten— 0. D 1 8* In die Einwohnerschaft von Giessen! Sonntag, den 29. August 1915, nachmittags präzis 5 Uhr in der neuen Aula der Universität Deffensliche versammlung feparaluren Neubeziehen von Sonnen- und Regenschirmen gut und billig N* Err Reform Waschpulver kostet 1 Pfund nur 25 Pfg. Reformhaus Printritt frei! Kreuzplatz 5. N— 0 2 7 Frische Fiche Große Schellsische Pfund 60 Pfg. Brat⸗Schellsische 3 Pfund 85 Pfg. Praktischer Wegweiser Weekender dg dfpfphlenswerter Geschäfte cu 25 fn ban( Ich. Fischer; Blerhandlungen Klicestraße 28,30 J. H. Iring, bich Telephon 1 I. Kohlen, Koks und Briketts. Blerbrauerel Slscheresen Maxktpl. 19, Ochsen-, . Negler Kalb ge mit eigener Mälzerel „Kolonfalwaren Heinrich Möser, Gießen helle und dunkle Export- Biere Anerkannt vorzügliche Welzen- u. Roggenmehle Sämtliche Futferartikel Wetglar. engros Rüböl, Loinél en detall Gerlach& kuserf Weine, Likärs= vormals J. Luy Christian inderthal Mtzlar Trbrtabe. 2 Wenhendlang 1 1 Gle HH benen r 9—————— g 8 Merfeld f T ter- c. J. 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