1 Tes ARK AA A 14 1 ESS. * 38 S Merhessische Volfazeitung rgan für die Interessen des werktätigen Volles der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Die Oberbessische Volksgeitung erscheint jeden Werktag Abend in Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monallich 60 Pig. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl. 1.80 Mk. Redaktion und Expedition Gießen, Babnhofstraße 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Inserate kssten die ö mal gespalt. Kolonelgeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. 5 Nr. 198 Gießen, Mittwoch, den 25. August 1915 10. Jahrgang. N Das Elend in Rußland. Fluch dem Zarismus! Die Folgen der Wüstenstrategie der russischen Heeresleitung zeigen sich jetzt in einer solchentragischen Größe, daß selbst die russische Presse und ihre Zensur nicht mehr imstande sind, sie vor der Oeffentlichkeit zu verbergen. Angesehene russische Blätter bringen spaltenlange Aufrufe von wohltätigen Gesellschaften, von Organisationen der Städte und Gouvernements, die alle das gleiche furchtbare Bild eines unfaßbaren Elends geben, von jenen Länderstrecken, die die russischen Heere auf ihrem fluchtartigen Rückzuge als Wüsten und Leichenfelder zurücklassen. Zehntausende von Menschen irren obdachlos auf den einzelnen Landstraßen umher, Tausende von Kranken sind darunter und ohne jede Hilfe dem Wahnsinn preisge. geben. Die Schnelligkeit der Flucht und die Zerstörungslust der russischen Soldateska haben es verhindert, daß die Flücht⸗ linge mehr als das Allernotwendigste mitschlepepn konnten. Es fehlt an Kleidung und Nahrung, es fehlt vor allen Dingen an Schuhwerk und an jeder Organisation und Hilfe bei diesem Rückzug ins Innere. Kommen die Flüchtlinge an Dörfer und Städte, so finden sie zunächst das gleiche Bild, das sie eben verlassen haben, und kommen sie nach weiterer tagelanger Wanderung in Gegenden, wo das Kriegselend selbst noch nicht die Stätten des Lebens vernichtet hat, so werden sie nicht wie Landsleute und Angehörige desselben Volkes behandelt, sondern wie Aussätzige und Fremde. Das ist nicht so sehr eine Folge besonderer Hartherzigkeit, als eigener Not und eigener Hilflosigkeit. Die Orte sind selbst meist längst mit Flüchtlingen überfüllt und die Unterstützung der Regierung und der Gouvernements reicht nicht entfernt aus. Es fehlt dort nicht nur an Medikamenten, an Ver⸗ bandsmitteln, Brot und Kleidung, es fehlt vor allem auch an Menschen zur Durchführung irgendwelcher geordneten Anterstützung. Die Verbände der Städte und ihre Vorstände ztelegraphieren vergeblich Tag um Tag an die Zentralstellen ber Regierung, aber diese scheint durch die militärischen Not⸗ lwendigkeiten so überlastet zu sein und so an Hilfsmitteln erschöpft, daß, wie die russischen Zeitungen schreiben, von ihnen keine Hilfe kommt, die in irgendeinem Verhältnis ltünde zu dem, was notwendig sei. Infolgedessen wird nun nuch noch von Seiten der Zivilverwaltung jener Teil der Be wölkerung zwangsweise abgeschoben, der von den Regierungs- sttellen am meisten gehaßt wird oder sich durch irgendwelche fritik unbeliebt gemacht hat. Wir hören seit langem, daß die Juden nach Sibirien verschickt sderden und daß das dortige Gouvernement Irkutsk von übnen förmlich überschwemmt ist. Ebenso wird berichtet, daß Smolensk überfüllt ist und jede weitere Aufnahme verweigert wird und Tula beherbergt allein zwanzigtausend deutsche Kolonisten. Bon dem besonderen Elend der angehäuften Menschenmassen in diesen Städten kann man sich keine Vorstellung machen. Russische Zeitungen selbst enthüllen Bilder, die an die grau- fiasten Szenen der Elendsschilderungen aller Völker erinnern. Mütter und Kinder, Greise und Kranke liegen zusammenge⸗ Hfercht ohne jede Pflege, ohne jede Gelegenheit der Säube⸗ dung und Heilung. Schwindsüchtige husten und spucken, ohne daß man die einzelnen in diesem Elend überhaupt noch beachtet. Es ist, wie wenn Ueberlebende eines großen Schiff, sruchs ans Ufer geworfen werden. In tiefster Hoffnungs⸗ wfigkeit sitzen sie zwischen den jammervollen Trümmern ihrer rrüheren Habe. Hinter ihnen liegt das Leben, vielleicht auch zor ihnen in weiter, weiter Ferne. Jetzt aber sehen sie nur, wie sie sinken und sinken. Es ist der Zusammenbruch einer ganzen Welt, ber sich hier offenbart, der Zusammenbruch eines Regierungs- Ustems, das seit Jahrhunderten den Fluch der europäischen Nenschheit ausmacht. Jede Kraft, die dazu beiträgt, die Macht, die ein solches System geboren und aufrecht erhalten dat, mit aller Gewalt und Rücksichtslosigkeit zu vernichten, berdient sich nicht nur den Dank aller Freunde einer freiheit lichen Politik, sondern den Dank aller Menschenfreunde ohne Unterschied der politischen und religiösen Gesinnung. Hoffen ir, daß die siegreichen deutschen und österreich-ungarischen heere diese wahrhafte Kulturarbeit im Dienste der Menschheit zm Menschlichkeit im vollen Maße erfüllen. tragen, der sie in den Stand setzte, Die Landwirte und die Volksernährung. Aus dem Reichstage wird uns geschrieben: Der Reichstag erinnerte in seiner Montagsitzung an die schönste Zeit seiner Diätenlosigkeit, so wenig zahlreich waren die Abgeord— neten vertreten und eine so langweilige Stimmung lag über dem ganzen Hause. Das war umso bedauerlicher, als das wichtige Ge— biet der Volksernährung erneut zur Diskussion stand und die agrarischen Einseitigkeiten heute mit aller Rücksichtslosigkeit ver⸗ fochten, aber auch glücklicherweise ebenso energisch bekämpft wur⸗ den. Die agrarische Bevorzugung verteidigte und forderte Herr Gamp. Auch seine Rede rief Erinnerungen an frühere Zeiten wach, an die Zeiten, wo der Burgfriede noch eine unbekannte Erscheinung war. Herr Gamp versuchte erneut zu beweisen, daß die landwirt⸗ schaftlichen Produzenten eigentlich die einzigen in dieser Kriegszeit seien, die zu leiden hätten und die demnächst an Unterernährung zugrunde gehen müßten. Es war schon ein großes Entgegen⸗ kommen von seinem Standpunkte aus, daß er wenigstens die kleinen Gewerbetreibenden als gegenwärtig notleidend zugab. Dagegen leben die Arbeiter nach seiner Auffassung natürlich gerade jetzt in wahrhaft idyllischen Lebensverhältnissen, sodaß sie demnächst wohl an Ueberernährung zugrunde gehen werden. Das einzig Positive, was Herr Gamp vorbrachte, war die Forderung, daß die Städte gezwungen sein sollten, direkt von den Landwirten zu kaufen und die Nahrungsmittel an die minderbemittelte Bevölkerung billig abzugeben. Die Differenz zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis soll der Staat tragen. Das hört sich sehr wohltätig für die Ar⸗ beiter an, ist aber natürlich nur eine Wohltätigkeit für die Agrarier, die ihre schönen Höchstpreise garantiert bekommen, während die Arbeiter zu Staatsstipendiaten werden, die ihre Vorteile nur auf Kosten der Steuerzahler genießen, zu denen sie auf der anderen Seite doch selbst gehören. Von sozialdemokratischer Seite blieb ihm Genosse Segitz die richtigen Antworten nicht schulbig. untersuchte auf Grund eines umfangreichen zahlenmäßigen Ma⸗ terials die Extraprofite der Landwirtschaft und die Not der Kon⸗ sumenten, wobei er als alter und guter Kenner der bayerischen agrarischen und städtischen Verhältnisse die Beweismittel in be⸗ sonderem den bayerischen Zuständen entnahm. Schließlich forderte er erneut die besondere Berücksichtigung der kleinen Beamten und Staatsarbeiter und die sofortige gründliche Erhöhung der Brot— rationen. Die agrarische Tendenz unserer Gesetzgebung wurde dann wiederum von dem Zentrumsabg. Pfleger unterstützt, der aber mit guter Wirkung auch bestimmte Erscheinungen in den halbamtlichen Kriegsgesellschaften kritisierte. Die weitere Beratung wurde auf Dienstag vertagt. Die Lage vom englischen Standpunkt gesehen. Der militärische Sachverständige des Manchester Guardlan schreibt über Rußland: Es ist für die Alliierten die schlimmste Woche gewesen, seitdem der Krieg begann. Zwei erstklassige russische Feliungen, Nowo⸗Georgiewsk und Kowno, sind ge⸗ fallen. Die größte von allen russischen Festungen, Brest⸗ Litowsk, ist bedroht, und es wurde dabei eine große Beute sowohl an Menschen wie an Kriegsmaterial gemacht. In den Dardanellen fand eine neue Landung statt, aber nach den letzten Depeschen von Sir George Hamilton ist der Fortschritt, der zuerst gemacht wurde, wieder zu einem Stillstand gekommen. Im Westen sind nur kleine Fortschritte der Franzosen in der Front von Arras und im Elsaß zu verzeichnen. Es fanden Menschen⸗ verluste in dieser Gegend statt durch Luftangriffe, und zur See sind die deutschen Unterseeboote außergewöhnlich rührig gewesen. Es drängt sich Pessimismus auf, und eine hoffnungsvolle Aussicht wird schwieriger wie gewöhnlich. Wie entmutigend jedoch die Lage im Augenblick ist, so kann ein hoffnungsvoller Aus⸗ blick durch zukünftige Aktionen gerechtfertigt erscheinen. Der Fall von Kowno setzt die Deutschen in den Besitz der ganzen Niemenlinie von Kowno bis Grodno. Als eine natürliche Folge davon ist die Räumung von Kalwaria und Su⸗ walki zu nennen. Und nun besteht eine vollständige direkte deutsche Linie auf dem ganzen Wege von Warschau nach der Provinz Riga, und das ist nicht alles. Kowno ist die deckende Festung von Wilna, und die Besetzung von Wilna, das nicht weit entfernt ist, zerstört alle militärischen Vorteile, die die Russen durch den Rückzug von Warschau zu gewinnen hofften. Warschau als militärisches Zentrum gelten zu lassen, war nicht günstig, da es einen Vorsprung machte, und die Russen hofften, indem sie sich jetzt nach Brest zurück- zogen, eine geradlinige Front zu haben, die der beliebten Unzinge⸗ lungstaktik der Deutschen trotzen würde. Aber wenn Wilna fällt, ist Bvest auch auf einem vorspringenden Punkt, gerade so, wie es War⸗ schau war, und in gewisser Beziehung kann man sagen, daß es schon in diesem Augenblick vorspringt. Nur zwei Festungen würden zwischen Brest und einer großen umzingelnden Bewegung von Nor- den stehen, nämlich Bialystok und Grodno, und es ist kein Grund vorhanden, ein Vertrauen zu fühlen, daß diese Festungen nicht das Schicksal von Kowno und von Nowo-Georgiewsk teilen werden. Das würde einen weiteren Rllckzug bedeuten und mit ihm unver⸗ meidliche Verluste. Es ist unsere Pflicht, den Tatsachen ins Auge zu sehen. Es ist möglich, daß es die Absicht der Deutschen ist, sich in diesen Operationen ein Terrain für ihre polnische Politik vorzu⸗ bereiten. In diesem Falle, wenn ste sich längs des Njiemen voll- ständig festgesetzt haben, werden sie vielleicht guf einen Angriff gegen Brest verzichten und ihre Streitkräfte auf ihrem linken Flügel für einen Angriff auf Riga übertragen. Aber es steht den Deutschen nicht unähnlich, die schon seit dem Mai überzeugt waren, daß sie Rußland bei der Hüfte hatten, zuerst Brest e en in der Hoff⸗ nung, einen entscheidenden Sieg über die Russen davonzu⸗ an einer anderen Front ihre Kräfte zu konzentrieren, wo sis dann bis zum nächsten Sommer sicher wären. Dieser Sies ist nicht außer Frage Er; Vom Mieltkrieg. 2* Zum Untergang der„Arabic.“ Newyork, 23. Aug.(Priv.⸗Tel. der Frankfuter Zeitung) Die Sonntagsblätter sind ruhiger. Die Newyork Times sagt, ein Festhalten an der Ablehnung von Recht und Gerech⸗ tigkeit sei nicht zu erwarten von einer großen und gerechten Nation. Darum solle man Deutschland jetzt Gelegenheit geben, die„Arabic“-Angelegenheit aufzuklären. Andere Blätter erwarten keine sofortigen Maßnahmen.— Präsident Wilson wird in Berlin anfragen lassen, die Ant ⸗ wort dürfte vielleicht zwei Wochen in Anspruch nehmen. 5* London, 23. Aug.(W. B. Nichtamtlich.) Der Daily Telegrapk meldet aus Newyork: Wilsons Sekretär Tumultuy sagte über die Versenkung der„Arabic“ in einer Ansprache: Die geeinigte Nation unterstützt den Präsidenten in dieser großen nationalen Krise und sie wird, wenn nötig, für die unveräußerlichen Rechte der Ameri kaner zu Lande und zur See auchihr Leben einsetzen. Ksosevelt als Kriegstreiber. London, 23. Aug.(W. B. Nichtamtlich.) Das Reu tersche Bureau meldet aus Newyork: Die Blätter enthalten · die Erklärung Roosevelts, in der er sagt: Er hoffe von Herzen, daß die Regierung nicht zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen schreitet. Das wWöre eine neue Kränkung der Ehre und der Interessen Amerikas. Die Note vom Februar des Präsidenten sei aus⸗ gezeichnet gewesen, aber alle folgenden seien Produkte der Schwachheit und der Schüchternheit. Die Per. senkung der„Lusitania“ und der„Arabic“ sowie die Angkiffe auf die„Gulfligh“ und„Falaba“ sowie ähnliche Vor⸗ fälle seien die anmaßende Antwort gewesen, die durch Schwoch⸗ heit veranlaßt worden sei. Deutschland werde sich wenig um den Abbruch der diplomatischen Beziehungen kümmern, denn die Zeit, wo Worte an das Volk hätten gerichtet werden müssen. sei lange vorbei. Es sei unbegreiflich, daß die Erben der Ueberlieferungen Washingtons und Lincolns und die Mit⸗ glieder der Regierung nicht einsähen, daß die Zeit zu Taten gekommen sei. Was jetzt geschehen sei, sei ein neuer Besdeis der Unklugheit des amerikanischen Volkes, das nicht schon vor 13 Monaten darauf gedrungen habe, mit den mili⸗ tärischen Vorbereitungen zu beginnen. Die französische Regierungskrise. Der Entschluß der französischen Regierung, der Deputierten⸗ kammer in einer geheimen Plenarsitzung Aufschlüsse über die militärische Lage zu geben, stößt nach einem Bericht der Frankf. Zeitung in der gesamten konservativen und reaktio⸗ nären Presse auf die lebhaftesten Bedenken, und da die Zensur die politische Polemik überwacht, so werden zunächst äußer⸗ liche Schwierigkeiten geltend gemacht. Nach dem Verfassungsgesetz von 1875 und nach den danach aus⸗ gearbeiteten Bestimmungen ihrer Geschäftsordnung kann die Kam⸗ mer auf Antrag von 20 Mitgliedern beschließen, daß sie sich in ein „geheimes Komitee“ umwandelt. Die Abstimmung über einen solchen Antrag erfolgt ohne Debatte. Die Kammer let die Tages⸗ ordnung für diese geheime Sitzung fest, und sobald die Ursache, die zum Ausschluß der Oeffentlichkeit Anlaß gab, nicht mehr besteht, schlägt der Prästdent dem Hause vor, eine neue öffentliche Sitzung anzuberaumen. Das nationalistische Echo de Paris und die übrigen anti⸗ republikanischen Blätter erachten diese Bestimmung für unzu⸗ reichend, um das Geheimnis der Kammerverhandlungen zu sichern. Das Echo de Paris fragt, ob das diensttuende Personal der Kammer im Sitzungssaale bleiben dürfe, und wenn das nicht der Fall sei, wer dann das Sitzungsprotokoll aufnehmen könne, da die Sekretäre und Stenographen nicht gegenwärtig seien. Sodann sei es un⸗ möglich, die Mitglieder des Senats zu verhindern, einer Sitzung der Kammer beizuwohnen. Damit erhöhe sich das Publikum der geheimen Sitzung auf mehr als 800 Personen, und die Geheim⸗ haltung der Regierungsmitteilungen werde illusdorisch. Der ge⸗ mäßigte Abgeordnete Brousse und der bonapartistische Abgeord⸗ nete Delahaye drohen auch bereits mit Obstruktion. Sie wollen verlangen, daß über den Antrag auf Ausschluß der Oeffentlichkeit, der voraussichtlich von den Sozialisten eingebracht wird, mit Namensaufruf abgestimmt werden soll. Der Figaro, die Republique Frangaise und der Temps halten die ge⸗ heime Sitzung für bedenklich, ja geradezu gefährlich und finden es unbegreiflich, daß die Regierung der Linken dieses Zugeständnis gemacht hat. Der Temps bemerkt, daß die Kammer nicht verhindert werden könne, über das Programm hin aus- zugehen, auf das die Regierung die geheime Sitzung im voraus beschränken wolle. Die Kammer solle Mitteilungen über die Lage erhalten, aber zur Beurteilung der Lage halte sie vielleicht nicht nur die Mitteilungen des Kriegsministers für nötig, sie werde auch vom Marineminister Auskunft über die Lage in den Dardanellen haben wollen und vom Minister des Aeußern über die Verhandlungen mit den Balkanstaaten. Der Temps empfiehlt der Regierung, mit dem Kammerpräsidenten und den Vorsitzenden der großen Kommissionen die geeigneten Vorsichtsmaßregeln zu ergreifen, um zu verhindern, daß das gefährliche Experiment der geheimen Sitzung zum Unheil werde. Die republikanische Presse hat die Freitagsrede Willerands derart ungenügend gefunden, daß die Zensur Anlaß ge⸗ funden hat zu besonders strengen RNaß regelungen. In der Humanits wurde die Beschreibung der Sitzung ausge⸗ merzt. Clemenceaus Leitartikel wurde von Anfang bis zu Ende unterdrückt, und das radikale Abendblatt, das vor zwei 92 von Caillaux gegründete Bonnet Rouge, wurde für 10 Tage verboten. 5 Zur Lage in Griechenland. Reuter meldet aus Rom: Wie verlautet, hat Venizelos das Kabinett gebildet und die vollkommene Zufriedenheit des Königs erzielt, der ihn beglückwünschte. Der Korrespondent der Morning Post in Athen berichtet, daß der König und Venizelos in zwei Hauptpunkten zu einer Uebereinstimmung gekommen sind. 1. Wohlwol⸗ lende Neutralität gegen die Entente und Erfül⸗ lung der Verpflichtungen, die in dem Vertrage mit Serbien festgelegt sind. 2. Festhalten an der Unpfändbarkeit des griechischen Landgebietes. Aus Athen wird gemeldet, daß Venizelos bis Dienstag das Kabinett gebildet haben wird. Gegenwärtig beschäftige er sich mit der Möglichkeit einer Anleihe Griechen⸗ lands bei den Verbands mächten. Es erhält sich das Gerücht, daß Griechenland für den Fall, daß Venizelos an die Spitze der Regierung tritt, von den Verbandsmächten finanzielle Unterstützung zugesagt erhalten hat. Ein neuer Völkerrechtsbruch der Engländer. Die Neue Freie Presse meldet aus Saloniki: Das reichsoffizielle Organ Neri meldet, daß nördlich von Saloniki englische Truppen landeten. Kurz darauf wurden griechische Truppen dorthin beor⸗ dert, die die gesamten Engländer entwaffneten und nach Saloniki brachten. Englisch⸗französische Truppen werden augenscheinlich auch bald Kreta besetzen. Man schließt das daraus, daß vorgestern in der Sundabai drei französische Torpedojäger ankamen. In den nächsten Tagen erwartet man das Eintreffen von mehreren englischen und französischen Schiffseinheiten. Viele Einwohner Salonikis flüchten aus Angst vor der englischen Invasion nach Athen. Es wurde fest⸗ gestellt, daß zahlreiche englische Offiziere bei Einkäufen in Saloniki die Bevölkerung auf die englische Besetzung vorbereiteten, indem sie dort erzählten, wie gut es die Einwohner von Saloniki unter eng⸗ lischer Herrschaft haben würden. Die in Saloniki ansässigen fremden Konsuln protestierten gegen diese Minierarbeit der Engländer. Die Schlacht bei Brest⸗Litowsk. Wie dem Berliner Lokalanzeiger aus dem k. k. Kriegs pressequartier gemeldet wird, nimmt die Schlacht um Brest⸗ Litowsk ihren Fortgang. Die Russen arbeiten mit starken Kräften, kämpfen erbittert und weichen nur Schritt für Schritt vor den unwiderstehlich aus verschiedenen Richtungen gegen sie geführten Angriffen der verbündeten Truppen. Die Armee Gallwitz hat den Ort Tykocin erstürmt. Das siebenbürgische Infanterie-Regiment Nr. 64 der Armeegruppe Koeveß nahm den Russen einen starken Stützpunkt weg, wo⸗ bei sieben Maschinengewehre und 900 Mann in den Händen unserer Infanterie blieben. Die Armee des Erzherzogs Josef Ferdinand steht unablässig in schweren Kämpfen; ihr liegt die Zurückdrängung der Russen nordöstlich von Brest⸗ Litowsk ob. Sie hat ebenfalls eine Anzahl Gefangene ein⸗ gebracht. Mackensen treibt einen Teil seiner Kräfte über Piszceza in die Richtung Kolrin vor, macht rüstige Fortschritte und bedroht den Feind empfindlich. Nordöstlich Wladimir Wosynskij gewinnen unsere Truppen ständig Raum. Die Räumung Wilnas beendet. Nach Meldungen Schweizer Blätter aus Petersburg ist 1 Wilnas beendet. Tausende von Einwohnern ssen Tag und Nacht die Stadt. Alle Banken wurden geschlossen, ed Werkstätten und Fallriken. Die Schulen sind ins Innere Rußlands verlegt, meistens nach Moskau, wo auch die ungeheuren Vorräte an Lebensmitteln, die in Wilna aufgestapelt waren, untergebracht sind. Flüchtlingselend in Rußland. Lonbon, 23. Aug.(W. T. B. Nichtamtlich.) Der Vertreter des Daily Chronicle meldet aus Petersburg: Die Möglichkeit einer Räumung Petersburgs wird offen erörtert. Die Frage, was mit den Flüchtlingen angefangen werden soll, hat einen beunruhigenden ———— me 2 r 77 Umfang angenommen. Das Vordringen der deutschen Heere hatte zur Folge, daß die Bevölkerung der westlichen Provinzen in stets anwachsendem Strome nach dem Innern des Landes kommt und de Hilfsquellen der Unterstützungsausschüsse aufs äußerste erschöpft. Semstwos, lithauische und jüdische sowie lettische Aus schlisse er⸗ richten überall Hilfsstellen. Man sucht die Flüchtlinge so viel wie möglich über das ganze Land zu verteilen. Juden dürfen sich jetzt nach den meisten Teilen Rußlands begeben. Duma⸗Auflösung? T. U. Wien, 24. Aug. Das 8 Uhr⸗Blatt meldet aus Stockholm: Der Petersburger Invalid veröffentlicht eine offiziöse Auslassung, in der bei Fortdauer der Angriffe in der Duma auf die Regierung und den Generalissimus die Auf⸗ lösung der Reichsduma angedroht wird. 5 Die russische„Gnade.“ 50 a Zur angeblichen Begnadigung des finnischen Parlaments- prästdenten heißt es in einem Telegramm des Berliner Tageblattes aus Kopenhagen: Der nach Sibirien verbannte Landtagspräsident Spinhufvud, der nach Petersburger Blätternachrichten angeblich be⸗ gnadigt und auf dem Wege nach Finnland sein sollte, wird nach wie vor in Kolyvan in Sibirien festgehalten. Wie die Helsingforser Zeitung erklärt, weiß Spinhufvud persönlich nichts von einer Be⸗ gnadigung und rechnet auch nicht damit. Das türkisch⸗bulgarische Abkommen. Das Berl. Tgbl. schreibt: Gestern abend wurde in Berlin die Nachricht verbreitet, das türkisch⸗bulgarische Abkommen sei! unterzeichnet worden. 0 Gesandten in Berlin erklärte dieser einem unserer Mit⸗ arbeiter, er habe aus Sofia noch keine offizielle Nachricht von der Unterzeichnung des Vertrages erhalten, erwarte aber diese stündlich, das sei ihm bekannt, daß das Abkommen per⸗ fekt sei. Diese Erklärung stimmt mit den Nachrichten über⸗ ein, die gestern auch bei informierten deutschen Stellen vor⸗ gelegen haben. a Der Berichterstatter der Voss. Ztg. meldet seinem Blatte: Wie ich schon für die Sonntagsnummer meldete, sind am Samstag die türkisch-bulgarischen Verhandlungen abge⸗ schlossen worden. Die Vereinbarungen wurden(wahr⸗ scheinlich Freitag) in Konstantinopel unterzeichnet. Bul⸗ garien verzichtet auf Kirkilissa und erhält dafür Karagatsch und von einem gewissen Punkte ab beide Maritzaufer. Die neue türkisch⸗bulgarische Grenze läuft also längs der Maritza und hierauf etwa von Külele Burgas oder Dimotika unge⸗ fähr 5 bis 10 Kilometer östlich der Maritza. Der Abschluß ist für die Balkanlage von hervorragender Be⸗ deutung. Ein verwerfliches Mittel der französischen Regierung. Die Nordd. Allg. Ztg. veröffentlicht das Faksimile eines Be⸗ fehls des französischen Kriegsministers an die ihm unterstellten Behörden wegen Behandlung der Elsaß⸗Lothringer, die sich im Heeresdienst befinden und schreibt dazu: Die französische Regierung befindet sich in keinem Zweifel darüber, daß die Einreihung deut⸗ scher Personen, welche die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen und deren Naturalisierung in Frankreich nach Lage der deutschen Ge⸗ setze nicht anerkannt werden kann, völkerrechtswidrig ist; sie weiß, daß die Elsaß⸗Lothringer für den Fall, daß sie gefangen genommen werden, als Landesverräter betrachtet und von Deutschland dem⸗ entsprechend behandelt werden. Trotz dieser klaren Sachlage nimmt sie keinen Anstoß, die irregeführten Elsaß⸗Lothringer zum Kampfe gegen Deutschland zu verwenden und sie wissentlich den Gefahren aussetzt, die ihnen im Falle ihrer Gefangennahme drohen. Um dieses zu vermeiden, greifen sie zu dem Mittel der Fälschung. Im Befehl des Kriegsministers heißt es u. a.:„... Andererseits ist es mit notwendig erschienen, Maßnahmen zu ergreifen, um die elsaß⸗lothringischen Freiwilligen und ihren Familien gegen deutsche Widervergeltungsmaßnahmen sicher zu stellen. Ich habe deswegen beschlossen, daß denjenigen Elsaß⸗Lothringern, die für die Kriegs⸗ dauer angeworben und zum Heeresdienst geschickt worden sind, eine fingierte Zivilstandsurkunde gegeben wird, aus der sich ergibt, daß die Betreffenden Franzosen sind. Die Rekrutierungsburxeaus, wo sie eingeschrieben sind, sollen die echten Zivilstandsurkunden be⸗ sitzen. Infolgedessen sollen zuerst die Rekrutierungskommandanten dafür Sorge tragen, daß ihnen ein anderes Buch und eine andere Urkunde über ihre Person ausgestellt werden. Das echte Buch wird Auf eine Anfrage beim bulgarischen!“ an die 15 nekenerindetonerdarten bellen und vs ihnen aufbewahrt werden. 2 1 5 11 Befehl geht mit aller Deutlichkeit hervor, zu welch“ niedrigen Maßnahmen die französische Regierung bei der volke rechtswidrigen Verwendung der Elsaß⸗Lothringer ihre Zufluch nimmt. 5 f Neue englische Anleihe in Amerika. T. u. London, 24. Aug. Daily Telegraph meldet aus Newyork: Wegen der neuen englischen Anleihe in den Ver⸗ einigten Staaten haben bereits Besprechungen mit dem großen Bankhause Morgan stattgefunden. Wie es heißt, set unter Führung dieser Bank bereits ein Konsortium gebilden worden, welches 500 Millionen Dollar englische Schatzbonds zu 5 Prozent, rückzahlbar in einem bezw. zwei Jahren, eventl. zu einem anderen Zinsfuß in Tbezberich des Großen Hauptauarkiers. Abgewiesene frauzösische Angriffe in den 5 Bogesen. N Eine Höhe vor Brest⸗Litowsk gestürmt. Westlicher Kriegsschauplatz. 9 10 Jahren, bewilligen werde. 0 1 W. B. Großes e Aug., vorm.(Amtlich.) Während ihres gestrigen Besuches vor Zeebrügge gab die englische Flotte etwa 60 bis 70 Schuß auf unsere Küsten⸗ besestigungen ab. Wir hatten durch die Beschießung den Ver⸗ lust von 1 Poten und 6 Verwundeten zu beklagen. Außerdem wurden durch zu weitgehende Geschosse noch 3 belgische Ein⸗ wohner verletzt. Sachschaden ist nicht angerichtet. 4 In den Vogesen, nördlich von Münster, ruhten tagsüber die Kämpfe. Am Abend griffen die Franzosen abermals un⸗ sere Stellung am Barrenkopf und nördlich davon an. Der Augriff wurde zurückgeschlagen; eingedrungene schwache Teile des Feindes aus unseren Stellungen geworfen. Einige Alpen⸗ jäger wurden gefangen genommen. Bei den gestern gemel deten Kämpfen ist ein Grabenstück am Barrenkopf in Feindes⸗ hand geblieben. g Bei Lob(südwestlich von Dixmuiden) wurden vorgestern ein französischer Doppeldecker durch eines unserer Kampfflug zeuge abgeschossen. ö Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. Nördlich des Niemen keine Veränderung. 95 Auf der übrigen Front östlich und südöstlich von Kowno — 2 2 nahmen unsere Truppen 9 Offiziere und 2600 Mann gefangen 5 und erbeuteten 8 Maschinengewehre. f Prinzen Leopold von Bayern. Auf der Höhe nordöstlich von Kleszezele und im Wald. 1 Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls 9 1 gebiete südöstlich dieses Ortes wurde der Gegner gestern von unsern Truppen erneut geworfen. Der Feind verlor über 4500 Mann an Gefangenen und 9 Maschinengewehre. f Heeresgruppe des Geueralfeldmarschalls 0 v. Mackensen. Vor dem Angriff der über die Pulva und südöstlich der Pulvamündung vorgehenden deutschen und österreichisch- un⸗ 0 5 N garischen Truppen räumte der Feind seine Stellungen. Die ö Verfolgung ist im Gange. Auf der Südwestfront von Brest—Litowsk wurde die Höhe bei Kopytow gestürmt. Unsere durch die Sümpfe nord- westlich von Wlodawa vordringenden Truppen verfolgten den gestern geworfenen Feind. Oberste Heeresleitung. —— N VPPPFPPCPPPPCCCTCGCTGTGTCTGT(TbTTT—T—TW1—T—T—1—T1—T—T—T—T—T—W—————T————————— w pp 4 Diethelm von Buchenberg. Erzählung von Bertold Auerbach. 58 „Ich will nichts von deinem Brandgeld, nichts von deinen Sachen, du bist unterm Galgen weggelaufen, aber du bleibst doch noch einmal dran hängen. Laßt mich los,“ schris Munde, den seine Kameraden festhielten, daß er nicht auf Diethelm eindrang. Eine große Menge Menschen hatte sich um die Streiten⸗ den versammelt, Diethelm hatte sich rasch entfernt, Munde riß sich von seinen Kameraden los, und mit geballten Fäusten und schäumendem Munde eilte er nach dem Rautenkranz: Fränz mußte ihm Genugtuung verschaffen für die unerhörte Schmach, die ihm der Vater angetan, und dann mußte sie noch zur Strafe ihren Vater verlassen, nichts von seinem Sündengut annehmen, er wollte Tag und Nacht arbeiten, um sein Brot in Ehren zu verdienen. Als er in die Wirtstube trat, sah er Fränz, die Hand in Hand neben dem Rautenwirtssohne am Tische saß. Sie heftig schüttelnd, fuhr er auf:„Lumpenpack! Hundebagage seid ihr alle. Da sitzt du bei einem anderen, derweil dein Vater mich vor aller Welt beschimpft.“ Der Zorn gab ihm plötzlich höllische Gedanken, und er fuhr fort:„Du hast mich angestiftet, ich soll deinem Brandstifter-Vater Widerpart tun, und ihn hast du angestiftet, daß er mich beschimpfen soll, damit du mich los wirst. Du hast schon einen anderen. Jetzt seh' ich, du bist das schlechteste— ich kann's gar nicht sagen. was. Aber warte nur, du hast mir selber gesagt, was du von deinem Vater weißt. Verflucht ist dein ganzes Haus. Ich will nur so lange leben, bis du mit deinen Kindern vor meiner Tür um Brot bettelst. Ich bin froh, daß ich nimmer so schlecht bin und von eurem Sündengut was mag. Fresset's allein und erstickt daran.“ Fränz stieß den Munde weit von sich, und er stürmte fort, die Stadt hinaus, der Heimat zu.— So unverhofft, als die Verlobung geknüpft war, ebenso sollte sie auch zerrissen werden. Mit dem Abschied vom Militär hatte Munde heimkehren wollen, jetzt rannte er dahin, wie aus der Welt verstoßen, er wußte gar nicht, wohin er sich wenden sollte. Die blüten⸗ duftigen Bäume standen so still selig im Sonnenschein und ließen die Bienen in ihren Blütenkelchen sich erlaben, die Vögel sangen so wonnig, und alles freute sich des Daseins. nur sein Herz war zum Tode betrübt. Stundenlang war er unaufhaltsam gerannt, immer vor sich hin fluchend und alles derwünschend; als er jetzt durch das Dorf Breitlingen schritt, stand er vor dem Wirthaus still, suchte in allen Taschen nach Geld und fand in der Tat keinen Heller; mit einem selbst⸗ verachtenden Lachen schritt er weiter und legte sich draußen vor dem Dorfe unter einen blühenden Birnbaum am Weg⸗ rain. Beim Niederlegen gedachte er der schönen Kleider, die er an hatte, und er schämte sich derselben, sie waren von Diet⸗ helms Geld, und Fränz hatte sie ihm gegeben. Er wollte nur noch heim, den Brandstiftern die Kleider mitsamt der Trau (Verlobungsgeschenk) schicken und dann fort, weit fort. Die Bienen summten und schwirrten im Baume, und Munde spielte mit dem Brautring, den er vom Finger ge⸗ zogen, und ein abgerissener Klang aus dem alten Liede vom Teufel, der die untreue Braut holt, zog Munde durch den Sinn: So komm' nur her, du schöne Braut, Du hast deinen Himmel in die Hölle gebaut. Er nahm sie bei der linken Hand Und führte sie in den feurigen Tanz.. Bald aber hörte Munde weder eine Stimme im Innern noch etwas um sich her. N VI. Die beiden Rappen waren zu großer Verwirrung los und ledig auf dem Markte umhergelaufen, der Schmied von Buchenberg, der ein Pferd eingekauft hatte und eben davon⸗ reiten wollte, fing sie ein und brachte sie dem Diethelm, der darob ganz verwundert schien; er übergab dem Reppenberger die Pferde, um sie nachzubringen, und eilte voraus durch Nebengäßchen und Durchhäuser nach dem Rautenkranz. Als er hier von Fränz hörte, was geschehen war, erschrak er an⸗ fangs, so weit hatte er's mit Munde nicht treiben, er hatte ihm nur den Daumen aufs Auge halten wollen. Bald aber sagie er:„Es hat sein müssen, drum ist's besser heut als dem alten Schäferle. morgen.“ Fränz war nicht so leicht zu beruhigen, sie nahm den Vater aus der Wirtsstube fort nach dem stillen Zimmer und sagte hier, daß man nicht wissen könne, was Munde vor habe, er wisse alles, Medard habe ihm das gleiche gesagt wie „Das ist vorbei,“ beruhigte Diethelm,„davon bin ich 1 freigesprochen; was gemäht ist, ist gemäht. Red' mir heut nichts mehr von der Geschichte.“ „Ja, Vater, aber er wird mich deswegen bor Gericht 1 fordern.“ „Dich? Warum? Was hast denn du dabei? „Ich hab' ihm alles gesagt,“ erwiderte Fränz mit niede“ geschlagenem Blicke. 5 „Was? Was hast ihm gesagt? Was weißt denn dun Ich versteh' den Teufel von all deinem Geschwätz.“ g „Vater, ich hab' gemeint, er sei mein Mann, und ih darf ich alles sagen, und da hab' ich ihm erzählt, wie Ihr da? mals auf der Kalten Herberge die Farb' gewechselt habt, wie der Wirt erzählt hat, und wie Ihr mir hier in diesem Zimmer vier Wochen vor dem Brande gesagt habt, Ihr wisset nicht mehr, wo aus noch ein. Vater, ich hab's ja nicht bös gemeint, ich hab' ja nie daran denken können, daß uns der Munde per ⸗ raten könnt'.“ a Diethelm schnaubte wild vor Zorn und Schreck, er ballte die Faust, als wollte er Fränz zu Boden schlagen: sein eigen Kind wußte um seine Schuld und hatte sie preisgegeben; aber schnell entballte er seine Faust wieder, spielte in der Lust mit den Fingern wie auf Klaviertasten und sagte bitter lächelnd:„So? Also du bist so gescheit und willst deinem Vater etwas zusammenzwirnen? Aber du bist zu dumm, daß dich die Gäns' beißen. Ich sollt' eigentlich kein Wort mehrt mit dir reden und dir die Peitsche anmessen. So denkst du von deinem Vater? Du bist's nicht wert, daß ich dir einen Groschen hinterlasse. Geh' nur vor Gericht. Kannst alles sagen, alles. Aber gedenken will ich dir's, was du getan hast. Jetzt weiß ich, warum der Lump so frech gegen mich gewesen ist. Mein eigen Kind, mein einzig Kind hat's ihm eingeben. Ich will hinaus und will die ganze Welt fragen, ob das noch einmal vorkommt, soweit der Himmel über der Erde steht“ Fortsetzung folgt.) 1 1 9 E UI Hessen und biete Verdorbene Lebensmittel. Schon des öfteren haben wir Inserate aus großen Han— delsblättern wiedergegeben, in denen verdorbene Nahrungs— mittel in großen Mengen als Viehfutter oder zur technischen Verwertung angeboten wurden. Neuerdings erst wieder tand eine Leserin des Vorwärts in der Meißener Zeitung eine Anzeige, durch die eine Firma Engel u. Co. 500 Zentner ge— salzenes Fleisch für Futterzwecke anbietet. Während jetzt überall ungeheure Quanten von Fleisch verderben, die oft— mals kaum noch als Viehfutter verwendet werden können, ist die Bevölkerung nicht mehr in der Lage, wegen der hohen Preise Fleisch in einigermaßen zureichendem Maße genießen zu können. In gerechter Empörung schreibt die Einsenderin dann weiter, daß sie am Freitag für ein Pfund Rinder- kaldaunen 60 Pfg. zahlen mußte. Mit Wehmut gedenkt die Schreiberin der großen Mengen, die jetzt vernichtet und der Bevölkerung dadurch entzogen werden. Aber auch sonst scheinen verdorbene Lebensmittel ein viel begehrtes Handelsobjekt zu sein. Wer die städtische Markt- halle in der Linden und Friedrichstraße in Berlin durch— schreitet, findet unter den quer über den Haupteingang aus— gebreiteten Reklameschildern auch ein recht auffälliges, das folgenden Wortlaut hat: Zur Verfügung gestellte verdorbene Lebensmittel, nicht mehr zur menschlichen Nahrung geeignet, übernimmt sofort waggon⸗ oder fuhrenweise Produkten⸗Handelsgesellschaft m. b. H. Charlottenburg. Verdorbene Lebensmittel hat es zwar immer gegeben, aber doch niemals in dem Umfange wie gerade jetzt. Und gerade in dieser Zeit wäre es so nötig gewesen, Vorsorge zu treffen, damit die knappen Nahrungsmittel ohne Verluste der Bevölkerung zugeführt würden. Wieviel Hunger hätte sich dadurch lindern, wieviel Unterernährung vermeiden lassen? Von der Geburtenminderung. Die außerordentliche Geburtenminderung, die— aus nahe⸗ liegenden Ursachen— im Mai dieses Jahres begann, ist im Juni noch deutlicher hervorgetreten. In Berlin wurden, wie sich aus den jetzt vom Statistischen Amt der Stadt bis Juni fertiggestellten Tabellen über die Bevölkerungsbewegung ergibt, in den Monaten Januar bis Juni dieses Jahres 3311, 3049, 3402, 3061, 2669, 2324 Kinder geboren leinschließlich Totgeborene). Hiermit vergleiche man, daß in denselben sechs Monaten des vorigen Jahres 3467, 3177, 3369, 3350, 3506, 3151 Kinder geboren wurden leinschließlich Totgeborene). Der Durchschnitt pro Tag war für Januar bis Juni im vorigen Jahr 112, 113, 109, 112, 113, 105 Kinder, dagegen in diesem Jahr 107, 109, 110, 102, 86, 78 Kinder. Hinter den vor⸗ jährigen Monatsergebnissen blieben die diesjährigen zurück im Mai um ziemlich 24 Prozent., im Juni um fast 26 Prozent. Für Juni war die Zahl der Lebendgeborenen im vorigen Jahr 3033, in diesem Jahr 2228. Die Zahl der im Juni gestorbenen Personen(ohne die totgeborenen Kinder) war im vorigen Jahr, 2357, in diesem Jahr 2346. Hiernach brachte der diesjährige Juni weniger Geburten als Sterbefälle, so daß er ohne Geburtenüberschuß abschloß. 5— Unerfreuliches aus städtischen Betrieben. Aus dem städtischen Gaswerk gehen uns wiederholt Klagen über unangemessene Behandlung der Arbeiter zu. Für die Sonntagsarbeit wird den Hofarbeitern, trotz der klaren Vorschrift der Arbeitsordnung, die Zulage verweigert; es wird diese Ueberarbeit zur Schichtarbeit gestempelt, um den Zuschlag zu„sparen“. Von Schichtarbeit kann natürlich nur die Rede sein, wenn es sich um dauernd Nachtarbeit er forderliche Schichten handelt,— die derzeit beliebte Aus- legung ist ein Unrecht gegen die Arbeiter und eine Ver— kürzung ihrer Löhne. Ebenso willkürlich werden in letzter Zeit den Laternenputzern Abzüge gemacht, welche bei einzelnen bis 3 Mark die Woche betragen. Dazu hat die Direktion gar kein Recht; sie hat einfach die verein⸗ barten Löhne zu zahlen, und gegen die nachträglichen Abzüge sollen die Arbeiter ruhig den Oberbürgermeister, und wenn dies nicht möglich ist, das Gewerbegericht anrufen. Auch die Umgangsform, die der Herr Direktor gegen die Arbeiter beliebt, ist als angemessen nicht zu betrachten. Drohungen mit„hinauswerfen“ usw. müssen Leute in solchen Stellungen vermeiden; bringen sie diese Selbstbeherrschung nicht zu⸗ stande, bitten wir die Kommission für das Gas- und Wasser⸗ werk, eine angemessene Behandlung der Arbeiter zu er— zwingen. Auch ein Herr Schnabel am Klärbecken soll mit Drohungen, wie„Schädel einschlagen“ usw., sparsamer sein. Außerhalb der städtischen Betriebe mag sich jeder seinem Bil, dungsgrade angemessen ausreden. In den städtischen Werken fordern wir, daß die Arbeiter behandelt werden, wie es unter gesitteten Menschen üblich ist. —„Zwölf Monate Weltkrieg“, so betitelt sich eine Karte vom Kriegsschauplatz, die als Jortsetzung der Karte„So steht der Krieg“ erschienen und im Alleinverkauf in der Buchhand⸗ lung der Oberhessischen Volkszeitung zum Preise von 50 Pfg. zu haben ist. Die Karte veranschaulicht in sehr übersichtlicher Weise den Siegeszug der verbündeten deutsch⸗österreichisch⸗ ungarischen Truppen und gibt den Stand der Heere bis zum 24. August an. Auf der Vorderseite befinden sich die Karten vom westlichen und östlichen Kriegsschauplatz, von England und den Balkanstaaten, während auf der Rückseite die Karten vom italienischen und türkischen Kriegsschauplatz angebracht sind. Zirka 12 kleinere Spezialkarten bieten ein wertvolles Exgänzungsmaterial zu den übrigen Karten. Was aber die Neuerscheinung besonders interessant macht, ist der Umstand, daß ihr eine Kriegschronik in Broschürenform beige. geben ist, die alle Ereignisse vom 1. August 1914 bis 31. Juli 1915 registriert. Die Karte, die für jeden Daheimgebliebenen bei Verfolgung der kriegerischen Ereignisse unentbehrlich ist, dürfte auch unseren Kriegern als Liebesgabe sehr willkommen sein. Sie kann als Feldpostbrief portofrei versandt werden. — Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Gefreiter Johann Treutlein aus Bonbaden, Inf. Regt. Nr. 1851.— Musketier Karl Eckhardt aus Hochelbeim, . Res.⸗Inf.⸗Regt. 221.— Musketier Heinrich Wenges aus Großen-Linden, Res.-Inf.-Regt. 83. — Beinahe überfahren wurde am Dienstag morgen in der Bahnhofstraße ein etwa 6jähriger Junge, der sich an einen fahrenden Straßenbahnwagen hing. Als sich die Schnelligkeit des Wagens steigerte und er nicht mehr mitkonnte, ließ er sich los, kam aber dabei zu Fall und trug etliche Hautabschürfungen am Kopf davon. Daß er nicht unter die Räder kam, ist einem glücklichen Zufall zu danken. Eine gehörige Tracht Prsigel an Ort und Stelle wäre in diesem Fall eine ganz wohlangebrachte Strafe gewesen. — Grenzen des städtischen Einschreitens gegen den Lebens- mittelwucher. Der Nahrungsmittelausschuß des deutschen Städte— tages hat folgenden Beschluß gefaßt, der im Hinblick auf die vielen Erörterungen über die Lebensmittelteuerung für unsere Leser nicht, ohne Interesse sein dürfte:„Der von amtlichen und nichtamtlichen Stellen jetzt vielfach unternommene Versuch, die Städte für die hohen Preise verantwortlich zu machen, schiebt die Verantwortung einer falschen Stelle zu und ist geeignet, die Entschlußkraft der wirk— lich verantwortlichen Stellen zu lähmen. Da das Deutsche Reich ein einheitliches Wirtschaftsgebiet ist, können nur einheitliche Maß— regeln des Reiches helfen, die jeder Ware besonders angepaßt sind, zugleich aber die Berlücksichtigung örtlicher Verhältnisse ermöglichen. Die Brotfrage ist einwandfrei gelöst, weil die Getreidebeschaffung einheitlich geregelt ist und nur eine örtliche Mehl- und Brotver⸗ teilung nach örtlichen Gesichtspunkten erfolgt ist. Ohne diese ein— heitliche Ordnung für das ganze Reich irren die Städte planlos auf dem Markte umher und erhöhen durch ihre Einkäufe nur die Preise. Auch die Höchstpreise für den Kleinhandel können nicht örtlich fest— gesetzt werden, da ihre Festsetzung die Gefahr einer Vertreibung der Ware aus dem Gemeindebezirk mit sich bringt. Ueberdies wird ein entschlossenes Handeln den örtlichen Instanzen durch gleich— zeitiges Eingreifen der verschiedensten militärischen und bürger⸗ lichen Behörden oft unmöglich gemacht. Es sind geeignete Grund— lagen geschaffen worden, in denen sich die Gemeinden gern mit aller Hingabe beteiligen. Dagegen müssen die Gemeinden entschieden die Vertretung für Mißerfolge solcher Maßnahmen ablehnen, die den Kern der Sache nicht erfassen, den Gemeinden lediglich formelle Rechte übertragen und ihnen dann eine Verantwortung auferlegen, die nur die mit erschöpfenden Machtmitteln ausgestattete Reichs⸗ gewalt trifft.“ — Vermißtenermittelung. Die Angehörigen der bei Le Ques— noy(31. Oktober bis 2. November) Vermißten werden zu einer Besprechung auf Sonntag den 29. August, 2 Uhr, in den„Felsen— keller“ zu Gießen eingeladen. Da Ermittlungen bis jetzt erfolg los waren, wird ein Zusammenschluß der Betroffenen zum Zwecke gemeinsamen Vorgehens beabsichtigt. — Münsche an Pilzsammler. Die Forstbehörde erläßt folgende Mahnung, die wir der speziellen Beachtung der Pilzsammler empfehlen: Beim Sammeln von Pilzen ist es in forstwirtschaftlicher Hinsicht von größtem Vorteil, jeden einzelnen Pilz, namentlich wenn sich die betreffende Art nicht in großen Massen zeigt, mit dem Messer kurz über dem Erdboden abzuschneiden und die abgeschnittenen Stielenden mit Laub, Erde oder Moos zuzudecken. Dies hat den Zweck, die Luft fernzuhalten und zu vermeiden, daß die Pilzfliege den Stock zerstört, denn aus den an die Pilzstümpfe gelegten Fliegeneiern entwickeln sich Maden, welche den Pilz zerstören. Ferner kann man zur Erhaltung der eßbaren Schwämme wesentlich dadurch beisteuern, daß man alte, im Faulen begriffene Pilze mit Laub, Moos usw. zudeckt, daß man gesunde Pilze mit der Erde heraus— nimmt und sie an einen anderen Ort pflanzt, an denen es an Pilzen fehlt. Auch das Säubern der gesammelten Pilze von den sich unter dem Hutfleische befindlichen Lamellen, Röhrchen usw. am Sammel⸗ orte selbst und das Umherstreuen dieses Abfalles auf dem Wald⸗ boden trägt viel zur Erhaltung und Verbreitung der Schwämme bei. — Verbot der Nachtarbeit in Bäckereien und Konditoreien. Der Zentralverband der Bäcker, Konditoren und verwandten Berufs- genossen Deutschlands, der Zentralverband der Nahrungs- und Genußmittelindustrie-Arbeiter und der Gewerkverein deutscher Bäster, Konditoren und verwandter Berufe haben sich mit einer gemeinsamen Petition um dauernde Beseitigung der Nachtarbeit im Bäckereigewerbe an Bundesrat und Reichstag ge- wandt. Es sollen danach, mit gewisser Einschränkung, alle Arbeiten, die zur Bereitung von Backware dienen, in den Bäckereien und Konditoreien von 10 Uhr abends bis 6 Uhr morgens verboten sein. — In Trohe ist im neuerbauten Hause des dortigen Bürger⸗ meisters von einem Herrn Moritz Wertheimer aus Mannheim eine Zigarrenfabrik gegründet worden, die bereits über 20 Arbeiter und Arbeiterinnen und eine Anzahl Heimarbeiterinnen beschäftigt. Für die Arbeiter ist diese Neugründung insosern von Vorteil, als für sie die tägliche Reise nach Gießen sortfällt, was eine nicht un⸗ wesentliche Ersparnis bedeutet. Sammelt die Kerne von Steinobst! Bei dem Fehlen der Ein⸗ fuhr ausländischer Fette und bei dem Mangel an Butter und Schweinefett, ergibt sich die Notwendigkeit, alles Fett, das aus ein heimischen Früchten zu gewinnen ist, sorgfältig zu sammeln. Dies gilt unter anderem für Pflaumen⸗, Zwetschen⸗, Mirabellen⸗, Reine⸗ clauden⸗, Pfirsich⸗ und Aprikosenkerne sowie auch für Bucheckern⸗ und Sonnenblumenkerne. Die in jedem Haushalt abfallenden Kerne, auch von wurmigem und faulendem Fallobst, sollten ge⸗ waschen und dann getrocknet werden. Pakete an Kriegsgefangene im Feindeslande. Wiederholt sind Klagen laut geworden, daß Pakete an kriegsgefangene Deutsche in Frankreich eines Teils ihres Inhalts beraubt am Bestimmungs— orte angekommen seien. Mangelhafte Verpackung der Pakete ist zweifellos nicht ohne Einfluß auf die eingetretenen Verluste ge— wesen. Es wird daher empfohlen, die an Kriegsgefangene abzu— sendenden Pakete fest in Leinwand oder dergleichen einzunähen. Nach den gemachten Beobachtungen sind derartige Pakete fast aus— nahmslos in gutem Zustande und mit ihrem ganzen Inhalt in die Hände der Empfänger gelangt. Versorgung von Kriegsrentenempfängern. Von Stelle wird darauf hingewiesen, daß kriegsinvalide Renten- empfänger lohnende und dauernde Arbeitsgelegenheit in den Korpsbekleidungsämtern finden können. Bei der Ausdehnung und Vielseitigkeit dieser Betriebe kommen für die Anstellung nicht nur ausgebildete Schuster und Schneider in Betracht, vielmehr ist auch solchen Handwerkern, denen infolge ihrer Verletzungen die Aus⸗ übung ihres früheren Berufes nicht mehr möglich ist, günstige Ge— legenheit geboten, sich durch Umlernen eine dauernde Unterkunft zu sichern. Sie werden als Zivilhandwerker behandelt und erhalten dementsprechenden Lohn. Die Kasernierung kommt für sie nicht in zuständiger Frage; für ihre Unterkunft müssen sie selbst sorgen wie jeder Zivilhandwerker. Nähere Auskunft erteilen die Vorstände der Be— kleidungsämter. Kreis Marburg⸗Kirchhain. — Bau eines Invalidenheims. In Marburg hat sich mit Unterstützung der Militär- und Zivilbehörden ein Ausschuß zur Gründung eines Invalidenheims für Angehörige aller päger⸗ und Schützenbataillone Deutschlands gebildet. Die zu errichtende Anstalt soll nach der Art der Kaufmanns⸗ erholungsheime ins Leben treten und Jägern und Schützen, die durch den Krieg invalid geworden sind, als Heim dienen. Die Universität stellt ihre klinischen Einrichtungen zur ärztlichen Versorgung zur Verfügung. Der Bau wrd in schönster Lage der Stadt errichtet werden. Kreis Wetzlar. — Die Rettungsmedaille wurde durch Herrn Bürgermeister Dr. Kühn dem Kaufmann Karl Pechtl hierselbst überreicht, der inn Oktober vor. Irs. ein Mädchen mit eigener Lebensgefahr vom Tode des Ertrinkens gerettet hatte. — Opfer im Bergbau. War in Friedenszeiten die Zahl der töd⸗ lichen Unfälle im Siegerlande und im Kreis Altenkkrchen unter den Bergarbeitern schon groß, so ist sie seit Ausbruch des Krieges un⸗ heimlich gewachsen. Schon wieder wird der Tod eines Bergmannes gemeldet, der auf Grube„Wilhelmine“ bel Niederfischbach verun⸗ glückte. Lorenz Schragen ist sein Name, und erst vor kurzer Zeit batte er sich ein eigenes Heim“ geschaffen. Telegramme. Der österreichisch⸗ungarische Tages bericht Kowel besetzt. Erfolge der österreichischen Artillerie. Wien, 24. Aug.(W. T. B. Nichtamtlich.) Amtlich wird ver⸗ lautbart 24. August 1915: Russischer Kriegsschauplaß. Der norbwestlich Brest-Litowsk Widerstand leistende Feind wurde gestern in der Gegend von Wlerchowice und Niasno neuerlich geworsen und zum Weichen gezwungen. Die Zahl der von der Armee des Erzherzogs Josef Ferdinand in den letzten Kämpfen eingebrachten Gefangenen beläuft sich auf 4 Offiziere und 1300 Mann. Nordöstlich von Wlobawa haben unsere Verbündeten den Gegner abermals zurückgedrängt und Raum gewonnen. Oesterreichische, ungarische und deutsche Reiterei der Armee des Feldzeugmeisters Puhallo zog in der Verfolgung des Feindes in Kowel ein und rückt weiter nordwärts vor. In Ostgalizien herrscht Ruhe. Italienischer Kriegsschauplaß. Am Südflügel der küstenländischen Front kämpfte gestern unsere schwere Artillerie feindliche Geschütze an der Sdobba⸗ Mündung nieder. Weiter wurde eine italienische Strandbatterie bei Golametto in einen Trümmerhaufen verwandelt. Geg⸗ nerische Infanterie, die sich gegenüber unserer Stellung auf der Höhe östlich Monsalcone sestgesetzt hatte, räumte ihre Gräben flucht⸗ artig vor unserem Geschützfeuer. Oestlich Polazzo wiesen unsere Truppen zwei schwache Vorstöße, bei San Martino drei bis nahe an unsere Kampffront herangetragene Angriffe blutig ab: ebenso scheiterte abends ein Vorstoß stärkerer feindlicher Kräfte gegen den Tolmeiner Brückenkopf. Im befestigten Raum von Flitsch und Raibl schiebt sich nun die gegnerische Infanterie stellen⸗ weise näher an unsere Linien heran. Unsere Werke auf der Hoch⸗ fläche von Lavarone und Folgaria standen gestern wieder unter lebhaftem Geschützseuer. Auch auf unsere Stellungen am Stilfser Joch beginnt die feindliche Artillerie zu schießen. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnant. * Die Russen räumen Brest⸗Litowsk. T. U. Kopenhagen, 24. Aug. rberichters des Daily Chronicle berichtet, daß die Russen jetzt in fliegen⸗ der Eile alle Vorräte an Lebensmitteln, Waffen und Schieß ⸗ bedarf aus Brest-Litowsk wegschaffen und sich anschicken, die Festung zu räumen. Heftige Kämpfe in der Bukowina. T. U. Czernowitz, 24. Aug. An der bukowinisch⸗bessarabischen Grenze, nordöstlich von Czernowitz, ist neuerdings erhöhte Kampf⸗ tätigkeit wahrnehmbar. Seit gestern ist ein Artilleriekampf im Gange, dessen Geschlitzdonner in Czernowitz deutlich vernehmbar ist. Am äußersten Ende des russischen Flügels, knapp vor der rumänisch⸗ bukowinischen Grenze versammelt der Feind neue Kräfte. Mehrmals ereignete es sich in den letzten Tagen, daß russische Kavallerie bei dem rumänischen Orte Cotul Chotin auf rumänisches Gebiet vorstießen. Sie wurden jedoch von der rumänischen Grenzwache durch Gewehr⸗ schüsse vertrieben. Kein Separatfrieden zwischen Rußland und Deutschland. T. U. Kopenhagen, 24. Aug. Sasonow hat nach dem Daily Telegraph noch einmal den ausländischen Korrespon⸗ denten feierlich die Versicherung gegeben, es beständen keine Verhandlungen über einen Separatfrieden zwischen Rußland und Deutschland. Diese Behauptung ginge nur von Deutsch⸗ land aus, das Unfrieden zwischen Rußland und den Alliierten säen wolle. Die japanische Artillerie bei den Russen. Weil sich die japanische Artillerie beim Gebrauche durch die russischen Soldaten nicht bewährte, haben die Russen japanische Offi⸗ ziere herbeigezogen, die die russischen Soldaten im Gebrauche der japanischen schweren Geschiltze unterweisen sollen. Nach Gefangenen⸗ aussagen sollen sie vorläufig die schwere an der bessarabischen Grenz⸗ front befindliche Artillerie bedienen. Diese Meldung wird auch von den russophilen Blättern Rumäniens bestätigt. Deutschlands Einigkeit. Rom, 24. Aug.(W. B. Nichtamtlich.) Popolo d'Italia sagt in einer Besprechung der Reichskanzlerrede, im deutschen Reichstage säßen keine Quertreiber. Es sei der Gipfel der Dummheit, zu glauben, Deutschland könne durch eine innere Krise geschwächt und zum Frieden gezwungen werden. Deutschland könne nur auf dem Schlachtfelde niedergerungen werden. Eine neue Konferenz der Verbündeten. Berlin, 24. Aug.(W. B. Nichtamtlich.) Der Vossischen Ztg. wird aus Kopenhagen gemeldet: Am Montag Morgen ist Poincaré mit dem König von Belgien und dem König von England in Chantilly zusammengetroffen. Später traf French ein. An der anschließenden Beratung nahm auch Joffre teil. Die Wahrheit über die„Seeschlacht“ bei Riga. Berlin, 24. Aug.(W. B. Nichtamtlich.) Aus zuständi⸗ ger Quelle erfahren wir: In den letzten Tagen werden von russischer und englischer Seite über die Vorgänge im Riga⸗ ischen Meerbusen vom 16. bis 21. August, die mit der Ver- treibung der russischen Streitkräfte ihren Abschluß fanden, wahrheitswidrige Nachrichten veröffentlicht. Es ist von einer großen Schlacht die Rede, und es wird behauptet, die Russen hätten einen großen, glänzenden Seesieg erfochten und die Deutschen vertrieben, nachdem sie ihnen schwere Verluste bei⸗ gebracht hätten. Ohne auf alle Einzelheiten der russischen Lügen einzugehen, sei folgendes ausdrücklich nochmals fest— gestellt: 1. Die in den Rigaischen Meerbusen vorgedrungenen deutschen Seestreitkräfte fanden dort nur leichte russische Kräfte vor, die teils vernichtet, teils vertrieben wurden. Von einer großen Seeschlacht kann somit gar keine Rede sein. 2. Deutsche Verluste sind außer den in den amtlichen Berichten veröffentlichten nicht eingetreten. Kein größeres Schiff, kein Kreuzer ist gesunken oder ernstlich beschädigt. Alle russischen Meldungen, die anders berichten, sind erfunden. 3. Von dem Abschlagen eines Landungsversuches bei Pernau kann nicht die Rede sein; ein solcher ist weder begonnen worden, noch war er beabsichtigt. Die Torpedobootsflottille, die hier erschien, hatte den Zweck, die Sperrung des Hafens zu decken. Hierbei entwickelte sich ein Geschützkampf mit den Hafen- und Feldbatterien, bei dem eine Hafenbatterie zum Schweigen gebracht, die Feldbatterien mit gutem Er- folg beschossen wurden. Ein russischer Dampfer und sechs Der Sonderberichterstatter kussische Segelschiffe wurden außerdem aufgebracht und ver⸗ enkt. 4. Die von den Russen angeblich erbeuteten Schiffe ind Dampfer, die von uns zur Sperrung von Fahrstraßen dersenkt werden. Der Zeppelinangriff auf London. Basel, 24. Aug.(W. B. Nichtamtlich.) Ein aus London serher zurückgekehrter Mitarbeiter der Nationalzeitung be⸗ tätigt, daß der Angriff der Zeppeline auf London beträcht⸗ ichen Schaden angerichtet hat, namentlich in dem Viertel der Docks im Osten, wo eine Anzahl von Häusern zerstört vorden sei. An jenem Abend habe man in diesem Viertel überall den Schein brennender Häuser gesehen. Die Be⸗ vohner hätten die Zeppeline nicht gesehen, da die Stadt ver— zunkelt war; nur das Surren der Propeller habe man gehört. Hohe Verluste der Verbündeten an den Dardanellen. Basel, 24. Aug.(W. B. Nichtamtlich.) Nach einer Meldung der Nationalzeitung stellt ein Sonderbericht von den Dardanellen fest, daß die Türken nicht an Mu⸗ titionsmangel leiden. Die Heftigkeit ihres Feuers tehme vielmehr von Woche zu Woche zu. Die Landungsstellen im Kap Hellas und bei Sedd⸗ül⸗Bahr seien fortwährend unter Kreuzfeuer der asiatischen und der europäischen Batterien, sodaß die Alrtterten außerordentlich hoge Verluste erleiden. f Der Seekrieg. Zum Untergang des„E 13“. Die dänische Regierung hat die Mitteilung erhalten, daß die deutsche Regierung wegen der Vernichtung des englischen Unterseebootes„E 13“ auf dänischem Territorium ihr Be⸗ dauern und ihre Entschuldigung ausdrückte. Der englische Dampfer„Diomedes“ versenkt. T. U. Rotterdam, 24. Aug. Der englische Dampfer „Diomedes“, 4670 Tonnen, wurde versenkt. Reuter meldet, daß von der Besatzung 10 Mann ertranken. Der Rest ist gelandet. Die Bergarbeiter von Wales. London, 24. Aug.(W. T. B. Nichtamtlich.) 500 Bergleute in Tylorstown, Slidwales, haben in einer Versammlung beschlossen, wegen der Verzögerung der Entscheidung des Handelsministers Runciman in der Lohnfrage die Arbeit niederzulegen. Die deutsche Sozialdemokratie und der Frieden. Der Sozialdemokraten in Kopenhagen schreibt am 9 1 15 Schlusse etnes Artttreis uver die nationantgerare Arrton n Annexionen am 19. August u. a. folgendes: e „Sicher ist, daß die deutsche Sozialdemokratie gerade in⸗ folge ihrer bisherigen Haltung während des Krieges beim Friedeusschluß ein Faktor von Bedeutung werden kann, und jeder Freund der Freiheit der Völker muß deshalb wünschen, daß sie mit größtmöglichster Einigkeit und Kraft so auftreten möge, wie es nach reiflicher Erwägung der Sache des Frie⸗ dens und der Völkerfreiheit am meisten dienlich ist.“ Fliegerangriff auf Offenburg. ein feindlicher Flieger Bomben wurde nur unbedeutender Sachschaden verursacht. Zwölf Zivilpersonen wurden zum Teil schwer verletzt. a i Verantwortlicher Redakteur: Heinrich Noll, Gießen. g Verlag von Krumm& Cie., Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. d., Offenbach a. M. Verstorbene. Witwe Karoline Mai, geb. Alt, in Wetzlar, 67 Jahre alt. b 1 2 1 Reichstag. 17. Sitzung, Dienstag, den 24. August, nachmittags 3 Uhr. Am Bundesratstisch: Dr. Delbrück, Lisco. Der Antrag des Reichskanzlers auf Vertagung des Reichstags sis zum 30. Nobember wird ohne Diskussion angenommen. Es folgt die Fortsetzung der Debatte über die Resolutionen der Lommission und die sozialdemokratischen Anträge zu den 5 Fragen der Volksernährung. Unterstaatsselretär Michaelis: Der Abg. Dr. Pfleger hat gestern were Angriffe gegen die Leiter der Reichsgetreidestelle erhoben. Sie sollen die Presse bezahlt haben. Bei der Auswahl der Persön⸗ keiten sollen auffallend viel Juden genommen worden sein. Am hwersten ist schlietzlich der Vorwurf, daß diese Organisation ge⸗ vissermaßen als eine Versicherung gegen den Schützengraben an⸗ jesehen wurde, alle möglichen Leute sollen angestellt worden sein, don denen rund 80 Prozent felddienstfähig wären. Der Kriegs⸗ Rinister hat heute erklärt, daß e e een nach dieser Rich⸗ 8 beständen(Hört! hört!), doch habe er darüber kein Urteil, ob e 95 der 1 etreide⸗Gesellschaft hierfür eine Schuld träfe. Es ist selbstverständ 10 daß bei der Einrichtung der Gesellschaft, hie einen Bestand von mehreren hundert Angestellten werben mußte, lddienstfähig und überhaupt militärpflichtig war. Unter der großen ahl von angestellten Persönlichkeiten befanden sich auch solche, von senen es gut gewesen wäre, man hätte sie nicht genommen(Hört! örtl) Im Laufe der Geschäfte haben wir immer mehr gesiebt d selbstberständlich habe ich auch darauf gehalten, daß nicht Drücke⸗ bergereien vorkommen, Wir sind zu diesem Zweck dauernd mit den söheren Militärbehörden in Fühlung geblieben. Am 1. Juni hatten ir unter 624 männlichen Angestellten 425 reklamiert(Hört! hört!). Zunächst haben wir hiervon 132 wieder freigegeben, jetzt haben wir och 171 Personen, die arbeits⸗ und garnisonsdienstfähig sind. Wir gaben mit dem stellvertretenden Kommando des 3. Armeekorps ver⸗ einbart, daß davon noch 120 von uns im Laufe der nächsten Zeit zur Ber ügung gestellt werden, und zwar geschah das, bevor der Reichs⸗ ag sich mit der Angelegenheit beschäftigt hat. Zu den auch in der Presse und in zahlreichen Zuschriften aus⸗ gesprochenen Verdächtigungen gehört auch der Vorwurf, daß die Leiter der Gesellschaft diese Zurückstellungen direkt begünstigten, und daß sie davon persönlichen Vorteil gehabt hätten. Ich bin allen derartigen Vorwürfen nachgegangen und habe die Dinge ge⸗ prüft, wie wenn ich als Richter darüber zu urteilen hätte. Es hat sich gezeigt, 5 alle derartigen Vorwürfe aus den Fingern g⸗⸗ sogen worden sind. Eine Treuhand⸗Kommission hat den ganzen Geschäftsbetrieb der K. G. einer eingehenden Prüfung unterzogen und ist zu demselben Ergebnis gekommen. Eine solche Gesellschaft hat natürlich viele Gegner.(Sehr richtig!) Da sie die Händler crusgeschaltet hat, sind diese ihre Gegner. Ebenso verhält es sich mit den Müllern. Im ersten Jahr konnte die Verteilung an die Müller allerdings noch nicht gleichmäßig sein, jetzt werden sie fin⸗ den, daß die westlichen großen Mühlen sogar zu wenig berücksichtigt find.(Hört! hört!) In der Besorgnis, einen Vorwurf zu ver⸗ meiden, sind mir die Geschäftsführer in der Berücksichtigung der östlichen Mühlen zu weit gegangen. Aber man mag mit Engels⸗ tungen reden, so werden derartige Vorwürfe aus den interessierten Kreisen doch nicht verstummen.(Sehr richtig!) Was für Angriffe Habe ich nicht erleiden müssen wegen der Kleie! Man hat uns direkt vorgeworfen, wir halten mit der Kleie zurück, damit andere Kreise die andern Futtermittel erst zu teureren Preisen los würden.(Hört! hört! links.) Die K. G. hat nie etwas mit der Kleie zu kun gehabt, aber trotzdem hat man uns dauernd gefragt: warum kriegen wir keine Kleie? Es hat noch nie eine Organisation gegeben, die in dieser Weise allen Angriffen wirtschaftlicher Inter⸗ essentengruppen so wehrlos gegenübergestanden hat wie die K. G. (Sehr richtig! links.) . 115 nicht viel danach gefragt werden konnte, ob der Betreffende Wir sind angegriffen worden wegen Sachunkunde, wegen Interessenwirtschaft, wir sind angegriffen, weil wir Juden bevor⸗ zugten. Einen Großgrundbesitzer, der mir diesen Vorwurf machte, habe ich gefragt, wie sein früherer Getreidehändler geheißen hat. Er antwortete: Isidor Schlesinger(Stürmische Heiterkeit). Wenn ich den Getreidehandel für das ganze Land plötzlich auf meine Schulter nehmen soll, so muß ich doch auf die zurückgreifen, die bisher mit Getreide gehandelt haben, ich muß das tun, selbst wenn ich— was ich gar nicht will— eine Unterscheidung machen wollte. Ich frage durchaus nicht, ob jemand Jude oder Christ ist(Bravo! links). Ich gebe ohne weiteres zu, daß sich auch unter unseren Angestellten Leute finden, die schwach und mutlos sind und die lieber auf dem Drehschemel sitzen, als daß sie im Schützen⸗ graben liegen. Aber ich weise es zurück, daß die KG. eine Orga⸗ nisation für Drückeberger gegen den Schützengraben sei. 5 Vorwürfe wirken, wenn sie öffentlich hier erhoben werden, sehr zu unserem Schaden auf das Ausland. Mit Wonne wird man bei unseren Feinden, bei denen wir uns mit Recht über die Drückebergerei lustig gemacht haben, solche Worte aufnehmen(Sehr richtig! linke). Wenn Sie mir die Leute wegnehmen, die jetzt wegen der Angriffe die Arbeit hinwerfen wollen, dann kann ich die Verantwortung dafür nicht mehr übernehmen, daß unsere Bevöllerung und unser Heer regelmäßig mit Brot versorgt werden (Hört! Hört! links). Wir müssen bei der Auswahl der Personen in erster Linie danach fragen, was nutzt der Mann für die große nationale Aufgabe, die unserer Gesellschaft übertragen ist, und erst in zweiter Linie kommt die Frage, ob der Mann nicht besser ins Feld hinausgehen sollte. Wenn es sich um jüngere Leute handelt, müssen wir diese Abwägungen treffen. Es ist keine Redensart, wenn ich sage, daß ich die Verantwortung für die Er⸗ nährung von Heer und Volk nicht mehr übernehmen kann, wenn man in dieser Weise vorgeht(Hört! hört! links). Prüfen Sie selbst unsere Lage und haben Sie das Zutrauen zu mir, daß ich mir meiner großen Aufgabe voll bewußt bin. Seien Sie auch uns gegenüber gerecht, damit uns die für die Tätigkeit der KG. erforderlichen Kräfte erhalten bleiben. Von der Schwere unserer Aufgabe haben die meisten gar keine Ahnung. Seien Sie sich bewußt, daß es sich um eine Organisation handelt, die eine große vaterländische Aufgabe zu erfüllen hat. Bedenken Sie, wie solche Angriffe auf das Ausland wirken, und lassen Sie uns den Mut nicht verlieren(Beifall links). Abg. Dr. Spahn(Z.): Der Unterstaatssekretär hätte sich, bevor er seine Angriffe gegen den Abg. Pfleger richtete, über die Vor⸗ änge in der Kommission erkundigen müssen.(Sehr richtig! im Hen eus Wenn man einer Organisation nachsagt, daß sie als eine Art Versicherungsgesellschaft gegen den Schützengraben aus⸗ gebeutet wird, dann bedeutet das noch lange keinen Angriff auf die Organisation als solche. Von 624 Angestellten der KG. sind 425 reklamiert, und davon sind 408 tauglich.(Hört! hört!) Es gibt im ganzen Deutschen Reich keine einzige Behörde mit einem so hohen Prozentsatz von Reklamierten.(Sehr richtig! im Zentrum.) Im übrigen stelle ich fest, daß der Kriegsminister aus eigenem Antriebe die Untersuchung der Angestellten hat vornehmen lassen. (Hört! hört! im Zentrum.) Unterstaatssekretär Michaelis: Man muß unterscheiden zwischen dem, was der Kriegsminister auf Grund von Denunziationen ver⸗ anlaßt hat und dem, was ganz systematisch auf Grund einer Vereinbarung zwischen der KG. und dem Generalkommando des 3. Armeekorps als zuständiger militärischer Behörde geschehen ist. Ich habe vor einigen Tagen dem Kriegsminister mein Material zur Verfügung gestellt, auch er hat mir sein Material übergeben. Aber ganz unabhängig davon sind die Bestrebungen der KG., aus sich heraus ganz planmäßig die für den Heeresdienst brauchbaren Kräfte, die für die KG. entbehrlich sind, der Militärverwaltung zur Verfügung zu stellen. Abg. Wamhoff(natl.) hält angesichts der guten Mittelernte in Brotgetreide eine Erhöhung der Brotration sehr wohl für möglich. Der Abg. Gamp habe bei seinem Vorschlage auf Ein⸗ führung von Fastenkagen wohl nicht daran gedacht, daß es heute schon zahlreiche Familien gibt, die nur noch des Sonntags Fleisch essen können. die K. G. erhobenen Vorwürfe zurück. Eine solche Organisation lönne unmöglich ihr Beamtenmaterial plötzlich wechseln. Er müsse die KG. ganz entschieden gegen den Vorwurf verwahren, daß sie eine Organisation zur Versicherung gegen von der K. G. selbst veranlaßt und beim antragt worden. sin ken gegen die Landwirtschaft als unbegründet. von der Lebensmittelteuerung spricht, so möge man sich auf der gegen die Landwirtschaft der Begründung entbehren. (Sehr richtig!). f Staatssekretär 55 Delbrück kommt noch einmal auf die gegen den Schützengraben wäre. (Zustimmung.) Die militärische Untersuchung der Angestellten sei im Generalkommando be⸗ Er bedauere es sehr, 09 man gegen die Leiter und gegen die Beamten einer unter so schwierigen Verhältnissen arbeitenden Stelle derartige Vorwürfe erhebt, noch dazu in einem Augenblicke, wo der Kriegsminister, ö g n Unkersuchung angeordnet hat, deren Ergebnis noch nicht bekannt ist⸗ wie die Herren wissen, eine ustimmung. 5 1 Abg. Dre.(8.) bemerkt nochmals, daß seine Zahlen richtig Koch(Vp.) polemisiert geegn den Abg. Gamp, der es so Abg. r darzustellen beliebe, als ob die e das Vaterland ge⸗ rettet hätten. Wo wären wir ohne ie kleinen Landwirte. Ein Kommissar des Kriegsministers bestätigt die Ausführungen des Staatssekretärs Delbrück über die Anordnung der Vornahme der Untersuchungen der Angestellten der Kriegsgetreide⸗Gesellschaft durch das A öck(Bauernbund) bezeichnet die Vorwürfe der Lin⸗ Abg. Weiln g Wenn man immer anderen Seite einmal die großen Gewinne und Dividenden der Mühlenakttengesellschaften ansehen, Unterstaatssekretär Michaelis erwidert, daß die großen Gewinne der Mühlen und e ae aus einer Zeit stammen, in 1 die Kriegsgetreide⸗Ges trieb war. schaft überhaupt noch nicht im Be⸗ Abg. Behrens(Wirtsch. Vg.) ist der Ansicht, daß die Vorwürf; Die stärkste Preissteigerung der Lebensmittel habe im Großhandel stattgefunden. Gegen den Lebensmittelwucher müsse mit Strenge eingeschritten und die Brotration müsse, namentlich für die schwerarbeitende Bevölkerung erhöht werden. Abg. Dr. Pfleger(Z.) nimmt nach den Erklärungen der Re⸗ gierungsvertreter seine Vorwürfe gegen die KG. zurück und er⸗ klärt, daß ihm jede antisemitische Tendenz völlig ferngelegen habe. Abg. Molkenbuhr(Soz.): 2 Gewiß sind die landwirtschaftlichen Produktionskosten ge⸗ stiegen, aber man hütet sich vor Uebertreibungen. Es ist sogar darüber geklagt, daß die Krankenkassenbeiträge verdoppelt sind. Wenn diese geringe Erhöhung wirklich von Einfluß wäre, so hätten doch die Arbeiter, die zwei Drittel der Beiträge zu zahlen haben, in erster Linie Grund zum klagen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Ein erheblicher Teil der Mißstände ist darauf zurückzuführen, daß wir uns nicht genügend auf den Krieg vor⸗ bereitet hatten. Bei Kriegsausbruch haben die Arbeiter sofort er⸗ kannt, daß es vor allem darauf ankomme, die Ernte einzubringen, weil es sich hierbei um eine Sache des gesamten Volkes handelt. Die Regierung hat nicht dasselbe Verständnis an den Tag gelegt. Das Höchstpreisgesetz konnte leicht umgangen werden. Die Span⸗ nung zwischen Getreide- und Mehlpreise ist viel zu groß. Man regt zur Sparsamkeit an, aber man vergißt, daß hohe Gewinne auf der anderen Seite zur Verschwendung anreizen. Viele Frauen müssen mit einer Kriegsunterstützung von 30 M. vorlieb nehmen, selbst wenn sie drei Kinder haben. Diese können ihre tägliche Brotration nicht verzehren, lediglich weil sie kein Geld haben. Die Regierung möge beizeiten eingreifen. 8 15 Hierauf vertagt das Haus die weitere Beratung auf Mittwoch 2 Uhr. Außerdem stehen auf der Tagesordnung weitere mündliche Berichte der Budgetkommission. 9 Schluß 671 Uhr. f 19 33 für jede Hausfrau ist die Benützung einer guten, modernen und schnellnähenden Sturmvogel⸗ ey Maschine der Zukunft mit versenkbarem Oberteil. r Deutsche Fabrikate ersten Ranges. Ein guter, e 15 N J 4 51715 4 f 8 9 5 4 leicht verkäuflicher Artikel für Händler. Auf⸗ Laut klärender und lesenswerker Katalog gratis. 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