„ 1 EL 5 1 . * * AAA ASA Snare SK AA ann . S. 8 ** *. 1 niruhige. Jzeitung Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Die Oberbessische Volkszeitung erscheint jeden Werktag Abend in Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich 60 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl. 1. 80 Mek. Redaktion und Expedition Gießen, Bahnhofstraße 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Inserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 195 Gießen, Samstag, den 21. August 1915 10. Jahrgang. Vom Aus dem Reichstage. Wirtschaftsfragen vor der Budgetkommission. (Sitzung vom Donnerstag.) Die Kommission führte zunächst die Besprechung der Baum— vollfrage zu Ende. Abg. Schiffer(Ztc.) wies nach, daß es eine Unmöglichkeit ei, die Textilarbeiter in anderen Gegenden in größerer Zahl unterzubringen. Es muß verlangt werden, daß die Militärver— valtung in weitgehendstem Maße für Arbeitsgelegenheit sorgt. Abg. Jäckel(Soz.) polemisiert gegen den Abg. Stresemann, der für den Wunsch der Unternehmer eingetreten ist, die Arbeiter in die Scholle zu fesseln. Den Unternehmern liegt daran, sich die Urbeitskräfte zu erhalten. Die Unternehmer haben während des Krieges enorme Profite erzielt; sie hätten die moralische Pflicht, die Arbeiter zu unterstützen. Der Textilarbeiterverband wirkt auf die Arbeiter ein, sich nicht ablehnend zu verhalten, wenn sie ander⸗ värts Arbeit erhalten können. In Sachsen rechnet man mit 150 000 Arbeitslosen, die mit ihren Angehörigen 500 600 Menschen be⸗ deuten. Man wird einen Teil der Arbeiter nach anderen Gebieten schaffen müssen. Der Widerstand der Unternehmer gegen den Jortzug der Arbeiter ist nicht berechtigt. Ein großer Teil der Textilarbeiter ist infolge der Unterernährung überhaupt nicht in der Lage, schwerere Arbeit zu leisten. Seit Monaten wird in den Textilbetrieben nur einige Tage in der Woche gearbeitet. Die Lage dieser Arbeiter ist kü m merlich. Die Heimarbeiter muß man freilich am Orte lassen; sie müssen unterstützt wer⸗ den. Viele sächsische Gemeinden haben den Arbeitslosen keiner⸗ lei Hilfe gewährt. Es müssen Grundsätze geschaffen werden, durch welche eine einheitliche Unterstützung gewährleistet wird. Damit ist die Aussprache erledigt und die Kommission wendet sich wieder den Ernährungsfragen zu. 5 „Abg. Roesicke(Bund der Landwirte) versucht, den Nach- weis zu erbringen, daß die Landwirtschaft ganz gewaltige Opfer gebracht habe Redner erörtert dann die Höchstpreise, die er teils für nicht genügend, teils für überflüssig hält. Von den organisatorischen Maßnahmen, wie sie von der Sozial⸗ demokratie verlangt werden, sei nicht viel zu erhoffen, dagegen wäre is richtig, den Gemeinden die Befugnis zu erteilen, die Preisbild⸗ ung zu beaufsichtigen. Wenn in Berlin große Futtervorräte aufge⸗ tapelt sind, so sei das offenbar nur aus Fürsorge geschehen. Wie man behaupten könne, die Gerreidepreise seien zu hoch, sei ihm lunverständlich. Die Preise in England seien höher als bei luns Der U⸗Bootkrieg habe diese Wirkung gegen England erzielt, deshalb müsse er wesentlich verschärft werden. Wenn die Landwirte heute Geld haben, dann nur, weil sie Teile ihres lebenden In— wentars verkauft und damit ihr Kapital in Wirklichkeit vermindert haben. An den hohen Mehlpreisen sei die Landwirtschaft absolut unschuldig. Die kleinen Mühlen sollte man unterstützen; sie arbeiten bflliger als die profitsaugenden Großmühlen. Rumänien gegen- über möge man sich ablehnend verhalten, bis die hohen Gebühren beseitigt sind. Gegen eine Aufbesserung der Familien der Kriegs- eilnehmer sei nichts einzuwenden; am meisten geschädigt sind die Jamilien jener Angestellten, die mit der Einberufung ihr Gehalt werloren haben. , Staatssekretär Dr. Delbrück weist auf die Flut von An— zrägen hin, die eine gründliche Beratung sehr erschweren. Auf Einzelheiten könne sich die Re rung nicht festlegen. Einigkeit be— gehe jedenfalls darüber daß ein weiteres Steigen der Preise ver⸗ Zindert werden muß. Bei Festsetzung der Preise müssen die ge⸗ deigerten Produktionskosten bericksichtigt werden. Für eine allge⸗ meine Beschlagnahme kann sich die Regierung bei der Verschieden⸗ urtigkeit der Waren nicht erklären. Die Beschlagnahme kann mmer nur den Ausnahmefall bilden. Abg. Wurm habe infolge einer Tätigkeit in der Berliner Kommunalverwaltung gewiß rroße Erfahrungen: seine Vorschläge scheitern zum Teil aber doch in ber praktischen Unmöglichkeit. Wie schwer die Nachprüfung der kreisbildung sei, das habe seinerzeit die Kommission erfahren, die u einer Fleisch⸗Enquete zusammengetroffen war. Eine Zentrale ann hier nichts erreichen; die Kommunalverbände leisten darin gehr, Lin Gesetzentwurf, der den Gemeinden größere Rechte zu— esteht, ist in Vorbereitung. . Abg. Gies berts schlfeßt sich in der Hauptsache der von den zozialdemokraten a 85 Große Erbitterung hat die zusfuhr von Obst geschaffen. Das deutsche Obst war in Brüssel liger als in Köln. Die wirtschaftliche Lage der Krlegerfamilien elfen daß es dringende Pflicht ift, hier helfend einzu⸗ „ Abg. Fegter(Jortschr.) erkennt an, daß die Reichsregierung af dem rechten Wen war, als sie den Preistreibereien entgegen⸗ al. Trotzdem sind die Preise noch immer derart hoch, daß ihnen de Berechtigung zu bestreiten ist.— Redner polemisiert gegen di Ararische Preffe, die mit ihren aufreizenden Artikeln das Volk be⸗ Die Regierung müsse sofort Maßnahmen zux Sicherung rr Kartoffelvorräte ergreifen. Die Hülsenfrüchte sind derart ö er, daß die Festsetzung von Höchstpreisen dringend erforder ich Wenn man flir Braugerste keine Höchstpreise festsetzt, aun wird einfach jede Art Gerste als Braugerste auf den Markt kracht Für einen erheblichen Teil der Landwirtschaft war der iieg ein glänzendes Geschäft. 1 Nächste Sitzung Freitag. Abg. v. Trampeslesky(Pole) findet, daß zu viel Ver⸗ nungen erlassen worden sind. Die meisten Maßnahmen haben als völlig verfehlt erwiesen. Den Müllern hat man Hunderte en Millionen in die Taschen gejagt. Nur hohe Getreidepreise ver⸗ gen zu verhindern, daß Getreide verfüttert wird. Die Kriegs⸗ Areidegesellschaft soll ihr Augenmerk darauf richten, die Mehl⸗ kisse zu verbilligen. 1 Geschäftsordnungskommission des Reichstags. Zur Beratung stand in der Sitzung vom Donnerstag die Au⸗ regung des Präsidiums, den Kommissionen des Reichstags das Recht zu geben, ihre Sitzungen auch gegenüber anderen Mitgliedern des Reichstags für geheim zu erklären Der Berichterstatter Abg. Dr. Müller⸗ Meiningen(Fortschr. Vp.) berichtet eingehend über den Anlaß, die bisherige Praxis des Reichstags und die einschlägigen Bestimmungen der Geschäftsord⸗ nungen der Parlamente des Inlandes und Auslandes. Er gab die Gefahr des bisherigen Zustandes zu, legte aber auch die prinzipiellen und verfassungsmäßigen Bedenken eingehend dar und warnt vor einer Gesetzgebung ab irota. Doch sei unter fachlichen und formellen Kautelen eine Reform der Verhältnisse, vor allem im Interesse der Landes verteidigung wohl diskutierbar. Man solle die Angelegenheit bei der allgemeinen Reform der Geschäftsordnung berücksichtigen, jetzt sei eine sofortige Entscheidung unmöglich. a Ein Zentrumsreduer legte auf das sachliche Infor⸗ mationsrecht der Abgeordneten in kontradiktorischer Form das Hauptgewicht und war wohl geneigt, nach genauer Prüfung der Frage eventuell einer solchen Aenderung zuzustimmen. Isoliert diese Bestimmung der Geschäftsordnung zu ändern, sei aber nicht unbedenklich, es müßten dann auch andere Bestimmungen geändert werden. Auch dieser Redner fordert Kautelen und hält es für besser, später in Zusammenhang mit anderen Reformen diese Angelegenheit zu beraten. Ein sozialdemokratischer Redner warnt unter voller Mißbilligung des letzten Anlasses vor einer Aenderung der Geschäfts⸗ ordnung.— Ein nationalli beraler Abgeordneter erkannte die großen Gefahren einer solchen Aenderung der Geschäftsordnung an und verlangte ernste Kautelen für einen solchen Beschluß, der die Oeffentlichkeit ausschließt; vor allem auch gegenüber den Kom⸗ missionen des Bundesrats. Jetzt die Sache zu entscheiden, fei un⸗ möglich. Der konservative Redner schloß sich dem an. man die Sache überlege, desto größer würden die Bedenken er⸗ scheinen. Die Sache müsse also sorgfältig vorbereitet werden. Schließlich wurde als einstimmige Meinung festgesetzt, daß die Frage im Rahmen der Gesamtrevision der Geschäftsordnung ge⸗ prüft und eventuell miterledigt werden soll. „Ein ernsthafter Zustand.“ Der militärische Mitarbeiter der Times schreibt unter dem Titel„Ein ernsthafter Zustand“ über den Fall von Kowno, wobei er auf die Bedeutung der Festung hinweist und sagt: Wenn alle Forts in den Händen der Deutschen seien, dann kann das Heer v. Eichhorn über den Niemen setzen und sein Gewicht bei den bereits bedeutenden Streitkräften unter Hindenburg in die Wagschale werfen. Gestützt auf die eroberte Festung wird nun dem Feld⸗ marschall der Weg nach Wilna freigegeben sein. Und wenn er sich an der Front bei Dünaburg und Riga gedeckt hat, wird die Bedrohung der Verteidigungslinie der russischen Hauptmacht an der Bobr⸗ und Buglinie zur Wirklichkeit werden. Ich kann nicht, sagt der militärische Sachverständige, genau beurteilen, wie ernsthaft die Bedrohung ist, weil ich die Stärke der Streitkräfte des Großfürsten bei Wilna nicht kenne. Hindenburg hat bis jetzt aber nicht viel Mühe gehabt, die Angriffe bei Dünaburg und Wilna abzuwehren, er hat mit der Entfaltung seiner vollen Macht gewartet bis zum Sturm auf Kowno. Der Zustand der russischen Hoere an der Bobr- und Buglinie ist nun sehr ernst. Es sind Zeichen dafür vorhanden, daß sechs oder sieben österreichische oder deutsche Heere, die gegenüber den russischen Heeren stehen, bereits die Buglinie durchbrochen haben, die unsere Verbündeten einnahmen, und die Anwesenheit eines Teiles der Heere von Mackensen auf dem rechten Ufer des Bug bei Wlodawa ist ebenso unangenehm wie un— erwartet. Der Fluß und die Pripet⸗Sümpfe, so dachte man, würden ein unüberwindliches Hindernis darstellen, wenn von den natürlichen Verteidigungsmitteln in geschickter Weise Gebrauch ge⸗ macht würde. Doch, wenn die Flanken hier umgangen werden und wenn Bialystok selbst bedroht wird, dann kann es kommen, daß der Großfürst nicht länger imstande ist, sich an der Brest-Litowsk⸗ Linje zu halten. Er muß vor allen Dingen versuchen, seine Heere in Sicherheit zu bringen. Er wird dann den verfolgenden Feind, wie er es bereits getan hat, durch häufige und geschickt geleitete Nachhutgefechte beschäftigen, doch die Bedrohung durch Hindenburg im Norden ist so ernster Natur, daß sie schwer auf die Beschlüsse der Russen drücken muß. Die Geschehnisse der nächsten zehn Tage werden von entscheidender Art sein. Man muß vermuten, daß unsere Regierung sich voll— kommen dessen bewußt ist, was geschehen kann und bei den Ver⸗ fügungen über unsere eigenen Streitkräfte mit dem Zusftande Rech— mung getragen hat. Der Seekrieg. Reuter meldet aus London: Das Dampfschiff„Grodno“ von der Wilson⸗Linie(1955 Tonnen) wurde in den Grund gebohrt. Die Besatzung wurde gerettet. Das englische Dampfschiff„Thorn— field“ wurde in den Grund gebohrt(488 Tonnen). Die Mannschaft ist gerettet. Ferner wurden in den Grund ge— bohrt„Magie“ und„Serbin ol, letzteres von der Wilson— Linie. Auch diese Besatzungen wurden gerettet. Meldung des Reuterschen Bureaus: Der Dampfer„Arabic“ der White Star Linie(40 000 Tonnen) wurde auf dem Wege nach Amerika torpediert. Die Reisenden und die Besatzung wur— den gerettet. Der englische Dampfer„Dunslee“ wurde torpediert. Der Fischdampfer„George Baker“ ist vor Harmouth an der englischen Ostküste versenkt worden. Der dänische Dampfer„Elbe“ hat in Aarhus die Besatzung des norwegischen Dampfers„Romulus“, 1820 Tonnen, gelandet, der Je mehr eltkrieg. unterwegs am 16. August in der Nordsee von einem deutschen Unterseeboot versenkt worden war. Die Beschlagnahme einer dänischen Post. Berlin, 19. Aug.(W. B. Nichtamtlich.) Die skandi⸗ navischen Zeitungen veröffentlichen schwere Beschuldigungen gegen ein deutsches Unterseeboot, das die Post von dem nor⸗ wegischen Dampfer„Haakon VII.“ beschlagnahmt, teilweise sogar vernichtet haben soll.— Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, liegen hierüber von Seiten des U-Boots⸗ kommandanten noch keine Meldungen vor. Es ist also zunächst nicht ersichtlich, ob es sich hier um Paketpost oder um Briefpost handelt. Für die Behandlung von Paketpost gelten im allgemeinen die Grundsätze über die Be⸗ handlung von Bannware.— Briefpost ist zwar nach dem 11. Haager Abkommen unverletzlich, dieses Abkommen ist aber von verschiedenen Kriegsparteien, insbesondere von Rußland, nicht ratifiziert und findet daher nach Artikel 9 in dem gegenwärtigen Kriege überhaupt keine Anwendung. Ueber⸗ dies haben unsere Gegner die Unverletzlichkeit der Briefpost in keiner Weise geachtet. Sie hielten nach Deutschland gehende und von Deutschland kommende Briefpost durchweg an und haben sie einer Zensur unterworfen oder geradezu weggenommen, auch wenn sie auf neutralen Schiffen nach neutralen Häfen befördert Wurde. Vom Balkan. Bulgarien und Griechenland. Aus einem Gespräch mit Rados lawow, dem bul⸗ garischen Ministerpräsidenten, wird der Voss. Ztg. aus Sofia u. a. gemeldet: Radoslawow hält es für ausge⸗ schlossen, daß der König von Griechenland Herrn Veni⸗ zelos die Regierung von neuem übertragen wird, wenn dieser an dem Programm festhält, das vor einem halben Jahr seinen Sturz herbeigeführt hat. Der König stellte bestimmte Bedingungen, und deshalb hat sich Venizelos die viertägige Bedenkzeit ausbedungen. Nur wenn er diese Bedingungen annimmt, wird ihm der König die Regierung übertragen und sich mit der Beibehaltung der Kammer einverstanden er⸗ klären. Diese Bedingungen betreffen den Streit um Kavalla. Die griechischen Streitigkeiten machten, so ver⸗ sicherte Radoslawofb kurz und bündig, auf Bulgarien gar keinen Eindruck. Es denke auch nicht daran, sich mit Serbien in irgend ein Handelsgeschäft über das von Bul⸗ garen bewohnte Mazedonien einzulassen, für das Bulgarien so viele Opfer gebracht habe. In den Verhandlungen mit der Türkei sei nur noch ein einziger Punkt strittig, nämlich die Frage der Abtretung der Adrianopeler Vorstadt Karagatsch an Bulgarien, so daß der baldige Abschluß bevor stehe. 7 Die Blockierung der griechischen Küste durch die verbündete Flotte. T. U. Athen, 19. Aug. Die verbündete Flotte untersagte künftig die Durchfuhr von Waren aus Deutschland und Oesterreich⸗Ungarn, selbst, wenn der Abschluß des Ankaufes vor dem 1. März 1915 er⸗ folgt sei, ausgenommen für Abschlüsse, die vom griechischen Staat oder Gemeinden vollzogen werden. Englische Arbeiterführer für den Krieg. Unter den Munitionsagitatoren zeichnen sich der revo— lutionäre Syndikalist Ben Tillett und der Arbeiterabge— ordnete William Crooks besonders durch zügellosen Haß gegen Deutschland aus. In einer vor wenigen Tagen abgehaltenen Versammlung in Bradford, bei der auch Vandervelde als Redner auftrat, sprach Ben Tillett mit ungeheurer Aufregung über die deutsche Gründlichkeit; er war ganz empört darüber, daß die Deutschen sich so methodisch und zähe wehren und sich von den Russen, Franzosen, Briten usw. nicht besiegen lassen. Es sei unerhört, daß ein Volk eine so gewaltige Kriegsmaschine in Bewegung setzen kann. Ein— fach— Teufelswerk!— Crooks sprach in Elswick, wo Arm— strong seine Waffen- und Munitionsfabriken hat. Er be— richtete den Arbeitern über seinen Besuch in Flandern. Er überbrachte ihnen die Grüße und Wünsche ihrer in den Schanzen liegenden Brüder, die fortgesetzt nach Munition ver— langen. Ohne eine endlose Zufuhr von Granaten und Explosivstoffen würden sie unterliegen und gemordet wer— den.„Wir haben alle“, rief Crooks aus,„Brüder, Söhne und Verwandte an der Front. Es ist ein Volkskrieg— ein Krieg gegen das blutigste Ungetüm, das je auf Gottes Erde gelebt hat. Wir müssen es vernichten oder werden selber mit Grubenholz(Bannware) von Halmstadt nach West-Hartlepool vernichtet werden.“ Auch der anarchistische Syndikalist Tom Mann ist für den Krieg gegen Deutschland. Die australische Arbeiter⸗ zeitung Maoriland Worker veröffentlicht einen Brief von Tom Mann, datiert 11. April aus Glasgow, in dem er das fast einstimmige Eintsten der britischen Arbeiter für den Krieg bespricht und dann auch seine persönliche Ansicht äußert:„Ich mache keinen Versuch, in eine Agitation gegen den Krieg einzutreten. Ich bin wirklich der Meinung, daß dieser Krieg bis zu Ende ausgefochten werden muß, und je energischer er ausgefochten wird, desto besser.“ Und das sel auch die Meinung sämtlicher britischer Arbeiter, mit denen er mündlich oder brieflich verkehre. Ueberfüllung der Woll⸗Lager in London. In ungewöhnlich schroffer Form hat die Regierung die Abfuhr der angehäuften Wollvorräte aus den Londoner Docks gefordert, unter Androhung, daß sie sonst selbst und ohne Rücksicht auf die dadurch für die Eigner entstehenden Kosten die Räumung vornehmen würde. Die Times vom 14. 8. füg: diefer Meldung bei, die Ursache der Ueberfüllung der Lager— häuser sei die Einschränkung der Ausfuhr. Alle Kolonial⸗ wolle strebe nach England; die feindlichen Abnehmer fallen aus, Frankreich nehme fast nichts(seine Fabriken sind fast vollzählig in deutscher Gewalt). Die Regierung müsse frei⸗ gebig mit Ausfuhrscheinen sein, wenn Abhilfe geschaffen wer⸗ den solle. l In den sieben Monaten dieses Jahres sind 719,7 Millio⸗ nen gegen 546,7 Millionen Pfund(englischen Gewichts) im Vorjahre angefahren worden; die Ausfuhr ist von 259,7 Mil⸗ lionen auf 69,8 Millionen Pfund gefallen. Eingreifen Persiens in den Krieg? Konstantinopel, 19. Aug.(W. B. Nichtamtlich.) Die Zeitung Taswir⸗i⸗Efkiar erfährt zuverlässig: Der Grund des Rücktritts des persischen Kabinetts und von Ain ed Dauleh liegt in der äußeren Politik. Man glaubt, daß mit dem Falle des Kabinetts Persien aus seiner Neutralität heraus⸗ treten kann, um sich gegen England und Rußland zu wenden. Aller Wahrscheinlichkeit nach bildet das neue Kabinett Mostav Fiuk Momali. Der Angriff auf Brest⸗Litowsk eingeleitet. Der Kriegsberichterstatter des Berl. Tagbl., Leonhard Adelt, meldet seinem Blatte aus dem K. und K. Kriegspresse⸗ quartier unterm 19. August: Der Angriff auf die Südwest⸗ front von Brest⸗Litowsk ist nunmehr e ingeleitet. Im Anschluß an die gegen den Fortgürtel vorgehende Armee Mackensen marschiert die Armee des Erzherzogs Josef Ferdi⸗ nand und Koeveß. Nach Uebergang über den Bug beiderseils Niemirow gegen die Bahnlinie Brest-Bialystok ist dieselbe bon der k. k. Reiterei der Heeresgruppe des Prinzen Leopold bei und nördlich Bielsk vom Südflügel der Heeresgruppe von Hindenburg nahezu erreicht. Damit sind der wichtige Knoten⸗ punkt Bialystok und die ihm nördlich vorgelegene kleine Bober⸗Festung Ossowiec von der südlichen Bahnverbindung abgeschnitten. Die Beute an Geschützen in Kowno hat sich auf 430 erhöht. Nachdem die Russen ihre Massen mit großer Geschicklichkeit und zäher Ausdauer aus dem von Norden, Westen und Süden umklammerten polnischen Zen⸗ trumsraum herausgezogen haben, macht sich eine starke Trup⸗ penverschiebung in Richtung Wilna—Dünaburg-—Riga be⸗ merkbar. Meuterei in einem belgischen Regiment. An der JYerfront meuterte ein belgisches Regiment. Mehrere Rädelsführer wurden kriegsgerichtlich abgeurteilt und erschossen. Das Regiment blieb zur Strafe zwei Wochen lang in der ersten Feuerlinie. Große Brände auf den Aalandsinseln. T. U. Stockholm, 20. Aug. Gestern und heute war hier das Gerücht im Umlauf, daß die Wälder der Aalandsinseln und auf Finnand in Fammen stehen. Man hat von Gotland und der schwedischen Küste aus Feuersäulen und andauernden Rauch beobachtet. Ob die Wälder von den Russen, wie Angelegenheit befassen werde, und obgleich in der! Uhrmacher und Goldarbeiter.— Man belangt Naben r———— 333 S E n R r behauptet wird, angezündet wur den, läßt sich nicht feststellen. N Englisch⸗australische Kultur. Der Berl. Lok.⸗Anz. teilt unter der Ueberschrift:„Euglisch⸗ australische Kultur“ folgendes mit: e e eee Wahlkreises Bochum⸗Gelsenkir chen⸗Hattingen⸗Wit⸗ Neu⸗Guinea hatten einen englischen Missionar, Auwefenheit in der deutschen Kolonie sich nicht entbradet dane, Stimme, bei drei Stimmenchaltungen, Kriegsverrat zu begehen, verprügelt. Einige Pflanzer, unter denen materiellen Behandlung der Anfrage dadurch w. eine Aenderung noch eine Verzögerung eingetr. wäre. 5* Eine Vertrauensmänner⸗Versammlung des en 40 t 0 aach eis Referat des Genossen Hue gegen eine e den ee folgende Resolution an: sch auch dentsche Taumte befanden, wurden verbeltet und an keit, tingen⸗Witten, von 62 Vertrauensleuten besucht, erklärt sich mit lischen Administrator zur öffentlichen Auspeitschung verurteilt. Vergeblich protestierten die Pflanzer und auch der⸗ noch anwesende deutsche Bezirksrichter, der darauf hinwies, daß noch deutsches Recht gelte. Die Verurteilten baten, erschossen zu werden, doch umsonst. Einer von ihnen hatte verfucht, in der Nacht vor der Exekution Selbstmord zu begehen, um sich so der Schande zu ent⸗ ziehen. Bei der Ausführung des Urteils mußten alle anwesenden Deutschen erscheinen, jedoch durften sie nach dem Verlesen des Ur⸗ teils wieder fortgehen. Nur ein Pflanzer und ein Beamter blieben onwesend. Die Exekution wurde von einem australischen Soldaten vollzogen. Einer der Herren bekam 30 Hiebe, die übrigen zwischen 10 und 25. Ein neuer Völkerrechtsbruch Englands. Der Berl. Lok.⸗Anz. schreibt: Schon seit geraumer Zeit lagen zahlreiche Anhaltspunkte dafür vor, daß in den Ver⸗ einigten Staaten von Amerika eine lebhafte Werbetätigkeit für die englische Armee betrieben werde, ohne indeß einen greifbaren Beweis in die Hand zu bekommen. Wie nunmehr von zuverlässiger Seite mitgeteilt wird, hat sich jetzt die Rich⸗ tigkeit dieses Verdachtes ergeben. Die amerikanische Regie⸗ rung hat nunmehr Anlaß genommen, in dieser Sache, die eine Verletzung der amerikanischen Neutralität durch Eng⸗ land darstellt, eine amtliche Untersuchung einzuleiten. Kriegs notizen. Mehrere in die Dienste der englisch⸗ägyptischen Regierung ge⸗ tretene dänische Taucheringenieure trafen in Bern ein. Sie reisen von hier aus über Marseille weiter nach dem Sue z⸗ kanal, um versenkte Schiffe zu heben. John Ward, Parlamentsmitglied und Sekretär der Erd⸗ arbeiter, der vor 20 Jahren in der englischen Armee als Korporal gedient hat, ist jetzt in die Territorialarmee eingetreten und sofort zum Oberstleutnant befördert worden! Rietsch meldet aus Moskau: Eine von den Senatoren ver⸗ anstaltete Untersuchung führte zu der Entdeckung, daß die ganze Schuld an den Moskauer Unruhen den Polizeipräfekten Verhafteten am Dienstag in Freiheit gesetzt worden, 5 jüngerer Leute. Wegen der Haftentlassung der anderen ist Antrag A dianoff trifft, der den Revierchefs aus Furcht, der liberalen Aae Waffen in die Hand zu geben, jegliches Einschreiten verbot. Einer behördlichen Anordnung entsprechend wurden die Vankboxe der Rigaer Banken, wo deutsche Einwohner Wertsachen aufbewahrten, erbrochen und alle Wertsachen nach 1 9555 Nowgorod übergeführt. Die Eigentümer haben das Nach⸗ sehen. Partei⸗Nachrichten. Erklärung. Zu der vom Genossen Liebknecht im Reichstag eingebrachten kleinen Anfrage stellt die Fraktion fest: 1. Am 8. Mai 1912 hat die Fraktion folgenden Beschluß gefaßt: „Bezüglich der„Kleinen Anfragen“ wird beschlos— sen, daß die Genossen, welche solche stellen wollen, diese vorher zur Kenntnis des Fraktionsvor⸗ stan des bringen sollen, wenn nicht Gelegenheit und Zeit gegeben ist, sie in der Fraktionssitzung zur Kenntnis zu bringen. Hat der Fraktionsvorstand gegen die Stellung einer Frage Bedenken, so soll eine besondere Fraktionssitzung anberaumt werden.“ 2. Entgegen diesem Beschluß hat Liebknecht von seiner Absicht der Einbringung dieser„Anfrage“ dem Frak— tionsvorstand keine Kenntnis gegeben, sondern unterm 31. Juli ihm mitgeteilt, daß er diese Anfrage beim Reichstagsbureau eingereicht habe. Lieb⸗ knecht hat ferner jeden Versuch, diese Angelegenheit bis zur Fraktionssitzung zurückzustellen, vereitelt, obgleich ihm bekannt war, daß die Fraktion sich mit derselben den auf die Kriegsereignisse bezugnehmenden Beschlüssen und Aktionen der Reichstagsfraktion, des Parteiaus⸗ schusses und des Parteivorstandes ein verstanden. Sie erblickt in den vorbenannten Körperschaften die verautwortliche Vertretung der Gesamtpartei bis zum nächsten Parteitag. Vom diesen Körperschaften erwartet sie, daß sie auch fernerhin nichts unternehmen, sondern alles bekämpfen, was die Landes⸗ verteidigung schwächen kann, damit der Abschluß eines annehmbaren Friedens, der auch einer dauernden friedlichen Völker⸗ verständigung dienlich ist, nicht hinausgeschoben wird. ferenz ist überzeugt, daß die verantwortlichen Parteiinstanzen auch fernerhin allen annexionspolitischen Bestrebungen, die mit den von der Reigerung beim Kriegsausbruch abgegebenen Er⸗ klärungen im Widerspruch stehen, entgegentreten, weil durch diese Vestrebungen der fürchterliche Krieg verlängert wird. Dasselbe wird auch durch die gehässige und verleumderische Be⸗ kämpfung der deutschen Sozialdemokratie durch die Berner Tag⸗ wacht und ihre Hintermänner herbeigeführt, die lediglich auf eine Zersplitterung und Schwächung unserer Partei hinaus⸗ läuft! Dagegen protestiert die Konferenz und fordert die organi⸗ sierten Arbeiter und Arbeiterinnen auf, alle diese Bestrebungen energisch zurückzuweisen. Die Konferenz erwartet vom Partei⸗ vorstand und der Fraktion die weitere energische Fortführung des Kampfes gegen den Lebensmittelwucher, und daß sie mit allem Nachdruck von der Regierung Maßnahmen zur Sicherstellung der neuen Ernte für die Volksernährung verlangen. Um eine Linde⸗ ung der drückenden Teuerung zu erreichen, ist ein weiteres Ein⸗ greifen durch die Kommunen dringend geboten, welche zu niedrigen Preisen verkaufen sollen, um damit die Profitsucht namentlich des Großhandels entgegenzuwirken. Die Regierung hat aber für alle Lebensmittel die Höchstpreise im Volksinteresse möglichst niedrig zu setzen, damit die Kommunen der Bevölkerung gerecht werden können.“ Im Interesse der Einigkeit war ein Passus in der Reso⸗ lution gegen den Genossen Haase, nachdem Genosse Hué das empfohlen hatte, zurückgezogen worden. a In dem Karlsruher Flugblattprozeß, N der wegen Verbreitung des Berner Frauenmanifestes inszeniert wurde, ist nach erfolgtem Schluß der Voruntersuchung ein mel der meistens beim Reichsgericht gestellt. Arbeiterbewegung. 25 jähriges Jubiläum der Bergarbeiter⸗Zeitung. 25jähriges Erscheinen zurück. Nachdem der im Jahre 1889 ge⸗ gründete Bergarbeiterverband zunächst das Organ des sächsischen Bergarbeiterverbandes, den Glück⸗Aauf, als Verbandsorgan hatte, beschloß die Generalversammlung anfaugs 1890 die Herausgabe eines eigenen Organs und übertrug dem Druckereibesitzer Jeup⸗ Elberfeld den Druck desselben, welcher hierfür eine zweite Druckerei in Gelsenkirchen errichtete. Von den vielen Schwierigkeiten und gerichtlichen Bestrafungen der Redakteure— sämtliche Redakteure erhielten längere Freiheitsstrafen—, wollen wir nur erwähnen, wersehenes Ladenlokal, von der Polizeibehörde als ungeeignet ge⸗ wenn sich nicht eine Druckerei in Elberfeld bereit erklärte, den Dru bis zur Herstellung eines anderen Druckereilokals zu übernehmen Nach vielen Schwierigkeiten konnte die Druckerei in diesem Raum in Betrieb genommen werden. Im Jahre 1892 erwarb der Verband die Druckerei als Eigentum und siedelte, nachdem schon vorher die Leitung des Verbandes nach Bochum übergesiedelt war, er, Druckerei 1896 nach Bochum, Johanniterstraße. 1904 wurde der bandes übergeleitet. Auch der Titel der Zeitung ist mehrere Male geändert worden. Zunächst Deutsche Bergarbeiter-Zeitung, nahm dieselbe nach einiger Zeit den Titel Deutsche Berg- und Hütten⸗ arbeiter⸗Zeitung an, um jetzt noch als Bergarbeiter-Zeitung 3 erscheinen. D. Kaminka, Gießen Marktplatz ll. Reichhalliges Lager in Uhren, Golde und Silberwaren. Lieferant des Konsum⸗ Vereins Gießen u. Umg. und des Eisen⸗ Diethelm von Buchenberg. Erzählung von Bertold Auerbach. 5⁵ Munde war ein finsterer Gevatter von gar nicht bräut— licher Laune, und als ihn der Geistliche um den Namen des Täuflings fragte, gab er nicht, wie verabredet, den Diethelms an, sondern rief zitternd:„Medard!“ Er bebte in der Kirche, denn er dachte, daß einst seine eigenen Kinder einen Groß— vater liebkosen sollten, der so Arges getan. Beim Tauf— schmaus schnitt es ihm anfangs in die Seele, da man ihn als glücklichen Schwiegersohn Diethelms laut pries und der junge Kübler ihm ein Hoch ausbrachte, daß er ebenfalls ein Familienfürst werden möge wie sein Schwäher. Nach und nach— die Huldigung hat allezeit ihren verführerischen Reiz— beschwichtigte Munde die Gewissensschreie in seinem Innern, zumal er Fränz so überaus glücklich sah. Fränz war es gewohnt, sich in den Familien der von ihrem Vater Beglückten preisen und erheben zu lassen, und wie sie die Geschenke ausbreitete und alles voll Dank und Lob war, zeigte sie wirklich eine hohe Freude und Gutherzig⸗ keit; sie suchte an sich herum, ob sie nichts mehr zum Ver— schenken habe, und löste ihre Korallenschnur ab. Unter all dem verworenen Gestrüpp blühte doch in ihr die Blume wirk— licher Milde und Freigebigkeit. Im Nachhausefahren umarmte Munde seine Fränz voll Glückseligkeit, da sie sagte, wie gut sie es doch hätten, da sie so vielen Menschen Gutes tun könnten. Das war jetzt auch für Munde ein Trost, in dem er zu vergessen suchte, wie schreckenvoll alles um ihn sei. Es sollte ihm aber nicht gelingen. XXV. Die Landstände hatten glücklich das alte Einsteherwesen wiederhergestellt. Zum großen Pferdemarkt, der alljährlich in der Hauptstadt abgehalten wurde, schnallte sich Diethelm eine vollgestopfte Geldgurte um, er wollte ein neues Gespann und einen modischen sogenannten Charaban kaufen und dann seinen Schwiegersohn vom Militär losmachen. Munde ver⸗ ließ nur ungern jetzt seinen Vater, der fast nicht mehr vom Bette herunterkam und zusehends abfiel; der alte Schäferle wollte aber nichts von ihm wissen und sagte immer:„Laß du uns beide“— er meinte sich und den Paßauf—„nut allein, geh du deiner Wege, sei glücklich, so gut du's kannst. Du hist jung, bei dir verlohnt sich's noch, der Diebshehler zu sein, ich bin schon zu alt, ich wär' ein Narr, wenn ich erst so spät anfangen tät'.“ Martha versprach, des kranken Mannes zu warten, Fränz ließ sich nicht davon abbringen, mit nach der Hauptstadt zu reisen; was sie einmal wollte, das mußte auch geschehen. Am Morgen, als Munde kam, schickte sie ihn noch einmal nach Hause, er mußte die neuen Kleider anziehen, die sie nach städtischer Tracht für ihn bestellt hatte. Als er wiederkam, knüpfte sie ihm das Halstuch nochmals anders und sagte dann frohlockend, sich vor ihn hinstellend:„So. Siehst du? So, jetzt bist ein Mann, der sich sehen lassen darf.“ Schon beim Einsteigen gab es Streit, Fränz behaup⸗ tete, ein Brautpaar gehöre zusammen, und der Vater solle auf den Vordersitz und kutschieren; aber Munde willfahrte ihr nicht, und Fränz beruhigte sich erst, als ihr Munde sagte, daß die Herren in der Stadt oft selbst fahren. Draußen vor dem Dorfe gab es abermals Händel. Diethelm wollte, daß Munde die Geldgurte umschnalle, und setzte selbstverräterisch hinzu:„In der Stadt kannst mir sie wiedergeben.“ „Das leid' ich nicht,“ schrie Fränz,„entweder— oder, ent— weder behaltet Ihr die ganze Zeit die Geldgurte, oder mein Munde behält sie; er ist nicht Euer Knecht, er ist wenigstens grad so viel wie Ihr. Ihr könnt ja das Geld ins Kutschen⸗ truckle tun.“ Das wollte aber Diethelm nicht, sei es, daß er das . noch scheute oder daß er das Geld auch zeigen wollte. Wo man einkehrte, hatte Fränz bei der Ankunft und bei der Abfahrt noch manchen Zank mit dem Vater und mit Munde. Sie wollte es nicht dulden, daß dieser sich als Knecht benahm, ja, sie weinte vor Zorn, als Munde ihr nicht nach⸗ gab, und sprach oft stundenlang kein Wort mit ihm. Im Oberland war es noch ziemlich rauh und kalt. Je mehr man aber nach dem Unterland kam, zeigte sich der wonnige Frühling; man fuhr durch Buchenwälder, die in und drüben am Wege standen; aber in den Herzen der drei Moenschen, die da hinfuhren, war Widerstreit und Trübsinn mancher Art. konnte, Munde über die Art, wie er die Pferde führte, zu⸗ Zorn aufreizt, Wenn es einen als ein Dreinsprechen kleinen„Stich“ hinabging, rief Diethelm noch besser.“ Munde ließ es an heftiger Widerrede nicht fehlen, peitschte oft geflissentlich die Pferde und fuhr im Zorne in der Tat ungeschickt, besonders beim Ausweichen so daß es mehrmals ein Unglück gegeben hätte, wenn ihm Diethelm nicht in die Zügel gefahren wäre. Fränz wartet immer darauf, daß Munde einmal tapfer aufbegehren und die ganze Geschichte hinwerfen werde; als es aber immer ni geschah, biß sie sich auf die Lippen und murmelte stille vor sich hin Schimpfworte auf Munde, die sie hinter seinem Rücken sprach. 5 Man kehrte in der Hauptstadt im Rautenkranz ein, Fränz war wenigstens einigermaßen zufriedengestellt, als Munde beim Absteigen sagte:„So, jetzt beim Heimfahre könnt Ihr kutschieren, Schwäher, nicht um ein Königreich fahr ich noch einmal so. Komm, Fränz, wir zwei wollen 1 sammenhalten. Weißt noch, wie oft ich da bei dir gewesen bin? Ich freu' mich, grad hier zu zeigen, daß wir doch noch ein Paar geworden sind.“ 2„Siehst jetzt, daß ich recht hab'?“ entgegnete Fränz, sie mit ihrem Bräutigam allein war,„mit meinem Vate 6075 kein Tochtermann aus, der ihm nicht den Mei zeigt.“ g 1 Sie blieb stets bei dem Gedanken. (Jortsetzung folgt.) ö „Die Kreiskonferenz des Wahlkreises Bochum⸗Gelsenkirchen⸗Hat⸗ Die Kon⸗ Mit dem 16. August blickt die Bergarbeiter⸗Zeitung auf ein daß das Druckereilokal, ein großes, mit zwei großen Schaufenstern 1 schlossen und das Erscheinen der Zeitung in Frage gestellt wurde, mit der ganze Betrieb in das neuerbaute Verwaltungsgebäude des Ver⸗ — dem ersten so zarten, knospenfeuchten Grün prangten, und bald fuhr man zwischen blühenden Obstbäumen, die hüben 5 Dazu kam noch, daß es Diethelm nicht lassen rechtzuweisen, und es gibt vielleicht nichts, was leichter zu beim Pferdelenken. jedesmal:„Sperr' die Mick(Bremse) und fahr' Trab, dreh „ 17 * b Reichstag. 2.(14.) Sitzung, Freitag, den 20. August, nachmittag Ann deere Delbrück, Jagow, Helfferich, Der Platz des Abg. Brühne(Soz.), der heute 60 Jahre ist mit Blumen geschmückt. 2 Uhr. 2 Auf der Tagesordnung steht zunächst folgende Anfrage des Abg. Dr. Liebknecht(Soz.), die der Abgeordnete unter großer Un⸗ * verliest: Ist die Regierung bei entsprechender Bereitschaft der anderen Kriegführenden bereit, auf der Grundlage des Verzichts auf Annexionen aller Art in sofortige Friedensverhandlungen ein— zutreten? 1 8 5 Staatssekretär v. Jagow: Ich glaube, dem Einverständnis der großen Mehrheit die 5 8 2 a ses Hauses zu begegnen, wenn ich auf die Anfrage des Abg. Dr. Lieb⸗ knecht eine Antwort zu erteilen, als zurzeit unzweckmäßig ablehne. Abg. Liebknecht versucht zu (Lebhafter Beifall besonders rechts. 0 f sprechen. Seine Worte gehen in dem großen Lärm und Gelächter unter.). l N Die neuen Kriegskredite. Berichterstatter Graf Westarp(k.) berweist auf die Zusage der Regierung, den Betrag von 200 Millio⸗ nen Mark, der bei der letzten Anleihe für die Wöchnerinnenpflege und für die Invaliden⸗ und Erwerbslosenunterstützung abgezweigt war, aus der neuen Anleihe wieder auf den ursprünglichen Betrag zu bringen. Die Kommission hat einstimmig die Bewilligung der Anleihe zu empfehlen beschlossen. Bei keinem unserer Feinde ist bisher der Wille hervorgetreten, den Plan der Vernichtung Deut sch⸗ Iands aufzugeben, geschweige denn zu einem Frieden bereit zu sein, der unseren gerechten Anforderungen nach diesem uns aufgezwunge⸗ nen Kriege entspräche. Die Kommission ist überzeugt, daß unsere Volkswirtschaft die neue Anleihe tragen kann, und daß das Volk bereit ist, die Anleihe aufzubringen. Größere Opfer als die schwersten finanziellen Opfer bringen unsere Brüder draußen im (Lebhafter Beifall.) Reichsschatzsekretär Dr. Helfferich: Felde. este Begründung für diese Vorlagen ist der einmütige Wille des Volkes, den Krieg bis zum siegreichen Ende durchzuhalten, bis zu einem Frieden, den wir vor uns selbst, vor Kindern und Enkeln, verantworten können.(Lebhafter Beifall.) Solange sich die Feinde nicht bequemen, aus unserer Unbesiegbarkeit die notwendigen Folge⸗ rungen zu ziehen, sind die Waffen unser einziges Mittel, sie zu überzeugen.(Sehr richtig!) 5 a Die 10 Milliarden sollen auch diesmal wieder durch Anleihe nufgebracht werden. Wir wollen während des Krieges die gewal⸗ tigen Lasten, die unser Volk trägt, nicht ohne zwingende Notwendig⸗ keit durch Steuern erhöhen. Eine stärkere Belastung des Ver⸗ brauchs würde bei den ohnedies hohen Preisen hiergegen ebenfo verstoßen, wie eine stärkere Belastung des Verkehrs. Die direkten Steuern werden heute forterhoben, teilweise in einzelnen Bundes⸗ stagten auch in wesentlich stärkerem Maße herangezogen. Ueber die Kriegsgewinnsteuer kann ich mitteilen: In der Konferenz der bundesstaatlichen Finanzminister wurde ein grundsätzliches Ein⸗ verstäudnis erzielt. Es handelt sich um eine Gesetzvorlage, die genau durchgearbeitet werden muß; so reif ist die Sache noch nicht. Die Betroffenen werden auch die finanziellen Veränderungen durch den Krieg erst nach seinem Abschluß übecsehen können. Die seinwandfreie Begriffsbestimmung des Kriegsgewinns ist steuer⸗ itechnisch unmöglich, andererseits sind alle, die während der Kriegs⸗ zeit in der Lage waren, ihr Vermögen erheblich zu vermehren, auch fimstande und verpflichtet, in höherem Maße als durch gewöhnliche Besteuerung zu den Kriegslasten beigutragen.(Bravo!) Damit ist die Anlehnung an die Reichsvermögens⸗Zuwachssteuer gegeben. Der Vermögenszuwachs durch Erbgang in naher Verwandtschaft Jol be⸗ lfreit bleiben. Die Sondersteuer auf Kriegsgewinn soll als Beitrag für die Kriegskosten nicht nur in barem Geld, sondern. auch Durch Hergabe von Kriegsanleihe entrichtet werden können. Die Sorge wor einer solchen Steuer braucht also niemand davon abzuhalten, Kriegsanleihe zu zeichnen.(Große Heiterkeit.) Wenn wir die Möglichkeit haben, den Frieden nach unseren Notwendigkeiten zu cgestalten, dann dürfen wir die Kostenfrage nicht vergessen. Wir müssen danach trachten, daß die ganze künftige Lebenshaltung un⸗ sseres Volkes, soweit es irgend möglich ist, entlastet wird. Sehr trichtig!) Das Bleigewicht der Milliarden für die Kriegsentschädi⸗ gung haben die Anstifter des Krieges verdient, sie sollen es in Zu⸗ kunft mit herumschleppen, nicht wir.(Lebhafte Zustimmung. Ge⸗ wiß handelt es sich hier um eine ganz besonders schwere Aufgabe, ber alles, was nach dieser Richtung hin geschehen kann, wird ge⸗ tan werden.(Bravo! 51 129 5 Die Oeffentlichkeit weiß, daß die Ausgabe einer dritten Kriegs⸗ unleihe bevorsteht. Die materiellen Kräfte, die den beiden ersten Anleihen einen über alle Erwartungen hinausgehenden Erfolg ber⸗ schafft habn, sind auch heute noch ebenso stark. Bis auf verhälknis⸗ mäßig kleine Beträge sind die ungeheuren Summen, die das Reich braucht, im Lande geblieben, sie sind unseren Soldaten, unserer 2 i ft, unserer Industrie zugute gekommen und haben sich zum Teil von neuem zu Sparkapital verdichtet. Redner verweist auf die Entwickelung der Darlehnskassen. Sie zeigt, daß Wee Segner sich täuschen, wenn sie behaupten, der Erfolg unserer Kriegsanleihe sei nur Mache, sie würde nur finanziert ni Anweisungen der Darlehnskassen. So erzählt der Dailh Le 155 graph“, unsere Darlehnskassen beliehen alles, was ihnen 8 ht werde, bis auf Zahnstocher und Kohlen becken.(Heiterkeit) Hier⸗ über kann man lachen, aber man muß sich auch klar darüber seig, zaß diese systematisch fortgesetzten Verleumdungen, diese 1 8 detung unseter Finanzkraft uns einen großen Schaden in 1 0 en ändern zufügt.(Sehr richtig!) Die Einlagen in 179 1% 1 5 n haben 1913 um eine Milliarde zugenommen, 1914 trotz des Setegszuftandes um 900 Minionen Mark. In, demerstende Moran sieses Jahres betrug der Zugang nahezu 15 een(Hört, dörkl) Allerdings ist der Belrag fast völlig aufgebraucht 1 zu Zahlungen von Kriegsanleihen seitens der 1 sese Lahlungen betrugen 1 Milliarde 800 Millionen Mark. 11 e aber dunn man sagen, die Sparkassen sind wieder völlig intakt, sie haben kinen Bestand pon 20 Milliarden Mark, sie haben mehr als jemals ö Kriegsausbruch. Aehnlich günstig liegen die Dinge au bei dern Banfen. Die Flüssigkeit des Geldes hat sich zum Teil sogar 82 A spekulauvem Treiben an der Börse verdichtet. Aber ein leichter 4 Bu hat gerügt, um hier Einhalt zu tun und die Einsicht zu ber⸗ reiten für die Verwendung von Geld beute bessere Möglich⸗ Spekulation. 7. erer O. alt wird, Gießen, Samstag, den 21. August 1915. eilage zur Oberhessischen Volkszeitung Nr. 195 Alles Geld gehört dem Valerlande, Kriegsanleihe ist heute das Anlagepapier. Zu den Zeichnungen sollen diesmal auch die Post⸗ anstalten herangezogen und für die kleinen Zeichnungen unter 1000 Mark Teilzahlungen bis zu 100 M. gestattet werden. Reklame ugch englischem Musser werden wir für unsere Kriegsanleihen nicht treiben. Es eutshricht nicht dem deutschen Geschmack, auf den Ernst des Krieges die Zirkusreklame anzuwenden.(Sehr richtig!) Die§prozentige Kriegsanleihe ist heute das volkstümlichste Papier, das es je in Deutschland gegeben hat.(Sehr richtigl) Den Aus⸗ gabekurs werden wir dank unserer finanziellen Kraft etwas höher setzen. Wir können auf unsere Finanzlage um so stolzer sein, wenn wir sie mit der unserer Feinde vergleichen. Nach genauen Untersuchungen sind die Gesamtkosten dieses Weltkrieges bei allen Beteiligten täglich auf nahezu 300 Millionen Mark zu schätzen, auf das Jahr etwa 100 Milliarden Mark.(Hört! hört!) Es ist dies die größte Wertzerstörung und 2 ertberschiebung, die jemals die Weltgeschichte gesehen hat. Von den einzelnen Ländern hatte bis bor kurzem Deutschland die schwerste Last zu tragen. Aber in⸗ zlvischen hat uns England überholt. Dort haben die täglichen Ausgaben für Kriegszwecke den Betrag von 80 Millionen Mark überschritten.(8 hört!) Wir wollen England diesen Vor⸗ sprung gönnen(Heiterkeit.), zumal die Engländer selbst das Ge⸗ fühl haben, daß wir mit geringeren Mitteln mehr leisten. Auf die Koalition unserer Feinde entfallen nahezu zwei Drittel aller Aus⸗ gaben, auf uns und unsere Verbündeten etwa ein Drittel der Kriegskosten. Frankreich, das Land der Rentner, hat es bisher kaum zu einer regelrechten Anleihe gebracht, und England, das Land der 2 prozentigen Konso hat es zuerst mit einer 3%pro⸗ zentigen Anleihe versucht, auf die zwar 7% Milliarden gezeichnet wurden, allein die zu 95 Prog. ausgegebene Anleihe sank schon am ersten Tage unter den Ausgabekurs und hat sich seither darunter gehalten. Die Anleihe, die bis Ende Juli reichen sollte, war Ende März aufgebraucht. Man half sich mit Schatzwechseln, aber der Andrang der Käufer blieb aus. Erst in allerletzter Zeit ist man wieder zur Emission einer großen Anleihe über gangen. Der Zinssatz wurde auf 4½ Proz. hinaufgesetzt, was zusammen mit den weitgehenden Konversionsrechten einen wirklichen Zinsfuß von mehr als 5 Proz. bedeutet. Die Anleihe, die den Kriegsbedarf bis März 1916 decken sollte, hat etwa 600 Millionen Pfund ge⸗ bracht; dieser Ertrag wird bereits im September wieder versiegt sein. Auch dies Ergebnis wurde nur dadurch erreicht, daß die Großbanken sich am letzten Tage entschlossen, ihre Zeichnungen auf den doppelten Betrag zu erhöhen. Bei uns aber sind die beiden Kriegsanleihen stets über dem Ausgabekurs geblieben. Wenn also das alte Wort noch seine Bedeutung hat, daß zum Kriegführen Geld gehört, dann werden selbst unsere Feinde merken, wie günstig wir stehen. Die dreiprozentige französische Rente ist um 20 Proz. zurückgegangen, und in England beträgt der Mindestkurs der 3½prozentigen Konsols 65 Proz. Unsere deutschen Staatspapiere dagegen zeigen einen Rückgang von nur 8 bis 9 Proz., also auch hier schneiden wir am besten ab.(Bravo!)— Allerdings entstellen unsere Feinde auch hier, um zu beweisen, daß wir am Verbluten sind. Die Londoner Börse hat kürzlich unsere dreiprozentigen Reichsanleihen mit 49% Proz. notiert.(Heiterkeit.) Ich habe mich vergeblich bemüht, auf dem Umwege über das neutrale Aus⸗ land deutsche Staatsanleihen zu diesem schönen Kurs zu kaufen. (Große Heiterkeit.) Aber es ist mir nicht gelungen, auch nur ein einziges Papier zu bekommen.(Große Heiterkeit.) Ein weiteres günstiges Zeichen für uns ist die Erhöhung des Goldbestandes der Reichsbank seit Kriegsausbruch um mehr als eine Milliarde. Die „Times“ lügen, wenn sie behaupten, daß wir unseren Bundes⸗ genossen Geld abgenommen hätten. Wir betrachten unsere Ver⸗ bündeten nicht als Ausbeutungsobjekte.(Bravo!) Redner be⸗ spricht den auswärtigen Wechselkurs und kommt zu folgendem Schluß: Das Geheimnis unseres Erfolges auf dem finanziellen Kriegsschauplatze liegt nicht in dem, was man gemeinhin den Reichtum nennt. Er besteht vor allem in der Arbeitskraft unseres Volkes, die im Kriege und für den Krieg schafft. Was der Krieg verzehrt, ist nicht etwa unser Geld, das ist die Summe von Kriegs⸗ material und von Unterhaltsmitteln, die unser Volk jetzt auf eigenem Boden mit Anspannung aller Energie stets aufs erzeugt. Wo das Geld über die Grenzen rollt, um Kriegs und Nahrungsmittel zu ergänzen, da rollt es nicht so leicht zurück. Mögen unsere Feinde ihre Geldmaschine reparieren, nützen würde ihnen das erst, wenn sie uns die Leistungsfähigkeit unserer In⸗ dustrie nachmachen könnten. Das können sie ebensowenig, wie sie (Sehr richtig!) Dazu ge⸗ uns unser Heer nachmachen können. hört eiserne Erziehung, Pflichtbewußtsein und Disziplin, ein durch tausendjährige Geschichte zufammengeschweißtes Volkstum.(Leb⸗ hafter Beifall.) In uns allen lebt der Wille zum Sieg, deshalb vertraue ich darauf, daß das, was Sie jetzt bewilligen, vom ganzen Volke gezeichnet werden wird.(Lebhafter wiederholter Beifall.) Abg. Dr. David(Soz.): Das Bild der finanziellen Kriegslage, das der Reichsschatz⸗ sekretär gegeben hat, zeigt erfreulicherweise, daß Deutschlands Lage günstiger ist als die seiner Gegner. Die vom Reich verausgabten Summen sind zum größten Teil im Lande geblieben. Er⸗ gebnis der englischen Absperrungsstrategie ist für die wirtschaftliche Betätigung Deutschlands nach dem Kriege von der größten Be— deutung. Die Gläubiger des Reichs sind vielfach dieselben Leute, die durch Kriegslieferungen und andere Kriegsgeschäfte große Ein⸗ nahmen gehabt haben. Die soziale Gerechtigkeit verlangt, daß das Reich durch eine Kriegsgewinnsteuer sich einen erklecklichen Anteil daran sichert.(Lebh. Sehr richtig!) Weiter hoffe ich, daß nicht noch einmal die harte Notwendigkeit einer Kriegskreditvorlage an uns herantritt, daß es inzwischen gelingt, einen für Deutschland ehren⸗ vollen und guten Frieden zu erreichen. Hierzu berechtigen die glänzenden Leistungen unserer Truppen, die uns mit Stolz und Bewunderung erfüllen.(Lebhaftes Bravo!) Den Dank, den wir ihnen schulden, dürfen wir nicht bloß in Worten abtragen. Alle, die draußen ihr Leben einsetzen, müssen die Gewißheit haben, daß im Fall ihres Todes für ihre Lieben in der Heimat ausreichend gesorgt ist, daß sie selbst im Fall der Verstümmelung nicht mate⸗ riellem Elend entgegengehen. Können die neuen Ges zur Rege⸗ lung der Militärhinterhliebenen⸗ und Invalidenfürsorge nicht schon während des Krieges fertiggestellt werden, so muß inzwischen in allen Fällen ausreichende Hilfe ohne falsche fiskalische Sparsam⸗ keit gewährt werden.(Lebhafte Zustimmung.) Ferner muß alles bermieden werden, was die Stimmung der Truppen herabdrückt. Immer wieder gelangen Klagen über schlechte Behandlung bei der Ausbildung der Truppen in der Heimat zu uns.(Sehr wahr!) Auch bei der Ernährung der neuauszubildenden Truppen machen sich Uebelstände geltend. Man muß auf ältere Leute, die aus einer langgewohnten häuslichen Pflege kommen, und auf Leute mit schwächerer Konstitution Rücksicht nehmen. Auch die Herabsetzung der Verpflegungsgelder für außerhalb der Kaserne wohnende Mannschaften von 1/05 M. auf 60 Pf. ist eine übelangebrachte Sparsamkeit.(Zustimmung.) Auch wird über Schwierigkeiten und ungleiche Berücksichtigung bei der Erteilung von Heimatsurlaub 88 2 777... /c 8 n schaftliche und seelische Widerstandskraft der Heimatbebölkerung gestärkt werden. Die Versorgung der breiten Volksmassen mit aus⸗ reichender Nahrung ist ebenso wichtig wie die Versorgung der Armee mit Munition. Gewiß hat die Reichsleitung redlichen Willen an die Löfung dieser Aufgabe gesetzt, aber die ergriffenen Maßnahmen waren unzureichend. Die Preise für die Massennahrungsmittel müssen wesentlich herabgesetzt werden. Die Ernteergebnisse waren im allgemeinen gut, wir haben ausreichende Mengen von Lebens⸗ mitteln im Lande. Es muß also gelingen, die Seuche des Lebens⸗ mittelwuchers auszurotten.(Lebhafte Zustimmung.) Gewissen⸗ losen Lebensmittelwucherern muß, wie auch der Staatssekretär Dr. Delbrück in der Kommission gesagt hat, das Brandmal des Ver⸗ lustes der bürgerlichen Ehrenrechte aufgedrückt werden, denn ihr Handeln ist ein gemeines Verbrechen am eigenen Volke.(Lebhafte Zustimmung.) f Notwendig ist ferner eine Erhöhung der Unterstützungsgelder für die Familien der Kriegsteilnehmer, sonst werden die Sorgen und Entbehrungen in Millionen von Familien im nahen Winter noch schlinimer. Hoffentlich ist die Regierung hierzu bereit. Wenn so die phhsische und seelische Widerstandskraft der Millionen draußen im Felde und der Millionen, die in der Heimat wirken und schaffen, gestärkt wird, dann dürfen wir allem, was kommen mag, ruhig ins Auge sehen.(Zustimmung bei den Sozialdemo⸗ lraten.) Wie in allen Völkern, so lebt auch in den Deutschen die Sehnsucht nach dem Tage, wo die Glocken den wiedergewonnenen Frieden künden. Es wäre schlimm um die Menschheit bestellt, wenn es anders wäre. Jeder Tag des Krieges bedeutet weitere furchtbare Zerstörungen von Kulturwerteg, neue Opfer an Leben und Lebens⸗ glück. Auf ine möglichst baldige Beendigung des blutigen Ringens hinzuwirken, muß jedem sittlich empfindenden Menschen als ernsteste Pflicht erscheinen. Ich verweise darum auch heute auf die Erklärungen meiner Partei auf den früheren Tagungen, wir be⸗ harren auf den darin niedergelegten Grundsätzen, und ich wieder⸗ hole unsere Erklärung vom 4. August:„Wir fordern, daß dem Kriege, sobald das Ziel der Sicherung erreicht ist, und die Gegner zum Frieden geneigt sind, ein Ende gemacht wird durch einen Frieden, der die Freundschaft mit den Nachbarvölkern ermöglicht.“ (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Nicht Eroberungssucht hat Deutschland in diesen Krieg geführt, aber Eroberungssucht darf diesen Krieg auch nicht unnötig verlängern.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Leider sind die Gegner Deutschlands trotz ihrer schweren Niederlagen nicht zum Frieden geneigt, im Gegenteil, ihre Führer haben ihre Entschlossenheit bekundet, den Krieg fort⸗ zuführen bis zur völligen Niederwerfung Deutschlands, bis zur Durchsetzung ihrer gegen uns und unsere Verbündeten prokla⸗ mierten Eroberungsziele. Sie hoffen weitere neutrale Staaten ur gewinnen und dadurch den um Deutschland gezogenen Ring noch lückenloser und mächtiger zu gestalten. Doch die Zeit betrachten sie als ihren großen Verbündeten. So bleibt uns nur übrig, sie zu der Einsicht zu bringen, daß diese Hoffnung eitel ist.(Lebhafter Beifall auf allen Seiten.) Der Reichskanzler sagte gestern, die Macht unserer inneren Stärke können wir nur im Sinne der Freiheit gebrauchen. Er hatte im Sinn die äußeren politischen Verhältnisse beim Friedens⸗ schluß. Ich füge hinzu, daß dem deutschen Volke auch ein größeres Maß innerpolitischer Freiheit gewährt werden muß.(Zuftt bei den Sozialdemokraten.) Die neuen Bahnen müssen zur vollen Entfaltung der politischen und kulturellen Kräfte unseres Volkes führen, zur Gewährung gleicher staatsbürgerlicher Rechte in Ge⸗ meinde, Staat und Reich.(Lebhafte Zustimmung bei den Sogial⸗ demokraten.) Die Masse des deutschen Volkes steht an Tüchtig⸗ keit, organisatorischem Geist und sozialem Pflichtgefühl so hoch, daß ihr die Forderung auf volle politische Gleichberechtigung ni nicht mehr versagt werden darf.(Lebhafte Zustimmung bei den Can demokraten.) Schaffung freier höherer Rechts⸗ und Kulturzu⸗ stände, innerhalb unseres Volkes und von Volk zu Volk, das muß das unberrückbare Ziel einer Politik sein, die den höchsten Inter⸗ essen unseres Volkes und der gesamten Menschheit dient. Int Dienst und im Kampfe für dieses Ziel stimmen wir auch diesmal den geforderten Krediten zu.(Lebhafter Beifall.), 5 Abg. Dr. Spahn(Z., auf der Tribüne schwer verständlich) ere klärt sein Zustimmung zu den Bemühungen des Reichskanzlers, vor dem Kriege durch eine Verständigung mit England den Frieden zu erhalten. Leider habe England in dieser Kulturfrage versagt. Dem Abg. David stimmt er zu in der Forderung, daß für die Kriegsteilnehmer und ihre Hinterbliebenen ausreichend gesorgt werden muß. Abg. Bassermann(natl.): Wir danken dem Reichsbankpräsi⸗ denten und der Finanzverwaltung für ihre Leistungen, die die Hoffnungen der Feinde auf eine Erschöpfung von Deutschlands Finangkraft vereiteln. Auch die dritte Anleihe wird von Erfolg sein. Die heutige Erklärung des Abg. David hat die Haltung der sozialdemokratischen Partei bom 4. August v. J. bestätigt. Mögen wir auch in den Kriegszielen voneinander abweichen, einig ist unser Volk in dem Willen, durchzuhalten, bis ein starkes, unantastbares Deutsland und die Freiheit der Meere errungen ist. Die Sorge um die Ernährung unseres Volkes teilen wir.— Heißen Dank zollen wir unserem herrlichen Heer und unserer starken Flotte. Unser Kaiser war ein Friedenskaiser, der Krieg ist ihm aufge⸗ zwungen. Möge er zu Ende geführt werden in einer Weise, die dieses weltgeschichtlichen Ereignisses würdig ist.(Bravol) N Abg. Fischbeck(Vp.) gibt der Ueberzeugung Ausdruck, daß die neue Anleihe dieselbe Aufnahme finden wird wie die frühere und fordert, daß den Gemeinden finanzielle Beihilfen zur Linderung der Kriegsnöte gegeben werden. Hoffentlich wird der Krieg dag beitragen, das Vertrauen untereinander zu stärken und zu be⸗ wirken, daß auf sem Vertrauen innere politische Freiheit er⸗ blüht.(Bravo! links.) Abg. Oertel(kons.) dankt dem Heer und der Flotte für die großen Taten. Vor allem aber gebühre Dank den Schutztruppen, die draußen auf verlorenem Posten kämpften. Die Bewilligung der Kredite sei selbstverständlich. Es unterliege keinem Zweifel, daß die Einkreisungspolitik Englands planmäßig den Krieg vor⸗ bereitet und daß der Kanzler alles getan habe, um ihn zu ver⸗ hindern. England und Rußland seien beide gleich schuld, sie beide bedeuten für uns die gleiche Gefahr. Auf die realen Garantien beim Friedensschluß dürfe man unter keinen Umständen ver⸗ zichten. Auch müsse man dem Volke die seelische Kraft erhalten, deren Wurzeln im Gottesglauben liegen. Der Krieg sei eine Fügung des Himmels.(Bravo! rechts und im Zentrum.) Staatssekretär des Reichskolonialamts Dr. Solf: Unsere Kolo⸗ nisten und Soldaten in den Kolonien haben sich tapfer und todes⸗ mutig für die deutsche Sache geschlagen.(Lebhafter Beifall.) Der Fall von Südwestafrika war der schwerste Schlag für die deutsche Kolonialvberwaltung; aber wir harren aus in der Ueberzeugung, daß das Schicksal unserer Kolonien auf den Schlachtfeldern in Europa entschieden wird. Freilich ist das nur ein schwacher Trost für die unsäglichen Leiden, die ein Teil unserer Landsleute in dem mörderischen Klima von Dahomey und auf den Transporten nach Europa erlitten hat und noch erleidet. Die unwürdige Behandlung der Weißen in Gegenwart der Farbigen, die Mobilisierung der schwarzen Rasse gegen die weiße ist ein Schandfleck, den England nie wieder los wird.(Stürmische Zustimmung.) England wird noch am eigenen Leibe verspüren, was es heißt, die eigene Rasse zu be⸗ schimpfen, zu besudeln und buchstäblich mit Füßen zu treten. Wir wollen uns durch diesen Schlag nicht abschrecken lassen, unsere Kolonialpolitik auf der bisherigen Bahn weiter zu verfolgen.(Leb⸗ hafter Beifall.) der Erthelbrug er, gteitirischen Widerstandskraft muß die wirt⸗IAmit dem Wohl- des deutschen Volkes nicht am Widersprnc „ 5 Krieg wird hoffentlich eine solche Regelung, der Verhältnisse bringen, daß den Polen die 9 5 Entwickelung ihres natio⸗ nalen Lebens gesichert sein wird.(Beifall.) 1 Abg. Schultz⸗Bromberg(Rp.): Wir billigen die Ausführungen des Reichskanzlers in bezug auf die Polenfrage.— Die unerhörten Anstrengungen von Heer und Volk erfordern einen Frieden, der der Opfer wert ist.(Bravo! rechts.) g Hiermit schließt die Besprechung.— Der Nachtragsetat wird einstimmig angenommen lein Teil der Sozialdemokraten hat den Saal verlassen). 5 N 1 Auf Antrag des Abg. Dr. Spahn(Z.) erfolgt sofort die dritte Lesung. Debattelos wird der Etat gegen die Stimme des Abg. Dr. Liebknecht(Soz.), der inzwischen den Saal wieder betreten hat, angenommen. Das Haus vertagt sich auf Samstag 2 Uhr.(Fortsetzung der Etatsberatung.) Schluß 5 Uhr. Hessen und Nachbargebiete. Gießen und Umgebung. O Friede! komm O Friede! komm und lege deine Hand auf meine Stirn, wie es die Liebste tut, O Friede, komm und kühle mir den Brand, der fiebernd wühlt in meinem Blut. O Friedel komm und hülle du mich ein, ich bin so müd' und heimwehkrank! Du sollst wie meine Mutter sein, aus deren Brüsten ich die Liebe trank Max Barthel, Musketier. Die Frauen rufen den Reichstag an. Die Genossin Luise Zietz schreibt uns: Wohl niemals ist die politische Rechtlosigkeit der Frauen von ihnen so bitter empfunden worden, als in der gegenwär⸗ tigen Zeit des Weltkrieges. Bei der Beratung der großen Fragen der äußeren Politik, von deren Lösung das Schicksal unseres Volkes und insbesondere des schwerleidenden Prole⸗ tariats abhängt, bei den wichtigen Fragen der inneren Politik, insbesondere bei der Fürsorge für die Kriegerfamilien, für die Wöchnerinnen und nicht zuletzt bei der Frage der Lebens⸗ mittelversorgung sind die Frauen ausgeschaltet. Im Reichstag wird unsere Stimme gehört; deshalb wen⸗ den wir uns hiermit an den Reichstag, ihn zu beschwören, für cbirksame Maßnahmen zur Bekämpfung der unerträglichen Lebensmittelteuerung einzutreten. Das anerkennenswerte Vorgehen verschiedener General— kommandos gegen den Lebensmittelwucher, der Erlaß des preußischen Handelsministers an Händler und Produzenten, „sich mit angemessenen Preisen zu begnügen und den Krieg nicht als Konjunktur auszunutzen“, die Brandmarkung des Lebensmittelwuchers als„Verbrechen am Vaterlande“ durch den sächsischen Minister des Innern muß ergänzt werden durch die Festsetzung niederer Höchstpreise für die wichtigsten Lebensmittel und deren Beschlagnahme durch das Reich und die Gemeinden, wenn eine Besserung herbeigeführt wer⸗ den soll. Es kann nicht angehen, daß weite Schichten der Minder⸗ bemittelten bittere Not leiden, die Unterernährung weiter und weiter um sich greift, die Gesundheit der Betroffenen Schaden leidet und die Verbitterung sich in ihre Seelen frißt, während bestimmte Interessengruppen aus den enorm hohen Lebensmittelpreisen ungeheure Profite ziehen. Wenn im Jahre 1914/15 allein am Roggen reichlich 300 Millionen Mark mehr verdient wurden, als durchschnittlich in den Jahren 1911, 1912 und 1913, wenn die Mühlen⸗ industrie bei einer Spannung zwischen Korn⸗ und Mehl⸗ preisen von 183—222 Mark pro Tonne Weizen und Roggen Riesenprofite einsteckte, wenn Kartoffel⸗Engroshändler durch den Umsatz von nur 300 000 Zentnern Kartoffeln über Nacht Millionäre Wurden, Wurst⸗ und Fleischfabriken bei einem Aktienkapital von 500 000 Mark einen Bruttogewinn von über 1 Million buchen konnten, so ist das und vieles andere mehr eine„Ausnützung der Kriegszeit als Konjunktur“, wie sie rücksichtsloser nicht gedacht werden kann. Zu den Preistreibereien im Fisch⸗, Bier⸗, Gemüse⸗, Nutter⸗, Käse⸗ und Zuckerhandel ist neuerdings fast überall die besonders zu verurteilende Preissteigerung der Milch ge⸗ treten, die eine schwere Schädigung der Kranken und der Säuglinge bedeutet, aber auch sonst die minderbemittelte Be⸗ völkerung schwer trifft, sie in höherem Maße zum Verzicht auf ein besonders nahrhaftes Nahrungsmittel zwingt.. Nicht allein die Rücksichtnahme auf Wohlergehen, Leben und Gesundheit der Besitzlosen erfordert ein kräftiges Ein⸗ schreiten gegen dieses böse Treiben, sondern ebenso sehr das Interesse der Gesamtheit. Diese kann und darf nicht leichten Herzens zufehen, wie durch steigende Unterernährung ihre Arbeitskräfte geschädigt und der junge Nachwuchs in der Ent⸗ wicklung gehemmt wird; ganz abgesehen von dem moralischen Schaden, der entsteht, wenn sich im Volksbewußtsein die Vor⸗ stellung festsetzt, daß die Lebensmittelwucherer ungehindert, wenn auch hie und da etwas gehemmt, ihr Handwerk fort⸗ setzen können. 5 Wer gegen diese schlimmen Begleiterscheinungen des Krieges kräftig die Geißel der Kritik schwingt, vollbringt ein äußerst verdienstvolles Werk. Die sozialdemokratischen Frauen erwarten deshalb auf das bestimmteste vom Reichstag, daß die Forderungen der sozialdemokratischen Fraktion, Lebensmittelversorgung be⸗ treffend, Annahme finden werden, Es Wäre ein nicht wieder gutzumachender Fehler, der schlimme, noch gar nicht übersehbare Folgen zeitigen müßte, wenn das Parlament die Volksmassen enttäuschen würde, — Achtung! Parteigenossen! Morgen Sonntag, nach⸗ mittags ½4 Uhr, findet im Saale des Gewerkschaftshauses eine Mitgliederversammlung des Kreiswahl⸗ vereins statt, in welcher Reichstagsabgeordneter Genosse Rühle einen Vortrag halten wird. Die Parteigenossen aus Gießen und den umliegenden Orten werden zu dieser Ver⸗ sammlung eingeladen und um recht zahlreiches Erscheinen tes gebeten. 0 g — Zum Lebens mittelwucher. Das Gewerkschaftskartell Gießen hielt am Donnerstag abend im Gewerkschaftshaus eine Sitzung ab, die sich hauptsächlich mit der Lebensmittel⸗ teuerung und dem auf dem hiesigen Wochenmarkt zutage tretenden Wucher befaßte. Nach einer sehr ausgiebigen Aus⸗ sprache wurde beschlossen, in den nächsten Tagen eine große öffentliche Protestversammlung gegen den Lebensmittelwucher stattfinden zu lassen. In dieser Versammlung sollen auch die Wünsche der Konsumenten an Staat und Gemeinde formu⸗ liert werden. Mit den erforderlichen Vorarbeiten wurde eine aus den Genossen Beckmann, Kästner, Moutarde, Noll, Schmidt und Vetters bestehende Kommission beauftragt, die schon am nächsten Montag zu einer Sitzung zusammentreten wird. — Ein neues Entlausungsverfahren. Herr Privat⸗ dozent Dr. Thomae, zurzeit Garnisonverwaltungs⸗Inspektor in Gießen, hat ein Verfahren erprobt, durch das Läuse auf elektrischem Wege durch Anwendung elektrischer Innenheizung mit Widerständen in großen Holzbehältern rasch getötet wer⸗ den. Das neue Verfahren, das sehr billig sein soll, stellt eine Verbesserung des im Massenbetrieb erprobten Heißluft⸗Ent⸗ lasungsverfahrens dar. — Der Fall von Nowo⸗Georgiewsk, der gestern vormit⸗ tag in unserer Stadt bekannt wurde, ist, wie das auch bei anderen Anlässen der Fall war, durch Beflaggen der Häuser und Glockengeläute gefeiert worden. Außerdem veranstaltete die Kapelle des Ersatz⸗Bataillons ein patriotisches Konzert; es fehlt also nur noch, daß man 101 Salutschüsse abfeuern läßt. Wäre es nicht richtiger, wenn man mit diesen über⸗ schwänglichen Siegesfeiern bis zum Eintreffen einer Frie⸗ densbotschaft warten würde? Dann wäre eher Grund zum Feiern. — Beschäftigungsunterricht in den Ferien. In den Ferien bleibt die Schuljugend sich mehr oder weniger selbst überlassen und gar manchem ist diese ungewohnte„Frei⸗ zügigkeit“ schon zum Verderben geworden, wenn sie nicht von einsichtigen Eltern beaufsichtigt wurde. Eine sehr aner⸗ kennenswerte Neuerung hat der Magistrat zu Paderborn für die 11—14 Jahre alten Knaben eingeführt. Er macht be⸗ kannt:„Es wird beabsichtigt, für die Knaben von 11 bis 14 Jahren Beschäftigungsunterricht während der Ferien ein⸗ zurichten. Papp⸗, Kleb-, Schnitzarbeiten, Freihandzeichnen. Ausflüge sind vorgesehen. Der Unterricht findet vorläufig an drei Vormittagen von 9 bis 12 Uhr statt.“ Die Teilnahme ist freiwillig. Zur Deckung der Unkosten wird eine Gebühr von 1 Mark erhoben.— Man kann nur wünschen, daß dieses gute Beispiel überall Nachahmung findet. Genossen! Besucht euer Gewerkschaftshaus! Die Städtekonferenz zur Abwehr des Lebens mittelwuchers hat am Dienstag unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Voigt⸗Frankfurt a. M. im Frankfurter Magistratssitzungssaal stattgefunden. Die Konferenz, die bekanntlich auf Anregung der Stadt Würzburg tagte und sehr gut u. a. von Vertretern der Städte Wiesbaden, Gießen, Mainz, Darmstadt, Hom⸗ burg, Höchst, Aschaffenburg, Mannheim, Würzburg, Nürn⸗ berg, Ludwigshafen, Fürth, Hanau, Offenbach, Schweinfurt und Frankfurt besucht war, beschäftigte sich bei vertraulicher Beratung in erster Linie mit der Lebensmittelversorgung der Städte während des Krieges. Bei der vielfach erfolgten Fest⸗ setzung von Höchstpreisen für die gebräuchlichen und gang⸗ barsten Lebensmittel versuchten es zahlreiche Händler, ihre Waren nicht wie bisher in die mittleren und kleinen Städte zu bringen, sondern den Großstadtmärkten zuzuführen, um auf diese Weise höhere Gewinne herauszuschlagen. Natur⸗ gemäß stellte sich in den kleineren Städten ein empfindlicher Mangel an Lebensmiteln ein, zugleich aber schnellten die Preise rasch in die Höhe. Zur Steuerung dieser Mißstände beschloß die Versammlung, gemeinsam vorzugehen und jede Uebervorteilung durch gewissenlose Händler zu verfolgen. Ferner verhandelte man u. a. über den Antrag einer Stadt, die Versammlung möge eine Eingabe an die Reichsregierung des Inhalts richten, daß den Städten die Befugnis erteilt werde, den Verbrauch der wichtigsten Nahrungsmittel und Gebrauchsgegenstände in der Weise zu regeln, wie es bereits seit Monaten mit Brot und Mehl geschieht. — Großartige Erfindungen. Unser Münchener Partei⸗ blatt schreibt: Ersatzmittel für unzählige Dinge sind jetzt neu entstanden und Riesenprofite haben sich auf mancherlei Weise erzielen lassen. Jetzt wird das auch anders. In einer großen Berliner Tageszeitung wird mit großen Lettern ein „Butterpulver“ angekündigt. Für 40 Pfennig Pulver und 1 Liter Wasser ergeben ein Pfund Butter! Allerdings muß diese Portion mit einem Pfund richtiger Butter vermischt werden, aber dann hat man statt einem zwei Pfund Butter! Warum kann man wohl nicht die aus dem Butterpulver und einem Liter Wasser hergestellte Butter für sich allein ver⸗ brauchen? Sollte am Ende das daraus entstehende Fabrikat nicht genug Aehnlichkeit mit richtiger Butter haben? Aber das Inserat ist noch aus anderen Gründen inter⸗ essant. Es heißt da: Interessert ist jede Hausfrau, das heißt nicht nur für ihr Bedienungspersonal(dem man offenbar nach Mei⸗ nung des Inserenten ohne weiteres Minderwertiges vor⸗ 1355 darf), sondern auch für den eigenen herrschaftlichen Tisch. Interessent ist jede Kolonialwaren⸗ und Drogen⸗ handlung, jedes Milch- und Buttergeschäft und jeder Grossist dieser Geschäftszweige. Aber es dürfte sich wohl auch als notwendig erweisen, daß sich die Nahrungsmittel⸗ Prüfungsämter und die Polizei für das Butterpulver interessieren und be⸗ sonders scharf die Butterherstellung überwachen. Denn das Volk hat ein Interesse daran, daß es für sein schwer verdien⸗ 93 17 finden. Danach hat der werhandlungen beschlossen, zur völkerung mit preiswerten Verkaufsstellen einzurichten. Die E tung w stellen soll vorbehalten bleiben, Zum Verkauf gestellt sollen zunächst Eier, Obst, Gemüse Kartoffeln, S fische einschließlich Heringen und Räucher waren. Unkosten gedeckt werden und noch ein gan bleibt. Die beteiligten Firmen 5. verordneten eine Kommission, deren Aufgabe im besonderen auch der gemeinsame Bezug von Lebensmitteln ist. Die Kommission durch eine Anzahl Magistratsmitglieder und Stadtverordneter zu dem Lebensmittelausschuß erweitert werden. Der Ausschuß be⸗ schließt über prinzipielle Fragen der Lebensmittelversorgung, im besonderen auch über Abänderung und Erweiterung der bestehenden Einrichtung.— Ob man sich in Gießen jemals zu derartigen Maß⸗ nahmen aufschwingen wird?* — Bessere Verpackung der Sendungen an Kriegsgefangene. Wiederholt sind Klagen laut geworden, daß Pakete an kriegs⸗ gefangene Deutsche in Frankreich eines Teils ihres Inhalts beraubt am Bestimmungsorte angekommen seien. Mangelhafte Verpackung der Pakete ist zweifellos nicht ohne Einfluß auf die eingetretenen Verluste gewesen. Es wird daher empfohlen, die an Kriegsgefangene abzusendenden Pakete fest in Leinwand oder dergleichen einzunähen. Nach den gemachten Beobachtungen sind derartige Pakete fast aus⸗ 9 nahmslos in gutem Zustande und mit ihrem ganzen Inhalt in die Hände der Empfänger gelangt. N — Im Kriege gefallene hessische Lehrer. Nach den neuesten Zu⸗ sammenstellungen der hessischen; Schulblätter haben bis zum 10. August nicht weniger wie 175 hessische Volksschullehrer ihr Leben in treuer Pflichterfüllung für das Vaterland geopfert. Da rund 1200 hessische Volksschullehrer im Felde stehen, ist die Zahl der Gefallenen erschrecklich groß, was wohl daher kommt, daß fast sämtliche Lehrer Chargen bekleiden. Da auch eine Anzahl Lehrer derart verwundet sind, daß sie nicht mehr im Schuldienste ver wendet werden können, so wird wieder mehrere Jahre ein ö fühlbarer Lehrermangel obwalten. 0 — Vorsicht im Verkehr mit Kriegsgefangenen. Das stellver⸗ tretende Generalkommando des 18. Armeekorps erinnert 010 daß gemäß Verordnung vom 25. Nov. 1914 IIIa Nr. 441100 das Zustecken von Eßwaren oder anderen Sachen, sowie das unde⸗ fugte Verkaufen, Vertauschen oder Verschenken von Sachen 9 Kriegsgefangene mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft* Hierzu gehört auch das Zustecken von Geld. Ebenso ist es gus militärischen Gründen Unbefugten verboten, sich mit 1e Krleg. fangenen zu unterhalten, ganz abgesehen davon, daß die Krieg gefangenen dadurch unnötzg von der Arbeit abgelenkt werden. — Für das Promenadenkonzert am Sonntag, den 22. Augu vormittags 11% Uhr, auf dem Landgraf Philippsplatz, ausge Marsch, von C. L. Unrath. f Urlauberzug u 12. Von der Eisenbahnverwaltung ist für di nach der Front zurückkehrenden Militärurlauber ein schnellfahren⸗ der Urlauberzug U 12 eingelegt worden: Frankfurt(Main) Hbf. ab 12.15 vorm., Mainz Hbf, an 1.11, ab 1.20 vorm., Saarbrlücken an 6.30 vorm., ab 6.50 vorm., Metz an 8.20 vorm., ab 8.55 vorm, Sedan an 12.51 nachm., ab 12.55 nachm., Courtrai an 7.31 nachm. Dieser Zug ist bisher nur schwach besetzt gewesen, weil er an⸗ scheinend nicht genug bekannt war. Er kann nicht nur von Ur⸗ laubern nach der Front, sondern bis auf weiteres von allen Heeres⸗ angehörigen benutzt werden. Verbot der Nachbildung des Eisernen Kreuzes. Von 1 Seite geht dem Wiesb. Tagbl. folgende Mitteilung zu: Es ist alle gefallen, daß Nachbildungen des Eisernen Kreuzes in den 5 gebracht und von unbefugten Personen getragen werden. Die Nach⸗ bildungen können Anlaß zu Verwechslungen mit dem Eisernen Kreuz geben. Zum Schutz dieses Kriegsordens wird dgrauf auf⸗ merksam gemacht, daß das unbefugte Tragen der Nachbildunge stvaftbar ist.(S 360,8 des Strafgesetzbuches.) Auch die Verwend des Eisernen Kreuzes als Damenbrosche ist unstatthaft.— In übrigen sollte man auch dem groben Unfug ein Ende machen, 5 darin liegt, daß das Eiserne Kreuz auf allen möglichen und unmög lichen Geschäftsreklamen prangt.„ Der Paketverkehr zur Südarmee. Der Privat⸗, Paket⸗ und Frachtstückgutverkehr an die Angehörigen der deutschen Südarmee ist wieder freigegeben. Bei Zweifeln über die Zugehörigkeit ber Truppenteile wird eine vorherige Anfrage bei dem nächsten Palet⸗ depot mittels der bei den Postanstalten erhältlichen grünen Karten empfohlen. 5 Die Gerüchte über eine Erhöhung der Landsturmpflicht auf 50 Jahre, die im Anschluß an den Zusammentritt des Reichstage? wieder auftauchen, sind falsch. Eine Erhöhung des Wehrpflichtalters ist nicht geplant. 1 „Der Winzer Schutzherr Kilian beschert uns etwas Feines Wie ein kleiner Trost für die viele Wunden, die der schlägt, reisen heuer in den deutschen Weingauen die Reben i sonderer Fülle und Köstlichkeit der Kelter entgegen. Einer K Nachricht entnehmen wir, daß die dortige Handelskammer preußischen Handelsminister eine Eingabe gerichtet hat mit de Hinweis, es müsse in diesem Herbste mit einer gußerordentli großen Weinernte gerechnet werden, zumal im Weinbaug Mosel. Infolgedessen werde sich ein großer Mangel an Fä bemerkbar machen. Daher bitte die Handelskammer den Mi beim Kriegsminister eine baldige und möglichst weitgehende urlaubung der Faßküfer zu erwirken. Auch in Franken sind Weinaussichten vorzüglich, wie jetzt festgestellt werden konnte. Weinberge sind von Krankheiten vollständig verschont gebl 5 Aehnlich lauten die Nachrichten aus der Rheinpfalz und aus Nhein⸗ hessen und von der Bergstraße, und auch in Baden solls bi, her u den Weinbergen erfreulich aussehen. Die Menge des Herbstertra dürfte groß sein; ebenso darf man auch mit einer hervorr Güte rechnen, wie sie nur in den besten Weinjahren erzielt m Kreis Friedberg⸗Büdingen. Bad⸗Nauheim, 21. Aug. Bis zum 19. August 1915 sind 1770 Kurgäste angekommen. Bäder wurden bis zum 19. August 1019 213 525 abgegeben. 7790 Kreis Alsfeld⸗KLauterbach. — Ein verständiger Beschluß. Der Stadtvorstand lehnte Gesuch des hiesigen Geschichtsvereins um Errichtung eines eh Wahrzeichens in Form einer Säule mit der einleuchtenden gründung ab, daß bei der geringen Einwohnerzahl der Stadt einen nennenswerten Erfolg nicht zu denken sei. Kreis Wetzlar. — Eine unerhörte Preissteigerung macht sich auch in W bemerkbar. Nach einer Bekanntmachung der hiesigen innung kostet von jetzt ab Schweinefleisch 1,80 Mk., Dörrfleisch 2 Mk., Fleischwurst, Preßkopf und Knobla 1,80 Mk., Blut⸗ und Leberwurst 1,50 Mk.— Da werden die das Wurst⸗ und Fleischessen wohl einstellen müssen. gen und Eisen Nauf bilbun welle * Telegramme. Taebberiht des Großen Hanpttuattttz. 00 Ge angene und 700 Geschütze als ** von Nowo⸗Georgiewsk. Der Ring um Brest⸗Litowsk enger geworden. W. B. Großes Hauptquartier, 20. Aug., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Zwischen Angres und Souchez wurde der Feind heute nacht aus den von ihm gestern besetzten Grabenstücken vertrieben. 5 N 5 8 f Am Schratzmänule in den Vogesen ging ein kleiner Teil unserer vordersten Stellung an die Franzosen verloren. Oestlicher aan e des Generalfeldmarschalls ae v. Hindenburg. Oestlich von K 15 7 2 75 unsere Truppen nach er⸗ i ämpfen dem Feinde. n von der Dea w ina bis zur Straße A ug ust ow Grodno sind die Russen in die Linie udele löstlich von Mariampol— Lozdzie ze Studzieniczua zurückgegangen und leisten erneut Widerstand. Auch westlich von Tykocin wird noch ge— 5 Armee des Generals v. Gallwitz setzte ihre An⸗ griffe erfolgreich fort und nahm 10 Offiziere und 2600 Mann gefangen und erbeutete 12 Maschinengewehre. Die Festung Nowo⸗ Georgie w 5k, der letzte Halt des Feindes in Polen, ist nach hartnäckigem Widerstand ge⸗ nommen. Die gesamte Besatzung, 6 Generäle und über 85 000 Mann, davon gestern im Endkampfe allein über 20 000, wurde zu Gefangenen gemacht. Die Zahl der er⸗ beuteten Geschütze erhöhte sich auf über 700. Der Umfang des genommenen sonstigen Kriegsmaterials läßt sich noch nicht übersehen. des Generalfeldmarschalls eeresgruppe 8 Prinzen Leopold von Bayern. Die Heeresgruppe ist im weiteren Vordringen. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls 1 v. Mackensen. l Der linke Flügel Warf den Feind hinter den Kote r ka⸗ und Pulwa⸗Abschnitt(westlich von Wisoko⸗Litowsk) zurück. g Südlich des Bug wurde gegenüber Brest⸗Litowsk Gelände gewonen. f Oestlich von Wlodawa erreichten unsere Truppen in scharfer Verfolgung die Gegend von Piszeza. Oberste Heeresleitung. Der österreichisch ungarische Tages bericht Weitere enen bei Brest⸗Litowsk 5 erobert. Schwere Verluste der Italiener. Wien, 20. Ang.[W. T. B.) Amtlich wird verlautbart, 20. August 1915. Ruffischer Kriegsschauplatz. Das Vordringen der Verbündeten auf Brest⸗Litowsk hat im Bereiche der Festung beträchtliche Teile mehrerer russischer Armeen regellos zusammengedrängt. um das auf wenige Uebergänge beschränkte Abfließen der Truppen, und Trains gegen Nordost zu ermöglichen, setzte der Gegner insbesondere west⸗ lich von Brest⸗Litowsk auf beiden Seiten des Flusses unserem Vor⸗ dringen starken Widerstand entgegen. Dessen ungeachtet hat sich der Nordflügel der Einschließungstruppen östlich Ro kitno weiterer Vorfeldstellungen bemächtigt und die auf dem nördlichen Bug⸗Ufer vorstoßenden Truppen des Erzherzogs Josef Ferdinand vertrieben gestern vor Einbruch der Dunkel⸗ heit den bei Wolzeyn verschanzten Feind mit stürmender Hand Die Gruppe des Generals v. Koeveß dringt gegen die obere Pulwa vor.— An der Beschießung von Nowo⸗Georgiewsk, das von unseren Verbündeten genommen wurde, hatten auch unsere [schweren Mörser erfolgreichen Anteil. Bei Wladimir⸗Wolynski und in Ostgalizien blieb die Lage unverändert. Italienischer Kriegsschauplatz die Kämpfe der schweren Artillerie im Tiroler Grenzgebiet halzen au. Bei dem gestern erwähnten Angriff auf unsere Vor⸗ stellungen auf dem Plateau von Folgaria verloren die Italiener 200 Mann. Im nördlichen Abschnitt der küsten ländi⸗ schen Front wurde gestern früh wieder ein feindlicher Angriff auf Mrzlorh und den Rücken nördlich dieses Berges unter gr oß en Verlusten des Angreifers abgeschlagen. Desgleichen scheiterten zwei gestern abend und heute früh unternommene Versuche der Italsener, die Linien des Brückenkopfes won Tol⸗ mein zu durchbrechen. Im Görzischen unterhielt der Gegner stellenweise lebhaftes Artilleriefeuer; unsere Artillerie antwortete mit Erfolg zerstörte die Pontonbrücke bei Sagrado und bewarf feindliche Truppenmassen östlich von Pieris. Der Stellvertreter des Chels des Generalstabes. 1—+ 8 35 er, Felbmarschalleutnant. * das die Eroberung Nowo⸗Georgiewsk wert ist Obwohl die Einnahme von Nowo-Georgiewsk nach seiner Umschließung nur noch eine Frage der Zeit sein konnte und die Front der kämpfenden Heere sich inzwischen schon über hundert Kilometer ostwärts geschoben hat, wird der Fall der Festung doch auf die strategische Lage nicht ohne Ein⸗ fluß bleiben. Er macht die Belagerungstruppen mit ihrem Park für andere Aufgaben frei. Er erleichtert aber auch die VBerkehrsverhältnisse hinter unserer Front, da nunmehr das ausgedehnte russische Eisenbahnnetz restlos unsern Zwecken dienstbar gemacht werden kann und zudem die Weichsel, deren ganzer Lauf jetzt in unserem Besitz ist, Nuchschübe auch zu Wasser ermöglicht. Die gewaltige Beute. deren ganzer Umfang noch nicht festgestellt ist, bedeutet eine weitere Schwächung des russischen Widerstandes. Vielleicht fällt aber am schwersten die Rückwirkung ins Gewicht, die der schnelle Fall der starken, auf lange Verteidigung eingerich— leitung und die Stimmung im russischen Heere haben muß. Vor Brest⸗Litowsk donnern schon jetzt die nämlichen Kanonen, stehen die selben Truppen, die in zehn Tagen die letzte Weichselfestung bezwungen haben. Die Russen verteidigen sich mit einer Tapferkeit und Zähigkeit, die auch unsere Ach— tung durchaus verdient. Aber gegen das unabänderliche Schicksal führen sie einen aussichtslosen Kampf. Die letzte Hoffnung der Russen. Aus Wien wird der Frankf. Ztg. geschrieben: Die von der russischen Heeresleitung„freiwilliger Rückzug“ genannten Nieder⸗ lagen ihrer Heere dauern fort. Selbst die Presse der Entente, die bisher im Lob über die Genialität des Großfürsten Ueberfluß hatte, mit der er die verhaßten Gegner in die Falle lockte und ihnen eine Wiederholung des Jahres 1812 bereiten will, wagt nicht mehr, ihre Stimme zu erheben. lebevall treten Zweifel auf, in Paris, London und in Rom, ob denn diese Freiwilligkeit nicht eine hart aufge⸗ drängte Notwendigkeit ist. Ganz Polen ist schon in den Händen . Verbündeten, und von den fünf von der Festung Brest⸗Litowsk asstrahlenden Bahnen sind vier bereits für die Russen verloren. Von den mächtigen Flußbarrieren, auf welche man bei den Alliferten überschwengliche Hoffnungen baute, sind Weichsel, Narew, Wieprz und Bug ganz oder fast ganz von den Russen gesäubert, und der Niemen wird es bald sein. Die französischen Milliarden sind um⸗ sonst ausgegeben. Nun hoffen die Russen, daß Brest⸗Litowsk alles das leisten wird, was die zahlreichen, mit vielen Hunderten von Geschützen armierten Festungen an allen vorgenannten Widerstandslinien nicht zu erreichen vermochten, und hoffen, daß es der Wall sein wird, an dem sich die Wogen der gegen sie heranflutenden verbündeten Heere brechen wird. Immer mehr schließt sich der Kreis um Brest und wird zum eisernen Ring. Die Beschießung hat begonnen, Teile der Vor⸗ stellungen sind bereits genommen und eine dritte Heeresgruppe wälzt ihre Kolonnen auch schon von Nordwesten heran. Der Großfürst soll darüber schwanken, wohin er, falls die noch immer erhoffte Umgruppierung seiner Heeresteile gelingen sollte, den Rückzug anzutreten hat. Hie Petersburg, hie Moskau, klingt es in seinem Stabe. Möge dieses Schwanken so lange dauern, bis es nach beiden Seiten zum Entkommen zu spät wird! Einst⸗ weilen heißt es wohl, Brest⸗Litowsk, aber die Heeresleitung der Verbündeten hat wohl ihren Blick schon auf ein weiteres Ziel gerichtet und weiß ganz genau, was sie will. Ihren Willen zwingt sie mit kraftvoller Energie dem Gegner auf. Die Verbündeten sind durch ihre Initiative die souveränen Herren der Lage, und das nennt man in gewöhnlichen Worten ausgedrückt: den Sieg, der ihnen bei allen Launen des Kriegsgottes voraus⸗ sichtlich treu bleiben wird. Denn die Angriffskraft ihrer Heere ist auch einem zähesten Widerstand bedeutend überlegen. Schon knüpft die Times an das Schicksal von Brest das des ganzen Feldzuges, den sie, falls die Festung fallen sollte, für dieses Jahr als verloren bezeichnet. Englische Besorgnisse. London, 20. Aug.(W. B. Nichtamtlich.) Daily Chro— niele schreibt in einem Leitartikel: Wenn Brest⸗Litowsk un⸗ haltbar wird, so wird es den Deutschen gelungen sein, einen großen Keil zwischen die nördliche und südliche russische Armee zu treiben. Wenn eine Diversion an der Westfront den Russen helfen könnte, so würde sie sicherlich unternommen werden. Einstweilen schauen wir nach Gallipoli, aber wir sind noch weit von Konstantinopel entfernt: der Weg dorthin ist nicht leicht. Der militärische Korrespondent des Daily Telegraph schreibt: Es muß jetzt befürchtet werden, daß die deutschen Heerführer die Lage weiter ausnützen werden, indem sie der russischen Armee entsetzliche Schläge beibringen. Um das zu verhindern, müssen wir in Frankreich einen Weg finden, um die Existenz der deutschen Armee an der Westfront zu be⸗ drohen. Aber solche entscheidende Schritte können ohne einen genügenden Munitionsvorrat nicht getan werden. Ein norwegisches Urteil. Kristiansa, 20. Aug.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die norwegischen Blätter bezeichnen den Fall Kownos als ein Ereignis von größter Bedeutung für den Entscheidungskampf im Osten, weil dadurch die Stellung von Brest⸗Lito we k unhaltbar werde. Die russische Rückzugslinie erscheine bereits ernstlich bedroht. Es sei deshalb wenig glaubhaft, daß die Russen in ihren neuen Stellungen hinter dem Bug den Entscheidungskampf annehmen wilden. Aber selbst, wenn sich die Gerüchte bestätigen, daß Groß⸗ fürst Nikolaus bereits begonnen habe, die Hauptmasse seiner Streit⸗ kräfte in das Innere Rußlands zurückzuziehen, so werde es doch zu gewaltigen erbitterten Kämpfen kommen, da die Russen, um ihren ungeheuer schwierigen Rückzug zu decken, hier große Truppen⸗ massen zurücklassen müßten. Ob selbst Hunderttausende von Männern diese Aufgabe lösen könnten, erscheine mehr als fraglich. Jeden⸗ falls würden kaum viele dieser Deckungstruppen weiter am Kriege teilnehmen. Der Seekrieg. Die Versenkung der„Arabic“. Reuter meldet: Das Paketboot„Arabie“ von der White Star Line ist auf der Fahrt nach Amerika torpediert worden. Der„Arabic“ hatte 15 801 Tonnen Inhalt und gehörte nach Liverpool. Das Schiff ging gestern nachmittag ab. Wie verlautet, waren keine Erstklassepassagiere an Bord, dagegen ungefähr 170 Zweite und Dritteklassepassagiere und 250 Mann Besatzung. Unter den Passagieren befand sich eine Anzahl Amerikaner. Die Gesellschaft teilt mit, daß noch etwa 15 Boote unterwegs nach Queenstown seien. Weitere Berichte melden, daß der„Arabie“ innerhalb elf Minuten gesunken sei. Die Passagiere und Besatzung seien in elf Boote aufgenommen worden. Das Wetter ist gut, die See ruhig. Offiziell wird gemeldet, daß 375 Menschen gerettet sind, während über 48 die Berichte noch fehlen. Die letzten Berichte sagen, daß etwa 5 bis 6 Personen den Tod gefunden haben. Das gleichfalls versenkte englische Dampfschiff hatte 4930 Tonnen und gehörte nach London. London, 20. Aug.(W. T. B. Nichtamtlich.) Der norwegi⸗ sche Dampfer„Magda“ mit 1065 Bruttotonnen ist versenkt worden. Der Kapitän und 15 Mann wurden gerettet. Der Dampfer „Magda“ wird wohl Bannware an Bord gehabt haben. London, 20. Aug.(W. T. B. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Der spanische Dampfer„Pena Castillo“ wurde versenkt;: drei Mann der Besatzung wurden gerettet.— Den zuletzt eingetroffenen Nachrichten zufolge werden sechs Ofsi⸗ ziere und 38 Mann der Besatzung der„Arabic“ vermißt.— Von der Besatzung des gestern versenkten Dampfers„Du nslee“ sind zwei Mann tot, die anderen wurden gerettet. Cardiff, 20. Aug.(W. T. B. Nichtamtlich.] Der norwegische „Dunsley“ Dampfer„Sverresborg“ wurde versenkt. Stavanger, 20. Aug.(W. T. B. Nichtamtlich.) Der Post⸗ dampfer„Irma“ ist gestern morgen 8 Uhr auf der Reise von Neweastle nach Norwegen nördlich von Jaeterens Riff von einem teten Festung auf die Entschließungen der russischen Heeres⸗ deutschen Unterseeboot angehalten worden. An Bord der„Irma“ würde mitgeteilt, daß das Anhalten der Dampfer innerhalb des norwegischen Seegebietes vor sich gehe, dennoch wurden die Boote nach dem ersten Warnungsschuß klar gemacht. Inzwischen fand sich ein norwegisches Torpedoboot ein, das das Unterseeboot, darauf aufmerksam machte, daß es sich auf norwegischem Seegebiet befinde. Das Unterseeboot entfernte sich darauf sofort. Auf der „Irma“ befanden sich mehrere englische Reisende. Zum Zeppeliangriff auf London. T. U. Genf, 20. Aug. Der Pressedienst erfährt, daß vor gestern nach dem deutschen Zeppelinangriff auf die City von London der gesamte Telephonverkehr in London auf Veranlassung des Zensor eingestellt wurde. Auch der Frachtverkehr nach den Orten außerhalb der Grafschaft von London war äußerst beschränkt. Der Abgang der englischen Zeitungen nach dem Festlande wurde an diesem Tage überhaupt nicht zugelassen; sie sind auch in keinem Hafen Hollands eingetroffen. Man schließt darauf, daß der Zeppelinangriff außer⸗ ordentliche Folgen gehabt und großen Schrecken hervorgerufen haben muß, was der englische Zensor im Auslande und im eigenen Lande natürlich völlig geheimhalten will. Englisches Verbot der Ausfuhr von Grubenkohl T. U. Amsterdam, 20. Aug. Die englische Regierung hat vor einigen Tagen ein Dekret erlassen, wonach die Lieferung von Gruben⸗ kohle an feindliche Schiffe oder solche, die in den feindlichen Ländern Handel treiben oder sonst irgendwie verdächtig sind, vollständig verboten wird. Wie dem Secolo aus Genua gemeldet wird, ist dieses Verbot eine schwere Schädigung für Italien. Die italienische Industrie sei bedroht, die Kohlen würden unvermeidlich steigen. Der türkische Tagesbericht. Neue schwere Verluste des Feindes. Konstantinopel, 19. Aug.(W. B. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: An der Dardanellenfront versuchte bei Anafarte am 18. August eine auf ein Regiment geschätzte feindliche Streitmacht einen Angriff, wurde aber mit schweren Verlusten zurückgetrieben. Bei Ari Burnu und Seddaül⸗ Bahr Ruhe. Am Nachmittag wurde ein über dem Meere vor dem rechten Flügel unserer Stellung bei Sedd⸗ül⸗Bahr fliegendes Wasserflugzeug durch unser Geschützfeuer be⸗ schädigt, fiel ins Wasser und wurde durch Torpedoboote abge⸗ schleppt.— An den übrigen Fronten nichts von Bedeutung. Wechsel im bulgarischen Kriegsministerium. Günstige Aufnahme in der Türkei. Konstantinopel, 20. Aug. Die Ernennung von Oberst Schekow zum bulgarischen Kriegsminister findet hier die durch die Lage gebotene hohe Beachtung. Schekow gilt als Anhänger eines bulgarisch⸗türkischen, auf dauernder Grundlage beruhenden Einver⸗ ständnisses. Seine Ernennung findet deshalb sym⸗ pathische Aufnahme. 7 Nußland in Nöten. Serbien lehnt die Forderung einer Offensive ab. Wien, 19. Aug. Die russische Regierung hat in letzter Zeit einen starken Druck auf Serbien ausgeübt, um durchzu⸗ setzen, daß die serbische Armee die Offensive gegen Oesterreich⸗Ungarn ergreife und dadurch die gefährdete russische Armee entlaste. Wie mitgeteilt wird, hat die serbische Regierung entschieden abgelehnt, sich diesen Wünschen Rußlands zu fügen, und erklärt, daß es gleichbedeutend mit Selbstmord wäre, wenn Serbien jetzt daran dächte, die Offen⸗ sive nach Ungarn hin zu eröffnen. Die serbische Armee, di⸗ unter den Kämpfen, Entbehrungen und Seuchen schwer ge⸗ litten habe, sei soweit wieder erholt, um die Grenzen Ser⸗ biens auch gegen einen starken Feind zu schützen und mit ihrer ungebrochenen Defensivkraft zu überraschen, aber zu Angriffsaktionen fehle jede Voraussetzung. Aufhebung der Ghettogesetze? Petersburg, 19. Aug. Die Petersburger Telegraphen-Agentur berichtet: Die Börsenzeitung glaubt zu wissen, daß die russische Re⸗ gierung in allernächster Zeit den Juden das freie Aufent⸗ haltsrecht in ganz Rußland gewähren werde. Vermischtes. Schatzgräber im Schützengraben. Beim Ausheben eines Schützengrabens an der Westfront fand — wie aus Hanau gemeldet wird— der Musketier Anton Escanion von Oberrad über 200 Franken in Gold und Wertpapiere von zu⸗ sammen 30 000 Franken. Man nimmt an, daß es sich hier um einen Schatz handelt, den Bewohner aus Furcht vor dem Feind ver⸗ graben haben. Zwölf Personen an Pilzvergiftung gestorben. In Werne(Gestfalen) erkrankte eine aus 5 Personen be. stehende Familie an Pilzvergiftung. Die Mutter, zwei Knaben und ein Mädchen sind bereits gestorben. Der Vater steht zur Zeit im Felde.— In Großneudorf bei Breslau sind nach dem Genuß von selbstgesammelten Pilzen 8 Personen, darunter die Frau und drei Kinder eines Gutspächters und drei Kinder eines Ober⸗ schweizers, gestorben. 41 Der alte Unfug. In Vollmerz bei Schlüchtern benutzte eine Frau, Mutter von neun Kindern, Petroleum zum Herdfeueranfachen. Die Kanne explodierte, wobei die Kleider der Frau in Brand gerieten. Ehe 92 905 en. war die Unglückliche bei lebendigem Leibe ver⸗ brannt. Von den Apotheken in Giessen ist am Sonntag, den 8. August von 3 Uhr nachmittags an und die Nacht hindurch geöffnet die Engel-Apotheke. Verantwortlicher Redakteur: Heinrich Noll, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M. Geschäftliches. Jugend⸗Ernährung. Die Notwendigkeit einer allgemeinen Jugendfürforge ist wohl noch nie in dem Maße erkannt worden, wie gerade jetzt. Die nächste Generation muß zu einer kernfesten, wider⸗ standsfähigen herangezogen werden. Auf welche Weise läßt sich diese wichtige Aufgabe erfüllen? Vor allem durch vernünftige Er⸗ ziehung und zweckdienliche Körperpflege. Wie sollen sich aber in einem verweichlichten Körper ohne richtige Ernährung jene Kräfte entwickeln, die er so dringend braucht? Viele Mittter machen den Fehler, daß sie den Kindern die gleichen Genußmittel vorsetzen, die ihnen selbst nicht schaden, die aber auf den zarten Organismus der Kleinen schlochte, manchmal sogar gefährliche Wirkungen ausüben. In vielen Familien kommt z. B. drei oder vier Mal des Tags Bohnenkaffee auf den Tisch. Nun wirkt dieser nach einer aus⸗ reichenden Mahlzeit nicht ungünstig auf das Allgemeinbefinden. Wenn er jedoch, was häufig der Fall ist, einen Teil der Mahlzeit ersetzen soll, dann machen sich bei den Kindern manchmal nachteflige Folgen bemerkbar. Es empfiehlt sich daher, den vollkommen un⸗ schädlichen„Kriegs⸗Kornfranck“ zu gebrauchen. Er ist nicht nur preiswert, sondern auch wohlschmeckend und, mit Milch und Zucker genossen, ein vorzügliches Nahrungsmittel. Ein ganzes Paket kostet nur 50 Pfennig, das halbe 26 Pfennig. N Bekanntmachung. Wer mit Beginn des 16. August 1915 Vorräte früherer Ernten an Roggen, Weizen, Spelz(Dinkel, Fesen) sowie Emer und Einkorn allein oder mit anderem Getreide gemischt, ferner an Roggen⸗ und Weizenmehl(auch Dunst) allein oder mit anderem Mehl gemischt, in Gewahrsam hat, wird hierdurch aufgefordert, sie sofort auf dem Stadthause, Zimmer 9, getrennt nach Arten und Eigentümeyn anzu⸗ eigen. Vorräte, die sich zu dieser Zeit auf dem Transport befinden, sind von dem Empfänger unverzüglich nach dem Empfang anzu⸗ n. 5 Vorräte, die lediglich für die Kriegsgetreidegesellschaft m. b. H. 9 beschlagnahmt, aber noch nicht abgenommen sind, sind anzeigepflichtig.f und als solche ersichtlich zu machen. Vorräte in gedroschenem zugeben. Brot⸗ und Mehlversorgung an Händler, Verarbeiter oder Ver⸗ braucher seines Bezirkes bereits abgegeben sind, sollen gleichfalls unberücksichtigt bleiben. . Desgleichen Vorräte, die nach dem 31. Januar 1915 aus Auslande eingeführt sind. Gießen, den 19. August 1915. ö Der Oberbürgermeister: Keller. Bekanntmachung. Aus der Kommerzienrat Heichelheim⸗Stiftung sind am 1. No⸗ 5 J. 968 Mark zu verteilen. Nach 83 der Stiftungsurkunde] vember d. können zur Bewerbung nur zugelassen werden: a) Personen, die während des Feldzugs 1870/1 im Militärver⸗ hältnis gestanden haben und b) Frauen und Kinder solcher Personen, vorausgesetzt, daß sie einer derartigen Unterstützung würdig und bedürftig sind und vom Tage der Bewerbung ab rückwärts gerechnet mindestens zwei Jahre ununterbrochen in Gießen gewohnt haben. 5 werbungen sind bis zum 30. September d. J. im Stadthaus, Zimmer Nr. 15, schriftlich oder mündlich einzureichen unter Vor⸗ lage der die Erfüllung der Bedingungen nachweisenden Papiere und ärztlicher Bescheinigungen über etwa behauptete Krankheiten. Gießen, den 18. August 1915. Der Oberbürgermeister. Keller. Bettfedern 8 Nrau per Pfd. von 95 pf. an L. Rosenbaum& Jacob am Oswaldsgarten. ee nehmen zu höchsten Preisen an 1 L. Nosenbaum& Jakob Tel. 171. am Oswaldsgarten. 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