—' Arbeiten wieder auf. die Möglichkeit der Be 1 Interessenten durch eine Vertretung berlicksichtigt sind. ationen zu erhöhen, sejen zwei Wege gangbar, entweder zeitung Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Die Oberbessische Volkszeitung erscheint jeden Werktag Abend in Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich 60 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl.1. 80 Mk. Redaktion und Expedition Gießen, Bahnhofstraße 23, Ecke Löwengasse. Televhon 2008. Inserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pig. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abenbs 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 193 Gießen, Donnerstag, den 19. August 1915 10. Jahrgang. Sturm auf Kowno und Nowo⸗Georgiewsk. 1 1 1442 42 Ne vierte Kriegstagung des Reichstags. Am Donnerstag den 19. ds. tritt der Reichstag zu seiner vierten Kriegstagung zusammen, die wahrscheinlich auch nicht viel längere Zeit in Anspruch nehmen wird wie die früheren, obwohl wiederum sehr große und weitragende Maßnahmen für seine Beratungen vor— liegen. Zunächst wird er sich, wie unsere Leser wissen, mit einer Kreditvorlage von 10 Milliarden zu beschäftigen haben, deren Annahme keineswegs irgendwie zweifelhaft sein kann. Neben dieser militärischen Notwendigkeit wird sich der Reichs⸗ tag vornehmlich mit den wirtschaftlichen Maßnahmen zu befassen haben, die während seiner Vertagung vom Bundesrat beschlossen und durchgeführt wurden. Darüber ist dem Reichstag eine Denkschrift vorgelegt, die wir besprochen haben und die sicher⸗ lich auch im Reichstage eine entsprechende Kritik und notwendige Forderungen zur Ausgestaltung der bisherigen Einrichtungen her⸗ vorrufen wird. Allerdings wird sich der Reichstag auch hier nicht mit Einzelheiten beschäftigen, die schon seit Dienstag in der Budget⸗ kommission ausgiebig vorberaten werden. Andererseits wird sich die Sozialdemokratie nicht versagen können, ihre berechtigten Bedenken gegen die wenig durchgreifenden Maß— nahmen des Bundesrats auf dem Gebiete der Volks- ernährung auch im Plenum des Reichstags vorzutragen. Sie wird dazu umsomehr gezwungen sein, als bekanntlich verfucht wird, die Kritik der Nahrungsmittelverordnungen und des Lebensmittel— wuchers an vielen Orten des Reiches zu unterbinden. Die Zensur wird ein weiteres ausgiebiges Feld der Kritik werden. Es ist zu erwarten, daß man im Plenum über sie ein ebenso offenes Wort sprechen wird wie in der Kommission und daß man dabei die ganzen Zustände unter dem Belagerungszustand beleuchten wird. Der Reichstag ist eben die einzige Stelle geblieben, wo die öffentliche Kritik durch keinerlei Zensur eingeschränkt werden kann. Bei der zweifellosen Annahme der Kreditvorlage wird man hoffentlich in eine Erörterung darüber eintreten, ob nicht schon jetzt auch in Deutschland wie in anderen kriegführenden und neutralen Staaten damit begonnen werden kann, das Anleihewesen durch rationellere oder durch besondere Steuern zu ersetzen. Man kann sich in keinem Staate für die Deckung der Kriegsanleihen allein auf die Kriegsentschädigung verlassen, vielmehr muß jeder Staat von heute pflichtgemäß Vorsorge treffen, die Kriegskosten eventuell aus eigener Kraft zu verzinsen und zu tilgen. In dieser Hinsicht muß die Erörterung wieder an die Kriegsgewinn⸗ steuer erinnern, die je länger je mehr eine allgemeine Volks⸗ sorderung geworden ist. Es würde auch sicherlich mit Freuden be⸗ grüßt werden, wenn der Reichstag schon jetzt klar zum Ausdru brächte, daß auch eine besondere Reichseinkommen- und Vermögens steuer ins Auge gefaßt und sobald wie möglich schon während des Krieges teilweise verwirklicht werden muß. Man soll in dieser Hinsicht durchaus vom Feinde lernen und an England denken, das mit großer Energie die Erhöhung der Einkommensteuer bereits während des Krieges eingeführt hat. Andererseits haben kleinere Staaten, wie Schweden und Dänemark, die Kriegsgewinnsteuer in Angriff genommen und deutsche Bundesstaaten waren auf dem ten Wege dazu, wenn die Konkurrenz der bundesstaatlichen Finanzminister nicht im Februar erklärt hätte, die Kriegsgewinn⸗ steuer müsse Reichssache bleiben. Jedenfalls eilt sie und ihre Durch⸗ führung würde im ganzen Volk eine große Beruhigung und Be⸗ friedigung hervorrufen. Bei den Finanzfragen wird auch die Versorgung der [Kriegsbeschädigten von neuem zur Erörterung kommen, die über bloße Verordnungen und über den guten Willen noch nicht binausgekommen ist. Es ist durchaus notwendig, daß die Kriegs⸗ beschädigten sowohl wie die Witwen und Waisen der gefallenen Krieger vor eder Not und Sorge befreit werden, und zwar auch nicht erst nach Monaten des Harrens und Bangens, sondern möglichst sofort. Alle diese Fragen brauchen gewiß nicht in großen Reden zum Austrag zu kommen, aber sie werden der Regierung gegenüber [char formuliert werden und mülssen eine ebenso präzise und ssichere Antwort erhalten. 5 5 Wenn die vierte Kriegstagung des Reichstags auf diese Art ihre wichtigen Aufgaben zu lösen trachtet. wird sie nicht nur unsere er im Felde befriedigen, sondern auch zur inneren Sicherung des Reiches wesentlich beitragen. 85 5 2 Ernährungsfragen vor der Budgetkommission. 5 Die Budgetkommisston des Reichstags nahm am Dienstag ihre Zur Beratung stand zunächst die Besprechung gierung über die getroffenen wirtschaftlichen der Denkschrift der Re aßnahmen. 1 a Staatssekretär Delbrück gibt einen Rütkblick über die Maß⸗ getroffen worden sind. Höchstpreise führen nur zum Erfolg, wenn getrofefn worden find. Höchstpreise führen nur zum Erfolg, wenn schlagnahme besteht oder wenn der Dandel organistert ist. Von diesen Grundsätzen ist man ausge⸗ gangen bei der Verteilung von Mehl und Brot. Die Schaffung der Friegsgetreidegesellschaft bürgt für eine geordnete Versorgung. Die gnung zugunsten der Kommunalverbände war der einzige auf dem Schwierigkeiten in der Versorgung sich beseitigen ließen; die Zentralisation versage auf diesem Gebiete vollständig. Den Austausch zwischen den Verbänden besorgt die Kriegsgetreide⸗ sesellschaft. damit ist bie Versorgung mit Getreide absolut sicher⸗ llestellt. Die Aufsicht durch den Reichskommissar sichert den Ein⸗ Auß des Reiches. Der Redner schildert nun eingehend den organi⸗ utorischen Aufbau der geschaffenen Einrichtungen, bei 1 5 7 m die lie einfache Erhöhung oder die Aenderung des Ausmahlverhält— Asses. Letzterer Weg werde zunächst beschritten werden, bei nicht h starker Ausmahlung wird das Mehl besser und man erhält Asessere Kleie, was wieder von Esnfluß ist auf die Fleischproduktion. Mit Sicherheit dürse außerdem angenommen werden, daß in kurzer leit auch eine Erhöhung der Rationen eintreten werde.— Redner erörtert dann die Mehlpreise. Höchstpreise für Mehl sind nach Ansicht der Regierung nicht nötig, weil die Kommunalverbände ihr Getreide selbst ausmahlen lassen und kein Interesse an der Verteuerung des Mehles haben. Gerste und Hafer mußten anders behandelt werden; hier blieb nur der Weg der Beschlagnahme. Bei Hafer konnte nur auf diesem Weg der Bedarf für die Armee heraus⸗ geholt werden. Die Festsetzung hoher Preise sollte der Landwirt schaft einen gewissen Ausgleich dafür bieten, daß die Getreidepreise nicht erhöht wurden.— Die Futtermittelversorgung bietet gewisse Schwierigkeiten, weil eine Einfuhr völlig ausgeschlossen sei. Des⸗ halb seien umfassende Maßnahmen ergriffen worden, Ersatzstoffe nutzbar zu machen. Aus Rumänien konnten Futtermittel bezogen werden. Es bestehe aber für das Reich nicht der mindeste Anlaß, die hohen Ausfuhrprämien zu bezahlen.— Daß eine Beschlagnahme der Kartoffeln nicht durchgeführt wurde, hänge mit den Erfahrungen zusammen, die man im Vorjahre mit dem Kartoffelhandel gemacht habe. Zunächst sei abzuwarten, wie viel Kartoffeln wir haben. Tritt dann wieder eine Spekulation ein, daun müfe ihr durch ent— sprechende Höchstpreise begegnet werden. An Wegen, die gezeigt werden, mangelt es nicht, aber die meisten dieser Wege seien nicht gangbar. Gleichwohl stehe zu hoffen, daß wir zu Zuständen kom⸗ men, die als durchaus exträglich bezeichnet werden können.— Be⸗ sondere Schwierigkeiten bietet die Festsetzung von Höchstpreisen für Milch, weil man den Produzenten nicht zwingen könne, Milch zu verkaufen; er könne auch andere Produkte herstellen.— Der Ge⸗ danke werde momentan erwogen, den Verkauf von Fleisch auf be⸗ stimmte Zeiten festzusetzen. Die Festsetzung von Höchstpreisen für Fleisch durch das Reich sei nicht möglich; man müßte daran denken, zu diesem Zwecke kleinere Bezirke zu bilden. Man könnte eventuell auch den Viehhandel zwangsweise organisieren. Alles das schließe aber doch nicht aus, daß immer wieder Wucher getrieben wird.— Die Versorgung der Stadt Straßburg mit Gemüse könne als vor— bildlich bezeichnet werden. Dieses Beispiel zeige, was eigene Initiative vermöge. Aufgabe der Presse wäre es, den Widerstand der Bevölkerung gegen Ersatz-Nahrungsmittel zu brechen. Graf Westarp hebt hervor, daß wir mindestens noch ein Jahr mit der jetzigen Wirtschaftsweise auskommen müssen. In den weitesten Kreisen herrscht eine empfindliche Notlage, hervorgerufen durch Verteuerung der Lebensmittel um 50—100 Prozent. Die Presse müsse beruhigend und aufklärend wirken. Man dürfe nicht immer der Landwirtschaft die Schuld an der Teuerung beimessen. Ausnahmen gebe es überall, auch unter den Land— wirten, aber die Landwirtschaft im ganzen verdiene die erhobenen Vorwürfe nicht. Die Regierung müsse feststellen, wo die Schuld an der Verteuerung liege und das Ergebnis dieser Untersuchungen müßte der Oeffentlichkeit unterbreitet werden. Zwischen Mehl⸗ und Getreidepreisen bestehe ein schreiendes Mißver⸗ hältnis. Bei den jetzigen Getreidepreisen bringe die Landwirt⸗ schaft ein ganz enormes Opfer. Die Herabsetzung der Mehlpreise sei dringend erforderlich: die Mühlen ziehen Profite, die in keiner Weise berechtigt seien. Daß die Kommunalverbände Höchstpreise für Mehl festsetzen dürfen, ist nicht zureichend; es müsse generell festgesetzt werden, wie hoch die Spannung zwischen Getreide- und Mehlpreisen sein dürfe.— Die Fleischfrage sei eigentlich nichts weiter als eine Futterfrage. Die Reichs-Einkaufsgesellschaft müsse bestrebt sein, soviel Futtermittel als möglich hereinzubringen, auch dann, wenn mit einem Verlust beim Verkauf zu rechnen sei. Der Bezug von Getreide und Futtermitteln aus Rumänien sei aber unter den jetzigen Verhältnissen absolut nicht zu empfehlen. Die Bestrebungen auf Erhöhung der Milchpreise seien in den ge— steigerten Produktionskosten der Landwirtschaft berechtigt. Staatssekretär Delbrück verteidigt die Verordnung des Bundesrats gegen den Wucher und betont, daß eine Verschärfung nach der Richtung hin in Aussicht genommen werde, den Wucherern die Befugnis zur Ausübung des Gewerbes auf einige Zeit zu untersagen und ihnen unter Umständen die bürgerlichen Ehrenrechte abzuerkennen. Ein Regierungsvertreter gibt sodann eine Uebersicht, über die durch die Presse bereits bekannten statistischen Arbeiten über die Ernte⸗Ergebnisse. Soweit sich die Resultate jetzt schon übersehen lassen, ist die Anbaufläche und der Ertrag gestiegen. Zurlickge— gangen ist der Anbau von Futterrüben, Oelfrüchten und Hopfen. Die Getreideernte ist mittel bis gut, die Kartoffelernte gut.— Redner erörtert dann die Maßnahmen zur Hebung des Mangels an Futtermitteln. 0 Unterstaatssekretär Michaelis bespricht eingehend staltung der Mehlpreise. Redner bestritt, daß der Gewinn zu hoch sei. Daß die Großmühlen besonders herangezogen werden, habe seine Ursache in der größeren Leistungsfähigkeit. Eine wesentliche Herabsetzung der Mehlpreise könne nicht in Aussicht gestellt werden. Abg. Hoch stellt fest, daß die sozialdemokratische Presse mit ihrem Protest gegen den Lebensmittelwucher nur ihre Pflicht ge— tan hat. Leider ist es die Zensur, die die Presse an ihrer Auf— gabe hindert, Aufklärung in die Massen zu tragen. Hat man doch sogar die Verbreitung von Parlamentsreden verhindert. Erste Poraussetzung für die Aufklärung der Massen des Volkes ist Preß⸗ freiheit. Die Regierung möge sich angelegen sein lassen, die Militär— verwaltung über die Aufbewahrung der Lebensmittel zu unter— richten, damit nicht, wie in Köln, aroße Mengen Lebens⸗ mittel vernichtet werden müssen. Die möglichst große Zu— fuhr von Futtermitteln ist nötig; gegen finanzielle Aufwendungen des Reiches zu diesem Zweck ist nichts einzuwenden. Beim Kartoffelwucher hat sich klar erwiesen, daß die Spekulation wesent lich zur Preistreiberei mit beigetragen hat, deshalb muß man Höchstpreise rechtzeitig festsetzen. Man muß den kleinen Leuten die Möglichkeit bieten, sich Kartoffelvorräte anzuschassen; dort werden sie gewiß nicht verderben. Worin liegt die Ursache für, die ehorme Verteuerung des Kartoffelmehls? Es ist nötig, daß der Bevölkerung mehr und besseres Mehl zur Verfügung gestellt wird. Die Höchstpreise für Getreide hätten herabgesetzt werden miissen. Die Bevölkerung kann einfach die jetzigen Preise nicht mehr er— schwingen. Das Verhältnis zwischen Mehl- und Getreidepreisen die Ge— ist ganz unhaltbar; den Mühlenbesitzern schanzt man enorme Ge⸗ winne zu. Redner kritisiert scharf das preistreibende Wirken ge⸗ wisser Händlergruppen. Viele Arbeiter sind gar nicht in der Lage, das Konservenfleisch zu bezahlen. Die Obsternte ist schon jetzt zum großen Teil in den Händen der Händler, die die Preise dann wieder in die Höhe treiben. Den Gemeinden müßten Mittel zur Verfügung gestellt werden, um Lebensmittel einkaufen zu können. Staatssekretär Dr. Delbrück versichert, daß seine ganze Sorge sich seit Monaten nur auf die Probleme der Volksernährung lonzentriere. Am guten Willen der Regierung möge man nicht zweifeln. Anzuerkennen ist, daß die sozioldemokratische Presse teil⸗ weise sehr sachkundig geurteilt habe, man dürfe aber nicht alles vom Konsumenten-Standpunkt aus beurteilen. Die Erbitterung unter der Bevölkerung beruhe zum Teil auch auf falschen Voraus⸗ setzungen. Dem Wucher könnte man weit mehr zu Leibe gehen, wenn das Publikum Anzeigen erstatten würde, anstatt die hohen Preise zu bezahlen. Der Obstverwertung haben sich große Schwierigkeiten in den Weg gestellt.. Die Organisation des Han⸗ dels muß Sache der Gemeinden sein. Präsident Kautz bespricht die Preisbildung für Kartoffel- präparate, die in nächster Zeit billiger werden. Die Verteuerung des Zuckers war nur vorübergehender Natur. Zuckerknappheit habe nie bestanden. Abg. Dr. OQuarck: Die Vertretung der Konsumenten⸗ Interessen muß bei den oberen Stellen verstärkt werden. Be⸗ sonders müßte man die Konsumvereine mehr heranziehen. In den Großmühlen müßte die Nacht⸗ und die Sonntagsarbeit ausge⸗ schaltet werden. In der Brotversorgung hat man unbedingt agrarische Tendenzen begünstigt. Verteuernd wirkt, daß den Kom⸗ munalverbänden Kommissionsgebühren zugestanden werden. Die sozialdemokratische Presse hat aufklärend gewirkt, das ist aber durch das Treiben der Lebensmittel-Wucherer sehr erschwert wor⸗ den. Die Reichsbehörden müssen auf die Gemeinden einwirken, da⸗ mit sie die Initiative zur besseren Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln ergreifen. In vielen Familien ist die Er⸗ nährung absolut unzureichend. Wenn nicht sofort um⸗ fassende Maßnahmen getroffen werden, dann erleben wir im Herbst abermals eine Preistreiberei. Mindestens müßten Richt⸗ preise eingeführt werden, die den Gemeinden dann einen ge⸗ wissen Spielraum in der Festsetzung der Preise lassen. Redner er⸗ örtert dann eingehend die unter Leitung des Bundes der Land⸗ wirte in Stuttgart betriebene Preissteigerung für Milch. Er⸗ wägenswert wäre vielleicht, den Besitzern von Milchkühen beson⸗ dere Futter-Rationen zuzuweisen. Die Wucher-Verordnung des Bundesrats hat solange keinen Zweck, solange die Justizbehörden nicht energisch eingreifen. g Staatssekretär Dr. Delbrück findet den Vorschlag, Milch⸗ vroduzenten besondere Futter-Rationen zu überweisen, für sehr beachtenswert, nur stehen dem praktische Schwierigkeiten im Wege. Die Mühlen-Angelegenheiten werden einer Subkommission überwiesen. 1 Nächste Sitzung Mittwoch. * 8 Zur Lage im Osten Von einem militärischen Mitarbeiter wird der Frankf. Zig. geschrieben: 1 Aus Bukarest liegt die Meldung vor: Brest⸗Litowsk wird von den Russen geräumt. Die Eisenbahn befördert Tag und Nacht alle vorhandenen Vorräte aus Brest-Litowsk nach Minsk.(National⸗ Zeitung, 14. August.) Wenn diese Nachricht sich bestätigt, tritt die Kampfhandlung im Osten in ein neues Stadium. Es wäre damit zur Gewißheit geworden, daß die Räumung der Weichselfront der Anfang von Rückzugsbewegungen großen Maßstabes gewesen ist. Die russische Heeresleitung wird hierzu neben manchen anderen Gründen, die heute noch nicht besprochen werden können, vor allem durch die Erkenntnis veranlaßt sein, daß die Armee zur Zeit für die Offensive nicht mehr geeignet ist. Der Mangel an Geschützen und Munition scheint, nach den Verhandlungen mit Japan zu ür⸗ tcilon, eine ernste Gefahr zu sein. Aber auch die moralische Kraft der russischen Infanterie scheint für energische Kriegführung unter Ausnützung der inneren Linien nicht mehr auszureichen. Ein Wunder wäre es nicht, wenn der seit Monaten andauernde Rückzug schließlich auch die Nerven des russischen Soldaten, der geradezu einen göttlichen Stumpfsinn besitzt, erschüttert hätte. Wenn die rumänische Meldung sich als richtig erweisen sollte, haben wir in der nächsten Zeit nur mit Gefechten gegen die Nach⸗ huten der russischen Armeen zu rechnen. Dann würde auch die starke Festung Brest⸗Litowsk keinen langen Widerstand leisten. An sich wären die Werke dieser Festung sehr wohl zu einem solchen Wider⸗ stand geeignet. Die Forts liegen in einem leicht anzustauenden Sumpf⸗ und Wiesengelände. Im Jahre 1901 besaßen sie noch einen hohen, unmodernen Aufriß. sollen inzwischen aber völlig modernisiert und durch Neuanlagen vermehrt sein. Die alten Werke lagen etwa 5 bis 6 Kilometer von den wichtigen Brücken entfernt, so daß sie gegenüber den heutigen Geschützen der Angriffsartillerie keinen genügenden Schutz gewähren. Man darf aber annehmen, daß etwaige neue Forts weiter vorgeschoben sind. Dadurch würde die Widerstandsfähigkeit der Festung naturgemäß erheblich gewachsen sein. Auf alle Fälle würde sie imstande sein, den Abtransport der russischen Heeresmasse nach Nordosten zu sichern. Der Bug ist so⸗ wohl in seinem Ober- wie auch im Unterlauf ein starkes Hindernis. Die nächsten Brückenstellen liegen etwa 60 Kilometer von der Festung entfernt. Im Oberlauf(südlich Brest-Litowsk) muß ein Ueber⸗ gangsversuch als unwahrscheinlich gelten, weil bier die Sümpfe am Pripjet(Poljesje) nach erfolgten Uebergang ein unüberwindlsches Hindernis bedeuten. Dadurch erhalten diese Sümpfe eine besondere Bedeutung. Die Bahnlinie Bvest⸗Litowsk. Minsk ist durch sie nach Süden gesichert. Nur vom Norden und Westen drohen ihr Gefahren. Man kann deswegen mit hartnäckigem Widerstand besonders am Unterlauf des Bug rechnen. Sie Die rumänische Meldung gik Minsk als End⸗ — zunkt der Transporte an. Die Karte zeigt, daß in dieser Gegend ein ausgesprochenes Höhengelände, das durch viele Flußläufe durch⸗ schnitten ist, vorherrscht, also ein geeignetes Operationsfeld ist. Die Pripfet⸗Sümpfe würden dem linken Flügel der russischen Armeen einen unbedingten Schutz gewähren. Der Rückzug bis in die Gegend von Minsk würde aber das russische Heer in zu große Gruppen zerlegen, die durch die Poljesje getrennt wären. Er würde daher einen solgenschweren Entschluß der russischen Hoeresleitung be⸗ deuten. Wohin dieser führen wird, werden die Tagesberichte der nächsten Wochen lehren. Protest gegen russische Schwindelnachrichten. Wir lesen in der Nordd. Allg. Ztg.: Da in letzter Zeit der Verleumdungsfeldzug der russi⸗ schen Presse wieder größere Dimensionen angenommen hat, und die russische Regierung ihn durch Uebermittlung offi⸗ zieller Nachrichten aus dem russischen Hauptquartier an die Presse bewußt nährt, obwohl sie von der Lügenhaftigkeit dieser Nachrichten überzeugt sein muß, so ist dieser Tage der hiesigen spanischen Botschaft ein offizieller Protest gegen dieses schamlose Treiben zur Uebermittlung an die russische Regierung übergeben worden. Die Maccaroninot. Mailand, 17. Aug.(W. T. B. Nichtamtlich.) Durch die Dar⸗ danellensperre ist die italienische Maccaroni⸗In⸗ dustrie infolge des Ausbleibens des russischen Hartweigen⸗ in arge Bedrängnis geraten. Die Restbestände in Sizilien des noch vorhandenen Hartgetreides stiegen im Preise ungeheuer. Außer⸗ dem wollten weder Sizilien noch Sardinien von den Beständen aus Furcht vor eigenem Mangel an Maccaroni abgeben. Jetzt meldet der Secolo, daß der Ministerpräsident Salandra und der Handels⸗ minister Cavasola sich mit der Notlage beschäftigt und weitgehende Vorsorge für die Auffrischung der Getreidebestände auf beiden Inseln getroffen haben. Der Secolo meint, die Erregung unter den Maccaronifabrikanten sei unbegründet. Eine amerikanische„Enthüllung“. Die Frankf. Ztg. schreibt: Ein Telegramm aus Newyork vom 16. August meldet, daß die World Briefe veröffentlicht, aus denen hervorgehen soll, daß die deutsche Regierung große Sum⸗ men für Preßagitation in den Vereinigten Staaten aufgewendet habe und auch für den Versuch, in den Vereinigten Staaten Waffen und Munition zu be⸗ kommen. In Verbindung damit wird der Name des Botschafters und einiger der Botschaft attachierter oder nahestehender Herren genannt. Wir wissen nicht, welche Beweiskraft diese Briefe haben, und ob sie gestohlen sind oder nicht. Aber wir nehmen ohne weiteres an, daß zu einer Zeit, wo unsere Feinde Unsummen für die Gewinnung der Presse aller neutraler Länder leider mit Erfolg ausgegeben haben und ausgeben, die deutsche Reglerung Mittel suchen und finden wird, dieser Miniertätigkeit der Feinde auf dem ihr aufgezwungenen Gebiete zu begegnen. Wir wären Narren, wenn wir in einem Krieg, in dem unsere Feinde mit allen Mitteln gegen uns arbeiten. an Keuschheit zugrunde gehen wollten. Daß wir im Ausland zu kaufen suchen, was wir während des Krieges und zum Kriege bedürfen und brauchen können, und was sonst in die Hände unserer Feinde gelangte, ist so selbstverständlich, daß eine„Enthüllung“ darüber ein⸗ fach komisch wirkt. Haben doch die Vereinigten Staaten offiziell ausdrücklich erklärt, es liege im Wesen ihrer Neutralität, daß sie uns ebenso gern Waffen und Munition verkaufen würden wie unseren Feinden. Aenderung des Reichsvereinsgesetzes. Der 8. Ausschuß des Reichstages wird laut Deutscher Tageszeitung am Freitag, 20. August, vormittags 10 Uhr, zusammentreten, um den Entwurf eines Gesetzes über Aen⸗ derung des Reichsvereinsgesetzes zu beraten. Es handelt sich dabei im wesentlichen um die Streichung der Bestimmungen über den Gebrauchfremder Sprachen in öffentlichen Versammlungen und um die Teilnahme Jugendlicher an politischen Vereinen und Versamm⸗ lungen. Der Vorsitzende des Ausschusses ist der national liberale Abgeordnete Dr. Junck. Die Kriegsziele und die Fortschrittliche Volkspartei. Die Reichstagsfraktion der Fortschrittlichen Volkspartei hat sich, wie der Frankf. Ztg. aus dem Reichs⸗ tage berichtet wird, in eingehenden Beratungen mit den Aufgaben beschäftigt, die der Volksvertretung durch den Gang der geschicht⸗ lichen Ereignisse zugewiesen werden. Sie hat die im Hinblick auf das Kriegsziel erhobenen Forderungen künftiger Grenzfest⸗ setzungen und staatsrechtlicher Neubildungen sorgsam geprüft, er⸗ achtet aber nach gewissenhafter Erwägung die Zeit noch nicht für gekommen ein bestimmtes Programm mit fest um⸗ grenzten Einzelforde rungen für den Abschluß des riedens aufzustellen. Ebenso entfernt von der grundsätzlichen Ab⸗ 1 12905 Hang w ez wie von uferlosen Annexionsplänen, hält die Fraktion es für unbedingt geboten, das Reich durch militärische und wirtschaftliche Maßnahmen wie durch notwendige Gebiets erweiterungen für die Zukunft zu sichern und für den friedlichen Wettstreit der Völker Bedingungen zu schaffen, die in der Heimat wie auf dem freien Meere die Entfaltung der Volkskraft und des deutschen Volkes gewährleisten. Es wurde einhellig die Erwartung ausge⸗ sprochen, daß die Reichsregierung in vertrauensvollem Zusammen⸗ wirken mit der Volksvertretung zur gegebenen Zeit eine offene Aussprache über die Grundlagen des Friedensschlusses herbei⸗ führen werde, und die seste Zuversicht bekundet, daß Volk, Heer und Flotte im Bewußtsein der weltgeschichtlichen Bedeutung dieser schweren Kämpfe wie bisher in treuem Zusammenhalten ohne Wanken alle Kräfte einsetzen werden, bis ein ehrenvolle und dauernder Friede gesichert ist. Die Partei ist bereit, die Regierung zu unterstützen, die nach den Worten des Kaisers vom 31. Juli 1915 sich die Aufgabe stellt, auf erprobten alten und ver⸗ trauensvoll betretenen neuen Bahnen vorwärts zu schreiten. Neue Denkschrift des Reichskolonialamtes. T. U. Berlin, 17. Aug. Das Reichskoloniakamt hat eine neue Denkschrift über den Krieg in den deutschen Schutz⸗ gebieten ausgearbeitet, die sich in ihrem wesentlichsten Teil niit den Ereignissen in Ostafrika beschäftigt. Neue Mit⸗ teilungen von größerer Bedeutung werden nicht gebracht, vielmehr werden in der Hauptsache unsere und die feindlichen Berichte einander gegenübergestellt und daraus ersieht man, daß die Meldungen unserer Feinde aus den Kolonien ebenso lügenhaft sind, wie die vom europäischen Kriegsschauplatz. Sie sind dermaßen unzuverlässig, daß unsere amtlichen Stellen sogar noch im Zweifel sind, ob die englische Nachricht von der völligen Zerstörung des Kreuzers„Königsberg“ wirklich den Tatsachen entspricht. Jedenfalls dürfen wir mit der Entwicklung der Dinge in Ostafrika nach wie vor zu⸗ frieden sein. Zum neuen Zehn⸗Milliarden⸗Kredit. Reichsschatzsekretär Dr. Helfferich wird, wie der Berliner Lokalanzeiger zu melden weiß, bei der Einbringung der neuen Kriegskreditvorlage im Reichstage eine längere Rede halten, in der er sich auch über die Frage neuer Reichssteuern, besonders auch einer Kriegsgewinnsteuer, äußern dürfte. Gemaßregelte italienische Generale. T. U. Zürich, 18. August. Der Züricher Tagesanzeiger meldet von der italienischen Front, daß infolge des geringen Ergebnisses der bisherigen italienischen Offensive wieder mehrere Generale von ihrem aktiven Kommando enthoben wurden. Die permanente Dumasession. Wie nun feststeht, wird die gegenwärtige Dumasession eine dauernde sein. Nach der Erledigung der wichtigsten Aufgaben wird sie nicht durch einen Ükas des Zaren ge⸗ schlossen, sondern durch eine Rede des Vorsitzenden vertagt werden, um im gegebenen Augenblick jederzeit wieder zu⸗ sammentreten zu können. Plünderung eines russischen staatlichen Spiritus⸗ lagers durch die Volksmenge. T. U. Kopenhagen, 18. August. Wie Rußkoje Slowo meldet, fiel bei der Ueberführung der staatlichen Spiritusvorräte in Moskau die Volksmenge plündernd über die Spiritusflaschen her, die dann auf einem Wagen fortgeschafft wurden. Ehe die Polizei erschien, war die Menge mit dem Spiritus verschwunden. Keine einzige Flasche ist zurückgeblieben. Beschlagnahme von Rohöl. Wien, 18. August.(W. T. B. Nichtamtlich.) In der morgigen Wiener Zeitung wird eine kaiserliche Verordnung veröffentlicht werden, wodurch das gesamte nach dem Tage der Bekanntmachung der Verordnung im Inlande gewonnene Rohöl zugunsten des Staates beschlagnahmt wird. Die Maßnahme verfolgt hauptsäch⸗ lich den Zweck, die Verteilung des Rohöls auf die Raffinierien in gerechter Weise zu angemessenen Preisen zu ermöglichen. Friedensdemostratiouen in Amerika. Amsterdam, 18. Aug.(W. B. Nichtamtlich.) Die hier eingetroffene Newyorker Staatszeitung berichtet aus Chicago: Am 22. Juli fand eine gewaltige Demonstrationsversamm⸗ lung gegen die Waffenausfuhr, die Knebelung des ameri⸗ kanischen Seehandels und alle Versuche, die Vereinigten Staaten in den europäischen Krieg hineinzuziehen, statt. Den Diethelm von Buchenberg. Erzählung von Bertold Auerbach. 53 „Ist niemand daheim?“ rief Diethelm jetzt laut. „Ja freilich,“ ertönte eine dumpfe Stimme. Der alte Schäferle auf der Bank hinter dem Tische rauchte einsam, und die Pfeife im Munde haltend, fuhr er fort:„Ich weiß, warum der Diethelm kommt, aber er kann unverrichteter Sache wieder fortgehen.“ f Diethelm setzte sich auf die Bank und redete dem alten Manne zu, seinen einfältigen Haß fahren zu lassen und glück— lich zu sein mit den Glücklichen. Der alte Schäferle antwortete nichts, legte die Pfeife auf den Tisch, ging nach dem Schranke, brachte einen weiß— eingebundenen Pack und legte ihn auf den Tisch, auf den ein schräger Mondschein fiel. „Wenn du das nimmst, geh ich mit,“ sagte er. „Was ist's denn?“ fragte Diethelm. „Mach's auf.“ Diethelm öffnete und schrie laut auf, bellte. gefaßt. 5 Der alte Schäferle packte ihn am Arm und rief:„Da, da leg deine Hand drauf und schwör, daß du unschuldig bist an seinem Tode. Schwöre, schwöre, so wahr dir Gott in deiner letzten Stunde beistehen mag. Schwöre, und ich will dir Ab— bitte tun. Red'! Jede Minute, die du schweigst, schreit, daß du doch ein Mordbrenner bist. Medard, sprich du! da ist dein Mund. Schwöre, Diethelm, schwöre!“ Diethelm war's, als ob alle Höllengeister ihn umzingel— ten, seine Hand war wie gelähmt, er konnte sie nicht zurück— ziehen von dem Totenkopf des Ermordeten, aber plötzlich stieß er auf, daß der Schädel die Stube hinabkollerte.„Du bist ein liederlicher Lump. Mich verhext du nicht,“ schrie er, 0 daß der Hund Er hatte einen Schädel mit halbverbrannten Haaren „Nimm sie mit, nimm sie mit, wenn du kannst,“ knirschte der alte Schäferle. Diethelm stand auf und sagte mit fester Stimme:„Ich hab dir schon einmal gesagt, ich verzeihe dir, du hast deinen ältesten Sohn verloren, ich mache deinen jüngsten glücklich. Ich verzeihe dir. Morgen ordne ich an, daß alles begraben wird; gib acht, daß sich alles wiederfindet, oder du sollst spüren, wer ich bin.“ Stark auftretend schritt er hinaus auf die Straße, und als er sich mit der Hand über das Gesicht fuhr, merkte er einen Modergeruch. Er wusch sich die Hände lange im Schnee. Im Waldhorn wunderten sich die Leute, wie blaß Diet— helm aussah, und wie er große Gläser warmen Weines hin— unterstürzte, als wäre es kühles Quellwasser. Freude und Trauer folgten sich auf dem Fuße. Am andern Tage ließ Diethelm die Ueberreste des Entseelten, die der Vater willig hergab, feierlich begraben, und die Menschen, die Diethelm immer als harten Mann gekannt hatten, lobten ihn sehr, weil er bei dem Begräbnis so heftig weinte. Die volle Kraft war wieder über Diethelm gekommen, er besuchte die Brandstätte und ordnete den Bau und fuhr oft mit seinen Rappen über Land. Draußen fühlte er sich erst recht wohl. Zwar blieb es eine Widrigkeit, daß er von jedem neu Begegnenden eine Beileidsbezeugung anhören und dar— auf mit einer schmerzvollen Miene oder auch mit einem Aus⸗ ruf der Trauer danken mußte; war aber das vorüber, hatte man hin und her den Heuchlerzoll bezahlt, dann überließ man sich ohne Scheu der Freude und dem Glückwunsch. Diese immer wiederkehrende Wahrnehmung, wie lügnerisch die ganze Welt sei, da man Mitleid darlegte, wo man keines hatte und im Gegenteil fast Neid empfand, da man Klagen auspreßte, wo man Freude vermuten mußte, dieses ganze und seine ganze Kraft kehrte wieder.„Woher hast du diese Vorsitz führte das Kongreßmitglied Frank Buchanan, der Sachen? Die Ueberreste Medards müssen ehrlich begraben werden.“ Präsident des Laboür National Peace Council ist. Man be schloß, Wilson im Kongreß einen Protest gegen jede Han lung zu unterbreiten, die die Vereinigten Staaten in die Schrecken des Krieges hineinzerren könnte. 5 5 Ordnung in Mexiko? Dieses Provisorium 1 Staaten aner werden. Die die Präsident eingesetzt werden. D Abe⸗Staaten und den Vereinigten Dann solle ein neuer Präsident gewählt Wahlperiode soll Waffenstillstand herrschen. mexikanischen Parteien sollen sich verpflichten, 01 Regierung zu achten und nötigenfalls ihr ihre moralische und finanzielle Unterstützung zu leihen. Für die Partei, welche sich 1 dieser Lösung nicht anschließen wolle, werden die Vereinigten Staaten die Waffenausfuhr verbieten. Der Sondergesandte ö Wilsons in Mexiko versucht augenblicklich diese Lösung durchzu⸗ setzen. Die Unterhandlungen in Washington dauern fort. a Kriegsnotizen. Der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Dr. S ü de kum, der als Offizierstellvertreter im Felde steht, hat das Eiserng Kreuz erhalten. g 0 Petit Parisien hat durch Rundfragen in den großen Waren⸗ häusern festgestellt, daß an Filz, weichen Filzhüten, Lein wand, Spielwaren, Farbstoffen und Parfitmerien seit Ausbruch 9 des Krieges Mangel herrsche. Alle diese Gegenstände, die große Preissteigerungen aufzuweisen haben, wurden in Friedenszeiten aus Deutschland und Oesterreich-Ungarn eingeführt. 4 In Sheffield(England) wurde Genosse A. Sa mms, der sozialistische Armenverwalter der Stadt, zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Bei einem seiner Besuche im Lazarett unterhielt er sich mit einem verwundeten kanadischen Soldaten und sagte ihm:„Ich glaube nicht, daß es gut sei, nach Europa zu kom⸗ men, um da auf Befehl und zum Nutzen des Kapitals andere Menschen abzuschlachten.“ Der Soldat denunzierte 5 worauf die Anklage erfolgte. Genosse Samms gab vor Gericht weiteres zu, daß er im Sinne der Anklage gesprochen hatte. f Die englische Admiralität verbot den Verbauf aller Bücher, die Abbildungen von Kriegs schiffen ent⸗ halten, Flottenhandbücher und Taschenbücher. Die künftigen Auß⸗ gaben dieser Werke müssen ohne Abhildungen erscheinen. Popolo d'Italia fordert die Regierung auf, durch gesetzlich Eingreifen die reichen Leute von Rom zur Uebernahme de 4 ihnen zukommenden Kriegs lasten zu zwingen, da sie tzt davon drückten, nachdem sie das römssche Volk erst zum Kriege ge⸗ drängt haben.. 5 Die Meldung eines Madrider Blattes, wonach drei Brüder Mannesmann aus der franuzösischen Gefangenschaft ent⸗ fliehen konnten, ist unrichtig. Von den vier Brüdern ⸗ der fünfte, Mar Mannesmann, ist vor einigen Monaten in Aachen gestorben— befindet sich einer im Felde, zwei in Berlin und den vierte in Remscheid. Die Angestellten der Gebrüder Mannesmann in Marokko sind bis auf wenige, die rechtzeitig fliehen konnten, in Algier interniert. 3 Parteinachrichten. In Wiesbaden fand am letzten Sonntag eine Ver⸗ trauensmännerversammlung des Wahlkreises statt, in der der Kandidat des Wahlkreises, Genosse Lehmann“⸗ Mannheim, ein Referat über„die politische Lage“ hielt. In einer im Sinne des Referats gehaltenen Resolution wurde mit Entschiedenheit eine Aenderung der in letzterer Zeit betriebenen Parteipolitik ge⸗ fordert. Im weiteren wird auf den veränderten. Charakter des Krieges und die von bürgerlichen Politikern verkündeten An ⸗ nextionsabsichten Bezug genommen und verlangt, daß dem gegenüber die Partei eine andere Taktik einschlägt. Diese bei⸗ den Sätze der Resolution wurden einstimmig angenommen.“ Der nachfolgende Satz: Die Vertrauensleute verwahren sich 1 schieden gegen die Versuche der verschiedenen Parteiinstanzen, 0 elementare Recht der freien Meinungsäußerung durch Wort und Schrift den Parteigenossen zu beschränken, wenn deren Meinung auch noch so schroff abweicht von der des Parteivorstandes“, wurde mit allen gegen zwei Stimmen angenommen. 14 Der Zweite. 5 Unser Chemnitzer Parteiblatt schreibt: Nachdem unser Kollege Heilmann am 27. Juli beim Uebergang über den Narew durch eine russische Schrapnellkugel eine erheblicheverwundung im Ge erhalten hatte, ist wenige Tage später ein zweiter unserer 0 daktionskollegen, K. A. Meyer, der im gleichen Regiment an den Kämpfen im Osten teilnahm, durch einen Schuß ins linke Unter bein, der einen Knochenbruch zur Folge hatte, schwer verletzt wor⸗ den. Während Heilmann seiner Genesung in einem dane Lazarett entgegensieht, befindet sich Meyer noch in einem Jeld⸗ lazarett in Rußland, wird aber in einigen Tagen fähig 8 Transport nach Deutschland sein. 5 Während der verschiedenen provisorische Es war ihm recht, daß die ganze Welt schlecht war und e keinen ehrlichen Menschen gibt. 1 Die ganze Welt verachten, das ist im Bauernrock wie n der Galauniform das beste Mittel, um nicht zur richtigen Schätzung seines eigenen Wertes zu gelangen. 1 Diethelm gewöhnte sich an das Bewußtsein seines Ver⸗ brechens, wie man sich an ein untilgbares körperliches Leiden gewöhnt; anfangs will sich die gesunde Kraft nicht darein fügen, immerdar eine Behinderung zu finden, nach und nach aber setzt sie sich damit zurecht. Wir sind allzumal sündhaft und gebrechlich, das lernt der Stolz der übermütigen Kraft einsehen, und es fragt sich nur noch um das Maß des nol⸗ wendigen Mangels. 1 Während Diethelm sich draußen tummelte, war Munde daheim viel beschäftigt und viel bewegt. Er war gerade in entgegengesetzter und doch nicht unähnlicher Lage wie Diel. helm. Jedermann glückwünschte ihm zu seiner so überaus günstigen Lebenswendung, und er wollte diese gutherzige Freude der Menschen nicht dadurch stören, daß er ihnen sagte, wie tief er den gräßlichen Tod seines Bruders betrauere daß ein so schwarzer Fleck auf seinem Andenken ruhe glaubte, das nicht aussprechen zu dürfen, daß er, wi Vater ihm täglich vorhielt, aus der Asche seines Bruder sein Glück erbaue. Munde war ein seltsamer Bräutigam: freute ihn, daß Diethelm wieder von Auswanderern ein statt⸗ liches Bauerngut zusammenkaufte, aber wenn er Diethelm dann so im Gelde wühlen sah, war es ihm oft, als müsse er aus einer Verzauberung über alle Berge entfliehen, und ihm schauderte vor jedem Kreuzer, den er davon in die Hand nahm, als könnte er sich plötzlich in brennende Kohle verwan, deln. Er half den Bau leiten. Im Frühlingstauen, das bt begann, wurden die Grundmauern gegraben, und es sch in der Tat, daß Diethelm nicht prahlte, wenn er sagte, d er ein kleines Schloß baue. ö 1 0 jämmerliche Possenspiel war für Diethelm fast ein Labsal.! (Jortsetzung folgt.) — Hessen und Nachbargebiete. Gießen und Umgebung. — Konsumenteninteressen und Reichstag. Der Kriegsausschuß für Konsumenteninteressen, der sich in der Kritik der wirtschaftlichen Maßnahmen des Bundes— rats zur Versorgung des Volkes mit Nahrungsmitteln ein Verdienst erworben hat, legt dem Reichstage in einer beson— deren Eingabe seine Wünsche für die Regelung der Lebens— und Bedarfsmittelversorgung des Volkes im neuen Wirt— schaftsjahr vor. Es ist klar, daß nachdem monatelang dieses Gebiet der öffentlichen Kritik unterstanden hat, alle Parla— mente und Kommunalverwaltungen und die ganze Presse sich eingehend mit diesen Fragen beschäftigt haben, der Kriegs— ausschuß nicht mehr viel Neues zu entdecken vermochte und als Forderung aufstellen konnte. Er beschränkt sich im wesent— lichen auch auf die alten, in der sozialdemokratischen Presse einmütig vertretenen Forderungen der Bestandsaufnahme, der Höchstpreise und der Verbesserung des Kleinhandels. Als neu ist aber hervorzuheben, daß er Einfuhrprämien aus Reichsmitteln fordert, die die Einfuhr aus dem Ausland anregen sollen. Er hofft dadurch die Inlandspreise zu drücken. Diese Forderung scheint uns nicht unbedenklich, da sie einen Extraprofit für den Handel bedeuten würde, ohne daß eine Gewähr besteht, die Preise im Inland zu erniedrigen. Diese richten sich jetzt nach der inneren Marktlage und die verhältnismäßig kleinen Zufuhren aus dem Auslande können im Verhältnis zur Größe des deutschen Konsums und der Knappheit der deutschen Eigenproduktion keinen besonderen Einfluß auf die Preisentwicklung ausüben. Im übrigen sickert bereits durch, daß die Reichsregierung eine andere Maßnahme plant, um den besonderen Wucher und den beson— deren Profit bei der Einfuhr zu regeln. Sie will auch für die Einfuhr, die bisher keinerlei Beschlagnahme, keinerlei Preisregulierung unterstand, Höchstpreise festsetzen, oder sie den inländischen Höchstpreisen unterordnen. Man muß diese Frage der Einfuhrmöglichkeiten heute nicht ausschließlich unter der Rücksicht auf Preis und Verkauf betrachten, sondern man muß sich, so traurig das an sich auch sein mag, daran er⸗ innern, daß wir für jede Einfuhrmöglichkeit dankbar sein müssen und— da wir eine Beschlagnahme für das Ausland nicht besitzen— die Regulierung der Preise der Auslands. waren leider dem freien Markt überlassen müssen, penn wir überhaupt irgendwelche Nahrungs⸗ und Genußmittel herein⸗ bekommen sollen. Das ist eine traurige Notwendigkeit der Kriegszeit. Sehr sympathisch berührt in der Eingabe die Forderung auf Festsetzung der Mehlpreise nach Maßgabe der Selbstkosten. In dieser Ftage treffen sich alle Interessenten, mit Ausnahme der Mühlenbesitzer und einiger Spekulanten. Die Spannung zwischen Getreide⸗ und Mehlpreisen ist ja eine besondere Un geheuerlichkeit des ersten Kriegswirtschaftsjahres. Sie ist jetzt in ihrer Wirkung wenigstens nach der neuen Bundes- ratsverordnung insoweit gedämpft, als die Kommunalver⸗ bände gezwungen sind, das Mehl zum Selbstkostenpreise ab⸗ zugeben und Ueberschüsse zu gemeinnützigen Zwecken zu ver⸗ wenden. Es kommt deshalb ausschließlich darauf an, die „Kommunalverbände zu zwingen, keine Mahllöhne an die Mühlen zu zahlen, die über das billige Maß hinausgehen. In der Kartoffelfrage kann sich leider, wie es scheint, selbst der Kriegsausschuß für Konsumenteninteressen nicht zur For⸗ derung der vollen Beschlagnahme aufraffen. Er verlangt nur eine Sicherung bei ungenügendem Ausfall der Ernte für rund 15 Millionen Tonnen, um die menschliche Ernährung zu mäßigen Preisen sicherzustellen. Wenn die Ernte besser ausfällt, so will er sogar auch hiervon absehen und begnügt sich dann mit der Festsetzung von Richtpreisen für die großen Bezirke und Einschränkung der Trinkbranntweinerzeugung sowie mit der Forderung der Kartoffeltrocknung und der Aufspeicherung von Trockenkartoffeln für den äußersten Not- fall. Diese Forderungen sind keineswegs genügend, da sie die Spekulation nicht in vollem Umfang ausschalten. Wir wissen und haben wiederholt darauf hingewiesen, daß schon jetzt allerlei Vorverkäufe auf Kartoffeln ausgeführt berden. In Mecklenburg haben sich sogar unter den Landwirten zu diesem Zweck besondere Genossenschaften gebildet. Es ist also notwendig, daß vor allen Dingen der Bundesrat alle Vorperkäufe in Kartoffeln für nichtig erklärt, wie er das mit gutem Erfolg beim Getreide getan hat. Daran muß sich, was wir immer wieder fordern, die Beschlagnahme genügen⸗ der Kartoffelmengen für die menschliche Nahrung schließen, da keinerlei Grund mehr besteht, eine solche Beschlagnahme aus technischen Gründen abzulehnen. Hat doch selbst der Staatssekretär des Innern in der Budgetkommission gestern zugegeben, daß sich die Kartoffeln überall in den Mieten überraschend gut gehalten haben. Es fällt niemanden ein, unter Beschlagnahme der Kartoffeln die Zentralisation der Kartoffeln an einem Punkte zu fordern. Die Landwirte sollen sie ruhig in ihren Mieten behalten und pflegen. Bei der Vieh- und Fleischfrage, bei den Futter- und Düngemitteln, bei der Milch und den Milchprodukten, beim Gemüse und bei den Leucht- und Heizmitteln beschränkt sich der Kriegsausschuß auf die alten Forderungen möglichster Be⸗ schlagnahme, Festsetzung von Höchstpreisen beim Produzenten nd beim Händler mit einer entsprechenden Spannung und Organisierung des Vertriebs mit Unterstützung der städtischen Einrichtungen.— In der Zuckerfrage geht der Kriegsausschuß unseres Erachtens wiederum nicht weit genug. Er verlangt nur Festsetzung von Höchstpreisen für Rohprodukte, sowie für Verbrauchs zucker im Groß- und Kleinhandel. Er läßt ganz außer Acht, wie wichtig die selbst von der demokratisch⸗bür⸗ gerlichen Presse schon vertretene Forderung ist, daß die Auf⸗ hebung der Zuckersteuer durchgesetzt werden müsse. Hier⸗ durch würde das Pfund Zucker um 5 bis 6 Pfg. verbilligt, was gewiß in der gegenwärtigen Zeit eine beträchtliche Er⸗ leichterung wäre, dieses außerordentlich wichtige und nütz⸗ liche Nahrungsmittel zu verbreiten, das Deutschland in so großem Ueberfluß besitzt. 5 Immerhin, wie man auch zu den einzelnen Forderungen des Ausschusses stehen mag, erwirbt er sich ein bleibendes Verdienst durch seine stete Arbeit und durch seine dauernde Kritik an den Lebensmittelfragen. Er hat seine besondere Aufgabe, die er sich eifrig zu lösen bemüht, und wobei, mit den nötigen Ergänzungen, er auch von sogfelhe o sratischer Seite gern unterstützt wird. — Beschwerden wegen der Kriegsunterstützung. Ueber die Unterschiede, die bei der Zuweisung der Unterstltzung an Kricgerfrauen gemacht werden, ist schon häufig bei uns Klage geführt worden. So beschwerte sich kürzlich eine in den ärmlichsten Verhältnissen lebende Frau aus Reiskirchen, daß ihr trotz wiederholter Rücksprache mit dem Bürgermeister die Kreisunterstützung nicht bewilligt worden sei, während nachweisbar vermögende Frauen diese erhielten.— Heute wurde uns ein Fall aus Steinberg mitgeteilt, wo einer jungen Frau die Unterstützung überhaupt verweigert wurde, weil sie sich bei ihren Eltern aufhalte. Dabei ist der Vater dieser Frau ein armer Lohnarbeiter und die Frau selbst muß täglich ihrem Verdienst nachgehen. Aber wie in Reiskirchen, so sollen auch in Steinberg bei Gewährung der Unterstützung große Unterschiede gemacht und dieselbe in der Regel den Frauen gewährt werden, die sie am allerwenigsten bedürfen. Jedenfalls sind solche Vorkommnisse nicht geeignet, auf die im Felde stehenden Männer begeisternd zu wirken. — Sieben⸗Uhr⸗Ladenschluß. In einer ganzen Reihe von Städten haben die Ladeninhaber, mit Ausnahme der Nah— rungsmittelgeschäfte, den 7 Uhr-⸗Ladenschluß eingeführt. Durch diese Maßnahme, die in erster Linie auf die einge— tretene Geschäftsflaue zurückzuführen ist, hoffe man, Erspar⸗ nisse an den Geschäftsunkosten zu machen. Bewährt sich der frühzeitige Ladenschluß, so soll er während der ganzen Dauer des Krieges beibehalten werden. In Gießen hat man bis jetzt von irgendwelchen Maßnahmen zur Herbeiführung eines früheren Ladenschlusses noch nichts gehört; und doch glauben wir, daß auch hier die Sache durchführbar wäre und bei vielen Geschäftsleuten auf Verständnis stoßen würde. Ganz nette Summen würden dadurch für Heizung und Beleuchtung ge— spart werden, ohne daß von einem Zurückgang des Umsatzes Zesprochen werden könnte, wenn allgemein der frühere Ladenschluß, der auch sonst noch allerlei Annehmlichkeiten für Prinzipal und Angestellte hat, eingeführt würde. Vielleicht beschäftigt sich der Gießener Detaillisten-Verein einmal mit dieser Angelegenheit. — Der Kartoffelverkauf aus den städtischen Beständen findet jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag, vormit— tags von 8—12 Uhr, Seltersweg 11, statt. Es werden Mengen bis zu 1 Zentner zum Preise von 5½ Pfennig pro Pfund abgegeben. — Erst lesen— dann unterschreiben! Infolge der durch den Kriegszustand verursachten Abwesenheit vieler Männer erscheint uns folgende Mahnung an die Frauen zur Vorsicht wieder ange⸗ zeigt: Es kommt nicht selten vor, daß Frauen in Abwesenheit ihrer Männer von redelustigen Reisenden aufgesucht und dazu gebracht werden, einen ihnen vorgelegten Bestellschein zu unterschreiben. Der Inhalt des Scheines stimmt gar oft nicht mit dem mündlich Versprochenen überein. Man mache sich daher zum Grundsatz, nichts zu unterschreiben, was man nicht zuvor genau durchgelesen, noch in seiner ganzen Tragweite erfaßt hat, insbesondere keinen Bestellschein zu unterschreiben, worin nicht klipp und klar die End⸗ summe der Bestellung enthalten ist. Klauseln, die man nicht ver⸗ steht und die eine unbillige Erschwerung der Rechtslage des Be⸗ stellers bezwecken, streiche man ohne weiteres. — Ein unschöner Anblick bietet sich jetzt den Passanten der Bahn⸗ hof⸗ und Mühlstraße dar. Auf einem dem Herrn Stadtverordneten Plank gehörigen Grundstlick hat sich ein Panoramabesitzer mit seinem Wagen niedergelassen und scheint sich dort über den Winter häuslich einrichten zu wollen. Gewiß, die Leute wollen jetzt, wo sie mit ihrem Geschäft nirgends ankommen können, für ihre Wagen einen Unterstand haben, aber daß sie gerade auf einem freien Platz in⸗ mitten der Stadt untergebracht werden müssen, vermögen wir nicht einzusehen. Der Viehmarktsplatz an der Margarethenhütte würde sich u. E. für derartige Zwecke bedeutend besser eignen; in diesem Falle soll sich aber die Stadt aus bestimmten Gründen geweigert haben, dem Panoramabesitzer einen städtischen Platz zu überlassen. Ob für die Aufnahme des so Abgewiesenen bei Herrn Plank Nächstenliebe oder der aus dem Grundstsck zu lösende Mietzins aus⸗ schlaggebend gewesen ist, entzieht sich unferer Kenntnis. — Wie der Wucher entsteht. In der Köln. Ztg. befindet sich folgendes Inserat: Kapital bis 500 Mille zu Beteiligungen sofort verfügbar. Nahrungsmittel be⸗ vorzugt. Vorschläge erbeten uw. Warum der Mann mit seinen 500 Mille die Beteiligung am Nahrungsmittelgroßhandel bevorzugt? Ach, sehr einfach: Weil da das„Geschäft blüht“, weil klotzig verdient wird. Nahrungsmittel ind diesem Geldmann das beste Spekulationsobjekt. Müßte man solchem Mann nicht mindestens bis nach Beendigung des Krieges das Geld fortnehmen, damit er keinen verbrecherischen Unfug da— mit anrichtet? — Kommunale Lebensmittelfürsorge. Der Magistrat von Potsdam beschloß, um auch die Pretise für Heringe und Schweine— schmalz herabzudrlcken, diese Waren anzukaufen und sie zu ange— messenen Preisen an die Bevölkerung abzugeben. Mit den Reisankäufen wurden gute Erfolge erzielt. Ferner wurde be— schlossen, Höchstpreise für Butter festzusetzen.— Ob man sich in Gießen jemals zu solchen durchgreifenden Maßnahmen auf— raffen und die schon wiederholt vom Publikum verlangten Höchst— preise für Butter, mit der geradezu gewuchert wird, festfetzen wird? Soviel uns bekannt, besteht ja auch in Gießen ein von der Stadt- verxordnetenversammlung gewählter Lebensmittelausschuß, von dessen Vorhandensein die breite Oeffentlichkeit allerdings nur durch einige nichtssagende Artikel über den Lebensmittelmarkt im G. Anz. Kenntnis erhalten hat. Glaubt denn der Lebensmittelaus— schuß mit dieser Tätigkeit selne Mission erfüllt zu haben, oder was gedenkt er sonst zu tun, um den überhand nehmenden Wucher wirk— sam zu bekämpfen und das Publikum mit Lebensmitteln zu ange— messenen Preisen zu versehen. Von den von ihm inspirierten Ar— tikeln im Anzeiger, die bisher seine ganze Tätigkeit darstellen, wird das Volk nicht satt. Die Gießener Einwohnerschaft, namentlich die minderbemittelte, hat ein Recht, von der Stadtverwaltung zu ver— langen, daß sie diesen unerträglichen Zuständen auf dem Gießener Markt bald ein Ende macht. — Abstellung des Lehrermangels. Mit Rllcksicht auf den den hessischen Volksschulen herrschenden Lehrermangel hat Militärbehörde angeordnet, daß alle aus den Lazaretten garnisons- und selddienstunfähig entlassenen Lehrer zur wendung im Schuldtenst beurlaubt werden dürfen. — Schwurgericht. Die nächste Sitzung des Schwurgerichts für die Proving Oberhessen findet am 17. September d. J. statt. Den an die als Ver⸗ Vorsitz wird Landgerichtsrat Strack führen. 0 Kreis Alsfeld⸗Laulerbach. — Spende der Alsfelder Amerikaner. Für die Hinterbliebenen der gefallenen und durch den Krieg verstümmelten Alsfelder sind aus Amerika beim Alsfelder Vorschuß-Verein von einer Anzahl ehemaliger Alsfelder Bürger 4581,50 Mark eingegangen. Die Be⸗ stimmung über die Art der Verwendung dieses Geldes bleibt dem Gemeinderat der Stadt Alsfeld überlassen. Kreis Wetzlar. — Das Gesinde kann in Preußen straffrei gezüchtigt werden. Das Oberlandesgericht zu Königsberg i. Pr. hat eine Entscheidung gefällt, die für das Gesinde im höchsten Maße ungünstig ist. Ein Förster in Ostpreußen hatte sein Dienstmädchen gezüchtigt, das darauf die Privatklage gegen den Dienstherrn angestrengt hatte. Als letzte Instanz hatte das Oberlandesgericht zu entscheiden, ob der Förster zu bestrafen sei. Nach 8 77 der preußischen Gesindeordnung vom Jahre 1810 kann wohl der Dienstbote für„geringfügige Tät⸗ lichkeiten“ keine gerichtliche Tätigkeit fordern, wenn er durch unge⸗ bührliches Betragen die Herrschaft dazu gereizt hat, doch nach Artikel 95 des Einführungsgesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuch steht dem Dienstberechtigten dem Gesinde gegenüber ein Züchtig⸗ ungsrecht nicht zu.— Das Oberlandesgericht zu Königsberg hat nun folgende Entscheldung getroffen:„Wenn auch ein Recht der Herrschaft, das Gesinde zu züchtigen, nicht besteht, so kann die Herr⸗ schaft doch, wenn sie sich durch ungebührliches Verhalten des Ge⸗ sindes zu leichten Tätlichkeiten hat hinreißen laffen, aus dem§ 77 der Gesindeordnung einen Strafausschließungsgrund entnehmen, der die Rechtswidrigkeit ihrer Handlungsweise, der vorsätzlichen Körperverletzung, beseitigt.— Also: ein Züchtigungsrecht haben die Herrschaften nicht, doch wenn sie das Gesinde prügeln, gehen sie straffrei aus! Artikel 95 des Einführungsgesetzes zum Bürger⸗ lichen Gesetzbuch bleibt vollkommen wirkungslos. Diesen unhalt⸗ baren Zuständen sollte durch Beseitigung der Gesindeordnung ein Ende gemacht werden. 5 Vermischtes. Der Tod auf den Schienen. In der Nähe der Station Jsenburg ließ sich ein achtzehn⸗ jähriger Lehrling von einem Eisenbahnzug überfahren, kurz vor der Statton Bockenheim ein dreißigjähriger Eisenbahnarbeiter. Beide waren auf der Stelle tot. 9 Schreckenstat einer Wahnfinnigen. Eine geistesbeschränkte Frau überfiel in Mörsingen bei Ulm Gänse hütende Kinder und hieb mit einer Sichel derart auf den Rücken eines elfjährigen Mädchens ein, daß das Mädchen jämmerlich zugerichtet wurde und in Lebensgefahr schwebt. Schwere Diebstähle. Die Hamburger Polizei verhaftete den Portier Nürnberger und den Packer Kiesky wegen schweren Diebstahls. Beide hatten ihrem Arbeitgeber, einem Fahrradhändler. Gummischläuche, Fahr⸗ radteile usw. im Werte von über 50 000 Mark im Laufe von mehreren Jahren entwendet. Ein großer Teil des gestohlenen Gutes wurde bei Nlirnberger gefunden. Außerdem bei diesem noch eine 2 0 Menge Wein, die er einem früheren Arbe starben entwendet hatte. Graf, Prokurist, Hochstapler. In den Nachtlokalen der Lebewelt in Berlin verkehrte seit längerer Zeit ein sehr flotter Lebemann, Graf Helois, der es fertig brachte, in Damengesellschaft große Summen auszugeben. Die Kriminalpolizei verhaftete den Grafen und stellte ihn als den 31⸗ jährigen Prokuristen Paul Heintze fest, der das Vertrauen feiner Prinzipalin auf das ärgste getäuscht hatte. Durch Prüfung der Bitcher wurde festgestellt, daß H. in den letzten Jahren mindestens 50 000 Mark unterschlagen hat. Der„Graf“ wurde verhaftet und dem Untersuchungsgefängnis zugeführt. 10000 Menschen umgekommen. Die B. Z. meldet aus Schanghai: Ein ungeheurer Taifun, der große Ueberschwemmungen und Feuersbrünste im Gefolge hatte, wütete an der chinesischen Küste. Nach einer amtlichen Depesche des amerikanischen Admirals an das Marinedepartement werden die Verluste an Menschenleben allein in Kanton und Umgebung auf 10 000 angegeben. Auf dem Wusungfluß sind 50 große Dschunken untergegangen. Die Notlage der Bevölkerung ist sehr groß. Lagesberit des Großen Hauptnurtitk. Kowno und 2 Forts von Nowo⸗ Georgiewsk gefallen! Die Russen in die Festung Brest⸗Litows“ geworfen. W. B. Großes Hauptquartier, 18. Aug., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. In den Vogesen erfolgten durch sehr erhebliche Mu⸗ nitionsansetzung vorbereitete französische Angriffe gegen Schratzmännle(nördlich von Münster) und unsere Stellung südöstlich von Sondernach. Durch Gegenstöße wurden eingedrungene feindliche Abteilungen aus unseren Gräben geworfen. Südöstlich von Sondernach sind völlig zerschossene kleinere Grabenstücke im Besitz der Franzosen geblieben. Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. Die Festung Kowno mt allen Forts und un⸗ zähligem Material, darunter weit mehr als 400 Geschützen, ist seit heute nacht in deut⸗ schem Besitz. Sie wurde trotz zähestem Wider⸗ stand mit stürmender Hand genommen. Die Armeen der Generäle v. Scholz und v. Gallwitz dringen weiter nach Osten vor. Ihre vordersten Abteilungen nähern sich der Bahn Bialystok—Bielsk. Vor Nowo Georgiewsk wurden zwei weitere Forts der Nordostfront erstürmt, 600 Gefangene gemacht und 20 Geschütze erobert. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Der linke Flügel traf gestern am Kamionka⸗ Ab- schnitt beiderseits Siemiatyoze und am Bug bei Fürstendorf(südöstlich von Siemiatycze) auf erneuten starken Widerstand. Der Uebergang über die Abschnitte wurde erzwungen, der Feind geworfen. Der rechte Flügel erreichte das Bug Südufer. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen. Die Heeresgruppe hat ihren Gegner über den Bug und in die Vorstellungen der Festung Brest-Litowsk ge. worfen. Oestlich von Wlodasma dringen unsere Trupepn über die Bahn Cholm—Brest⸗Litowsk nach Osten vor. Oberste Heeresleitung. Der osterreichisch⸗ungarische Tages bericht Die Einschließung von Brest⸗Litowsk. Heftige Kämpfe an der italienischen Front. Pelagosa beschossen. Wien, 18. August.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart, 18. August 1915. Russischer Kriegsschauplag. Die Truppen des Feldmarschalls v. Arz trieben, während deutsche Kräfte längs des linken Bugufers vorgingen, die Russen beiderseits der von Biala heranführenden Straße in den Bereich der Festungsgeschütze von Brest⸗Litowsk zurück. Der Ein⸗ schließungsring auf dem westlichen Ufer ist ge⸗ schlossen. f Im Raume von Jan ow säuberte die Armee des Erzherzogs leidigungslinie weggeschlagen worden ist, bevor das Heer zurückgezogen wurde, sondern die Bedeutung werde sich auch auf das folgende Stadium der Operationen erstrecken, denn die rück⸗ wärtigen Verbindungen der russischen Heere, die im Gebiete von Bialystok und Best⸗Litowsk ständen, würden ernsthaft bedroht. Rege Tätigkeit der deutschen Flugzeuge in Rußland. T. U. Amsterdam, 18. Aug. Reuter meldet aus Peters: burg: Die deutschen Aeroplane entfalten eine sehr rege Tätig⸗ keit. Am Samstag erschien ein deutsches Flugzeug über Brest-Litowsk. Besondere Aufmerksamkeit schenken die deut⸗ schen Flieger der Stadt Malkin und der Strecke Warschau Petersburg. Es vergeht kein Tag, an dem nicht Tauben oder Zeppeline Malkin mit Bomben bewerfen, wodurch bereits viele Personen getötet seien. Zoseph Ferdinand das Südufer des Bug vom Feinde. An unserer Front in Ostgalizien fiel nichts von Bedenken bor. Italienischer Kriegsschauplatz. Auf dem italienischen Kriegsschauplatz wurde gestern au der küstenländischen Front heftig gekämpft, während im Kärntner Grenzgebiet verhältnismäßig Ruhe herrschte, in Tirol aber das schwere Geschützfeuer des Feindes anhielt und einige kleinere Jnfanteriegefechte stattfanden. Im Görzischen wurden vier gegen San Martino geführte Angriffe der Italiener ab⸗ geschlagen. Vor dem Görzer Brückenkopf herrscht noch nach wie vor ziemliche Ruhe; dagegen tobt um den Brückenkopf von Tolmein ein erbitterter Kampf. Auch hier scheiterten vier feindliche Angriffe. Ebenso mißlangen alle Vorstöße des Gegners gegen unsere Höhenstellung nördlich des Tolmeiner Brückenkopfes. m Tiroler Grenzgebiet wurden italienische Angriffe auf den oblinger Riedal(Dreizinnengebiet) und gegen Milegna(Plateau non Folgaria) abgewiesen. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Söfer. Feldmarschalleutnan. Ereignisse zur See. Am 17. früh beschoß eine unserer Flottillen zum dritten Male die von den Italienern besetzte Insel Pelagosa, während zu⸗ gleich ein Flieger über der Insel mit Bomben, Maschinengewehren und Fliegerpfeilen operierte. Hierbei wurde das seit der letzten Beschießung wieder zum Wohnen hergerichtete Leuchthaus zerstört. Baracken und Zelte wurden in Brand geschossen, ein Geschütz⸗ emplazement demoliert, mehrere Materialdepots, einige am Strande aufgestapelte Materialhaufen und mehrere Boote ver⸗ nichtet. Die Besatzung hielt sich im Schützengraben und unter⸗ irdischen Unterständen versteckt und leistete keinen Wider⸗ and. Feindliche Seestreitkräfte wurden nicht gesichtet. Flottenkommando. Gegen Brest⸗Litowsk. 5 Aus Wien wird der Frankf. Ztg. telegraphiert: Am Bug wollte die russische Heeresleitung ihre Armeen wieder versammeln, zur neuen Offensive ordnen, ihre Lücken wieder ausfüllen, das Heran⸗ kommen neuer Munition und Geschütze abwarten, und dann mit ver⸗ jüngter Kraft auf die verbündeten Armeen stürzen, um Polen wieder zurückzugewinnen und nochmals unsere Grenzen zu überschreiten. Wie steht es aber heute um die so viesversprechende Buglinie? Die Armeen der Verbündeten haben sie nicht nur erreicht, sondern auch schon an vielen Stellen überschritten und marschieren auf beiden Ufern von Süden, Westen und Nordwesten 7275 den letzten Stützpunkt an diesem Flusse vor, auf welchen die üssen so überschwengliche Hoffnung setzten, daß sie ihn als Aus⸗ gangspunkt für ihre neue Offensive bestimmten. Wohl ist Brest⸗ Litowsk eine sehr starke, wie die Russen und ihre Verbündeten behaupten, die stärkste Festung des russischen Reiches, welche den verbündeten Truppen noch manche Anstrengung verursachen wird. Aber von Süden und Westen sind die schon auf zehn Kilometer an die äußere Gürtellinie heran, und unsere Artillerie feuert sicher heute schon mit donnernden Geschützsalven auf die Außenwerke der Westfront. Die bei Janow, Niemirow und Drogiezyn auf das Nordufer des Bug übergegangenen Heeres teile strömen ebenfalls alle der vielgepriesenen Festung zu, als wäre sie das Land der Verheißung. Sie ist zum Mittelpunkt der Ge⸗ dankenwelt der Heere und Völker geworden, das Symbol des Sieges für die Angreifer, ihr unangetasteter Besitz der letzte Hoffnungsstrahl der Moskowiter und ihrer mit zitternder Angst um ihr Schicksal bangenden Bundesgenossen. Aber der Ver⸗ lust der Buglinie, längs welcher von Süden her die Heeres säulen der Armeen Mackensen bereits über Kodan hinaus sind, ist trotz aller Anstrengungen der Russen endgültig besiegelt. Der Fall von Kowno, der durch die Erbeutung der hohen Zahl von Geschützen besondere Bedeutung gewinnt sowie die Erstürmung eines großen Forts und zweier Zwischenwerke bei Nowo⸗ Georgiewsk steigt als drohendes, unheilverkünden des Gespenst vor den Augen der Verteidiger Brest-Litowsk auf. Das Drama von Brest nimmt seinen Anfang, während das von Nowo⸗Georgiewsk seinem baldigen Ende entgegenzugehen scheint. .„Nach Petersburg“? Der Morning Post wird aus Petersburg gemeldet: Die Deutschen scheinen den Plan zu haben, na ch Petersburg zu gehen. Die russischen Militärbehörden sind jedoch der Auffassung, daß es wohl ein Jahr dauern werde, bevor eine gutausgerüstete Expedition Petersburg erreichen könne, Oder die Deutschen müßten denn die Ostsee vollständig in Besitz haben. Ein neutrales Urteil. Der Nieuwe Rotterdamsche Courant sagt über den Fall von Ko wn o daß die Offenstvbewegung der Deutschen im Norden nun, wo sie nicht mehr durch die Festung Kowno aufgehalten werde, einen gewaltigen Ruck nach vorwärts erhalten werde. Die Eisenbahn Wilna— Dünaburg— Petersburg werde nun ernsthaft bedroht. Diese Eisenbahn sei die Hauptverbindung zwischen dem Gebiet, in dem sich jetzt das russische Zentrum befinde, und Petersburg. Eine zweite Eisenbahn laufe etwas mehr nach Osten, parallel mit der ersten. Hieraus folge also, daß der Fall von Kowno nicht allein Bedeutung für das heutige Stadium der Kriegs- Schwierigkeiten der russischen Bekleidungs⸗ industrie. T. U. Stockholm, 18. August. Die Vorbereitungen Rußlands tür einen eventuellen Winterfeldzug stoßen auf große Schwierig⸗ keiten. Die Bekleidungsindustrie ist besonders wegen des Mangels an Farbstoffen außerstande, die von der russischen Heeresleitung benötigte Winterkleidung zu liefern. Ein englischer Kreuzer torpediert. Neue Luftangriffe auf London. W. B. Berlin, 18. Aug.( Amtlich.) Am 17. August 10 Uhr abends griffen 5 Boote unserer Torpedobootsflottille bei Hor ns riff an der jütischen Westküste einen englischen modernen kleinen Kreuzer und 8 Torpedobootszerstörer an und brachten den Kreuzer und einen der englischen Zerstörer durch Torpedoschüsse zum Sinken. Unsere Streitkräfte hatten keinerlei Verluste. In der Nacht vom 17. zum 18. August griffen unsere Marine⸗ luftschiffe wiederum London an. Es wurde die City von London und wichtige Anlagen der Themse ausgiebig mit Bomben belegt und dabei gute Wirkungen beobachtet. Außerdem wurden Fabrik⸗ anlagen und Hochofenwerke bei Wottdbridge und Zyswich erfolgreich mit Bomben beworfen. Die Schiffe erlitten trotz starker Beschießung keinerlei Beschädigung und sind sämtlich zurückgekehrt. Der stellv. Chef des Admiralstab der Marine. Salzgurken 2 a Neues Sauerkraut Pfund 18 4 0 Prima Zwiebelns„ Pfund 18. Große saftige Zitronen Sun 12 3 Neue 5 Vollheringe e Prima 7 Pfund 20 4. 4 / Pfund 10 2 e/ Pfund 35 0 5 Gemahl. Zucker und feiner Kristall du 28 Hutzucker Pfund 29 do. Pfund 31 8 Prima. 0 Fliegenfänger a Se 14. Bahnbrecher⸗Seife ae deutsche Sparkernseife, großes Doppelstück 1 Limburger Käse Vollsaftiger Schweizer Käse lose gewogen F Verkaufsstellen: Bahnhofstrasse 26, Ludwig- strasse 20, Walltorstrasse 2 operationen habe, insoweit ein Eckstein der russischen Ver⸗ Die englischen Bergarbeiter. Die Kohlenbergarbeiter von Südwales beginnen wieber un⸗ ruhig zu werden. Sie beklagen sich darüber, daß die Abkommen, die durch Vermittlung der Regierung mit den Arbeitgebern zu⸗ stande gekommen sind, von den Arbeitgebern nicht ausgeführt wer⸗ den oder doch, daß die Ausführung immer weiter hinausgeschoben werde. Die Bergarbeiter des Rhonddatales, die sich stets als ein unruhiges Element zeigten, drängen ihre Führer dahin, daß der Konflikt rasch zu einem Ende gebracht werde. Minister Runciman wird in London eine Vermittlung zwischen Arbeitgebern und Ar⸗ beitern einleiten. Einige der Bergarbeiterführer sagen aus, daß sie von ihren Verbänden gedrängt werden, möglichst rasch eine Lösung herbeizuführen, da andererseits mit Streik gedroht werde. Eine englische Anleihe in Amerika. Englischen Blättermeldungen zufolge wird England in den Ver⸗ einigten Staaten eine von der Einkommensteuer befreite Anleihe von einhundert Millionen Pfund aufnehmen. Der Standard meint, daß dies eine Anleihe sämtlicher Alliierten sein werde, und daß. gleichzeitig 50 Millionen Pfund Gold nach Newyork gesandt werden. Die Kämpfe an den Dardanellen. Ein Transportdampfer in Brand geschossen. Konstantinopel, 18. Ang.(W. B. Nichtamtlich.) Be. richt des Hauptquartiers. An der Dardanellenfront warfen wir am 16. August unter beträchtlichen feindlichen Verlusten einen Angriff einer feindlichen Division gegen unseren rechten Flügel in der Gegend von Anafarta zurück und erbeuteten ein Maschinengewehr und Kriegsmaterial. Unsere Artillerie traf an der Küste bei Kemikli einen feindlichen Transport. dampfer und verursachte auf ihm einen großen Brand. Bei Ari Burnn ist Ruhe. Bei Sedd⸗ül⸗Bahr versuchte der Feind nach einer heftigen Artillerievorbereitung einen Angriff mit Bomben gegen unseren linken Flügel. Er wurde durch unsere Gegenangriffe in die früheren Stellungen zurückgeworfen und ließ eine Anzahl Toter zurück. Auf den übrigen Fronten keine Veränderung. Venizelos mit der Kabinettsbildung betraut. Athen, 18. Aug. Agence Havas meldet: Der König hat Venizelos mit der Bildung des neuen Kabinetts beauftragt. Venizelos hat sich eine Bedenkzeit von vier Tagen erbeten, die ihm der König bewilligte. Der englische Druck auf Griechenland. Budapest, 18. August. Wie die Bukarester Zeitung Az Est aus Salonik meldet, fetzt die englische Flotte die Jagd auf griechische Schiffe im Aegäischen Meer fort. Aus dem Piräus kommen über⸗ haupt keine Waren mehr nach Salonik und Mazedonien. Zwischen Griechenland und dem neugriechischen Gebiete ist jede Seever⸗ bindung unterbrochen. Mehrere französische und englische Schiffe kreuzen beständig vor Thasos und beobachten die Bewegungen aller griechischen Schiffe. Bezeichnend für das gewalttätige orgehen der Entente sst die Tatsache, daß auch einem englischen Schiffe das Ausladen von für Griechenland bestimmten Waren in Salonik ver⸗ boten wurde. Nach einer Erklärung des englischen Konsuls dürfe dort nur für Serbien bestimmte Waren ausgeladen werden. Der Kartoffelverkauf aus den städtischen Beständen findet jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag vormittags von 8—12 Uhr, Seltersweg 11, statt. Es werden Mengen bis zu 1 Zentner zum Preise von 57 Pfennig pro Pfund abgegeben. August 1915. Gießen, den 18. Der Oberbürgermeister. Keller. Verantwortlicher Redakteur: Heinrich Noll, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M. Verstorbene. Heinrich Schreiner, Werkmeister aus Wieseck, 62 Jahre alt. 5 1 g ist se sehr ro und darin liegt seine Billigkeit. Heuizu- tage muß jeder speren.- Kriegs-Korn- frank“ ist ein vorzüglicher Kaffee-Esqtz. Die sorgfältige Auswahl geeigneter Roh- stoffe und deren glückliche Zusammen- setzung verschaffen dem Getränk seinen angenehmen Geschmeck und Geruch. „Kriegs-Kornfranck“ ist überall zu haben. Ganzes Peket 50 Pfg., helbes Pakei 26 Pig. Fr e uc Nie bickelt f