„ eee eee — Schlacht. Sie stellen in einwandfreier Oberhessishe Volkszeitung Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Die Oberbessische Volkszeitung erscheint jeden Werktag Abend in Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich 80 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl. 1.80 Mk. Redaktion und Exvedition Gießen, Bahnhofstraßse 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Inserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle men bis abends 7 Un für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 190 Gießen, Montag, den 16. August 1915 10. Jahrgang. — Der Rückzug der Ruslen! Englands Schuld gu Weltkrieg. der Schuld an Hand der Gesandt⸗ Genosse Dr. Paul Lensch führt über die Frage um Weltkriege in unserem Hamburger Parteiorgan jetzt veröffentlichten geheimen belgischen schaftsberichte folgendes aus: In den Kreisen der unbedingt Oppositionellen gilt es bekannt⸗ lich als feststehend, daß der jetzige Krieg ein von deutscher Seite an— gelegter Eroberungskrieg sei. Besonders die Haltung der deutschen Politik in den verhängnisvollen Julitagen vor Ausbruch des Krieges, in denen das Deutsche Reich unerschütterlich an der Seite Oesterreich⸗Ungarns standhielt, wird in diesem Sinne hingestellt. Nun beweist diese Auffassung zunächst nichts anderes, als die Kurz⸗ sichtigkeit einer Methode, die ihre Urteile lediglich nach den Er⸗ eignissen kurz vor Kriegsbeginn fällt, wo die Regierungen der einzelnen Staaten kaum noch Herren ihrer Entschlüsse sind und wo die fachliche Entscheidung meistens schon lange gefallen ist. In diesem besonderen Falle nun aber ist die totale Unrichtigkeit dieser Auffassung durch einen Glückszufall sogar urkundlich nachweisbar. Die Veröffentlichungen aus belgischen Archiven, die seit dem 29. Juli von der dentschen Regierung begonnen worden sind und die dem Anschein nach noch recht lange fortdauern werden, stellen ein direkt erdrückendes Material für die Schuld Englands am Weltkriege dar. Bei dem schnellen Vor- rücken der deutschen Truppen in Belgien gelang es der belgischen Regierung nicht mehr, alle ihre Archive in Sicherheit zu bringen. So fielen sie der deutschen Verwaltung in die Hände, die von ihnen schon vor mehreren Monaten einige die belgische Regierung bloß⸗ stellende Dokumente über Geheimverabredungen zwischen der eng⸗ lischen und belgischen Heeresleitung veröffentlichte. Jetzt aber er⸗ halten wir den Wortlaut der Berichte, die die belgischen Gesandten in Berlin, London und Paris in den Jahren 1905 bis 1914 ihrer Regierung gesandt haben, und diese Berichte bedeuten für die deutsche Regierung in der Tat mehr als eine gewonnene Weise dar, daß England es war, genauer gesagt, der englische König Eduard VII., der den Weltkrieg gegen Deutschland mit der kühlsten Gelassenheit und dem Zielbewußtsein des Ver⸗ brechers großen Stils vorbereitet hat, der nichts außer Acht ließ, was für seinen Plan irgendwie in Betracht kommen konnte, und der immer wieder sofort persönlich auftauchte, sobald irgendwo die Maschen seines stets dichter werdenden Netzes zu reißen drohten. Bezeichnend ist, daß die drei belgischen Staats⸗ männer in ihrer Beurteilung der englischen Politik vollkommen übereinstimmen, daß sie sich durch keine Winkelzüge, durch keine Schaumschlägereien beirren lassen in ihrer Auffassung: Eng⸗ land will den Krieg und Belgien läuft dabei die größte Gefahr. Die belgische Regierung sah also das Ge— witter näher und näher ziehen; sie glaubte aber wohl auf das richtige Pferd zu setzen, wenn sie sich unter heimlichem Bruch ihrer Neutralität dem augenscheinlich so gewaltig Stärkeren, nämlich der englisch⸗französisch⸗russischen Entente, anschloß, mit dem eigens zu diesem Zwecke von London nach Brüssel gesandten Obersten Barnardiston geheime militärische Abmachungen gegen Deutschland einging, auf Befehl Englands ihre Rüstungen ins Riesenhafte steigerte und im übrigen das arme, betrogene belgische Volk durch eine gewissenlose Presse gegen alles Deutsche in der gefährlichsten Weise aufhetzen ließ. Ueber die Gründe, die den König der 0 zu seiner Politik verleiteten, spricht sieh am 7. Februar 1905 der belgische Gesandte in London, Graf Lalaing, ganz unum⸗ wunden aus. Er sagt, die englische Politik beruhe auf Neid und der Furcht vor Zukunftsmöglichkeiten, und fährt dann fort: Letzte Woche hat der Zivillord der Admiralität, Herr A. Lee..„ die Reformen gelobt, die es erlauben„ den ersten Streich zu führen, ehe der Gegner fertigchst, ja sogar, ehe der Krieg erklärt sei.. Die Zeitüngen führen all⸗ mählich die öffentliche Meinung irre, die schon so weit gebracht worden ist, daß sie Deutschland nicht mehr das Recht zuerkennt, seine Seestreitkräfte zu vermehren und in seinem Marinebudget eine Herausforderung Englands erblickt! 5 5 Noch schärfer war in der gleichen Sache das Urteil des belgi⸗ schen Gesandten in Berlin, des Barons Greindl. Am 31. März 1909 berichtete er nach Brüssel:. 105 Die Verfassung der Gemüter in England erinnert an die in Frankreich während der Jahre 1866 bis 1870. Damals hielten sich die Franzosen für berechtigt, Deutschland an der Wiederher⸗ stellung seiner Einheit zu hindern, weil sie darin eine Be⸗ drohung der Vorherrschaft sahen, die Frankxeich bis dahin auf dem Festland ausgeübt hatte. Ebenso betrachtet man heute in London die Weigerung(Deutschlanbs), sich vertraglich dazu zu verpflichten., von der Gnade Englands ab⸗ hängig zu bleiben als einen unfreundlichen Akt und eine Bedrohung des Friedens. 8 1 Greindl spielt hier auf den famosen Versuch der englischen Minister vom Jahre 1909 an, das Deutsche Reich durch die Atrappe: Abrüstung zur See, zur freiwilligen Verewigung der englischen Seeherrschaft zu verleiten. 5 5 Heute, wo das Schlußergebnis der englischen Politik, in der Gestalt des Weltkrieges vorliegt, wo Millionen von Leichen als Spfer der sich bedroht fühlenden britischen Herrschsucht schon in den Gräbern modern, und ungezählte andere die Fahrt in die dunkle Grube noch werden antreten müssen, heute lesen sich die Be⸗ richte der drei belgischen Gesandten wie ein blutiger Roman. Schritt für Schritt sieht man das furchtbare Verhängnis näher heranrücken. Am 8. April 1904 hatten England und Frankreich den Vertrag abgeschlossen, der zu dem„herzlichen Einvernehmen ber besden Länder den Grund legte. England sprach Frankreich den Besitz Marolkos zu, obwohl es natürlich darllber genau so wenig zu verfügen hatte wie der Mann im Monde. Dafür ver⸗ zichtete Frankresch auf alle Ansprüche in. Aegypten, dessen Be⸗ englischen Bourgeoisie herrschung durch England keinen französischen Widerspruch mehr finden sollte. Nun war freilich Englands Macht sowieso schon fest im Lande des Nils verankert, so daß es Frankreich in dieser Hinsicht nicht zu fürchten brauchte. Wenn England trotzdem Frankreichs Zustimmung zu seiner Beherrschung Aegyptens so teuer erkaufte, daß es ihm dafür den Besitz Marokkos zusprach, so mußte die Sache noch einen Haken haben. Und den hatte sie allerdings. Mit diesem englüisch-französischen Abkommen war Frankreich zu Englands Puppe geworden. Das französisch— russische Bündnis hatte schon ein reichliches Dutzend Jahre auf den Rücken bekommen, ohne daß es der französischen Revancheidee irgendwie förderlich geworden wäre. Das französische Revanche— geschrei war schon im besten Einschlafen begriffen, zumal Rußland im Jahre 1904 die Niederlage in Ostasien erlitt, die es auf längere Zeit zu jedem Kriege gegen Deutschland unbrauchbar machte. Frankreich war isoliert und eine deutsch-französische Annäherung lag nicht außer jeder Möglichkeit. Da riß Eduard das isolierte Frankreich an die Seite Englands,„schenkte“ ihm Marokko und entfachte mit satanischem Geschick alle schon schlafen gegangenen Revanchegelüste zu neuer Glut. Delcassé wurde der Held der Re— vanche und das gefügige Instrument Eduards. Die französische Marokkopolitik wurde absichtlich so provokatorisch und für Deutsch⸗ land so beleidigend geführt, daß der gewünschte deutsch-französische Konflikt schon 1905 vor der Tür stand. Im Vertrauen auf Eng— land, dessen König ihm, wie Baron Greinoͤl ausdrücklich bezeugt, in jener Zeit den Einmarsch von 100000 Mann in Hol⸗ stein versprochen hatte, trieb es Delcassée in der Tat bis hart zum Kriege. Als das französische Kabinett die furchtbare Ge— fahr erkannte, zwang es Delcassée zum Rücktritt, was in England einen Sturm der Entrüstung hervorrief. Sofort erschien Eduard in Paris, um wenigstens den Zusammentritt einer Konferenz zu verhindern, damit nur ja eine deutsch-französische Annäherung hintertrieben würde. Er tat alles, um Frankreich in einen neuen Gegensatz zu Deutschland, nachdem der alte durch Delcasses Rück- tritt erledigt schien, zu stürzen. Wie der belgische Geschäftsträger in London unter dem 14. Januar 1906 nach Brüssel berichtet, hatte der englische Minister Grey den in London beglaubigten Bot⸗ schaftern erklärt, daß England„Frankreich gegenüber bezüglich Marokkos Verpflichtungen eingegangen sei, denen es bis zum Aeußersten nachkommen werde, selbst im Falle eines deutsch⸗französischen Krieges und auf alle Gefahr hin“. Von neuem erschien Eduard in Paris und zeichnete dabei Delcassé ostentativ aus. Baron Greindl schrieb darüber in höchster Besorgnis: Eng⸗ land suche die Lage in jeder Weise zu vergiften. (Schluß folgt.) 0 * Die Kämpfe in Bessarabien. Czernowitz, 13. Aug. Die letzten Nächte, die infolge des durch Wolken stark verfinsterten Himmels sehr dunkel waren, wurden von den Russen zu größeren Nachtangriffen benützt Vorgestern und gestern stürmten die Russen an der bessarabi⸗— schen Grenzfront regelmäßig zwei bis drei Stunden, wurden aber überall unter schweren Verlusten zurückgeschlagen. Der vorgestrige Angriff war besonders heftig, blieb aber erfolg— los. Die Russen scheinen neue schwere Batterien herange— schafft zu haben und beschießen die österreichischen Positionen ohne den geringsten Erfolg. Nordöstlich von Czernowitz au nördlichen Pruthufer fanden stärkere Artilleriegefechte stats. Das angebliche Friedensangebot. Nom, 12. Aug.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die Idea Nazionale äußert sich zu dem angeblichen deutschen Friedens⸗ angebot. Das Blatt ermahnt die Leser, hieraus nicht den fal⸗ schen Schluß zu ziehen, als ob Deutschland kriegsmüde und ge⸗ zwungen sei, um Frieden zu bitten. Kein Italiener dürfe sich Illusionen über eine angebliche Schwüche Deutschlands machen. Deutschland könne den Frieden anbieten, es würde zwar materiell dabei nichts gewinnen, aber moralisch, politisch und militärisch als Sieger aus dem Kriege hervorgehen. Ein nemäßigter Friede nach einem glücklichen Feldzug würde ihm die Hochachtung, vielleicht auch die Sympathien der ganzen Welt wieder gewinnen. Deutschland als Sieger über die größte Koalition, die die Welt jemals gesehen, würde die stärkste Militär⸗ macht der Welt und Lehrmeisterin in allen militärischen Dingen bleiben. Weil aber jetzt der Friede im Interesse Deutschlands liegen würde, müßten seine Feinde durchhalten. Das erste Kriegsjahr in Frankreich. Unser französischer Korrespondent schreibt uns vom 6. August: Der Jahrestag der Kriegserklärung ist in Frankreich durch eine Botschaft des Präsidenten der Republik, durch Ansprachen der Präsidenten der Kammer und des Senats und durch einen Depescheu⸗ wechsel zwischen den Staatsoberhäuptern Englands und Frankreichs „gefeiert“ worden. Der Grundton dieser Kundgebungen ist in dem Schlußsatz der Prästdentenbotschaft ausgedrückt:„Frankreich will siegen und wird siegen.“ Wir halten es für angezeigt, die Situation Frankreichs an dieser Jahreswende zu ski ren. Die innere wie die äußere politische Situation Frankreichs ist heute unstreitig besser als sie vor einem Jahre erscheinen konnte. England— und das stand vor dem Ausbruch des Krieges keines— wegs fest— hat sich ihm angeschlossen und ihm nicht nur die Unter⸗ stützung seiner Kriogs- und Handelsflotte gegeben, sondern auch durch eine in der Geschichte Englands einzigartige Volksbewegung sein Landheer zu einer respektablen Macht ausgebaut. Ohne die Umterstützung der ungeheuren englischen Kriegsflotte wäre Frank— reich in seinen überseeischen Handelsbeziehungen auf seine Mittel meerhäfen beschränkt worden, die, ohne die Neutrolitätserklärung Italiens, durch die italtenisch⸗österreichische Flotte gle'challs ernst⸗ lich bobroht gewesen sein würden. Aber auch nach dieser Seite konnte Frankreich nach der Neutralitätserklärung Italiens seine Land⸗ und Seestreitkräfte nicht nur anderwärts verwenden, sondern es ist durch die Kriegserklärung Italiens selbst der Bewachung der Adria enthoben. Schließlich muß hervorgehoben werden, daß dit militärische Situation Frankreichs zu Beginn des Krieges eine viel kritischere gewesen wäre, wenn Belgien gleich Luxemburg sich mit einem platonischen Protest gegen die Verletzung seiner Neutralität begnügt hätte. Der Widerstand der kleinen belgischen Armee er⸗ laubte der französischen eine Schwenkung von Osten nach Norden zu vollziehen, nicht rechtzeitig genug, um die feindliche Invasion abzu⸗ wehren, aber rechtzeitig genug, um der Umklammerung und Zer⸗ trümmerung zu entgehen. Es ist unbestreitbar, daß die französische Armee, nach der verlorenen Schlacht von Charleroi zum Rückzug ge⸗ zwungen, die Kraft und Entschlossenheit behielt, um dem siegreichen Feinde zwischen Paris und Verdun die Stirne zu bieten und diese beiden Angelpunkte des französischen Verteidigungssystems zu deblockieren. der deutschen Armee zu durchbrechen, so sind auch alle Durchb versuche der deutschen Armee bisher ergebnislos geblieben. Es wäre von hohem Nutzen, zu untersuchen, wie es kommen konnte, daß Frankreich die unerwartete Unterstützung Englands, Belgiens, Italiens und seiner eigenen Kolonien, Marokko ein⸗ begriffen, finden konnte und daß ihm in Wirklichkeit sein Ver⸗ bündeter allein am wenigsten geholfen hat. Ja man kann sagen, daß das Bündnis mit Rußland, das Fraukreich vor einem deutschen Angriff schützen sollte, es nicht nur nicht davor geschützt, sondern diesen Angriff hervorgerufen hat, ohne eine wirkliche Kriegshilfe für Frankreich zu sein. Heute ist Rußland für Frankreich und Eng⸗ land ein militäxrisch⸗finanzielles Bleigewicht, das ihnen die kost⸗ spielige Dardanellenoperation aufgehalst hat, das mit Geld und Munition nur mühsam über Wasser gehalten wird. Ohne die Dardanellenoperation, die den Verbündeten schon 100 000 Mann gekostet hat und eine große Armee festhält, das England und Frank⸗ reich schon sechs Panzerkreuzer und einige kleinere Schiffe gekostet hat und einen erheblichen Teil ihrer Flotte dort festhält ohne die finanzielle Hilfe, die England und Frankreich ihrem russischen Ver⸗ bündeten gewähren müssen, ohne den Waffen⸗ und Munitionsexport nach Rußland, wäre die militärische und finanzielle Situation Frankreichs und Englands zweifellos stärker. Wir werden Gelegen⸗ heit haben, auf diese Frage zurückzukommen. Für heute genügt es zu sagen, daß es uns unmöglich erscheint, daß die Politik Frankreichs von dieser tatsächlichen Situation nicht beeinflußt wird. Auch die innerpolitische Situation Frankreichs ist für viele eine Ueberraschung. Nicht für uns. Wir haben nie geglaubt, daß Frank⸗ reich im Falle eines Krieges durch innere Zwistigkeiten geschwächt werden würde und wir haben immer das Gegenteil vovausgesagt. Wir haben den„Hervéismus“ immer als ein organisches Gegenstück des französischen Chauvinismus eingeschätzt. Nicht von den Syndi⸗ kalisten, die sich in einigen Tagen versammeln werden, nicht von der sozialistischen Parteileitung wird der Siegeswillen Frankreichs ge⸗ schwächt werden. Der Willen zum Frieden wird in Frankreich von denselben Schichten ausgehen, die 1792 die Revolution gerettet haben, die 1871 der republikanischen Regierung den Friedensschluß aufgezwungen haben. Gegenwärtig herrscht in den regierenden Schichten Frankreichs Entschlossenheit zum Widerstande bis zum Aeußersten, herrscht noch das Solidaritätsgefühl mit Rußland, wenn auch nicht ungemischt. In den breiten Volksmassen wie in der Vourgeoisie ist eine fatalistische Resignation eingetreten. Eine ent⸗ scheidende Niederlage, eine Außer-Spiel⸗Setzung Rußlands würde in diesen Dispositionen eine wesentliche Aenderung hervorrufen. Ein erneuter deutscher Durchbruchsversuch würde Frankreich mili⸗ tärisch und moralisch in entschlossener Bereitschaft finden. Keine italienischen Truppen nach den Dardanellen unterwegs? T. U. Lugano, 13. Aug. Bis zum Montag waren noch keine italienischen Truppen nach den Dardanellen abgegangen. Die von der Dreiverbandspresse hierüber. verbreiteten Nachrichten be⸗ zwecken nur eine Beeinflussung der neutralen Balkanstaaten. Es besteht in Italien keine Neigung, sich vorläufig an der Dardanellen⸗ aktion zu beteiligen. Zur Aufhebung des rumänischen Getreide⸗ Ausfuhrverbots wird der Frankf. Ztg. aus Berlin geschrieben: Die rumänische Re⸗ gierung hat, wie gemeldet, das Ausfuhrverbot für Getreide und Futtermittel mit der Wirkung von morgen ab aufgehoben. Es wäre durchaus verfehlt, darin einen freundschaftlichen Akt etwa gegen Deutschland oder Oesterveich-Ungarn zu vermuten. Rumänien hat vielmehr noch von der Ernte des vorigen Jahres geoße Vorräte, die diesjährige Ernte ist ausgezeichnet, und durch das Ausfuhrverbot erstickt Rumänien in Getreide. Das Ausfuhrverbot ist zu einer Kalamität für die rumänischen Getreideproduzenten und damit auch für die Finanzen des Landes geworden. Man hat in der letzten Zeit angenommen, daß Herr Costinescu über dieses Getreideausfuhrverbot stürzen und daß es zu einer Neubildung des Kabinetts kommen werde. Mit Rück⸗ sicht also auf die drängenden und drohenden Landwirte und Inhaber von Getreidelagern ist nun das Ausfuhrverbot aufgehoben worden. Es ist erlassen worden im vorigen Jahre zu einer Zeit, wo wir in Deutschland im Zweifel waven, ob die Ernte des Jahres 1914 zur Ernährung unserer Bevölkerung und, nebenbei bemerkt, auch für die allmählich eine Million betragenden Kriegsgefangenen aus⸗ reichen würde. Die Erfahrung hat gelehrt, daß dank unserer guten Organisation unsere Ernährung auf keine Schwierigkeiten gestoßen ist. Wir sind mit einem Vorrat ius neue Erntejahr hineingekommen, die neue Ernte ist gut, in Kartoffeln und Rüben verspricht sie aus⸗ gezeichnet zu werden. Wir haben kein brennendes Interessemehram Bezugerumänischen Getreides, wie wir es im vorigen Jahre hatten, als Rumänien selbst die von uns gekauften und bezohlten Getreidemengen nicht mehr herausließ. Die Ausfuhrzölle, die Rumänien erheben will, und die Loch dazu Wenn es ihr auch nicht gelungen ist, die Kampffront in Gold bezahlt werden müssen, sind unter diesen Umständen der Versuch einer Pression, die fehlschlagen wird. Ein Staat, der nicht weiß, wo er mit seinem Getreide hin soll, kann nicht Be⸗ dingungen stellen, wie sie in diesen Ausfuhrzöllen liegen. 8 Englische Urteile über das deutsche Flugwesen. London, 13. Aug.(W. B. Nichtamtlich.) Ein Artikel in der Morning Post über das Flugwesen sagt: Die Luft- schiffe haben im ersten Kriegsjahre erstaunliche Dinge aus⸗ geführt, von denen das große Publikum in England wenig Notiz nahm. Man schwatzt viel von einem Fiasko der Zeppeline. Es ist heute unpopulär, es zu sagen, es ist aber trotzdem eine Tatsache, daß die deutschen Zeppeline kein Jehlschlag waren. Sie taten viel, was im einzelnen nicht erörtert werden darf, man kann also die wirkungsvollsten Leistungen nicht besprechen. Der Verfasser betont, daß man in England die wirklichen Absichten der deutschen Luftschiffer nicht kenne, sodaß man ihre Leistungsfähigkeit schwer be⸗ urteilen könne. Die Zeppeline waren für die Aufklärung in der Nordsee ein durchaus unschätzbares Werkzeug. Ihr Bombenwerfen war ohne militärischen Wert; aber die Kriegsgeschichte wird später zeigen, daß keineswegs alles unter diese Kategorie falle. Ihre Verwendung beschränkte sich nicht nur auf die Nächte ohne Mondschein oder die Mo— nate mit langen Nächten, die Zahl ihrer Verluste war bei ihrer großen Treffläche, sowie im Vergleich mit der geleisteten Arbeit bemerkenswert gering. Kein Zeppelin wurde während der Streifzüge nach England oder auf der Rückreise zerstört. Man muß im zweiten Kriegsjahr Dinge er— Warten, die bisher für unmöglich galten. Pravott Battersby schreibt in der Morning Post aus dem britschen Hauptquartier: Die Deutschen haben Grund, auf ihre Fortschritte im Flugwesen sto lz zu sein. Man erhält auch vom Boden aus einen starken Eindruck von der Schnelligkeit und der Steigkraft der deut— schen Flugzeuge, die kürzlich auf einige Entfernung in die Feuerlinie eindrangen. Es war lehrreich, die Kühnheit zu beobachten, mit der sie unsere Geschosse vermieden, was das Vertrauen des Fliegers zu seiner Maschine beweist, sowie dis Leichtigkeit, zu beobachten, mit der er, wenn er genug hatte, in hohe Luftregionen stieg und die weißen Geschoßwolken zurückließ, die hoffnungslos weit hinter ihm platzten. Das Flugzeug ist vom Aviatiktyp, der einen sechszylindrigen Mercedesmotor von 150 Pferdestärken haben soll. Die An— zahl der Pferdekräfte bedeutet im Flugwesen nicht alles, aber sie bedeutet mehr als die Schnelligkeit, nämlich die Tragfähig⸗ zeit. England sollte seine bisherigen Flugzeuge zum alten Eisen werfen und die deutschen nachahmen und über⸗ treffen. Die Flugzeuge mit doppeltem Motor, die beim ersten Erscheinen über den französischen Linien ein solches Aufsehen erregten, sollen ein Geschütz geführt haben, das mit Granaten schoß. Die neuen Flugzeuge bedeuten unleugbar eine Gefahr und sie verdienen zweifellos alle Be⸗ wunderung, die die Franzosen, die keine schlechten Flieger sind, ihnen zollten. 0 Der Wollmangel in Italien. Corriere della Sera behandelt ausführlich die Frage des Woll⸗ mangels in Italien, wonach es vielen Frauen unmöglich gemacht werde, nach ihrem Wunsch Wollsachen für Soldaten anzufertigen. Täglich liefen von den Truppenteilen Gesuche um Wollkleidung zum b gegen die nächtliche Kälte in den Bergen ein. Aber es sei nicht möglich, genügende Wollsachen abzusenden. Aus fachmännischen Ausführungen 15 hervor, daß sowohl an Streichgarn wie an roher Kammwolle ein Mangel herrsche. Das italienische Blatt be⸗ schwört deshalb das verbündete England, von dem Ausfuhrverbot von Wolle zugunsten Italiens eine Ausnahme zu gestatten. Der Jahrgang 1896 in Italien. Chiasso, 13. Aug. Das Aushebungsgeschäft des Jahr⸗ ganges 1896 beginnt bereits am 1. September. Des Zaren„liebe Juden“. Der Vossischen Zeitung geht die Originalabschrift der Inter⸗ pellation 8 15 die äußerste Linke der Duma an den Minister⸗ präsidenten Goremykin wegen der Lage der russischen Juden gerichtet hat und deren Veröffentlichung in der russischen Presse von der Regierung verboten wurde. Die darin angeführten beglaubigten Daten sind geradezu entsetzlich. Bekanntlich hatte die russische Re⸗ gierung die Aus weisung der gesamten jüdischen Bevölkerung aus den kriegsbedrohten Landesteilen angeordnet, und die Inter⸗ pellation führt an, wie diese Ausweisungen vor sich gegangen sind. Die Räumung mußte in der Regel binnen vierundzwanzig Stunden erfolgen, so daß die Ausgewiesenen fast ihr gesamtes Gut zurück⸗ lassen mußten, das dann unter der Duldung oder auch Mitwirkung der Polizei und der Militärbehörden ausgeraubt wurde. Die Aus⸗ gewiesenen wurden in Güterwaggons gesperrt, deren Türen plombiert wurden. Die sogenannten„Judenzüge“ hielten auf manchen Durchgangsstationen mehrere Tage, ohne daß den eimge⸗ perrten Männern, Frauen und Kindern die Erlaubnis gegeben worden wäre, die Waggons zu verlassen. Nicht einmal in die Waggons durfte etwas hineingereicht werden. Auf der Station Unetscha hielt ein derartiger Bahnzug volle zehn Tage, und als man dann die Waggons öffnete, fand man darin sechszehn Scharlachkranke und acht Flecktyphuskranke. Auf der Station Homel wollten die jüdischen, aber auch christliche Ein⸗ wohner den in den Viehwaggons tagelang Eingesperrten helfen, die wie wahnsinnig nach Brot und Wasser schrien. Aber die den Zug bewachenden Gendarmen drohten, auf die Helfer zu schießen, die mit Wasserkrügen herbeigeeilt waren. Dasselbe geschah auf der Station Belitza. In Nowosybkow wollten sich die dortigen Honoratioren telegraphisch bei den höheren Behörden für die Verschmachtenden, Kranken und Sterbenden verwenden. Das Telegramm wurde jedoch zurückgehalten und sämtliche Unterzeichner verhaftet. In vielen Städten wurden die vornehmsten Juden als Geiseln in die Gefängnisse gesperrt, wo sie noch heutigen Tages schmachten. Es sind zahlreiche Fälle vorgekommen, wo ein soge⸗ nannter Judenzug nach wochenlanger, qualvoller Fahrt endlich an seinem Bestimmungsort angelangt war, aber die ebenso qualvolle Rückreise antreten mußte, weil der betreffende Gouverneur die Aus⸗ ladung nicht gestattete. Mehrere jüdische Frauen waren während dieser Höllenfahrt niedergekommen in verschlossenen und plombierten Waggons, wo Männer, Frauen und Kinder ohne Speise und Trank tagelang zusammengepfercht waren. Alle Schreie um ärztliche Hilfe nützten nichts und männliche und weibliche Leidensgenossen mußten helfen. Unter den Ausgewiesenen und in Viehwaggons Verladenen befanden sich Schwerkranke und Kreißende, die ächzend und stöhnend in die bereitstehenden Züge ge⸗ schleppt wurden. Selbst Irrsinnige, die in Krankenhäusern und Irrenanstalten sich bei Veröffentlichung der Ausweisungsdekrete befanden, wurden von dort in die Judenzüge verladen, zusammen mit Gesunden. Die Haare stehen einem zu Berge, wenn man die von Hunderten christlicher und unverdächtiger Zeugen erhärteten Angaben der entsetzlichen Interpellation liest. Der neue 10⸗Milliarden⸗stredit. Dem Reichstag ist nunmehr der Nachtragsetat zuge⸗ gangen, in dem die Bewilligung eines neuen Kriegskredits in Höhe von zehn Milliarden gefordert wird. In diesem Ge⸗ setzentwurf wird auch mitgeteilt, daß die in den fortdauern— den Ausgaben des Reichshaushaltsetats für das Rechnungs⸗ jahr 1915 vorgesehenen diplomatischen und konsularischen Vertretungen in Italien fortfallen. Und dann heißt es: „§ 3. Der Reichskanzler wird ermächtigt, zur Bestreitung einmaliger außerordentlicher Ausgaben die Summe von Mark 10 000 000 000 im Wege der Kreditfürsorge zu bewilligen. § 4. Die zur Ausgabe gelangenden Schuldverschreibungen und Schatzanweisungen, sowie die etwa zugehörigen Zinsscheine sollen sämtlich oder teilweise auf ausländische oder auch nach einem bestimmten Wertverhältnis gleichzeitig auf in⸗ und aus⸗ ländische Währungen sowie im Auslande zahlbar gestellt werden. Die Festsetzung des Wertverhältnisses sowie der Neben- bedingungen für Zahlungen im Auslande bleibt dem Reichs⸗ lanzler überlassen.“ Liebknechts kurze Anfrage im Reichstage. Abgeordneter Dr. Liebknecht hat im Reichstage folgende kurze Anfrage eingebracht: „Ist die Regierung beientsprechender Bereit⸗ schaft der anderen Kriegführenden bereit, auf der Grundlage des Verzichts auf Annexionen aller Art in sofortige Friedensverhandlungen einzutreten?“ In Liebknechts Vorgehen liegt ein neuer schwerer Ver— stof gegen die Disziplin der sozialdemokratischen Partei. Weun Liebknecht sich noch zur sozialdemokratischen Reichs — 3 tagsfraktion zählt, hat er abzuwarten, was in der angeschni tenen, höchst wichtigen politischen Angelegenheit seiten dieser Fraktion unternommen wird. Es müßte zu ganz un. erträglichen Zuständen in der Fraktion und in der Partei führen, wenn jeder Wichtigtuer auf eigene Faust Politik machen dürfte. Dem muß jedenfalls ein Ende gemacht werden. 5 Sachlich hat die Liebknechtsche„kurze Anfrage“ gar keinen Wert, sie charakterisiert sich angesichts der auch Liebknecht be. kannten, vollkommen fehlenden„entsprechenden Bereit⸗ schaft der anderen Kriegführenden“ lediglich Unfug. Einberufung des bayrischen Landtags. i Wie Zentrumsblättern aus München gemeldet wird, soll der bayerische Landtag im September zusammentreten. haltsplan im September dem Landtage vorgelegt werde. Eine Abweichung erscheine auch durch den Kriegszustand nicht ohne weiteres begründet. Die Haltung Rumäniens. T. U. London, 14. Aug. Die Times erfahren aus Butarest: In deutschfeindlichen Kreisen wird angenommen, Rumänien auf seiner gegenwärtigen Haltung wegen des Durchfuhrverbots für Munition nach der Türkei beharre, entschlossen seien, die Einfuhr von Mais aus Rumänien zu verbieten. Auf diese Weise hofft man eine Bewegung in Agrar- und Handelskreisen dieses Landes zu erreichen, damit die rumänische Regierung gezwungen werde, die Munitions- durchfuhr zu gestatten. Dieses Vorhaben werde noch bestärkt durch die Agitation der Banken, die sich fast alle in deutschen Händen befinden und die den Grundbesitzern einen weiteren Kredit verweigern werden. Griechenland und die Entente ganzen griechischen Volke tiefe Entrüstung hervorgerufen, die aus⸗ nahmslos von allen Zeitungen geteilt wird, die empfehlen, alle Parteiunterschiede zu vergessen und sich entschlossen um den König zu scharen, um von Griechenland die ihm drohende Gefahr abzu⸗ wenden. Aus Mazedonien laufen zahlreiche Telegramme an den König und die Regierung ein, in denen erklärt wird, daß die Be⸗ völkerung Mazedoniens keinesfalls umter bulgarische Herrschaft ge⸗ stellt zu werden wünsche. Es werden große Protestversammlungen vorbereitet. Auch aus Altgriechenland laufen Entrüstungskund⸗ gebungen ein. Das neue Ministerium Venizelos. W. B. Berlin, 14. Aug. Wie dem Verliner Tageblatt aus Athen von gestern nachmittag gemeldet wird, darf es als sicher gelten, daß der König nach der Wiedereröffnung der Kammer und der Demission der jetzigen Regierung Venizelos berufen und ihm befehlen wird, auf der Basis striktester Neutralität die Regierung zu übernehmen. Ein Londoner Friedensmanifest. Haag, 14. Aug. Die Londoner Polizei beschlagnahmte 100 000 von Exemplaren eines Friedensmanifestes, das nachts in alle Häuser der Vorstädte Londons eingeschmuggelt wurde. Das Manifest sagt den Sieg der Zentralmächte voraus und nennt Asquith und Grey die Totengräber Englands und fordert den sofortigen Friedens⸗ schluß. Die Urheber des Manisestes sind unbekannt. Mackowski, Unterstaatssekretär des Innern. T. U. Von der italienischen Grenze, 14. Aug. Dem Secolo wird aus Petersburg gemeldet, man erwartet die Ernennung des Fürsten staatssekretär des Innern, wobei zum erstenmal der Regierung ein Mann parlamentarischen Ursprungs beigegeben wird. Mackowskt habe als Bedingung für die Annahme seines Amtes gestellt, daß verschiedene Gouverneure, die sich ihres Amtes unwürdig erwiesen haben, entlassen werden. Ferner fordert er Erneuerung des Ver⸗ waltungspersonals. Tatsächlich werde auch demnächst eine Gruppe von Kurland und den baltischen Provinzen, die beschuldigt werden, gewaltige Vorräte von Lebensmitteln in den Händen der Deutschen gelassen zu haben. Diethelm von Buchenberg. Erzählung von Bertold Auerbach. 50 Martha wehrte sich gegen dieses Mittel, gerade der Hund des verbrannten Medard war ihr ein Schrecken, und sie dachte nicht, daß ein anderer kurzhaariger ebenso dienlich gewesen wäre; sie verstand sich eher zu den anderen Mitteln, die darin bestanden, Turteltauben im Zimmer zu halten und im Neu— mond drei Blutstropfen aus den drei Fingern auf Baum⸗ wolle aufzufangen und solche in eine junge ab dem Wege stehende Weide einzuspunden. In der Tat wurde Martha von nun an viel belebter und heiterer, sie riet oft ihrem Manne, wegen seines Fröstelns den alten Schäferle zu befragen, ja, sie befragte diesen von selbst über den Fall; aber der alte Schäferle, der wußte, wem es galt, behauptete, nicht helfen zu können, bevor der Mann selber zu ihm käme. Diethelm aber wollte sich nicht dazu ver— stehen, und wenn ihn seine Frau über seine unruhigen Nächte ausfragte, redete er ihr ein, das viele Geld im Hause mache ihm bange; er durfte ihr ja nicht sagen, wie nicht die Siche— rung seines Geldes, sondern die Wahrung seines Geheimnisses ihn oft in der Nacht aufschreckte, und wie es ihm oft war, als hörte er Peitschenknallen, Wagenrasseln, und als kämen plötzlich die Häscher, um ihn aufs neue einzufangen. Jedes⸗ mal in der Nacht, wenn der Eilwagen durch das Dorf fuhr, erwachte er; er hoffte, wieder Ruhe zu finden, wenn er aus dem lärmenden Dorfe weg sei und wieder auf seinem stillen Berge wohnte. XXIII. An der Hochzeit des jungen Küblers mit der Bruders— tochter Diethelms, die dieser reichlich ausstattete, zeigte sich, was die berittene Mannschaft zweier Dörfer verprassen kann, und noch dazu, wenn es auf fremde Kosten geht; dem Diet— helm war nichts zu viel, und er ermunterte noch jeglichen zum Essen und Trinken. Das Faß Uhlbacher wurde richtig ausgetrunken, und Diethelm, dem der Arzt seinen Leibwein verboten hatte, machte heute eine Ausnahme und half wacker mit, den er verband mit diesem Tage noch ein zweites Fest. Seit acht Tagen war Munde vom Militär heimgekehrt, er war frei und hatte nur noch drei Jahre die gewöhnlichen Herbstübungen mitzumachen. Da Diethelm Schultheiß ge— worden war, mußte ihm Munde seinen Urlaubspaß über⸗ geben; er wartete ab, bis Diethelm mit dem Gemeinderat auf dem Rathaus war, übergab dort das Schriftstück, ohne aufzuschauen, und nannte ihn stets„Herr Schultheiß“. Diet⸗ helm hielt gerade ein Anschreiben vom Amte in der Hand, als Munde eintrat und sprach. Von heftigem Schreck erfaßt, starrte er eine Weile hinein in das Papier, auf dem die Buch⸗ staben seltsam ineinander krochen. Der Klang der Bruder— stimme hatte Diethelm mächtig erschüttert. Die Einbildungs⸗ kraft kann sich zu Leid und Freud' das ganze Wesen und Ge— haben eines Verstorbenen in die lebendige Erinnerung stellen, eines aber vermag sie nicht aus sich zu erwecken: es ist der Klang der Stimme des Abgeschiedenen, nur ein Ton von außen ruft ihn wach. Wie jetzt Diethelm die Bruderstimme hörte, drang sie ihm ins Herz, so daß plötzlich alles Verborgene und gewaltsam Zurückgedrängte vor ihm stand. Diethelm faßte sich und sprach endlich, das Papier nieder- legend und sich zurücklehnend:„Was willst du jetzt anfangen, Munde?“ „Ich werd' schon sehen,“ antwortete Munde und grüßte soldatenmäßig. Diethelm aber rief ihm noch nach:„Komm' zu mir ins Waldhorn, Munde, ich hab' dir was Gutes zu sagen.“ „Das Gescheiteste wär', du gäbst ihm dein' Fränz,“ sagte der Schmied hinter dem Weggegangenen,„sie haben sich von je gern gehabt, und es schickt sich grad für dich, einem, der nichts hat, deine Tochter zu geben, und einen bräveren und schöneren Tochtermann kannst du nicht kriegen.“ Diethelm schwieg und nahm die Gemeindeverhand— lungen wieder auf. Am Mitttag erzählte er seiner Frau, daß er den Munde herbestellt habe, und es sei wohl möglich, daß er seinen Vorsatz ausführe und ihm die Fränz gebe. Martha war glückselig mit diesem Vorhaben und sagte, daß dann gewiß wieder alles gut werde und daß auch die Seele liebster Wunsch erfüllt sei. Diethelm nickte zufrieden, aber drei Tage lang ließ sich Munde nicht sehen, und Diethelm war voll Zorn gegen ihn und verbot Frau und Tochter, ein Wort„mit dem Bettelbuben“ zu reden. In sich aber über⸗ dachte er, daß es wohl klüger sei, dem Munde die Fränz nicht und als Gewissensangst gedeutet werden; dennoch mutete ihn der Gedanke einer Sühne in Erfüllung des Versprechens gegen den Toten tröstlich an.„Dann ist ja nichts geschehen,“ sagte er sich,„als ein paar Jahre verkürzt, und das hätte sich der Medard gern gefallen lassen für das, was seinem Bruder zukommt, er ihn ja immer so gern gehabt.“ Ueberdem außer dem altersschwachen Manne an seine Schuld glaubte. Solange noch ein solcher Mensch auf der Welt lebte, meinte er keine Ruhe zu finden. Munde hatte seinem Vater erzählt, wie zutraulich Diet ⸗ helm gegen ihn auf dem Rathaus gewesen. „Ich weiß, was er vorhat,“ sagte der alte Schäferle, er will dir seine Fränz geben.“ fer „Vater, was macht Ihr?“ rief Munde hochentflammt. „Kannst dich darauf verlassen,“ fuhr der alte Schäferle gelassen fort,„er will sich loskaufen.“ wa Munde mußte aber und abermals hören, wie uner⸗ schüttert der Vater an die Schuld Diethelms glaubte, er wehrte sich mit aller Macht dagegen, aber der Vater blieb standhaft und sagte: ich nicht gewiß, aber so gewiß, als der Himmel über uns ist und nichts auf der Welt verborgen bleibt, hat er mit 10 zündet. In alten Zeiten hat ein Bruder nicht geruht, bis er für das Blut seines Bruders Rache genommen hat. Kannst du hingehen und die Tochter von dem heiraten? Nein! Weißt was, komm' her,“ sagte der alte Schäferle aufstehend In in 2 0 Schranke von jenen Kleidern, ie ihm Medard zur Herbstzeit in der über⸗ geben hatte,„da, komm' her, zieh' a en e Genc was er macht. Du siehst dem Medard gleich, wie er des verstorbenen Medard Ruhe haben werde, wenn sein vor Jahren ausgesehen hat, geh', mach's.“ Forts. folgt * als grober Die Verfassung sehe ausdrücklich vor, daß der Staatshaus. daß die deutsche und österreichisch-ungarische Regierung, falls Athen, 14. Aug. Der letzte Schritt der Ententemächte hat im Mackowski, gegenwärtig Vizepräsident der Reichsduma, zum Unter⸗ von Gouverneuren abgesetzt werden, unter ihnen die Gouverneure zu geben, diese Großmut konnte leicht verdächtig erscheinen 45 war es Diethelm unerträglich, daß noch irgend ein Mensch „Ob er Blutschuld auf sich hat, weiß f kon den Rock an und setz' den Hut auf und geh' hin zum Diethelm und betracht' bir ihn Hessen und Nachbargebiete. f Gießen und umgebung. Heinrich Busolds Bestattung. Auf dem friedlich und freundlich gelegenen Hange des Fried— berger Totenackers hatten sich gestern viele Hunderte von Vertretern der hessischen Sozialdemokratie zusammengefunden, um letzten Ab⸗ chied von einem ihrer Besten, von Heinrich Busold zu nehmen. Zu ihnen gesellten sich Vertreter der parlamentarischen Körperschaften, denen Busold angehört hatte, und eine tausendköpfige Menge, die aus Stadt und Land zusammengeströmt war, um dem beliebten Volksmanne die letzte Ehre zu geben. Die lieben Töne des Liedes„Ein Sohn des Volkes....“— von einem Chor der Frankfurter Union gesungen— grüßten beim Nahem des Leichenzuges den Toten, so wie er es sich selbst in einer seiner letzten Lebensstunden gewünscht hatte. Dann hielt Genosse Kaul⸗Offenbach die Gedächtnisrede, die unter dem Leitworte stand: Schreibt auf meinem Leichenstein: Dieser ist ein Mensch ge⸗ wesen und das heißt ein Kämpfer sein. Hierauf begann die schier unübersehbare Folge der Nachrufe und Kranzniederlegungen. Für das Präsidium der Zweiten Kam⸗ mer feierte der Landtagsabgeordnete Damm ⸗Jriedberg den eifrigen Parlamentarier, für die Stadt Friedberg deren Bürger⸗ meister den guten Bürger und tüchtigen Kommunalmann, die letzten Grüße der sozialdemokratischen Landtagsfraktion brachte Genosse Eißnert⸗ Offenbach und die des Landesvorstandes Genosse Beck⸗ mann⸗Gießen. Hierauf legten Kränze mit entsprechenden, oft von tiefer Bewegung getragenen Abschiedsworten nieder: Sozial⸗ demokratischer Wahlverein Friedberg⸗Büdingen, Preßkommission der Frankfurter Volksstimme, Wahlverein Offenbach⸗Dieburg, Wahl⸗ verein Gießen⸗Nidda⸗Grünberg, Wahlverein Frankfurt a. M., Wahl⸗ kreisverein Homburg⸗Usingen, Agitationsbezirk Frankfurt a. M., Wahlkreisverein Hanau⸗Gelnhausen⸗Orb, Wahlverein Groß⸗Karben, Ortsverein„Gutenberg“ von Bad⸗Nauheim und Friedberg, Wahl⸗ verein Bad⸗Nauheim, Wahlverein Holszhausen, Volksstimme(Ver⸗ lag), Lederarbeiterverband Friedberg, Gewerkschaftskartell Fried⸗ berg, Wahlverein Nieder⸗Florstadt, Filiale Rodheim v. d. H., Ver⸗ band der Gemeindearbeiter Friedberg, Wahlverein Wetzlar⸗Alten⸗ kirchen, Wahlverein Ober⸗Wöllstadt, Wahlverein Nieder-Erlenbach, Wahlverein Schwanheim, Brauerei Steinhäuser, Kreiswahlverein Darmstadt⸗Groß⸗Gerau, Wahlverein Büdesheim, Wahlverein Heldenbergen, Wahlverein Klein⸗Karben, Deutscher Bauarbeiter⸗ verband Frankfurt a. M., Wahlverein Höchst a. d. Nidder, Sozial⸗ demokratischer Wahlverein Darmstadt, Soz. Wahlverein Steinbach, Soz. Wahlverein Vilbel, Soz. Wahlvevein Ober⸗Mörlen, Soz. Wahl⸗ verein Nieder⸗Wöllstadt, Soz. Wahlverein Altenstadt, Soz. Wahl⸗ verein Altenhain und Deutscher Holzarbeiterverband Friedberg. Ein Chor der Unionsänger schloß die schlichte, aber eindrucks⸗ volle Feier, in die leider dadurch ein leiser Mißklang gebracht wor⸗ den war, daß der Entsandte des Hanauer Kreises es für angebracht gehalten hatte, die schwebenden Parteistreitigkeiten sogav an das offene Grab eines Genossen zu tragen. — Der Wochenmarkt am Samstag war mit Gemüsen und Früchten aller Art, wie auch Butter und Eiern außer⸗ ordentlich stark beschickt, trotzdem wurden die alten hohen 5 Preise verlangt und nur bei Frühkartoffeln machte sich ein kleiner Preisrückgang bemerkbar. Für Butter wurden wieder 1,70, teilweise sogar 1,75 Mark bezahlt und Eier waren unter 15 Pfennig nicht zu haben. Bohnen, die es im Ueberfluß gibt, kosteten 18 und 20 Pfennig und auch das übrige Ge— müse war verhältnismäßig recht teuer. Von der vom Generalkommando zur Regelung des Wochenmarktverkehrs erlassenen Verordnung, von der man sich allgemein einen Preissturz versprochen hatte, war noch nichts zu merken, denn weder die Stadt hatte auf Tafeln die Preise für die zum „Verkauf stehenden Waren verzeichnet, noch waren an den einzelnen Ständen solche Tafeln angebracht. In anderen 0 Städten ist diese im Interesse des kaufenden Publikums er— lassene Verordnung bereits durchgeführt und es ist uns nicht recht verständlich, weshalb gerade Gießen bei derartigen Maßnahmen immer nachhinken muß. Ueberhaupt geht die Gießener Stadtverwaltung gegen den auf dem Wochenmarkt zutage tretenden Lebensmittelwucher nicht in der Weise vor, wie das in anderen Städten geschieht und worüber wir z. B. in der Samstags⸗Nummer aus Münster berichtet haben. Die Bundesratsverordnungen und die Erlasse des Generalkom- mandos bieten der Stadtverwaltung die Möglichkeit, die Preise für Lebensmittel in einer gewissen Grenze zu halten. Das, was man im Falle der Festsetzung von Höchstpreisen befürchtet, nämlich daß die Händler den Gießener Markt boykottieren, dürfte wohl nicht eintreten, weil für die den Gießener Markt besuchenden Händler ein anderer Ort ein— fach nicht in Frage kommt. Aber auch unsere Frauen könnten viel dazu beitragen, die Preise auf einer erschwinglichen Höhe zu halten, wenn sie nicht jeden geforderten Preis stillschwei⸗ gend bezahlen würden. Das ist nicht nur bei der Butter, sondern auch bei allen anderen Marktartikeln der Fall, wie wir schon häufig zu beobachten Gelegenheit hatten. Anstatt einem Menschen, der unverschämt in seinen Forderungen ist, die Ware zu lassen, zahlen die Frauen schließlich die gefor⸗ derten Preise, weil sie annehmen, an einem anderen Platze nichts mehr zu erhalten oder dieselben Preise zahlen zu müssen. Gewiß, auch der Produzent soll und muß verdienen, auch der Zwischenhändler will leben, aber die Profitsucht ein⸗ zelner preisangebender Händler artet zum Wucher aus, gegen den sich die Konsumenten und in allererster Linie unsere Hausfrauen mit aller Entschiedenheit wehren müssen. Würden sich zum Beispiel die Frauen vor dem Markt auf einen den Verhältnissen angepaßten Butterpreis einigen und am Markttag nicht mehr wie verabredet bezahlen, wir sind überzeugt, daß die Händler weder ihre Butter mit nach Haufe nehmen, noch den Gießener Markt boykottieren würden. So, wie die Verhältnisse eben sind, erheischen sie gebieterisch Abhilfe. Kann sich unsere Stadtverwaltung nicht dazu ent⸗ schließen, durchgreifende Maßnahmen anzuordnen, so müssen die Frauen zur Selbsthilfe greifen. — Herabsetzung der Einquartierungsgelder. Wie wir in einer auswärtigen Zeitung lesen, beabsichtigt die Stadt Gießen, die Verpflegungssätze für die in Bürgerquartieren untergebrachten Landstürmer, die gegenwärtig pro Tag 2 Mark betragen und wozu die Stadt einen täglichen Zuschuß von 80 Pfennig leistet, herabzusetzen. Sollte diese Nachricht, die wir nachzuprüfen augenblicklich nicht in der Lage sind, den Tatsachen entsprechen, dann dürften sich bei der weiteren Unterbringung der Mannschaften der Stadt große Schwierigkeiten in den Weg stellen. Freiwillige Quar- tiere würden wohl bei einer Heruntersetzung der Ver- ——— pflegungssätze überhaupt nicht mehr angeboten, weil der Mann unter 2 Mark nicht zu verköstigen ist und bei zwangs- weiser Einquartierung wären häufige Umquartierungen ganz unvermeidlich. — Die Auszahlung der Quartiergelder für die im Monat Juli in Bürgerquartieren untergebrachten Mannschaften der Landsturm⸗Infanterie-Ersatz⸗Bataillone Gießen werden be— zahlt an die Empfangsberechtigten, deren Namen beginnen mit A—F Mittwoch, den 18. August, G- K Donnerstag, den 19. August, L- R Freitag, den 20. August, 8S— 2 Samstag den 21. August, jedesmal von 8—12 Uhr vormittags und von 2—5 Uhr nachmittags. Die Zahlstelle ist im Stadthaus, Zimmer Nr. 4. Die Empfänger werden dringend ersucht, die Beträge an den vorgeschriebenen Tagen abzuholen. Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Friedrich Fuchs, Lehrer aus Lollar, Inf.-Regt. 222.— Hch. Tuh aus Großen-Linden, Res.-Inf.-Regt. 83.— Ludwig Wagner aus Bieber, Inf.-Regt. 94.— Willy Müller aus Wetzlar⸗Niedergirmes, Res.-Inf.⸗Regt. 222.— Wilhelm Vietor aus Katzenfurt, Garde-Dragoner-Regt. 23.— Engelhard Horst aus Alsfeld, Res-Inf.-Regt. 224.— Kon⸗ rad Schäfer aus Berfa, Inf.-Regt. 132. Soziale Fürsorge aus den Taschen der Arbeiter. Nach einem auswärtigen Blatte hatten wir jüngst eine kurze Dar⸗ stellung über die soziale Kriegsfürsorge bei der Weinheimer Lederfabrik von Karl Freudenberg G. m. b. H. in Wein⸗ heim i. B. gebracht. Hierzu ersucht uns nun die Firma, da die von uns übernommenen Ausführungen unzutreffend sejen, folgende Darstellung des wahren Sachverhalts zu ver— öffentlichen:„Die Unterstützung der Familien unserer im Felde stehenden Arbeiter wird ausschließlich von uns geleistet und zwar haben wir im ersten Kriegsjahr dafür 372 000 Mk. aufgewendet, also nicht 87 400 Mk., wie Sie berichten. Wir benötigen jetzt wöchentlich für diese Unterstützung an 10 000 Mk. Ihre Auffassung, daß die Unterstützung von den Arbeitern bezahlt wird, ist falsch. Unsere Arbeiter haben allerdings zu Anfang des Krieges freiwillig auf 10—15 Pro- zent ihres Lohnes zugunsten ihrer im Felde stehenden Kame— raden verzichtet. Diese freißßilligen Abzüge wurden einge— stellt, nachdem die Summe der Abzüge den Betrag von 26 445 Mk. erreicht hatte. Diesem Fonds flossen außerdem aus Mitteln der Firma 31000 Mk. zu, sodaß er 57000 Mk. beträgt. Verwendung dird dieser Betrag zur Linderung be— sonderer Notfälle, die infolge des Krieges entstehen, finden.“ Fürsorge und Armenwesen im Kriege. Der Krieg hat die Auf⸗ merksamkeit Vieler auf die mannigfaltigen Fürsorgeprobleme un⸗ serer Zeit gelenkt, die ihnen sonst wenig Beachtung geschenkt haben. Zahlreiche neue Kräfte haben sich mit hellem Eifer in den Dienst dieser Arbeit gestellt, haben dabei aber auch zum ersten Male die alte Erfahrung gemacht, daß unsere verwickelten Wirtschafts⸗ und Gesellschaftsverhältnisse eine Menge Kenntnisse und Einsichten derer fordern, die ihren schutzbedürftigen Mitmenschen helfen möchten. Wer hier wirklich Ersprießliches leisten will, der kann sich der Verpflichtung nicht entziehen, die Probleme der Not wie die vorhandenen Schutzeinrichtungen näher kennen zu lernen und diese Tätigkeit im Zusammenhange mit den größeren Aufgaben unseres Volkslebens zu betrachten. Der Verband zur Förderung der Armen- und Waisenpflege in Frankfurt a. M. hat eine solche Ein⸗ führung der helfenden Kräfte auf den verschtedenen Gebieten, im besonderen all derer, die freiwillig ihre Zeit und Arbeit diesen Dingen widmen, seit Jahren als seine Hauptaufgabe angesehen. Er wird in einer Vortragsfolge von 5 Abenden im September und Oktober die Hauptfragen der Fürsorge behandeln und hat Herrn Professor Dr. Chr. J. Klumker als Vortragenden gewonnen. Zu dieser Veranstaltung haben außer den Mitgliedern des Verbandes alle in der öffentlichen und privaten Fürsorge ehrenamtlich oder beruflich tätigen Männer und Frauen Zutritt. Ausführliche Prospekte werden demnächst herausgegeben, wegen Auskünfte wende man sich an die Geschäftsstelle des Verbandes, Moselstr. 4. — Einhundertzwanzig Mark für einen Doppelzentner deutscher Erbsen. Unser Mainzer Parteiblatt schreibt: Unverschämter Wucher mit deutschen Hülsenfrüchten neuer Ernte, das ist das neueste auf dem Gebiete des Lebensmittelhandels. Für sämtliche Viktoria⸗ erbsen, die sonst zu einem Preise von 24 bis 27 Mark gehandelt wurden, werden zurzeit einhundertzehn Mark, nach anderen An⸗ gaben gar bis zu einhundertzwanzig Mark verlangt, also nahezu der fünffache Betrag wie in Friedenszeiten.— Es ist die höchste Zeit, daß die angekündigte Bundesratsverordnung gegen den Waren⸗ wucher sich Geltung verschafft und nicht nur auf dem Papier stehen bleibt. Oder will man die Oeffentlichkeit glauben machen, daß sich früchte zu beschlagnahmen. sich auf die Beschlagnahme der Hülsenfrüchte, die als Futtermittel Verwendung finden sollen. Auf jeden Fall kann aber die Wucher⸗ verordnung angewendet werden.— Wie übrigens das Wolffsche Vurcau von unterrichteter Seite hört, schweben zurzeit in den be⸗ teiligten Ressorts Erwägungen über Beschlagnahme und Höchstpreisfestsetzungen für Hülsenfrüchte aller Art. Unter voller Wahrung der berechtigten Wünsche der Produzenten sollen durch diese Maßnahmen diese wichtigen für weite Bevölkerungs- kreise unentbehrlichen Nahrungsmittel den ungehinderten Preis- treibereien entzogen werden. — Was sind die Kartoffeln wert? Bekanntlich werden für die Frühkartoffeln heute noch 6,50—7,50 Mark für den Zentner ver⸗ langt. Ein Preis, der murrend, aber doch bezahlt wird. Da ist es nun interessant, etwas über die Erzeugungskosten der vielbe⸗ gehrten Knollenfrucht zu hören. Durch eine Nachfrage in dem teurer als die privaten Landwirte arbeitenden landwirtschaftlichen Nebenbetriebe eines bekannten großindustriellen Unternehmens bei Hannover ist, wie der Vorwärts schreibt, nämlich festgestellt wor⸗ den, daß sich dort, also unter ungünstigen Verhältnissen, der Ge⸗ stehungspreis für Kartoffeln auf höchstens 2,50 Mark für den Zentner stellt. Damit vergleiche man die heutigen Preise und die jetzt schon zutage tretenden Bestrebungen, das so gewinnbringende Spiel des verflossenen Winters auf dem Kartoffelmarkt zu wieder⸗ holen. Hoffentlich macht die Reichsregierung und der Reichstag einen dicken Strich durch die famose Zukunftsrechnung! — Haferankäufe. Das Proviantamt Frankfurt hat die frei⸗ händigen Haferankäufe aus der neuen Ernte aufgenommen; Ein⸗ lieferungen können sofort erfolgen. Angebote bezw. Anfragen sind an das Proviantamt Frankfurt a. M.⸗Bockenheim oder an das Ersatz⸗Magazin Frankfurt a. M., Ostgitterbahnhof, zu richten. — Die Heuausfuhr verboten. Das stellvertretende General- kommando des 18. Armeekorps macht darauf aufmerksam, daß die Ausfuhr von Heu jeder Art und von Heuhäcksel, ungemischt oder mit Strohhäcksel gemischt, aus den nachbenannten Ankaufsgebieten verboten ist: Kreis Frankfurt g. M. Stadt, Kirchhain, Mar⸗ burg, Biedenkopf, Dillkreis, Wetzlar, Alsfeld, Bfldingen, Friedberg, Gießen, Schotten, Schlüchtern, Gelnhausen, Hanau Stadt und Land, Oberlahnkreis, Limburg, Usingen, Untertaunuskreis, Obertaunuskreis, Höchst, Wiesbaden Stadt und Land, Rheingaukreis, Provinz Rheinhessen und Starken⸗ burg. Landwirte und andere Betefligte dürften es als ihre vater⸗ Jändische Pflicht erachten, die Militärverwaltung bei der Herbei⸗ schaffung zur Befriedigung des Peeresbedarses in jeder Weise zu unterstützen. — Beschlagnahme von Metallen. In unseren Geschäftsräumen liegt eine Nachtragsverflügung zu der Bekanntmachung des stellver⸗ tretenden Kgl. Generalkommandos des 18. Armeekorps über die Bestands meldung und Beschlagnahme von Me⸗ tallen offen. Wir machen die Interessenten mit dem Anfligen hierauf aufmerksam, daß auch eine Bekanntmachung am Rathaus zu Gießen angeschlagen ist. Unfälle beim Bahnschutzbdienst. Die Frage, ob Unfälle, die sich beim Bahnschutzdienst ereignet haben, als entschädigungspflich⸗ tige Betriebsunfälle im Sinne der Reichsversicherungsordnung an⸗ zusehen sind, ist strittig und wird gegenwärtig im Verfahren bei einem Sberversicherungsamt ausgetragen. Die Intendantur der militärischen Institute hat als Ausführungsbehörde Unfallrenten⸗ ansprüche der im Bahnschutzdienst verunglückten Zivilpersonen bis⸗ her abgelehnt. Neuerdings ist es aber dem Kriegsministerium erwünscht, wenn diese Ansprüche alsbald von den Beschädigten oder ihren Angehörigen dem Ministerium schriftlich durch Vermittlung der zuständigen stellvertretenden Intendantur zur Vorlage ge⸗ bracht werden. Hierbei ist anzugeben, ob es sich um freihändig gegen Entgelt angenommene von den Gemeinden auf Grund des Kriegsleistungsgesetzes gestellte oder freiwillig ohne Entschädigung tätig gewesene Personen handelt. — Sonnenblumen werden jetzt, wie man uns mitteilt, zur Oelgewinnung an den Eisenbahn⸗Böschungen angepflanzt. Die Pflanzen werden dem Schutze des Publikums empfohlen.— Kreis Alsfeld⸗Lauterbach. — Eine tragikomische Geschichte wird aus Lauterbach berichtet: Ein siebzigjähriger Auszügler und Witwer, dem das Junggesellen⸗ leben anscheinend zu langweilig war, wollte sich in seinen alten Tagen noch einmal verheiraten und verlobte sich mit einer noch rüüstigen Frankfurterin. Da sie sich aber, wahrscheinlich wegen dem Vermächtnis, nicht einig werden konnten und am Freitag früh des⸗ halb eine Auseinandersetzung miteinander hatten, wurde der be⸗ tagte Bräutigam sein Leben plötzlich überdrüssig und hat sich sofort aufgehängt. Kreis Wetzlar. — Vor einem Schwindler, der sich als Gerichtsvollzieher oder als Vertreter eines solchen ausgibt, und in den Landgemeinden des Kreises Wetzlar sein Unwesen treibt, wird öffentlich gewarnt. Sein Auftreten zeugt dafür, daß er mit den Amtsbezirken der Gerichts⸗ vollzieher, der Tätigkeit dieser Beamten usw. ziemlich vertraut ist. Die Vermutung liegt nahe, daß er früher einmal auf einem Bureau beschäftigt war, in dem Rechtsangelegenheiten bearbeitet werden. Er sucht von den Leuten Schuldtitel zu erlangen, um an⸗ geblich Vollstreckungen und dergl. vorzunehmen und sucht auch Vorschüsse auf diese Tätigkeit zu bekommen. Der Schwindler ist von mittlerer Größe, hat hellblonden Schnurrbart und blaue Augen. Rreis Marburg⸗Kirchhain. — Schwerer Unfall. Auf dem Bahnhof Erndtebrück bei Mar⸗ burg wurden dem Schaffner Karl Breuer durch eine Lokomotive beide Beine abgefahren. Es besteht kaum Hoffnung, den Unglück⸗ lichen am Leben zu erhalten. Vermischtes. Ein Defraudant. 5 Ein bel einem Fuldaer Getreidegroßhändler beschäftigter Buch⸗ halter J. Lutz von dort verschwand am Freitag unter Mitnahme von über 7000 Mark, während sein Chef im Ausland weilt.* Pilzvergiftung. In München sind in der vorvergangenen Woche 21, in der ver⸗ gangenen Woche 10 Personen an Pilzvergiftung erkrankt. Bisher sind drei Todesfälle zu verzeichnen. 5 132 000 Mark unterschlagen. 5 Aus Oberursel wird berichtet: Auf der hiesigen Polizei meldete sich ein junger Mann von 22 Jahren als obdachlos. Der Polizei fiel es auf, daß er nicht einmal die notwendigsten Reise⸗ gegenstände mit sich führte. Bei der Vernehmung gab er an, eine Rheinreise unternommen zu haben und zuletzt bei einer Firma in Düsseldorf in Stellung gewesen zu sein. Auf telegraphische Anfrage bei der Firma kam der Bescheid, daß der junge Mann vor einigen Monaten der Firma 132000 Mark unterschlagen habe und seitdem steckbrieflich verfolgt werde. Er wurde darauf in das Homburger Amtsgerichtsgefängnis abgeführt. Talesberichte des Guufen hunthurtit * Vor Kowno und Nowo⸗Georgiewsk erfolg ⸗ reiche Kämpfe. 5 Vorwärts auf Brest⸗Litowsk. W. B. Großes Hauptquartier, 14. Aug., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. 1 In den Argonnen wurden im Martinswerk neue Fortschritte gemacht. Die Zahl der Gefangenen stieg auf 4 Offiziere und 240 Mann. l Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. N Njemen und in der Gegend von Weschinty und Kowarsk Nördlich des Alesow, Kupischky, entwickeln sich neue Kämpfe. Vor Koso nahmen unsere Angriffstruppen den be⸗ sestigten Wald von Dominikanka. Dabei wurden 30 Gefangene gemacht. Zwischen Naresw und Bug erreichten unsere Armeen in scharfem Nachdrängen den Slina- und Nurzee⸗ Abschnitt, an dem dem der Gegner zu erneutem Wider— stande Halt gemacht hat. Im Norden von Nowo-Georgiewsk wurde eine starke Vorstellung erstürmt. 9 Offiziere und 1800 Mann und 4 Maschineugewehre fielen in unsere Hände. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Verbündete Truppen nähern sich dem Bug nordöstlich von Sokolow. Westlich der Linie Losiee-Miendzyrzee versuchte der Feind durch hartnäckige Gegenstöße die Verfolgung zum Stehen zu bringen. Alle Angriffe wurden abgeschlagen. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen. Der in den Kämpfen des 10. und 11. August geschlagene Feind fand gestern nicht mehr die Kraft, sich dem unaufhalt⸗ samen Vordringen der verbündeten Truppen zu widersetzen. Die Armeen durchschritten in der Verfolgung die Straße Radzyn— Dawiny— Wlodawa. Oberste Herresleitung. —— Der Nurzec- Uebergang erzwungen. 12000 Mann gefangen, 20 Maschinengewehre 4. erbeutet. W. B. Großes Hauptquartier, 15. Aug., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. In den Argonnen wurde das„Martinswerk“ ausgebaut. 350 in ihm gefallene Franzosen wurden beerdigt. Die mehrfache Beschießung der Stadt Münster im Fechtale beantworteten wir mit einer Beschießung des Eisenbahnviertels von St. Di. Das daraufhin auf Mar⸗ kirch verlegte Feuer der Feinde wurde eingestellt, als sich unsere Artillerie gegen die französischen Unterkunftsorte wandte. Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls 5 ö v. Hindenburg. Truppen des General v. Below warfen die Russen in der Gegend von Kupischky nach Nordosten zurück. Sie machten vier Offiziere und 2350 Mann zu Gefangenen und nahmen ein Maschinengewehr. Ein russischer Ausfallaus Kowno wurde zurück⸗ geschlagen. 1000 Gefangene fielen in unsere Hände. Unsere Angriffstruppen arbeiteten sich näher an die Festung heran. N AZ3bwischen Narew und Bug hielten die Russen in der gestern gemeldeten Linie hartnäckig Widerstand. Der Nurzec⸗Uebergang wurde am späten Abend von unseren Truppen erzwungen. Die Armee des Generals von Scholtz machte gestern über 1000 Gefangene, die Arxmee des Generals v. Gallwitz nahm 3550 Russen ge⸗ fangen(darunter 14 Offiziere) und erbeutete 10 Maschinen⸗ gewehre. Der Ring um Nowo⸗Georgiewskschließt sich enger. Auf allen Fronten wurde Gelände gewonnen. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Dem Vordringen der Heeresgruppe setzte der Feind ebenfalls zähen Widerstand entgegen. Im Laufe des Tages gelang es, die feindlichen Stellungen bei und nördlich von Losice und halbwegs zwischen Losice und Miendrzyrzee zu durchbrechen. Der Gegner weicht. Allein die Trup⸗ pen des Generalobersten v. Woyrsch machten vom 8. bis 14. August 4000 Gefangene, darunter 22 Offiziere, und erbeuteten 9 Maschinengewehre. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen. Der geschlagene Feind versuchte gestern in der Linie Rozanka(nördlich von Wlodawa) südwestlich von Slawatycze—Horodysce—Miendrzyrzer wieder Front zu machen. Unter dem Druck unserer sofort einsetzenden An⸗ griffe setzt der Gegner seit heute früh den Rückzug fort. Oberste Heeresleitung. Der österreichisch · ungarische Tages bericht Zusammengebrochene italienische Angriffe. Wien, 15. August.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: 15. August 1915, mittags. Ruffischer Kriegsschauplatz. Der Gegner machte gestern an der ganzen Front westlich des Bug in vorbereiteten Stellungen erneut Halt. Die verbündeten Truppen griffen an und bahnten sich an zahlreichen Punkten den Weg in die feindlichen Linien. Seit heute früh be⸗ befinden sich die Russen abermals überall im Rückzuge. Italienischer Kriegsschauplatz An der Südwestfront herrschte im allgemeinen eine erhöhte Gefechtstätigkeit. Im Görzischen sandte unsere Artillerie einige Bomben nach San Canziano, worauf der Feind aus dem Orte flüchtete. Wir zersprengten ein größeres italienisches Lager bei Cormons. Ein schwächerer gegnerischer Angriff bei Redipuglia wurde durch unser Feuer schon im Keime erstickt. Gegen den Görzer Brückenkopf unterhielten die Italiener mäßiges Geschützseuer. Im Abschnitt von Tolmein bis zum Krn setzte gestern früh nach starker Artillerievorbereitung ein Angriff be⸗ trächtlicher feindlicher Kräfte ein, der allenthalben abgewiesen wurde. Auch im Gebiet von Flitsch und an der Kärntner Front hatten die Geschützklämpfe einen größeren Umfang als gewöhnlich. Nachts setzte der Feind sein Feuer auf unsere Kampflinie am Kleinen Pal, Freikofel und Großen Pal heftig fort. Ein gegen unsere Stellung am Kleinen Pal um Mitternacht unternom⸗ mener Angriff brach vollständig zusammen. Im Tiroler Grenzgebiet wurden mehrere italienische Angriffe auf unsere Grenzstellungen westlich des Kreuzbergs, im Gebiet der Rotwand⸗Spitze, des Bacher⸗Tales und der Dreizinnen⸗Hütte, ab⸗ gewiesen. Auf den Plateaus von Lavarone und Folgaria be⸗ schoß unsere schwere Artillerie die feindlichen Werke Campomolon und Toraro mit sichtlichem Erfolg. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von S8 fer, Feldmarschallentnant. Beschießung von Kowno durch die Deutschen. T. U. Kopenhagen, 15. Aug. Pariser Telegramme aus Petersburg besagen, die Deutschen griffen Kowno heftig an. Die Landbevölkerung werde dazu angehalten, beim Auf— werfen von Schützengräben mitzuwirken. Die Bauern werden auch beim Anlegen neuer fester Landstraßen beschäftigt, auf denen deutsche schwere Artillerie transportiert wird. Die Deutschen haben bereits eine ganze Anzahl schwerer Geschütze in Tätigkeit gebracht. Die Beschießung dauert ununterbrochen mit großer Heftigkeit an. Die furchtbaren Verluste der Russen. Der Kriegsberichterstatter des Berl. Lok.-Anz. meldet vom östlichen Kriegsschauplatz unterm 13. August: Einen wahren Be— riff von der Heftigkeit des Kampfes erhält man erst beim Anblick des südlichen Narewufers. Eine Vexteidigungsstellung nach der anderen erblickt man am Flusse entlang terrassenförmig hinterein— ander gebaut, durch die weitverzweigten Arme des Narew, einzelne nach der Art eines Festungsgrabens geschützt. Unsere Artillerie verrichtete hier gründliche Arbeit. Ein Volltreffer nach dem an— dern schlug in die feindliche Stellung ein. Die Verluste milssen, nachdem was ich in diesen Werken gesehen habe, außerordentlich enorm gewesen sein. Die Artillerie hat hier eine derartige Arbeit] etan, wie ich es im Laufe der ganzen elf Monate noch nie ge— ehen habe. Was von unserer Artillerie nicht niedergemacht wurde, ging im Kampfe mit unserer Infanterie zugrunde, die die feind⸗ lichen Linien stürmte und die bis zum letzten Moment sich ver⸗ teidigenden Nussen niedermachte. Das fünfte russische Korps ist infolge der Verluste der letzten Tage so geschwächt, daß sein —— o sind z. B. von der ganzen siebenten Diviston des Korps nur 180 27 Offiziere übrig geblieben. Das 25., 26. und 28. Korps sind so gut wie nicht mehr vorhanden. Die gegnerische Artillerie ist in den letzten Tagen verstärkt worden und zeigte sich geschickt in der Verwendung der Geschütze. Heeresbedarf. Der englische Schatzminister stellte der russischen Re⸗ gierung einen neuen Kredit für Heeresbedarf von 12 Millionen Pfund Sterling(240 Millionen Mark) zur Verfügung. Der Bedarf wird aus Amerika über Wladi. wostok geliefert. In Verbindung mit diesen Bemühungen des Finanzministers ist der russische Wechselkurs in London um 12 Rubel gesunken.. Mißstimmung in den feindlichen Lagern. London, 15. Aug.(W. T. B. Nichtmatlich.) Die Morning Post schreibt in einem Leitartikel: Gewisse Leute machen verzweifelte Anstrengungen, um dem Publikum die einfache Wahrheit über die militärische Lage zu verbergen. Täglich sieht man Zeitungs⸗ plakate mit Angaben über die ungeheuren deutschen Verluste oder mit der Ankündigung, daß Hindenburg zurückgeschlagen sei usw. Die einfache Wahrheit ist, daß die Russen seit Monaten Rückzugsgefechte liefern, aus allen vorgeschobenen Stellungen verdrängt wurden und mehrere große Städte, sowie ein sehr wich⸗ tiges Eisenbahnsystem dem Feinde überlassen haben. Sie fallen jetzt auf eine vorbereitete Stellung zurück, die durch eine höchst ge⸗ fährliche Bewegung bedroht ist; irgend welche Vorwärtsbewegung ist für lange Zeit nicht anzunehmen. Unser guter Ver⸗ bündeter hat schrecklich gelitten. England könnte sich, wenn es allein stände, auf den langsamen Druck der Flotte verlassen, aber andere Faktoren sind da: Frankreich leidet furcht⸗ bar, Belgien ist in den Staub getreten, Rußland schwer geschlagen, Serbien verteidigt sich ver⸗ zweifelt und erwartet einen neuen Angriff. Unter diesen Um⸗ ständen muß England alle Kraft im Krieg einsetzen. In der Daily Mail wird ein Petersburger Brief ver⸗ öffentlicht, in dem es heißt:„Die Russen fragen täglich: Was tut die britische Armee von drei Millionen, und wiederholen beständig: Man hat uns gesagt, daß die britische Armee im Mai fertig werden würde. Gebildete Russen, die die englischen Zeitungen und Zeitschriften lesen, bemerken den optimistischen und selbst⸗ gefälligen Ton unserer Schriftsteller, die wöchentlich erklären, daß alles gut gehe. Die Russen wissen, daß es mit ihren Armeen nicht gut gegangen ist. In England, Frankreich und Kanada bestellt man die Munition, die ausgeblieben ist. Anstatt, daß im Mai eine große Bewegung gegen die Deutschen im Westen stattgefunden hätte, hat die größte Bewegung der Deut schen gegen die Russen begonnen. Die Russen sagen: Wir erfahren, daß die Engländer und Franzosen im Westen die numerische Ueberlegenheit haben; sie können unmöglich an einem solchen Munitions mangel leiden, daß sie die ganze Zeit gelähmt sind. Freilich haben die Deutschen im Westen eine stark befestigte Front. Unsere Truppen vor Warschau hatten sie auch. Wenn die Deutschen so starke Fronten wie an der Bzura und bei Blonie überwältigen konnten, sollte die deutsche Front in Flandern durch ein gleiches Manöver ebenso ge⸗ brochen werden können.“ Der Korrespondent fährt fort:„Englische Schriftsteller erzählen dem kriegsunkundigen Publikum jede Woche, daß die Pläne des Feindes fehlschlagen, und daß er keine Fort⸗ schritte mache. Wenn man den kläglichen Mangel an Vor⸗ bereitung und die hastigen und verworrenen Methoden bei den Engländern mit der Triebkvaft ver⸗ gleicht, die hinter der deutschen Armee steht, kann man nur neidische Bewunderung und Scham empfinden.“ Ein großer Truppentransport versenkt. Die Tat eines deutschen U-Bootes. Konstautinopel, 14. Aug.(W. B. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: Am 14. August hat ein deutsches Unterseeboot im Aegäischen Meer ein 10000 Tonnen großes Transportschift mit Soldaten versenkt. Nur wenige Soldaten wurden durch ein Hospitalschiff gerettet. Nahezu 3000 Mann untergegangen. Konstantinopel, 15. Aug.(Priv.⸗Tel.) Der von einem Unterseeboot torpedierte englische 10000 Tonnen⸗Dampfer der Peninsular Companie war mit etwa dreitausend Mann frischer Truppen für die Dardanellen besetzt. Die Torpedierung geschah in der Nähe der Insel Kos. Der Peninsular⸗Dampfer sank in vier Minuten. Neuer französischer 10 Milliarden⸗ Kriegskredit. T. U. Haag, 15. Aug. Viviani wird einen neuen Kriegs- kredit von 10 Milliarden Francs fordern. Die türkischen Erfolge an den Dardanellen. Schwere Verluste der Engländer. Die sechstägigen Kämpfe bei Sedd-ül⸗Bahr und im Nor⸗ den am Tuzlasee sind nach einem Bericht der Frankf. Ztg. zum Stillstand gelangt. Am Süd wie am Nordflügel hat sich der Feind äußerst empfindliche Niederlagen zuge⸗ zogen. Bei Sedd-ül⸗Bahr eroberten die Türken wich⸗ tige Terrainabschnitte, während am Tuzlasee die Engländer bis hart an den See herangedrängt wurden. Ihre mit Ungestüm unternommenen Offensipstöße, mit denen sie mehrere strategische, von den Türken besetzte Höhen erobern wollten, scheiterten unter furchtbaren Verlusten für die Engländer an der glänzenden Verteidi⸗ ung der Türken, die am gestrigen Tage zur wirksamen Offen⸗ sive übergingen. Die Türken erbeuteten hierbei zwölf Mitrailleusen, die sie nach kurzer Zeit schon gegen die Engländer in Stellung bringen konnten. Im Nordabschnitt kämpften zwei rein englische Divisionen der jüngsten Kitchenerformation. Die Verluste der Engländer an Toten im Nordabschnitt darf nach mäßiger Schätzung auf 6000 bis 7000 Mann beziffert werden und am Südabschnitt auf min destens 5000. Zum ersten Male trafen hier mehrere Trupps eng⸗ lischer Verwundeter ein, die im großen Hospital der Kriegs⸗ schule gut untergebracht wurden. Amerikas Antwort auf die Note Oesterreichs. Havas meldet aus Washington: Die amerikanische Note auf die österreichische Note, worin gegen die Munitions- lieferungen an die Verbündeten protestiert worden war, ist nach Wien abgegangen. Die Antwort verweigert die Verhängung einer Hafensperre für die nach den Ländern der Alliierten bestimmte Munition. gegenwärtiger Bestand nur noch dem einer Drornon glerandmms, 0 Ein neuer englischer Kredit für den russischen Ka Sochenmarktpreise in Gießen . am 14. August 1915 Piund 225 bfg Vutter per Pfd. 1.60—1.70 Mk.] Zwiebeln per Piund 0—5 N Mi 5 Pfd 1 er 24 Pfg.] Blumenkohl ver Stck. 10 5 91 Hühnereier Stück 14— 15 Pfg.] Weißkraut p. Haupt 60205 Big Gänsceier Stück— Pfg.] Rotkraut b. Haupt 15 15 je Sic 76 Pig Wieing. d. Sen 8 Pie. Käsematte 2 Stück 5—6 Pfg.] Kohlrabi ver 1 0 Pig. Tauben per Paar 1.00— 1.40 Mk.] Gurken per ae 5 9g. Hühner per Stück 1.00—2.00 Mk.] Kleine Gurlen. 7715 18 P. 1 1 der King 1.025 dit 7 5 1 810 Pig. enfleisch per Pfd. 1.12—1.16 Mk.] Kopfsalat 5 1 Klee ver 915 100104 Pfg. Gelbe Rübchen Päckcben 8—12 Pfg⸗ Kuh- u. Rindfl. per Pfd. 112.116 Pfg.] Birnen Schweinefleisch Pfd. 160—170 Pfg. Aepfel Hammelfleisch p. Pfd. 96—110 Pfg.] Falläpsel Kartoffeln p. Malter 12-13 Mi.] Pflaumen Kartoffeln Pfd. 6 ½ 7 Pfg J Heidelbeeren Verantwortlicher Redakteur: Heinrich Noll, Gießen. ö Verlag von Krumm& Cie., Gießen. i Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M. 8 iedri icolai, Kanzleidiener i. D., 66 e bn. 111 in Wetzlar, 82 Jahre alt.— Frau Amalie Völzing in Groß⸗Felda, 64 Jahre alt.— Karl Funk in Alsfeld, 39 Jahre alt. Agence Dnsfranentade dicgen Die Beiträge zur Kranken⸗ und Invaliden⸗ versicherung für Monat Juni 1915 können noch bis zum 26. August 1915 ohne Kosten bezahlt werden. Gie ben, den 14. August 1915. Der Vorstand J. A.: Al h. Lenz Nes Pfund 10—12 Pfg. Pfund 4—5 Pfg. Pfund 15—20 Pfg. Schoppen 20 Pfg. 8 dug! Peldgrauel 5 Es sind noch eine Anzahl Zeitungsbezieher 0 mit ihren Abonnementsbeträgen(pro Monat 60 3) 5 950 im Rückstande. Wir ersuchen diejenigen, die 5 auf weitere Zusendung der Oberh. Volkszeitung reflektieren, diese Beträge umgehend einzusenden, 185 da sonst die Zustellung unterbleiben muss. Ii kipediion der Iberdesszselen Jalkssziung. ——.— E 2 N 8 Erprobten Rat in Einmache⸗ zeit erhält jede Hausfrau durch folgende Bändchen der Lehrmeister⸗Bibliothek: Minnie, Das Einmachen der Gemüse See 5 25 Abb. 40 Pf. 1348/4 Einmachen der Früchte 15 Abb. 20 Pf. 131 bereitung 15 Abb. 20 Pf.(4 Die Fruchtst aftbereitung im Haushalte und Kleinbetrieb 24 Abb. 20 Pf. 13451 Ernte Aufbewahrung, Ver⸗ sand des Obstes so Ab. 40 pf. 85/6 Wie und woran ieee kann ich in der Küche sparend Ie Das lehren die Bändchen: Billige Fleischersatz⸗Küche 20 Pf. 13201 Billige Fischküche a0 pf. 1350/1] Kaninchenfleischküche 40 Pf. 1334/5] 0 0 6 0 6 6 0 6 0 6 0 0 8 Marmeladen⸗ und Mus⸗ 6 9 0 5 0 5 0 0 9 5 Vegetarisches Kochb ‚ e 9 Zu beziehen durch: 5 9 0 8 Oberhessische Volkszeitung Gießen. ö Seco ceceseeeeseeeee ese Pfund 10—15 Pfg.