... eee N U olkszeitung Organ für die Interessen des werktätigen Volkes * der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Die Oberbessische Volksseitung erscheint jeden Werktag Abend in Redaktion und Expedition Giessen, Babnhofstraße 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Inserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Gießen. Der Ab tspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich 60 Pfg. einschl. Br 1 Durch die Post bezogen vierteljährl.1. 80 Mk. — Nr. 187 Gießen, Donnerstag, den 12. August 1915 10. Jahrgang. Polen. Von Dr. Paul Lensch. Die Eroberung Warschaus und der Fall der Weichsellinie hat ven verbündeten Truppen der Zentralmächte ein Gebiet in die Hände geliefert, dessen wirtschaftliche Bedeutung für Rußland viel⸗ leicht noch größer war, als seine militärische. Neben Petersburg und Moskau stellte Polen den größten Industrierayon des russischen Reiches dar. Obwohl es kaum 8 Prozent der Gesamtbevölkerung umfaßte, wies es ein Viertel der russischen Stahl⸗ und zwei Fünftel der Kohlenproduktion des russischen Reiches auf. Vor allem aber war die Stellung der polnischen Textilindustrie maßgebend. Sie stellte die Hälfte der gesamten polnischen industriellen Produktion her und beschäftigte ungefähr die Hälfte aller Industriearbeiter. Von den rund 500 Millionen Kilogramm, die die russische Textil— industrie jährlich produzierte, entfielen allein auf die polnische 25 Prozent. Von allen Teilen des russischen Reiches hatte Polen die dichteste Bevölkerung. Während nach der letzten russischen Zählung von 1897 durchschnittlich noch nicht 20 Menschen auf den Quadratkilometer im europäischen Rußland entfielen, lautete die ent— sprechende Zahl für Russisch⸗Polen: 74, wobei zum Vergleich hinzu— gefügt sein mag, daß noch 13 Jahre später die Bevölkerungsdichtig— keit in den Provinzen Ostpreußen, Westpreußen, Pommern, Posen 5 Hannover erst 55, 66, 57, 72 und 76 auf den Quadratkilometer etrug. Dies erstklassige Industriegebiet blickt bei alledem noch auf ein techt jugendliches Alter zurück. Bis 1851 stand Russisch-Polen außerhalb der russischen Zollgrenze. Es befand sich noch im Stadium der Manufaktur und beherrschte kaum den inneren Markt. Erst mit der wirtschaftlichen Einverleibung in das Riesenreich war eine wesentliche Bedingung des Aufschwungs erfüllt. Es war die Zeit des Krimkrieges, von dem man mit Recht gesagt hat, daß er für Rußland eine ähnliche Bedeutung gehabt habe, wie der Krieg von 1806/07 für Preußen. Die Abschaffung der Hörigkeit in Rußland 1861 und in Polen 1864 bedeutete eine totale Umwälzung der Land⸗ wirtschaft. Die Grundbesitzer waren nunmehr darauf angewiesen, Industrieprodukte, die sie früher auf ihren Fronhöfen selber hatten darstellen lassen, anzukaufen. Auf der anderen Seite bekamen die Bauern Geld in die Hand und wurden ebenfalls Käufer von Industrieprodukten. Ein innerer Markt entstand und die polnische Industrie war gersistet, ihn zu beherrschen. 1854 war der erste mechanische Webstuhl und die erste mechanische Spindel in Polen aufgestellt Bald setzte der Bau von Eisenbahnen ein. 1862 wurde Polen mit Petersburg, 1866 mit Wolhynien, Weißrußland und Podolien, 1870 mit Moskau, 1871 mit Kiew, 1877 mit Südrußland verbunden. Es war der entscheidende Schritt. Langsam setzte sich die soziale Entwicklung in Marsch, um mit jedem Jahrzehnt ihr Tempo zu beschleunigen. Direkt stürmisch aber wurde es, als Ruß⸗ land 1877 zum Hochschutzzoll überging. Eine Treibhausatmosphaäre für Monopolpreise setzte ein, in der Textilindustrie wurden 40⸗ brozentige Profite als eine normale Erscheinung betrachtet. Eine Periode fieberhafter Gründungen brach über das Land herein. Lodz, das kleine Landstädtchen, das im Jahre 1821 erst 800 Ein⸗ wohner zählte, und im Jahre 1860 auf 32 000 angewachsen war, zählte 1885 bereits 150 000 und vor dem Kriege wenigstens über 400 000 Einwohner. Schon im Jahre 1909 nahm Lodz mit seinen 956 522 Spindeln den dritten Platz auf dem europäischen Festland lein. Nur Petersburg und das belgische Gent gingen ihm voran. Infolge des Schutzzolles 1877 hatten sächsische Unternehmer die Fabrikation von Vigogne, die man bis dahin aus Werdau und Crimmitschau massenhaft bezogen hatte, nach Lodz übertragen und 1 wesentlich zum Aufschwung der Textilindustrie Polens beige— agen. „ Aehnliches gilt auch für das zweite große Industriegebiet Polens, für den hart an der preußischen Grenze gelegenen Rauon won Sosnowice. Noch in den sechziger Jahren war hier alles Dichter Tannenwald. Binnen 15 Jahren entstand ein Industrie⸗ gebiet, dessen Textilindustrie der von Lodz bald eine empfindliche konkurrenz bereiten sollte. Eine ganze Reihe preußischer und ächsischer Fabriken wurde gleich nach 1877 einfach von Deutschland nach Polen verlegt, um den erhöhten russischen Zoll zu sparen, und in den Zahren 1879—86 war die Produktion des Sosnowicer Be⸗ irks von ½ Million auf 13 Millionen Rubel gestiegen. Vor allem nie Kammgarnspinnerei setzte sich fest. Vor dem Kriege umfaßte ie mit 220 000 Kammgarnspindeln fast zwei Drittel aller Kamm⸗ Zarnspindeln Polens. Die Baumwollspinnerei war mit 200 000 Spindeln und 6000 Webstühlen vertreten. Hand in Hand hiermit ing die Entwicklung der Sosnowicer Kohlen- und Eisenindustrie. Der dritte große Industriebezirk Polens ist der von Darschau. Er hat keine so ausgeprägte Phystognomie wie der zon Lodz und Sosnowice und trägt mehr gemischten Charakter. Am wichtigsten ist der Maschinenbau und die Zuckerindustrie. Es versteht sich, daß ein derartiges ungeheures Industriegebiet ich nicht ohne scharfe Konkurrenzkämpfe gegen andere russische Industriegebiete entwickeln konnte, und besonders gegen das Industriegebsiet Moskau hatte das polnische Industriekapital, inter dem zum großen Teil deutsche, französische, helgische und eng⸗ ische Unternehmer standen, zu kämpfen, wobei sich natürlich der roßrussische Kapitalismus Moskaus die bequeme Denunziation er„fremden“ Industrie nicht entgehen ließ. Allein die überaus arke Konzentration der polnischen Industrie siegte leicht iber das Nosfauer Bärenhäutertum, das sich nach wie vor auf die Drei⸗ (nigket: Garantien, Prämien, Subsidien verließ und am liebsten lirekt die Staatsgewalt gegen die unbequemen Konkurrenten mobil Machte. Häufig mit Erfolg. Auf lange Zeit aber war und blieb lie polnische Textilindustrie die einzige, deren Produkte, nachdem je sich auf dem heimischen Markte des europäischen Rußlands ihren Flatz errungen hatten, in Konstantinopel und den Balkanländern Lingang gefunden und den Marsch nach Ostasien angetreten hatten. Zier russische Kattun belspielsweise, den die Moskauer Industrie noch nach Chiwa ago und 1891 und Buchara ausführte, war in einer m Weltkrieg. Weise angesertig, daß er von den Muselmännern weniger für Be⸗ kleidungszwecke als zum Färben der Neujahrseier verwendet werden konnte!— Dieser ungeheure und hochentwickelte Industriebezirk ist nun durch das Glück der Waffen in deutsche Hände gefallen. Was wird sein Schicksal sein?— Jedenfalls werden die Moskauer Indu⸗ striellen jetzt stille Stoßgebete gen Himmel schicken, daß ihnen diese Konkurrenz durch deutsche oder österreichische Annexionspolitik dauernd vom Leibe gehalten bleiben möge. Sie folgen damit nur dem Beispiel der französischen Textilbarone vom Jahre 1871, die alles dransetzten, um die Annexion Elsaß-Lothvingens, dessen Textilindustrie ihnen ebenfalls eine oft verwünschte Konkurrenz be— reitet hatte, durch die Deutschen zu erleichtern Vom Standpunkt der deutschen Textilindustrie und ihrer Ar⸗ beiter aber hätte die Sache ein ganz anderes Gesicht. Für sie, die schon im Frieden oft genug unter dem Druck inländischer Ueber⸗ produktion leidet, wären die Folgen einer glatt durchgeführten Annexion des polnischen Industriebezirks geradezu verheerend und auch für die Ausfuhr wäre der unvermittelte Eintritt Polens in das deutsche Zollgebiet schwer drückend, nicht zuletzt für die polnische Industrie selber, die hier natürlich bei dem Stande der hoch ent— wickelten Industrie Deutschlands ganz andere Schwierigkeiten zu überwinden hätte, als in ihrem Kampf gegen die Moskauer Industrie.— Hier erheben sich Probleme, deren Tragweite und Kompliziert⸗ heit von niemanden unterschätzt werden sollten. * 0 Die Leiden unserer Schwerverwundeten in Frankreich. Die Nordd. Allgem. Zeitung schreibt: Ein ausgetauschter schwerverwundeter Reservegefreiter des Kaiser Alexander Garde— Grenadier-Regiments Nr. 1, Wilhelm Oelbüttel, schilderte seine Erlebnisse in Frankreich unter Eid wie folgt: Er wurde am 8. September 1914 bei Chalons durch einen Granatsplitter am Unterarm so schwer verwundet, daß der Arm am folgenden Tage in einem deutschen Feldlazarett abgenommen werden mußte. Drei Tage später nahmen die Franzosen das ganze Lazarett gefangen, Oelbüttel wurde mit elf anderen Schwer— verwundeten nach Jele-de-Ré transportiert. Die Fahrt dauerte 48 Stunden. Die zwölf hilflosen schwerverletzten Leute hatten furchtbare Leiden auszuhalten. Das Abteil dritter Klasse, in dem sie sich befanden, hatte nur acht Sitzplätze, sodaß immer vier der Unglücklichen stehen mußten. Weder ein Arzt noch ein Kranken— pfleger waren zugegen. Die Nahrung bestand aus ein wenig trockenem Brot und Wasser, das im ganzen zweimal gereicht wurde. Mehrere der stark fiebernden Schwerverwundeten wurden auf Zwischenstationen ausgeladen, zwei der übrigen starben hilflos im Abteil. Am 14. September kam der Transport in Isle⸗de-Ré an. Nun setzte sich das begonnene Leiden in grauen— hafter Weise fort. Kalte, zugige Unterkunftsräume, ungenügende Bekleidung, schlechtes Essen, mangelhafte ärztliche Behandlung,— das waren die Segnungen der französischen Kultur, die die Un— glücklichen kennen lernten. In den ersten drei Wochen wurde ihnen morgens überhaupt keine Nahrung gereicht. Auch in der Folgezeit war sie gänzlich unzureichend. Von Abwechslung war keine Rede. Bohnensuppe wechselte mit Kartoffelsuppe. Die Würze bestand aus zähem Rindfleisch, das die Zähne kaum zer— reißen konnten, und aus Maden, die in der Suppe herum⸗ schwammen. Die Bohnen waren hart und ungenießbar. Löffel und Teller wurden erst nach mehr als sechs Wochen zur Verfügung gestellt. Bis dahin mußte eine alte Konservenbüchse aushelfen, die auf dem Kasernenhofe gefunden worden war. Die ersten vier Wochen durften sich die Gefangenen nicht einmal waschen, obgleich in unmittelbarer Nähe ein Brunnen stand. Die französische Krankenschwester, die entgegen dem Verbot von dort ein— mal Wasser für die Verwundeten zur Reinigung holte, wurde streng verwarnt und nicht wieder zu ihnen gelassen. Am unerhörtesten war die sogenannte ärztliche Be⸗ handlung. In den ersten vier Tagen war überhaupt kein Arzt vorhanden. Die Wunden eiterten weiter und wur⸗ den nicht verbunden. Die bedauernswerten Opfer französi⸗ scher Rachsucht mußten sich die Maden selbst aus den Wunden herausziehen, um nicht bei lebendigem Leibe zerfressen zu werden. Eine bösartige Verschlimmerung der Wunden war die unausbleib— liche Folge. Aber die Verhältnisse besserten sich auch kaum, als einige Aerzte eintrafen. Sie bemühten sich nicht zu den Kranken, sondern ließen diese trotz der schweren Verwundungen auf dem Kasernenhofe antreten und warten. Mancher der Verwundeten wurde ohne jede Untersuchung wieder fortgeschickt, andere nur oberflächlich besichtigt. Die meisten der französischen Aerzte zogen es vor, Zigaretten zu rauchen und sich zu unterhalten. Roheit und Unfähigkeit machten sich geltend: Ein Mann, der einen Fußschuß hatte und um Behandlung bat, wurde von einem fran— zösischen Marinearzt mit dem Fuß getreten und aus dem Ver— bandszimmer mit Stößen herausgeworfen; ein anderer hatte einen Armbruch und klagte dies den Aerzten, die aber bei der Unter⸗ suchung angeblich nichts feststellen konnten; er wurde erst später von einem Krankenpfleger geschient. Für die besonderxs schwer verwundeten Leute diente ein besonderer Raum als Unterkunft, ein Pferdestall, in dem es von Ratten wimmelte. Ein uner- träglicher Gestank herrschte; die französischen Aerzte hielten sich die Nase zu, wenn sie den Raum betraten, und eilten schleunigst wieder hinaus. Alles dies ereignete sich trotz des Vorhandenseins reichlicher Mengen von Verbandsmaterial. Auch sechs hilfsbereite deutsche Sanitätspersonen waren im Lager, aber sie durften sich um die Kranken nach den ausdriscklichen Anordnungen der französischen Aerzte nicht kümmern und auch ihr Verbandszeng nicht zur Verfügung stellen. Es war eben nichts anderes als niedrige Rachsucht und kleinliche menschenunwürdige Ge— 1 die den Grundzug für die Behandlung der Verwundeten a 2 de mesfätigt wird diese Aussage durch gleichlautende eidliche Be⸗ kundungen anderer Gefangener, die in dem gleichen Lager in eben⸗ so schamloser Weise behandelt wurden. Wenngleich diese empörende Behandlung unserer Verwundeten Vergeltungsmaßregeln nahelegt, wird die deutsche Regierung doch darauf verzichten, für diese Verhöhnung allgemeiner Menschenrechte an den französt⸗ schen Kriegsgefangenen in Deutschland Vergeltung zu üben. Die Arbeiten des Reichstags. Im Reichstag ist gestern vormittag unter dem Vorsitz Abgeordneten Wurm die Kommission zur Beratung Gesetzes über das Reichsstickstoffmonopol zu⸗ sammengetreten. Ueber die Verhandlung, die als vertraulich erklärt wurde, wird ein amtlicher Bericht ausgegeben. Es ist nicht anzunehmen, daß die Vorlage noch in der bevor⸗ stehenden Tagung das Plenum des Reichstages beschäftigen wird. Im Plenum das am 19. d. Mts. zusammentritt, wird in der Hauptsache die neue Kriegskreditvorlage und die Ernährungsfragen beraten werden. Man nimmt an, daß die Kreditvorlage schon am Donnerstag dieser Woche fertiggestellt und dem Reichstage unverzüglich zugehen wird. Ueber die wirtschaftlichen Kriegsmaßnahmen der Re⸗ gierung wird dem Reichstage auch noch in dieser Woche eine ausführliche Denkschrift zugehen, die am 17. und 18. d. Mts. zunächst in der Budgetkommission erörtert werden wird. Fertiggestellt ist im Reichsamt des Innern eine Vorlage zum Schutze der Schwesterntracht, deren baldige Verabschiedung an den Bundesrat dringend gewünscht wird, da sich in der freiwilligen Krankenpflege arge Mißstände ge⸗ zeigt haben, die ein solches Gesetz notwendig machen. Nationalliberales Vertrauensvotum für den Reichskanzler. Von den nationalliberalen Reichs- und Landtagsabge. ordneten wird folgende Erklärung veröffentlicht: Kürzlich fand eine Zusammenkunft führender Persönlichkeiten der nationalliberalen Partei, hauptsächlich Reichs- und Landtags⸗ abgeordneten, in Berlin statt. Bei der Besprechung der Lage wurde der einmütigen Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß das Verhalten gegenüber dem Reichskanzler, wie es in jüngster Zeit an einigen Stellen der Partei öffentlich betätigt wurde, weder die Gesamtstimmung der Partei wiedergebe, noch von den Anwesenden gebilligt werden könne. Es müsse dagegen Verwahrung eingelegt werden, daß in solchen Kundgebungen der Anschein erweckt werde, als ob sie die Meinung der ganzen Partei darstellten. Die öffentlichen Erklärungen des Reichs- kanzlers er eine schwächliche, illusionistische, den Inter⸗ essen des Reiches nicht rückhaltlos dienende Politik betreibe. Daß seine Politik volles Vertrauen verdiene, werde durch jede persönliche Aussprache mit dem Reichs- kanzler nur noch verstärkt. Die öffentliche Bekundung des angeblich allgemeinen Mißtrauens sei geeignet, die Autorität des leitenden Staatsmannes gegenüber dem Auslande zu erschüttern und ihm gerade diejenige kraftvolle Politik zu er⸗ schweren, die von ihm gefordert werde. Unbegründete An- griffe gefährdeten die Einmütigkeit des deutschen Volkes im Gegensatze zu der ihm aus der Seele des Volkes gesprochenen Kundgebung des Kaisers:„Als letztes Ziel dieses Krieges einen Frieden zu erlangen, der uns die not⸗— wendigen militärischen, politischen und wirtschaftlichen Sicher- heiten für die Zukunft bietet und die Bedingungen erfüllt zur ungehemmten Entfaltung unserer schaffenden Kräfte in der Heimat und auf dem freien Meere.“ Ein bestrafter Verräter. Der verheiratete Alfred Meyer, Mitinhaber der bedeutenden Speditionsfirma Meyer und Schauenberg in Mülhausen, wurde am 3. August nach zweitägiger Verhandlung von dem Kriegsgexicht der mobilen Etappenkommandantur Mülhausen wegen Kriegs verrats zu lebenslänglichem Zuchthaus und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. Daß der Ange⸗ klagte nicht zum Tode verurteilt wurde, verdankt er hauptsächlich dem von ihm am Schluß der Verhandlung abgelegten vollen Ge— ständnis. Meyer stand im Dienst des französischen Nachrichten- dienstes, dem er längere Zeit hindurch Nachrichten über deutsche Truppenbewegungen übermittelte. Schwere Verluste einer französischen D ivision auf Gallipoli. T. U. Athen, 11. Aug Des des Außerordentlich schwere Verluste hat eine französische Division nach einer Meldung aus Toledos bei den letzten Kämpfen auf Gallipoli erlitten. Bei ihrem Vorrücken gegen die türkischen Stellungen mußte sie über lieferten keinen Anlaß zu der Annahme, daß der die Räumung von Hohrod befahl, dem deutschen vier Reihen von Minen gehen. Als die türkischen Truppen den Angriff abgeschlagen hatten, wurden die Minen zur Explosion gebracht. Die Division ließ den größten Teil ihrer Mannschaften tot oder verwundet vor den türkischen Stel⸗ lungen liegen. Bulgarien und der Weltkrieg. T. U. Wien, 11. Aug. Az Est meldet aus Sofia: Die Narodui Prava, das Organ Radoslawows, erklärt in einem Leitartikel, daß Bulgarien bisher nur diplomatisch am Welt⸗ kriege teilgenommen habe, heute, wenn es notwendig werde, könnte es auch mit der Waffe daran teilnehmen. Bulgarien wird keinesfalls an der Seite Serbiens am Krieg teilnehmen. Die Gegensätze zwischen Serbien und Bulgarien seien un überbrückbar. Die serbische Antwort an die Mächte des . Vierverbandes. T. U. Chiasso, 11. Aug. Einer römischen Korrespondenz zufolge hat die serbische Regierung den Vertretern des Vier⸗ verbandes die Antwort auf deren Schritte vom 5. d. Mts. überreicht. Sie erklärt sich grundsätzlich mit den Mächten des Vierverbandes einverstanden, deren Wünsche die ihrigen seien, fügt jedoch hinzu, daß sie ihren Standpunkt nicht end⸗ gültig festlegen könnte, solange sie nicht von den Mächten die Garantie erhalte, daß die anderen Balkanstaaten nicht in der völligen Unnachgiebigkeit verharren. Die Cholera in Petersburg. Die Ausbreitung der Cholera in Petexsburg läßt sich nicht mehr vertuschen, obwohl behördlicherseits die Krankheit fast immer nur als akute Darmerkrankung bezeichnet wird. Der Petersburger Obevbürgermeister, Graf Tolstoi, hat bei der Sanitätsverwaltung die Erlaubnis nachgesucht, die Einwohner von dem Ausbruch der Epidemie in Kenntnis zu setzen. Die städtische Sanitätsver⸗ waltung hat in sechs Krankenhäusern Cholerabaracken aufgestellt. Unter dem Vorsitz des Petersburger Stadthauptmanns Fürsten Obolenski fand eine Sitzung der Aerzteschaft statt, in der über die zu treffenden Maßregeln beraten wurde. Choleraepidemie in Italien T. U. Lugano, 11. Aug. Wie von durchaus zuverlässiger Seite versichert wird, herrscht augenblicklich in Italien starke Cholera⸗ (pidemie. Die dagegen getroffenen Maßnahmen sind sehr mangel⸗ haft, die italienischen Sanitätsbehörden stehen der Epidemie ziemlich machtlos gegenüber. Die Seuche erfordert täglich viele Opfer. Die unzufriedenheit unter den englischen Arbeitern T. U. Amsterdam, 11. Aug. Die Unzufriedenheit unter den englischen Arbeitern äußert sich auf immer neuen Ge⸗ bieten. Die Angestellten der schottischen Eisenbahn⸗ und Lokomotiv⸗Werkstätten verlangen eine Erhöhung ihres Wochenlohnes um 5 Schilling. In der Baumwollindustrie widersetzen sich die Arbeitgeber der Forderung der Weber nach einer 5prozentigen Lohnerhöhung. Aus Bredford wird gemeldet, daß nur diejenigen Wollkämmer der Kammgarn⸗ spinnereien eine Kriegszulage von 2 Schilling erhalten sollen, welche die volle Zeit arbeiten wollten. Absturz zweier französischer Flieger. T. U. Paris, 11. Aug. Ein von dem Adjutanten Hoqueville und dem Sergeanten Spulat geführter Zweidecker wurde am Montag morgen bei Petit Bizetre bei der Landung in einem Kornfeld um⸗ geworfen. Die beiden Flieger, die schwer verletzt in das Spital von Versailles gebracht wurden, sind gestorben. Kriegsnotizen. Die Vossische Zeitung meldet: Am Sonntag morgen brach in einer Baumwollspinnerei in Bacup(Grafschaft Lancaster), wo Stoffe für Flugzeugbespannung angefertigt werden, Feuer aus. Der angerichtete Schaden beträgt etwa 400 000 Mk. Durch Spruch des Kommandanturgerichts in Colmar vom 5. August wurde die Ehefrau des Landwirts Michel Blaise vom Hof Langäckerle bei Stoßweier(Münstertal) wegen Kriegs ver⸗ rats zu einer Zuchthausstrafe von zehn Jahren und zehnjährigem Ehrverlust verurteilt. Das Gericht hat in tatsäch⸗ licher Beziehung festgestellt, daß die Angeklagte im Spätiahr 1914 den mit ihr verschwägerten Ackerer Martin Haberey den Franzosen angezeigt hat, weil er einen Anschlag des französischen Generals, General in Abschrift mitgeteilt hatte. Hierdurch hat sie die Gefangennahme des Haberey durch die Franzosen herbeigeführt. fallen 297 auf das letzte Vierteljahr) bewilligt worden. 3 . p—̃˙̃ ZT aY⏑ʃ.—— w— wr wmr—.emm̃nnmrrrrrrrrrrr rr ꝛ. Vom Genfer Territorialgericht wurde heute der Spio⸗⸗ und France⸗ nageprozeß gegen die Italiener Mari e den 8 Deutsche Elise chin i, den Schweizer Lardi und die Eli Sprenger beendet. Die Angeklagten wurden zu Gefängnis⸗ strafen von 10, 8, 6 und 3 Monaten, sowie zu Geldͤstrafen ver⸗ urteilt. Gegen die beiden Erstgenannten wurde auch auf Landes⸗ verweisung erkannt. Die Verurteilten hatten junge Deutsche, Frauen und Mädchen, nach Deutschland geschickt, um Auskünfte militärischer Natur zu erlangen, die an Italien übermittelt wer⸗ den sollten. 5 Das norwegische Storthing verbot die Alkoholein⸗ fuhr während der Kriegszeit. Für die Aufrechterhaltung des Verteidigungs zu standes der norwegischen Armee werden abermals 15 Mil lionen von der Budgetkommission eingestellt. England, Frankreich und Italien Vereinbarung über die Portofreiheit der getroffen. In der Daily Mail schreibt ein Oberst, daß ein lebhafter Handel mit ärztlichen Zeugnissen über die Untaug⸗ lichkeit zum Kriegsdienst stattfindet. Tatsächlich untaugliche Leute begeben sich zur Untersuchung und verkaufen dann ihr Untauglichkeits-Zeugnis. In einer Zuschrift an die Times fordert ein in London sehr bekannter Geistlicher strengere Maßregeln gegen das übermäßige Trinken besonders der Frauen und be⸗ schreibt die Auftritte, die man Samstags in den großen Verkehrs⸗ straßen beobachten kann. Parteinachrichten. Verhaftungen in Dresden. Am Samstag wurde— nachdem schon zweimal ergebnislos gehaussucht wurde— Genosse Wolf in Untersuchungshaft ge⸗ nommen. Um welche Sachen es sich dabei handelt, ist nicht bekannt. Wolf, der seit über 30 Jahren als Vortragender und Agitator im Plauenschen Grunde tätig und sehr beliebt ist, steht auf seiten der Parteiminderheit. Seine beiden Söhne verteidigen das Vaterland. * Richtigstellung. Zur Verurteilung der Genossen Martin und Wicky in Mül⸗ hausen hat das Pressebureau in Berlin eine Darstellung gegeben, die unrichtig ist. Es heißt da: 1 2 „Unbedeutende gesprächsweise gefallene Aeußerungen während der französischen Invasion in Mülhausen, die von einem Landsturmmann als Zeugen wiedergegeben wurden, bildeten die Grundlage der Beurteilung der Gesinnung der ver⸗ urteilten Genossen durch den Richter.“ 5 Da die Genossen Martin und Wicky sich noch in Schutzhaft befinden, sehen sich Unterzeichnete veranlaßt, folgende Erklärung abzugeben: Die Darstellung des Pressebureaus ist unrichtig. Der Land⸗ wehrmann war nicht als Zeuge geladen. Es wurde am Schlusse der Verhandlung ein Brief von ihm verlesen, der mit den Worten beginnt:„Wie ich soeben in der Zeitung lese, wurde der Landtagsabgeordnete Martin wegen deutschfeindlicher Kund⸗ gebung verhaftet, ich fühle mich verpflichtet“ usw. Tatsache ist, daß Abg. Emmel und Geschäftsführer Pargmann in der Hauptsache als Belastungs zeugen auftraten. In der Urteilsbegründung wurde gesagt, daß die zur Last ge⸗ legten Aeußerungen in den Räumen der Volkszeitung im vertraulichen Kreise gefallen sind. B. Böhle, R. Fuchs. „* haben eine Soldatenbriefe Jaurès⸗Gedenkfeiern in Frankreich. Die organisierten Arbeiter und Sozialisten Frankreichs feierten am 31. Juli und 1. August in großen Versammlungen das Andenken an ihren großen Führer. In Paris versammelten sich die Massen im Palais des Fétes, wo Genosse Renaudel eine Vorlesung aus Jaurès Buch über die„Neue Armee“ hielt, wobei er besonders hervorhob, daß der Verblichene— trotz seines Glaubens an die Wiedervereinigung Elsaß⸗Lothringens mit Frankreich— den Revanchegedanken ablehnte und die Gerechtigkeit von der Aus⸗ dehnung der Demokratie erwartete.— In Lyon sprach Professor Levy über die Größe von Jaurès.— In Albi, wo die Asche des großen Sozialisten provisorisch bestattet ist, versammelten sich die Arbeiter der Stadt sowie aus Carmaux, Cagnac und der ganzen Umgegend und schmückten das Grab mit Blumen. Im Midi Socia⸗ liste veröffentlichte Genosse Ellen Prévot, Deputierter von Toulouse, seine Erinnerungen an Jaurss, die sich hauptsächlich auf die große Gelehrsamkeit und das fortgesetzte Studium von Jaurés beziehen. Das Zentralorgan der italienischen Partei über Deutschlands Verteidigungskrieg. Schon zum Jahrestag des Kriegsbeginnes hat der Avanti einen außerordentlich besonnenen, ganz objektiv historischen Rück⸗ blick auf die den letzten Anstoß zum Kriegsausbruch bildenden Er⸗ eignisse des vorigen Jahres gebracht, aus dem es niemand ge—⸗ lingen könnte, die Formel von Deutschlands brutalem Angriff herauszulesen. Nun bringt aber die Nummer vom 4. August einen Leitartike der geradezu nachweist, daß nur Deutschland berechtigt ist, von seinem Verteidigungskrieg zu sprechen. Der Avanti kommentiert die kaiserlichen Kundgebungen in Deutschland und Rußland und findet, im Gegensatz zu den sehr positiven, längst erklärten Croberungsplänen der russischen dier gierung, die sich auf die Friedenssicherungen bei ö des deutschen kaiserlichen Manifestes unendlich vieldeutig und be⸗ ängstigend unbestimmt, meint auch, daß der Kaiser ebensowenig i Namen des ganzen deutschen Volkes spreche wie der russische Kaiser, und daß sie aber als Häupter kapitalistischer Staaten und Vertreter großer Militärmächte nun einmal kein pazifistisches 11 1 könnten, weil das dem widerspricht, die sie vertreten.. 8 ö Ae under er, daß Deutschland, d. h. die deutsche Re⸗ gierung, heute zweifellos sagen dürfe, daß ihr Krieg ein Ver⸗ teidigungskrieg ist. Alle leidenschaftlichen Ergüsse der Feinde Deutschlands— von Lloyd George, Sazanoff und den Monarchisten Frankreichs bis zur Humanite⸗— beweisen käg⸗ f lich, daß Deutschland berechtigt ist, sich für angegriffen zu halten. Es könne sich auch gegen Liebknechts Beschuldigung, einen Präventivpkrieg heraufbeschworen zu haben, verteidigen und nachweisen, daß dagegen an⸗ dere„demokratische“(vom Avanti mit Anführungszeichen ver⸗ sehen) Länder Präventivkriege als ganz legal anerkannt und auch geführt hätten, während es seinerseits, ungeachtet der zahl⸗ reichen dafür geeigneten Gelegenheiten, keine Kriege herauf beschworen hat. Alle seine Gegner hätten außerhalb und inner⸗ halb Europas Kriege geführt und„gemacht“, in einer, Zeit, in der Deutschland nur die einzige koloniale Expedition in Südafrika zu Militärausgaben geringer als die seiner Feinde wären. Der Avanti erwähnt hier die von Morel im Labour Leader neulich ge⸗ brachten Vergleiche der deutschen Rüstungen mit denen der Ver⸗ bündeten(auch von uns gebracht), die beweisen, welcher Mili⸗ tarismus der eifrigst rüstende war. Deutschland könne sich außer⸗ dem darauf berufen, daß die von Rußland und England unter⸗ stützten„Einkreisungsmanöver Delcassées“ von 1905 und die ihm gestellte„Falle von Algeciras“— zwei Ausdrücke, die der Avanti Marcel Sembat entnimmt, der heute mit demselben Delcasses im Ministerium sitze— ihm die klare Erkenntnis, einem unge⸗ heuern politischen und militärischen Trust gegenüberzustehen, hat bringen müssen, der zu seiner Schädigung begründet war. 3 Zweck der Ausschließung gerade seines Handels, gerade seiner dlühenden Industrie, gerade seines Einflusses von all den Län⸗ dern, die unterdessen der Machtsphäre der andern einverleibt wur⸗ den, wie Marokko. Persien, Syrien usw. Und Deutschland könne sich darauf berufen, daß in dem gewaltsamen Kampf, den England um Aufrechterhaltung seiner niedergehenden industriellen Hege⸗ monie führt, es jederzeit gewärtig sein mußte, von seinem Rivalen blockiert und durch Hunger bezwungen zu werden. 5 1 Im Schlußabsatz seines Leitartikels, für den die Verbündeten dem Avanti wenig danken werden, meint er dann, daß, wenn dies alles in Wahrheit von Deutschland behauptet werden kann, aller⸗ dings noch eine Kehrseite da wäre, die das offizielle Deutschland freilich nicht zugeben werde, und das sei, daß es im Innern freilich Rußlands Verbündeter war in allem, was kosakisch und rück⸗ schrittlich ist, und daß es seine Irredenta durch allerlei Drohungen gereizt habe, die den Außenstehenden öfters die Auffassung ge⸗ 5315 habe, daß es kriegerischere Absichten hege, als es wohl der Fall war. Soziales. Die Leistungen der Landesversicherungsanstalten. 0 Nach einer im Reichsversicherungsamt gefertigten Zusammen⸗ stellung sind von den 31 Landesversicherungsanstalten und den 10 vorhandenen Sonderanstalten bis einschließlich 30. Juni 1915 2419 803 Invalidenrenten, 167 438 Krankenrenten, 545 335 Alters⸗ renten, 27 207 Witwen- und Witwerrenten, 1071 Witwenkranken⸗ renten, 115 153 Waisenrenten(Rente an Waisenstamm), 46 Zusatz⸗ renten bewilligt worden. Davon sind in dem letzten Kalender⸗ vierteljahre 25 327 Invalidenrenten, 2518 Krankenrenten, 2791 Altersrenten, 2728 Witwen- und Witwerrenten, 160 Witwenkranken⸗ renten, 26 449 Waisenrenten, 4 Zusatzrenten festgesetzt worden. In⸗ folge Todes oder aus anderen Gründen sind bereits 1394 203 Invalidenrenten, 146824 Krankenrenten, 462 320 Altersrenten, 2065 Witwen⸗ und Witwerrenten, 325 Witwenkrankenrenten, 7550 Waisenrenten, 15 Zusatzrenten weggefallen, sodaß am 1. Juli 1913 noch 1025 600 Invalidenrenten, 20 614 Krankenrenten, 83 015 Altersrenten, 25442 Witwen⸗ und Witwerrenten, 746 Witwen⸗ krankenrenten, 107 603 Waisenrenten, 31 Zusatzventen liefen. Da⸗ nach hat sich im letzten Vierteljahre der Bestand an Krankenrenten um 622, an Witwen- und Witwerrenten um 2395, an Witwen⸗ krankenrenten um 121, an Waisenventen um 25 275, an Zusatz⸗ renten um 2 erhöht und der Bestand an Invaliden renten um 194, an Altersrenten um 612 vermindert. Bis einschließlich 30. Juni 1915 ist Witwengeld in 36 850 Fällen(davon entfallen 8145 auf das letzte Vierteljahr) und Waisenaussteuer in 2048 Fällen(davon ent⸗ Diethelm von Buchenberg. Erzählung von Bertold Auerbach. 47 „Martha, ich bin frei,“ sagte Diethelm, sie aufrichtend, „nimm dich zusammen und sei froh. Es ist ja alles wieder gut.“ Martha hielt immer noch seine Hand fest, und das erste Wort, das sie sprach, war:„Alles, was ich auf dem Leib trage, schenke ich einer armen Frau, und meinen Mantel auch, und ich will Gutes tun an der ganzen Welt. Komm', Diethelm, komm', weißt, was wir tun wollen? Wir wollen jetzt gleich in die Kirch' gehen. Komm', Fränz, komm'.“ „Du bist jetzt so schwach, laß es auf ein andermal.“ „Nein, nein, jetzt gleich, ich bin nicht schwach, es hat mich nur so angewandelt. Ich bitt' dich, folg' mir jetzt, ich will dir auch in allem folgen, was du willst.“ Diethelm mußte willfahren und mit seiner Frau in die Kirche gehen. Es schauerte ihn und durchfuhr ihn eiskalt, als er in die hohe Halle eintrat; er warf sich mit seiner Frau vor dem Altar nieder und bat Gott, ihn auf dieser Welt um seiner Frau und seines Kindes willen zu verschonen. Als sie aus der Kirche traten, wo sich viele Menschen ver— sammelt hatten, schenkte Martha sogleich einer armen alten Frau ihren Mantel und gab nicht nach, daß sie den Mantel nur noch bis zur Post behalten möge. Diese Schenkung, so— wie der auffallende Kirchgang überhaupt, verbreitete sich schnell, und Diethelm hörte schon auf seinem Heimwege davon reden. Viele Menschen, die er starr ansah, zogen den Hut vor ihm ab, und er sah, daß er neue Ehre gewonnen habe, er Par entschlossen, sie zu behaupten. Als sie aus der Kirche zurückgekehrt waren und die Glück— wünschenden sich entfernt hatten, saß Diethelm lange am Tische, auf den er die Arme gestemmt und den Kopf in die Hände gedrückt hatte, und als ihn Martha bei der Hand faßte, schaule er zu ihr auf und große Tränen rollten über seine Hakan. Zum ersten Male in ihrem Leben sah Martha ihren Kiethelm weinen, sie schrie laut auf, er aber beruhigte sie, und es war die volle Wahrheit, als er ihr sagte, daß diese Tränen ihn erfrischt und ihm hellen Mut gegeben hätten. Martha drängte, daß man noch heute heim nach Buchen⸗ berg zurückkehre. Diethelm sah sie traurig an, da sie vom Heimkehren sprach, wo waren sie daheim? Er fragte nach seinen Rappen, und als er hörte, daß sie in Buchenberg stün⸗ den, blieb er fest dabei, erst morgen abzureisen; er schickte so⸗ gleich einen Boten nach seinen Pferden, das war das einzige, was ihm lebendig von seiner früheren Habe verblieben war, und mit ihnen wollte er stolz in Buchenberg einziehen. XXII. Nahezu zwei Monate hatte Diethelm im Gefängnis ge— sessen, es hatte mehrmals getaut, aber auch immer wieder frischen Schnee gelegt, und heute war ein heller, mäßig kalter, echter Schlittentag. Diethelm hatte sich gewundert, daß nicht der Vetter selber das Fuhrwerk gebracht, sondern einen Knecht mit demselben geschickt hatte. Die Rappen schienen ihren Herrn nicht mehr zu kennen, sie senkten die Köpfe, so sehr auch Diethelm sie klatschte, mit ihnen sprach und ihnen salzbestreu— tes Brot vorhielt, sie hatten eben jenen gejagten Brandabend noch nicht vergessen und spürten ihn noch immer. Diethelm dachte, daß alle Welt verändert sei, und gewiß waren alle Häuser verschlossen, und niemand drängte sich zu ihm und reichte ihm die Hand, nicht einmal der Vetter war gekommen, ihn abzuholen. Die Menschen sind alle falsch wie Galgenholz, sie klagen und krächzen um einen Toten, und wenn er plötz⸗ lich wiederkäme, sie wären voll Zorn auf ihn, weil er sie um ihr Mitleid betrogen. So dachte Diethelm, als er mit dem Wolfsschur angetan auf dem Vordersitz saß und die Pferde lenkte, hinter ihm saßen die Mutter und Fränz. Diethelm nahm sich vor, nur noch einmal nach Buchenberg zurückzukehren, allen seine Verach⸗ tung zu zeigen und sie dadurch zu züchtigen, daß er den Ort auf ewig verließ, sie waren es nicht wert, einen Mitbürger zu haben wie er. Er überlegte plötzlich, daß eigentlich nie⸗ mand in Buchenberg sei, bei dem es ihm der Mühe wert war, was er von ihm denke; sie sollten aber einsehen, wer er war, wenn er nicht mehr in ihrer Mitte sei. Es tat ihm nur leid, daß er nicht eine wirkliche Rache an ihnen nehmen könne, der Vetter vor allem sollte es büßen, seine Hypothek war gekündigt. 50 1 Während er aber noch den Rachegedanken nachhing, erhob sich in ihm plötzlich der Zweifel, ob er ihnen Folge leisten dürfe. Wohl war die ganze Welt sein Feind, aber er durfte ihr nicht zeigen, daß eine Veränderung mit ihm vorgegangen sei, und wenn alles stechende Blicke auf ihn richtete, so war es doch klüger, zu tun, als ob man das nicht bemerke— falsch sein gegen die falschen Menschen, das ist das beste, um unver⸗ sehens ihnen die Gurgel zuzudrücken; aber auch das muß vor⸗ sichtig und schlau geschehen. Hin und her warf es Diethelm in Gedanken, denn so argwöhnisch gegen sich und gegen die Welt ist ein Herz, das Arges in sich verborgen hegt. N fingen zu, sagte Fränz:„Vater, ich hör' Musik den Berg her⸗ auf, horcht, sie kommt näher. Was ist das?“ 1 Auch Diethelm hörte es. Das Leitseil schwankte hin und her, so zitterten seine Hände; er faßte es straff. 1 „Ich mein' immer,“ sagte die Mutter mit verklärtem Antlitz,„es sei alles nur ein Traum gewesen. Oh, das wär doch prächtig, wenn unser Haus noch stünde, und alles wär“ nicht wahr.“ a „Weibergeschwätz, es ist alles wahr, still!“ sagte Diethelm zornig; die Kälte, die er immer innerlich spürte, rann ihm jetzt wieder durch Mark und Bein. Er hielt an und trank einen mächtigen Zug Heidelbeergeist. Die Musik kam immer näher. Man sah jetzt einen großen Trupp Reiter, und einer ritt im Galopp vorauf nach Diethelm zu, kehrte aber bald um und ordnete die Zurückgebliebenen hüben und drüben an der Straße zu Spalier. 4 Was sollte das sein? Sollte Diethelm wieder gefangen genommen werden? Aber wozu war dann die Musik? ie Rappen, von den Klängen erweckt, hoben die Köpfe hoch und rannten wiehernd davon. 1 Fortsetzung folgt.) e 1 gen beziehenden Stellen Wesen der Macht Zum Eine Strecke ab von der Kalten Herberge, Untertal- 1 buchen habe. Auch könne Deutschland sich darauf berufen, daß seine dani könnt gland Hegt⸗ wale deter n dier allet laub reilit rü ungen g ge hl de Hessen und Nachbargebiete. Gießen und Umgebung. Die Kartoffelfrage. Die Kartoffelversorgung des deutschen Volkes im ersten Kriegsjahre war, wie die Leser wissen, eine wahre Tragi— komödie. Zuerst ein steigender Wucher, der selbst die sanf— testen Seelen in die stärkste Erregung versetzte, dann ein langsames und unsicheres Eingreifen der Regierung, dazu Masseneinkäufe durch die Städte, deren Kartoffeln zum Teil halb verfault auf den Markt gebracht wurden, plötzlich ein starkes Ueberangebot von Kartoffeln und dann wieder die tollsten Preistreibereien. Wir wissen nicht einmal, ob wir mit diesem Ausschnitt aus der Erscheinungen Flucht das Bild vollständig wiedergegeben haben. Jetzt naht sich von Mitte August ab die neue Kartoffelernte und schon hören wir auf der einen Seite allerlei Beschwichtigungsversuche offiziöser Natur, und auf der andern Seite Berichte von Vorverkäufen der Kartoffelbauer an Händler und Agenten. Wir hören auch, daß gegenwärtig im Schoße der Reichsleitung die be— rühmten Erwägungen schweben und Verhandlungen über die Verwendung und Verteilung der neuen Ernte. Es wird daraus nichts Einzelnes und Sicheres bekannt, nur heißt es, daß eine allgemeine Beschlagnahme auch für die kommende Ernte sicher nicht kommen werde. Danach steht als nur gerade das negativ fest, was die Konsumenten und alle volks— freundlichen Politiker im vorigen Jahre positiv gefordert hatten: die allgemeine Beschlagnahme der Kartoffeln. Es besteht nun die Aussicht, daß wir wieder in die schönsten Zeiten von Kartoffelwucher, Kartoffelknappheit und Kartoffel— verderben hineingeraten, wenn nicht die öffentliche Meinung, im besonderen die Presse und die Parlamente, beizeiten mit Energie ihre alten Forderungen wiederholen und den Be— hörden klarmachen, daß sich niemand erneut solche Zustände gefallen lassen wird, wie sie im vorigen Jahre auf dem Kar— toffelmarkte hervortraten. Der Bundesrat muß sich darüber klar werden, daß die Kartoffeln, deren steigende Verwendung für Brotersatz, Viehfütterung und gewerbliche Zwecke den menschlichen Verbrauch einengt, eine desto größere Fürsorge beanspruchen. Das freie Spiel der Kräfte kann hier geradezu eine nationale Gefahr werden, da die Kartoffeln wie kein anderes Nahrungsmitel die Nahrung des kleinen und armen Mannes darstellen. Es muß vor allem dafür gesorgt werden, daß eine Bundesratsverordnung herauskommt, die, wie das beim Getreide geschah, alle Vorverkäufe in Kar⸗ toffeln für nichtig erklärt. Es muß weiter für eine genügende Beschlagnahme und kontrollierte Verwahrung und Pflege der neuen Kartoffelernte gesorgt werden, und es muß vor allen Dingen durch ein kluges Hand in Hand arbei— ten von Kommunen und landwirtschaftlichen und gewerblichen Organisationen ein sicherer und billiger Vertrieb organisiert werden, und es müssen schließlich sobald ie nur möglich, durch die Landesbehörden und durch die Kommunalbehörden je nach den lokalen Verhältnissen niedrige Höchstpreise für den Kleinverkauf festgesetzt werden. Dieses Programm ist so klar, so einfach und in den Erfolgen gesichert, daß es das Mindeste darstellt, was das deutsche Volk in seinen minderbemittelten Schichten in der Kartoffelfrage von der Regierung fordert und erwartet. Die Witwe. Dem Hauptbahnhof zu marschiert ein Trupp Soldaten. Feld⸗ bereit in Ausbildung und Ausrüstung, ziehen sie mit Blumen und Laub geschmückt dahin, in den Gewehrläufen flatternde Fähnchen, die ihren erhitzten Gesichter Kühlung zuwehen. Viele Angehörige, meist Frauen und Kinder, bleiben in ungewohntem Marschschritt ihnen zur Seite, um den Fortziehenden das Geleite zu geben— vielleicht das letzte. Manchem der Vorübergehenden, die den Abziehenden mit Händen und Tüchern ihre Grüße zuwinken, wird der Gedanke: für wie viele ist es unser letzter Gruß? plötzlich die Hand schwer und sinken machen! Und nun gar die junge schwarzgekleidete Mutter, die dort am Haustor lehnt, ihren dreisährigen Buben neben sich. Welche Gedanken lassen eben ihr Herz erschauern? Ihr Bubche jubelt über das Trab, Stapf der Feldgrauen, über das spielerische Flattern der bunten Fähnchen, über das lustige Quieken der Pfeifen und das fröhliche Rollen der Trommeln.„Grad wie 7 7 meint es glückstrahlend zur Mutter;—„kommt Vatti jetzt auch?“ Mit wehem Herzen zieht die Mutter den Kleinen an sich, der gar nicht begreift, warum es die Mutter nicht weiß. Die aber wehrt dem Tränenschleier ihrer Augen, vor denen das gleiche Bild von damals aufsteigt: wie auch sie Abschied winkte im zitternden Glauben an das Wiedersehen... Genosse Heinrich Busold 7. Gestern nachmittag ist Genosse Heinrich Busold in Friedberg seinem schweren Leiden er⸗ legen. Die oberhessische Sozialdemokratie verliert in diesem be⸗ währten Volksmanne, Gemeindevertreter und Parlamentarier, einen ihrer besten. Wir werden sein Leben und Wirken morgen eingehender zu würdigen haben. — Beseitigung der politischen Parteien wünscht der Ab— geordnete des Wahlkreises Gießen, Dr. Werner. Im gestrigen Gieß. Anz. gibt er seine diesbezügliche Ansicht zum besten, die er vorher in einem im Kunstwart veröffentlichten Artikel auseinandergesetzt hat. Es sei ein Satz daraus wie— dergegeben: 5. „Was Wunder also, wenn sich nun die Stimmen mehren, die des Parteiwesens überdrüssig sind? Ange⸗ sichts dessen, was die Parteien fast ausschließlich geworden, begreift sich der Wunsch des„Hammers“, des„Volks— erziehers“ und anderer durchaus:— möchte aus dem heuti— gen Parteikram und dem Parlamentarismus mit seinen dürftig verhüllten wirtschaftlichen Interessenvertretungen eine wahrhaftige, offene Ständewahl her⸗ vorgehen, wie sie schon seit Jahrzehnten immer wieder ge— fordert wurde, und wie sie bei der tatsächlich vorhandenen Zusammenschließung aller Berufe auch wohl erreicht wer— den könnte.“ Also„Ständewahl“, die von t „beutsch-sozialen“ Partei und der dieser verwandten Rich— tungen und Gruppen bereits früher gefordert wurde. Und die Erläuterungen, die jene Politiker von ihrem Ideal gaben, zeigten, daß man es mit einem höchst unmodernen Möbel zu tun hat; Ständevertretungen und Ständewahl wären Ein⸗ der sogenannten richtungen, wie sie ruckstandiger und ungerechter nicht ge— dacht werden könnten. Dabei würde die Masse der Arbeiter— schaft um ihre Rechte geprellt und ihr jeder Einfluß genom— men; die Arbeiter wären so gut wie rechtlos!— Dr. Werner denkt sich den„Burgfrieden“ und die Abschaffung der Par— teien einfach so, daß sich alle zu seinen politischen Ansichten bekennen sollen! Wenn die andern Parteien sich die Sache ebenso denken, dann dürfte es eine ganz nette Auseinander- setzung darüber geben, welche Grundsätze und Anschau— ungen in dem einen großen„völkischen Block“ maßgebend sein sollen! Zum Schluß schiebt Herr Werner dem Kaiser die Aufgabe zu, mit den Parteien aufzuräumen. Er mutet dem Kaiser damit wirklich zu viel zu und auch— dem Volke. Selbst der Gieß. Anz. lehnt die Ansichten Dr. Werners entschieden ab, mit denen man sich in der Tat kaum ernsthaft beschäftigen kann. — Einbruchsdiebstahl. In der Nacht zum Mittwoch wurde aus einem außerhalb der Stadt gelegenen Gebäude mittels Einbruch entwendet: 1 Gewehr M. 98, dessen Lauf für Bleigeschosse hergerichtet ist, mit der Fabriknummer 88261, im Werte von 100 Mark, auf dessen Hülsenkopf „Waffenfabrik Mauser A.⸗G. Oberndorf a. N. 1908“ steht; ferner eine Pistole mit Patronen und eine Diopter-Blend⸗ scheibe.— Weiter wurden aus einem Garten an der Lahn— straße 8 junge, ½ Jahr alte, bunte Hühner gestohlen.— Sachdienliche Mitteilungen bezüglich der Täterschaft nimmt die Kriminalpolizei entgegen. Wie's bei der Getreide-Bestandsaufnahme und Abliefe— rung bisweilen zugeht. Aus Dornheim im Kreise Groß— Gerau wird dem Darmstädter Volksfreund gemeldet: Man hat in diesem Kriege schon zu oft die Erfahrung machen müssen, daß gerade die Leute, die anderen gegenüber immer das Wort„Patriotismus“ im Munde führen, sich gar nicht patriotisch benehmen, wenn das Interesse ihres Geldsackes in Frage kommt, so daß man schließlich über nichts mehr er— staunt. Ja, man gewöhnt sich sogar schon daran, daß selbst Leute, die öffentliche Aemter bekleiden, ihren Vorteil auf Kosten ihrer Nebenmenschen zu wahren wissen. So fanden hier kürzlich Ablieferungen von Korn an den Kommunalver⸗ band statt, wobei sich ergab, daß der Frucht cn über das übliche Verhältnis hinausgehender Prozentsatz von Sand zu— gesetzt war. Wie das Verhältnis aussieht, ersieht man daran, daß sich beispielsweise in zwei Sack(4 Zentner) Korn 95 Pfund Sand befanden. Wie wir hören, soll die Angelegen⸗ heit zur Anzeige gebracht werden, was sich eigentlich von selbst versteht, denn wer in dieser Weise sich am Volke versündigt, gehört unter allen Umständen auf die Anklagebank. Was ist ungerechtfertiger Händlergewinn? Die Bundes— ratsverordnung über die Bekämpfung des Kriegswuchers ent— hält, wir wir bereits dargelegt haben, eine Lücke insofern, als sie den Begriff des übermäßigen, ungerechtfertigten Gewinns nicht fest umgrenzt. Das versucht nunmehr jetzt die sächsische Staatsregierung zu tun. Nach der sächsischen Staatszeitung hat das Dresdener Ministerium des Innern soeben folgende Verordnung an die Kommunalverbände erlassen:„Durch die Bekanntmachung des Reichskanzlers gegen übermäßige Preis- steigerung vom 23. Juli 1915(Reichsgesetzblatt S. 467) ist eine breite Grundlage geschaffen worden, auf der die Behör⸗ den dem Kriegswucher entgegentreten können. Dies mit Nachdruck, schnell und rücksichtslos zu tun, ist nunmehr die Pflicht und Schuldigkeit der Polizeibehörden. Das Mini- sterium des Innern erwartet, daß sie diese Aufgabe tatkräftig in die Hand nehmen und, ohne erst Anzeigen oder Beschwer— den aus der Bevölkerung abzuwarten, die Preise der ein— zelnen Lebensmittel und die Verhältnisse des örtlichen Marktes einer gründlichen Prüfung unterziehen. Es ist dringend notwendig, daß das offenbar noch bei vielen vor— handene Bewußtsein, ein jeder könne aus seinen Geschäften den Nutzen ziehen, den die„Marktlage“, das heißt zumeist die Notlage seiner Mitbürger, zulasse, durch eine Reihe strafrecht— licher Verfolgungen und womöglich Verurteilungen gründlich erschüttert wird. Wo immer die Vermutung nahe liegt, daß in den Preisen von Gegenständen des täglichen Bedarfs über— mäßige Gewinne enthalten sind, ist den Dingen mit unerbitt— licher Schärfe auf den Grund zu gehen. Stellt sich heraus, daß der Gewinn des Verkäufers in mäßigen Grenzen bleibt, so ist weiter der Gewinn des Zwischenhändlers oder Groß— händlers und letzten Endes des Erzeugers, nötigenfalls unter Inanspruchnahme der Hilfeleistung anderer Polizeibehörden zu untersuchen. Ergibt sich an irgendeiner Stelle ein über— mäßiger Gewinn, so ist unverzüglich das Strafverfahren in die Wege zu leiten. Was als übermäßiger Gewinn zu be— trachten ist, werden in letzter Linie die Gerichte zu entscheiden haben. Bis dahin haben die Verwaltungsbehörden von halt dafür, was als erlaubter Gewinn gelten muß, bildet der im Frieden herkömmlich gewesene Gewinn; der Krieg recht— fertigt keine höheren Gewinne. Deshalb ist, wenn die Ver— waltungsbehörden sich bei der Untersuchung sachverständigen Beirates bedienen, dieser in erster Linie zur Feststellung der Preisspannungen unter normalen Verhältnissen zu benutzen und erst von hier aus zu der Untersuchung der besonderen durch den Krieg hervorgerufenen preissteigernden Umstände überzugehen. Es wird zuweilen von Händlern und Klein— verkäufern daraus, daß sie an einer Ware im Frieden einen Nutzen von z. B. 10 Prozent haben, die Berechtigung herge— leitet, auch jetzt 10 Prozent Nutzen zu fordern, obwohl der Einstandspreis der Ware infolge des Krieges auf das Dop— pelte gestiegen ist. Das ist unzutreffend. Breissteige— rung einer Ware auf das Doppelte rechtfertigt noch lange nicht die Steigerung des Händlernutzens gleichfalls um das Doppelte, wennschon eine geringe Steigerung vielleicht in— folge erhöhten Risikos usw. billig sein mag. Der Umstand, daß der gleiche Preis für eine Ware von allen oder vielen Verkäufern oder Erzeugern verlangt wird, oder daß an an— dern Orten der gleiche oder ein höherer Preis dafür verlangt wird, ist noch kein Anzeichen dafür, daß in ihm nicht ein über— mäßiger Gewinn enthalten wäre.“— Diese Verordnung empfehlen wir unserem Staatsministerium zur Nachahmung recht warm. Die — Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Wehrmann Heinrich Walter aus Storndorf, Kr. Alsfeld, Inf.⸗Regt. 222.— Unteroffizier Emil Kaiser, Inf. Regt. Nr. 116. — Herrenloses Fahrrad. In der wurde im September vorigen Jahres ein Fahrrad der Marke „Opel“ mit der Fabriknummer 15 338 aufgefunden, das schon seit Wochen herrenlos dort gestanden hat und offenbar von einem Dieb⸗ stahl herrührt, da die Fabriknummer bis zur Unkenntlichkeit ver⸗ beult ist. Der Eigentümer kann sich bei der Kriminalpolizei dahier melden. Zeughauskaserne Gießen Ee Freigabe von Ledervorräten. Das preußische Kriegsmini⸗ sterium hat sich bereit erklärt, für die Heeresverwaltung nicht ge⸗ eignete Ledervorräte der Privatindustrie freizugeben. Es ist zu diesem Zwecke eine„Kontrollstelle für freigegebenes Leder“ mit dem Sitze Berlin W. 56, Markgrafenstraße 45, gegründet worden. Ihre Aufgabe ist es, darüber zu wachen, daß das vom Kriegs⸗ ministerium freigegebene Leder unter Zugrundelegung der vom Kriegsministerium festgesetzten Richtpreise bei Zubilligung eines angemessenen Gewinns an den Lederhandel dem Lederverbraucher zugeführt und eine spekulative Zurückhaltung sowie jede Preis⸗ treiberei vermieden wird. Die Bestimmungen für die Kontroll⸗ stelle sowie die Verkaufsbedingungen nebst Verxpflichtungsschein können durch die Handelskammer Darmstadt den in Frage kom⸗ menden Interessenten bekannt gegeben werden. et Vatzlot. — Braunfels. Das Ehepaar Ludwig Debus beging am 6. August das Fest der goldenen Hochzeit. Westerwold und Unterlahn. * Durch unvorsichtiges Umgehen mit dem Revolver fand ein Unterzahlmeister namens Braun in Nieder lahnstein den Tod. Braun war mit Einpacken seiner Sachen beschäftigt, wobei er mit dem Revolver hantierte. Dieser entlud sich plötzlich, der Schuß traf den Braun ins Herz und er war nach wenigen Augen⸗ blicken eine Leiche. Bon Nah uiid Fern. Sechzigjähriges Doktor⸗Zubilaum. In Frankfurt feierte gestern der rühmlichst bekannte Kinderarzt, Geheimer Sanitätsrat Dr. Heinrich Rehn sein 60jähriges Doktorjubiläum. Aus diesem Anlaß versammelte sich am Dienstag im Festsaal der Senkenbergi⸗ schen Bibliothek der Aerztliche Verein zu einer Festsitzung, die sich zu herzlichen Ehrungen für den Nestor der Frankfurter Aerzteschaft gestaltete. Verschiedene Redner würdigten die Bedeutung des Jubilars für die Erforschung der Kinderkrankheiten, besonders der„englischen Krankheit“, über die Rehn auch ein bedeutsames Werk schrieb. Geheimrat Dr. Rehn wurde am 20. Mai 1831 zu Hanau geboren, in Marburg erwarb er sich am 11. August 1855 den Doktorhut. 1872 gründete er in Frankfurt die noch heute blühende Poliklinik für Kinderkrankheiten. * Erdbeben in Italien. In den letzten Tagen haben ver⸗ schiedentlich Erdbeben in Süditalien stattgefunden, die ziemlich heftig gewesen sein müssen und wahrscheinlich erhebliche Zer⸗ störungen verursacht haben müssen. Genaueres darüber ist nicht bekannt, da offenbar die italienische Zensur nähere Nachrichten nicht ins Ausland gelangen läßt. Durch eine solche blödsinnige Maßnahme wird allerdings der angerichtete Schaden nicht geringer. Telegramme. Ugezberitt hes grofen Huuptnunrtien. Die ganze russische Front östlich von Lomza weicht. Das Fort Benjaminow besetzt. Ueber 3000 Gefangene. W. B. Großes Hauptquartier, 11. Aug., vorm.(Amtlich.) Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. Schwächere Vorstöße, die die Russen in den letzten Tagen längs der Straße Riga—Mitau machten, wurden leicht abgewiesen. Sonst nördlich des Njemen keine Ver⸗ änderung. Ein Augriff starker russischer Kräfte aus Kowno her⸗ aus scheiterte. Die Zahl der dort seit dem 8. August gefangenen Russen erhöhte sich auf 2116, die der Ma⸗ schinengewehre auf 16. Oestlich von Lomza weicht die ganze rufsisch e Front. stark ausgebaute Czerwony-Bor⸗Stellung lonnte vom Feind nicht gehalten werden. Unsere ver⸗ folgenden Armeen überschritten den Czerwony-Bor und dringen östlich desselben vor. Der Bahnknotenpunkt südöstlich von Ostrow wurde genommen. Oestlich von Nowo-Georgiewsk wurde das vom Feind geräumte Fort Benjaminowbesetzt. Die Festungen Nowo⸗Georgiewsk und Brest-Litowsk wurden von unseren Luftschiffen mit Bomben belegt. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Die verbündeten Truppen erreichten in scharfer Verfol⸗ gung mit linkem Flügel die Gegend von Kaluczym; auf dem rechten Flügel stürmte die Armee des Generalobersten v. Woyrsch heute früh die feindlichen Nachhutstellungen beider⸗ seits Jedlanka(westlich von Luckow); es wurden über 1000 Gefangene gemacht. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen. Die verbündeten Truppen sind im Angriffe gegen feindliche Stellungen hinter den Abschnitten der Bystrzyca (südwestlich von Radzyn), der Tysmienica(westlich von Parczew), sowie in der Linie Ostrow—Uchrusk. Am oberen Bug und an der Zlota-Lipa ist die Lage unverändert. Während die Russen auf ihrem raschen Rückzuge aus Galizien und in dem eigentlichen Polen die Wohnstät⸗ ten und die Erntefrüchte überall in sinnlosester Weise zu vernichten suchten, was ihnen allerdings bei der Eile, mit der sie sich bewegen mußten, häufig nur lücken haft gelang, haben sie diese Taten jetzt, wo sie nicht mehr in von rein polnischer oder ruthenischer Bevölkerung bewohnte Gegenden gelangt sind, eingestellt. Westlicher Kriegsschauplatz. Nördlich von Souchez wurde ein französischer Hand granatenangriff abgeschlagen. Bei Courecy nördlich von Reims versuchten die Frau⸗ zosen einen von ihnen vor unserer Front gesprengten Trichter Die küstenländischen Front nahm gestern Rande des Plateaus theken wurden geleert zu besetzen. Sie Wurden daran gehindert. Der Trichter wurde von uns in Besitz genommen. Unsere Infanterie wies am späten Abend einen Angriff auf den Lingekopf ab. Oberste Herresleitung. * Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Verfolgung der Russen bei Kozk. Schwere italienische Verluste. Wien, 11. August.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart, 11. August 1915, mittags: Ruflischer Kriegsschauplatz. g Die über den Wieprz vorgedrungenen österreichisch⸗ungari⸗ schen Truppen vertrieben gestern den Feind aus der Gegend nord⸗ westlich Kozk und setzten die Verfolgung in nordwestlicher Richtung fort. Zwischen der oberen Tysmieniea und dem Bug, wo die Russen in der Linie Ostrow—Uchrusk neuerlich festen Fuß gefaßt haben, ist der Angriff der Verbündeten im Gange. Sonst im Nordosten nichts Neues. Italienischer Kriegsschauplatz Die Artillerie- und Angriffstätigkeit der Italiener au der wieder an Umfang zu. Am von Dober do griffen starke feindliche Kräfte unsere Stellungen östlich Monfalcone an. Diese verblieben nach erbitteetem Kampfe ausnahmslos in unserem Be⸗ sitz. Der abgewiesene Gegner erlitt namentlich durch flankieren⸗ des Geschützfeuer schwere Verluste. Zwei Angriffe gegen den nach Westen vorspringenden Plateauteil wurden schon durch unsere Artillerie erstickt. Gegen den Görzer Brückenkopf ver⸗ suchten sich die Italiener bei Pevng näher heranzuarbeiten. Hier wurden sie mit Handgranaten vertrieben. Ein in der Dunkel⸗ heit bei Zagrado(südöstlich Plava] angesetzter feindlicher Angriff mißlang ebenso wie der vorgestrige. Im Kärntner und Tiroler Grenzgebiet 60 ist die Lage ert. unver⸗ Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschallentnant. 1 55 8 Deutscher Angriff auf die befestigte 0 Schäreninsel Utoe. Die feindlichen Seestreitkräfte zum Rückzug gezwungen. Berlin, 11. Aug.(W. T. B. Amtlich.) Am 10. August griffen unsere Ostseestreitkräfte die in der Ein⸗ fahrt zu dem Alands⸗Archipel liegende befestigte Schären— insel Utoe an. Sie zwangen durch ihr Feuer in der Ein— fahrt stehende russische Streitkräfte, unter ihnen einen Panzerkreuzer der„Makarow“-Klasse, zum Rückzug und brachten die feindliche Küstenbatterie durch eine Anzahl guter Treffer zum Schweigen. Am gleichen Tage trieben abends deutsche Kreuzer russische Torpedoboote, die sich bei Zerel, am Ein— gang zum Rigaischen Meerbusen, gezeigt hatten, in diesen zurück. Auf einem feindlichen Torpedobootszerstörer wurde ein Brand beobachtet. Ulnsere Schiffe wurden wiederholt von feindlichen Unter— feebooten angegriffen, sämtliche auf sie abgeschossenen Tor— vedos gingen fehl. Unsere Schiffe erlitten weder Beschädigungen noch Ver— luste. Der Stellvertreter des Chefs des Admiralstabs der Marine: gez. Behncke. . Wilnas Räumung. Die Agentur Reuter erfährt aus Petersburg, daß die russischen Militärbehörden die Räumung Wilnas angeordnet haben, da sie auf die militärische Verteidigung der litauischen Hauptstadt verzichten. Die Regierungs⸗ und Stadtbehörden, sowie die Bank⸗ und Handels⸗ kreise haben die Stadt bereits verlassen. Die Museen und Biblio⸗ und alle Kunstschätze fortgeführt. Die Maschinen der Fabriken werden ebenfalls fortgeschafft und die Ver⸗ nichtung aller Gebäude, die zu militärischen Zwecken verwendet werden könnten, vorgenommen. Heldentum eines deutschen Hilfsschiffes. . Der„Meteor“. Berlin, 11. Aug.(W. B. Amtlich.) Nach kühnem Durchbruch durch die feindlichen Bewachungsstreitkräfte hat S. M. Hilfsschiff„Meteor“ an verschiedenen Stellen der britischen Küste Minen geworfen und sodany Haudelskrieg geführt. In der Nacht vom 7. zum 8. August stieß er südöstlich der Orkney⸗Inseln auf den britischen Hilfskreuzer„The KRamsey“, griff ihn an und vor nichtete ihn, wobei er 40 Mann der Besatzung, darunter vier Offiziere, retten konnte. Am folgenden Tage wurde er von vier britischen Kreuzern gestellt. Da ein Kampf aussichtlos und ein Ent— kommen unmöglich war, versenkte der Kommandant sein Schiff, nachdem die Besatzung, die englischen Gefangenen und die Mannschaft eines als Prise versenkten Seglers ge— borgen worden waren. Die gesamte Besatzung des„Meteor“ hat wohlbehalten einen deutschen Hafen erreicht. Der stellvertretende Chef des Admiralstabs der Marine: „(gez.) Behncke. (Anmerkung:„Meteor“ war ein als Minenschiff ausgerüsteter Handelsdampfer mittlerer Größe.) Der Luftangriff auf die Ostküste Englands. Ueber den Luftangriff auf die englische Küste meldet Reuter:„Ein Geschwader feindlicher Flieger hat in der Nacht die Ostküste von England besucht. Durch Brandbomben wurden einige Brände verursacht. Etwa zehn Personen wurden getötet und zwölf verwundet. Ein Zeppelin ist durch Kanonenfeuer beschädigt worden. Er wurde, wie gemeldet wird, heute morgen nach Ostende geschleppt. Der Seekrieg. U-Boote an der Arbeit. Der holländische Dampfer„V. L. 3“ hat in Holland 12 Mann der Besatzung des englischen Fischdampfers„G. J. 41“ aus Grimsby an Land gebracht. Der Dampfer ist von einem deutschen Unterseeboot versenkt worden. Der norwegische Dampfer„Eden“ wurde gestern abend von einem deutschen U-Boot auf seiner Reise von Newceastle nach Archangelsk in der Nordsee angehalten und gezwungen, einen Teil seiner Ladung, die für Rußland bestimmt war, nämlich 30 Tonnen Blei, Zink und Eisenplatten über Bord zu werfen. Nachdem dies geschehen war, konnte der Dampfer ungehindert seine Fahrt fortsetzen. N Reuter meldet aus London: Das große holländische Dampfschiff„Etsy Anna“ von Amsterdam strandete drei Meilen südlich von Flamboro. Die Livorneser Reederei Oxilla erhielt von der eng— lischen Reederei Glynn die Nachricht, daß der Dampfer „Costello“(2000 Tonnen) auf der Fahrt von England nach Livorno im Atlantischen Ozean torpediert und untergegangen ist. Die Besatzung sei bis auf einen Matrosen gerettet worden. Der norwegische Dampfer„Geiranget“, mit Holz von Kanada für England unterwegs, wurde 45 See— meilen südöstlich der Shetlandsinseln von einem Untersee— boot, weil er Bannware an Bord hatte, versenkt. Das Morgenblad meldet aus Bergen, die dortige Reederei des Dampfers„Tyr“ habe die Nachricht, erhalten, wonach das Schiff vor der englischen Küste von einem Unter— seeboot gezwungen worden sei, die ganze Deck— adung über Bord zu werfen yr fam i Glasgow an. Er war auf der Reise von Quebec nach London mil Holz. Die Reederei des Dampfers„Portia“ meldet, die „Portia“ sei entgegengesetzt der Londoner Meldung nicht torpediert worden. Ein britischer Torpedobootszerstörer vernichtet. London, 11. Aug. Die Admiralität meldet: Der Tor⸗ pedobootszerstörer„Lynx“ ist in der Nordsee auf eine Mine gelaufen und gesunken. Vier Offiziere und 22 Mann wur⸗ den gerettet. Der Torpedobootszerstörer„Lynx“ ist 1913 von Stapel gelaufen und hatte eine Besatzung von etwa 100 Mann. Ein Aufruf des Obersten polnischen Nationalkomitees. In den in Krakau erscheinenden Tagblättern Czas und Nowa Reforma wurde ein Aufruf des Obersten polnischen National⸗ komitees veröffentlicht, in dem es heißt: Die Eroberung von Warschau, die die Befreiung Warschaus vom russische Joche bedeutet, ruft in der polnischen Gesellschaft ein⸗ heitliche Gefühle hervor. Die Tatsache jedoch, daß die Einnahme der Hauptstadt Polens nicht so gefolgt ist, wie wir es gewünscht hätten, bewirkt, daß vom politischen Gesichtspunkte aus die Sache geprüft und aufgeklärt werden muß. Das Oberste polnische National⸗ komitee erachtet es als seine Pflicht, diese Aufgabe zu erfüllen. Die Staatsraison gebietet uns einerseits den Kampf gegen Rußland, alndererseits zeigt sie uns den polnischen Staat als das Ziel unseres Strebens und jeglicher Arbeit. 5 Vom Standpunkte der Zentralmächte stellt sich die Sache ebenso dar. Die vollständige Schwächung Rußlands ist für sie die Be⸗ dingung ihrer Existenz und die Bedingung dieser Schwächung ist, soll sie von Dauer sein, die Wiederauferstehung des polnischen Staates. Aus diesem Grunde hat sich die Versammlung der polni⸗ schen Abgeordneten vom 16. August 1914 für den Kampf gegen Ruß⸗ land erklärt, die polnischen Legionen gebildet und dem Obersten polnischen Nationalkomitee die Verwirklichung dieses Programms übertragen. Voraussetzung ist, daß dieses Programm in der Seele eines jeden Polen lebt und daß nur äußere Verhältuisse ihm nicht gestatten, sich sofort und überall mit der gleichen Kraft durchzu⸗ setzen. Von den Grenzen des polnischen Staates vor der Beendigung des Krieges zu sprechen, ist nicht Sache realer Politiker. Festgestellt muß jedoch werden, daß eine Vereinigung des unge⸗ teilten Königreiches mit dem ungeteilten Galizien die Grundlage der Bestrebungen der Polen bildet. Die Bedingung unseres Ersolges ist die Organisation der Gesell⸗ schaft auf Grund des einheitlichen politischen Prinzips. Aus diesem Grunde erscheint es uns notwendig, daß die von der russischen Herr⸗ schaft befreiten polnischen Länder sich untereinander in Organi⸗ sationen gruppieren, die sich durch hierzu gewählte Kommissionen mit dem Obersten polnischen Nationalkomitee zum Zwecke der Schaffung einer einzigen Organisation für die ganze Nation zu ver⸗ ständigen hätten. Mit Spannung erwarten wir den Augenblick, da es das König⸗ reich erklären, die Aktion in ihre Hände nehmen und mit Warschau, dem Herzen Polens, sich an die Spitze der Nation stellen wird. Befreiung politischer Gefangener in Warschau Die deutschen Militärbehörden in Warschau haben auf einen Vorschlag des Bürgerkomitees alle zurückgelassenen politischen Ge⸗ fangenen befreit, darunter den zu einer Zuchthausstrafe verurteil⸗ ten bekannten Führer des jüdischen Arbeiterbundes Medem. Die Kämpfe auf Gallipoli. T. U. Amsterdam, 11. Aug. Das englische Presseburean veröffentlicht einen Bericht des Generals Hamilton, wonach auf Gallipoli englischerseits ein bedeutender Erfolg erzielt worden sei. In der südlichen Zone seien auf einer Front von 300 Yards östlich der Krithnia-Straße 200 Pards ge— nommen worden. Die amerikanische Antwortnote an Oesterreich⸗ Ungarn. Washington, 11. Aug.(W. B. Nichtamtlich.) Mel⸗ dung des Reuterschen Bureaus. Die Regierung hat die Ant⸗ wort auf die österreichisch-ungarische Note nach Wien abge— sandt, in welcher die Darstellung, als ob die Ausfuhr von Munition an die Alliierten mit der amerikanischen Neu— tralität nicht vereinbar sei, zu rückgewiesen wird. Neue amerikanische Note an England. T. U. Genf, 11. Aug. Herald meldet aus Newyork: Das Staats⸗ departement richtete eine neue Note an England in Sachen der Aus⸗ suhr nach den neutralen Staaten. In der Note wird der bisher augenommene Standpunkt der Vereinigten Staaten aufrecht er⸗ halten und eingehend begründet. Die Anwerbungen in Kapstadt für Europa. T. U. Haag, 11. Aug. Daily News berichten aus Kapstadt, die Anwerbungen für den eurxopäischen Kriegsschauplatz machen gute Fortschritte. Bis jetzt sind etwa 10 000 Einschreibungen erfolgt; ferner sind, wie verlautet, bereits über 120 schwere Geschütze ver⸗ laden worden und befinden sich auf dem Wege nach Europa. Der Papst und der Krieg. Bern, 11. Aug.(W. B. Nichtamtlich.) Die Turiner Gazetta del Popolo erfährt aus Rom aus einer in vatikani— schen Angelegenheiten gut unterrichteten Quelle, daß die amerikanischen Kardinäle auf Aufforderung des Papstes einen Friedenskongreß einberufen wollen, an dem Kardinäle und Bischöfe teilnehmen würden. Der Primas von Spanien habe bereits zugesagt. Der Kongreß soll in der Schweiz zu— sammentreten und von den Vereinigten Staaten, Spanien und Holland unterstützt werden. Verantwortlicher Redakteur; F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M. Vereins kalender, Sonntag, 15. August. 1 75 Watzenborn⸗Steinberg. 28 0 hlverein. Nachmittags 4 Uhr Versammlung bei Wirt Pfaff, Ludwigshöhe. 1.24 debt alt Verstorbene. Heinrich Wagner in Alsfeld, 24 Jahre alt.— Heinrich Opel, Wider eier in Bieber bei Alsfeld, 66 Jahre alt.— Frau Emma Schulze geb. Krauz in Gießen, 05 Jahre Alt. Todes⸗ Anzeige. . Nach langem, mit Geduld ertragenem Lesden verschied 5 heute nacht unsere herzensgute, treuforgende Mutter, Groß⸗ mutter, Schwägerin und Tante 92 Charlokte Taucht „ geb. Schieferstein er von 62 Jahren. Die tieftrauernden Hinterbliebenen Familie Carl Riun und Kinder . Wilhelm Laucht 1 Ed. Laucht . Wilh. Bender Heuchelheim, den 12. August 1915. Die Beerdigung findet Freitag, den 13. August, vorm. 12½ Uhr, vom Sterbehause, Bahnstr. 13 statt. . . erprobten Nat ir Eiumache⸗ zeit erhält jede Hausfrau durch folgende Bändchen der Lehrmeister⸗Bibliothek: ieee Das Einmachen der Gemüse 25 Abb. 40 Pf. 1343/4 Einmachen der Früchte 15 Abb. 20 Pf. 131 Marmeladen⸗ und Mus⸗ bereitung 15 Abb. 20 Pf.(41 0 0 0 0 f 8 9 9 Die Fruchtsaftbereitung im f 5 9 9 9 f 9 5 8 Haushalteund Kleinbetrieb 24 Abb. 0 Pf. 13451 Ernte, Aufbewahrung, Ver⸗ sand des Obstes 6026.40 Pf. 55/6] Wie und woran eee kaun ich in der Küche sparend nenen Scr Sees Das lehren die Bändchen: Billige Fleischersatz⸗Küche 20 Pf. 1320] Billige Fischküche 40 pf. 350/ Kaninchenfleischküche 40 Pf. 1334/51 Vegetarisches Kochbuch e 20 Pf. 11871 Zu beziehen durch: Oberhessische Volkszeitung 6 Gießen. S h eee ee Martin Krug, Gießen Schulstraße 5 * 2 2 Zigarren⸗Spezial⸗Geschäft pfiehlt eine aus rein überseeischen Tabalen hergestellten Fabrikate bestens 0 Zigaretten n. Zigarillos, Rauch⸗, Kau⸗ l. 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