PP . f Oberhe kozeitung Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. * Die Oberhessische Volksseitung erscheint jeden Werktag Abend in Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich 60 Pig. einschl. Bringerlohn. Durch die Post besogen vierteljährl. 1.80 Mk. Redaktion und Expedition Gießen, Bahnhofstraße 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Inserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 186 Gießen, Mittwoch, den 11. August 1915 10. Jahrgang. Der Ministergenosse nud femme russschen Berater Auf die kriegsschürende russophile Propa⸗ ganda Vanderveldes, der im Laufe des Weltkrieges zu einem Lobredner des nach seiner Ansicht eigentlich nur von Deutsch— land irregeleiteten Zarismus herabsank, hat die deutsche sozial— demokratische Presse, die ja in der jetzigen Weltkatastrophe nie den Gedanken der Völkerverständigung aus dem Auge verlor, hin— weisen müssen. Für alle wirklichen Sozialisten war es in diesem Weltkrieg eine sittliche Pflicht den chauvinistischen Ver⸗ hetzungen, von welcher Seite sie auch immer kamen, entgegen zu wirken und die furchtbaren Kämpfe dieses Krieges nicht durch „mordspatriotische“ Beschimpfungen und Verleumdungen ver— giften zu lassen. Vandervelde hat nun seine Gehässigkeit gegen Deutschland so weit getrieben, daß selbst Genossen, die sonst gegen— über chauvinistischen Ausschreitungen ausländischer Sozialisten die denkbar größte christliche Milde walten ließen, sich mit ihm scharf auseinandersetzten. Schon am Beginn des Weltkrieges verblüffte in weitesten Genossenkreisen der haßer füllte Vorstoß Vanderveldes, des Vorsitzenden des internationalen sozialistischen Bureaus, gegen Deutschland im„Namen des belgischen Sozialis— mus“. Vandervelde hatte nämlich die wohl nicht ganz freiwillige Aufgabe übernommen, die revolutionären Sozialisten Rußlands mit der Regierung Blutväterchens auszusöhnen und sie gegen Deutschland aufzupeitschen. Zu die⸗ sem Zwecke wandte er sich„im eigenen Namen“ und„im Namen aller belgischen Sozialisten“ an die russische Sozialdemokratie, um sie zum Kampf gegen den„deutschen Militarismus“ zu ent⸗ flammen. Sein offener Brief an die russischen Sozialdemokraten enthielt folgende bezeichnenden Stellen: „Die Niederlage Deutschlands— ich spreche natürlich von dem der preußischen Junker— ist eine Frage um Tod und Leben. Wollte das Unglück, daß unser kleines Belgien zer— stört würde, daß Frankreich und England besiegt würden, daß der deutsche Militarismus triumphierte, so wäre die normale twicklung des Sozialismus auf Jahre lang gehemmt. Um iese Katastrophe zu vermeiden, beschlossen die Demokraten, Re— publikaner und Sozialisten Belgiens, Frankreichs und Englands, ihr Verteidigungsrecht vollständig auszunützen. Aber in diesem furchtbaren Kriege, den die Gegensätze der bürgerlichen Gesell— schaft entfesselt haben, müssen die liberalen Völker auf die militärische Hilfe der russischen Regier⸗ ung rechnen. Es hängt also in hohem Grade vom revo⸗ lutionären Proletariat(Rußlands) ab, ob diese Hilfe mehr oder weniger entscheidend wirkt.... Ich appelliere an euch, wie das sicher unser armer Jauréès getan hätte: Zieht die Gesamtlage der europäischen Sozialdemokratie in Betracht. Wir sind überzeugt, daß wenigstens für unsere Länder der Sieg des deutschen Militarismus ein unabsehbares Unglück bedeutet. Wir glauben, was angesichts dieser Gefahr als Notwendigkeit sich ergibt, das ist eine Verbindung aller lebendigen Kräfte Euro⸗ pas, und wir wären noch glücklich, eure Gefühle darüber kennen zu lernen. Wie wir noch glücklicher wären, zu wissen, daß sie den unserigen entsprechen.“ So Vandervelde an die russischen Genossen. Heute wissen wir, daß bei der Ausarbeitung dieses Briefes Rußland mit helfender und verbessernder Hand dahintergestanden hat. Jetzt erzählt nämlich eine dem Fürsten Kudaschew, dem russi⸗ schen Gesandten am belgischen Hofe, nahestehende Person in den PMoskowskija Wjedomosti(einem gemäßigten Blatt der Schwarzen Hundert), auf welche Weise das Telegramm Vanderveldes an die rusfischen Sozialdemokraten zustande kam. Die Frankfurter Ztg. gibt die Eröffnungen der Moskowskija Wjedomosti folgendermaßen wieder: „Am selben Tage, als Vandervelde ins Ministerium be⸗ rufen wurde, kam der belgische Kriegsminister zum Fürsten Kudaschew und sagte ihm, seine Regierung sei jetzt wegen der eigenen Sozialisten ganz unbesorgt, es beunruhige sie aber in hohem Grade die Ungewißheit über das Verhalten der russi⸗ schen Sozialisten. Vandervelde habe die Absicht, an die sozial⸗ demokratische Fraktion der russischen Reichsduma ein Telegramm abzuschicken. Der Minister bat den russischen Gesandten, die Freigabe des Telegramms durchzusetzen.„Ich antwortete“— wird im Blatte im Namen des Fürsten Kudaschew berichtet— „daß ich ohne genaue Kenntnis des Wortlauts die Freigabe des Telegramms nicht befürworten könne.“ Darauf verabredeten wir ein Zusammentreffen im Kabinett des Kriegsministers, wo ich mit Vandervelde bekannt gemacht werden sollte, um gemein— sam über das Telegramm zu beraten. Am nächsten Tage wurde ich im Wartezimmer des Kriegsministers ohne fremde Vermitt⸗ lung mit Vandervelde bekannt, denn wir stellten uns beide zur selben Zeit ein und mußten warten, da wir nicht sofort vorge⸗ lassen werden konnten. Wir sprachen über das Telegramm und Vandervelde las mir dessen ersten Entwurf vor. Der erste Satz lautete:„Wir kämpfen gegen Militarismus und Im- perialismus.“ 5 u meinem größten Bedauern muß ich Sie darauf aus— rksam machen, daß ein derartiges Telegramm von der russi⸗ Militärzensur nicht freigegeben werden könnte. Sie ver⸗ von russischen Untertanen, gegen den Imperialismus zu . 5 0 e lan „Aber doch nicht gegen den russischen“, unterbrach mich Van⸗ dervel e, g den deutschen en den Mord-Imperialis— ganze Welt bedroht...“ 5 a „Weshalb denn also nicht einfach: gegen das preußi— sche Junlertum?“ „Ein ausgezeichneter Gedanke“, fiel mir Vandervelde Wort.„Natürlich gegen das Funkertum!“ Als der Kabinettschef des Kriegsministers bei uns eintrat, um uns vorzustellen, waren wir über das Telegramm bereits ** ins einig geworden. Das Telegramm wurde auch tatsächlich von der russischen Militärzensur freigegeben und dem Vorsitzenden der sozialdemokratischen Neichsdumafraktion, Tschcheidse, durch das Ministerium des Aeußern zugestellt.“ So half also der Fürst Kudaschew, ein russischer Junker von echtem Schrot und Korn, ein Anhänger des Schwarzen Hundert, tapfer dem„Genossen“ Vandervelde bei der Bekämpfung der „preußischen Junker“. Die russischen Genossen der Duma lehnten aber die uneigennützige Doppelhilfe des Fürsten und des „Genossen“ ab und erklärten sich gegen den Krieg. Der Vor⸗ stand der sozialistischen Arbeiterpartei(der Majoritätsgruppe) er⸗ teilte Vandervelde eine gründliche Abfuhr. Sie setzte dem Ministergenossen auseinander, daß der Krieg„die politische Macht der Romanowschen Dynastie stärken“ und„ihre despotische Mo— narchie festigen“ werde. Alle sozialistischen Zeitungen seien unterdrückt und alle Arbeiterorganisationen aufgelöst. „Aus diesem Grunde“, so schrieb der Vorstand der ruüssischen sozia⸗ listischen Arbeiterpartei,„kann das russi Aroletariat auf keinen Fall und unter keinen Umständen auch nur einen kürzeren Waffenstillstand mit der russi⸗ schen Regierung abschließen, sondern sie muß dieser jegliche Unterstützung versagen.“ Und während die russische sozialistische Arbeiterpartei immer weiter vom russischen Zarismus abrückte, schmiegte sich der Mi— nistergenosse immer enger an diesen an. Er fand schließlich heraus, daß auch Rußland„für Unabhängigkeit und Fortschritt“ kämpfe, und daß es ja„die größte Demokratie“ sein könnte, wenn es nicht durch den deutschen Einfluß„vergiftet“ wäre! 2 0 * Neutrale Urteile über die Kriegslage. Der militärische Mitarßeiter der Baseler Nachrichten läßt auf seine Besprechung der Einnahme Warschaus heute einen Ueberblick über die Lage in Frankreich und Italien folgen. Er urteilt dabei wie folgt über den italienischen Feldzug: „Die öster reichischen Truppen au der italienischen Grenze haben auch in dieser Woche wiederum ihre Aufgabe erfüllt, Zeit zu gewinnen, bis die Entscheidung auf dem russischen Kriegsschauplatz gefallen ist. Der italienische Angriff ist dagegen auf dem toten Punkt angelangt, und trotz allen gemeldeten Fortschritten ist er nicht weiter gekommen. Zudem ist immer weniger Aussicht vor⸗ handen, daß die Italiener weiter vorwärts kommen, da anscheinend zahlreiche Verstärkungen auf österreichischer Seite ankommen. Wenigstens werden in der Presse immer mehr Regimenter als an diesen Kämpfen teilnehmend genannt, die vorher in Galizien stan⸗ den. Es wird also von dem italienischen Oberkommando eine neue Lösung der Aufgabe gesucht werden müssen, nachdem jetzt erkannt worden ist, daß auf dem eingeschlagenen Wege ein Erfolg kaum mehr zu erzielen ist.“ 5 Ueber die gesamte Kriegslage urteilt ein Schweizer Offizier wie folgt:„Die gegenwärtige Lage des Vierverbandes auf den Schlachtfeldern ist nicht erfreulich. Im Osten sind die Russen in vollem Rückzuge. Auf dem westlichen und italienischen Kriegsschauplatz und sogar an den Dardanellen liegen seine Armeen vor starken Stellungen sest und kommen nicht vorwärts. Die Gründe, die trotz der zahlenmäßigen Uebermacht der Entente über die Zentralmächte zu diesem Zustande geführt haben, sind haupt⸗ sächlich der Mangel im Zusammenarbeiten der Heere der ver⸗ schsedenen Staaten und deren ungenügende Kriegsbereitschaft.“ „Deutsche Manöver.“ Gegen die Friedensvermittler wendet sich der Leitartikel des Temps vom 4. 8.: Alle Friedensbestrebungen werden von Deutschland aus eifrig unterstützt; so wurde auch der Aufruf des Papstes freudig begrüßt. Aber gerade alle Ausdrücke der Friedensneigung bei unseren Geg— nern bestärken uns nur in dem Beharren auf unserem Entschluß, den Krieg fortzusetzen. Die deutschen Zeitungen behaupten trotzdem immer, wir seien müde und zum Frieden geneigt. Glauben sie das wirklich oder wollen sie es uns nur suggerieren? Die Deutschen sind un- fähig, uns zu begreifen und zu beurteilen. Wie muß man sich denn ausdrücken, damit es sich alle diese Friedensapostel gesagt sein lassen? Wir wollen einen ganzen Sieg, keinen halben. Man soll endlich auf⸗ hören, uns zu zwingen, immer dasselbe zu wiederholen, da unser Entschluß sich nicht geändert hat, noch ändern kann. Wenn der zu Boden geschmetterte Feind uns um Frie⸗ den bitten wird, werden wir ihn hören. Alle die Zwischenträger und Vermittler sollen die Hände davon lassen! 4 Vom Seekrieg. T. U. Rotterdam, 9. Aug. Der Nieuwe Rotterdamsche Courant meldet: Gestern abend traf aus Newyork der Dampfer„Lapamprae“ in Rotterdam ein. Er hatte 13 Mann des versenkten Dampfers „Costello“ an Bord. Die„Costello“ war mit einer Ladung Stück— güter von Liverpool nach Genua unterwegs, als sie südlich der Seillyinseln von einem Unterseeboot torpediert wurde. Die „Costello“ hatte auch Mannschaften eines anderen torpedierten Dampfers, der nach Amerika unterweg, ar, an Bord. Ein Boot der„Costello“ mit einem Teil der Schiffsbesatzung wird noch vermißt. T. U. London, 9. Aug. schwedische Dampfer Nach eimer Lloydmeldung „Malmland“, ferner der Daanpfer „Elenravel“ und der Fischdampfer„Ocean Queen“ versenkt worden. Die Besatzungen sind gelandet.(Nachdem ist anzunehmen, daß der Dampfer„Malmland“ Vaumware an Bord hatte.) sind der — Ueltkrieg. Kristiania, 9. Aug.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die norwegl⸗ sche eiserne Segelbark„Norman“, 995 Tonnen groß, mit Holzlast, also Bannware, unterwegs nach dem Tyne, wurde von einem deut⸗ schen Unterseeboot quer ab von Arendal, sechs Seemeilen vom Lande entfernt, versenkt. Nyborg, 9. Aug.(W. T. B. Nichtamtlich.) Der dänische Dampfer„Lynn“ landete hier sieben Mann und eine Frau von der Besatzung des Gotenburger Dampfers„Mai“, der von Schweden nach England mit Grubenholz unterwegs, am Freitag in der Nord⸗ see von einem deutschen Unterseeboot in Grund gebohrt wor⸗ den war. Die Besatzung war in zwei Boote gegangen. „Englische Silberkugeln.“ In England wird gegenwärtig eine ungemein lebhafte Agi⸗ tation entfaltet, die den Zweck hat, das Volk zur Sparsam⸗ keit zu erziehen. Zu diesem Zwecke wurde eine Broschüre herausgegeben, die den Titel trägt:„Silberkugeln werden den Sieg erringen.“ Darin wird ausgerechnet, daß England jede Mi⸗ nute 2000 Pfund Sterling(40 000 Mark) für den Krieg ausgibt: ferner: England kauft täglich für 20 Millionen Mark mehr Güter vom Auslande als es ihm verkauft; England kauft jährlich vom Auslande: für 6 Milliarden Mark Nahrungsmittel, für ebensoviel Rohstoffe und für 3,2 Milliarden Mark Fabrikate. Wenn dem englischen Kapitalabflusse nach dem Auslande nicht Einhalt getan wird, so muß England verarmen. Ein Komplott in Mailand? Die Neue Zürcher Zeitung meldet aus Mailand: Am Frei⸗ tag wurden am hellen Tage auf der Straße zwei Wächter von der Wache des königlichen Schlosses hinterrücks überfallen. Von allen Seiten sprangen Helfershelfer hinzu, sodaß angenommen wird, daß es sich um ein Komplott handelte. Beim Einschreiten der Polizei entspann sich ein Handgemenge. Schließlich wurden zwölf Personen verhaftet. Die Mailänder Presse bezeichnet das Ereignis als einen offenen Aufruhr. Bulgarien an der Seite der Zentralmächte In dem Sofioter Blatt Drewnik ist kürzlich ein Artikel erschienen, der viel beachtet wurde, und den man allgemein als von der Regierung inspiriert ansieht. Der Artikel ver⸗ weist darauf, daß die Küste Bulgariens am Aegäischen Meere in Wirklichkeit von der vereinigten Ententeflotte unter Blockade gehalten wird. Jede Einfuhr nach Bulgarien über seine Hafen Dedeagatsch wird unter dem Vorwand der Konterbande unmöglich gemacht. Da Bul⸗ garien auch von Norden her durch Rumänien von den Zentralmächten abgeschnitten ist, so bedeutet dieser Zu⸗ stand eine wahre Einschließung. Dadurch werde Bulgarien darauf gedrängt, sich einen Weg über Ser⸗ bien zu legen, mit dem es eine besondere Rechnung wegen Mazedonien hat. Bulgarien würde dann erstens die russischen Munitionstransporte über die Donau nach Serbien anhalten und zweitens einen territorialen Anschluß an Oester⸗ reich⸗-Ungaxn erlangen. Diese Perspektive bedeutet nichts anderes, als daß Bu l- garien aus seiner Neutralität heraustritt und gegen Serbien, an der Seite der Türkei und der Zentralmächte, in den Krieg zieht. Diese Kombination behandelt ein anderer Artikel in dem der bulgarischen Regie- rung sehr nahestehenden Blatte Now Wek, der ausführt, daß für die Intervention Bulgariens die Wiederaufnahme der österreichischen Offensive gegen Serbien als Signal dienen würde. Den kombinierten Operationen der Bulgaren und Oesterreicher würde es dann in 15 Tagen gelingen, die erstrebte Verbindung beider Staaten herzu⸗ stellen. Gegen eine etwaige rumänisch-griechische Koalition, die nach dem Artikel höchstens 600 000 Mann ins Feld bringen könne, hätten die bulgarisch-österreichischen Streitkräfte ein bedeutendes Uebergewicht. Es fragt sich aber, fügt der Artikel hinzu, ob nicht Rumänien, welches in seiner ganzen Ausdehnung die beste Aussicht hat, den Raum für die Kriegsschauplatz abzugeben, vorziehen würde, bei seiner Neutralität zu verharren“ Kein Eingreifen Rumäniens in den Krieg. T. U. Kopenhagen, 9. Aug. Berlinske Tidende hatte die Pariser Sensationsnachricht wiedergegeben, daß Rumänien Ende August an der Seite des Vierverbandes in den Krieg eintreten werde. Darauf ist dem genannten Blatte von dem hiesigen rumänischen Generalkonsul des folgende kategorische Dementi zugegangen: Die von Ihnen gebrachte Nachricht über einen Vertrags- abschluß Rumäniens mit dem Vierverband und über das Ein greifen Rumäniens gegen die Zentralmächte ist eine bedauer- liche Mystifikation, und ich bitte Sie, davon Kenntnis zu nehmen, daß diese Alarmnachricht jeder Grundlage entbehrt. Die Neutralität der Griechen. Im laufenden Heft der British Review schreibt der englische Balkaureisende Crawford Price über seine Eindrücke aus Griechen⸗ land:„Die Hellenen,“ erklärte er,„sind ein mit starker Phantaste — begabtes Volk, und wenn sie sich die Geschehnisse an den Dardanellen ausmalen, so brauchen sie ein wenig Ermutigung vom Auslande, um sich zu fragen, was aus ihrer Flotte und ihrer Armee geworden wäre, wenn sie sich im März dieses Jahres dem Vierverbande an⸗ geschlossen hätten. Die griechischen Schiffe hätten das Schicksal des „Bouvet“, der„Majestic“ und des„Triumph! geteilt und ihre Armee würde sich den Kopf an den türkisch⸗deutschen Fortifikationen von Gallipoli eingerannt haben. Sie sagen: König Ferdinand von Bulgarien hätte seine größte Freude daran gehabt.“ Deshalb ziehen die Griechen die Neutralität vor. Ein Attentatsversuch gegen Sasonow? Mailand, 9. Aug. Der Sonderberichterstatter des Secolo telegraphiert aus Petersburg, daß ein ehemaliger Beamter des Ministeriums des Aeußern in das Zimmer des Ministers Sasanow eindrang und diesen mit einem Beil zu töten versuchte. Der Attentäter wurde verhaftet. Er scheine an nervösen Störungen zu leiden. Amtliche Bestätigung der Arhbeiterstreiks in Petersburg. Während kein Sterbenswörtlein über die Vorkommnisse unter der Arbeiterschaft in den russischen Zeitungen zu finden ist, bringt uns der Tagesbefehl des Oberkommandierenden von Petersburg die Kunde darüber, daß dort Streiks ausgebrochen sind. Es ist traurig— heißt es in dem lakonisch verfaßten Befehl—, daß die kampffrohe Stimmung an der Front von den Arbeitern einiger Petersburger Fabriken nicht geteilt wird, da sie die Munitions⸗ herstellung eingestellt haben. Streiks werden nicht geduldet und alle Maßnahmen dagegen seien ergriffen. Die Retsch rät den russischen Staatsmännern, dem Beispiele von Lloyd George zu folgen, unter die Arbeiter zu gehen, bei ihnen Begeisterung zu erwecken. Indes erhofft sie selbst nicht allzuviel davon, denn sie legt den Herren ans Herz, im Interesse der Landesverteidigung auch die ökonomischen Ursachen der Streikbewegung zu beseitigen. Verbot des Abdruckes der Reden der sozialistischen Dumaabgeordneten. T. U. Stockholm, 9. Aug. Aus Petersburg wird ge— meldet: Der Kommandant von Petersburg untersagte auf Grund des Gesetzes des Ausnahmezustandes den Abdruck der Geld bleibt im Lande“ heißt nichts anderes als: Deutsch⸗ land führt seinen Krieg nicht mit Geld, son⸗ dern mit seiner aufs Intensivste angesp ang; ten Arbeit. Die Finanzfrage ist für uns die Frage der nationalen Arbeitsenergie. Deut ch la nd kann finan- ziell nicht unter liegen, solange seine Arbeits energie nicht betroffen ist, und Deutschlands Arbeitsenergie kann nicht getroffen werden. Von der öffentlichen Ruhe und Sicherheit. Ein in Berlin-Wilmersdorf lebender Sänger Borise, ein Russe amerikanischer Staatsangehörigkeit, hatte bei einer Geburtstags⸗ feier in der Wohnung einer Schauspielerin irgendwelches Kriegs⸗ geschwätz zum besten gegeben. Daraufhin wurde er denunziert und von der Strafkammer zu einer Woche Gefängnis verurteilt. Das Reichsgericht hat diese Strafe aufgehoben, indem es sich auf den Standpunkt stellte, ein solches Gespräch im engbegrenzten Jamilien⸗ kreise könne die öffentliche Sicherheit nicht gefährden. Die Konse⸗ quenz des Strafkammerurteils wäre, daß überhaupt jedes Privat⸗ gespräch über den Krieg verboten sei. 2 Trotzdem halte man sein Zunge in Schranken, besonders wenn man etwa eine Reise ins verbündete Oesterveich tut. Dort steht die Rechtsprechung auf einem anderen Standpunkt. Von den Ver⸗ urteilungen wegen Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung, die die Landwehrdivisionsgerichte in nicht ganz unbeträchtlicher Zahl besonders in den tschechischen Gebieten bekanntgeben, entfällt ein großer Teil auf Privat- und Wirtstischgespräche, aber auch auf von der Zensur konfiszierte Briefe, ja selbst auf Notizen, die man in Tischladen vorfindet. Das Recht ist eben nicht überall das gleiche. Die Deutschen vor Wilna? 51 Rotterdam, 10. Aug. Nach dem Daily Expreß haben fünf deutsche Armeekorps den Angriff auf Wilna unternommen, wo die Russen von drei Seiten umzingelt zu sein scheinen. Auch bei Kowno entwickeln sich bereits Gefechte. Seegefecht im Bottnischen Meerbusen? T. U. London, 10. Aug. Einem Telegramm aus Soder⸗ ham zufolge wurde eine heftige, aus südöstlicher Richtung kommende Kanonade vernommen. Man vermutet, daß ein T. U. Kopenhagen, 10. Aug. er Mailänder Secolo fordert die Frauen Mailands mit 2 1 an die Arbeit“ auf, die italienischen Soldaten mit Wollsachen zu versorgen. Auch die Aerzteschaft richtet einen ähnlichen Aufruf an das italienische Volk. a In den letzten Tagen wurde in Pontyprid(Wales) ein Deut⸗ scher namens Franz Tarr aus Kiel mit einer Geldstrafe vo 200 Mark belegt, weil er seinem Nachbarn erzählte, Warschau sei gefallen.— So zu lesen in der Times vom 5. August— am Tage der Eroberung Warschaus durch die Deutschen. In der Aluminiumfabrik in Massena(Staat Newyork), di jetzt Munition für den Vierverband erzeugt, streikten die dort beschäftigten ungarischen Arbeiter.“ Am 1. August wurde die Miliz mobilisiert, die auf die Streikenden feuerte. Einer wurde getötet und eine Anzahl verwundet. 5 Aus Montreal wird gemeldet, daß die öffentlichen Sub⸗ rkriptionen den Ankauf von 1500 Maschinengewehren für die kanadischen Truppen an der Westfront ermöglichen werden. Die Blätter melden aus Johannisburg, daß eine Ab⸗ teilung von Arbeitern für die Munitionsfa brikation nach England abgereist ist. Parteinachrichten. Aus den Organisationen. Eine Konferenz des Kreises Teltow-Beeskow⸗Char⸗ lottenburg, welche am Sonntag den 8. August 1915 tagte, in welcher 44 Ortsvereine mit 127 Delegierten vertreten waren, nahm nach Referaten der Genossen Ebert und Haase und nach aus⸗ gedehnter Debatte folgende Entschließung gegen 11 Stimmen an: Im Bewußtsein der großen Aufgaben, die die Partei in der nächsten Zeit zu erfüllen hat und um die notwendige Einheit und Kampfkraft zu erhöhen, lehnen wir es zur gegenwärtigen Zeit ab, Stellung zu der früheren Haltung der Parteiinstanzen zu nehmen. Heute kann es sich nur darum handeln, was in Zukunft geschehen soll. 5. 970 1 Schon seit Monaten ist festzustellen, daß die Politik der Re⸗ gierung die Tnteressen der breiten Volksmassen ni cht berück⸗ von Kriegskrediten schließt sich die Konferenz des Kreises Teltow⸗ N in der Duma von Abgeordneten der sozialistischen Partei ge-] Seegefecht im Bottnischen Meerbusen im Gange ist. ane 55 5 5 en ben A . 8 r 8 2 1 5 mi n, kr. er garlamen inen, 0 9 1 87 1 5 0 i 5 9 155 Der griechische Protest von England zurückgewiesen. e 3 1 Volk durch Produzenten und Spekulanten aus⸗ 0 denten T. U. Genf, 10. Aug. Der Herald meldet: Die englische Re⸗ wuchern lassen und eine Kritik dieser Zustände durch Be⸗ 72 der halbamtlichen Petersburger Agentur du veröffentlichen. gierung hat den Protest Griechenlands wegen der Besetzung der schränkung der Preßfreiheit und Verbot von Versammlungen ver⸗ 45 Der Abgeordnete Tscheidse hat einen neuen Antrag in der griechischen Inseln mit dem Ausdruck ihres Bedauerns zurückge⸗ hindert. 5 g. f 1 1 Duma gegen die Verfügungen der Militärbehörden einge. wiesen, jedoch eine Entschädigung an Griechenland nach Kriegsende Auch in der inneren Politik soll wenn es nach dem Willen der 9 bracht. zugesichert. tali d die Türkei 1 e 15 5 e am Gut und Blut ö . alien un Ee Urket. ie breite Volksmasse weiter rechtlo! eiben. 5 4 6 Der Kampf gegen den Alkohol. 5 Berlinske Tidende meldet Für die zukünftige Haltung der Fraktion bei der Bewilligung lungen an sich selbst. Eine Meldung des Temps aus Petersburg besagt, daß die Kussische Regierung die größten Anstrengungen mache, und mit un⸗ nachsichtiger Härte vorgehe, damit der von ihr unternommene Kampf gegen den Alkohol endgültige Resultate zeitige. Da die unverbesser⸗ lichen Alkoholiker sich nach dem Wodkaverbot auf das Kölnische Wasser und besonders auf den Brennspiritus geworfen haben, ordnete der Finanzminister neue Maßnahmen an, um dieses noch schlimmere Uebel auszurotten. Deutschlands finanzielle Kriegs⸗ bereitschaft. Der Staatssekretär des Reichsschatzamtes, Dr. Helffe⸗ tich, hat dem Berliner Vertreter der Hearsthschen Blätter, Herrn Schweppendick, auf die Frage, ob die finan⸗ zielle Lage ein Urteil über die weitere Dauer des Krieges ermögliche, folgendes erwidert: Der Krieg erfordert un erhörte finanzielle Opfer. Ich schätze, daß die täglichen Aus gaben der kriegführenden Staaten sich jetzt auf nahezu 300 Millionen Mark stellen, die monatlichen Ausgaben also auf ausschließlich mit Mitteln und Naturalien, die es unter Aus⸗ bietung aller nationalen Produktionsenergien imeigenen Lande erzeugt. Deutschlands Kriegsausgaben sind Zah— Das landläufige Wort„das aus Paris, daß Italien nunmehr in seinem Verhalten zur Türkei eine Entscheidung herbeiführen werde. Italien werde von der Türkei fordern, die Erfüllung aller seiner An⸗ sprüche und Schadenersatz für die feindliche Handlung der Türkei. Die Kriegserklärung sei angeblich in den aller⸗ nächsten Tagen zu erwarten. Gegen die amerikanische Regierung. Genf, 10. Aug. Petit Parisien meldet aus Newyork, daß die deutsch-amerikanische Wochenschrift Vaterland eine sensationelle Nummer hat erscheinen lassen. Sie stellt die Politik von Präsident und Regierung bloß und richtet einen Aufruf an alle diejenigen, deren Inspirationsquellen nicht in London sind. Der Aufruf warnt vor einer kriegerischen Aktion, namentlich im Hinblick auf die nächsten Wahlen, und greift den Präsidenten, die Mitglieder der Regierung und die Senatoren an. Die Vereinigten Staaten könnten keinen Krieg gegen Deutschland führen, ohne den Bürgerkrieg im Nriegsnotizen. Wie jetzt bekannt wird, erbrachen die Russen seinerzeit im Park des Schlosses Georgenburg bei Insterburg das Mausoleum der Familie von Simpson, öffneten die Särge und durchwühlten sie nach Schmucksachen. Beeskow der von den Genossen Bernstein, Haase und Kautsky in ihrem Artikel„Das Gebot der Stunde“ dargelegten Auffassung an, und fordert die Parteiinstanzen auf, nicht mehr für die Be⸗ wlligung der Kredite einzutreten. Insbesondere da immer deutlicher hervortritt, daß einflußreiche Politiker daran sind, so horrende Friedensziele aufzustellen, daß die Herbei⸗ führung des Friedens dadurch immer schwieriger wird. 1 Auch von den Bruderparteien erwarten wir, daß sie alles vermeiden, was den Krieg verlängern könnte: dagegen alles tun werden, was zur schleunigen Herbeiführung des Friedens geeignet ist. 4 Auch die Leitung der Parteiorganisation im 5. schleswig⸗ holsteinischen Reichstagswahlkreis ließ die Stelluß⸗ nahme der Genossen zum Parteistreit feststellen und in allen größeren Ortsvereinen zu diesem Zwecke Mitgliederversammlungen abhalten. In den kleinen Ortsvereinen war das leider nicht möglich. Mit Ausnahme einer Versammlung, in der sich einige Genossen als An⸗ hänger der Opposition bezeichneten, wo aber wegen des schwachen Besuchs eine Abstimmung nicht stattsand, stellten sich alle Ortsvereine geschlossen hinter den Parteivorstand, die Reichs⸗ des schlesischen Wahlkreises Grüneberg, der als gedienter Landsturm⸗ mann ins Heer eintrat und die jüngsten Kämpfe in Rußland mit⸗ machte, ist ebenfalls vor einigen Tagen leicht verwundet wor⸗ den: Näheres ist noch nicht bekannt.„ * Diethelm von Buchenberg. Erzählung von Bertold Auerbach. 46 Als sie nun aber hörte, daß der Vater für unschuldig galt, und daß es nur darauf ankam, diese Geltung aufrecht zu er⸗ halten, verwelkten die in Schmerz erblühten Blumenkelche wieder. Wer weiß, in Schmach und Not wäre Fränz vielleicht eine Heldin an Duldung geworden; jetzt war sie wieder in der Welt voll Lug und Trug, wo alles darauf ankam, sich in seiner Rolle zu behaupten, und Fränz wurde wieder die hof— färtige, alle Welt verhöhnende Tochter Diethelms; nur eine gewisse Umflorung, die aus dem Kummer um das noch nicht entschiedene Schicksal des Vaters entsprang, dazu eine Nach⸗ wirkung von jener immer mehr verklingenden Trauer— stimmung, verhinderte, daß nicht mit einem Wort der leib— hafte Nückel wieder da war. licher vorhielt, wie gut das für den Vater wäre, wenn man mit dem Amtsverweser bekannt sei, und wie man auch ge⸗ sprächlich manches von ihm erfahren könne über den Stand der Untersuchung. Das leuchtete ein. Anfangs stand Martha oft viele Tage mit trockenem Munde auf, sie konnte keinen Bissen hinabbringen, wenn sie den„Herrn“ ansah, der ihr so schweres Herzeleid angetan und der ihren Mann zeitlebens ins Zuchthaus bringen konnte. Es war ihr immer, als säße sie mit einem Henker am Tische, und sie begriff gar nicht, wie er so ruhig Speise und Trank zum Munde führte, während er auf die Fragen seiner Tisch⸗ nachbarin erzählte, daß heute der und jener eingebracht oder daß dieser und jener ins Zuchthaus abgeführt worden sei. Martha sah dann oft nach seinen Händen, ob die nicht vom Blute rauchten. Nach solchen Tagen hatte Fränz immer einen schweren Stand, denn die Mutter wollte durchaus nicht mehr an die öffentliche Tafel. Nun aber hieß es, das könnte dem Reiz verlieh. Dennoch kam es nicht weiter als zu einer ge wissen gefallsamen Annäherung zwischen Fränz und dem Amtsverweser, denn beide hüteten sich in Betracht der Um stände vor jeder ausgesprochenen Zuneigung. Was Wunder, daß unter solchen Verhältnissen die Untersuchung gegen Die helm nur mangelhaft geführt wurde, zumal keine rechten B weise vorlagen. Der Verweis, den der Amtsverweser daro von dem neubestallten Richter erhielt, nützte nicht mehr viel, 110 der Richter versuchte nun selbst den rechten Haken zu inden. In der Wohnstube der Postmeisterin war große Trauer, als der Amtsverweser seine Versetzung nach einem vielbe⸗ suchten Badeort ankündigte. Als er bald Abschied nahm, reichte ihm Fränz mit einem vielsagenden Blicke die Hand; der Amtsverweser bot nun auch Martha die Abschiedshand, sie reichte sie und spürte dabei mächtig ein Jucken in der Hand, f mehr als 8 Milliarden Mark und die Jahresausgaben auf eigenen Lande zu entfesseln. tagsfraktion und den Parteiausschuß. Entsprechende 6 rund 100 Milliarden Mark. Die schwersten finan⸗ Streikende amerikanische Arbeiter Resolutionen wurden überall angenommen. 1 1 9 5 ellen 0 fer tragen*. 41 ch 9 0 Dan na 9588 5 Nach einer Newyorker Meldung des Rotterdamschen Courant 8 Opfer des Krieges. 8 2 0 Ich glaube jedoch nicht, daß die finanziellen Ausgaben einen] befinden sich laut Täglicher Rundschau 11000 Munitionsarbeiter Der Redakteur der Ameise, des Verbandsorgans der Porzellan 1 Anhalt für ein Urteilüber die Dauer des Krieges wegen Lohnstreitigkeiten im Ausstand: das sei ein Sechstel der ge⸗ arbester Deutschlands, Genosse Karl Eberhardt, ist am 25. Ju 9 ˖ ermöglichen; wenigstens ist das für Deutschland nichtsssamten Munitionsarbeiter in den Privatbetrieben der Vereinigten fegen in Polen gefallen. Ein Herzschuß setzte 5 der Fall. Denn Deutschland führt den Krieg so gut wie] Staaten. Reichstagsabgeordneter Geuosse Davidsohn, der Vertreter, Fränz ertrug den Schmerz um die sich in die Länge über das sie seit Wochen schon oft geklagt hatte. 1 ziehende Gefangenschaft des Vaters leichter als die Mutter,] Vater schaden, wenn man jetzt zeige, daß man sich schäme: Fränz war nun selbst damit einverstanden, daß man von weil sie ihn für schuldig hielt; von einem Morde an Medard] die Mutter verstand sich mit schwerem Herzen dazu, und der Gasttafel wegblieb, sie war agen di fil und 0 ahnte sie nichts, und für einen Brandstifter gehalten worden] Fränz hatte oft aufrichtiges Mitleid mit ihr, wenn ihr der] sinnend; sie sang oft still vor sich hin und unterbrach sich dan 15 zu sein, dachte sie, ist am Ende keine Schande, wenn man nur freigesprochen ist. Seit mehreren Tagen hatte Fränz jedesmal um Mittag gesagt:„Jetzt ist's halb eins,“ und wenn die Mutter fragte: „Warum?“, antwortete sie lächelnd:„Weil der Amtsverweser da über den Markt herkommt, er ist ein sauberes Bürschle, er speist unten an der Tafel.“ Die Mutter ermahnte sie, vom Fenster wegzugehen, sie müsse sich ja schämen, wenn er sie sähe; Fränz aber behauptete, daß das gar nicht der Fall sei, und bald bemerkte der Amtsverweser, welche Augen nach ihm ausschauten, und es entstand ein regelmäßiges und immer entschiedeneres Grüßen hinauf und hinab am Mittag. Die Mutter ward bald neugierig, den Mann zu sehen, den sie seit jenem schrecklichen Abend nicht mehr erblickt hatte, und von da an hatte Fränz gewonnen Spiel; sie ließ nicht ab und hatte dabei willfährige Hilfe an der Frau Postmeisterin, bis die Mutter sich entschloß, mit ihr an der Tafel zu speisen. Martha gab endlich nach, besonders als ihr Fränz immer eindring⸗ Gang zu Tische so peinvoll wurde; aber sie beredete sie, es sei nötig, daß sich die Mutter wieder an die Menschen gewöhne, und sie vermochte die Postmeisterin, sich mit an den Tisch zu setzen und die Mutter beständig im Gespräch zu erhalten. Der Amtsverweser lehnte auch fortan jede bezügliche Frage seiner Nachbarn ab, und man war fast heiter. Die Mutter lebte sichtlich wieder auf. Fränz war in der Wohnstube der Post⸗ meisterin bald mit dem Amtsverweser bekannt geworden, und dieser teilte ihr freiwillig, aber unter dem Siegel der Ver⸗ schwiegenheit, frohe Kunde über den Vater mit. Martha fand ihn nun gar nicht mehr henkergleich, sondern grundmäßig gut, man sähe es ihm ja an den Augen an; sie segnete ihm jeden Bissen und jeden Trunk, den er zum Munde führte. Von nun an kam der Amtsverweser jeden Tag später als gewöhnlich in die Kanzlei, denn er trank seinen Kaffee und rauchte seine Zigarre in der Wohnstube der Postmeisterin und unterhielt sich eifrig mit Fränz, die redegewandt und schelmisch war und der die verhüllende Trauer noch einen besonderen plötzlich, wenn sie dachte, in welcher Lage sie war. Die Mutter ermahnte sie nun selbst oft, zur Wirtin hinabzugehen, während sie einsam spann. 1 Eines Tages kam Fränz atemlos ins Zimmer gestürz „Mutter,“ schrie sie,„Mutter, er ist da!“ „Wer? Um Gottes willen, der Vater?“ „Ja, der Vater,“ keuchte Fränz und wollte sich eben wiede umwenden, um dem Kommenden entgegen zu gehen, als di Mutter mit einem Schrei vom Stuhle auf den Boden fiel. Sie beugte sich über sie, als Diethelm eintrat, und kaum hatte er mit seiner klangvollen Stimme die Worte gesprochen „Was ist der Mutter?“, als die Ohnmächtige die Augen au schlug und in ein krampfhaftes Weinen und Lachen ausbrach, daß Diethelm mit zitternden Händen dastand und gar nick wußte, was er tun sollte. f ä—— —— dessen und Nachbargebiete. Gießen und umgebung. „Legendenbildung.“ In der Bevölkerung hat es große Erbitterung verursacht, daß Kartoffelvorräte in großem Umfang in gewinn⸗ süchtiger Absicht zurückgehalten wurden. Die Bestandaufnahmen gaben ein ganz und gar falsches Bild; die vorhandenen Vorräte waren weit größer, als sie auf Grund dieser Aufnahmen angenommen werden mußten. Die Ergebnisse dieser Aufnahmen aber waren für die Maßnahmen des Bundesrats bestimmend; auf ihnen fußten die Vorschriften über das Abschlachten der Schweine, aus dem sich für die Bevölkerung so schwere Nachteile ergaben; die falschen Ergebnisse bestimmten auch dazu, besondere Vor⸗ kehrungen anderer Art zu treffen, die bezweckten, die Kar— toffelvorräte zurückzuhalten. Das erreichte der Bundesrat durch die sprunghafte Erhöhung der Höchstpreise und weiter durch die Festsetzung von außerordentlich hohen Aufbe— wahrungsgebühren. Die minderbemittelte Bevölkerung mußte Preise zahlen, die doppelt so hoch waren, als zu normalen Zeiten und selbst zu diesen Preisen waren Kartoffeln oft nicht zu haben. Da⸗ bei waren sie zu einem guten Teil verdorben. Tatsache ist ferner, daß die Regierung keinerlei Ahnung davon hatte, welche gewaltigen Mengen noch in Kellern und Mieten lagerten. Es war auch für sie eine große Ueberraschung, als plötzlich Hunderttausende von Zentnern ans Tageslicht kamen. Professor Dr. Karl Oppenhe imer nimmt nun in der Kriegskost die Produzenten und Händler gegen den Vor— wurf der spekulativen Zurückhaltung der Kartoffelvorräte in Schutz. Er spricht in dieser Beziehung von einer„Legenden⸗ bildung“, die verhindert werden müsse. Das macht es not⸗ wendig, seinen Darlegungen entgegenzutreten, um zu ver⸗ hindern, daß wirkliche Legenden entstehen. Er will das plötz⸗ liche Auftauchen gewaltiger Vorräte damit erklären, daß die Kartoffeln in diesem Jahre besonders gut gepflegt worden und daß deshalb etwa zwei Millionen Tonnen mehr erhalten geblieben seien, wie in anderen Jahren. Dazu komme, daß weniger Kartoffeln zur Aus saat be⸗ nützt worden seien und schließlich habe man in den eroberten Teilen Nordpolens Kartoffelvorräte gefunden, die weit über den örtlichen Bedarf hinausgingen und die zum Teil nach dem Westen gebracht werden konnten. Wenn auch von Spekulanten Vorräte zurückgehalten worden seien, so sei das ganz nebensächlich; niemand werde die Produzenten und Händler in ihrer Mehrzahl für so töricht halten, daß sie die Zeit der höchsten Preise verpaßt hätten. Ist schon im allgemeinen der Respekt vor den„Ernäh⸗ rungsprofessoren“ ganz erheblich gesunken, so muß gegen die Verteidigungsversuche von Professor Oppenheimer zugunsten der Produzenten und Händler entschieden Einspruch erhoben werden. Er konnte sich davon überzeugen, daß noch in keinem Jahre so große Mengen Kartoffeln zu⸗ grunde gegangen sind, wie heuer. Ebensowenig glaubhaft klingt die Behauptung, es seien weniger Kar⸗ toffeln für die Aussaat gebraucht worden, wie in anderen Jahren. Die Kartoffelvorräte in Polen sind nicht erst gefunden worden, als ganz überraschend die ungeheuren Mengen auf den Markt gebracht wurden. Von den Beweisen, daß geflissentlich große Mengen zurückgehalten wor⸗ den sind, nimmt der Herr Professor überhaupt keine Notiz. Wir können nicht annehmen, daß ihm die Nachrichten ent⸗ gangen sind, wie Großgrundbesitzer, die vorher erklärt hatten, keine Vorräte mehr zu haben, die sie verkaufen könnten, nachher die Abnehmer sogar zwingen wollten, die Mengen abzunehmen, die ihnen vorher verweigert wurden. Die Spekulanten lebten in der Hoffnung, die auf Grund der Bundesratsverordnung über die Aufbewahrungsgebühren möglichen höchsten Preise noch erlangen zu können. Diese waren aber noch nicht erreicht, als sich die wirkliche Größe der Vorräte herausstellte. Nur die Gefahr, daß sie große Verluste erleiden könnten, bewog sie dazu, mit ihren Vor⸗ räten herauszurücken, nachdem die Ernte in Frühkartoffeln vor der Türe stand. Die Preistreibereien setzten übrigens sofort noch einmal ein. Auch davon scheint Professor Oppen⸗ heimer nichts bemerkt zu haben. Man verschone die Bevölke- rung, die unter dem Treiben der Spekulanten so außer⸗ ordentlich schwer zu leiden hatte, mit Versuchen, die Produ⸗ zenten und Händler zu entschuldigen. Deren Treiben ver⸗ dient eine scharfe Brandmarkung, nicht aber eine Ent⸗ cchuldigung. Vorzeitige Deckung des Bedarfs an Winterkohlen. Der schon in früheren Jahren an das Publikum gerichteten Mah⸗ nung, den Hauptbedarf an Feuerung im Winter bereits in den Sommermonaten einzudecken, kommt in der Kriegszeit eine besondere Bedeutung zu. Infolge Einberufung eines immer größeren Teiles der Arbeitsmannschaft zum Kriegs- dienste und der Minderleistung der Gespanne vermehren sich die Schwierigkeiten für den Handel hinsichtlich einer aus. reichenden Versorgung der Bevölkerung mit Feuerungsstoff von Tag zu Tag, so daß bei einem späteren Abruf der Kohlen größere Störungen entstehen können. Auch hat das Publi⸗ kum, wenn es bereits jetzt seine Bestellungen aufgibt, den Vorteil des niedrigeren Bezugspreises, da nach Lage des Kohlenmarktes es zweifelhaft ist, ob die heutigen Preise für Feuerungsstoff, die durch Höchstpreise geregelt sind, nicht noch eine weitere Erhöhung erfahren müssen. Für den Handel aber ergibt sich der Nutzen, daß er die Läger für den Winter- bedarf rechtzeitig und regelmäßig nachfüllen kann und auf diese Weise die Verbraucher vor einer etwaigen Kohlenknapp⸗ heit zu schützen in der Lage ist. Für gewisse Kohlensorten, die infolge Ausfalls der Einfuhr derzeit in knapperen Mengen im Verkehr sind, wird sich ein Ersatz durch andere Sorten, wie zum Beispiel„Eier⸗ und Semmel-Briketts“ sowie„Westfälische Brechkoks“, schaffen lassen. Auch durch Exteilung von Auf— trägen auf Mischungen von verschiedenen Kohlensorten, wo. bei ihm ies er Händler mit Ratschlägen zur Hand gehen wird, U im kann das Publikum zur Streckung des Feuerungsstoffes und zur Sicherstellung des Bedarfs an Kohlen usw. beitragen. — Die Aepfelernte dürfte in diesem Jahre überaus reichlich ausfallen, in den Gärten und an den Straßen bemerkt man vollbehangene Bäume, deren Aeste unter der Last fast herabbrechen und gut gestützt werden müssen. Die Früchte sind auch durchgängig gut entwickelt, gesund und wenig von Würmern befallen. Viel Obst, das herabfällt, geht zugrunde, da es nicht aufgelesen wird, was gewiß höchst bedauerlich ist. Wenn aber jemand einen Apfel aufhebt, der dazu als Eigentümer oder Pächter nicht befugt ist, riskiert er eine Feldpolizeistrafe, wenn ihn das Auge des Gesetzes oder des Feldschützen entdeckt. Es ist also davor zu warnen, oder wenigstens ist demjenigen, der Fallobst auflesen will, zu raten, sich einen Erlaubnisschein bei der zuständigen Stelle zu holen.— So will es die heutige Ordnung: es dürfen Nah⸗ rungsmittel zentnerweise verfaulen, so notwendig sie auch gebraucht werden; wenn aber einer„unbefugt“ einen Apfel aufhebt, der verfällt in gehörige Strafe! — Die Preise der Frühkartoffeln betragen noch immer 8 Pfg. per Pfund im Einzelverkauf, teilweise wird sogar noch mehr gefordert. Da die Ernte an Frühkartoffeln keineswegs als ungünstig bezeichnet werden kann, muß dieser Preis als außergewöhnlich hoch bezeichnet werden. Um diese Jahres⸗ zeit wurden früher höchstens 4—5 Pfg. für das Pfund bezahlt. — Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Offiz.⸗Stellvertr. Karl Diehlmann aus Ulfa, Inf.⸗Regt. Nr. 168.— Landsturmmann Alexander Müller aus Als⸗ feld, Inf-⸗Regt. 141.— Grenadier Heinrich Scharch aus Vadenrod b. Alsfeld, Grenad. Regt. 5. Große Postscheckschwindeleien. Im Postscheckamt Frankfurt wurde Samstag früh der ehemalige Postassistent Alex Kagler in dem Augenblick verhaftet, als er auf Grund gefälschter Postscheck⸗ formulare, die auf eine Frankfurter Bank lauteten, größere Geld⸗ summen am Schalter abheben wollte. In früheren Fällen gelang es ihm bereits, 12000 Mark und in Darmstadt etwa 18 000 Mark zu erschwindeln. Kagler, der sich als Ingenieur ausgab, hatte in seinem Besitz noch große Mengen von Formularen, die den Stempel verschiedener deutscher Postanstalten trugen. Die Formulare schmuggelte er, soweit die Untersuchung vorerst ergab, wahrschein⸗ lich mit Hilfe eines Angestellten der betreffenden Bank im Frank⸗ furter Scheckamt ein. Den zur Abstempelung erforderlichen Post⸗ stempel hat Kagler jedenfalls während seiner früheren Tätigkeit als Postboeamter gestohlen. Es ist den bisherigen Feststellungen zufolge sehr wahrscheinlich, daß der Schwindler auch in anderen Städten die Postscheckämter auf die gleiche Weise betrog und um bedeutende Summen schädigte.— Einem gleichen Verbrechen kam mam in Leipzig auf die Spur. Es war der Polizei bekannt ge⸗ worden, daß von einer hiesigen Stelle aus auffällig große Zahlungen an Großbanken überwiesen worden waren. Eine nähere Prüfung der Ueberweisungsschecks ergab, daß sie sämtlich gefälscht waren. Man stellte fest, daß es sich um einen Menschen handelte, der von auswärts, insbesondere von Halle her, die umfangreich angelegten Schwindeleien und Fälschungen leitete. Die Ausführung des Ver⸗ brechens war soweit vorbereitet, daß am Sonntag vormittag die in Frage kommenden Beträge, im ganzen über 150 000 Mark, bei den Banken abgehoben werden sollten. Der Täter wurde in dem Augenblick, als er von Halle nach Leipzig zur Vollendung seiner Tat abreisen wollte und bereits im Besitz der Rückfahrkarten Leipzig—Halle war, von einem Leipziger Beamten in Halle ver⸗ haftet. Als der Beamte in sein Zimmer eintrat, ließ der Gesuchte die vechte Hand in die Hosentasche gleiten. Nur ein schneller Sprung und die Erfassung der Hand bewahrte den Beamten vor dem wahr⸗ scheinlichen Schicksale, niedergeschossen zu werden; denn in der Ta sche des Festgenommenen fand sich eine geladene Browningpistole: außerdem führte er eine große Tüte gestoßenen Pfeffers bei sich, dazu bestimmt, dem Gegner in die Augen geworfen zu werden. Der Festgenommene wurde dem Polizeiamt Leipzig zugeführt. Bei seiner Vernehmung stellte sich heraus, daß es sich um den Post⸗ beamten K. aus R. handelte. — Fahrpreisermäßigung zum Besuch kranker oder verwundeter Krieger. Das preußische Kriegsministerium hat den Eisenbahn⸗ divektionen mitteilen lassen, daß die Personen, denen der Besuch ihrer in französischen Lazaretten behandelten ver⸗ wundeten oder erkrankten Angehörigen von den zuständigen mili⸗ tärischen Dienststellen erlaubt wird, auf den Eisenbahnem des deut⸗ schen Reichsgebiets zu diesen Reisen Fahrpreisermäßigung er⸗ halten. Die gleichen Vergsüünstigungen werden auch auf den belgi⸗ schen und französischen Bahnen gewährt; auch für die Reisen zu Beerdigungen von Angehörigen in Feindesland gelten die Bestimmungen. Die Bundesregierungen wurden ersucht, sich der Maßregel für die ihnen unterstellten Eisenbahnen anzuschließen. Ebenso sollen die Privatbahnen zum gleichen Vorgehen veranlaßt werden. L Gegen den Wahrsage⸗Schwindel gehen die Gerichte neuer— dings etwas schärfer vor und erkennen auf Gefängnisstrafen. Während der Kriegszeit hat der Schwindel überhaupt stark über⸗ hand genommen. Vor etlichen Tagen hat die Strafkammer in Elberfeld, wie unser dortiges Parteiblatt berichtet, entschieden, daß das verwerfliche Treiben der angeblichen Wahrsagerinnen auf jeden Fall bestraft werden müsse, ganz gleich, ob es aus Gewinnsucht geschehe oder nicht, weil dadurch in dieser ohnehin schweren Zeit leicht Beunruhigung hervorgerufen werden könne, und verurteilte demgemäß die Witwe Theodor F., die einer alten Bekannten aus Gefälligkeit aus Spielkarten die Zukunft prophezeit hatte, zu 1 Tag Gefängnis. Gegen berufsmäßige„Wahr⸗ sagerinnen“ wird natürlich mit empfindlicheren Strafen vorge⸗ gangen; die Ehefrau Johann M. aus Remscheid, die den Schleier der Zukunft anderen Personen gegen Entgelt gelüftet hatte, wurde auf 3 Tage ins Gefängnis geschickt. — Verwendung von Benzol usw. In unseren Geschäftsräumen liegt eine Bekanntmachung des stellvertretenden General-Kom⸗ mandos des 18. Armeekorps über die Verwendung von Benzol und Solventnaphtha, sowie über Höchstpreise für diese Stoffe offen. Sie behandelt die der Verfügung unterliegenden Stoffe, deren Ver⸗ kaufsarten, die Stelle, an welcher verkauft wird u. a., sowie die Höchstpreise. Wir machen die Interessenten mit dem Bemerken hierauf aufmerksam, daß auch eine Bekanntmachung am Gießener Rathause angeschlagen ist. Kreis Alsseld⸗Lauterbach. Feuer in Angersbach. Am Montag nachmittag brach in einem kleinen Fachwerk-Hause, das einem Taglöhner gehört, Feuer aus, das sich sehr schnell verbreitete und in kurzer Zeit das Häuschen mit allem, was darin wax, in Asche legte. Mit Mühe verhinderten die Bewohner durch Niederreißen des Hauses die weitere Ausbreitung des Brandes, der für den ganzen Ort hätte gefährlich werden können. Das Feuer soll durch die Unvor— sichtigkeit eines Jungen entstanden sein. Von Nah und Fern. Sprendlingen, 10. Aug. Schlimmer Ausgamg eimer Schlägerei. Gestern abend um 211 Uhr entstand hier zwischen jungen Burschen eine Schlägerei. Dabei trat der 19 Jahre alte Willy Lohmann— er feierte gestern seinen Geburtstag— dem 17 jährigen Schlosser Ferdinand Deißler derart auf die Brust, daß der sofort herbeigeholte Arzt nur noch den bereits eingetretenen Tod ei konnte. Der Vater des Getöteten steht in Rußland de. 0 Mühlheim, 10. Aug. Großer Scheunenbranbd. Am Samstag abend zwischen 5—6 Uhr brach bei dem Landwirt Chr. Schwerzel Feuer aus. Die Scheune mit einem großen Vorrat von Getreide, das in den nächsten Tagen durch die Dreschmaschine ge⸗ droschen werden sollte, brannte vollständig nieder. Durch das Ein⸗ greifen der Feuerwehr wurde ein Uebergreifen des Feuers auf das Wohnhaus und die angrenzenden Gebäude verhindert. Auch konnte der größte Teil des Viehbestandes gerettet werden. 5 Familientragödie. Am Montag hat in Mainz ein älterer Mann, der verwitwet ist und an Schwermut litt, seinem Leben durch Erhängen ein Ende gemacht. Zuvor hatte er im Schlafzimmer seiner beiden Töchter im Alter von 16 und 15 Jahren die Gas lampe aufgedreht und die Gas röhre geöffnet. Durch das Geräusch des ausströmenden Gases wurden jedoch die beiden Mädchen wach und konnten noch rechtzeitig dem Erstickungstode entgehen. Als sie nach ihrem Vater suchten, fanden sie ihn in der Manfarde erhängt auf. * Ein Arzt, der keiner war. Durch eine Zeitungsanzeige wurde für das Vereinslazarett in Leverkusen bei Elberfeld ein Arzt gesucht. Es meldete sich u. a. ein Dr. Karl Max Haschkle aus Berlin, der dann auch von den Farbenfabriken Bayer u. Co eingestellt wurde. Am Samstag morgen begann er seine Tätigkeit im Lazarett, die der Chefarzt kopfschüttelnd beobachtete und die da⸗ zu führte, daß die Kriminalpolizei auf den neuen Arzt aufmerk⸗ sam gemacht wurde. Die Polizei stellte daraufhin fest, daß seine Papiere gefälscht waren. Der angebliche Arzt war der 25jährige Steinsetzer Karl Haschke aus Berlin. Er wurde verhaftet und dem Amtsgericht Opladen zugeführt. Taheshericht hes Großen Hauptguartiers. Luftkämpfe im Westen. Lomsha erobert. W. B. Großes Hauptquartier, 11. Aug., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Oestlich von Ppern gelang es stärkeren englischen Kräften, sich in den Besitz der Westteile von Hooge zu setzen. Französische Minensprengungen in der Gegend des Ge⸗ höfts von Beau Sejour in der Champagne waren er⸗ folglos. Nach der Zerstörung des Viadukts von Dammerkirch durch unsere Artillerie am 30. Mai haben die Franzosen im Zuge einer Umgehungsbahn die Larg südlich von Man ns⸗ bach überbrückt. Die kürzlich fertiggestellte Brücke wurde gestern durch einige Volltreffer unserer Artillerie zerstört. Am Südrande des Hessenwaldes westlich von Verdun wurde ein französischer Fesselballon herunterge⸗ schossen. Am 9. August 11 Uhr abends warf ein feindlicher Flieger auf Zadzand(auf holländischem Gebiet in der Nähe der belgischen Grenze) Bomben. Zwischen Bellingen und Rheinweiler(südlich von Müllheim in Baden) mußte ein französisches Flug ⸗ zeug im Feuer unserer Abwehrgeschütze landen, Führer und Beobachter sind gefangen genommen. Bei Pfert wich ein feindlicher Flieger, durch unser Feuer gezwungen, auf Schweizer Gebiet aus. Oestlicher Kriegsschauplatz. Auf der Westfront von Kowno wurde der Angriff, unter ständigen Gefechten näher an die Fortslinie herange⸗ tragen. Hierbei machten wir wieder einige 100 Russen zu Gefangenen. 4 Geschütze wurden erbeutet. Truppen der Armee des Generals v. Scholz durchbrachen gestern nachmittag die Fortslinie von Lomsha, erstürmten Fort IV und nahmen heute bei Tagesanbruch die Festung. Südlich von Lomsha wurde die Straße nach O st row kämpfend überschritten. Ostrow wird noch vom Gegner ge ⸗ halten. Von Bojany, westlich von Brok bis zur Bug ⸗ mündung, haben unsere Truppen diesen Fluß erreicht. Seit dem 7. August wurden hier 23 Offiziere und 10 100 Mann zu Gefangenen gemacht. Oestlich von Warschau ist die Armee des Prinzen Leopold von Bayern bis nahe an die Straße Stanis⸗ lowo- Nowo-Minsk gelangt. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die Armee des Generalobersten v. Woyrsch erreichte in der Verfolgung die Gegend nördlich und östlich von Zelez⸗ how. Sie nahm Anschluß an den von Süden vordringenden linken Flügel der Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen. Auf der Front von Ostrow bis zum Bug wurden die feindlichen Nachhuten auf ihre Hauptkräfte zurückgeworfen. f Oberste Heeresleitung. Notiz: Brok liegt 12 Kilometer südlich vor Ostrow. Der österreichisch⸗ungarische Tages bericht Unaufhaltsames Vordringen in Südpolen. Eroberung eines Brückenkopfes am Dnjestr. Heftige Artilleriekämpfe an der Isonzofront. Wien, 10. August.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart, 10. August 1915: Russischer Kriegsschauplatz. Die Verfolgung des aus dem Weichselland weichenden Gegners dauert an. Die Truppen des Generals von Köveß haben die Linie südöstlich Zelecho w genommen. Ihnen schließen sich die über den unteren Wieprz vorrückenden Feile der Armee des Erzherzogs Josef Ferdinand an. Auch das Wieprz⸗Knie ist an mehreren Stellen überschritten. Weiter östlich an der Front bis zum Bug nahmen unsere Verbündeten eine Reihe von feindlichen Nachhutstellungen. Am Bug und an der Zlota-Lipa ist die Lage unverändert. Bei Czernelica auf dem Südufer des Dujestr be⸗ mächtigten sich innerösterreichische und küstenländische Heeres⸗ und Landwehr⸗Regimenter einer brückenkopfartigen Stellung, welche die Russen bisher hartnäckig zu verteidigen wußten. Der Feind flüchtete über den Fluß und ließ 22 Offiziere und 2800 Manu als Gefangene, 6 Maschinengewehre, viel Fuhrpark und zahlreiches Kriegsmaterial in unserer Hand. Italienischer Kriegsschaup laß. Die täglichen Geschützkämpfe an der Südwestfront hielten auch gestern an. Im Görzischen und bei Plawa steigerten sie sich zuweilen zu bedeutender Heftigkeit. Drei italienische Angriffe gegen den nach Westen vorspringenden Teil des Plateaus von Doberdo und ein Vorstoß des Feindes auf Jagora(füdöstlich von Plawa) wurden abgewiesen. Soust hat sich nichts von Be⸗ deutung ereignet. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Söfer, Felbmarschallentuant. Ostküste aus. Trotz starker Gegenwirkung wurden briti⸗ schiffe sind von ihrer erfolgreichen Unternehmung zu⸗ farbige Stoffe, das Kolossalgebäude der Flachstrocknerei, der Wasser⸗ turm usw. Alles, was die Administration nicht ausgeführt hatte, 5 Kobenen Dampfer im Schlepp, nach Thorn. Anfauf., Bombardierung britischer Kriegsschiffe und der Docks von London. Berlin, 10. Aug.(W. B. Amtlich.) In der Nacht vom 9. zum 10. August führten unsere Marineluftschiffe Angriffe gegen befestigte Küsten⸗ und Hafenplätze der englischen sche Kriegsschiffe auf der Themse, die Docks von London, ferner der Torpedostützpunkt Harwich und wich⸗ tige Anlagen am Humber mit Bomben beworf en; es konnten gute Wirkungen beobachtet werden. Die Luft⸗ rückgekehrt. 1 5 Der stellvertretende Chef des Admiralstabs der Marine: (gez.) Behncke. Wie die Russen sich zurückziehen. Rußkoje Slowo schildert den Rückzug der Russen von den Stellungen an der Bzura wie folgt: Bereits Ende Juni war der Befehl gegeben worden, aus den Städten alle Gegenstände aus Kupfer, Messing, Stahl usw. auszuführen. Alle Fabrikmaschinen wurden systematisch abmontiert, Kessel, Rohre und Treibriemen verladen und alles das ins Innere Rußlands geschafft. Gleichzeitig wurde den Bauern befohlen, die Ernte auf den Feldern einzu⸗ bringen. Jede Bauernfamilie mußte Proviant für einen Monat zurückbehalten und den ganzen Rest der Ernte abliefern, worauf diefe entweder vernichtet oder ausgeführt und den Bauern eine entsprechende Vergütung ausgezahlt wurde. Die Soldaten halfen den Bauern beim Abernten des noch unreifen Kornes. Gewisse Getreidearten, wie Roggen, Gerste sowie Kartoffeln wurden mit Hilfe besonderer Maschinen, die den Spitznamen „Pljuschtschilka“(Presse) erhielten, vernichtet. Nach der Be⸗ endigung der Ausfuhr der Maschinen und der Erntearbeiten begann die Aussiedelung der Beamten, und endlich begannen aatch die Einwohner abzureisen. Den Beschluß machte die Arbeit der Sappeure, die alles vernichteten, was dem Feinde nützlich sein könnte. Besonders grandios war die„Liquidation“ der Stadt Zirardo w. Es blieben dort nur einige hundert Obdachlose, ein⸗ same Greise und Greisinnen und die Frauen, die ihren Wohnort nicht verlassen wollten. Gegen 4 Uhr nachmittags begannen die Sappeure ihre Arbeit. Einer nach dem andern fielen die riesigen Fabrikschlote, elf an der Zahl, und stürzten mit gewaltigem Krach, wie abgemäht. Unter dem Dröhnen der Pyroxilinpatroneu hob sich höher und höher die Lohe der Feuersbrünste. Ein Meer von Flammen war die gewaltige Fläche, die von den bekannten „Zirardower Manufakturen“, dem größten Etablissement dieser Art in Rußland, eingenommen war. Allein das Gebäude der „Neuen Spinnerei“ beherbergte 2800 große Maschinen. Daneben brannten die Tschlerei, die Strumpfabteilung, die Abteilung für ist verbrannt. Eine Erkundungsfahrt unserer Flotte. Berlin, 10. Aug.(W. B.) Zu der russischen Meldung, daß bei einem großen deutschen Flottenangriff auf den Riga⸗ ischen Meerbusen drei deutsche Kriegsschiffe verloren ge— gangen seien, erfahren wir von zuständiger Stelle, daß es sich nicht um einen großen Angriff, sondern um eine Er⸗ kundung russischer Minensperren handelte, und daß lediglich zwei kleine Minensuchboote verloren gegangen sind. Die Nachricht von dem Verlust dreier deutscher Schiffe ist frei erfunden. Erbeutete Weichselschiffe. Wie die Vossische Zeitung berichtet, sind unseren Truppen bei ihrem Vorrücken in Polen auch zahlreiche russische Weichselschiffe in die Hände gefallen. Die Russen hatten die meisten Dampfer im Fluß versenkt. Doch gelang die Hebung infolge des flachen Wassers verhältnismäßig recht schnell, und die Fahrzeuge konnten bereits in der Weichselschiffahrt gute Dienste leisten. Zu diesen erbeuteten Schiffen gehörten auch die ersten großen Weichsemotorschiffe, die polnischen Radschlepper, Madzur“,„Magyar“ und„Pollack“, die im Frieden zwischen Danzig und Warschau Tankschiffe schleppten. Eins von diesen Motorschiffen kam schon vor einiger Zeit, mit einem ge— Der türkische Tagesbericht. Konstantinopel, 10. Aug.(W. B. Nichtamtlich.) Das lenfrontwiesen wir am 9. August nördlich Art Burnu von neuem einen feindlichen Angriff ab und fügten dem Feind schwere Verluste zu. Weiter nördlich ver⸗ trieben wir den Feind durch einen kräftigen Angriff am Ufer; wir nahmen vier Offiziere und 50 Mann gefangen und er⸗ beuteten zwei Maschinengewehre, ferner heliostatische und Telephonanlagen und eine Menge Waffen. Bei Ari Burn n eroberten wir auf dem linken Flügel durch einen Bajo⸗ nettangriff einen Teil der vom Feinde in den letzten Tagen besetzten Gräben zurück. Bei Sedd⸗ül⸗Bahr besetzten wir auf dem linken Flügel einen großen Teil eines Grabens, der sich abgesondert zwischen uns und dem Feinde befand. An den übrigen Fronten hat sich nichts Wichtiges ereignet. Vom Seekrieg. Vor Peterhead wurde der norwegische Dampfer„Gei⸗ ranger“ torpediert.„Geiranger“, 1907 erbaut, faßte 1081 Bruttotons und stand in der norwegischen Kriegsversicherung mit 350 000 Kronen. Die gesamte Mannschaft wurde gerettet und ist in Skudesnes angekommen. Das Schiff hatte Holzladung von Petschora an Bord. Für Kontrebande ist es in Norwegen, nicht versichert. 5 Die Torpedierung der norwegischen Bark„Nor⸗ mann“ fand achtzehn Seemeilen von Arendal am 7. August um zwölf Uhr mittags statt. Das U-Boot war sehr klein. Es gab der Mannschaft genügend Zeit, die Boote zu besteigen. Es schoß zwölf Granaten ab, die die„Normann“ in Brand steckten. Die Mann⸗ schaft wurde nach vier Stunden von dem norwegischen Dampfer „Solferina“ geborgen. Der holländische Fischdampfer„Bendracht“ landete 10 Mann von der Besatzung des deutschen Fischdampfers„Sa⸗ turn“ aus Geestemünde, der gestern nachmittag von einem eng⸗ lischen Kreuzer in der Nordsee versenkt wurde. Das Kanonenboot„Absolon“ setzte in der Nacht sechs Mann der Besatzung des Schoners„Jason“ aus Svendborg an Land. Der Schoner wurde bei Horns Rep torpediert. Der holländische Fischdampfer„Vlaadringen 33“ landete hier die aus 12 Mann bestehende Besatzung des englischen Dampfers„Westminster“, die er am Freitag nachmittag auf⸗ nahm. Die„Westminster“ war mit einer Fischladung von Island nach Grimsby unterwegs und wurde von einem deutschen Unter— seeboot versenkt. Nach den neuesten Meldungen sind im ganzen 142 Mann von der Besatzung des torpedierten englischen Hilfskreuzers „India“ nach Narvik gebracht worden, davon 82 mit dem „Goetaland“ und 60 mit dem bewaffneten englischen Fischdampfer „Saxon“, außerdem 11 Tote. Der Kapitän soll sich unter den Ge⸗ retteten befinden. Insgesamt sind etwa 160 Mann umgekommen. Tuftangriffe auf Zweibrücken und St. Ingbert. Berlin, 10. Aug.(W. B. Amtlich.) Gestern vormittag machten 6 bis 8 feindliche Flugzeuge einen Angriff auf die außerhalb des Operationsgebietes liegenden Orte Zweibrücken und St. Ingbert. In Zweibrücken wurden 15 bis 20 Bomben beobachtet. Es wurde nur unbedeutender Sachschaden ver— ursacht. In St. Ingbert 8 Tote und 2 Verwundete. Französisches Kriegsbrot. Paris, 9. Aug.(W. T. B. Nichtamtlich.) Der Temps wendet sich heftig gegen den von der Kammer angenommenen Gesetzantrag zum Ankauf von Getreide und Mehl sowie gegen den Zusatzantrag über die Mehlmischung für die Brotherstellung. Der Temps hofft, daß der Senat den Antrag verwerfen werde, denn der Antrag ver⸗ mindere das Fallen des Getreidepreises. Es bestehe für Frankreich keine Notwendigkeit, Kriegsbrot zu essen, denn die Verbündeten be⸗ säßen die Seeherrschaft. Man hätte nicht nötig gehabt, das deutsche Kriegsbrot nachzuahmen, über das man sich in Frankreich zur Genüge lustig gemacht habe. Die englische Willkür gegen Griechenland. Athen, 10. Aug.(W. B. Nichtamtlich.) Die englischen Maßregeln gegen griechische Schiffe sind in den letzten Tagen bedeutend verschärft worden. Im Golf von Euboea werden alle Dampfer untersucht und nach Mudros geführt. Der Prozeß gegen General Auffenberg. Wien, 10. Aug.(W. T. B.) Wie amtlich mitgeteilt wird, fand am 3. und 4. August vor dem Wiener Divisionsgericht die Haupt⸗ verhandlung gegen den General der Infanterie Moritz v. Auffen⸗ berg statt. Hierbei wurde dieser von der Anklage rechtskräftig Große Hauptquartier gibt bekannt: An der Dardanel⸗ e 11 8 e für genf 8 tisusputz Alteisen, Lumpen, Knochen, Papier, Kupfer, Messina, Zink, Zinn, Blei, bei Louis Rothenberger Neuenweg 22. 5 Metallbetten Wa ne. Holzrahmenmatratz. Kinderbetten. Eisenmöbelfabrik, Suhl i. Th. Fahnen Reinecke Hannover Vereins- Bedarfsartikel. in Giessen Eier-, Wurst-, Kuchen-, Flaschen- u. Büchsen-Versand allen Grössen äusserst pillig. Oberhessische Volkszeitung 2 Bahnhofstrasse 23. e die Sicherheit der Armee da⸗ durch gefährdet, daß er im Herbst 1912 während der Tagung der Delegationen in Budapest geheim zu haltende Disposittonen über militärische Defensivmaßnahmen der Monarchie dem in Wien wohnhaften Obersten des Ruhestandes Heinrich Ritter von Schwarz, der davon keine Kenntnis haben sollte, um ihm materiell aufzu⸗ helfen, sowie absichtlich in der Weise mitgeteilt habe einmal, daß er ihm am 18. November 1913 eine verschlossene Karte des Inhalts zugesandt habe, es sei die teilweise Mobilisierung im Norden wahr⸗ cheinlich, und sodann,. nde der Kommandanten des 1., 10. und 11. Korps über eine vom Kriegsministerium am selben Tage nach allerhöchster Genehmigung beschlossene Erhöhung des Friedenszustandes bei den Truppen und Anstalten der erwähnten Korps telegraphisch benach⸗ richtigt, und somit das Verbrechen der Hintansetzung der Dienst⸗ vorschriften im allgemeinen begangen habe. Eine Mahnung an die französischen Sozialisten Die Berner Tagwacht schreibt:„Man kann sich zu den deutschen Siegen stellen wie man will, man darf aber die Sachlage nicht verkennen: die militärische Situation Deutsch⸗ lands und Oesterreichs ist gewaltig gestärkt. Aber auch jen⸗ seits der Vogesen darf man sich keine Illustonen machen. Die Niederringung des deutschen Mili⸗ tarismus ist ferner denn je. Wer das Volk mit Hoff ⸗ nungen auf sie speist, ist mitschuldig an dem Ver⸗ bluten Frankreichs. Wenn auf der deutschen Oppo⸗ sition die Pflicht lastet, mit voller Wucht für den Frieden einzutreten, so muß die französische Opposition mutig und kühl der Lage in die Augen blicken und er⸗ klären: wenn wir das Proletariat angesichts einer aussichts⸗ losen Streiklage nicht zum weiteren sinnlosen Streiken aufmuntern, so können wir desto weniger es zum Weißbluten auffordern.“ Diese Mahnung des Berner„Bruderblattes“, das sonst in der niedrigsten Weise gegen die Deutschen im all⸗ gemeinen und gegen die deutschen Sozialdemokraten im be⸗ sonderen hetzt, ist recht bemerkenswert. 5 frergesprochen, er! Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M. Die Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch⸗ und Brotpreise am 9. August 1915. Schlachtviehpreise in Frankfurt a. M. Fleischpreise in Gießen 1 Ochsen 50 kg Schlachtgewicht 102138 Mk.] ½ kg 112116 Pfg. Kälber„ 2 93120 Pf ½„ 100000„ Schweine ½„ 5 165—175„ e ee Brotpreise in Gießen Weißbrot 2 kg Pfg. Schwarzbrot 2, 71„ Getreidepreise in Maunheim. 100 kg 27.00 Mk. Höchstpreis 200 Höchstpreis Weizen Roggen oh en Gewinn D garößte Zeitersparnis bringt der Besitz eines Sturmvogelrades. Hervorragende Qual. ö sanfter Lauf, wunderbare Arbeit, niedriger . 8 Preis. Versenkbare Nähmaschinen in f allen Systemen, Pneumatiks, Taschen⸗ , 0 d lampen, alle Zubehörteile in großer Aus⸗ all wahl. Katalog gratis. Zu erfragen bei den einschlägigen Handlungen., Deutsche Handelsgesellschaft Sturmvogel Gebr. Grüttner Berlin⸗Halensee 141. 2 end uc f, de ane a8 Stricklumpen; und Schafwolle nehmen zu höchsten Preisen an 15 92 * L. Nosenbaum& Jakob 25 2 * 0 Tel. 171. am Oswaldsgarten. — Händler erhalten Vorzugspreise. e e ee ee eee eee 7 grau per Pfd. von 95 Pf. an L. Rosenbaum& Jacob am Oswaldsgarten. N D Geno ssen. Prüft lere iserenlen! zu verkehren, ist Pllicht eines jeden organisierten Arbeiters. Durch den Besuch desdewerkschaftshauses un- terstützt der Arbeiter sein eig. Heim La Speisen u. Getränke. Billig. Logis daß er ihn am 21. Nopember 1912 unter Bettiedern] 8 1 1 — 2... — . B ee oo e