1 5 9 1 1 1 1 5 1 N 3 N 1 1 9 ö 4 19 9 1 3 1 N 14 ö 4 1 3 1 0 4 3 ö 1 . 0 5 ö 5 ö 5 1 1 1 g 1 1 3 1 1 13 31 * 7 N 1 0 0 1 7 1 1 0 5 ) 0 1 1 0 0 0 0 0 4 1 g 1 1 9 1 0 . . Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Die Oberbessische Volkszeitung erscheint jeden Werktag Abend in Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich 60 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl. 1.80 Mk. Redaktion und Expedition Bahnhofstraßse 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Gießen, Juserate kosten die ö mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 185 Gießen, Dienstag, den 10. August 1915 10. Jahrgang. Tortdauer + 298, 4 2 Wüstenstrategie. Die Schrecknisse des Krieges dringen mit erneuter und ver⸗ tärkter Gewalt aus dem Osten zu uns und wenn wir auch durch 1 die Tüchtigkeit unserer Heere und ihrer Führung als Sieger Polen in immer weiterem Umfange beherrschen, so sind die Be⸗ richte von dort über das Schicksal der Bevölkerung, das sie ihren eigenen Heepen und ihrer eigenen Regierung du ver⸗ das Verfäumte nachholen. Es sendet uns hierher mit dem danken hat für uns rein menschlich e Ulcht hrecklich[ Befehl, der Regierung die W ahrheit zu sagen Wir 5 ite Wir hör daß die Russen bei der Rär 5 rer!. 0 W 1 54 0 1. und ergreifend. Wir hören daß die Russen bei der Räumung ihrer] müssen jetzt die Anstrengungen verzehnfachen. Man Ostseeprovinzen, det dem Rückzug aus Warschau und ganz Polen nicht nur die militärischen Einrichtungen, die Brücken und Eisenbahnen, was selbstverständlich ist, zerstört haben, um sie nicht in die Hände und damit in die Benutzung des Feindes fallen zu lassen, wir hören auch, daß sie weit darüber hinaus alle bewohnten Stätten, alle beackerten Felder auf das wüsteste zerstören und vernichten. Der Militärkrititer de Berner Bund nennt diese Maßnahmen der russischen Heer Wüstenstrategie. Er will damit sagen, daß die R Strategie befolgen, diejenigen Länderteile, die sie vexlassen, Wüsten zu verwandeln, und er läßt keinen Zweifel darüber, daß er diese Art der Strategie für außeror dentlich ver⸗ fehlt, widersinnig und gefährlich selbst für diejenigen hält, die sie anwenden. In der Tat ist die Wüstenstrategie eine spezifisch russi⸗ sche Erscheinung, wie so viele andere, das eben nur in Rußland existiert. Die russische Regierung har niemals einen Begriff da⸗ von gehabt, daß Land und Menschen Werte darstellen und bis aufs äußerste geschont werden müssen. Sie hat weder im Kriege davon einen Begriff gehabt und gezeigt, noch auch früher im Frieden. Die militärische Leitung Rußlands gibt sich deshalb auch dem Wahn hin, daß Rußland niemals besiegt werden könne, weil es lach Osten zu unbeschränktes Land besitzt, in das der Feind niemals bis ans Ende vordringen könne und weil es unendliche Menschenmassen besitze, die der Feind niemals gänzlich vernichten könne. Es ist das eine Hoffnung, die eben ganz in das Gebiet dieser Wüstenstrategie fällt und die Menschen und Land für ni cht s achtet. Es ist der Wahnsinn der Vernichtung bis ans Ende, jene Methode der Kriegsführung, die an die ältesten Zeiten des Bar— Sie ist aber nicht nur vom etwas Unge⸗ vollkommen barismus und der Wiloheit erinnert. völkerrechtlichen und kulturellen Standpunkte aus heuerliches, sondern sie ist auch etwas Törichtes vom militärischen Standpunkte aus. Der moderne Krieg hängt nicht mehr in seiner Entwicklung wie vor Jahr— hunderten davon ab, was der siegreiche Feind in dem eroberten Lande vorfindet. Der Ausbau der rückwärtigen Verbind n ist heute in jeder modernen Armee und ganz besonders in u serer deutschen so entwickelt und so kraftvoll durchgeführt daß eine deutsche Armee, selbst wenn sie in eine vollkommene Wüste geraten würde, die sie erobert hat, dank ihrer rückwärtigen Ver⸗ bindungen, dank ihrer geordneten Etappenstraßen, niemals allein aus Mangel an Zufuhrmöglichkeiten wieder umkehren oder zugrunde gehen müßte. Die militärische Kraft der siegreichen deutschen Heere im Osten wird also durch diese Wüstenstrategie garnicht getroffen, und die Russen schädigen eben auf das grau⸗ amste nur das Land und die Völker, die bisher unter ihrer eigenen Obhut und Herrschaft gestanden haben. Die deutsche Heeresleitung hat von Anfang an und mit klarer Entschlossenheit und Absicht eine gänzlich andere Strategie ange⸗ wendet. Sie hat sich auf den Standpunkt des alten Clausewitz ge⸗ stellt, des Begründers der modernen Strategie, der als Zweck des Krieges ausschließlich die Vernichtung der gegneri schen Streitkraft, die Eroberung des feindlichen Lan⸗ des und das Brechen des Willens des Feindes hingestellt hat. Unter Eroberung des feindlichen Landes versteht Clausewitz die wüstenartige Vernicht⸗ machtvolle Besitzergreifung, aber nicht die f wo eigenes ung. Er läßt auch keinen Zweifel darüber, daß dort, Land dem Gegner preisgegeben werden muß, dieses Land nicht über die militärischen Einrichtungen hinaus vernichtet werden darf. Das entspricht der ganzen deutschen Art, Kräfte zu erhalten und Kräfte zu fördern, wo immer es nur selbst im Kriege geht. Wir haben in dieser Hinsicht ja geradezu wunderbare Bilder da⸗ von, was unsere Heeresmassen im Westen an Erhaltung und Schasfung von Kraftquellen geleistet haben. Die Etappenstraßen im Westen sind selbst von uns nicht immer freundlich gestunten Neutralen als Wuster produktiver Leistungen beurteilt und gerühmt worden. Der Sozialismus hat auch im Kriege die tie die Schrecknisse nach Möglichkeit gemildet und die fe Sehnsucht, große Sorge und Aufgabe, aus den Ruinen wieder blühendes Leben empor⸗ steigen zu sehen. Alles, was auf der Linie dieser Hoffnungen liegt, werden wir auch in den Schrecknissen des Krieges unter verurteilen und Wüstenstrategie, Land bringt, ein stützen, alles aber, was dagegen geschieht, auf das kräftigste bekämpfen. Die russische die ein ungeahntes neues Elend über das russische b Elend, das selbst in den Fürchterlichkeiten des Krieges nicht not⸗ wendig wäre, ist deshalb ein neuer Anlaß, uns gegen den russi⸗ schen Zarxismus zu wenden und seine endgiltige Niederwerfung als ein Ziel zu betrachten, das wir nicht nur im Siune der deut⸗ schen Heeresführung erhoffen, sondern auch im Sinne des allge— meinen sozialen Fortschritts und der Kultur. 0 0 Eine Anklagerede in der iu ichen VHDuma. Kopenhagen, 7. Aug.(W. T. B. Nichtamtlich.) Wie der Rietsch 7 e ist, hat in der Duma der Führer der Kadetten, Bereits von einem halben Jahre versammelten wir uns mit dem Gefühl großer Unruhe und sprachen der Regierung in geheimen itzungen aus, was öffentlich nicht ausgesprochen werden durfte. Die Regierung antwortete, dasi sie unsere Hilfe nicht brauche und ohne uns fertig zu werden hoffe. Jetzt sind wir im Moment der allerschwersten Prüfungen des Volkes versammelt. Unsere Unruhe hat sich als begründet erwiesen. Die Versicherungen ber Regierung erwiesen sich als leere Worte. Das Volk willjetzt selbst Fall, wenn wir Zeit für un di r nur der die Zeit auf das äußerste auszunutzen. Die Aufgabe der Duma, im Lan Leben einzuführen, wurde von der R hemmt. Vollständiges Mißtrauen de ein bewußtes gierung in gegen ist immer noch der leitende Gedanke unseres polit Le. 0 Regierung hat alles getan, um die patriotische eisterung d Volkes zu vernichten. Selbst die Beziehungen zu den Ver⸗ wundeten wurden mißtrauisch beobachtet. Unter dem Vor⸗ wanlbe des Kriegszwan wurden d 1 N tuigsten Ver⸗ Inden no solgungen fremder Völker, besonders der 5 Wir sahen die allerdümmsten und einfältigsten Ma nahmen, um unsere Religion und unsere Nationalität in der ne rworbenen Provinz Galizien ein zen. Beamten saudt, die die Jdcale Erst heute ist neralissimus das jefallei. Gegen systematische Dir gef unde der Auswurf der Provinebeamten hit der kleineren Nationalitäten sort U töteten früheren nebelhaften Aufrufen des Ge der Autonomie für Polen russischen Juden wurde eine 5 lierung rohester Art unter der Beschuldigung der durchgeführt, wofür keinerlei Beweise erbracht worden sind. sind Maßnahmen, die an die allerwildesten Zeiten des barbarischen Mittelalters erinnern, Rußland in der ganzen Welt herabsetzten, unsere Freunde betrübten und unseren Feinden die größte Schadenfreude bereiteten. Hin⸗ sichtlich des Prozesses gegen die sozialistischen Dumamitglieder habe ich Einsicht in die Atten genommen und erkannt, daß der Prozeß für alle Zeiten ein Symbol russi⸗ scher Rechtsverdrehung bleiben wird. Verur⸗ teilten sind völlig unschuldig 135 * Die Der Redner verlangte darauf die Zurückberufung dieser Mitglieder in die Duma und sofortige völlige Amnestie für politische Verbrecher und schloß: Im ganzen Volke spreche man von Verrätern, gi ig durch Hinweis auf Juden und nich systematisch genährt würde und wodurch Pogromstimmune wie in Moskau, her gerufen wü l. Auch da stechungssystem blühe er weiter. em Abgange des Kriegsministers sei es nicht tan, da er die tma direkt be⸗ trogen habe. Re r verlangte eine gerichtliche Unter⸗ suchung, da solche Handlungen als Staats verbrechen zu betrachten seien, und schloß mit dem Verlangen einer poll⸗ ständigen Aenderung des inneren Kurses, da für gesetzt von den stärksten Beifallsrufen unterbrochen und am Schluß mit einem Beifallssturm belohnt. 62 3 Numanten. Der Berl. Lokanlanzeiger bringt an leitender Stelle einen sehr bemerkenswerten Artikel, in welchem das Verhalten Ru— mäniens eingehend gewürdigt wird. Festgestellt wird, daß die Haltung Rumäniens bis zur Stunde unverändert sei, und daß kein greifbarer Anlaß zu dem Glauben vorliege, daß das Kabinett in nächster Zeit die Richtlinien seiner bisherigen Politik zu verschieben gedenke. Dem rumänischen Problen: würde übrigens in der Oeffentlichkeit eine Bedeutung beige— messen, die ihm schwerlich zukomme. Die militärische Lage sei heute so, daß Rumänien den historischen Zeitpunkt ver⸗ jäumt habe, der zu einem Anschluß an Rußland hätte wahr⸗ genommen werden müssen. Zwischen der Russenherrschaft in Lemberg und heute liege nicht nur ein Zeitraum, der auf etwaige kriegerische Neigungen Rumäniens zähmend wirken müsse, sondern auch eine örtliche Entfernung so beträchtlicher Art, daß ein militärisches Eingreifen der rumänischen Armee heute auch rein physisch sich wenig versprechend ausnehmen würde. Der anscheinend inspirierte Artikel fährt dann fort: „Daraus folgt weiter, daß sich Rumänien heute zu einer politischen und militärischen Passivität verurteilt sieht, aus der es nur hexauszukommen vermöchte, falls es auch seinerseits bereit ist, die Früchte der deutsch⸗österreichisch-ungarischen Siege zu pflücken. Solange das aber nicht der Fall ist und die rumänische Politik sich in der Rolle eines hoffnungsreichen Zuschquers gefällt, der seine Augen auf die Dardanellen gerichtet hält, muß der rumänische Faktor im europäischen Rechenexempel naturgemäß nach und nach geringer werden und das Interesse an einer größeren Aktivität des Königsreichs hüben wie drüben allmählich verblassen. 1 [Was wir an dieser Stelle vor drei Mongten sagten, gilt auch heute noch: Der Traum von einem Groß-Rumänien kaun nur an den Grenzen eines vernichteten Rußlands seine Verwirklichung erleben. Die Zukunft Rumäniens liegt nicht in den Meerengen, die man ihm trllgerisch versprochen hat, sondern an den Ufern des Dujestr und Pruth.“ Mißliche Lage des Kabinetts Bratlaun. Wie die Bukarester Seara in Erganzung der gestrigen Mit juko w, dessen R in dem amtlichen Auszug unerwähnt en ist, unter großem Beifall der ganzen Linken ausgeführt: teilungen meldet, ist die Lage des Kabinetts Bratianun seit Rußland jetzt alles auf dem Spiele stehe.— Miljukow wurde sort⸗ ö en! einigen Tagen mißlich geworden. Man müsse mit der Möglichkeit eines nahen Regierungswechsels rechnen. Das Blatt veröffentlicht Aeußerungen eines konservativen Poli⸗ tikers über die Lage, in denen betont wird, daß Bratianu bis zum ersten Kronrat in Sinaja für eine gemeinsame Aktion mit den Zentralmächten im Sinne bes bestehenden Vertrages eingetreten sei, später aber unerwartet der Neutralität das Wort geredet habe. Die öffentliche Meinung sei unter der Einwirkung des Rubels und einiger Agitatoren von den vorübergehenden Erfolgen der Russen fasziniert worden und deshalb habe Winter von der Erfüllung lichten keine Rede sein können. Auch Bratianu scheine von den rufsischen Erfolgen irregeführt worden zu sein und habe sich der Entente zugeneigt. Dann sei die feindliche Haltung des Tinanzministers Costinescu und die Agitation Jonescus und Filipescus gekommen habe es den Anschein, als ob Bratiauu weder f ten könnte. Es wäre dos 9 e nach dem Fall Bessarabien n und e verworrene Lage nicht ent⸗ Regierung zu überlassen, die durch nichts gebunden sei. Die in Jassy erscheinende Opinia meldet, daß die Stellung des Finanzministers Costinescuserschüttert sei. imschwung der Stimmung in Griechenland. Der frühere griechische Abgeordnete, Genosse Dra⸗ der gewöhnlich in London lebt, schreibt nach der koules, Justice vom 29. Juli unter dem 10. Juli an seine Freunde in England: „Die deutsche Agitation wächst hier ungeheuer. Vor einigen Monaten war die Stimmung stark für England und Frankreich. jetzt aber wütet der Pro⸗Germanismus. Es sieht aus. als vb wir hier keine Verfassung mehr haben, sondern von Berlin aus regiert werden. Die Sozialisten nahmen Veranlassung, mich öffentlich als einen Interventisten zurückzuweisen. Das geschah offenbar auf Befehl deutscher Agenten und sollte den Sozialisten Englands und Fraukreichs bekannt gemacht werden.“ 5 Auch deutsche Sozialisten wird es interessieren, daß der Parteiveteran Drakoules, der noch 1912 mit Frank, Silber · schmidt, Anseele usw. in einer Londoner Friedensversamm⸗ lung sprach, zu den zialisten zählt, die eine Ausdehnung Krieges anstreben. Sobald jemand anderer Meinung müssen ˖* So der e sozialistische Partei(es gibt deren zwei) den Aus⸗ beschloß, Drakoules' weil er die Einmischung Vierverbandes— 91 g 2 Vom Seekrieg. T. U. Rotterdam, 8. Aug. Die Besatzung der Fischerfahrzeuge „Hesperus“,„Jvan“,„Fischermann“,„Helioskop“ und„Challenger“ wurden gelandet. Die 8 euge sind versenkt worden. Giolette „Haus Emil“ wurde in Brand gesetzt. Die Besatzung befindet sich an. 8 des dänischen Dampfers„Tyr“ auf dem Wege nach Dänemark. Die norwegische Brigg„Vanadis“ mit Grubenholz für England wurde in der Nordsee von einem Unterseebovt versenk:. Die Mannschaft ist gerettet. Das Schiff war nicht in der norwegi⸗ schen Kriegsversicherung, da es Bannware geladen hatte. Angst und Einsicht. Ein altes lateinisches Sprichwort behauptet, daß die Furcht die Götter geschaffen habe. In der Tat schärft die Furcht das Gewissen und treibt die Angst zur Einsicht. Wenn man Kleines mit Großem vergleichen darf, so zeigt sich dies im Augenblick aufs eindringlichste an Herrn v. Zedlitz. In der Sonntagnummer der Post bespricht er die Lebens⸗ mittelteuerung und die Stellungen der Sozialdemokratie und des Reichstages dazu. Er fürchtet, daß die sozial⸗ demokratische Fraktion die bevorstehende Tagung des Reichs tages zu einem großen Vorstoß in Sachen der Lebens- mittelteuerung benutzen werde, daß weite Kre ise auch außerhalb der Sozialdemokratie diesen Vorstoß bebh aft begrüßen und unterstützen werden, und er wünscht des- halb im vaterländischen Interesse, daß Regierung und Volks- vertretung„mit aller Sorgfalt zusammenwirken müssen“, um Mittel und Wege zu finden,„den auf diesem Ge- biete vorhandenen berechtigten Beschwerden wirksam abzuhelfen“. Das ist ein Maß von Einsicht bei Herrn v. Zedlitz, das wir sicher nicht nur den Tatsachen. die auch der Blinde sehen muß, verdanken, und erst recht nicht einem guten Herzen, sondern der Angst, daß d ie So- zialdemokratie, wie schon so oft, allein die Füh ⸗ bekommen werde in einer der wichtigsten Fragen nationaler Wohlfahrt und innerer Sicherung. Herr v. Zedlitz krönt seine Einsicht dadurch daß er selbst sehr beweiskräftige Beispiele für die unberech— tigte und gemeingefährliche Teuerung anführt und sich dabei sogar auf die Berechnungen unserer Konsumvereine bezieht. Es gibt kaum einen b für die Wahrheit der rung esseren Beleg Wucherischen Lebensmittelteuerung und für den berechtigten Kampf der Sozialdemokratie dagegen, als diese Angst und diese Einsicht des Herrn v. Zedlitz. Die Räumung Rigas. T. U. Petersburg, 9. Aug.(Indirekt.) Die Räumung Rigas ist im vollsten Gange. Die Straßen sind gedrängt voller Menschen, die Stationen werden belagert, die Ereig— nisse scheinen mit Siebenmeilenstiefeln fortzuschreiten. Sämt⸗ liche Regierungsbehörden haben bereits die Stadt verlassen und zwar das erzbischöfliche Kapitel, die Filiale der Staats⸗ bank, Zoll⸗ und Steuerbehörden, das Landgericht und die Verwaltung der Riga-Orel-Eisenbahn. Die Bahnlinie Riga⸗ Petersburg befördert seit vorgestern keine Privatpersonen mehr. Die staatlichen Spiritus- und Schnapsläden wurden geschlossen. Pioniere haben unter den großen Eisenbahn— brücken und unter zwei Holzbrücken, die zu der äußeren Stadt, der sogenannten Mitauer Vorstadt, führen, Sprengladungen gelegt. Eine Stadtmiliz wird organisiert. Russischer Barbarismus. Die vordringenden Deutschen begegnen, wie laut Ber— liner Tageblatt die Daily News melden, einer Unzahl von Feuersbrünsten. Die militärischen Feuerstif⸗ tkungsbrigaden folgen der Nachhut der russischen Heere. Militärische Nevolten in Rußland? Stockholm, 9. Aug. In Moskau hat bei der Einberufung der 19 jährigen eine Straßendemonstration von Militär— personen stattgefunden. Besonders auf dem Roten Platze rotteten sich niedere Militärchargen zusammen. Es wurden Rufe laut wie: Schlachtet keine Kinder! Nieder mit dem Krieg! Als die Polizei sie auseinandertreiben wollte, leiste— len sie mit den Waffen Widerstand. Die Aussichten des Vierverbandes in Bulgarien. Budapest, 9. Aug. Die Aussichten des Vierverbandes haben 5 sich, wie Az Est aus Sofia meldet, wesentlich verschlechtert. Der französische Sondergesandte Cruppi machte Besuche bei allen bulgari⸗ schen Staatsmännern, wo ihm überall bestätigt wurde, daß Bul⸗ garien unbedingt auf der Rückgabe ganz Mazedoniens bestehe. Dazu meldet A Nap, daß Fürst Trubetzkoi völlig darauf verzichtet habe, Serbien zur Rückgabe von Mazedonien zu bewegen.— A Nap meldet aus Sofia: Die Bevölkerung der bulgarischen Hauptstadt erfuhr gestern nachmittag den Fall von Warschau durch Sonder⸗ ausgaben der Blätter. Darauf versammelten sich große Menschen⸗ mengen, die zuerst vor das österveichisch⸗ungarische und dann vor das deutsche Konsulat zogen und den beiden Zentralmächten be⸗ geisterte Kundgebungen darbrachten. Hakki⸗Pascha über die Dardauellenaktion der Alliierten. T. U. Berlin, 9. Aug. Der Korrespondent der Voss. Ztg. in Sofia hatte eine Unterredung mit dem neuen türkischen Botschafter in Berlin, Hakki Pascha, über welche er seinem Blatte berichtet: Hinsichtlich der Dardanellen ist Hakki Pascha voller Zuversicht. Die türkischen Nachschübe zum Ausfüllen der Lücken werden jederzeit leicht bewerkstelligt. Die Ein⸗ nahme der Befestigungen durch Landungstruppen sei nach wie vor ausgeschlossen. Die Zahl der Landungstruppen wird auf 300 000 geschätzt, wovon 100 000 tot oder verwundet sind. Die Entwicklung noch größerer Truppenmassen in dem be— schränkten Raume auf Gallipoli sei unmöglich, weshalb die griechischen Inseln zur Unterbringung der Reserven beschlag— nahmt wurden. Die feindlichen Meldungen über unerfreu— liche Beziehungen zwischen den deutschen und den türkischen Offizieren seien falsch. 5 Erdbeben in Italien. T. U. Lugano, 0. Aug. Aus Tarent wird gemeldet, die hiesige Warte verzeichnete gestern nachmittag ein starkes Fernbeben, dessen Entfernung ungefähr 1700 Kilometer beträgt. Die erste Bewegung erfolgte um 4 Uhr 7 Min. 36 Sek. nachmittags. Nriegsnotizen. Einzelne Bundesstaaten haben in dem Bestreben, die Ver⸗ sorgung ihrer Bevölkerung mit Fleisch zu sichern, Ausfuhr⸗ verbote für Vieh nach anderen Bundesstaaten erlassen. Der Bundesrat hat nun der reußischen Regierung in Gera auf Anfra ge 7 7 den Bescheid erteilt, daß solche Verbote unzulässig und sogleich zu beseitigen seien. 5 Aus fämtlichen Eisenbahn⸗Personenwagen, die leer oder besetzt nach dem östlichen Kriegsgebiet laufen, sind, um dem Einnisten von Ungeziefer und der damit verbundenen Gefahr der Verbreitung ansteckender Krankheiten vorzu⸗ beugen, alle Fenstervorhänge, Polsterrollen, Fußteppiche usw. zu entfernen und auf den Heimatstationen aufzubewahren. Aus dem Arbeitskommando des Landesbauamts Dies sind drei französische Kriegsgefangene entwichen, und zwar Léon Moel, James Beniat und Michael Weber. Sie sind 1,75 Meter, 1,70 Meter und 1,61 Meter groß und sprechen nur französisch. Der Avanti berichtet in der Nummer vom 2. August von Zaurès⸗ Gedenkfeiern in ganz Italien. An einzelnen Orten jedoch hat die Polizei ihre Abhaltung verboten. So in S. Marzano, wo der Präfekt von Alessandria die Versammlung untersagte, und in Livorno, trotzdem sie im letzteren Falle nur mittelst 500 privater Einladungen einberufen war. Das Kriegsgericht von Devonport verhandelte gegen den Kapitän eines zur Kriegsflotte gehörenden Fischdampfers, weil er sah, wie ein Unterseeboot einen Schooner beschoß und versenkte, ohne das Unterseeboot anzugreifen und dem Schooner zu helfen. Der Kapitän wurde im Sinne der Anklage für unschuldig, aber der Nachlässigkeit für schuldig befunden und aus dem Dienste entlassen. a Der Ort Pennsgrove in New⸗Jersey, Amerika, ist nach der gewerkschaftlichen Monatsschrift Life and Labor in der Zeit des Krieges aus einem Dörschen mit 200 Einwohnern zu einem großen Industrieort geworden, in dem 7000 Arbeiter der dort Tag und Nacht arbeitenden Pulverfabrik leben. Parteinachrichten. Haussuchungen und Verhaftungen. In Elberfeld-Barmen unternahmen die Polizeibehörden am Donnerstag eine große Aktion. Haussuchungen an verschiedenen Stellen, u. a. in dem Bureau des Sozialdemokratischen Vereins und der Redaktion der Freien Presse, folgte die Festnahme einiger Vor⸗ standsmitglieder, der Genossin Hille, der Genossen Reichstagsabge⸗ ordneter Haberland, Sauerbrey und Hoffmann. Nach längeren und wiederholten Verhören und Gegenüberstellungen wur⸗ den die auf dem Polizeiamt in Elberfeld Festgehaltenen wieder ent⸗ lassen. Die Verhöre werden, auch mit anderen Genossen, fortgesetzt. Es handelt sich um eine recht harmlose Sache. Im Kreise Elber⸗ feld⸗Barmen ist den Funktionären der Partei vertraulich einiges Insormationsmaterial übergeben worden, wie das Memorandum der Bezirksleitung Niederrhein, der Artikel„Das Gebot der Stunde“ und anderes, auch aus bürgerlichen Quellen stammendes. Einige Genossen führten darüber in einer Wirtschaft eine Dis⸗ kussion, welcher ein Offizier in Zivil zuhörte. Auf diesem Wege bekam die Polizei Kenntnis davon. Sie wird inzwischen eingesehen haben, daß zur Nervposität nicht der geringste Anlaß vorliegt. Ueber den Gesundheitszustand Troelstras wird uns aus Amsterdam geschrieben: Troelstras Gesundbeit bessert sich nach ärztlichem Urteil zwar langsam aber stetig. Die nervöse Erschütterung, die sich u. a. darin äußerte, daß er nicht gehen konnte, weicht allmählich. Sein Zustand erfordert aber noch immer sorg⸗ fältigste Pflege und sehr lange Ruhe. Vermutlich geht er in sechs fache acht Wochen in die Schweiz, um dort vollständige Genesung zu suchen. Kriegswahlen in Fiume. Bei den am 25. Juli in Fiume stattgefundenen Stadtverord⸗ netenwahlen wurde der Kandidat der sozialdemokratischen Partei, Genosse Dr. S. Mayländer, mit 641 Stimmen zum Stadtrepräsen⸗ tanten gewählt. Durch diese Wahl hat nun das Fiumer Proletariat zum erstenmal einen Vertreter und Anwalt im Stadtrat. Fiume ist die bekannte ungarische Hafenstadt, die natürlich auch von Italien reklamiert wird. Sozialistische Fortschritte in Portugal. Auch die wechselvollsten Strömungen in der jungen portugiesi⸗ schen Republik können den Fortschritt des Sozialismus nicht auf⸗ halten. Am 13. Juli fanden die allgemeinen Wahlen statt, bei denen im Wahlkreise Oporto der Genosse Manoel da Silva wieder⸗ und der Genosse Dr. Costa jr. neugewählt wurden. In vielen anderen Wahlkreisen wurde ein starkes Anwachsen der sozialistischen Stim⸗ men konstatiert. 8 Der Sozialismus in Paraguay. Wie aus der südamerikanischen Republik Paraguay erst jetzt berichtet wird, bildete sich dort eine„Azbeiterpartei“. Ihr Programm ist ein sozialistisches. Es wurde durch eine Konferenz angenommen, die am 3. Dezember 1914 in Asuncion stattfand. Vermischtes. Bei den„Barbaren“. Wir lesen in der Karlsruher Bad. Presse vom 6. d. Mts.: „Am Dienstag fand auf dem hiesigen Friedhof die Beerdigung zweier Franzosen statt, die im Lazarett ihren schweren Verletz— ungen erlagen, die sie bei einem Angriff in den Argonnen erhalten hatten. Zugegen waren u. a. auch viele Franzosen, welche ihren 8 e ee beiden Kameraden das Geleit zum Grabe geben durften. Schon in der Leichenhalle nahmen sie mit stummer Freude von der schönen bekränzten Aufbahrung Notiz und hörten mit großer, Andacht auf die liebevollen anerkennenden Worte des nach der Einsegnung. Eine größere Abordnung von den Grena⸗ dieren unter dem Kommando eines Jeldwebels, nebst den Spiel⸗ leuten einer Kompagnie, den Tambour an der Spitze, empfing unter präsentiertem Gewehr und mit Trommelwirbel die beiden Toten vor dem Haupteingang der Kapelle. Unter den Klängen des Trauermarsches wurden die gefallenen Franzosen 0 tragen. Am Ziele angelangt, wurden bie Särge mach vollzogener militärischer Aufstellung langsam versenkt. Als das letzte Gebet gesprochen war, trat der den französischen Verwundeten zugeteilte Sanitäts⸗ Unteroffizier und Aufseher an ihr Grab und richtet, in beiden Sprachen Satz für Satz, an seine dahingeschiedenen Pflegß⸗ linge folgende Worte: 5 N 1 Brugiere und Soldat Glͤonec! 5 vor Eurem Grabe, Euere französischen Kameraden in Trauer, wir Deutsche in stiller Ehrfurcht. In treuer 8 erfüllung und in gutem Glauben und Vertrauen auf Obrigkeit habt Ihr gekämpft, gelitten und seid fern von Eurer großer Iflicht⸗ Heimat als tapfere Soldaten Euern schweren Verletzungen er⸗ 0 Wir Deutsche verstehen dies voll und ganz zu würdigen, legen. und ohne feindlichen Groll im Herzen reichen wir Euch am Grabe die Hand. Gott gebe Euern Angehörigen Trost und Euch fried⸗ liche Ruhe in deutscher Erde!“ 5 1 Ein Kommando ertönte, Salvenfeuer krachte, und die letzte militärische Ehrung ward abgegeben. Tief ergriffen warfen die trauernden Franzosen ihren verstorbenen Kameraden die ersten Schollen in das Grab, und dankbare Blicke tauschten sie ritterlichen deutschen Soldaten. Unter Führung besahen sich die Franzosen dann noch die übrigen Soldaten-Gräber des Friedhofes, in denen deutsche und französische Krieger friedlich nebeneinander gebettet sind. Schweigend entfernten sie sich alsdann, an den Gräbern der bei dem tückischen Fliegerüberfall am 15. Juni Ge⸗ töteten vorbei, nach dem bereitstehenden verschlossenen Auto, das sie in ihr Lazarett zurück zu ihren Kameraden verbrachte, als Zeugen deutscher Sitte.“ Vom Blitz getroffen. Der Berl. Lok.⸗Anz. meldet: Am Sachsendamm in Schöneberg wurden zwei Eisenbahnarbeiter auf dem Nachhauseweg vom Blitz getroffen. Einer war sofort tot, der andere wurde verletzt und nach der Unfallstation gebracht. Zwang. So manche Grenze hat der Krieg verwischt, so manche Schranke hat er fallen lassen, deren Existenz man früher für wesentlich und wichtig hielt. Dazu gehört auch der militärische Zwang und Drill. Die sleife Förmlichkeit, der stramme Zwang bis in die Kleinigkeiten des militärischen Lebens, sie sind zu einem ganz erheb⸗ lichen Teile draußen geschwunden. An ihre Stellen ist ein neues Gefühl getreten. das Bewußtsein, daß es sich um ein großes Ziel handelt und daß diesem Ziele entgegenzuwirken die allgemeine Pflicht aller Krieger ist, vorgesetzter wie untergeordneter, und gegen⸗ über diefer Pflicht verblassen so manche kleinliche Pflichten des mili⸗ tärischen Alltagslebens. Das zeigt uns einmal wieder, daß es gewiß einen Zwang geben muß, daß dieser Zwang aber auch seine Grenzen hat. ist nur insoweit berechtigt, als er für die Erreichung des Zleles nötig ist. Als freies Glied eines Ganzen hat sich jeder zu fühlen. Nur dann kann ein Ziel erreicht werden, wenn all die einzelnen sich ohne kleinliche Belästigung mit voller Freudigkeit ganz auf ihre große Sache werfen können. Das haben wir stets gesagt, aber man verstand uns nicht. Jetzt vermindert der Krieg von selbst in hohem Maße all die kleinen Belästigungen, den falschen Zwang, den Drill und nichts hat man mehr im Auge als Erreichen eines großen Zieles. So muß es natürlich auch im Friedensleben sein. Auch da hat ein jeder ein Kämpfer zu sein für eine hohe Idee und als solcher muß er frei sein von unnatürlichen Beschränkungen und Bevormun⸗ dungen. Als freier Mensch hat ein jeder seine ganze Kraft für das Ganze einzusetzen und dessen weitere Entwicklung. Heute ist das aber noch nicht möglich. Unser heutiges Zusammenleben ist auf einer anderen Grundlage aufgebaut. Es fehlt zu sehr die persönliche Freiheit jedes einzelnen und die freie Entfaltung jedes einzelnen für eine große Einheit. Und darum eben ersehen wir ja auch die neue sozialistische Welt, in der ein jeder ohne jedweden unnatürlichen Zwang sein ganzes Ich freudig hingeben kann für das Ganze. Der Zwang besteht dann allein in der notwendigen Hingabe der natür⸗ lichen Kräfte und Fähigkeiten und solchen Zwang fühlen wir als Freiheit, da solch ein Wirken der natürliche Ausfluß unserer Veranlassung ist. Freiheit aber und sie allein ist das Glück. Und darum bringt uns ein reines, lauteres, edles Glück, ein schönes Ar⸗ beits⸗ und Lebensglück allein die Zukunft, unsere Zukunft. g 52722 n Diethelm von Buchenberg. Erzählung von Bertold Auerbach. 45 8 In der Post lebte Fränz mit ihrer Mutter still und ein— sam. Frühmorgens gingen sie täglich nach der Kirche, wo die Mutter immer so zerknirscht betete, dann ging es jedes— mal hinaus nach dem Gefängnis, um von dem alten Kübler zu erfahren, wie sich der Vater befinde; er gab in der Regel einförmig guten Bescheid, nahm bisweilen auch Geschenke an, ließ sich aber nicht herbei, Diethelm irgendeine Nachricht zu bringen, und so waren Mutter und Tochter von ihm wie durch Meere geschieden. Von dem einzigen Ausgang abge— sehen, lebten sie selber wie in Gefangenschaft, die Mutter saß in der Mitte der Stube und spann, obgleich sie immer klagte, daß ihre Spinnfinger wie abgestorben seien. Sie hatte nicht Lust, bei der Arbeit manchmal hinauszusehen nach den Vor— übergehenden, sie kannte niemand und wollte niemand kennen, und oft, wenn sie eine volle Spindel abstellte, klagte sie über die schöne Aussteuer der Fränz und über die Tausende von selbstgesponnenen Spindeln, die da mit verbrannt seien. Fränz saß am Fenster und stickte für den Vater sehr bunte Pantoffeln, sie hatte das in der Hauptstadt trefflich gelernt; oft schaute sie aber auch hinaus auf die Straße und machte allerlei Bemerkungen über die Vorübergehenden. Die Mutter verwies ihr das immer mit steter Wiederholung:„Wir haben gar nichts zu spötteln über andere Menschen, wir müssen froh sein, wenn man nicht mit Fingern auf uns weist.“ Nun verschwieg Fränz meistens ihre Bemerkungen, sie hatte, wie sie glaubte, die unsäglichste Geduld mit ihrer Mutter, die gar keine Zerstreuung wollte und so gewiß das Tischgebet jedes⸗ mal, wenn man sich zum Essen setzte, sagte:„Ach Gott, jetzt muß der Vater allein essen, ich weiß, daß ihm kein Essen schmeckt, er hat nie was allein essen mögen, ohne dabei zu reden, und wenn er heimkommen ist und ich ihm Essen hin⸗ gestellt hab', hab' ich mich immer zu ihm setzen müssen, und beim Tisch hab' ich nie aufstehen dürfen, und wenn was ge— fehlt hat, hat er immer gesagt: Lieber kein Salz auf dem Tisch, als daß du mir fehlst. Ach Gott! Wir haben doch so gut miteinander gelebt, und wenn's auch manchmal ein bißle uneben'gangen ist, es gibt doch kein' bessere Ehe auf der Welt, und alle Adern hätt' sich eins fürs andere aufschneiden lassen.“ Fränz hörte das immer geduldig an und ermahnte nur die Mutter, das Essen nicht kalt werden zu lassen. Fränz trauerte auch aufrichtig um das Schicksal des Vaters, aber sie konnte diese immerwährende Trauer nicht aushalten und sehnte sich nach Zerstreuung. Sie wollte von keinem Zweifel mehr wissen, daß dem Vater etwas geschehen könne, und sprach oft davon, daß sie gar nicht mehr in das Dorf zurückkehren wollten; wenn der Vater frei sei, müsse er mit ihnen in der Stadt bleiben. Martha wollte nichts davon hören, und Fränz suchte ihr alle Schauer zu erregen, die man erleben müsse, wenn man in einem Hause wohne, wo früher ein Mensch verbrannt sei. „Wo nur der Paßauf hin ist?“ fragte Martha ablenkend. Fränz erwiderte:„Ihr könnt Euch darauf verlassen, der ist mit dem alten Schäferle, wie er zum Verhör in der Stadt gewesen ist.“ „Hast du den Munde in der Hauptstadt nicht gesehen?“ fragte die Mutter wieder. „Freilich,“ erzählte Fränz,„er ist, wenn er nicht auf die Wacht gemußt hat, jeden Tag und jeden Tag in den Rauten⸗ kranz kommen, er tut noch immer so narret mit mir.“ Martha erzählte nun, daß der Vater ihr den Munde zum Manne bestimmt habe, aber Fränz wehrte sich dagegen, daß sie das„Opferlamm“ sein solle; wenn sie einen Mann nehme, so nehme sie ihn für sich und für niemand anders. Sie ließ sich nicht dazu herbei, zu erklären, was sie mit dem Opfer⸗ lamm gemeint habe, sie behauptete, das sei nur Redensart, in ihr aber erwachte wieder der Gedanke, den sie auf der ganzen Herreise gehabt, daß ihr Vater doch schuldig sei und daß es nur gelte, sich hinauszureden. An jenem letzten Tage in der Stadt hatte die Eröffnung Mundes, obgleich er sie so klug zu verhüllen trachtete, einen gewaltigen Eindruck auf Fränz gemacht. Sie kannte durch ihre öftere Begleitung die Verhältnisse des Vaters besser als irgend jemand, sie wußte, daß er tief in Verlegenheit steckte, auch klagte ihr der Vater öfters; sie gedachte während der Fahrt jenes Augenblicks, da 1 der Vater auf dem Markte niedergefallen war, als ihm der Kaufmann Gäbler sagte, daß er mit der Feuerschau käme; sie hatte den Vater dann auf der Kalten Herberge beobachtet, wie er mehrmals die Farbe wechselte und dann wie besessen davonjagte, und jetzt war es ihr deutlich, warum der Vater so klagend davon sprach, daß er Armut nicht überleben würde, als die Deichsel gebrochen war; und als der Vater sie zum letzten Male in der Hauptstadt besucht, war er wieder voll Jammer und Klage gewesen. Darum glaubte Fränz schon auf dem Wege an die Schuld des Vaters, und als sie nach⸗ träglich erfuhr, daß er ihr den Munde zum Manne bestimmt hatte, kam kein Zweifel mehr auf. An einen vom Vater be gangenen Mord dachte sie nicht, wohl aber, daß er mit Medar gemeinsam Feuer angelegt und daß Medard dabei verunglü war. 7 Von allen Menschen auf Erden hatte Diethelms einziges Kind allein eine gegründete Ueberzeugung von dessen Schuld und erklärte sich ihren Zusammenhang, und Fränz allein war als durchaus unbeteiligt nie verhört worden. 5 Auf jener Tag und Nacht währenden Heimafhrt war ein große Wandlung mit Fränz vorgegangen; sie sah sich scho verstoßen und verhöhnt von aller Welt und war tief trau und voll Demut gegen jedermann und empfing darum ü all eine Behandlung voll Teilnahme und Rücksicht, die wieder mild stimmte. Als sie die Mutter sah, warf sie ihr mit Inbrunst entgegen; das war das einzige Serz der Welt, das sie nicht von sich stieß, und die in Letz Rechthaberei verhüllte Kindesliebe brach gleichzeitig mit demütigen Milde gegen alle Menschen auf, zwei Lilien g in einer Wetternacht aufgebrochen. 8 (Fortsetzung hola) Garnifon⸗Geistlichen zu Grabe ge⸗ Hier stehen wirs Eure mit den größten Der Zwang ——ñ— 175 U* ch R Hessen und Na bargebiete. f Gießen und umgebung. 1 08 3. Schonung der Nriegsteilnehmer! Die Fränkische Tagespost veröffentlicht in ihrer Num⸗ mer 171 vom 24. Juli ein Beispiel dafür, mit welcher Rück- sichtslosigkeit und Hartherzigkeit gegen Kriegerfrauen, die mit der Miete im Rückstande sind, zuweilen vorgegangen wird. 5 Die Frau eines im Felde stehenden Landwehrmannes aus Nürnberg erhielt anfangs dieses Monats von einem als Zwangsverwalter über das Anwesen aufgestellten Ge— richtsvollzieher folgende Zuschrift: Klage- und Auskunftsbureau von Franz F., Gexichtsvollzieher a.D. Nürnberg, den 3. Juli 1915. Herrn und Frau B., hier. Nachdem Sie bis heute die bereits am 1. dieses Monats fällig gewesene Miete und den Rest von 1,76 Mk., sohin in Summa 19,68 nicht an mich bezahlt haben, muß ich Ihnen die Wohnung zur Räumung binnen drei Tage von heute an ge⸗ rechnet kündigen, wenn nicht innerhalb 24 Stunden Zahlung an mich erfolgt. Achtungsvoll Fr. F., Zwangsverwalter. Natürlich wandte sich die Frau in ihrer Bedrängnis an ihren Mann im Feld. Welche Stimmung diese Nachricht von der Notlage der Familie bei dem Manne auslöste, beweist folgender an einen führenden Parteigenossen in Nürnberg gerichteter Schmerzensruf: Nordfrankreich, den 15. Juli 1915. Werter Genosse! 5 Ich ersuche Dich freundlichst, wenn es möglich ist, uns doch mit solchen Unannehmlichkeiten zu verschonen und den Hausherrn von solchem ungebührlichen Auftreten zurückzuhalten. Ich habe 1 die Wohnung fünf Jahre inne und jede Zahlung vor dem Krieg Aliz ordnungsgemäß entrichtet. Mir tut es weh, wenn ich was schuldig N bin und es ist mir unmöglich zu bezahlen, ich verdiene seit 8. August 1914 pro Tag 53 Pf. und meine Frau hat drei Kinder; ich stehe zum zweiten Mal im Feld seit 16. März. In der ersten Zeit des Krieges hat es bei mir gut getan, weil ich und meine 2 2 a Frau einige Mark Erspartes gehabt haben. Nachdem aber seit dem Krieg die Lebensmittel im Preise gestiegen sind und die Kriegsunterstützung sich um keinen Pfennig erhöhte, im Gegenteil noch verschiedene Wohlfahrtseinrichtungen abgeschafft wurden, zum Beispiel Schuhe für Kinder, geht es nicht mehr. Ich glaube doch, daß es jedem gesunden Menschenverstand einleuchten kann, daß Frau und Kinder nicht in einer Ecke langsam verhungern können, um den Herren Hausbesitzern die letzten 50 Pfg. zu geben. Es ist wirklich traurig, wenn man sich im Felde be⸗ findet und sich noch mit solchen Unannehmlichkeiten das Leben verbittern lassen muß. Sollten uns diese Herren einmal ablösen, daß wir auch wieder Geld verdienen, sofort bezahle ich meinen Mietsbetrag, wie auch vor dem Krieg. Ich glaube doch, daß die Frau nicht da ist, die Grobheiten von solchen Herren die ganze Zeit einzustecken, meine Frau hat Kummer und Sorgen so gut wie ich vor den Kanonenrohren. Ich ersuche und bitte Dich, in der Sache etwas zu regeln. Ich möchte jenen strengen Herxen nur wlinschen, mit uns nur zehn Minuten mitmachen zu müssen und sich Nordfrankreich zu besichtigen, dann würden sie bald eines anderen belehrt werden. Meine Frau ist leider in der Sache sehr unbeholfen und zu schüchtern, die letzten drei Mark hat sie dem Hausherrn noch gegeben und sie und meine drei Kinder haben hungern können. Ich habe seit 16. März, wo ich das zweitemal an der Front bin, meiner Familie 30 M. ge⸗ schickt, das weist das Kompaniebuch aus und habe pro Tag 53 Pfennige. Ich bitte, meine Frau in der Sache etwas behilf⸗ lich zu sein. 5 Mit kollegialem Gruß. Mich. B. Die Erbitterung des Kriegers über die rücksichtslose und „hartherzige Behandlung seiner Frau ist nur zu berechtigt. Fleischversorgung und Teuerung. Mit der Frage der Fleischversorgung und der Fleisch⸗ teuerung beschäftigte sich der Gesamtvorstand des Deutschen Fleischer⸗Berbandes in seiner in Nürnberg vom 6. bis 8. Juli stattgefundenen Sitzung. Von der Einführung von Höchstpreisen erwartet der Vorstand des Fleischerverbandes keine Besserung. Er wünscht, daß die Anordnung von Höchstpreisen für Fleisch jetzt überall aufgehoben werde, da die Zentral-Einkaufsgesellschaft Speck teurer verkauft, als er von den Metzgern im kleinen abgegeben wird. Bei seiner Abneigung gegen Höchstpreise stützt sich der Ver⸗ 0 bandsvorstand auch auf Staatssekretär Dr. Delbrück, der sich im 1 preußischen Abgeordnetenhause am 24. Juni gegen Höchstpreise ausgesprochen hat.— Diese Argumente, so bemerkt dazu die Fränkische Tagespost, sind wohl nicht durchschlagend. Wenn, wie wir Sozialdemokraten fordern, Höchstpreise für Futtermittel(da⸗ für tritt auch der Fleischerverband ein) und für Vieh im ganzen Reiche, bei entsprechender Zerücksichtigung der Produktionskosten, eingeführt werden, können auch Höchftpreise für Fleisch festgesetzt werden. Vor Einführung der Gewerbefreiheit hatten wir auch Brot⸗ und Fleischtaxen. Wenn man bei dem jetzigen Notstande zu einem unter normalen Verhältnissen nicht empfehlenswerten Mittel seine Zuflucht nimmt, um dem Wucher mit einem wichtigen Nahrungsmittel entgegenzuwirken, so ist das entschuldbar und nützlich, wenn es auch für die Produzenten mit einigen Unbequem— lichkeiten verbunden sein mag. 5. Einen ziemlichen Umfang nahmen die Beratungen ein, die die Mittel betrafen, die gegenwärtige Teuerung für die minder⸗ bemittelte Bevölkerung zu mildern. Es kam hierbei in Betracht die vermehrte Anwendung von Mehl, Grütze und anderen pflanz⸗ lichen Stoffen zur Herstellung von Wurstwaren, sowie die Ver⸗ wendung von Kalbsköpfen und ⸗Füßen in der Haut. Es wurde 0 aus dem Kreise der Vorstandsmitglieder mitgeteilt, daß vieler⸗ orts die Behörden selbst veranlaßt hätten, daß gewissen Wurst⸗ waren Mehl zugesetzt werde. In einer Stadt sind den Fleischern große Mehlmengen zur Verarbeitung mit Wurstbrühe, Fleisch und Blut zur Verfügung gestellt worden; in München darf dem Leberkäse wieder bis zu 6 Prozent Mehl zugesetzt werden. Die mit pflanzlichen Hilfsstoffen hergestellten Wurstwaren sollen ausdrück⸗ 1 11 80 klar als solche bezeichnet werden. Es wurde der Beschluß gefaßt, 5 zur Herstellung billiger Volksnahrungsmittel möge während i des Krieges für bestimmte, als solche genau zu bezeichnende S0 Wurstsorten die Verwendung von Zerealien in weitestem Um⸗ in 8 fange freigegeben werden. 5 5 . egen der Jerwendung der Kalbsköpfe und-Füße in der en Haut wurde folgender Beschluß gefaßt: a 1 60 Angesichts der hohen Fleischpreise lenkt der Vorstand des 4 Deulschen Fleischer⸗Verbaudes die Ausmerksamkeit der Ver⸗ frault üdsmitglieder auf die Ausnutzung der Kalbsköpfe und Füße Wo diese zu Nahrungszwecken 777 in der Haut zu Nahrungszwecken. 1 bisher weniger verwandt wurden, empfiehlt sich eventuell die 5. ranstaltung einer Ausstellung von gesulzten Fleischwaren. Es sie unte auf die Weise der Bevölkerung eine abwechslungsreiche, boten werden. 9 75 5 5 eiswerte und gute Fleischspeise ge * 1 Cine Tagung der Ersten Kammer. Der Präsident der sten Kammer des hessischen Landtags, Fürst Solms. Lich, tie die Mitglieder der Ersten Kammer zu einer vertraulichen ing für Montag, den 9. August, eingeladen, in welcher andatsverlängerung der neu zu wählenden Mitgneder der Zwetten Kammer, wie auch die augemeine wirtschaftliche und finanzielle Lage besprochen werden soll, Auch mit den übrigen Fragen wird sich das Haus ähnlich wie die Zweite Kammer beschäftigen. — Eine Verschandelung. Uns wird geschrieben: Seit längerer Zeit habe ich bemerkt, daß am Theater gebäude zwei Fahnenstangen angebracht worden sind. Nach meiner Ansicht gereichen diese dem Gebäude, das ich für ein Kunst werk halte, durchaus nicht zur Zierde. Ich habe darauf ge— wartet, daß diese Verunzierung mal in der Zeitung kritisiert werden würde; weil das bisher nicht geschah, schreibe ich Ihnen das. Als Kunstsachverständiger will ich mich durchaus nicht aufspielen; aber ich finde, daß die beiden Stangen den An— blick des Gebäudes stören. Ob der Architekt, der das Theater entworfen hat, damit einverstanden ist? Mir wäre es interessant, dessen Meinung zu hören.— Wir geben diese Zuschrift, die wir nicht für unbegründet halten, hier wieder. Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Landsturmmann Heinrich Metzger aus Nonnenroth, Inf. Regt. 61. — Sträflicher Aberglaube. Wegen Körperverletzung hatte sich dieser Tage eine alte 60—70jährige Frau vor der Strafkammer in Essen zu verantworten. Die Angeklagte ist aus Polen gebürtig und befaßt sich seit etwa 40 Jahren gewerbsmäßig mit Kurpfuscherei. Ihre geheimnisvollen Zaubermittel bestehen in Kräuterextrakten, heilkräftigen Kieselsteinen, gelochten Zwiebeln, glühenden Sicheln, Rosenöl und Kamillentee, gebrannter Holzkohle, Weihwasser, Gebet und Segnung. Angeblich hat sie in zahlreichen Fällen wunder⸗ tätige Heilungen erzielt. Jedensalls hat dieses Gerücht der Frau großen Ruf eingebracht. Hier ein drastisches Beispiel ihrer Heil⸗ praxis: Das drei Jahre alte Kind der Bergmannsehelcate Schafeld in Wanne ist an einem Augenleiden erkrankt. Anstatt zu einem Berufsarzt zu gehen, der den Eltern des Kindes kostenlos auf Grund des Krankenscheines zur Verfügung steht, nehmen sie die Hilfe der Angeklagten in Anspruch. Diese schabt an einem wundertätigen Stein herum und bläst dann durch eine Gänseseder den abgeschabten Staub dem vor Schmerz aufschreienden Kinde in das kranke Auge. Hierauf nimmt sie von ihrer Brust ein Kreuz, legt es dem Kinde auf das Auge, murmelt ein paar Worte und umwickelt das Auge mit einem Verband. Die folgenden Tage dieselbe Prozedur. Als das Auge schlimmer und schlimmer wird, versucht sie es mit einer Sichel, die sie in einem Küchenosen erhitzt. Die glühende Sichel hält sie dem vor Schmerg jammernden Kinde dicht vor das Auge und zwar so lange, bis sie abgekühlt ist. Dann brennt sie einen Holzscheit an, legt ihn auf eine Dreckschüppe und bläst den beißenden Rauch dem vor der Mutter über den Holzscheit gehaltenen Kind in die Augen, so daß die Funken mit hineinfliegen. Das törichte Weib nimmt noch weiter solche blödsinnige„Kuren“ vor und die dummen, abergläubischen Eltern dulden das auch, bis das Auge des armen Kindes völlig zugrunde gerichtet und erblindet ist. Das alte Weib bekam nur 3 Wochen Gefängnis. Den Eltern hätten von Rechts wegen auch ein paar Monate gehört wegen ihrer furchtbaren Duman⸗ heit.— In unserer Gegend existieren ebenfalls Kurpfuscher, die oft zahlreiche Kundschaft haben. Man warne die Leute vor solchen! Arbeitsgemeinschaften auf dem Lande. In dem fruchtbaren Landstrich der Wetterau bildet der Anbau von Getreide einen der hauptsächlichsten Erwerbszweige der ländlichen Bevölkerung. Die Ernte des Kriegsjahres 1915 ist im allgemeinen recht gut geraten, nur bereitete ihre Einbringung den Landleuten bis vor kurzem nicht geringes Kopfzerbrechen. Die Männer stehen, von ver⸗ schwindenden Ausnahmen abgesehen, im Felde, und es herrscht in⸗ folgedessen Arbeitermangel. Unter diesen Verhältnissen schritt man zur Bildung von Arbeitsgemeinschaften, denen jeweils etwa vier bis fünf Bauernfamilien angehören. Auf diese Weise ist es möglich geworden, daß der Erntesegen trotz der Leutenot fast ebenso schnell und sicher wie in normalen Jahren unter das schützende Dach gebracht wird. Vogeschutz. Folgenden beherzigenswerten Aufruf erläßt der Verein für Vogelschutz in Bayern: Sammelt für die diesjährige Winterfütterung der Vögel die Rispen des Wegerichs(Wegebreit, Wegetritt, Plantago sp.)! Er wächst in diesem Jahre besonders häufig an und auf Wegen, an Feldrändern und ähnlichen Orten. Er bietet einen billigen Ersatz für die sonst verwendeten, gegenwärtig aber kostspieligen Sämereien(Hanf usw.). Man sammle ferner die Früchte des Holunders und der Eberesche(Vogelbeere, Sorbus aucuparia)! Auch die Fruchtteller der Sonnenblume, deren Kerne gern von den Högeln genommen werden, sind aufzuheben! Alles be⸗ wahre man trocken an Orten auf, die Sicherheit gegen tierische Schädlinge bieten, und verwende es im kommenden Winter zur Fütterung der Vögel. So kann man auch im Krieg ohne besondere Kosten praktischen Vogelschutz treiben. Vorsicht vor gewissen Reisenden! Der Reisende Erich Kuttner, der Aufträge auf Bildervergrößerungen bezw. Verkleinerungen in Frankfurt a. M. entgegengenommen hat, wurde wegen Verdachts des Betruges festgenommen. Er reiste auf den Namen Erich Büttner. In den meisten Fällen ließ er sich eine Anzahlung geben, lieferte aber die bestellten Bilder nicht. Areis Friedberg⸗Büdingen. Aus dem Zuge gestürzt. Am Freitag sprang in der Nähe von Friedberg aus dem Zuge, der um 6 Uhr in Frank— furt abgefahren war, der 18jährige Arbeiter Eduard Schnei— der. Der Zug war im vollen Fahren. Schneider blieb schwer⸗ verletzt an der Böschung liegen und wurde später dem Fried— berger Krankenhause zugeführt. Nach Angaben vom Fa— milienangehörigen des Verletzten ist er die Nacht über aus dem Hause, wahrscheinlich in Frankfurt, gewesen und schlaf— trunken aus dem Zuge gestürzt. * Interessantes Urteil. Ein für weite Kreise der werk— tätigen Bevölkerung interessantes Urteil fällte gestern das Schöffengericht Friedberg. Am Ende des vorigen Jahres kam zwischen dem Landwirt Wilh. Heil in Kaichen, sowie dem Tag⸗ löhner Leonhardt Schweizer daselbst ein Dienstvertrag zustande, wonach Schweizer seinen Sohn Karl zu dem Landwirt Heil auf ein Jahr vermietete. Im Laufe des März beschwerte sich nun der Junge, daß er täglich für seinen Dienstherrn 6 bis 8 mal Branntwein holen müsse. Dann sei er nach jedem Schnaps⸗ genuß den gröbsten Beschimpfungen ausgesetzt, und er bekomme auch nie satt zu essen. Als der Vater die Klagen des Jungen als berechtigt fand, nahm er kurz entschlossen seinen Sohn aus dem Dienst, ohne die Kündigung einzuhalten. Einer poligzei⸗ lichen Aufforderung, den Jungen wieder in seinen Dienst zurück⸗ zubringen, leistete Schweizer keine Folge. Hierauf erhielten beide Schweizer, Vater und Sohn, ein Strafmandat in Höhe von je 10 Mark, wogegen beide eine gerichtliche Entscheidung vor dem Friedberger Schöffengericht beantragten, welche jetzt zum Austrag kam. Der Junge wiederholte seine Beschwerden, die auch im großen ganzen von Heil nicht in Abrede gestellt wurden, jedoch meinte er, wenn er als Arbeitgeber etwas geholt haben wolle, so habe es der Bedienstete zu holen, ganz einerlei, was es sei. Das Gericht war jedoch anderer Ansicht und sprach beide, Vater und Sohn fret; die Kosten fallen der Staatskasse zur Last. Dieses Urteil wird zweifellos mit Genugtuung begrüßt werden. Kreis Wetzlar. n. Die Amtsdauer der Gewerbegerichtsbeisitzer für das Gewerbegericht des Kreises Wetzlar, die mit Ende dieses Jahres ablaufen würde, ist einer Bekanntmachung des Vorsitzenden, Landrat Sartorius, zufolge vis 21. Dezem⸗ ber 1916 verlängert worden. Es geschieht dies auf, Grund eines Erlasses des Bundesrats,. — Auch jetzt noch notleidende Landwirte? Man sollte es nicht für möglich halten, daß gegenwärtig, wo die Preise für alle land⸗ wirtschaftlichen Produkte eine Höhe erreicht haben, wie man sie sich vorher nicht hätte träumen lassen, die„Landwirtschaft“ noch wegen geringen Verdienstes Klagen führt! Und doch ist dem so. Der Vor⸗ sitzende der Landwirtschaftslammer für die Rheinprovinz erläßt eine Erklärung, in der gesagt wird: „Durch Verordnung des Bundesrats vom 23. Juli d. J. sind Höchstpreise für Brotgetreide der neuen Ernte in der Weise festgesetzt worden, daß der Preis für die Tonne in der Rhein⸗ provinz durchschnittlich um 6 Mark niedriger steht, als für Getreide der letzten Ernte. Trotzdem die neue Ernte im Durchschnitt der Provinz keines⸗ wegs besser ist als die vorjährige, trotzdem sich die Erzeugungs⸗ kosten namentlich infolge der außerordentlich gestiegenen Arbeits⸗ löhne wesentlich erhöht haben, trotzdem auch der Landwirt alle Bedarfsartilel seines Haushalts und seines Betriebes erheblich teurer bezahlen muß, sicht also die rheinische Landwirtschaft vor der Tatsache, daß der Verdienst aus ihrem Haupterzeugnis nicht erhöht, sondern vermindert wird.“ Weiter wird in dieser Erklärung von„Enttäuschung“ geredet, welche diese Preisfestsetzung in landwirtschaftlichen Kreisen hervor⸗ gerufen habe und ferner verwahrt sie sich gegen den Vorwurf, daß die Landwirtschaft die Verteuerung der Lebensmittel verschulde.— Es ist gewiß richtig, daß die Landwirte die Teuerung nicht ver⸗ schuldet haben, aber daß sie ihr Schäfchen dabei ins Trockene bringen, ist doch auch nicht zu bestreiten. Das tollste ist jedenfalls, von„gestiegenen Arbeitslöhnen“ zu reden, wo vielfach Gefangene fast umsonst arbeiten müssen! v. Ueber die Wildplage wird noch immer lebhafte Klage ge⸗ führt. Vor kurzem war ein Notschrei aus Hohensolms im Wetzl. Anz. zu lesen, in dem folgendes gesagt wurde: Durch alle Zeitungen, welcher Parteistellung sie auch angehören mögen, ergeht seit vielen Monaten die Mahnung:„Landwirte, sichert Eure Ernte für die Volksernährung!“ Diese Mahnung ist wohlberechtigt, und auch die hiesigen Landwirte haben alles mögliche getan, ihr zu ent⸗ sprechen. Es wäre ihnen auch gelungen, eine außerordentliche Kornernte zu erzielen, da die Witterung sowohl im Winter wie im Frühjahr dieser Absicht sehr günstig war. Leider ist ihre Durch⸗ führung durch den großen Schaden verhindert worden, welcher durch das Wild sortgesetzt angerichtet wird. Trotz häufiger Vorstellungen und Bitten ist es nicht zu erreichen, daß die fürstlich Hohensolms⸗Lichische Verwaltung das Wild in dem unbedingt notwendigen Umfang abschießen läßt. Ihre dahin zielenden Wünsche sind nicht nur nicht, beziehungsweise in durchaus unzureichender Weise, erfüllt worden, sondern es ist sogar vorgekommen, daß die geschädigten Landwirte sich in öffent⸗ licher Wirtschaft einen durchaus ungehörigen Vergleich mit den Engländern gefallen lassen mußten. Es wird hier nicht verstanden, warum die Behörden nicht gegen diese schweren Schädigungen der Landwirte durch den unerhörten Wildstand Stellung nehmen. So wie die Dinge jetzt sind, können sie nicht bleiben. Einer kann nur gedeihen— das Wild oder die Bauern. Wer ist mehr wert?— Dieser Notschrei verdient auch als Zeichen der Zeit registriert zu werden. Das künftige Jagdvergnügen der Herren sollte wenigstens in jetziger Zeit hinter der Sorge um die Er⸗ nährung des Volkes zurückstehen. Kreis Mardurg⸗Kirchhain. (Der falsche Arzt. Aufsehen erregt die Verhaftung des seit einiger Zeit in dem Amtsstädtchen Vöhl als Arzt tätigen Herrn Neugebauer. Auf Grund gefälschter Papiere war Neuge⸗ bauer, der kein approbierter Arzt sein soll, die Vertretung des bis⸗ herigen Arztes vom Aerzteverband übertragen worden. Wie die Hessische Landeszeitung berichtet, hat sich Neugebauer auch andere Verfehlungen zuschulden kommen lassen. Westerwald und Unterlahn. — Städtischer Kartoffelverkauf in Siegen. Die Stadt Siegen verkauft neue Kartoffeln, den Zentner für 7,40 Mk. Infolgedessen sind die Händler von 10 Mk. auf 8 Mk. für den Zentner herunter⸗ gegangen.— Das ist für die jetzige Zeit und angesichts der ziem⸗ lich guten Ernte immerhin noch ein hoher Preis. Tagesbericht des Großen Hauptgnartierz. Ein Flieg rüberfall auf Saarbrücken. Nowo Georgiewsk eingeschlossen. W. B. Großes Hauptquartier, 9. Aug., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Mit Tagesanbruch entwickelte sich ein Gefecht bei Hooge östlich von Npern. In den Argonnen scheiterten Vorstöße. Gestern wurden bei Dammerskirch und in Schwarzensee, heute früh bei VNpern, Gon⸗ drexange und Harbon ey je ein Flugzeug durch unsere Kampfflugzeuge abgeschossen. Die letzten beiden Flugzeuge gehörten einem Geschwader an, das vorher auf die offene außerhalb des Operationsgebietes liegende Stadt Saarbrücken Bomben geworfen, natürlich keinerlei militärischen Schaden angerichtet, wohl aber 9 friedliche Bürger getötet, 26 schwer und eine größere Anzahl leicht verletzt hatte. Oestlicher Kriegsschauplatz. Die Angriffstruppen von Kownv haben sich näher an die Festung herangeschoben. Es wurden 430 Russen, darunter 3 Offiziere, gefangen genommen und 8 Maschinengewehre er— beutet. Auch gegen die Nord- und Westfront von Lomsha machten wir unter heftigen Kämpfen Fortschritte. 3 Offiziere, 1400 Mann wurden zu Gefangenen gemacht, 7 Maschinen⸗ gewehre und 1 Panzerauto aufgebracht. Südlich von Lomsha wurde die Straße nach O st row erreicht und die Straße O st row Wyszko w überschritten. Die an einzelnen Stellen noch hier Stand haltenden Russen wurden geworfen. Nowo Georgiewsk wurde auch im Osten zwischen Narew und Weichsel! abgeschlossen. Gegenüber von Warschau wurde Praga Unsere Truppen dringen weiter nach Osten vor. Warschau wurden einige tausend Gefangene gemacht. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die Armeen des Generalobersten v. Woyrsch überschritten in der Verfolgung die Strasse Garwolin— Ryki, nord⸗ östlich von Jwangorod. Der linke Flügel der Heeresgruppen des Generalfeld⸗ marschalls v. Mackensen drängte die Russen über den Wieprz zurück. Mitte und rechter Flügel nähern sich der Linie Ostrow—Hansk-—-Uchrus am Bug. besetzt. In Oberste Heeresleitung. 9. August 1915, mittags. Tote zurück. Der österreichisch ung arische Tages bericht Eilige Flucht der Russen. 9600 Gefangene. Erfolglose italienische Angriffe. Feuergefecht zwischen italienischen Truppen! Wien, 9. August.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: KRussischer Kriegsschauplatz. g Der von der Weichselfront zurückgewiesene Feind wird ver⸗ folgt. Oesterreichisch⸗ungarische und deutsche Streikräfte haben schon gestern zwischen der Eisenbahn Zwangorod⸗Lukow und dem Orte Garwolin die große Straße Warschau⸗Lublin in östlicher Richtung überschritten. Das linke Wieprz⸗Ufer und das rechte Weichselufer bei Jwangorod sind vom Gegner gesäubert. Unsere Truppen übersetzten den Wieprz gegen Nordosten und Norden. Die Gefechtsfelder von Lubartow und Miech o w wiesen alle Spuren einer eiligen Flucht des Feindes auf. Die Zahl der von der Armee des Erzherzogs Josef Ferdinand ge⸗ machten Gefangenen erhöhte sich auf 8000. Zwischen Wieprz und Bug wird weiter gekämpft. Am Dnjestr aufwärts Uscieeskow warfen unsere Truppen die Russen an mehreren Punkten, wobei 1600 Mann gefangen und 5 Maschinengewehre erbeutet wurden. Italienischer Kriegsschauplatz. Gestern stand der Südteil des Plateaus von Dober do stellenweise unter heftigem Geschützfeuer. Unsere Artillerie ant⸗ wortete mit Erfolg. Auch in der Gegend von Plava herrschte er⸗ höhte Artillerietätigkeit. Ein Versuch schwächerer feindlicher In⸗ fanterie, in unsere Stellungen bei Zagora einzudringen, miß⸗ lang. An der Kärntner Grenze griffen kleinere feindliche Abteilungen an mehreren Punkten erfolglos an. Vor unseren Stellungen auf dem Bladner⸗Joch ließ der Feind über 100 Im Tiroler Grenzgebiet wies eine unserer Patrouillen auf der Cresta Bianca(Cristallo⸗Gebiet) eine feindliche Halbkompagnie ab und brachte ihr hierbei erhebliche Verluste bei, ohne selbst auch nur einen Mann zu verlieren. Westlich Daone, am Lavanech fand in der Nacht zum 8. August ein lebhaftes Feuer⸗ gefecht statt, an dem jedoch unsererseits keine Truppen beteiligt waren. ö Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Göfer, Feldmarschalleutnant . Ein Erlaß an die Bevölkerung Warschaus. Der Oberbefehlshaber der in Warschau eingezogenen deutschen Truppen, Generalfeldmarschall Prinz Leopold von Bayern, hat der Deutschen Lodzer Zig. zufolge, nachstehende Bekanntmachung an die Einwohnerschaft erlassen: Einwohner von Warschau! 17 0 Eure Stadt ist in deutscher Gewalt! 2 Aber wir führen Krieg nur gegen feindliche Truppen, nicht gegen friedliche Bürger. . Ruhe und Ordnung soll gewahrt, das Recht geschützt werden. g Ich erwarte, daß Warschaus Bürger keine feindlichen Hand⸗ lungen unternehmen, dem deutschen Rechtsgefühl vertrauen und 5 unserer Truppenbefehlshaber Folge leisten werden. Der deutschen Heeresleitung ist aber bekannt geworden, daß der Feind Anschläge gegen die Sicherheit unserer Truppen in Warschau vorbereitet hat. Darum bin ich gezwungen, die Häupter und angesehensten Bürger der Stadt als Geiseln zu nehmen, die mir für die Sicherheit der Trup⸗ pen bürgen. An Euch ist es, das Leben dieser Eurer Mitbürger zu schützen. Wer darum Kenntnis hat von geplanten Anschlägen irgendwelcher Art, hat im Interesse seiner Mitbürger, wie der Ruhe und Sicherheit der Stadt Warschau, die Pflicht, solches ungesäumt bei der deutschen Militärbehörde zur Anzeige zu bringen. Die Todesstrafe hat derjenige zu gewärtigen, der sich einer Unterlassung in dieser Hinsicht schuldig macht oder gar An⸗ schlägen Vorschub leistet. Die Russen wollen Riga halten. 0 T. U. Petersburg, 9. Aug. Man erklärt hier, daß der Abtransport der Zivilbevölkerung Rigas keineswegs bedeute, daß die russische Heeresleitung die Stadt den Deutschen preis— zugeben beschlossen habe. Man sei vielmehr entschlossen, Riga zu halten, denn von Riga aus könne die deutsche linke Flanke bedroht werden, sodaß es den Deutschen nicht möglich sei, hinter der Festung Dwinsk vorzustoßen, und die direkte Ver— bindungsbahn Petersburg—Warschau abzuschneiden. Englisch⸗französische Differenzen. T. U. Amsterdam, 9. Aug. Hier eingetroffene zuver— lässige Nachrichten aus Frankreich bestätigen, daß die Diffe⸗ renzen zwischen den Engländern und Franzosen sich in letzter Zeit verschärft haben. Von französischer Seite macht man den Engländern den Vorwurf, die letzte französische Offensive nicht unterstützt zu haben, wodurch dieselbe zum Scheitern ge⸗ bracht wurde. Die französische Regierung habe die englische aufgefordert, die Armee Frenchs dem Oberbefehl Joffres unterzuordnen, damit sie erfolgreicher miteinander in Ein— klang gebracht werden könne.— Die vielen russischen Nieder— lagen in Polen verursachen in französischen leitenden Kreisen eine förmliche Panik. Der türkische Tagesbericht. Feindliche Landungen im Golf von Saros. Das Linienschiff„Barbarossa“ versenkt. Konstantinopel, 9. Aug.(W. T. B.) Das Hauptquartier teilt mit: An den Dardanellen landete der Feind in der Nacht zum 7. August unter dem Schutze seiner Flotte einen Teil frischer Streitkräfte in der Umgebung von Karatchali im Norden des Golfes von Saros und den Rest an zwei Orten nördlich von Ari Burnu. Wir vertrieben den bei Karatchali gelandeten Feind vollständig. Er floh und ließ etwa 20 Tote zurück. Die nördlich von Ari Burnu gelandeten Truppen rückten unter dem Schutz der Flotte am 7. August ein wenig vor. Abends hielten wir das feindliche Vorrücken durch Gegenangriffe auf. Heute früh schlugen wir die Angriffe des Feindes zurück und brachten ihm erhebliche Verluste bei. Wir machten einige Soldaten und Offiziere zu Gefangenen. Bei Sedd⸗ül⸗Bahr trieben wir einen Teil eines Grabens auf unserem rechten Flügel etwa 40 Meter gegen den Feind vor. Am 6. August schlugen wir den Feind zurück, der bei zwei fruchtlosen Angriffen gegen diesen Flügel 2000 Tote vor den Gräben ließ. Am 7. August wiesen wir drei lange, aber fruchtlose Angriffe, die der Feind gegen diese Laufgräben und in Massen gegen unser Zentrum und gegen unseren linken Flügel unternahm, zurück. Wir trieben den Feind vollständig in seine alten Stellungen zurück. Nicht zufrieden damit, diese wiederholten Angriffe zum Scheitern gebracht zu haben, drangen unsere Truppen in einen Teil der feind⸗ lichen Gräben ein und richtete sie gegen den Feind ein. Wir machten 110 Gefangene. Ein feindliches Unterseebbot versenkte heute früh das Linienschiff„Barbarossa Haireddin“. Ein großer Teil der Besatzung ist gerettet. Der Untergang des„Barbarossa“, so bedauerlich er an sich ist, regt uns nicht übermäßig auf, nur daß er das Stärkeverhältnis unserer Schiffe zu den feindlichen wie eins zu zehn gestaltet. Wir heben noch hervor, daß unsere übriger Schiffe dieselbe Tätigkeit entfalten werden und daß ihre von glühender Vaterlaudsliebe beseelten Mannschaften durch ihre Geschicklichkeit und ihre Aufopferung dem Feinde denselben Schaden zuzufügen wissen, wie ihre Kameraden. 2 „Barbarossa Haireddin“ war ein altes deutsches Linienschiff, das 1891 als„Kurfürst Friedrich Wilhelm“ vom Stapel lief und 1910 von der Türkei erworben wurde. Sein Raumgehalt betrug 10 060 Tonnen, seine Höchstgeschwindigkeit 17 Seemeilen. Zum Kampfe mit modernen Großschiffen war das Schiff nicht mehr be⸗ fähigt, für die Küstenverteidigung aber stellte es immerhim eine schätzbare Machteinheit dar. Vom Seekrieg. Ein englischer Hilfskreuzer torpediert. Das Ritzausche Bureau meldet aus Kristiania: Hier eingetroffenen Nachrichten zufolge wurde gestern abend der englische Hilfskreuzer„India“, 7900 Tonnen, nördlich von Bodoe beim Einlaufen in den Vestfjord torpediert. Der schwedische Dampfer„Goestealand“ ging mit 80 Mann der Besatzung nach Narwik ab. Etwa 72 Mann wurden bei Helligvaerk gelandet. Die Militärbehörden haben die nöti⸗ gen Maßnahmen getroffen. Das Morgenbladet meldet aus Trondhjem: der schwedische Dampfer„Goestealand“ hat gestern nachmittag 5 Uhr 45 Min. den englischen Hilfskreuzer„India“ nordwestlich von Helligvaer, einer kleinen Insel vor Bodö, bemerkt. Er glaubte, der Engländer wolle ihn zum Stoppen veranlassen. Kurz darauf sah der Schwede, daß das Achter⸗ schiff des Kreuzers sank und dieser einige Minuten später vollständig verschwunden war. Der Hilfskreuzer war von einem Volltreffer eines Unterseebootes torpe⸗ diert worden. Das U-Boot selbst ist vom„Goestealand“ nicht bemerkt worden. Der Dampfer brachte heute morgen 80 Mann und 10 Offiziere nach Narvik. Eine Stunde darauf brachte der englische armierte Fischdampfer „Samson“ sechs Mann, darunter mehrere Offiziere. Zwei Boote des„India“ brachten 72 Mann nach Hellinvaer; außerdem wurden in Narvik elf Tote gelandet, darunter drei Offiziere. Die gesamte Besatzung des„India“ be⸗ trug 340 Mann. Von Björnsund wird gemeldet, ein U-Boot sei am Frei⸗ tag unter Volldampf nordwärts vor Ona bemerkt worden. Die englische Mannschaft wird in Norwegen interniert. Ein feindliches Unterseeboot von einem türkischen Wasserflugzeug zum Sinkenge bracht Konstantinopel, 9. Aug.(W. T. B.) Das Hauptquartier teilt mit: An der Dardanellenfront brachte früh 5 Uhr 50 Minuten eines unserer Wasserflugzeuge durch Bomben ein feindliches Unterseebbot vor Bulair zum Sinken. Bei Ari Burnu warfen wir gestern wiederholte Angriffe des Feindes zurück und fügten ihm Verluste bei. Bei Sedd⸗ül⸗Bahr zer⸗ störten wir eine feindliche Bombenwerferstellung. Auf den übrigen Fronten nichts von Bedeutung. Bekanntmachung. Nachstehende Bekanntmachung des Großh. Kreisamts Gießen bringe ich zur öffentlichen Kenntnis. Gießen, den 6. August 1915. Der Oberbürgermeister: eiter Bekanntmachung. Betr.: Die Brotgetreideernte 1915. Es wird darauf hingewiesen, daß von nun an alle An⸗ fragen, die sich auf Verkauf von Brotgetreide, Säckegestellung, Abnahme, Bezahlung usw. beziehen, an die vom Kom munal⸗ verband beauftragte Firma„Vereinigte Getreidehändler G. m. b. H.“ Gießen, Friedrichstvaße Nr. 8, Telephon Nr 148, zu 5 0 sind, von wo auch etwa erforderliche Ausklsinfte erteilt werden. Gießen, den 3. August 1915. Großherzogliches Kreisamt Gießen. e oechler. Bekanntmachung. Nachstehende Bekanntmachung des Großh. Kreisamts Gießen bringe ich zur öffentlichen Kenntnis. Gießen, den 6. August 1915. Der Oberbürgermeister. Keller. Bekanntmachung. Betr.: Den Verkehr mit Brotgetreide und Mehl aus dem Ernte⸗ jahre 1915; hier: Fruchtankäufe. Der Erwerb von gedroschenem Roggen und Weizen wird in wenigen Tagen beginnen. Indem wir auf unsere Bekanntmachung vom 29. Juli 1915(Kreisblatt Nr. 67 vom 30. Juli l. Is.) Bezug nehmen, bemerken wir nochmals, daß nur diejenigen Händler und Makler zum Ankauf von Frucht berechtigt sind, die sich durch eine von der Firma„Vereinigten Getreidehändler G. m. b. H. in Gießen“ für den betreffenden Ort gül⸗ tige Vollmacht legitimieren. Andere Händler sind wegzuschicken: dies gilt auch von allen, außerhalb des Kreises Gießen ansässigen Händlern, da sie grundsätzlich nicht zum Ankauf zugelassen sind. Der verkaufende Landwirt ist bis zur Uebernahme der Frucht zur guten Verwahrung und Behandlung der Frucht verpflichtet. Es wird nur mahlfähige, gesunde Frucht abgenom⸗ men; verunkrautete, brandige, seuchte Frucht muß erst vom Ver⸗ käufer gereinigt und getrocknet werden; ist ihm dies nicht mög⸗ lich, so wird die Frucht unter Preisabzügen doch abgenommen. Der Landwirt ist je nach den örtlichen Verhältnissen zur Lieferung frei nächster Bahnverladestation, Mühle oder Lager verpflichtet. Der Höchstpreis für Roggen ist 23 Mk. und für Weizen 27 Mk. den Doppelzentner; er wird nur für völlig einwandfreie Frucht bezahlt. Der Uebernahmepreis richtet sich nach der Güte der Frucht. Frucht, die nicht mahlfähig gemacht werden kann, auch sogenanntes Hinterkorn, das nicht mahlfähig ist, wird nicht abgenommen; ob es zur Verfütterung freigegeben wird, wird später nach Erlaß entsprechender Bestimmun⸗ gen der Reichsgetreidestelle bekannt gemacht werden. Es darf also von der Dreschmaschine ablaufendes Hinterkorn unter keinen Umständen ohne weiteres verfüttert werden, es gilt vielmehr ebenfalls 15 beschlagnahmkt, bes en autsdrücklich na rüfung freigegeben wird.. Daß de l nicht auf einmal i werden kann, sondern nur nach und nach, ist selbstver⸗ ständlich. Dies gilt sowohl für den Bedarfsanteil 2 Kommunalverbandes, wie auch für den Anteil der Reichsgetreide⸗ stelle. Das Einkaufsgeschäft des Kommunalverbands wird sich hiernach jeweilig auf den Bedarf für etwa 3 Monate erstrecken. Der Landwirt ist nur berechtigt, das erforderliche Saatgut für Herbst⸗ und Frühjahrssagt und das zur Ernährung seiner Familie einschließlich Gesinde nötige Getreide zurückzubehalten, letzteres, sofern er als Selbstversorger anerkannt wird. In diefer Hinsicht wird wiederholt auf unseve Bekanntmachung vom 25. Juli 1915(Kreisbl. Nr. 66 v. 27. Juli l. Js.) Bezug ge⸗ 0 5 ißen, den 3. August 1915. 5. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Usimger. Bekanntmachung Aus der Stiftung der Friedrich Eextor Eheleute sind am 23. September 240 Mk. Jahreszinsen in Gaben nicht unter 125 an verschämte Arme, ohne Ansehung der Religion zu ver⸗ geben. g 0 Meldungen nimmt das Städtische Armenamt, Asterweg 9, bis 31. August 1915 entgegen. Gießen, den 6. August 1915. 5 Der Oberbürgermeister. (Armen verwaltung). J. A.: gez. Schenck zu Schweinsberg. Bekanntmachung. Aus der Henfel⸗Stiftung kommt eine lebens längliche Pfründe im Jahresbetrag von 175 Mk. an einen bedürftigen und würdigen hiesigen Bürger, ohne Unterschied der Konfession, zur Vergebung. 5 5 Meldungen nimmt das Städtische Armenamt, Asterweg 9, bis 31. August 1915 entgegen. Gießen, den 6. August 1915. Der Oberbürgermeister. (Armen verwaltung). J. A.: gez. Schenck zu Schweinsberg. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H. Offenbach a. M. O SSScccSesesse eee 3 8 5 Erprobten Rat be Einmache⸗ 0 1 214 2 0 zeit erhält jede Hausfrau; 0 durch folgende Bändchen der 6 Lehrmeister⸗Bibliothek: 6 inn* 11 rer um f Das Einmachen der Gemüse f 25 Abb. 40 Pf. 37 f Einmachen der Früchte 4 0 15 Abb. 20 Pf. 131 0 Marmeladen⸗ und Mus⸗ 6 bereitung 15 Abb. 20 Pf. 41 6 Die Fruchtsaftbereitung im f 6 Haushalteund Kleinbetrieb 6 6 24 Abb. 20 Pf. 45 6 8 Ernte, Aufbewahrung, Ver⸗ 5 0 sand des Obstes 60 2b. 40 Pf. 55/6 5 9 0 Wie und woran 5 4 bann, Der, Kiiche spapen 5 Das lehren die Bändchen: f 8 Billige Fleischersatz⸗Küche 39= 2201 6 5 Billige Fischküche 40 pf. 1350/1 Kaninchenfleischküche 0 40 Pf. 33 ⁴7½51 6 0 ae Kochbuch ⸗ 0 6 8 Pf.. 187 6 5 7 Zu 1 N 0 0 Oberhessische Volkszeitung 0 Gießen. 9 9 9 0 9 9 9 9 Für Wirte! Für Wirte! 8 910 empfehlen 3 — Spielkarten in allen Preislagen aus der Spielkartenfabrik Frommann& Bünte, Darmstadt. Oberhessiche Bolkszeilung, Gießen Bahnhofsstraße 23. Telephon 2008. ,