* — —— zeitung Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Die Oberhessische Volkszeitung erscheint jeden Werktag Abend in Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich 60 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl.1. 80 Mt. Redaktion und Expedition Gießen, Bahnhofstraste 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Inserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 184 Gießen, Montag, den 9. August 1915 10. Jahrgang. Die Lage auf dem Balkan. Von Heinrich Cunow. Die großen Erfolge, die seit der Wiedereroberung Galiziens die in Polen vorwärtsdringenden deutschen und österreichisch— ungarischen Heere erzielt haben, zwingen nicht nur die russische Heeresleitung zu den bekannten„Umgruppierungen“, auch die Balkanmächte fühlen sich veranlaßt, auf dem Gebiet ihrer Aus— landspolitik gewisse„Umgruppierungen“ vorzunehmen. Die er— neute Annäherung, die sich seit Mai zwischen Rumänien und Rußland vollzogen hat, beginnt bereits wieder, sich zu lockern. Zwar die politischen Sympathien des größten Teils der bürger— lichen rumänischen Intelligenz, vor allem der Durchschnittspolitiker, Literaten und die sogen. freien Berufe, stehen nach wie vor auf der Seite Rußlands und des Vierverbandes aber in den Kreisen des Großgrundbesitzes, der Industriellen und des Großhandels voll— zieht sich ein bemerkenswerter Stimmungswechsel zugunsten der Zentralmächte. Eine sonderliche Vorliebe für Rußland hat ja in diesen Kreisen nie bestanden, denn trotz aller Abneigung gegen die Rumänenpolitik der ungarischen Regierung erkennt man dort nur zu wohl, daß die wirtschaftlichen oder vielmehr die kapitalistischen Interessen Rumäniens ein gutes Einvernehmen mit Oesterreich— Ungarn und Deutschland fordern; aber so lange noch die russischen Heere die Bukowina und Galizien besetzt hatten, so lange man noch ängstlich mit einem erneuten Hervorbrechen der russischen n rechnete, hielten sich diese Geschäftskreise, die in Ru⸗ mänien wie anderswo, nicht gerade zu den mutigsten gehören, vor— sichtig zurück, und die Intellektuellen beherrschten mit ihrem Ein- fluß Presse und Straße, unterstützt von den„Nublophilen“(Rubel⸗ freunden) des Herrn Poklewski, des russischen Gesandten. Die voraussichtliche völlige Niederlage der Russen in Polen hat diese wohlhabenden Kreise etwas von ihren Beklemmungen be— freit und sie zu einem energischeren Eintreten für ihre Forder—⸗ ungen veranlaßt. Die Großgrundbesitzer, denen in diesem Jahr ein freundliches Geschick eine ganz enorme Weizenernte bescheert hat, fordern, daß die bisherige Politik der Erschwerung des Weizen⸗ exports nach Zentraleuropa fällt, die Brandschatzung der Aus— fuhr durch hohe Ausfuhrabgaben aufhört, weit mehr Eisenbahn— wagen als bisher zum Verladen gestellt und an den Bahnstationen Lagerhäuser errichtet werden. Aber nicht blos Ausfuhrfreiheit wird verlangt, durch größeres Entgegenkommen sollen zugleich die Zentralmächte freundlicher gestimmt werden, damit das in Aus⸗ sicht stehende schöne Exportgeschäft nicht gestört wird und Ru— mänien sich nicht im entscheidenden Moment zwischen zwei Stühle setzt.(S. den Artikel„Rumänien vor der Entscheidung“. D. Red.) Und dieses Auftreten der Grundbesitzer wird durch einen großen Teil der Industriellen und der Großhändler unterstützt, die Handelsbeziehungen zu den Zentralmächten unterhalten und sich auf deutschen Kredit angewiesen sehen. Sich den deutschen Kapital⸗ markt zu verscherzen, verspüren diese Elemente wenig Neigung— und ihre Opposition gegen die russophile Politik wird noch dadurch verstärkt, daß sie sich sagen, wenn es dem Vierverband gelingt, sich Konstantinopels zu bemächtigen und Rußland dort die Aufsicht über den Bosporus und die Dardanellen erhält, der rumänische Handel nach dem Mittelmeer bald mit allerlei Hemmungen seiner Entwicklung zu rechnen haben werde, mögen auch auf dem Papier lieh schönsten Garantien für die freie Schiffahrt aller Nationen ehen. Nun haben zwar diese Kapitalistenschichten in Rumänien keineswegs jenen Einfluß, wie in den wirtschaftlich entwickelteren Staaten Europas, und überdies kommt in Betracht, daß im poli⸗ tischen Leben Rumäniens die Hauptstadt Bukarest eine ähnliche Rolle spielt, wie Paris in Frankreich; aber ganz zu ignorieren vermag das mattliberale Kabinett Bratianu diese Stimmungen und Forderungen auch nicht, zumal sie in der konservativen Par— teirichtung Marghilomans einen breiten Boden finden und das offizielle Parteiorgan dieser Richtung, der Steagul, neuerdings recht scharfe Töne gegen den Vierverband anschlägt. Bratianu wird ideshalb voraussichtlich diefer Strömung gelegentlich kleine Zu⸗ geständnisse machen, im übrigen aber zu lavieren suchen— bis die Kämpfe in Polen und an den Dardanellen eine gewisse Entscheidung gefunden haben. 15 Weit stärker beginnen die Erfolge der deutschen und öster⸗ treichischen Waffen auf die Politik Bulgariens einzuwirken— tum so wichtiger als in den letzten Monaten der Schwerpunkt des idiplomatischen Kampfes zwischen den verbündeten Zentralmächten imehr und mehr von Bulkarest nach Sofia gerückt ist. Der Beitritt Bulgariens zum Vierverband ist für diesen noch weit wertvoller zals eine Beteiligung Rumäniens am Kriege, denn durch Bul⸗ Gariens militärische Intervention“ erhielte nicht nur Serbien wöllige Rückdeckung sie würde auch die Verbindung der Zentral⸗ mächte mit der Türkei völlig unterbrechen und, salls die bulgari⸗ schen Truppen gegen die europälsche Türkei vorgehen, die Darda⸗ Aügen Englands und Frankreichs ganz wesentlich unter— stützen. Die Diplomatie des Vierverbandes in Sosia hat deshalb dem bulgarischen Ministerium Nadoslavoff die schönsten Versprech⸗ ungen gemacht; aber alle diese Verheißungen haben bisher die bulgarische Regierung nicht zur Aufgabe ihrer Neutralitäts⸗ politik zu bewegen vermocht, da sie während der letzten Balkan⸗ kriege genügend Gelegenheit hatte, den Wert russischer Ver⸗ lprechungen kennen zu lernen und zudem sich Serbien hartnäckig weigert, Bulgarien einen nennenswerten Teil des Hamals entrissenen mazedonischen Gebietes zurückzugeben. Die Sympathie der Bulgaren für die Zentralmächte, von der man so oft in ber Presse liest, hat mit diesem kühlen Verhalten gegen das Liebeswerben der Ententemächte nichts zu tun; noch immer gilt einem großen Teil der bulgarischen Bevölkerung nach alter Tradition der Russe als der eigentliche Freund, besonders in er Bauernschaft. Weniger aus politischen, als aus religiösen Aründen. Der bulgarische Bauer ist fromm und fühlt sich durch semeinsame Religionsband⸗ mit dem Russentum eng verbunden. und dieses Gefühl wird meist von den Popen geschickt im Dienste russischer Herrschaftsinteressen ausgenutzt. Freilich so sehr, wie der Bauer das„russische Kreuz“ verehrt, so sehr haßt er ge— wöhnlich den Serben, und wo beide Stimmungen miteinander in Konflikt geraten, behält nicht selten der Serbenhaß die Ober— hand. Aber das Kabinett Radoslavoff und sein Anhang denkt realpolitisch und mißtraut der russischen Regierung. Für sein Verhalten ist allein die Frage entscheidend:„Wie gewinnen wir das von Bulgaren bewohnte Mazedonien und das uns im Buka⸗ rester Frieden von Rumänien abgepreßte Gebiet nördlich der Linie Turtukai— Dobritsch—Baltschik zurück?“ Deshalb stellte sich die bulgarische Regierung nach dem Aus⸗ bruch des jetzigen Völkerkrieges zunächst auf die Seite der Zentral- mächte. Das bulgarische Parlament, die Sobranje, bewilligte einen Kredit von 50 Millionen Frank für Mobilisationszwecke, das Land wurde unter Kriegsrecht gestellt und der Einmarsch in Serbien vorbereitet. Die starke Opposition der russophilen Ele— mente wie auch die Protestaktionen der völlige Neutralität for- dernden bulgarischen Genossen und der Bauernbündler verhin— derten jedoch die Kriegserklärung. Die Beteiligung der Türkei am Kriege bewirkte einen Um- schlag. Die russophile Anhängerschaft Geschoffs und Daneffs wie auch die sogen. Demokraten Malinoffscher Richtung erklärten nun unter dem Einfluß der russischen Diplomatie, nicht die Gewinnung Mazedoniens sei zunächst das Wichtigste, sondern die Vertreibung der Türken aus Europa und die Inbeschlagnahme ihres bisherigen Gebiets durch Bulgarien. Das Kabinett Radoslavoff folgte jedoch diesen Lockungen nicht, sondern bekannte sich, den Forderungen der Sozialisten und der Bauernbündler entsprechend, zu strikter Neutralität. Unter dem Eindruck der deutschen und österreichisch-ungarischen Waffenerfolge im Osten vollzieht sich jetzt eine neue Schwenkung: die bulgarische Regierung lehnt sich wieder mehr an die Zentralmächte an. Den Beweis dafür liefern verschiedene Tatsachen, wie die bevorstehende Abschließung eines Vertrages zwischen Bulgarien und der Türkei, durch den Bulgarien den bisher zum türkischen Gebiet gehörenden Teil der Bahnlinie nach dem Hafen Dadeagatsch mit dem an— grenzenden Landgebiet erhält, ferner die Option einer unter Führung der Berliner Diskontogesellschaft stehende Bankengruppe auf den ersten Teil einer im vergangenen Jahr vereinbarten bul— garischen Staatsanleihe im Betrage von 250 Millionen Frank, und drittens die Beauftragung des bulgarischen Gesandten in Wien mit der Wahrung der bulgarischen Interessen in der Schweiz. Das sind Dinge von höchster politischer Bedeut⸗ ung. Wenn die Türkei ein für sie wertvolles Gebiet vor den Toren von Adrianopel abtritt und vorsichtige Finanzleute Hunderte von Millionen Geld hergeben, so läßt sich kaum annehmen, daß nicht die bulgarische Regierung große Sicherheiten geboten hat. Vielleicht wird demnächst auch Bulgarien mit seinem Heer in den Krieg eingreifen. Vielleicht erwartet es nur noch weitere Ergebnisse des gewaltigen blutigen Ringens in Polen und an den Dardanellen ab? Wenn nicht alles täuscht, hält man in Sofia die Zeit für gekommen, die nach dem Bukarester Friedensschluß der Zar Ferdinand in seinem Armeebefehl verhieß: die Zeit der Wie⸗ derentfaltung der zusammengerollten alten Fahnen. ** * Ein deutsches Seemannsstückchen. Kürzlich wurde gemeldet, daß es einem deutschen Unter— offizier gelungen ist, ein gekapertes Baumwollschiff, auf dem sich eine englische Prisenbesatzung befand, nach Kuxhaven zu dirigieren. Zu dieser Meldung erfährt die Frankf. Ztg. noch, daß das deutsche Unterseeboot, als es das Baumwollschiff. zum Halten das 4000 Ballen Baumwolle an Bord hatte, brachte, den Kapitän aufforderte, sämtliche Waffen, die an Bord waren, über Bord zu werfen. Dies tat der Kapitän auf die Aufforderung hin. Auch die Waffen der an Bord befindlichen englischen Prisenbesatzung, die aus einem Unter— leutnant der Reserve und 4 Matrosen bestand, wurden vom Kapitän über Bord geworfen. Die englische Prisenbesatzung wurde unter Deck versteckt. Darauf begab sich der deutsche Steuermannsmaat Lamm an Bord und brachte in dreitägiger Reise das Schiff samt der darauf befindlichen Prisenbesatzung unversehrt nach Kuxhaven. . Die sibirischen Verbannten. Der in Genf in russischer Sprache erscheinende Sozialdemokrat teilt nach der Zürcher Post vom 1. 8. in einem Briefe aus Sibirien mit, daß die dortigen Verbannungsorte mit politischen Verbrechern überfüllt sind. In einem einzigen Orte sitzen 140 Marxisten, von denen 60 ihrer Nationalität nach Letten sind. Die Verbannten müßten zwar hungern, ihre Stimmung sei aber ungebrochen. Nach Petersburger Meldungen sind allein im Junj nach dem Kreise Jenis⸗ seisk in Sibirien 700 Verbannte aus den baltischen und westlichen Provinzen Rußlands gebracht worden. Unter den Verbannten sind ungefähr 100 baltische Barone. „Slövung des Burgfriedens!“ In der Frankfurter Zeitung veröffentlichte Genosse Heine einen Artikel, in dem er dafür eintrat, daß der deutschen Ar— beiterklasse die staatsbürgerliche Gleichberechtigung nicht mehr länger vorenthalten werden dürfe und zwar verlangt er die Erfüllung einiger Forderungen,„ehe die Gegenkräfte wieder erstarkt sind“. Dieser Artikel hat die Kreuzzeitung in große Aufregung versetzt und sie erblickt in ihm, wie in jeder den Konservativen nicht genehmen Auslassung, eine— Störung des Burgfriedens! Das konservative Blatt fügt dem hinzu: seltkrieg. „Nicht nur, daß er das geltende preüßische Wahlrecht ein⸗ fach ein„Unrecht“ nennt, von den„bisher unterdrückten und außerhalb der Nation gestellten Schichten“ spricht, er glaubt auch die Gegner der Sozialdemokratie als Leute charakteri⸗ sieren zu sollen,„die durch ihre Ablehnung jeden Entgegen⸗ kommens gegen die politischen Forderungen und die gewerk⸗ schaftlichen Bestrebungen der Arbeiter, durch Lebensmittel⸗ teuerung und unzureichendes Interesse für notleidende Kriegerfamilien und Hinterbliebene, vor allem aber durch die Ankündigung, deutsches Blut eigennützigen Eroberungs⸗ interessen beschränkter Kreise opfern zu wollen, das meiste dazu beitragen, wenn in der Arbeiterschaft Mißstimmung gegen die nationale Verteidigung hervorgerufen werden solle“. Gewisse bürgerliche Politiker glauben, daß es leicht sei, mit Sozialdemokraten vom Schlage des Abgeordneten Heine zu einer Verständigung zu gelangen. Wie soll aber eine Ver⸗ ständigung möglich sein, wenn sachliche Ueberzeugungen von der Gegenseite ethisch so gewertet werden, Wie es hier durch den Abgeordneten Heine geschieht?“ Ein Dementi. Berlin, 6. Aug.(W. B. Nichtamtlich.) Zu der wiederholt vom Auslande gebrachten Nachricht, daß in der Ostsee ein deutscher Truppentransportdampfer mit einem Regiment Sol⸗ daten torpediert worden sei, wird nach Erkundigung an zustän⸗ diger Stelle ausdrücklich festgestellt, daß sich an Bord des fraglichen Schiffes überhaupt keine Truppen befanden und daß dasselbe auch kein Truppentransportdampfer war. 3 Weitere Einschränkung des Vereins und Versammlungsrechts in Sachsen. Die beiden Generalkommandos für Sachsen erlassen unter Aufhebung früherer Verordnungen eine Verfügung, die u. a. fol⸗ gendes bestimmt:. 2 Alle öffentlichen und nichtöffentlichen Versammlungen, in denen militärische, politische, sozialpolitische oder religißse Ange⸗ legenheiten erörtert werden, sind mindestens 48 Stunden vorher der Behörde anzumelden. Den Veranstaltern wird im Unter⸗ lassungsfalle eine Gefängnisstrafe bis zu drei Monaten angedroht. Alle in solchen Versammlungen zu haltenden Vorträge, soweit sie militärischen Inhalts sind oder sich irgendwie mit äußeren oder inneren politischen Verhältnissen anläßlich des Krieges befassen, unterliegen der Genehmigung. Völlige Manuskripte dieser Vor⸗ träge müssen mindestens 7 Tage vorher zur Prüfung und Ge⸗ nehmigung eingereicht werden. Die Polizeibehörden erhalten die Befugnis, die an solche Vorträge anschließende Debatte ohne weiteres und ohne Angabe von Gründen zu verbieten. Die Be⸗ richte über solche Versammlungen in der Presse sind ebenfalls ge⸗ nehmigungspflichtig. Diese neue Verordnung bedeutet die völlige Vernichtung des Vereins- und Versammlungslebens in Sachsen— Lex Arons. Im Jahre 1900 ist dem Genossen Dr. Leo Arons vom eußischen Kultusministerium die Lehrbefugnis als Privat- zent der Physik an der Universität Berlin entzogen worden. Den Grund bildete die Zugehörigkeit Arons zur Sozialdemo⸗ kratie. Dieses Verfahren machte damals großes Aufsehen und fand insbesondere in wissenschaftlichen Kreisen scharfe Verurteilung, hatte sich doch die philosophische Fakultät der Universität mit Entschiedenheit gegen diese Maßregelung er⸗ klärt. Mit Rücksicht auf die gegenwärtigen Zeitläufte hat nun bereits vor einiger Zeit die Fakultät beim Ministerium den Antrag gestellt, zu genehmigen, daß Dr. Arons die Lehr- befugnis wieder erteilt werde. Dieser Antrag fand die prinzipielle Zustimmung, doch hat Dr. Arons mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand abgelehnt, wieder ein Lehramt zu übernehmen. Der schwierige russische Rückzug. Der Kriegsberichterstatter des Berl. Lok.-Anz., Kirch⸗ lehner, meldet seinem Blatte aus dem K. und K. Kriegspresse⸗ quartier: Alle Nachrichten vom polnischen Kriegsschauplatze deuten darauf hin, daß der russische Rückzug sich konzentrisch vom Westen, Südwesten und Süden her in Richtung nach Brest⸗-Litowsk bewegt. unaufhaltsame Vordringen Mackensens hatte nun auch den linken russischen Zentrums⸗ flügel gezwungen, nach Norden zu weichen. Wenn nun die verschiedensten Heeresteile im Raume von Brest-Litowsk zusammenströmen, so ist die russische Heeresorgani⸗ sation vor eine schwere Aufgabe gestellt, da nur sehr wenig Bahnlinien zum Abtransport zur Verfügung stehen, die östlich gelegenen Sümpfe aber nur eine ganz geringe An. zahl von Straßendurchlässen aufweisen. Der Einzug in Warschau. Wie die Sonderberichterstatter des Berliner Lokal- anzeigers und des Berliner Tageblatts melden, erfolgte am 5. August in aller Frühe der Einzug der deutschen T Pr do KW Das Truppen in Warschau. Die Forts waren durch Drahtverhaue, Gruben. * Minen und Gräben gegen Infanterieangriffe stark befesszst und die Truppen hatten in den beiden letzten Tagen und Nächten noch beträchtliche Kämpfe zu bestehen. Die Erdwerke wiesen mehrere Volltreffer deutscher Artillerie auf. Warschau ist also durchaus nicht kampflos geräumt worden. Die Zer— störung in der Stadt und in der Umgebung ist sehr gering— fügig, da die Bevölkerung sich weigerte, den Zerstörungsbefehl der zurückweichenden Russen auszuführen. Beim Einzug waren die Straßen voll von Menschen, die allen deutschen Offizieren und Soldaten einen freudigen, ja jubelnden Empfang bereiteten. Fast alle Geschäfte sind geöffnet. Die elektrische Straßenbahn verkehrt wie gewöhnlich. In den Straßen tat während des Einzuges der Truppen Bürgermiliz Polizeidienst. f Was die französischen Soldaten nicht wissen dürfen! T. II. Genf, 7. August. Um eine Demoralisierung der Trup⸗ pen an der Westfront infolge des Falles von Warschau zu verhin- dern, ordnete der Generalissimus Joffré die strengste Geheim- haltung der Katastrophe an und verbot jede Zeitungssendung nach der Westarmee. Bulgarisches Ultimatum an Serbien? Az Est meldet aus Bukarest: Zuverlässige Depeschen er— klären, Bulgarien werde schon in allernächster Zeit mit einem Ultimatum an Serbien herantreten. Laut Moskauer Meldung der Seara berichten russische Blätter, Bulgarien werde Serbien auffordern, die Donau von Minen zu säubern und bulgarische Schiffe passieren zu lassen. Wenn Serbien diese Forderungen nicht erfüllen sollte, werde Bulgarien mit einer Kriegserklärung gegen Serbien vorgehen. Ein Kabinett Venizelos? Wie der römische Messagero aus Athen meldet, habe König Konstantin Venizelos gebeten, das neue Kabinett zu übernehmen. Gunaris und die übrigen Minister hatten am Dienstag abend eine gemeinsame Besprechung mit den Ge— sandten der Vierverbandsmächte, an die sich eine Konferenz Gunaris mit dem König angeschlossen habe. Furcht vor deutschen U-Booten. T. U. Genf, 7 August. Blätter aus Südfrankreich berichten, daß unter den Schiffsreedern Südfrankreichs eine heftige Panik ausgebrochen ist, weil deutsche Unterseebobte zwischen Marseille und Algier in Tätigkeit getreten sind. Am 1. August wurde 60 Meilen von Algier ein französischer Hilfskreuzer torpediert, der in— dessen noch den Hafen erreichen konnte. Dasselbe Schicksal erlitt ein Handelsschiff, das nach Kap Matifu unterwegs war. Auch der Matin bringt diesbezügliche Marseiller Depeschen. Kriegsnotizen. Laut Reichspost hat der Papst an die Katholiken in Ost⸗ preußen ein Schreiben gerichtet, in dem er seine innige Anteil⸗ nahme für ihre durch den Krieg heraufbeschworenen Leiden aus⸗ rückt. Gleichzeitig übermittelte der Papst für die Opfer der Russen⸗ invasion eine bedeutende Spende. 0 Aus Paris wird gemeldet: Der allgemeine Verwaltungsaus⸗ schuß sprach sich nach längerer Beratung im Grunde für die Auf⸗ hebung des Belagerungszustandes in der inneren Zone Frankreichs aus und beschloß. über die betreffende Frage die Mitglieder der Regierung zu vernehmen. Corriere della Sera erläßt einen Aufruf zur Rekrutierung neuer Pflegerinnen und sagt: Nachdem die Eiteln und Schwachen zurückgetreten sind, blieb wenig zahlreiches Per⸗ sonal, das noch weiter zusammengeschmolzen ist, weil viele Damen nicht auf die gewohnte Sommerfrische verzichten wollten oder konn⸗ ten. Corriere beschwört daher die Sommerfrischlerinnen, ihre Ab⸗ wesenheit abzukürzen. Laut Nowoje Wremja werden wehrpflichtige Russen, die sich nicht in Rußland gestellt haben, straffrei, wenn sie sich zum Dienst im französischen, englischen, italienischen und belgischen Heere oder bei der kanadischen Miliz melden. Unter Erklärung ihrer Loyalität gegen ihr Adoptivvaterland vahm eine allgemeine deutsche Tagung in Newyork scharfe Resolutionen dagegen an, daß man England gestatte, das Völker⸗ recht zu verletzen, während gegenüber Deutschland Amerika drohe und sich unnachgiebig zeige. Aus amerikanischen Blättern wird aus Washington gemel⸗ det: Kontreadmiral B. A. Fiske hat ein Patent für ein Luft⸗ torpedoboot erhalten, das imstande sein soll, Schiffe in be⸗ schützenden Häfen anzugreifen. Er hat den Plan, ein Riesen⸗ flugzeug mit einem Whitehead⸗Torpedo auszustatten. Das Flug⸗ zeug würde fünf Meilen von dem anzugreifenden Ziele niedergehen und den Torpedo ähnlich lancieren wie ein Zerstörer. Der Torpedo wird automatisch in Bewegung gesetzt und steuert mit einer Ge⸗ schwindigkeit von 40 Knoten auf das Ziel zu. Auf diese Weise glaubt man, Flotten in abgeschlossenen Häfen angreifen zu können. Die Newyork Sun meldet aus Ottawa: Die Rekrutierung in Ostkanada hat neuerdings eine Ebbe zu verzeichnen. Man be⸗ kommt nur schwer Leute, um die zuletzt aufgestellten Bataillone Ja füllen. Ueberall sind nach englischer Art Plakate angeschlagen; sie haben aber kaum einen Erfolg aufzuweisen. Die führenden Blätter klagen bitter, daß die jungen Leute so wenig Lust zeigen, in der Armee Dienst zu nehmen. Parteinachrichten. Aus den Organisationen. Der Wahlkreis Solingen hat seine bekannte ablehnende Stellung zur Fraktionspolitik einer nochmaligen Nachprüfung unter⸗ zogen. Sämtliche Funktionäre der Wahlkreisorganisation waren geladen. Der Abg. des Kreises, Genosse Scheidemann, begründete in 2 stündiger Rede und einem halbstündigen Schlußwort seinen Standpunkt. Genosse Limbertz⸗Essen sprach 1½ Stunden für die Annahme des Memorandums vom Bezirk Niederrhein, worin die Abkehr von der bisherigen Fraktionspolitik gefordert wird. In der folgenden dreistündigen Diskussion stellte sich nur ein Redner auf den Standpunkt der Fraktion. Das Memorandum wurde mit 3 gegen 10 Stimmen angenommen. Einige Genossen enthielten sich der Abstimmung. Genosse Ernst Heilmann verwundet. Wie ein Regimentskamerad des Genossen Heilmann der Re⸗ daktion der Chemnitzer Volksstimme meldete, ist beim Narew-Ueber⸗ gang in der Schlacht am 28. Juli Genosse Ernst Heilmann schwer, aber nicht lebensgefährlich verwundet worden: eine Kugel traf die untere Gesichtshälfte. Näheres ist noch nicht mitgeteilt worden. Ge⸗ nosse Heilmann wurde als zum ungedienten Landsturm gehörig, am 1. April eingezogen und beim 181. Infanterieregiment in Chemnitz ausgebildet. Mit seinen Redaktionskollegen Kuttner und Meyer kam er im Juni nach Flandern und im folgenden Monat mußte er nach Nußland, wo ihn nun die russische Kugel traf. Unter Präventivzensur gestellt. Das Mitteilungsblatt der Berliner Parteigenossen ist vom Oberkommando in den Marken unter Präventivzensur gestellt wor⸗ den. Das Mitteilungsblatt ist keine Zeitung, sondern dient nur der Information der Berliner Parteifunktionäre. Arbeiterbewegung. Kriegsopfer der Gewerkschaften. Der Holzarbeiterverband hat wieder einen schweren Verlust er⸗ litten. Heinrich Buckendahl, der Hamburger Gauvorsteher des Verbandes, ist ann 6. Juli im Felde gestorben. Für den Fünfund⸗ vierzigjährigen waren die Strapazen des Feldzuges zu schwer. In einem Lazarett im Osten ist er erlegen. Gleich nach der Beendigung seiner Lehrzeit trat er der Organisation bei, der er treu diente bis ans Ende. In den Jahren 1893 und 1894 war er zweiter, in den folgenden Jahren erster Bevollmächtigter der Zahlstelle Köln. Da⸗ neben war er ein besonders rühriges Mitglied des Kölner Gewerk- schaftskartells und Mitbegründer des dortigen Arbeitersekretariats. Nicht minder regsam betätigte er sich parteipolitisch. So war er Mitglied der Preßkommission der Rheinischen Zeitung und gehörte dem Komitee des Oberrheinischen Agitationsbezirks an. Kurz, in ihm lebte seit seiner frühen Jugend der prächtige, bewundernswerte Geist der Vorkämpfer, deren ganzer Lebensinhalt dem selbstlosen Kampf für die Mitmenschen gewidmet ist. Am 1. Januar 1904 fiber⸗ nahm er die Leitung des Gaues Frankfurt a. M., den er acht Jahre hindurch mit Aufopferung verwaltete, bis er Anfang 1912 auf dringenden Wunsch des Verbands vorstandes die Leitung des Gaues Hamburg übernahm. Hier hat er bis zu seiner Einberufung mit rastlosem Eifer und peinlichster Pflichterfüllung weitergewirkt. Mit dem Holzarbeiterverband wird ihm die ganze Arbeiterbewegung ein ehrendes Andenken bewahren. 4 Auch nicht übel! Aus Norddeutschland wird berichtet, daß dort in land— wirtschaftlichen Kreisen für die Sommermonate die Wieder— einführung des„Hirtenschulwesens“ verlangt wird. Die Kinder hätten danach frühmorgens im Felde zu arbeiten, dann hätten sie im Halbschlummer einen zwei- oder drei⸗ stündigen Schulunterricht abzusitzen und würden hierauf für den ganzen übrigen Tag bis zum Abend zur Aushilfe im landwirtschaftlichen Betriebe zur Verfügung stehen. Da auch in unserer Gegend für eine derartige Ver— wendung von Schulkindern bei» gewissen Stellen große Neigung vorhanden ist, so sei hier auf die Sache mit einigen Bemerkungen eingegangen. Ein solches Verfahren würde die Kinder körperlich und geistig schwer schädigen. Aber, ob es gleich unsinnig und gar nicht einmal nötig ist: viele Land— wirte gehen in ihren Forderungen weit darüber hinaus. So wird in der Landw. Ztg. für Westf. und Lippe glatt verlangt ö „Wenn uns die Mitarbeit unserer Kinder in dieser ver hängnisvollen Zeit von durchschlagendem Vorteil e 0 müßte für alle e ple im Alter von Jahren terricht vollständig ausfallen. 5 5 a a 5 in 18„Allein in meinem Betriebe hätten im kom⸗ wenden Herbst für 1500 bis 2000 Mk. Steckrüben mehr erzielt werden können, wenn ich seit einigen Wochen meine und des Nachbarn Kinber zum Vorlegen der Pflanzen 1 ziehen nach Wunsch hätte mit beschäftigen können. In diesen Ausführungen steckt wahrlich zu schärfster Kritik... Umständen dieser Zeit darauf, festzustellen, daß der Anreiz 5 „die Schulbehörden weitgehende Vollmacht erhalten haben, Schulkinder zu landwirtschaftlichen Arbeiten zu beurlauben“, die Militärbehörden den Landwirten in der entgegengekommen sind, e 7 Kriegsgefangene sozusagen gegen ein Butterbrot auch in kleinsten Trupps den Landwirten zur werden, weibliche Arbeitskräfte sast überall zu haben sind, wenn sie gut entlohnt werden.“ 5 N Guter Lohn,— das ist die Voraussetzung! 1 fehlt's vielfach, obgleich die guten Ernteausfichten und die steigenden Preise eine Erhöhung der Gewinnungskosten durch⸗ aus zuließen.. 1 Kein Mensch mutet der Landwirtschaft zu, sich im Dienste der Volksversorgung für nichts und wieder nichts zu betätigen. Aber wenn man so sieht, wie das Bestreben waltet, gerade der Landwirtschaft in der allerpenibelsten Weise gerecht zu werden, ihre„Verdienste“ um die Förderung der Volkswohlfahrt zu, vergrößern, üble Begleiterscheinungen ihrer Betätigung aber nach Möglichkeit zu entschuldigen,— dann empfindet man die Forderung einer glatten Schließung der Volksschulen im Interesse der landwirtschaftlichen Unternehmer als etwas, Ungeheuerliches.. Die Kriegszeit entschuldigt manches. Aber die Bildung und Erziehung der neuen Generation als Gnen Quark zu behandeln, das entschuldigt sie nicht! Heldenehrung. Vom Rhein⸗Mainischen Verband für Volksbildung wird seit einiger Zeit für den Gedanken geworben, den gefallenen Helden in unseren Städten und Dörfern statt der üblichen Denkmäler Haine zu gründen, jedem Toten eine Eiche zu setzen als das Zeichen deutscher Volkskraft und diese Eichen um eine Friedenslinde als Mittelpunkt zu Hainen zu gruppieren. Es ist ohne Zweifel, daß solcher Geoͤanke einem tieferen Empfinden weit mehr gerecht wird als das kalte Denkmal. Einem kalten, nüchternen Menschen mag man den kalten Stein zum Ge⸗ dächtnis geben, nicht aber paßt der Stein für ein warmes, lebendiges Herz, das der Krieg so jäh dem Leben entriß. Und solche Herzen werden uns da draußen in den Gefechten geraubt in großer Zahl. Hunderttausende von unseren Parteigenossen stehen ja als Soldaten im Felde, Hunderttausende, denen die Schule der Partei, Idealismus ins Herz gepflanzt, einen tiesen Sinn für alles Schöne und Edle, für Freiheit und Gerechtigkeit. Will man solche Männer ehren, so muß man ein Gedächtnis schaffen, das ihrer geistigen und seelischen Veranlagung entspricht, so müssen unsere Städte Gedächtnis⸗Stiftungen ins Lehen rufen, Gedächtnis⸗Stiftungen für Arme und Waisen, für Witwen und Kinder, für Schönheit im Wohnen, für Volksbildung und Volks⸗ kunst. mit solchem Herzen würdig ist. 1 Man hat bei der Heldenehrung bis jetzt viel zu sehr vom Standpunkte des Durchschnittsmenschen gehandelt. So mancher Tote würde ohne Zweifel mitleidig lächeln, wenn er einmal sehen könnte, wie kleine Geister ihn zu ehren versucht haben. Will man einen Toten ehren, so muß man so handeln, wie es seinem Fühlen 5 und Denken entsprechen würde. Und wenn auch für viele Tote vielleicht noch ein Denkmal aus Stein genügt, wir haben schon ge⸗ sagt, daß auch Tausende ihr Leben dahin geben, denen ein warmes Herz für das Volk in der Brust schlug und die man nur ehren kann dadurch, daß man dem Volle dient. solche Gedächtnisfürsorge wahrhaftig. So viel Not und Elend herrscht ja noch im Volke, daß— von einer höheren Warte betrachtet 1 — die Ausgaben von Summen für toten Stein geradezu unsitt⸗ lich sind. err Diethelm von Buchenberg. Erzählung von Bertold Auerbach. 44 Mit einem erhabenen Heldengefühl legte sich Diethelm abermals zum Morgenschlaf nieder. Als die Stadtzinkenisten wieder bliesen, suchte er sich zu bereden, daß das eine Musik zu seiner Unterhaltung sei, und pfiff unausgesetzt ihre Melodien nach. Diethelm glaubte schon am heutigen Tage freigelassen zu werden, aber vergebens. Er wurde nachmittags noch einmal zum Verhör geführt. Der Trompeter hatte richtig sein Stücklein getreu gespielt, aber es war doch ein Ton darin, der Diethelm noch viel zu schaffen machte, nämlich die Kunde von seinem heftigen Weinen bei der Nachricht vom Tode der Stieftochter und seine rasche, unmotivierte Umkehr. Diet⸗ helm hatte hieran wohl gedacht und hätte dem Vetter gern Weisung gegeben, aber er wußte nicht, wie er das verdachts⸗ los bewerkstelligen sollte, und hoffte auch, daß davon gar keine Rede sein würde. Anfangs schwankend, dann aber immer sicherer erklärte Diethelm, daß er den Tod seiner Stieftochter nicht so bald erwartet habe und nun heimgeeilt sei, um seine Frau nicht ganz allein zu lassen und die Fränz später holen zu lassen. Befragt, warum er dann nicht nach dem Kohlenhof gefahren sei, erklärte er zuerst, er habe sich das nicht so klar gemacht, er sei vom Schreck zu sehr ergriffen gewesen; dann aber setzte er hinzu, er habe erwartet, seine Frau sei gleich nach dem Tode heimgekehrt und er habe sie dort trösten wollen. Weiter befragt, wie es komme, daß der Tod seiner Stief— tochter ihn so furchtbar ergreife, sah er eine Weile scheu vor sich nieder, dann erhob er sein Antlitz und sagte:„Ich hätt' nicht geglaubt, daß man mich das fragen darf, aber ich seh' schon, wer einmal, und sei er noch so unschuldig, im Verdacht steht, muß auf alles antworten. Nun denn, so sei's...“ Er atmete tief auf und fuhr dann fort:„So wisset denn. ich hab' vor zweiundzwanzig Jahren mein' Stieftochter gern gehabt und hab' sie heiraten wollen, aber mein' Frau hat's nicht zugeben und hat mich lieber selbst genommen.“ Eine Pause entstand, der Aktuar schrieb, und der Richter, betroffen von dem schmerzvollen Ton Diethelms, hielt eine Weile mit Fragen inne. Diethelm aber fühlte einen inneren Schreck, als ob man ihm ein Stück aus dem Herzen reiße, es deuchte ihn, als schände er seine Hausehre und alle Scham⸗ haftigkeit, da er auch dies dem Protokoll anvertraute; er hatte so sorglich seine Hausehre gewahrt, und jetzt hatte er sie preis— gegeben und noch dazu mit einer gräßlichen Lüge, denn die Kohlenbäuerin war schon seit 7 nicht mehr für ihn auf der Welt. Diethelm fühlte jetzt zum ersten Male, wie das Verbrechen keinen reinen Fleck an dem Menschen läßt, wie es alles mit sich hinabzerrt; er erhob den Blick lange nicht, es war ihm, als stände seine Frau vor ihm, und er könnte sie nicht anschauen. Hätte er erst gewußt, daß er sie auf dem— selben Stuhle verriet, auf dem sie ihm zuliebe ihr Gewissen geopfert! „Das tut mir am wehesten, daß ich das hab' sagen müssen,“ rief er endlich mit schmerzlichstem Tone. Der Richter beruhigte ihn, daß das niemand erführe, er war aber Inquirent genug, die weiche Stimmung Diethelms zu be— nutzen, und mit veränderten Fragen noch einmal das ganze Verhör von vorn zu beginnen. Schlag auf Schlag gingen die Fragen. Der alte Schäferle war diesen Vormittag auch wieder im Verhör gewesen, und im Schmerze um den Tod seines Sohnes, den er rächen zu müssen glaubte, hatte er sich kein Gewissen daraus macht, seinen Aussagen eine noch entschiedenere Fassung zu geben, und daß Medard geradezu die Woche be— zeichnet, die Diethelm ausdrücklich zur Brandstiftung fest⸗ gesetzt habe, wenn es ihm gelänge, seine Frau aus dem Hause zu bringen. Der alte Schäferle hoffte, daß es vielleicht ge⸗ lingen werde, Diethelm zu einem Geständnis zu überrumpeln, wenn man ihm bestimmte Tatsachen vorhielt, und gleiches er⸗ wartete auch der Richter. Diethelm merkte bald, was vor⸗ ging, und war wiederum schnell gewaffnet und berief sich in den meisten Antworten einfach auf seine gestrigen Aussagen. 4 Nicht mehr stolz, innerlich geknickt, saß Diethelm in seinem Gefängnis; er merkte wohl, daß sich ein Punkt aufgetan, von dem er in den Grund gestürzt werden konnte. Jetzt bat er den jungen Kübler, der in der Wartung der Gefangenen seinem Vater beistand, ihm noch eine Unterredung mit dem Waldhornwirt zu verschaffen; aber der junge Kübler war dessen eingedenk, wie Diethelm ihn mit Undank angefahren und sogar gedroht hatte, ihn zu verraten; er blieb trotz aller Schmeichelworte unerbittlich, und Diethelm, dessen Furcht vor einem Mitwisser noch größer war als die vor dem Gericht, fand sich endlich drein, alles geschehen zu lassen, wie es sich von selbst machte, ja, es gab Zeiten, in denen er so zerknirscht war, daß er die Entdeckung wünschte, nur um dieser schweben⸗ den Qual enthoben zu werden. So zerknirscht er aber auch in der Einsamkeit des Gefängnisses war, so kampfgerüstet und fest erschien er jedesmal vor dem Richter; schon die Stimme desselben erweckte ihn zu Mut und Trotz, und bald zeigte sich, daß die ursächlichen Verbindungen zwischen allem Geschehenen nur ihm klar waren, den anderen zerfiel all zusammenhanglos. 1 Dies stellte sich besonders heraus, als der Amtsverweser die Fortführung der Untersuchung dem neu bestallten Richter übergab. Man hatte geglaubt, daß ein neuer, in Kriminal- sachen gewiegter Mann Diethelm verblüffen und verwirre würde; aber gerade das Gegenteil war eingetreten; de fremden Mann gegenüber, der ihn nie weich gesehen hatt fühlte sich Diethelm doppelt stark, und bei manchen Frage zeigte Diethelm sein Uebergewicht, indem er sagte: das hal ich im Protokoll von dem und dem Datum schon angeg seine Gewandtheit inn Kopfrechnen kam ihm jetzt in and Weise zustatten. Diethelm dachte an gar nichts mehr al Verhör, er wendete es nach allen Seiten, und wenn. wortete, sprudelte er die Worte so sicher her sie vor ihm geschrieben. N . und Pflanzen⸗ Aber wir beschränken uns unter den, 1 Beurlaubung von eingezogenen landwirtschaftlichen Arbeitskräften sehr weit g Verfügung gestellt, Das ist die einzige Gedächtnisehrung, die solcher Männer Und nötig hat das Volk Aber daran 1 ———————ä—ů— 5 101 ert wird. Hessen und Nachbargebiete. Gießen und umgebung. Ein lehrreicher Preisvergleich. Von jeher hat die Händlerpresse sich bemüht, die volks- wirtschaftliche Notwendigkeit des Zwischenhandels als Ver— mittler zwischen Hersteller und Verbraucher der Bedarfsgüter nachzuweisen, wobei sie aber immer die Erhaltung und Steigerung des dreimal heiligen Profits im Auge hatte. Ge— waltig zeterte sie immer, wenn Kundige behaupteten, ihre Wichtigtuerei stünde im umgekehrten Verhältnis zur wirt⸗ schaftlichen Bedeutung des Zwischenhandels. Das freie Spiel der Kräfte, die freie Konkurrenz, argumentierte sie stets, schaffe den gerechten Ausgleich für alle Verbraucher, sorge dafür, daß die Profitbäume der Händler nicht in den Himmel wachsen. Daß diese Konkurrenz nicht verbilligt, zeigt wieder schlagend ein Vergleich, den der Konsumverein Ludwigshafen(Rhein) mit den zwei größten Geschäften am Platz am 25. Juni angestellt hat. Bei der Konkurrenz II war der Verein mit 19 Artikeln billiger, mit vier Artikeln teurer und mit den übrigen sechs Artikeln gleichpreisig. Der Vergleich mit der Konkurrenz 1 ergab: der Konsumverein war in zehn Artikeln billiger, in acht gleichpreisig und nur in drei Artikeln teurer als diese Konkurrenz. Von 33 Ar— tikeln konnte Konkurrenz I nur 29 und Konkurrenz II nur 21 Artikel liefern. Das ist schon kein vertrauenerweckender Beweis besonderer Leistungsfähigkeit. Noch deutlicher zeigt nachstehende Tabelle die preisregulierende Wirkung des Konsumvereins, der allerdings nicht dem Profit, sondern zu— nächst den Interessen der organisierten Konsumenten und indirekt der Gesamtheit der Bevölkerung dient, bei welcher das Konsumenteninteresse überwiegt. Es kosteten: Preis breis Waren des ares der Konkurrenz II . 1 Würfelzucker 0,30 0,34 Zucker, Perl⸗ 0,28 0,31 Zucker, Kristall⸗ 0,28 0,30 Nudeln 0,75 0,85 Stärke 0,60 0,75 Schmierseife 0,38 0,5 Kernseife 0,60 0,65 Reis 0,64 0,85 Salatöl 2,20 2,80 Kondensierte Milch 0,60 0,65 Maisgrieß 0,40 0,46 Grünkern 0,60 0,72 7,63 9,13 Abzug von Rückver⸗ gütung und Rabatt 0,53 0,36 7,10 8,77 Nach Abzug des Rabatts des Großgeschäfts und der 7 Prozent Rückvergütung des Vereins ist dieser um 1,67 Mark billiger als die Konkurrenz, das macht rund 23,5 Prozent, d. h. jedes Mitglied spart bei Entnahme vorstehender haupt— sächlicher und jeden Tag benötigter Artikel aus dem Konsum— verein mit jeder Mark 23½ Pfg. Diese Ersparnis wirkt natür⸗— lich ganz anders, als wenn sie an selten und wenig gebrauchten Waren gemacht würde. Das wissen natürlich die Händler besser als das Publikum, wie man es macht, den Ruf der Billigkeit zu erwerben und doch reichlich auf seine Kosten zu kommen. Mit der anderen Konkurrenz konnten nur acht Ar— tikel obiger Gruppe verglichen werden, weil vier davon dort nicht zu haben waren. Das Ergebnis war, daß bei dieser Konkurrenz nach gleicher Methode die acht Artikel 3,55 Mark, im Konsumverein 3,13 Mark kosteten. Eine Differenz zu— gunsten des Konsumvereins von 42 Pfg. oder rund 12.5 Prozent. Da zeigt sich freilich, daß die Konsumvereine schäd— lich sind, aber— nur dem Profit der Händler. * Zur Sonntagsarbeit in den Bäckereien. Die Sonntags— ruhebestimmungen in den Bäckereien sahen vor dem Kriege fast ausnahmslos in allen Bundesstaaten eine 14stündige ununterbrochene Ruhezeit mit der Bestimmung vor, daß diese Ruhezeit frühestens um 12 Uhr nachts(von Samstag zum Sonntag), spätestens aber um 8 resp. 9 Uhr vormittags be⸗ ginnen mußte, sodaß die Arbeiter überall, wo sie mit der Arbeit Sonntag morgen um 8 Uhr fertig waren, erst um 10 Uhr abends wieder beschäftigt werden durften. Durch die Bundesratsverordnung vom 5. Januar 1915, wo nach 8 g alle Arbeiten, die zur Bereitung von Backwaren dienen, in der Zeit von abends 7 Uhr bis morgens 7 Uhr verboten wurden, hörte in den meisten Verwaltungsbezirken jede Sonntags⸗ arbeit infolge vorgenannten beiden gesetzlichen Bestimmungen in den Bäckereien an den Sonn- und Festtagen von selbst auf, da ja auch der Zweck der Bundesratsverordnung vom 5. 1. 15 die Streckung der Getreidevorräte durch Ein— schränkung des Genusses frischer Backwaren, insbesondere frischer Brötchen bezweckte, sodaß unter andern auch in den Regierungsbezirken Kassel und Wiesbaden an Sonntagen keine Arbeiter in Bäckereien beschäftigt werden. Eine Aus— nahme hierin machten die hessischen Behörden. Das hessische Ministerium des Innern ermächtigte die Kreisämter durch Verfügung vom 20. Januar, Ausnahmebestimmungen zu erlassen, nach welchen die Beschäftigung von Arbeitern zur Bereitung von Backwaren an allen Sonntagen von morgens 7 Uhr bis mittags 12 Uhr zugelassen ist. Die Kreisämter haben in allen Verwaltungsbezirken von dieser Verfügung Gebrauch gemacht und die Sonntagsarbeit zugelassen, sodaß heute der Ausnahmezustand für diese wirschaftlich ineinander— greifenden Gebiete besteht, daß in den preußischen Gebieten keine Sonntagsarbeit stattfinden darf, während in den hessi— schen Gebieten Sontagsarbeit zugelassen ist. Vom Zentral— verband der Bé⸗ker und Konditoren wurde bereits im April dieses Jahres eine Eingabe an das hessische Ministerium richtet, in der die Beseitigung der Sonntagsarbeit ge— Das Ministerium hat bisher dies Ersuchen ahnt mit der Begründung, daß für Hessen allein ein 0 Verbot nicht ohne schädliche Wirkungen geschehen müßte auf breiterer Basis fürs ganze Reich Das hessische Ministerium hat dabei nicht in gezogen, daß gegenwärtig nur für Hessen dieser Ausnahmezustand besteht und daß die Eingabe nde Beseitigung dieses Ausnahmezustandes fordert. Eine öffent— liche Protestversammlung der Bäckergehilfen von Offenbach und Umgegend nahm am 5. August d. J. eine Resolution an, in der abermals die Beseitigung dieses Ausnahmezustandes gefordert wurde. Nach dem Referate des Bezirksleiters Rumeleit wurde aus der Mitte der Versammlung vorge— schlagen, daß, wenn die hessischen Behörden diesem berechtigten Verlangen nicht Rechnung tragen, die Forderung durch die Organisation an die Arbeitgeber unterbreitet werden soll, da auch die Arbeitgeber kein großes Interesse an der Sonn- tagsarbeit haben können, denn die Backwaren dürfen doch im frischen Zustand nicht verkauft werden; es ist also ein Be— dürfnis der Sonntagsarbeit erwiesenermaßen nicht vorhanden. — Städtischer Kartoffelverkauf. Wir machen auf die heutige Bekanntmachung des Oberbürgermeisters aufmerk— isa, nach welcher am Dienstag, Donnerstag und Samstag, jedesmal vormitags von 8—12 Uhr, gute Frühkartoffeln ver— kauft werden. Das Pfund kostet 8 Pfg. und es werden Mengen bis zu 25 Pfund abgegeben. Der Verkauf geschieht im Hofe des städtischen Hospitals, Seltersweg 11. Allerlei Regierungsverordnungen. Das hessische Ministerium hat den Leitern der Schlachthöfe verboten, über die Zahl der Schlachtungen Mitteilung zu machen. Dadurch ist es fernerhin nicht möglich, Feststellungen bezüglich des Fleischkonsums zu machen. Aus welchen Gründen das merk— würdige Verbot erfolgt ist, bleibt Geheimnis der Regierung, deren Wege oft höchst wunderbar sind. Das Wohlbefinden der Bevölkerung steigt dadurch jedenfalls nicht. — Wahlverein Gießen. Wir werden ersucht, nochmals auf die heute abend 9 Uhr stattfindende regelmäßige Mit⸗ gliederversammlung aufmerksam zu machen. Es wird ein Vortrag über Gemeindesteuern vom Gen. Vetters gehalten. — Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Musketier Ludwig Volkmann aus Heuchelheim, Inf. Regt. 224.— Gefreiter Ludwig Sondermann aus Als⸗ feld, Garde-Inf.⸗Regt. Nr. 3.— Freiwilliger Johannes Steinbach aus Zell b. Alsfeld, Inf.-Regt. 222.— Mus⸗ ketier Ludwig Bill aus Naunheim b. Wetzlar, Inf.-Regt. Nr. 266.— Unteroffizier Jakob Kaps aus Aßlar, Landwehr Pionier⸗Komp. 21.— Gefreiter Karl Heinrich Fink aus Aßlar, Res.⸗Inf.⸗Regt. 46. — Ueber den Anspruch der Kriegsteilnehmer auf Krankengeld hat das sächsische Landesversicherungsamt eine grundsätzliche Ent— scheidung gefällt. Das Versicherungsamt hatte die Allgemeine Ortskrankenkasse für die Stadt Leipzig verpflichtet erachtet, dem Pionier Sch. Krankengeld vom 11. September 1914 ab bis auf die weitere Dauer seiner Erwerbsunfähigleit zu gewähren, höchstens aber auf 260 Wochen. Vor seiner Einberufung war Sch. ver⸗ sicherungspflichtiges Mitglied der Kasse; er hatte seine freiwillige Weiterversicherung erklärt. Sch. wurde am 8. tember am linken Unterarm verwundet; er wurde vom 9. Sep⸗ tember bis 3. November im Garnisonslazarett Riesa verpflegt und dann mit Schonung entlassen. Die Kasse legte gegen die Entscheid— ung des Versicherungsamtes Berufung ein. Sch. sei durch die Schußwverletzung in seinen wirtschaftlichen Verhältnissen nicht be— einträchtigt, weil Löhnung und Angehörigenuntersttstzung auch bei Dienstunfähigkeit fortbezahlt würden und bis zur Beendigung der Heilbehandlung Verpflegung auf Kosten der Militärverwaltung in den Lazaretten gewährt werde. Da das Krankengeld grund— sätzlich ein teilweiser Ersatz für entgangenen Arbeits verdienst sei, so könnten die im Kriege arbeitsunfähig gewordenen Sol— daten keine Geldrente fordern, weil die Einbuße des Verdienstes nicht durch Krankheit, sondern mit dem Eintritt in das Heer ent⸗ standen sei und auch die Arbeitsfähigkeit als Krieger nach§ 182 Absatz 2 der Reichsversicherungsordnung nicht versichert sei. Das Oberversicherungsamt verwarf die Berufung. Nach der Rechtsprechung und der Auffassung der maßgebenden Kommentare sei in dem Falle, daß die Mitgliedschaft des Krieasteilnehmers als Pflichtmitgliedschaft oder infolge freiwilliger Weiterversicherung fortbesteht, ein Anspruch an die Ortskrankenkasse selbstverständlich auch bei Krankheit oder Tod infolge einer Verwundung im Kriege gegeben. Denn der Anspruch auf Krankengeld setze nur Arbeits— unfähigkeit, nicht einen tatsächlich eingetretenen Erwerbsverlust voraus. Gleichfalls sei nicht erforderlich, daß einem Kranken tatsächlich ein Arbeitsverdienst entgeht. Es bleibe somit der An— spruch eines Kriegsteilnehmers auch dann erhalten, wenn der Ver— sicherte keine Möglichkeit des Erwerbes hat. Zur Herbeiführung einer grundsätzlichen Entscheidung legte die Kasse Revision ein. Es wurde Verletzung des§ 182 der Reichsversicherungsordnung ge— rügt und auf die Ausflihrungen von Spielhagen über die Arbeits- versicherung hingewiesen. Das Landesversicherungsamt hat das Rechtsmittel verworfen.§ 313 der Reichsversicherungs— ordnung habe auch auf den Kriegsfall Anwendung zu erleiden. Wenn jemand verwundet werde, auch im Auslande, also in Belgien, Frankreich usw., und er habe sich freiwillig weiterversichert, so sei er im Falle einer Verwundung fir die Dauer seiner Erwerbs unfähigkeit zum Bezuge von Krankengeld berechtigt. Es handle sich um die erste grundsätzliche Entscheidung dieser Art, eine gleiche Entscheid— ung des Reichsversicherungsamtes sei demnächst zu erwarten. Die Entscheidung ist von großer finanzieller Tragweite ffür die Krankenkassen. Freie Fahrt von beurlaußbten Soldaten. Sämtlichen Mann— schaften vom Feldwebel(Wachtmeister, Deckoffizier) abwärts wird nunmehr bei Beurlau bungen in die Heimat freie Eisenbahnfahrt auf Militärfahrscheine gewährt. Diese tragen zum Unterschied von Beurlaubungen zu Erntezwecken den Vermerk:„Heimats— urlaub“. Hat der Beurlaubte die Genehmigung erhalten Schnell— und Eilzüge benutzen zu können, so muß dies von der Militär⸗ behörde auf dem Militärfahrschein bemerkt sein. Sofern be— urlaubte Mannschaften bei der Hin- oder Rückreise in der Ueber⸗ gangszeit solche Militärfahrscheine noch nicht besitzen, sind ihnen seitens der Bahnhofskommandanten oder, wo solche nicht vor— handen sind, von den Fahrkartenausgaben der Heimatstationen der Beurlaubten Hilfsmilitärfahrscheine auszustellen, und zwar gesondert für die Hin- und Rückfahrt. Die von den heimischen Truppenteilen beurlaubten Mannschaften sind bei der Hinfahrt nur auf Grund der von den Truppenteilen ausgestellten Militär— sahrscheine zur Fahrt zuzulassen. Für die sog. Samstags-Sonn⸗ tag⸗Urlauber gilt die Freifahrt nicht. Briese müssen offen versandt werden. Seit Kriegsbeginn müssen bekanntlich alle Privatbriefe aus und nach Elsaß⸗ Lothringen offen zur Postbeförderung eingeliefert werden. In letzter Zeit ist indes von den Postanstalten in Lolhringen die Wahrnehmung gemacht worden, daß die Zahl der ireigerweise ver— schlossen gusgelieserten Privatbriefe erheblich zugenommen hat. Sest einigen Monaten werden die offen gufgelieferten Peivatbriefe nach erfolgter Priifung ihres Inhalts durch die militärischen Prilfungsstellen postseitig verschlossen. Hlerdurch ist anscheinend der Juytum erweckt worden, die Auflleferung verschlossener Privat⸗ briefe sei wieder gestattet. Die Postbohörde sieht sich daher veran⸗ laßt, darauf hinzuweisen, daß Privatortese aus und nach Elfaß— Lothrängen nach wie vor offen eingeliefert werden müssen. Sep- Se p — Städtischer Fleischverkauf. Zn Wiesbaden werd gegen bie Preistreiberei von seiten der Stadt energisch vorgegangen und jetzt auch frisches Fleisch zu erheblich billigeren Preisen verkauft, als es bel den Metzgern zu haben ist. Auf diese Art müßten sich die Städte überall zu wehren suchen. — Lollar. Bis jetzt sind aus unserem Orte bereits 21 Mann im Kriege gesallen und von weiteren 6, die vermißt sind, ist Sicheres nicht bekannt. Kreis Alsseld⸗Lauterbach. — Zuvicl Eiser. Beim Bekanntwerden des Falles von Warschau wurden die Glocken im Lande geläutet. In Burggemünden⸗ ging man dabei so kräftig zu Werke, daß eine locke zersprang. 1 Von Nah und Fern. Grausiges Familiendrama. In Gotha beging in der Nacht zum Samstag die Ehefrau bes Schlossers Pfeiffer einen Gatten⸗ und Kindes mord. Wegen jahrelanger Untreue ihres Mannes schoß sie diesen hei seiner späten Heimkehr nieder, bedeckte die Leiche mit einem Teppich und du rchschnitt darcuf ihren vier im Bette licgeuden Kindern den Hals. Als sich Mitbewohner des Hausos, die durch die Unruhe in der Pfeifferschen Wohnung ausmerksam gemacht wurden, Eingang ver⸗ schafsen wollten, schloß die Frau sich ein und versuchte, sich ebenfalls den Hals zu durchschneiden. Von den in das Krankenhaus ver⸗ brachten Kindern ist eins unterwegs gestorben. Zwei sind in Lebensgefahr, während das übrige und die Mutter leichter verletzt sind. 8 Telegramme. Tagesberichtedes Großen Hauptguartiers. Ein kleiner Fortschritt in Flandern. Am Narew der russische Widerstand gebrochen. W. B. Großes Hauptquartier, 7. Aug., vorm.(Amtlich) Westlicher Kriegsschauplatz. In Flandern wurden die Belgier durch die Wirkung unserer Artillerie gezwungen, ihre bei Heer nisse(südlich von Dixmusiden) über die Yser vorgeschobenene Stellung teilweise zu räumen. f Französische Handgranatenangrifse in der Gegend von Souchez wurden abgewiesen. Südlich von Leintrey löstlich von Luneville) wiesen unsere Vorposten einen Vorstoß des Gegners leicht ab. In den Gebirgskämpfen nördlich von Münst er kein be⸗ sonderes Ereignis. Oestlicher Kriegsschauplatz. Oestlich von Poniewiez gingen die Russen hinter die Jara zurück. Gegen die Westfront von Kowus wurden Fortschritte gemacht. Hierbei sind 500 Russen gefangen genommen und 2 Maschinengewehre erbeutet. Die Armeen der Generäle v. Scholz und v. Gallwitz haben nach heftigen Kämpfen den feindlichen Widerstand zwischen Lomsha und Bugmündung gebrochen. Das Gesamtergebnis bei den Kämpfen vom 4. bis 6. Aug. beträgt 85 Offiziere und mehr als 14 200 Mann Gefangene, 6 Geschütze, 8 Minenwerfer und 69 Maschinengewehre ge⸗ nommen. Den Eiuschließungstruppen von No wo-Georgiewsk, drangen von Norden her bis zum Nare w durch. Das Fort Dembe wurde genommen. Von Süden her ist die Weichsel bei Pienkow erreicht. In Warschau ist die Lage unverändert. Die Russen setzten die Beschießung der Stadt von dem östlichen Weichsel⸗ ufer aus fort. Unsere Luftschiffe belegten die Bahnhöfe von No wo⸗ Minsk und Siedlec mit Bomben. n te Südöstlicher Kriegsschauplatz. Bei und nördlich von Jwangorod ist die Lage unver- ändert. Zwischen Weichsel und Bug haben deutsche Truppen bei Ruskowola(südöstlich von Lubartow) die feind⸗ lichen Stellungen gestürmt und nordöstlich Lenzun den Austritt aus den dortigen Seeengen erzwungen. Oberste Heeresleitung. Jara liegt etwa 60 Kilometer von Poiiewicz von Notiz: 8 oliewich Ruskowola liegt 8 Kilometer südöstlich von Norden nach Süden. Lubartow. 8 Fortschreitende Einschließung von Nowo⸗ Georgiewsk. Siegreiches Vordringen in Südpolen. Westlicher Kriegsschauplatz. W. B. Großes Hauptquartier, 8. Aug., vorm.(Amtlich.) Französische Handgranatenangriffe bei Souchez und Gegeuangriffe gegen einen vorgestern dem Feinde entrissenen Graben in den Westargonneß wurden abgewiesen. Die Gefechte in den Vogesen nördlich von Münster lebten gestern nachmittag wieder auf. Die Nacht verlief dort aber ruhig. Oestlicher Kriegsschauplatz. Die deutsche Narew Gruppe näherte sich der Straße Lomza-Ostrow-Wyszkow. An den einzelnen Stellen leistet der Gegner hartnäckigen Widerstand. Südlich von Wyszkow ist der Bug erreicht. Serock an der Bug- mündung wurde besetzt. Vor Nowo Georgiewsk nahmen unsere Ein⸗ schließungstruppen die Befestigungen von Zegrze. Bei Warschau gewannen wir das östliche Weichselufer. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Vor dem Druck der Truppen des Generalobersten von Woyrsch weichen die Russen nach Osten. Zwischen Weichsel und Bug hat der linke Flügel der Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen den Feind nach Norden gegen den Wieprz- Fluß ge⸗ worfen, der rechte Flügel steht noch im Kampfe. d Oberste Heereßleitung. — ———— kunden konnte, welcher Art das Opfer war. ghesteht ein, Alliierten Der ö sterreichisch · ungarische Tages bericht Flucht der Russen über den Wieprz. 223 Ofsiziere, 6000 Mann gefangen. Zurückgeschlagene italienische Angriffe. Wien, 8. Aug.(W T. B. Nichtamtlich.) Amtlich wird ver⸗ lautbart: 8. August 1915, mittags. Russischer Kriegsschauplatz. 5 Die Armee des Erzherzogs Josef Ferdinand setzte gestern im Naume zwischen Weichsel und Wieprz den Angriff fort. Die unmittelbar westlich des Wieprz vorgehende Stoßgruppe warf den Feind aus mehreren Linien, nahm nachmittags Lubartow und drang gegen Norden bis zu dem Flußknie vor. Der geworfene Gegner flüchtete in Auflösung über den Wieprz. Auch südlich und südwestlich Miechow errangen unsere Truppen einen vollen Erfolg. Der Feind war hier, um unseren An⸗ griff zu parieren, zum Gegenstoß übergegangen, der bis zum Handgemenge führte, wurde aber in Front und Flanke gefaßt und über den Wieprz zurückgetrieben. Die Zahl der bei Lubartow und Miechow eingebrachten Gefangenen betrug bis gestern abend 23 Offiziere und 6000 Mann. Die Beute belief sich auf 2 Geschütze, 11 Maschinengewehre und zwei Munitionswagen. Bedroht durch unsere von Süden her siegreich gegen den Wirprz vorgehenden Truppen haben heute früh auch die noch im Weichselgelände nordwestlich Iwangorod verbliebenen russischen Korps den Rückzug gegen Nordosten angetreten. Oesterreichisch⸗ungarische und deutsche Kräfte verfolgen. Zwischen Wieprz und Bug wird weiter ge⸗ Kämpft. 5 In Ostgalizien ist die Lage unverändert. ö Italienischer Kriegsschauplatz Nach neuerlicher heftiger Artillerievorbereitung griff starke italienische Infanterie am Abend des 6. August den Plateaurand im Abschnitt Polazzo⸗Vermegliano an. Auch dieser Angriff wurde wie alle früheren, die sich gegen den Monte dei Sei Busi richteten, vollkommen zurückgeschlagen. Ansonsten war im Küstenlande, in Kärnten und in Tirol nur Ge⸗ schützkampf im Gange. Am 6. abends und in der Nacht zum 7. August brach italienische Infanterie mit zwei Batterien über die Forcellina di Montozzo, südwestlich Pejo, nach Tirol ein. Der von dieser Gruppe in den Morgenstunden des J. August versuchte Angriff wurde schon durch unser Artillerie⸗ und Infanteriefener vereitelt. Die Italiener gingen unter lebhaften„Evviva Italia“⸗ und„à basso Austria“⸗Rufen schleunigst urück. 9 Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. „ von Höfer, Feldmarschallentnant. 5 Ereignisse zur See. (Das am 5. d. Mts. früh durch eines unserer Unterseeboote ver⸗ senkte italienische Unterseeboot war„Nereide“, das am 26. Juni auf gleiche Weise vernichtete Torpedoboot ist „V. p. n.“. Am 29. Juli abends ist im Golfe von Triest ein Fahr⸗ eug auf eine unserer Minen gestoßen und in die Luft ge⸗ stürmischen Wetters er⸗ Nun hat sich mit voller Bestimmtheit ergeben, daß es das italienische Unter⸗ seeboot„Nantilus“ war, welches damals mit der ganzen Bemannung untergegangen ist. Schon früher sind das italienische Torpedoboot„VI. p. n.“ und das bereits gemeldete Torpedoboot„XVII. o. s.“ mit der ganzen Bemannung unseren Minen zum Opfer gefallen. logen, ohne daß man damals wegen Flottenkommando. Die Räumung von Kowno. T. U. Rotterdam, 8. August. Daily Mail meldet, daß die Russen auch Kowno räumen. Im Laufe der Woche verließ die ganze Bevölkerung die Stadt. Die Filiale der Reichs⸗ bank wurde nach Wilna verlegt. Dasselbe Blatt berichtet aus Petersburg, daß man dort die Räumung Rigas mit Ruhe erßßartet. Bevorstehende Räumung Wilnas? T. U. Basel, 8. Aug. Wie den Baseler Nachrichten ge⸗ meldet wird, sind die höheren Schulen von Wilna auf Ver⸗ fügung des Unterrichtsministers nach Petersburg verlegt worden. Nowoje Wremja meldet, Bjalystok liegt in der Ver⸗ teidigungszone. Ein Befehl des Großfürsten Nikolajewitsch warnt vor Verrätern, die das Vertrauen zur Heeresleitung er— schweren wollen. Englische und französische Presseäußerungen. Morning Post führt aus: Wir müssen der Nation sagen, daß die Lage ernst ist. Was immer auch gewerbsmäßige Schönfärber sagen mögen, sicher ist, daß Rußland Warschau nicht aufgegeben hätte, wenn es nicht die bittere Notwendigkeit dazu gedrängt hätte. Die größte Uunzingelung der deutschen Heere ist noch nicht vorüber. Die Bewegung ist höchst gefährlich und furchtbar. Alle Vorsicht und alle Geschicklichkeit des Großfürsten, sowie alle glänzende Standhaftigkeit der russischen Infanterie wird notwendig sein, um dem Netz zu entrinnen, das große Strategen, die das deutsche Heer führen, aufgestellt haben. Die Sache der Entente⸗ mächte steht jetzt auf des Messers Schneide. Wir stehen einer Lage gegenüber, wo die einzige Sicherheit darin liegt, das Aeußerste zu tun, wessen die Nation fähig ist. 8 K Eine von der übrigen französischen Presse durchaus a b⸗ weichen de Beurteilung findet die Einnahme War⸗ schaus in der Guerre Sociale durch Hervé, sowie durch den militärischen Berichterstatter des Gaulois, einen Ober st. Dieser daß die Nachricht von dem Einzug der Armee des Prinzen Leopold in die alte polnische Hauptstadt, obwohl man auf die drohende Gefahr seit Wochen vorbereitet gewesen ist, doch mit schmerzlicher Bewegung aufgenommen worden sei. Es wäre kindisch und einfältig, die Einnahme eitger so bedeutenden Stadt weiter als ein militärisches Ereignis zweiten Ranges be⸗ trachten zu wollen. Es könne nicht verfehlen, auf die Moral der deutichen und österreichischen Truppen einen ungeheuren Einfluß auszaüben, und die Bewohner der beiden germanischen Kafserreiche fönnten sich mit gutem Recht dieses tragischen Ereignisses freuen, das, wie man ohne weiteres zugeben müsse, für sie einen wahrhaften Erfolg bedeute Der Berichterstatter sieht im Falle Warschaus alierdings für Lie russische Armee keine unherebare Katastrophe. Kein Kredit für Rußland? Verweigerung der Uebernahme einer russischen Kriegsanleihe. T. U. Haag, 8. Aug. Londoner Banken haben die Ueber— nahme der russischen Kriegsanleihe in diesem Augenblick ab⸗ gelehnt und nehmen lediglich für etwa 100 Millionen Franken russische Schatzwechsel als Gegenwert für die Bezahlung der fällig gewordenen russischen Staatscoupons an. Die neue Offensive an den Dardanellen. Schwere englische Verluste. Konstantinopel, 8. Aug. Der seit einer vierzehntägigen relativen Ruhe verkündete große Offensivgeist der in den Dardanellen setzte vorgestern abend Gegner mit merklichen Iufankerte⸗ und Arkillerfe⸗ verstär kungen. Im erbitterten Kampfe brachten die Türken am füdlichen Flügel bei Sedd⸗ül⸗Bahr den Angriff der Engländer unter bedeutenden Verlusten für diese gestern zum Stillstand und vermochten sogar einige feindliche Gräben zu erobern. Vor den türkischen Stellungen lonnten 2000 englische Leichen gezählt werden. Außerdem nahmen die Türken 104 Engländer und 6 Offi⸗ ziere gefangen. Im Norden landeten die Alliierten in der Sula bucht, scheinbar in der Absicht, den Türken in den Rücken zu fallen. Die Engländer stießen dort auf eine uner⸗ wartete kräftige Gegenwehr. Der Kampf am Nordflügel dauert noch fort, er nimmt für die Türken einen günstigen Fortgang. Konstantinopel, 8. Aug.(W' T. B.) Zu dem im letzten amtlichen Bericht erwähnten Kampf bei Sedd⸗ül⸗ Bahr teilt das Große Hauptquartier ergänzend mit: Wir machten in diesem Kampf 60 Engländer zu Gefangenen, darunter einen Major und zwei Leutnants. Die Gefangenen sagten aus, daß von zwei Regimen⸗ tern, die an diesem Kampfe teilgenommen haben, 30 Sol- daten am Leben geblieben sind. Die türkisch⸗bulgarischen Verhandlungen. Budapest, 8. Aug. Nach einer Meldung der Frankf. Ztg. aus Sofia haben der bulgarische Bevollmächtigte in Kon⸗ stantinopel, Kolutschew, und die Vertreter der Pforte das Protokoll unterfertigt, das die Grundlage für die weiteren Einigungsverhandlungen bilden wird. Die bulgarische Regierung entsandte einen militäri⸗ schen Vertreter nach Konstantinopel, der bei der Grenzregu⸗ lierung als Sachverständiger fungieren wird. Der bulgarische Delegierte ist bereits nach Konstantinopel abgereist. Die Blockierung Bulgariens. Budapest, 8. August. Nach einer Bukarester Meldung des Az Est liegt aus Dedeagatsch die Mitteilung vor, daß die Flotte der Verbündeten in letzter Zeit die Blockade der bulgarischen Häfen noch enger geschlossen hat. In unmittel⸗ barer Nähe von Dedeagatsch kreuzen ständig englische und französische Kriegsschiffe und verhindern jeden Schiffsver⸗ kehr, um so Bulgarien zur See völlig zu isolieren. Ueberfall auf den italienischen Konsul in 5 Dedeagatsch. . Wien, 8. Aug. Die Neue Freie Presse erfährt aus Athen: Drei bulgarische Offiziere haben in Dedeagatsch den dortigen italienischen Konsul überfallen und blutig geschlagen. Der italienische Gesandte in Sofia verlangte strenge Be— strafung der Schuldigen. 5 Italien und die Türkei. 5 Paris, 8. Aug. Agence Havas berichtet aus Rom: Da die Türkei auf ihrer gewohnten Verzögerungspolitik ver⸗ harrt, hat Italien eine kategorische Forderung um Erklärungen und um Genugtuung an die Pforte gerichtet. Druck des Vierverbandes auf Serbien. Budapest, 8. Aug. Das serbische Preßbureau veröffentlichte nach dem Az Est am Freitag die Mitteilung, daß die Gesandten Rußlands, Englands, Italiens und Frankreichs bei Paschitsch im Interesse einer Ausgleichung der auf dem Balkan bestehenden Gegensätze vorsprachen und gleichzeitig den Standpunkt der Mächte darlegten. Die Demarche war freundschaftlicher Natur und ver⸗ folgte den Zweck, eine Vereinbarung unter den Balkanmächten zu erzielen. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M. Bekanntmachung. Mit Genehmigung der Aufsichtsbehörde erhält die Verordnung über den Verkehr mit Brot und Mehl in der Stadt Gießen vom 12. März 1915 folgenden Zusatz: § Za. Jedem über 14 Jahre alten Einwohner lohne Unterschied des Geschlochts) mit einem eigenen Arbeitseinkommen bis 2600 Mk., also landwirtschaftlichen und gewerblichen lindustriellen) Arbeitern, kleinen Landwirten(auch Selbstversorgern), Handwerkern, kleinen Beamten(Eisenbahn⸗, Straßenbahn⸗, Post⸗, Polizei⸗Bureaubeamten und dergl.) kann auf Antrag eine Zusatzbrotkarxte bei der vegelmäßi⸗ gen Brotkartenausgabe erteilt werden. Die Zusatzbrotkarte berech⸗ tigt zum Bezuge von wöchentlich höchstens 350 Gramm Mehl oder 500 Gramm Brot. Personen, die besonders schwere Berufsarbeit, insbesondere häufige Nachtarbeit verrichten, können Zusatzbrotkarten erhalten, auch wenn ihr Arbeitseinkommen 2600 Mark übersteigt. Gießen, den 27. Juli 1915. Der Oberbürgermeister: 2 r Verstorbene. Frau Helene Peil geb. Lennerz in Dutenhofen, 33 Jahre alt.— Frau Elise Roth geb. Jung in Laugsdorf, 50 Jahre alt. Bekanntmachung. Dienstag, Donnerstag und Samstag dieser Woche, jeweils vor⸗ nittogs n Uhr, werden aus den von der Stadt Gießen ein⸗ gekauften Beständen in dem Hofe des städtischen Hospitals, Selters⸗ weg 11, gute Frühkartoffeln in Mengen bis zu 25 Pfund zum Preis von d Pfennig pro Pfund verkauft. Gießen, den 8. August 1915. 9 Der Oberbürgermeister. J. V.: Grünewald. Wochenmarktpreise in Gießen am 8. August 1915 Butter per Pfd. 1.60—1.70 Mk.] Zwiebeln ver Pfund 20—25 Pfg. Milch 1 Liter 24 Pfg. Blumenkohl per Stck. 20—50 Pfg. Hühnereier Stück 14—15 Pfg.] Weißkraut p. Haupt 10—25 Pfg. Gänseeier Stück— Pfg.] Rotkraut p. Haupt 00—00 Pfg. Käse Stück 6—8 Pfg. Wirsing p. Haupt 10—25 Pfg. Käsematte 2 Stück 5—6 Pfg. Kohlrabi ver Stück 6—8 Pfg. Tauben per Paar 0.80— 1.20 Mk.] Gurken per Stück 10—25 Pfg. Stück 3—5 Pfg. Pfund 18 20 Pfg. per Kopf 8—10 Pfg. Kleine Gurken Bohnen Kopfsalat Hühner per Stück 1.20—2.00 Mk. Hähne ver Stück 1.50— 2.50 Mk. Ochsenfleisch per Pfd. 1. 20—1.24 Mk. Kalbfleisch ver Pfd. 108—112 Pfg. Gelbe Rübchen Päckchen 8—12 Pfg. Kuh⸗ u. Rindfl. per Pfd. 100-118 Pfg. Birnen Pfund 15—25 Pfg. Schweinefleisch Pfd. 140—150 Pfg.] Aepfel Pfund 15—20 Pfg. Hammelfleisch p. Pfd. 96—110 Pfg.] Falläpfel Pfund 4—5 Pfg. Kartoffeln p. Malter 00-00 Mk.] Pflaumen Pfund 1520 Pfg. Kartoffeln Pfd. 8—9 Pfg. Heidelbeeren Schoppen 20 Pfg. O SSceeeeeceeeceeee eee FErprobten Rat be Einmache⸗ zeit erhält jede Hausfrau durch folgende Bändchen der Lehrmeister⸗ Bibliothek: III Das Einmachen der Gemüse Se DSS 25 Abb. 40 Pf. 1343/4 Einmachen der Früchte 15 Abb. 20 Pf. 13] Marmeladen⸗ und Mus⸗ bereitung 15 Abb. 20 Pf.(41 Die Fruchtsaftbereitung im Haushalteund Kleinbetrieb 24 Abb. 20 Pf. 1345] Ernte, Aufbewahrung, Ver⸗ sand des Obstes sos. 40 Pf. 55/6 Wie und woran iin kann ich in der Küche sparen? Hümmer Das lehren die Bändchen: Billige Fleischersatz⸗Küche 20 Pf. a 1320] Billige Fischküche a0 pf. 350/11 Kaninchenfleischküche 917 chenfleisch 0 Vegetarisches Kochbuch e 20 Pf. 11871 Zu beziehen durch: Oberhessische Volkszeitung Gießen. Shedecceeeee eee SSS e sse e sees D Sc SSeceeseeeseseeeeeeeeeeeseeeeeee eee Alg. Deuscher Fraugpperein Ortsgruppe Gießen. Auskunftstelle Soeben erschienen! Neueste Kriegskarte!“ für Frauenberufe. Frauen und Mädchen erhalten unentgeltlich Rat und Aus⸗ kunft für alle Berufe im alten Rathaus, Marktplatz 14. Diens⸗ tags nachm. von 6/—7/ Uhr. Rechtsschutzstelle. Frauen und Mädchen erhalten unentgeltlich Nat und Auskunft in Rechtsangelegenheiten im alten Rathaus Marktplatz 14 Mittwoch nachmittags von 6¼ bis 8 Uhr. Feldpost. Schachen Von maßgebender militär. amtl. Stelle geprüft und genehmigt Jedermann daheim und unsere Truppen im Felde wollen wissen: Wie steht der Krieg! Die rascheste und zuverlässigste Auskunft darüber gibt die von maßgebender amtlicher militärischer Stelle geprüfte und genehmigte Kriegsoperationskarte als Feldpostbrief So steht der Krieg —— 5 Hat Jedermann in farbigen Karten, Texten und Bildern einen Rück⸗ u. Ausblick in überraschend anschau⸗ licher Weise über alle Kriegsschauplätze der Welt! am 6. August 1915 Für nur 40 Pfg. in jeder Größe zu beziehen durch die Buchhandlung Oberhess. Volksztg. ein. Die Angrife erfolgten auf beiden Flügeln durch die Bahnhofstraße 23. Nur zu haben: Aluchhandlung Oberhess. Volkszlg. Gießen. Bahnhofstraße 23. 3