1 . 9 1 Organ für die . uteressen des werktätigen Volles zeitung Die Oberhessische Volkszeitung erscheint jeden Werktag Abend in 1 Redaktion und Expedition der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Inserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg. monatlich Gießen, Bahnhofstraßße 23, Ecke Löwengasse. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr 60 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl4. 80 Mk. N 7. Telephon 2008. für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 182. HSGeießen, Freitag, den 6. August 1915 10. Jahrgang. 7 Im Beginn des zweiten Kriegsjahres. Von Richard Gädke. Die Ankündigung der Gesetzesvorlage in der Duma, durch die der Jahrgang 1916 10. Rane berufen werden soll, beweist mehr als jede andere Tatsache,. des riesigen Rußland sich zu erschöpfen beginnen. Ebenso wird man doch die Rede Sasonows deuten müssen, durch die sich bei aller Großspurigkeit wie ein roter Faden die Sehnsucht nach neuen Streitgenossen aus den Reihen der Neutralen hindurchzieht. 5 3 1 Der Erfatz der Verluste, der Aufbau neuer Heere ist eben kein einfaches Additionsexempel, bei dem man nichts als die Bevölker⸗ ungszahl zu kennen braucht, um danach die militärische Leistungs⸗ fähigkeit zu berechnen. Die ungewöhnlich hohen Verluste, die die Russen seit Beginn des Krieges erlitten haben, die sich in den brutalen Karpathenstürmen steigerten, und in den letzten drei Mo⸗ naten, seit Beginn der großen deutschen Offensive, in noch weiter wachsendem Maße die Kraft des Heeres schwächten, komplizieren die Frage der Neuschöpfung kampffähiger Heere. Aber diese Ver- luste selöst sind nicht allein durch besonders ungünstige Kampfes⸗ verhältnisse zu erklären: zehntausende von Gefangenen haben sich nicht aus bitterer Notwendigkeit ergeben, sondern weil sie den Krieg satt und übersatt hatten. Das läßt Schlüsse auf die mora⸗ lische Zersetzung des russischen Heeres zu; weder die pathetische Versicherung der Minister und der Abgeordneten, daß man den Krieg bis zum vollen Siege fortsetzen werde, kann darüber hin⸗ wegtäuschen, noch der scheinbar hartnäckige Widerstand, den die Heere des Großfürsten jetzt in Polen leisten. Man darf hierbei nicht vergessen, daß sie rein zahlenmäßig aller Wahrscheinlichkeit nach den verbündeten Streitkräften noch immer überlegen sind: unsere Siege werden von einer Minderzahl über eine größere Zahl gewonnen, einer Minderzahl allerdings, die besser mit Waffen ausgerüstet ist, besonders mit schweren Geschützen, die in Ausbildung und Moral überlegen ist und besser geführt wird. Die strategische Einkreisung des russischen Heeres östlich der Weichsel macht sich taktisch noch nicht fühlbar; für den Kampf selbst handelt es sich um reine Frontalangriffe, bei denen nur hier und da- einmal örtliche Umfassungen den Ausschlag geben. In allen Fällen aber ficht der Gegner keinen Entscheidungskampf durch, sondern zieht, an einer Stelle geworfen, seine ganze Linie in eine rückwärtige, vorbereitete Verteidigungsstellung zurück. Das ist die bekannte Rückzugstaktik der Russen, sie soll den Feind er⸗ müden und durch die immer wiederholten Verluste, die der An— griff unvermeidlich macht, seine Kraft schließlich brechen. Aber mit dieser Taktik kann man keine Siege erfechten, sie trägt den Keim des Mißerfolges in sich selbst Auch Napoleon hat nicht durch Kutusows Taktik, nicht durch diie strategische Impotenz dieses un⸗ fähigen Greises, seinen großen Feldzug von 1812 verloren, son— dern durch den Mangel an Lebensmitteln, die dadurch hervorge— rufenen Verluste seines Heeres und durch den ganz ungenügenden Schutz seiner Etappenlinien. All' das berührt uns diesmal nicht; allerdings wollen die Russen die Verwüstung des eigenen Landes diesmal wiederholen, aber die Zeiten sind andere geworden und die russische Erde besonders im Westen, fruchtbarer und volk⸗ reicher. Mitau ist„fast unversehrt“ in unsere Hände gefallen, so war es bisher fast überall in Kurland, in Litauen, in Polen. Der Befehl des Zaren reicht heutzutage nicht mehr aus, den Fanatis⸗ mus der Selbstvernichtung zu entfachen; die Bevölkerung— und wieder besonders die im Westen— sucht sich dem Zwange mit allen Mitteln zu entziehen. 5 3 Die Gegner meinen, daß die weiten Räume des großen Reiches uns schließlich verderblich werden müßten; sie stecken noch tief in der Strategie des 18. Jahrhunderts, von der selbst ein Na⸗ poleon sich nicht völlig freigemacht hatte. Wir wollen nicht die Erde erobern, unser Ziel ist das feindliche Heer, und 05 9 Das andere fällt als reife Frucht in den Schoß des Siegers. Wer unseren Feldzug in Polen aufmerksam verfolgt, sieht un⸗ schwer, wie er von dieser Auffassung des Krieges getragen wird. Wir haben unsere Siege am Dunajec, an der Wisloka und dem Wislok, am San, an der Grodeker Linie und am Dinestr nach Osten hin nicht weiter verfolgt, als bis Lemberg genügend ge⸗ sichert war. Dann haben wir die weiten und fruchtbaren Länder des südlichen Rußlands nicht aufgesucht, sondern am Bug und an der Zlota⸗Lipa halt gemacht. Es galt uns nun, die feindliche Hauptmacht in Polen möglichst entscheidend zu schlagen. Mackensens Heere schwenkten plötzlich nach Norden ab, und gegen den Narew drangen vom 14. Juli an Hindenburgs neugebildete Heere in südlicher Richtung vor, der eine Jäger, der andere Treiber, in abwechselnder Uebernahme dieser Rollen, um das Wild im Kessel zwischen Weichsel und Pripfetsumpf zu stellen; von Westen her aber drangen unsere Truppen über die Weichsel hin⸗ über, nach Angabe der Russen vier Armeekorps stark. Die Feinde und auch manche Deutsche meinen, dieser ganze Feldzug ginge gegen Warscha u. Nein doch, erneut sei es ge⸗ jagt: nicht gegen Warschau, sondern gegen des Großfürsten Heere, die wir entscheidend schlagen wollen. Warschau intexessiert uns nur als befestigter Uebergang über die Weichsel, als Knotenpunkt von Eisenbahnen, d. h. als Mittelpunkt leistungsfähiger Nachschub⸗ linien und solange darin starke russische Truppenmassen stecken. Nattirlich ist es andererseits ganz verkehrt, wenn alle unsere Gegner in trautem Verein den Verlust von Warschau als für sie gänzlich bedeutungslos hinstellen. Sind die Russen aus Polen hinweggefegt, dann ist der Besitz der befestigten Weichsellinie, der ebenfalls befestigten Narewlinie, und wenn das Glück uns lächelt, auch des besestigten Niemenabschnittes, mit den Festungen Kowno, Olita, Grodno natürlich sehr wertvoll für uns. In ihre Gesamt⸗ heit legen sich diese drei Abschnitte dann wie ein starker Panzer um unsere Ostfront, hinter dem der Bauex ruhig seinen Acker be⸗ stellen, der Gewerbetreibende seinen Geschäften nachgehen mag. Sie bilden die feste Grundlage neuer Operationen daß auch die Menschenmassen“ * 7 4 Aber das sind Ausblicke, die hinter der Notwendigkeit völlig zurücktreten, zunächst das starke und kampffähige Feldheer des Gegners möglichst gründlich aus dem Felde zu schlagen. So r 5 5 Die Ereignisse der letzten Tage haben uns manchen Schritt dem Endziele näher gebracht. Wer die Berichte der Hauptquartiere üfmerksam und an der Hand der Karte gelesen hat, weiß, daß ei eitlang die Westflügel unserer Fronten, sowohl die des Ssidheeres, wie die des Nordheeres, weiter vorgedrungen waren, als die östlichen, dem russischen Hinterlande zugekehrten. Das er⸗ öffnete dem Gegner noch eine Möglichkeit, ohne allzu große Ver⸗ luste seine Streitermassen südlich und nördlich der Pripjetsümpfe 1175 S0 N Osten hin in Sicherheit zu bringen. Er hat diese Gelegenheit t benutzt oder nicht benutzen wollen, weil er vielleicht noch immer an den Sieg in der großen Schlacht zwischen Bug, Narew, Weichsel glaubt. Nach den letzten Nachrichten nun haben sich unsere eigenen Fronten mehr ausgeglichen, Mackensens rechter Flügel insbe— sondere hat große Fortschritte gemacht, die Stadt Cholm bereits überschritten und auf der Verfolgung sich der Linie Zalin— Lenezuna genähert. Gleichzeitig ist die Armee Boehm-Ermolli, der die Sicherung der äußeren Flanke zufällt, siegreich über den Bug auf Wladimir⸗Wolynskif vorgedrungen. Somit ist dem russischen Heere in Polen der Abmarsch südlich der Pripjetsümpfe bereits verloxen gegangen, ihre Rückzugsstraße führt nunmehr nur noch nördlich gegen die Linie Moskau⸗Petersburg. Aber auch Hindenburgs Ostflügel, der ganz besonders hart⸗ näckigem Widerstand begegnete, ist nunmehr an den Narew bei emen es scheint, als ob gegen die Armeen Gallwitz und Scholz alles an Truppen vorgeführt worden ist, was die Russen aus dem Raume westlich der Weichsel zurückgezogen haben So kam es hier zu allgemeinen Gegenangriffen, die zwar zu keinem Erfolg führten, aber den Vormarsch der Deutschen auf⸗ E Mit dem Augenblicke, wo für sie der Weg über Lomza und Ossowiec frei wird, ist auch der nördliche Rückzug der Russen bereits gefährdet, dem außerdem noch weiter im Norden ein an— derer Feind droht, die Armee v. Below. Hier ist— vielleicht zum ersten Male in diesem Kriege— die äußerste Flanke unseres Gegners erreicht und beinahe umfaßt. Man muß sich natürlich immer vor Augen halten, daß auch der glänzendste strategische Plan seine Sanktion immer erst durch den taktischen Erfolg erhält Wenn man sich vergogenwärtigt, daß Generaloberst v. Woyrsch bereits östlich der Weichsel Raum gewonnen hat und die Südfront der Russen im Rücken bedroht, dann darf man die Frage aufrollen, ob jene noch ianstande sein werden, sich dieser Lage zu entziehen ohne Opfer, die das Maß dessen, woran sie bereits gewöhnt sind, noch ganz erheblich übersteigen. Allerdings ist noch die Festung Iwanmgo⸗ rod zwischen den Truppen des Generaoberst v. Woyrsch und der russischen Südfront, aber die Entfernung betrug am 1. August in der Luftlinie kaum mehr als 35 Kilometer. Wenn der russische Feldherr die Weichselfestungen aufgibt, so verstärkt er sein Feldheer um etwa 100 000 Mann;: aber aus der sehr ungünstigen Lage, in der es sich befindet, kann er es überhaupt nur noch durch einen allgemeinen siegreie Angriff nach Norden wie nach Süden befreien. Die bisherigen Kampfesergebnisse werden ihm dazu kein Vertrauen einflößen: es wäre das erstemal in der Kriegs⸗ geschichte, daß ein Heer in solcher Lage noch gesiegt hätte. Die Auf— gabe des Weichselfestungen bedeutet andererseits die Preisgabe des Schutzes, den seine westlichen Flanken immer noch besaßen; sie ver⸗ kündet daher die Absicht seines Abzuges in nordöstlicher Richtung und zugleich das Zugeständnis, daß er in irgendwie absehbarer Zeit zu einem Gegenstoße nicht mehr in der Lage ist. Entscheidungen von solcher Größe veifen nur langsam und nicht inn Renntempo, aber wir dürfen dem Ausgang dieses gewaltigen Ringens, das alles übersteigt, was Menschen je gesehen, mit Zuver⸗ sicht entgegenblicken. 0 Die Ergebnisse auf allen anderen Kriegsschau⸗ plätzen verstärken dies Vertrauen; denn sie liefern den Beweis, daß wir unsere Aufgabe im Osten ungestört werden vollenden kön⸗ nen. Auf dem west lichen Kriegsschauplatz ist die Vorhand zur Zeit eher bei uns als bei unseren Gegnern, wenn es sich auch immer nur um örtliche Erfolge handelt. Im Süd westen behaupten die 0 1 Oesterreicher gegen alle Angriffe der Italiener ihre Schlachtfront am Isonzo, und es verschlägt garnichts, wenn Cadornds Truppen hier und da einige Fortschritte gemacht haben sollten; solange der Brlickenkopf von Görz und das Plateau von Doberdo, solange Plava und die Gegend des Krn in den Händen der Oesterreicher sind, hat der italienische Feldherr trotz aller Opfer nichts gewonnen. Und das gleiche gilt von den Dardanellen, wo der französisch⸗eng⸗ lische Mißersolg immer offenbarer wird, und vom Kaukasus, wo die Türken neuerdings wieder zum Angriff übergegangen sind. Unsere Gegner rechnen überhaupt nur noch auf die Zeit und auf die Erschöpfung unserer Hilfsmittel, eine Hoff⸗ nung, die sie freilich bereits ein Jahr lang getäuscht hat. Möglich immerhin, daß sie es ein zweites Jahr hindurch versuchen wollen. * 1 * Eine scharfe Absage an Rumänien. In der Deutschen Tageszeitung veröffentlicht der be— kannte Schriftsteller Graf Reventlow unter der Ueber⸗ schrift:„Der sinkende Kurs Rumäniens“ einen Artikel, der sich in ungewöhnlich schroffer Form gegen die bisherige Politik der rumänischen Regierung wendet. Nach⸗ dem kurz registriert worden, daß die Meldung über die Zu⸗ lassung der Getreideeinfuhr falsch war, daß ca. 170 000 Waggons Getreide zum Export bereit stehen, und Landwirte wie Kaufleute in Rumänien immer dringender die Aufhebung des Ausfuhrverbots fordern, heißt es in dem Artikel weiter: arschau in deutlchem Belitz. „Wenn man auf die Entwicklung der rumäuischen Frage und Fragen während des letzten Jahres zurückblickt, und zwar vom Standpunkte des Deutschen Reiches und seiner Verbündeten und ihrer Interessen, so stellt sich heraus, daß die Bedeutung Rumã⸗ niens eine immer geringere geworden ist. Zuerst hoffte man, Ru⸗ mänien würde seinen Bündnisverpflichtungen nachkommen oder deren Erfüllung mindestens durch eine gerechte und wohlwollende Neutralität anbahnen. Das wäre in der ersten Periode des Krieges von starker Wirkung auf die Balkanlage, auf den Krieg gegen Rußland und im besonderen auch auf die Haltung Italiens gewesen. Das Gegenteil trat ein: die Neutralität Rumäniens wurde dauernd übelwollend und die Tendenz, an der Seite unserer Feinde in den Kampf einzutreten, wuchs Das die e Krie gegenkommens hin, als Rum . auch diese Zeiten sind vorbei. Die Schlußfolgerungen aus diesen Betrachtungen zu ziehen, ist im Augenblicke nicht nötig. Ob die Rumänen das tun, interessiert uns um so weniger, als jene freund⸗ schaftlichen, durch Ueberlieferung und deutscherseits durch festes Vertrauen geheiligten Beziehungen zu Rumänien kaum 5 vorhanden betrachtet werden können.“ Der„Avanti“ verteidigt Deutschland. In einem Leitartikel, welcher die jüngsten Kundgebungen von Staatsoberhäuptern und Regierungschefs kommentiert, läßt, wie die Frankf. Ztg. berichtet, der Avanti als einziges italienisches Organ dem deutschen Standpunkt Ge⸗ rechtigkeit widerfahren mit der Feststellung, daß Deutsch⸗ land heute mit Recht behaupte, einen Verteidigungs⸗ krieg zu führen. es Recht verliehen ihm seine leiden⸗ schaftlichen Hasser, von Aoyd George bis zu Sasonow, von den französischen Monarchisten bis zur Humanitcé, welche alle die Absicht äußerten, Deutschland zu demütigen, zu zerreißen und wirtschaftlich wie politisch zu vernichten. Deutschland könne auch Liebknechts Vorwurf zurückweisen, es habe einen Präventivkrieg angezettelt, mit dem Nachweise, daß dieser berechtigt und notwendig gewesen sei gegenüber der Gefahr, später unter ungünstigeren Umständen von den Feinden zum Kriege gezwungen zu werden. Weiter könne Deutschland darauf hinweisen, seit 40 Jahren trotz zahlreicher Gelegenheiten niemals einen Krieg, abgesehen von dem Kleinkampf in Südwestafrika, geführt zu haben. während andere Mächte in und außerhalb Europas Krieg führten. . D. Amerikas Kriegsgewinne. Das Statistische Amt der Vereinigten Staaten veröffent⸗ licht eine Zusammenstellung der amerikanischen Ausfuhr⸗ ziffern für die ersten neun Kriegsmonate, d. h. vom 1. August 1914 bis Ende April 1915. Die amerikanische Ausfuhr nach Europa ist danach auf die ungeheure Ziffer von 4½ Milliarden Mark gestiegen. Im gleichen Zeitraum des Jahres vorher bezifferte sich die amerikanische Ausfuhr nach Europa auf 358 Millionen Dollar, d. ß etwa 1½ Milliarde Mark, also eine Steigerung von 3 Milliarden Mark. Nachstehend einige der im wesentlichsten an der Ausfuhr beteiligten Positionen: Vor dem Kriegsjahr Im Kriegsjahr Dollar Dollar Munition 193 479 000 331 504 000 Lebensmittel 260 186 000 657 402 000 Pferde 3 000 000 48 000 000 Maultiere 614 935 7 478 000 Schlachtvieh 327 702 15 799 867 Kleidung 8 790 000 25 000 000 Lastautomobile 1000 000 24 000 000 Flugfahrtzeuge 194 000 874 773 Dynamit 1415 000 740 000 Die Tabelle weist durchgängig ganz ungeheure Steige— rungen auf mit alleiniger Ausnahme des Dynamits, dessen Ausfuhr in der Kriegszeit einen Rückgang erfuhr. Der amt- liche Bericht schließt mit den Worten: Nachdem Italien in den Krieg eingegriffen hat, wird voraussichtlich die Ausfuhr Amerikas nach Europa noch steigen. Ja, damals Eine sehr interessante Feststellung kommt eben auf dem Umweg über die englische Presse nach Deutschland. Es sind durch den La⸗ bour Leader einige englische Preßstimmen aus dem Jahre 1887 aus⸗ gegraben worden, aus jener Zeit, als der Schnäbele⸗Konflikt zum Kriege zwischen Deutschland und Frankreich zu führen drohte und die Frage des Durchmarsches deutscher oder französischer Trup⸗ pen durch Belgien die Gemüter auf das lebhafteste beschäftigte. Damals war in England die Torypartei am Ruder und ihr führendes Organ nahm in dieser Angelegenheit, wie man zugeben muß, eine höchst ruhige und kühle Haltung ein. Im Standard vom 4. Februar 1887 z. B., dessen Leiter der Busenfreund des konser⸗ vativen Führers Lord Salisbury war, wird ganz einfach erklärt, daß ein bloßes Durchzugs recht durch Belgien etwas andres sei als dauernde und rechtswidrige Besetzung seines Territoriums; für England könne es nicht schwer sein von Bismarck weitgehende und genügende Sicherheiten für die Integrität des belgi⸗ schen Gebietes nach dem Kriege zu erhalten. Nichts andres als ein bloßes Durchzugs vecht hat die deutsche Re⸗ gierung bekanntlich vor einem Jahre von der belgischen verlangt, und sie hat auch weitgehende und genügende Sicherheiten für die In⸗ tegrität des belgischen Gebietes nach dem Kriege gegeben! Ein ähnliches Zitat wie aus dem Standard wird aus dem Spectator wiedergegeben und auch die liberale Seite kommt zu Wort, in dem die Pall Mall Gazette mit dem bekannten inzwischen verstorbenen Publizisten Stead zitiert wird. Alle diese Artikel sehen in einem Durchzug durch Belgien eine militärische Notwen⸗ digkeit sowohl für Deutschland als auch für Frankreich, de alle natstrlichen Zugangsstraßen zwischen diesen Ländern so gesperrt seien, ditß sie für schnelle militärische Entschc dungen nicht benutzbar seien. Kein englisches Blatt sah in cinem solchen Fall in dem Ver⸗ halten Frankreichs oder Deutschlands eine Verletzung der nationalen Ehre Belgiens und die Notwendigkeit des englischen Einschreitens gegen das betreffende Land. Wir geben diese Preßäußerungen wieder, nicht um ihnen zu⸗ zustimmen oder sie abzulehnen, sondern um sie einfach als Beweis dafür anzuführen, daß diejenigen englischen Politiker, die sich jetzt nicht genug moralisch und politisch entrüsten können über das Ver⸗ halten Deutschlands, zu andrer Zeit, wo sie zu Deutschland in einem andern Verhältnis gestanden haben, ganz anders über die gleiche Sache dachten.— Deutsche Methode. Man entsinnt sich, wie die französische Presse und in ihrer treuen Gefolgschaft die englische über den deutschen„Kartoffel⸗ brotgeist“ gespottet haben, wie sie dann von keinem Geringeren als Lloyd George deshalb gerüffelt wurden und wie Lloyd George diesen Kartoffelbrotgeist geradezu als die größte Ge⸗ fahr hinstellte, die der Entente von Deutschland drohe. Die englisch⸗französische Presse hatte sich nämlich in Ueberhebung darüber lustig gemacht, daß Deutschland nun durch den Ab⸗ schluß vom Weltmarkt gezwungen sei, Kartoffelbrot zu essen, statt so schönes Weizenbrot, wie es die Franzosen und Eng⸗ länder jeden Tag auf ihrem Frühstückstisch bekommen könnten. Inzwischen haben sich die Verhältnisse etwas geändert. Die Deutschen haben ihre Ernte kontingentiert, haben die Ver⸗ teilung organisiert und die Brotkarte ist heute eine deutsche Selbstverständlichkeit. Andererseits ist die Wirkung des Welt⸗ marktes für Frankreich und England infolge der Tätigkeit der deutschen U-Boote verringert worden und die Sorge um die eigene Ernährung wächst. In dieser Sorge erinnert man sich nun des deutschen Beispiels und anstatt darüber noch zu spotten, macht man es nach. Im Matin schlägt nämlich der Berichterstatter des Budgetausschusses der Kammer in vor— sichtiger Weise für das kommende Jahr die Streckung des ßfranzösischen Brotes in der Weise vor, daß bis zu 10 Prozent Reis und Gerstenmehl der Brotmischung zugesetzt werden soll: hierdurch würden 500 Millionen Francs, die für Weizen ins Ausland gehen, dem Lande erhalten bleiben. So sind die deutschen Barbaren wieder einmal ein Vorbild für Frankreich. Der Kaiser und der Reichstag. Der Reichstagspräsident Dr. Kämpf ist zum Wirklichen Geheimrat mit dem Prädikat Erzellenz ernannt worden. Der Reichskanzler hat persönlich ihm in seiner Wohnung die Ernennung gebracht. Vorher wurde der neuen Exzellenz auch das Eiserne Kreuz verliehen. Die Ehrungen des Reichstags⸗ präsidenten gelten ofsenbar weniger der Person des Herrn Kämpf, als vielmehr dem Reichstage, als dessen Vertreter der vom Kaiser also Ausgezeichnete anzusehen ist. Bevorstehender Fall von Iwangorod. T. U. London, 5. Aug.(Privatmeldung.) Petersburger Meldungen der Daily News zufolge rechnet man in dortigen Militärkreisen stündlich mit dem Fall von Iwangorod. Das Blatt behauptet, daß den Deutschen nach der Einnahme der Festung keine oder nur sehr geringe Kriegsbeute in die Hände fallen würde. Seit vier Tagen bereits hat der Abtransport des dort aufgestapelten Kriegsmaterials begonnen. Eine Depesche des Daily Telegraph schildert die Tätig⸗ keit der deutschen Flieger, die täglich im Rücken der russischen d Stellungen erscheinen und durch Bombenabwürfe versuchen, die zu den Truppenbewegungen notwendigen Kunstbauten usw. zu zerstören. i Die Times melden das unerwartete Auftauchen sehr starker deutscher Kavalleriemassen nordöstlich von Mitau. Dicht vor Warschau! Wie das Berliner Tageblatt und der Berliner Lokal- anzeiger erklären, sind die Kriegsberichterstatter der Blätter bereits bis an die Blonie⸗Stellung gelaugt und befinden sich nur noch 12 Kilometer vor Warschau. Auf den Wegen flüchtet die Bevölkerung mit der letzten Habe und einigem Vieh. Man hört das Donnern der schweren Geschütze und sieht vor sich brennende Dörfer und verwüstete Felder. Die Räumung Kownos. Der Vossischen Zeitung geht auf indirektem Wege aus Petersburg die Nachricht zu, daß die Vorbereitungen zur Räumung Kownos begonnen haben. Die Regierung ist nach Nowo-⸗Alexandrowo verlegt worden. Die Staatsbank über⸗ siedelt nach Wilna. Der Kommandant der Festung Reval befahl der Bevölkerung, innerhalb kurzer Frist die Quantitäten der vorhandenen Nahrungsmittel anzugeben. Die Anwesenheit selbst verbündeter Ausländer im Festungs⸗ rayon ist verboten.— Die Nowoje Wremja bringt neuerlich einen scharfen Artikel gegen das angeblich zu zage Vorgehen der russischen Verbündeten im Westen. Nussische Korruption. T. U. Wien, 5. August. Wie der Kurjer Kozsienski erfährt, wurden in der Festung Nowo-Georgiewsk große Veruntreu⸗ ungen entdeckt. Eine dort unerwartet aus Petersburg er⸗ scheinende Militärkommission nahm eine Durchsuchung der Lebens⸗ mittelmagazine und Arsenale vor; dabei wurden bedeutende Ab⸗ gänge aufgedeckt. Infolge einer Belagerung hätte die Festung keine sechs Wochen mit den Lebensmitteln gereicht. Während der Anwesenheit der Kommission brach plötzlich Feuer aus. Ein Unteroffizier wurde unter dem Verdacht, den Brand angelegt zu haben, verhaftet. Er gab später zu, daß er das Feuer auf Befehl des Intendanturobersten Ulowiez gelegt habe. Oberst Ulowicz wurde standrechtlich erschossen. Die weitere Untersuchung ergab, daß Oberst Ulowicz mit den Lieferanten unter einer Decke gesteckt habe. Letztere wurden ebenfalls zum Tode verurteilt. Man glaubt, daß Ulowicz auch mit dem in deutscher Gefangenschaft befindlichen Baron Korff nähere Be⸗ ziehungen unterhalten hat. 0 Französisches Kriegsmaterial für Rußland. Haag, 5. Aug. Auf dringenden Wunsch Rußlands ent⸗ senden die Verbündeten mehrere große Transportschiffe mit Creuzotkanonen, Munition und Gewehren nach Archangelsk. Der größte Teil des belgischen Artillerieparkes soll auf dem gleichen Wege nach Rußland befördert werden. Burzew bleibt in der Verbannung. T. U. Kopenhagen, 5. August. Wie Rjetsch meldet, Burzew dieser Tage von seinem jetzigen Verbannungsort Mo⸗ mastiekje in Turuchan nach Angara überführt werden, was eine Verschlimmerung seiner Lage bedeutet hätte. Enutsprechend dem Gesuch des sozialistischen Dumamitgliedes Kirienski gestattete der Minister des Innern auf Fürbitte des Reichsdumapräsidenten vorläufig ein weiteres Verbleiben Burzemws in Monastiekje. Die deutsche Weinernte. Nach einer Meldung des Berliner Lokalanzeigers sind die Aussichten für die Weinernte in Baden, Württemberg und Rhein⸗ land sehr günstig. Der diesjährige Wein sei in Güte und Menge dem der drei letzten Jahre weit überlegen. Man rechne im Durch⸗ schnitt mit einer Dreiviertel-Ernte, vereinzelt sogar mit einer sollte Vollernte. Krlegsnolizen. Wie die B. Z. erfährt, Offiziere und 33 türkische Soldaten, die in den Kämpfen der 0 türkischen Armee verwundet wurden, nach Deutschland geß⸗ deutschen Badeorten Genesung zu bracht werden, um in den sollen später andere finden. Diesem Verwundetentransport Transporte folgen. Der Generalstab des russischen Generalissimus meldet: In der Ostsee versenkte ein englisches Unterseeboot einen. 1 5 0 Transporkdampfer. Wie von deutscher zustän⸗ diger Stelle hierzu gemeldet wird, handelt es sich um einen von er Marine vorübergehend in Gebrauch genommenen Dampfer. 8„ Industrielle und Handel treibende Kreise in Turin wenden sich an alle gleichartigen Organisationen des Landes mit der Auf⸗ forderung gegen die Verlängerung des e riums zu protestieren, welches den Kredit von Handel und Industrie, sowie das ganze Land schädige. Parteinachrichten. Zum Meinungsstreit in der Partei. g a Der Vorstand der Parteiorganisation des 7. schleswig⸗ holsteinischen Reichstagswahlkreises, dem außer dem Ortsverein Groß⸗Kiel noch 19 Ortsvereine angehören, hat eine Probe aufs Exempel veranstaltet, wie die Stel⸗ lungnahme der Mitglieder zu den gegenwärtigen Partei⸗ differenzen ist. Zu diesem Zweck fanden in der Zeit vom 17. Juli bis 1. August in allen Ortsvereinen mit Ausnahme eines einzigen Verfammlungen statt. Eine vom Vorstand vorgelegte Resolution wurde in 13 Ortsvereinen einstimmig angenommen, in 5 Orts⸗ vereinen stimmten 172 Mitglieder dafür und 2 dagegen 21 enthielten sich der Abstimmung. In Groß⸗Kiel stimmten etwa 700 dafür und etwa 60 dagegen. Im großen und ganzen waren die Versammlun⸗ gen gut, teilweise fehr gut besucht. In verschiedenen Orten sehlten nur wenige von den noch vorhandenen Mitgliedern In den Resolntion wurde die Haltung des Parteivor⸗ standes und der Reichstagsfraktion gebilligt. ihnen das Zeugnis ausgestellt, daß sie im Interesse der Sicherstellung der Volksernährung und der Herbeiführung des Friedens alles getan haben, was sie tun konnten. Das Vorgehen einzelner Parteigenossen in führender Stellung wird als parteischädigend und unseren Grundsätzen widersprechend bezeichnet. Das Treiben der Opposition bedeute eine systematische Untergrabung der so bitter notwendigen Parteieinheit und eine schwere Schädigung der politischen und wirtschaftlichen Interessen der deut⸗ schen Arbeiterklasse. Es wird weiter in der Resolution die Er⸗ wartung ausgesprochen, daß Parteivorstand und Reichstagsfrak⸗ tion unerschütterlich auf dem bisherigen Standpunkt be⸗ harren, damit wirkliche Garantien für einen baldigen und dauernden Frieden geschaffen werden können, der die politische und wirtschaftliche Selbständigkeit des deutschen Volkes aus reichend sicherstellt und der Arbeiterklasse die Aussicht bietet für freiere Ge⸗ staltung ihrer politischen Rechte mit gesteigerter wirtschaftlicher Un⸗ abhängigkeit. 5 Wahlkreise Elberfeld⸗ Barmen hatte der Vorstand 15 des sozialdemokratischen Vereins Elberseld⸗Barmen die Funktionäre und Funktionärinnen der Partei für Sonntag, den 1. August zu einer Sitzung zusammengerufen. Annähernd 200 Genossen und Ge⸗ nossinnen waren erschienen. Der Abg. des Kreises, Gen. Ebert, referierte über das Thema:„Die Haltung der Partei zum Kriege“, Gen. Redakteur Niebuhr⸗Elberfeld hatte das Korreferat. Die Sitzung begann nachmittags 2 Uhr und endigte— von einer kleinen Pause unterbrochen— abends 9 Uhr. Die den beiden Referenten. folgende Aussprache war außerordentlich rege und wurde schließlich durch einen Schlußantrag beendet. Folgende Resolution wurde mit 72 gegen 18 Stimmen angenommen: „Die anwesonden Funktionäre und Funktionärinnen des sozialdemokratischen Vereins Elberfeld⸗Barmen erklären sich mit der Haltung des Parteivorstandes und der Reichstagsfraktion ein⸗ verstanden und sind der Ueberzeugung, daß auch fernerhim der Parteivorstand alles tun wird, was nach Lage der Dinge geeignet erscheint, den Frieden und die internationale Verständigung der Arbeiterklasse zu ermöglichen. Sie nehmen mit besonderer Genugtuung Kenntnis von der Erklärung des Genossen Ebert, daß es hinsichtlich der An nexi⸗ ons politik für die Partei nur eine entschiedene Ab⸗ lehnung geben könne. Ferner wird erwartet, daß bei aller Meinungsverschiedenheit über die mit dem Kriege zusammenhängenden Fragen die Partei⸗ genossen nicht vergessen, daß das Interesse der Arbeiterklasse ein geschlossenes Handeln der Partei gebicterisch erheischt.“ Eine zweite auf dem Boden des Memorandums der Bezirks⸗ leitung des Niederrheins stehende Resolution kam infolge Annahme der vorstehenden Resolution nicht zur Abstimmung. f Die gesamte Aussprache war ruhig und vom sachlichsten Er nst getragen. ö Diethelm von Buchenberg. * Erzählung von Bertold Auerbach. 42 Der Richter stellte fast nur noch der Form wegen einige Nachforschungen an, dann fragte er Diethelm zuletzt, ob er in bezug auf seine Haft noch etwas zu wünschen oder zu klagen habe. Diethelm erwiderte, daß er den Advokat Rothmann sich zum Rechtsbeistand nehmen wolle. Als der Richter hierauf entgegnete, daß dieser im Auftrag der Fahrnisversicherung sein Ankläger sei, schloß Diethelm:„Dann will ich gar keinen Advokaten. Ich hab' aber noch eine Bitt', ich schäm' mich fast, sie zu sagen: man hat mir die Hosenträger genommen, damit ich mich nicht dran aufhänge, und ohne die Hosenträger ist mir's immer, als ob mir der Leib auseinanderfallen tät'.“ Der Richter klingelte dem Amtsdiener und befahl ihm, das Gewünschte Diethelm wieder zurückzugeben. Der Amts— diener meldete leise etwas, und der Richter sagte:„Diethelm, Ihr könnt Eure Frau und Eure Tochter sehen, wenn Ihr versprecht, nichts von Eurer Anklage mit ihnen zu reden.“ Diethelm versprach und blieb auf dem Stuhle sitzen. Mit scheuen Bücklingen trat Martha ein, Fränz aber drang ihr vorauf und streckte dem Vater beide Hände entgegen. Diet— helm schüttelte sie wacker und reichte dann die andere Hand seiner Frau, die er aber bald zurückzog, um sich eine Träne abzutrocknen. Fränz berichtete, daß sie mit der Mutter in der Post wohne. Der Richter befahl, daß Diethelm abgeführt werde. Er sprach kein Wort mit den Seinigen und ging von dannen. Der Richter sagte nun Martha, daß er sie auch gleich verhören wolle, da sie nun da sei; er bot ihr den Stuhl an, den Diethelm soeben verlassen, sie setzte sich und legte die Hände ineinander. Sie bat, ob nicht ihre Fränz bei ihr bleiben dürfe. Der Richter verneinte dies mit Bedauern, Fränz könne indes im Vorzimmer warten. Martha preßte die gefalteten Hände wie zu einem Dank⸗ gebet zusammen, als ihr der Amtmann die schön⸗menschliche Gesetzesbestimmung erklärte, daß ein Angehöriger keinen Zeugeneid zu leisten habe und es überhaupt seinem Belieben anheimgestellt sei, Zeugnis abzulegen oder zu verweigern. Martha erklärte sich für ersteres, teils in der Hoffnung, ihrem Manne zu nützen, teils auch, weil sie den Mut nicht hatte, ohne Red' und Antwort das bestellte Gericht zu verlassen. Martha war so offenbar ein Bild des aufrichtigen Jam⸗ mers, daß der Richter sie nicht mit verwickelten Fragen quälen wollte. Sie konnte mit Fug beteuern, daß sie von der Handel⸗ schaft ihres Mannes fast gar keine Einsicht hatte, und als auf ihren Ehezwist wegen der Großtuerei und Verschwendung Diethelms die Rede kam, glaubte sie, daß Gott es ihr verzeihen müsse, wenn sie das nicht unter die Welt kommen lasse; sie bestritt daher jeden ehelichen Zwist und lobte ihren Mann aus Herzensgrund. Der Richter ging bald hiervon ab und fragte:„Ist nie zwischen Euch und Eurem Manne davon die Rede gewesen, daß er brandstiften will?“ Martha war's, als schlügen ihr Flammen ins Gesicht. Was sollte sie darauf antworten? Zwar hatte damals am Versicherungstage Diethelm die Sonne zum Zeugen ange— rufen, daß sie ihn nie mehr erwärmen solle, wenn er einen solchen Gedanken habe, aber wenn sie das bekannte, wer weiß, was daraus gemacht wird? Aber sie hat doch versprochen, die Wahrheit zu bekennen. Zweimal ließ sich Martha die Frage wiederholen, und schon stand ihr das Bekenntnis auf der Zunge, aber sie schluckte die Worte hinab, und matt die Hände in den Schoß sinken lassend, sagte sie:„Nein, nie, niemals.“ Ueber Medard befragt, erklärte sie, daß er ihrem Manne schon lange gram war, weil er ihm manchmal im Zorne das Zuchthaus vorgeworfen, und der Medard sei ohnedies auf⸗ sässig gegen den Meister gewesen, weil er seinen Bruder, den er lieb hatte wie sein eigen Kind, nicht vom Militär losgekauft habe; gegen sie sei er aber immer gut gewesen, er habe zwar manchmal Veruntreuungen gemacht, aber die könnten ein⸗ mal die Schäfer nicht lassen. Martha unterschrieb das Proto⸗ koll und wankte hinaus zu ihrer Tochter. Im Amtshaus sprach sie kein Wort mehr, auf der Straße aber sagte sie: „Das sind Seelenverderber, die Amtleute, da 5 haben sie mir das Herz ausgeschnitten.“ Fränz suchte die ungemein erregte Mutter zu beruhigen, so gut sie konnte, aber noch im Schlafe schrie Martha wild auf und warf sich im Bette hin und her. Diethelm war indes mit triumphierendem Stolze in sein Gefängnis zurückgekehrt. Von aller Untat war keine Er⸗ innerung in ihm; er gedachte nur seines Sieges, wie es ihm gelungen war, sich so hinzustellen, daß der Richter ihm fast Abbitte tun mußte. Seine Verteidigung war nun festge⸗ gründet, dort stand sie verzeichnet und konnte nicht mehr aus⸗ gelöscht werden. Diethelm freute sich über sich selbst, er hatte gar nicht gewußt und erst jetzt erfahren, welch eine Macht ihm innewohnte.„Du wärst ein großer Mann geworden,“ sagte er zu sich,„wenn du auf dem rechten Platz stündest, es haben andere schon viel Aergeres getan und sind doch ruhmvoll durch die Welt gegangen. Jetzt fang' ich das Leben von vorn an. Ich will ihnen zeigen, wer der Diethelm ist.“ Der Amtsdiener, der das Gewünschte Diethelm übergab, freute sich oft seines Frohmuts und erklärte schlau:„Ich hab' Euch nur wie einen gemeinen Verbrecher behandelt, damit man kein Mißtrauen in mich haben soll, weil wir so nah ver⸗ wandt werden. Ich hab's wohl gewußt, daß Ihr ein un⸗ schuldiger Ehrenmann seid, auf den wir stolz sein können. Im Gesicht vom Amtsrichter ist deutlich genug geschrieben gestanden: der ist freigesprochen. Es kann noch ein paar Tage 8 aber gewiß ist's, da verlaßt Euch drauf. Ich ver⸗ steh' das.“ Wie nach einer vollbrachten Großtat streckte sich Diet⸗ helm auf seine Pritsche, er befahl noch, 05 2 denn es fror ihn noch immer mörderlich; wollte ihm auch manchmal ein Gedanke dessen kommen, was er getan, er ver⸗ scheuchte ihn und schlief ruhig ein. a Tief in der Nacht aber wurde er aufg, Scheine einer Blendlaterne standen zwei e, (Fortsetzung folgt.) und im ihm. ** 1 werden demnächst 17 türkisch e 5 69A . * „ B * Fr enen D R AAA R&R 2 Nero 1 . p — und Nachbargebiete. Gießen und Umgebung. Kartoffelfrage und Staatsregierung. In der an letzten Dienstag abgehaltenen Sitzung des Kriegsausschusses den Zweiten Kammer unseres Landtags stand die Frage urtoffelversorgung zur Erörterung. Nach Erstattung zurzen Referats über die gegenwärtige Lage des Kar!“ arkts und die Aussichten der bevor⸗ stehenden Karl. ernte wurden von verschiedenen Abgeord⸗ neten die Mißstände gerügt, die im verflossenen Jahre bei der Versorgung der Bevölkerung mit Kartoffeln, besonders in den Städten, zu Tage getreten sind. Eine Reihe von Vor⸗ schlägen, wodurch für die Zukunft die Mißstände verhütet werden könnten, wurden besprochen. Dabei traten zwei ent⸗ gegenstehende Ansichten zu Tage. Eine Minderheit vertrat die Ansicht, daß vorläufig keinerlei Maßnahmen für die Ver- sorgung der Bevölkerung mit Kartoffeln notwendig seien, während mehrere andere Abgeordneten alsbaldige Erlassung von Höchstpreisen, sowohl für den Produzenten wie auch für den Groß- und Detailhandel, notwendig erachten. Auch eine Beschlagnahme der Kartoffelbestände sei notwendig, wenn die Höchstpreise wirksam sein sollten. Mindestens müsse ein Enteignungsrecht an den unter Kontrolle festgestellten Be⸗ ständen vorgesehen werden. Es wurde betont, daß die Maß⸗ nahmen so getroffen werden müssen, daß sie nicht leicht zu umgehen sind. Besondere Vorkehrungen seien gegen unreelle Zwischenhändlergewinne zu treffen. Auch die Frage eines Ausfuhrverbotes für Hessen wurde erörtert. Die Großherzogliche Regierung, vertreten durch den Minister von Hombergk zu Vach, Ministerialrat Schliephake und Geheimen Oekonomierat Müller, nahm an der Sitzung teil. Auf verschiedene Anfragen teilte die Regierung mit, daß für die neue Ernte vorläufig zwei Maßnahmen geplant seien, nämlich erstens ein Verbot des Vorverkaufs von Kar— toffeln, die noch nicht geerntet sind und zweitens möglichst baldige Aufnahme des Erntebestandes an Kartoffeln. Mit allen anderen Maßnahmen soll bis nach dem Ergebnis dieser Bestandaufnahme gewartet werden, weil sie ja vielfach durch dasselbe bedingt sein müssen. Daß die guten und schlimmen Erfahrungen des letzten Jahres bei der Versorgung der Be⸗ völkerung mit Kartoffeln demnächst bei den zu treffenden Maßnahmen verwertet würden, sei selbstverständlich. Eine Beschlagnahme aller Bestände an Kartoffeln, etwa durch Kommunalverbände, wie dies bei der Getreideernte der Fall ist, hält die Regierung für sachlich nicht zweckmäßig und für technisch undurchführbar. Dagegen sei eine Enteignung im Falle künstlicher Ueberteuerung der Kartoffeln schon nach dem heutigen Stand der Gesetzgebung wohl durchführbar. Ein Ausfuhrverbot für Hessen wurde von der Regierung als ungesetzlich abgelehnt. Deutscher Erntesegen. Wie im biessten Frieden breiten sich von einem Ende Deutsch⸗ lands zum anderen die goldgelben Wogen der Getreidefelder, da⸗ zwischen mit üppigem Grün Kartoffel⸗ und Rübenfelder. Erst bei längeren Bahnfahrten von Stadt zu Stadt bekommt man eine vechte Vorstellung von diesem unermeßlichen Erntesegen, mit dessen Einbringung jetzt viele Tausende fleißige Hände beschäftigt sind. Auch an Arbeitskräften fehlt es nicht, obwohl Millionen von Männern, die sonst Sense und Hacke führten, jetzt mit der Waffe den Feind von des Landes Grenzen abwehren. Wo Männer fehlen, greisen Frauen und Mädchen vüstig zu; keine Garbe braucht zu verderben. Schon haben die Dreschmaschinen ihr Werk begonnen und über die abge⸗ ernteten Aecher gleitet aufs neue der Pflug, um den Boden für neue Aussaat aufzulockern. In aller Stille vollzieht sich diese Friedens⸗ arbeit, die Nahrung für Menschen und Vieh für ein weiteres Jahr schafft. Und doch wissen wir, daß es keine Ernte wie in sonstigen Jahren ist. Sie ist nicht bloß mit dem Schweiß der auf den Feldern Arbeitenden bezahlt— an ihr klebt das Blut, das unendlich viele kostbare Blut, das seit dem vorjährigen Erntemonat auf ungezählten Schlachtfeldern geflossen ist. Der Tapferkeit, aller draußen Kämpfen⸗ den, der Todesverachtung jedes Gefallenen und Verwundeten. dem Opfermut der Hinterbliebenen dankt Deutschland seine diesjährige reiche, unversehrte Ernte. Wie mancher bvechende Blick mag im letzten Fiebertraum das Bild vor Augen gehabt haben, das wir in Wirklichkeit noch schauen dürfen, wenn wir durch unserer Heimat Fluren gehen: die körnerschweren Getreidepuppen auf den Feldern, die vollbeladenen Erntewagen, die friedlich umgrünten Dörfer. Das alles ist uns erhalten geblieben, und wenn wir daran denken, daß statt dessen meilenweit alles in Asche und Trümmer verwandelt sein könnte, dann dürfen wir sagen, daß die schweren Opfer der riegszeit doch nicht umsonst gebracht sind. Aber kommt der Erntesegen nun auch wirklich dem ganzen Volke zugute? Die Beschlagnahme der gesamten Erute, die Fest⸗ setzung der Höchstyreise, die Beibehaltung der Brotlarten— das alles sind Maßnahmen, die wenigstens für die unentbehrlichsten Nahrungsmittel eine gerechte Verteilung zu sichern scheinen. Leider mur scheinen; denn daß heute noch ein größerer Teil unseres Volkes als in Friebenszeiten an Unterernährung leidet, können sie micht hindern. Dazu sind alle diese Maßnahmen zu wenig sozialistisch. Immer noch waltet trotz ihnen die kapitalistische Ordnung, nach der micht bas Bedürfnis über die Verteilung der Güter entscheidet, son⸗ dern die Kaufkraft. Nur ber Reiche und Wohlhabende kann inner⸗ halb der Grenzen, die die Kriegsgesetze gezogen haben, seine Bedürs⸗ nisse voll befriedigen, dem Armen sind nach wie vor außerdem noch die engeren Grengen gezogen, die sein schmales Einkommen ihm worschreibt. Und so würden trotz der von allen Seiten empfohlenen und auf allen Seiten als Notwendigkeit anerlannten Sparsamkeit auch von dieser so teuer bezahlten Ernte des Kriegsjahres un⸗ berechenbare Vorräte dem Verderben preisgegeben werden, um die Preise hochzutreiben, wenn nicht mit schärfsten Strasbestinmungen dagegen vorgegangen würde. Hoffentlich verhüten die neuen Vor⸗ schristen gegen den Lebensmittelwucher und ihre Handhabung durch die Behörden jene schlimmen, empörenden Auswlichfe, die wir im ersten Kriegsjahr erleben mußten. Aeußerste Strenge wird hier allgemeinste Billigung finden; denn in der Zeit der allgemeinen Not eines Volles gibt es bein größeres Verbrechen, als die wucherische Ausbeutung diefer Not. 1 5 — Hessen . — Neue Brotmarken. Für die Zeit vom 9. bis 22. August werden die Brotmarkenhefte morgen, Samstag, 7. August, an den bekannten Stellen von 8—12 Uhr und von 2—6 Uhr ausgegeben. Es sei noch darauf hingewiesen, daß Zusatz⸗ marken abgegeben werden für Personen, die unter 2600 Mk Jahreseinkommen haben. Es empfiehlt sich also— falls auf Zusatzmarken reflektiert wird— den Steuerzettel mitzu⸗ nehmen. — Verkauf von Frühkartoffeln durch die Stadt. Am morgigen Samstag von 8—12 Uhr werden von der Stadt gute Frühkartoffeln im Hofe des städtischen Hospitals, Seltersweg 11, verkauft. Es werden Mengen bis zu 10 Pfund abgegeben zum Preise von 8½ Pfg. das Pfund. Wir verweisen auf die Bekanntmachung des Oberbürger⸗ meisters im heutigen Blatte. — Gemüsesamen für die nächste Frühjahrsaussaat zu sammeln empfiehlt die Kriegskost. Infolge des starken, voraussichtlich restlosen Verbrauchs der diesjährigen grünen Ernte liegt die Gefahr vor, daß für die nächstjährige Be— stellung nicht genügend Saatgut und Samen für den kleinen Gartenbau vorhanden sein wird. Im besonderen Maße gilt dies für Erbsen, grüne Bohnen, sämtliche Kohlarten, Möhren, Rüben. Man lasse die Samen ausreifen, sammle sie jedoch, bevor die Samenkapsel sich öffnet und die Samen zerstreut werden.— Diese Anregung ist ganz angebracht. Mit wenig Mühe kann sich jeder Gartenbesitzer aller Art Samen sammeln und aufbewahren. Einhundertzwanzig Mark für einen Doppelzentner deut⸗ sche Erbsen. Unverschämter Wucher mit deutschen Hülsen⸗ früchten neuer Ernte, das ist das neueste auf dem Gebiete des Lebensmittelhandels. Für sämtliche Viktorigerbsen, die sonst zu einem Preise von 24 bis 27 Mark gehandelt wurden, wer⸗ den zurzeit einhundertzehn Mark, nach anderen Angeboten gar bis zu einhundertzwanzig Mark verlangt, also nahezu der fünffache Betrag wie in Friedenszeiten. Es ist die höchste Zeit, daß die angekündigte Bundesratsverordnung gegen den Warenwucher sich Geltung verschafft und nicht nur auf dem Papier stehen bleibt. Oder will man die Oeffentlichkeit glauben machen, daß sich die Produktionskosten für Hülsen⸗ früchte um den fünffachen Betrag verteuert hätten? Es zeigt sich jetzt schon, wie notwendig es gewesen wäre, auch die für die menschliche Ernährung bestimmten Hülsenfrüchte zu be⸗ schlagnahmen. Die Bundesratsverordnung beschränkt sich auf die Beschlagnahme der Hülsenfrüchte, die als Futtermittel Verwendung finden sollen. Auf jeden Fall kann aber die Wucherverordnung angewendet werden. Gegen die Nachtarbeit in Bäckereien. Die Zwangsinnung für das Bäckerhandwerk in Solingen hat sich ein⸗ stimmig gegen die Wiedereinführung der Nachtarbeit in Bäckereien ausgesprochen.„Die Bäcker fühlen sich jetzt erst gewissermaßen als Menschen,“ meinte der Obermeister. — Die Löhnung der Kriegsgefangenen steht den Kriegerfrauen zu. Diese Tatsache scheint noch nicht genügend bekannt zu sein und möchten wir deshalb im Interesse der Kriegerfamilien darauf hin⸗ weisen. Den Angehörigen, deren Ernährer der in Gefangenschaft geratene Löhnungsempfänger ist, kann die volle Löhnung oder ein Teil derselben vom Bataillonskommando auf Antrag bewilligt werden. Den Angehörigen von Gehalt empfangenden Kriegs⸗ gefangenen kann das Divisionskommando bis zu sieben Zehntel des Gehalts bewilligen. Das Kriegsministerium hat die Kom⸗ mandobehörden auf diese Bestimmung der Kriegsbesoldungsvor⸗ schrift jetzt besonders hingewiesen und sollen die Kommandostellen den Frauen und Eltern der Kriegsgefangenen in der Erlangung der Löhnung behilflich sein. Zur Bestätigung der Angaben über die Gefangenschaft ist es gut, wenn man irgendeinen Ausweis über die Gefangenschaft beifügen kann, sei es eine Karte, Brief oder dergleichen, die der Gefangene gesandt hat. Eine behördliche Beglaubigung des Antrags ist nicht erforderlich und kann nur in Zweifelsfällen über die Berechtigung der Kriegsunterstützung ge⸗ fordert werden, jedoch wolle man stets die genaue Adresse des Re⸗ giments des Kriegsgefangenen, sowie die eigene Adresse angeben. Die Löhnung wird ausdrücklich auf Anweisung des Kriegs⸗ ministeriums an die Kriegersamilien gezahlt, weshalb man in allen Fällen den Antrag auf Auszahlung der Löhnung stellen möge.— Für unsere Leser sind wir bereit, die erforderlichen Schriftstücke anzufertigen. — Ueber die Getreideernte in Hessen richtet, daß erfreulicherweise mehr als eine gute Durch⸗ schnittsqualität erzielt worden ist. Der Weizen weist ein Gewicht von 80 bis 82 Kg. für den Hektoliter auf, der Roggen 75 bis 76 Kg. Der Stand der Halmfrüchte auf fettem Boden war entschieden besser als auf leichtem Boden, was sich aus der verhältnismäßigen Trockenheit erklärt, doch ist in den in Frage kommenden Gebieten guter, schwerer Boden überwiegend. Das Wintergetreide gedieh durchgängig besser als das Sommer⸗ getreide, da letzteres zur Entwicklung mehr Regen benötigt hätte und die Bodenfeuchtigkeit vom Frühjahr ab gering war. In⸗ dessen konnte der in den letzten Wochen niedergegangene Regen noch einiges gut machen, wodurch Gerste und Hafer noch profitiert haben. Ueber die Frage der Ausbeutehöhe wird man sich erst in einiger Zeit, wenn noch mehr Druschresultate vorliegen, und wenn ein Gesamtüberblick über die deutsche Ernte möglich ist, schlüssig werden. Doch scheint nach allen Anzeichen, daß um 2 bis 3 Proz. niedriger gemahlen werden kann, wodurch schon eine wefentliche Verbesserung im Aussehen und Geschmack des Brotes herbeigeführt wird, da bekanntlich gerade die letzten Prozente, die in Friedenszeiten als Futtermehl und als Kleie gelten, am stärksten färben und rauh schmecken. — Ein„Schützengraben“ ist auf dem Trieb am Fuße des Eulen⸗ kupfes vor längerer Zeit angelegt worden, jedenfalls zu dem Zwecke, eine Sehenswlürdigkeit für das Publikum zu schafsen. Für die Be⸗ sichtigung muß auch etwas bezahlt werden, wenn wir richtig unter⸗ vichtet sind. Wer die Leiter dieses Unterehmens sind, ist uns nicht bekannt, wir erinnern uns aber, daß vor etlichen Monatem ein höherer Offizier sich äußerst abfällig über derartige Spielereien, wie er sie nannte, aussprach und wir haben davon auch in unserem Blatte Nolig genommen. Auch wir vermögen nicht einzusehem, daß die Aushebung eines derartigen Grabens irgend einen belehrenden. oder sonstigen Wert haben soll, denn jeder kann sich ohne weiteres vor⸗ stellen, wie ein Schützengraben aussteht. Hier in unserem Falle sind aber, wie uns mitgeteilt wird, eine Menge Fichtenstangen verwendet worden und man habe dazu einsach Bäume im Stadtwalde gefällt. Das dazu verbrauchte Holz mache etliche Festmeter aus.— Wir sind der Ansicht, daß man mit dem Holze in heutiger Zeit sparsamer um⸗ gehen sollte. Keine Geschmacklosigkeiten ins Feld senden. Ein Feldgvauer aus Thütringen wehrt sich in einem Schrelben au seine Angehörigen dagegen, daß mant Geschmacklosigkeiten ins Feld sende. In einem wird der Fr. Ztg. be⸗ Brief heißt es nach der Weimarer Landesgtg.:„Wir erhalten hier außer den zahllosen Liebesgaben, für die wir herglich dankbar sind, auch recht sonderbare Geschenke, die sich durch einen am falschen Mlatz zur Schau getragenen Patriotismus beliebt machen wollen. Ich sah Hosenträger in Schwarz⸗weiß⸗rot mit dem Aufdruck„Viel Feind', viel Ehr“. Taschemmesser mit der Inschrift„Immer seste druff“, Gegenstände der banalsten Art, die mit bem Eisernen geschmückt sind. Die Redensart„Gott strafe England“ findet auf Briefen, Postkarten, Bildern, Zeitungen, Zigarrenkasten usw⸗ Recht geschmacklos erscheinen mir auch Taschentücher mit den Bildern unserer Heerführer. Ist es wirklich etwas Schönes, wenn sich ein Soldat mit dem Bild Hindenburgs die Nase putzen soll? Gewiß, das alles mag gut gemeint sein, und wir wollen solche Geschmacklosiglerten nicht tragisch nehmen. Nur, da es doch den gütigen Spendern darauf ankommt, den Soldaten im Felde Freude zu machen, wird es erlaubt sein, hier einmal auszusprechen, daß solche Dinge in unsern Schützen⸗ gräben fehl am Orte sind.“ — Verrohende Wirkung des Krieges. Die Wiener Arbeiterzig brachte kürzlich folgendes: Es wird uns unausgesetzt erzählt, daß dieser furchtbare Krieg einen großartigen„Seelenaufschwung“ aus⸗ gelöst hat. Als ein Beweis für die Wahrheit dieser Erzählung muß wohl auch ein Gedicht angesehen werden, das wir in der Wochenaus⸗ gabe der Salzburger Chronik vom 10. d. M. finden. Es hat nach⸗ stehenden Wortlaut:. Wenn's Russenblut regnet, Und Jtalienerköpf' schneibt, Dann bitt' ma den Herrgott, Daß's Wetter noch bleibt. Was sich der liebe Herrgott von dieser Presse wohl noch alles wird gefallen lassen müssen, wenn der Krieg noch länger dauert! Warnung vor Blindgängern. Es kann nicht eindriglich genug davor gewarnt werden, Blindgänger und andere Artillerie⸗ ge schosse zu berühren oder gar von ihrem Platze zu verbringen Wo immer solche Geschosse angetroffen werden, sind sie an Ort und Stelle zu belassen. Es ist sofort das nächste Artilleriedepot(Dart benachrichtigen, das das Erforderliche veranlassen wird. Ueber die Säuglingssterblichkeit im Großh. Hessen nach natür⸗ lichen Gebieten im Jahre 1914 bringt die neueste Nummer der Mit⸗ teilungen der Großh. Zentralstelle für die Landesstatistik(Beilage zur Tarmstädter Zeitung) eine interessante Zusammenstellung. Hiernach weist der Kreis Schotten mit 48 gestorbenen Säugli von 100 Lebendgeborenen die günstigste Ziffer auf im Gegensatz 12 Riedgemeinden in Starkenburg mit 14,6. Ueberhaupt zeigt Ober⸗ hessen die niedrigsten Zahlen, wähvend diejenigen in den anderen beiden Provinzen, die sich annähernd gleichstehen, erheblich höher sind. Die Ziffern für die Städte Worms, Darmstadt,„ und Mainz betragen 10,6— 11,2— 11,9 und 13,8. i meinden Biblis, Bürstadt, Lampertheim und Lorsch, die von jeher die ungünstigsten Verhältnisse aufwiesen, ist der Fortschritt sehr erheb⸗ lich, wenn auch zuweilen Rückschläge vorkamen. Betrug doch dort die betreffende Ziffer nur noch 13,6 im Jahre 1914 gegenüber 220 in der Periode 1906/10. Was schließlich den Lamdesdurchschnitt be⸗ trifft, so stellte sich dieser im Jahre 1914 auf 10,3 gestorbene Säug⸗ linge von 100 Lebendgeborenen gegenüber 12,9 in den Jahren 1906/10, so daß auch hier ein Fortschritt festzustellen ist. i Schutz der Pflanzungen gegen Vögel! An dem Bernichtungs⸗ werk unserer Ernte beteiligt sich in nicht zu unterschätzender Weife auch die Vogelwelt. Der allergrößte Teil unserer Vögel sind ja An⸗ sektenfresser und somit mehr oder weniger nützlich. Aber die Feld⸗ und Hausspatzen und die Feldtauben sind sehr gefährliche Räuber. Die Sperlinge treten in diesem Jahre wieder so stark auf, daß eine restlose Vernichtung wohl am Platze wäre und von ß Stelle angeordnet werden müßte. Nicht weniger gefräßig sind die Haus⸗ und Feldtauben, die bei ihrer unbeschräukten Bewegungsfrei⸗ heit gern ins Feld fliegen und hier Schaden anrichten können. Doch picken sie meist zur Erde gefallene Körner auf und lassen die auf Halmen stehenden Aehren unberührt. In gleicher Weise können frei herumlaufende Hühner die Ernte beeinflussen. Wenn das Ueber⸗ lanfen in Felder und Gärten auch mr vereinzelt auftreten mag, sollte dennoch gegen die Besitzer der Hühner vorgegangen werden. Es muß jede noch so kleine Verminderung des Ertrages vermieden werden und wenn es sich in den einzelnen Fällen auch nur um ge⸗ — Mengen Ernteprodukte handelt: ein Vieles Wenig gibt ein Viel! Postsendungen an die Zivilgefangenen in Rußland. Nach einer Entscheidung der russischen Regierung ist den deutschen Zivilge⸗ fangenen in Rußland der Briefverkehr mit der Heimat untersagt, weil sie sich nicht in Konzentrationslagern befinden, sondern nur gezwungen sind, in den ihnen angewiesenen Ortschaften zu leben, und daher ihr Postverkehr den allgemeinen Bestimmungen zu unter⸗ werfen ist. Hiernach können aus Deutschland Posts an diese Personen fortan nicht mehr unmittelbar nach Art der Kriegs⸗ gefangensendungen, sondern nur noch durch Mittelspersonen(Rotes Kreuz usw.) auf dem Umwege über das neutrale Ausland ver⸗ schickt werden, wobei es noch zweifelhaft ist, ob die Sendungen die Adressaten erreichen werden. — Wieseck. Wir werden ersucht, nochmals auf die morgem (Samstag) abend 9 Uhr stattfindende Versammlung des Wahl⸗ vereins aufmerksam zu machen. Seit langer Zeit sind die Mit⸗ glieder nicht zusammengekommen, deshalb darf wohl erwartet wer⸗ —— sie sich zu dieser Versammlung bei Wirt B. Wacker r einfinden. Agesbericht des Großen Hanptguurtirrs Warschau in deulschen Händen. Vorwärts östlich des Bug. W. B. Großes Hauptquartier, 5. Aug., vorm.(Amtlich Westlicher Kriegsschauplatz. In den Vogesen ist am Lingekopf und nördlich der Kampf neuem entbrannt. 8 Sonst keine Ereignisse von Bedeutung. Oestlicher Kriegsschauplatz. In Kurland und Samogitien schlug unsere Kavallerie die russische bei Genaize, Birshi und Onikschty aus dem Felde. Hierbei und bei den Kã 8 östlich von Poniewiez wurden gestern und vorgestern 2025 Russen, darunter 2 Offiziere, gefangen genommen. Die Armeen der Generäle v. Scholz und v. Gall witz blieben unter heftigen Kämpfen im weiteren Vordringen gegen die Straße Lomsha— Ostroy— Wysz ko w. Tapfere und verzweifelte Gegenstösßse der Russen beiderseits der Straße Ostroy— Rozan waren wirkungslos. 22 Offiziere, 4840 Mann wurden zu Gefangenen gemacht, 17 Maschinengewehre erbeutet. Die Armee des Prinzen Leupold von Bayern durchbrach und nahm gestern und heute nacht die äußeren und inneren Vorlinien von Warschau, in der russische Nachhut noch zähen Widerstand leistete. Die Stadt wurde heute vormittag durch unsere Truppen besetzt. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Bei und nördlich JTwangorod ist die Lage unver⸗ ändert. Zwischen oberer Weichsel und Bug wird die Ver⸗ solgung fortgesetzt. Oestlich des Bug rückte deutsche Kavallerie in Wladimir Wolhynsk ein. Oberste Heeresleitung. Notiz: Genaize und Birshi liegen etwa 60 Kilometer von nordöstlich, Onirschty liegt etwa 50 Kilometer fitdösttich * Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht . Auch Iwangorod besetzt! Siegreiche Kämpfe an der Tiroler Front. Wien, 5. August.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: Jwandorod wurde gestern besetzt. Wien, 5. August.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: 5. August 1915. 5 Russischer Kriegsschauplatz.. Die lange Reihe von Erfolgen, welche die Verbündeten seit der Maischlacht am Dunajec, in Galizien, in Süd⸗ und Nordpolen und in den Ostseeprovinzen errungen haben, wurde durch die Besitz⸗ nahme von Zwangorod und Warschau gekrönt. Gestern haben unsere Truppen Iwangorod besetzt. Heute sind die deut⸗ schen Truppen der Armee des Prinzen Leopold von Bayern in der Hauptstadt von Russisch⸗Polen eingerückt. Zwischen Weichsel und Bug dringen die beiden Verbündeten unter Verfolgungskämpfen gegen Norden vor. Oesterreich⸗ungarische Reiterei hat Usti lug, deutsche Wladimir— Wolynskij erreicht. Sonst ist die Lage unverändert. 7 Italienischer Kriegsschauplatz. An der tiroler Front kam es nur in der Gegend des Kreuzbergsattels zu größeren Kämpfen. Ein gestern Morgen be⸗ gonnener Angriff von mehreren Bataillonen des italienischen Re⸗ giments Nr. 92 gegen die Nemes⸗Alpe(nordöstlich des Kreuzberg⸗ sattels) brach blutig zusammen. Der Feind ging nachmit⸗ tags teilweise fluchtartig in die Wälder südlich des Grenzbaches zurück. Zur Entlastung dieser italienischen Kräfte versuchte am Nachmittag ein feindliches Bataillon überraschend gegen die Sei⸗ kofel⸗Stellung lunmittelbar nördlich des Sattels) vorzubrechen. Auch dieses wurde nach kurzem Kampfe zurückgeschlagen und ver⸗ lor zirka 100 Mann an Toten. Der Bataillonskomman⸗ dant und mehrere Offiziere fielen. Unsere Verluste in diesen Gefechten waren gering. Im Görzischen unterhalten die Italiener seit gestern mittag wieder ein heftigeres Artilleriefeuer gegen unsere Stel⸗ lungen am Plateau von Doberdo. Als feindliche Infanterie von Sagrado und von südlich Sdraussina her zum Angriff vorzu⸗ gehen versuchte, wurde sie durch unsere Artillerie zusammen⸗ geschossen. An allen sonstigen Fronten hat sich nichts Wesentliches ereignet. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschallentnant. 8 7 J ö Warschau. Von der militärischen Bedeutung Warschaus bringt die Frankf. Ztg. eine Darstellung, der wir folgendes entnehmen: Warschau ist bis auf den heutigen Tag eine der Hauptstädte Europas geblieben, auch wenn es seit einem Jahrhundert nicht mehr ein eigenes Staatswesen vertritt. Seine Bevölkerung ist in den letzten Jahren der Million nahe gekommen. Für die Kultur Polens war es trotz aller äußerlichen Hemmungen der lebendige Mittelpunkt. Die polnische Industrie freilich mußte es mit Lodz teilen, wo die Textilfabriken, die Spinnereien und Webereien stehen. Aber die Industrie Warschaus ist bis zum Kriege noch bedeutend genug gewesen. 5 Seine Bedeutung verdankt Warschau vor allem den Verkehrs⸗ straßen, die aus militärischen Gründen hier zusammenlaufen. Schon vor dem Bau von Eisenbahnen genoß die Stadt die Vorteile der Lage an der schiffbaren Weichsel. Die Stromschiffahrt, die freilich wegen des im Sommer oft sehr niedrigen Wasserstandes nur mit kleinen flach gebauten Dampfern betrieben wird, verband Warschau bisher mit der Peripherie des reichsten und wirtschaftlich wichtigsten Teiles von Russisch⸗Polen. Die Dampfer verkehrten regelmäßig stromaufwärts bis Sandomier, stromabwärts bis im die Nähe der preußischen Grenze. Schon diese Größe und wirtschaftliche Bedeutung der Stadt N 1 war für die Festung wichtig, die ein Depotplatz von Haher Leistungsfähigkeit für die russische Armee sein mußte. In den Fabriken konnte eine Armee reiche Hilfsmittel finden, in den Waren⸗ lagern die Möglichkeit der Verpflegung, in der Bevölkerung die not⸗ wendigen Arbeitskräfte für Hilfsdienste und in den Gebäuden der Stadt Unterkunft. Nach den vorhandenen wirtschaftlichen Hilfs⸗ 5 mitteln hätte Warschau nicht nur einer Festungsbesatzung, sondern selbst einer größeren Armee es ermöglichen müssen längere Zeit auszuhalten, ohne von der natürlichen Verpflegungsbasis abzuhän⸗ gen. Das russische Kommando der Festung Warschau kam freilich garnicht dazu, die Probe auf dieses Exempel zu machen. Die höchste Aufgabe der Festung und ihr eigentlicher Daseins⸗ zweck war aber die Beherrschung der Weichsellinse, die vielleicht die stärkste natürliche Grenzscheide darstellt, die im östlichen Europa westlich von der Wolga zu finden ist. Der Strom ist fast diberall so breit, daß er den Brückenbau sehr erschwert. Bei War⸗ schau selber erreicht die Weichsel die Breite von einem Kilometer. Die Ufergestaltung ist vor allem in dem Abschnitt des Stromlaufs, der von Süden nach Norden gerichtet ist, also zwischen Sandomier und Warschau, durch Sümpfe oder steile Böschungen mit dichtem Buschwerk bestimmt, was den militärischen Brückenbau noch mehr erschwert und fast unmöglich macht, wenn der Feind die zum Ueber⸗ gang ausersehene Stelle tatkräftig verteidigt. Die russische Re⸗ gièrung tat alles, um der Weichsel diesen Charakter zu erhalten, sie verhinderte auch ohne Rücksicht auf wirtschaftliche Bedürfnisse des Landes Meliorationsarbeiten, die den militärischen Vorteilen des Stroms Eintrag getan hätten. Alle diese Schwierigkeiten sind frei⸗ lich von den deutschen Truppen überwunden worden, die in den letzten Tagen zwischen Jwangorod und Warschau Brücken über die Weichsel schlugen und den ländertrennenden Strom siegreich bezwan⸗ gen. Aber der feste Besitz dauerhafter Brücken blieb dennoch von unschätzbavem Wert für alle militärischen Operationen. An der strategischen Weichsellinie, die den Flußlauf von Sandomier bis Warschau umfaßt, bestehen vier dauerhafte Brücken, drei in Warschau und eine in Iwangorod. Es ist noch nicht bekannt geworden, ob die Russen vor ihrem Abzug Zeit zur Zerstörung der Brücken hatten. Aber auch wenn dies der Fall sein sollte, bietet die Wiederherstellung unsern technischen Truppen unendlich weniger Schwierigkeiten als die Errichtung von Brücken an Stellen, wo die Zugangsstraßen neu angelegt, wo jeder Schutz neu geschaffen werden muß. „ WVarschau und Jwangorod waren auf beiden Ufern des Stromes als starke Brückenkopffestungen ausgebaut. Beide sind fast lr gleichen Stunde gefallen. Die Weichsellinie ist jetzt in den Händen der Verbündeten, ihre großen strategischen Vorteile kommen für den weitern Verlauf des Feldzuges uns zugute. Warschau, die größere Stadt, war auch die bedeutendere Festung. Es gehörte zu den wenigen Festungen in Rußland, die in der ersten Klasse ein⸗ gereiht waren. Für die russische Kriegführung gegen die Zentralmächte waren die Stellungen an der Weichsel und am Narew vor allem darum wichtig, weil im Schutze ihres Zentralraumes sich ge⸗ waltige Truppenversammlungen ungehindert ins Werk setzen ließen. In diesen Raum mündeten die wichtigsten Linien, die aus dem Innern Rußlands die Reserven und alles Material heran⸗ führten. Die drei wichtigsten Bahnen(von Petersburg über Wilna, von Polozk über Siedlee und von Moskau über Brest⸗ Litowsk) mündeten in Praga, dem am rechten Weichselufer ge⸗ legenen Stadtteil Warschaus. Nach den gegen Deutschland und Oesterreich gerichteten Grenzen Polens waren die Eisenbahnver⸗ bindungen Warschaus viel spärlicher ausgebildet: immerhin führten zwei Hauptlinien nach Lodz—Kalisch und nach Tschen— stochau— Bendzin. Der Besitz der Weichsellinje ermöglichte den Russen die gleich⸗ zeitig gegen Ostpreußen und Galizien eingeleitete Offensive und der starke Ausbau der FJestungen erleichterte später die Verteidig⸗ ung. Dem vor drei Wochen mit gewaltigen Mitteln angesetzten Fonzentrischen Angrisse der verbündeten Armeen gegenüber wurde freilich die weit vorgeschobene Stellung in Polen zu einer Gefahr für die russischen Heere. Sie wuchs zu solcher Bedrohung an, daß die russische Heeresleitung nach einigem Zögern sich zum allge⸗ meinen Rückzug entschloß, dessen Ergebnisse noch nicht zu übersehen sind. Der Besitz der Weichsellinie aber, der schon jetzt den Ver⸗ bündeten zugefallen ist, sichert auf jede irgendwie absehbare Zeit den Osten Deutschlands vor neuen Ofsensivversuchen der Russen und gibt unserer Heeresleitung die volle Freiheit des Handelns. Was das für die Entscheidung des großen Krieges bedeutet, wer⸗ den die nächsten Wochen und Monate zeigen. Die Verbündeten unter sich. T. U. Lausanne, 5. Aug. Die Revue stellt arge Unzu⸗ friedenheit der leitenden Kreise in Rußland über die Tätig⸗ keit der Alliierten an der Westfront fest und bemerkt dazu, Frankreich und England hätten Rußland zuliebe die un⸗ sinnige Dardanellen-Operation unternommen. Ungeheure Mengen an Menschen und Munition seien dabei verschlungen worden. Deutschland unterhalte übrigens an der Westfront beständig größere Streitkräfte, was aus seiner mehrfachen Offensive hervorgeht. Sie siegen doch! T. U. Amsterdam, 5. Aug. In seiner zu Folkestone gehaltenen Rede sagte Minister Bonar Law, wir müssen den Krieg gewinnen und dafür jeden Mann und jeden Schilling wagen, den wir be⸗ sitzen. Der Weg mag ja noch lang sein, aber über das siegreiche Endziel könne kein Zweifel bestehen. Es würde für Deutsch⸗ land mur eine Möglichkeit bestehen, zu siegen und das wäre, wenn es ihm gelänge, mit einem der Verbündeten einen Separatfrieden zu schließen; aber dafür besteht keine Aussicht. Die Kämpfe im Kaukasus. Der Sieg der Türken über die Russen. Konstantinopel, 5. Aug.(W. T. B. Nichtamtlich.) Privat⸗ nachrichten aus Erzerum besagen: Infolge der Kämpfe, die seit zwei Tagen in der Gebirgsgegend, einschließlich des Arrat und in der Nähe der türkisch⸗russischen Grenze, etwa 170 Kilo⸗ meter östlich von Erzerum stattfinden, zieht sich die Haupt⸗ macht der Russen in Unordnung in der Richtung Kagysman auf russisches Gebiet zurück. Sie verloren etwa 1000 Tote und 2000 Verwundete. Die türkische Armee verfolgt den Feind. Englische schwere Geschütze auf Gallipoli? Secolo veröffentlicht eine Erzählung eines von den Darda⸗ nellen zurückgekehrten italienischen Kapitäns. Es heißt darin, Eng⸗ land habe im vergangenen Monat fünf italienische Dampfer ge⸗ kauft, sie mit Ballast beschwert und vor Achibaba an der Halbinsel Gallipoli versenkt, um dort einen Hafendamm zu bilden, der zur Ausladung des gegenwärtig in der Mudros⸗Bai aufge⸗ stapelten Kriegsmaterials dienen soll. Die Engländer beab⸗ sichtigten nämlich, auf Gallipoli schwere Geschütze aufzu⸗ stellen, um von dort die wichtigsten Stellen der Dardanellen zu be⸗ streichen. Außerdem sei es nach dieser Quelle den Engländern be⸗ reits gelungen, Tauchboote ins Marmarameer zu befördern. Diese würden von englischen Marineoffizieren geführt, die einst Instrukteure der türkischen Flotte gewesen seien und daher das Marmarameer kennten. Athen, 5. August.(W. T. B. Nichtamtlich.) Messager d'Athenes meldet, daß die Alliierten auf Gallipoli 300 mit denen sie den schwere Geschütze konzentriert haben, Widerstand der Türken zu brechen gedenken. Es geht aber auch auf türkischer Seite sehr lebhaft zu. Unablässig kommen Verstärk⸗ ungen an Soldaten und Material an. Der Seekrieg. Kristiania, 5. Aug. Der überfällige norwegische Amerika⸗ dampfer„Bergensfjord“ ist von den Engländern nach Kirk⸗ wall gebracht worden. Kristiania, 5. Aug.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die deut⸗ sche Regierung hat amtlich anerkannt, daß der norwegische Dampfer„Minerva“ von einem deutschen Unterseeboot korpediert worden sei, da es infolge verschiedener unglück⸗ licher Umstände das Schiff für ein englisches angesehen habe. Die deutsche Regierung sprach ihr lebhaftestes Bedauern aus und erbot sich, Schadenersatz zu leisten. Washington, 5. Aug.(W. T. B. Nichtamtlich.) Das Reutersche Bureau meldet: Die Regierung bereitet einen Protest wegen des Dampfers„Dacia“ vor, dessen Be⸗ schlagnahme von dem französischen Prisengericht bestätigt wurde. Die Regierung will eine prinzipielle Entschei⸗ dung über das Recht einer neutralen Regierung, Schiffe kriegführender Staaten ins Schiffsregister aufzu⸗ nehmen, herbeiführen. Berlin, 5. Aug.(W. T. B. Nichtamtlich.) Wie uns von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, hat das vom Flottenbund deutscher Frauen dem Marinekorps in Flandern gestiftete Wasserflugzeug„Frauenflottenbund“ am 26. Juli in der süd⸗ lichen Nordsee englische leichte Streitkräfte mit Erfolg an⸗ gegriffen. Wieder ein englisch⸗britisches Seetreffen. Athen, 4. August. Cairi meldet, daß vor einigen Tagen auf eine Anzeige hin ein englisches Torpedoboot den Befehl erhielt, sich in eine Bucht bei Kap Hagios Georgios auf der Insel Thasos zu verstecken und das Erscheinen eines deutschen Unterseebootes ab⸗ zuwarten. Nachts erschien ein zweites englisches Torpedoboot mit ausgelöschten Lichtern, auf welches das erstere mit Volldampf los⸗ fuhr, in der Annahme, das deutsche Unterseeboot vor sich zu haben. Das ganze Vorderteil des Bootes wurde an der Wasserlinie zer⸗ stört, so daß es von einem englischen Kreuzer nach Mudroß ge— schleppt werden mußte. Unterstützung von Kriegerfamilien in Berlin. Die Zahl der in Berlin unterstützten Familien von Kriegs⸗ teilnehmern, die im August vorigen Jahres 62 980 betrug, ist im Juli auf 150 911 gestiegen, die an diese Familien im Juli ge⸗ währten Unterstützungen erforderten 6 108 821 Mark. Im ver⸗ gangenen Monat treten auch die Aufwendungen für Kriegswochen⸗ hilfe zum ersten Male mit einem größeren Betrage in die Er⸗ scheinung. Insgesamt sind bis Ende Juli an Unterstützungen für Kriegerfamilien 45 872 000 Mark zur Auszahlung gelangt. Vereinskalender. a Samstag, 7. Au gust. Wieseck. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei B. Wacker. Sonntag, 8. August. Gießen. Tabakarbeiter⸗Verband. Uhr Mitgliederversammlung im Gewerkschaftshause. Montag, 9. August. Nachmittags 3 Bekanntmachung. werden aus den von der Stadt eingekauften Beständen in dem Hofe des städtischen Hospitals, Seltersweg 11, gute Frühkartoffeln in Mengen bis zu 10 Pfund zum Preise von 8½ Pfennig pro Pfund verkauft. a Gießen, den 5. August 1915. 5 ö Der Oberbürgermeister. Keller. Bekanntmachung. Die Ausgabe der Brotmarken für die Zeit vom 9. bis 22. August ds. Js. findet 9 Samstag, den 7. August 1915 von 8—12 und 2—6 Uhr statt. Gießen, den 5. August 1915. 5. Der Oberbürgermeister: Keller Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. ö Verlag von Krumm& Cie., Gießen. 5 Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M. Praktischer Wegweiser e edler Lesdfte 1 mit eigener Mälzerei Anerkannt vorzügliche 0 1 und BErennmsterialien 9 5 Aungen fl. K. Ming Lien Joh. Fischer Telephon 1. 59019 5 722— eigener Wie Hollen, Kol und Priel. 6 Telscherelfen helle und dunkle Export- Biere 5 Georg Guht G. m. b. H. MHetzlar. Gerlach& Euler vormals J. Luy Marktpl. 19, Ochsen-, Ill. Heller Kab dene er Olonlalwaren N Heinrich Möser, Gießen Weizen- u. Roggenmehle Sämtliche Futterartikel ongroß Rüböl, Leinöl en detail Weine, Licöre Christian Inderthal MWStzlar. rkörtabr. u. Weinhandlung; Haubrinus. Brauerei 5 Nene 14. — Asad G. J. 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